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‘Abdu’l-Bahá in London á ‘Abdu’l-Bahá á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.04 (O-2021-06-12)
‘Abdu’l-Bahá in London
‘Abdu’l-Bahá
Erster Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Großbritannien vom 4. September bis zum 3. Oktober 1911
Öffentliche Ansprachen
City Temple:
Einführung
Am 10. September, dem ersten Sonntag nach ‘Abdu’l-Bahás Ankunft in England, sprach Er auf besonderen Wunsch des Pastors, Reverend R. J. Campbell, von der Kanzel des City Temple zu der zum Abendgottesdienst versammelten Gemeinde.
Obwohl man ‘Abdu’l-Bahás Kommen nicht bekannt gegeben hatte, war die Kirche bis zum letzten Platz besetzt. Kaum einer der Anwesenden wird jemals die ehrwürdige Gestalt vergessen, die in ihrem orientalischen Gewand die Stufen zur Kanzel hinaufstieg, um zum ersten Mal in ihrem Leben das Wort an eine öffentliche Versammlung zu richten. Dass dies an einem christlichen Andachtsort im Westen geschah, ist schon an sich von tiefer Bedeutung. Mr. Campbell stellte den Besucher mit einigen schlichten Worten vor, indem er sagte: »Wir als die Anhänger des Herrn Jesus Christus, der für uns das Licht der Welt ist und immer sein wird, betrachten jede Bewegung des Geistes Gottes im Leben der Menschheit mit Wohlwollen und Hochachtung, und daher begrüßen wir ‘Abdu’l-Bahá im Namen aller, die am Geist unseres Herrn teilhaben und versuchen, in diesem Geiste zu leben. Die Bahá’í-Bewegung ist mit dem geistigen Ziel des Christentums sehr eng verwandt, ich möchte fast sagen identisch.«
Bevor ‘Abdu’l-Bahá die Kirche verließ, schrieb Er in die von Priestern seit Generationen benutzte alte Bibel folgende Worte in Seiner persischen Muttersprache, hier in Übersetzung:
Eintrag in die Alte Bibel
geschrieben von ‘Abdu’l-Bahá auf Persisch
»Dieses Buch ist das Heilige Buch Gottes, ein Buch der himmlischen Eingebung. Es ist die Bibel der Erlösung, das erhabene Evangelium. Es ist das Geheimnis des Königreiches und sein Licht. Es ist die göttliche Gnadengabe, das Zeichen der Führung Gottes.
‘Abdu’l-Bahá ‘Abbás«
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás im City Temple
Sonntag, 10. September 1911
»O edle Freunde, die ihr Gott sucht! Preis sei Gott! Heute strahlt das Licht der Wahrheit in seiner ganzen Fülle über die Welt, die Brisen des himmlischen Gartens wehen durch alle Regionen, der Ruf des Königreichs wird in allen Ländern vernommen und der Odem des Heiligen Geistes von allen gläubigen Herzen erfühlt. Der Geist Gottes gibt ewiges Leben. In diesem wunderbaren Zeitalter ist der Osten erleuchtet, der Westen ist von Duft erfüllt, und überall atmet die Seele den heiligen Wohlgeruch. Das Meer der Einheit der Menschheit wogt vor Freude, denn die Herzen und Gedanken der Menschen kommen tatsächlich in Verbindung miteinander. Das Banner des Heiligen Geistes ist erhoben. Die Menschen sehen es, und die Erkenntnis dieses neuen Tages gibt ihnen Gewissheit.
Dies ist ein neuer Zyklus menschlicher Macht. Alle Horizonte der Welt sind erleuchtet, und die Welt wird wahrhaftig wie ein Garten und ein Paradies werden. Es ist die Stunde der Einheit für die Menschenkinder, die Stunde, in der alle Rassen und alle Klassen zueinander finden. Ihr seid von überlieferten abergläubischen Vorstellungen befreit, die die Menschen im Stande der Unwissenheit gehalten und die Grundlagen wahrer Menschlichkeit zerstört haben.
Die Gabe Gottes an dieses erleuchtete Zeitalter ist die Erkenntnis der Einheit der Menschheit und der grundlegenden Einheit der Religion. Der Krieg zwischen den Nationen wird aufhören, und durch den Willen Gottes wird der Größte Frieden kommen; die Welt wird als eine neue Welt gesehen werden, und alle Menschen werden wie Brüder leben.
In alten Zeiten entwickelte sich im Kampf mit wilden Tieren der Instinkt für das Kriegerische. Man braucht ihn nicht länger; nein, man erkennt vielmehr, dass Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis der Menschheit den größten Segen bringen. Feindschaft ist jetzt nur noch die Folge von Vorurteilen.
In den Verborgenen Worten sagt Bahá’u’lláh: ›Von allem das Meistgeliebte ist mir die Gerechtigkeit.‹ Gott sei gepriesen, in diesem Land wurde das Banner der Gerechtigkeit gehisst; große Anstrengungen werden gemacht, um allen Menschen einen angemessenen und rechten Platz zu geben. Dies ist der Wunsch aller edlen Naturen; dies ist heute das Gebot für Ost und West; daher werden der Osten den Westen und der Westen den Osten verstehen und schätzen, sie werden einander umarmen wie Liebende, die sich nach langer Trennung gefunden haben.
Es gibt nur einen Gott, nur eine Menschheit; die Grundlagen der Religion sind eins. Wir wollen Ihn anbeten und preisen für Seine großen Propheten und Sendboten, die Seine Lichtfülle und Seine Herrlichkeit offenbart haben.
Der Segen des Ewigen sei mit euch in all seiner Fülle, damit jede Seele entsprechend ihrer Fähigkeit, so viel sie kann, aus diesem Reichtum schöpfen mag. Amen.«A1
St. John’s, Westminster:
Einführung
Am 17. September sprach ‘Abdu’l-Bahá auf Einladung seiner Hochwürden Erzdiakon von Westminster nach der Abendmesse zur Gemeinde von Saint John the DivineA2. Mit kurzen, herzlichen, seine ganze Haltung kennzeichnenden Worten stellte Erzdiakon Wilberforce den geehrten Botschafter aus dem Osten vor, der für seine Mission des Friedens und der Einheit vierzig Jahre Gefangenschaft und Verfolgung erlitten und nun Meere und Länder durchquert hatte. Der Erzdiakon hatte für seinen Gast den Ehrensitz des Bischofs auf die Stufen vor der Kanzel stellen lassen. Er selbst stand daneben und verlas persönlich die Übersetzung der Ansprache ‘Abdu’l-Bahás. Die Gemeinde war tief bewegt. Sie folgte dem Beispiel des Erzdiakons und kniete nieder, um den Segen des Dieners Gottes zu empfangen, der mit ausgebreiteten Armen dastand, während sich in der Stille seine wundervolle Stimme melodisch hob und senkte. Als der Erzdiakon die Worte: »Wahrlich, der Osten und der Westen sind einander heute Abend an diesem heiligen Ort begegnet«, gesprochen hatte, sang die ganze Versammlung im Stehen die Hymne O God our help in ages past (O Gott, Du uns’re Hilfe in vergang’nen Zeiten), während ‘Abdu’l-Bahá und der Erzdiakon Hand in Hand durch das Seitenschiff zur Sakristei schritten.
Draußen vor der Kirche hielten die Mitglieder der Heilsarmee ihre Versammlung ab. ‘Abdu’l-Bahá war tief beeindruckt und berührt, als Er die Männer, Frauen und Kinder sah, die da nachts an der Straßenecke zu Gebet und Gesang zusammenkamen.
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás in der Kirche St. John’s, Westminster
17. September 1911
»O edle Freunde! O ihr Sucher nach dem Königreich Gottes! Der Mensch sucht überall auf der Welt nach Gott. Nur Gott existiert wirklich; doch die Wirklichkeit des Göttlichen ist über alles Verstehen geheiligt.
Die Bilder des Göttlichen, die uns in den Sinn kommen, sind das Erzeugnis unserer Phantasie; sie existieren im Reich unserer Vorstellung. Sie werden der Wahrheit nicht gerecht. Das Wesen der Wahrheit lässt sich nicht in Worte fassen.
Das göttliche Wesen lässt sich nicht erfassen, da es umfassend ist.
Auch der Mensch existiert wirklich, wird aber von Gott umfasst. Daher ist das Göttliche, das der Mensch verstehen kann, nur ein Teil; es ist nicht das Ganze. Das Göttliche ist die eigentliche Wahrheit und das wirkliche Sein, nicht irgendeine Darstellung davon. Das Göttliche birgt das All; es ist selbst nicht Inhalt eines anderen.
Obwohl dem Mineral, der Pflanze, dem Tier und dem Menschen, jedem für sich, wirkliches Sein zukommt, hat das Mineral dennoch kein Wissen von der Pflanze. Es kann die Pflanze nicht wahrnehmen. Es kann sich weder ein Bild von ihr machen noch sie begreifen.
Dasselbe gilt für die Pflanze. Sie mag noch so weit fortschreiten und sich entwickeln, nie wird sie je einen Begriff vom Tier haben oder es verstehen. Sie hat von ihm sozusagen keine Ahnung. Sie hat keine Ohren, kein Seh- und kein Begriffsvermögen.
Ebenso verhält es sich mit dem Tier. Welch große Fortschritte es innerhalb seines Schöpfungsreiches auch machen mag, wie ausgeprägt seine Empfindungen auch werden mögen, es wird keinen wirklichen Begriff von der Welt des Menschen oder dessen besonderen intellektuellen Fähigkeiten haben.
Das Tier kann weder verstehen, dass die Erde rund ist, noch dass sie sich im All bewegt. Es begreift weder den zentralen Standort der Sonne, noch kann es sich etwas wie den alldurchdringenden Äther vorstellen.
Mineral, Pflanze, Tier und der Mensch selbst sind real existierende Wesen. Aber der Unterschied zwischen ihren Schöpfungsreichen hindert die der niedrigeren Stufe Angehörenden daran, Wesen und Seinsweise der auf der höheren Stufe Stehenden zu begreifen. Da dem so ist, wie kann dann das Zeitbedingte, Irdische den Herrn der Heerscharen erfassen?
Das ist offensichtlich unmöglich!
Aber das Wesen des Göttlichen, die Sonne der Wahrheit, scheint von allen Horizonten und ergießt ihre Strahlen über alle Dinge. Jedes Geschöpf ist Empfänger eines gewissen Anteils dieser Kraft, und der Mensch, der in sich die Vollkommenheiten des Minerals, der Pflanze und des Tieres zusammen mit den ihn allein auszeichnenden Merkmalen vereint, ist zum edelsten aller erschaffenen Wesen geworden. Es steht geschrieben, dass er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Er entdeckt verborgene Mysterien und bringt versteckte Geheimnisse ans Licht. Durch Wissenschaft und Kunst lässt er verborgene Kräfte ins Reich der sichtbaren Welt treten. Der Mensch erkennt die in den erschaffenen Dingen verborgenen Gesetze und arbeitet mit ihnen.
Der vollkommene Mensch, der Prophet, ist am Ende jener, der verklärt wurde, der die Reinheit und Klarheit eines vollkommenen Spiegels besitzt und die Sonne der Wahrheit widerspiegelt. Von einem solchen vollkommenen Menschen, einem solchen Propheten oder Sendboten, können wir sagen, in ihm wohnt das Licht des göttlichen Wesens mit seinen himmlischen Vollkommenheiten.
Wenn wir behaupten, die Sonne sei im Spiegel sichtbar, dann meinen wir nicht, dass die Sonne selbst aus den heiligen Höhen ihres Himmels herabgestiegen und in den Spiegel eingetreten sei! Das ist unmöglich. Die Göttliche Natur wird in ihren Manifestationen sichtbar, und ihr Licht und Glanz zeigen sich in höchstem Ruhm.
Darum sind die Menschen zu allen Zeiten von den Propheten Gottes gelehrt und geführt worden. Die Propheten Gottes sind die Mittler Gottes. Alle Propheten und Boten sind von dem Einen Heiligen Geist gekommen und tragen die Botschaft Gottes, die jeweils dem Zeitalter angepasst ist, in dem sie erscheinen. Das Eine Licht ist in ihnen, und sie sind eins untereinander. Aber das Ewige wird nicht zur Erscheinung, noch kann die bloße Erscheinung zum Ewigen werden.
Der große Apostel Paulus hat gesagt: ›Wenn wir mit offenem Angesicht wie in einem Spiegel die Herrlichkeit Gottes schauen, werden wir alle in dieses selbe Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.‹Q1
O Gott, o Vergeber! O Himmlischer Erzieher! Diese Versammlung ist mit der Erwähnung Deines heiligen Namens geschmückt. Deine Kinder wenden ihr Antlitz Deinem Königreiche zu, die Herzen werden beglückt und die Seelen erquickt.
Gnädiger Gott! Gib, dass wir unsere Verfehlungen bereuen! Nimm uns an in Deinem himmlischen Königreich und weise uns eine Stätte zu, wo es kein Irren gibt. Gib uns Frieden, gib uns Wissen und öffne vor uns die Tore Deines Himmels.
Du bist der Geber aller Gaben! Du bist der Vergebende! Du bist der Gnädige. Amen.«
Theosophische Gesellschaft:
Einführung
Auf ausdrücklichen Wunsch der Vorsitzenden, Mrs. Annie Besant, besuchte ‘Abdu’l-Bahá am 30. September die Theosophische Gesellschaft in ihrem neuen Zentrum. Nachdem Mr. A. P. Sinnett kurz die Geschichte der Gesellschaft vorgetragen und freundliche Willkommensworte gesprochen hatte, erhob sich ‘Abdu’l-Bahá und hielt vor der zahlreichen Zuhörerschaft eine Rede über die unterscheidenden Merkmale der Bahá’í-Lehren, wobei Er die eifrige Suche der Gesellschaft nach Wahrheit mit herzlichen Worten würdigte.
Rede ‘Abdu’l-Bahás im Theosophischen Zentrum
30. September 1911
»Verehrte Versammlung, o Freunde der Wahrheit! Das natürliche Wesen des Feuers ist, zu brennen, das natürliche Wesen der Elektrizität, Licht zu spenden, das natürliche Wesen der Sonne, zu scheinen, und das natürliche Wesen der organischen Erde die Kraft, etwas wachsen zu lassen.
Eine Sache lässt sich nicht von ihren natürlichen, ihr Wesen ausmachenden Eigenschaften abtrennen.
Es liegt im natürlichen Wesen der Dinge auf dieser Erde, sich zu verändern. Deshalb beobachten wir um uns herum den Wechsel der Jahreszeiten. Jedem Frühling folgt ein Sommer und jedem Herbst ein Winter, jedem Tag eine Nacht und jedem Abend ein Morgen. Alle Ereignisse geschehen folgerichtig der Reihe nach.
So kam es, dass, als Hass und Feindschaft, Kampf, Gemetzel und große Herzenskälte diese Welt regierten und Finsternis über die Nationen hereinbrach, am Horizont Persiens Bahá’u’lláh wie ein heller Stern erschien und mit dem machtvollen Licht der Führung leuchtete, himmlischen Strahlenglanz spendete und die neue Lehre stiftete.
Er sprach von den höchsten Tugenden des Menschen. Er machte die Kräfte des Geistes offenbar und zeigte, wie sie sich in der Welt, die Er vorfand, in die Praxis umsetzen lassen.
Erstens: Er legt großen Nachdruck auf das Suchen nach Wahrheit. Dies ist von höchster Bedeutung, denn die Menschen lassen sich nur zu leicht von Traditionen leiten. Allein aus diesem Grund entstehen oft Feindschaft und Streit.
Das Offenbarwerden der Wahrheit jedoch macht das zuvor Dunkle plötzlich erkennbar und wird zur Ursache der Harmonie zwischen Glaubensrichtungen und Bekenntnissen, denn die Wahrheit kann nicht zweigeteilt sein! Das ist nicht möglich.
Zweitens: Bahá’u’lláh lehrte die Einheit der Menschheit, das bedeutet, dass alle Menschenkinder unter der Barmherzigkeit Gottes, des Herrn, stehen. Sie sind die Söhne eines Gottes, sie werden von Gott erzogen. Er setzt jedem einzelnen Gottesdiener die Krone des Menschseins aufs Haupt. Deshalb müssen alle Nationen und Völker einander als Brüder betrachten. Sie sind die Zweige, Blätter, Blüten und Früchte eines Baumes. Sie sind Perlen aus einer Muschel. Jedoch brauchen die Menschenkinder Erziehung und Kultur, und sie müssen poliert werden, bis sie strahlen und glänzen.
Beide, Männer und Frauen, sollten die gleiche Erziehung erhalten und als gleichwertig betrachtet werden.
Rassische, vaterländische, religiöse und Klassenvorurteile waren und sind die Ursache für den Niedergang der Menschheit.
Drittens: Nach der Lehre Bahá’u’lláhs ist Religion das wichtigste Fundament für Liebe und Einheit und die Ursache für Harmonie. Wird eine Religion zum Anlass für Hass und Missklang, wäre es besser, es gäbe sie gar nicht. Ohne eine solche Religion zu sein, wäre besser, als mit ihr zu leben.
Viertens: Religion und Wissenschaft sind eng miteinander verflochten und können nicht getrennt werden. Sie sind die beiden Flügel, mit denen die Menschheit fliegen muss. Ein Flügel genügt nicht. Jede Religion, die sich nicht mit Wissenschaft befasst, ist bloße Tradition und geht am Wesentlichen vorbei. Deshalb sind für ein erfülltes religiöses Leben Wissenschaft, Bildung und Kultur absolute Notwendigkeiten.
Fünftens: Die Wirklichkeit der Religionen Gottes ist eine gemeinsame, denn es gibt nur eine einzige Wirklichkeit; es kann nicht zwei Wirklichkeiten geben. Alle Propheten stimmen in ihrer Botschaft felsenfest überein. Sie sind wie die Sonne: Sie gehen zu den verschiedenen Jahreszeiten an unterschiedlichen Punkten des Horizontes auf. Darum verkündete jeder Prophet früherer Zeitalter die Frohbotschaft einer kommenden Zeit, und jede neue Zeit hat die Vergangenheit anerkannt.
Sechstens: Gleichheit und Brüderlichkeit müssen unter allen Gliedern der menschlichen Gemeinschaft herrschen. Das entspricht der Gerechtigkeit. Die allgemeinen Menschenrechte müssen geschützt und festgeschrieben werden.
Alle Menschen müssen gleich behandelt werden. Dies ist im Wesen des Menschen angelegt.
Siebtens: Die Lebensbedingungen der Menschen müssen so gestaltet werden, dass die Armut verschwindet und jeder seiner Stellung und seinem Rang entsprechend soweit wie möglich sorgenfrei leben kann. Wenn der Adel und andere hochrangige Personen angenehme Verhältnisse genießen, sollen auch die Mittellosen in der Lage sein, ihr tägliches Brot zu erwerben und nicht an den Rand des Verhungerns getrieben werden.
Achtens: Bahá’u’lláh verhieß den Größten Frieden. Alle Nationen und Völker werden unter dem Schatten des Zeltes des großen Friedens und der Harmonie zusammenkommen. Das bedeutet, dass durch allgemeine Wahl ein Oberster Gerichtshof geschaffen werden muss, der die Aufgabe hat, Differenzen und Konflikte zwischen den Mächten beizulegen, so dass Kontroversen nicht mehr zu Kriegen führen.
Neuntens: Bahá’u’lláh lehrte, dass die Herzen den besonderen Segen des Heiligen Geistes auf sich ziehen müssen, so dass eine geistige Kultur entstehen kann, denn materielle Zivilisation genügt den Bedürfnissen der Menschheit nicht und kann ihr Glück nicht bewirken. Materielle Zivilisation ist wie der Körper und geistige Zivilisation wie die Seele. Ein Körper kann ohne Seele nicht leben.
Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Lehren Bahá’u’lláhs. Um dies zu lehren, musste Bahá’u’lláh große Schwierigkeiten und Bedrängnis auf sich nehmen. Er war zeitlebens ein Gefangener und musste schwere Verfolgung erdulden. Aber in der FesteA3 errichtete Er einen Palast des Geistes, und aus der Dunkelheit Seines Kerkers sandte Er ein großes Licht in die Welt.
Die Bahá’í haben den sehnlichen Wunsch, diese Lehren überall in die Tat umzusetzen, und sie streben mit Herz und Seele danach, ihr Leben diesem Ziel zu widmen, bis das himmlische Licht die ganze Menschenwelt erleuchtet.
Ich bin sehr glücklich, dass ich bei dieser Versammlung zu Ihnen sprechen durfte, und hoffe, dass dieses mein ernstes Anliegen Ihnen annehmbar erscheint.
Ich bete für Sie um Erfolg in Ihren Bestrebungen und dass Ihnen die Gnadengaben des Reiches Gottes zuteilwerden mögen.«
Abschiedsempfang:
Einführung
Am Abend des Sankt-Michaels-Tages gab man für ‘Abdu’l-Bahá im großen Saal des Passmore Edwards’ Settlement einen großen Empfang. Der Raum war mit Vertretern aller Berufssparten, manche von weit her angereist, bis auf den letzten Platz besetzt.
Auf der Tribüne war ‘Abdu’l-Bahá von Männern verschiedenster Denkrichtungen umringt, die ihre Sympathie für die Arbeit und den Auftrag ihres ehrenwerten Besuchers bekunden wollten. Den Vorsitz führte Professor Michael E. Sadler.
Die Veranstaltung begann mit dem Vaterunser, von allen Anwesenden gemeinsam gesprochen. Darauf folgte das Gebet Bahá’u’lláhs um Einheit sowie ein Gebet aus dem fünften Jahrhundert, das Papst GelasiusA4 zugeschrieben wird. Professor Sadler sprach dann Worte, die allen Zuhörern im Gedächtnis bleiben werden. In seiner Ansprache zitierte er aus einem Gebet für die ganze Menschheit, welches ein tief gläubiger Bahá’í ‘Abdu’l-Bahá ein Jahr zuvor in Ägypten vorgelegt hatte, das ‘Abdu’l-Bahá dann vervollständigte und den Menschen aller Glaubensrichtungen in Ost und West ans Herz legte.
Dem Vorsitzenden folgten Sir Richard Stapley, Mr. Eric Hammond, Mr. Claude Montefiore, Mrs. Stannard aus Ägypten und einige andere. Als ‘Abdu’l-Bahá den Saal verließ, drängten sich auf dem Bürgersteig die Armen aus der Umgebung, um Ihn zu sehen. Ein lahmes Mädchen auf Krücken, das Ihn sehnsüchtig anschaute, wurde extra zu Ihm hingeführt.
Abschiedstreffen für ‘Abdu’l-Bahá
29. September 1911
Auf Einladung von Mrs. Thornburgh-Cropper fanden sich am letzten Freitagabend im großen Saal des Passmore Edwards’ Settlement, Tavistock Place, etwa vierhundertsechzig Damen und Herren der Gesellschaft ein, um ‘Abdu’l-Bahá ‘Abbás am Vorabend Seiner Abreise nach Paris Lebewohl zu sagen. Seit Seiner Ankunft in London am Abend des 4. September verbrachte Er vier glückliche, ereignisreiche Wochen in unserer Mitte. Abgesehen von einem Kurzbesuch in Bristol letzte Woche weilte Er in Cadogan Gardens 97. Seine Zeit wurde vorwiegend von Gesprächen mit Menschen in Anspruch genommen, die Ihn gerne treffen wollten. Darunter waren nicht wenige, deren Namen in diesem Land in aller Munde sind, und einige reisten von weit her an, um Ihm persönlich zu begegnen.
Am Freitagabend herrschte ein wunderbarer Geist. Die Stimmung unterschied sich sehr von der einer gewöhnlichen Versammlung oder religiösen Zusammenkunft. Jeder Anwesende wurde durch die feine, geistige Atmosphäre der Veranstaltung bereichert. Die angesprochenen Themen kreisten alle um Brüderlichkeit, Einheit und Frieden. Ein Bericht über die Ansprachen kann höchstens eine unzureichende Ahnung von deren Wirkung vermitteln, aber sie waren alle so gut durchdacht, so aufrichtig und so vorzüglich in Worte gefasst, dass sie der Wiedergabe wert sind. Neben anderen Personen teilte Amír ‘Alí Siyyid schriftlich sein Bedauern mit, dass er nicht anwesend sein konnte, und Erzdiakon Wilberforce sandte eine herzliche Grußbotschaft.
Nach dem Vaterunser und Gebeten für Einheit, verfasst von Bahá’u’lláh und Gelasius (fünftes Jahrhundert) sprach Professor Michael Sadler die folgenden Worte.
Ansprache von Professor Michael Sadler
»Wir sind zusammengekommen, um ‘Abdu’l-Bahá Lebewohl zu sagen und um Gott zu danken für Sein Vorbild und die Lehren, die Er gegeben hat, sowie für die Macht Seines Gebets, Licht in verworrenes Denken zu bringen, Hoffnung an die Stelle von Furcht zu setzen, Glaube dorthin zu tragen, wo Zweifel herrschte, und in gequälte Herzen die Liebe zu senken, die Selbstsucht und Angst überwindet.
Obwohl wir alle trotz gemeinsamer Glaubensbekenntnisse doch unterschiedliche persönliche Überzeugungen hegen, hat ‘Abdu’l-Bahá für uns alle eine Botschaft von Einheit, Mitmenschlichkeit und Frieden. Er fordert uns auf, aufrichtig und ehrlich zu sein in dem, was wir als Glauben bekennen, und vor allen Dingen den Geist zu ehren, der hinter der Form steht. Mit Ihm verbeugen wir uns vor dem verborgenen Namen, vor dem, was eines jeden Lebens innerster Kern ist. Er gebietet uns, in furchtloser Treue zu unserem eigenen Glauben Gott zu dienen, jedoch mit wachsendem Verlangen nach Einheit, Brüderlichkeit und Liebe, so dass wir uns mit der Kraft des Geistes und aus vollem Herzen aufmachen, die über Klasse und Rasse erhabene zeitlose Absicht Gottes besser zu begreifen.«
Professor Sadler schloss mit einem wunderschönen Gebet von James Martineau.
Mr. Eric Hammond sagte, die Bahá’í-Bewegung trete für die Einheit ein, das bedeute: ein Gott, eine Menschenfamilie. Ungezählt viele Seelen bekundeten die göttliche Einheit, eine so vollkommene Einheit, dass Unterschiede in Farbe oder Konfession keinen Raum lassen, zwischen den Manifestationen Gottes zu unterscheiden. Alle diese Seelen legten eine umfassende Menschenliebe an den Tag, die auch die sozial am tiefsten stehenden und die unbedeutendsten, heruntergekommensten Menschen mit einschloss. Einigkeit, Mitgefühl und Brüderlichkeit führten letztendlich zu universeller Eintracht. Er schloss mit einem Zitat von Bahá’u’lláh, wonach die Sache Gottes für das Wohl der Welt bestimmt sei und weder auf den Osten noch auf den Westen beschränkt werden könne.
Miss Alice Buckton sagte, wir stünden am Beginn einer der Frühlingszeiten der Welt. Der Einfluss, der von dieser Zusammenkunft von Vertretern der Welt des Denkens, der Arbeit und der Liebe ausgehe, werde weltweit Einheit und Brüderlichkeit bewirken. Die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau sei eines der hervorstechendsten Merkmale der Bahá’í-Lehre.
Sir Richard Stapley hob hervor, dass Einheit nicht in Bräuchen und formalen Nebensachen, sondern im inneren Geist der Religion gesucht werden muss. Persien habe einen solchen Impuls hin zu wirklicher Einheit erfahren; für dieses sogenannte christliche Land sei das wie eine Rüge.
Mr. Claude Montefiore freute sich als Jude über den wachsenden Geist der Einheit und sah in diesem Treffen ein Vorzeichen für das Herannahen besserer Zeiten und in gewisser Hinsicht die Erfüllung der von einem römisch-katholischen Märtyrer, Sir Thomas More, ausgesprochenen und beschriebenen Idee von der großen Kirche der Utopier, in der alle verschiedenen Glaubensrichtungen sich versammeln und einen Gottesdienst mit einer Liturgie abhalten, die eine höhere Einheit bekundet und gleichzeitig besondere Treuebindungen zulässt.
Mrs. Stannard ging näher darauf ein, was diese Versammlung und die hier ausgedrückten Gefühle für den Osten und dort besonders für die Frauen und deren im Westen schwer begreifbare Lage bedeuteten.
Tammaddun’ul-Mulk bestätigte den einigenden Einfluss, den die Bahá’í-Bewegung in Persien gehabt habe, und auf welch erstaunliche Weise sie sich in Amerika und anderen Ländern verbreitet habe.
Dann erhob sich ‘Abdu’l-Bahá, um Seine Abschiedsrede zu halten. Als eindrucksvolle Gestalt, die Gesichtszüge eher erschöpft, aber die Augen voller Leben, stand Er etwa fünfzehn Minuten da und sprach in sanft melodischem Persisch. Mit ausgebreiteten Armen, die Handflächen nach oben, schloss Er mit einem Gebet.
Abschiedsrede ‘Abdu’l-Bahás
»O edle Freunde und Sucher nach dem Reich Gottes! Vor etwa sechzig Jahren, zu einer Zeit, als das Feuer des Krieges unter den Nationen der Welt loderte und die Menschheit Blutvergießen für ehrbar hielt, zu einer Zeit, als das Abschlachten Tausender die Erde mit Blut befleckte, Kinder ihrer Väter beraubt wurden, Väter keine Söhne mehr hatten und Mütter sich in Tränen verzehrten, als die Finsternis des Hasses und der Feindschaft zwischen den Rassen die Menschheit zu verschlingen und das göttliche Licht zu verhüllen drohte, als das Wehen des heiligen Hauches Gottes scheinbar erstickt wurde – in dieser Zeit erhob sich am Horizont Persiens Bahá’u’lláh gleich einem strahlenden Stern. Er war betraut mit der Botschaft von Frieden und Brüderlichkeit unter den Menschen.
Er brachte der Welt das Licht der Führung; Er entzündete das Feuer der Liebe und offenbarte die erhabene Wirklichkeit des Wahren Geliebten. Vorurteilen der Rasse und der Religion und politischer Rivalität suchte Er den Boden zu entziehen.
Er verglich die Menschenwelt mit einem Baum und alle Nationen mit dessen Zweigen und die Menschen mit seinen Blättern, Knospen und Früchten.
Es war Sein Anliegen, unwissenden Fanatismus in allumfassende Liebe zu wandeln, im Denken und Fühlen Seiner Anhänger die Grundlage für die Einheit der Menschheit zu legen und die Gleichheit der Menschen praktisch herbeizuführen. Er sprach von der Gleichheit aller Menschen unter der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.
Alsdann wurde das Tor des Reiches Gottes weit geöffnet, und die Sonne eines neuen Himmels auf Erden offenbarte sich den wahrhaft sehenden Augen.
Bahá’u’lláh war jedoch Zeit Seines Lebens von schweren Heimsuchungen betroffen und grausamer Unterdrückung ausgeliefert. In Persien wurde Er ins Gefängnis geworfen und in Ketten gelegt und lebte unter ständiger Bedrohung des Schwertes. Er wurde verhöhnt und ausgepeitscht.
Als Er etwa dreißig Jahre alt war, verbannte man Ihn nach Baghdád, dann von Baghdád nach Konstantinopel, von dort nach Adrianopel und zuletzt in die Festung ‘Akká.
Doch selbst in Ketten und aus Seiner Gefängniszelle heraus gelang es Ihm, Seine Sache zu verbreiten und das Banner der Einheit der Menschheit aufzupflanzen.
Gelobt sei Gott! Jetzt sehen wir das Licht der Liebe im Osten wie im Westen leuchten, und das Zelt der Brüderlichkeit ist inmitten aller Völker errichtet worden, auf dass alle Herzen und Seelen sich darin versammeln mögen.
Der Ruf des Gottesreiches ist erschallt, und die Kunde, dass die Welt den universalen Frieden dringend nötig hat, brachte das Weltgewissen zur Einsicht.
Ich hoffe, dass durch die inbrünstige Hingabe derer, die reinen Herzens sind, die Finsternis aus Hass und Streit gänzlich getilgt und der Liebe und Einheit Licht leuchten werde. Diese Welt soll eine neue Welt werden. Materielles soll zum Spiegel des Göttlichen werden. Menschenherzen sollen einander begegnen und einander bereitwillig annehmen. Die ganze Welt soll zum Heimatland des Menschen werden und die verschiedenen Rassen als eine einzige gelten.
Wortstreit und Uneinigkeit werden dann dahinschwinden und der göttliche Geliebte wird auf dieser Erde offenbar werden.
Wie Ost und West von einer Sonne erleuchtet werden, so wird man alle Rassen, Nationen und Glaubensbekenntnisse als die Diener des einen Gottes ansehen. Die ganze Erde ist eine Heimat, und alle Völker sind in die Einheit der Gnade Gottes eingetaucht – würden sie es nur erkennen. Gott hat sie alle erschaffen. Er sorgt für alle. Er leitet und erzieht alle unter der Obhut Seiner Gnadenfülle. Wir müssen dem Beispiel folgen, das Gott selbst uns gibt, und allen Hader und Wortstreit aus der Welt schaffen.
Gelobt sei Gott! Die Zeichen der Freundschaft mehren sich, und als Beweis dafür habe ich heute, vom Osten kommend, in diesem westlichen London in höchstem Maße Wohlwollen, Achtung und Liebe erfahren. Ich bin zutiefst dankbar und glücklich. Die mit Ihnen gemeinsam verbrachten Stunden werde ich niemals vergessen.
Vierzig Jahre habe ich in einem türkischen Gefängnis verbracht. Dann rüttelte 1908 das Komitee für Einheit und Fortschritt der Jungtürken an den Toren der Tyrannei und ließ alle Gefangenen frei, auch mich. Gott möge alle segnen, die für Einheit und Fortschritt arbeiten. Darum bete ich.
In Zukunft wird man unwahre Berichte über Bahá’u’lláh ausstreuen, um die Verbreitung der Wahrheit zu verhindern. Ich sage Ihnen das, damit Sie wachsam und vorbereitet sind.
Ich nehme von Ihnen Abschied mit dem Gebet, dass Sie die Schönheit des Gottesreichs in ihrer ganzen Fülle empfangen mögen. In tiefem Bedauern darüber, dass wir uns trennen müssen, sage ich Ihnen Lebewohl.«
Nachdem Professor Sadler die Übersetzung der Abschiedsrede verlesen hatte, spendete ‘Abdu’l-Bahá zum Abschluss der Zusammenkunft mit melodischer und rhythmisch bewegter Stimme allen Seinen Segen.
Wenn diese Zeilen erscheinen, wird ‘Abdu’l-Bahá unsere Küsten bereits verlassen haben. Die Erinnerung an Seine gütige Persönlichkeit ist jedoch ein bleibender Schatz. Sein Einfluss wird noch in künftigen Zeiten zu spüren sein. Bereits jetzt hat Er sehr viel dazu beigetragen, die von vielen seit langem ersehnte Einigung von Ost und West voranzubringen.
London W., 10 Cheniston Gardens
Die nachfolgenden Aufzeichnungen wurden The Quarterly Record of ›Higher Thought‹ Work (Zentrum für Höheres Denken) vom November 1911 entnommen.
Eine der interessantesten und bedeutendsten Veranstaltungen, die stattfanden, war der Besuch ‘Abdu’l-Bahás in London. Der persische Weise hat Sein im Gefängnis verbrachtes Leben in den Dienst der Förderung von Frieden und Einheit gestellt und verfolgt dabei die einzig zielführende Methode, nämlich die Förderung der geistigen Entwicklung des Einzelmenschen. Er muss im wahrsten Sinne des Wortes »viel ertragen«, und »das Licht geschaut«Q2 haben. Er wurde nicht nur privat von fast jedem ernsthaften Wahrheitssucher und wegweisenden Denker in London besucht. Seine Botschaft wurde auch Tausenden vermittelt, die Seinen Namen zuvor kaum je gehört hatten.
‘Abdu’l-Bahá kannte das Higher Thought Centre gut als den Ort, an dem die Bahá’í ihre wöchentlichen Versammlungen unter der Leitung von Miss Rosenberg abhielten, und erst zwei Tage vor Seiner Abreise nahm Er eine Einladung in das Zentrum an. ‘Abdu’l-Bahá ließ durch Seinen Übersetzer Grußworte übermitteln und hielt eine kurze, eindrucksvolle Ansprache, in der Er hervorhob, welch ein Segen auf einer solchen Versammlung ruhe, die in einer Atmosphäre von Einheit und geistigem Streben zusammenkam. Er schloss mit einem demütig gesprochenen Gebet in Seiner Muttersprache und einem Segenswunsch, den alle Anwesenden als sehr aufrichtig empfanden.
Am nächsten Tag traf im Zentrum eine Botschaft ‘Abdu’l-Bahás ein, in der Er Seine große Dankbarkeit für all das Wohlwollen ausdrückt, das den Bahá’í erwiesen wird, und die mit den Worten endet: »Es kommt nicht darauf an, wie sich jemand nennt – es gibt nur eine große Aufgabe!«
»Christus ist stets gegenwärtig in der Welt des Seins. Er hat sie nie verlassen … Seid gewiss, dass Christus anwesend ist. Die geistige Schönheit, die wir heute um uns wahrnehmen, entstammt dem Lebenshauch Christi.«
Botschaft von ‘Abdu’l-Bahá, verfasst für The Christian Commonwealth
veröffentlicht am 29. September 1911
»Gott sendet Propheten, damit sie die Menschen erziehen und die Menschheit Fortschritte macht. Jede dieser Manifestationen Gottes hat die Menschheit vorangebracht. Durch Gottes Gnade dienen sie der ganzen Welt. Den sicheren Beweis, dass sie Offenbarer Gottes sind, erbringt die Erziehung und Weiterentwicklung der Menschen. Die Juden waren in einem Zustand tiefster Unwissenheit und Gefangene des Pharao, als Moses erschien und sie auf eine hohe Kulturstufe führte. So kam das Reich Salomos zustande und die Menschheit lernte Wissenschaft und Kunst kennen. Selbst griechische Philosophen studierten die Lehren Salomos. Damit wurde die Prophetenschaft Mose unter Beweis gestellt.
Im Laufe der Zeit sind die Israeliten moralisch verkommen und wurden von den Römern und den Griechen unterworfen. Da erhob sich am Horizont über den Israeliten der strahlende Stern Jesu und erleuchtete die Welt, bis allen Sekten, Bekenntnissen und Völkern das an der Einheit so Wunderbare kundgetan war. Es gibt keinen besseren Beweis als diesen für die Tatsache, dass Jesus das Wort Gottes war.
Ebenso verhielt es sich mit den Völkern Arabiens, die als unzivilisiert galten und von den Persern und Griechen unterdrückt wurden. Als das Licht Muḥammads zu leuchten begann, erstrahlte ganz Arabien. Diese unterdrückten und gering geschätzten Völker wurden aufgeklärt und kultiviert und zwar in solchem Maße, dass andere Völker die arabische Zivilisation übernahmen. Das war der Beweis für Muḥammads göttliche Sendung.
Alle Lehren der Propheten sind wesenseins. So gibt es nur eine Religion, ein die Welt erleuchtendes göttliches Licht. Unter dem Banner der Einheit der Menschheit sollten nun alle Menschen jedweden Bekenntnisses ihre Vorurteile ablegen, Freunde werden und an alle Propheten glauben. Wie die Christen an Moses, so sollten die Juden an Christus glauben. Wie die Muslime an Christus und Moses, so sollten die Juden und Christen gleichfalls an Muḥammad glauben. Dann gäbe es keinen Streit mehr, so wären alle vereint. Genau zu diesem Zweck erschien Bahá’u’lláh. Er machte aus den drei Religionen eine. Er hob inmitten der Welt das Banner der Glaubenseinheit und der Ehre der Menschheit empor. Um dieses müssen wir uns heute scharen und mit Herz und Seele versuchen, die Einigung der Menschheit zuwege zu bringen.«
Ansprache, gehalten beim Einigkeitstreffen im Heim von Miss E. J. Rosenberg
am 8. September 1911
»Preis sei Gott, dass in London eine solche Versammlung der Reinheit und Standhaftigkeit stattfindet. Die Herzen der Anwesenden sind makellos und dem Reiche Gottes zugewandt. Ich hoffe, dass alles, was die Heiligen Bücher Gottes beinhalten und als Wahrheit verkünden, in euch zum Tragen kommt. Die Boten Gottes sind die wichtigsten und besten Lehrer. Wann immer diese Welt sich verfinstert, gleichgültig wird und die Meinungen auseinandergehen, schickt Gott einen Seiner heiligen Boten.
Moses erschien in einer solch dunklen Zeit, in der die Menschen vielerorts unwissend, naiv und wankelmütig waren. Moses war der von Gott gesandte Lehrer. Er lehrte Heiligkeit und erzog die Israeliten. Er holte das Volk aus seinem unwürdigen Zustand heraus und brachte es dazu, sich hohes Ansehen zu erwerben. Er lehrte sie Wissenschaft und Kunst, schulte sie in Kultur und vermehrte ihre menschlichen Tugenden. Nach einiger Zeit ging das, was sie von Gott erhalten hatten, wieder verloren. Der Rückkehr schlechter Eigenschaften wurde der Weg geebnet und Tyrannei unterdrückte die Welt.
Da kündigte sich erneut das Licht der Wirklichkeit an und der Odem des Heiligen Geistes war zu spüren. Die Wolke himmlischer Gnade spendete Regen, der Führung Licht leuchtete über die Erde. Die Welt legte ein neues Gewand an, die Menschen wurden neue Menschen, die Einheit der Menschheit wurde verkündet. Die wunderbare Einheit im Denken verwandelte die Menschheit und schuf eine neue Welt. Doch wiederum haben die Menschen nach einiger Zeit alles vergessen. Die Lehren Gottes beeinflussten ihr Leben nicht mehr. Seine Weissagungen und Gebote verblassten und die Menschen verbannten sie aus ihren Herzen. Wieder herrschten Gewalt und Achtlosigkeit.
Dann erschien Bahá’u’lláh und erneuerte wiederum das Fundament des Glaubens. Er rief die Lehren Gottes und die Werke der Menschlichkeit in der Zeit Christi ins Leben zurück. Er löschte den Durst der Dürstenden, rüttelte die Achtlosen wach und lenkte die Aufmerksamkeit der Nachlässigen auf die göttlichen Geheimnisse. Er verkündete die Einheit der Menschheit und verbreitete die Lehre von der Gleichwertigkeit aller Menschen.
Deshalb solltet ihr alle mit Herz und Seele danach streben, die Menschen durch Wohlwollen zu gewinnen, auf dass diese wunderbare Einheit fest gegründet, kindischer Aberglaube überwunden und alle eins werden mögen.«
Ansprache im Hause Thornburgh-Cropper
am 13. September 1911
‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Dank sei Gott! Dies ist ein schönes Treffen. Es ist wirklich erleuchtet, es ist vergeistigt.
Ein persischer Dichter schrieb einmal: ›Das Himmelsall wurde so geformt, dass die irdische Welt die höhere Welt widerspiegelt.‹ Das soll bedeuten, dass alles im Himmel Vorhandene in dieser Erscheinungswelt sein Spiegelbild hat. Nun, gelobt sei Gott, dieses unser Treffen ist ein Widerschein der himmlischen Versammlung, es ist, als ob wir einen Spiegel genommen und hineingeschaut hätten. Dieses Spiegelbild der himmlischen Versammlung kennen wir als Liebe.
Die unter den himmlischen Heerscharen herrschende Liebe findet sich hier wieder. Die himmlischen Heerscharen sind von der Sehnsucht nach Gott erfüllt, und dieses Sehnen ist – Gott sei Dank – auch hier zu spüren.
Wenn wir also sagen, diese Zusammenkunft sei himmlisch, entspricht es der Wahrheit. Warum? Weil wir nichts anderes begehren als was von Gott kommt. Allein Gottes zu gedenken, ist unser Sinn.
Manche Menschen auf dieser Erde trachten nach Herrschaft über andere. Einige sehnen sich nach Ruhe und Bequemlichkeit, andere erstreben eine hohe Stellung, manche möchten gerne berühmt werden – Gott sei Dank sehnen wir uns nach Geistigkeit und Gemeinschaft mit Gott.
Wir, die wir hier versammelt sind, möchten das Banner der Einheit Gottes hissen, Gottes Licht verbreiten und die Menschenherzen dazu bringen, sich dem Reiche Gottes zuzuwenden. Ich danke darum Gott, dass Er uns dieses große Werk vollbringen lässt.
Ich bete darum, dass ihr alle himmlische Krieger werdet, überall die Einheit Gottes verkünden und Ost und West erleuchten möget, und dass ihr die Liebe Gottes in alle Herzen tragt. Dies ist meine höchste Sehnsucht, und ich bitte Gott, dass ihr den gleichen Wunsch hegen möget.
Mein Beisammensein mit euch allen macht mich sehr glücklich. Ich fand Gefallen am englischen König, der Regierung und dem Volk.
Ihr könnt Gott danken, dass ihr in diesem Land so frei seid. Ihr könnt gar nicht ahnen, welcher Mangel an Freiheit im Osten herrscht. Wer immer in dieses Land kommt, kann zufrieden sein.
Ich wünsche euch allen Gottes Schutz und sage euch allen Lebewohl.«
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás beim Einigkeitsfest von Miss Jack und Miss Herrick
am 22. September 1911
»Heute ist ein kalter, unfreundlicher Tag. Da ich euch jedoch sehr gerne sehen wollte, kam ich hierher. Für einen liebenden Menschen ist Anstrengung eine Erholung. Um seine Freunde zu besuchen, nimmt er jede Entfernung in Kauf.
Ich sehe, dass ihr – Gott sei Dank – vergeistigt und entspannt seid. Ich bringe euch diese Botschaft Gottes: Ihr müsst euch Ihm zuwenden. Danket Gott, dass ihr Ihm nahe seid! Die wertlosen Dinge dieser Welt haben euch nicht von der Suche nach der geistigen Welt abgehalten. Wenn ihr auf jene Welt eingestimmt seid, dann macht ihr euch nichts aus vergänglichem Tand. Euer Streben gilt dann dem Unsterblichen, und das Reich Gottes liegt offen vor euch. Ich hoffe, dass sich die Lehren Gottes über die ganze Welt verbreiten werden und alle Menschen dazu bringen, einig zu sein.
Zur Zeit Jesu ergoss sich das Licht von Ost nach West, führte die Menschen unter einem Himmelsbanner zusammen und erleuchtete sie mit himmlischer Erkenntnis. Das Licht Christi entflammte die westlichen Länder. Möge in diesem fortgeschrittenen Zeitalter das göttliche Licht die Welt so erhellen, dass alle sich um das Banner der Einheit scharen und geistig erzogen werden. Darum bete ich inständig.
Dann werden die Probleme, die unter den Völkern der Erde Streit auslösen, verschwunden sein, weil es sie an sich nicht gibt. Ihr seid alle die Wogen eines Meeres, die Spiegel einer Lichtquelle.
Heute herrscht in den Ländern Europas Ruhe. Bildung wird groß geschrieben. Die Freiheitsfackel ist das Licht des Westens. Die Regierungen in den westlichen Ländern bemühen sich um Wahrheit und Gerechtigkeit. Aber seit jeher leuchtet das Licht der Geistigkeit vom Osten her. In diesem Zeitalter verblasste dieses Licht. Die Religion ist zu einer Formsache geworden und beschränkt sich auf Zeremonien, und die Sehnsucht nach der Liebe Gottes ist verloren gegangen.
In jeder von tiefer geistiger Finsternis erfüllten Zeit wird im Osten ein Licht entzündet. So kam das Licht göttlicher Lehren erneut zu euch. Genau wie Bildung und Fortschritt von West nach Ost wandern, so wandert das geistige Feuer von Ost nach West.
Die Menschen im Westen mögen, so hoffe ich, vom Lichte Gottes erleuchtet werden, so dass das Reich Gottes zu ihnen kommt, sie ewiges Leben erlangen, der Geist Gottes sich unter ihnen wie ein Lauffeuer verbreitet und sie mit dem Wasser des Lebens getauft und neu geboren werden.
Dies ist meine Sehnsucht. Beim Willen Gottes hoffe ich, Er möge euch bereit machen, diesen meinen Wunsch aufzunehmen, und euch glücklich werden lassen.
Möget ihr im selben Maße, in dem ihr Bildung und Fortschritt erlangt, einen Anteil am Lichte Gottes erhalten.
Gott schütze euch alle.«
Gesprächsnotizen
Ankunft in London
Am Montagabend, dem 4. September 1911, sagte ‘Abdu’l-Bahá bei Seiner Ankunft in London:
»Der Himmel hat diesen Tag gesegnet. Es hieß, London sei ein Ort, an dem der Glaube weithin verkündet werde. Als ich an Bord des Schiffes ging, war ich erschöpft. Jetzt aber, nachdem ich in London ankam und die Gesichter der Freunde sah, ist meine Müdigkeit verflogen. Eure große Liebe erquickt mich. Ich bin mit den englischen Freunden sehr zufrieden.
Die Gefühle, die in der Begegnung zwischen Ost und West vorherrschen, wandeln sich im Lichte der Lehren Bahá’u’lláhs. Früher war es so, dass ein Orientale die Tasse zerbrach, wenn jemand aus dem Okzident daraus getrunken hatte, weil man sie für beschmutzt hielt. Wenn heute ein Bahá’í aus dem Westen mit einem Bahá’í aus dem Osten speist, werden die von ihm benützten Schüsseln und Teller in Erinnerung an ihn aufbewahrt und in seinem Gedenken in Ehren gehalten.«
Dann erzählte ‘Abdu’l-Bahá das folgende historische Beispiel von wundervoller brüderlicher Liebe:
»Eines Tages kam ein Trupp Soldaten zum Haus eines Bahá’í und verlangte, aufgrund eines Haftbefehls einen Gast zur Hinrichtung auszuliefern. Der Gastgeber übernahm den Platz seines Gastes und starb an dessen Stelle.«
London
»Eure Liebe zog mich wie ein Magnet in dieses Land. Ich hoffe, dass hier das göttliche Licht scheinen möge und der himmlische Stern Bahá’u’lláhs euch stärkt, so dass durch euch die Einheit der Menschheit Wirklichkeit und mit eurer Hilfe die Dunkelheit des Aberglaubens und der Vorurteile vertrieben wird und alle Glaubensrichtungen und Völker vereint werden.
Dies ist ein leuchtendes Jahrhundert. Die Augen sind jetzt offen für das Schöne an der Einheit der Menschheit, für Liebe und Brüderlichkeit. Der Unterdrückung Dunkel wird weichen und der Einheit Licht leuchten. Wir können keine Liebe und Einheit schaffen, wenn wir nur davon reden. Wissen reicht nicht aus. Wir wissen, dass Reichtum, Wissenschaft und Bildung etwas Gutes sind. Aber wir müssen auch arbeiten und eifrig lernen, damit die Frucht des Wissens zur Reife gelangt.
Wissen ist der erste Schritt, Entschlossenheit der zweite, und der dritte Schritt ist die Ausführung, die Tat. Um ein Gebäude zu errichten, muss man zuallererst einen Plan machen, dann braucht man das Leistungsvermögen (Geld), dann kann man bauen. Die Gründung einer Gesellschaft für Einheit ist eine gute Sache, aber Treffen und Diskussionen reichen nicht aus. In Ägypten gibt es eine solche Gruppe, doch es wird nur geredet und nichts kommt dabei heraus. Diese Treffen hier in London sind gut, das Wissen und die Absicht sind gut, aber wie kann ohne Handeln ein Ergebnis erzielt werden? Die Kraft zur Einigung ist heute der Heilige Geist Bahá’u’lláhs. Er verkörpert diesen Geist der Einheit. Bahá’u’lláh bringt Ost und West zusammen. Forscht nach in der früheren Geschichte, ihr werdet nichts Vergleichbares finden.«
Unterschiede
»Gott erschuf die Welt als ein Ganzes. Die Menschen haben Grenzen abgesteckt. Gott hat das Land nicht aufgeteilt, aber jeder Mensch besitzt Haus und Wiese. Pferde und Hunde teilten die Felder nicht in Parzellen. Darum sagt Bahá’u’lláh: ›Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt‹Q3. Alle gehören einer Familie an, einer Art, alle sind sie Menschen. Meinungsverschiedenheiten über die Aufteilung von Landstrichen sollten kein Grund zur Spaltung unter den Menschen sein.
Ein starker Trennungsgrund ist die Hautfarbe. Seht, wie stark dieses Vorurteil z.B. in Amerika ist. Schaut, wie sie einander hassen! Tiere streiten sich nicht wegen ihrer Farbe! Der Mensch, der auf einer so viel höheren Schöpfungsstufe steht, sollte gewisslich nicht primitiver sein als die Tiere. Denkt darüber nach. Welche Einfältigkeit! Weiße Tauben streiten nicht mit blauen Tauben wegen ihrer Farbe, aber weiße Menschen kämpfen gegen Dunkelhäutige. Von allen das schlimmste ist das Rassenvorurteil.
Im Alten Testament heißt es, Gott habe den Menschen nach Seinem eigenen Bildnis geschaffen. Im Qur’án steht: ›Es gibt keinen Unterschied in der Schöpfung Gottes!‹Q4 Denkt darüber nach: Gott hat alle erschaffen, sorgt für alle, und alle stehen unter Seinem Schutz. Gottes Plan ist besser als unsere Pläne. Wir sind nicht so weise wie Gott!«
Religion
»Den meisten Menschen, die den Inhalt dieser Lehre nicht kennenlernten, scheint Religion nur äußere Form und leerer Schein zu sein, lediglich eine Garantie für Anstand. Manche Priester bekleiden ihr heiliges Amt nur, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie glauben selbst nicht an die Religion, die zu lehren sie vorgeben. Würden diese Männer ihr Leben opfern für ihren Glauben? Fordern Sie einen solchen Christen auf, Christus zu verleugnen und damit sein Leben zu retten. Er wird es tun.
Verlangen Sie von einem Bahá’í, irgendeinen der großen Propheten, seinen eigenen Glauben oder den an Moses, Muḥammad oder Christus zu verleugnen, dann wird er sagen: ›Ich möchte lieber sterben‹. Also ist ein Bahá’í muslimischer Herkunft ein besserer Christ als viele sogenannte Christen.
Ein Bahá’í lehnt keine Religion ab. Er anerkennt die in allen vorhandene Wahrheit, hält sie hoch und würde sein Leben dafür geben. Er liebt alle Menschen als seine Brüder, gleich welcher Klasse, Art oder Nationalität, welchen Glaubens oder welcher Hautfarbe sie sind, ob gut oder böse, reich oder arm, schön oder hässlich. Er wendet keine Gewalt an. Wird er geschlagen, gibt er den Streich nicht zurück. Er enthält sich der üblen Nachrede und folgt damit dem Beispiel Seines Herrn, Bahá’u’lláh. Als Schutz vor Trunksucht nimmt er weder Wein noch Spirituosen zu sich. Bahá’u’lláh sagte, für einen gesunden Menschen sei nicht gut, etwas zu sich zu nehmen, das seine Gesundheit und seinen Verstand zerstört.
Die Religion Gottes hat in dieser Welt zwei Seiten: die geistige (eigentliche) und die formelle (sichtbare). Die formelle Seite ändert sich im Laufe der Jahrhunderte genau wie der Mensch. Die geistige Seite, die Wahrheit an sich, ändert sich nie. Die Propheten und Offenbarer Gottes überbringen stets die gleiche Lehre. Zunächst halten sich die Menschen daran; doch nach einiger Zeit verunstalten sie die Wahrheit. Menschengemachte, äußerliche Förmlichkeiten und irdische Gesetze verzerren die Wahrheit. Ein Schleier aus materiellen Dingen und weltlichem Trachten wird über die tatsächliche Wahrheit gezogen.
Wie Moses und Jesus dem Volk ihre Botschaft brachten, bringt auch Bahá’u’lláh die Seine, die gleiche Botschaft.
Wann immer Gott uns einen solch überragenden Geist schickt, werden wir neu belebt. Die von jeder Manifestation verkündete Wahrheit ist jedoch stets die gleiche. Nicht die Wahrheit ändert sich, sondern die geistige Sehkraft des Menschen. Sie wird durch den Filz von Förmlichkeiten abgestumpft und irregeführt.
Die Wahrheit ist nicht schwer zu begreifen, wenn auch die äußeren Formen, in denen sie zum Ausdruck gebracht wird, den Verstand in die Irre führen. Mit zunehmender Reife sehen die Menschen ein, wie nutzlos von Menschen gemachte Formen sind, und lehnen sie ab. Viele treten darum aus der Kirche aus, denn dort wird oft nur das Äußerliche betont.«
Gedankenaustausch mit einem Kreis von Theosophen
London, im September 1911
»Welch wunderbare Tage! Wir sehen, wie ein Gast aus dem Osten im Westen liebevoll und zuvorkommend empfangen wird. Trotzdem ich mich nicht wohl fühlte, zog mich der Magnet Ihrer Liebe und Zuneigung hierher.
Vor einigen Jahren wurde ein Botschafter von Persien nach London geschickt, wo er sich fünf Jahre lang aufhielt. (Er hieß ‘Abdu’l- Ḥasan Khán). Als er nach Persien zurückkehrte, bat man ihn, zu schildern, wie das englische Volk denn so sei. Er antwortete: ›Ich kenne die Engländer nicht, denn obwohl ich jahrelang in London lebte, traf ich nur die Leute vom Hof.‹ In Persien genoss dieser Mann hohes Ansehen. Die Prinzen schickten ihn nach England. Doch er lernte die Menschen nicht kennen, obwohl er fünf Jahre unter ihnen verbrachte. Ich aber, ein langjähriger Gefangener, komme zum ersten Mal nach England, und obwohl mein Besuch so kurz ist, habe ich bereits viele liebe Freunde getroffen und kann sagen, dass ich das Volk kennenlernte. Diejenigen, die ich traf, sind aufrichtige Seelen, die sich um Frieden und Einheit bemühen. Bedenken Sie den Unterschied zwischen der Zeit, in der wir jetzt leben, und der vor siebzig Jahren! Sehen Sie sich den Fortschritt an! – den Fortschritt in Richtung Einheit und Frieden.
Gottes Wille ist, dass die Streitigkeiten unter den Nationen aufhören. Wer das Werk der Einigkeit voranbringt, der vollbringt Gottes Werk. Einigkeit ist die Gabe Gottes für dieses erleuchtete Jahrhundert. Gepriesen sei Gott! Heutzutage gibt es viele Vereine für Einheit und viele Versammlungen werden dafür abgehalten. Feindschaft ist nicht mehr ein Grund für Spaltung. Jetzt sind vorwiegend Vorurteile verantwortlich für Uneinigkeit. Ein Beispiel: Wenn vor Jahren Europäer den Osten bereisten, hielt man sie für unrein und hasste sie. Jetzt ist es anders: Wenn westliche Menschen im Osten jene besuchen, die Anhänger des Neuen Lichtes sind, werden sie liebevoll und zuvorkommend empfangen.«
‘Abdu’l-Bahá umarmte ein kleines Kind und meinte: »Der wahre Bahá’í liebt die Kinder, weil sie, wie Jesus sagt, dem Himmelreich angehören. Ein schlichtes, reines Herz steht Gott nahe. Ein Kind strebt nicht ehrgeizig nach Weltlichem.«
Vorurteile
»Der Kongress der Rassen der Welt war eine gute Sache, denn er hatte zum Ziel, die Einheit unter allen Nationen und ein besseres wechselseitiges Verständnis zu fördern und voranzubringen. Die Absicht war gut. Die Anlässe für Streitigkeiten unter verschiedenartigen Nationen sind immer in einer der folgenden Arten von Vorurteilen zu suchen: rassische, sprachliche, theologische, persönliche sowie Vorurteile von Sitte und Tradition. Es bedarf einer weltweit wirkenden Kraft, um diese Uneinigkeit zu überwinden. Für eine unbedeutende Krankheit genügt ein schwaches Heilmittel, aber eine den ganzen Körper durchdringende Krankheit verlangt nach einer starken Arznei. Eine kleine Lampe kann einen Raum erhellen, eine größere ein Haus, eine noch größere die ganze Stadt, aber man braucht eine Sonne, um Licht in die ganze Welt zu bringen.
Sprachverschiedenheiten verursachen Uneinigkeit unter den Nationen. Wir brauchen eine gemeinsame Sprache für die Welt. Glaubensunterschiede sind ebenfalls ein Grund zur Trennung. Die wirkliche Grundlage aller Religionen muss bewiesen und äußerliche Unterschiede müssen beseitigt werden. Es muss zu einer Einheit im Glauben kommen. Diesen Streitigkeiten ein Ende zu setzen ist eine schwierige Aufgabe. Die ganze Welt ist krank und braucht dringend die Macht des Großen Heilers.
Diese Versammlungen lehren uns, dass Einheit gut ist und dass Unterdrückung (Versklavung unter das Joch von Tradition und Vorurteil) Uneinigkeit verursacht. Dies zu erkennen ist nicht genug. Jedes Wissen ist gut, aber ohne Taten kann es keine Früchte zeitigen. Es ist gut zu wissen, dass Reichtum eine gute Sache ist, aber dieses Wissen wird keinen Menschen reich machen – er muss arbeiten, er muss sein Wissen anwenden. Wir hoffen, dass die Menschen sehen und erkennen, dass Einigkeit gut ist, und wir hoffen auch, dass sie sich nicht mit erreichtem Wissen begnügen. Sie sollten nicht nur sagen, Liebe und Brüderlichkeit seien gut. Um deren Verwirklichung müssen sie sich bemühen.
Der Zar von Russland schlug der Haager Friedenskonferenz vor, alle Nationen sollten abrüsten. Bei dieser Konferenz zeigte sich, dass Friede für alle Länder von Vorteil ist und dass Krieg den Handel usw. zerstört. Doch so bewundernswert auch die Äußerungen des Zaren waren – nach Beendigung der Konferenz war gerade er der erste, der einen Krieg erklärte (gegen Japan).
Wissen ist nicht genug. Hoffentlich können wir es durch Gottes Liebe in Taten umsetzen. Dazu brauchen wir eine geistige, weltweit wirkende Kraft. Versammlungen sind ein gutes Mittel, um geistige Kraft zu erzeugen. Es ist gut zu wissen, dass man einen gewissen Grad an Vollkommenheit erreichen kann. Besser ist es, auf diesem Weg zügig voranzugehen. Wir wissen, dass es Gott gefällt, wenn wir den Armen helfen und Mitleid haben, aber Wissen allein ernährt keinen verhungernden Menschen, noch kann man einen Armen im bitterkalten Winter durch Erkenntnis und Worte wärmen. Wir müssen liebevolle Güte in Form von praktischer Hilfe geben.«
Frage: Und wie steht es mit dem Friedenskongress?
Antwort: »Er gleicht der Versammlung einer Menge von Trunkenbolden, die sich trafen, um gegen den Alkohol zu protestieren. Sie sagen, Trinken sei schrecklich, gehen geradewegs aus dem Gebäude und trinken unverdrossen weiter.«
Theosophie
Als ‘Abdu’l-Bahá gefragt wurde, ob Er das Gute gesehen habe, das die Theosophische Gesellschaft leiste, antwortete Er:
»Es ist mir bewusst, ich halte sehr viel davon. Ich weiß, dass sie der Menschheit gerne dienen will. Ich danke dieser noblen Gesellschaft persönlich und im Namen aller Bahá’í. Ich hoffe, dass diese Freunde mit Gottes Hilfe Liebe und Einheit zuwege bringen. Es ist ein großes Werk, das den Einsatz aller Diener Gottes verlangt.«
Frieden
»In den letzten sechstausend Jahren haben sich die Nationen gegenseitig gehasst. Nun ist es Zeit, dem Einhalt zu gebieten. Kriegsführung muss aufhören. Lasst uns einig sein, einander lieben und dem Ergebnis entgegensehen. Wir wissen, dass der Krieg schlimme Folgen hat. Lasst uns das Experiment Frieden versuchen, und wenn die Folgen des Friedens schlecht sind, können wir nach Belieben auf das vielleicht bessere alte Mittel des Krieges zurückgreifen. In jedem Fall sollten wir das Experiment wagen. Wenn wir sehen, dass Einigkeit Licht verbreitet, sollten wir dabei bleiben. Sechstausend Jahre lang beschritten wir den linken Pfad; lasst uns nun den rechten beschreiten. Wir haben viele Jahrhunderte im Dunkeln verbracht. Lasst uns nun dem Licht entgegengehen.«
Frage: (Die Bemerkung fiel, die Theosophie lehre, die Wahrheit sei in allen Religionen die gleiche). Findet die Aufgabe, alle Religionen zu vereinen, die Zustimmung ‘Abdu’l-Bahás?
Antwort: »Ganz gewiss.«
Frage: Kann ‘Abdu’l-Bahá uns Richtlinien vorschlagen, nach denen am besten vorgegangen werden soll?
Antwort: »Suchen Sie die Wahrheit zu ergründen. Suchen Sie das Wesentliche in allen Religionen. Legen Sie alle abergläubischen Vorstellungen ab. Viele unter uns sind sich über das wahre Wesen der Religionen nicht im Klaren.«
Göttliche Manifestationen (1)
Frage: Was lehrt ‘Abdu’l-Bahá über die verschiedenen göttlichen Manifestationen?
Antwort: »Das Wesentliche ist bei allen gleich. Es gibt nur eine Wahrheit. Die Religionen gleichen den Ästen eines Baumes. Ein Ast ist hoch oben, einer unten und einer in der Mitte, aber alle beziehen ihre Lebenskraft aus dem einzigen Stamm. Ein Ast trägt Früchte, andere sind nicht so reich beladen. Alle Propheten sind Lichter, nur ihre Leuchtkraft ist verschieden. Sie strahlen wie funkelnde Himmelskörper. Für jeden sind Aufgangsort und -zeit vorherbestimmt. Manche sind wie Lampen, manche wie der Mond, manche wie weit entfernte Sterne. Und einige wenige sind wie die Sonne, die von einem Ende der Erde bis zum anderen scheint. Alle spenden das gleiche Licht, doch ihre Leuchtkraft ist verschieden.«
Buddhismus
Einige Anwesende verwiesen auf die Lehren Buddhas. ‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Die wahre Lehre Buddhas ist die gleiche wie die Lehre Jesu Christi. Dem Wesen nach sind die Lehren aller Propheten gleich. Die Menschen haben die Lehren aber abgeändert. Wenn Sie schauen, wie die buddhistische Religion heutzutage ausgeübt wird, sehen Sie, dass vom Wesentlichen wenig übrig blieb. Viele beten Götter an, obwohl ihre Lehren es verbieten.
Buddha hatte Jünger und wollte sie in die Welt hinausschicken, damit sie die Lehre verbreiten. Also stellte Er ihnen Fragen, um zu sehen, ob sie so vorbereitet waren, wie Er es sich wünschte. ›Wenn ihr nach Osten oder nach Westen geht‹, sagte Buddha, ›und die Menschen vor euch ihre Türen verschließen und nicht mit euch sprechen wollen, was macht ihr dann?‹ – Die Jünger antworteten: ›Wir werden sehr dankbar sein, dass sie uns kein Leid antun‹. – ›Und wenn sie euch verletzen und verspotten, was tut ihr dann?‹ – ›Wir werden sehr dankbar sein, dass sie uns nicht noch schlimmer behandeln.‹ – ›Wenn sie euch ins Gefängnis werfen?‹ – ›Wir werden dennoch dankbar sein, dass sie uns nicht töten.‹ – ›Gesetzt den Fall sie töten euch?‹, fragte der Meister ein letztes Mal. ›Noch immer‹, antworteten die Jünger, ›werden wir dankbar sein, weil sie uns zu Märtyrern machen. Gibt es ein glorreicheres Schicksal als zum Ruhme Gottes zu sterben?‹ Und Buddha sagte: ›Ausgezeichnet!‹
Die Lehren von Buddha waren wie ein kleines, schönes Kind, und jetzt sind sie wie ein vom Alter gebrochener Mann und können wie dieser nicht sehen, nicht hören, sich an nichts erinnern. Warum so weit zurück gehen? Betrachten Sie die Gesetze des Alten Testamentes: die Juden folgen ihrem Vorbild Moses nicht nach, noch halten sie Seine Gebote. Genauso ergeht es vielen anderen Religionen.«
Frage: Wie können wir die Kraft erlangen, um den richtigen Weg zu gehen?
Antwort: »Wenn man die Lehren in die Tat umsetzt, wird uns die Kraft gegeben. Sie wissen, welcher Weg zu verfolgen ist: Sie können sich nicht irren, denn der Unterschied zwischen Gott und dem Bösen, zwischen Licht und Finsternis, Wahrheit und Falschheit, Liebe und Hass, Großmut und Niedertracht, Bildung und Unwissenheit, Gottesglaube und Aberglaube, guten und ungerechten Gesetzen ist sehr groß.«
Glaube
Frage: Wie kann man seinen Glauben mehren?
Antwort: »Sie müssen sich sehr darum bemühen. Ein Kind weiß nicht, dass es durch Lernen Wissen erwirbt. Suchen Sie nach Wahrheit.
Glaube ist von dreierlei Art: Erstens der Glaube, der durch Tradition und Abstammung vermittelt wird. Beispielsweise ist ein Kind muslimischer Eltern Muslim. Das ist ein schwacher, überlieferter Glaube. Zweitens das, was der Erkenntnis entspringt, ein Glaube der Einsicht. Das ist ein guter Glaube, aber es gibt einen noch besseren: den Tatglauben. Er ist der wahre Glaube.
Wir hören von einer Erfindung. Wir glauben, dass sie gut ist, gehen hin und betrachten sie. Wir hören, dass es Reichtum gibt, wir sehen ihn, wir arbeiten hart dafür, werden selbst reich und helfen damit anderen. Wir kennen und sehen das Licht, wir gehen dicht heran, es erwärmt uns und wir geben seine Ausstrahlung an andere weiter. Das ist wahrer Glaube. Auf diese Weise empfangen wir die Kraft, Gottes unvergängliche Kinder zu werden.«
Heilung
‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Es gibt zwei Arten von Krankheiten, körperliche und geistige.
Nehmen wir als Beispiel eine Hand mit einer Schnittwunde. Wenn Sie um Heilung für die Wunde beten und die Blutung nicht stillen, werden Sie kaum etwas erreichen. Man braucht ein stoffliches Heilmittel.
Wenn zuweilen das Nervensystem durch Angstzustände lahmgelegt wird, ist ein geistiges Hilfsmittel von Nöten. Wahnsinn, eine sonst unheilbare Krankheit, kann mit Gebeten behandelt werden. Sehr oft machen Sorgen krank. Hier können geistige Mittel Heilung bringen.«
Wohltätigkeitsvereine
Jemand fragte, ob die Gesellschaft der Menschenfreunde empfehlenswert sei.
Antwort: »Ja, alle Vereine, alle Organisationen, die sich für die Besserung der Welt einsetzen, sind gut, sehr gut. Alle, die für ihre Brüder und Schwestern tätig sind, genießen Bahá’u’lláhs Segen. Sie werden gewiss Erfolg haben.«
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Es macht mich so glücklich, alle gläubigen Freunde in London zu treffen. Ihr alle, gleich welcher Art oder welchen Glaubens, seid Mitglieder einer Familie. Die Lehren Bahá’u’lláhs bringen euch dazu, zu begreifen, dass ihr Brüder seid.«
Des Menschen Begriff von Gott und den Höheren Welten
»Für den Menschen ist die Wesenheit Gottes nicht begreifbar, genau wie die jenseitigen Welten und deren Beschaffenheit. Der Mensch bekam die Gabe, Wissen zu erwerben, hohe geistige Vollkommenheit zu erlangen, verborgene Wahrheiten zu entdecken und sogar göttliche Eigenschaften zu verkörpern. Dennoch kann der Mensch Gottes Wesenheit nicht verstehen. Sobald der immer größer werdende Kreis menschlicher Erkenntnis die geistige Welt zu berühren beginnt, wird eine Manifestation Gottes gesandt als Spiegel Seiner Herrlichkeit.«
Göttliche Manifestationen (2)
Frage: Ist die göttliche Manifestation Gott?
Antwort: »Ja, und doch nein in Bezug auf Ihre Wesenheit. Eine göttliche Manifestation ist wie ein Spiegel, der das Licht der Sonne widerspiegelt. Es ist das gleiche Licht, doch der Spiegel ist nicht die Sonne selbst. Alle Manifestationen Gottes vermitteln das gleiche göttliche Licht. Nur das Ausmaß ist jeweils anders, nicht die Substanz. Es gibt nur eine Wahrheit. Das Licht ist dasselbe, wenngleich die Lampen verschieden sein können. Wir müssen auf das Licht schauen, nicht auf die Lampe. Wenn wir das Licht einer der Lampen annehmen, müssen wir an das Licht aller Lampen glauben. Alle stimmen überein, weil sie alle gleich sind. Die Lehre ist stets die gleiche, nur die Erscheinungsformen ändern sich.
Die Manifestationen Gottes sind wie Himmelskörper. Alle gehen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit auf, spenden jedoch das gleiche Licht. Wenn jemand sehen möchte, wie die Sonne aufgeht, schaut er nicht stets auf die gleiche Stelle, weil der Aufgangsort sich je nach Jahreszeit ändert. Wenn jemand die Sonne weiter im Norden aufgehen sieht, erkennt er sie, obwohl sie zuvor an einer anderen Stelle aufging.«
Notizen aus einem Gespräch mit ‘Abdu’l-Bahá
Ein Schwarzer aus Südafrika besuchte ‘Abdu’l-Bahá und meinte, selbst heute würde sich kein Weißer wirklich um einen Schwarzen kümmern.
‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Vergleichen Sie die Einstellung gegenüber Schwarzen von heute mit dem Verhalten von vor zwei- oder dreihundert Jahren und sehen Sie, wie viel sich bis heute gebessert hat. Schon bald wird sich die Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen noch günstiger gestalten und nach und nach wird kein Unterschied mehr wahrnehmbar sein. Es gibt weiße Tauben und farbenprächtige Tauben, beides sind Tauben.
Bahá’u’lláh verglich einmal die Schwarzen mit der schwarzen Pupille des Auges, die von Weiß umgeben ist. In dieser schwarzen Pupille sehen Sie das Spiegelbild dessen, was sie vor sich hat. Aus ihr strahlt das Licht des Geistes hervor.
Vor Gott hat die Hautfarbe überhaupt keine Bedeutung. Er schaut auf die Herzen der Menschen. Gott wünscht sich vom Menschen dessen Herz. Ein schwarzer Mensch mit einem guten Charakter ist weit besser als ein weißer mit einem weniger guten Charakter.«
Östliche und westliche Ideale
Einer der anwesenden Veranstalter des Rassenkongresses sprach darüber, dass die westlichen Ideale Bahá’u’lláhs anders sind als die der früheren Propheten, in denen deutliche Spuren der Ideen- und Kulturwelt des Ostens zu finden sind. Er fragte dann, ob Bahá’u’lláh die Schriften des Westens besonders sorgfältig studiert und seine Lehren dann in Übereinstimmung damit gestiftet habe.
