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الألمانية — Armutsbekämpfung- einig voran schreiten.txt
Teil I

Endlich wird die Krise der weltweiten Armut auf der internationalen Agenda mit hoher Priorität angegangen. Diese erfreuliche Entwicklung hat hektische Diskussionen und Untersuchungen hinsichtlich der Mittel für die Ausrottung dieses für das menschliche Leben hinderlichen Zustandes ausgelöst. Angesichts der Tatsache, dass weder die Flut von Versprechungen durch Regierungen noch die gängigen Theorien und herkömmlichen Ansätze im Stande sind, lang gehegte Vorurteile, Konflikte und Ausbeutung zu überwinden, werden die weltweiten Bemühungen zur Armutsbekämpfung von einem Gefühl der Steuerungslosigkeit überschattet. Zugleich tritt ein spürbarer Optimismus zu Tage, entstanden durch die Aufmerksamkeit und die Dynamik, die die Suche nach Lösungen für diese weltweite Herausforderung erzeugt hat.

Die Mechanismen zur Armutsbekämpfung wurden seit jeher vorwiegend in materiellen Begriffen definiert. Die Hauptsäule der Armutsbekämpfung von Seiten der internationalen Staatengemeinschaft bestand bisher im Transfer finanzieller Mittel. Etwa 2,3 Billionen US-Dollar wurden in den letzten fünf Jahrzehnten in Form finanzieller Hilfe ausgegeben.1] Diese Hilfeleistungen haben tragischer Weise nicht zu größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit geführt, sondern hatten auf die Empfänger oft den gegenteiligen Effekt: noch stärkere Abhängigkeit von ausländischer Hilfe, Unterordnung unter von außen diktierte Prioritäten, Veruntreuung von Geldmitteln und Verminderung des Druckes, Regierungshandeln zu ändern. Entschlossen, hier eine Änderung herbeizuführen, haben die Vereinten Nationen durch ihre Millennium Entwicklungsziele den Versuch gestartet, die Hilfsmechanismen auszuweiten und breitere Unterstützung für die Armutsbekämpfung zu gewinnen.2]

Es wird zunehmend anerkannt, dass Zustände wie die Marginalisierung von Mädchen und Frauen3], schlechtes Regierungshandeln4], ethnische und religiöse Auseinandersetzungen5], Schädigung der Umwelt6] und Arbeitslosigkeit7] wesentliche Hindernisse für Fortschritt und Entwicklung von Gemeinschaften sind. All dies sind Anzeichen einer tieferen Krise – einer Krise, die von den Werten und Einstellungen herrührt, die die Beziehungen auf allen Ebenen der Gesellschaft prägen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet kann Armut als das Fehlen jener ethischen, sozialen und materiellen Ressourcen angesehen werden, die notwendig sind, um die moralischen, intellektuellen und sozialen Kompetenzen von Einzelnen, Gemeinden und Institutionen zu entwickeln. Moralische Urteilskraft, gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse und die Abwesenheit von Rassismus – dies sind Beispiele für wesentliche Werkzeuge zur Verminderung der Armut. Derartige Fähigkeiten müssen das Denken des Einzelnen, aber auch institutionelle Abmachungen und politische Entscheidungen prägen. Um es ganz deutlich auszudrücken: das Ziel muss sein, nicht nur das Leid der Armut zu beseitigen, sondern die Massen der Menschheit darin zu engagieren, eine gerechte Weltordnung aufzubauen.

