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德语 — Riḍván-Botschaft 2014.txt
Riḍván-Botschaft 2014 á Das Universale Haus der Gerechtigkeit á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.01-Online (2014)

DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT

Riḍván 2014

An die Bahá’í der Welt

Innig geliebte Freunde,

1) volle drei Jahre sind seit Beginn des derzeitigen Stadiums in der Entfaltung des
Göttlichen Plans vergangen, ein Unternehmen, das die Anhänger Bahá’u’lláhs in einem
geeinten geistigen Bemühen verbindet. Nur noch zwei Jahre trennen die Freunde Gottes
von seinem festgesetzten Abschluss. Die beiden wesentlichen Bewegungen, die den Wachs-
tumsprozess stetig vorantreiben – der ständige Strom von Teilnehmern durch die Kursfolge
des Trainingsinstituts und die Bewegung der Cluster in einem Entwicklungskontinuum –
wurden beide gewaltig verstärkt durch die frischen Energien, die auf den Jugendkonferen-
zen im letzten Jahr freigesetzt wurden. Die erweiterten Fähigkeiten der Bahá’í-Welt, Scha-
ren junger Menschen im Feld des Dienstes zu mobilisieren, können nun weitere Früchte
tragen. Denn in der noch verbleibenden Zeit drängen die entscheidenden Aufgaben, beste-
hende Wachstumsprogramme zu stärken und neue zu beginnen. Die Gemeinde des Größ-
ten Namens ist gut dafür gerüstet, vor dem Ende dieses Zeitabschnitts den Clustern, in de-
nen solche Programme bereits begonnen wurden, die zweitausend hinzuzufügen, die für
die Erfüllung des Zieles noch fehlen.

2) Wie froh sind wir zu sehen, dass dieses Bemühen in den weit in aller Welt verteilten
Gegenden energisch vorangetrieben wird, und dies in einer Vielfalt verschiedener Umstän-
de und Umgebungen, in nunmehr etwa dreitausend Clustern. Viele Cluster befinden sich in
einem Stadium, wo durch die Umsetzung einiger weniger einfacher Handlungslinien neuer
Schwung erzeugt wird. In anderen ist, nach aufeinander folgenden Aktivitätszyklen, die
Zahl der Freunde gewachsen, die im Rahmen des Plans die Initiative ergriffen haben, und
die Intensität des Handelns hat zugenommen; in dem Maße wie die Qualität des geistigen
Ausbildungsprozesses durch Erfahrung verbessert wird, werden Menschen leichter hinge-
zogen, sich daran zu beteiligen. Von Zeit zu Zeit mögen die Tätigkeiten vielleicht ins Sto-
cken geraten, oder ein Hindernis für den Fortschritt mag sich in den Weg stellen; eingehen-
de Beratung über die Gründe für den Stillstand, verbunden mit Geduld, Mut und Ausdau-
er, macht es möglich, wieder neuen Schwung zu gewinnen. In immer mehr Clustern nimmt
das Wachstumsprogramm sowohl an Umfang als auch an Komplexität zu, entsprechend
den zunehmenden Fähigkeiten der drei am Plan Beteiligten – dem Einzelnen, der Gemein-
de und den Institutionen des Glaubens – ein Umfeld gegenseitiger Unterstützung zu schaf-
fen. Und wir sind hocherfreut, dass es, wie vorausgesehen, nun zunehmend mehr Cluster
gibt, in denen hundert und mehr Freunde das Engagement von Tausenden und mehr er-
möglichen, die ein Lebensmuster weben, das geistig, dynamisch und verwandelnd ist. Dem
Prozess unterliegt schon von Anfang an natürlich eine kollektive Bewegung hin zur Ver-
wirklichung der Vision materiellen und geistigen Wohlergehens, wie sie Er, der Lebens-
spender der Welt, dargelegt hat. Aber wenn eine große Anzahl von Menschen beteiligt ist,
wird die Bewegung einer gesamten Bevölkerung wahrnehmbar.