‘Abdu’l-Bahá lachte herzlich und sagte, die vor sechzig Jahren geschriebenen und gedruckten Bücher Bahá’u’lláhs beinhalteten Ideale, die erst jetzt im Westen allgemein bekannt seien. Zu jener Zeit aber habe man sie im Westen weder gedruckt noch habe man darüber nachgedacht. Nähmen wir an, meinte Er weiter, ein sehr fortschrittlicher Denker aus dem Westen hätte sich aufgemacht, um Bahá’u’lláh zu besuchen und zu lehren, wäre der Name eines solch herausragenden Mannes und die Tatsache seines Besuches unbekannt geblieben und nicht schriftlich festgehalten worden? Nein! Früher, zu Zeiten Buddhas und Zoroasters, hätten Asien und der Osten eine weit höhere Kultur gehabt als der Westen. Die Ideen und Gedanken der Völker des Ostens seien denen des Westens weit voraus und der göttlichen Gedankenwelt viel näher gewesen. Doch seit dem hätten immer mehr abergläubische Vorstellungen Eingang in die Religion des Ostens gefunden und ihre Ideale unterwandert. So seien aus vielen verschiedenen Gründen die Ideale und Tugenden der Völker des Ostens immer mehr abhandengekommen und weiter und weiter entartet, während die Völker des Westens ständig Fortschritte gemacht und sich zum Licht vorgerungen hätten. Infolge dessen habe heute der Westen ein viel höheres Kulturniveau als der Osten, und das Sinnen und Trachten des Westens stünden der Gedankenwelt Gottes weit näher als das des Ostens. Aus diesem Grunde erkenne man die Ideale Bahá’u’lláhs im Westen schneller.
Um dies weiter auszuführen, wies ‘Abdu’l-Bahá darauf hin, dass Bahá’u’lláh in einem Seiner Bücher genau das beschrieben habe, was seither im Internationalen Schiedsgerichtshof Gestalt angenommen hat. Bahá’u’lláh habe die vielfältigen Funktionen eines solchen Gerichtshofs erläutert, von denen man einige noch gar nicht wahrgenommen habe. Er (‘Abdu’l-Bahá) möchte sie uns jetzt erklären, damit wir erkennen, dass Bahá’u’lláh sie vorausgesehen hat, wenn sie in naher Zukunft zum Einsatz kommen.
Krieg sei das schlimmste Unheil, das einem Volk widerfahren könne, weil das Volk, das sich normalerweise Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und anderem nützlichem Schaffen widmet, von seinen verschiedenen Tätigkeiten weggeholt und zu Soldaten gemacht werde, so dass Vergeudung und Verlust und dazu noch Zerstörung und Kriegsgemetzel in hohem Maße um sich greifen.
Die Aufgabe des Internationalen Gerichtshofes werde laut Bahá’u’lláh darin bestehen, Streitigkeiten zwischen Nationen beizulegen, exakte Grenzen für die verschiedenen Länder abzustecken und darüber zu entscheiden, welche Anzahl Soldaten und Waffen jede Nation ihrer Bevölkerungszahl entsprechend beibehalten darf, um im Inland Ordnung zu gewährleisten. So könne z. B. ein Staat zehntausend, ein anderer zwanzigtausend und wieder ein anderer fünfzehntausend Soldaten haben, je nach Größe und Bevölkerungszahl des Landes. Sollte irgend ein Volk sich gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auflehnen und sich ihr widersetzen, könne der Gerichtshof die anderen dazu ermächtigen, ihre Streitkräfte zusammenzuziehen, um seine Entscheidung nachdrücklich zu unterstützen und notfalls gemeinsam vorzugehen.
Noch könnten wir nicht feststellen, dass irgendeiner dieser Punkte umgesetzt worden sei, aber in Zukunft würden wir Zeuge dessen sein.
Wissenschaft und Glaube
Derselbe Herr stellte dann eine Frage, die er seiner Aussage und Ansicht nach im Zusammenhang mit einer religiösen Bewegung, die Weltgeltung beansprucht, für ganz besonders wichtig halte. Er fragte, welche Bedeutung Bahá’u’lláh, wenn überhaupt, den modernen Ideen und Auffassungen der Wissenschaft in seinen Lehren beimesse. Die gesamte Struktur der modernen Zivilisation beruhe auf Ergebnissen und Erkenntnissen, die von Wissenschaftlern durch arbeitsaufwendige, geduldige Beobachtung von Vorgängen gesammelt wurden, in manchen Fällen durch jahrhundertelange gewissenhafte Forschung. Um seine Ansicht zu verdeutlichen führte er als Beispiel die Ethik und die Morallehre der chinesischen Philosophen an, denn er könne sich nichts Erhabeneres vorstellen. Dennoch hätten diese Lehren außerhalb Chinas sehr geringe Wirkung gezeigt, weil sie seiner Ansicht nach ursprünglich nicht auf den Lehren der Wissenschaft beruhten.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, im Schrifttum Bahá’u’lláhs werde Wissenschaft und Bildung große Bedeutung beigemessen. Bahá’u’lláh habe geschrieben, wenn jemand den Kindern von Armen Bildung ermögliche, die dazu selbst nicht in der Lage sind, dann sei dies vor Gott, als habe er Gottes Sohn erzogen.
Wenn eine Religion sich Wissenschaft und Bildung widersetze, sei diese Religion keine wahre Religion. Wissenschaft und Religion sollten gemeinsam Fortschritte machen, sie sollten in der Tat sein wie zwei Finger an einer Hand.
Bahá’u’lláh habe in Seinen Schriften auch der Kunst einen sehr wichtigen Platz eingeräumt, ebenso den durch Ausbildung erworbenen Berufen. Er habe erklärt, dass das Ausüben einer Kunst oder eines Gewerbes im wahren Geiste des Dienens der Anbetung Gottes gleichzusetzen sei.
Ein in einer Wohlfahrtseinrichtung engagierter Herr fragte nach der besten Methode, mittels der die schwächsten, geringsten und unwissendsten Menschen aufgerichtet und kultiviert werden könnten, und ob ihre Bildung durch allmähliche geistige Einsicht vorankomme oder ob es besondere Mittel und Wege gäbe, die wir einsetzen könnten, um dem Endziel zu dienen.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, der beste Weg sei, ihnen geistige Lehren und Einsichten zu vermitteln. Er erwähnte auch, die beste Art und Weise, um das Verständnis besonders engherziger und vorurteilsvoller Menschen zu erweitern und sie dazu zu bringen, einem umfassenden Unterricht Aufmerksamkeit zu schenken, sei, ihnen größte Freundlichkeit und Liebe zu erweisen. Das Beispiel unseres Lebens sei mehr wert als Worte.
Verkehr mit verstorbenen Personen
Es wurde die Frage gestellt, ob es möglich sei, mit den Toten Verbindung herzustellen, und ob es weise oder ratsam sei, an spiritistischen Sitzungen oder an Tischrücken, Tischklopfen etc. teilzunehmen.
Der Meister sagte, all dieses Klopfen usw. sei etwas Materielles und Körperliches. Es sei nötig, sich über das Stoffliche zu erheben hin zu den Reichen reiner Geistigkeit. Tischrücken und ähnliches sei materiell, ein naturbedingtes Ergebnis und nicht geistig.
Es sei aber möglich, mit den Toten Verbindung zu haben, wenn bestimmte Voraussetzungen bezüglich des Charakters und des Herzens erfüllt seien.
Ist Aberglaube nützlich?
Eine Dame fragte, ob nicht einige abergläubische Vorstellungen für unwissende Menschen, die ohne solche wohl an gar nichts glauben würden, nützlich sein könnten.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, es gebe zwei Arten von Aberglauben: den schädlichen und gefährlichen sowie den harmlosen mit sogar günstigen Auswirkungen.
Es habe z.B. arme Leute gegeben, die daran glaubten, dass Missgeschicke und Strafen von einem großen Engel bewirkt werden, der mit einem Schwert in der Hand jene, die stahlen, mordeten und andere Verbrechen begingen, niederschlägt.
Sie dachten, Gewitterblitze seien die Waffen dieses Engels, und wenn sie Böses taten, werde sie ein Blitzschlag treffen. Dieser Glaube brachte sie dazu, von Übeltaten zu lassen.
Die Chinesen pflegten die Vorstellung, sie könnten mit dem Verbrennen von bestimmten Papierstücken die Teufel vertreiben. Manchmal verbrannten sie auf Reisen an Bord von Schiffen solche Papierstücke, um Teufel zu vertreiben, und steckten dabei das Schiff in Brand und brachten viele zu Tode. Das war ein Aberglaube der gefährlichen, schädlichen Art.
Das Leben nach dem Tod
Mrs. S. stellte einige Fragen in Bezug auf das Dasein in der nächsten Welt und das Leben nach dem Tod. Weil sie vor kurzem einen ihr sehr nahestehenden Verwandten verloren habe, sagte sie, habe sie sehr viel über dieses Thema nachgedacht. Viele glauben, dass ein erneutes Zusammenfinden mit denen, die wir lieb hatten und die in das künftige Leben hinübergingen, erst nach Ablauf eines längeren Zeitraumes erfolgen werde. Sie wollte gerne wissen, ob man unmittelbar nach dem Tod mit denen wieder vereint sein werde, die vorausgegangen sind.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, dies sei von der jeweiligen Stufe beider Seiten abhängig. Wenn beide den gleichen Entwicklungsgrad innehatten, könnten sie unmittelbar nach dem Tod wieder beisammen sein.
Wie kann man, meinte dann die Fragestellerin, diesen Entwicklungsstand erreichen? ‘Abdu’l-Bahá erwiderte: durch ständiges Bemühen, durch rechtes Handeln und durch den Erwerb geistiger Eigenschaften.
Die Fragestellerin merkte an, dass viele verschiedene Ansichten über die Beschaffenheit des künftigen Lebens in Umlauf seien. Manche Leute glaubten, wir alle hätten dann genau die gleichen Vollkommenheiten und Tugenden und seien völlig gleich.
‘Abdu’l-Bahá sagte, es werde Vielfalt geben und Unterschiede an Einsicht und Weisheit genau wie in dieser Welt.
Dann wurde gefragt, wie es wohl möglich sei, ohne materiellen Körper und Lebensraum die verschiedenen Wesen und Merkmale zu erkennen, wenn alle im selben Zustand und auf der gleichen Seinsebene wären.
‘Abdu’l-Bahá meinte, wenn mehrere Menschen zur gleichen Zeit in einen Spiegel schauten, würden sie all die verschiedenen Persönlichkeiten, ihre Merkmale und Bewegungen sehen, es gebe aber nur eine Spiegelfläche, auf die sie schauen. Jeder habe eine Vielfalt an Gedanken im Kopf, aber alle seien getrennte und voneinander unterschiedene Einzelgedanken. Vielleicht habe jemand mehrere hundert Freunde. Aber wenn er sich diese ins Gedächtnis rufe, vermenge er nicht den einen mit dem andern – jeder habe, klar und deutlich, seine ganz persönliche Eigenart und seine typischen Kennzeichen.
Einem anderen Fragesteller antwortete Er, wenn zwei Menschen, z.B. Mann und Frau, in diesem Leben vollkommen vereint und ihre Seelen wie eine Seele gewesen seien, dann werde diese Einheit von Herz und Seele unverändert weiterbestehen, auch wenn einer von ihnen diese Welt verlässt.
Geistige Verbindung
Am 28. September war ‘Abdu’l-Bahá abends mit einer Anzahl von Gästen zusammen.
Er sagte:
»Ihr alle hier seid Schwestern. Leibliche Verwandtschaft mag an Bindungskraft verlieren, selbst zwei Schwestern können einander feind sein. Aber geistige Verwandtschaft ist ewig und erzeugt gegenseitige Liebe und Dienstbarkeit.
Seid stets zu jedem freundlich und eine Zuflucht für die ohne Obdach.
Seid denen Töchter, die älter sind als ihr.
Seid denen Schwestern, die gleich alt sind wie ihr.
Seid denen Mütter, die jünger sind als ihr.
Seid Pflegerinnen für die Kranken, Schatzmeister für die Armen und versorgt die Hungrigen mit himmlischer Speise.«
Ein persischer Arzt aus Qazvín sagte, es sei das große Werk Gottes, dass Ost und West so vereint wurden, und wir sollten immerzu Gott danken, dass die Bahá’í-Religion solch große Harmonie und Eintracht unter uns schuf. Dieser Besuch ‘Abdu’l-Bahás im Westen werde ein höchst bedeutendes Ergebnis zeitigen.
Eine Bahá’í-Hochzeit
Für orientalische Stimmung sorgte die Hochzeit eines jungen persischen Paares, das gegen Ende des Besuches ‘Abdu’l-Bahás in London um Seine Anwesenheit bei ihrer Trauung gebeten hatte. Die Braut kam in Begleitung ihres Onkels aus Baghdád angereist, um sich hier mit ihrem Bräutigam zu treffen und vor der Abreise ‘Abdu’l-Bahás getraut zu werden. Vater und Großvater der Braut waren schon Gläubige in Bahá’u’lláhs Verbannungszeit.
Wir möchten die Schilderung des Bräutigams von der Zeremonie nicht verfremden und geben sie deshalb in der ihm eigenen einfachen, schönen Ausdrucksweise wieder. Sie wird uns eine Seite zeigen, die nirgendwo genannt wurde und ohne die kein Eindruck von ‘Abdu’l-Bahás Besuch vollständig wäre. Wir meinen damit den großen Respekt, den die Menschen aus dem Osten, die ‘Abdu’l-Bahá besuchen kamen, ihrem großen Lehrer entgegenbrachten. Stets erhoben sie sich und standen mit gesenktem Haupt, wenn Er den Raum betrat.
Mírzá Dávúd schrieb:
Am Sonntagmorgen, dem 1. Oktober 1911 A.D., dem Tishi 5972 (Hebräischer Zeitrechnung), wurde Regina Núr Maḥal Khánum und Mírzá Yuhanna Dávúd erlaubt, in die heilige Gegenwart ‘Abdu’l-Bahás zu treten – möge mein Leben ein Opfer für Ihn sein!
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá uns empfangen hatte, sagte Er: »Ihr seid herzlich willkommen, und ich freue mich, euch hier in London zu sehen.«
Er schaute mich an und sagte: »Ich habe noch nie jemanden getraut außer meinen eigenen Töchtern. Weil ich dich aber so sehr lieb habe und du dem Reiche Abhás in diesem und in anderen Ländern große Dienste erwiesen hast, werde ich euch heute trauen. Ich hoffe, dass ihr beide weiterhin dem gesegneten Pfad des Dienens treu bleiben werdet.«
Dann nahm ‘Abdu’l-Bahá zuerst Núr Maḥal Khánum mit in einen Nebenraum und fragte sie: »Liebst du Mírzá Yuhanna Dávúd von ganzem Herzen und mit ganzer Seele?« Sie antwortete: »Ja.«
Dann rief ‘Abdu’l-Bahá mich zu sich und stellte mir die gleiche Frage, also: »Liebst du Núr Maḥal Khánum von ganzem Herzen und ganzer Seele?« Ich antwortete: »Ja.« Wir kehrten gemeinsam ins Zimmer zurück und ‘Abdu’l-Bahá nahm die rechte Hand der Braut und legte sie in die des Bräutigams und bat uns, Ihm nachzusprechen: »Wir tun alles, was Gott will«A5.
Alle nahmen Platz und ‘Abdu’l-Bahá fuhr fort:
»Die Ehe ist eine heilige Einrichtung. In dieser gesegneten Sache wird sehr dazu ermutigt. Ihr beide seid nun nicht mehr zwei, sondern eins. Bahá’u’lláh wünscht, dass alle Menschen eines Geistes werden und sich als einem großen Haushalt zugehörig betrachten, so dass das Bewusstsein der Menschheit nicht länger uneinig ist.
Ich erhoffe und wünsche für euch ein gesegnetes Leben. Möge Gott euch helfen, dem Abhá-Königreich große Dienste zu erweisen und euch zum Werkzeug für dessen Wachstum machen.
Möge euch im Laufe der Jahre immer mehr Freude zuteilwerden. Möget ihr zu blühenden Bäumen werden, die köstliche, wohlriechende Früchte tragen als Segensgaben auf dem Pfade des Dienens.«
Als wir aus dem Zimmer traten, beglückwünschten uns die anwesenden Freunde aus Persien und London zu der großen Ehre, die uns zuteil geworden war, und die liebenswürdige Gastgeberin lud uns zum Essen ein.
Nach kurzer Zeit versammelten wir uns mit Ihm um den Tisch. Während des Essens fragte einer der Freunde ‘Abdu’l-Bahá, wie Ihm sein Aufenthalt in London gefallen habe sowie nach Seiner Meinung über die Engländer. Ich betätigte mich als Übersetzer. ‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Es hat mir in London sehr gut gefallen, und die strahlenden Gesichter der Freunde haben mein Herz erfreut. Ihre Einheit und Liebe zogen mich hierher. In der Welt des Seins gibt es keinen stärkeren Magneten als den Magneten der Liebe. Diese wenigen Tage gehen vorüber, aber Gottes Freunde werden sich durch alle Zeitalter hindurch und in allen Ländern an ihre Bedeutung erinnern.
Es gibt lebendige Nationen und tote Nationen. Syrien hat seine Kultur durch geistige Trägheit verloren. Die englische Nation ist lebendig, und wenn die göttliche Wahrheit in dieser geistigen Frühlingszeit mit neuer Kraft hervorbricht, werden die Engländer zu fruchtbaren Bäumen werden und der Heilige Geist wird sie reich gedeihen lassen. Dann werden sie nicht nur materiellen, sondern den weit wichtigeren geistigen Fortschritt erlangen, der ihnen dann die Möglichkeit gibt, der Menschheit weit größere Dienste zu erweisen.«
Jemand anderes fragte, warum die Lehren aller Religionen vorwiegend über Gleichnisse und Metaphern vermittelt werden und nicht in der einfachen Sprache des Volkes.
‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Göttliches ist zu unergründlich, um in gewöhnlichen Worten ausgedrückt zu werden. Die himmlischen Lehren werden in Gleichnissen ausgedrückt, damit sie verstanden und für kommende Zeitalter aufbewahrt werden. Wenn die geistig Gesinnten sich tief in das Meer ihrer Bedeutung versenken, bringen sie die Perlen ihrer inneren Bedeutung ans Licht. Es gibt keine größere Freude, als Gottes Wort mit geistigem Sinn zu studieren.
Gott lehrt den Menschen mit dem Ziel, dass der Mensch sich selbst erkennt, so dass er die Erhabenheit Gottes begreift. Gottes Wort steht für Einvernehmen und Eintracht. Wenn Sie nach Persien gehen, wo es viele Freunde in Abhá gibt, werden Sie sogleich die einigende Macht der Sache Gottes wahrnehmen. Die Freunde bemühen sich bis zum Äußersten, um dieses Freundschaftsband zu stärken. Dort treffen sich Menschen verschiedener Nationalitäten in der gleichen Versammlung und singen einmütig die göttlichen Verse. Man könnte meinen, sie seien alle Brüder. Wir betrachten niemand als fremd, denn Bahá’u’lláh sagte:
›Ihr seid alle die Strahlen einer Sonne, die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges.‹Q5 Wir ersehnen für die Menschen wahre Brüderlichkeit. So wird es sein, der Anfang ist gemacht. Preis sei Gott, dem Helfenden, dem Vergebenden.«
Besuch in Bristol
Das Wochenende vom 23. – 25. September verbrachte ‘Abdu’l-Bahá im Gästehaus Clifton in Clifton, Bristol.
Am ersten Nachmittag zeigte ‘Abdu’l-Bahá während einer Ausfahrt lebhaftes Interesse für die englische Landschaft und staunte über die jahrhundertealten Bäume und das saftige Grün der Wälder und Wiesen. Alles war so ganz anders als im dürren Osten. »Es sieht aus wie im Frühling, obwohl es Herbst ist«, sagte Er. Die Häuser mit ihren kleinen Grundstücken erinnerten ‘Abdu’l-Bahá an eine Stelle in den Schriften Bahá’u’lláhs, in der Dieser andeutet, dass einmal jede Familie ein Haus mit einem Stück Land haben werde. ‘Abdu’l-Bahá verglich das Land mit der Seele und die Stadt mit dem Körper des Menschen und sagte: »Der Körper kann nicht ohne die Seele leben«, und bemerkte:
»Es ist gut, unter freiem Himmel, im Sonnenschein und in der frischen Luft zu sein.« Als er eine junge Frau mit wehendem Haar vorbeireiten und einige Radfahrerinnen ohne Begleitung vorbeifahren sah, meinte Er: »Dies ist das Zeitalter der Frau. Sie sollte die gleiche Bildung erhalten wie ihr Bruder und das gleiche Vorrecht genießen, denn vor Gott sind alle Seelen gleich. Das Geschlecht spielt seine notwendige Rolle auf der Ebene des Stofflichen, hat aber mit dem Geistigen nichts zu tun. In diesem Zeitalter geistigen Erwachens hat die Welt den Weg des Fortschritts eingeschlagen und die Arena der Entwicklung betreten, in der die Kraft des Geistes die des Körpers übertrifft. Bald wird der Geist die Herrschaft über die Menschenwelt erlangen.«
Am Abend wurden an die Bahá’í in Ṭihrán telegraphische Grüße geschickt und den Freunden die Anwesenheit ‘Abdu’l-Bahás in Bristol mitgeteilt. Er ließ sie herzlich grüßen und wollte sie wissen lassen, dass es Ihm bei den Freunden in Clifton sehr gut ginge. Dieses Telegramm war die Antwort auf ein vorheriges aus Ṭihrán, in dem die Freunde den Menschen im Gästehaus zu Seinem bevorstehenden Besuch gratulierten.
Später kamen neunzig Personen zu einem offenen Empfang, um ‘Abdu’l-Bahá zu begrüßen. Er sprach zu ihnen mit eindrucksvoller Bestimmtheit und sagte:
»Ich heiße Sie herzlich willkommen. Ich kam von weit her, um Sie zu besuchen. Ich danke Gott, dass ich nach vierzig Jahren des Wartens endlich kommen und meine Botschaft bringen durfte. Diese Versammlung ist voll Geistigkeit. Alle hier Anwesenden haben ihre Herzen Gott zugewandt. Sie suchen und sehnen sich nach frohen Botschaften. Die Kraft des Geistes hat uns hier zusammengeführt. Darum sind unsere Herzen von Dank erfüllt. ›Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, o Gott, auf dass sie uns zu Heiligen Höhen führen!‹ Mögen die heiligen Quellen, die das Leben der Welt erneuern, uns erfrischen! Wie der Tag auf die Nacht folgt und nach dem Sonnenuntergang der Morgen anbricht, so erschien Jesus Christus wie eine Sonne der Wahrheit am Horizont dieser Welt. So war es auch, als die Menschen die Lehren Christi und Sein Vorbild der Liebe zu allen Menschen vergessen hatten und von materiellen Dingen wieder übersättigt waren, da ging in Persien aufs Neue ein himmlisches Gestirn auf; ein neues Licht erschien, und jetzt ergießt sich ein großes Leuchten über alle Länder.
Die Menschen behalten ihren Besitz sich selbst zur Freude und teilen die von Gott empfangenen Gnadengaben nicht genug mit anderen. So wird der Frühling in einen Winter aus Selbstsucht und Eigennutz verwandelt. Jesus Christus sagte: ‚Ihr müsst wiedergeboren werden’, so dass in euch erneut himmlisches Leben entstehen kann. Seid zu den Menschen um euch freundlich und dienet einander. Liebt Gerechtigkeit und Ehrlichkeit in all eurem Tun. Betet inständig und lebt euer Leben so, dass Sorge euch nicht beeinflussen kann. Betrachtet die Menschen eures Volkes und anderer Völker als Teile eines organischen Ganzen, als Söhne des selben Vaters. Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr zum Volke Gottes gehört. Dann werden Krieg und Streit aufhören und der Größte Friede wird die ganze Welt umspannen.«
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá sich zurückgezogen hatte, hielten Tammaddun’ul-Mulk und Mr. W. Tudor Pole kurze Ansprachen, in denen sie auf das Martyrium der Gläubigen in Persien, besonders auf das der herausragenden Dichterin Qurratu’l-‘Ayn, hinwiesen.
Der folgende Tag war ein herrlicher Sonntag und ‘Abdu’l-Bahá fuhr mit Seinen Freunden aufs Land hinaus. Sie gingen auf den Wiesen spazieren. Danach rief Er die Bediensteten des Hauses herbei, sprach zu ihnen über die Würde der Arbeit, dankte ihnen für ihre Dienste und gab jedem ein Andenken an Seinen Besuch. Er ging durch das Gästehaus, erteilte ihm als einem Zentrum für Pilger aus aller Welt Seinen Segen und sagte, es werde ein wahres Erholungsheim werden.
Am Morgen des dritten Tages besuchte Ihn beim Frühstück ein Domherr der anglikanischen Kirche. Das Gespräch kam auf das zögerliche Widerstreben der Reichen, sich von ihren Besitztümern zu trennen, und ‘Abdu’l-Bahá zitierte den Ausspruch Jesu: »Wie selten werden die Reichen ins Himmelreich kommen«Q6. Er sagte, der wahre Sucher werde erst dann frohgemut den Pfad des Verzichtes beschreiten, wenn er erkenne, dass die Bindung an das Materielle ihn von seinem geistigen Erbe fernhalte. Dann werde der Reiche seinen weltlichen Besitz freudig mit dem Bedürftigen teilen. ‘Abdu’l-Bahá verglich die Ihm gewährte schlichte Gastfreundschaft mit den kostspieligen Gelagen der Reichen, die allzu oft an ihren teuren Tafeln sitzen und die hungrigen Menschenmassen vergessen.
Er bat Seine Zuhörer dringend, das Licht in ihrem eigenen Heim zu verbreiten, damit es schließlich das ganze Volk erleuchte.
Dann kehrte ‘Abdu’l-Bahá nach London zurück. Wer das Vorrecht hatte, Ihm zu begegnen, wünschte sich aufrichtig, dass die Gläubigen in anderen Ländern erfahren würden, wie sehr die Menschen in Clifton Seinen Besuch geschätzt und Seine geistige Kraft und Liebe gespürt haben.
Thomas Pole
In Byfleet
Am 9. September genoss eine Gruppe von Mitarbeiterinnen des Passmore Edwards’ Settlement nachmittags das große Vorrecht, ‘Abdu’l-Bahá zu begegnen. Diese Damen verbrachten gerade ihre Ferien bei Miss Schepel und Miss Buckton im Hause Vanners in Byfleet, einem etwa zwanzig Meilen außerhalb von London gelegenen Dorf. Sie schrieben für sich einen kurzen Bericht über das, was Er gesagt hatte. Hier ein Auszug daraus:
Wir versammelten uns um Ihn im Kreis und Er hieß uns auf der Fensterbank neben Ihm Platz nehmen. Eine der Damen, die gerade krank war, ließ Er ganz besonders herzlich grüßen. Während Er sich setzte, begann ‘Abdu’l-Bahá zu fragen: »Seid ihr glücklich?«, und unsere Gesichter müssen Ihm verraten haben, dass wir es waren. Dann sagte Er: »Ich liebe euch alle. Ihr seid die Kinder des Königreichs und ihr seid von Gott angenommen. Wenn ihr hier auch arm seid, so seid ihr doch reich an den Schätzen des Königreiches. Ich bin der Diener der Armen. Denkt an die Worte Jesu: ›Selig sind die Armen!‹Q7 Wenn auch alle Königinnen der Erde hier versammelt wären, so könnte ich nicht froher sein!«
‘Abdu’l-Bahá wusste, dass wir eine Sammelbüchse hatten, aus der wir Menschen zu helfen versuchten, die weniger vom Glück begünstigt waren als wir. Plötzlich stand Er auf und sagte: »Ihr seid mir sehr lieb. Ich möchte etwas für euch tun! Ich kann nicht für euch kochen (Er hatte uns zuvor in der Küche hantieren sehen), aber hier ist etwas für euren Fonds.« Er ging reihum zu einer jeden, schüttelte uns allen mit herzlichem Lächeln die Hand und sagte den Bahá’í-Gruß: »Alláh-u-Abhá!«
Hernach spazierte Er durch das Dorf. Viele arme Kinder, Mütter mit kranken Babies und arbeitslose Männer kamen zu Ihm. Mit Hilfe eines Dolmetschers sprach Er mit allen. Zum Nachmittagstee gesellten sich weitere Freunde zu uns. ‘Abdu’l-Bahá mochte den Landhausgarten, den Obstgarten und die Rosen von Vanners und meinte: »Hier ist es wie in einem persischen Garten. Die Luft ist so rein.«
Bei Seiner Abreise nach London überreichte Er jedem ein purpurfarbenes wildes Stiefmütterchen aus dem Garten und sagte immer wieder auf Englisch »Good-bye«.
Am 28. September besuchte ‘Abdu’l-Bahá noch einmal Vanners, das kleine Landhaus auf dem alten königlichen Herrensitz aus der Zeit Edward II. Er kam mit dem Auto von London, blieb über Nacht und fuhr am zweiten Tag abends zurück.
Auf der Fahrt beeindruckten ‘Abdu’l-Bahá zwei Pfadfindergruppen, die den Weg entlang wanderten. Als man Ihm den Leitsatz der Pfadfinder ›Seid bereit‹ mitteilte und dass eine ihrer Regeln sei, jeden Tag eine gute Tat zu tun und dass einige dieser Jungen ein Feuer gelöscht und kürzlich bei einem Eisenbahnunglück Hilfe geleistet hätten, meinte Er: »Das macht mich sehr glücklich.«
In Vanners angekommen fand Er vor dem Tor eine sehr ungewöhnlich zusammengesetzte Menschenmenge vor – von den Ärmsten bis zu den mit dem Auto von ihren Landsitzen angereisten Reichen – die Ihn herzlich begrüßten. Ein guter Teil folgte Ihm und so viele eben konnten drängten in den Garten und ließen sich um Ihn herum nieder. Es herrschte eine eindrucksvolle Stille. Auch unter diesen Menschen war die gleiche Aufmerksamkeit und Begier nach Seinen Worten zu beobachten wie beim vorherigen Besuch ‘Abdu’l-Bahás im Dorf.
Nachdem Er Seine Freude über das Beisammensein mit ihnen bekundet hatte, begann Er vor der kleinen Gruppe eine Frage zu beantworten, in der es um die hoch entwickelte westliche Zivilisation ging.
Die Knechtschaft des Menschen
‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Luxus legt den freien Austausch lahm. Ein von Wünschen besessener Mensch ist immer voller Sorgen. Die Kinder des Reiches Gottes haben die Fesseln ihrer Wünsche abgeworfen. Zerreißt alle Ketten und sucht nach geistiger Freude und Erleuchtung. Dann werdet ihr erkennen, dass euer Blick schon auf dieser Erde die Weiten des göttlichen Horizontes wahrnimmt. Nur der Mensch ist dazu fähig. Wenn wir uns umschauen sehen wir, dass jedes andere Geschöpf von seinem Umfeld abhängt.
Der Vogel ist an die Luft gebunden, der Fisch an das Meer. Nur der Mensch steht über den Dingen und sagt zu den Elementen: ›Ich will euch zu meinen Dienern machen! Ich kann euch beherrschen!‹ Durch seine Erfindungsgabe sperrt er die Elektrizität ein und macht sie zum wunderbaren Kraftquell für Beleuchtung und zum Kommunikationsmittel über Entfernungen von Tausenden von Meilen. Doch der Mensch kann zum Gefangenen seiner eigenen Erfindungen werden. Seine wahre zweite Geburt erlebt er, wenn er sich von allem Materiellen befreit hat, denn nur wer nicht an seine Wünsche gefesselt ist, ist frei. Dann wird er, wie Jesus sagte, vom Heiligen Geist eingenommen.«
Die Macht Gottes
Ein Freund fragte ‘Abdu’l-Bahá, wie sehr ein Mensch dem Christusbewusstsein, von dem Paulus als unserer ruhmreichen Hoffnung spricht,A6 in seinem Herzen nahekommen kann.
Mit einem Blick voll großer Freude wandte ‘Abdu’l-Bahá sich um und sagte mit einer beeindruckenden Geste:
»Die Gnade und Kraft Gottes ist jeder Menschenseele zugedacht und kennt keine Grenzen. Überlegt: welch belebende Kraft strömte von Christus aus, als Er auf Erden weilte. Betrachtet Seine Jünger! Sie waren arme, ungebildete Menschen. Aus dem derben Fischer formte Er den großen Petrus, und aus Magdalena, dem armen Mädchen vom Dorf, machte Er eine Gestalt, die heute in aller Welt Einfluss ausübt. Viele Königinnen haben regiert, von denen nur historische Daten blieben und sonst nichts. Aber Maria Magdalena überragt sie alle. Sie war es, deren Liebe die Jünger erstarken ließ, als deren Glaube ermattete. Was sie für die Welt tat, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Seht, welch göttliche Kraft in ihr durch die Macht Gottes entflammt wurde!«
Erleuchtete Boten
Auf die Frage, ob das Auftreten von Propheten von Zeit zu Zeit notwendig sei – »würde die Welt nicht im Laufe der Ereignisse durch Weiterentwicklung zur vollen Erkenntnis Gottes gelangen?« – antwortete ‘Abdu’l-Bahá:
»Die Menschheit braucht eine umfassend motivierende Antriebskraft, damit sie neu belebt wird. Der erleuchtete Bote, dem die Macht Gottes unmittelbar beisteht, bringt allumfassende Resultate zuwege. Bahá’u’lláh stieg als Licht in Persien empor, und nun strahlt dieses Licht über die ganze Welt.«
Frage: Ist darunter das Zweite Kommen Christi zu verstehen?
Antwort: »In Christus bringt sich die Göttliche Wirklichkeit, die Eine und Himmlische Wesenheit, die weder Anfang noch Ende hat, zum Ausdruck. In jedem Zyklus tritt sie in Erscheinung, erstrahlt, offenbart sich und geht unter.«
Wer mit ‘Abdu’l-Bahá beisammen war, bemerkte, dass Er sich öfters nach einem ernsten Gespräch mit Menschen plötzlich umwandte und wegging, um allein zu sein, und dass Ihm in solchen Augenblicken niemand folgte. Als Er diesmal seine Rede beendet hatte und durch das Gartentor ins Dorf ging, beeindruckte alle Seine gelöste, wunderbare Art zu gehen, von der ein amerikanischer Freund meinte, sie gleiche der eines Hirten oder eines Königs.
Als Er an den zerlumpten Kindern vorbeiging, die Ihn zu Dutzenden umringten, salutierten die Buben so, wie sie es in der Schule gelernt hatten und zeigten damit, wie instinktiv sie die hohe Bedeutung Seiner Anwesenheit spürten. Am bemerkenswertesten war das Verstummen selbst der derbsten Männer, wenn ‘Abdu’l-Bahá erschien. Ein armer Landstreicher rief: »Er ist ein guter Mann!« und fügte hinzu »Er hat sicher viel gelitten!«
Ganz besonders interessierte Er sich für die kranken, behinderten und unterernährten Kinder. Mütter mit ihren Kleinen auf dem Arm gingen Ihm nach, und ein Freund machte ihnen verständlich, dass dieser hohe Besucher über die Meere aus dem Heiligen Land gekommen sei, von dort, wo Christus geboren worden war.
Den ganzen Tag über kamen Menschen aus allen Schichten zum Gartentor in der Hoffnung, Ihn zu sehen. Mehr als sechzig kamen mit dem Auto oder Rad nach Vanners, um Ihn dort zu treffen. Viele wollten Ihm zu bestimmten Themen Fragen stellen. Darunter waren Geistliche verschiedener Bekenntnisse, der Direktor einer staatlichen Jungenschule, ein Mitglied des Parlaments, ein Arzt, ein prominenter politischer Essayist, der Vizerektor einer Universität, mehrere Journalisten, ein bekannter Dichter und ein Richter aus London.
Lange wird man daran denken, wie Er in der Nachmittagssonne im Erker saß und Seinen Arm um einen völlig zerlumpten, aber überglücklichen kleinen Jungen gelegt hatte, der gekommen war, um ‘Abdu’l-Bahá um eine Six-Pence-Münze für seine Spardose und für seine kranke Mutter zu bitten – und gleichzeitig unterhielten sich im Zimmer um Ihn herum Männer und Frauen über Erziehung, Sozialismus, das erste Reformgesetz und die Bedeutung von U-Booten und drahtloser Telegraphie für das neue Zeitalter, in das der Mensch nun eintritt.
Irgendwann am Abend bat ein junges verlobtes Paar aus dem Dorf, das einige Bahá’í-Bücher gelesen hatte, um die Erlaubnis, Ihn zu besuchen. Scheu betraten sie den Raum, der Mann vom Mädchen geführt. ‘Abdu’l-Bahá erhob sich, um sie zu begrüßen und hieß sie im Kreise Platz nehmen. Er sprach sehr ernst mit ihnen über die Heiligkeit der Ehe, die Schönheit einer wahren Vereinigung und die große Bedeutung von kleinen Kindern und deren Erziehung. Bevor sie gingen segnete Er sie und benetzte ihnen Stirn und Haare mit einem persischen Duftstoff.
Erziehung
‘Abdu’l-Bahá legte großen Wert auf Erziehung. Er sagte:
»Die Erziehung der Mädchen ist heute wichtiger als die der Jungen, denn sie sind die Mütter der kommenden Generation. Alle haben die Pflicht, sich um die Kinder zu kümmern. Wer keine Kinder hat, sollte möglichst die Verantwortung für die Erziehung eines Kindes übernehmen.«
Die Lebensbedingungen der Mittellosen in den Dörfern wie auch in London haben ‘Abdu’l-Bahá zutiefst berührt. In einem ernsten Gespräch mit dem Leiter einer Pfarrgemeinde sagte ‘Abdu’l-Bahá:
»Ich stelle fest, dass England wohl darum weiß; man ist geistig rege. Aber Ihre Armen sind so schrecklich arm! Das sollte nicht sein. Zum einen leben Sie in Wohlstand und großem Luxus, zum anderen leben Männer und Frauen in allergrößter Not und hungern. Dieser enorme Gegensatz ist einer der Schandflecken für die Zivilisation dieses erleuchteten Zeitalters.
Sie müssen sich wesentlich ernsthafter um die Besserung der Lebensbedingungen der Armen kümmern. Ruhen Sie nicht, bis jeder einzelne, mit dem Sie zu tun haben, für Sie wie ein eigenes Familienmitglied ist. Betrachten Sie jeden entweder als Vater oder Bruder oder Schwester oder Mutter oder als Kind. Wenn Sie das erreichen, werden sich Ihre Probleme lösen und Sie werden wissen, was zu tun ist. Dies besagt die Lehre Bahá’u’lláhs«.
Der Wandel des Herzens
Jemand sprach über den Wunsch des Volkes, das Land zu besitzen, und die latente Bereitschaft zur Rebellion in der Arbeiterklasse. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Kampf und Gewaltanwendung werden keine guten Ergebnisse zeitigen, selbst wenn sie einer gerechten Sache dienen. Die Unterdrückten, die das Recht auf ihrer Seite haben, sollten dieses Recht nicht mit Gewalt an sich reißen, sonst bleibt das Übel bestehen. Die Herzen müssen verwandelt werden. Der Reiche muss den Wunsch haben zu geben! Die Lebenskraft im Menschen sollte wie eine Flamme sein, die jeden erwärmt, der mit ihr in Berührung kommt. Die geistig Erweckten sind in den Augen Gottes wie helle Fackeln, die ihren Mitmenschen Licht und Erquickung spenden.«
Auf die Frage, ob Er die Umgangsformen der Engländer im Vergleich mit denen im Osten nicht als rüde und unangenehm erfahren habe, sagte ‘Abdu’l-Bahá, Er habe nichts dergleichen wahrgenommen. Wenn die Geistigkeit in einem Volk zunehme, werde das Betragen sich verändern.
Christus und Bahá’u’lláh
Ein Freund fragte, inwiefern die Lehren Bahá’u’lláhs zu den Lehren Jesu Christi im Gegensatz stehen. »Die Lehren sind gleich«, erklärte ‘Abdu’l-Bahá, »sie haben die gleiche Grundlage und entstammen dem gleichen Tempel. Es gibt nur eine ungeteilte Wahrheit. Die Lehren Jesu sind sehr konzentriert. Bis heute sind die Menschen sich über die Bedeutung vieler Seiner Aussagen gar nicht einig. Seine Lehren sind wie eine in der Knospe verborgene Blüte. Heute entfaltet sich die Knospe zur Blüte! Bahá’u’lláh hat die Lehren erfüllt, sie erweitert und Punkt für Punkt auf die ganze Welt angewandt.
Unter den Bahá’í gibt es keine Einzelgänger, keine Einsiedler. Der Mensch muss mit seinen Mitmenschen zusammenarbeiten. Jeder, ob reich oder arm, sollte ein Gewerbe, eine Kunst oder einen erlernten Beruf ausüben, und damit muss er der Menschheit dienen. Ein solcher Dienst wird als höchste Form der Anbetung angenommen.«
Kunst
Eine Malerin fragte: »Ist Kunst eine achtbare Beschäftigung?« ‘Abdu’l-Bahá wandte sich ihr in beeindruckender Weise zu und sagte: »Kunst ist Anbetung.«
Ein Schauspieler erwähnte das Schauspiel und dessen Einfluss. »Das dramatische Schauspiel ist höchst bedeutsam«, sagte ‘Abdu’l-Bahá. »Früher hatte es große erzieherische Kraft, und diese wird es wieder erlangen.« Er schilderte, wie Er als kleiner Junge das Mysterienspiel vom Verrat an ‘Alí und dessen Leidensweg gesehen habe und Ihn dieses Spiel so tief ergriffen habe, dass Er weinte und nächtelang nicht schlafen konnte.
Bekenntnissymbole
Jemand wollte wissen, ob das Tragen von Bekenntnissymbolen, z.B. eines Kreuzes, eine gute Gewohnheit sei. Er sagte: »Sie tragen das Kreuz zum Gedenken, es konzentriert Ihre Gedanken. Es hat keine magische Kraft. Die Bahá’í tragen oft einen Stein, in den der Größte Name eingraviert ist. Der Stein übt keinen magischen Einfluss aus. Er dient als Mahner und Begleiter.
Wenn Sie im Begriff sind, etwas Selbstsüchtiges oder Vorschnelles zu tun und Ihr Blick dann auf den Ring an Ihrer Hand fällt, werden Sie sich besinnen und Ihre Absicht ändern.«
Esperanto
Ein Freund sprach Bahá’u’lláhs Prophezeiung in den Worten des Paradieses an, es werde eine Weltsprache geschaffen werden,A7 und wollte gerne wissen, ob Esperanto einmal die dafür auserwählte Sprache sein werde. Er antwortete:
»Die für Esperanto aufgewendete Liebe und Mühe wird nicht verloren sein, aber eine Einzelperson kann nicht eine universale Sprache ausarbeiten. Sie muss von einem Rat, der alle Länder vertritt, geschaffen werden und Wörter aus verschiedenen Sprachen beinhalten. Die einfachsten Regeln sollen gelten und es wird keine Ausnahmen geben, auch keine Geschlechtswörter oder besondere und stumme Laute. Jede Sache wird nur eine Bezeichnung haben. Im Arabischen gibt es hunderte Worte für das Kamel! In den Schulen aller Länder wird die Muttersprache und gleichzeitig die überarbeitete Weltsprache gelehrt werden.«
Tolstoi
Der gleiche Fragesteller sagte: »Ich habe vieles von Tolstoi gelesen und sehe eine Parallele zwischen seinen Lehren und den Ihrigen. In einem seiner Bücher spricht er vom Rätsel des Lebens und beschreibt, wie wir bei unserem Streben, den Schlüssel zu finden, unser Leben vergeuden. Aber Tolstoi fährt fort:›Es gibt in Persien einen Mann, der das Geheimnis kennt.‹«
»Ja«, sagte ‘Abdu’l-Bahá, »Ich bekam von Tolstoi einen Brief und darin schrieb er, dass er ein Buch über Bahá’u’lláh schreiben wolle.«
Heilung
Ein an der Heilkunst interessierter Freund zitierte die Worte Bahá’u’lláhs: »Wenn jemand krank ist, soll er zum besten Arzt gehen.«Q8
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Es gibt nur eine heilende Kraft – das ist Gott. Die Verfassung oder die Vorbedingung, unter der sich die Heilung vollzieht, ist die Zuversicht des Herzens. Bei manchen wird dieser Zustand durch Pillen, Pulver und Ärzte erreicht, bei anderen durch Hygiene, Fasten und Beten, bei wieder anderen durch unmittelbares Empfinden.«
Bei einer anderen Gelegenheit sagte ‘Abdu’l-Bahá zu eben diesem Thema: »Wir sehen um uns herum nichts als das Wirken des Geistes. Der Geist in den Kräutern und im Mineral wirkt auf den menschlichen Körper und verändert seinen Zustand.« Die Ansprache entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Erörterung der Philosophie von Aristoteles.
Tod
Ein Freund fragte: »Wie soll man dem Tod entgegensehen?«
‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Wie sieht man dem Ende einer Reise entgegen? Mit Hoffnung und Erwartung. So ist es auch mit dem Ende dieser Erdenreise. In der nächsten Welt wird der Mensch sich von vielen Unzulänglichkeiten, unter denen er jetzt leidet, befreit fühlen. Wer durch den Tod gegangen ist, lebt in einer eigenen Sphäre. Sie ist der unsrigen nicht entrückt: ihr Wirken im Königreich ist das unsrige. Aber sie ist geheiligt von dem, was wir Raum und Zeit nennen. Unsere Zeit wird nach der Sonne gemessen. Wenn es keinen Sonnenaufgang und keinen Sonnenuntergang mehr gibt, so gibt es für den Menschen auch nicht mehr diese Art von Zeit. Die Aufgestiegenen haben Merkmale, die sich von den Eigenschaften derer unterscheiden, die noch auf Erden sind. Doch besteht keine wirkliche Trennung zwischen ihnen.
Im Gebet tritt eine Vermischung der Stufen und Zustände ein. Betet für sie, wie sie auch für euch beten. Wenn ihr, ohne es zu wissen, in einem empfänglichen Zustand seid, können sie euch, falls ihr Schwierigkeiten habt, Ratschläge geben. Dies geschieht manchmal im Schlaf. Es gibt jedoch keinen äußerlich wahrnehmbaren Austausch! Was ein wahrnehmbarer Austausch zu sein scheint, ist anders zu erklären.«
Ein Fragesteller rief aus: »Aber ich habe eine Stimme gehört!«
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Ja, das ist möglich, in Träumen hören wir deutliche Stimmen. Es ist nicht das körperliche Ohr, mit dem Sie gehört haben. Der Geist derer, die hingeschieden sind, ist vom Sinnesleben befreit und benützt keine physikalischen Mittel. Diese bedeutsamen Themen in menschliche Worte zu fassen ist nicht möglich. Die Sprache des Menschen ist eine Kindersprache, und oft führen menschliche Erklärungen in die Irre.«
Ein Gast fragte, wie es zugehe, dass sich das Herz öfters instinktiv an bestimmte Freunde wende, die in das nächste Leben eingegangen sind.
‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Es ist ein Gesetz in Gottes Schöpfung, dass sich der Schwache an den Starken lehnt. Die, an die Sie sich wenden, mögen Vermittler der göttlichen Kraft für Sie sein, wie wenn sie auf Erden wären. Aber es ist der eine Heilige Geist, der allen Menschen Kraft verleiht.«
Daraufhin wies ein anderer Freund auf das Gespräch von Jesus auf dem Berg der Verklärung mit Moses und Elias hin.
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Die Gläubigen werden stets durch die Anwesenheit der Himmlischen Heerscharen unterstützt. Zu den Himmlischen Heerscharen gehören Jesus und Moses und Elias und Bahá’u’lláh und andere erhabene Seelen, und ebenso die Märtyrer.«
Als Er über das Weiterbestehen der Persönlichkeit eines Tieres nach dessen Tod gefragt wurde, sagte ‘Abdu’l-Bahá: »Selbst die edelsten Zuchthunde besitzen nicht die unsterbliche Seele des Menschen, doch der Hund ist auf seiner Stufe vollkommen. Sie streiten doch nicht mit einem Rosenbäumchen, weil es nicht singen kann!«
Ein wahrer Bahá’í (1)
Ein junger Mann, der die modernen Methoden der Bibelkritik studierte, fragte ‘Abdu’l-Bahá, ob er gut daran tue, wenn er weiterhin der Kirche angehöre, mit der er zeitlebens verbunden war und deren Sprache für ihn so voller Bedeutung war. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Sie sollten sich nicht von ihr trennen. Sie sollten wissen: Das Reich Gottes gehört keiner bestimmten Gruppe. Manche Sucher durchwandern viele Gemeinschaften so wie ein Reisender viele Städte durchstreift, bis er sein Ziel erreicht. Wenn Sie schon zu einer Gruppe gehören, verleugnen Sie nicht ihre Brüder. Sie können ein Bahá’í-Christ, ein Bahá’í-Freimaurer, ein Bahá’í-Jude, ein Bahá’í-Muslim sein. Die Zahl neun enthält acht und sieben und alle anderen Zahlen und verleugnet keine davon. Bringen Sie niemanden durch die Worte ›Er ist kein Bahá’í‹ in Bedrängnis, weisen Sie keinen ab. Er wird an seinen Taten erkannt werden. Bei den Bahá’í gibt es keine Geheimnisse, ein Bahá’í hat nichts zu verbergen.«
Verbreiten der Lehren
Als ein amerikanischer Freund fragte, »welcher der beste Weg sei zum Verbreiten der Lehren«, sagte Er:
»Durch Taten. Dieser Weg steht allen offen, und Taten werden von allen verstanden. Arbeiten Sie mit jenen zusammen, die sich für die Armen, Schwachen und Glücklosen einsetzen, das ist höchst lobenswert. Mit Worten zu lehren erfordert das Können eines weisen Arztes. Er bietet denen, die keine Behandlung wünschen, seine Hilfe auch nicht an. Drängen Sie Ihre Hilfe nicht jenen auf, die Ihren Beistand nicht brauchen. So zu lehren ist nicht jedem gegeben.«
Die folgende Episode zeigt, wie sehr ‘Abdu’l-Bahá auf die kleinsten Einzelheiten achtete, wenn es um andere Menschen ging. Als Er hörte, dass einige Seiner Freunde von London hergereist waren und vorhatten, die Nacht im Dorf zu verbringen, um in Seiner Nähe zu sein, lud ‘Abdu’l-Bahá sie sogleich als Seine Gäste in den Gasthof ein, begab sich in Sorge um ihr Wohl persönlich dorthin und prüfte die Zimmer, weil es nachts bereits kalt wurde.
In BrooklandsA8
Am Morgen des zweiten Tages schickte eine Nachbarin ihren Wagen herüber und ließ fragen, ob ‘Abdu’l-Bahá nicht gerne mit Seinen Besuchern zum Flugplatz von Brooklands fahren möchte. Trotz windigen Wetters war ein Pilot auf der Piste. Als er hörte, wer der Besucher war, bot er an, für ihn zu fliegen. ‘Abdu’l-Bahá ging ohne Seine Freunde mitten aufs Rollfeld hinaus, wo Er ganz alleine stand und zuschaute, wie der Doppeldecker über Ihm seine Kreise zog.
Ein Hindu, der an der Schule fliegen lernte, gesellte sich zu ‘Abdu’l-Bahás Freunden und fragte: »Wer ist dieser Mann in orientalischer Kleidung?«
Als man es ihm sagte, rief er: »Oh, ich kenne ihn sehr gut durch seine Lehren, die ich aufmerksam studiert habe!« und ging sofort zu ‘Abdu’l-Bahá.
Eine Weile unterhielten sie sich auf Arabisch. Dem jungen Mann sah man an, wie überglücklich er über sein Beisammensein mit ‘Abdu’l-Bahá war. Später erzählte er, dass er sich seit Jahren nach diesem Augenblick gesehnt hatte.
Als es draußen Tee gab, saßen ‘Abdu’l-Bahá und der junge Hindu am oberen Ende der langen, dafür aufgestellten Bänke und unterhielten sich mit allen recht angeregt.
‘Abdu’l-Bahá beobachtete, wie sich zwei der Piloten auf dem Boden balgten, und als sie aufhörten, ging Er zu ihnen, klatschte in die Hände und rief auf Englisch: »Bravo, bravo! Das war eine gute Übung!«
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá wieder zurück in Ägypten war, sandte Er den Menschen in Byfleet eine freundliche Grußbotschaft und schrieb, Er werde sie niemals vergessen.
Aufenthalt in London
Während ‘Abdu’l-Bahás Aufenthalt in Cadogan Gardens kamen tagtäglich von früh am Morgen bis spät am Abend Menschen in der Hoffnung, Ihn zu sehen und zu sprechen. Zahlreich waren die Begegnungen am Tisch dieses gastlichen Hauses. Hunderte Menschen wurden willkommen geheißen. Viele kamen unangemeldet, aber niemand wurde abgewiesen. Es kamen Geistliche verschiedener Bekenntnisse, Parlamentsmitglieder, Beamte und Schriftsteller.
Nicht nur Engländer kamen zu Besuch. Zahlreiche Perser waren aus Ṭihrán und anderen Städten des Ostens angereist, um ungehindert Den zu sehen, der ihnen durch Seine Gefangenschaft so lange vorenthalten gewesen war.
Der Herausgeber einer in Japan gedruckten Zeitung änderte seine Rückreiseroute nach Japan, damit er einen Abend in ‘Abdu’l-Bahás Nähe verbringen konnte, und ein zoroastrischer Arzt aus Bombay kam an seinem Rückreiseabend nach Indien noch zu später Stunde.
Frauenbewegung
‘Abdu’l-Bahás Interesse an der Frauenbewegung und dem Fortschritt der Frauen ist bekannt. Von den beachtenswerten führenden Persönlichkeiten, die Ihn besuchten, sind zu erwähnen: Mrs. Annie Besant, die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft, Organisatorinnen verschiedener Frauenrechtsgruppen, Wohlfahrts- und Sozialarbeiterinnen, die Leiterinnen mehrerer Frauenakademien sowie Ärztinnen.
An die folgende lebhafte Unterhaltung mit einer leidenschaftlichen Frauenrechtlerin werden sich alle, die dabei sein durften, noch lange erinnern. Männer und Frauen drängten sich im Zimmer, und viele Perser saßen in ihrer üblichen respektvollen Haltung auf dem Boden.
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá ganz allgemein die Stellung der Frau im Osten mit der im Westen verglichen und dann geschildert hatte, dass die Frauen im Osten gegenüber ihren westlichen Schwestern in mancherlei Hinsicht im Vorteil seien, wandte Er sich um und sagte zu Seiner Besucherin: »Nennen Sie mir Ihre Gründe, weshalb Sie meinen, die Frauen sollten heutzutage das Stimmrecht haben!«
Antwort: »Ich glaube, dass die Menschheit göttlichen Ursprungs und Wesens ist und dass sie sich höher und höher entwickeln muss. Sie kann sich jedoch nicht mit nur einem Flügel emporschwingen.«
‘Abdu’l-Bahá brachte seine Freude über diese Antwort zum Ausdruck und erwiderte lächelnd: »Aber was machen Sie, wenn ein Flügel stärker ist als der andere?«
Antwort: »Dann müssen wir den schwächeren stärken, sonst wird der Flug immer Schwierigkeiten bereiten.«
‘Abdu’l-Bahá lächelte und fragte: »Was werden Sie sagen, wenn ich Ihnen beweise, dass die Frau der stärkere Flügel ist?«
Die Antwort kam – zur Erheiterung der ganzen Gesellschaft – genauso humorvoll zurück: »Ich werde Ihnen ewig dankbar sein!«
Dann fuhr ‘Abdu’l-Bahá in ernsterem Ton fort:
»Die Frau hat für die Menschheit tatsächlich die größere Bedeutung. Sie hat die größere Last zu tragen und schwerere Arbeit zu leisten. Betrachten wir die Pflanzen- und die Tierwelt. Die fruchttragende Palme ist der vom Züchter am meisten geschätzte Baum. Der Araber weiß, dass auf einer weiten Reise die Stute den längeren Atem hat. Wegen ihrer größeren Kraft und Wildheit fürchtet der Jäger die Löwin mehr als den Löwen.
Die bloße Größe des Gehirns erwies sich in keinerlei Weise als Grund für eine Überlegenheit. Die Frau hat mehr Zivilcourage als der Mann; sie hat auch besondere Gaben, die sie in Gefahr und Krisenzeiten befähigen, den Überblick zu bewahren. Wenn nötig wird sie sogar zur Kämpferin.«
Zenobia
‘Abdu’l-Bahá fragte die Anwesenden, ob sie die Geschichte von Zenobia und dem Untergang Palmyras kennen. Also erzählte Er die folgende Geschichte, begleitet von den für Ihn so charakteristischen würdigen, einfachen Gesten Seiner Hände.
»Im Altertum lebte in Syrien ein Herrscher,A9 der eine schöne und kluge Frau hatte. Sie war so tüchtig, dass man sie nach dem Tod des Herrschers zur Regentin an seiner statt machte.A10 Unter ihrer Herrschaft kam das Land zu Wohlstand, und die Männer anerkannten dankbar, dass sie besser regierte als ihr Mann. Nach einiger Zeit fielen römische Legionen ins Land ein, aber sie jagte sie immer wieder in die Flucht. Sie ließ ihr schönes Haar offen wallen und ritt selbst an der Spitze ihres Heeres, trug einen scharlachroten Mantel, eine goldene Krone und führte ein zweischneidiges Schwert in der Hand. Da zog der römische KaiserA11 seine Streitmacht aus fünf anderen Provinzen ab, um sie zu unterwerfen. Nach langem, tapferem Kampf zog sich Zenobia in die Stadt Palmyra zurück, deren Festungsanlagen sie bewundernswert verstärkte. Dort hielt sie einer viermonatigen Belagerung stand, und dem Kaiser gelang es nicht, sie zu vertreiben. Schließlich waren die in der Festung gelagerten Nahrungsmittel aufgebraucht und die Not ihres hungernden, von Seuchen geplagten Volkes zwang sie, sich zu ergeben.
Der Caesar bewunderte den Mut und die Ausdauer dieser großartigen Frau unendlich und bat sie, seine Frau zu werden. Sie aber lehnte ab und sagte, sie werde nie nachgeben und den Feind ihres Volkes zum Manne nehmen. Der Kaiser raste vor Wut und beschloss, sie zu demütigen. Auf der Rückfahrt nahm er sie auf seinen Schiffen mit nach Rom. Für seinen triumphalen Einzug wurde eine große Prozession zusammengestellt, und in den Straßen drängten sich die Menschen. In der Prozession kamen zuerst die Elefanten, nach den Elefanten kamen die Kamele, nach den Kamelen kamen die Tiger und Leoparden, nach den Leoparden kamen die Affen und ganz am Ende nach den Affen schritt Zenobia mit einer goldenen Kette um ihren Hals. Ruhig und hoch erhobenen Hauptes blieb sie fest in ihrer entschlossenen Haltung. Nichts konnte ihren Mut brechen! Sie weigerte sich, des Caesars Kaiserin zu werden. Also wurde sie in einen Kerker geworfen, wo sie schließlich starb.«
‘Abdu’l-Bahá verstummte. Der Raum versank in tiefes Schweigen, das erst nach geraumer Zeit gebrochen wurde.
Bei einer anderen Gelegenheit sagte ‘Abdu’l-Bahá zu einem Ihn umgebenden Kreis von Freunden:
»Im Großen und Ganzen haben die Frauen heute einen stärkeren Sinn für Religion als die Männer. Die Intuition der Frau ist treffsicherer, sie ist aufnahmefähiger und ihre Intelligenz erfasst die Dinge rascher. Die Zeit wird kommen, in der die Frau geltend macht, dass sie dem Mann überlegen ist.
Die Frau wurde allenthalben wegen ihrer Treue gelobt. Nachdem der Herr Christus den Märtyrertod erlitten hatte, weinten die Jünger und gaben sich ihrem Kummer hin. Sie meinten, ihre Hoffnungen seien zerstört und die Sache gänzlich verloren, bis Maria Magdalena zu ihnen kam und sie aufrichtete mit den Worten: ‚Trauert ihr um den Körper unseres Herrn oder um Seinen Geist? Wenn ihr um Seinen Geist trauert, seid ihr im Irrtum, denn Jesus lebt! Sein Geist wird uns niemals verlassen!’ So wurde durch ihre Weisheit und Ermutigung die Sache Christi für alle Zeiten am Leben erhalten. Ihre Intuition befähigte sie, die geistige Bedeutung zu erfassen.«
‘Abdu’l-Bahá fügte dann hinzu: »Aber vor Gottes Antlitz ist das Geschlecht nicht von Bedeutung. Wer Gott am nächsten ist, der oder die ist am größten.«
Als ‘Abdu’l-Bahá eines Morgens den Raum betrat, schaute Er sich um und sagte: »Unser Beisammensein ist wie ein Wunder. Nichts Rassisches, Politisches oder Patriotisches verbindet uns. Die Worte Bahá’u’lláhs führen uns zusammen, und genau so werden alle Rassen auf Erden vereint werden. Seid dessen sicher!«
Ein wahrer Bahá’í (2)
»Ich habe vorher noch nie von Bahá’u’lláh gehört«, sagte ein junger Mann. »Erst vor kurzem habe ich etwas über diese Bewegung gelesen. Ich halte das Anliegen ‘Abdu’l-Bahás jedoch für richtig und möchte gerne zu seinen Anhängern gehören. Ich habe immer daran geglaubt, dass Brüderlichkeit unter den Menschen die beste Lösung ist für alle unsere nationalen und internationalen Probleme.«
»Ob Sie jemals von Bahá’u’lláh gehört haben, ist nicht entscheidend«, war die Antwort. »Der Mensch, der nach den Lehren Bahá’u’lláhs lebt, ist schon ein Bahá’í. Andererseits kann jemand sich fünfzig Jahre lang Bahá’í nennen; wenn er aber nicht das Leben eines Bahá’í führt, dann ist er kein Bahá’í. Ein hässlicher Mensch mag sich selbst schön nennen, aber er täuscht niemanden, und ein Schwarzer mag sich selbst weiß nennen, doch auch er vermag niemanden zu täuschen, nicht einmal sich selbst.«
Der künftige Friede
»Durch welche Schritte«, fuhr der Fragende fort, »wird dieser Friede auf Erden errichtet? Wird er plötzlich nach einer weltweiten Verkündung der Wahrheit kommen?«
»Nein, er wird schrittweise erreicht,« sagte ‘Abdu’l-Bahá. »Eine Pflanze, die zu schnell wächst, lebt nur kurze Zeit. Ihr seid meine Familie«, und Er sah mit einem Lächeln um sich, »meine neuen Kinder! Wenn eine Familie in Einklang lebt, werden große Ergebnisse erzielt. Zieht einen größeren Kreis: Wenn eine Stadt in inniger Eintracht lebt, werden größere Ergebnisse die Folge sein, und ein völlig geeinter Erdteil wird ebenso alle anderen Erdteile einen. Dann ist die Zeit der größten Ergebnisse gekommen, denn alle Bewohner der Erde gehören zu einem Heimatland.«
Das reine Herz
Als ‘Abdu’l-Bahá gefragt wurde, was unter einem reinen Herzen zu verstehen sei, sagte Er:
»Das ist ein reines Herz, das sich vom Selbst gänzlich getrennt hat. Selbstlos sein bedeutet rein sein.«
Wahre Geistigkeit
Eines Morgens traf ‘Abdu’l-Bahá mit der Gruppe von Suchern zusammen und begann unvermittelt mit einer Rede:
»Gelobt sei Gott! Dieses Jahrhundert ist ein wunderbares Jahrhundert! Möge die Liebe Tag für Tag zunehmen. Möge sie Funken schlagen, um die Kerze im Dunkeln anzuzünden – wie ein Geschenk und eine Gnade von Gott.
Wisset, o ihr Einsichtigen, dass wahre Geistigkeit wie ein See voll klaren Wassers ist, der das Göttliche widerspiegelt. Die Geistigkeit Christi war von dieser Art. Es gibt noch eine andere Art, die einer Luftspiegelung gleicht und geistig zu sein scheint, es aber nicht ist. Das wahrhaft Geistige muss den Pfad zu Gott erhellen und sich in Taten äußern. Wir können der Aufforderung zur Geistigkeit nicht glauben, wenn keine Ergebnisse vorliegen. Der Geist ist eine Wirklichkeit, und wenn der Geist in jedem von uns sich mit der Erhabenen Wirklichkeit zu vereinen sucht, muss er seinerseits Leben spenden. Zur Zeit Christi waren die Juden tot, ohne wahres Leben, und Jesus blies in Wirklichkeit neuen Odem in ihre Leiber. Schaut, was seither vollbracht wurde!«
Wissen muss zu Taten führen
Der Vertreter einer bekannten Vereinigung sprach von deren Zusammenkünften, die das Erforschen des Wesens der Wahrheit zum Ziele hätten. ‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Ich kenne Ihre Arbeit. Ich schätze sie sehr. Ich weiß, dass Sie den Menschen dienen und die Menschheit unter dem Banner der Einheit versammeln möchten. Aber Ihre Mitglieder müssen auf der Hut sein, dass sie es nicht bei Worten bewenden lassen. Schauen Sie sich um! Wie viele Komitees wurden schon gebildet, bestanden kurze Zeit und verschwanden wieder! Komitees und Gesellschaften können weder Lebenskraft schaffen noch spenden.
Die Menschen kommen zusammen und reden, aber nur das Wort Gottes erzielt einflussreiche Ergebnisse. Denken Sie kurz nach: Sie würden keinen Handel treiben, wenn Sie davon kein Einkommen hätten und keinen Nutzen! Betrachten Sie die Anhänger Christi. Sie verdankten ihre Kraft ihrem Eifer und ihren Werken. Jede Leistung muss ein Ergebnis einbringen, sonst war sie keine wirkliche Leistung. Sie müssen zum Werkzeug für die Erleuchtung der Menschenwelt werden. Das ist der untrüglich sichtbare Beweis. Jeder Fortschritt hängt von zwei Faktoren ab: von Wissen und Handeln. Erwerben Sie zuerst Wissen, und wenn Sie Gewissheit erlangt haben, setzen Sie es in Taten um.
Einmal kam ein Gelehrter angereist, um mich zu besuchen und meinen Segen zu empfangen. Er sagte, er kenne die Bahá’í-Lehren und habe sie völlig verstanden. Als ich ihm sagte, er könne die Segnungen des Heiligen Geistes jederzeit empfangen, wenn er sich in eine aufnahmebereite Haltung versetze, um sie entgegenzunehmen, meinte er, er sei immer aufnahmebereit.
›Was würden Sie tun‹, fragte ich, ›wenn ich mich plötzlich umdrehen und Sie schlagen würde?‹ Er brauste augenblicklich empört auf und lief ärgerlich im Zimmer umher.
Nach kurzer Zeit trat ich auf ihn zu, ergriff seinen Arm und sagte: ›Aber Sie müssen Böses mit Gutem vergelten. Ob von mir geehrt oder verachtet, sollten Sie die Lehren befolgen. Bis jetzt haben Sie sie nur gelesen. Denken Sie an die Worte Jesu, der gesagt hat: »Die ersten werden die letzten und die letzten werden die ersten sein!«Q9‹. Der Mann wandte sich um, schüttelte mir die Hand und ging, und ich habe seither von vielen guten Taten gehört, die er vollbracht hat.«
Wenn ‘Abdu’l-Bahá mit dem Titel Prophet angesprochen wurde, antwortete Er: »Mein Name ist ‘Abdu’l-Bahá, der Diener Gottes (wörtlich der SklaveA12 der Herrlichkeit).«
Besuch beim Bürgermeister
Auf ausdrücklichen Wunsch des Bürgermeisters ging ‘Abdu’l-Bahá ihn eines frühen Morgens im Rathaus besuchen. Die Unterredung drehte sich hauptsächlich um die soziale Lage in den großen Städten. ‘Abdu’l-Bahá sagte ihm, dass von allen Städten, in denen Er sich aufgehalten habe, London die beste Ordnung aufweise.
Er sagte: »Jeder Mensch auf der Straße bewegt sich so frei, als ob er in seinem eigenen Königreich lebe. In London gibt es ein starkes geistiges Licht. Der Einsatz für die Gerechtigkeit ist aufrichtig, und in diesem Land gilt für die Armen das gleiche Recht wie für die Reichen.«
Mit großem Interesse hörte Er von der Fürsorge, mit der Gefangene nach ihrer Entlassung betreut werden und meinte, gut sei es um ein Land bestellt, wenn die hohen Beamten für das Volk wie Väter seien.
Ehe ‘Abdu’l-Bahá London verließ, ging Er in ein Krankenhaus im East-end und besuchte einen jungen Schriftsteller, der ernstlich erkrankt war, ‘Abdu’l-Bahá aber sehnlichst sehen wollte.
Persönliche Charakterzüge
Wir finden bei ‘Abdu’l-Bahá einen Charakterzug, der bisher nicht hervorgehoben wurde und ohne den jedes Bild von Ihm unvollständig bleibt. Die Seine Erscheinung und Haltung auszeichnende eindrucksvolle Würde wird hie und da von einem feinen, taktvollen Humor aufgelockert, der gleichermaßen unbefangen, ansteckend und köstlich ist.
Am letzten Nachmittag Seines Londoner Aufenthalts kam ein Reporter, der Ihn nach Seinen Zukunftsplänen fragen wollte. Er traf Ihn inmitten einer Schar von Freunden an, die zum Abschiednehmen gekommen waren. Als ‘Abdu’l-Bahá in perfektem Englisch auf seine Fragen mitteilte, Er habe vor, Paris zu besuchen und von dort nach Alexandria weiterzureisen, bekundete der Reporter sein Erstaunen über ‘Abdu’l-Bahás fehlerfreie Aussprache. Da fing ‘Abdu’l-Bahá an, im von Blumenduft erfüllten Empfangszimmer mit großen Schritten auf und ab zu schreiten, wobei Sein orientalisches Gewand in eigenartigem Kontrast zu Seiner modernen Umgebung stand, und rezitierte zur Erheiterung der ganzen Gesellschaft eine Reihe komplizierter englischer Ausdrücke. »Sehr schwierige englische Wörter spreche ich da!« endete Er lachend. Im nächsten Augenblick war Er wieder ganz ernst und zeigte, dass Er den behutsamen Übergang von der Ernsthaftigkeit zur Fröhlichkeit und umgekehrt vorzüglich beherrschte.
Er hatte Vorkehrungen getroffen, damit niemand abgewiesen werde. Und doch hatte ein Mann zweimal erfolglos versucht, in Seine Gegenwart zu gelangen. Er war durch irgendwelche Versehen daran gehindert worden und hatte daraufhin einen herzzerreißenden Brief geschrieben, der ausdrückte, dass er sich zurückgewiesen fühle und den der persische Dolmetscher nun übersetzte. ‘Abdu’l-Bahá warf sogleich Seinen Umhang über und sagte, zur Tür gewandt, mit unbeschreiblicher Traurigkeit: »Einer meiner Freunde wurde gepeinigt und ich bin tief betrübt. Ich gehe alleine aus«, und stürmte die Treppe hinunter. Hier konnte man erkennen, wie gut der Titel ›Meister‹ zu Ihm passte.
Ein anderer Seiner Charakterzüge, den niemand vergessen konnte, der Ihn je sah, war Sein Umgang mit Kindern, die man zu Ihm brachte. Er hielt viele Seiner Ansprachen, während Er seinen Arm um eines der Kinder gelegt hatte.
Ständig ermahnte Er die Eltern: »Lassen Sie dieses Kind eine gute Erziehung genießen. Bemühen Sie sich bis zum Äußersten, ihm das Beste zuteilwerden zu lassen, das Sie sich leisten können, damit es sich der Vorteile dieses ruhmreichen Zeitalters erfreuen kann. Tun Sie alles Ihnen Mögliche, um die ihm innewohnende Geistigkeit zu fördern.«
Ein junger Mann, der die Gegenwart ‘Abdu’l-Bahás aufsuchte, spürte das Ihm eigene väterliche Mitgefühl. Als er die Liebe zu ‘Abdu’l-Bahá, die er und alle hegten, zur Sprache brachte, war die Antwort: »Ich weiß, dass Du mich liebst, ich sehe es Dir an. Ich werde für Dich beten, damit Du standhaft bleiben, der Sache dienen und ein wahrer Diener Bahá’u’lláhs werden mögest. Obwohl ich abreise, werde ich immer bei euch allen sein.« Er sprach diese Worte mit tiefem, liebevollem Mitgefühl und Verständnis für Schwierigkeiten. Während der kurzen Augenblicke dieses kleinen Gesprächs hielt ‘Abdu’l-Bahá die Hände Seines Gesprächspartners und streichelte sie, und am Ende nahm Er dessen Kopf, drehte ihn mit sanfter Gebärde zu sich und küsste den jungen Mann, der spürte, dass er einen Vater und Freund gefunden hatte, auf die Stirn.
Der Abschied
An ‘Abdu’l-Bahás letztem Morgen in London versammelten sich viele Freunde in Cadogan Gardens und am Bahnhof, um Ihm Lebewohl zu sagen. Noch im Haus führte ein Zoroastrier (ein Arzt) eine eindrucksvolle, interessante Zeremonie durch. Er sandte ein sorgsam formuliertes Telegramm an einige Pársí in Bombay, das lautete: »Die Fackel der Wahrheit wurde von ‘Abdu’l-Bahá erneut im Osten wie im Westen entzündet.« Im Auftrag seiner Brüder hatte dieser Anhänger einer der ältesten Religionen der Welt das geweihte Öl aus einem seltenen Duftstoff mitgebracht. Damit salbte er ‘Abdu’l-Bahá Stirn und Brust und strich sodann den Anwesenden über die Hände. Danach legte er ‘Abdu’l-Bahá einen erlesenen Kranz aus Rosenknospen und Lilien um Hals und Schultern.
Ein letztes kurzes Mal noch sahen die Freunde auf dem Victoria-Bahnhof das Antlitz jener ehrwürdigen Gestalt am Abteilfenster, die mit gütigem Blick voll wunderbarer Zärtlichkeit auf all jene schaute, die sie nun verließ, ehe sie langsam ihrem Blick entschwand.
Auszüge aus einem Interview ‘Abdu’l-Bahás, das Er dem Weekly Budget am 23. September 1911 gab
Erlebnisse aus vierzig Jahren Gefangenschaft
In einer Wohnung in Cadogan Gardens sitzt uns ein geistig erleuchteter Orientale gegenüber, dessen kürzliches Eintreffen in London als die jüngste Verbindung von Ost und West zu bewerten ist.
Die Lehre ‘Abdu’l-Bahás hat bereits tausende Engländer und Engländerinnen mit Orientalen aus allen Teilen des Ostens zusammengeführt. Ohne Rücksicht auf Glaube oder Herkunft, nein, vielmehr durch Grundsätze wie gegenseitige Hilfeleistung, Freundschaft und die Verehrung Gottes taten sie sich mit einer Ernsthaftigkeit und brüderlichen Liebe zusammen, die in denkbarem Gegensatz zu den Theorien gewisser zynischer Poeten und Philosophen steht.