Einzelne und Institutionen müssen Hand in Hand daran arbeiten, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen. Eines der Ziele der Armutsbekämpfung kreist also um den Einzelnen: ihm muss geholfen werden, seine Würde und sein Selbstwertgefühl wiederzuerlangen. Man muss ihn ermutigen, damit er zuversichtlich daran geht, seine Lebensbedingungen zu verbessern, und danach strebt, sein Potential zu verwirklichen. Über das Erreichen persönlichen Wohlergehens hinaus muss er dazu erzogen werden, eine Quelle sozialen Wohls zu werden - des Friedens, der Freude und zum Nutzen seiner Umgebung. Es ist der Grad der Dienstbarkeit für andere, in dem unser Menschsein seinen höchsten Ausdruck findet. Das zweite Ziel kreist um die Institutionen: auf jeder Ebene der Gesellschaft müssen sie als Kanäle dienen, durch welche die Talente und Energien der Einzelnen nutzbar gemacht werden zum Dienst an der Menschheit. Die Mittel, die dazu beitragen, diese Fähigkeiten von Einzelnen und Institutionen zu entwickeln, bilden eine wahre Quelle des Reichtums für eine Gemeinschaft.

So wie physikalische Gesetze die materielle Welt bestimmen, so wird die soziale Welt von moralischen Gesetzen geleitet, die dem Funktionieren einer geordneten Gesellschaft zugrunde liegen. Prinzipien wie die Gleichberechtigung der Geschlechter8], Vertrauenswürdigkeit9], Zugang zu Bildung, Menschenrechte und Religionsfreiheit10] harmonisieren beispielsweise sehr gut mit Maßnahmen die auf sozio-ökonomisches Wohlergehen und Stabilität abzielen. Die Verwobenheit der aus der Armut resultierenden Probleme erfordert die Formulierung von Prinzipien, die für die Analyse, die Entscheidungsfindung und die Entwicklung von messbaren Fortschrittskriterien geeignet sind. Der wesentliche Vorzug eines auf Prinzipien basierenden Prozesses liegt darin, dass er Einzelne und Institutionen von ihrem Fokus auf punktuelle, kurzfristige Anliegen wegführt, hin zu einer systemischen und langfristigen Betrachtungsweise von Problemen. Damit eine Entscheidung Unterstützung mobilisieren und Ergebnisse vorweisen kann, muss der Entscheidungsprozess selbst integer sein: er muss diejenigen, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind, mit einbeziehen und von transparenten, gemeinsam vereinbarten ethischen Normen gesteuert werden.

In diesem Zusammenhang möchte die Internationale Baha'i Gemeinde zwei Prinzipien als Leitlinien für die Bemühungen im Bereich der Armutsbekämpfung anbieten: Gerechtigkeit und Einheit. Auf diesen Prinzipien basiert eine Vision von Entwicklung, in der materieller Fortschritt als Mittel zur moralischen und kulturellen Weiterentwicklung der Menschheit dient. Gerechtigkeit verschafft die Möglichkeit, unser menschliches Potential dafür einzusetzen, die Armut aus unserer Mitte zu beseitigen, indem Recht umgesetzt wird, wirtschaftliche Systeme angeglichen, Wohlstand und Chancen neu verteilt und höchste moralische Normen im öffentlichen wie auch im privaten Bereich eingehalten werden. Einheit sorgt dafür, dass Fortschritt systemisch und relational orientiert ist, dass die Sorge um die Integrität der Familie und der lokalen, nationalen und internationalen Gemeinschaft Maßnahmen zur Armutsbekämpfung leiten muss.