3) Diese Bewegung ist besonders deutlich sichtbar in denjenigen Clustern, in denen ein
örtlicher Mashriqu’l-Adhkár errichtet werden soll. Ein solches Beispiel bietet uns Vanuatu.
Die Freunde, die auf der Insel Tanna wohnen, haben eine gewaltige Anstrengung unter-
nommen, um auf das geplante Haus der Andacht aufmerksam zu machen und haben nicht
weniger als ein Drittel der 30.000 Einwohner der Insel auf ganz unterschiedliche Art und
Weise in einem sich ausweitenden Austausch über seine Bedeutung eingebunden. Die Fä-
higkeit, unter so vielen Menschen bedeutsame Gespräche aufrechtzuerhalten, ist verfeinert
worden durch jahrelange Erfahrung im Übermitteln der Lehren Bahá’u’lláhs und der Er-
weiterung des Einflussbereichs eines lebendigen Trainingsinstituts. Besonders gut gedeihen
die Juniorjugendgruppen auf der Insel, angespornt durch Dorfälteste, die sehen, wie die
Teilnehmer in ihren geistigen Fähigkeiten gefördert werden. Ermutigt durch die Einheit
und die Hingabe, die unter ihnen bestehen, haben diese jungen Leute nicht nur die beque-
me Trägheit der eigenen Passivität abgeschüttelt, sondern haben mit Hilfe verschiedener
praktischer Projekte Wege gefunden, sich für die Verbesserung ihrer Gemeinde einzuset-
zen, sodass Menschen aller Altersgruppen, nicht zuletzt ihre eigenen Eltern, für konstrukti-
ves Handeln begeistert wurden. Unter den Gläubigen und in der umgebenden Gesellschaft
wird es als ein besonderes Geschenk anerkannt, sich zwecks Führung und zur Entschei-
dungsfindung in schwierigen Situationen an einen Geistigen Rat wenden zu können, und
andererseits zeichnen sich die Beschlüsse der Geistigen Räte in zunehmendem Maße durch
Weisheit und Einfühlungsvermögen aus. Vieles weist darauf hin, dass die Verbindung der
Elemente im Handlungsrahmen des Plans zu einem kohärenten Ganzen einen tiefgreifen-
den Einfluss auf die Bevölkerung haben kann. Und vor dem Hintergrund ständiger Aus-
breitung und Festigung – der dreißigste Zyklus des intensiven Wachstumsprogramms
wurde gerade beendet – erforschen die Freunde aktiv, zusammen mit dem Rest der Insel-
bevölkerung, was es bedeutet, wenn ein Mashriqu’l-Adhkár, „ein Sammelpunkt für die
Menschenseelen“, in ihrer Mitte errichtet wird. Mit aktiver Unterstützung durch traditio-
nelle Führer haben die Bewohner der Insel Tanna nicht weniger als hundert Gestaltungs-
ideen für den Tempel eingebracht, ein Zeichen dafür, wie sehr das Haus der Andacht die
Vorstellungskräfte anregt und zugleich einen begeisternden Ausblick auf den Einfluss bie-
tet, den es auf die Menschen ausüben wird, die in seinem Schatten leben.

4) Dieser ermutigende Bericht findet sein Gegenstück in zahlreichen fortgeschrittenen
Clustern, in denen die Implikationen der Lehren Bahá’u’lláhs auf die Lebensbedingungen
in Nachbarschaften und Dörfern angewendet werden. In jedem Cluster lernen die Men-
schen, die sich der Person Bahá’u’lláhs zunehmend bewusst werden, durch ihre Reflexion
über Erfahrungen, durch Beratung und Studium, gemäß den Wahrheiten zu handeln, die
Seine Offenbarung enthält, sodass der sich ständig erweiternde Kreis geistig Verwandter
durch die Bande gemeinsamer Andacht und gemeinsamen Dienstes immer enger verbun-
den wird.