‘Abdu’l-Bahá verbrachte den größten Teil seines Lebens im Osten in Haft, die er frohen Mutes erduldete, statt seinem Glauben abzuschwören. Ein Grundsatz dieses Glaubens ist, dass die Seelen absolut gleichwertig sind und körperliche Verschiedenheiten wie Geschlecht oder Farbe nicht zählen. Er lehnt jede Art von Klasseneinstufungen ab außer der nach Dienstbarkeit und geisterfüllter brüderlicher Liebe. Aufgrund dessen und ähnlicher Lehren wurde er vierzig Jahre lang in der Gefängnisstadt ‘Akká in Palästina gefangen gehalten. Als ich darum bat, mit ihm sprechen zu dürfen, sagte man mir, ich solle früh am Morgen kommen. Also war ich um neun Uhr hier für ein Interview. Für ‘Abdu’l-Bahá war es bereits die Tagesmitte, denn er steht um vier Uhr auf. Er hatte vor seinem Frühstück um halb sieben bereits achtzehn Besucher empfangen.
Im Wohnzimmer warteten Vertreter vieler Sprachen und Nationalitäten auf ihn.
Wir saßen im Kreis mit Blick auf ‘Abdu’l-Bahá. Er erkundigte sich, ob wir ihm Fragen stellen möchten. Ich sagte, mein Herausgeber habe mich geschickt, um etwas über sein Leben als Gefangener zu erfahren. Auf einfache, sachliche Art erzählte ‘Abdu’l-Bahá daraufhin eine der bemerkenswertesten Geschichten, die man sich vorstellen kann.
»Im Alter von neun Jahren begleitete ich meinen Vater, Bahá’u’lláh, auf Seiner Reise ins Exil nach Baghdád, zusammen mit siebzig weiteren Gläubigen. Nach ständiger Verfolgung hatte dieses Verbannungsurteil zum Ziel, in Persien das völlig auszumerzen, was die Regierung für eine höchst gefährliche Religion hielt. Bahá’u’lláh wurde mit Familie und Gefolge verbannt und von Ort zu Ort geschickt. Als ich etwa fünfundzwanzig Jahre alt war, verlegte man uns von Konstantinopel nach Adrianopel und von dort verbrachten sie uns unter militärischer Bewachung in die Festungsstadt ‘Akká, wo wir eingekerkert und streng bewacht wurden.«
Der erste Sommer
»Wir hatten keinerlei Kontakt mit der Außenwelt. Jeder Brotlaib wurde von den Wachen durchgeschnitten, um sicherzustellen, dass keine Nachricht darin steckte. Alle Männer, Frauen und Kinder, die an die Bahá’í-Offenbarung glaubten, wurden mit uns eingekerkert. Wir waren insgesamt einhundertfünfzig Personen in zwei Räumen und niemand durfte diesen Ort verlassen, mit Ausnahme von vieren, die jeden Morgen unter Bewachung zum Bázár einkaufen gingen. Der erste Sommer war schrecklich. ‘Akká ist eine fieberverseuchte Stadt. Man erzählte, dass ein Vogel, der es zu überfliegen versuche, tot herunterfallen würde. Das Essen war erbärmlich und unzureichend, das Wasser kam von einer fieberverseuchten Quelle. Klima und Lebensbedingungen waren so, dass sogar die Einwohner der Stadt erkrankten. Viele Soldaten brachen zusammen und von zehn unserer Wärter starben acht. Während der größten Hitze befiel die Gefangenen Malaria, Typhus und Ruhr, so dass alle, Männer, Frauen und Kinder, gleichzeitig krank waren. Es gab keine Ärzte, keine Arznei, kein geeignetes Essen und keinerlei Behandlung.
Ich kochte immer für alle Suppe, und weil ich viel Übung gewonnen habe, koche ich gut Suppe!« sagte ‘Abdu’l-Bahá lachend.
Bei dieser Gelegenheit erklärte mir einer der Perser, dass ‘Abdu’l-Bahá wegen seiner wunderbaren Geduld, Hilfsbereitschaft und Ausdauer stets ›der Meister‹ genannt wurde. Seine vollkommene Meisterschaft konnte man leicht an seiner völligen Loslösung von Zeit und Raum und sogar von dem, was ein türkisches Gefängnis einem antun konnte, ablesen.
Verbesserte Bedingungen
»Nach zwei Jahren strengster Haft erhielt ich die Erlaubnis, ein Haus zu suchen, so dass wir außerhalb der Gefängnismauern, aber noch innerhalb der Festungswälle wohnen konnten. Viele Gläubige kamen aus Persien, um uns nahe zu sein, aber sie durften es nicht. So vergingen neun Jahre. Mal ging es uns besser, mal schlechter. War der Gouverneur, von dem alles abhing, gerade ein freundlicher, milder Herrscher, gewährte er uns die Erlaubnis zum Verlassen der Festung und den Gläubigen freien Zugang für Besuche in unserem Haus. War der Gouverneur jedoch strenger, wurden wir von Wachen umstellt und die von weit her angereisten Pilger meistens abgewiesen.«
Später erfuhr ich von einem Perser, der in jener Zeit zum Haushalt ‘Abdu’l-Bahás gehörte, die türkische Regierung hätte die Tatsache, dass die englischen und amerikanischen Besucher rein geistige und keine politischen Interessen hatten, einfach nicht glauben können. Diesen Pilgern wurde oft die Erlaubnis verweigert, ihn zu besuchen, und häufig wurde die ganze Reise von Amerika dorthin nur mit einem Blick auf ‘Abdu’l-Bahá an seinem Gefängnisfenster belohnt.
Der Gouverneur glaubte, das Grabmal des Báb, ein beeindruckendes Bauwerk auf dem Berg Karmel, sei eine mit amerikanischen Hilfsgeldern errichtete Festung, die insgeheim mit Waffen und Soldaten bestückt werde. Mit jedem neuen Besucher wuchs dieser Verdacht und hatte weitere Spione und Wachen zur Folge.
‘Abdu’l-Ḥamíds Kommission
»Ein Jahr ehe er seinen Thron verlor, sandte ‘Abdu’l-Ḥamíd eine äußerst hochmütige, hinterhältige, anmaßende Untersuchungskommission. ‘Arif Bey, der Leiter der Kommission, gehörte dem Führungsstab des Gouverneurs an, die anderen drei waren Armeebefehlshaber verschiedener Dienstgrade.
Gleich nach seiner Ankunft begann ‘Arif Bey, mich öffentlich zu denunzieren und bemühte sich um genügend handfeste Beweise als Rechtfertigung dafür, mich nach Fizán zu verbannen oder ins Meer zu werfen. Fizán ist ein Halteplatz für Karawanen am Rande von Tripolis, wo es keine Häuser und kein Wasser gibt. Die Reise dorthin mit dem Kamel dauert von ‘Akká aus einen Monat.
Zweimal befahl mich die Kommission zu sich und wollte hören, was ich zu meiner Verteidigung zu sagen hätte, und zweimal sandte ich die Botschaft zurück: ›Ich kenne Ihre Absicht, ich habe nichts zu sagen.‹
‘Arif Bey war darüber sehr erbost und erklärte, er werde nach Konstantinopel zurückkehren und von dort den Befehl des Sulṭáns mitbringen, wonach ich am Stadttor von ‘Akká erhängt werden sollte. Er und seine Kommission schifften sich ein. Ihr Bericht enthielt die folgenden Anschuldigungen: ‘Abdu’l-Bahá gründet eine neue Nation mit ihm selbst als König; ‘Abdu’l-Bahá hisst das Banner einer neuen Religion; ‘Abdu’l-Bahá hat in Haifa und einem Nachbarort Festungsanlagen gebaut oder deren Bau veranlasst und kauft das ganze umliegende Gelände auf.
Etwa zur selben Zeit lief auf Anordnung des italienischen Konsuls ein italienisches Schiff im Hafen ein. Man hatte geplant, dass ich damit nachts fliehen sollte. Die Bahá’í in ‘Akká beschworen mich, zu gehen, aber ich schickte dem Kapitän folgende Botschaft: ›Der Báb ist nicht geflohen, Bahá’u’lláh ist nicht geflohen, ich werde nicht fliehen.‹ Also lief das Schiff nach drei Tagen und drei Nächten des Wartens wieder aus.
Die Untersuchungskommission des Sulṭáns befand sich noch auf der Heimreise, als bereits die erste Granate in ‘Abdu’l-Ḥamíds Lager einschlug und das erste Freiheitsgeschütz seine Salven in den Wohnsitz des Despoten feuerte. Das war die Kanone Gottes«, sagte ‘Abdu’l-Bahá – wie so manchmal mit einem geheimnisvollen Lächeln.
»Als die Kommission in der türkischen Hauptstadt ankam, musste sie sich mit dringenderen Problemen befassen. In der Stadt herrschten Aufruhr und Rebellion. Da sie aus Regierungsmitgliedern bestand, wurde die Kommission beauftragt, die Revolte zu untersuchen. Währenddessen errichtete das Volk eine konstitutionelle Regierung und ‘Abdu’l-Ḥamíd verlor jede Möglichkeit, tätig zu werden.«
Die Befreiung
»Mit dem Beginn der Jungtürkischen Herrschaft, die vom Komitee für Einheit und Fortschritt getragen wurde, kamen alle politischen Gefangenen des Osmanischen Reiches frei. Der Lauf der Ereignisse nahm meinem Nacken die Ketten ab und legte sie um den von Ḥamíd. ‘Abdu’l-Bahá kam aus dem Gefängnis heraus und ‘Abdu’l-Ḥamíd ging hinein!«
Jemand fragte: »Was wurde aus der Kommission?« und brach damit das tiefe Schweigen nach der Schilderung dieser packenden Chronik. »‘Arif Bey«, fuhr ‘Abdu’l-Bahá fort, »wurde mit drei Kugeln erschossen, der General verbannt, der Rangnächste starb und der Dritte floh nach Kairo, wo er bei den Bahá’í um Hilfe bat und sie bekam.«
»Würden Sie uns schildern, wie Sie sich in Ihrer Gefängniszeit fühlten und wie Sie nun Ihre Freiheit empfinden?« fragte ich. »Wir sind froh, dass Sie jetzt frei sind.«
»Danke«, sagte er auf liebenswürdige Weise und fuhr fort:
»Freiheit ist nicht eine Frage des Ortes, sondern des Zustandes. Ich war dankbar für diese Gefangenschaft und mit dem Mangel an Freiheit ganz zufrieden, denn ich konnte jene Zeit auf dem Pfade des Dienens verbringen – unter größten Schwierigkeiten und Prüfungen, die aber Früchte und Ergebnisse zeitigten.
Solange man harte Schicksalsschläge nicht annimmt, erreicht man nichts. Für mich bedeutet das Gefängnis Freiheit, Probleme sind eine Erholung, Tod ist Leben und verachtet zu werden ist eine Ehre. Ich war diese ganzen Jahre im Gefängnis glücklich. Aus dem Gefängnis des Selbstes befreit zu sein, das ist wahre Freiheit, denn das Selbst ist das größere Gefängnis. Wenn diese Befreiung gelingt, kann man, von außen betrachtet, nicht gefangen sein. Sollten sie meine Füße in den Stock legen, würde ich zum Wächter sagen: ›Ihr könnt mich nicht einkerkern, weil ich hier immerhin Licht und Luft und Brot und Wasser habe. Die Zeit wird kommen, wenn mein Körper in der Erde ruhen und ich weder Licht noch Luft noch Nahrung noch Wasser haben werde. Aber selbst dann werde ich nicht eingesperrt sein!‹ Das Elend, das die Menschheit manchmal heimsucht, führt dazu, dass sich Denken und Fühlen ganz um die Eingrenzungen drehen und das ist ein wirkliches Gefangensein. Frei wird, wer den Willen zu einem Tor macht, das die Bestätigungen des Geistes in Erscheinung treten lässt.«
Diese Darstellung hörte sich an wie die Theologie von einst, so dass das Moderne in mir zu zweifeln begann, ob eine bestimmte Fähigkeit durch angestrengtes Bemühen kompensierbar ist. »Was verstehen Sie unter den Bestätigungen des Geistes?«
»Die Bestätigungen des Geistes sind all jene Kräfte und Begabungen, die manchen angeboren sind (und die manchmal ›genial‹ genannt werden), um die aber andere sich ungeheuer mühen müssen. Sie fallen jenen zu, Mann oder Frau, die ihr Leben mit strahlender Ergebenheit annehmen.«
Strahlende Ergebenheit – das also war die Fähigkeit, die uns alle plötzlich zu inspirieren schien, während ‘Abdu’l-Bahá sich von uns verabschiedete.
Es war eine bemerkenswerte Erfahrung, von jemandem, der vierzig Jahre lang Gefangenschaft auf sich genommen hatte, zu hören: »Es gibt kein Gefängnis außer dem Gefängnis des Selbstes«, und man wurde sich dessen im Innern bewusst, als dieser weiß gekleidete Bote aus dem Osten deutlich den Weg zeigte: – nicht auf dem ›Entsagung‹ genannten Pfad, sondern durch ›Losgelöstsein‹. Strahlende Ergebenheit – das ist der sich deutlich abzeichnende Weg aus dem »größeren Gefängnis des Selbstes«, wie ‘Abdu’l-Bahá so treffend jene Barrieren nennt, die uns an unserer geistigen Erfüllung hindern.
Isabel Fraser
Ein liebevoller Abschiedsgruß
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá London verlassen hatte, sandte Er während Seines zweimonatigen Aufenthaltes in Paris immer wieder Grußbotschaften an Seine Freunde in England. Einige waren herübergekommen, um von den dortigen Zusammenkünften zu profitieren. Am Vorabend Seiner Abreise nach Alexandria hielt Er für die Freunde aus England und Frankreich folgende ermahnende Abschiedsrede:
»Arbeitet für das Zeitalter des Weltfriedens. Strebt ständig nach Einigkeit. Auf dem Pfade des Dienens müssen Wohlwollen und Liebe eure Werkzeuge sein.
Ich verabschiede mich voll Liebe von den Menschen in Frankreich und England. Ich habe Gefallen an ihnen gefunden. Ich rate ihnen, tagtäglich das Band aus Liebe und Freundschaft zu festigen mit dem Ziel, eines Sinnes und wie eine einzige Nation zu werden, sich zu einer Weltbruderschaft auszuweiten, die Interessen und Rechte aller Völker des Ostens zu hüten und zu beschützen, das göttliche Gerechtigkeitsbanner zu entfalten, mit jeder Nation so umzugehen, als sei sie eine Familie aus einzelnen Kindern Gottes, und zu erkennen, dass alle gleich sind, denn wir alle sind Kinder eines Vaters. Gott lebt mit allen Seinen Kindern in Frieden. Warum sollten sie unter einander streiten und Kriege führen? Gott überschüttet uns mit Wohlwollen. Warum sollten die Bewohner dieser Erde zu einander unfreundlich und grausam sein?«
»Des Ewigen Licht möge euch erleuchten. Darum werde ich für euch beten.«
Grüße ‘Abdu’l-Bahás von Paris nach London.
Oktober 1911 Mrs. Enthoven mündlich aufgetragen für alle Freunde und nun aus der Erinnerung aufgeschrieben.
‘Abdu’l-Bahá schickte allen Grüße und bat alle, ihren Glauben weiterhin zu festigen und mutig zu verkünden.
Er sprach oft von der Wonne, die Ihm die Stimmung in England bereitete. Er meinte, das englische Volk habe eine Entschlusskraft und eine Standhaftigkeit, die Ihm gefalle und die Er bewundere. Es war ehrlich und aufrichtig. Beim Inangriffnehmen einer neuen Sache wären sie langsam, aber wenn sie damit begännen, dann, weil ihr Denken und ihr gesunder Menschenverstand ihnen sage, dass es sich um eine vernünftige Sache handele.
Die Engländer haben Ihm als Volk gut gefallen.
»Die Gläubigen«, fügte Er hinzu, »müssen ihren Glauben im täglichen Leben erkennbar machen, so dass die Welt das aus ihren Gesichtern leuchtende Licht sehen kann. Ein strahlendes, glückliches Antlitz erfreut die Menschen, denen wir begegnen. Wenn ihr traurig seid und an einem lachenden Kind vorbeigeht, hört das Kind beim Anblick eures traurigen Gesichtes auf zu lachen, ohne zu wissen warum. An einem trüben Tag wird der dünnste Sonnenstrahl gepriesen. Also sollten die Gläubigen lächelnde, glückliche Gesichter wie Sonnenschein im Finstern haben. Möge das Licht der Wahrheit und Aufrichtigkeit aus ihnen leuchten, damit alle, die sie sehen, erkennen, dass ihr Wort, sei es in der Arbeit oder beim Vergnügen, ein Wort ist, auf das man vertrauen und sich verlassen kann.
Vergesst euer Selbst und wirkt für die ganze Menschheit. Denkt immer daran, dass ihr für die ganze Welt arbeitet, nicht für eine Stadt oder selbst für ein Land, denn wo wir alle Brüder sind, ist auch jedes Land eines jeden Heimatland.
Vor allem aber denkt daran, was Bahá’u’lláh über Klatsch und üble Nachrede lehrt. Geschichten, die über andere weitererzählt werden, sind selten gut. Eine schweigsame Zunge birgt die geringste Gefahr. Sogar das Gute kann schaden, wenn es zur falschen Zeit oder zur falschen Person gesagt wird.«
Zum Schluss ließ ‘Abdu’l-Bahá allen Seine Grüße und Segenswünsche übermitteln und versicherte mir, dass Er ständig an Sie alle denkt und für Sie betet.
Einem Fragesteller gegenüber bemerkte Er:
»Der Anfang jeder großen Religion war rein. Aber die Priester bemächtigten sich der Gemüter der Menschen und füllten sie mit Dogmen und Aberglauben, so dass die Religion allmählich verfälscht wurde. Ich komme nicht, um eine neue Religion zu lehren. Mein einziger Wunsch ist, mit Gottes Hilfe und Gnade den Weg zum Großen Licht zu weisen.«
Wie ein liebevoller Vater bei seinem Sohn klopfte Er dem Herrn auf die Schulter und fuhr fort: »Ich bin kein Prophet, ich bin nur ein Mensch wie Sie!«
Botschaft ‘Abdu’l-Bahás an die Bahá’í in London zum Tag des Bundes
26. November 1911 Mrs. Enthoven extra übergeben
»Frohe Kunde! Frohe Kunde! Weit offen steht des Gottesreiches Tor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Engelheere schweben aus dem Himmel im Chor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Die Sonne der Wahrheit steigt hoch empor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde!Himmlisches Manna strömt herab und hervor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Die Posaune ertönt mit hellem Schall!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Das Großer-Friede-Banner weht überall!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Das Licht in der Lampe der Einheit strahlt hell!
Frohe Kunde! Frohe Kunde!Das Feuer der Liebe des Herrn lodert schnell!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Der Heilige Geist wird die Fülle geben!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Denn hier ist ewiges, ewiges Leben!
O ihr Schläfer, wacht auf! O ihr Achtlosen, werdet weise! O Blinder, werde sehend! O Tauber, höre! O Stummer, sprich! O Toter, steh’ auf!
Seid glücklich! Seid glücklich! Seid der Freude voll!
Heute ist der Tag der Verkündigung des Báb! Es ist das Fest des Vorläufers der Gesegneten Schönheit (Bahá’u’lláh). Es ist der Tag des Heraufdämmerns des Morgens der Führung.«
Zweiter Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Großbritannien vom 13. Dezember 1912 bis zum 21. Januar 1913
Über das Gebet
97 Cadogan Gardens, London, 26. Dezember 1912
Frage: ́»Sollte Gebet die Form praktischen Handelns annehmen?«
Antwort: »Ja. In der Bahá’í-Religion werden Künste, Wissenschaften und Handwerk als Gottesdienst angesehen. Jemand, der ein Blatt Papier herstellt, gewissenhaft und so gut er kann, der all seine Kräfte auf die Vervollkommnung dieses Papiers verwendet, der preist damit Gott. Kurz, jede Mühe und Anstrengung, die der Mensch mit der ganzen Kraft seines Herzens unternimmt, ist Gottesdienst, sofern es die hehrsten Motive sind und der Wunsch, der Menschheit zu dienen, die ihn antreiben. Gott zu dienen heißt: der Menschheit dienen und sich der Nöte der Menschen annehmen. Dienen ist Gebet. Ein Arzt, der sich voll Sanftmut und Mitgefühl, vorurteilslos und im Glauben an die Zusammengehörigkeit aller Menschen der Kranken annimmt, preist damit Gott.«
Frage: »Was ist der Sinn unseres Daseins?«
Antwort: »Vollkommenheiten zu erwerben. Wir stammen aus der Erde. Warum sind wir vom Mineralreich ins Pflanzenreich übergegangen und vom Pflanzenreich ins Tierreich? Damit wir in jedem dieser Reiche Vollkommenheit erreichen, damit wir uns die besten Eigenschaften der Mineralstoffe aneignen, damit wir die Kraft des Wachstums, wie sie die Natur der Pflanze ausmacht, zu unserer Natur machen, damit wir uns mit den Instinkten der Tierwelt schmücken und über die Kräfte des Sehens, Hörens, Riechens, Tastens und Schmeckens verfügen – bis wir uns aus dem Tierreich ins Menschenreich erheben, wo uns Verstand, Erfindungskraft und die Kräfte des Geistes geschenkt sind.«
Über das Böse
Frage: »Was ist das Böse?«
Antwort: »Das Böse ist die Unvollkommenheit. Sünde ist der Zustand des Menschen in der Welt der niederen Natur, denn in der Natur gibt es Makel wie Ungerechtigkeit, Gewaltherrschaft, Hass, Feindseligkeit und Streit – solches sind die Merkmale der niederen Natur. Dieses sind die Sünden der Welt, die Früchte des Baumes, von dem Adam kostete. Durch Erziehung müssen wir uns von diesen Unvollkommenheiten befreien. Die Propheten Gottes wurden hernieder gesandt und die Heiligen Bücher geschrieben, damit der Mensch befreit werde. So wie der Mensch aus dem Schoße seiner irdischen Mutter in diese Welt der Unvollkommenheit geboren wurde, wird er durch göttliche Erziehung in die geistige Welt hineingeboren. Wird ein Mensch in die Welt der äußeren Erscheinungen geboren, entdeckt er das Universum, wird er aber aus dieser Welt in die geistige Welt geboren, entdeckt er das Himmelreich.«
Der Fortschritt der Seele
Frage: »Schreitet die Seele in dieser Welt eher durch Leid oder durch Freude fort?«
Antwort: »Seele und Geist des Menschen schreiten fort, wenn er von Leid heimgesucht wird. Je tiefer der Boden gepflügt wird, desto besser wird der Same sprießen und umso reicher die Ernte ausfallen. So wie der Pflug eine tiefe Furche zieht und die Erde von Unkraut und Disteln säubert, so reinigen Leid und Trübsal den Menschen von den Belanglosigkeiten dieses irdischen Lebens, bis er den Zustand völliger Loslösung erreicht. Sein Lebensgefühl hinieden wird dann von göttlicher Glückseligkeit geprägt sein. Man könnte sagen, der Mensch ist unreif; die Hitze des Leidensfeuers wird ihn reifen lassen. Blickt zurück in die Vergangenheit, und ihr werdet sehen, dass die größten Menschen am meisten gelitten haben.«
Frage: »Sollte demnach jemand, der durch Leiderfahrung eine höhere Entwicklungsstufe erreicht hat, Freude fürchten?«
Antwort: »Im Leid wird er zu ewiger Freude gelangen, und nichts wird ihm diese Freude nehmen können. Die Apostel Christi haben gelitten; sie haben ewige Freude gewonnen.«
Frage: »Also ist es unmöglich, ohne Leiderfahrung Glückseligkeit zu erlangen?«
Antwort: »Nur durch Leiderfahrung gewinnt man ewige Glückseligkeit. Wer die Ebene der Selbstaufopferung erreicht hat, ist im Besitze wahrer Freude. Weltliche Freude vergeht.«
Frage: »Ist die Seele eines Verstorbenen imstande, zu einem noch hier Lebenden zu sprechen?«
Antwort: »Ein solches Gespräch ist möglich, aber es ist nicht von der Art unserer Gespräche. Zweifellos beeinflussen die Kräfte der höheren Welten die Kräfte unserer Ebene. Des Menschen Herz ist ein offener Kanal für Inspiration; dies versteht man unter geistiger Kommunikation. So wie man sich im Traum mit einem Freund unterhält, obwohl der Mund nicht spricht, so verhält es sich mit einem geistigen Gespräch. Jemand kann sich an sein eigenes Selbst wenden und es fragen: ›Soll ich dies tun? Ist es ratsam für mich, dieses Vorhaben zu beginnen?‹ Solcher Art ist das Gespräch mit dem höheren Selbst.«
Die vier Arten der Liebe
97 Cadogan Gardens, London, 4. Januar 1913
»Was für eine Macht ist doch die Liebe! Sie ist die wunderbarste, die größte aller Lebenskräfte.
Die Liebe gibt dem Leblosen das Leben; sie entzündet eine Flamme in erkalteten Herzen. Die Liebe gibt dem Hoffnungslosen Hoffnung und macht leidgeprüfte Herzen froh.
In der Welt des Seins gibt es wahrlich keine größere Macht als die der Liebe. Wenn des Menschen Herz im Feuer der Liebe erglüht, ist er bereit, alles zu opfern, sogar sein Leben. Im Evangelium wird gesagt, dass Gott die Liebe ist.
Es gibt vier Arten der Liebe. Die erste ist die Liebe, die von Gott zum Menschen strömt. Sie besteht in Seinen unerschöpflichen Gunstbeweisen, in der göttlichen Ausstrahlung und in himmlischer Erleuchtung. Durch diese Liebe erhält die Welt des Seins Leben. Durch sie empfängt der Mensch die Gabe des körperlichen Seins, bis er durch den Odem des Heiligen Geistes – dieselbe Liebe – ewiges Leben erlangt und das Ebenbild des lebendigen Gottes wird. Diese Liebe ist der Ursprung aller Liebe in der Welt der Schöpfung.
Die zweite Art der Liebe strömt vom Menschen zu Gott. Dies ist Glaube, Hingezogensein zum Göttlichen, Entflammtsein, Fortschritt, Eintritt in das Reich Gottes. So empfängt man Gottes Güte und die Erleuchtung vom Lichte des Königreichs. Diese Liebe ist der Urgrund aller Liebe zur Menschheit. Sie lässt die Sonnenstrahlen der Wahrheit in den Herzen der Menschen aufleuchten.
Die dritte Art ist die Liebe Gottes zu Gott oder zur Einzigkeit Gottes. Das ist das Übergehen Seiner Schönheit in die Schöpfung, das Widerstrahlen Seiner Selbst im Spiegel aller Kreatur. Das ist die Wirklichkeit der Liebe, die ursprüngliche, die ewige Liebe. Auf einem Strahl dieser Liebe gründet sich jede andere.
Die vierte Art ist die Liebe von Mensch zu Mensch. Die Liebe, die zwischen den Herzen der Gläubigen besteht, geht aus dem Ideal der geistigen Einheit hervor. Diese Liebe wird durch das Wissen um Gott erreicht, so dass man erkennt, wie die göttliche Liebe im Herzen aufleuchtet. Jeder sieht in der Seele des anderen einen Spiegel der Schönheit Gottes. Und hat er diesen Grad der Ähnlichkeit entdeckt, fühlt er sich in Liebe zum anderen hingezogen. Diese Liebe wird alle Menschen zu Wogen eines Meeres, zu Sternen eines Firmamentes und zu Früchten eines Baumes machen. Diese Liebe wird wahre Übereinstimmung ermöglichen und den Grundstein zu echter Einigkeit legen.
Aber die Anziehung, die zuweilen Freunde verbindet, ist keine (echte) Liebe, da sie zur Vergänglichkeit verurteilt ist. Sie ist nur ein Strohfeuer. In einem leichten Wind geben die dünneren Bäume nach. Der Ostwind beugt den Baum nach Westen, und dreht der Wind nach Westen, neigt sich der Baum nach Osten. Diese Art der Liebe gründet sich auf zufällige Gegebenheiten des Lebens. Das ist keine Liebe, sondern lediglich eine Vertrautheit, die dem Wechsel unterworfen ist.
Heute kann man zwei Seelen in scheinbar enger Freundschaft sehen, morgen kann sich dies alles geändert haben. Gestern noch waren sie bereit, füreinander zu sterben, heute meidet einer die Gesellschaft des andern. Das ist keine Liebe, das ist Hingabe des Herzens an die Zufälle des Lebens. Wenn das Moment, welches diese ›Liebe‹ hervorgerufen hat, verschwindet, dann geht auch die Liebe; sie kann also nicht echt sein.
Die Liebe zeigt sich nur in den vier Erscheinungsformen, die ich soeben erklärt habe:
a) die Liebe Gottes gegenüber der Identität Gottes – Christus hat gesagt: ›Gott ist die Liebe.‹
b) die Liebe Gottes zu Seinen Kindern – zu Seinen Dienern,
c) die Liebe des Menschen zu Gott sowie
d) die Liebe der Menschen untereinander. Diese vier Arten haben ihren Ursprung in Gott.
Sie sind die Sonnenstrahlen der Wahrheit, der Odem des Heiligen Geistes, die Zeichen der Wirklichkeit.«
Der Segen der Meditation
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás im Versammlungssaal der Freunde, St. Martin’s Lane, London W.C., 12. Januar 1913
»Vor etwa tausend Jahren wurde in Persien eine Gemeinschaft gegründet, welche sich Gesellschaft der Freunde nannte. Die ›Freunde‹ trafen sich zu stiller Begegnung mit dem Allmächtigen.
Sie gliederten die göttliche Philosophie in zwei Arten: Wissen der ersten Art kann durch Unterricht und Studium an Schulen und Universitäten erworben werden. Die zweite Art der Philosophie war die der Illuminaten oder Anhänger des inneren Lichts. Die Lehrstunden für diese Philosophie wurden in aller Stille abgehalten. Man meditierte und wandte das Angesicht der Quelle des Lichts zu; so strahlten von diesem Mittelpunkt des Lichts her die Geheimnisse des Reiches Gottes in den Herzen dieser Menschen wider. Alle theologischen Probleme wurden durch die Kraft der Erleuchtung erhellt.
Die Gesellschaft der Freunde wuchs stark in Persien, und bis zum heutigen Tage bestehen ihre Versammlungen. Ihre Führer schrieben viele Bücher und Episteln. Wenn sie sich in ihrem Versammlungshaus treffen, sitzen sie still in sich versunken da. Der Leiter beginnt mit einem bestimmten Vorschlag und sagt zu den Versammelten: ›Denkt über diese Frage nach!‹ Nachdem sie ihren Geist von allem anderen losgelöst haben, sitzen sie da, denken nach – und nach kurzer Zeit liegt die Antwort klar vor ihnen. Viele verworrene religiöse Fragen sind durch diese Erleuchtung gelöst worden.
Hier einige der großen Fragen, welche sich von den Sonnenstrahlen der Wahrheit auf das menschliche Gemüt ergießen: die Frage nach der Wirklichkeit der menschlichen Seele, nach dem Ursprung der Seele und ihrer Geburt aus dieser Welt in die Welt Gottes, die Frage nach dem Eigenleben der Seele und ihrem Schicksal nach ihrer Trennung vom Körper.
Ebenso denken sie über wissenschaftliche Tagesfragen nach und lösen diese auf gleiche Weise.
Diese Menschen, welche sich ›Anhänger des inneren Lichtes‹ nennen, erreichen ein Höchstmaß an Macht und befreien sich völlig von blinden Dogmen und Nachahmungen. Ihre Mitmenschen verlassen sich auf ihre Erklärungen: Durch sich selbst und in sich ergründen sie alle Geheimnisse.
Wenn sie mit Hilfe des inneren Lichtes eine Lösung finden, nehmen sie diese an, und erklären sie dann; andernfalls liefe es ihrer Überzeugung nach auf blinde Nachahmung hinaus. Sie gehen so weit, über die Natur und das Wesen des Göttlichen, der göttlichen Offenbarung, des Offenbarwerdens der Gottheit in dieser Welt nachzudenken. Alle religiösen und wissenschaftlichen Fragen werden von ihnen durch die Macht des Geistes gelöst.
Bahá’u’lláh sagt, dass in jedem Phänomen ein Zeichen (von Gott) zu finden ist: Das Zeichen des Verstandes ist Kontemplation, und das Zeichen der Kontemplation ist Stille; denn kein Mensch ist imstande, zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Er kann nicht zugleich sprechen und meditieren.
Es ist eine Grundtatsache, dass man während des Meditierens mit der eigenen Seele spricht. In diesem Gemütszustand kann man an seine Seele bestimmte Fragen richten, und die Seele gibt Antwort: Das Licht bricht hervor, und die Wirklichkeit enthüllt sich.
Man kann die Bezeichnung ›Mensch‹ keinem Wesen geben, welches diese Fähigkeit der Meditation nicht besitzt. Ohne sie wäre der Mensch ein rein animalisches Wesen, niederer als die wilden Tiere.
Durch die Fähigkeit zu meditieren erlangt der Mensch das ewige Leben. Durch sie empfängt er den Odem des Heiligen Geistes, dessen Gnadengaben sich in Überlegung und Betrachtung kundtun.
Während der Meditation wird die Seele des Menschen unterrichtet und gestärkt, durch Meditation entfalten sich vor seinem Auge Dinge, von denen er zuvor nichts wusste. Durch Meditation erfährt er göttliche Eingebung, durch sie empfängt er himmlische Nahrung.
Meditation ist der Schlüssel zu den Toren der Geheimnisse. In diesem Zustand abstrahiert sich der Mensch: Er zieht sich von allen außenstehenden Objekten zurück; in dieser subjektiven Haltung versinkt er im Ozean geistigen Lebens und kann die Geheimnisse der Dinge an sich enthüllen. Um dies zu erläutern, muss man sich den Menschen als ein Wesen vorstellen, das mit zweierlei Sehvermögen begabt ist. Wenn die Kraft des inneren Auges gebraucht wird, kann das äußere nicht sehen.
Die Fähigkeit zu meditieren befreit den Menschen von der animalischen Natur, geht der Wirklichkeit der Dinge auf den Grund und verbindet den Menschen mit Gott.
Künste und Wissenschaften bringt diese Fähigkeit aus dem Bereich des Unsichtbaren hervor. Erfindungen werden durch sie ermöglicht, gewaltige Unternehmungen ins Leben gerufen. Durch sie können Regierungen reibungslos ihren Aufgaben nachkommen. Durch diese Fähigkeit findet der Mensch Zugang zum Reiche Gottes.
Es gibt Gedanken, die für den Menschen nutzlos sind: Sie gleichen Meereswogen, welche branden, ohne dass etwas geschieht. Aber wenn die Fähigkeit des Meditierens vom inneren Licht durchdrungen und mit göttlichen Attributen gekennzeichnet ist, werden die Ergebnisse Bestätigung finden.
Meditation gleicht einem Spiegel; stellt man ihn vor irdische Gegenstände, wird er diese widerspiegeln. Denkt daher der menschliche Geist über irdische Dinge nach, so erhält er von diesen Kenntnis.
Aber wenn ihr den Spiegel eurer Seelen gen Himmel wendet, werden himmlische Bildnisse und die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit aus euren Herzen wiedergegeben und zurückgestrahlt, und ihr erlangt die Tugenden des Gottesreiches.
Deshalb wollen wir diese Fähigkeit auf die richtige Bahn lenken: zur himmlischen Sonne, nicht zu irdischen Dingen, – auf dass wir die Geheimnisse des Reiches Gottes entdecken und die biblischen Gleichnisse, die Mysterien des Geistes begreifen.
Lasst uns zu Spiegeln werden, welche die himmlische Wirklichkeit ausstrahlen, so rein, dass die Sterne des Himmels aus uns leuchten.«
Quellenangaben
Q1 vgl. 2 Kor. 3:18 – Anm. d. Hrsg.
Q2 vgl. Jes. 53:11; siehe besonders die Luther-Übersetzung (Anm. d. Übers.).
Q3 Auch zitiert in: Shoghi Effendi, Weltordnung Bahá’u’lláhs 3:29 – Anm. d. Hrsg.
Q4 Qur’án 67:3 – Anm. d. Hrsg.
Q5 vgl. Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 8:56; 11:5, Ährenlese 112:1; 132:3 sowie Brief an den Sohn des Wolfes 1:19 – Anm. d. Hrsg.
Q6 vgl. Mk. 10:23, Mt. 19:24, Lk. 18:24 (Anm. d. Übers.).
Q7 vgl. Lk. 10:20 – Anm. d. Hrsg.
Q8 Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 113: »Bei Krankheit wendet euch an fähige Ärzte.« (Anm. d. Übers.).
Q9 vgl. Mt. 19:30, 20:16 – Anm. d. Hrsg.
Anmerkungen
A1 Diese Ansprache erschien am 13. September 1911 in The Christian Commonwealth und wurde hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags abgedruckt. ‘Abdu’l-Bahá sprach von der Kanzel des City Temple auf Persisch. Die Übersetzung ins Englische wurde der Gemeinde dann von Mr. W. Tudor-Pole vorgelesen.
A2 d.i. der Apostel Johannes (Anm. d. Übers.).
A3 ‘Akká (Anm. d. Übers.).
A4 Gelasius I., Pontifikat 492–496 (Anm. d. Übers.).
A5 vgl. Bahá’u’lláh, Questions and Answers in: Kitáb-i-Aqdas 3:3:2 »Wahrlich, wir wollen alle an Gottes Willen festhalten« – Anm. d. Hrsg.
A6 Kol. 1:28: »Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.« (Anm. d. Übers.).
A7 Deutlicher angesprochen ist dies in den Sendschreiben Bishárát und Lawḥ-i-Maqṣúd (Botschaften aus ‘Akká 3:4; 11:8) (Anm. d. Übers.).
A8 Brooklands, außerhalb von Byfleet gelegen, ist die erste, 1907 erbaute Auto- und Motorradrennstrecke der Welt. Im selben Areal lag das erste britische Flugfeld, der Beginn der britischen Luftfahrtgeschichte. (Anm. d. Übers.).
A9 Nach spätantiker Geschichtsschreibung Septimus Odaenathus, der 261 mit römischer Duldung als ›Aufrichter des ganzen Ostens‹ den Schutz des Ostens übernahm und sein Reich über Syrien, Mesopotanien und Kilikien ausdehnte und nach Feldzügen gegen den persischen König Schapur 267 einem Attentat zum Opfer fiel (bzw. nach anderer Quelle in einer Schlacht fiel). (Anm. d. Übers.).
A10 Zenobia (arabisch: Zinab, syrisch/aramäisch: Bathzabbai) war eine aus einer romanisierten Familie stammende Araberin, hieß romanisiert zunächst Aurelia, nannte sich nach ihrer Regierungsübernahme Septimia und nach der Eroberung Ägyptens 270 ›Königin der Könige‹. Sie wird als äußerst gebildet, schön und tatkräftig geschildert, richtete sich in Kleidung und beim Hofzeremoniell nach persischen Vorbildern und pflegte intensive Kontakte zum Bischof von Antiochia, dem neuplatonischen Philosophen Longinus und Manichäern. Als sie sich ca. 272 ›Augusta‹ (Kaiserin) nannte und die Autonomie Palmyras signalisierte, provozierte dies den Feldzug des römischen Kaisers gegen sie. (Anm. d. Übers.).
A11 Aurelian (214–275) (Anm. d. Übers.).
A12 Vergleiche aus einem Brief an die Freunde in New York vom 1. Januar 1907: »Mein Name ist ‘Abdu’l-Bahá. Mein Wesen ist ‘Abdu’l-Bahá, und der Dienst an der Menschheit ist meine immerwährende Religion… ‘Abdu’l-Bahá ist das Banner des Größten Friedens… Der Herold des Reiches Gottes ist er, auf dass er die Menschen in Ost und West wachrüttele. Die Stimme der Freundschaft, der Wahrheit und der Versöhnung ist er, der alle Regionen belebt. Keinen Namen, keinen Titel will er jemals tragen außer ‘Abdu’l-Bahá. Das ist mein sehnlichster Wunsch. Das ist mein größter Stolz. O ihr Freunde Gottes! ‘Abdu’l-Bahá ist die Verkörperung des Dienens und nicht Christus. Der Diener der Menschheit ist er, nicht ihr Oberhaupt. Ruft die Menschen zur Stufe der Dienstbarkeit ‘Abdu’l-Bahás und nicht ihn in das Amt des Messias.« [Vgl. auch: Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 6:90].
‘Abdu’l-Bahá in London
‘Abdu’l-Bahá
Erster Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Großbritannien vom 4. September bis zum 3. Oktober 1911
Öffentliche Ansprachen
City Temple:
Einführung
Am 10. September, dem ersten Sonntag nach ‘Abdu’l-Bahás Ankunft in England, sprach Er auf besonderen Wunsch des Pastors, Reverend R. J. Campbell, von der Kanzel des City Temple zu der zum Abendgottesdienst versammelten Gemeinde.
Obwohl man ‘Abdu’l-Bahás Kommen nicht bekannt gegeben hatte, war die Kirche bis zum letzten Platz besetzt. Kaum einer der Anwesenden wird jemals die ehrwürdige Gestalt vergessen, die in ihrem orientalischen Gewand die Stufen zur Kanzel hinaufstieg, um zum ersten Mal in ihrem Leben das Wort an eine öffentliche Versammlung zu richten. Dass dies an einem christlichen Andachtsort im Westen geschah, ist schon an sich von tiefer Bedeutung. Mr. Campbell stellte den Besucher mit einigen schlichten Worten vor, indem er sagte: »Wir als die Anhänger des Herrn Jesus Christus, der für uns das Licht der Welt ist und immer sein wird, betrachten jede Bewegung des Geistes Gottes im Leben der Menschheit mit Wohlwollen und Hochachtung, und daher begrüßen wir ‘Abdu’l-Bahá im Namen aller, die am Geist unseres Herrn teilhaben und versuchen, in diesem Geiste zu leben. Die Bahá’í-Bewegung ist mit dem geistigen Ziel des Christentums sehr eng verwandt, ich möchte fast sagen identisch.«
Bevor ‘Abdu’l-Bahá die Kirche verließ, schrieb Er in die von Priestern seit Generationen benutzte alte Bibel folgende Worte in Seiner persischen Muttersprache, hier in Übersetzung:
Eintrag in die Alte Bibel
geschrieben von ‘Abdu’l-Bahá auf Persisch
»Dieses Buch ist das Heilige Buch Gottes, ein Buch der himmlischen Eingebung. Es ist die Bibel der Erlösung, das erhabene Evangelium. Es ist das Geheimnis des Königreiches und sein Licht. Es ist die göttliche Gnadengabe, das Zeichen der Führung Gottes.
‘Abdu’l-Bahá ‘Abbás«
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás im City Temple
Sonntag, 10. September 1911
»O edle Freunde, die ihr Gott sucht! Preis sei Gott! Heute strahlt das Licht der Wahrheit in seiner ganzen Fülle über die Welt, die Brisen des himmlischen Gartens wehen durch alle Regionen, der Ruf des Königreichs wird in allen Ländern vernommen und der Odem des Heiligen Geistes von allen gläubigen Herzen erfühlt. Der Geist Gottes gibt ewiges Leben. In diesem wunderbaren Zeitalter ist der Osten erleuchtet, der Westen ist von Duft erfüllt, und überall atmet die Seele den heiligen Wohlgeruch. Das Meer der Einheit der Menschheit wogt vor Freude, denn die Herzen und Gedanken der Menschen kommen tatsächlich in Verbindung miteinander. Das Banner des Heiligen Geistes ist erhoben. Die Menschen sehen es, und die Erkenntnis dieses neuen Tages gibt ihnen Gewissheit.
Dies ist ein neuer Zyklus menschlicher Macht. Alle Horizonte der Welt sind erleuchtet, und die Welt wird wahrhaftig wie ein Garten und ein Paradies werden. Es ist die Stunde der Einheit für die Menschenkinder, die Stunde, in der alle Rassen und alle Klassen zueinander finden. Ihr seid von überlieferten abergläubischen Vorstellungen befreit, die die Menschen im Stande der Unwissenheit gehalten und die Grundlagen wahrer Menschlichkeit zerstört haben.
Die Gabe Gottes an dieses erleuchtete Zeitalter ist die Erkenntnis der Einheit der Menschheit und der grundlegenden Einheit der Religion. Der Krieg zwischen den Nationen wird aufhören, und durch den Willen Gottes wird der Größte Frieden kommen; die Welt wird als eine neue Welt gesehen werden, und alle Menschen werden wie Brüder leben.
In alten Zeiten entwickelte sich im Kampf mit wilden Tieren der Instinkt für das Kriegerische. Man braucht ihn nicht länger; nein, man erkennt vielmehr, dass Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis der Menschheit den größten Segen bringen. Feindschaft ist jetzt nur noch die Folge von Vorurteilen.
In den Verborgenen Worten sagt Bahá’u’lláh: ›Von allem das Meistgeliebte ist mir die Gerechtigkeit.‹ Gott sei gepriesen, in diesem Land wurde das Banner der Gerechtigkeit gehisst; große Anstrengungen werden gemacht, um allen Menschen einen angemessenen und rechten Platz zu geben. Dies ist der Wunsch aller edlen Naturen; dies ist heute das Gebot für Ost und West; daher werden der Osten den Westen und der Westen den Osten verstehen und schätzen, sie werden einander umarmen wie Liebende, die sich nach langer Trennung gefunden haben.
Es gibt nur einen Gott, nur eine Menschheit; die Grundlagen der Religion sind eins. Wir wollen Ihn anbeten und preisen für Seine großen Propheten und Sendboten, die Seine Lichtfülle und Seine Herrlichkeit offenbart haben.
Der Segen des Ewigen sei mit euch in all seiner Fülle, damit jede Seele entsprechend ihrer Fähigkeit, so viel sie kann, aus diesem Reichtum schöpfen mag. Amen.«A1
St. John’s, Westminster:
Einführung
Am 17. September sprach ‘Abdu’l-Bahá auf Einladung seiner Hochwürden Erzdiakon von Westminster nach der Abendmesse zur Gemeinde von Saint John the DivineA2. Mit kurzen, herzlichen, seine ganze Haltung kennzeichnenden Worten stellte Erzdiakon Wilberforce den geehrten Botschafter aus dem Osten vor, der für seine Mission des Friedens und der Einheit vierzig Jahre Gefangenschaft und Verfolgung erlitten und nun Meere und Länder durchquert hatte. Der Erzdiakon hatte für seinen Gast den Ehrensitz des Bischofs auf die Stufen vor der Kanzel stellen lassen. Er selbst stand daneben und verlas persönlich die Übersetzung der Ansprache ‘Abdu’l-Bahás. Die Gemeinde war tief bewegt. Sie folgte dem Beispiel des Erzdiakons und kniete nieder, um den Segen des Dieners Gottes zu empfangen, der mit ausgebreiteten Armen dastand, während sich in der Stille seine wundervolle Stimme melodisch hob und senkte. Als der Erzdiakon die Worte: »Wahrlich, der Osten und der Westen sind einander heute Abend an diesem heiligen Ort begegnet«, gesprochen hatte, sang die ganze Versammlung im Stehen die Hymne O God our help in ages past (O Gott, Du uns’re Hilfe in vergang’nen Zeiten), während ‘Abdu’l-Bahá und der Erzdiakon Hand in Hand durch das Seitenschiff zur Sakristei schritten.
Draußen vor der Kirche hielten die Mitglieder der Heilsarmee ihre Versammlung ab. ‘Abdu’l-Bahá war tief beeindruckt und berührt, als Er die Männer, Frauen und Kinder sah, die da nachts an der Straßenecke zu Gebet und Gesang zusammenkamen.
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás in der Kirche St. John’s, Westminster
17. September 1911
»O edle Freunde! O ihr Sucher nach dem Königreich Gottes! Der Mensch sucht überall auf der Welt nach Gott. Nur Gott existiert wirklich; doch die Wirklichkeit des Göttlichen ist über alles Verstehen geheiligt.
Die Bilder des Göttlichen, die uns in den Sinn kommen, sind das Erzeugnis unserer Phantasie; sie existieren im Reich unserer Vorstellung. Sie werden der Wahrheit nicht gerecht. Das Wesen der Wahrheit lässt sich nicht in Worte fassen.
Das göttliche Wesen lässt sich nicht erfassen, da es umfassend ist.
Auch der Mensch existiert wirklich, wird aber von Gott umfasst. Daher ist das Göttliche, das der Mensch verstehen kann, nur ein Teil; es ist nicht das Ganze. Das Göttliche ist die eigentliche Wahrheit und das wirkliche Sein, nicht irgendeine Darstellung davon. Das Göttliche birgt das All; es ist selbst nicht Inhalt eines anderen.
Obwohl dem Mineral, der Pflanze, dem Tier und dem Menschen, jedem für sich, wirkliches Sein zukommt, hat das Mineral dennoch kein Wissen von der Pflanze. Es kann die Pflanze nicht wahrnehmen. Es kann sich weder ein Bild von ihr machen noch sie begreifen.
Dasselbe gilt für die Pflanze. Sie mag noch so weit fortschreiten und sich entwickeln, nie wird sie je einen Begriff vom Tier haben oder es verstehen. Sie hat von ihm sozusagen keine Ahnung. Sie hat keine Ohren, kein Seh- und kein Begriffsvermögen.
Ebenso verhält es sich mit dem Tier. Welch große Fortschritte es innerhalb seines Schöpfungsreiches auch machen mag, wie ausgeprägt seine Empfindungen auch werden mögen, es wird keinen wirklichen Begriff von der Welt des Menschen oder dessen besonderen intellektuellen Fähigkeiten haben.
Das Tier kann weder verstehen, dass die Erde rund ist, noch dass sie sich im All bewegt. Es begreift weder den zentralen Standort der Sonne, noch kann es sich etwas wie den alldurchdringenden Äther vorstellen.
Mineral, Pflanze, Tier und der Mensch selbst sind real existierende Wesen. Aber der Unterschied zwischen ihren Schöpfungsreichen hindert die der niedrigeren Stufe Angehörenden daran, Wesen und Seinsweise der auf der höheren Stufe Stehenden zu begreifen. Da dem so ist, wie kann dann das Zeitbedingte, Irdische den Herrn der Heerscharen erfassen?
Das ist offensichtlich unmöglich!
Aber das Wesen des Göttlichen, die Sonne der Wahrheit, scheint von allen Horizonten und ergießt ihre Strahlen über alle Dinge. Jedes Geschöpf ist Empfänger eines gewissen Anteils dieser Kraft, und der Mensch, der in sich die Vollkommenheiten des Minerals, der Pflanze und des Tieres zusammen mit den ihn allein auszeichnenden Merkmalen vereint, ist zum edelsten aller erschaffenen Wesen geworden. Es steht geschrieben, dass er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Er entdeckt verborgene Mysterien und bringt versteckte Geheimnisse ans Licht. Durch Wissenschaft und Kunst lässt er verborgene Kräfte ins Reich der sichtbaren Welt treten. Der Mensch erkennt die in den erschaffenen Dingen verborgenen Gesetze und arbeitet mit ihnen.
Der vollkommene Mensch, der Prophet, ist am Ende jener, der verklärt wurde, der die Reinheit und Klarheit eines vollkommenen Spiegels besitzt und die Sonne der Wahrheit widerspiegelt. Von einem solchen vollkommenen Menschen, einem solchen Propheten oder Sendboten, können wir sagen, in ihm wohnt das Licht des göttlichen Wesens mit seinen himmlischen Vollkommenheiten.
Wenn wir behaupten, die Sonne sei im Spiegel sichtbar, dann meinen wir nicht, dass die Sonne selbst aus den heiligen Höhen ihres Himmels herabgestiegen und in den Spiegel eingetreten sei! Das ist unmöglich. Die Göttliche Natur wird in ihren Manifestationen sichtbar, und ihr Licht und Glanz zeigen sich in höchstem Ruhm.
Darum sind die Menschen zu allen Zeiten von den Propheten Gottes gelehrt und geführt worden. Die Propheten Gottes sind die Mittler Gottes. Alle Propheten und Boten sind von dem Einen Heiligen Geist gekommen und tragen die Botschaft Gottes, die jeweils dem Zeitalter angepasst ist, in dem sie erscheinen. Das Eine Licht ist in ihnen, und sie sind eins untereinander. Aber das Ewige wird nicht zur Erscheinung, noch kann die bloße Erscheinung zum Ewigen werden.
Der große Apostel Paulus hat gesagt: ›Wenn wir mit offenem Angesicht wie in einem Spiegel die Herrlichkeit Gottes schauen, werden wir alle in dieses selbe Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.‹Q1
O Gott, o Vergeber! O Himmlischer Erzieher! Diese Versammlung ist mit der Erwähnung Deines heiligen Namens geschmückt. Deine Kinder wenden ihr Antlitz Deinem Königreiche zu, die Herzen werden beglückt und die Seelen erquickt.
Gnädiger Gott! Gib, dass wir unsere Verfehlungen bereuen! Nimm uns an in Deinem himmlischen Königreich und weise uns eine Stätte zu, wo es kein Irren gibt. Gib uns Frieden, gib uns Wissen und öffne vor uns die Tore Deines Himmels.
Du bist der Geber aller Gaben! Du bist der Vergebende! Du bist der Gnädige. Amen.«
Theosophische Gesellschaft:
Einführung
Auf ausdrücklichen Wunsch der Vorsitzenden, Mrs. Annie Besant, besuchte ‘Abdu’l-Bahá am 30. September die Theosophische Gesellschaft in ihrem neuen Zentrum. Nachdem Mr. A. P. Sinnett kurz die Geschichte der Gesellschaft vorgetragen und freundliche Willkommensworte gesprochen hatte, erhob sich ‘Abdu’l-Bahá und hielt vor der zahlreichen Zuhörerschaft eine Rede über die unterscheidenden Merkmale der Bahá’í-Lehren, wobei Er die eifrige Suche der Gesellschaft nach Wahrheit mit herzlichen Worten würdigte.
Rede ‘Abdu’l-Bahás im Theosophischen Zentrum
30. September 1911
»Verehrte Versammlung, o Freunde der Wahrheit! Das natürliche Wesen des Feuers ist, zu brennen, das natürliche Wesen der Elektrizität, Licht zu spenden, das natürliche Wesen der Sonne, zu scheinen, und das natürliche Wesen der organischen Erde die Kraft, etwas wachsen zu lassen.
Eine Sache lässt sich nicht von ihren natürlichen, ihr Wesen ausmachenden Eigenschaften abtrennen.
Es liegt im natürlichen Wesen der Dinge auf dieser Erde, sich zu verändern. Deshalb beobachten wir um uns herum den Wechsel der Jahreszeiten. Jedem Frühling folgt ein Sommer und jedem Herbst ein Winter, jedem Tag eine Nacht und jedem Abend ein Morgen. Alle Ereignisse geschehen folgerichtig der Reihe nach.
So kam es, dass, als Hass und Feindschaft, Kampf, Gemetzel und große Herzenskälte diese Welt regierten und Finsternis über die Nationen hereinbrach, am Horizont Persiens Bahá’u’lláh wie ein heller Stern erschien und mit dem machtvollen Licht der Führung leuchtete, himmlischen Strahlenglanz spendete und die neue Lehre stiftete.
Er sprach von den höchsten Tugenden des Menschen. Er machte die Kräfte des Geistes offenbar und zeigte, wie sie sich in der Welt, die Er vorfand, in die Praxis umsetzen lassen.
Erstens: Er legt großen Nachdruck auf das Suchen nach Wahrheit. Dies ist von höchster Bedeutung, denn die Menschen lassen sich nur zu leicht von Traditionen leiten. Allein aus diesem Grund entstehen oft Feindschaft und Streit.
Das Offenbarwerden der Wahrheit jedoch macht das zuvor Dunkle plötzlich erkennbar und wird zur Ursache der Harmonie zwischen Glaubensrichtungen und Bekenntnissen, denn die Wahrheit kann nicht zweigeteilt sein! Das ist nicht möglich.
Zweitens: Bahá’u’lláh lehrte die Einheit der Menschheit, das bedeutet, dass alle Menschenkinder unter der Barmherzigkeit Gottes, des Herrn, stehen. Sie sind die Söhne eines Gottes, sie werden von Gott erzogen. Er setzt jedem einzelnen Gottesdiener die Krone des Menschseins aufs Haupt. Deshalb müssen alle Nationen und Völker einander als Brüder betrachten. Sie sind die Zweige, Blätter, Blüten und Früchte eines Baumes. Sie sind Perlen aus einer Muschel. Jedoch brauchen die Menschenkinder Erziehung und Kultur, und sie müssen poliert werden, bis sie strahlen und glänzen.
Beide, Männer und Frauen, sollten die gleiche Erziehung erhalten und als gleichwertig betrachtet werden.
Rassische, vaterländische, religiöse und Klassenvorurteile waren und sind die Ursache für den Niedergang der Menschheit.
Drittens: Nach der Lehre Bahá’u’lláhs ist Religion das wichtigste Fundament für Liebe und Einheit und die Ursache für Harmonie. Wird eine Religion zum Anlass für Hass und Missklang, wäre es besser, es gäbe sie gar nicht. Ohne eine solche Religion zu sein, wäre besser, als mit ihr zu leben.
Viertens: Religion und Wissenschaft sind eng miteinander verflochten und können nicht getrennt werden. Sie sind die beiden Flügel, mit denen die Menschheit fliegen muss. Ein Flügel genügt nicht. Jede Religion, die sich nicht mit Wissenschaft befasst, ist bloße Tradition und geht am Wesentlichen vorbei. Deshalb sind für ein erfülltes religiöses Leben Wissenschaft, Bildung und Kultur absolute Notwendigkeiten.
Fünftens: Die Wirklichkeit der Religionen Gottes ist eine gemeinsame, denn es gibt nur eine einzige Wirklichkeit; es kann nicht zwei Wirklichkeiten geben. Alle Propheten stimmen in ihrer Botschaft felsenfest überein. Sie sind wie die Sonne: Sie gehen zu den verschiedenen Jahreszeiten an unterschiedlichen Punkten des Horizontes auf. Darum verkündete jeder Prophet früherer Zeitalter die Frohbotschaft einer kommenden Zeit, und jede neue Zeit hat die Vergangenheit anerkannt.
Sechstens: Gleichheit und Brüderlichkeit müssen unter allen Gliedern der menschlichen Gemeinschaft herrschen. Das entspricht der Gerechtigkeit. Die allgemeinen Menschenrechte müssen geschützt und festgeschrieben werden.
Alle Menschen müssen gleich behandelt werden. Dies ist im Wesen des Menschen angelegt.
Siebtens: Die Lebensbedingungen der Menschen müssen so gestaltet werden, dass die Armut verschwindet und jeder seiner Stellung und seinem Rang entsprechend soweit wie möglich sorgenfrei leben kann. Wenn der Adel und andere hochrangige Personen angenehme Verhältnisse genießen, sollen auch die Mittellosen in der Lage sein, ihr tägliches Brot zu erwerben und nicht an den Rand des Verhungerns getrieben werden.
Achtens: Bahá’u’lláh verhieß den Größten Frieden. Alle Nationen und Völker werden unter dem Schatten des Zeltes des großen Friedens und der Harmonie zusammenkommen. Das bedeutet, dass durch allgemeine Wahl ein Oberster Gerichtshof geschaffen werden muss, der die Aufgabe hat, Differenzen und Konflikte zwischen den Mächten beizulegen, so dass Kontroversen nicht mehr zu Kriegen führen.
Neuntens: Bahá’u’lláh lehrte, dass die Herzen den besonderen Segen des Heiligen Geistes auf sich ziehen müssen, so dass eine geistige Kultur entstehen kann, denn materielle Zivilisation genügt den Bedürfnissen der Menschheit nicht und kann ihr Glück nicht bewirken. Materielle Zivilisation ist wie der Körper und geistige Zivilisation wie die Seele. Ein Körper kann ohne Seele nicht leben.
Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Lehren Bahá’u’lláhs. Um dies zu lehren, musste Bahá’u’lláh große Schwierigkeiten und Bedrängnis auf sich nehmen. Er war zeitlebens ein Gefangener und musste schwere Verfolgung erdulden. Aber in der FesteA3 errichtete Er einen Palast des Geistes, und aus der Dunkelheit Seines Kerkers sandte Er ein großes Licht in die Welt.
Die Bahá’í haben den sehnlichen Wunsch, diese Lehren überall in die Tat umzusetzen, und sie streben mit Herz und Seele danach, ihr Leben diesem Ziel zu widmen, bis das himmlische Licht die ganze Menschenwelt erleuchtet.
Ich bin sehr glücklich, dass ich bei dieser Versammlung zu Ihnen sprechen durfte, und hoffe, dass dieses mein ernstes Anliegen Ihnen annehmbar erscheint.
Ich bete für Sie um Erfolg in Ihren Bestrebungen und dass Ihnen die Gnadengaben des Reiches Gottes zuteilwerden mögen.«
Abschiedsempfang:
Einführung
Am Abend des Sankt-Michaels-Tages gab man für ‘Abdu’l-Bahá im großen Saal des Passmore Edwards’ Settlement einen großen Empfang. Der Raum war mit Vertretern aller Berufssparten, manche von weit her angereist, bis auf den letzten Platz besetzt.
Auf der Tribüne war ‘Abdu’l-Bahá von Männern verschiedenster Denkrichtungen umringt, die ihre Sympathie für die Arbeit und den Auftrag ihres ehrenwerten Besuchers bekunden wollten. Den Vorsitz führte Professor Michael E. Sadler.
Die Veranstaltung begann mit dem Vaterunser, von allen Anwesenden gemeinsam gesprochen. Darauf folgte das Gebet Bahá’u’lláhs um Einheit sowie ein Gebet aus dem fünften Jahrhundert, das Papst GelasiusA4 zugeschrieben wird. Professor Sadler sprach dann Worte, die allen Zuhörern im Gedächtnis bleiben werden. In seiner Ansprache zitierte er aus einem Gebet für die ganze Menschheit, welches ein tief gläubiger Bahá’í ‘Abdu’l-Bahá ein Jahr zuvor in Ägypten vorgelegt hatte, das ‘Abdu’l-Bahá dann vervollständigte und den Menschen aller Glaubensrichtungen in Ost und West ans Herz legte.
Dem Vorsitzenden folgten Sir Richard Stapley, Mr. Eric Hammond, Mr. Claude Montefiore, Mrs. Stannard aus Ägypten und einige andere. Als ‘Abdu’l-Bahá den Saal verließ, drängten sich auf dem Bürgersteig die Armen aus der Umgebung, um Ihn zu sehen. Ein lahmes Mädchen auf Krücken, das Ihn sehnsüchtig anschaute, wurde extra zu Ihm hingeführt.
Abschiedstreffen für ‘Abdu’l-Bahá
29. September 1911
Auf Einladung von Mrs. Thornburgh-Cropper fanden sich am letzten Freitagabend im großen Saal des Passmore Edwards’ Settlement, Tavistock Place, etwa vierhundertsechzig Damen und Herren der Gesellschaft ein, um ‘Abdu’l-Bahá ‘Abbás am Vorabend Seiner Abreise nach Paris Lebewohl zu sagen. Seit Seiner Ankunft in London am Abend des 4. September verbrachte Er vier glückliche, ereignisreiche Wochen in unserer Mitte. Abgesehen von einem Kurzbesuch in Bristol letzte Woche weilte Er in Cadogan Gardens 97. Seine Zeit wurde vorwiegend von Gesprächen mit Menschen in Anspruch genommen, die Ihn gerne treffen wollten. Darunter waren nicht wenige, deren Namen in diesem Land in aller Munde sind, und einige reisten von weit her an, um Ihm persönlich zu begegnen.
Am Freitagabend herrschte ein wunderbarer Geist. Die Stimmung unterschied sich sehr von der einer gewöhnlichen Versammlung oder religiösen Zusammenkunft. Jeder Anwesende wurde durch die feine, geistige Atmosphäre der Veranstaltung bereichert. Die angesprochenen Themen kreisten alle um Brüderlichkeit, Einheit und Frieden. Ein Bericht über die Ansprachen kann höchstens eine unzureichende Ahnung von deren Wirkung vermitteln, aber sie waren alle so gut durchdacht, so aufrichtig und so vorzüglich in Worte gefasst, dass sie der Wiedergabe wert sind. Neben anderen Personen teilte Amír ‘Alí Siyyid schriftlich sein Bedauern mit, dass er nicht anwesend sein konnte, und Erzdiakon Wilberforce sandte eine herzliche Grußbotschaft.
Nach dem Vaterunser und Gebeten für Einheit, verfasst von Bahá’u’lláh und Gelasius (fünftes Jahrhundert) sprach Professor Michael Sadler die folgenden Worte.
Ansprache von Professor Michael Sadler
»Wir sind zusammengekommen, um ‘Abdu’l-Bahá Lebewohl zu sagen und um Gott zu danken für Sein Vorbild und die Lehren, die Er gegeben hat, sowie für die Macht Seines Gebets, Licht in verworrenes Denken zu bringen, Hoffnung an die Stelle von Furcht zu setzen, Glaube dorthin zu tragen, wo Zweifel herrschte, und in gequälte Herzen die Liebe zu senken, die Selbstsucht und Angst überwindet.
Obwohl wir alle trotz gemeinsamer Glaubensbekenntnisse doch unterschiedliche persönliche Überzeugungen hegen, hat ‘Abdu’l-Bahá für uns alle eine Botschaft von Einheit, Mitmenschlichkeit und Frieden. Er fordert uns auf, aufrichtig und ehrlich zu sein in dem, was wir als Glauben bekennen, und vor allen Dingen den Geist zu ehren, der hinter der Form steht. Mit Ihm verbeugen wir uns vor dem verborgenen Namen, vor dem, was eines jeden Lebens innerster Kern ist. Er gebietet uns, in furchtloser Treue zu unserem eigenen Glauben Gott zu dienen, jedoch mit wachsendem Verlangen nach Einheit, Brüderlichkeit und Liebe, so dass wir uns mit der Kraft des Geistes und aus vollem Herzen aufmachen, die über Klasse und Rasse erhabene zeitlose Absicht Gottes besser zu begreifen.«
Professor Sadler schloss mit einem wunderschönen Gebet von James Martineau.
Mr. Eric Hammond sagte, die Bahá’í-Bewegung trete für die Einheit ein, das bedeute: ein Gott, eine Menschenfamilie. Ungezählt viele Seelen bekundeten die göttliche Einheit, eine so vollkommene Einheit, dass Unterschiede in Farbe oder Konfession keinen Raum lassen, zwischen den Manifestationen Gottes zu unterscheiden. Alle diese Seelen legten eine umfassende Menschenliebe an den Tag, die auch die sozial am tiefsten stehenden und die unbedeutendsten, heruntergekommensten Menschen mit einschloss. Einigkeit, Mitgefühl und Brüderlichkeit führten letztendlich zu universeller Eintracht. Er schloss mit einem Zitat von Bahá’u’lláh, wonach die Sache Gottes für das Wohl der Welt bestimmt sei und weder auf den Osten noch auf den Westen beschränkt werden könne.
Miss Alice Buckton sagte, wir stünden am Beginn einer der Frühlingszeiten der Welt. Der Einfluss, der von dieser Zusammenkunft von Vertretern der Welt des Denkens, der Arbeit und der Liebe ausgehe, werde weltweit Einheit und Brüderlichkeit bewirken. Die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau sei eines der hervorstechendsten Merkmale der Bahá’í-Lehre.
Sir Richard Stapley hob hervor, dass Einheit nicht in Bräuchen und formalen Nebensachen, sondern im inneren Geist der Religion gesucht werden muss. Persien habe einen solchen Impuls hin zu wirklicher Einheit erfahren; für dieses sogenannte christliche Land sei das wie eine Rüge.
Mr. Claude Montefiore freute sich als Jude über den wachsenden Geist der Einheit und sah in diesem Treffen ein Vorzeichen für das Herannahen besserer Zeiten und in gewisser Hinsicht die Erfüllung der von einem römisch-katholischen Märtyrer, Sir Thomas More, ausgesprochenen und beschriebenen Idee von der großen Kirche der Utopier, in der alle verschiedenen Glaubensrichtungen sich versammeln und einen Gottesdienst mit einer Liturgie abhalten, die eine höhere Einheit bekundet und gleichzeitig besondere Treuebindungen zulässt.
Mrs. Stannard ging näher darauf ein, was diese Versammlung und die hier ausgedrückten Gefühle für den Osten und dort besonders für die Frauen und deren im Westen schwer begreifbare Lage bedeuteten.
Tammaddun’ul-Mulk bestätigte den einigenden Einfluss, den die Bahá’í-Bewegung in Persien gehabt habe, und auf welch erstaunliche Weise sie sich in Amerika und anderen Ländern verbreitet habe.
Dann erhob sich ‘Abdu’l-Bahá, um Seine Abschiedsrede zu halten. Als eindrucksvolle Gestalt, die Gesichtszüge eher erschöpft, aber die Augen voller Leben, stand Er etwa fünfzehn Minuten da und sprach in sanft melodischem Persisch. Mit ausgebreiteten Armen, die Handflächen nach oben, schloss Er mit einem Gebet.
Abschiedsrede ‘Abdu’l-Bahás
»O edle Freunde und Sucher nach dem Reich Gottes! Vor etwa sechzig Jahren, zu einer Zeit, als das Feuer des Krieges unter den Nationen der Welt loderte und die Menschheit Blutvergießen für ehrbar hielt, zu einer Zeit, als das Abschlachten Tausender die Erde mit Blut befleckte, Kinder ihrer Väter beraubt wurden, Väter keine Söhne mehr hatten und Mütter sich in Tränen verzehrten, als die Finsternis des Hasses und der Feindschaft zwischen den Rassen die Menschheit zu verschlingen und das göttliche Licht zu verhüllen drohte, als das Wehen des heiligen Hauches Gottes scheinbar erstickt wurde – in dieser Zeit erhob sich am Horizont Persiens Bahá’u’lláh gleich einem strahlenden Stern. Er war betraut mit der Botschaft von Frieden und Brüderlichkeit unter den Menschen.
Er brachte der Welt das Licht der Führung; Er entzündete das Feuer der Liebe und offenbarte die erhabene Wirklichkeit des Wahren Geliebten. Vorurteilen der Rasse und der Religion und politischer Rivalität suchte Er den Boden zu entziehen.
Er verglich die Menschenwelt mit einem Baum und alle Nationen mit dessen Zweigen und die Menschen mit seinen Blättern, Knospen und Früchten.
Es war Sein Anliegen, unwissenden Fanatismus in allumfassende Liebe zu wandeln, im Denken und Fühlen Seiner Anhänger die Grundlage für die Einheit der Menschheit zu legen und die Gleichheit der Menschen praktisch herbeizuführen. Er sprach von der Gleichheit aller Menschen unter der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.
Alsdann wurde das Tor des Reiches Gottes weit geöffnet, und die Sonne eines neuen Himmels auf Erden offenbarte sich den wahrhaft sehenden Augen.
Bahá’u’lláh war jedoch Zeit Seines Lebens von schweren Heimsuchungen betroffen und grausamer Unterdrückung ausgeliefert. In Persien wurde Er ins Gefängnis geworfen und in Ketten gelegt und lebte unter ständiger Bedrohung des Schwertes. Er wurde verhöhnt und ausgepeitscht.
Als Er etwa dreißig Jahre alt war, verbannte man Ihn nach Baghdád, dann von Baghdád nach Konstantinopel, von dort nach Adrianopel und zuletzt in die Festung ‘Akká.
Doch selbst in Ketten und aus Seiner Gefängniszelle heraus gelang es Ihm, Seine Sache zu verbreiten und das Banner der Einheit der Menschheit aufzupflanzen.
Gelobt sei Gott! Jetzt sehen wir das Licht der Liebe im Osten wie im Westen leuchten, und das Zelt der Brüderlichkeit ist inmitten aller Völker errichtet worden, auf dass alle Herzen und Seelen sich darin versammeln mögen.
Der Ruf des Gottesreiches ist erschallt, und die Kunde, dass die Welt den universalen Frieden dringend nötig hat, brachte das Weltgewissen zur Einsicht.
Ich hoffe, dass durch die inbrünstige Hingabe derer, die reinen Herzens sind, die Finsternis aus Hass und Streit gänzlich getilgt und der Liebe und Einheit Licht leuchten werde. Diese Welt soll eine neue Welt werden. Materielles soll zum Spiegel des Göttlichen werden. Menschenherzen sollen einander begegnen und einander bereitwillig annehmen. Die ganze Welt soll zum Heimatland des Menschen werden und die verschiedenen Rassen als eine einzige gelten.
Wortstreit und Uneinigkeit werden dann dahinschwinden und der göttliche Geliebte wird auf dieser Erde offenbar werden.
Wie Ost und West von einer Sonne erleuchtet werden, so wird man alle Rassen, Nationen und Glaubensbekenntnisse als die Diener des einen Gottes ansehen. Die ganze Erde ist eine Heimat, und alle Völker sind in die Einheit der Gnade Gottes eingetaucht – würden sie es nur erkennen. Gott hat sie alle erschaffen. Er sorgt für alle. Er leitet und erzieht alle unter der Obhut Seiner Gnadenfülle. Wir müssen dem Beispiel folgen, das Gott selbst uns gibt, und allen Hader und Wortstreit aus der Welt schaffen.
Gelobt sei Gott! Die Zeichen der Freundschaft mehren sich, und als Beweis dafür habe ich heute, vom Osten kommend, in diesem westlichen London in höchstem Maße Wohlwollen, Achtung und Liebe erfahren. Ich bin zutiefst dankbar und glücklich. Die mit Ihnen gemeinsam verbrachten Stunden werde ich niemals vergessen.
Vierzig Jahre habe ich in einem türkischen Gefängnis verbracht. Dann rüttelte 1908 das Komitee für Einheit und Fortschritt der Jungtürken an den Toren der Tyrannei und ließ alle Gefangenen frei, auch mich. Gott möge alle segnen, die für Einheit und Fortschritt arbeiten. Darum bete ich.
In Zukunft wird man unwahre Berichte über Bahá’u’lláh ausstreuen, um die Verbreitung der Wahrheit zu verhindern. Ich sage Ihnen das, damit Sie wachsam und vorbereitet sind.
Ich nehme von Ihnen Abschied mit dem Gebet, dass Sie die Schönheit des Gottesreichs in ihrer ganzen Fülle empfangen mögen. In tiefem Bedauern darüber, dass wir uns trennen müssen, sage ich Ihnen Lebewohl.«
Nachdem Professor Sadler die Übersetzung der Abschiedsrede verlesen hatte, spendete ‘Abdu’l-Bahá zum Abschluss der Zusammenkunft mit melodischer und rhythmisch bewegter Stimme allen Seinen Segen.
Wenn diese Zeilen erscheinen, wird ‘Abdu’l-Bahá unsere Küsten bereits verlassen haben. Die Erinnerung an Seine gütige Persönlichkeit ist jedoch ein bleibender Schatz. Sein Einfluss wird noch in künftigen Zeiten zu spüren sein. Bereits jetzt hat Er sehr viel dazu beigetragen, die von vielen seit langem ersehnte Einigung von Ost und West voranzubringen.
London W., 10 Cheniston Gardens
Die nachfolgenden Aufzeichnungen wurden The Quarterly Record of ›Higher Thought‹ Work (Zentrum für Höheres Denken) vom November 1911 entnommen.