Teil II

Staatsführung

Die Frage der Armut erlegt den gewählten Politikern und ihren Regierungen besondere Verantwortung auf. Während manche argumentieren, dass es die Armut ist, die zu schlechtem Regieren führt, bewegt sich die Ursächlichkeit oft in die entgegengesetzte Richtung: besseres Regieren führt zu besseren Entwicklungsergebnissen.11] Entscheidend für das Thema der Staatsführung ist die unausweichliche Frage des Charakters – die Werte, die ein politisch Verantwortlicher in sein Amt bringt, definieren zum großen Teil die Richtung und die Früchte seiner Arbeit. Dabei ist Vertrauenswürdigkeit einer der wichtigsten Werte, denn sie fördert die Glaubwürdigkeit gegenüber der Öffentlichkeit und anderen Politikern, baut Unterstützung für Regierungsinitiativen auf und erzeugt Stabilität und Sicherheit. Erfolgreiche Führer müssen nicht nur eine tadellose Ethik ausüben. Sie müssen auch daran arbeiten, die Beschaffenheit von Wirtschafts-, Sozial-, Rechts- und Bildungsinstitutionen zu stärken, ihre rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern und knappe Ressourcen bestmöglich zu verwalten. Was ihre Bezüge angeht, so müssen sie mit einem rechtmäßigen und bescheidenen Einkommen zufrieden sein. Da die Politik immer internationaler wird, müssen die gewählten Politiker außerdem die Vision und den Mut zeigen, Schritt für Schritt die nationalen Interessen mit den Anforderungen einer sich kontinuierlich entwickelnden weltweiten Gemeinschaft in Einklang zu bringen.

Gerechtigkeit und Menschenrechte

Die Bemühungen der Vereinten Nationen, Armutsbekämpfung mit der Etablierung internationaler Menschenrechtsnormen zu verbinden, ist ein erfreulicher Schritt, um das Handeln der Regierungen mit den Prinzipien der Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. Unser gemeinsames Erbe an Menschenrechtsnormen, die unter anderem die Rechte des Einzelnen und der Familie umfassen sowie Gewissens- und Glaubensfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ethnische Gleichwertigkeit wie auch das Recht auf Arbeit und auf Bildung, verkörpert die wichtigsten moralischen Errungenschaften der Menschheit. Die Menschenrechte, wie sie von den meisten Regierungen in der Welt befürwortet werden, müssen Eingang finden in die politische Kultur sowie die Rechtskultur und systematisch in die innerstaatliche Gesetzgebung aufgenommen werden. Sie müssen in alle Sprachen übersetzt und durch die Medien und Bildungseinrichtungen allen zugängig gemacht werden. Auf diese Weise können Menschenrechtsnormen die fehlerhaften Rechtssysteme ersetzen, die sich durch repressive und willkürliche Anwendung von Gesetzen gegenüber Menschen kennzeichnen, die sich ihrer Rechte nicht bewusst und unfähig sind, ihre Belange zu artikulieren.

Verantwortung des Einzelnen

Ein Großteil der Verantwortung für die Bekämpfung von Armut liegt bei den Menschen selbst. Auch wenn Armut das Produkt zahlreicher Faktoren ist: historischer, wirtschaftlicher, politischer und Umweltfaktoren, so gibt es auch eine kulturell bedingte Dimension, die sich in individuellen Werten und Einstellungen ausdrückt. So lange zum Beispiel Mädchen und Frauen unterdrückt werden, so lange der Wert der Erziehung missachtet und das Recht des Einzelnen, sich zu entwickeln, geleugnet wird, so lange können die Bedingungen für Armut nur schlimmer werden. Grundlegende Qualitäten des Menschen wie Ehrlichkeit, Bereitschaft zu arbeiten und zu kooperieren können hingegen genutzt werden, um enorm herausfordernde Ziele zu erreichen. Allerdings müssen die Mitglieder einer Gesellschaft darauf vertrauen können, gesetzlich geschützt zu sein, und die Vorteile müssen allen in gleicher Weise zukommen. Will man also Veränderungen in Einstellungen und Verhaltensweisen bewirken, kann sich die Umsetzung des Menschenrechtsansatzes mit seiner Betonung auf ein Set individueller Rechte ohne einen damit einhergehenden moralischen Einfluss als schwierig erweisen.