5) Auf vielerlei Weise bahnen die am weitesten fortgeschrittenen Gemeinden einen
einladenden Pfad, dem andere folgen können. Aber ganz gleich, auf welchem Aktivitätsni-
veau sich ein Cluster auch befinden mag – es ist die Fähigkeit der Freunde vor Ort, in einem
gemeinsamen Rahmen lernen zu können, die den Fortschritt auf dem Pfad der Entwicklung
fördert. Jeder hat Anteil an diesem Unternehmen; der Beitrag jedes Einzelnen dient dazu,
das Ganze zu bereichern. Die Cluster mit der größten Dynamik sind solche, in denen die
Freunde, ungeachtet der Ressourcen, die die Gemeinde besitzt oder der Zahl der Aktivitä-
ten, die unternommen werden, verstehen, dass es ihre Aufgabe ist festzustellen, was erfor-
derlich ist, damit Fortschritt zustande kommt – die aufkeimende Fähigkeit, die genährt
werden muss; die neue Fertigkeit, die erworben werden muss; die Initiatoren einer neu be-
gonnenen Anstrengung, die begleitet werden müssen; der Raum für Reflexion, der gestaltet
werden muss; die kollektive Unternehmung, die koordiniert werden muss – und dann kre-
ative Wege zu finden, wie die notwendige Zeit und die notwendigen Ressourcen verfügbar
gemacht werden können, um dies zu erreichen. Die Tatsache, dass jede Kombination von
Umständen ihre eigenen Herausforderungen in sich birgt, befähigt jede Gemeinde, nicht
nur einfach aus dem, was in der übrigen Bahá’í-Welt gelernt wird, Nutzen zu ziehen, son-
dern auch selbst dieser Gesamtheit des Wissens etwas hinzuzufügen. Sich dieser Tatsache
bewusst zu sein, befreit von der fruchtlosen Suche nach einer starren Formel für das Han-
deln und ermöglicht zugleich, die Einsichten, die in verschiedenen Umgebungen gewonnen
wurden, in den Wachstumsprozess einzubringen, der dann eine besondere Form in der
eigenen Umgebung annimmt. Diese gesamte Herangehensweise steht in völligem Gegen-
satz zu engen Konzepten von „Erfolg“ oder „Misserfolg“, die zu frenetischer Aktivität füh-
ren oder den Willen lähmen. Loslösung ist erforderlich. Wenn Bemühungen gänzlich für
Gott unternommen werden, dann gehört Ihm alles, was geschieht, und jeder Sieg, der in
Seinem Namen errungen wird, ist eine Gelegenheit, Sein Lob zu feiern.

6) So viele Stellen in den Schriften unseres Glaubens beschreiben das Verhältnis zwi-
schen den Bemühungen, die unternommen werden, und der himmlischen Hilfe, die als
Antwort darauf gewährt wird. „Wenn ihr nur die Mühe auf euch nehmt“, versichert uns
der Meister in einem Seiner Sendschreiben, „wird diese Pracht sicherlich leuchten, diese
Wolken der Barmherzigkeit werden ihren Regen verströmen, diese lebensspendenden
Winde werden sich erheben und wehen, dieser süßduftende Moschus wird sich allenthal-
ben verbreiten.“ Bei unseren häufigen Besuchen an den Heiligen Schreinen flehen wir in
Ihrem Namen den Allmächtigen aufrichtig an, dass Er Sie unterstützen und stärken möge,
damit Ihre Bemühungen, diejenigen zu erreichen, die noch nichts von den göttlichen Leh-
ren wissen und sie in Seiner Sache zu bestärken, reich gesegnet werden mögen, und Ihr
Vertrauen in Seine grenzenlosen Gnadengaben unerschütterlich sei. Niemals vergessen wir
Sie in unseren Gebeten, und niemals werden wir aufhören, uns bei unseren Bittgebeten Ihre
hingebungsvollen, treuen Taten ins Gedächtnis zu rufen. Wenn wir die zwingenden Not-
wendigkeiten betrachten, die in den kommenden zwei Jahren vor den Anhängern der Ge-
segneten Schönheit liegen, befeuert der nachdrückliche Ruf des Meisters zum Handeln un-
seren Geist: „Zerreißt die Schleier, entfernt die Hindernisse, bringet die lebensspendenden
Wasser dar und weiset den Pfad der Rettung.“

[gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit]
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