Eine der interessantesten und bedeutendsten Veranstaltungen, die stattfanden, war der Besuch ‘Abdu’l-Bahás in London. Der persische Weise hat Sein im Gefängnis verbrachtes Leben in den Dienst der Förderung von Frieden und Einheit gestellt und verfolgt dabei die einzig zielführende Methode, nämlich die Förderung der geistigen Entwicklung des Einzelmenschen. Er muss im wahrsten Sinne des Wortes »viel ertragen«, und »das Licht geschaut«Q2 haben. Er wurde nicht nur privat von fast jedem ernsthaften Wahrheitssucher und wegweisenden Denker in London besucht. Seine Botschaft wurde auch Tausenden vermittelt, die Seinen Namen zuvor kaum je gehört hatten.
‘Abdu’l-Bahá kannte das Higher Thought Centre gut als den Ort, an dem die Bahá’í ihre wöchentlichen Versammlungen unter der Leitung von Miss Rosenberg abhielten, und erst zwei Tage vor Seiner Abreise nahm Er eine Einladung in das Zentrum an. ‘Abdu’l-Bahá ließ durch Seinen Übersetzer Grußworte übermitteln und hielt eine kurze, eindrucksvolle Ansprache, in der Er hervorhob, welch ein Segen auf einer solchen Versammlung ruhe, die in einer Atmosphäre von Einheit und geistigem Streben zusammenkam. Er schloss mit einem demütig gesprochenen Gebet in Seiner Muttersprache und einem Segenswunsch, den alle Anwesenden als sehr aufrichtig empfanden.
Am nächsten Tag traf im Zentrum eine Botschaft ‘Abdu’l-Bahás ein, in der Er Seine große Dankbarkeit für all das Wohlwollen ausdrückt, das den Bahá’í erwiesen wird, und die mit den Worten endet: »Es kommt nicht darauf an, wie sich jemand nennt – es gibt nur eine große Aufgabe!«
»Christus ist stets gegenwärtig in der Welt des Seins. Er hat sie nie verlassen … Seid gewiss, dass Christus anwesend ist. Die geistige Schönheit, die wir heute um uns wahrnehmen, entstammt dem Lebenshauch Christi.«
Botschaft von ‘Abdu’l-Bahá, verfasst für The Christian Commonwealth
veröffentlicht am 29. September 1911
»Gott sendet Propheten, damit sie die Menschen erziehen und die Menschheit Fortschritte macht. Jede dieser Manifestationen Gottes hat die Menschheit vorangebracht. Durch Gottes Gnade dienen sie der ganzen Welt. Den sicheren Beweis, dass sie Offenbarer Gottes sind, erbringt die Erziehung und Weiterentwicklung der Menschen. Die Juden waren in einem Zustand tiefster Unwissenheit und Gefangene des Pharao, als Moses erschien und sie auf eine hohe Kulturstufe führte. So kam das Reich Salomos zustande und die Menschheit lernte Wissenschaft und Kunst kennen. Selbst griechische Philosophen studierten die Lehren Salomos. Damit wurde die Prophetenschaft Mose unter Beweis gestellt.
Im Laufe der Zeit sind die Israeliten moralisch verkommen und wurden von den Römern und den Griechen unterworfen. Da erhob sich am Horizont über den Israeliten der strahlende Stern Jesu und erleuchtete die Welt, bis allen Sekten, Bekenntnissen und Völkern das an der Einheit so Wunderbare kundgetan war. Es gibt keinen besseren Beweis als diesen für die Tatsache, dass Jesus das Wort Gottes war.
Ebenso verhielt es sich mit den Völkern Arabiens, die als unzivilisiert galten und von den Persern und Griechen unterdrückt wurden. Als das Licht Muḥammads zu leuchten begann, erstrahlte ganz Arabien. Diese unterdrückten und gering geschätzten Völker wurden aufgeklärt und kultiviert und zwar in solchem Maße, dass andere Völker die arabische Zivilisation übernahmen. Das war der Beweis für Muḥammads göttliche Sendung.
Alle Lehren der Propheten sind wesenseins. So gibt es nur eine Religion, ein die Welt erleuchtendes göttliches Licht. Unter dem Banner der Einheit der Menschheit sollten nun alle Menschen jedweden Bekenntnisses ihre Vorurteile ablegen, Freunde werden und an alle Propheten glauben. Wie die Christen an Moses, so sollten die Juden an Christus glauben. Wie die Muslime an Christus und Moses, so sollten die Juden und Christen gleichfalls an Muḥammad glauben. Dann gäbe es keinen Streit mehr, so wären alle vereint. Genau zu diesem Zweck erschien Bahá’u’lláh. Er machte aus den drei Religionen eine. Er hob inmitten der Welt das Banner der Glaubenseinheit und der Ehre der Menschheit empor. Um dieses müssen wir uns heute scharen und mit Herz und Seele versuchen, die Einigung der Menschheit zuwege zu bringen.«
Ansprache, gehalten beim Einigkeitstreffen im Heim von Miss E. J. Rosenberg
am 8. September 1911
»Preis sei Gott, dass in London eine solche Versammlung der Reinheit und Standhaftigkeit stattfindet. Die Herzen der Anwesenden sind makellos und dem Reiche Gottes zugewandt. Ich hoffe, dass alles, was die Heiligen Bücher Gottes beinhalten und als Wahrheit verkünden, in euch zum Tragen kommt. Die Boten Gottes sind die wichtigsten und besten Lehrer. Wann immer diese Welt sich verfinstert, gleichgültig wird und die Meinungen auseinandergehen, schickt Gott einen Seiner heiligen Boten.
Moses erschien in einer solch dunklen Zeit, in der die Menschen vielerorts unwissend, naiv und wankelmütig waren. Moses war der von Gott gesandte Lehrer. Er lehrte Heiligkeit und erzog die Israeliten. Er holte das Volk aus seinem unwürdigen Zustand heraus und brachte es dazu, sich hohes Ansehen zu erwerben. Er lehrte sie Wissenschaft und Kunst, schulte sie in Kultur und vermehrte ihre menschlichen Tugenden. Nach einiger Zeit ging das, was sie von Gott erhalten hatten, wieder verloren. Der Rückkehr schlechter Eigenschaften wurde der Weg geebnet und Tyrannei unterdrückte die Welt.
Da kündigte sich erneut das Licht der Wirklichkeit an und der Odem des Heiligen Geistes war zu spüren. Die Wolke himmlischer Gnade spendete Regen, der Führung Licht leuchtete über die Erde. Die Welt legte ein neues Gewand an, die Menschen wurden neue Menschen, die Einheit der Menschheit wurde verkündet. Die wunderbare Einheit im Denken verwandelte die Menschheit und schuf eine neue Welt. Doch wiederum haben die Menschen nach einiger Zeit alles vergessen. Die Lehren Gottes beeinflussten ihr Leben nicht mehr. Seine Weissagungen und Gebote verblassten und die Menschen verbannten sie aus ihren Herzen. Wieder herrschten Gewalt und Achtlosigkeit.
Dann erschien Bahá’u’lláh und erneuerte wiederum das Fundament des Glaubens. Er rief die Lehren Gottes und die Werke der Menschlichkeit in der Zeit Christi ins Leben zurück. Er löschte den Durst der Dürstenden, rüttelte die Achtlosen wach und lenkte die Aufmerksamkeit der Nachlässigen auf die göttlichen Geheimnisse. Er verkündete die Einheit der Menschheit und verbreitete die Lehre von der Gleichwertigkeit aller Menschen.
Deshalb solltet ihr alle mit Herz und Seele danach streben, die Menschen durch Wohlwollen zu gewinnen, auf dass diese wunderbare Einheit fest gegründet, kindischer Aberglaube überwunden und alle eins werden mögen.«
Ansprache im Hause Thornburgh-Cropper
am 13. September 1911
‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Dank sei Gott! Dies ist ein schönes Treffen. Es ist wirklich erleuchtet, es ist vergeistigt.
Ein persischer Dichter schrieb einmal: ›Das Himmelsall wurde so geformt, dass die irdische Welt die höhere Welt widerspiegelt.‹ Das soll bedeuten, dass alles im Himmel Vorhandene in dieser Erscheinungswelt sein Spiegelbild hat. Nun, gelobt sei Gott, dieses unser Treffen ist ein Widerschein der himmlischen Versammlung, es ist, als ob wir einen Spiegel genommen und hineingeschaut hätten. Dieses Spiegelbild der himmlischen Versammlung kennen wir als Liebe.
Die unter den himmlischen Heerscharen herrschende Liebe findet sich hier wieder. Die himmlischen Heerscharen sind von der Sehnsucht nach Gott erfüllt, und dieses Sehnen ist – Gott sei Dank – auch hier zu spüren.
Wenn wir also sagen, diese Zusammenkunft sei himmlisch, entspricht es der Wahrheit. Warum? Weil wir nichts anderes begehren als was von Gott kommt. Allein Gottes zu gedenken, ist unser Sinn.
Manche Menschen auf dieser Erde trachten nach Herrschaft über andere. Einige sehnen sich nach Ruhe und Bequemlichkeit, andere erstreben eine hohe Stellung, manche möchten gerne berühmt werden – Gott sei Dank sehnen wir uns nach Geistigkeit und Gemeinschaft mit Gott.
Wir, die wir hier versammelt sind, möchten das Banner der Einheit Gottes hissen, Gottes Licht verbreiten und die Menschenherzen dazu bringen, sich dem Reiche Gottes zuzuwenden. Ich danke darum Gott, dass Er uns dieses große Werk vollbringen lässt.
Ich bete darum, dass ihr alle himmlische Krieger werdet, überall die Einheit Gottes verkünden und Ost und West erleuchten möget, und dass ihr die Liebe Gottes in alle Herzen tragt. Dies ist meine höchste Sehnsucht, und ich bitte Gott, dass ihr den gleichen Wunsch hegen möget.
Mein Beisammensein mit euch allen macht mich sehr glücklich. Ich fand Gefallen am englischen König, der Regierung und dem Volk.
Ihr könnt Gott danken, dass ihr in diesem Land so frei seid. Ihr könnt gar nicht ahnen, welcher Mangel an Freiheit im Osten herrscht. Wer immer in dieses Land kommt, kann zufrieden sein.
Ich wünsche euch allen Gottes Schutz und sage euch allen Lebewohl.«
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás beim Einigkeitsfest von Miss Jack und Miss Herrick
am 22. September 1911
»Heute ist ein kalter, unfreundlicher Tag. Da ich euch jedoch sehr gerne sehen wollte, kam ich hierher. Für einen liebenden Menschen ist Anstrengung eine Erholung. Um seine Freunde zu besuchen, nimmt er jede Entfernung in Kauf.
Ich sehe, dass ihr – Gott sei Dank – vergeistigt und entspannt seid. Ich bringe euch diese Botschaft Gottes: Ihr müsst euch Ihm zuwenden. Danket Gott, dass ihr Ihm nahe seid! Die wertlosen Dinge dieser Welt haben euch nicht von der Suche nach der geistigen Welt abgehalten. Wenn ihr auf jene Welt eingestimmt seid, dann macht ihr euch nichts aus vergänglichem Tand. Euer Streben gilt dann dem Unsterblichen, und das Reich Gottes liegt offen vor euch. Ich hoffe, dass sich die Lehren Gottes über die ganze Welt verbreiten werden und alle Menschen dazu bringen, einig zu sein.
Zur Zeit Jesu ergoss sich das Licht von Ost nach West, führte die Menschen unter einem Himmelsbanner zusammen und erleuchtete sie mit himmlischer Erkenntnis. Das Licht Christi entflammte die westlichen Länder. Möge in diesem fortgeschrittenen Zeitalter das göttliche Licht die Welt so erhellen, dass alle sich um das Banner der Einheit scharen und geistig erzogen werden. Darum bete ich inständig.
Dann werden die Probleme, die unter den Völkern der Erde Streit auslösen, verschwunden sein, weil es sie an sich nicht gibt. Ihr seid alle die Wogen eines Meeres, die Spiegel einer Lichtquelle.
Heute herrscht in den Ländern Europas Ruhe. Bildung wird groß geschrieben. Die Freiheitsfackel ist das Licht des Westens. Die Regierungen in den westlichen Ländern bemühen sich um Wahrheit und Gerechtigkeit. Aber seit jeher leuchtet das Licht der Geistigkeit vom Osten her. In diesem Zeitalter verblasste dieses Licht. Die Religion ist zu einer Formsache geworden und beschränkt sich auf Zeremonien, und die Sehnsucht nach der Liebe Gottes ist verloren gegangen.
In jeder von tiefer geistiger Finsternis erfüllten Zeit wird im Osten ein Licht entzündet. So kam das Licht göttlicher Lehren erneut zu euch. Genau wie Bildung und Fortschritt von West nach Ost wandern, so wandert das geistige Feuer von Ost nach West.
Die Menschen im Westen mögen, so hoffe ich, vom Lichte Gottes erleuchtet werden, so dass das Reich Gottes zu ihnen kommt, sie ewiges Leben erlangen, der Geist Gottes sich unter ihnen wie ein Lauffeuer verbreitet und sie mit dem Wasser des Lebens getauft und neu geboren werden.
Dies ist meine Sehnsucht. Beim Willen Gottes hoffe ich, Er möge euch bereit machen, diesen meinen Wunsch aufzunehmen, und euch glücklich werden lassen.
Möget ihr im selben Maße, in dem ihr Bildung und Fortschritt erlangt, einen Anteil am Lichte Gottes erhalten.
Gott schütze euch alle.«
Gesprächsnotizen
Ankunft in London
Am Montagabend, dem 4. September 1911, sagte ‘Abdu’l-Bahá bei Seiner Ankunft in London:
»Der Himmel hat diesen Tag gesegnet. Es hieß, London sei ein Ort, an dem der Glaube weithin verkündet werde. Als ich an Bord des Schiffes ging, war ich erschöpft. Jetzt aber, nachdem ich in London ankam und die Gesichter der Freunde sah, ist meine Müdigkeit verflogen. Eure große Liebe erquickt mich. Ich bin mit den englischen Freunden sehr zufrieden.
Die Gefühle, die in der Begegnung zwischen Ost und West vorherrschen, wandeln sich im Lichte der Lehren Bahá’u’lláhs. Früher war es so, dass ein Orientale die Tasse zerbrach, wenn jemand aus dem Okzident daraus getrunken hatte, weil man sie für beschmutzt hielt. Wenn heute ein Bahá’í aus dem Westen mit einem Bahá’í aus dem Osten speist, werden die von ihm benützten Schüsseln und Teller in Erinnerung an ihn aufbewahrt und in seinem Gedenken in Ehren gehalten.«
Dann erzählte ‘Abdu’l-Bahá das folgende historische Beispiel von wundervoller brüderlicher Liebe:
»Eines Tages kam ein Trupp Soldaten zum Haus eines Bahá’í und verlangte, aufgrund eines Haftbefehls einen Gast zur Hinrichtung auszuliefern. Der Gastgeber übernahm den Platz seines Gastes und starb an dessen Stelle.«
London
»Eure Liebe zog mich wie ein Magnet in dieses Land. Ich hoffe, dass hier das göttliche Licht scheinen möge und der himmlische Stern Bahá’u’lláhs euch stärkt, so dass durch euch die Einheit der Menschheit Wirklichkeit und mit eurer Hilfe die Dunkelheit des Aberglaubens und der Vorurteile vertrieben wird und alle Glaubensrichtungen und Völker vereint werden.
Dies ist ein leuchtendes Jahrhundert. Die Augen sind jetzt offen für das Schöne an der Einheit der Menschheit, für Liebe und Brüderlichkeit. Der Unterdrückung Dunkel wird weichen und der Einheit Licht leuchten. Wir können keine Liebe und Einheit schaffen, wenn wir nur davon reden. Wissen reicht nicht aus. Wir wissen, dass Reichtum, Wissenschaft und Bildung etwas Gutes sind. Aber wir müssen auch arbeiten und eifrig lernen, damit die Frucht des Wissens zur Reife gelangt.
Wissen ist der erste Schritt, Entschlossenheit der zweite, und der dritte Schritt ist die Ausführung, die Tat. Um ein Gebäude zu errichten, muss man zuallererst einen Plan machen, dann braucht man das Leistungsvermögen (Geld), dann kann man bauen. Die Gründung einer Gesellschaft für Einheit ist eine gute Sache, aber Treffen und Diskussionen reichen nicht aus. In Ägypten gibt es eine solche Gruppe, doch es wird nur geredet und nichts kommt dabei heraus. Diese Treffen hier in London sind gut, das Wissen und die Absicht sind gut, aber wie kann ohne Handeln ein Ergebnis erzielt werden? Die Kraft zur Einigung ist heute der Heilige Geist Bahá’u’lláhs. Er verkörpert diesen Geist der Einheit. Bahá’u’lláh bringt Ost und West zusammen. Forscht nach in der früheren Geschichte, ihr werdet nichts Vergleichbares finden.«
Unterschiede
»Gott erschuf die Welt als ein Ganzes. Die Menschen haben Grenzen abgesteckt. Gott hat das Land nicht aufgeteilt, aber jeder Mensch besitzt Haus und Wiese. Pferde und Hunde teilten die Felder nicht in Parzellen. Darum sagt Bahá’u’lláh: ›Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt‹Q3. Alle gehören einer Familie an, einer Art, alle sind sie Menschen. Meinungsverschiedenheiten über die Aufteilung von Landstrichen sollten kein Grund zur Spaltung unter den Menschen sein.
Ein starker Trennungsgrund ist die Hautfarbe. Seht, wie stark dieses Vorurteil z.B. in Amerika ist. Schaut, wie sie einander hassen! Tiere streiten sich nicht wegen ihrer Farbe! Der Mensch, der auf einer so viel höheren Schöpfungsstufe steht, sollte gewisslich nicht primitiver sein als die Tiere. Denkt darüber nach. Welche Einfältigkeit! Weiße Tauben streiten nicht mit blauen Tauben wegen ihrer Farbe, aber weiße Menschen kämpfen gegen Dunkelhäutige. Von allen das schlimmste ist das Rassenvorurteil.
Im Alten Testament heißt es, Gott habe den Menschen nach Seinem eigenen Bildnis geschaffen. Im Qur’án steht: ›Es gibt keinen Unterschied in der Schöpfung Gottes!‹Q4 Denkt darüber nach: Gott hat alle erschaffen, sorgt für alle, und alle stehen unter Seinem Schutz. Gottes Plan ist besser als unsere Pläne. Wir sind nicht so weise wie Gott!«
Religion
»Den meisten Menschen, die den Inhalt dieser Lehre nicht kennenlernten, scheint Religion nur äußere Form und leerer Schein zu sein, lediglich eine Garantie für Anstand. Manche Priester bekleiden ihr heiliges Amt nur, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie glauben selbst nicht an die Religion, die zu lehren sie vorgeben. Würden diese Männer ihr Leben opfern für ihren Glauben? Fordern Sie einen solchen Christen auf, Christus zu verleugnen und damit sein Leben zu retten. Er wird es tun.
Verlangen Sie von einem Bahá’í, irgendeinen der großen Propheten, seinen eigenen Glauben oder den an Moses, Muḥammad oder Christus zu verleugnen, dann wird er sagen: ›Ich möchte lieber sterben‹. Also ist ein Bahá’í muslimischer Herkunft ein besserer Christ als viele sogenannte Christen.
Ein Bahá’í lehnt keine Religion ab. Er anerkennt die in allen vorhandene Wahrheit, hält sie hoch und würde sein Leben dafür geben. Er liebt alle Menschen als seine Brüder, gleich welcher Klasse, Art oder Nationalität, welchen Glaubens oder welcher Hautfarbe sie sind, ob gut oder böse, reich oder arm, schön oder hässlich. Er wendet keine Gewalt an. Wird er geschlagen, gibt er den Streich nicht zurück. Er enthält sich der üblen Nachrede und folgt damit dem Beispiel Seines Herrn, Bahá’u’lláh. Als Schutz vor Trunksucht nimmt er weder Wein noch Spirituosen zu sich. Bahá’u’lláh sagte, für einen gesunden Menschen sei nicht gut, etwas zu sich zu nehmen, das seine Gesundheit und seinen Verstand zerstört.
Die Religion Gottes hat in dieser Welt zwei Seiten: die geistige (eigentliche) und die formelle (sichtbare). Die formelle Seite ändert sich im Laufe der Jahrhunderte genau wie der Mensch. Die geistige Seite, die Wahrheit an sich, ändert sich nie. Die Propheten und Offenbarer Gottes überbringen stets die gleiche Lehre. Zunächst halten sich die Menschen daran; doch nach einiger Zeit verunstalten sie die Wahrheit. Menschengemachte, äußerliche Förmlichkeiten und irdische Gesetze verzerren die Wahrheit. Ein Schleier aus materiellen Dingen und weltlichem Trachten wird über die tatsächliche Wahrheit gezogen.
Wie Moses und Jesus dem Volk ihre Botschaft brachten, bringt auch Bahá’u’lláh die Seine, die gleiche Botschaft.
Wann immer Gott uns einen solch überragenden Geist schickt, werden wir neu belebt. Die von jeder Manifestation verkündete Wahrheit ist jedoch stets die gleiche. Nicht die Wahrheit ändert sich, sondern die geistige Sehkraft des Menschen. Sie wird durch den Filz von Förmlichkeiten abgestumpft und irregeführt.
Die Wahrheit ist nicht schwer zu begreifen, wenn auch die äußeren Formen, in denen sie zum Ausdruck gebracht wird, den Verstand in die Irre führen. Mit zunehmender Reife sehen die Menschen ein, wie nutzlos von Menschen gemachte Formen sind, und lehnen sie ab. Viele treten darum aus der Kirche aus, denn dort wird oft nur das Äußerliche betont.«
Gedankenaustausch mit einem Kreis von Theosophen
London, im September 1911
»Welch wunderbare Tage! Wir sehen, wie ein Gast aus dem Osten im Westen liebevoll und zuvorkommend empfangen wird. Trotzdem ich mich nicht wohl fühlte, zog mich der Magnet Ihrer Liebe und Zuneigung hierher.
Vor einigen Jahren wurde ein Botschafter von Persien nach London geschickt, wo er sich fünf Jahre lang aufhielt. (Er hieß ‘Abdu’l- Ḥasan Khán). Als er nach Persien zurückkehrte, bat man ihn, zu schildern, wie das englische Volk denn so sei. Er antwortete: ›Ich kenne die Engländer nicht, denn obwohl ich jahrelang in London lebte, traf ich nur die Leute vom Hof.‹ In Persien genoss dieser Mann hohes Ansehen. Die Prinzen schickten ihn nach England. Doch er lernte die Menschen nicht kennen, obwohl er fünf Jahre unter ihnen verbrachte. Ich aber, ein langjähriger Gefangener, komme zum ersten Mal nach England, und obwohl mein Besuch so kurz ist, habe ich bereits viele liebe Freunde getroffen und kann sagen, dass ich das Volk kennenlernte. Diejenigen, die ich traf, sind aufrichtige Seelen, die sich um Frieden und Einheit bemühen. Bedenken Sie den Unterschied zwischen der Zeit, in der wir jetzt leben, und der vor siebzig Jahren! Sehen Sie sich den Fortschritt an! – den Fortschritt in Richtung Einheit und Frieden.
Gottes Wille ist, dass die Streitigkeiten unter den Nationen aufhören. Wer das Werk der Einigkeit voranbringt, der vollbringt Gottes Werk. Einigkeit ist die Gabe Gottes für dieses erleuchtete Jahrhundert. Gepriesen sei Gott! Heutzutage gibt es viele Vereine für Einheit und viele Versammlungen werden dafür abgehalten. Feindschaft ist nicht mehr ein Grund für Spaltung. Jetzt sind vorwiegend Vorurteile verantwortlich für Uneinigkeit. Ein Beispiel: Wenn vor Jahren Europäer den Osten bereisten, hielt man sie für unrein und hasste sie. Jetzt ist es anders: Wenn westliche Menschen im Osten jene besuchen, die Anhänger des Neuen Lichtes sind, werden sie liebevoll und zuvorkommend empfangen.«
‘Abdu’l-Bahá umarmte ein kleines Kind und meinte: »Der wahre Bahá’í liebt die Kinder, weil sie, wie Jesus sagt, dem Himmelreich angehören. Ein schlichtes, reines Herz steht Gott nahe. Ein Kind strebt nicht ehrgeizig nach Weltlichem.«
Vorurteile
»Der Kongress der Rassen der Welt war eine gute Sache, denn er hatte zum Ziel, die Einheit unter allen Nationen und ein besseres wechselseitiges Verständnis zu fördern und voranzubringen. Die Absicht war gut. Die Anlässe für Streitigkeiten unter verschiedenartigen Nationen sind immer in einer der folgenden Arten von Vorurteilen zu suchen: rassische, sprachliche, theologische, persönliche sowie Vorurteile von Sitte und Tradition. Es bedarf einer weltweit wirkenden Kraft, um diese Uneinigkeit zu überwinden. Für eine unbedeutende Krankheit genügt ein schwaches Heilmittel, aber eine den ganzen Körper durchdringende Krankheit verlangt nach einer starken Arznei. Eine kleine Lampe kann einen Raum erhellen, eine größere ein Haus, eine noch größere die ganze Stadt, aber man braucht eine Sonne, um Licht in die ganze Welt zu bringen.
Sprachverschiedenheiten verursachen Uneinigkeit unter den Nationen. Wir brauchen eine gemeinsame Sprache für die Welt. Glaubensunterschiede sind ebenfalls ein Grund zur Trennung. Die wirkliche Grundlage aller Religionen muss bewiesen und äußerliche Unterschiede müssen beseitigt werden. Es muss zu einer Einheit im Glauben kommen. Diesen Streitigkeiten ein Ende zu setzen ist eine schwierige Aufgabe. Die ganze Welt ist krank und braucht dringend die Macht des Großen Heilers.
Diese Versammlungen lehren uns, dass Einheit gut ist und dass Unterdrückung (Versklavung unter das Joch von Tradition und Vorurteil) Uneinigkeit verursacht. Dies zu erkennen ist nicht genug. Jedes Wissen ist gut, aber ohne Taten kann es keine Früchte zeitigen. Es ist gut zu wissen, dass Reichtum eine gute Sache ist, aber dieses Wissen wird keinen Menschen reich machen – er muss arbeiten, er muss sein Wissen anwenden. Wir hoffen, dass die Menschen sehen und erkennen, dass Einigkeit gut ist, und wir hoffen auch, dass sie sich nicht mit erreichtem Wissen begnügen. Sie sollten nicht nur sagen, Liebe und Brüderlichkeit seien gut. Um deren Verwirklichung müssen sie sich bemühen.
Der Zar von Russland schlug der Haager Friedenskonferenz vor, alle Nationen sollten abrüsten. Bei dieser Konferenz zeigte sich, dass Friede für alle Länder von Vorteil ist und dass Krieg den Handel usw. zerstört. Doch so bewundernswert auch die Äußerungen des Zaren waren – nach Beendigung der Konferenz war gerade er der erste, der einen Krieg erklärte (gegen Japan).
Wissen ist nicht genug. Hoffentlich können wir es durch Gottes Liebe in Taten umsetzen. Dazu brauchen wir eine geistige, weltweit wirkende Kraft. Versammlungen sind ein gutes Mittel, um geistige Kraft zu erzeugen. Es ist gut zu wissen, dass man einen gewissen Grad an Vollkommenheit erreichen kann. Besser ist es, auf diesem Weg zügig voranzugehen. Wir wissen, dass es Gott gefällt, wenn wir den Armen helfen und Mitleid haben, aber Wissen allein ernährt keinen verhungernden Menschen, noch kann man einen Armen im bitterkalten Winter durch Erkenntnis und Worte wärmen. Wir müssen liebevolle Güte in Form von praktischer Hilfe geben.«
Frage: Und wie steht es mit dem Friedenskongress?
Antwort: »Er gleicht der Versammlung einer Menge von Trunkenbolden, die sich trafen, um gegen den Alkohol zu protestieren. Sie sagen, Trinken sei schrecklich, gehen geradewegs aus dem Gebäude und trinken unverdrossen weiter.«
Theosophie
Als ‘Abdu’l-Bahá gefragt wurde, ob Er das Gute gesehen habe, das die Theosophische Gesellschaft leiste, antwortete Er:
»Es ist mir bewusst, ich halte sehr viel davon. Ich weiß, dass sie der Menschheit gerne dienen will. Ich danke dieser noblen Gesellschaft persönlich und im Namen aller Bahá’í. Ich hoffe, dass diese Freunde mit Gottes Hilfe Liebe und Einheit zuwege bringen. Es ist ein großes Werk, das den Einsatz aller Diener Gottes verlangt.«
Frieden
»In den letzten sechstausend Jahren haben sich die Nationen gegenseitig gehasst. Nun ist es Zeit, dem Einhalt zu gebieten. Kriegsführung muss aufhören. Lasst uns einig sein, einander lieben und dem Ergebnis entgegensehen. Wir wissen, dass der Krieg schlimme Folgen hat. Lasst uns das Experiment Frieden versuchen, und wenn die Folgen des Friedens schlecht sind, können wir nach Belieben auf das vielleicht bessere alte Mittel des Krieges zurückgreifen. In jedem Fall sollten wir das Experiment wagen. Wenn wir sehen, dass Einigkeit Licht verbreitet, sollten wir dabei bleiben. Sechstausend Jahre lang beschritten wir den linken Pfad; lasst uns nun den rechten beschreiten. Wir haben viele Jahrhunderte im Dunkeln verbracht. Lasst uns nun dem Licht entgegengehen.«
Frage: (Die Bemerkung fiel, die Theosophie lehre, die Wahrheit sei in allen Religionen die gleiche). Findet die Aufgabe, alle Religionen zu vereinen, die Zustimmung ‘Abdu’l-Bahás?
Antwort: »Ganz gewiss.«
Frage: Kann ‘Abdu’l-Bahá uns Richtlinien vorschlagen, nach denen am besten vorgegangen werden soll?
Antwort: »Suchen Sie die Wahrheit zu ergründen. Suchen Sie das Wesentliche in allen Religionen. Legen Sie alle abergläubischen Vorstellungen ab. Viele unter uns sind sich über das wahre Wesen der Religionen nicht im Klaren.«
Göttliche Manifestationen (1)
Frage: Was lehrt ‘Abdu’l-Bahá über die verschiedenen göttlichen Manifestationen?
Antwort: »Das Wesentliche ist bei allen gleich. Es gibt nur eine Wahrheit. Die Religionen gleichen den Ästen eines Baumes. Ein Ast ist hoch oben, einer unten und einer in der Mitte, aber alle beziehen ihre Lebenskraft aus dem einzigen Stamm. Ein Ast trägt Früchte, andere sind nicht so reich beladen. Alle Propheten sind Lichter, nur ihre Leuchtkraft ist verschieden. Sie strahlen wie funkelnde Himmelskörper. Für jeden sind Aufgangsort und -zeit vorherbestimmt. Manche sind wie Lampen, manche wie der Mond, manche wie weit entfernte Sterne. Und einige wenige sind wie die Sonne, die von einem Ende der Erde bis zum anderen scheint. Alle spenden das gleiche Licht, doch ihre Leuchtkraft ist verschieden.«
Buddhismus
Einige Anwesende verwiesen auf die Lehren Buddhas. ‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Die wahre Lehre Buddhas ist die gleiche wie die Lehre Jesu Christi. Dem Wesen nach sind die Lehren aller Propheten gleich. Die Menschen haben die Lehren aber abgeändert. Wenn Sie schauen, wie die buddhistische Religion heutzutage ausgeübt wird, sehen Sie, dass vom Wesentlichen wenig übrig blieb. Viele beten Götter an, obwohl ihre Lehren es verbieten.
Buddha hatte Jünger und wollte sie in die Welt hinausschicken, damit sie die Lehre verbreiten. Also stellte Er ihnen Fragen, um zu sehen, ob sie so vorbereitet waren, wie Er es sich wünschte. ›Wenn ihr nach Osten oder nach Westen geht‹, sagte Buddha, ›und die Menschen vor euch ihre Türen verschließen und nicht mit euch sprechen wollen, was macht ihr dann?‹ – Die Jünger antworteten: ›Wir werden sehr dankbar sein, dass sie uns kein Leid antun‹. – ›Und wenn sie euch verletzen und verspotten, was tut ihr dann?‹ – ›Wir werden sehr dankbar sein, dass sie uns nicht noch schlimmer behandeln.‹ – ›Wenn sie euch ins Gefängnis werfen?‹ – ›Wir werden dennoch dankbar sein, dass sie uns nicht töten.‹ – ›Gesetzt den Fall sie töten euch?‹, fragte der Meister ein letztes Mal. ›Noch immer‹, antworteten die Jünger, ›werden wir dankbar sein, weil sie uns zu Märtyrern machen. Gibt es ein glorreicheres Schicksal als zum Ruhme Gottes zu sterben?‹ Und Buddha sagte: ›Ausgezeichnet!‹
Die Lehren von Buddha waren wie ein kleines, schönes Kind, und jetzt sind sie wie ein vom Alter gebrochener Mann und können wie dieser nicht sehen, nicht hören, sich an nichts erinnern. Warum so weit zurück gehen? Betrachten Sie die Gesetze des Alten Testamentes: die Juden folgen ihrem Vorbild Moses nicht nach, noch halten sie Seine Gebote. Genauso ergeht es vielen anderen Religionen.«
Frage: Wie können wir die Kraft erlangen, um den richtigen Weg zu gehen?
Antwort: »Wenn man die Lehren in die Tat umsetzt, wird uns die Kraft gegeben. Sie wissen, welcher Weg zu verfolgen ist: Sie können sich nicht irren, denn der Unterschied zwischen Gott und dem Bösen, zwischen Licht und Finsternis, Wahrheit und Falschheit, Liebe und Hass, Großmut und Niedertracht, Bildung und Unwissenheit, Gottesglaube und Aberglaube, guten und ungerechten Gesetzen ist sehr groß.«
Glaube
Frage: Wie kann man seinen Glauben mehren?
Antwort: »Sie müssen sich sehr darum bemühen. Ein Kind weiß nicht, dass es durch Lernen Wissen erwirbt. Suchen Sie nach Wahrheit.
Glaube ist von dreierlei Art: Erstens der Glaube, der durch Tradition und Abstammung vermittelt wird. Beispielsweise ist ein Kind muslimischer Eltern Muslim. Das ist ein schwacher, überlieferter Glaube. Zweitens das, was der Erkenntnis entspringt, ein Glaube der Einsicht. Das ist ein guter Glaube, aber es gibt einen noch besseren: den Tatglauben. Er ist der wahre Glaube.
Wir hören von einer Erfindung. Wir glauben, dass sie gut ist, gehen hin und betrachten sie. Wir hören, dass es Reichtum gibt, wir sehen ihn, wir arbeiten hart dafür, werden selbst reich und helfen damit anderen. Wir kennen und sehen das Licht, wir gehen dicht heran, es erwärmt uns und wir geben seine Ausstrahlung an andere weiter. Das ist wahrer Glaube. Auf diese Weise empfangen wir die Kraft, Gottes unvergängliche Kinder zu werden.«
Heilung
‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Es gibt zwei Arten von Krankheiten, körperliche und geistige.
Nehmen wir als Beispiel eine Hand mit einer Schnittwunde. Wenn Sie um Heilung für die Wunde beten und die Blutung nicht stillen, werden Sie kaum etwas erreichen. Man braucht ein stoffliches Heilmittel.
Wenn zuweilen das Nervensystem durch Angstzustände lahmgelegt wird, ist ein geistiges Hilfsmittel von Nöten. Wahnsinn, eine sonst unheilbare Krankheit, kann mit Gebeten behandelt werden. Sehr oft machen Sorgen krank. Hier können geistige Mittel Heilung bringen.«
Wohltätigkeitsvereine
Jemand fragte, ob die Gesellschaft der Menschenfreunde empfehlenswert sei.
Antwort: »Ja, alle Vereine, alle Organisationen, die sich für die Besserung der Welt einsetzen, sind gut, sehr gut. Alle, die für ihre Brüder und Schwestern tätig sind, genießen Bahá’u’lláhs Segen. Sie werden gewiss Erfolg haben.«
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Es macht mich so glücklich, alle gläubigen Freunde in London zu treffen. Ihr alle, gleich welcher Art oder welchen Glaubens, seid Mitglieder einer Familie. Die Lehren Bahá’u’lláhs bringen euch dazu, zu begreifen, dass ihr Brüder seid.«
Des Menschen Begriff von Gott und den Höheren Welten
»Für den Menschen ist die Wesenheit Gottes nicht begreifbar, genau wie die jenseitigen Welten und deren Beschaffenheit. Der Mensch bekam die Gabe, Wissen zu erwerben, hohe geistige Vollkommenheit zu erlangen, verborgene Wahrheiten zu entdecken und sogar göttliche Eigenschaften zu verkörpern. Dennoch kann der Mensch Gottes Wesenheit nicht verstehen. Sobald der immer größer werdende Kreis menschlicher Erkenntnis die geistige Welt zu berühren beginnt, wird eine Manifestation Gottes gesandt als Spiegel Seiner Herrlichkeit.«
Göttliche Manifestationen (2)
Frage: Ist die göttliche Manifestation Gott?
Antwort: »Ja, und doch nein in Bezug auf Ihre Wesenheit. Eine göttliche Manifestation ist wie ein Spiegel, der das Licht der Sonne widerspiegelt. Es ist das gleiche Licht, doch der Spiegel ist nicht die Sonne selbst. Alle Manifestationen Gottes vermitteln das gleiche göttliche Licht. Nur das Ausmaß ist jeweils anders, nicht die Substanz. Es gibt nur eine Wahrheit. Das Licht ist dasselbe, wenngleich die Lampen verschieden sein können. Wir müssen auf das Licht schauen, nicht auf die Lampe. Wenn wir das Licht einer der Lampen annehmen, müssen wir an das Licht aller Lampen glauben. Alle stimmen überein, weil sie alle gleich sind. Die Lehre ist stets die gleiche, nur die Erscheinungsformen ändern sich.
Die Manifestationen Gottes sind wie Himmelskörper. Alle gehen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit auf, spenden jedoch das gleiche Licht. Wenn jemand sehen möchte, wie die Sonne aufgeht, schaut er nicht stets auf die gleiche Stelle, weil der Aufgangsort sich je nach Jahreszeit ändert. Wenn jemand die Sonne weiter im Norden aufgehen sieht, erkennt er sie, obwohl sie zuvor an einer anderen Stelle aufging.«
Notizen aus einem Gespräch mit ‘Abdu’l-Bahá
Ein Schwarzer aus Südafrika besuchte ‘Abdu’l-Bahá und meinte, selbst heute würde sich kein Weißer wirklich um einen Schwarzen kümmern.
‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Vergleichen Sie die Einstellung gegenüber Schwarzen von heute mit dem Verhalten von vor zwei- oder dreihundert Jahren und sehen Sie, wie viel sich bis heute gebessert hat. Schon bald wird sich die Beziehung zwischen Schwarzen und Weißen noch günstiger gestalten und nach und nach wird kein Unterschied mehr wahrnehmbar sein. Es gibt weiße Tauben und farbenprächtige Tauben, beides sind Tauben.
Bahá’u’lláh verglich einmal die Schwarzen mit der schwarzen Pupille des Auges, die von Weiß umgeben ist. In dieser schwarzen Pupille sehen Sie das Spiegelbild dessen, was sie vor sich hat. Aus ihr strahlt das Licht des Geistes hervor.
Vor Gott hat die Hautfarbe überhaupt keine Bedeutung. Er schaut auf die Herzen der Menschen. Gott wünscht sich vom Menschen dessen Herz. Ein schwarzer Mensch mit einem guten Charakter ist weit besser als ein weißer mit einem weniger guten Charakter.«
Östliche und westliche Ideale
Einer der anwesenden Veranstalter des Rassenkongresses sprach darüber, dass die westlichen Ideale Bahá’u’lláhs anders sind als die der früheren Propheten, in denen deutliche Spuren der Ideen- und Kulturwelt des Ostens zu finden sind. Er fragte dann, ob Bahá’u’lláh die Schriften des Westens besonders sorgfältig studiert und seine Lehren dann in Übereinstimmung damit gestiftet habe.
‘Abdu’l-Bahá lachte herzlich und sagte, die vor sechzig Jahren geschriebenen und gedruckten Bücher Bahá’u’lláhs beinhalteten Ideale, die erst jetzt im Westen allgemein bekannt seien. Zu jener Zeit aber habe man sie im Westen weder gedruckt noch habe man darüber nachgedacht. Nähmen wir an, meinte Er weiter, ein sehr fortschrittlicher Denker aus dem Westen hätte sich aufgemacht, um Bahá’u’lláh zu besuchen und zu lehren, wäre der Name eines solch herausragenden Mannes und die Tatsache seines Besuches unbekannt geblieben und nicht schriftlich festgehalten worden? Nein! Früher, zu Zeiten Buddhas und Zoroasters, hätten Asien und der Osten eine weit höhere Kultur gehabt als der Westen. Die Ideen und Gedanken der Völker des Ostens seien denen des Westens weit voraus und der göttlichen Gedankenwelt viel näher gewesen. Doch seit dem hätten immer mehr abergläubische Vorstellungen Eingang in die Religion des Ostens gefunden und ihre Ideale unterwandert. So seien aus vielen verschiedenen Gründen die Ideale und Tugenden der Völker des Ostens immer mehr abhandengekommen und weiter und weiter entartet, während die Völker des Westens ständig Fortschritte gemacht und sich zum Licht vorgerungen hätten. Infolge dessen habe heute der Westen ein viel höheres Kulturniveau als der Osten, und das Sinnen und Trachten des Westens stünden der Gedankenwelt Gottes weit näher als das des Ostens. Aus diesem Grunde erkenne man die Ideale Bahá’u’lláhs im Westen schneller.
Um dies weiter auszuführen, wies ‘Abdu’l-Bahá darauf hin, dass Bahá’u’lláh in einem Seiner Bücher genau das beschrieben habe, was seither im Internationalen Schiedsgerichtshof Gestalt angenommen hat. Bahá’u’lláh habe die vielfältigen Funktionen eines solchen Gerichtshofs erläutert, von denen man einige noch gar nicht wahrgenommen habe. Er (‘Abdu’l-Bahá) möchte sie uns jetzt erklären, damit wir erkennen, dass Bahá’u’lláh sie vorausgesehen hat, wenn sie in naher Zukunft zum Einsatz kommen.
Krieg sei das schlimmste Unheil, das einem Volk widerfahren könne, weil das Volk, das sich normalerweise Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und anderem nützlichem Schaffen widmet, von seinen verschiedenen Tätigkeiten weggeholt und zu Soldaten gemacht werde, so dass Vergeudung und Verlust und dazu noch Zerstörung und Kriegsgemetzel in hohem Maße um sich greifen.
Die Aufgabe des Internationalen Gerichtshofes werde laut Bahá’u’lláh darin bestehen, Streitigkeiten zwischen Nationen beizulegen, exakte Grenzen für die verschiedenen Länder abzustecken und darüber zu entscheiden, welche Anzahl Soldaten und Waffen jede Nation ihrer Bevölkerungszahl entsprechend beibehalten darf, um im Inland Ordnung zu gewährleisten. So könne z. B. ein Staat zehntausend, ein anderer zwanzigtausend und wieder ein anderer fünfzehntausend Soldaten haben, je nach Größe und Bevölkerungszahl des Landes. Sollte irgend ein Volk sich gegen die Entscheidung des Gerichtshofes auflehnen und sich ihr widersetzen, könne der Gerichtshof die anderen dazu ermächtigen, ihre Streitkräfte zusammenzuziehen, um seine Entscheidung nachdrücklich zu unterstützen und notfalls gemeinsam vorzugehen.
Noch könnten wir nicht feststellen, dass irgendeiner dieser Punkte umgesetzt worden sei, aber in Zukunft würden wir Zeuge dessen sein.
Wissenschaft und Glaube
Derselbe Herr stellte dann eine Frage, die er seiner Aussage und Ansicht nach im Zusammenhang mit einer religiösen Bewegung, die Weltgeltung beansprucht, für ganz besonders wichtig halte. Er fragte, welche Bedeutung Bahá’u’lláh, wenn überhaupt, den modernen Ideen und Auffassungen der Wissenschaft in seinen Lehren beimesse. Die gesamte Struktur der modernen Zivilisation beruhe auf Ergebnissen und Erkenntnissen, die von Wissenschaftlern durch arbeitsaufwendige, geduldige Beobachtung von Vorgängen gesammelt wurden, in manchen Fällen durch jahrhundertelange gewissenhafte Forschung. Um seine Ansicht zu verdeutlichen führte er als Beispiel die Ethik und die Morallehre der chinesischen Philosophen an, denn er könne sich nichts Erhabeneres vorstellen. Dennoch hätten diese Lehren außerhalb Chinas sehr geringe Wirkung gezeigt, weil sie seiner Ansicht nach ursprünglich nicht auf den Lehren der Wissenschaft beruhten.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, im Schrifttum Bahá’u’lláhs werde Wissenschaft und Bildung große Bedeutung beigemessen. Bahá’u’lláh habe geschrieben, wenn jemand den Kindern von Armen Bildung ermögliche, die dazu selbst nicht in der Lage sind, dann sei dies vor Gott, als habe er Gottes Sohn erzogen.
Wenn eine Religion sich Wissenschaft und Bildung widersetze, sei diese Religion keine wahre Religion. Wissenschaft und Religion sollten gemeinsam Fortschritte machen, sie sollten in der Tat sein wie zwei Finger an einer Hand.
Bahá’u’lláh habe in Seinen Schriften auch der Kunst einen sehr wichtigen Platz eingeräumt, ebenso den durch Ausbildung erworbenen Berufen. Er habe erklärt, dass das Ausüben einer Kunst oder eines Gewerbes im wahren Geiste des Dienens der Anbetung Gottes gleichzusetzen sei.
Ein in einer Wohlfahrtseinrichtung engagierter Herr fragte nach der besten Methode, mittels der die schwächsten, geringsten und unwissendsten Menschen aufgerichtet und kultiviert werden könnten, und ob ihre Bildung durch allmähliche geistige Einsicht vorankomme oder ob es besondere Mittel und Wege gäbe, die wir einsetzen könnten, um dem Endziel zu dienen.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, der beste Weg sei, ihnen geistige Lehren und Einsichten zu vermitteln. Er erwähnte auch, die beste Art und Weise, um das Verständnis besonders engherziger und vorurteilsvoller Menschen zu erweitern und sie dazu zu bringen, einem umfassenden Unterricht Aufmerksamkeit zu schenken, sei, ihnen größte Freundlichkeit und Liebe zu erweisen. Das Beispiel unseres Lebens sei mehr wert als Worte.
Verkehr mit verstorbenen Personen
Es wurde die Frage gestellt, ob es möglich sei, mit den Toten Verbindung herzustellen, und ob es weise oder ratsam sei, an spiritistischen Sitzungen oder an Tischrücken, Tischklopfen etc. teilzunehmen.
Der Meister sagte, all dieses Klopfen usw. sei etwas Materielles und Körperliches. Es sei nötig, sich über das Stoffliche zu erheben hin zu den Reichen reiner Geistigkeit. Tischrücken und ähnliches sei materiell, ein naturbedingtes Ergebnis und nicht geistig.
Es sei aber möglich, mit den Toten Verbindung zu haben, wenn bestimmte Voraussetzungen bezüglich des Charakters und des Herzens erfüllt seien.
Ist Aberglaube nützlich?
Eine Dame fragte, ob nicht einige abergläubische Vorstellungen für unwissende Menschen, die ohne solche wohl an gar nichts glauben würden, nützlich sein könnten.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, es gebe zwei Arten von Aberglauben: den schädlichen und gefährlichen sowie den harmlosen mit sogar günstigen Auswirkungen.
Es habe z.B. arme Leute gegeben, die daran glaubten, dass Missgeschicke und Strafen von einem großen Engel bewirkt werden, der mit einem Schwert in der Hand jene, die stahlen, mordeten und andere Verbrechen begingen, niederschlägt.
Sie dachten, Gewitterblitze seien die Waffen dieses Engels, und wenn sie Böses taten, werde sie ein Blitzschlag treffen. Dieser Glaube brachte sie dazu, von Übeltaten zu lassen.
Die Chinesen pflegten die Vorstellung, sie könnten mit dem Verbrennen von bestimmten Papierstücken die Teufel vertreiben. Manchmal verbrannten sie auf Reisen an Bord von Schiffen solche Papierstücke, um Teufel zu vertreiben, und steckten dabei das Schiff in Brand und brachten viele zu Tode. Das war ein Aberglaube der gefährlichen, schädlichen Art.
Das Leben nach dem Tod
Mrs. S. stellte einige Fragen in Bezug auf das Dasein in der nächsten Welt und das Leben nach dem Tod. Weil sie vor kurzem einen ihr sehr nahestehenden Verwandten verloren habe, sagte sie, habe sie sehr viel über dieses Thema nachgedacht. Viele glauben, dass ein erneutes Zusammenfinden mit denen, die wir lieb hatten und die in das künftige Leben hinübergingen, erst nach Ablauf eines längeren Zeitraumes erfolgen werde. Sie wollte gerne wissen, ob man unmittelbar nach dem Tod mit denen wieder vereint sein werde, die vorausgegangen sind.
‘Abdu’l-Bahá antwortete, dies sei von der jeweiligen Stufe beider Seiten abhängig. Wenn beide den gleichen Entwicklungsgrad innehatten, könnten sie unmittelbar nach dem Tod wieder beisammen sein.
Wie kann man, meinte dann die Fragestellerin, diesen Entwicklungsstand erreichen? ‘Abdu’l-Bahá erwiderte: durch ständiges Bemühen, durch rechtes Handeln und durch den Erwerb geistiger Eigenschaften.
Die Fragestellerin merkte an, dass viele verschiedene Ansichten über die Beschaffenheit des künftigen Lebens in Umlauf seien. Manche Leute glaubten, wir alle hätten dann genau die gleichen Vollkommenheiten und Tugenden und seien völlig gleich.
‘Abdu’l-Bahá sagte, es werde Vielfalt geben und Unterschiede an Einsicht und Weisheit genau wie in dieser Welt.
Dann wurde gefragt, wie es wohl möglich sei, ohne materiellen Körper und Lebensraum die verschiedenen Wesen und Merkmale zu erkennen, wenn alle im selben Zustand und auf der gleichen Seinsebene wären.
‘Abdu’l-Bahá meinte, wenn mehrere Menschen zur gleichen Zeit in einen Spiegel schauten, würden sie all die verschiedenen Persönlichkeiten, ihre Merkmale und Bewegungen sehen, es gebe aber nur eine Spiegelfläche, auf die sie schauen. Jeder habe eine Vielfalt an Gedanken im Kopf, aber alle seien getrennte und voneinander unterschiedene Einzelgedanken. Vielleicht habe jemand mehrere hundert Freunde. Aber wenn er sich diese ins Gedächtnis rufe, vermenge er nicht den einen mit dem andern – jeder habe, klar und deutlich, seine ganz persönliche Eigenart und seine typischen Kennzeichen.
Einem anderen Fragesteller antwortete Er, wenn zwei Menschen, z.B. Mann und Frau, in diesem Leben vollkommen vereint und ihre Seelen wie eine Seele gewesen seien, dann werde diese Einheit von Herz und Seele unverändert weiterbestehen, auch wenn einer von ihnen diese Welt verlässt.
Geistige Verbindung
Am 28. September war ‘Abdu’l-Bahá abends mit einer Anzahl von Gästen zusammen.
Er sagte:
»Ihr alle hier seid Schwestern. Leibliche Verwandtschaft mag an Bindungskraft verlieren, selbst zwei Schwestern können einander feind sein. Aber geistige Verwandtschaft ist ewig und erzeugt gegenseitige Liebe und Dienstbarkeit.
Seid stets zu jedem freundlich und eine Zuflucht für die ohne Obdach.
Seid denen Töchter, die älter sind als ihr.
Seid denen Schwestern, die gleich alt sind wie ihr.
Seid denen Mütter, die jünger sind als ihr.
Seid Pflegerinnen für die Kranken, Schatzmeister für die Armen und versorgt die Hungrigen mit himmlischer Speise.«
Ein persischer Arzt aus Qazvín sagte, es sei das große Werk Gottes, dass Ost und West so vereint wurden, und wir sollten immerzu Gott danken, dass die Bahá’í-Religion solch große Harmonie und Eintracht unter uns schuf. Dieser Besuch ‘Abdu’l-Bahás im Westen werde ein höchst bedeutendes Ergebnis zeitigen.
Eine Bahá’í-Hochzeit
Für orientalische Stimmung sorgte die Hochzeit eines jungen persischen Paares, das gegen Ende des Besuches ‘Abdu’l-Bahás in London um Seine Anwesenheit bei ihrer Trauung gebeten hatte. Die Braut kam in Begleitung ihres Onkels aus Baghdád angereist, um sich hier mit ihrem Bräutigam zu treffen und vor der Abreise ‘Abdu’l-Bahás getraut zu werden. Vater und Großvater der Braut waren schon Gläubige in Bahá’u’lláhs Verbannungszeit.
Wir möchten die Schilderung des Bräutigams von der Zeremonie nicht verfremden und geben sie deshalb in der ihm eigenen einfachen, schönen Ausdrucksweise wieder. Sie wird uns eine Seite zeigen, die nirgendwo genannt wurde und ohne die kein Eindruck von ‘Abdu’l-Bahás Besuch vollständig wäre. Wir meinen damit den großen Respekt, den die Menschen aus dem Osten, die ‘Abdu’l-Bahá besuchen kamen, ihrem großen Lehrer entgegenbrachten. Stets erhoben sie sich und standen mit gesenktem Haupt, wenn Er den Raum betrat.
Mírzá Dávúd schrieb:
Am Sonntagmorgen, dem 1. Oktober 1911 A.D., dem Tishi 5972 (Hebräischer Zeitrechnung), wurde Regina Núr Maḥal Khánum und Mírzá Yuhanna Dávúd erlaubt, in die heilige Gegenwart ‘Abdu’l-Bahás zu treten – möge mein Leben ein Opfer für Ihn sein!
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá uns empfangen hatte, sagte Er: »Ihr seid herzlich willkommen, und ich freue mich, euch hier in London zu sehen.«
Er schaute mich an und sagte: »Ich habe noch nie jemanden getraut außer meinen eigenen Töchtern. Weil ich dich aber so sehr lieb habe und du dem Reiche Abhás in diesem und in anderen Ländern große Dienste erwiesen hast, werde ich euch heute trauen. Ich hoffe, dass ihr beide weiterhin dem gesegneten Pfad des Dienens treu bleiben werdet.«
Dann nahm ‘Abdu’l-Bahá zuerst Núr Maḥal Khánum mit in einen Nebenraum und fragte sie: »Liebst du Mírzá Yuhanna Dávúd von ganzem Herzen und mit ganzer Seele?« Sie antwortete: »Ja.«
Dann rief ‘Abdu’l-Bahá mich zu sich und stellte mir die gleiche Frage, also: »Liebst du Núr Maḥal Khánum von ganzem Herzen und ganzer Seele?« Ich antwortete: »Ja.« Wir kehrten gemeinsam ins Zimmer zurück und ‘Abdu’l-Bahá nahm die rechte Hand der Braut und legte sie in die des Bräutigams und bat uns, Ihm nachzusprechen: »Wir tun alles, was Gott will«A5.
Alle nahmen Platz und ‘Abdu’l-Bahá fuhr fort:
»Die Ehe ist eine heilige Einrichtung. In dieser gesegneten Sache wird sehr dazu ermutigt. Ihr beide seid nun nicht mehr zwei, sondern eins. Bahá’u’lláh wünscht, dass alle Menschen eines Geistes werden und sich als einem großen Haushalt zugehörig betrachten, so dass das Bewusstsein der Menschheit nicht länger uneinig ist.
Ich erhoffe und wünsche für euch ein gesegnetes Leben. Möge Gott euch helfen, dem Abhá-Königreich große Dienste zu erweisen und euch zum Werkzeug für dessen Wachstum machen.
Möge euch im Laufe der Jahre immer mehr Freude zuteilwerden. Möget ihr zu blühenden Bäumen werden, die köstliche, wohlriechende Früchte tragen als Segensgaben auf dem Pfade des Dienens.«
Als wir aus dem Zimmer traten, beglückwünschten uns die anwesenden Freunde aus Persien und London zu der großen Ehre, die uns zuteil geworden war, und die liebenswürdige Gastgeberin lud uns zum Essen ein.
Nach kurzer Zeit versammelten wir uns mit Ihm um den Tisch. Während des Essens fragte einer der Freunde ‘Abdu’l-Bahá, wie Ihm sein Aufenthalt in London gefallen habe sowie nach Seiner Meinung über die Engländer. Ich betätigte mich als Übersetzer. ‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Es hat mir in London sehr gut gefallen, und die strahlenden Gesichter der Freunde haben mein Herz erfreut. Ihre Einheit und Liebe zogen mich hierher. In der Welt des Seins gibt es keinen stärkeren Magneten als den Magneten der Liebe. Diese wenigen Tage gehen vorüber, aber Gottes Freunde werden sich durch alle Zeitalter hindurch und in allen Ländern an ihre Bedeutung erinnern.
Es gibt lebendige Nationen und tote Nationen. Syrien hat seine Kultur durch geistige Trägheit verloren. Die englische Nation ist lebendig, und wenn die göttliche Wahrheit in dieser geistigen Frühlingszeit mit neuer Kraft hervorbricht, werden die Engländer zu fruchtbaren Bäumen werden und der Heilige Geist wird sie reich gedeihen lassen. Dann werden sie nicht nur materiellen, sondern den weit wichtigeren geistigen Fortschritt erlangen, der ihnen dann die Möglichkeit gibt, der Menschheit weit größere Dienste zu erweisen.«
Jemand anderes fragte, warum die Lehren aller Religionen vorwiegend über Gleichnisse und Metaphern vermittelt werden und nicht in der einfachen Sprache des Volkes.
‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Göttliches ist zu unergründlich, um in gewöhnlichen Worten ausgedrückt zu werden. Die himmlischen Lehren werden in Gleichnissen ausgedrückt, damit sie verstanden und für kommende Zeitalter aufbewahrt werden. Wenn die geistig Gesinnten sich tief in das Meer ihrer Bedeutung versenken, bringen sie die Perlen ihrer inneren Bedeutung ans Licht. Es gibt keine größere Freude, als Gottes Wort mit geistigem Sinn zu studieren.
Gott lehrt den Menschen mit dem Ziel, dass der Mensch sich selbst erkennt, so dass er die Erhabenheit Gottes begreift. Gottes Wort steht für Einvernehmen und Eintracht. Wenn Sie nach Persien gehen, wo es viele Freunde in Abhá gibt, werden Sie sogleich die einigende Macht der Sache Gottes wahrnehmen. Die Freunde bemühen sich bis zum Äußersten, um dieses Freundschaftsband zu stärken. Dort treffen sich Menschen verschiedener Nationalitäten in der gleichen Versammlung und singen einmütig die göttlichen Verse. Man könnte meinen, sie seien alle Brüder. Wir betrachten niemand als fremd, denn Bahá’u’lláh sagte:
›Ihr seid alle die Strahlen einer Sonne, die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges.‹Q5 Wir ersehnen für die Menschen wahre Brüderlichkeit. So wird es sein, der Anfang ist gemacht. Preis sei Gott, dem Helfenden, dem Vergebenden.«
Besuch in Bristol
Das Wochenende vom 23. – 25. September verbrachte ‘Abdu’l-Bahá im Gästehaus Clifton in Clifton, Bristol.
Am ersten Nachmittag zeigte ‘Abdu’l-Bahá während einer Ausfahrt lebhaftes Interesse für die englische Landschaft und staunte über die jahrhundertealten Bäume und das saftige Grün der Wälder und Wiesen. Alles war so ganz anders als im dürren Osten. »Es sieht aus wie im Frühling, obwohl es Herbst ist«, sagte Er. Die Häuser mit ihren kleinen Grundstücken erinnerten ‘Abdu’l-Bahá an eine Stelle in den Schriften Bahá’u’lláhs, in der Dieser andeutet, dass einmal jede Familie ein Haus mit einem Stück Land haben werde. ‘Abdu’l-Bahá verglich das Land mit der Seele und die Stadt mit dem Körper des Menschen und sagte: »Der Körper kann nicht ohne die Seele leben«, und bemerkte:
»Es ist gut, unter freiem Himmel, im Sonnenschein und in der frischen Luft zu sein.« Als er eine junge Frau mit wehendem Haar vorbeireiten und einige Radfahrerinnen ohne Begleitung vorbeifahren sah, meinte Er: »Dies ist das Zeitalter der Frau. Sie sollte die gleiche Bildung erhalten wie ihr Bruder und das gleiche Vorrecht genießen, denn vor Gott sind alle Seelen gleich. Das Geschlecht spielt seine notwendige Rolle auf der Ebene des Stofflichen, hat aber mit dem Geistigen nichts zu tun. In diesem Zeitalter geistigen Erwachens hat die Welt den Weg des Fortschritts eingeschlagen und die Arena der Entwicklung betreten, in der die Kraft des Geistes die des Körpers übertrifft. Bald wird der Geist die Herrschaft über die Menschenwelt erlangen.«
Am Abend wurden an die Bahá’í in Ṭihrán telegraphische Grüße geschickt und den Freunden die Anwesenheit ‘Abdu’l-Bahás in Bristol mitgeteilt. Er ließ sie herzlich grüßen und wollte sie wissen lassen, dass es Ihm bei den Freunden in Clifton sehr gut ginge. Dieses Telegramm war die Antwort auf ein vorheriges aus Ṭihrán, in dem die Freunde den Menschen im Gästehaus zu Seinem bevorstehenden Besuch gratulierten.
Später kamen neunzig Personen zu einem offenen Empfang, um ‘Abdu’l-Bahá zu begrüßen. Er sprach zu ihnen mit eindrucksvoller Bestimmtheit und sagte:
»Ich heiße Sie herzlich willkommen. Ich kam von weit her, um Sie zu besuchen. Ich danke Gott, dass ich nach vierzig Jahren des Wartens endlich kommen und meine Botschaft bringen durfte. Diese Versammlung ist voll Geistigkeit. Alle hier Anwesenden haben ihre Herzen Gott zugewandt. Sie suchen und sehnen sich nach frohen Botschaften. Die Kraft des Geistes hat uns hier zusammengeführt. Darum sind unsere Herzen von Dank erfüllt. ›Sende Dein Licht und Deine Wahrheit, o Gott, auf dass sie uns zu Heiligen Höhen führen!‹ Mögen die heiligen Quellen, die das Leben der Welt erneuern, uns erfrischen! Wie der Tag auf die Nacht folgt und nach dem Sonnenuntergang der Morgen anbricht, so erschien Jesus Christus wie eine Sonne der Wahrheit am Horizont dieser Welt. So war es auch, als die Menschen die Lehren Christi und Sein Vorbild der Liebe zu allen Menschen vergessen hatten und von materiellen Dingen wieder übersättigt waren, da ging in Persien aufs Neue ein himmlisches Gestirn auf; ein neues Licht erschien, und jetzt ergießt sich ein großes Leuchten über alle Länder.
Die Menschen behalten ihren Besitz sich selbst zur Freude und teilen die von Gott empfangenen Gnadengaben nicht genug mit anderen. So wird der Frühling in einen Winter aus Selbstsucht und Eigennutz verwandelt. Jesus Christus sagte: ‚Ihr müsst wiedergeboren werden’, so dass in euch erneut himmlisches Leben entstehen kann. Seid zu den Menschen um euch freundlich und dienet einander. Liebt Gerechtigkeit und Ehrlichkeit in all eurem Tun. Betet inständig und lebt euer Leben so, dass Sorge euch nicht beeinflussen kann. Betrachtet die Menschen eures Volkes und anderer Völker als Teile eines organischen Ganzen, als Söhne des selben Vaters. Zeigt durch euer Verhalten, dass ihr zum Volke Gottes gehört. Dann werden Krieg und Streit aufhören und der Größte Friede wird die ganze Welt umspannen.«
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá sich zurückgezogen hatte, hielten Tammaddun’ul-Mulk und Mr. W. Tudor Pole kurze Ansprachen, in denen sie auf das Martyrium der Gläubigen in Persien, besonders auf das der herausragenden Dichterin Qurratu’l-‘Ayn, hinwiesen.
Der folgende Tag war ein herrlicher Sonntag und ‘Abdu’l-Bahá fuhr mit Seinen Freunden aufs Land hinaus. Sie gingen auf den Wiesen spazieren. Danach rief Er die Bediensteten des Hauses herbei, sprach zu ihnen über die Würde der Arbeit, dankte ihnen für ihre Dienste und gab jedem ein Andenken an Seinen Besuch. Er ging durch das Gästehaus, erteilte ihm als einem Zentrum für Pilger aus aller Welt Seinen Segen und sagte, es werde ein wahres Erholungsheim werden.
Am Morgen des dritten Tages besuchte Ihn beim Frühstück ein Domherr der anglikanischen Kirche. Das Gespräch kam auf das zögerliche Widerstreben der Reichen, sich von ihren Besitztümern zu trennen, und ‘Abdu’l-Bahá zitierte den Ausspruch Jesu: »Wie selten werden die Reichen ins Himmelreich kommen«Q6. Er sagte, der wahre Sucher werde erst dann frohgemut den Pfad des Verzichtes beschreiten, wenn er erkenne, dass die Bindung an das Materielle ihn von seinem geistigen Erbe fernhalte. Dann werde der Reiche seinen weltlichen Besitz freudig mit dem Bedürftigen teilen. ‘Abdu’l-Bahá verglich die Ihm gewährte schlichte Gastfreundschaft mit den kostspieligen Gelagen der Reichen, die allzu oft an ihren teuren Tafeln sitzen und die hungrigen Menschenmassen vergessen.
Er bat Seine Zuhörer dringend, das Licht in ihrem eigenen Heim zu verbreiten, damit es schließlich das ganze Volk erleuchte.
Dann kehrte ‘Abdu’l-Bahá nach London zurück. Wer das Vorrecht hatte, Ihm zu begegnen, wünschte sich aufrichtig, dass die Gläubigen in anderen Ländern erfahren würden, wie sehr die Menschen in Clifton Seinen Besuch geschätzt und Seine geistige Kraft und Liebe gespürt haben.
Thomas Pole
In Byfleet
Am 9. September genoss eine Gruppe von Mitarbeiterinnen des Passmore Edwards’ Settlement nachmittags das große Vorrecht, ‘Abdu’l-Bahá zu begegnen. Diese Damen verbrachten gerade ihre Ferien bei Miss Schepel und Miss Buckton im Hause Vanners in Byfleet, einem etwa zwanzig Meilen außerhalb von London gelegenen Dorf. Sie schrieben für sich einen kurzen Bericht über das, was Er gesagt hatte. Hier ein Auszug daraus:
Wir versammelten uns um Ihn im Kreis und Er hieß uns auf der Fensterbank neben Ihm Platz nehmen. Eine der Damen, die gerade krank war, ließ Er ganz besonders herzlich grüßen. Während Er sich setzte, begann ‘Abdu’l-Bahá zu fragen: »Seid ihr glücklich?«, und unsere Gesichter müssen Ihm verraten haben, dass wir es waren. Dann sagte Er: »Ich liebe euch alle. Ihr seid die Kinder des Königreichs und ihr seid von Gott angenommen. Wenn ihr hier auch arm seid, so seid ihr doch reich an den Schätzen des Königreiches. Ich bin der Diener der Armen. Denkt an die Worte Jesu: ›Selig sind die Armen!‹Q7 Wenn auch alle Königinnen der Erde hier versammelt wären, so könnte ich nicht froher sein!«
‘Abdu’l-Bahá wusste, dass wir eine Sammelbüchse hatten, aus der wir Menschen zu helfen versuchten, die weniger vom Glück begünstigt waren als wir. Plötzlich stand Er auf und sagte: »Ihr seid mir sehr lieb. Ich möchte etwas für euch tun! Ich kann nicht für euch kochen (Er hatte uns zuvor in der Küche hantieren sehen), aber hier ist etwas für euren Fonds.« Er ging reihum zu einer jeden, schüttelte uns allen mit herzlichem Lächeln die Hand und sagte den Bahá’í-Gruß: »Alláh-u-Abhá!«
Hernach spazierte Er durch das Dorf. Viele arme Kinder, Mütter mit kranken Babies und arbeitslose Männer kamen zu Ihm. Mit Hilfe eines Dolmetschers sprach Er mit allen. Zum Nachmittagstee gesellten sich weitere Freunde zu uns. ‘Abdu’l-Bahá mochte den Landhausgarten, den Obstgarten und die Rosen von Vanners und meinte: »Hier ist es wie in einem persischen Garten. Die Luft ist so rein.«
Bei Seiner Abreise nach London überreichte Er jedem ein purpurfarbenes wildes Stiefmütterchen aus dem Garten und sagte immer wieder auf Englisch »Good-bye«.
Am 28. September besuchte ‘Abdu’l-Bahá noch einmal Vanners, das kleine Landhaus auf dem alten königlichen Herrensitz aus der Zeit Edward II. Er kam mit dem Auto von London, blieb über Nacht und fuhr am zweiten Tag abends zurück.
Auf der Fahrt beeindruckten ‘Abdu’l-Bahá zwei Pfadfindergruppen, die den Weg entlang wanderten. Als man Ihm den Leitsatz der Pfadfinder ›Seid bereit‹ mitteilte und dass eine ihrer Regeln sei, jeden Tag eine gute Tat zu tun und dass einige dieser Jungen ein Feuer gelöscht und kürzlich bei einem Eisenbahnunglück Hilfe geleistet hätten, meinte Er: »Das macht mich sehr glücklich.«
In Vanners angekommen fand Er vor dem Tor eine sehr ungewöhnlich zusammengesetzte Menschenmenge vor – von den Ärmsten bis zu den mit dem Auto von ihren Landsitzen angereisten Reichen – die Ihn herzlich begrüßten. Ein guter Teil folgte Ihm und so viele eben konnten drängten in den Garten und ließen sich um Ihn herum nieder. Es herrschte eine eindrucksvolle Stille. Auch unter diesen Menschen war die gleiche Aufmerksamkeit und Begier nach Seinen Worten zu beobachten wie beim vorherigen Besuch ‘Abdu’l-Bahás im Dorf.
Nachdem Er Seine Freude über das Beisammensein mit ihnen bekundet hatte, begann Er vor der kleinen Gruppe eine Frage zu beantworten, in der es um die hoch entwickelte westliche Zivilisation ging.
Die Knechtschaft des Menschen
‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Luxus legt den freien Austausch lahm. Ein von Wünschen besessener Mensch ist immer voller Sorgen. Die Kinder des Reiches Gottes haben die Fesseln ihrer Wünsche abgeworfen. Zerreißt alle Ketten und sucht nach geistiger Freude und Erleuchtung. Dann werdet ihr erkennen, dass euer Blick schon auf dieser Erde die Weiten des göttlichen Horizontes wahrnimmt. Nur der Mensch ist dazu fähig. Wenn wir uns umschauen sehen wir, dass jedes andere Geschöpf von seinem Umfeld abhängt.
Der Vogel ist an die Luft gebunden, der Fisch an das Meer. Nur der Mensch steht über den Dingen und sagt zu den Elementen: ›Ich will euch zu meinen Dienern machen! Ich kann euch beherrschen!‹ Durch seine Erfindungsgabe sperrt er die Elektrizität ein und macht sie zum wunderbaren Kraftquell für Beleuchtung und zum Kommunikationsmittel über Entfernungen von Tausenden von Meilen. Doch der Mensch kann zum Gefangenen seiner eigenen Erfindungen werden. Seine wahre zweite Geburt erlebt er, wenn er sich von allem Materiellen befreit hat, denn nur wer nicht an seine Wünsche gefesselt ist, ist frei. Dann wird er, wie Jesus sagte, vom Heiligen Geist eingenommen.«
Die Macht Gottes
Ein Freund fragte ‘Abdu’l-Bahá, wie sehr ein Mensch dem Christusbewusstsein, von dem Paulus als unserer ruhmreichen Hoffnung spricht,A6 in seinem Herzen nahekommen kann.
Mit einem Blick voll großer Freude wandte ‘Abdu’l-Bahá sich um und sagte mit einer beeindruckenden Geste:
»Die Gnade und Kraft Gottes ist jeder Menschenseele zugedacht und kennt keine Grenzen. Überlegt: welch belebende Kraft strömte von Christus aus, als Er auf Erden weilte. Betrachtet Seine Jünger! Sie waren arme, ungebildete Menschen. Aus dem derben Fischer formte Er den großen Petrus, und aus Magdalena, dem armen Mädchen vom Dorf, machte Er eine Gestalt, die heute in aller Welt Einfluss ausübt. Viele Königinnen haben regiert, von denen nur historische Daten blieben und sonst nichts. Aber Maria Magdalena überragt sie alle. Sie war es, deren Liebe die Jünger erstarken ließ, als deren Glaube ermattete. Was sie für die Welt tat, kann nicht hoch genug geschätzt werden. Seht, welch göttliche Kraft in ihr durch die Macht Gottes entflammt wurde!«
Erleuchtete Boten
Auf die Frage, ob das Auftreten von Propheten von Zeit zu Zeit notwendig sei – »würde die Welt nicht im Laufe der Ereignisse durch Weiterentwicklung zur vollen Erkenntnis Gottes gelangen?« – antwortete ‘Abdu’l-Bahá:
»Die Menschheit braucht eine umfassend motivierende Antriebskraft, damit sie neu belebt wird. Der erleuchtete Bote, dem die Macht Gottes unmittelbar beisteht, bringt allumfassende Resultate zuwege. Bahá’u’lláh stieg als Licht in Persien empor, und nun strahlt dieses Licht über die ganze Welt.«
Frage: Ist darunter das Zweite Kommen Christi zu verstehen?
Antwort: »In Christus bringt sich die Göttliche Wirklichkeit, die Eine und Himmlische Wesenheit, die weder Anfang noch Ende hat, zum Ausdruck. In jedem Zyklus tritt sie in Erscheinung, erstrahlt, offenbart sich und geht unter.«
Wer mit ‘Abdu’l-Bahá beisammen war, bemerkte, dass Er sich öfters nach einem ernsten Gespräch mit Menschen plötzlich umwandte und wegging, um allein zu sein, und dass Ihm in solchen Augenblicken niemand folgte. Als Er diesmal seine Rede beendet hatte und durch das Gartentor ins Dorf ging, beeindruckte alle Seine gelöste, wunderbare Art zu gehen, von der ein amerikanischer Freund meinte, sie gleiche der eines Hirten oder eines Königs.
Als Er an den zerlumpten Kindern vorbeiging, die Ihn zu Dutzenden umringten, salutierten die Buben so, wie sie es in der Schule gelernt hatten und zeigten damit, wie instinktiv sie die hohe Bedeutung Seiner Anwesenheit spürten. Am bemerkenswertesten war das Verstummen selbst der derbsten Männer, wenn ‘Abdu’l-Bahá erschien. Ein armer Landstreicher rief: »Er ist ein guter Mann!« und fügte hinzu »Er hat sicher viel gelitten!«
Ganz besonders interessierte Er sich für die kranken, behinderten und unterernährten Kinder. Mütter mit ihren Kleinen auf dem Arm gingen Ihm nach, und ein Freund machte ihnen verständlich, dass dieser hohe Besucher über die Meere aus dem Heiligen Land gekommen sei, von dort, wo Christus geboren worden war.