Geschlechterfragen

Das Thema der Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein solches Beispiel: im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte gab es immer wieder Treffen, bei denen die Staaten anerkannt haben, dass Frauen eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Entwicklungsziele voranzutreiben. Natur- und Sozialwissenschaften haben die Grundlagen, auf der die Diskriminierung fußte, längst ad acta gelegt; die meisten Länder haben Gesetze verabschiedet, die den Frauen die gleichen Chancen zugesichert haben wie den Männern; Abkommen wurden unterzeichnet und ratifiziert; neue Maßstäbe und soziale Indikatoren wurden etabliert. Doch nach wie vor ist die Beteiligung der Frauen in den Bereichen von Gesetzgebung, Politik, Naturwissenschaft, Handel und Religion, um nur einige wenige zu nennen, höchst unzureichend. Wo Frauen hingegen Zugang zu Bildung, bezahlte Arbeit und Eigentumsrechte bekommen haben, kann man tiefgreifende Veränderungen auf vielen Ebenen beobachten: im Familienverband eine gerechtere Verteilung von Nahrung, Ressourcen und Gesundheitsvorsorge unter Mädchen und Jungen; eine höhere Alphabetisierungsrate bei den Kindern; eine niedrigere Geburtenrate, die ihrerseits bessere wirtschaftliche Bedingungen und gesündere Mütter zur Folge hat; das Einbringen neuer Anliegen in den öffentlichen Diskurs. Allein die Tatsache, dass Frauen lesen und schreiben können, spielt nachgewiesenermaßen eine größere Rolle bei der Förderung von sozialem Wohlergehen als jede andere Variable, die den allgemeinen Wohlstand einer Gesellschaft beeinflusst.12] Wo wirtschaftliche und soziale Bedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz die Förderung von Frauen begünstigen, bessert sich das Wohlbefinden der ganzen Familiedrastisch. Für die allmähliche Wandlung der Einstellungen war jedoch viel mehr vonnöten als bloße Gesetzesmaßnahmen – es bedurfte eines grundlegenden Wandels der Überzeugungen über die Rolle von Männern und Frauen und des Mutes, traditionelle Geschlechternormen in Frage zu stellen.

Wirtschaftliches Handeln

Es kann nicht bestritten werden, dass das Fortbestehen der Armut durch eine Wechselwirkung von sozialen und materiellen Faktoren bestimmt wird. Diese Wechselwirkung entscheidet über den gesellschaftlichen Nutzen materieller Ressourcen - ob die Ressourcen sich in den Händen weniger befinden oder gerecht verteilt werden, ob sie für die Gesellschaft als Ganzes nutzbringend oder schädlich sind. Heutzutage stehen viele wirtschaftliche Aktivitäten und ihr institutioneller Rahmen in Konflikt mit ökologischer Nachhaltigkeit, den Aufstiegschancen von Frauen, dem Wohlergehen der Familie, der Einbeziehung junger Menschen, der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen und der Erweiterung des Wissens. Militärausgaben belaufen sich beispielsweise auf mehr als eine Billion US-Dollar13], und der weltweite Handel mit illegalen Drogen übersteigt mit 300 Mrd. US-Dollar14] bei weitem die geschätzten Kosten der globalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen in den Bereichen Ausbildung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Frauenförderung.15] Die Wirtschaftstheorien über ungezügelte Märkte, welche egoistische Aktivitäten Einzelner begünstigen, haben der Menschheit alles andere als geholfen, extreme Armut auf der einen und extreme Verschwendung auf der anderen Seite zu vermeiden. Dagegen müssen für die heutige Zeit neue wirtschaftliche Theorien von einer Motivation getragen sein, die über reinen Profit hinausgeht. Sie müssen in der sehr menschenorientierten und sozialen Dimension wirtschaftlichen Handelns verwurzelt sein, die uns als Familien, als Gemeinschaften oder als Weltbürger aneinander bindet. Sie müssen getragen sein von einem Geist der Innovation, nicht der blinden Nachahmung, der Veredelung, nicht der Ausbeutung, und der vollständigen und überzeugenden Beteiligung der Frauen.