Den ganzen Tag über kamen Menschen aus allen Schichten zum Gartentor in der Hoffnung, Ihn zu sehen. Mehr als sechzig kamen mit dem Auto oder Rad nach Vanners, um Ihn dort zu treffen. Viele wollten Ihm zu bestimmten Themen Fragen stellen. Darunter waren Geistliche verschiedener Bekenntnisse, der Direktor einer staatlichen Jungenschule, ein Mitglied des Parlaments, ein Arzt, ein prominenter politischer Essayist, der Vizerektor einer Universität, mehrere Journalisten, ein bekannter Dichter und ein Richter aus London.
Lange wird man daran denken, wie Er in der Nachmittagssonne im Erker saß und Seinen Arm um einen völlig zerlumpten, aber überglücklichen kleinen Jungen gelegt hatte, der gekommen war, um ‘Abdu’l-Bahá um eine Six-Pence-Münze für seine Spardose und für seine kranke Mutter zu bitten – und gleichzeitig unterhielten sich im Zimmer um Ihn herum Männer und Frauen über Erziehung, Sozialismus, das erste Reformgesetz und die Bedeutung von U-Booten und drahtloser Telegraphie für das neue Zeitalter, in das der Mensch nun eintritt.
Irgendwann am Abend bat ein junges verlobtes Paar aus dem Dorf, das einige Bahá’í-Bücher gelesen hatte, um die Erlaubnis, Ihn zu besuchen. Scheu betraten sie den Raum, der Mann vom Mädchen geführt. ‘Abdu’l-Bahá erhob sich, um sie zu begrüßen und hieß sie im Kreise Platz nehmen. Er sprach sehr ernst mit ihnen über die Heiligkeit der Ehe, die Schönheit einer wahren Vereinigung und die große Bedeutung von kleinen Kindern und deren Erziehung. Bevor sie gingen segnete Er sie und benetzte ihnen Stirn und Haare mit einem persischen Duftstoff.
Erziehung
‘Abdu’l-Bahá legte großen Wert auf Erziehung. Er sagte:
»Die Erziehung der Mädchen ist heute wichtiger als die der Jungen, denn sie sind die Mütter der kommenden Generation. Alle haben die Pflicht, sich um die Kinder zu kümmern. Wer keine Kinder hat, sollte möglichst die Verantwortung für die Erziehung eines Kindes übernehmen.«
Die Lebensbedingungen der Mittellosen in den Dörfern wie auch in London haben ‘Abdu’l-Bahá zutiefst berührt. In einem ernsten Gespräch mit dem Leiter einer Pfarrgemeinde sagte ‘Abdu’l-Bahá:
»Ich stelle fest, dass England wohl darum weiß; man ist geistig rege. Aber Ihre Armen sind so schrecklich arm! Das sollte nicht sein. Zum einen leben Sie in Wohlstand und großem Luxus, zum anderen leben Männer und Frauen in allergrößter Not und hungern. Dieser enorme Gegensatz ist einer der Schandflecken für die Zivilisation dieses erleuchteten Zeitalters.
Sie müssen sich wesentlich ernsthafter um die Besserung der Lebensbedingungen der Armen kümmern. Ruhen Sie nicht, bis jeder einzelne, mit dem Sie zu tun haben, für Sie wie ein eigenes Familienmitglied ist. Betrachten Sie jeden entweder als Vater oder Bruder oder Schwester oder Mutter oder als Kind. Wenn Sie das erreichen, werden sich Ihre Probleme lösen und Sie werden wissen, was zu tun ist. Dies besagt die Lehre Bahá’u’lláhs«.
Der Wandel des Herzens
Jemand sprach über den Wunsch des Volkes, das Land zu besitzen, und die latente Bereitschaft zur Rebellion in der Arbeiterklasse. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Kampf und Gewaltanwendung werden keine guten Ergebnisse zeitigen, selbst wenn sie einer gerechten Sache dienen. Die Unterdrückten, die das Recht auf ihrer Seite haben, sollten dieses Recht nicht mit Gewalt an sich reißen, sonst bleibt das Übel bestehen. Die Herzen müssen verwandelt werden. Der Reiche muss den Wunsch haben zu geben! Die Lebenskraft im Menschen sollte wie eine Flamme sein, die jeden erwärmt, der mit ihr in Berührung kommt. Die geistig Erweckten sind in den Augen Gottes wie helle Fackeln, die ihren Mitmenschen Licht und Erquickung spenden.«
Auf die Frage, ob Er die Umgangsformen der Engländer im Vergleich mit denen im Osten nicht als rüde und unangenehm erfahren habe, sagte ‘Abdu’l-Bahá, Er habe nichts dergleichen wahrgenommen. Wenn die Geistigkeit in einem Volk zunehme, werde das Betragen sich verändern.
Christus und Bahá’u’lláh
Ein Freund fragte, inwiefern die Lehren Bahá’u’lláhs zu den Lehren Jesu Christi im Gegensatz stehen. »Die Lehren sind gleich«, erklärte ‘Abdu’l-Bahá, »sie haben die gleiche Grundlage und entstammen dem gleichen Tempel. Es gibt nur eine ungeteilte Wahrheit. Die Lehren Jesu sind sehr konzentriert. Bis heute sind die Menschen sich über die Bedeutung vieler Seiner Aussagen gar nicht einig. Seine Lehren sind wie eine in der Knospe verborgene Blüte. Heute entfaltet sich die Knospe zur Blüte! Bahá’u’lláh hat die Lehren erfüllt, sie erweitert und Punkt für Punkt auf die ganze Welt angewandt.
Unter den Bahá’í gibt es keine Einzelgänger, keine Einsiedler. Der Mensch muss mit seinen Mitmenschen zusammenarbeiten. Jeder, ob reich oder arm, sollte ein Gewerbe, eine Kunst oder einen erlernten Beruf ausüben, und damit muss er der Menschheit dienen. Ein solcher Dienst wird als höchste Form der Anbetung angenommen.«
Kunst
Eine Malerin fragte: »Ist Kunst eine achtbare Beschäftigung?« ‘Abdu’l-Bahá wandte sich ihr in beeindruckender Weise zu und sagte: »Kunst ist Anbetung.«
Ein Schauspieler erwähnte das Schauspiel und dessen Einfluss. »Das dramatische Schauspiel ist höchst bedeutsam«, sagte ‘Abdu’l-Bahá. »Früher hatte es große erzieherische Kraft, und diese wird es wieder erlangen.« Er schilderte, wie Er als kleiner Junge das Mysterienspiel vom Verrat an ‘Alí und dessen Leidensweg gesehen habe und Ihn dieses Spiel so tief ergriffen habe, dass Er weinte und nächtelang nicht schlafen konnte.
Bekenntnissymbole
Jemand wollte wissen, ob das Tragen von Bekenntnissymbolen, z.B. eines Kreuzes, eine gute Gewohnheit sei. Er sagte: »Sie tragen das Kreuz zum Gedenken, es konzentriert Ihre Gedanken. Es hat keine magische Kraft. Die Bahá’í tragen oft einen Stein, in den der Größte Name eingraviert ist. Der Stein übt keinen magischen Einfluss aus. Er dient als Mahner und Begleiter.
Wenn Sie im Begriff sind, etwas Selbstsüchtiges oder Vorschnelles zu tun und Ihr Blick dann auf den Ring an Ihrer Hand fällt, werden Sie sich besinnen und Ihre Absicht ändern.«
Esperanto
Ein Freund sprach Bahá’u’lláhs Prophezeiung in den Worten des Paradieses an, es werde eine Weltsprache geschaffen werden,A7 und wollte gerne wissen, ob Esperanto einmal die dafür auserwählte Sprache sein werde. Er antwortete:
»Die für Esperanto aufgewendete Liebe und Mühe wird nicht verloren sein, aber eine Einzelperson kann nicht eine universale Sprache ausarbeiten. Sie muss von einem Rat, der alle Länder vertritt, geschaffen werden und Wörter aus verschiedenen Sprachen beinhalten. Die einfachsten Regeln sollen gelten und es wird keine Ausnahmen geben, auch keine Geschlechtswörter oder besondere und stumme Laute. Jede Sache wird nur eine Bezeichnung haben. Im Arabischen gibt es hunderte Worte für das Kamel! In den Schulen aller Länder wird die Muttersprache und gleichzeitig die überarbeitete Weltsprache gelehrt werden.«
Tolstoi
Der gleiche Fragesteller sagte: »Ich habe vieles von Tolstoi gelesen und sehe eine Parallele zwischen seinen Lehren und den Ihrigen. In einem seiner Bücher spricht er vom Rätsel des Lebens und beschreibt, wie wir bei unserem Streben, den Schlüssel zu finden, unser Leben vergeuden. Aber Tolstoi fährt fort:›Es gibt in Persien einen Mann, der das Geheimnis kennt.‹«
»Ja«, sagte ‘Abdu’l-Bahá, »Ich bekam von Tolstoi einen Brief und darin schrieb er, dass er ein Buch über Bahá’u’lláh schreiben wolle.«
Heilung
Ein an der Heilkunst interessierter Freund zitierte die Worte Bahá’u’lláhs: »Wenn jemand krank ist, soll er zum besten Arzt gehen.«Q8
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Es gibt nur eine heilende Kraft – das ist Gott. Die Verfassung oder die Vorbedingung, unter der sich die Heilung vollzieht, ist die Zuversicht des Herzens. Bei manchen wird dieser Zustand durch Pillen, Pulver und Ärzte erreicht, bei anderen durch Hygiene, Fasten und Beten, bei wieder anderen durch unmittelbares Empfinden.«
Bei einer anderen Gelegenheit sagte ‘Abdu’l-Bahá zu eben diesem Thema: »Wir sehen um uns herum nichts als das Wirken des Geistes. Der Geist in den Kräutern und im Mineral wirkt auf den menschlichen Körper und verändert seinen Zustand.« Die Ansprache entwickelte sich zu einer wissenschaftlichen Erörterung der Philosophie von Aristoteles.
Tod
Ein Freund fragte: »Wie soll man dem Tod entgegensehen?«
‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Wie sieht man dem Ende einer Reise entgegen? Mit Hoffnung und Erwartung. So ist es auch mit dem Ende dieser Erdenreise. In der nächsten Welt wird der Mensch sich von vielen Unzulänglichkeiten, unter denen er jetzt leidet, befreit fühlen. Wer durch den Tod gegangen ist, lebt in einer eigenen Sphäre. Sie ist der unsrigen nicht entrückt: ihr Wirken im Königreich ist das unsrige. Aber sie ist geheiligt von dem, was wir Raum und Zeit nennen. Unsere Zeit wird nach der Sonne gemessen. Wenn es keinen Sonnenaufgang und keinen Sonnenuntergang mehr gibt, so gibt es für den Menschen auch nicht mehr diese Art von Zeit. Die Aufgestiegenen haben Merkmale, die sich von den Eigenschaften derer unterscheiden, die noch auf Erden sind. Doch besteht keine wirkliche Trennung zwischen ihnen.
Im Gebet tritt eine Vermischung der Stufen und Zustände ein. Betet für sie, wie sie auch für euch beten. Wenn ihr, ohne es zu wissen, in einem empfänglichen Zustand seid, können sie euch, falls ihr Schwierigkeiten habt, Ratschläge geben. Dies geschieht manchmal im Schlaf. Es gibt jedoch keinen äußerlich wahrnehmbaren Austausch! Was ein wahrnehmbarer Austausch zu sein scheint, ist anders zu erklären.«
Ein Fragesteller rief aus: »Aber ich habe eine Stimme gehört!«
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Ja, das ist möglich, in Träumen hören wir deutliche Stimmen. Es ist nicht das körperliche Ohr, mit dem Sie gehört haben. Der Geist derer, die hingeschieden sind, ist vom Sinnesleben befreit und benützt keine physikalischen Mittel. Diese bedeutsamen Themen in menschliche Worte zu fassen ist nicht möglich. Die Sprache des Menschen ist eine Kindersprache, und oft führen menschliche Erklärungen in die Irre.«
Ein Gast fragte, wie es zugehe, dass sich das Herz öfters instinktiv an bestimmte Freunde wende, die in das nächste Leben eingegangen sind.
‘Abdu’l-Bahá antwortete: »Es ist ein Gesetz in Gottes Schöpfung, dass sich der Schwache an den Starken lehnt. Die, an die Sie sich wenden, mögen Vermittler der göttlichen Kraft für Sie sein, wie wenn sie auf Erden wären. Aber es ist der eine Heilige Geist, der allen Menschen Kraft verleiht.«
Daraufhin wies ein anderer Freund auf das Gespräch von Jesus auf dem Berg der Verklärung mit Moses und Elias hin.
‘Abdu’l-Bahá sagte: »Die Gläubigen werden stets durch die Anwesenheit der Himmlischen Heerscharen unterstützt. Zu den Himmlischen Heerscharen gehören Jesus und Moses und Elias und Bahá’u’lláh und andere erhabene Seelen, und ebenso die Märtyrer.«
Als Er über das Weiterbestehen der Persönlichkeit eines Tieres nach dessen Tod gefragt wurde, sagte ‘Abdu’l-Bahá: »Selbst die edelsten Zuchthunde besitzen nicht die unsterbliche Seele des Menschen, doch der Hund ist auf seiner Stufe vollkommen. Sie streiten doch nicht mit einem Rosenbäumchen, weil es nicht singen kann!«
Ein wahrer Bahá’í (1)
Ein junger Mann, der die modernen Methoden der Bibelkritik studierte, fragte ‘Abdu’l-Bahá, ob er gut daran tue, wenn er weiterhin der Kirche angehöre, mit der er zeitlebens verbunden war und deren Sprache für ihn so voller Bedeutung war. ‘Abdu’l-Bahá antwortete:
»Sie sollten sich nicht von ihr trennen. Sie sollten wissen: Das Reich Gottes gehört keiner bestimmten Gruppe. Manche Sucher durchwandern viele Gemeinschaften so wie ein Reisender viele Städte durchstreift, bis er sein Ziel erreicht. Wenn Sie schon zu einer Gruppe gehören, verleugnen Sie nicht ihre Brüder. Sie können ein Bahá’í-Christ, ein Bahá’í-Freimaurer, ein Bahá’í-Jude, ein Bahá’í-Muslim sein. Die Zahl neun enthält acht und sieben und alle anderen Zahlen und verleugnet keine davon. Bringen Sie niemanden durch die Worte ›Er ist kein Bahá’í‹ in Bedrängnis, weisen Sie keinen ab. Er wird an seinen Taten erkannt werden. Bei den Bahá’í gibt es keine Geheimnisse, ein Bahá’í hat nichts zu verbergen.«
Verbreiten der Lehren
Als ein amerikanischer Freund fragte, »welcher der beste Weg sei zum Verbreiten der Lehren«, sagte Er:
»Durch Taten. Dieser Weg steht allen offen, und Taten werden von allen verstanden. Arbeiten Sie mit jenen zusammen, die sich für die Armen, Schwachen und Glücklosen einsetzen, das ist höchst lobenswert. Mit Worten zu lehren erfordert das Können eines weisen Arztes. Er bietet denen, die keine Behandlung wünschen, seine Hilfe auch nicht an. Drängen Sie Ihre Hilfe nicht jenen auf, die Ihren Beistand nicht brauchen. So zu lehren ist nicht jedem gegeben.«
Die folgende Episode zeigt, wie sehr ‘Abdu’l-Bahá auf die kleinsten Einzelheiten achtete, wenn es um andere Menschen ging. Als Er hörte, dass einige Seiner Freunde von London hergereist waren und vorhatten, die Nacht im Dorf zu verbringen, um in Seiner Nähe zu sein, lud ‘Abdu’l-Bahá sie sogleich als Seine Gäste in den Gasthof ein, begab sich in Sorge um ihr Wohl persönlich dorthin und prüfte die Zimmer, weil es nachts bereits kalt wurde.
In BrooklandsA8
Am Morgen des zweiten Tages schickte eine Nachbarin ihren Wagen herüber und ließ fragen, ob ‘Abdu’l-Bahá nicht gerne mit Seinen Besuchern zum Flugplatz von Brooklands fahren möchte. Trotz windigen Wetters war ein Pilot auf der Piste. Als er hörte, wer der Besucher war, bot er an, für ihn zu fliegen. ‘Abdu’l-Bahá ging ohne Seine Freunde mitten aufs Rollfeld hinaus, wo Er ganz alleine stand und zuschaute, wie der Doppeldecker über Ihm seine Kreise zog.
Ein Hindu, der an der Schule fliegen lernte, gesellte sich zu ‘Abdu’l-Bahás Freunden und fragte: »Wer ist dieser Mann in orientalischer Kleidung?«
Als man es ihm sagte, rief er: »Oh, ich kenne ihn sehr gut durch seine Lehren, die ich aufmerksam studiert habe!« und ging sofort zu ‘Abdu’l-Bahá.
Eine Weile unterhielten sie sich auf Arabisch. Dem jungen Mann sah man an, wie überglücklich er über sein Beisammensein mit ‘Abdu’l-Bahá war. Später erzählte er, dass er sich seit Jahren nach diesem Augenblick gesehnt hatte.
Als es draußen Tee gab, saßen ‘Abdu’l-Bahá und der junge Hindu am oberen Ende der langen, dafür aufgestellten Bänke und unterhielten sich mit allen recht angeregt.
‘Abdu’l-Bahá beobachtete, wie sich zwei der Piloten auf dem Boden balgten, und als sie aufhörten, ging Er zu ihnen, klatschte in die Hände und rief auf Englisch: »Bravo, bravo! Das war eine gute Übung!«
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá wieder zurück in Ägypten war, sandte Er den Menschen in Byfleet eine freundliche Grußbotschaft und schrieb, Er werde sie niemals vergessen.
Aufenthalt in London
Während ‘Abdu’l-Bahás Aufenthalt in Cadogan Gardens kamen tagtäglich von früh am Morgen bis spät am Abend Menschen in der Hoffnung, Ihn zu sehen und zu sprechen. Zahlreich waren die Begegnungen am Tisch dieses gastlichen Hauses. Hunderte Menschen wurden willkommen geheißen. Viele kamen unangemeldet, aber niemand wurde abgewiesen. Es kamen Geistliche verschiedener Bekenntnisse, Parlamentsmitglieder, Beamte und Schriftsteller.
Nicht nur Engländer kamen zu Besuch. Zahlreiche Perser waren aus Ṭihrán und anderen Städten des Ostens angereist, um ungehindert Den zu sehen, der ihnen durch Seine Gefangenschaft so lange vorenthalten gewesen war.
Der Herausgeber einer in Japan gedruckten Zeitung änderte seine Rückreiseroute nach Japan, damit er einen Abend in ‘Abdu’l-Bahás Nähe verbringen konnte, und ein zoroastrischer Arzt aus Bombay kam an seinem Rückreiseabend nach Indien noch zu später Stunde.
Frauenbewegung
‘Abdu’l-Bahás Interesse an der Frauenbewegung und dem Fortschritt der Frauen ist bekannt. Von den beachtenswerten führenden Persönlichkeiten, die Ihn besuchten, sind zu erwähnen: Mrs. Annie Besant, die Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft, Organisatorinnen verschiedener Frauenrechtsgruppen, Wohlfahrts- und Sozialarbeiterinnen, die Leiterinnen mehrerer Frauenakademien sowie Ärztinnen.
An die folgende lebhafte Unterhaltung mit einer leidenschaftlichen Frauenrechtlerin werden sich alle, die dabei sein durften, noch lange erinnern. Männer und Frauen drängten sich im Zimmer, und viele Perser saßen in ihrer üblichen respektvollen Haltung auf dem Boden.
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá ganz allgemein die Stellung der Frau im Osten mit der im Westen verglichen und dann geschildert hatte, dass die Frauen im Osten gegenüber ihren westlichen Schwestern in mancherlei Hinsicht im Vorteil seien, wandte Er sich um und sagte zu Seiner Besucherin: »Nennen Sie mir Ihre Gründe, weshalb Sie meinen, die Frauen sollten heutzutage das Stimmrecht haben!«
Antwort: »Ich glaube, dass die Menschheit göttlichen Ursprungs und Wesens ist und dass sie sich höher und höher entwickeln muss. Sie kann sich jedoch nicht mit nur einem Flügel emporschwingen.«
‘Abdu’l-Bahá brachte seine Freude über diese Antwort zum Ausdruck und erwiderte lächelnd: »Aber was machen Sie, wenn ein Flügel stärker ist als der andere?«
Antwort: »Dann müssen wir den schwächeren stärken, sonst wird der Flug immer Schwierigkeiten bereiten.«
‘Abdu’l-Bahá lächelte und fragte: »Was werden Sie sagen, wenn ich Ihnen beweise, dass die Frau der stärkere Flügel ist?«
Die Antwort kam – zur Erheiterung der ganzen Gesellschaft – genauso humorvoll zurück: »Ich werde Ihnen ewig dankbar sein!«
Dann fuhr ‘Abdu’l-Bahá in ernsterem Ton fort:
»Die Frau hat für die Menschheit tatsächlich die größere Bedeutung. Sie hat die größere Last zu tragen und schwerere Arbeit zu leisten. Betrachten wir die Pflanzen- und die Tierwelt. Die fruchttragende Palme ist der vom Züchter am meisten geschätzte Baum. Der Araber weiß, dass auf einer weiten Reise die Stute den längeren Atem hat. Wegen ihrer größeren Kraft und Wildheit fürchtet der Jäger die Löwin mehr als den Löwen.
Die bloße Größe des Gehirns erwies sich in keinerlei Weise als Grund für eine Überlegenheit. Die Frau hat mehr Zivilcourage als der Mann; sie hat auch besondere Gaben, die sie in Gefahr und Krisenzeiten befähigen, den Überblick zu bewahren. Wenn nötig wird sie sogar zur Kämpferin.«
Zenobia
‘Abdu’l-Bahá fragte die Anwesenden, ob sie die Geschichte von Zenobia und dem Untergang Palmyras kennen. Also erzählte Er die folgende Geschichte, begleitet von den für Ihn so charakteristischen würdigen, einfachen Gesten Seiner Hände.
»Im Altertum lebte in Syrien ein Herrscher,A9 der eine schöne und kluge Frau hatte. Sie war so tüchtig, dass man sie nach dem Tod des Herrschers zur Regentin an seiner statt machte.A10 Unter ihrer Herrschaft kam das Land zu Wohlstand, und die Männer anerkannten dankbar, dass sie besser regierte als ihr Mann. Nach einiger Zeit fielen römische Legionen ins Land ein, aber sie jagte sie immer wieder in die Flucht. Sie ließ ihr schönes Haar offen wallen und ritt selbst an der Spitze ihres Heeres, trug einen scharlachroten Mantel, eine goldene Krone und führte ein zweischneidiges Schwert in der Hand. Da zog der römische KaiserA11 seine Streitmacht aus fünf anderen Provinzen ab, um sie zu unterwerfen. Nach langem, tapferem Kampf zog sich Zenobia in die Stadt Palmyra zurück, deren Festungsanlagen sie bewundernswert verstärkte. Dort hielt sie einer viermonatigen Belagerung stand, und dem Kaiser gelang es nicht, sie zu vertreiben. Schließlich waren die in der Festung gelagerten Nahrungsmittel aufgebraucht und die Not ihres hungernden, von Seuchen geplagten Volkes zwang sie, sich zu ergeben.
Der Caesar bewunderte den Mut und die Ausdauer dieser großartigen Frau unendlich und bat sie, seine Frau zu werden. Sie aber lehnte ab und sagte, sie werde nie nachgeben und den Feind ihres Volkes zum Manne nehmen. Der Kaiser raste vor Wut und beschloss, sie zu demütigen. Auf der Rückfahrt nahm er sie auf seinen Schiffen mit nach Rom. Für seinen triumphalen Einzug wurde eine große Prozession zusammengestellt, und in den Straßen drängten sich die Menschen. In der Prozession kamen zuerst die Elefanten, nach den Elefanten kamen die Kamele, nach den Kamelen kamen die Tiger und Leoparden, nach den Leoparden kamen die Affen und ganz am Ende nach den Affen schritt Zenobia mit einer goldenen Kette um ihren Hals. Ruhig und hoch erhobenen Hauptes blieb sie fest in ihrer entschlossenen Haltung. Nichts konnte ihren Mut brechen! Sie weigerte sich, des Caesars Kaiserin zu werden. Also wurde sie in einen Kerker geworfen, wo sie schließlich starb.«
‘Abdu’l-Bahá verstummte. Der Raum versank in tiefes Schweigen, das erst nach geraumer Zeit gebrochen wurde.
Bei einer anderen Gelegenheit sagte ‘Abdu’l-Bahá zu einem Ihn umgebenden Kreis von Freunden:
»Im Großen und Ganzen haben die Frauen heute einen stärkeren Sinn für Religion als die Männer. Die Intuition der Frau ist treffsicherer, sie ist aufnahmefähiger und ihre Intelligenz erfasst die Dinge rascher. Die Zeit wird kommen, in der die Frau geltend macht, dass sie dem Mann überlegen ist.
Die Frau wurde allenthalben wegen ihrer Treue gelobt. Nachdem der Herr Christus den Märtyrertod erlitten hatte, weinten die Jünger und gaben sich ihrem Kummer hin. Sie meinten, ihre Hoffnungen seien zerstört und die Sache gänzlich verloren, bis Maria Magdalena zu ihnen kam und sie aufrichtete mit den Worten: ‚Trauert ihr um den Körper unseres Herrn oder um Seinen Geist? Wenn ihr um Seinen Geist trauert, seid ihr im Irrtum, denn Jesus lebt! Sein Geist wird uns niemals verlassen!’ So wurde durch ihre Weisheit und Ermutigung die Sache Christi für alle Zeiten am Leben erhalten. Ihre Intuition befähigte sie, die geistige Bedeutung zu erfassen.«
‘Abdu’l-Bahá fügte dann hinzu: »Aber vor Gottes Antlitz ist das Geschlecht nicht von Bedeutung. Wer Gott am nächsten ist, der oder die ist am größten.«
Als ‘Abdu’l-Bahá eines Morgens den Raum betrat, schaute Er sich um und sagte: »Unser Beisammensein ist wie ein Wunder. Nichts Rassisches, Politisches oder Patriotisches verbindet uns. Die Worte Bahá’u’lláhs führen uns zusammen, und genau so werden alle Rassen auf Erden vereint werden. Seid dessen sicher!«
Ein wahrer Bahá’í (2)
»Ich habe vorher noch nie von Bahá’u’lláh gehört«, sagte ein junger Mann. »Erst vor kurzem habe ich etwas über diese Bewegung gelesen. Ich halte das Anliegen ‘Abdu’l-Bahás jedoch für richtig und möchte gerne zu seinen Anhängern gehören. Ich habe immer daran geglaubt, dass Brüderlichkeit unter den Menschen die beste Lösung ist für alle unsere nationalen und internationalen Probleme.«
»Ob Sie jemals von Bahá’u’lláh gehört haben, ist nicht entscheidend«, war die Antwort. »Der Mensch, der nach den Lehren Bahá’u’lláhs lebt, ist schon ein Bahá’í. Andererseits kann jemand sich fünfzig Jahre lang Bahá’í nennen; wenn er aber nicht das Leben eines Bahá’í führt, dann ist er kein Bahá’í. Ein hässlicher Mensch mag sich selbst schön nennen, aber er täuscht niemanden, und ein Schwarzer mag sich selbst weiß nennen, doch auch er vermag niemanden zu täuschen, nicht einmal sich selbst.«
Der künftige Friede
»Durch welche Schritte«, fuhr der Fragende fort, »wird dieser Friede auf Erden errichtet? Wird er plötzlich nach einer weltweiten Verkündung der Wahrheit kommen?«
»Nein, er wird schrittweise erreicht,« sagte ‘Abdu’l-Bahá. »Eine Pflanze, die zu schnell wächst, lebt nur kurze Zeit. Ihr seid meine Familie«, und Er sah mit einem Lächeln um sich, »meine neuen Kinder! Wenn eine Familie in Einklang lebt, werden große Ergebnisse erzielt. Zieht einen größeren Kreis: Wenn eine Stadt in inniger Eintracht lebt, werden größere Ergebnisse die Folge sein, und ein völlig geeinter Erdteil wird ebenso alle anderen Erdteile einen. Dann ist die Zeit der größten Ergebnisse gekommen, denn alle Bewohner der Erde gehören zu einem Heimatland.«
Das reine Herz
Als ‘Abdu’l-Bahá gefragt wurde, was unter einem reinen Herzen zu verstehen sei, sagte Er:
»Das ist ein reines Herz, das sich vom Selbst gänzlich getrennt hat. Selbstlos sein bedeutet rein sein.«
Wahre Geistigkeit
Eines Morgens traf ‘Abdu’l-Bahá mit der Gruppe von Suchern zusammen und begann unvermittelt mit einer Rede:
»Gelobt sei Gott! Dieses Jahrhundert ist ein wunderbares Jahrhundert! Möge die Liebe Tag für Tag zunehmen. Möge sie Funken schlagen, um die Kerze im Dunkeln anzuzünden – wie ein Geschenk und eine Gnade von Gott.
Wisset, o ihr Einsichtigen, dass wahre Geistigkeit wie ein See voll klaren Wassers ist, der das Göttliche widerspiegelt. Die Geistigkeit Christi war von dieser Art. Es gibt noch eine andere Art, die einer Luftspiegelung gleicht und geistig zu sein scheint, es aber nicht ist. Das wahrhaft Geistige muss den Pfad zu Gott erhellen und sich in Taten äußern. Wir können der Aufforderung zur Geistigkeit nicht glauben, wenn keine Ergebnisse vorliegen. Der Geist ist eine Wirklichkeit, und wenn der Geist in jedem von uns sich mit der Erhabenen Wirklichkeit zu vereinen sucht, muss er seinerseits Leben spenden. Zur Zeit Christi waren die Juden tot, ohne wahres Leben, und Jesus blies in Wirklichkeit neuen Odem in ihre Leiber. Schaut, was seither vollbracht wurde!«
Wissen muss zu Taten führen
Der Vertreter einer bekannten Vereinigung sprach von deren Zusammenkünften, die das Erforschen des Wesens der Wahrheit zum Ziele hätten. ‘Abdu’l-Bahá sagte:
»Ich kenne Ihre Arbeit. Ich schätze sie sehr. Ich weiß, dass Sie den Menschen dienen und die Menschheit unter dem Banner der Einheit versammeln möchten. Aber Ihre Mitglieder müssen auf der Hut sein, dass sie es nicht bei Worten bewenden lassen. Schauen Sie sich um! Wie viele Komitees wurden schon gebildet, bestanden kurze Zeit und verschwanden wieder! Komitees und Gesellschaften können weder Lebenskraft schaffen noch spenden.
Die Menschen kommen zusammen und reden, aber nur das Wort Gottes erzielt einflussreiche Ergebnisse. Denken Sie kurz nach: Sie würden keinen Handel treiben, wenn Sie davon kein Einkommen hätten und keinen Nutzen! Betrachten Sie die Anhänger Christi. Sie verdankten ihre Kraft ihrem Eifer und ihren Werken. Jede Leistung muss ein Ergebnis einbringen, sonst war sie keine wirkliche Leistung. Sie müssen zum Werkzeug für die Erleuchtung der Menschenwelt werden. Das ist der untrüglich sichtbare Beweis. Jeder Fortschritt hängt von zwei Faktoren ab: von Wissen und Handeln. Erwerben Sie zuerst Wissen, und wenn Sie Gewissheit erlangt haben, setzen Sie es in Taten um.
Einmal kam ein Gelehrter angereist, um mich zu besuchen und meinen Segen zu empfangen. Er sagte, er kenne die Bahá’í-Lehren und habe sie völlig verstanden. Als ich ihm sagte, er könne die Segnungen des Heiligen Geistes jederzeit empfangen, wenn er sich in eine aufnahmebereite Haltung versetze, um sie entgegenzunehmen, meinte er, er sei immer aufnahmebereit.
›Was würden Sie tun‹, fragte ich, ›wenn ich mich plötzlich umdrehen und Sie schlagen würde?‹ Er brauste augenblicklich empört auf und lief ärgerlich im Zimmer umher.
Nach kurzer Zeit trat ich auf ihn zu, ergriff seinen Arm und sagte: ›Aber Sie müssen Böses mit Gutem vergelten. Ob von mir geehrt oder verachtet, sollten Sie die Lehren befolgen. Bis jetzt haben Sie sie nur gelesen. Denken Sie an die Worte Jesu, der gesagt hat: »Die ersten werden die letzten und die letzten werden die ersten sein!«Q9‹. Der Mann wandte sich um, schüttelte mir die Hand und ging, und ich habe seither von vielen guten Taten gehört, die er vollbracht hat.«
Wenn ‘Abdu’l-Bahá mit dem Titel Prophet angesprochen wurde, antwortete Er: »Mein Name ist ‘Abdu’l-Bahá, der Diener Gottes (wörtlich der SklaveA12 der Herrlichkeit).«
Besuch beim Bürgermeister
Auf ausdrücklichen Wunsch des Bürgermeisters ging ‘Abdu’l-Bahá ihn eines frühen Morgens im Rathaus besuchen. Die Unterredung drehte sich hauptsächlich um die soziale Lage in den großen Städten. ‘Abdu’l-Bahá sagte ihm, dass von allen Städten, in denen Er sich aufgehalten habe, London die beste Ordnung aufweise.
Er sagte: »Jeder Mensch auf der Straße bewegt sich so frei, als ob er in seinem eigenen Königreich lebe. In London gibt es ein starkes geistiges Licht. Der Einsatz für die Gerechtigkeit ist aufrichtig, und in diesem Land gilt für die Armen das gleiche Recht wie für die Reichen.«
Mit großem Interesse hörte Er von der Fürsorge, mit der Gefangene nach ihrer Entlassung betreut werden und meinte, gut sei es um ein Land bestellt, wenn die hohen Beamten für das Volk wie Väter seien.
Ehe ‘Abdu’l-Bahá London verließ, ging Er in ein Krankenhaus im East-end und besuchte einen jungen Schriftsteller, der ernstlich erkrankt war, ‘Abdu’l-Bahá aber sehnlichst sehen wollte.
Persönliche Charakterzüge
Wir finden bei ‘Abdu’l-Bahá einen Charakterzug, der bisher nicht hervorgehoben wurde und ohne den jedes Bild von Ihm unvollständig bleibt. Die Seine Erscheinung und Haltung auszeichnende eindrucksvolle Würde wird hie und da von einem feinen, taktvollen Humor aufgelockert, der gleichermaßen unbefangen, ansteckend und köstlich ist.
Am letzten Nachmittag Seines Londoner Aufenthalts kam ein Reporter, der Ihn nach Seinen Zukunftsplänen fragen wollte. Er traf Ihn inmitten einer Schar von Freunden an, die zum Abschiednehmen gekommen waren. Als ‘Abdu’l-Bahá in perfektem Englisch auf seine Fragen mitteilte, Er habe vor, Paris zu besuchen und von dort nach Alexandria weiterzureisen, bekundete der Reporter sein Erstaunen über ‘Abdu’l-Bahás fehlerfreie Aussprache. Da fing ‘Abdu’l-Bahá an, im von Blumenduft erfüllten Empfangszimmer mit großen Schritten auf und ab zu schreiten, wobei Sein orientalisches Gewand in eigenartigem Kontrast zu Seiner modernen Umgebung stand, und rezitierte zur Erheiterung der ganzen Gesellschaft eine Reihe komplizierter englischer Ausdrücke. »Sehr schwierige englische Wörter spreche ich da!« endete Er lachend. Im nächsten Augenblick war Er wieder ganz ernst und zeigte, dass Er den behutsamen Übergang von der Ernsthaftigkeit zur Fröhlichkeit und umgekehrt vorzüglich beherrschte.
Er hatte Vorkehrungen getroffen, damit niemand abgewiesen werde. Und doch hatte ein Mann zweimal erfolglos versucht, in Seine Gegenwart zu gelangen. Er war durch irgendwelche Versehen daran gehindert worden und hatte daraufhin einen herzzerreißenden Brief geschrieben, der ausdrückte, dass er sich zurückgewiesen fühle und den der persische Dolmetscher nun übersetzte. ‘Abdu’l-Bahá warf sogleich Seinen Umhang über und sagte, zur Tür gewandt, mit unbeschreiblicher Traurigkeit: »Einer meiner Freunde wurde gepeinigt und ich bin tief betrübt. Ich gehe alleine aus«, und stürmte die Treppe hinunter. Hier konnte man erkennen, wie gut der Titel ›Meister‹ zu Ihm passte.
Ein anderer Seiner Charakterzüge, den niemand vergessen konnte, der Ihn je sah, war Sein Umgang mit Kindern, die man zu Ihm brachte. Er hielt viele Seiner Ansprachen, während Er seinen Arm um eines der Kinder gelegt hatte.
Ständig ermahnte Er die Eltern: »Lassen Sie dieses Kind eine gute Erziehung genießen. Bemühen Sie sich bis zum Äußersten, ihm das Beste zuteilwerden zu lassen, das Sie sich leisten können, damit es sich der Vorteile dieses ruhmreichen Zeitalters erfreuen kann. Tun Sie alles Ihnen Mögliche, um die ihm innewohnende Geistigkeit zu fördern.«
Ein junger Mann, der die Gegenwart ‘Abdu’l-Bahás aufsuchte, spürte das Ihm eigene väterliche Mitgefühl. Als er die Liebe zu ‘Abdu’l-Bahá, die er und alle hegten, zur Sprache brachte, war die Antwort: »Ich weiß, dass Du mich liebst, ich sehe es Dir an. Ich werde für Dich beten, damit Du standhaft bleiben, der Sache dienen und ein wahrer Diener Bahá’u’lláhs werden mögest. Obwohl ich abreise, werde ich immer bei euch allen sein.« Er sprach diese Worte mit tiefem, liebevollem Mitgefühl und Verständnis für Schwierigkeiten. Während der kurzen Augenblicke dieses kleinen Gesprächs hielt ‘Abdu’l-Bahá die Hände Seines Gesprächspartners und streichelte sie, und am Ende nahm Er dessen Kopf, drehte ihn mit sanfter Gebärde zu sich und küsste den jungen Mann, der spürte, dass er einen Vater und Freund gefunden hatte, auf die Stirn.
Der Abschied
An ‘Abdu’l-Bahás letztem Morgen in London versammelten sich viele Freunde in Cadogan Gardens und am Bahnhof, um Ihm Lebewohl zu sagen. Noch im Haus führte ein Zoroastrier (ein Arzt) eine eindrucksvolle, interessante Zeremonie durch. Er sandte ein sorgsam formuliertes Telegramm an einige Pársí in Bombay, das lautete: »Die Fackel der Wahrheit wurde von ‘Abdu’l-Bahá erneut im Osten wie im Westen entzündet.« Im Auftrag seiner Brüder hatte dieser Anhänger einer der ältesten Religionen der Welt das geweihte Öl aus einem seltenen Duftstoff mitgebracht. Damit salbte er ‘Abdu’l-Bahá Stirn und Brust und strich sodann den Anwesenden über die Hände. Danach legte er ‘Abdu’l-Bahá einen erlesenen Kranz aus Rosenknospen und Lilien um Hals und Schultern.
Ein letztes kurzes Mal noch sahen die Freunde auf dem Victoria-Bahnhof das Antlitz jener ehrwürdigen Gestalt am Abteilfenster, die mit gütigem Blick voll wunderbarer Zärtlichkeit auf all jene schaute, die sie nun verließ, ehe sie langsam ihrem Blick entschwand.
Auszüge aus einem Interview ‘Abdu’l-Bahás, das Er dem Weekly Budget am 23. September 1911 gab
Erlebnisse aus vierzig Jahren Gefangenschaft
In einer Wohnung in Cadogan Gardens sitzt uns ein geistig erleuchteter Orientale gegenüber, dessen kürzliches Eintreffen in London als die jüngste Verbindung von Ost und West zu bewerten ist.
Die Lehre ‘Abdu’l-Bahás hat bereits tausende Engländer und Engländerinnen mit Orientalen aus allen Teilen des Ostens zusammengeführt. Ohne Rücksicht auf Glaube oder Herkunft, nein, vielmehr durch Grundsätze wie gegenseitige Hilfeleistung, Freundschaft und die Verehrung Gottes taten sie sich mit einer Ernsthaftigkeit und brüderlichen Liebe zusammen, die in denkbarem Gegensatz zu den Theorien gewisser zynischer Poeten und Philosophen steht.
‘Abdu’l-Bahá verbrachte den größten Teil seines Lebens im Osten in Haft, die er frohen Mutes erduldete, statt seinem Glauben abzuschwören. Ein Grundsatz dieses Glaubens ist, dass die Seelen absolut gleichwertig sind und körperliche Verschiedenheiten wie Geschlecht oder Farbe nicht zählen. Er lehnt jede Art von Klasseneinstufungen ab außer der nach Dienstbarkeit und geisterfüllter brüderlicher Liebe. Aufgrund dessen und ähnlicher Lehren wurde er vierzig Jahre lang in der Gefängnisstadt ‘Akká in Palästina gefangen gehalten. Als ich darum bat, mit ihm sprechen zu dürfen, sagte man mir, ich solle früh am Morgen kommen. Also war ich um neun Uhr hier für ein Interview. Für ‘Abdu’l-Bahá war es bereits die Tagesmitte, denn er steht um vier Uhr auf. Er hatte vor seinem Frühstück um halb sieben bereits achtzehn Besucher empfangen.
Im Wohnzimmer warteten Vertreter vieler Sprachen und Nationalitäten auf ihn.
Wir saßen im Kreis mit Blick auf ‘Abdu’l-Bahá. Er erkundigte sich, ob wir ihm Fragen stellen möchten. Ich sagte, mein Herausgeber habe mich geschickt, um etwas über sein Leben als Gefangener zu erfahren. Auf einfache, sachliche Art erzählte ‘Abdu’l-Bahá daraufhin eine der bemerkenswertesten Geschichten, die man sich vorstellen kann.
»Im Alter von neun Jahren begleitete ich meinen Vater, Bahá’u’lláh, auf Seiner Reise ins Exil nach Baghdád, zusammen mit siebzig weiteren Gläubigen. Nach ständiger Verfolgung hatte dieses Verbannungsurteil zum Ziel, in Persien das völlig auszumerzen, was die Regierung für eine höchst gefährliche Religion hielt. Bahá’u’lláh wurde mit Familie und Gefolge verbannt und von Ort zu Ort geschickt. Als ich etwa fünfundzwanzig Jahre alt war, verlegte man uns von Konstantinopel nach Adrianopel und von dort verbrachten sie uns unter militärischer Bewachung in die Festungsstadt ‘Akká, wo wir eingekerkert und streng bewacht wurden.«
Der erste Sommer
»Wir hatten keinerlei Kontakt mit der Außenwelt. Jeder Brotlaib wurde von den Wachen durchgeschnitten, um sicherzustellen, dass keine Nachricht darin steckte. Alle Männer, Frauen und Kinder, die an die Bahá’í-Offenbarung glaubten, wurden mit uns eingekerkert. Wir waren insgesamt einhundertfünfzig Personen in zwei Räumen und niemand durfte diesen Ort verlassen, mit Ausnahme von vieren, die jeden Morgen unter Bewachung zum Bázár einkaufen gingen. Der erste Sommer war schrecklich. ‘Akká ist eine fieberverseuchte Stadt. Man erzählte, dass ein Vogel, der es zu überfliegen versuche, tot herunterfallen würde. Das Essen war erbärmlich und unzureichend, das Wasser kam von einer fieberverseuchten Quelle. Klima und Lebensbedingungen waren so, dass sogar die Einwohner der Stadt erkrankten. Viele Soldaten brachen zusammen und von zehn unserer Wärter starben acht. Während der größten Hitze befiel die Gefangenen Malaria, Typhus und Ruhr, so dass alle, Männer, Frauen und Kinder, gleichzeitig krank waren. Es gab keine Ärzte, keine Arznei, kein geeignetes Essen und keinerlei Behandlung.
Ich kochte immer für alle Suppe, und weil ich viel Übung gewonnen habe, koche ich gut Suppe!« sagte ‘Abdu’l-Bahá lachend.
Bei dieser Gelegenheit erklärte mir einer der Perser, dass ‘Abdu’l-Bahá wegen seiner wunderbaren Geduld, Hilfsbereitschaft und Ausdauer stets ›der Meister‹ genannt wurde. Seine vollkommene Meisterschaft konnte man leicht an seiner völligen Loslösung von Zeit und Raum und sogar von dem, was ein türkisches Gefängnis einem antun konnte, ablesen.
Verbesserte Bedingungen
»Nach zwei Jahren strengster Haft erhielt ich die Erlaubnis, ein Haus zu suchen, so dass wir außerhalb der Gefängnismauern, aber noch innerhalb der Festungswälle wohnen konnten. Viele Gläubige kamen aus Persien, um uns nahe zu sein, aber sie durften es nicht. So vergingen neun Jahre. Mal ging es uns besser, mal schlechter. War der Gouverneur, von dem alles abhing, gerade ein freundlicher, milder Herrscher, gewährte er uns die Erlaubnis zum Verlassen der Festung und den Gläubigen freien Zugang für Besuche in unserem Haus. War der Gouverneur jedoch strenger, wurden wir von Wachen umstellt und die von weit her angereisten Pilger meistens abgewiesen.«
Später erfuhr ich von einem Perser, der in jener Zeit zum Haushalt ‘Abdu’l-Bahás gehörte, die türkische Regierung hätte die Tatsache, dass die englischen und amerikanischen Besucher rein geistige und keine politischen Interessen hatten, einfach nicht glauben können. Diesen Pilgern wurde oft die Erlaubnis verweigert, ihn zu besuchen, und häufig wurde die ganze Reise von Amerika dorthin nur mit einem Blick auf ‘Abdu’l-Bahá an seinem Gefängnisfenster belohnt.
Der Gouverneur glaubte, das Grabmal des Báb, ein beeindruckendes Bauwerk auf dem Berg Karmel, sei eine mit amerikanischen Hilfsgeldern errichtete Festung, die insgeheim mit Waffen und Soldaten bestückt werde. Mit jedem neuen Besucher wuchs dieser Verdacht und hatte weitere Spione und Wachen zur Folge.
‘Abdu’l-Ḥamíds Kommission
»Ein Jahr ehe er seinen Thron verlor, sandte ‘Abdu’l-Ḥamíd eine äußerst hochmütige, hinterhältige, anmaßende Untersuchungskommission. ‘Arif Bey, der Leiter der Kommission, gehörte dem Führungsstab des Gouverneurs an, die anderen drei waren Armeebefehlshaber verschiedener Dienstgrade.
Gleich nach seiner Ankunft begann ‘Arif Bey, mich öffentlich zu denunzieren und bemühte sich um genügend handfeste Beweise als Rechtfertigung dafür, mich nach Fizán zu verbannen oder ins Meer zu werfen. Fizán ist ein Halteplatz für Karawanen am Rande von Tripolis, wo es keine Häuser und kein Wasser gibt. Die Reise dorthin mit dem Kamel dauert von ‘Akká aus einen Monat.
Zweimal befahl mich die Kommission zu sich und wollte hören, was ich zu meiner Verteidigung zu sagen hätte, und zweimal sandte ich die Botschaft zurück: ›Ich kenne Ihre Absicht, ich habe nichts zu sagen.‹
‘Arif Bey war darüber sehr erbost und erklärte, er werde nach Konstantinopel zurückkehren und von dort den Befehl des Sulṭáns mitbringen, wonach ich am Stadttor von ‘Akká erhängt werden sollte. Er und seine Kommission schifften sich ein. Ihr Bericht enthielt die folgenden Anschuldigungen: ‘Abdu’l-Bahá gründet eine neue Nation mit ihm selbst als König; ‘Abdu’l-Bahá hisst das Banner einer neuen Religion; ‘Abdu’l-Bahá hat in Haifa und einem Nachbarort Festungsanlagen gebaut oder deren Bau veranlasst und kauft das ganze umliegende Gelände auf.
Etwa zur selben Zeit lief auf Anordnung des italienischen Konsuls ein italienisches Schiff im Hafen ein. Man hatte geplant, dass ich damit nachts fliehen sollte. Die Bahá’í in ‘Akká beschworen mich, zu gehen, aber ich schickte dem Kapitän folgende Botschaft: ›Der Báb ist nicht geflohen, Bahá’u’lláh ist nicht geflohen, ich werde nicht fliehen.‹ Also lief das Schiff nach drei Tagen und drei Nächten des Wartens wieder aus.
Die Untersuchungskommission des Sulṭáns befand sich noch auf der Heimreise, als bereits die erste Granate in ‘Abdu’l-Ḥamíds Lager einschlug und das erste Freiheitsgeschütz seine Salven in den Wohnsitz des Despoten feuerte. Das war die Kanone Gottes«, sagte ‘Abdu’l-Bahá – wie so manchmal mit einem geheimnisvollen Lächeln.
»Als die Kommission in der türkischen Hauptstadt ankam, musste sie sich mit dringenderen Problemen befassen. In der Stadt herrschten Aufruhr und Rebellion. Da sie aus Regierungsmitgliedern bestand, wurde die Kommission beauftragt, die Revolte zu untersuchen. Währenddessen errichtete das Volk eine konstitutionelle Regierung und ‘Abdu’l-Ḥamíd verlor jede Möglichkeit, tätig zu werden.«
Die Befreiung
»Mit dem Beginn der Jungtürkischen Herrschaft, die vom Komitee für Einheit und Fortschritt getragen wurde, kamen alle politischen Gefangenen des Osmanischen Reiches frei. Der Lauf der Ereignisse nahm meinem Nacken die Ketten ab und legte sie um den von Ḥamíd. ‘Abdu’l-Bahá kam aus dem Gefängnis heraus und ‘Abdu’l-Ḥamíd ging hinein!«
Jemand fragte: »Was wurde aus der Kommission?« und brach damit das tiefe Schweigen nach der Schilderung dieser packenden Chronik. »‘Arif Bey«, fuhr ‘Abdu’l-Bahá fort, »wurde mit drei Kugeln erschossen, der General verbannt, der Rangnächste starb und der Dritte floh nach Kairo, wo er bei den Bahá’í um Hilfe bat und sie bekam.«
»Würden Sie uns schildern, wie Sie sich in Ihrer Gefängniszeit fühlten und wie Sie nun Ihre Freiheit empfinden?« fragte ich. »Wir sind froh, dass Sie jetzt frei sind.«
»Danke«, sagte er auf liebenswürdige Weise und fuhr fort:
»Freiheit ist nicht eine Frage des Ortes, sondern des Zustandes. Ich war dankbar für diese Gefangenschaft und mit dem Mangel an Freiheit ganz zufrieden, denn ich konnte jene Zeit auf dem Pfade des Dienens verbringen – unter größten Schwierigkeiten und Prüfungen, die aber Früchte und Ergebnisse zeitigten.
Solange man harte Schicksalsschläge nicht annimmt, erreicht man nichts. Für mich bedeutet das Gefängnis Freiheit, Probleme sind eine Erholung, Tod ist Leben und verachtet zu werden ist eine Ehre. Ich war diese ganzen Jahre im Gefängnis glücklich. Aus dem Gefängnis des Selbstes befreit zu sein, das ist wahre Freiheit, denn das Selbst ist das größere Gefängnis. Wenn diese Befreiung gelingt, kann man, von außen betrachtet, nicht gefangen sein. Sollten sie meine Füße in den Stock legen, würde ich zum Wächter sagen: ›Ihr könnt mich nicht einkerkern, weil ich hier immerhin Licht und Luft und Brot und Wasser habe. Die Zeit wird kommen, wenn mein Körper in der Erde ruhen und ich weder Licht noch Luft noch Nahrung noch Wasser haben werde. Aber selbst dann werde ich nicht eingesperrt sein!‹ Das Elend, das die Menschheit manchmal heimsucht, führt dazu, dass sich Denken und Fühlen ganz um die Eingrenzungen drehen und das ist ein wirkliches Gefangensein. Frei wird, wer den Willen zu einem Tor macht, das die Bestätigungen des Geistes in Erscheinung treten lässt.«
Diese Darstellung hörte sich an wie die Theologie von einst, so dass das Moderne in mir zu zweifeln begann, ob eine bestimmte Fähigkeit durch angestrengtes Bemühen kompensierbar ist. »Was verstehen Sie unter den Bestätigungen des Geistes?«
»Die Bestätigungen des Geistes sind all jene Kräfte und Begabungen, die manchen angeboren sind (und die manchmal ›genial‹ genannt werden), um die aber andere sich ungeheuer mühen müssen. Sie fallen jenen zu, Mann oder Frau, die ihr Leben mit strahlender Ergebenheit annehmen.«
Strahlende Ergebenheit – das also war die Fähigkeit, die uns alle plötzlich zu inspirieren schien, während ‘Abdu’l-Bahá sich von uns verabschiedete.
Es war eine bemerkenswerte Erfahrung, von jemandem, der vierzig Jahre lang Gefangenschaft auf sich genommen hatte, zu hören: »Es gibt kein Gefängnis außer dem Gefängnis des Selbstes«, und man wurde sich dessen im Innern bewusst, als dieser weiß gekleidete Bote aus dem Osten deutlich den Weg zeigte: – nicht auf dem ›Entsagung‹ genannten Pfad, sondern durch ›Losgelöstsein‹. Strahlende Ergebenheit – das ist der sich deutlich abzeichnende Weg aus dem »größeren Gefängnis des Selbstes«, wie ‘Abdu’l-Bahá so treffend jene Barrieren nennt, die uns an unserer geistigen Erfüllung hindern.
Isabel Fraser
Ein liebevoller Abschiedsgruß
Nachdem ‘Abdu’l-Bahá London verlassen hatte, sandte Er während Seines zweimonatigen Aufenthaltes in Paris immer wieder Grußbotschaften an Seine Freunde in England. Einige waren herübergekommen, um von den dortigen Zusammenkünften zu profitieren. Am Vorabend Seiner Abreise nach Alexandria hielt Er für die Freunde aus England und Frankreich folgende ermahnende Abschiedsrede:
»Arbeitet für das Zeitalter des Weltfriedens. Strebt ständig nach Einigkeit. Auf dem Pfade des Dienens müssen Wohlwollen und Liebe eure Werkzeuge sein.
Ich verabschiede mich voll Liebe von den Menschen in Frankreich und England. Ich habe Gefallen an ihnen gefunden. Ich rate ihnen, tagtäglich das Band aus Liebe und Freundschaft zu festigen mit dem Ziel, eines Sinnes und wie eine einzige Nation zu werden, sich zu einer Weltbruderschaft auszuweiten, die Interessen und Rechte aller Völker des Ostens zu hüten und zu beschützen, das göttliche Gerechtigkeitsbanner zu entfalten, mit jeder Nation so umzugehen, als sei sie eine Familie aus einzelnen Kindern Gottes, und zu erkennen, dass alle gleich sind, denn wir alle sind Kinder eines Vaters. Gott lebt mit allen Seinen Kindern in Frieden. Warum sollten sie unter einander streiten und Kriege führen? Gott überschüttet uns mit Wohlwollen. Warum sollten die Bewohner dieser Erde zu einander unfreundlich und grausam sein?«
»Des Ewigen Licht möge euch erleuchten. Darum werde ich für euch beten.«
Grüße ‘Abdu’l-Bahás von Paris nach London.
Oktober 1911 Mrs. Enthoven mündlich aufgetragen für alle Freunde und nun aus der Erinnerung aufgeschrieben.
‘Abdu’l-Bahá schickte allen Grüße und bat alle, ihren Glauben weiterhin zu festigen und mutig zu verkünden.
Er sprach oft von der Wonne, die Ihm die Stimmung in England bereitete. Er meinte, das englische Volk habe eine Entschlusskraft und eine Standhaftigkeit, die Ihm gefalle und die Er bewundere. Es war ehrlich und aufrichtig. Beim Inangriffnehmen einer neuen Sache wären sie langsam, aber wenn sie damit begännen, dann, weil ihr Denken und ihr gesunder Menschenverstand ihnen sage, dass es sich um eine vernünftige Sache handele.
Die Engländer haben Ihm als Volk gut gefallen.
»Die Gläubigen«, fügte Er hinzu, »müssen ihren Glauben im täglichen Leben erkennbar machen, so dass die Welt das aus ihren Gesichtern leuchtende Licht sehen kann. Ein strahlendes, glückliches Antlitz erfreut die Menschen, denen wir begegnen. Wenn ihr traurig seid und an einem lachenden Kind vorbeigeht, hört das Kind beim Anblick eures traurigen Gesichtes auf zu lachen, ohne zu wissen warum. An einem trüben Tag wird der dünnste Sonnenstrahl gepriesen. Also sollten die Gläubigen lächelnde, glückliche Gesichter wie Sonnenschein im Finstern haben. Möge das Licht der Wahrheit und Aufrichtigkeit aus ihnen leuchten, damit alle, die sie sehen, erkennen, dass ihr Wort, sei es in der Arbeit oder beim Vergnügen, ein Wort ist, auf das man vertrauen und sich verlassen kann.
Vergesst euer Selbst und wirkt für die ganze Menschheit. Denkt immer daran, dass ihr für die ganze Welt arbeitet, nicht für eine Stadt oder selbst für ein Land, denn wo wir alle Brüder sind, ist auch jedes Land eines jeden Heimatland.
Vor allem aber denkt daran, was Bahá’u’lláh über Klatsch und üble Nachrede lehrt. Geschichten, die über andere weitererzählt werden, sind selten gut. Eine schweigsame Zunge birgt die geringste Gefahr. Sogar das Gute kann schaden, wenn es zur falschen Zeit oder zur falschen Person gesagt wird.«
Zum Schluss ließ ‘Abdu’l-Bahá allen Seine Grüße und Segenswünsche übermitteln und versicherte mir, dass Er ständig an Sie alle denkt und für Sie betet.
Einem Fragesteller gegenüber bemerkte Er:
»Der Anfang jeder großen Religion war rein. Aber die Priester bemächtigten sich der Gemüter der Menschen und füllten sie mit Dogmen und Aberglauben, so dass die Religion allmählich verfälscht wurde. Ich komme nicht, um eine neue Religion zu lehren. Mein einziger Wunsch ist, mit Gottes Hilfe und Gnade den Weg zum Großen Licht zu weisen.«
Wie ein liebevoller Vater bei seinem Sohn klopfte Er dem Herrn auf die Schulter und fuhr fort: »Ich bin kein Prophet, ich bin nur ein Mensch wie Sie!«
Botschaft ‘Abdu’l-Bahás an die Bahá’í in London zum Tag des Bundes
26. November 1911 Mrs. Enthoven extra übergeben
»Frohe Kunde! Frohe Kunde! Weit offen steht des Gottesreiches Tor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Engelheere schweben aus dem Himmel im Chor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Die Sonne der Wahrheit steigt hoch empor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde!Himmlisches Manna strömt herab und hervor!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Die Posaune ertönt mit hellem Schall!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Das Großer-Friede-Banner weht überall!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Das Licht in der Lampe der Einheit strahlt hell!
Frohe Kunde! Frohe Kunde!Das Feuer der Liebe des Herrn lodert schnell!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Der Heilige Geist wird die Fülle geben!
Frohe Kunde! Frohe Kunde! Denn hier ist ewiges, ewiges Leben!
O ihr Schläfer, wacht auf! O ihr Achtlosen, werdet weise! O Blinder, werde sehend! O Tauber, höre! O Stummer, sprich! O Toter, steh’ auf!
Seid glücklich! Seid glücklich! Seid der Freude voll!
Heute ist der Tag der Verkündigung des Báb! Es ist das Fest des Vorläufers der Gesegneten Schönheit (Bahá’u’lláh). Es ist der Tag des Heraufdämmerns des Morgens der Führung.«
Zweiter Besuch ‘Abdu’l-Bahás in Großbritannien vom 13. Dezember 1912 bis zum 21. Januar 1913
Über das Gebet
97 Cadogan Gardens, London, 26. Dezember 1912
Frage: ́»Sollte Gebet die Form praktischen Handelns annehmen?«
Antwort: »Ja. In der Bahá’í-Religion werden Künste, Wissenschaften und Handwerk als Gottesdienst angesehen. Jemand, der ein Blatt Papier herstellt, gewissenhaft und so gut er kann, der all seine Kräfte auf die Vervollkommnung dieses Papiers verwendet, der preist damit Gott. Kurz, jede Mühe und Anstrengung, die der Mensch mit der ganzen Kraft seines Herzens unternimmt, ist Gottesdienst, sofern es die hehrsten Motive sind und der Wunsch, der Menschheit zu dienen, die ihn antreiben. Gott zu dienen heißt: der Menschheit dienen und sich der Nöte der Menschen annehmen. Dienen ist Gebet. Ein Arzt, der sich voll Sanftmut und Mitgefühl, vorurteilslos und im Glauben an die Zusammengehörigkeit aller Menschen der Kranken annimmt, preist damit Gott.«
Frage: »Was ist der Sinn unseres Daseins?«
Antwort: »Vollkommenheiten zu erwerben. Wir stammen aus der Erde. Warum sind wir vom Mineralreich ins Pflanzenreich übergegangen und vom Pflanzenreich ins Tierreich? Damit wir in jedem dieser Reiche Vollkommenheit erreichen, damit wir uns die besten Eigenschaften der Mineralstoffe aneignen, damit wir die Kraft des Wachstums, wie sie die Natur der Pflanze ausmacht, zu unserer Natur machen, damit wir uns mit den Instinkten der Tierwelt schmücken und über die Kräfte des Sehens, Hörens, Riechens, Tastens und Schmeckens verfügen – bis wir uns aus dem Tierreich ins Menschenreich erheben, wo uns Verstand, Erfindungskraft und die Kräfte des Geistes geschenkt sind.«
Über das Böse
Frage: »Was ist das Böse?«
Antwort: »Das Böse ist die Unvollkommenheit. Sünde ist der Zustand des Menschen in der Welt der niederen Natur, denn in der Natur gibt es Makel wie Ungerechtigkeit, Gewaltherrschaft, Hass, Feindseligkeit und Streit – solches sind die Merkmale der niederen Natur. Dieses sind die Sünden der Welt, die Früchte des Baumes, von dem Adam kostete. Durch Erziehung müssen wir uns von diesen Unvollkommenheiten befreien. Die Propheten Gottes wurden hernieder gesandt und die Heiligen Bücher geschrieben, damit der Mensch befreit werde. So wie der Mensch aus dem Schoße seiner irdischen Mutter in diese Welt der Unvollkommenheit geboren wurde, wird er durch göttliche Erziehung in die geistige Welt hineingeboren. Wird ein Mensch in die Welt der äußeren Erscheinungen geboren, entdeckt er das Universum, wird er aber aus dieser Welt in die geistige Welt geboren, entdeckt er das Himmelreich.«
Der Fortschritt der Seele
Frage: »Schreitet die Seele in dieser Welt eher durch Leid oder durch Freude fort?«
Antwort: »Seele und Geist des Menschen schreiten fort, wenn er von Leid heimgesucht wird. Je tiefer der Boden gepflügt wird, desto besser wird der Same sprießen und umso reicher die Ernte ausfallen. So wie der Pflug eine tiefe Furche zieht und die Erde von Unkraut und Disteln säubert, so reinigen Leid und Trübsal den Menschen von den Belanglosigkeiten dieses irdischen Lebens, bis er den Zustand völliger Loslösung erreicht. Sein Lebensgefühl hinieden wird dann von göttlicher Glückseligkeit geprägt sein. Man könnte sagen, der Mensch ist unreif; die Hitze des Leidensfeuers wird ihn reifen lassen. Blickt zurück in die Vergangenheit, und ihr werdet sehen, dass die größten Menschen am meisten gelitten haben.«
Frage: »Sollte demnach jemand, der durch Leiderfahrung eine höhere Entwicklungsstufe erreicht hat, Freude fürchten?«
Antwort: »Im Leid wird er zu ewiger Freude gelangen, und nichts wird ihm diese Freude nehmen können. Die Apostel Christi haben gelitten; sie haben ewige Freude gewonnen.«
Frage: »Also ist es unmöglich, ohne Leiderfahrung Glückseligkeit zu erlangen?«
Antwort: »Nur durch Leiderfahrung gewinnt man ewige Glückseligkeit. Wer die Ebene der Selbstaufopferung erreicht hat, ist im Besitze wahrer Freude. Weltliche Freude vergeht.«
Frage: »Ist die Seele eines Verstorbenen imstande, zu einem noch hier Lebenden zu sprechen?«
Antwort: »Ein solches Gespräch ist möglich, aber es ist nicht von der Art unserer Gespräche. Zweifellos beeinflussen die Kräfte der höheren Welten die Kräfte unserer Ebene. Des Menschen Herz ist ein offener Kanal für Inspiration; dies versteht man unter geistiger Kommunikation. So wie man sich im Traum mit einem Freund unterhält, obwohl der Mund nicht spricht, so verhält es sich mit einem geistigen Gespräch. Jemand kann sich an sein eigenes Selbst wenden und es fragen: ›Soll ich dies tun? Ist es ratsam für mich, dieses Vorhaben zu beginnen?‹ Solcher Art ist das Gespräch mit dem höheren Selbst.«
Die vier Arten der Liebe
97 Cadogan Gardens, London, 4. Januar 1913
»Was für eine Macht ist doch die Liebe! Sie ist die wunderbarste, die größte aller Lebenskräfte.
Die Liebe gibt dem Leblosen das Leben; sie entzündet eine Flamme in erkalteten Herzen. Die Liebe gibt dem Hoffnungslosen Hoffnung und macht leidgeprüfte Herzen froh.
In der Welt des Seins gibt es wahrlich keine größere Macht als die der Liebe. Wenn des Menschen Herz im Feuer der Liebe erglüht, ist er bereit, alles zu opfern, sogar sein Leben. Im Evangelium wird gesagt, dass Gott die Liebe ist.
Es gibt vier Arten der Liebe. Die erste ist die Liebe, die von Gott zum Menschen strömt. Sie besteht in Seinen unerschöpflichen Gunstbeweisen, in der göttlichen Ausstrahlung und in himmlischer Erleuchtung. Durch diese Liebe erhält die Welt des Seins Leben. Durch sie empfängt der Mensch die Gabe des körperlichen Seins, bis er durch den Odem des Heiligen Geistes – dieselbe Liebe – ewiges Leben erlangt und das Ebenbild des lebendigen Gottes wird. Diese Liebe ist der Ursprung aller Liebe in der Welt der Schöpfung.
Die zweite Art der Liebe strömt vom Menschen zu Gott. Dies ist Glaube, Hingezogensein zum Göttlichen, Entflammtsein, Fortschritt, Eintritt in das Reich Gottes. So empfängt man Gottes Güte und die Erleuchtung vom Lichte des Königreichs. Diese Liebe ist der Urgrund aller Liebe zur Menschheit. Sie lässt die Sonnenstrahlen der Wahrheit in den Herzen der Menschen aufleuchten.
Die dritte Art ist die Liebe Gottes zu Gott oder zur Einzigkeit Gottes. Das ist das Übergehen Seiner Schönheit in die Schöpfung, das Widerstrahlen Seiner Selbst im Spiegel aller Kreatur. Das ist die Wirklichkeit der Liebe, die ursprüngliche, die ewige Liebe. Auf einem Strahl dieser Liebe gründet sich jede andere.
Die vierte Art ist die Liebe von Mensch zu Mensch. Die Liebe, die zwischen den Herzen der Gläubigen besteht, geht aus dem Ideal der geistigen Einheit hervor. Diese Liebe wird durch das Wissen um Gott erreicht, so dass man erkennt, wie die göttliche Liebe im Herzen aufleuchtet. Jeder sieht in der Seele des anderen einen Spiegel der Schönheit Gottes. Und hat er diesen Grad der Ähnlichkeit entdeckt, fühlt er sich in Liebe zum anderen hingezogen. Diese Liebe wird alle Menschen zu Wogen eines Meeres, zu Sternen eines Firmamentes und zu Früchten eines Baumes machen. Diese Liebe wird wahre Übereinstimmung ermöglichen und den Grundstein zu echter Einigkeit legen.
Aber die Anziehung, die zuweilen Freunde verbindet, ist keine (echte) Liebe, da sie zur Vergänglichkeit verurteilt ist. Sie ist nur ein Strohfeuer. In einem leichten Wind geben die dünneren Bäume nach. Der Ostwind beugt den Baum nach Westen, und dreht der Wind nach Westen, neigt sich der Baum nach Osten. Diese Art der Liebe gründet sich auf zufällige Gegebenheiten des Lebens. Das ist keine Liebe, sondern lediglich eine Vertrautheit, die dem Wechsel unterworfen ist.
Heute kann man zwei Seelen in scheinbar enger Freundschaft sehen, morgen kann sich dies alles geändert haben. Gestern noch waren sie bereit, füreinander zu sterben, heute meidet einer die Gesellschaft des andern. Das ist keine Liebe, das ist Hingabe des Herzens an die Zufälle des Lebens. Wenn das Moment, welches diese ›Liebe‹ hervorgerufen hat, verschwindet, dann geht auch die Liebe; sie kann also nicht echt sein.
Die Liebe zeigt sich nur in den vier Erscheinungsformen, die ich soeben erklärt habe:
a) die Liebe Gottes gegenüber der Identität Gottes – Christus hat gesagt: ›Gott ist die Liebe.‹
b) die Liebe Gottes zu Seinen Kindern – zu Seinen Dienern,
c) die Liebe des Menschen zu Gott sowie
d) die Liebe der Menschen untereinander. Diese vier Arten haben ihren Ursprung in Gott.
Sie sind die Sonnenstrahlen der Wahrheit, der Odem des Heiligen Geistes, die Zeichen der Wirklichkeit.«
Der Segen der Meditation
Ansprache ‘Abdu’l-Bahás im Versammlungssaal der Freunde, St. Martin’s Lane, London W.C., 12. Januar 1913
»Vor etwa tausend Jahren wurde in Persien eine Gemeinschaft gegründet, welche sich Gesellschaft der Freunde nannte. Die ›Freunde‹ trafen sich zu stiller Begegnung mit dem Allmächtigen.
Sie gliederten die göttliche Philosophie in zwei Arten: Wissen der ersten Art kann durch Unterricht und Studium an Schulen und Universitäten erworben werden. Die zweite Art der Philosophie war die der Illuminaten oder Anhänger des inneren Lichts. Die Lehrstunden für diese Philosophie wurden in aller Stille abgehalten. Man meditierte und wandte das Angesicht der Quelle des Lichts zu; so strahlten von diesem Mittelpunkt des Lichts her die Geheimnisse des Reiches Gottes in den Herzen dieser Menschen wider. Alle theologischen Probleme wurden durch die Kraft der Erleuchtung erhellt.
Die Gesellschaft der Freunde wuchs stark in Persien, und bis zum heutigen Tage bestehen ihre Versammlungen. Ihre Führer schrieben viele Bücher und Episteln. Wenn sie sich in ihrem Versammlungshaus treffen, sitzen sie still in sich versunken da. Der Leiter beginnt mit einem bestimmten Vorschlag und sagt zu den Versammelten: ›Denkt über diese Frage nach!‹ Nachdem sie ihren Geist von allem anderen losgelöst haben, sitzen sie da, denken nach – und nach kurzer Zeit liegt die Antwort klar vor ihnen. Viele verworrene religiöse Fragen sind durch diese Erleuchtung gelöst worden.
Hier einige der großen Fragen, welche sich von den Sonnenstrahlen der Wahrheit auf das menschliche Gemüt ergießen: die Frage nach der Wirklichkeit der menschlichen Seele, nach dem Ursprung der Seele und ihrer Geburt aus dieser Welt in die Welt Gottes, die Frage nach dem Eigenleben der Seele und ihrem Schicksal nach ihrer Trennung vom Körper.
Ebenso denken sie über wissenschaftliche Tagesfragen nach und lösen diese auf gleiche Weise.
Diese Menschen, welche sich ›Anhänger des inneren Lichtes‹ nennen, erreichen ein Höchstmaß an Macht und befreien sich völlig von blinden Dogmen und Nachahmungen. Ihre Mitmenschen verlassen sich auf ihre Erklärungen: Durch sich selbst und in sich ergründen sie alle Geheimnisse.
Wenn sie mit Hilfe des inneren Lichtes eine Lösung finden, nehmen sie diese an, und erklären sie dann; andernfalls liefe es ihrer Überzeugung nach auf blinde Nachahmung hinaus. Sie gehen so weit, über die Natur und das Wesen des Göttlichen, der göttlichen Offenbarung, des Offenbarwerdens der Gottheit in dieser Welt nachzudenken. Alle religiösen und wissenschaftlichen Fragen werden von ihnen durch die Macht des Geistes gelöst.
Bahá’u’lláh sagt, dass in jedem Phänomen ein Zeichen (von Gott) zu finden ist: Das Zeichen des Verstandes ist Kontemplation, und das Zeichen der Kontemplation ist Stille; denn kein Mensch ist imstande, zwei Dinge gleichzeitig zu tun. Er kann nicht zugleich sprechen und meditieren.
Es ist eine Grundtatsache, dass man während des Meditierens mit der eigenen Seele spricht. In diesem Gemütszustand kann man an seine Seele bestimmte Fragen richten, und die Seele gibt Antwort: Das Licht bricht hervor, und die Wirklichkeit enthüllt sich.
Man kann die Bezeichnung ›Mensch‹ keinem Wesen geben, welches diese Fähigkeit der Meditation nicht besitzt. Ohne sie wäre der Mensch ein rein animalisches Wesen, niederer als die wilden Tiere.
Durch die Fähigkeit zu meditieren erlangt der Mensch das ewige Leben. Durch sie empfängt er den Odem des Heiligen Geistes, dessen Gnadengaben sich in Überlegung und Betrachtung kundtun.
Während der Meditation wird die Seele des Menschen unterrichtet und gestärkt, durch Meditation entfalten sich vor seinem Auge Dinge, von denen er zuvor nichts wusste. Durch Meditation erfährt er göttliche Eingebung, durch sie empfängt er himmlische Nahrung.
Meditation ist der Schlüssel zu den Toren der Geheimnisse. In diesem Zustand abstrahiert sich der Mensch: Er zieht sich von allen außenstehenden Objekten zurück; in dieser subjektiven Haltung versinkt er im Ozean geistigen Lebens und kann die Geheimnisse der Dinge an sich enthüllen. Um dies zu erläutern, muss man sich den Menschen als ein Wesen vorstellen, das mit zweierlei Sehvermögen begabt ist. Wenn die Kraft des inneren Auges gebraucht wird, kann das äußere nicht sehen.
Die Fähigkeit zu meditieren befreit den Menschen von der animalischen Natur, geht der Wirklichkeit der Dinge auf den Grund und verbindet den Menschen mit Gott.
Künste und Wissenschaften bringt diese Fähigkeit aus dem Bereich des Unsichtbaren hervor. Erfindungen werden durch sie ermöglicht, gewaltige Unternehmungen ins Leben gerufen. Durch sie können Regierungen reibungslos ihren Aufgaben nachkommen. Durch diese Fähigkeit findet der Mensch Zugang zum Reiche Gottes.
Es gibt Gedanken, die für den Menschen nutzlos sind: Sie gleichen Meereswogen, welche branden, ohne dass etwas geschieht. Aber wenn die Fähigkeit des Meditierens vom inneren Licht durchdrungen und mit göttlichen Attributen gekennzeichnet ist, werden die Ergebnisse Bestätigung finden.
Meditation gleicht einem Spiegel; stellt man ihn vor irdische Gegenstände, wird er diese widerspiegeln. Denkt daher der menschliche Geist über irdische Dinge nach, so erhält er von diesen Kenntnis.
Aber wenn ihr den Spiegel eurer Seelen gen Himmel wendet, werden himmlische Bildnisse und die Strahlen der Sonne der Wirklichkeit aus euren Herzen wiedergegeben und zurückgestrahlt, und ihr erlangt die Tugenden des Gottesreiches.
Deshalb wollen wir diese Fähigkeit auf die richtige Bahn lenken: zur himmlischen Sonne, nicht zu irdischen Dingen, – auf dass wir die Geheimnisse des Reiches Gottes entdecken und die biblischen Gleichnisse, die Mysterien des Geistes begreifen.
Lasst uns zu Spiegeln werden, welche die himmlische Wirklichkeit ausstrahlen, so rein, dass die Sterne des Himmels aus uns leuchten.«
Quellenangaben
Q1 vgl. 2 Kor. 3:18 – Anm. d. Hrsg.
Q2 vgl. Jes. 53:11; siehe besonders die Luther-Übersetzung (Anm. d. Übers.).
Q3 Auch zitiert in: Shoghi Effendi, Weltordnung Bahá’u’lláhs 3:29 – Anm. d. Hrsg.
Q4 Qur’án 67:3 – Anm. d. Hrsg.
Q5 vgl. Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 8:56; 11:5, Ährenlese 112:1; 132:3 sowie Brief an den Sohn des Wolfes 1:19 – Anm. d. Hrsg.
Q6 vgl. Mk. 10:23, Mt. 19:24, Lk. 18:24 (Anm. d. Übers.).
Q7 vgl. Lk. 10:20 – Anm. d. Hrsg.
Q8 Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 113: »Bei Krankheit wendet euch an fähige Ärzte.« (Anm. d. Übers.).
Q9 vgl. Mt. 19:30, 20:16 – Anm. d. Hrsg.
Anmerkungen
A1 Diese Ansprache erschien am 13. September 1911 in The Christian Commonwealth und wurde hier mit freundlicher Genehmigung des Verlags abgedruckt. ‘Abdu’l-Bahá sprach von der Kanzel des City Temple auf Persisch. Die Übersetzung ins Englische wurde der Gemeinde dann von Mr. W. Tudor-Pole vorgelesen.
A2 d.i. der Apostel Johannes (Anm. d. Übers.).
A3 ‘Akká (Anm. d. Übers.).
A4 Gelasius I., Pontifikat 492–496 (Anm. d. Übers.).
A5 vgl. Bahá’u’lláh, Questions and Answers in: Kitáb-i-Aqdas 3:3:2 »Wahrlich, wir wollen alle an Gottes Willen festhalten« – Anm. d. Hrsg.
A6 Kol. 1:28: »Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit.« (Anm. d. Übers.).
A7 Deutlicher angesprochen ist dies in den Sendschreiben Bishárát und Lawḥ-i-Maqṣúd (Botschaften aus ‘Akká 3:4; 11:8) (Anm. d. Übers.).
A8 Brooklands, außerhalb von Byfleet gelegen, ist die erste, 1907 erbaute Auto- und Motorradrennstrecke der Welt. Im selben Areal lag das erste britische Flugfeld, der Beginn der britischen Luftfahrtgeschichte. (Anm. d. Übers.).
A9 Nach spätantiker Geschichtsschreibung Septimus Odaenathus, der 261 mit römischer Duldung als ›Aufrichter des ganzen Ostens‹ den Schutz des Ostens übernahm und sein Reich über Syrien, Mesopotanien und Kilikien ausdehnte und nach Feldzügen gegen den persischen König Schapur 267 einem Attentat zum Opfer fiel (bzw. nach anderer Quelle in einer Schlacht fiel). (Anm. d. Übers.).
A10 Zenobia (arabisch: Zinab, syrisch/aramäisch: Bathzabbai) war eine aus einer romanisierten Familie stammende Araberin, hieß romanisiert zunächst Aurelia, nannte sich nach ihrer Regierungsübernahme Septimia und nach der Eroberung Ägyptens 270 ›Königin der Könige‹. Sie wird als äußerst gebildet, schön und tatkräftig geschildert, richtete sich in Kleidung und beim Hofzeremoniell nach persischen Vorbildern und pflegte intensive Kontakte zum Bischof von Antiochia, dem neuplatonischen Philosophen Longinus und Manichäern. Als sie sich ca. 272 ›Augusta‹ (Kaiserin) nannte und die Autonomie Palmyras signalisierte, provozierte dies den Feldzug des römischen Kaisers gegen sie. (Anm. d. Übers.).
A11 Aurelian (214–275) (Anm. d. Übers.).
A12 Vergleiche aus einem Brief an die Freunde in New York vom 1. Januar 1907: »Mein Name ist ‘Abdu’l-Bahá. Mein Wesen ist ‘Abdu’l-Bahá, und der Dienst an der Menschheit ist meine immerwährende Religion… ‘Abdu’l-Bahá ist das Banner des Größten Friedens… Der Herold des Reiches Gottes ist er, auf dass er die Menschen in Ost und West wachrüttele. Die Stimme der Freundschaft, der Wahrheit und der Versöhnung ist er, der alle Regionen belebt. Keinen Namen, keinen Titel will er jemals tragen außer ‘Abdu’l-Bahá. Das ist mein sehnlichster Wunsch. Das ist mein größter Stolz. O ihr Freunde Gottes! ‘Abdu’l-Bahá ist die Verkörperung des Dienens und nicht Christus. Der Diener der Menschheit ist er, nicht ihr Oberhaupt. Ruft die Menschen zur Stufe der Dienstbarkeit ‘Abdu’l-Bahás und nicht ihn in das Amt des Messias.« [Vgl. auch: Shoghi Effendi, Die Weltordnung Bahá’u’lláhs 6:90].
Source: Bahá'í Library Online (bahai-library.com), curated by Jonah Winters. Used by permission of the curator. Original citation: Abdu'l-Bahá, Abdu'l-Baha in London, London: Bahá'í Publishing Trust, 1982, bahai-library.com.
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'Abdu'l-Bahá in London
Abdu'l-Bahá
London: Bahá'í Publishing Trust, 1982
Contents
Introduction, by Eric Hammond
The City Temple: Introduction
Inscription in the Old Bible; Written by 'Abdu'l-Bahá in Persian
Address given by 'Abdu'l-Bahá at the City Temple; Sunday, September 10th, 1911
St. John's Westminster: Introduction
Discourse of 'Abdu'l-Bahá at St. John's, Westminster; September 17th, 1911
Theosophical Society: Introduction
Discourse of 'Abdu'l-Bahá given at the Theosophical Head Quarters; September 30th, 1911
Farewell Reception: Introduction
Meeting of Farewell to 'Abdu'l-Bahá; Reprinted by kind permission, from the Christian Commonwealth of Oct. 4th; September 29th, 1911
Speech of Professor Michael Sadler
Farewell words of 'Abdu'l-Bahá
10 Cheniston Gardens London W; The subjoined notes are taken from "The Quarterly Record of `Higher Thought' Work," November 1911
A Message from 'Abdu'l-Bahá; Written for The Christian Commonwealth and published September 29th, 1911
Discourse given at Miss E. J. Rosenberg's Unity Meeting; September 8th, 1911
Discourse at Mrs. Thornburgh-Cropper's; September 13th, 1911
Discourse by 'Abdu'l-Bahá given at the Unity Meeting of Misses Jack and Herrick; September 22nd, 1911
Notes of Conversations
The Arrival in London
London
Differences
Religion
Discourse to an assembly of Theosophists, 1911
Prejudices
Theosophy
Peace
Divine Manifestations
Buddhism
Faith
Healing
Philanthropic Societies
Man's Comprehension of God and of Higher Worlds
Divine Manifestations
Notes of a conversation with 'Abdu'l-Bahá
Ideals of East and West
Science and Faith
Converse with Departed Persons
Are Superstitions Useful
The Life After Death
Spiritual Relationship
A Bahá'í Wedding
The visit to Bristol
At Byfleet
The Captivity of Man
The Power of God
Inspired Messengers
Education
The Change of Heart
Christ and Bahá'u'lláh
Art
Symbols
Esperanto
Tolstoy
Healing
Death
A True Bahá'í
Spreading the Teaching
At Brooklands
Days in London
Woman's Work
Zenobia
The True Bahá'í
The Coming of Peace
The Pure Heart
True Spirituality
Knowledge must result in Action
Visit to the Lord Mayor
Some Personal Characteristics
The Farewell
SOME OF THE EXPERIENCES OF HIS FORTY YEARS IMPRISONMENT
The First Summer
Better Conditions
'Abdu'l-Hamíd's Committee
The Release
A Loving Farewell Greeting
Greetings by 'Abdu'l-Bahá from Paris to London. October 1911
November 26th, 1911; Message to the London Bahá'ís for the Day of 'Abdu'l-Bahá; Specially given to Mrs. Enthoven
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Introduction
COMPARATIVELY few of the faithful in London or in Paris had been blessed by the ability to journey to 'Akka to see 'Abdu'l-Bahá face to face; to hear his voice; to be fed bodily and spiritually by him in his own proper person. Many longed to behold him, to converse with him, but were prevented by varying difficulties. The steadfast believer who had diligently kept the lamp aflame in England was found able to hint that as the Teacher's fetters had at last been unlocked and his prison gates thrown open, he might gain health and solace by travel; might, indeed, visit his people in the West. To them such joy seemed almost beyond belief and when delay occurred they asked one another doubtfully "Where is the promise of his coming?" The fulfillment of joy came to them with his advent. He arrived in London with the quiet of the Most Great Peace, practically unheralded. The primary and ultimate purpose of his coming was the establishment of the quiescence of that Most Great Peace.
Installed under the roof of one whom he has called his "respected daughter," he was immediately and happily "at home," all the day long and every day, to visitors who thronged to pay him homage and receive his benediction. The atmosphere surrounding him harmonized with the perfect tone of 'Abdu'l-Bahá's own untiring
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courtesy and benevolence. Professors of differing creeds came and were conquered by the charm of his manner and the conviction of his soul. His message of Unity sank deep into the hearts of his listeners, whatever the faith those listeners adhered to.
Many questions were put to him by many persons. His answers, though perhaps handicapped by necessary interpretation, surprised and delighted his hearers. His grip of their thought; his quick and ardent replies, were wondered at and cordially received. Very occasionally he was persuaded to drive through some of the City's teeming streets or into one or other of the parks, aglow with the sunshine of a splendid summer. Occasionally, also, much to the delight and uplifting of the Bahá'ís, he was conveyed to the group-centres. There he delivered discourses, usually brief, but always to the point, bearing directly upon his mission and his message. His voice was always vibrant with the utterances of unity and peace. Only once or twice did he permit himself the pleasure of visiting friends in the country. A typical village within an easy motor drive; a big town in the west--Bristol; at these he found not only hospitable entertainment but very reverent and heedful gatherings. On certain other memorable days 'Abdu'l-Bahá addressed great audiences in places of worship and of social service. The pastor of the City Temple, the Reverend R. J. Campbell, M.A. introduced him, in most kindly words, to an overflowing congregation who heard 'Abdu'l-Bahá with
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intense interest; the address being rendered in English immediately afterwards.
At St. John's Church, Westminster, the venerable Archdeacon Wilberforce, performed a similar office, the congregation, at his desire, kneeling to receive 'Abdu'l-Bahá's blessing. At the Passmore Edwards' Settlement in Tavistock Place, crowded audiences assembled to see and hear.
A profound impression remained in the minds and memories of all sorts and conditions of men and women. The width of 'Abdu'l-Bahá's sympathy proved, in every instance, as helpful as his discrimination and perspicacity in dealing with difficulties whether subtle or obvious. Each person approaching him found himself understood and was astonished and relieved by 'Abdu'l-Bahá's comprehension of religious differences; above all, of religious agreements. By way, sometimes, of brief but masterly monologue; or, at other times, by way of question and reply, themes of individual or universal interest were handled and explained.
Very greatly was 'Abdu'l-Bahá's sojourn in London appreciated; very greatly his departure regretted. He left behind him many, many friends. His love had kindled love. His heart had opened to the West and the Western heart had closed around this patriarchal presence from the East. His words had in them something that appealed not only to their immediate hearers, but to men and women generally. His outlook was so hopeful; his soul so set on the promulgation of the
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principles of unity and peace, that his discourses and his answers could not be permitted to remain unrecorded. This attempt to reproduce them for the benefit of all who will read is made in the sure and certain hope that, by virtue of them, the aim and work of the speaker may be grasped and his endeavour be endorsed by the professors of all creeds, the inhabitants of all climes.
ERIC HAMMOND.
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Public Addresses
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The City Temple: Introduction
ON September 10th, the first Sunday after 'Abdu'l-Bahá's arrival in England, he spoke from the City Temple pulpit to the evening congregation at the special desire of the Pastor, the Reverend R. J. Campbell.
Though 'Abdu'l-Bahá's coming had not been advertised the Church was filled to its utmost capacity. Few that were there will ever forget the sight of that venerable figure clad in his Eastern garb, ascending the pulpit stairs to address a public gathering for the first time in his life. That this should be at a Christian place of worship in the West has its own deep significance. Mr. Campbell introduced the visitor with a few simple words in the course of which he said: "We, as the followers of the Lord Jesus Christ, who is to us and will always be the Light of the World, view with sympathy and respect every movement of the Spirit of God in the experience of mankind, and therefore we give greeting to 'Abdu'l-Bahá in the name of all who share the spirit of our Master, and are trying to live their lives in that Spirit. The Bahá'í Movement is very closely akin to, I think I might say is identical with, the spiritual purpose of Christianity."
Before 'Abdu'l-Bahá left the Church, he wrote in the old Bible used by generations of preachers, the following words in his own native Persian, the translation being added as follows:
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Inscription in the Old Bible
Written by 'Abdu'l-Bahá in Persian
THIS book is the Holy Book of God, of celestial Inspiration. It is the Bible of Salvation, the Noble Gospel. It is the mystery of the Kingdom and its light. It is the Divine Bounty, the sign of the guidance of God.
'Abdu'l-Bahá 'Abbás.
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Address given by 'Abdu'l-Bahá at the City Temple
Sunday, September 10th, 1911
O NOBLE friends; seekers after God! Praise be to God! Today the light of Truth is shining upon the world in its abundance; the breezes of the heavenly garden are blowing throughout all regions; the call of the Kingdom is heard in all lands, and the breath of the Holy Spirit is felt in all hearts that are faithful. The Spirit of God is giving eternal life. In this wonderful age the East is enlightened, the West is fragrant, and everywhere the soul inhales the holy perfume. The sea of the unity of mankind is lifting up its waves with joy, for there is real communication between the hearts and minds of men. The banner of the Holy Spirit is uplifted, and men see it, and are assured with the knowledge that this is a new day.
This is a new cycle of human power. All the horizons of the world are luminous, and the world will become indeed as a garden and a paradise. It is the hour of unity of the sons of men and of the drawing together of all races and all classes. You are loosed from ancient superstitions which have kept men ignorant, destroying the foundation of true humanity.
The gift of God to this enlightened age is the knowledge of the oneness of mankind and of the fundamental oneness of religion. War shall cease
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between nations, and by the will of God the Most Great Peace shall come; the world will be seen as a new world, and all men will live as brothers.
In the days of old an instinct for warfare was developed in the struggle with wild animals; this is no longer necessary; nay, rather, co-operation and mutual understanding are seen to produce the greatest welfare of mankind. Enmity is now the result of prejudice only.
In the Hidden Words Bahá'u'lláh says, "Justice is to be loved above all." Praise be to God, in this country the standard of justice has been raised; a great effort is being made to give all souls an equal and a true place. This is the desire of all noble natures; this is today the teaching for the East and for the West; therefore the East and the West will understand each other and reverence each other, and embrace like long-parted lovers who have found each other.
There is one God; mankind is one; the foundations of religion are one. Let us worship Him, and give praise for all His great Prophets and Messengers who have manifested His brightness and glory.
The blessing of the Eternal One be with you in all its richness, that each soul according to his measure may take freely of Him. Amen.
This Address is printed by kind permission, from The Christian Commonwealth of September 13th, 1911. Spoken by 'Abdu'l-Bahá in Persian from the city Temple pulpit, the above translation was then read to the congregation by Mr. W. Tudor-Pole.
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St. John's Westminster: Introduction
On September 17th, 'Abdu'l-Bahá at the request of the venerable Archdeacon of Westminster addressed the congregation of Saint John the Divine after evening service. With a few warm words characteristic of his whole attitude Archdeacon Wilberforce introduced the revered Messenger from the East, who had crossed seas and countries on his Mission of Peace and Unity for which he had suffered forty years of captivity and persecution. The Archdeacon had the Bishop's chair placed for his Guest on the Chancel steps, and standing beside him read the translation of 'Abdu'l-Bahá's address himself. The Congregation was profoundly moved, and following the Archdeacon's example knelt to receive the blessing of the Servant of God — who stood with extended arms — his wonderful voice rising and falling in the silence with the power of his invocation. As the Archdeacon said: "Truly the East and the West have met in this sacred place tonight." The hymn "O God our help in ages past" was sung by the entire assembly standing, as 'Abdu'l-Bahá and the Archdeacon passed down the aisle to the vestry hand in hand.
Outside the Church, Salvationists were holding their meeting and 'Abdu'l-Bahá was deeply impressed and touched at the sight of the men, women and children gathered together in the night, at the street corner, praying and singing.
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Discourse of 'Abdu'l-Bahá at St. John's, Westminster.
September 17th, 1911.
O NOBLE Friends! O Seekers for the Kingdom of God! Man all over the world is seeking for God. All that exists is God; but the Reality of Divinity is holy above all understanding.
The pictures of Divinity that come to our mind are the product of our fancy; they exist in the realm of our imagination. They are not adequate to the Truth; truth in its essence cannot be put into words.
Divinity cannot by comprehended because it is comprehending.
Man, who has also a real existence, is comprehended by God; therefore, the Divinity which man can understand is partial; it is not complete. Divinity is actual Truth and real existence, and not any representation of it. Divinity itself contains All, and is not contained.
Although the mineral, vegetable, animal and man all have actual being, yet the mineral has no knowledge of the vegetable. It cannot apprehend it. It cannot imagine nor understand it.
It is the same with the vegetable. Any progress it may make, however highly it may become developed, it will never apprehend the animal, nor understand it. It is, so to speak, without news of it. It has no ears, no sight, no understanding.
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It is the same with the animal. However much it may progress in its own kingdom, however refined its feelings may become, it will have no real notion of the world of man or of his special intellectual faculties.
The animal cannot understand the roundness of the earth, nor its motion in space, nor the central position of the sun, nor can it imagine such a thing as the all-pervading ether.
Although the mineral, vegetable, animal and man himself are actual beings, the difference between their kingdoms prevents members of the lower degree from comprehending the essence and nature of those of the superior degree. This being so, how can the temporal and phenomenal comprehend the Lord of Hosts?
It is clear that this is impossible!
But the Essence of Divinity, the Sun of Truth, shines forth upon all horizons and is spreading its rays upon all things. Each creature is the recipient of some portion of that power, and man, who contains the perfection of the mineral, the vegetable and animal, as well as his own distinctive qualities, has become the noblest of created beings. It stands written that he is made in the Image of God. Mysteries that were hidden he discovers; and secrets that were concealed he brings into the light. By Science and by Art he brings hidden powers into the region of the visible world. Man perceives the hidden law in created things and co-operates with it.
Lastly the perfect man, the Prophet, is one who is transfigured, one who has the purity and
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clearness of a perfect mirror — one who reflects the Sun of Truth. Of such a one — of such a Prophet and Messenger — we can say that the Light of Divinity with the heavenly Perfections dwells in him.
If we claim that the sun is seen in the mirror, we do not mean that the sun itself has descended from the holy heights of his heaven and entered into the mirror! This is impossible. The Divine Nature is seen in the Manifestations and its Light and Splendor are visible in extreme glory.
Therefore, men have always been taught and led by the Prophets of God. The Prophets of God are the Mediators of God. All the Prophets and Messengers have come from One Holy Spirit and bear the Message of God, fitted to the age in which they appear. The One Light is in them and they are One with each other. But the Eternal does not become phenomenal; neither can the phenomenal become Eternal.
Saint Paul, the great Apostle, said: "We all, with open face beholding as in a mirror the glory of God, are changed into the same image from glory to glory, as by the Spirit of the Lord."
O GOD the Forgiver! O Heavenly Educator! This assembly is adorned with the mention of thy holy Name. Thy children turn their face towards thy Kingdom, hearts are made happy and souls are comforted.
Merciful God! cause us to repent of our
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shortcomings! Accept us in thy heavenly Kingdom and give unto us an abode where there shall be no error. Give us peace; give us knowledge, and open unto us the gates of thy heaven.
Thou art the Giver of all! Thou art the Forgiver! Thou art the Merciful! Amen.
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Theosophical Society: Introduction
ON September 30th, 'Abdu'l-Bahá met the Theosophical society at their new Headquarters at the express request of their president Mrs. Annie Besant. After a general history of the movement and sympathetic words of welcome by Mr. A. P. Sinnett, 'Abdu'l-Bahá rose and delivered to the crowded assembly an address upon the distinctive notes of the Bahá'í teaching, warmly commending the eagerness of the Society in its search for Truth.
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Discourse of 'Abdu'l-Bahá given at the Theosophical Head Quarters.
September 30th, 1911.
O RESPECTED Assembly! O friends of Truth! The inherent nature of fire is to burn, the inherent nature of electricity is to give light, the inherent nature of the sun is to shine, and the inherent nature of the organic earth is the power of growth.
There is no separation between a thing and its inherent qualities.
It is the inherent nature of things on this earth to change, thus we see around us the change of the seasons. Every spring is followed by a summer and every autumn brings a winter — every day a night and every evening a morning. There is a sequence in all things.
Thus when hatred and animosity, fighting, slaughtering, and great coldness of heart were governing this world, and darkness had overcome the nations, Bahá'u'lláh, like a bright star, rose from the horizon of Persia and shone with the great Light of Guidance, giving heavenly radiance and establishing the new Teaching.
He declared the most human virtues; He manifested the Spiritual powers, and put them into practice in the world around Him.
Firstly: He lays stress on the search for Truth. This is most important, because the people are too easily led by tradition. It is because of this
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that they are often antagonistic to each other, and dispute with one another.
But the manifesting of Truth discovers the darkness and becomes the cause of Oneness of faith and belief: because Truth cannot be two! That is not possible.
Secondly: Bahá'u'lláh taught the Oneness of humanity; that is to say, all the children of men are under the mercy of the Great God. They are the sons of one God; they are trained by God. He has placed the crown of humanity on the head of every one of the servants of God. Therefore all nations and peoples must consider themselves brethren. They are all descendants from Adam. They are the branches, leaves, flowers and fruits of One Tree. They are pearls from one shell. But the children of men are in need of education and civilization, and they require to be polished, till they become bright and shining.
Man and woman both should be educated equally and equally regarded.
It is racial, patriotic, religious and class prejudice, that has been the cause of the destruction of Humanity.
Thirdly: Bahá'u'lláh taught, that Religion is the chief foundation of Love and Unity and the cause of Oneness. If a religion become the cause of hatred and disharmony, it would be better that it should not exist. To be without such a religion is better than to be with it.
Fourthly: Religion and Science are inter-twined with each other and cannot be separated. These are the two wings with which humanity must fly.
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One wing is not enough. Every religion which does not concern itself with Science is mere tradition, and that is not the essential. Therefore science, education and civilization are most important necessities for the full religious life.
Fifthly: The Reality of the divine Religions is one, because the Reality is one and cannot be two. All the prophets are united in their message, and unshaken. They are like the sun; in different seasons they ascend from different rising points on the horizon. Therefore every ancient prophet gave the glad tidings of the future, and every future has accepted the past.
Sixthly: Equality and Brotherhood must be established among all members of mankind. This is according to Justice. The general rights of mankind must be guarded and preserved.
All men must be treated equally. This is inherent in the very nature of humanity.
Seventhly: The arrangements of the circumstances of the people must be such that poverty shall disappear, and that every one as far as possible, according to his position and rank, shall be comfortable. Whilst the nobles and others in high rank are in easy circumstances, the poor also should be able to get their daily food and not be brought to the extremities of hunger.
Eighthly: Bahá'u'lláh declared the coming of the Most Great Peace. All the nations and peoples will come under the shadow of the Tent of the Great Peace and Harmony — that is to say, by general election a Great Board of Arbitration shall be established, to settle all differences and
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quarrels between the Powers; so that disputes shall not end in war.
Ninthly: Bahá'u'lláh taught that hearts must receive the Bounty of the Holy Spirit, so that Spiritual civilization may be established. For material civilization is not adequate for the needs of mankind and cannot be the cause of its happiness. Material civilization is like the body and spiritual civilization is like the soul. Body without soul cannot live.
This is a short summary of the Teachings of Bahá'u'lláh. To establish this Bahá'u'lláh underwent great difficulties and hardships. He was in constant confinement and He suffered great persecution. But in the fortress ('Akká) He reared a spiritual palace and from the darkness of His prison He sent out a great light to the world.
It is the ardent desire of the Bahá'ís to put these teachings into common practice: and they will strive with soul and heart to give up their lives for this purpose, until the heavenly light brightens the whole world of humanity.
I am very happy that I have been able to talk with you in this gathering: and hope that this deep consciousness of mine is acceptable to you.
I pray for you, that you may succeed in your aspirations and that the bounties of the Kingdom may be yours.
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Farewell Reception: Introduction
On the evening of St. Michael's day, a large farewell reception was given to 'Abdu'l-Bahá in the hall of the Passmore Edwards' Settlement, which was filled to its utmost capacity with representative people of every profession, some coming from great distances.
On the platform surrounding 'Abdu'l-Bahá were men of different shades of thought, met to express their sympathy with the work and mission of their great visitor. Professor Michael E. Sadler was in the chair.
The meeting began with the Lord's Prayer spoken by the entire assembly; this was followed by the prayer for Unity of Bahá'u'lláh and a prayer of the fifth Century, ascribed to Pope Gelasius. Professor Sadler then spoke in words that will never be forgotten by those who heard them; and in his address used a quotation from a Universal Prayer, which had been submitted by an earnest Bahá'í to 'Abdu'l-Bahá, the year before in Egypt and which had been completed by him and commended as one that could be used by peoples of all faiths in the East and West.
The Chairman was followed by Sir Richard Stapley, Mr. Eric Hammond, Mr. Claude Montefiore, Mrs. Stannard from Egypt, and others. As 'Abdu'l-Bahá left the hall, the poor people of the neighbourhood, crowded on the
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pavement to see him and an eager-faced little lame girl on crutches was specially brought to him.
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Meeting of Farewell to 'Abdu'l-Bahá.
Reprinted by kind permission, from the Christian Commonwealth of Oct. 4th.
September 29th, 1911.
AT the invitation of Mrs. Thornburgh-Cropper about four hundred and sixty representative people met in the hall of the Passmore Edwards' Settlement, Tavistock Place, last Friday evening to bid farewell to 'Abdu'l-Bahá 'Abbás on the eve of his departure for Paris. Arriving in London on Monday evening, September the fourth, he has spent a happy and busy four weeks in our midst. Except for a brief visit to Bristol last week he remained at 97, Cadogan Gardens. His time was mainly occupied in interviews with people who wish to meet him. These included not a few whose names are household words in this country, and some travelled long distances to see him.
A beautiful spirit prevailed on Friday evening. The atmosphere was very different from that of an ordinary meeting or religious gathering. Everyone present was enriched by the lofty spiritual tone of the proceedings; the notes struck were all in the direction of Brotherhood, Unity, and Peace. While a report of the speeches would give a very inadequate idea of the effect produced, yet they were so well-conceived, so sincere, so exquisitely phrased as to be all worthy of reproduction. Among others Amír Alí Siyyid wrote regretting
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his inability to be present, and Archdeacon Wilberforce sent affectionate greetings.
After the Lord's Prayer and prayers for Unity of Bahá'u'lláh and Gelasius (fifth Century), Professor Michael Sadler spoke as follows: —
Speech of Professor Michael Sadler
We have met together to bid farewell to 'Abdu'l-Bahá, and to thank God for his example and teaching, and for the power of his prayers to bring Light into confused thought, Hope into the place of dread, Faith where doubt was, and into troubled hearts, the Love which overmasters self-seeking and fear.
Though we all, among ourselves, in our devotional allegiance have our own individual loyalties, to all of us 'Abdu'l-Bahá brings, and has brought, a message of Unity, of sympathy and of Peace. He bids us all be real and true in what we profess to believe; and to treasure above everything the Spirit behind the form. With him we bow before the Hidden Name, before that which is of every life the Inner Life! He bids us worship in fearless loyalty to our own faith, but with ever stronger yearning after Union, Brotherhood, and Love; so turning ourselves in Spirit, and with our whole heart, that we may enter more into the mind of God, which is above class, above race, and beyond time.
Professor Sadler concluded with a beautiful prayer of James Martineau.
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Mr. Eric Hammond said the Bahá'í movement stood for unity; one God, one people; a myriad souls manifesting the divine unity, a unity so complete that no difference of colour or creed could possibly differentiate between one Manifestation of God and another, and a sympathy so all-embracing as to include the very lowest, meanest, shabbiest of men; unity, sympathy, brotherhood, leading up to a concord universal. He concluded with a saying of Bahá'u'lláh, that the divine cause of universal good could not be limited to either East or West.
Miss Alice Buckton said we were standing at one of the springtimes of the world, and from that assembly of representatives of thought and work and love, would go out all over the world influences making for unity and brotherhood The complete equality of men and women was one of the chief notes of Bahá'í teaching.
Sir Richard Stapley pointed out that unity must not be sought in the forms and externals of religion, but in the inner spirit. In Persia there had been such an impulse towards real unity as was a rebuke to this so-called Christian country.
Mr. Claude Montefiore, as a Jew, rejoiced in the growth of the spirit of unity, and regarded that meeting as prophetic of the better time to come, and in some sense a fulfillment of the idea expressed by one who fell as a martyr to the Roman Catholic faith, Sir Thomas More, who wrote of the great Church of the Utopians, in which all varieties of creeds gathered together, having a service and liturgy that expressed the
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higher unity, while admitting special loyalties.
Mrs. Stannard dwelt on what that meeting and the sentiments expressed meant to the East, especially to the women, whose condition it was difficult for the West to understand.
Tammaddun'ul-Mulk testified to the unifying effect the Bahá'í movement had had in Persia, and of the wonderful way in which it had spread to America and other countries.
Then 'Abdu'l-Bahá rose to give his farewell address. An impressive figure, the face rather worn but the eyes full of animation, he stood for about fifteen minutes, speaking in soft musical Persian. With hands extended, palms upwards, he closed with a prayer.
Farewell words of 'Abdu'l-Bahá
O NOBLE friends and seekers for the Kingdom of God! About sixty years ago in the time when the fire of war was blazing among the nations of the world, and bloodshed was considered an honour to mankind; in a time when the carnage of thousands stained the earth; when children were rendered fatherless; when fathers were without sons and mothers were spent with weeping; when the darkness of inter-racial hatred and animosity seemed to envelope mankind and blot out the divine light; when the wafting of the holy breath of God seemed to be cut off — in that time Bahá'u'lláh rose like a shining star from the
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horizon of Persia, inspired with the message of Peace and of Brotherhood among men.
He brought the light of guidance to the world; He kindled the fire of love and revealed the great reality of the True Beloved. He sought to destroy the foundations of religious and racial prejudice and of political rivalry.
He likened the world of humanity to a tree, and all the nations to its branches and the people to its leaves, buds and fruits.
His mission was to change ignorant fanaticism into Universal love, to establish in the minds of His followers the basis of the unity of humanity and to bring about in practice the equality of mankind. He declared that all men were equal under the mercy and bounty of God.
Then was the door of the Kingdom set wide and the light of a new heaven on earth revealed unto seeing eyes.
Yet the whole Bahá'u'lláh's life was spent in the midst of great trial and cruel tyranny. In Persia He was thrown into prison, put into chains, and lived constantly under the menace of the sword. He was scorned and scourged.
When He was about thirty years old He was exiled to Baghdád, and from Baghdád to Constantinople, and from there to Adrianople and lastly to the prison of 'Akká.
Yet under chains and from His cell He succeeded in spreading His cause, and uplifting the banner of the oneness of humanity.
Now, God be praised, we see the light of Love shining in the East and in the West; and the tent
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of fellowship is raised in the midst of all the peoples for the drawing together of all hearts and souls.
The call of the Kingdom has been sounded, and the annunciation of the world's need for Universal Peace has enlightened the world's conscience.
My hope is that through the zeal and ardour of the pure of heart, the darkness of hatred and difference will be entirely abolished, and the light of love and unity shall shine; this world shall become a new world; things material shall become the mirror of the divine; human hearts shall meet and embrace each other; the whole world become as a man's native country and the different races be counted as one race.
Then disputes and differences will vanish, and the Divine Beloved be revealed on this earth.
As the East and the West are illumined by one sun, so all races, nations, and creeds shall be seen as the servants of the One God. The whole earth is one home, and all peoples, did they but know it, are bathed in the oneness of God's mercy. God created all. He gives sustenance to all. He guides and trains all under the shadow of his bounty. We must follow the example God Himself gives us, and do away with all disputations and quarrels.
Praise be to God! the signs of friendship are appearing, and as a proof of this I, today, coming from the East, have met in this London of the West with extreme kindness, regard and love, and I am deeply thankful and happy. I shall never forget this time I am spending with you.
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Forty years I endured in a Turkish prison. Then in 1908 the Young Turks "Committee of Union and Progress" shook the gates of despotism and set all prisoners free, myself among them. I pray that blessing may be upon all who work for Union and Progress.
In the future untrue reports will be spread regarding Bahá'u'lláh in order to hinder the spread of Truth. I tell you this, that you may be awake and prepared.
I leave you with prayer that all the beauty of the Kingdom may be yours. In deep regret at our separation, I bid you good-bye.
____________________
The translation of the valedictory having been read by Professor Sadler, 'Abdu'l-Bahá closed the meeting by giving his blessing in undulating rhythmic tones.
By the time these lines appear 'Abdu'l-Bahá 'Abbás will have left our shores, but the memory of his gracious personality is a permanent possession. His influence will be felt for many days to come, and has already done much to promote that union of East and West for which many have long yearned.
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10 Cheniston Gardens London W.
The subjoined notes are taken from "The Quarterly Record of `Higher Thought' Work," November 1911.
ONE of the most interesting and significant events which have taken place, has been the visit of 'Abdu'l-Bahá to London. The Persian Mage whose life, passed in prison, has been spent in promoting peace and unity by the one certain method of aiding individual spiritual development, must in a very real sense have "tasted of the travail of his soul and been satisfied". Not only was he visited privately by nearly every earnest truth-seeker and leader of high thought in London, but his message was made known to thousands who had but dimly heard his name before.
The Higher Thought Centre was well known to 'Abdu'l-Bahá as the place where the Bahá'ís held their weekly meetings under the direction of Miss Rosenberg, and an invitation to the Centre was accepted by him just two days before his departure. Through his interpreter 'Abdu'l-Bahá gave a kindly greeting and a short impressive address, dwelling on the blessedness of such an assembly gathered in a spirit of unity and spiritual aspiration. He concluded with a lowly uttered fervent prayer in his own tongue, and a benediction which all present felt to be very real.
On the following day a message was conveyed to the Centre from 'Abdu'l-Bahá signifying the
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fullest appreciation of all kindness shown to the Bahá'ís, and concluding with these words; "it matters not what name each calls himself — The Great Work is One."
"Christ is ever in the world of existence. He has never disappeared out of it.... Rest assured that Christ is present. The Spiritual beauty we see around us today is from the breathings of Christ."
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A Message from 'Abdu'l-Bahá
Written for The Christian Commonwealth and published September 29th, 1911.
GOD sends Prophets for the education of the people and the progress of mankind. Each such Manifestation of God has raised humanity. They serve the whole world by the bounty of God. The sure proof that they are the Manifestations of God is in the education and progress of the people. The Jews were in the lowest condition of ignorance, and captives under Pharaoh when Moses appeared and raised them to a high state of civilization. Thus was the reign of Solomon brought about and science and art were made known to mankind. Even Greek philosophers became students of Solomon's teaching. Thus was Moses proved to be a Prophet.
After the lapse of time the Israelites deteriorated, and became subject to the Romans and the Greeks. Then the brilliant Star of Jesus rose from the horizon upon the Israelites, brightening the world, until all sects and creeds and nations were taught the beauty of unity. There cannot be any better proof than this that Jesus was the Word of God.
So it was with the Arabian nations who, being uncivilized, were oppressed by the Persian and Greek governments. When the Light of Muhammad shone forth all Arabia was brightened. These oppressed and degraded peoples became enlightened
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and cultured; so much so, indeed, that other nations imbibed Arabian civilization from Arabia. This was the proof of Muhammad's divine mission.
All the teaching of the Prophets is one; one faith; one Divine light shining throughout the world. Now, under the banner of the oneness of humanity all people of all creeds should turn away from prejudice and become friends and believers in all the Prophets. As Christians believe in Moses, so the Jews should believe in Jesus. As the Muhammadans believe in Christ and Moses, so likewise the Jews and the Christians should believe in Muhammad. Then all disputes would disappear, all then would be united. Bahá'u'lláh came for this purpose. He has made the three religions one. He has uplifted the standard of the oneness of faith and the honour of humanity in the centre of the world. Today we must gather round it, and try with heart and soul to bring about the union of mankind.
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Discourse given at Miss E. J. Rosenberg's Unity Meeting.
September 8th, 1911.
PRAISE be to God, that such a meeting of purity and steadfastness is being held in London. The hearts of those present are pure, and are turned towards the Kingdom of God. I hope that all that is contained and established in the Holy books of God may be realized in you. The Messengers of God are the principal and the first teachers. Whenever this world becomes dark, and divided in its opinions and indifferent, God will send one of His Holy Messengers.
Moses came during a time of darkness, when ignorance and childishness prevailed amongst the people, and they were waverers. Moses was the teacher of God; He gave the teachings of holiness and educated the Israelites. He raised up the people from their degradation and caused them to be highly honoured. He taught them Sciences and Arts, trained them in civilization and increased their human virtues. After a while, that which they had thus received from God was lost; the way was prepared for the return of evil qualities, and the world was oppressed by tyranny.
Then again the rumour of the Light of Reality and the breathing of the Holy Spirit became known. The cloud of Bounty showered, the Light of Guidance shone upon the earth. The world put
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on a new garment, the people became a new people, the oneness of humanity was proclaimed. The great unity of thought transformed humanity and created a new world. Again, after a time, all this was forgotten by the people. The teachings of God no longer influenced their lives. His prophecies and commandments became fainter and were finally obliterated from their hearts, and tyranny and thoughtlessness once more prevailed.
Bahá'u'lláh then came and once more renewed the foundation of Faith. He brought back the teachings of God, and the humane practices of the time of Christ. He quenched the thirst of the thirsty, He awakened the careless and called the attention of the heedless to the Divine secrets. He declared the unity of humanity, and spread abroad the teaching of the equality of all men.
Therefore, all of you ought with your hearts and minds to endeavour to win the people with kindness, so that this great Unity may be established, that childish superstitions may pass away, and all may become one.
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Discourse at Mrs. Thornburgh-Cropper's
September 13th, 1911.
'Abdu'l-Bahá said: — Thanks be to God, this is a good meeting. It is very enlightened, it is spiritual.
As a Persian Poet has written: — "The Celestial Universe is so formed that the under world reflects the upper world." That is to say whatever exists in heaven is reflected in this phenomenal world. Now, praise be to God, this meeting of ours is a reflection of the heavenly concourse; it is as though we had taken a mirror and had gazed into it. This reflection from the heavenly concourse we know as love.
As heavenly love exists in the supreme concourse even so it is reflected here. The supreme concourse is filled with the desire for God — thank God, this desire is also here.
Therefore if we say that this meeting is heavenly, it is true. Why? Because we have no other desire except for that which comes from God. We have no other object save the commemoration of God.
Some of the people of the earth desire conquest over others: some of them are longing for rest and ease; others desire a high position; some desire to become famous: — thank God our desire is for spirituality and for union with God.
Now that we are gathered here our wish is to raise the banner of the Unity of God, to spread
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the Light of God, to make the hearts of the people turn to the Kingdom. Therefore I thank God that He is causing us to do this great work.
I pray for all of you, that you may become celestial warriors, that you may everywhere spread the Unity of God and enlighten the East and West, and that you may give to all hearts the love of God. This is my utmost desire, and I pray to God that your desire may be the same.
I am very happy to be with you all. I am pleased with the English King and Government, and with the people.
You may thank God that in this land you are so free. You do not know what lack of freedom there is in the East. When anyone comes to this country he is content.
I wish God's protection for you all. Goodbye to you all.
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Discourse by 'Abdu'l-Bahá given at the
Unity Meeting of Misses Jack and Herrick.
September 22nd, 1911.
IT is a cold and miserable day but as I was anxious to see you I came here. For a man who has love, effort is a rest. He will travel any distance to visit his friends.
Thank God I see you spiritual and at rest; I give you this message from God; that you must be turned toward Him. Praise God that you are near Him! The unworthy things of this world have not deterred you from seeking the world of Spirit. When in harmony with that world, you care not for the things that perish; your desire is for that which never dies and the Kingdom lies open before you. I hope that the teaching of God will spread throughout the world, and will cause all to be united.
In the time of Jesus Christ there was an outpouring of the Light from East to West that brought the people under a heavenly banner and illumined them with divine insight. Western lands have been kindled by the Light of the Christ. I pray earnestly that the Light in this advanced age will so illumine the world that all may rally under the banner of Unity and receive Spiritual education.
Then those problems which cause difference
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among the peoples of the earth will be seen no more, for verily they are not. You are all waves of one sea, mirrors of one reflection.
This day the countries of Europe are at rest; Education has become widespread. The light of liberty is the light of the West, and the intention of government is to work for truth and justice in Western countries. But ever the light of spirituality shines from out of the East. In this age that light has become dimmed; religion has become a matter of form and ceremony and the desire for God's love has been lost.
In very age of great spiritual darkness, a light is kindled in the East. So once again the light of the teachings of God has come unto you. Even as education and progress travel from West to East, so does the spiritual fire travel from East to West.
I hope that the people of the West may be illumined by the light of God; that the Kingdom may come to them, that they may find eternal Life, that the Spirit of God may spread like a fire among them, that they may be baptized with the Water of Life and may find a new birth.
This is my desire; I hope by the will of God, He will cause you to receive it, and will make you happy.
In the same way that you have education and material progress so may the light of God be your portion.
God keep all of you in safety.
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Notes of Conversations
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The Arrival in London
THE evening of his arrival in London, Monday, September 4th, 1911, 'Abdu'l-Bahá said: Heaven has blessed this day. It was said that London should be a place for a great proclamation of the Faith. I was tired when I went on board the steamer, but when I reached London and beheld the faces of the friends my fatigue left me. Your great love refeshes me. I am very pleased with the English friends.
The feeling that existed between the East and the West is changing in the Light of Bahá'u'lláh's teaching. It used to be such that if an Occidental drank from the cup of an Oriental the cup would be considered polluted and would be broken. Now when a Western Bahá'í dines with an Eastern Bahá'í the vessels and the plates that he has used are kept apart and reverenced in his memory. 'Abdu'l-Bahá then gave this historic instance of wonderful brotherly love:
One day some soldiers came to the house of a Bahá'í and demanded that one of the guests should be given up for execution, according to their warrant. The host took his guest's place and died in his stead.
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London
The magnet of your love brought me to this country. My hope is that the Divine Light may shine here, and that the Heavenly Star of Bahá'u'lláh may strengthen you, so that you may be the cause of the oneness of humanity, that you may help to make the darkness of superstition and prejudice disappear and unite all creeds and nations.
This is a brilliant century. Eyes are now open to the beauty of the oneness of humanity, of love and of brotherhood. The darkness of suppression will disappear and the light of unity will shine. We cannot bring love and unity to pass merely by talking of it. Knowledge is not enough. Wealth, science, education are good, we know: but we must also work and study to bring to maturity the fruit of knowledge.
Knowledge is the first step; resolve, the second step; action, its fulfillment, is the third step. To construct a building one must first of all make a plan, then one must have the power (money), then one can build. A society of Unity is formed, that is good — but meetings and discussions are not enough. In Egypt these meetings take place but there is only talk and no result. These meetings here in London are good, the knowledge and the intention are good, but how can there be a result without action? Today the force for Unity is the Holy Spirit of Bahá'u'lláh. He
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manifested this spirit of Unity. Bahá'u'lláh brings East and West together. Go back, search history, you will not find a precedent for this.
Differences
God has created the world as one — the boundaries are marked out by man. God has not divided the lands, but each man has his house and meadow; horses and dogs do not divide the fields into parts. That is why Bahá'u'lláh says: "Let not a man glory in that he loves his country, but that he loves his kind." All are of one family, one race; all are human beings. Differences as to the partition of lands should not be the cause of separation among the people.
One of the great reasons of separation is colour. Look how this prejudice has power in America, for instance. See how they hate one another! Animals do not quarrel because of their colour! Surely man who is so much higher in creation, should not be lower than the animals. Think over this. What ignorance exists! White doves do not quarrel with blue doves because of their colour, but white men fight with dark-coloured men. This racial prejudice is the worst of all.
The Old Testament says that God created man like unto His own image; in the Qur'an it says: "There is no difference in the Creation of God!" Think well, God has created all, cares for all, and all are under His protection. The policy of God is better than our policy. We are not as wise as God!
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Religion
To most men who have not heard the message of this teaching, religion seems an outward form, a pretence, merely a seal of respectability. Some priests are in holy office for no other reason than to gain their living. They themselves do not believe in the religion they pretend to teach. Would these men lay down their lives for their faith? Ask a Christian of this kind to deny Christ in order to save his life, and he will do it.
Ask a Bahá'í to deny any of the great Prophets, to deny his faith or to deny Moses, Muhammad or Christ, and he will say: I would rather die. So a Muhammadan Bahá'í is a better Christian than many so called Christians.
A Bahá'í denies no religion; he accepts the Truth in all, and would die to uphold it. He loves all men as his brothers, of whatever class, of whatever race or nationality, of whatever creed or colour, whether good or bad, rich or poor, beautiful or hideous. He commits no violence; if he is struck he does not return the blow. He calls nothing bad, following the example of the Lord Bahá'u'lláh. As a safeguard against intemperance he does not drink wine or spirits. Bahá'u'lláh has said it is not good for a sane man to take that which will destroy his health and sense.
The religion of God has two aspects in this world. The spiritual (the real) and the formal (the outward). The formal side changes, as man
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changes from age to age. The spiritual side which is the Truth, never changes. The Prophets and Manifestations of God bring always the same teaching; at first men cling to the Truth but after a time they disfigure it. The Truth is distorted by man-made outward forms and material laws. The veil of substance and worldliness is drawn across the reality of Truth.
As Moses and Jesus brought their Message to the people, so Bahá'u'lláh brings the same Message.
Each time God sends a Great One to us we are given new life, but the Truth each Manifestation brings is the same. The Truth never changes but man's vision changes. It is dulled and confused by the complication of outward forms.
The Truth is easy to understand although the outward forms in which it is expressed bewilder the intelligence. As men grow they see the futility of man-made forms and despise them. Therefore many leave the churches, because the latter often emphasize the external only.
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Discourse to an assembly of Theosophists.
London - September, 1911.
THESE are wonderful days! We see an Eastern guest received with love and courtesy in the West. I have been drawn here, in spite of indisposition, by the magnet of your love and sympathy.
Some years ago an Ambassador was sent from Persia to London where he stayed five years. (His name was 'Abdu'l Hasan Khán). When he returned to Persia they asked him to tell them about the English people. He answered: "I do not know the English people, although I have been in London for years I have only met the people of the Court." This man was a great man in Persia, and was sent to England by princes, and yet he did not know the people, although he had lived among them five years. Now, I — long a prisoner, come to England for the first time, and although my visit is so short, I have already met many dear friends, and I can say I know the people. Those I have met are true souls working for peace and unity. — Think what a difference there is between this time we are living in now, and seventy years ago! Think of the progress! the progress towards unity and peace.
It is God's will that the differences between nations should disappear. Those who help on the cause of unity are doing God's work. Unity is the Divine Bounty for this luminous century. Praise
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be to God, there are today many societies and many meetings held for Unity. Enmity is not so much the cause of separation as it used to be; the cause of disunion now is mostly prejudice. For instance, years ago when Europeans visited the East they were considered unclean and were hated. Now it is different: when people of the West visit those in the East who are followers of the New Light, they are received with love and courtesy.
'Abdu'l-Bahá holding a little child close to him said, the true Bahá'í loves the children, because Jesus says they are of the Kingdom of heaven. A simple pure heart is near to God; a child has no worldly ambitions.
Prejudices
The Universal Races Congress was good, for it was intended for the furtherance and progress of unity among all nations and a better international understanding. The purpose was good. The causes of dispute among different nations are always due to one of the following classes of prejudice: racial, lingual, theological, personal, and prejudices of custom and tradition. It requires a universal active force to overcome these differences. A small disease needs a small remedy, but a disease which pervades the whole body needs a very strong remedy. A small lamp may light a room, a larger would light a house, a larger still might shine through the city, but the sun is needed to light the whole world.
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The differences in language cause disunion between nations. There must be one universal language. The diversity in Faiths is also a cause of separation. The true foundation of all faiths must be established, the outer differences abolished. There must be a Oneness of Faith. To end all these differences is a very hard task. The whole world is sick, and needs the power of the Great Healer.
These meetings teach us that Unity is good, and that suppression (slavery under the yoke of tradition and prejudice) is the cause of disunion. To know this is not enough. All knowledge is good, but it can bear no fruit except by action. It is well to know that riches are good, but that knowledge will not make a man rich; he must work, he must put his knowledge into practice. We hope the people realize and know that unity is good, and we also hope that they will not be content to stand still in that knowledge. Do not only say that Unity, Love and Brotherhood are good; you must work for their realization.
The Czar of Russia suggested the Hague Peace Conference and proposed a decrease in armament for all nations. In this Conference it was proved that Peace was beneficial to all countries, and that war destroyed trade, etc. The Czar's words were admirable though after the conference was over he himself was the first to declare war (against Japan).
Knowledge is not enough; we hope by the Love of God we shall put it into practice. A spiritual universal Force is needed for this. Meetings are
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good for engendering spiritual force. To know that it is possible to reach a state of perfection, is good; to march forward on the path is better. We know that to help the poor and to be merciful is good and pleases God, but knowledge alone does not feed the starving man, nor can the poor be warmed by knowledge or words in the bitter winter; we must give the practical help of Loving-kindness.
What of the Peace Congress?
It resembles many drunkards gathered together to protest against the drinking of alcohol. They say drink is horrible and they straightway go out from the house to drink again.
Theosophy
When 'Abdu'l-Bahá was asked if he recognized the good which the Theosophical Society has done. He replied:
I know it; I think a great deal of it. I know that their desire is to serve mankind. I thank this noble Society in the name of all Bahá'ís and for myself. I hope that by God's help these friends will succeed in bringing about love and unity. It is a great work and needs the effort of all the servants of God!
Peace
During the last six thousand years nations have hated one another, it is now time to stop. War must cease. Let us be united and love one another
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and await the result. We know the effects of war are bad. So let us try, as an experiment, peace, and if the results of peace are bad, then we can choose if it would be better to go back to the old state of war! Let us in any case make the experiment. If we see that unity brings Light we shall continue it. For six thousand years we have been walking on the left-hand path; let us walk on the right-hand path now. We have passed many centuries in darkness, let us advance towards the light.
Question. — (It was remarked, Theosophy teaches that truth in all the religions is the same): Does the task of unifying all religions have 'Abdu'l-Bahá's sympathy?
Answer. — Surely.
Question. — Can 'Abdu'l-Bahá suggest any lines on which it could best be worked out?
Answer. — Search for truth. Seek the realities in all religions. Put aside all superstitions. Many of us do not realize the Reality of all Religions.
Divine Manifestations
Question. — What is 'Abdu'l-Bahá's teaching concerning the different Divine manifestations?
Answer. — The Reality of all is One. Truth is one. Religions are like the branches of one Tree. One branch is high, one is low and one in the centre, yet all draw their life from the one stem. One branch bears fruit and others are not laden so abundantly. All the Prophets are lights, they
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only differ in degree; they shine like brilliant heavenly bodies, each have their appointed place and time of ascension. Some are like lamps, some like the moon, some like distant stars, and a few are like the sun, shining from one end of the earth to the other. all have the same Light to give, yet they are different in degree.
Buddhism
Some referred to the teaching of Buddha. 'Abdu'l-Bahá said: The real teaching of Buddha is the same as the teaching of Jesus Christ. The teachings of all the Prophets are the same in character. Now men have changed the teaching. If you look at the present practice of the Buddhist religion, you will see that there is little of the Reality left. Many worship idols although their teaching forbids it.
Buddha had disciples and he wished to send them out into the world to teach, so he asked them questions to see if they were prepared as he would have them be. "When you go to the East and to the West," said the Buddha, "and the people shut their doors to you and refuse to speak to you, what will you do?" — The disciples answered and said: "We shall be very thankful that they do us no harm." — "Then if they do you harm and mock, what will you do?" — "We shall be very thankful that they do not give us worse treatment." — "If they throw you into prison?" — "We shall still be grateful that they do
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not kill us." — "What if they were to kill you?" the Master asked for the last time. "Still," answered the disciples, "we will be thankful, for they cause us to be martyrs. What more glorious fate is there than this, to die for the glory of God?" And the Buddha said: "Well done!"
The teaching of Buddha was like a young and beautiful child, and now it has become as an old and decrepit man. Like the aged man it cannot see, it cannot hear, it cannot remember anything. Why go so far back? Consider the laws of the Old Testament: the Jews do not follow Moses as their example nor keep his commands. So it is with many other religions.
How can we get the power to follow the right path?
By putting the teaching into practice power will be given. You know which path to follow: you cannot be mistaken, for there's a great distinction between God and evil, between Light and darkness, Truth and falsehood, Love and hatred, Generosity and meanness, Education and ignorance, Faith in God and superstition, good Laws and unjust laws.
Faith
How can one increase in faith?
You must strive. A child does not know, in learning he obtains knowledge. search for Truth.
There are three kinds of Faith: first, that which is from tradition and birth. For example: a child is born of Muhammadan parents, he is a Muhammadan.
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This faith is weak traditional faith: second, that which comes from Knowledge, and is the faith of understanding. This is good, but there is a better, the faith of practice. This is real faith.
We hear there is an invention, we believe it is good; then we come and see it. We hear that there is wealth, we see it; we work hard for it, and become rich ourselves and so help others. We know and we see the Light, we go close to it, are warmed by it, and reflect its rays on others; this is real faith, and thus we receive power to become the eternal sons of God.
Healing
'Abdu'l-Bahá said: Disease is of two kinds: material and spiritual.
Take for instance, a cut hand; if you pray for the cut to be healed and do not stop its bleeding, you will not do much good; a material remedy is needed.
Sometimes if the nervous system is paralyzed through fear, a spiritual remedy is necessary. Madness, incurable otherwise,. can be cured through prayer. It often happens that sorrow makes one ill, this can be cured by spiritual means.
Philanthropic Societies
Someone asked if the Humanitarian Society was good. — Yes all societies, all organizations, working for the betterment of the human race are
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good, very good. All who work for their brothers and sisters have Bahá'u'lláh's blessing. They will surely succeed.
'Abdu'l-Bahá said: It makes me happy to see all the believers in London. You are all, of every race and creed, members of one family. The teaching of Bahá'u'lláh constrains you to realize your brotherhood to one another.
Man's Comprehension of God and of Higher Worlds
To man, the Essence of God is incomprehensible, so also are the worlds beyond this, and their condition. It is given to man to obtain knowledge, to attain to great spiritual perfection, to discover hidden truths and to manifest even the attributes of God; but still man cannot comprehend the Essence of God. Where the ever-widening circle of man's knowledge meets the spiritual world a Manifestation of God is sent to mirror forth His splendour.
Divine Manifestations
Is the Divine Manifestation, God?
Yes, and yet not in Essence. A Divine Manifestation is as a mirror reflecting the light of the Sun. The light is the same and yet the mirror is not the Sun. All the Manifestations of God bring the same Light; they only differ in degree, not in
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reality. The Truth is one. The light is the same though the lamps may be different; we must look at the Light not at the Lamp. If we accept the Light in one, we must accept the Light in all; all agree, because all are the same. The teaching is ever the same, it is only the outward forms that change.
The Manifestations of God are as the heavenly bodies. All have their appointed place and time of ascension, but the Light they give is the same. If one wishes to look for the sun rising, one does not look always at the same point because that point changes with the seasons. When one sees the sun rise further in the north one recognizes it, though it has risen at a different point.
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Notes of a conversation with 'Abdu'l-Bahá
A COLOURED man from South Africa who was visiting 'Abdu'l-Bahá, said that even now no white people really cared very much for the black man.
'Abdu'l-Bahá replies: Compare the present time and the feeling towards the coloured people now, with the state of feeling two or three hundred years ago, and see how much better it is at present. In a short time the relationship between the coloured and white people will still further improve, and bye and bye no difference will be felt between them. White doves and purple doves exist, but both kinds are doves.
Bahá'u'lláh once compared the coloured people to the black pupil of the eye surrounded by the white. In this black pupil you see the reflection of that which is before it, and through it the light of the Spirit shines forth.
In the sight of God colour makes no difference at all, He looks at the hearts of men. That which God desires from men is the heart. A black man with a good character is far superior to a white man with a character that is less good.
Ideals of East and West
One of the organizers of the Races Congress present spoke of the Western ideals of Bahá'u'lláh
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as differing from those of former prophets which were tinged with the ideas and civilization of the East. He then asked whether Bahá'u'lláh had made a special study of Western writings, and founded his teachings in accordance with them.
'Abdu'l-Bahá laughed heartily, and said that the books of Bahá'u'lláh, written and printed sixty years ago, contained the ideals now so familiar to the West, but, at that time, they had not been printed or thought of in the West. Besides, he continued, supposing that a very advanced thinker from the West had gone to visit Bahá'u'lláh and to teach Him, would the name of such a great man and the fact of his visit have been unknown and unrecorded? No! In former days, in the time of the Buddha and Zoroaster, civilization in Asia and in the East was very much higher than in the West and ideas and thoughts of the Eastern peoples were much in advance of, and nearer to the thoughts of God than those of the West. But since that time superstitions had crept into the religion and ideals of the East, and from many differing causes the ideals and characters of the Eastern peoples had gone down and down, lower and lower, while the Western peoples had been constantly advancing and struggling towards the Light. Consequently, in these days, the civilization of the West was much higher than that of the East, and the ideas and thoughts of the people of the West were much nearer to the thought of God than those of the East. Therefore, the ideals of Bahá'u'lláh had been more quickly realized in the West.
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'Abdu'l-Bahá showed further how Bahá'u'lláh had exactly described in one of his books what has since been carried out in the International Council of Arbitration, describing its various functions, some of which have not yet been realized and he ('Abdu'l-Bahá) would describe them to us now, so that when they were fulfilled, as they would be in the near future, we might know that they had been prophesied by Bahá'u'lláh.
War was the greatest calamity that could overtake the nations, because the people usually employed in agriculture, trades, commerce, and other useful arts, were taken away from their various occupations and turned into soldiers, so that there was great waste and loss, in addition to the destruction and carnage of war.
Bahá'u'lláh had said that the functions of the International Court would be to settle disputes that arose from time to time between the nations; to define the exact boundaries of the different countries, and to decide what number of soldiers and guns should be maintained by each nation, according to its population, in order to preserve internal order. For instance, one country might have ten thousand soldiers, another twenty thousand, another fifteen thousand, and so on, in accordance with the size and population of the nation; also if any people rebelled against the decision of the Court and rejected it, the Court would empower the others to join their forces and to endorse their decision, if need be, by united action.
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We had not seen any of these things actualized as yet, but we should do so in the future.
Science and Faith
The gentleman then put a question which he said he considered of very great importance in connection with a religious movement, claiming to be universal. What position he asked, if any, did Bahá'u'lláh given to the modern ideas and conceptions of Science in his teachings. The whole structure of modern civilization is based upon the results and the knowledge obtained through laborious and patient observation of facts collected by men of Science: in some cases through hundreds of years of painstaking investigation. To make his meaning clearer, he instanced the ethic, and the moral teachings of the Chinese philosophers, than which he could conceive nothing higher. However, these teachings had very little effect outside of China, for the reason he considered, that they were not primarily based on the teachings of Science.
'Abdu'l-Bahá replied that a very great importance was given to Science and knowledge in the writings of Bahá'u'lláh, who wrote that, if a man educated the children of the poor, who could not themselves afford to do so, it was, in the sight of God, as if he had educated the Son of God.
If any religion rejected Science and knowledge, that religion was false. Science and Religion should go forward together; indeed, they should be like two fingers of one hand.
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Bahá'u'lláh had also in His writings given a most important place to Art, and the practice of skilled trades. He had stated that the practice of an Art or Trade in the true spirit of service was identical with the worship of God.
A gentleman connected with the work of a Settlement then asked what was the best method of raising up and civilizing the very lowest and most degraded and ignorant of the people and would their education come about gradually through the enlightenment of the Spirit, or was there any special means we could adopt to further this end?
'Abdu'l-Bahá replied that the best way was to give them spiritual teachings and enlightenment. He also remarked that the way to broaden the outlook of the very narrow-hearted and prejudiced, and to make them listen to a wider teaching, was by showing towards them the greatest kindness and love. The example of our lives was of more value than words.
Converse with Departed Persons
The question was asked if it were possible to establish communication with the dead, and whether it was wise or advisable to attend seances or to engage in table-turning, spirit-rapping, etc.
The Master said these rappings, etc., were all material things, and of the body. What is needed is to rise above the material to the realms of the purely Spiritual. Table-turning and such like
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were material, a natural result, and not spiritual.
But it was possible to communicate with the dead through the condition of the character and the heart.
Are Superstitions Useful
A lady enquired whether some superstitions might not be good for ignorant people, who, if they were without them might perhaps be without beliefs of any kind?
'Abdu'l-Bahá replied that superstitions were of two kinds; those that were harmful and dangerous, and those that were harmless and produced certain good effects.
For example, there were some poor people who believed that misfortunes and punishments were caused by a Great Angel with a sword in his hand, who struck down those who stole, and committed murder and crimes.
They thought the flashes of lightning were the weapons of this angel, and that if they did wrong they would be struck by lightning. This belief caused them to refrain from evil actions.
The Chinese held a superstition that if they burn certain pieces of paper this will drive the devils away; they sometimes burnt these pieces of paper on board ships when they were travelling in order to drive away devils, and by so doing they set fire to the ships and destroyed many lives. This was a type of dangerous and harmful superstition.
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The Life After Death
Mrs. S. asked some questions with reference to the conditions of existence in the next world, and the life after death; she said that having recently lost a very near relative, she had given much thought to this subject. Many thought that re-union with those we had loved, and who had passed on to the future life, would only take place after a long period of time had elapsed. She wished to know whether one would be re-united with those who had gone before immediately after death.
'Abdu'l-Bahá answered that this would depend upon the respective stations of the two. If both had the same degree of development, they would be re-united immediately after death. The questioner then said, how could this state of development be acquired? 'Abdu'l-Bahá replied, by unceasing effort, striving to do right, and to attain spiritual qualities.
The questioner remarked that many differing opinions were held as to the conditions of the future life. Some thought that all would have exactly the same perfections and virtues; that all would be equal and alike.
'Abdu'l-Bahá said there would be variety, and differing degrees of attainment, as in this world.
The question was then asked as to how it would be possible with no material bodies or environment to recognize different entities and characters, when all would be in the same conditions and on the same plane of existence.
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'Abdu'l-Bahá said if several people look into a mirror at the same moment, they behold all the different personalities, their characteristics and movements; the glass of the mirror into which they look is one. In your mind you have a variety of thoughts, but all these thoughts are separate and distinct. Also you may perhaps have hundreds of friends; but when you call them before your memory you do not confuse them one with another: each one is separate and distinct, having their own individualities and characteristics.
Replying to another questioner, he said that when two people, husband and wife for instance, have been completely united in this life their souls being as one soul, then after one of them has passed away, this union of heart and soul would remain unbroken.
Spiritual Relationship
In the evening of September 28th, 'Abdu'l-Bahá was with a number of assembled guests.
He said all of you here are sisters. Bodily relationships may pass; even two sisters may be inimical to each other, but the spiritual relationship is eternal, and brings about mutual love and service.
Be always kind to everyone and a refuge for those who are without shelter.
Be daughters to those who are older than you.
Be sisters to those who are of your own age.
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Be mothers to those who are younger than yourselves.
Be nurses to the sick, treasurers for the poor,
and supply heavenly food to the hungry.
A Persian doctor from Qazvín said this was a great work of God that the East and the West had become so united, and we must always thank God that the Bahá'í cause had produced such great harmony and union between us. The result of this visit of 'Abdu'l-Bahá to the West would be very great.
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A Bahá'í Wedding
QUITE an oriental note was struck toward the end of 'Abdu'l-Bahá's London visit, by the marriage of a young Persian couple who had sought his presence for the ceremony, the bride journeying from Baghdad accompanied by her uncle in order to meet her fiance here and be married before 'Abdu'l-Bahá's departure. The bride's father and grandfather had been followers of Bahá'u'lláh during the time of his banishment.
We hesitate to alter the bridegroom's description of the service and therefore print it in his own simple and beautiful language. It will serve to show a side not touched on elsewhere, and without which no idea of his visit is complete. We refer to the attitude of reverence with which people from the East who came to see 'Abdu'l-Bahá regard their great teacher. They invariably rise and stand with bowed heads whenever he enters the room.
Mírzá Dawúd writes: —
On Sunday morning, the 1st of October, 1911, A.D., equal to the 9th Tishi 5972 (Hebrew Era), Regina Núr Mahal Khánum, and Mírzá Yuhanna Dawúd were admitted into the holy presence of 'Abdu'l-Bahá: may my life be a sacrifice to Him!
After receiving us, 'Abdu'l-Bahá said, "You are very welcome and it makes me happy to see you here in London."
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Looking at me he said, "Never have I united anyone in marriage before, except my own daughters, but as I love you much, and you have rendered a great service to the Kingdom of Abhá, both in this country and in other lands, I will perform your marriage ceremony today. It is my hope that you may both continue in the blessed path of service."
Then, first, 'Abdu'l-Bahá took Núr Mahal Khánum into the next room and said to her, "Do you love Mírzá Yuhanna Dawúd with all your heart and soul?" She answered, "Yes, I do."
Then 'Abdu'l-Bahá called me to him and put a similar question, that is to say, "Do you love Núr Mahal Khánum with all your heart and soul?" I answered "Yes, I do." We re-entered the room together and 'Abdu'l-Bahá took the right hand of the bride and gave it into that of the bridegroom and asked us to say after him, "We do all to please God."
We all sat down and 'Abdu'l-Bahá continued; "Marriage is a holy institution and much encouraged in this blessed cause. Now you two are no longer two, but one. Bahá'u'lláh's wish is that all men be of one mind and consider themselves of one great household, that the mind of mankind be not divided against itself.
"It is my wish and hope that you may be blessed in your life. May God help you to render great service to the kingdom of Abhá and may you become a means of its advancement.
"May joy be increased to you as the years go by, and may you become thriving trees bearing
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delicious and fragrant fruits which are the blessings in the path of service."
When we came out, all the assembled friends both of Persia and London congratulated us on the great honour that had been bestowed upon us, and we were invited to dine by the kind hostess.
After a little while we gathered around the table with him. During the meal one of the friends asked 'Abdu'l-Bahá how he enjoyed his stay in London, and what he thought of the English people. I acted as interpreter. 'Abdu'l-Bahá replied: "I have enjoyed London very much and the bright faces of the friends have delighted my heart. I was drawn here by their unity and love. In the world of existence there is no more powerful magnet than the magnet of love. These few days will pass away, but their import shall be remembered by God's friends in all ages and in all lands.
There are living nations and dead nations. Syria lost its civilization through lethargy of spirit. The English nation is a living one, and when in this spiritual springtime the divine truth come forth with renewed vitality, the English will be like fruitful trees, and the Holy Spirit will enable them to flourish in abundance. Then will they gain not only materially, but in that which is far more important, spiritual progress, which will enable them to render a greater service to the world of humanity."
Another asked why the teachings of all religions are expressed largely by parables and metaphors and not in the plain language of the people.
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'Abdu'l-Bahá replied: — "Divine things are too deep to be expressed by common words. The heavenly teachings are expressed in parable in order to be understood and preserved for ages to come. When the spiritually minded dive deeply into the ocean of their meaning they bring to the surface the pearls of their inner significance. There is no greater pleasure than to study God's Word with a spiritual mind."
"The object of God's teaching to man is that man may know himself in order to comprehend the greatness of God. The Word of God is for agreement and concord. If you go to Persia where the friends of Abhá are many, you will at once realize the unifying force of God's work. They are doing their utmost to strengthen this bond of amity. There, people of different nationalities gather in one meeting and chant the divine tablets with one accord. It might be supposed that they were all brethren. We do not consider anyone a stranger, for it is said by Bahá'u'lláh `Ye are all the rays of one sun; the fruits of one tree; and the leaves of one branch.' We desire the true brotherhood of humanity. This shall be so, and it has already begun. Praise to be God, the Helper, the Pardoner!"
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The visit to Bristol
'Abdu'l-Bahá spent the week end of September 23rd to 25th, at the Clifton Guest House at Clifton, Bristol.
On the first afternoon, while driving, he expressed much interest in rural England, marvelling at the century-old trees, and the vivid green of the woods and downs, so unlike the arid East. "Though it is autumn it seems like spring," he said. The houses with their little plots of ground, suggested a quotation which 'Abdu'l-Bahá gave from Bahá'u'lláh's writings in which the latter alludes to each family having a house with a piece of land. 'Abdu'l-Bahá likened the country to the soul and the city to the body of man, saying, "The body without the soul cannot live. It is good," he remarked, "to live under the sky, in the sunshine and fresh air." Observing a young woman who rode by on horseback with her hair flying free and several who bicycled past on their bicyles unattended, he said, "This is the age of woman. She should receive the same education as her brother and enjoy the same privilege; for all souls are equal before God. Sex, in its relation to the exigencies of the physical plane, has no connection with the Spirit. In this age of spiritual awakening, the world has entered upon the path of progress into the arena of development, where the power of the spirit surpasses that of the body. Soon the spirit will have dominion over the world of humanity."
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In the evening greetings were cabled to the Bahá'ís of Tihrán informing them of 'Abdu'l-Bahá's presence in Bristol. He sent his love and wished them to know that he was well and happy with the Clifton friends. This was sent in reply to a cablegram previously received from Tihrán congratulating the people of the Guest House on his prospective visit.
Later on a general reception was held, ninety people coming to meet 'Abdu'l-Bahá who spoke to them with impressive earnestness.
'Abdu'l-Bahá said, "You are very welcome. I have come far to see you. I praise God that after forty years of waiting I am permitted at last to come and bring my message. This is an assembly full of spirituality. Those who are present have turned their hearts towards God. They are looking and longing for glad tidings. We have gathered here by the power of the Spirit, therefore our hearts are stirred with thanksgiving. `Send out Thy Light and Thy Truth O God: Let them lead us to the Holy Mountains!' May we be refreshed by the holy springs that are renewing the life of the world! As day follows night, and after sunset comes the dawn, so Jesus Christ appeared on the horizon of this world like a Sun of Truth; even so when the people — after forgetting the teachings of Christ and His example of love to all humanity — had again grown tired of material things, a heavenly Star shone once more in Persia, a new illumination appeared and now a great light is spreading throughout all lands.
"Men keep their possessions for their own
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enjoyment and do not share sufficiently with others the bounty received from God. Spring is thus changed into the winter of selfishness and egotism. Jesus Christ said `Ye must be born again' so that divine Life may spring anew within you. Be kind to all around and serve one another; love to be just and true in all your dealings; pray always and so live your life that sorrow cannot touch you. Look upon the people of your own race and those of other races as members of one organism; sons of the same Father; let it be known by your behaviour that you are indeed the people of God. Then wars and disputes shall cease and over the world will spread the Most Great Peace."
After 'Abdu'l-Bahá had retired Tamaddun'ul-Mulk and Mr. W. Tudor Pole gave short addresses in which references were made to the martyrdom of the faithful in Persia, special mention being made of the eminent poetess Qurratu'l-'Ayn.
The next day was a bright Sunday and 'Abdu'l-Bahá went out with his friends driving and walking on the downs. Afterwards he gathered the servants of the house together, spoke of the dignity of labour and thanked them for their service, giving to each some remembrance of his visit. He went over the Guest house and blessed it as a centre for pilgrims from every part of the world, and said it would become indeed a House of Rest.
On the morning of the third day, a Canon of the Anglican Church met him at breakfast. The
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conversation turned on the reluctance of the rich to part with their possessions, 'Abdu'l-Bahá, quoting the saying of Jesus, "How hardly shall they that have riches enter into the Kingdom of Heaven." He remarked that only when the true seeker finds that attachments to the material are keeping him from his spiritual heritage, will he gladly enter the way of renunciation. Then will the rich man joyfully share his worldly possessions with the needy. 'Abdu'l-Bahá contrasted the unpretentious hospitality before him with the costly banquets of the wealthy, who too often sit at their feasts forgetting the hungry multitudes.
He urged his hearers to spread the light in their own homes so that finally it would illuminate the whole community.
'Abdu'l-Bahá then returned to London. It was the earnest wish of those who had the privilege of meeting him that his followers in other lands should know how much the Clifton people appreciated his visit and realized his spiritual power and love.
Thomas Pole.
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At Byfleet.
ON the afternoon of September 9th, a number of working women of the Passmore Edwards' Settlement, who were spending their holidays with Miss Schepel and Miss Buckton at Vanners, in Byfleet, a village some twenty miles out of London, had the great privilege of meeting 'Abdu'l-Bahá. They wrote a short record of his sayings to keep for themselves. The following is an extract: —
We gathered round him in a circle, and he made us sit beside him in the window seat. One of the members, who was ill, had a specially beautiful greeting from him. 'Abdu'l-Bahá began by saying, as he seated himself: "Are you happy?" and our faces must have shown him that we were. He then said: "I love you all, you are the children of the Kingdom, and you are accepted of God. Though you may be poor here, you are rich in the treasures of the Kingdom. I am the Servant of the poor. Remember how His Holiness Jesus said: `Blessed are the poor!' If all the queens of the earth were gathered here, I could not be more glad!"
'Abdu'l-Bahá knew that we had a treasury box from which we try to help people less fortunate than ourselves. Presently he rose, and said: "You are dear to me. I want to do something for you! I cannot cook for you (he had previously seen us busy in the kitchen) but here
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is something for your fund." He went round the circle to each, with a beautiful smile, shaking hands with all, and giving the Bahá'í greeting: "Alláh'u'Abhá!"
Later on he walked in the village, and many poor children came to him, and mothers with sick babies and men out of work. He spoke to them all, through an interpreter. At tea-time other friends joined us. 'Abdu'l-Bahá liked the cottage garden at Vanners, the little orchard and the roses. He said: "This is like a Persian garden. The air is very pure."
On leaving for London he presented every one with a purple heartsease from the garden, and said again and again: "Good-bye" in English.