Extremer Reichtum

Die wirtschaftlichen Überlegungen, die den Bemühungen zur Armutsbekämpfung zugrunde liegen, konzentrieren sich im Allgemeinen auf die Schaffung von Reichtum. Sie haben jedoch das parallel dazu existierende Problem der übertriebenen Anhäufung von Reichtum noch nicht in vollem Ausmaß in Betracht gezogen. In einer vernetzten Welt, in der das Vermögen vieler der reichsten Menschen das Bruttosozialprodukt ganzer Nationen übersteigt, existieren extreme Armut und extremer Reichtum Seite an Seite. Viele der Entwicklungshilfemaßnahmen zielen zwar auf die Ärmsten ab, doch muss das Augenmerk auch dringend auf die Konzentration von Kapital in den Händen weniger gerichtet werden. Der ungeheure Reichtum, der von internationalen Firmen angehäuft wurde, könnte in der Tat integraler Bestandteil des Schlüssels zur Armutsbekämpfung sein – durch strenge Regularien zur Gewährleistung guter Weltbürgerschaft, durch die Einhaltung von Menschenrechtsstandards und durch die Verteilung des Wohlstandes, damit der breiteren Gesellschaft zu Gute kommt. Wenn es um den Reichtum einer Nation geht, ist es eher eine Frage der sozialen Wertigkeit und weniger eine des Brutto-Geldwertes. Das Bruttosozialprodukt ist beispielsweise die Summe aller wirtschaftlichen Tätigkeiten – darunter auch die Produktion von Waffen, Zigaretten usw. – ohne Rücksicht auf ihren sozialen Wert oder die Belastung der Umwelt. Neue Maßstäbe sind nötig, bei denen alles mit einbezogen wird: Umweltschäden und wirtschaftliche Übel und ebenso die nie berechneten und nie bezahlten Leistungen. Nur so kann man ein klareres Bild von dem wirtschaftlichen Befinden und dem Wohlergehen einer Nation erhalten.16]

Nachhaltige Entwicklung

Es ist weithin anerkannt, dass der wirtschaftliche Aufschwung eine enorme Belastung unserer natürlichen Umwelt mit sich gebracht hat.17] Tatsächlich hat kein Land sich zu einer größeren Industrienation entwickelt, ohne ein Erbe erheblicher Umweltschäden hinterlassen zu haben, das Sicherheit und Wohlergehen des eigenen Volkes beeinträchtigt, wie auch – und das ist genauso wichtig – die Sicherheit und das Wohlergehen von Entwicklungsländern. Das wachstumsorientierte wirtschaftliche Paradigma, das auf nationalen Interessen und auf den Ausschluss sozialer und ökologischer Variablen sowie der Missachtung eines weltweiten Wohlergehens basiert, wird zunehmend einer genauen Überprüfung unterzogen. Schwierige moralische Fragen der Verteilung von Ressourcen und der Verantwortung für entstandene Schäden zwingen die Regierungen dazu, institutionelle Mechanismen einzuführen und Verfahren zu entwickeln, die das Gedeihen und die Gesundheit der weltweiten Gemeinschaft und der zukünftiger Generationen berücksichtigen. Auf institutioneller Ebene ist ein globales Gremium mit stark wissenschaftlicher Beratungsfunktion nötig, um die Prozesse der Berichterstattung und der Entscheidungsfindung aufeinander abzustimmen, wobei auch Stimmen nicht-staatlicher Akteure gehört werden müssen. Dieses Gremium muss Umweltthemen auf schlüssige Weise mit sozialen und wirtschaftlichen Prioritäten in Beziehung setzen, denn keines dieser Belange kann isoliert vorangetrieben werden.18] Im Bildungsbereich müssen Lehrpläne zum Ziel haben, ein Verantwortungsgefühl gegenüber der Umwelt zu entwickeln und eine forschende und innovative Einstellung zu fördern, damit die Vielfalt menschlicher Erfahrung der Herausforderung begegnen kann, einen Weg der nachhaltigen Entwicklung einzuschlagen, ohne zugleich die Umwelt zu schädigen.