On the 28th September, 'Abdu'l-Bahá again visited Vanners, the little farm house on the old royal manor that dates back to the time of Edward II. He motored down from London and stayed over night, returning on the evening of the second day.
'Abdu'l-Bahá was much struck during the drive by two detachments of Boy Scouts tramping the road. When told of the Scouts' motto, "Be Prepared," and that an act of kindness each day is one of their laws and that some of these boys had put out a fire and assisted at a recent railway accident, he said. "This makes me very happy."
Arriving at Vanners, he found a large, strangely mixed crowd, assembled about the gate to welcome him, from the quite poor to the wealthy who had motored over from their country places. A great number followed him and as many
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as could do so pressed into the garden and sat down around him. The silence was most impressive. The same attention and eagerness to hear was noticed among the people each time 'Abdu'l-Bahá appeared in the village.
After expressing his joy at being with them, he began to speak to the little group in answer to a question about the elaborate civilization of the West.
The Captivity of Man
'Abdu'l-Bahá said: — "Luxuries cut off the freedom of communication. One who is imprisoned by desires is always unhappy; the children of the Kingdom have unchained themselves from their desires. Break all fetters and seek for spiritual joy and enlightenment; then, though you walk on this earth, you will perceive yourselves to be within the divine horizon. To man alone is this possible. When we look about us we see every other creature captive to his environment.
"The bird is a captive in the air and the fish a captive in the sea. Man alone stands apart and says to the elements, I will make you my servants! I can govern you! He takes electricity, and through his ingenuity imprisons it and makes of it a wonderful power for lighting, and a means of communication to a distance of thousands of miles. But man himself may become a captive to the things he has invented. His true second birth occurs when he is freed from all material things:
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for he only is free who is not a captive to his desires. He has then as Jesus has said, become captive to the Holy Spirit."
The Power of God
A friend asked 'Abdu'l-Bahá how far the individual could attain to that Christ consciousness in himself of which St. Paul speaks as our hope of Glory.
'Abdu'l-Bahá turned with a look of great joy and said with an impressive gesture: "The bounty and power of God is limitless for each human soul. Consider what was the quickening power of the Christ when He was on earth. Look at His disciples! They were poor and uncultured men. Out of the rough fisherman He made the great Peter, and out of the poor village girl of Magdala He made one who is a power in all the world today. Many queens have reigned who are remembered by their dates in history, and nothing more is known of them. But Mary the Magdalene is greater than them all. It was she whose love strengthened the disciples when their faith was failing. What she did for the world cannot be measured. See what a divine power was enkindled in her by the power of God!"
Inspired Messengers
When asked if it would be always necessary for prophets to come from time to time — "would not
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the world in the course of events through progress reach to a full realization of God?" — 'Abdu'l-Bahá replied: "Mankind needs a universal motive power to quicken it. The inspired messenger who is directly assisted by the power of God brings about universal results. Bahá'u'lláh rose as a light in Persia and now that light is going out to the whole world."
"Is this what is meant by the Second Coming of Christ?" "Christ is an Expression of the Divine Reality, the Single Essence and Heavenly Entity, which hath no beginning or ending. It has appearance, arising, and manifestation and setting in each one of the Cycles."
Those who have been with 'Abdu'l-Bahá notice how, often, after speaking earnestly with people, he will suddenly turn and walk away to be alone. At such times no one follows him. On this occasion, when he finished speaking and went out through the orchard gate into the village, all were struck with his free and wonderful walk which has been described by one of our American friends as that of a shepherd or a king.
As he passed along the ragged children clustered about him by dozens, the boys saluting him as they had been taught in school, showing how instinctively they felt the greatness of his presence. Most noticeable was the silence of even the roughest men when 'Abdu'l-Bahá appeared. One poor tramp exclaimed "He is a good man," and added, "Ay, he's suffered!"
He took particular interest in the sick, crippled and poorly nourished children. Mothers carrying
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their little ones followed him, and a friend explained that this great visitor had come over the seas from the Holy Land where Jesus was born.
All day long people of every condition gathered about the gate for a chance of seeing him, and more than sixty drove or cycled to Vanners to see him, many wishing to question him on some special subject. Among them were the clergy of several denominations, a head master of a boys' public school, a member of Parliament, a doctor, a famous political writer, the vice-chancellor of a University, several journalists, a well known poet, and a magistrate from London.
He will long be remembered as he sat in the bow window in the afternoon sunshine, his arm round a very ragged but very happy little boy, who had come to ask 'Abdu'l-Bahá for sixpence for his money box and for his invalid mother, whilst round him in the room were gathered men and women discussing Education, Socialism, the first Reform Bill, and the relation of submarines and wireless telegraphy to the new era on which man is entering.
During the evening a young betrothed couple in the village, who had read some of the Bahá'í books, begged permission to come to him. They entered shyly, the man, led by the girl. 'Abdu'l-Bahá rose to greet them, and made them take a place in the circle. He talked earnestly to them upon the sacredness of marriage, the beauty of a real union, and the importance of the little child and its education. Before they left he blessed
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them, and touched their hair and foreheads with a Persian perfume.
Education
'Abdu'l-Bahá laid great stress on Education. He said "The girl's education is of more importance today than the boy's, for she is the mother of the future race. It is the duty of all to look after the children. Those without children should, if possible, make themselves responsible for the education of a child."
The condition of the destitute in the country villages as well as in London impressed 'Abdu'l-Bahá greatly. In an earnest talk with the Rector of a Parish, 'Abdu'l-Bahá said: "I find England awake; there is spiritual life here. But your poor are so very poor! This should not be. On the one hand you have wealth, and great luxury; on the other hand men and women are living in the extremities of hunger and want. This great contrast of life is one of the blots on the civilization of this enlightened age.
"You must turn attention more earnestly to the betterment of the conditions of the poor. Do not be satisfied until each one with whom you are concerned is to you as a member of your family. Regard each one either as a father, or as a brother, or as a sister, or as a mother, or as a child. If you can attain to this, your difficulties will vanish, you will know what to do. This is the teaching of Bahá'u'lláh."
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The Change of Heart
To one who spoke of the people's desire to possess the land, and of the strong under-current of rebellion on the part of the labouring classes, 'Abdu'l-Bahá said: " Fighting, and the employment of force, even for the right cause, will not bring about good results. The oppressed who have right on their side, must not take that right by force; the evil would continue. Hearts must be changed. The rich must wish to give! Life in man should be like a flame, warming all with whom it comes into contact. The spiritually awakened are like to bright torches in the sight of God, they give light and comfort to their fellows."
When asked if he did not find the manners of the English rude and awkward, compared with those of the East, 'Abdu'l-Bahá said he had not felt this. As a nation increases in spirituality, the manners become different.
Christ and Bahá'u'lláh
A friend asked how the teachings of Bahá'u'lláh contrasted with the teachings of Jesus Christ. "The teachings are the same." declared 'Abdu'l-Bahá; "It is the same foundation and the same temple. Truth is one, and without division. The teachings of Jesus are in a concentrated form. Men do not agree to this day as to the meaning of many of His sayings. His teachings are as a flower in the bud. Today, the bud is unfolding into a
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flower! Bahá'u'lláh has expanded and fulfilled the teachings, and has applied them in detail to the whole world.
"There are no solitaries and no hermits among the Bahá'ís. Man must work with his fellows. Everyone should have some trade, or art or profession, be he rich or poor, and with this he must serve humanity. This service is acceptable as the highest form of worship."
Art
A painter asked: "Is art a worthy vocation?" 'Abdu'l-Bahá turning to her impressively, said: "Art is worship."
An actor mentioned the drama, and its influence. "The drama is of the utmost importance." said 'Abdu'l-Bahá. "It has been a great educational power in the past; it will be so again." He described how as a young boy he witnessed the Mystery Play of Alí's Betrayal and Passion, and how it affected him so deeply that he wept and could not sleep for many nights.
Symbols
Someone wished to know if it were a good custom to wear a symbol, as, for instance, a cross. He said: "You wear the cross for remembrance, it concentrates your thoughts; it has no magical power. Bahá'ís often wear a stone with the
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greatest name engraved on it: there is no magical influence in the stone; it is a reminder, and companion. If you are about to do some selfish or hasty action, and your glance falls on the ring on your hand, you will remember and change your intention."
Esperanto
A friend enquired concerning Bahá'u'lláh's prophecy in the Words of Paradise, that a universal language would be formed, and desired to know if Esperanto would be the language chosen.
"The love and effort put into Esperanto will not be lost," he answered, "but no one person can construct a Universal Language. It must be made by a Council representing all countries, and must contain words from different languages. It will be governed by the simplest rules, and there will be no exceptions; neither will there be gender, nor extra and silent letters. Everything indicated will have but one name. In Arabic there are hundreds of names for the camel! In the schools of each nation the mother tongue will be taught, as well as the revised Universal Language."
Tolstoy
The same questioner said: "I have read much of Tolstoy and I see a parallel between his teachings and yours. In one of his books he speaks
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of the Enigma of Life, and describes how life is wasted in our endeavour to find the Key. But Tolstoy goes on to say: `There is a man in Persia who holds the secret.'"
"Yes," said 'Abdu'l-Bahá, "I received a letter from Tolstoy, and in it he said that he wished to write a book upon Bahá'u'lláh."
Healing
A friend interested in healing quoted the words of Bahá'u'lláh: "If one is sick, let him go to the greatest physician."
'Abdu'l-Bahá said: "There is but one power which heals — that is God. The state or condition through which the healing takes place is the confidence of the heart. By some this state is reached through pills, powders, and physicians. By others through hygiene, fasting, and prayer. By others through direct perception."
On another occasion 'Abdu'l-Bahá said with regard to the same subject, "All that we see around us is the work of mind. It is mind in the herb and in the mineral that acts on the human body, and changes its condition." The talk developed into a learned dissertation on the Philosophy of Aristotle.
Death
A friend asked: "How should one look forward to death?"
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'Abdu'l-Bahá answered: "How does one look forward to the goal of any journey? With hope and with expectation. It is even so with the end of this earthly journey. In the next world, man will find himself freed from many of the disabilities under which he now suffers. Those who have passed on through death, have a sphere of their own. It is not removed from ours; their work, the work of the Kingdom, is ours; but it is sanctified from what we call `time and place.' Time with us is measured by the sun. When there is no more sunrise, and no more sunset, that kind of time does not exist for man. Those who have ascended have different attributes from those who are still on earth, yet there is no real separation.
"In prayer there is a mingling of station, a mingling of condition. Pray for them as they pray for you! When you do not know it, and are in a receptive attitude, they are able to make suggestions to you, if you are in difficulty. This sometimes happens in sleep. but there is no phenomenal intercourse! That which seems like phenomenal intercourse has another explanation." The questioner exclaimed; "But I have heard a voice!" 'Abdu'l-Bahá said: "Yes, that is possible; we hear voices clearly in dreams. It is not with the physical ear that you heard; the spirit of those that have passed on are freed from sense-life, and do not use physical means. It is not possible to put these great matters into human words; the language of man is the language of children, and man's explanation often leads astray."
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Someone present asked how it was that in prayer and meditation the heart often turns with instinctive appeal to some friend who has passed into the next life.
'Abdu'l-Bahá answered: "It is a law of God's creation that the weak should lean upon the strong. Those to whom you turn may be the mediators of God's power to you, even as when on earth. But it is the One Holy Spirit that strengthens all men." Hereupon another friend referred to the communing of Jesus on the Mount of Transfiguration with Moses and Elijah; and 'Abdu'l-Bahá said: "The faithful are ever sustained by the presence of the Supreme Concourse. In the Supreme Concourse are Jesus, and Moses, and Elijah, and Bahá'u'lláh, and other supreme Souls: there, also, are the martyrs."
When asked about the individual persistence of the animal's personality after death, 'Abdu'l-Bahá said: "Even the most developed dog has not the immortal soul of the man; yet the dog is perfect in its own place. You do not quarrel with a rose-tree because it cannot sing!"
A True Bahá'í
A student of the modern methods of the higher criticism asked 'Abdu'l-Bahá if he would do well to continue in the church with which he had been associated all his life, and whose language was full of meaning to him. 'Abdu'l-Bahá answered: "You must not dissociate yourself from it. Know this;
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the Kingdom of God is not in any Society; some seekers go through many Societies as a traveller goes through many cities till he reach his destination. If you belong to a Society already do not forsake your brothers. You can be a Bahá'í-Christian, a Bahá'í-Freemason, a Bahá'í-Jew, a Bahá'í-Muhammadan. The number nine contains eight, and seven, and all the other numbers, and does not deny any of them. Do not distress or deny anyone by saying `He is not a Bahá'í!' He will be known by his deeds. There are no secrets among Bahá'ís; a Bahá'í does not hide anything."
Spreading the Teaching
When asked by an American friend: "Which is the best way to spread the teaching?" he said: "By deeds. This way is open to all, and deeds are understood by all. Join yourselves to those who work for the poor, the weak and the unfortunate; this is greatly to be commended. To teach by words requires the skill of a wise physician. He does not offer help to those who do not want treatment. Do not press help on those who do not need your help. The work of teaching is not for all."
The following incident shows how 'Abdu'l-Bahá's attention is given to the smallest details where others are involved. On hearing that some of his friends had come down from London, and had planned to stop the night in the village so as
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to be near him 'Abdu'l-Bahá immediately made them his guests at the Inn, and being concerned for their comfort, went over personally to inspect the rooms, as the nights were getting cold.
At Brooklands
The morning of the second day, a neighbour sent over her car asking if 'Abdu'l-Bahá would not like to take his guests to the Brooklands aviation ground. Though it was windy, an aviator was on the track, when he heard who the visitor was offered to fly for him. 'Abdu'l-Bahá left his friends and walked out into the middle of the course, where he stood alone watching the biplane making wide circles above him.
A Hindu who was learning to fly at the school joined 'Abdu'l-Bahá's friends and asked: "Who is the man in Eastern dress?"
When told, he exclaimed, "Oh I know him very well through his teachings, which I have studied," and immediately he went to meet 'Abdu'l-Bahá.
They talked together for some time in Arabic, the young man showing great joy at being in his presence. He afterwards said that for many years he had longed for this moment.
While having tea out of doors, 'Abdu'l-Bahá and the young Hindu, sitting at the head of the long benches that has been arranged, talked merrily to everyone.
'Abdu'l-Bahá noticed two of the airmen who
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were wrestling on the grounds, and when they stopped, he went to them clapping his hands and crying in English, "Bravo! Bravo! that is good exercise."
Since his return to Egypt, 'Abdu'l-Bahá has sent a kind message of remembrance to the people of Byfleet, saying that he will never forget them.
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Days in London
DURING 'Abdu'l-Bahá's stay in Cadogan Gardens people arrived all day and every day, from early morning to nightfall, hoping for the privilege of seeing him and of hearing him talk. Many were the gatherings round the board of that hospitable house and hundreds of people were made welcome. Many came without introduction and no one was refused. Among them were clergy of various denominations, members of Parliament, magistrates, and literary men.
The visitors were not only English; numerous Persians had journeyed from Tihrán and other Eastern cities to meet freely one who had so long been withheld from them by his captivity.
The editor of a journal printed in Japan, altered his return route to Tokyo in order that he might spend the night near 'Abdu'l-Bahá, and a late visit was paid by a Zoroastrian physician of Bombay, on the eve of his return to India.
Woman's Work
'Abdu'l-Bahá's interest in women's work and progress is well known, and among the notable leaders who came to see him, may be mentioned Mrs. Annie Besant, President of the Theosophical Society, the organizers of various suffrage bodies,
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civic and philanthropic workers, the principals of several woman's colleges and lady doctors.
A spirited conversation due to the visit of an ardent suffragist will be long remembered by those who had the privilege of being present. The room was full of men and women, many Persians being seated in their familiar respectful attitude on the floor.
After contrasting the general position of the Eastern and the Western women, and then describing how in many respects the Eastern woman has the advantage of her Western sister, 'Abdu'l-Bahá turned and said to the visitor: "Give me your reasons for believing that woman today should have the vote?"
Answer: "I believe that humanity is a divine humanity and that it must rise higher and higher; but it cannot soar with only one wing." 'Abdu'l-Bahá expressed his pleasure at this answer, and smiling, replied: "But what will you do if one wing is stronger than the other?" Answer: "Then we must strengthen the weaker wing, otherwise the flight will always be hampered."
'Abdu'l-Bahá smiled and asked: "What will you say if I prove to you that the woman is the stronger wing?"
The answer came in the same bright vein: "You will earn my eternal gratitude!" at which all the company made merry.
'Abdu'l-Bahá then continued more seriously: "The woman is indeed of the greater importance to the race. She has the greater burden and the greater work. Look at the vegetable and the
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animal worlds. The palm which carries the fruit is the tree most prized by the date grower. The Arab knows that for a long journey the mare has the longest wind. For her greater strength and fierceness, the lioness is more feared by the hunter than the lion.
"The mere size of the brain has been proved to be no measure of superiority. The woman has greater moral courage than the man; she has also special gifts which enable her to govern in moments of danger and crisis. If necessary she can become a warrior."
Zenobia
'Abdu'l-Bahá asked the company if they remembered the story of Zenobia and of the fall of Palmyra. He then continued as follows, using his hands in the grave and simple gesticulations characteristic of him:
"There was once a Governor in Ancient Syria, who had a beautiful and clever wife. She was so capable that when the Governor died, she was made ruler in his stead. The land prospered under her sway, and men acknowledged that she was a better ruler than her husband. After a time the legions of Rome invaded the country, but again and again she drove them out with great confusion. She let down her beautiful hair, and herself rode at the head of her army, clad in a scarlet cloak, wearing a crown of gold, and wielding a two-edged sword in her hand. The
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Roman Caesar then withdrew his strength from five other provinces in order to subdue her. After a long and brave fight Zenobia retired into the city of Palmyra, which she strengthened with wonderful fortifications, and there she endured a siege of four months, Caesar being unable to dislodge her. The food she had stored within the walls at last was gone, and the misery of her starving and plague-stricken people compelled her to surrender.
"Caesar was full of admiration for this great woman, because of her courage and endurance, and he asked her to become his wife. But she refused, saying that she would never consent to take as her husband the enemy of her people. Thereupon, Caesar was enraged, and determined to humble her. He took her back with him in his ships to Rome. For his triumphal entry a great procession was prepared, and the streets were filled with people. In the procession came first elephants, after the elephants came the camels, after the camels came the tigers and the leopards, after the leopards came the monkeys, and lastly, after the monkeys, walked Zenobia with a gold chain round her neck. Still she carried her head high, and was firm in her determination. Nothing could break her spirit! She refused to become the Empress of Caesar, so she was thrown into a dungeon, and eventually she died."
'Abdu'l-Bahá ceased. Silence fell upon the room, and it was some time before it was broken.
Upon another occasion 'Abdu'l-Bahá said to a group of friends around him: "Taken in general,
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women today have a stronger sense of religion than men. The woman's intuition is more correct; she is more receptive and her intelligence is quicker. The day is coming when woman will claim her superiority to man.
"Woman has everywhere been commended for her faithfulness. After the Lord Christ suffered, the disciples wept, and gave way to their grief. They thought that their hopes were shattered, and that the Cause was utterly lost, till Mary Magdalene came to them and strengthened them saying: `Do you mourn the body of Our Lord or His Spirit? If you mourn His Spirit, you are mistaken, for Jesus lives! His Spirit will never leave us!' Thus through her wisdom and encouragement the Cause of Christ was upheld for all the days to come. Her intuition enabled her to grasp the spiritual fact."
'Abdu'l-Bahá then added: "But in the sight of God sex makes no difference. He or she is greatest who is nearest to God."
One morning 'Abdu'l-Bahá, on entering the room looked about and said: "It is just like a miracle, our being here together. There is no racial, political or patriotic tie. We are drawn together by the words of Bahá'u'lláh, and in like manner will all the races of the earth be drawn together. Of this, rest assured!"
The True Bahá'í
"I have never heard of Bahá'u'lláh," said a young man. I have only recently read about this
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movement, but I recognize the mission of 'Abdu'l-Bahá and desire to be a disciple. I have always believed in the brotherhood of man as the ultimate solvent of all our national and international difficulties."
"It makes no difference whether you have ever heard of Bahá'u'lláh or not," was the answer, "the man who lives the life according to the teachings of Bahá'u'lláh is already a Bahá'í. On the other hand a man may call himself a Bahá'í for fifty years and if he does not live the life he is not a Bahá'í. An ugly man may call himself handsome, but he deceives no one, and a black man may call himself white yet he deceives no one: not even himself!"
The Coming of Peace
"By what process" continued the questioner, "will this peace on earth be established? Will it come at once after a universal declaration of the Truth?"
"No, it will come about gradually," said 'Abdu'l-Bahá. "A plant that grows too quickly lasts but a short time. You are my family" and he looked about with a smile, "my new children! if a family lives in unison, great results are obtained. Widen the circle; when a city lives in intimate accord greater results will follow, and a continent that is fully united will likewise unite all other continents. Then will be the time of the greatest results, for all the inhabitants of the earth belong to one native land."
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The Pure Heart
When asked for a definition of a pure heart, 'Abdu'l-Bahá said, "The pure heart is one that is entirely cut away from self. To be selfless is to be pure."
True Spirituality
Another morning 'Abdu'l-Bahá began at once to speak as he joined the group of seekers. He said: "Praise be to God, this century is a glorious century; may love increase every day; may it strike fire to light the candle in the darkness, like a gift and mercy of God.
"Know, O thou possessors of insight, that true spirituality is like unto a lake of clear water which reflects the divine. Of such was the spirituality of Jesus Christ. There is another kind which is like a mirage, seeming to be spiritual when it is not. That which is truly spiritual must light the path to God, and must result in deeds. We cannot believe the call to be spiritual when there is no result. Spirit is reality, and when the spirit in each of us seeks to join itself with the Great Reality, it must in turn give life. The Jews in the time of Christ were dead, having no real life, and Jesus actually wafted a new breath into their bodies. Behold what has been accomplished since!"
Knowledge must result in Action
A representative from a well known society made reference to its meetings for the purpose of a
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search into the reality of truth, and 'Abdu'l-Bahá said "I know of your work. I think a great deal of it. I know your desire is to serve mankind, and to draw together Humanity under the banner of Oneness; but its members must beware less it become only a discussion. Look about you. How many committees have been formed, and living for a little while, have died! Committees and Societies can not create or give life.
"People get together and talk, but it is God's Word alone that is powerful in its results. Consider for a moment: you would not trade together if you had no income from it and derived no benefit! Look at the followers of Christ. Their power was due to their ardour and their deeds. Every effort must have its result, else it is not a true effort. You must become the means of lighting the world of humanity. This is the infallible proof and sign. Every progress depends on two things, knowledge and practice. First acquire knowledge, and, when conviction is reached, put it into practice.
"Once a learned man journeyed to see me to receive my blessing, saying he knew and comprehended the Bahá'í teachings. When I told him that he could receive the blessings of the Holy Spirit at any time when he put himself in a receptive attitude to accept them, he said he was always in a receptive attitude.
"`What would you do,' I asked `if I were to suddenly turn and strike you?' He instantly flared with indignation and strode angrily about the room.
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"After a little I went over and took his arm, saying, `But you must return good for evil. Whether I honoured you or despised you, you should follow the teachings; now you merely read them. Remember the words of Jesus who said, `The first shall be last, and the last first.' The man turned, shook my hand and departed, and I have since heard of many kind acts he has done."
When 'Abdu'l-Bahá was addressed by the name of prophet, he answered, "My name is 'Abdu'l-Bahá, the Servant of God" [literally, the Slave of Glory.]+F1
Visit to the Lord Mayor
At the express wish of the Lord Mayor, 'Abdu'l-Bahá paid him a visit early one morning at the Mansion House. The talk turned chiefly upon the social conditions of great cities, and 'Abdu'l-Bahá said that London was the best regulated city he had seen.
He said: "Every man walking in the street is free as if he were in his own kingdom. There is a
+F1 Compare: — "My Name is 'Abdu'l-Bahá. My Reality is 'Abdu'l-Bahá: and Service to all the human race is my perpetual Religion.... 'Abdu'l-Bahá is the Banner of the Most Great Peace ...The Herald of the Kingdom is he, so that he may awaken the people of the East and the West. The Voice of Friendship, of Truth, and of Reconciliation is he, quickening all regions. No name, no title will he ever have, except 'Abdu'l-Bahá. This is my longing. This is my Supreme height. O ye friends of God! 'Abdu'l-Bahá is the manifestation of Service, and not Christ. The Servant of humanity is he, and not a chief. Summon ye the people to the station of Service of 'Abdu'l-Bahá and not his Christhood." (From a letter sent to the friends in New York, January 1st, 1907.)
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great spiritual light in London. The effort made for justice is real and in this country the law is the same for the poor as for the rich." He took great interest in hearing of the care that is taken of prisoners as they leave jail, and spoke of the land being happy where the magistrates are as fathers to the people.
Before 'Abdu'l-Bahá left London, he went to an East-end hospital to visit there a young writer lying seriously ill, who was very anxious to see him.
Some Personal Characteristics
There is a note in 'Abdu'l-Bahá's character that has not been emphasized, and with which no idea of him is complete. The impressive dignity which distinguishes his presence and bearing is occasionally lighted by a delicate and tactful humour, which is as unaffected as it is infectious and delightful.
On his last afternoon in London, a reporter called to ask him of his future plans, finding him surrounded by a number of friends who had called to bid him good-bye. When, in answer to this query, 'Abdu'l-Bahá told in perfect English of his intention to visit Paris and go from there to Alexandria, the press representative evinced surprise at his faultless pronunciation. Thereupon 'Abdu'l-Bahá proceeded to march with a free stride up and down the flower-scented drawing room, his Oriental garb contrasting strangely
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with his modern surroundings; and, to the amusement of the assembly, uttered a string of elaborate English words, laughingly ending, "Very difficult English words I speak!" Then, a moment later, with the swift transition of one who knows both how to be grave and gay, he showed himself terribly in earnest.
He had left orders that none were to be turned away, but one who had twice vainly sought his presence, and was, through some oversight, prevented from seeing him, wrote a heartbreaking letter showing that he thought himself rebuffed. It was translated by the Persian interpreter. 'Abdu'l-Bahá at once put on his coat, and, turning towards the door, said, with an expression of unspeakable sadness, "A friend of mine has been martyred, and I am very grieved. I go out alone." and he swept down the steps. One could then see how well the title of "Master" became him.
Another phase of his character which none who saw him could ever forget was his attitude towards children who were brought to him. Many of his talks were given as he sat with his arm encircling one of them.
He invariably admonished the parents thus: "Give this child a good education; make every effort that it may have the best you can afford, so that it may be enabled to enjoy the advantage of this glorious age. Do all you can to encourage spirituality in them."
One who sought the presence of 'Abdu'l-Bahá realized the father-like sympathy which is his.
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Speaking of his and others' love for 'Abdu'l-Bahá the reply was: "I know that you love me, I can see that it is so. I will pray for you that you may be firm and serve in the Cause, becoming a true servant to Bahá'u'lláh. Though I go away I will always be present with you all." These words were spoken with the greatest loving sympathy and understanding of difficulties; during the moments of this little talk 'Abdu'l-Bahá held and stroked the speaker's hands, and at the end took his head and with a gentle touch drew it to him kissing the forehead of the young man, who felt that he had found a father and a friend.
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The Farewell
ON the last morning of 'Abdu'l-Bahá's stay in London many friends gathered both at Cadogan Gardens and at the station to bid him farewell. An impressive and interesting ceremony was performed at the house by a Zoroastrian (a physician), who sent an elaborate telegram to some Pársís in Bombay, saying: "The Torch of Truth has been lighted again in the East and the West by 'Abdu'l-Bahá." Instructed by his brethren, this follower of one of the most ancient religions in the world had brought with him a sacred oil of a rare perfume, with which he annointed the head and breast of 'Abdu'l-Bahá, afterwards touching the hands of all present. He then placed around 'Abdu'l-Bahá's neck and shoulders an exquisite garland of rose-buds and lilies.
The last glimpse which the friends had at Victoria Station was that of the venerable face and form standing at the window, gazing out with a look of benevolence and wonderful tenderness on those he was leaving.
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From an Interview given by 'Abdu'l-Bahá to the Weekly Budget.
September 23rd, 1911.
SOME OF THE EXPERIENCES OF HIS FORTY YEARS IMPRISONMENT
IN an apartment in Cadogan Gardens sits a spiritually illumined Oriental, whose recent advent in London marks the latest junction of the East and West.
The teaching of 'Abdu'l-Bahá has already brought about the commingling of thousands of Englishmen and Englishwomen with Orientals from every quarter of the East. Upon the basis of mutual help and friendship and the worship of God, regardless of creed and denomination, they have joined hands with an earnestness and brotherly love contrary to the theories of certain cynical poets and philosophers.
Most of 'Abdu'l-Bahá's life has been spent in an Eastern prison, which he gladly endured rather than abjure his faith, one of the tenets of which is the absolute equality of souls regardless of physical differences, such as sex and colour. He recognizes no class distinctions except those conferred by service and the spirit of brotherly love. For this and other like doctrines he was held prisoner for forty years in the fortress city of 'Akká, in Palestine. When I requested to talk with him, I was told to come early, and called, according, at nine o'clock, for an interview. It was already
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mid-day to 'Abdu'l-Bahá who rises at four, and who had seen eighteen people before his breakfast at half-past six.
Representatives of many languages and nationalities awaited him in the drawing room.
We sat in a circle facing 'Abdu'l-Bahá who inquired if there were any questions we would like to ask. I said my editor had sent me to ascertain something of his prison life, and 'Abdu'l-Bahá at once related in a simple impersonal way one of the most remarkable stories conceivable.
"At nine years of age, I accompanied my father, Bahá'u'lláh, in his journey of exile to Baghdád, seventy of his disciples going with us. This decree of exile, after persistent persecution, was intended to effectively stamp out of Persia what the authorities considered a dangerous religion. Bahá'u'lláh, with his family and followers, was banished, and travelled from one place to another. When I was about twenty-five years old, we were moved from Constantinople to Adrianople, and from there went with a guard of soldiers to the fortressed city of 'Akká, where we were imprisoned and closely guarded."
The First Summer
"We had no communication whatever with the out-side world. Each loaf of bread was cut open by the guard to see that it contained no message. All who believed in the Bahá'í manifestation, children, men and women, were imprisoned with us. There were one-hundred and fifty of us
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together in two rooms and no one was allowed to leave the place with the exceptions of four persons, who went to the bazaar to market each morning, under guard. The first summer was dreadful. 'Akká is a fever-ridden town. It was said that a bird attempting to fly over it would drop dead. The food was poor and insufficient, the water was drawn from a fever-infected well and the climate and conditions were such, that even the natives of the town fell ill. Many soldiers succumbed and eight out of ten of our guard died. During the intense heat, malaria, typhoid and dysentery attacked the prisoners, so that all, men, women and children, were sick at one time. There were no doctors, no medicines, no proper food, and no treatment of any kind.
"I used to make broth for the people, and as I had much practice, I make good broth," said 'Abdu'l-Bahá laughingly.
At this point one of the Persians explained to me that it was on account of 'Abdu'l-Bahá's wonderful patience, helpfulness, and endurance that he was always called "The Master." One could easily feel his mastership in his complete severance from time and place, and absolute detachment from all that even a Turkish prison could inflict.
Better Conditions
"After two years of the strictest confinement permission was granted me to find a house so that we could live outside the prison walls but still
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within the fortifications. Many believers came from Persia to join us but they were not allowed to do so. Nine years passed. Sometimes we were better off and sometimes very much worse. It depended on the governor, who, if he happened to be a kind and lenient ruler, would grant us permission to leave the fortification, and would allow the believers free access to visit the house; but when the governor was more rigorous, extra guards were placed around us, and often pilgrims who had come from afar were turned away."
I learned, afterwards, from a Persian, who, during these troublous times, was a member of 'Abdu'l-Bahá's household, that the Turkish government could not credit the fact that the interest of the English and American visitors was purely spiritual and not political. Often these pilgrims were refused permission to see him, and, many times, the whole trip from America would be rewarded merely by a glimpse of 'Abdu'l-Bahá from his prison window.
The Government thought that the tomb of the Báb, an imposing building on Mount Carmel, was a fortification erected with the aid of American money, and that it was being armed and garrisoned secretly. Suspicion grew with each new arrival, resulting in extra spies and guards.
'Abdu'l-Hamíd's Committee
"One year before 'Abdu'l-Hamíd was dethroned, he sent an extremely overbearing, treacherous and insulting committee of investigation.
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The chairman was one of the governor's staff, Aríf Bey, and with him were three army commanders varying in rank.
"Immediately upon his arrival, Aríf Bey proceeded to denounce me and tried to get proof strong enough to warrant sending me to Fizán, or throwing me into the sea. Fizán is a caravan station on the boundary of Tripoli where there are no houses and no water. It is a month's journey by camel route from 'Akká.
"The committee twice sent for me to hear what I had to say in my own defence and twice I sent back word: `I know your purpose, I have nothing to say.'
"This so infuriated Aríf Bey that he declared he would return to Constantinople and bring back an order from the Sultán to have me hanged at the gate of 'Akká. He and his committee set sail with their report containing the following accusations: — 'Abdu'l-Bahá is establishing a new nation of which he is to be the king; 'Abdu'l-Bahá is uplifting the banner of a new religion; 'Abdu'l-Bahá has built or caused to be built fortifications in Haifa, a neighbouring village, and is buying up all the surrounding lands.'
"About this time an Italian ship appeared in the harbour sent by order of the Italian Consul. It had been planned that I was to escape on it by night. The Bahá'ís in 'Akká implored me to go but I sent this message to the captain: `The Báb did not run away: Bahá'u'lláh did not run away; I shall not run away, so the ship sailed away after waiting three days and three nights.
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"It was while the Sultán's committee of investigation was homeward bound that the first shell was dropped into 'Abdu'l-Hamíd's camp and the first gun of freedom was fired into the home of despotism. That was God's gun," said 'Abdu'l-Bahá, with one of his wonderful smiles.
"When the committee reached the Turkish capital, they had more urgent things to think of. The city was in a state of uproar and rebellion, and the committee, as members of the government staff, were delegated to investigate the insurrection. Meanwhile the people were establishing a constitutional government and 'Abdu'l-Hamíd was given no chance to act."
The Release
"With the advent of the Young Turks' supremacy, realized through the Society of Union and Progress, all the political prisoners of the Ottoman Empire were set free. Events took the chains from my neck and placed them about Hamíd's; 'Abdu'l-Bahá came out of prison and 'Abdu'l-Hamíd went in!"
"What became of the committee?" asked someone, breaking the deep silence that followed the recital of this thrilling page of history. "Aríf Bey," continued 'Abdu'l-Bahá, "was shot with three bullets, the general was exiled, the next in rank died, and the third ran away to Cairo, where he sought and received help from the Bahá'ís."
"Will you tell us how you felt while in prison
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and how you regard your freedom?" I asked. "We are glad that you are free."
"Thank you," he said graciously, and continuing —
"Freedom is not a matter of place. It is a condition. I was thankful for the prison, and the lack of liberty was very pleasing to me, for those days were passed in the path of service, under the utmost difficulties and trials, bearing fruits and results.
"Unless one accepts dire vicissitudes, he will not attain. To me prison is freedom, troubles rest me, death is life, and to be despised is honour. Therefore, I was happy all that time in prison. When one is released from the prison of self, that is indeed release, for that is the greater prison. When this release takes place, then one cannot be outwardly imprisoned. When they put my feet in stocks, I would say to the guard, `You cannot imprison me, for here I have light and air and bread and water. There will come a time when my body will be in the ground, and I shall have neither light nor air nor food nor water, but even then I shall not be imprisoned.' The afflictions which come to humanity sometimes tend to centre the consciousness upon the limitations, and this is a veritable prison. Release comes by making of the will a Door through which the confirmations of the Spirit come."
This sounded so like the old theology that the modern in me rose doubting if the discipline could be compensated for by the effort. "What do you mean by the confirmations of the Spirit?"
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"The confirmations of the Spirit are all those powers and gifts which some are born with (and which men sometimes call genius), but for which others have to strive with infinite pains. They come to that man or woman who accepts his life with radiant acquiescence."
Radiant acquiescence — that was the quality with which we all suddenly seemed inspired as 'Abdu'l-Bahá bade us good-bye.
It was a remarkable experience, hearing one who had passed along the prison path for forty years declare "There is no prison but the prison self;" and it drove conviction to one's mind as this white-robed messenger from the East pointed the way out, — not by the path called "Renunciation," but "Unattachment;" Radiant Acquiescence — the Shining Pathway out of the "greater prison of self" as 'Abdu'l-Bahá so beautifully terms those bars that keep us from our fulfillment.
Isabel Fraser.
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A Loving Farewell Greeting.
After leaving London and during his two months stay in Paris, 'Abdu'l-Bahá frequently sent back messages to his English friends, some of whom journeyed over to take advantage of the conferences there. On the eve of his departure for Alexandria, he gave the following admonitory farewell to the people of England and France.
"Work," he said unceasingly, "for the day of Universal Peace. Strive always that you may be united. Kindness and love in the path of service must be your means.
"I bid a loving farewell to the people of France and England. I am very much pleased with them. I counsel them that they may day by day strengthen the bond of love and amity to this end, — that they may become the sympathetic embodiment of one nation. — That they may extend themselves to a Universal Brotherhood to guard and protect the interests and rights of all the nations of the East, — that they may unfurl the Divine Banner of justice, — that they may treat each nation as a family composed of the individual children of God and may know that before the sight of God the rights of all are equal. For all of us are the children of one Father. God is at peace with all his children; why should they engage in strife and warfare among themselves? God is showering down kindness; why should the
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inhabitants of this world exchange unkindness and cruelty?"
"I will pray for you that you may be illumined with the Light of the Eternal."
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Greetings by 'Abdu'l-Bahá from Paris to London. October 1911.
Spoken to Mrs. Enthoven for conveyance to all the friends,
and now written from memory.
'Abdu'l-Bahá sent his greetings to all, begging all to go on acquiring strength in their belief and courage in its proclamation.
He spoke much of the pleasure he had felt in the atmosphere of England. He said there was a strength of purpose in the English people and a firmness which he liked and admired, There was honesty and uprightness. They were slow in starting a new idea, but, when they did, it was only because their minds and common-sense had told them that the idea was sound.
The English as a nation had pleased him greatly.
Believers, he added, must show their belief in their daily lives, so that the world might see the light shining in their faces. A bright and happy face cheers people on their way. If you are sad, and pass a child who is laughing, the child, seeing your sad face, will cease to laugh, not knowing why. If the day be dark, how much a gleam of sunshine is prized; so let believers wear smiling happy faces, gleaming like sunshine in the darkness. Let the Light of Truth and Honesty shine from them, so that all who behold them may
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know that their word in business or pleasure will be a word to trust and depend upon.
Forget self and work for the whole race. Remember always that one is working for the world, not for a town or even for a country; because, as all are brethren, so every country is, as it were, one's own.
Remember, above all, the teaching of Bahá'u'lláh concerning gossip and unseemly talk about others. Stories repeated about others are seldom good. A silent tongue is the safest. Even good may be harmful, if spoken at the wrong time, or to the wrong person.
Finally 'Abdu'l-Bahá sent his greetings and blessings to all, and assured me he was constantly thinking and praying for all.
To a gentleman who was questioning him, he remarked "The beginnings of all great religions were pure; but priests, taking possession of the minds of the people, filled them with dogmas and superstitions, so that religion became gradually corrupt. I come to teach no new religion. `My only desire is, through the blessing of God, to show the road to the Great Light." Touching the gentleman gently on his shoulder, as a loving father might touch a son, he went on to say, "I am no Prophet, only a man like yourself."
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November 26th, 1911.
Message to the London Bahá'ís for the Day of 'Abdu'l-Bahá.
Specially given to Mrs. Enthoven.
GOOD NEWS! GOOD NEWS!
The doors of the Kingdom of God are open!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! Armies of Angels are descending from Heaven!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Sun of Truth is rising!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! Heavenly food is being sent from above!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Trumpet is sounding!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Banner of the Great Peace is floating far and wide!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Light of the Lamp of the Oneness of Humanity is shining bright!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The fire of the Love of God is blazing!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Holy Spirit is being outpoured!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! For Everlasting Life is here!
O Ye that sleep, Awake! O ye heedless ones, Learn wisdom! O Blind, receive your sight!
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O Deaf, Hear! O Dumb, Speak! O Dead, Arise!
Be Happy!
Be Happy!
Be full of Joy!
This is the day of the Proclamation of the Báb! It is the Festival of the Forerunner of the Blessed Beauty (Bahá'u'lláh). It is the day of the dawning of the Morning of Guidance.
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'Abdu'l-Bahá in London
Abdu'l-Bahá
London: Bahá'í Publishing Trust, 1982
Contents
Introduction, by Eric Hammond
The City Temple: Introduction
Inscription in the Old Bible; Written by 'Abdu'l-Bahá in Persian
Address given by 'Abdu'l-Bahá at the City Temple; Sunday, September 10th, 1911
St. John's Westminster: Introduction
Discourse of 'Abdu'l-Bahá at St. John's, Westminster; September 17th, 1911
Theosophical Society: Introduction
Discourse of 'Abdu'l-Bahá given at the Theosophical Head Quarters; September 30th, 1911
Farewell Reception: Introduction
Meeting of Farewell to 'Abdu'l-Bahá; Reprinted by kind permission, from the Christian Commonwealth of Oct. 4th; September 29th, 1911
Speech of Professor Michael Sadler
Farewell words of 'Abdu'l-Bahá
10 Cheniston Gardens London W; The subjoined notes are taken from "The Quarterly Record of `Higher Thought' Work," November 1911
A Message from 'Abdu'l-Bahá; Written for The Christian Commonwealth and published September 29th, 1911
Discourse given at Miss E. J. Rosenberg's Unity Meeting; September 8th, 1911
Discourse at Mrs. Thornburgh-Cropper's; September 13th, 1911
Discourse by 'Abdu'l-Bahá given at the Unity Meeting of Misses Jack and Herrick; September 22nd, 1911
Notes of Conversations
The Arrival in London
London
Differences
Religion
Discourse to an assembly of Theosophists, 1911
Prejudices
Theosophy
Peace
Divine Manifestations
Buddhism
Faith
Healing
Philanthropic Societies
Man's Comprehension of God and of Higher Worlds
Divine Manifestations
Notes of a conversation with 'Abdu'l-Bahá
Ideals of East and West
Science and Faith
Converse with Departed Persons
Are Superstitions Useful
The Life After Death
Spiritual Relationship
A Bahá'í Wedding
The visit to Bristol
At Byfleet
The Captivity of Man
The Power of God
Inspired Messengers
Education
The Change of Heart
Christ and Bahá'u'lláh
Art
Symbols
Esperanto
Tolstoy
Healing
Death
A True Bahá'í
Spreading the Teaching
At Brooklands
Days in London
Woman's Work
Zenobia
The True Bahá'í
The Coming of Peace
The Pure Heart
True Spirituality
Knowledge must result in Action
Visit to the Lord Mayor
Some Personal Characteristics
The Farewell
SOME OF THE EXPERIENCES OF HIS FORTY YEARS IMPRISONMENT
The First Summer
Better Conditions
'Abdu'l-Hamíd's Committee
The Release
A Loving Farewell Greeting
Greetings by 'Abdu'l-Bahá from Paris to London. October 1911
November 26th, 1911; Message to the London Bahá'ís for the Day of 'Abdu'l-Bahá; Specially given to Mrs. Enthoven
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Introduction
COMPARATIVELY few of the faithful in London or in Paris had been blessed by the ability to journey to 'Akka to see 'Abdu'l-Bahá face to face; to hear his voice; to be fed bodily and spiritually by him in his own proper person. Many longed to behold him, to converse with him, but were prevented by varying difficulties. The steadfast believer who had diligently kept the lamp aflame in England was found able to hint that as the Teacher's fetters had at last been unlocked and his prison gates thrown open, he might gain health and solace by travel; might, indeed, visit his people in the West. To them such joy seemed almost beyond belief and when delay occurred they asked one another doubtfully "Where is the promise of his coming?" The fulfillment of joy came to them with his advent. He arrived in London with the quiet of the Most Great Peace, practically unheralded. The primary and ultimate purpose of his coming was the establishment of the quiescence of that Most Great Peace.
Installed under the roof of one whom he has called his "respected daughter," he was immediately and happily "at home," all the day long and every day, to visitors who thronged to pay him homage and receive his benediction. The atmosphere surrounding him harmonized with the perfect tone of 'Abdu'l-Bahá's own untiring
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courtesy and benevolence. Professors of differing creeds came and were conquered by the charm of his manner and the conviction of his soul. His message of Unity sank deep into the hearts of his listeners, whatever the faith those listeners adhered to.
Many questions were put to him by many persons. His answers, though perhaps handicapped by necessary interpretation, surprised and delighted his hearers. His grip of their thought; his quick and ardent replies, were wondered at and cordially received. Very occasionally he was persuaded to drive through some of the City's teeming streets or into one or other of the parks, aglow with the sunshine of a splendid summer. Occasionally, also, much to the delight and uplifting of the Bahá'ís, he was conveyed to the group-centres. There he delivered discourses, usually brief, but always to the point, bearing directly upon his mission and his message. His voice was always vibrant with the utterances of unity and peace. Only once or twice did he permit himself the pleasure of visiting friends in the country. A typical village within an easy motor drive; a big town in the west--Bristol; at these he found not only hospitable entertainment but very reverent and heedful gatherings. On certain other memorable days 'Abdu'l-Bahá addressed great audiences in places of worship and of social service. The pastor of the City Temple, the Reverend R. J. Campbell, M.A. introduced him, in most kindly words, to an overflowing congregation who heard 'Abdu'l-Bahá with
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intense interest; the address being rendered in English immediately afterwards.
At St. John's Church, Westminster, the venerable Archdeacon Wilberforce, performed a similar office, the congregation, at his desire, kneeling to receive 'Abdu'l-Bahá's blessing. At the Passmore Edwards' Settlement in Tavistock Place, crowded audiences assembled to see and hear.
A profound impression remained in the minds and memories of all sorts and conditions of men and women. The width of 'Abdu'l-Bahá's sympathy proved, in every instance, as helpful as his discrimination and perspicacity in dealing with difficulties whether subtle or obvious. Each person approaching him found himself understood and was astonished and relieved by 'Abdu'l-Bahá's comprehension of religious differences; above all, of religious agreements. By way, sometimes, of brief but masterly monologue; or, at other times, by way of question and reply, themes of individual or universal interest were handled and explained.
Very greatly was 'Abdu'l-Bahá's sojourn in London appreciated; very greatly his departure regretted. He left behind him many, many friends. His love had kindled love. His heart had opened to the West and the Western heart had closed around this patriarchal presence from the East. His words had in them something that appealed not only to their immediate hearers, but to men and women generally. His outlook was so hopeful; his soul so set on the promulgation of the
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principles of unity and peace, that his discourses and his answers could not be permitted to remain unrecorded. This attempt to reproduce them for the benefit of all who will read is made in the sure and certain hope that, by virtue of them, the aim and work of the speaker may be grasped and his endeavour be endorsed by the professors of all creeds, the inhabitants of all climes.
ERIC HAMMOND.
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Public Addresses
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The City Temple: Introduction
ON September 10th, the first Sunday after 'Abdu'l-Bahá's arrival in England, he spoke from the City Temple pulpit to the evening congregation at the special desire of the Pastor, the Reverend R. J. Campbell.
Though 'Abdu'l-Bahá's coming had not been advertised the Church was filled to its utmost capacity. Few that were there will ever forget the sight of that venerable figure clad in his Eastern garb, ascending the pulpit stairs to address a public gathering for the first time in his life. That this should be at a Christian place of worship in the West has its own deep significance. Mr. Campbell introduced the visitor with a few simple words in the course of which he said: "We, as the followers of the Lord Jesus Christ, who is to us and will always be the Light of the World, view with sympathy and respect every movement of the Spirit of God in the experience of mankind, and therefore we give greeting to 'Abdu'l-Bahá in the name of all who share the spirit of our Master, and are trying to live their lives in that Spirit. The Bahá'í Movement is very closely akin to, I think I might say is identical with, the spiritual purpose of Christianity."
Before 'Abdu'l-Bahá left the Church, he wrote in the old Bible used by generations of preachers, the following words in his own native Persian, the translation being added as follows:
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Inscription in the Old Bible
Written by 'Abdu'l-Bahá in Persian
THIS book is the Holy Book of God, of celestial Inspiration. It is the Bible of Salvation, the Noble Gospel. It is the mystery of the Kingdom and its light. It is the Divine Bounty, the sign of the guidance of God.
'Abdu'l-Bahá 'Abbás.
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Address given by 'Abdu'l-Bahá at the City Temple
Sunday, September 10th, 1911
O NOBLE friends; seekers after God! Praise be to God! Today the light of Truth is shining upon the world in its abundance; the breezes of the heavenly garden are blowing throughout all regions; the call of the Kingdom is heard in all lands, and the breath of the Holy Spirit is felt in all hearts that are faithful. The Spirit of God is giving eternal life. In this wonderful age the East is enlightened, the West is fragrant, and everywhere the soul inhales the holy perfume. The sea of the unity of mankind is lifting up its waves with joy, for there is real communication between the hearts and minds of men. The banner of the Holy Spirit is uplifted, and men see it, and are assured with the knowledge that this is a new day.
This is a new cycle of human power. All the horizons of the world are luminous, and the world will become indeed as a garden and a paradise. It is the hour of unity of the sons of men and of the drawing together of all races and all classes. You are loosed from ancient superstitions which have kept men ignorant, destroying the foundation of true humanity.
The gift of God to this enlightened age is the knowledge of the oneness of mankind and of the fundamental oneness of religion. War shall cease
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between nations, and by the will of God the Most Great Peace shall come; the world will be seen as a new world, and all men will live as brothers.
In the days of old an instinct for warfare was developed in the struggle with wild animals; this is no longer necessary; nay, rather, co-operation and mutual understanding are seen to produce the greatest welfare of mankind. Enmity is now the result of prejudice only.
In the Hidden Words Bahá'u'lláh says, "Justice is to be loved above all." Praise be to God, in this country the standard of justice has been raised; a great effort is being made to give all souls an equal and a true place. This is the desire of all noble natures; this is today the teaching for the East and for the West; therefore the East and the West will understand each other and reverence each other, and embrace like long-parted lovers who have found each other.
There is one God; mankind is one; the foundations of religion are one. Let us worship Him, and give praise for all His great Prophets and Messengers who have manifested His brightness and glory.
The blessing of the Eternal One be with you in all its richness, that each soul according to his measure may take freely of Him. Amen.
This Address is printed by kind permission, from The Christian Commonwealth of September 13th, 1911. Spoken by 'Abdu'l-Bahá in Persian from the city Temple pulpit, the above translation was then read to the congregation by Mr. W. Tudor-Pole.
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St. John's Westminster: Introduction
On September 17th, 'Abdu'l-Bahá at the request of the venerable Archdeacon of Westminster addressed the congregation of Saint John the Divine after evening service. With a few warm words characteristic of his whole attitude Archdeacon Wilberforce introduced the revered Messenger from the East, who had crossed seas and countries on his Mission of Peace and Unity for which he had suffered forty years of captivity and persecution. The Archdeacon had the Bishop's chair placed for his Guest on the Chancel steps, and standing beside him read the translation of 'Abdu'l-Bahá's address himself. The Congregation was profoundly moved, and following the Archdeacon's example knelt to receive the blessing of the Servant of God — who stood with extended arms — his wonderful voice rising and falling in the silence with the power of his invocation. As the Archdeacon said: "Truly the East and the West have met in this sacred place tonight." The hymn "O God our help in ages past" was sung by the entire assembly standing, as 'Abdu'l-Bahá and the Archdeacon passed down the aisle to the vestry hand in hand.
Outside the Church, Salvationists were holding their meeting and 'Abdu'l-Bahá was deeply impressed and touched at the sight of the men, women and children gathered together in the night, at the street corner, praying and singing.
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Discourse of 'Abdu'l-Bahá at St. John's, Westminster.
September 17th, 1911.
O NOBLE Friends! O Seekers for the Kingdom of God! Man all over the world is seeking for God. All that exists is God; but the Reality of Divinity is holy above all understanding.
The pictures of Divinity that come to our mind are the product of our fancy; they exist in the realm of our imagination. They are not adequate to the Truth; truth in its essence cannot be put into words.
Divinity cannot by comprehended because it is comprehending.
Man, who has also a real existence, is comprehended by God; therefore, the Divinity which man can understand is partial; it is not complete. Divinity is actual Truth and real existence, and not any representation of it. Divinity itself contains All, and is not contained.
Although the mineral, vegetable, animal and man all have actual being, yet the mineral has no knowledge of the vegetable. It cannot apprehend it. It cannot imagine nor understand it.
It is the same with the vegetable. Any progress it may make, however highly it may become developed, it will never apprehend the animal, nor understand it. It is, so to speak, without news of it. It has no ears, no sight, no understanding.
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It is the same with the animal. However much it may progress in its own kingdom, however refined its feelings may become, it will have no real notion of the world of man or of his special intellectual faculties.
The animal cannot understand the roundness of the earth, nor its motion in space, nor the central position of the sun, nor can it imagine such a thing as the all-pervading ether.
Although the mineral, vegetable, animal and man himself are actual beings, the difference between their kingdoms prevents members of the lower degree from comprehending the essence and nature of those of the superior degree. This being so, how can the temporal and phenomenal comprehend the Lord of Hosts?
It is clear that this is impossible!
But the Essence of Divinity, the Sun of Truth, shines forth upon all horizons and is spreading its rays upon all things. Each creature is the recipient of some portion of that power, and man, who contains the perfection of the mineral, the vegetable and animal, as well as his own distinctive qualities, has become the noblest of created beings. It stands written that he is made in the Image of God. Mysteries that were hidden he discovers; and secrets that were concealed he brings into the light. By Science and by Art he brings hidden powers into the region of the visible world. Man perceives the hidden law in created things and co-operates with it.
Lastly the perfect man, the Prophet, is one who is transfigured, one who has the purity and
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clearness of a perfect mirror — one who reflects the Sun of Truth. Of such a one — of such a Prophet and Messenger — we can say that the Light of Divinity with the heavenly Perfections dwells in him.
If we claim that the sun is seen in the mirror, we do not mean that the sun itself has descended from the holy heights of his heaven and entered into the mirror! This is impossible. The Divine Nature is seen in the Manifestations and its Light and Splendor are visible in extreme glory.
Therefore, men have always been taught and led by the Prophets of God. The Prophets of God are the Mediators of God. All the Prophets and Messengers have come from One Holy Spirit and bear the Message of God, fitted to the age in which they appear. The One Light is in them and they are One with each other. But the Eternal does not become phenomenal; neither can the phenomenal become Eternal.
Saint Paul, the great Apostle, said: "We all, with open face beholding as in a mirror the glory of God, are changed into the same image from glory to glory, as by the Spirit of the Lord."
O GOD the Forgiver! O Heavenly Educator! This assembly is adorned with the mention of thy holy Name. Thy children turn their face towards thy Kingdom, hearts are made happy and souls are comforted.
Merciful God! cause us to repent of our
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shortcomings! Accept us in thy heavenly Kingdom and give unto us an abode where there shall be no error. Give us peace; give us knowledge, and open unto us the gates of thy heaven.
Thou art the Giver of all! Thou art the Forgiver! Thou art the Merciful! Amen.
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Theosophical Society: Introduction
ON September 30th, 'Abdu'l-Bahá met the Theosophical society at their new Headquarters at the express request of their president Mrs. Annie Besant. After a general history of the movement and sympathetic words of welcome by Mr. A. P. Sinnett, 'Abdu'l-Bahá rose and delivered to the crowded assembly an address upon the distinctive notes of the Bahá'í teaching, warmly commending the eagerness of the Society in its search for Truth.
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Discourse of 'Abdu'l-Bahá given at the Theosophical Head Quarters.
September 30th, 1911.
O RESPECTED Assembly! O friends of Truth! The inherent nature of fire is to burn, the inherent nature of electricity is to give light, the inherent nature of the sun is to shine, and the inherent nature of the organic earth is the power of growth.
There is no separation between a thing and its inherent qualities.
It is the inherent nature of things on this earth to change, thus we see around us the change of the seasons. Every spring is followed by a summer and every autumn brings a winter — every day a night and every evening a morning. There is a sequence in all things.
Thus when hatred and animosity, fighting, slaughtering, and great coldness of heart were governing this world, and darkness had overcome the nations, Bahá'u'lláh, like a bright star, rose from the horizon of Persia and shone with the great Light of Guidance, giving heavenly radiance and establishing the new Teaching.
He declared the most human virtues; He manifested the Spiritual powers, and put them into practice in the world around Him.
Firstly: He lays stress on the search for Truth. This is most important, because the people are too easily led by tradition. It is because of this
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that they are often antagonistic to each other, and dispute with one another.
But the manifesting of Truth discovers the darkness and becomes the cause of Oneness of faith and belief: because Truth cannot be two! That is not possible.
Secondly: Bahá'u'lláh taught the Oneness of humanity; that is to say, all the children of men are under the mercy of the Great God. They are the sons of one God; they are trained by God. He has placed the crown of humanity on the head of every one of the servants of God. Therefore all nations and peoples must consider themselves brethren. They are all descendants from Adam. They are the branches, leaves, flowers and fruits of One Tree. They are pearls from one shell. But the children of men are in need of education and civilization, and they require to be polished, till they become bright and shining.
Man and woman both should be educated equally and equally regarded.
It is racial, patriotic, religious and class prejudice, that has been the cause of the destruction of Humanity.
Thirdly: Bahá'u'lláh taught, that Religion is the chief foundation of Love and Unity and the cause of Oneness. If a religion become the cause of hatred and disharmony, it would be better that it should not exist. To be without such a religion is better than to be with it.
Fourthly: Religion and Science are inter-twined with each other and cannot be separated. These are the two wings with which humanity must fly.
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One wing is not enough. Every religion which does not concern itself with Science is mere tradition, and that is not the essential. Therefore science, education and civilization are most important necessities for the full religious life.
Fifthly: The Reality of the divine Religions is one, because the Reality is one and cannot be two. All the prophets are united in their message, and unshaken. They are like the sun; in different seasons they ascend from different rising points on the horizon. Therefore every ancient prophet gave the glad tidings of the future, and every future has accepted the past.
Sixthly: Equality and Brotherhood must be established among all members of mankind. This is according to Justice. The general rights of mankind must be guarded and preserved.
All men must be treated equally. This is inherent in the very nature of humanity.
Seventhly: The arrangements of the circumstances of the people must be such that poverty shall disappear, and that every one as far as possible, according to his position and rank, shall be comfortable. Whilst the nobles and others in high rank are in easy circumstances, the poor also should be able to get their daily food and not be brought to the extremities of hunger.
Eighthly: Bahá'u'lláh declared the coming of the Most Great Peace. All the nations and peoples will come under the shadow of the Tent of the Great Peace and Harmony — that is to say, by general election a Great Board of Arbitration shall be established, to settle all differences and
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quarrels between the Powers; so that disputes shall not end in war.
Ninthly: Bahá'u'lláh taught that hearts must receive the Bounty of the Holy Spirit, so that Spiritual civilization may be established. For material civilization is not adequate for the needs of mankind and cannot be the cause of its happiness. Material civilization is like the body and spiritual civilization is like the soul. Body without soul cannot live.
This is a short summary of the Teachings of Bahá'u'lláh. To establish this Bahá'u'lláh underwent great difficulties and hardships. He was in constant confinement and He suffered great persecution. But in the fortress ('Akká) He reared a spiritual palace and from the darkness of His prison He sent out a great light to the world.
It is the ardent desire of the Bahá'ís to put these teachings into common practice: and they will strive with soul and heart to give up their lives for this purpose, until the heavenly light brightens the whole world of humanity.
I am very happy that I have been able to talk with you in this gathering: and hope that this deep consciousness of mine is acceptable to you.
I pray for you, that you may succeed in your aspirations and that the bounties of the Kingdom may be yours.
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Farewell Reception: Introduction
On the evening of St. Michael's day, a large farewell reception was given to 'Abdu'l-Bahá in the hall of the Passmore Edwards' Settlement, which was filled to its utmost capacity with representative people of every profession, some coming from great distances.
On the platform surrounding 'Abdu'l-Bahá were men of different shades of thought, met to express their sympathy with the work and mission of their great visitor. Professor Michael E. Sadler was in the chair.
The meeting began with the Lord's Prayer spoken by the entire assembly; this was followed by the prayer for Unity of Bahá'u'lláh and a prayer of the fifth Century, ascribed to Pope Gelasius. Professor Sadler then spoke in words that will never be forgotten by those who heard them; and in his address used a quotation from a Universal Prayer, which had been submitted by an earnest Bahá'í to 'Abdu'l-Bahá, the year before in Egypt and which had been completed by him and commended as one that could be used by peoples of all faiths in the East and West.
The Chairman was followed by Sir Richard Stapley, Mr. Eric Hammond, Mr. Claude Montefiore, Mrs. Stannard from Egypt, and others. As 'Abdu'l-Bahá left the hall, the poor people of the neighbourhood, crowded on the
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pavement to see him and an eager-faced little lame girl on crutches was specially brought to him.
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Meeting of Farewell to 'Abdu'l-Bahá.
Reprinted by kind permission, from the Christian Commonwealth of Oct. 4th.
September 29th, 1911.
AT the invitation of Mrs. Thornburgh-Cropper about four hundred and sixty representative people met in the hall of the Passmore Edwards' Settlement, Tavistock Place, last Friday evening to bid farewell to 'Abdu'l-Bahá 'Abbás on the eve of his departure for Paris. Arriving in London on Monday evening, September the fourth, he has spent a happy and busy four weeks in our midst. Except for a brief visit to Bristol last week he remained at 97, Cadogan Gardens. His time was mainly occupied in interviews with people who wish to meet him. These included not a few whose names are household words in this country, and some travelled long distances to see him.
A beautiful spirit prevailed on Friday evening. The atmosphere was very different from that of an ordinary meeting or religious gathering. Everyone present was enriched by the lofty spiritual tone of the proceedings; the notes struck were all in the direction of Brotherhood, Unity, and Peace. While a report of the speeches would give a very inadequate idea of the effect produced, yet they were so well-conceived, so sincere, so exquisitely phrased as to be all worthy of reproduction. Among others Amír Alí Siyyid wrote regretting
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his inability to be present, and Archdeacon Wilberforce sent affectionate greetings.
After the Lord's Prayer and prayers for Unity of Bahá'u'lláh and Gelasius (fifth Century), Professor Michael Sadler spoke as follows: —
Speech of Professor Michael Sadler
We have met together to bid farewell to 'Abdu'l-Bahá, and to thank God for his example and teaching, and for the power of his prayers to bring Light into confused thought, Hope into the place of dread, Faith where doubt was, and into troubled hearts, the Love which overmasters self-seeking and fear.
Though we all, among ourselves, in our devotional allegiance have our own individual loyalties, to all of us 'Abdu'l-Bahá brings, and has brought, a message of Unity, of sympathy and of Peace. He bids us all be real and true in what we profess to believe; and to treasure above everything the Spirit behind the form. With him we bow before the Hidden Name, before that which is of every life the Inner Life! He bids us worship in fearless loyalty to our own faith, but with ever stronger yearning after Union, Brotherhood, and Love; so turning ourselves in Spirit, and with our whole heart, that we may enter more into the mind of God, which is above class, above race, and beyond time.
Professor Sadler concluded with a beautiful prayer of James Martineau.
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Mr. Eric Hammond said the Bahá'í movement stood for unity; one God, one people; a myriad souls manifesting the divine unity, a unity so complete that no difference of colour or creed could possibly differentiate between one Manifestation of God and another, and a sympathy so all-embracing as to include the very lowest, meanest, shabbiest of men; unity, sympathy, brotherhood, leading up to a concord universal. He concluded with a saying of Bahá'u'lláh, that the divine cause of universal good could not be limited to either East or West.
Miss Alice Buckton said we were standing at one of the springtimes of the world, and from that assembly of representatives of thought and work and love, would go out all over the world influences making for unity and brotherhood The complete equality of men and women was one of the chief notes of Bahá'í teaching.
Sir Richard Stapley pointed out that unity must not be sought in the forms and externals of religion, but in the inner spirit. In Persia there had been such an impulse towards real unity as was a rebuke to this so-called Christian country.
Mr. Claude Montefiore, as a Jew, rejoiced in the growth of the spirit of unity, and regarded that meeting as prophetic of the better time to come, and in some sense a fulfillment of the idea expressed by one who fell as a martyr to the Roman Catholic faith, Sir Thomas More, who wrote of the great Church of the Utopians, in which all varieties of creeds gathered together, having a service and liturgy that expressed the
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higher unity, while admitting special loyalties.
Mrs. Stannard dwelt on what that meeting and the sentiments expressed meant to the East, especially to the women, whose condition it was difficult for the West to understand.
Tammaddun'ul-Mulk testified to the unifying effect the Bahá'í movement had had in Persia, and of the wonderful way in which it had spread to America and other countries.
Then 'Abdu'l-Bahá rose to give his farewell address. An impressive figure, the face rather worn but the eyes full of animation, he stood for about fifteen minutes, speaking in soft musical Persian. With hands extended, palms upwards, he closed with a prayer.
Farewell words of 'Abdu'l-Bahá
O NOBLE friends and seekers for the Kingdom of God! About sixty years ago in the time when the fire of war was blazing among the nations of the world, and bloodshed was considered an honour to mankind; in a time when the carnage of thousands stained the earth; when children were rendered fatherless; when fathers were without sons and mothers were spent with weeping; when the darkness of inter-racial hatred and animosity seemed to envelope mankind and blot out the divine light; when the wafting of the holy breath of God seemed to be cut off — in that time Bahá'u'lláh rose like a shining star from the
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horizon of Persia, inspired with the message of Peace and of Brotherhood among men.
He brought the light of guidance to the world; He kindled the fire of love and revealed the great reality of the True Beloved. He sought to destroy the foundations of religious and racial prejudice and of political rivalry.
He likened the world of humanity to a tree, and all the nations to its branches and the people to its leaves, buds and fruits.
His mission was to change ignorant fanaticism into Universal love, to establish in the minds of His followers the basis of the unity of humanity and to bring about in practice the equality of mankind. He declared that all men were equal under the mercy and bounty of God.
Then was the door of the Kingdom set wide and the light of a new heaven on earth revealed unto seeing eyes.
Yet the whole Bahá'u'lláh's life was spent in the midst of great trial and cruel tyranny. In Persia He was thrown into prison, put into chains, and lived constantly under the menace of the sword. He was scorned and scourged.
When He was about thirty years old He was exiled to Baghdád, and from Baghdád to Constantinople, and from there to Adrianople and lastly to the prison of 'Akká.
Yet under chains and from His cell He succeeded in spreading His cause, and uplifting the banner of the oneness of humanity.
Now, God be praised, we see the light of Love shining in the East and in the West; and the tent
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of fellowship is raised in the midst of all the peoples for the drawing together of all hearts and souls.
The call of the Kingdom has been sounded, and the annunciation of the world's need for Universal Peace has enlightened the world's conscience.
My hope is that through the zeal and ardour of the pure of heart, the darkness of hatred and difference will be entirely abolished, and the light of love and unity shall shine; this world shall become a new world; things material shall become the mirror of the divine; human hearts shall meet and embrace each other; the whole world become as a man's native country and the different races be counted as one race.
Then disputes and differences will vanish, and the Divine Beloved be revealed on this earth.
As the East and the West are illumined by one sun, so all races, nations, and creeds shall be seen as the servants of the One God. The whole earth is one home, and all peoples, did they but know it, are bathed in the oneness of God's mercy. God created all. He gives sustenance to all. He guides and trains all under the shadow of his bounty. We must follow the example God Himself gives us, and do away with all disputations and quarrels.
Praise be to God! the signs of friendship are appearing, and as a proof of this I, today, coming from the East, have met in this London of the West with extreme kindness, regard and love, and I am deeply thankful and happy. I shall never forget this time I am spending with you.
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Forty years I endured in a Turkish prison. Then in 1908 the Young Turks "Committee of Union and Progress" shook the gates of despotism and set all prisoners free, myself among them. I pray that blessing may be upon all who work for Union and Progress.
In the future untrue reports will be spread regarding Bahá'u'lláh in order to hinder the spread of Truth. I tell you this, that you may be awake and prepared.
I leave you with prayer that all the beauty of the Kingdom may be yours. In deep regret at our separation, I bid you good-bye.
____________________
The translation of the valedictory having been read by Professor Sadler, 'Abdu'l-Bahá closed the meeting by giving his blessing in undulating rhythmic tones.
By the time these lines appear 'Abdu'l-Bahá 'Abbás will have left our shores, but the memory of his gracious personality is a permanent possession. His influence will be felt for many days to come, and has already done much to promote that union of East and West for which many have long yearned.
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10 Cheniston Gardens London W.
The subjoined notes are taken from "The Quarterly Record of `Higher Thought' Work," November 1911.
ONE of the most interesting and significant events which have taken place, has been the visit of 'Abdu'l-Bahá to London. The Persian Mage whose life, passed in prison, has been spent in promoting peace and unity by the one certain method of aiding individual spiritual development, must in a very real sense have "tasted of the travail of his soul and been satisfied". Not only was he visited privately by nearly every earnest truth-seeker and leader of high thought in London, but his message was made known to thousands who had but dimly heard his name before.
The Higher Thought Centre was well known to 'Abdu'l-Bahá as the place where the Bahá'ís held their weekly meetings under the direction of Miss Rosenberg, and an invitation to the Centre was accepted by him just two days before his departure. Through his interpreter 'Abdu'l-Bahá gave a kindly greeting and a short impressive address, dwelling on the blessedness of such an assembly gathered in a spirit of unity and spiritual aspiration. He concluded with a lowly uttered fervent prayer in his own tongue, and a benediction which all present felt to be very real.
On the following day a message was conveyed to the Centre from 'Abdu'l-Bahá signifying the
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fullest appreciation of all kindness shown to the Bahá'ís, and concluding with these words; "it matters not what name each calls himself — The Great Work is One."
"Christ is ever in the world of existence. He has never disappeared out of it.... Rest assured that Christ is present. The Spiritual beauty we see around us today is from the breathings of Christ."
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A Message from 'Abdu'l-Bahá
Written for The Christian Commonwealth and published September 29th, 1911.
GOD sends Prophets for the education of the people and the progress of mankind. Each such Manifestation of God has raised humanity. They serve the whole world by the bounty of God. The sure proof that they are the Manifestations of God is in the education and progress of the people. The Jews were in the lowest condition of ignorance, and captives under Pharaoh when Moses appeared and raised them to a high state of civilization. Thus was the reign of Solomon brought about and science and art were made known to mankind. Even Greek philosophers became students of Solomon's teaching. Thus was Moses proved to be a Prophet.
After the lapse of time the Israelites deteriorated, and became subject to the Romans and the Greeks. Then the brilliant Star of Jesus rose from the horizon upon the Israelites, brightening the world, until all sects and creeds and nations were taught the beauty of unity. There cannot be any better proof than this that Jesus was the Word of God.
So it was with the Arabian nations who, being uncivilized, were oppressed by the Persian and Greek governments. When the Light of Muhammad shone forth all Arabia was brightened. These oppressed and degraded peoples became enlightened
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and cultured; so much so, indeed, that other nations imbibed Arabian civilization from Arabia. This was the proof of Muhammad's divine mission.
All the teaching of the Prophets is one; one faith; one Divine light shining throughout the world. Now, under the banner of the oneness of humanity all people of all creeds should turn away from prejudice and become friends and believers in all the Prophets. As Christians believe in Moses, so the Jews should believe in Jesus. As the Muhammadans believe in Christ and Moses, so likewise the Jews and the Christians should believe in Muhammad. Then all disputes would disappear, all then would be united. Bahá'u'lláh came for this purpose. He has made the three religions one. He has uplifted the standard of the oneness of faith and the honour of humanity in the centre of the world. Today we must gather round it, and try with heart and soul to bring about the union of mankind.
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Discourse given at Miss E. J. Rosenberg's Unity Meeting.
September 8th, 1911.
PRAISE be to God, that such a meeting of purity and steadfastness is being held in London. The hearts of those present are pure, and are turned towards the Kingdom of God. I hope that all that is contained and established in the Holy books of God may be realized in you. The Messengers of God are the principal and the first teachers. Whenever this world becomes dark, and divided in its opinions and indifferent, God will send one of His Holy Messengers.
Moses came during a time of darkness, when ignorance and childishness prevailed amongst the people, and they were waverers. Moses was the teacher of God; He gave the teachings of holiness and educated the Israelites. He raised up the people from their degradation and caused them to be highly honoured. He taught them Sciences and Arts, trained them in civilization and increased their human virtues. After a while, that which they had thus received from God was lost; the way was prepared for the return of evil qualities, and the world was oppressed by tyranny.
Then again the rumour of the Light of Reality and the breathing of the Holy Spirit became known. The cloud of Bounty showered, the Light of Guidance shone upon the earth. The world put
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on a new garment, the people became a new people, the oneness of humanity was proclaimed. The great unity of thought transformed humanity and created a new world. Again, after a time, all this was forgotten by the people. The teachings of God no longer influenced their lives. His prophecies and commandments became fainter and were finally obliterated from their hearts, and tyranny and thoughtlessness once more prevailed.
Bahá'u'lláh then came and once more renewed the foundation of Faith. He brought back the teachings of God, and the humane practices of the time of Christ. He quenched the thirst of the thirsty, He awakened the careless and called the attention of the heedless to the Divine secrets. He declared the unity of humanity, and spread abroad the teaching of the equality of all men.
Therefore, all of you ought with your hearts and minds to endeavour to win the people with kindness, so that this great Unity may be established, that childish superstitions may pass away, and all may become one.
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Discourse at Mrs. Thornburgh-Cropper's
September 13th, 1911.
'Abdu'l-Bahá said: — Thanks be to God, this is a good meeting. It is very enlightened, it is spiritual.
As a Persian Poet has written: — "The Celestial Universe is so formed that the under world reflects the upper world." That is to say whatever exists in heaven is reflected in this phenomenal world. Now, praise be to God, this meeting of ours is a reflection of the heavenly concourse; it is as though we had taken a mirror and had gazed into it. This reflection from the heavenly concourse we know as love.
As heavenly love exists in the supreme concourse even so it is reflected here. The supreme concourse is filled with the desire for God — thank God, this desire is also here.
Therefore if we say that this meeting is heavenly, it is true. Why? Because we have no other desire except for that which comes from God. We have no other object save the commemoration of God.
Some of the people of the earth desire conquest over others: some of them are longing for rest and ease; others desire a high position; some desire to become famous: — thank God our desire is for spirituality and for union with God.
Now that we are gathered here our wish is to raise the banner of the Unity of God, to spread
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the Light of God, to make the hearts of the people turn to the Kingdom. Therefore I thank God that He is causing us to do this great work.
I pray for all of you, that you may become celestial warriors, that you may everywhere spread the Unity of God and enlighten the East and West, and that you may give to all hearts the love of God. This is my utmost desire, and I pray to God that your desire may be the same.
I am very happy to be with you all. I am pleased with the English King and Government, and with the people.
You may thank God that in this land you are so free. You do not know what lack of freedom there is in the East. When anyone comes to this country he is content.
I wish God's protection for you all. Goodbye to you all.
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Discourse by 'Abdu'l-Bahá given at the
Unity Meeting of Misses Jack and Herrick.
September 22nd, 1911.
IT is a cold and miserable day but as I was anxious to see you I came here. For a man who has love, effort is a rest. He will travel any distance to visit his friends.
Thank God I see you spiritual and at rest; I give you this message from God; that you must be turned toward Him. Praise God that you are near Him! The unworthy things of this world have not deterred you from seeking the world of Spirit. When in harmony with that world, you care not for the things that perish; your desire is for that which never dies and the Kingdom lies open before you. I hope that the teaching of God will spread throughout the world, and will cause all to be united.
In the time of Jesus Christ there was an outpouring of the Light from East to West that brought the people under a heavenly banner and illumined them with divine insight. Western lands have been kindled by the Light of the Christ. I pray earnestly that the Light in this advanced age will so illumine the world that all may rally under the banner of Unity and receive Spiritual education.
Then those problems which cause difference
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among the peoples of the earth will be seen no more, for verily they are not. You are all waves of one sea, mirrors of one reflection.
This day the countries of Europe are at rest; Education has become widespread. The light of liberty is the light of the West, and the intention of government is to work for truth and justice in Western countries. But ever the light of spirituality shines from out of the East. In this age that light has become dimmed; religion has become a matter of form and ceremony and the desire for God's love has been lost.
In very age of great spiritual darkness, a light is kindled in the East. So once again the light of the teachings of God has come unto you. Even as education and progress travel from West to East, so does the spiritual fire travel from East to West.
I hope that the people of the West may be illumined by the light of God; that the Kingdom may come to them, that they may find eternal Life, that the Spirit of God may spread like a fire among them, that they may be baptized with the Water of Life and may find a new birth.
This is my desire; I hope by the will of God, He will cause you to receive it, and will make you happy.
In the same way that you have education and material progress so may the light of God be your portion.
God keep all of you in safety.
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Notes of Conversations
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The Arrival in London
THE evening of his arrival in London, Monday, September 4th, 1911, 'Abdu'l-Bahá said: Heaven has blessed this day. It was said that London should be a place for a great proclamation of the Faith. I was tired when I went on board the steamer, but when I reached London and beheld the faces of the friends my fatigue left me. Your great love refeshes me. I am very pleased with the English friends.
The feeling that existed between the East and the West is changing in the Light of Bahá'u'lláh's teaching. It used to be such that if an Occidental drank from the cup of an Oriental the cup would be considered polluted and would be broken. Now when a Western Bahá'í dines with an Eastern Bahá'í the vessels and the plates that he has used are kept apart and reverenced in his memory. 'Abdu'l-Bahá then gave this historic instance of wonderful brotherly love:
One day some soldiers came to the house of a Bahá'í and demanded that one of the guests should be given up for execution, according to their warrant. The host took his guest's place and died in his stead.
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London
The magnet of your love brought me to this country. My hope is that the Divine Light may shine here, and that the Heavenly Star of Bahá'u'lláh may strengthen you, so that you may be the cause of the oneness of humanity, that you may help to make the darkness of superstition and prejudice disappear and unite all creeds and nations.
This is a brilliant century. Eyes are now open to the beauty of the oneness of humanity, of love and of brotherhood. The darkness of suppression will disappear and the light of unity will shine. We cannot bring love and unity to pass merely by talking of it. Knowledge is not enough. Wealth, science, education are good, we know: but we must also work and study to bring to maturity the fruit of knowledge.
Knowledge is the first step; resolve, the second step; action, its fulfillment, is the third step. To construct a building one must first of all make a plan, then one must have the power (money), then one can build. A society of Unity is formed, that is good — but meetings and discussions are not enough. In Egypt these meetings take place but there is only talk and no result. These meetings here in London are good, the knowledge and the intention are good, but how can there be a result without action? Today the force for Unity is the Holy Spirit of Bahá'u'lláh. He
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manifested this spirit of Unity. Bahá'u'lláh brings East and West together. Go back, search history, you will not find a precedent for this.
Differences
God has created the world as one — the boundaries are marked out by man. God has not divided the lands, but each man has his house and meadow; horses and dogs do not divide the fields into parts. That is why Bahá'u'lláh says: "Let not a man glory in that he loves his country, but that he loves his kind." All are of one family, one race; all are human beings. Differences as to the partition of lands should not be the cause of separation among the people.
One of the great reasons of separation is colour. Look how this prejudice has power in America, for instance. See how they hate one another! Animals do not quarrel because of their colour! Surely man who is so much higher in creation, should not be lower than the animals. Think over this. What ignorance exists! White doves do not quarrel with blue doves because of their colour, but white men fight with dark-coloured men. This racial prejudice is the worst of all.
The Old Testament says that God created man like unto His own image; in the Qur'an it says: "There is no difference in the Creation of God!" Think well, God has created all, cares for all, and all are under His protection. The policy of God is better than our policy. We are not as wise as God!
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Religion
To most men who have not heard the message of this teaching, religion seems an outward form, a pretence, merely a seal of respectability. Some priests are in holy office for no other reason than to gain their living. They themselves do not believe in the religion they pretend to teach. Would these men lay down their lives for their faith? Ask a Christian of this kind to deny Christ in order to save his life, and he will do it.
Ask a Bahá'í to deny any of the great Prophets, to deny his faith or to deny Moses, Muhammad or Christ, and he will say: I would rather die. So a Muhammadan Bahá'í is a better Christian than many so called Christians.
A Bahá'í denies no religion; he accepts the Truth in all, and would die to uphold it. He loves all men as his brothers, of whatever class, of whatever race or nationality, of whatever creed or colour, whether good or bad, rich or poor, beautiful or hideous. He commits no violence; if he is struck he does not return the blow. He calls nothing bad, following the example of the Lord Bahá'u'lláh. As a safeguard against intemperance he does not drink wine or spirits. Bahá'u'lláh has said it is not good for a sane man to take that which will destroy his health and sense.
The religion of God has two aspects in this world. The spiritual (the real) and the formal (the outward). The formal side changes, as man
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changes from age to age. The spiritual side which is the Truth, never changes. The Prophets and Manifestations of God bring always the same teaching; at first men cling to the Truth but after a time they disfigure it. The Truth is distorted by man-made outward forms and material laws. The veil of substance and worldliness is drawn across the reality of Truth.
As Moses and Jesus brought their Message to the people, so Bahá'u'lláh brings the same Message.
Each time God sends a Great One to us we are given new life, but the Truth each Manifestation brings is the same. The Truth never changes but man's vision changes. It is dulled and confused by the complication of outward forms.
The Truth is easy to understand although the outward forms in which it is expressed bewilder the intelligence. As men grow they see the futility of man-made forms and despise them. Therefore many leave the churches, because the latter often emphasize the external only.
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Discourse to an assembly of Theosophists.
London - September, 1911.
THESE are wonderful days! We see an Eastern guest received with love and courtesy in the West. I have been drawn here, in spite of indisposition, by the magnet of your love and sympathy.
Some years ago an Ambassador was sent from Persia to London where he stayed five years. (His name was 'Abdu'l Hasan Khán). When he returned to Persia they asked him to tell them about the English people. He answered: "I do not know the English people, although I have been in London for years I have only met the people of the Court." This man was a great man in Persia, and was sent to England by princes, and yet he did not know the people, although he had lived among them five years. Now, I — long a prisoner, come to England for the first time, and although my visit is so short, I have already met many dear friends, and I can say I know the people. Those I have met are true souls working for peace and unity. — Think what a difference there is between this time we are living in now, and seventy years ago! Think of the progress! the progress towards unity and peace.
It is God's will that the differences between nations should disappear. Those who help on the cause of unity are doing God's work. Unity is the Divine Bounty for this luminous century. Praise
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be to God, there are today many societies and many meetings held for Unity. Enmity is not so much the cause of separation as it used to be; the cause of disunion now is mostly prejudice. For instance, years ago when Europeans visited the East they were considered unclean and were hated. Now it is different: when people of the West visit those in the East who are followers of the New Light, they are received with love and courtesy.
'Abdu'l-Bahá holding a little child close to him said, the true Bahá'í loves the children, because Jesus says they are of the Kingdom of heaven. A simple pure heart is near to God; a child has no worldly ambitions.
Prejudices
The Universal Races Congress was good, for it was intended for the furtherance and progress of unity among all nations and a better international understanding. The purpose was good. The causes of dispute among different nations are always due to one of the following classes of prejudice: racial, lingual, theological, personal, and prejudices of custom and tradition. It requires a universal active force to overcome these differences. A small disease needs a small remedy, but a disease which pervades the whole body needs a very strong remedy. A small lamp may light a room, a larger would light a house, a larger still might shine through the city, but the sun is needed to light the whole world.
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The differences in language cause disunion between nations. There must be one universal language. The diversity in Faiths is also a cause of separation. The true foundation of all faiths must be established, the outer differences abolished. There must be a Oneness of Faith. To end all these differences is a very hard task. The whole world is sick, and needs the power of the Great Healer.
These meetings teach us that Unity is good, and that suppression (slavery under the yoke of tradition and prejudice) is the cause of disunion. To know this is not enough. All knowledge is good, but it can bear no fruit except by action. It is well to know that riches are good, but that knowledge will not make a man rich; he must work, he must put his knowledge into practice. We hope the people realize and know that unity is good, and we also hope that they will not be content to stand still in that knowledge. Do not only say that Unity, Love and Brotherhood are good; you must work for their realization.
The Czar of Russia suggested the Hague Peace Conference and proposed a decrease in armament for all nations. In this Conference it was proved that Peace was beneficial to all countries, and that war destroyed trade, etc. The Czar's words were admirable though after the conference was over he himself was the first to declare war (against Japan).
Knowledge is not enough; we hope by the Love of God we shall put it into practice. A spiritual universal Force is needed for this. Meetings are
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good for engendering spiritual force. To know that it is possible to reach a state of perfection, is good; to march forward on the path is better. We know that to help the poor and to be merciful is good and pleases God, but knowledge alone does not feed the starving man, nor can the poor be warmed by knowledge or words in the bitter winter; we must give the practical help of Loving-kindness.
What of the Peace Congress?
It resembles many drunkards gathered together to protest against the drinking of alcohol. They say drink is horrible and they straightway go out from the house to drink again.
Theosophy
When 'Abdu'l-Bahá was asked if he recognized the good which the Theosophical Society has done. He replied:
I know it; I think a great deal of it. I know that their desire is to serve mankind. I thank this noble Society in the name of all Bahá'ís and for myself. I hope that by God's help these friends will succeed in bringing about love and unity. It is a great work and needs the effort of all the servants of God!
Peace
During the last six thousand years nations have hated one another, it is now time to stop. War must cease. Let us be united and love one another
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and await the result. We know the effects of war are bad. So let us try, as an experiment, peace, and if the results of peace are bad, then we can choose if it would be better to go back to the old state of war! Let us in any case make the experiment. If we see that unity brings Light we shall continue it. For six thousand years we have been walking on the left-hand path; let us walk on the right-hand path now. We have passed many centuries in darkness, let us advance towards the light.
Question. — (It was remarked, Theosophy teaches that truth in all the religions is the same): Does the task of unifying all religions have 'Abdu'l-Bahá's sympathy?
Answer. — Surely.
Question. — Can 'Abdu'l-Bahá suggest any lines on which it could best be worked out?
Answer. — Search for truth. Seek the realities in all religions. Put aside all superstitions. Many of us do not realize the Reality of all Religions.
Divine Manifestations
Question. — What is 'Abdu'l-Bahá's teaching concerning the different Divine manifestations?
Answer. — The Reality of all is One. Truth is one. Religions are like the branches of one Tree. One branch is high, one is low and one in the centre, yet all draw their life from the one stem. One branch bears fruit and others are not laden so abundantly. All the Prophets are lights, they
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only differ in degree; they shine like brilliant heavenly bodies, each have their appointed place and time of ascension. Some are like lamps, some like the moon, some like distant stars, and a few are like the sun, shining from one end of the earth to the other. all have the same Light to give, yet they are different in degree.
Buddhism
Some referred to the teaching of Buddha. 'Abdu'l-Bahá said: The real teaching of Buddha is the same as the teaching of Jesus Christ. The teachings of all the Prophets are the same in character. Now men have changed the teaching. If you look at the present practice of the Buddhist religion, you will see that there is little of the Reality left. Many worship idols although their teaching forbids it.
Buddha had disciples and he wished to send them out into the world to teach, so he asked them questions to see if they were prepared as he would have them be. "When you go to the East and to the West," said the Buddha, "and the people shut their doors to you and refuse to speak to you, what will you do?" — The disciples answered and said: "We shall be very thankful that they do us no harm." — "Then if they do you harm and mock, what will you do?" — "We shall be very thankful that they do not give us worse treatment." — "If they throw you into prison?" — "We shall still be grateful that they do
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not kill us." — "What if they were to kill you?" the Master asked for the last time. "Still," answered the disciples, "we will be thankful, for they cause us to be martyrs. What more glorious fate is there than this, to die for the glory of God?" And the Buddha said: "Well done!"
The teaching of Buddha was like a young and beautiful child, and now it has become as an old and decrepit man. Like the aged man it cannot see, it cannot hear, it cannot remember anything. Why go so far back? Consider the laws of the Old Testament: the Jews do not follow Moses as their example nor keep his commands. So it is with many other religions.
How can we get the power to follow the right path?
By putting the teaching into practice power will be given. You know which path to follow: you cannot be mistaken, for there's a great distinction between God and evil, between Light and darkness, Truth and falsehood, Love and hatred, Generosity and meanness, Education and ignorance, Faith in God and superstition, good Laws and unjust laws.
Faith
How can one increase in faith?
You must strive. A child does not know, in learning he obtains knowledge. search for Truth.
There are three kinds of Faith: first, that which is from tradition and birth. For example: a child is born of Muhammadan parents, he is a Muhammadan.
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This faith is weak traditional faith: second, that which comes from Knowledge, and is the faith of understanding. This is good, but there is a better, the faith of practice. This is real faith.
We hear there is an invention, we believe it is good; then we come and see it. We hear that there is wealth, we see it; we work hard for it, and become rich ourselves and so help others. We know and we see the Light, we go close to it, are warmed by it, and reflect its rays on others; this is real faith, and thus we receive power to become the eternal sons of God.
Healing
'Abdu'l-Bahá said: Disease is of two kinds: material and spiritual.
Take for instance, a cut hand; if you pray for the cut to be healed and do not stop its bleeding, you will not do much good; a material remedy is needed.
Sometimes if the nervous system is paralyzed through fear, a spiritual remedy is necessary. Madness, incurable otherwise,. can be cured through prayer. It often happens that sorrow makes one ill, this can be cured by spiritual means.
Philanthropic Societies
Someone asked if the Humanitarian Society was good. — Yes all societies, all organizations, working for the betterment of the human race are
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good, very good. All who work for their brothers and sisters have Bahá'u'lláh's blessing. They will surely succeed.
'Abdu'l-Bahá said: It makes me happy to see all the believers in London. You are all, of every race and creed, members of one family. The teaching of Bahá'u'lláh constrains you to realize your brotherhood to one another.
Man's Comprehension of God and of Higher Worlds
To man, the Essence of God is incomprehensible, so also are the worlds beyond this, and their condition. It is given to man to obtain knowledge, to attain to great spiritual perfection, to discover hidden truths and to manifest even the attributes of God; but still man cannot comprehend the Essence of God. Where the ever-widening circle of man's knowledge meets the spiritual world a Manifestation of God is sent to mirror forth His splendour.
Divine Manifestations
Is the Divine Manifestation, God?
Yes, and yet not in Essence. A Divine Manifestation is as a mirror reflecting the light of the Sun. The light is the same and yet the mirror is not the Sun. All the Manifestations of God bring the same Light; they only differ in degree, not in
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reality. The Truth is one. The light is the same though the lamps may be different; we must look at the Light not at the Lamp. If we accept the Light in one, we must accept the Light in all; all agree, because all are the same. The teaching is ever the same, it is only the outward forms that change.
The Manifestations of God are as the heavenly bodies. All have their appointed place and time of ascension, but the Light they give is the same. If one wishes to look for the sun rising, one does not look always at the same point because that point changes with the seasons. When one sees the sun rise further in the north one recognizes it, though it has risen at a different point.
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Notes of a conversation with 'Abdu'l-Bahá
A COLOURED man from South Africa who was visiting 'Abdu'l-Bahá, said that even now no white people really cared very much for the black man.
'Abdu'l-Bahá replies: Compare the present time and the feeling towards the coloured people now, with the state of feeling two or three hundred years ago, and see how much better it is at present. In a short time the relationship between the coloured and white people will still further improve, and bye and bye no difference will be felt between them. White doves and purple doves exist, but both kinds are doves.
Bahá'u'lláh once compared the coloured people to the black pupil of the eye surrounded by the white. In this black pupil you see the reflection of that which is before it, and through it the light of the Spirit shines forth.
In the sight of God colour makes no difference at all, He looks at the hearts of men. That which God desires from men is the heart. A black man with a good character is far superior to a white man with a character that is less good.
Ideals of East and West
One of the organizers of the Races Congress present spoke of the Western ideals of Bahá'u'lláh
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as differing from those of former prophets which were tinged with the ideas and civilization of the East. He then asked whether Bahá'u'lláh had made a special study of Western writings, and founded his teachings in accordance with them.
'Abdu'l-Bahá laughed heartily, and said that the books of Bahá'u'lláh, written and printed sixty years ago, contained the ideals now so familiar to the West, but, at that time, they had not been printed or thought of in the West. Besides, he continued, supposing that a very advanced thinker from the West had gone to visit Bahá'u'lláh and to teach Him, would the name of such a great man and the fact of his visit have been unknown and unrecorded? No! In former days, in the time of the Buddha and Zoroaster, civilization in Asia and in the East was very much higher than in the West and ideas and thoughts of the Eastern peoples were much in advance of, and nearer to the thoughts of God than those of the West. But since that time superstitions had crept into the religion and ideals of the East, and from many differing causes the ideals and characters of the Eastern peoples had gone down and down, lower and lower, while the Western peoples had been constantly advancing and struggling towards the Light. Consequently, in these days, the civilization of the West was much higher than that of the East, and the ideas and thoughts of the people of the West were much nearer to the thought of God than those of the East. Therefore, the ideals of Bahá'u'lláh had been more quickly realized in the West.
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'Abdu'l-Bahá showed further how Bahá'u'lláh had exactly described in one of his books what has since been carried out in the International Council of Arbitration, describing its various functions, some of which have not yet been realized and he ('Abdu'l-Bahá) would describe them to us now, so that when they were fulfilled, as they would be in the near future, we might know that they had been prophesied by Bahá'u'lláh.
War was the greatest calamity that could overtake the nations, because the people usually employed in agriculture, trades, commerce, and other useful arts, were taken away from their various occupations and turned into soldiers, so that there was great waste and loss, in addition to the destruction and carnage of war.
Bahá'u'lláh had said that the functions of the International Court would be to settle disputes that arose from time to time between the nations; to define the exact boundaries of the different countries, and to decide what number of soldiers and guns should be maintained by each nation, according to its population, in order to preserve internal order. For instance, one country might have ten thousand soldiers, another twenty thousand, another fifteen thousand, and so on, in accordance with the size and population of the nation; also if any people rebelled against the decision of the Court and rejected it, the Court would empower the others to join their forces and to endorse their decision, if need be, by united action.
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We had not seen any of these things actualized as yet, but we should do so in the future.
Science and Faith
The gentleman then put a question which he said he considered of very great importance in connection with a religious movement, claiming to be universal. What position he asked, if any, did Bahá'u'lláh given to the modern ideas and conceptions of Science in his teachings. The whole structure of modern civilization is based upon the results and the knowledge obtained through laborious and patient observation of facts collected by men of Science: in some cases through hundreds of years of painstaking investigation. To make his meaning clearer, he instanced the ethic, and the moral teachings of the Chinese philosophers, than which he could conceive nothing higher. However, these teachings had very little effect outside of China, for the reason he considered, that they were not primarily based on the teachings of Science.
'Abdu'l-Bahá replied that a very great importance was given to Science and knowledge in the writings of Bahá'u'lláh, who wrote that, if a man educated the children of the poor, who could not themselves afford to do so, it was, in the sight of God, as if he had educated the Son of God.
If any religion rejected Science and knowledge, that religion was false. Science and Religion should go forward together; indeed, they should be like two fingers of one hand.
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Bahá'u'lláh had also in His writings given a most important place to Art, and the practice of skilled trades. He had stated that the practice of an Art or Trade in the true spirit of service was identical with the worship of God.
A gentleman connected with the work of a Settlement then asked what was the best method of raising up and civilizing the very lowest and most degraded and ignorant of the people and would their education come about gradually through the enlightenment of the Spirit, or was there any special means we could adopt to further this end?
'Abdu'l-Bahá replied that the best way was to give them spiritual teachings and enlightenment. He also remarked that the way to broaden the outlook of the very narrow-hearted and prejudiced, and to make them listen to a wider teaching, was by showing towards them the greatest kindness and love. The example of our lives was of more value than words.
Converse with Departed Persons
The question was asked if it were possible to establish communication with the dead, and whether it was wise or advisable to attend seances or to engage in table-turning, spirit-rapping, etc.
The Master said these rappings, etc., were all material things, and of the body. What is needed is to rise above the material to the realms of the purely Spiritual. Table-turning and such like
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were material, a natural result, and not spiritual.
But it was possible to communicate with the dead through the condition of the character and the heart.
Are Superstitions Useful
A lady enquired whether some superstitions might not be good for ignorant people, who, if they were without them might perhaps be without beliefs of any kind?
'Abdu'l-Bahá replied that superstitions were of two kinds; those that were harmful and dangerous, and those that were harmless and produced certain good effects.
For example, there were some poor people who believed that misfortunes and punishments were caused by a Great Angel with a sword in his hand, who struck down those who stole, and committed murder and crimes.
They thought the flashes of lightning were the weapons of this angel, and that if they did wrong they would be struck by lightning. This belief caused them to refrain from evil actions.
The Chinese held a superstition that if they burn certain pieces of paper this will drive the devils away; they sometimes burnt these pieces of paper on board ships when they were travelling in order to drive away devils, and by so doing they set fire to the ships and destroyed many lives. This was a type of dangerous and harmful superstition.
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The Life After Death
Mrs. S. asked some questions with reference to the conditions of existence in the next world, and the life after death; she said that having recently lost a very near relative, she had given much thought to this subject. Many thought that re-union with those we had loved, and who had passed on to the future life, would only take place after a long period of time had elapsed. She wished to know whether one would be re-united with those who had gone before immediately after death.
'Abdu'l-Bahá answered that this would depend upon the respective stations of the two. If both had the same degree of development, they would be re-united immediately after death. The questioner then said, how could this state of development be acquired? 'Abdu'l-Bahá replied, by unceasing effort, striving to do right, and to attain spiritual qualities.
The questioner remarked that many differing opinions were held as to the conditions of the future life. Some thought that all would have exactly the same perfections and virtues; that all would be equal and alike.
'Abdu'l-Bahá said there would be variety, and differing degrees of attainment, as in this world.
The question was then asked as to how it would be possible with no material bodies or environment to recognize different entities and characters, when all would be in the same conditions and on the same plane of existence.
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'Abdu'l-Bahá said if several people look into a mirror at the same moment, they behold all the different personalities, their characteristics and movements; the glass of the mirror into which they look is one. In your mind you have a variety of thoughts, but all these thoughts are separate and distinct. Also you may perhaps have hundreds of friends; but when you call them before your memory you do not confuse them one with another: each one is separate and distinct, having their own individualities and characteristics.
Replying to another questioner, he said that when two people, husband and wife for instance, have been completely united in this life their souls being as one soul, then after one of them has passed away, this union of heart and soul would remain unbroken.
Spiritual Relationship
In the evening of September 28th, 'Abdu'l-Bahá was with a number of assembled guests.
He said all of you here are sisters. Bodily relationships may pass; even two sisters may be inimical to each other, but the spiritual relationship is eternal, and brings about mutual love and service.
Be always kind to everyone and a refuge for those who are without shelter.
Be daughters to those who are older than you.
Be sisters to those who are of your own age.
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Be mothers to those who are younger than yourselves.
Be nurses to the sick, treasurers for the poor,
and supply heavenly food to the hungry.
A Persian doctor from Qazvín said this was a great work of God that the East and the West had become so united, and we must always thank God that the Bahá'í cause had produced such great harmony and union between us. The result of this visit of 'Abdu'l-Bahá to the West would be very great.
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A Bahá'í Wedding
QUITE an oriental note was struck toward the end of 'Abdu'l-Bahá's London visit, by the marriage of a young Persian couple who had sought his presence for the ceremony, the bride journeying from Baghdad accompanied by her uncle in order to meet her fiance here and be married before 'Abdu'l-Bahá's departure. The bride's father and grandfather had been followers of Bahá'u'lláh during the time of his banishment.
We hesitate to alter the bridegroom's description of the service and therefore print it in his own simple and beautiful language. It will serve to show a side not touched on elsewhere, and without which no idea of his visit is complete. We refer to the attitude of reverence with which people from the East who came to see 'Abdu'l-Bahá regard their great teacher. They invariably rise and stand with bowed heads whenever he enters the room.
Mírzá Dawúd writes: —
On Sunday morning, the 1st of October, 1911, A.D., equal to the 9th Tishi 5972 (Hebrew Era), Regina Núr Mahal Khánum, and Mírzá Yuhanna Dawúd were admitted into the holy presence of 'Abdu'l-Bahá: may my life be a sacrifice to Him!
After receiving us, 'Abdu'l-Bahá said, "You are very welcome and it makes me happy to see you here in London."
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Looking at me he said, "Never have I united anyone in marriage before, except my own daughters, but as I love you much, and you have rendered a great service to the Kingdom of Abhá, both in this country and in other lands, I will perform your marriage ceremony today. It is my hope that you may both continue in the blessed path of service."
Then, first, 'Abdu'l-Bahá took Núr Mahal Khánum into the next room and said to her, "Do you love Mírzá Yuhanna Dawúd with all your heart and soul?" She answered, "Yes, I do."
Then 'Abdu'l-Bahá called me to him and put a similar question, that is to say, "Do you love Núr Mahal Khánum with all your heart and soul?" I answered "Yes, I do." We re-entered the room together and 'Abdu'l-Bahá took the right hand of the bride and gave it into that of the bridegroom and asked us to say after him, "We do all to please God."
We all sat down and 'Abdu'l-Bahá continued; "Marriage is a holy institution and much encouraged in this blessed cause. Now you two are no longer two, but one. Bahá'u'lláh's wish is that all men be of one mind and consider themselves of one great household, that the mind of mankind be not divided against itself.
"It is my wish and hope that you may be blessed in your life. May God help you to render great service to the kingdom of Abhá and may you become a means of its advancement.
"May joy be increased to you as the years go by, and may you become thriving trees bearing
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delicious and fragrant fruits which are the blessings in the path of service."
When we came out, all the assembled friends both of Persia and London congratulated us on the great honour that had been bestowed upon us, and we were invited to dine by the kind hostess.
After a little while we gathered around the table with him. During the meal one of the friends asked 'Abdu'l-Bahá how he enjoyed his stay in London, and what he thought of the English people. I acted as interpreter. 'Abdu'l-Bahá replied: "I have enjoyed London very much and the bright faces of the friends have delighted my heart. I was drawn here by their unity and love. In the world of existence there is no more powerful magnet than the magnet of love. These few days will pass away, but their import shall be remembered by God's friends in all ages and in all lands.
There are living nations and dead nations. Syria lost its civilization through lethargy of spirit. The English nation is a living one, and when in this spiritual springtime the divine truth come forth with renewed vitality, the English will be like fruitful trees, and the Holy Spirit will enable them to flourish in abundance. Then will they gain not only materially, but in that which is far more important, spiritual progress, which will enable them to render a greater service to the world of humanity."
Another asked why the teachings of all religions are expressed largely by parables and metaphors and not in the plain language of the people.
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'Abdu'l-Bahá replied: — "Divine things are too deep to be expressed by common words. The heavenly teachings are expressed in parable in order to be understood and preserved for ages to come. When the spiritually minded dive deeply into the ocean of their meaning they bring to the surface the pearls of their inner significance. There is no greater pleasure than to study God's Word with a spiritual mind."
"The object of God's teaching to man is that man may know himself in order to comprehend the greatness of God. The Word of God is for agreement and concord. If you go to Persia where the friends of Abhá are many, you will at once realize the unifying force of God's work. They are doing their utmost to strengthen this bond of amity. There, people of different nationalities gather in one meeting and chant the divine tablets with one accord. It might be supposed that they were all brethren. We do not consider anyone a stranger, for it is said by Bahá'u'lláh `Ye are all the rays of one sun; the fruits of one tree; and the leaves of one branch.' We desire the true brotherhood of humanity. This shall be so, and it has already begun. Praise to be God, the Helper, the Pardoner!"
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The visit to Bristol
'Abdu'l-Bahá spent the week end of September 23rd to 25th, at the Clifton Guest House at Clifton, Bristol.
On the first afternoon, while driving, he expressed much interest in rural England, marvelling at the century-old trees, and the vivid green of the woods and downs, so unlike the arid East. "Though it is autumn it seems like spring," he said. The houses with their little plots of ground, suggested a quotation which 'Abdu'l-Bahá gave from Bahá'u'lláh's writings in which the latter alludes to each family having a house with a piece of land. 'Abdu'l-Bahá likened the country to the soul and the city to the body of man, saying, "The body without the soul cannot live. It is good," he remarked, "to live under the sky, in the sunshine and fresh air." Observing a young woman who rode by on horseback with her hair flying free and several who bicycled past on their bicyles unattended, he said, "This is the age of woman. She should receive the same education as her brother and enjoy the same privilege; for all souls are equal before God. Sex, in its relation to the exigencies of the physical plane, has no connection with the Spirit. In this age of spiritual awakening, the world has entered upon the path of progress into the arena of development, where the power of the spirit surpasses that of the body. Soon the spirit will have dominion over the world of humanity."
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In the evening greetings were cabled to the Bahá'ís of Tihrán informing them of 'Abdu'l-Bahá's presence in Bristol. He sent his love and wished them to know that he was well and happy with the Clifton friends. This was sent in reply to a cablegram previously received from Tihrán congratulating the people of the Guest House on his prospective visit.
Later on a general reception was held, ninety people coming to meet 'Abdu'l-Bahá who spoke to them with impressive earnestness.
'Abdu'l-Bahá said, "You are very welcome. I have come far to see you. I praise God that after forty years of waiting I am permitted at last to come and bring my message. This is an assembly full of spirituality. Those who are present have turned their hearts towards God. They are looking and longing for glad tidings. We have gathered here by the power of the Spirit, therefore our hearts are stirred with thanksgiving. `Send out Thy Light and Thy Truth O God: Let them lead us to the Holy Mountains!' May we be refreshed by the holy springs that are renewing the life of the world! As day follows night, and after sunset comes the dawn, so Jesus Christ appeared on the horizon of this world like a Sun of Truth; even so when the people — after forgetting the teachings of Christ and His example of love to all humanity — had again grown tired of material things, a heavenly Star shone once more in Persia, a new illumination appeared and now a great light is spreading throughout all lands.
"Men keep their possessions for their own
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enjoyment and do not share sufficiently with others the bounty received from God. Spring is thus changed into the winter of selfishness and egotism. Jesus Christ said `Ye must be born again' so that divine Life may spring anew within you. Be kind to all around and serve one another; love to be just and true in all your dealings; pray always and so live your life that sorrow cannot touch you. Look upon the people of your own race and those of other races as members of one organism; sons of the same Father; let it be known by your behaviour that you are indeed the people of God. Then wars and disputes shall cease and over the world will spread the Most Great Peace."
After 'Abdu'l-Bahá had retired Tamaddun'ul-Mulk and Mr. W. Tudor Pole gave short addresses in which references were made to the martyrdom of the faithful in Persia, special mention being made of the eminent poetess Qurratu'l-'Ayn.
The next day was a bright Sunday and 'Abdu'l-Bahá went out with his friends driving and walking on the downs. Afterwards he gathered the servants of the house together, spoke of the dignity of labour and thanked them for their service, giving to each some remembrance of his visit. He went over the Guest house and blessed it as a centre for pilgrims from every part of the world, and said it would become indeed a House of Rest.
On the morning of the third day, a Canon of the Anglican Church met him at breakfast. The
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conversation turned on the reluctance of the rich to part with their possessions, 'Abdu'l-Bahá, quoting the saying of Jesus, "How hardly shall they that have riches enter into the Kingdom of Heaven." He remarked that only when the true seeker finds that attachments to the material are keeping him from his spiritual heritage, will he gladly enter the way of renunciation. Then will the rich man joyfully share his worldly possessions with the needy. 'Abdu'l-Bahá contrasted the unpretentious hospitality before him with the costly banquets of the wealthy, who too often sit at their feasts forgetting the hungry multitudes.
He urged his hearers to spread the light in their own homes so that finally it would illuminate the whole community.
'Abdu'l-Bahá then returned to London. It was the earnest wish of those who had the privilege of meeting him that his followers in other lands should know how much the Clifton people appreciated his visit and realized his spiritual power and love.
Thomas Pole.
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At Byfleet.
ON the afternoon of September 9th, a number of working women of the Passmore Edwards' Settlement, who were spending their holidays with Miss Schepel and Miss Buckton at Vanners, in Byfleet, a village some twenty miles out of London, had the great privilege of meeting 'Abdu'l-Bahá. They wrote a short record of his sayings to keep for themselves. The following is an extract: —
We gathered round him in a circle, and he made us sit beside him in the window seat. One of the members, who was ill, had a specially beautiful greeting from him. 'Abdu'l-Bahá began by saying, as he seated himself: "Are you happy?" and our faces must have shown him that we were. He then said: "I love you all, you are the children of the Kingdom, and you are accepted of God. Though you may be poor here, you are rich in the treasures of the Kingdom. I am the Servant of the poor. Remember how His Holiness Jesus said: `Blessed are the poor!' If all the queens of the earth were gathered here, I could not be more glad!"
'Abdu'l-Bahá knew that we had a treasury box from which we try to help people less fortunate than ourselves. Presently he rose, and said: "You are dear to me. I want to do something for you! I cannot cook for you (he had previously seen us busy in the kitchen) but here
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is something for your fund." He went round the circle to each, with a beautiful smile, shaking hands with all, and giving the Bahá'í greeting: "Alláh'u'Abhá!"
Later on he walked in the village, and many poor children came to him, and mothers with sick babies and men out of work. He spoke to them all, through an interpreter. At tea-time other friends joined us. 'Abdu'l-Bahá liked the cottage garden at Vanners, the little orchard and the roses. He said: "This is like a Persian garden. The air is very pure."
On leaving for London he presented every one with a purple heartsease from the garden, and said again and again: "Good-bye" in English.
On the 28th September, 'Abdu'l-Bahá again visited Vanners, the little farm house on the old royal manor that dates back to the time of Edward II. He motored down from London and stayed over night, returning on the evening of the second day.
'Abdu'l-Bahá was much struck during the drive by two detachments of Boy Scouts tramping the road. When told of the Scouts' motto, "Be Prepared," and that an act of kindness each day is one of their laws and that some of these boys had put out a fire and assisted at a recent railway accident, he said. "This makes me very happy."
Arriving at Vanners, he found a large, strangely mixed crowd, assembled about the gate to welcome him, from the quite poor to the wealthy who had motored over from their country places. A great number followed him and as many
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as could do so pressed into the garden and sat down around him. The silence was most impressive. The same attention and eagerness to hear was noticed among the people each time 'Abdu'l-Bahá appeared in the village.
After expressing his joy at being with them, he began to speak to the little group in answer to a question about the elaborate civilization of the West.
The Captivity of Man
'Abdu'l-Bahá said: — "Luxuries cut off the freedom of communication. One who is imprisoned by desires is always unhappy; the children of the Kingdom have unchained themselves from their desires. Break all fetters and seek for spiritual joy and enlightenment; then, though you walk on this earth, you will perceive yourselves to be within the divine horizon. To man alone is this possible. When we look about us we see every other creature captive to his environment.
"The bird is a captive in the air and the fish a captive in the sea. Man alone stands apart and says to the elements, I will make you my servants! I can govern you! He takes electricity, and through his ingenuity imprisons it and makes of it a wonderful power for lighting, and a means of communication to a distance of thousands of miles. But man himself may become a captive to the things he has invented. His true second birth occurs when he is freed from all material things:
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for he only is free who is not a captive to his desires. He has then as Jesus has said, become captive to the Holy Spirit."
The Power of God
A friend asked 'Abdu'l-Bahá how far the individual could attain to that Christ consciousness in himself of which St. Paul speaks as our hope of Glory.
'Abdu'l-Bahá turned with a look of great joy and said with an impressive gesture: "The bounty and power of God is limitless for each human soul. Consider what was the quickening power of the Christ when He was on earth. Look at His disciples! They were poor and uncultured men. Out of the rough fisherman He made the great Peter, and out of the poor village girl of Magdala He made one who is a power in all the world today. Many queens have reigned who are remembered by their dates in history, and nothing more is known of them. But Mary the Magdalene is greater than them all. It was she whose love strengthened the disciples when their faith was failing. What she did for the world cannot be measured. See what a divine power was enkindled in her by the power of God!"
Inspired Messengers
When asked if it would be always necessary for prophets to come from time to time — "would not
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the world in the course of events through progress reach to a full realization of God?" — 'Abdu'l-Bahá replied: "Mankind needs a universal motive power to quicken it. The inspired messenger who is directly assisted by the power of God brings about universal results. Bahá'u'lláh rose as a light in Persia and now that light is going out to the whole world."
"Is this what is meant by the Second Coming of Christ?" "Christ is an Expression of the Divine Reality, the Single Essence and Heavenly Entity, which hath no beginning or ending. It has appearance, arising, and manifestation and setting in each one of the Cycles."
Those who have been with 'Abdu'l-Bahá notice how, often, after speaking earnestly with people, he will suddenly turn and walk away to be alone. At such times no one follows him. On this occasion, when he finished speaking and went out through the orchard gate into the village, all were struck with his free and wonderful walk which has been described by one of our American friends as that of a shepherd or a king.
As he passed along the ragged children clustered about him by dozens, the boys saluting him as they had been taught in school, showing how instinctively they felt the greatness of his presence. Most noticeable was the silence of even the roughest men when 'Abdu'l-Bahá appeared. One poor tramp exclaimed "He is a good man," and added, "Ay, he's suffered!"
He took particular interest in the sick, crippled and poorly nourished children. Mothers carrying
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their little ones followed him, and a friend explained that this great visitor had come over the seas from the Holy Land where Jesus was born.
All day long people of every condition gathered about the gate for a chance of seeing him, and more than sixty drove or cycled to Vanners to see him, many wishing to question him on some special subject. Among them were the clergy of several denominations, a head master of a boys' public school, a member of Parliament, a doctor, a famous political writer, the vice-chancellor of a University, several journalists, a well known poet, and a magistrate from London.
He will long be remembered as he sat in the bow window in the afternoon sunshine, his arm round a very ragged but very happy little boy, who had come to ask 'Abdu'l-Bahá for sixpence for his money box and for his invalid mother, whilst round him in the room were gathered men and women discussing Education, Socialism, the first Reform Bill, and the relation of submarines and wireless telegraphy to the new era on which man is entering.
During the evening a young betrothed couple in the village, who had read some of the Bahá'í books, begged permission to come to him. They entered shyly, the man, led by the girl. 'Abdu'l-Bahá rose to greet them, and made them take a place in the circle. He talked earnestly to them upon the sacredness of marriage, the beauty of a real union, and the importance of the little child and its education. Before they left he blessed
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them, and touched their hair and foreheads with a Persian perfume.
Education
'Abdu'l-Bahá laid great stress on Education. He said "The girl's education is of more importance today than the boy's, for she is the mother of the future race. It is the duty of all to look after the children. Those without children should, if possible, make themselves responsible for the education of a child."
The condition of the destitute in the country villages as well as in London impressed 'Abdu'l-Bahá greatly. In an earnest talk with the Rector of a Parish, 'Abdu'l-Bahá said: "I find England awake; there is spiritual life here. But your poor are so very poor! This should not be. On the one hand you have wealth, and great luxury; on the other hand men and women are living in the extremities of hunger and want. This great contrast of life is one of the blots on the civilization of this enlightened age.
"You must turn attention more earnestly to the betterment of the conditions of the poor. Do not be satisfied until each one with whom you are concerned is to you as a member of your family. Regard each one either as a father, or as a brother, or as a sister, or as a mother, or as a child. If you can attain to this, your difficulties will vanish, you will know what to do. This is the teaching of Bahá'u'lláh."
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The Change of Heart
To one who spoke of the people's desire to possess the land, and of the strong under-current of rebellion on the part of the labouring classes, 'Abdu'l-Bahá said: " Fighting, and the employment of force, even for the right cause, will not bring about good results. The oppressed who have right on their side, must not take that right by force; the evil would continue. Hearts must be changed. The rich must wish to give! Life in man should be like a flame, warming all with whom it comes into contact. The spiritually awakened are like to bright torches in the sight of God, they give light and comfort to their fellows."
When asked if he did not find the manners of the English rude and awkward, compared with those of the East, 'Abdu'l-Bahá said he had not felt this. As a nation increases in spirituality, the manners become different.
Christ and Bahá'u'lláh
A friend asked how the teachings of Bahá'u'lláh contrasted with the teachings of Jesus Christ. "The teachings are the same." declared 'Abdu'l-Bahá; "It is the same foundation and the same temple. Truth is one, and without division. The teachings of Jesus are in a concentrated form. Men do not agree to this day as to the meaning of many of His sayings. His teachings are as a flower in the bud. Today, the bud is unfolding into a
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flower! Bahá'u'lláh has expanded and fulfilled the teachings, and has applied them in detail to the whole world.
"There are no solitaries and no hermits among the Bahá'ís. Man must work with his fellows. Everyone should have some trade, or art or profession, be he rich or poor, and with this he must serve humanity. This service is acceptable as the highest form of worship."
Art
A painter asked: "Is art a worthy vocation?" 'Abdu'l-Bahá turning to her impressively, said: "Art is worship."
An actor mentioned the drama, and its influence. "The drama is of the utmost importance." said 'Abdu'l-Bahá. "It has been a great educational power in the past; it will be so again." He described how as a young boy he witnessed the Mystery Play of Alí's Betrayal and Passion, and how it affected him so deeply that he wept and could not sleep for many nights.
Symbols
Someone wished to know if it were a good custom to wear a symbol, as, for instance, a cross. He said: "You wear the cross for remembrance, it concentrates your thoughts; it has no magical power. Bahá'ís often wear a stone with the
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greatest name engraved on it: there is no magical influence in the stone; it is a reminder, and companion. If you are about to do some selfish or hasty action, and your glance falls on the ring on your hand, you will remember and change your intention."
Esperanto
A friend enquired concerning Bahá'u'lláh's prophecy in the Words of Paradise, that a universal language would be formed, and desired to know if Esperanto would be the language chosen.
"The love and effort put into Esperanto will not be lost," he answered, "but no one person can construct a Universal Language. It must be made by a Council representing all countries, and must contain words from different languages. It will be governed by the simplest rules, and there will be no exceptions; neither will there be gender, nor extra and silent letters. Everything indicated will have but one name. In Arabic there are hundreds of names for the camel! In the schools of each nation the mother tongue will be taught, as well as the revised Universal Language."
Tolstoy
The same questioner said: "I have read much of Tolstoy and I see a parallel between his teachings and yours. In one of his books he speaks
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of the Enigma of Life, and describes how life is wasted in our endeavour to find the Key. But Tolstoy goes on to say: `There is a man in Persia who holds the secret.'"
"Yes," said 'Abdu'l-Bahá, "I received a letter from Tolstoy, and in it he said that he wished to write a book upon Bahá'u'lláh."
Healing
A friend interested in healing quoted the words of Bahá'u'lláh: "If one is sick, let him go to the greatest physician."
'Abdu'l-Bahá said: "There is but one power which heals — that is God. The state or condition through which the healing takes place is the confidence of the heart. By some this state is reached through pills, powders, and physicians. By others through hygiene, fasting, and prayer. By others through direct perception."
On another occasion 'Abdu'l-Bahá said with regard to the same subject, "All that we see around us is the work of mind. It is mind in the herb and in the mineral that acts on the human body, and changes its condition." The talk developed into a learned dissertation on the Philosophy of Aristotle.
Death
A friend asked: "How should one look forward to death?"
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'Abdu'l-Bahá answered: "How does one look forward to the goal of any journey? With hope and with expectation. It is even so with the end of this earthly journey. In the next world, man will find himself freed from many of the disabilities under which he now suffers. Those who have passed on through death, have a sphere of their own. It is not removed from ours; their work, the work of the Kingdom, is ours; but it is sanctified from what we call `time and place.' Time with us is measured by the sun. When there is no more sunrise, and no more sunset, that kind of time does not exist for man. Those who have ascended have different attributes from those who are still on earth, yet there is no real separation.
"In prayer there is a mingling of station, a mingling of condition. Pray for them as they pray for you! When you do not know it, and are in a receptive attitude, they are able to make suggestions to you, if you are in difficulty. This sometimes happens in sleep. but there is no phenomenal intercourse! That which seems like phenomenal intercourse has another explanation." The questioner exclaimed; "But I have heard a voice!" 'Abdu'l-Bahá said: "Yes, that is possible; we hear voices clearly in dreams. It is not with the physical ear that you heard; the spirit of those that have passed on are freed from sense-life, and do not use physical means. It is not possible to put these great matters into human words; the language of man is the language of children, and man's explanation often leads astray."
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Someone present asked how it was that in prayer and meditation the heart often turns with instinctive appeal to some friend who has passed into the next life.
'Abdu'l-Bahá answered: "It is a law of God's creation that the weak should lean upon the strong. Those to whom you turn may be the mediators of God's power to you, even as when on earth. But it is the One Holy Spirit that strengthens all men." Hereupon another friend referred to the communing of Jesus on the Mount of Transfiguration with Moses and Elijah; and 'Abdu'l-Bahá said: "The faithful are ever sustained by the presence of the Supreme Concourse. In the Supreme Concourse are Jesus, and Moses, and Elijah, and Bahá'u'lláh, and other supreme Souls: there, also, are the martyrs."
When asked about the individual persistence of the animal's personality after death, 'Abdu'l-Bahá said: "Even the most developed dog has not the immortal soul of the man; yet the dog is perfect in its own place. You do not quarrel with a rose-tree because it cannot sing!"
A True Bahá'í
A student of the modern methods of the higher criticism asked 'Abdu'l-Bahá if he would do well to continue in the church with which he had been associated all his life, and whose language was full of meaning to him. 'Abdu'l-Bahá answered: "You must not dissociate yourself from it. Know this;
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the Kingdom of God is not in any Society; some seekers go through many Societies as a traveller goes through many cities till he reach his destination. If you belong to a Society already do not forsake your brothers. You can be a Bahá'í-Christian, a Bahá'í-Freemason, a Bahá'í-Jew, a Bahá'í-Muhammadan. The number nine contains eight, and seven, and all the other numbers, and does not deny any of them. Do not distress or deny anyone by saying `He is not a Bahá'í!' He will be known by his deeds. There are no secrets among Bahá'ís; a Bahá'í does not hide anything."
Spreading the Teaching
When asked by an American friend: "Which is the best way to spread the teaching?" he said: "By deeds. This way is open to all, and deeds are understood by all. Join yourselves to those who work for the poor, the weak and the unfortunate; this is greatly to be commended. To teach by words requires the skill of a wise physician. He does not offer help to those who do not want treatment. Do not press help on those who do not need your help. The work of teaching is not for all."
The following incident shows how 'Abdu'l-Bahá's attention is given to the smallest details where others are involved. On hearing that some of his friends had come down from London, and had planned to stop the night in the village so as
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to be near him 'Abdu'l-Bahá immediately made them his guests at the Inn, and being concerned for their comfort, went over personally to inspect the rooms, as the nights were getting cold.
At Brooklands
The morning of the second day, a neighbour sent over her car asking if 'Abdu'l-Bahá would not like to take his guests to the Brooklands aviation ground. Though it was windy, an aviator was on the track, when he heard who the visitor was offered to fly for him. 'Abdu'l-Bahá left his friends and walked out into the middle of the course, where he stood alone watching the biplane making wide circles above him.
A Hindu who was learning to fly at the school joined 'Abdu'l-Bahá's friends and asked: "Who is the man in Eastern dress?"
When told, he exclaimed, "Oh I know him very well through his teachings, which I have studied," and immediately he went to meet 'Abdu'l-Bahá.
They talked together for some time in Arabic, the young man showing great joy at being in his presence. He afterwards said that for many years he had longed for this moment.
While having tea out of doors, 'Abdu'l-Bahá and the young Hindu, sitting at the head of the long benches that has been arranged, talked merrily to everyone.
'Abdu'l-Bahá noticed two of the airmen who
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were wrestling on the grounds, and when they stopped, he went to them clapping his hands and crying in English, "Bravo! Bravo! that is good exercise."
Since his return to Egypt, 'Abdu'l-Bahá has sent a kind message of remembrance to the people of Byfleet, saying that he will never forget them.
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Days in London
DURING 'Abdu'l-Bahá's stay in Cadogan Gardens people arrived all day and every day, from early morning to nightfall, hoping for the privilege of seeing him and of hearing him talk. Many were the gatherings round the board of that hospitable house and hundreds of people were made welcome. Many came without introduction and no one was refused. Among them were clergy of various denominations, members of Parliament, magistrates, and literary men.
The visitors were not only English; numerous Persians had journeyed from Tihrán and other Eastern cities to meet freely one who had so long been withheld from them by his captivity.
The editor of a journal printed in Japan, altered his return route to Tokyo in order that he might spend the night near 'Abdu'l-Bahá, and a late visit was paid by a Zoroastrian physician of Bombay, on the eve of his return to India.
Woman's Work
'Abdu'l-Bahá's interest in women's work and progress is well known, and among the notable leaders who came to see him, may be mentioned Mrs. Annie Besant, President of the Theosophical Society, the organizers of various suffrage bodies,
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civic and philanthropic workers, the principals of several woman's colleges and lady doctors.
A spirited conversation due to the visit of an ardent suffragist will be long remembered by those who had the privilege of being present. The room was full of men and women, many Persians being seated in their familiar respectful attitude on the floor.
After contrasting the general position of the Eastern and the Western women, and then describing how in many respects the Eastern woman has the advantage of her Western sister, 'Abdu'l-Bahá turned and said to the visitor: "Give me your reasons for believing that woman today should have the vote?"
Answer: "I believe that humanity is a divine humanity and that it must rise higher and higher; but it cannot soar with only one wing." 'Abdu'l-Bahá expressed his pleasure at this answer, and smiling, replied: "But what will you do if one wing is stronger than the other?" Answer: "Then we must strengthen the weaker wing, otherwise the flight will always be hampered."
'Abdu'l-Bahá smiled and asked: "What will you say if I prove to you that the woman is the stronger wing?"
The answer came in the same bright vein: "You will earn my eternal gratitude!" at which all the company made merry.
'Abdu'l-Bahá then continued more seriously: "The woman is indeed of the greater importance to the race. She has the greater burden and the greater work. Look at the vegetable and the
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animal worlds. The palm which carries the fruit is the tree most prized by the date grower. The Arab knows that for a long journey the mare has the longest wind. For her greater strength and fierceness, the lioness is more feared by the hunter than the lion.
"The mere size of the brain has been proved to be no measure of superiority. The woman has greater moral courage than the man; she has also special gifts which enable her to govern in moments of danger and crisis. If necessary she can become a warrior."
Zenobia
'Abdu'l-Bahá asked the company if they remembered the story of Zenobia and of the fall of Palmyra. He then continued as follows, using his hands in the grave and simple gesticulations characteristic of him:
"There was once a Governor in Ancient Syria, who had a beautiful and clever wife. She was so capable that when the Governor died, she was made ruler in his stead. The land prospered under her sway, and men acknowledged that she was a better ruler than her husband. After a time the legions of Rome invaded the country, but again and again she drove them out with great confusion. She let down her beautiful hair, and herself rode at the head of her army, clad in a scarlet cloak, wearing a crown of gold, and wielding a two-edged sword in her hand. The
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Roman Caesar then withdrew his strength from five other provinces in order to subdue her. After a long and brave fight Zenobia retired into the city of Palmyra, which she strengthened with wonderful fortifications, and there she endured a siege of four months, Caesar being unable to dislodge her. The food she had stored within the walls at last was gone, and the misery of her starving and plague-stricken people compelled her to surrender.
"Caesar was full of admiration for this great woman, because of her courage and endurance, and he asked her to become his wife. But she refused, saying that she would never consent to take as her husband the enemy of her people. Thereupon, Caesar was enraged, and determined to humble her. He took her back with him in his ships to Rome. For his triumphal entry a great procession was prepared, and the streets were filled with people. In the procession came first elephants, after the elephants came the camels, after the camels came the tigers and the leopards, after the leopards came the monkeys, and lastly, after the monkeys, walked Zenobia with a gold chain round her neck. Still she carried her head high, and was firm in her determination. Nothing could break her spirit! She refused to become the Empress of Caesar, so she was thrown into a dungeon, and eventually she died."
'Abdu'l-Bahá ceased. Silence fell upon the room, and it was some time before it was broken.
Upon another occasion 'Abdu'l-Bahá said to a group of friends around him: "Taken in general,
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women today have a stronger sense of religion than men. The woman's intuition is more correct; she is more receptive and her intelligence is quicker. The day is coming when woman will claim her superiority to man.
"Woman has everywhere been commended for her faithfulness. After the Lord Christ suffered, the disciples wept, and gave way to their grief. They thought that their hopes were shattered, and that the Cause was utterly lost, till Mary Magdalene came to them and strengthened them saying: `Do you mourn the body of Our Lord or His Spirit? If you mourn His Spirit, you are mistaken, for Jesus lives! His Spirit will never leave us!' Thus through her wisdom and encouragement the Cause of Christ was upheld for all the days to come. Her intuition enabled her to grasp the spiritual fact."
'Abdu'l-Bahá then added: "But in the sight of God sex makes no difference. He or she is greatest who is nearest to God."
One morning 'Abdu'l-Bahá, on entering the room looked about and said: "It is just like a miracle, our being here together. There is no racial, political or patriotic tie. We are drawn together by the words of Bahá'u'lláh, and in like manner will all the races of the earth be drawn together. Of this, rest assured!"
The True Bahá'í
"I have never heard of Bahá'u'lláh," said a young man. I have only recently read about this
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movement, but I recognize the mission of 'Abdu'l-Bahá and desire to be a disciple. I have always believed in the brotherhood of man as the ultimate solvent of all our national and international difficulties."
"It makes no difference whether you have ever heard of Bahá'u'lláh or not," was the answer, "the man who lives the life according to the teachings of Bahá'u'lláh is already a Bahá'í. On the other hand a man may call himself a Bahá'í for fifty years and if he does not live the life he is not a Bahá'í. An ugly man may call himself handsome, but he deceives no one, and a black man may call himself white yet he deceives no one: not even himself!"
The Coming of Peace
"By what process" continued the questioner, "will this peace on earth be established? Will it come at once after a universal declaration of the Truth?"
"No, it will come about gradually," said 'Abdu'l-Bahá. "A plant that grows too quickly lasts but a short time. You are my family" and he looked about with a smile, "my new children! if a family lives in unison, great results are obtained. Widen the circle; when a city lives in intimate accord greater results will follow, and a continent that is fully united will likewise unite all other continents. Then will be the time of the greatest results, for all the inhabitants of the earth belong to one native land."
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The Pure Heart
When asked for a definition of a pure heart, 'Abdu'l-Bahá said, "The pure heart is one that is entirely cut away from self. To be selfless is to be pure."
True Spirituality
Another morning 'Abdu'l-Bahá began at once to speak as he joined the group of seekers. He said: "Praise be to God, this century is a glorious century; may love increase every day; may it strike fire to light the candle in the darkness, like a gift and mercy of God.
"Know, O thou possessors of insight, that true spirituality is like unto a lake of clear water which reflects the divine. Of such was the spirituality of Jesus Christ. There is another kind which is like a mirage, seeming to be spiritual when it is not. That which is truly spiritual must light the path to God, and must result in deeds. We cannot believe the call to be spiritual when there is no result. Spirit is reality, and when the spirit in each of us seeks to join itself with the Great Reality, it must in turn give life. The Jews in the time of Christ were dead, having no real life, and Jesus actually wafted a new breath into their bodies. Behold what has been accomplished since!"
Knowledge must result in Action
A representative from a well known society made reference to its meetings for the purpose of a
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search into the reality of truth, and 'Abdu'l-Bahá said "I know of your work. I think a great deal of it. I know your desire is to serve mankind, and to draw together Humanity under the banner of Oneness; but its members must beware less it become only a discussion. Look about you. How many committees have been formed, and living for a little while, have died! Committees and Societies can not create or give life.
"People get together and talk, but it is God's Word alone that is powerful in its results. Consider for a moment: you would not trade together if you had no income from it and derived no benefit! Look at the followers of Christ. Their power was due to their ardour and their deeds. Every effort must have its result, else it is not a true effort. You must become the means of lighting the world of humanity. This is the infallible proof and sign. Every progress depends on two things, knowledge and practice. First acquire knowledge, and, when conviction is reached, put it into practice.
"Once a learned man journeyed to see me to receive my blessing, saying he knew and comprehended the Bahá'í teachings. When I told him that he could receive the blessings of the Holy Spirit at any time when he put himself in a receptive attitude to accept them, he said he was always in a receptive attitude.
"`What would you do,' I asked `if I were to suddenly turn and strike you?' He instantly flared with indignation and strode angrily about the room.
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"After a little I went over and took his arm, saying, `But you must return good for evil. Whether I honoured you or despised you, you should follow the teachings; now you merely read them. Remember the words of Jesus who said, `The first shall be last, and the last first.' The man turned, shook my hand and departed, and I have since heard of many kind acts he has done."
When 'Abdu'l-Bahá was addressed by the name of prophet, he answered, "My name is 'Abdu'l-Bahá, the Servant of God" [literally, the Slave of Glory.]+F1
Visit to the Lord Mayor
At the express wish of the Lord Mayor, 'Abdu'l-Bahá paid him a visit early one morning at the Mansion House. The talk turned chiefly upon the social conditions of great cities, and 'Abdu'l-Bahá said that London was the best regulated city he had seen.
He said: "Every man walking in the street is free as if he were in his own kingdom. There is a
+F1 Compare: — "My Name is 'Abdu'l-Bahá. My Reality is 'Abdu'l-Bahá: and Service to all the human race is my perpetual Religion.... 'Abdu'l-Bahá is the Banner of the Most Great Peace ...The Herald of the Kingdom is he, so that he may awaken the people of the East and the West. The Voice of Friendship, of Truth, and of Reconciliation is he, quickening all regions. No name, no title will he ever have, except 'Abdu'l-Bahá. This is my longing. This is my Supreme height. O ye friends of God! 'Abdu'l-Bahá is the manifestation of Service, and not Christ. The Servant of humanity is he, and not a chief. Summon ye the people to the station of Service of 'Abdu'l-Bahá and not his Christhood." (From a letter sent to the friends in New York, January 1st, 1907.)
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great spiritual light in London. The effort made for justice is real and in this country the law is the same for the poor as for the rich." He took great interest in hearing of the care that is taken of prisoners as they leave jail, and spoke of the land being happy where the magistrates are as fathers to the people.
Before 'Abdu'l-Bahá left London, he went to an East-end hospital to visit there a young writer lying seriously ill, who was very anxious to see him.
Some Personal Characteristics
There is a note in 'Abdu'l-Bahá's character that has not been emphasized, and with which no idea of him is complete. The impressive dignity which distinguishes his presence and bearing is occasionally lighted by a delicate and tactful humour, which is as unaffected as it is infectious and delightful.
On his last afternoon in London, a reporter called to ask him of his future plans, finding him surrounded by a number of friends who had called to bid him good-bye. When, in answer to this query, 'Abdu'l-Bahá told in perfect English of his intention to visit Paris and go from there to Alexandria, the press representative evinced surprise at his faultless pronunciation. Thereupon 'Abdu'l-Bahá proceeded to march with a free stride up and down the flower-scented drawing room, his Oriental garb contrasting strangely
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with his modern surroundings; and, to the amusement of the assembly, uttered a string of elaborate English words, laughingly ending, "Very difficult English words I speak!" Then, a moment later, with the swift transition of one who knows both how to be grave and gay, he showed himself terribly in earnest.
He had left orders that none were to be turned away, but one who had twice vainly sought his presence, and was, through some oversight, prevented from seeing him, wrote a heartbreaking letter showing that he thought himself rebuffed. It was translated by the Persian interpreter. 'Abdu'l-Bahá at once put on his coat, and, turning towards the door, said, with an expression of unspeakable sadness, "A friend of mine has been martyred, and I am very grieved. I go out alone." and he swept down the steps. One could then see how well the title of "Master" became him.
Another phase of his character which none who saw him could ever forget was his attitude towards children who were brought to him. Many of his talks were given as he sat with his arm encircling one of them.
He invariably admonished the parents thus: "Give this child a good education; make every effort that it may have the best you can afford, so that it may be enabled to enjoy the advantage of this glorious age. Do all you can to encourage spirituality in them."
One who sought the presence of 'Abdu'l-Bahá realized the father-like sympathy which is his.
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Speaking of his and others' love for 'Abdu'l-Bahá the reply was: "I know that you love me, I can see that it is so. I will pray for you that you may be firm and serve in the Cause, becoming a true servant to Bahá'u'lláh. Though I go away I will always be present with you all." These words were spoken with the greatest loving sympathy and understanding of difficulties; during the moments of this little talk 'Abdu'l-Bahá held and stroked the speaker's hands, and at the end took his head and with a gentle touch drew it to him kissing the forehead of the young man, who felt that he had found a father and a friend.
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The Farewell
ON the last morning of 'Abdu'l-Bahá's stay in London many friends gathered both at Cadogan Gardens and at the station to bid him farewell. An impressive and interesting ceremony was performed at the house by a Zoroastrian (a physician), who sent an elaborate telegram to some Pársís in Bombay, saying: "The Torch of Truth has been lighted again in the East and the West by 'Abdu'l-Bahá." Instructed by his brethren, this follower of one of the most ancient religions in the world had brought with him a sacred oil of a rare perfume, with which he annointed the head and breast of 'Abdu'l-Bahá, afterwards touching the hands of all present. He then placed around 'Abdu'l-Bahá's neck and shoulders an exquisite garland of rose-buds and lilies.
The last glimpse which the friends had at Victoria Station was that of the venerable face and form standing at the window, gazing out with a look of benevolence and wonderful tenderness on those he was leaving.
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From an Interview given by 'Abdu'l-Bahá to the Weekly Budget.
September 23rd, 1911.
SOME OF THE EXPERIENCES OF HIS FORTY YEARS IMPRISONMENT
IN an apartment in Cadogan Gardens sits a spiritually illumined Oriental, whose recent advent in London marks the latest junction of the East and West.
The teaching of 'Abdu'l-Bahá has already brought about the commingling of thousands of Englishmen and Englishwomen with Orientals from every quarter of the East. Upon the basis of mutual help and friendship and the worship of God, regardless of creed and denomination, they have joined hands with an earnestness and brotherly love contrary to the theories of certain cynical poets and philosophers.
Most of 'Abdu'l-Bahá's life has been spent in an Eastern prison, which he gladly endured rather than abjure his faith, one of the tenets of which is the absolute equality of souls regardless of physical differences, such as sex and colour. He recognizes no class distinctions except those conferred by service and the spirit of brotherly love. For this and other like doctrines he was held prisoner for forty years in the fortress city of 'Akká, in Palestine. When I requested to talk with him, I was told to come early, and called, according, at nine o'clock, for an interview. It was already
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mid-day to 'Abdu'l-Bahá who rises at four, and who had seen eighteen people before his breakfast at half-past six.
Representatives of many languages and nationalities awaited him in the drawing room.
We sat in a circle facing 'Abdu'l-Bahá who inquired if there were any questions we would like to ask. I said my editor had sent me to ascertain something of his prison life, and 'Abdu'l-Bahá at once related in a simple impersonal way one of the most remarkable stories conceivable.
"At nine years of age, I accompanied my father, Bahá'u'lláh, in his journey of exile to Baghdád, seventy of his disciples going with us. This decree of exile, after persistent persecution, was intended to effectively stamp out of Persia what the authorities considered a dangerous religion. Bahá'u'lláh, with his family and followers, was banished, and travelled from one place to another. When I was about twenty-five years old, we were moved from Constantinople to Adrianople, and from there went with a guard of soldiers to the fortressed city of 'Akká, where we were imprisoned and closely guarded."
The First Summer
"We had no communication whatever with the out-side world. Each loaf of bread was cut open by the guard to see that it contained no message. All who believed in the Bahá'í manifestation, children, men and women, were imprisoned with us. There were one-hundred and fifty of us
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together in two rooms and no one was allowed to leave the place with the exceptions of four persons, who went to the bazaar to market each morning, under guard. The first summer was dreadful. 'Akká is a fever-ridden town. It was said that a bird attempting to fly over it would drop dead. The food was poor and insufficient, the water was drawn from a fever-infected well and the climate and conditions were such, that even the natives of the town fell ill. Many soldiers succumbed and eight out of ten of our guard died. During the intense heat, malaria, typhoid and dysentery attacked the prisoners, so that all, men, women and children, were sick at one time. There were no doctors, no medicines, no proper food, and no treatment of any kind.
"I used to make broth for the people, and as I had much practice, I make good broth," said 'Abdu'l-Bahá laughingly.
At this point one of the Persians explained to me that it was on account of 'Abdu'l-Bahá's wonderful patience, helpfulness, and endurance that he was always called "The Master." One could easily feel his mastership in his complete severance from time and place, and absolute detachment from all that even a Turkish prison could inflict.
Better Conditions
"After two years of the strictest confinement permission was granted me to find a house so that we could live outside the prison walls but still
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within the fortifications. Many believers came from Persia to join us but they were not allowed to do so. Nine years passed. Sometimes we were better off and sometimes very much worse. It depended on the governor, who, if he happened to be a kind and lenient ruler, would grant us permission to leave the fortification, and would allow the believers free access to visit the house; but when the governor was more rigorous, extra guards were placed around us, and often pilgrims who had come from afar were turned away."
I learned, afterwards, from a Persian, who, during these troublous times, was a member of 'Abdu'l-Bahá's household, that the Turkish government could not credit the fact that the interest of the English and American visitors was purely spiritual and not political. Often these pilgrims were refused permission to see him, and, many times, the whole trip from America would be rewarded merely by a glimpse of 'Abdu'l-Bahá from his prison window.
The Government thought that the tomb of the Báb, an imposing building on Mount Carmel, was a fortification erected with the aid of American money, and that it was being armed and garrisoned secretly. Suspicion grew with each new arrival, resulting in extra spies and guards.
'Abdu'l-Hamíd's Committee
"One year before 'Abdu'l-Hamíd was dethroned, he sent an extremely overbearing, treacherous and insulting committee of investigation.
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The chairman was one of the governor's staff, Aríf Bey, and with him were three army commanders varying in rank.
"Immediately upon his arrival, Aríf Bey proceeded to denounce me and tried to get proof strong enough to warrant sending me to Fizán, or throwing me into the sea. Fizán is a caravan station on the boundary of Tripoli where there are no houses and no water. It is a month's journey by camel route from 'Akká.
"The committee twice sent for me to hear what I had to say in my own defence and twice I sent back word: `I know your purpose, I have nothing to say.'
"This so infuriated Aríf Bey that he declared he would return to Constantinople and bring back an order from the Sultán to have me hanged at the gate of 'Akká. He and his committee set sail with their report containing the following accusations: — 'Abdu'l-Bahá is establishing a new nation of which he is to be the king; 'Abdu'l-Bahá is uplifting the banner of a new religion; 'Abdu'l-Bahá has built or caused to be built fortifications in Haifa, a neighbouring village, and is buying up all the surrounding lands.'
"About this time an Italian ship appeared in the harbour sent by order of the Italian Consul. It had been planned that I was to escape on it by night. The Bahá'ís in 'Akká implored me to go but I sent this message to the captain: `The Báb did not run away: Bahá'u'lláh did not run away; I shall not run away, so the ship sailed away after waiting three days and three nights.
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"It was while the Sultán's committee of investigation was homeward bound that the first shell was dropped into 'Abdu'l-Hamíd's camp and the first gun of freedom was fired into the home of despotism. That was God's gun," said 'Abdu'l-Bahá, with one of his wonderful smiles.
"When the committee reached the Turkish capital, they had more urgent things to think of. The city was in a state of uproar and rebellion, and the committee, as members of the government staff, were delegated to investigate the insurrection. Meanwhile the people were establishing a constitutional government and 'Abdu'l-Hamíd was given no chance to act."
The Release
"With the advent of the Young Turks' supremacy, realized through the Society of Union and Progress, all the political prisoners of the Ottoman Empire were set free. Events took the chains from my neck and placed them about Hamíd's; 'Abdu'l-Bahá came out of prison and 'Abdu'l-Hamíd went in!"
"What became of the committee?" asked someone, breaking the deep silence that followed the recital of this thrilling page of history. "Aríf Bey," continued 'Abdu'l-Bahá, "was shot with three bullets, the general was exiled, the next in rank died, and the third ran away to Cairo, where he sought and received help from the Bahá'ís."
"Will you tell us how you felt while in prison
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and how you regard your freedom?" I asked. "We are glad that you are free."
"Thank you," he said graciously, and continuing —
"Freedom is not a matter of place. It is a condition. I was thankful for the prison, and the lack of liberty was very pleasing to me, for those days were passed in the path of service, under the utmost difficulties and trials, bearing fruits and results.
"Unless one accepts dire vicissitudes, he will not attain. To me prison is freedom, troubles rest me, death is life, and to be despised is honour. Therefore, I was happy all that time in prison. When one is released from the prison of self, that is indeed release, for that is the greater prison. When this release takes place, then one cannot be outwardly imprisoned. When they put my feet in stocks, I would say to the guard, `You cannot imprison me, for here I have light and air and bread and water. There will come a time when my body will be in the ground, and I shall have neither light nor air nor food nor water, but even then I shall not be imprisoned.' The afflictions which come to humanity sometimes tend to centre the consciousness upon the limitations, and this is a veritable prison. Release comes by making of the will a Door through which the confirmations of the Spirit come."
This sounded so like the old theology that the modern in me rose doubting if the discipline could be compensated for by the effort. "What do you mean by the confirmations of the Spirit?"
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"The confirmations of the Spirit are all those powers and gifts which some are born with (and which men sometimes call genius), but for which others have to strive with infinite pains. They come to that man or woman who accepts his life with radiant acquiescence."
Radiant acquiescence — that was the quality with which we all suddenly seemed inspired as 'Abdu'l-Bahá bade us good-bye.
It was a remarkable experience, hearing one who had passed along the prison path for forty years declare "There is no prison but the prison self;" and it drove conviction to one's mind as this white-robed messenger from the East pointed the way out, — not by the path called "Renunciation," but "Unattachment;" Radiant Acquiescence — the Shining Pathway out of the "greater prison of self" as 'Abdu'l-Bahá so beautifully terms those bars that keep us from our fulfillment.
Isabel Fraser.
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A Loving Farewell Greeting.
After leaving London and during his two months stay in Paris, 'Abdu'l-Bahá frequently sent back messages to his English friends, some of whom journeyed over to take advantage of the conferences there. On the eve of his departure for Alexandria, he gave the following admonitory farewell to the people of England and France.
"Work," he said unceasingly, "for the day of Universal Peace. Strive always that you may be united. Kindness and love in the path of service must be your means.
"I bid a loving farewell to the people of France and England. I am very much pleased with them. I counsel them that they may day by day strengthen the bond of love and amity to this end, — that they may become the sympathetic embodiment of one nation. — That they may extend themselves to a Universal Brotherhood to guard and protect the interests and rights of all the nations of the East, — that they may unfurl the Divine Banner of justice, — that they may treat each nation as a family composed of the individual children of God and may know that before the sight of God the rights of all are equal. For all of us are the children of one Father. God is at peace with all his children; why should they engage in strife and warfare among themselves? God is showering down kindness; why should the
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inhabitants of this world exchange unkindness and cruelty?"
"I will pray for you that you may be illumined with the Light of the Eternal."
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Greetings by 'Abdu'l-Bahá from Paris to London. October 1911.
Spoken to Mrs. Enthoven for conveyance to all the friends,
and now written from memory.
'Abdu'l-Bahá sent his greetings to all, begging all to go on acquiring strength in their belief and courage in its proclamation.
He spoke much of the pleasure he had felt in the atmosphere of England. He said there was a strength of purpose in the English people and a firmness which he liked and admired, There was honesty and uprightness. They were slow in starting a new idea, but, when they did, it was only because their minds and common-sense had told them that the idea was sound.
The English as a nation had pleased him greatly.
Believers, he added, must show their belief in their daily lives, so that the world might see the light shining in their faces. A bright and happy face cheers people on their way. If you are sad, and pass a child who is laughing, the child, seeing your sad face, will cease to laugh, not knowing why. If the day be dark, how much a gleam of sunshine is prized; so let believers wear smiling happy faces, gleaming like sunshine in the darkness. Let the Light of Truth and Honesty shine from them, so that all who behold them may
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know that their word in business or pleasure will be a word to trust and depend upon.
Forget self and work for the whole race. Remember always that one is working for the world, not for a town or even for a country; because, as all are brethren, so every country is, as it were, one's own.
Remember, above all, the teaching of Bahá'u'lláh concerning gossip and unseemly talk about others. Stories repeated about others are seldom good. A silent tongue is the safest. Even good may be harmful, if spoken at the wrong time, or to the wrong person.
Finally 'Abdu'l-Bahá sent his greetings and blessings to all, and assured me he was constantly thinking and praying for all.
To a gentleman who was questioning him, he remarked "The beginnings of all great religions were pure; but priests, taking possession of the minds of the people, filled them with dogmas and superstitions, so that religion became gradually corrupt. I come to teach no new religion. `My only desire is, through the blessing of God, to show the road to the Great Light." Touching the gentleman gently on his shoulder, as a loving father might touch a son, he went on to say, "I am no Prophet, only a man like yourself."
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November 26th, 1911.
Message to the London Bahá'ís for the Day of 'Abdu'l-Bahá.
Specially given to Mrs. Enthoven.
GOOD NEWS! GOOD NEWS!
The doors of the Kingdom of God are open!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! Armies of Angels are descending from Heaven!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Sun of Truth is rising!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! Heavenly food is being sent from above!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Trumpet is sounding!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Banner of the Great Peace is floating far and wide!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Light of the Lamp of the Oneness of Humanity is shining bright!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The fire of the Love of God is blazing!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! The Holy Spirit is being outpoured!
GOOD NEWS! GOOD NEWS! For Everlasting Life is here!
O Ye that sleep, Awake! O ye heedless ones, Learn wisdom! O Blind, receive your sight!
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O Deaf, Hear! O Dumb, Speak! O Dead, Arise!
Be Happy!
Be Happy!
Be full of Joy!
This is the day of the Proclamation of the Báb! It is the Festival of the Forerunner of the Blessed Beauty (Bahá'u'lláh). It is the day of the dawning of the Morning of Guidance.
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