Landwirtschaft

Ein wesentliches Element der Strategie nachhaltiger Entwicklung ist die Reform landwirtschaftlicher Politik und ihrer Verfahren. Lebensmittelherstellung und Landwirtschaft sind weltweit die größten Arbeitgeber; fast 70 Prozent der Armen in Entwicklungsländern leben in ländlichen Gebieten, und ihr Lebensunterhalt hängt von der Landwirtschaft ab.19] Obwohl die Landwirtschaft durch die verarbeitende Industrie und eine schnell wachsende städtische Bevölkerung entwertet wurde, bildet sie noch immer die Basis des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens. Unterernährung und die Ungewissheit der Versorgung mit Nahrungsmitteln ersticken alle Versuche der Entwicklung und des Fortschritts. Trotz dieser Schlüsselrolle kommt Armut gehäuft in ländlichen Gebieten vor. Die Schädigung der natürlichen Ressourcen und der Mangel an Information und Infrastruktur führen oft zu instabiler Versorgung, erhöhter Sterblichkeit und Landflucht in städtische Gebiete auf der Suche nach einem besseren Leben. Die Bauern müssen ihren rechtmäßigen Platz im Entwicklungsprozess und dem Aufbau einer Zivilisation einnehmen: wenn die Dörfer einmal wieder aufgebaut sind, werden die Städte folgen.

Beschäftigung

Die Bereitstellung sinnvoller Arbeit stellt einen wesentlichen Bestandteil der Anstrengungen zur Armutsbekämpfung dar. Die sinnvolle Beschäftigung junger Menschen wird sogar noch wichtiger, weil die städtische Bevölkerung wächst und damit auch die Armenviertel, die Kriminalitätsrate, der Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit und das Zusammenbrechen von Familienstrukturen und soziale Isolation. Heutzutage machen junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren fast die Hälfte der Erwachsenen in den hundert wirtschaftlich benachteiligsten Nationen aus.20] Der Mangel an sinnvoller Arbeit verstärkt ihr Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Frustration. Es muss jedoch nicht nur der Umfang, sondern auch die Qualität und der Sinn der Arbeit neu überdacht werden. Egal ob man ein Feld bestellt oder Waren verkauft, sollte die Arbeit nicht lediglich als Mittel angesehen werden, um mehr Dinge zu kaufen, oder als ein entbehrlicher Kostenfaktor. Die Arbeit eines Menschen ist das Mittel, seine Fertigkeiten zu entwickeln, seinen Charakter zu verfeinern und zum Wohlergehen und dem Fortschritt der Gesellschaft beizutragen. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit muss in der Tat mit der Betonung der Würde und dem Wert jedweder menschlichen Arbeit anfangen, sei sie auch gering, unsicher, unrentabel oder unbezahlt.

Wissen

Einer sinnvollen Teilhabe am Fortschritt der Gesellschaft und den höheren Zielen der Kultur liegt dass Bollwerk der Erziehung zu Grunde. Auch wenn sich viele Programme zur Beseitigung der Armut darauf konzentriert haben, die Teilnehmerzahlen an Grund- und weiterführenden Schulen zu erhöhen – was ein erster Schritt ist –, so muss doch auch das langfristige Ziel formuliert werden: nämlich eine Gesellschaft zu schaffen, in der alle Aspekte menschlicher Aktivität vom Schaffen, Verbreiten und Anwenden von Wissen durchdrungen sind. Dies erfordert das Eingreifen auf allen Ebenen: Methoden der Erziehung, die Fragen der Kinder fördern, gleiche Bildungschancen für Jungen und Mädchen, die Entwicklung unabhängiger Medien, die Übersetzung von Texten anderer Kulturen und die Förderung von Innovation und wissenschaftlicher Forschung. Soll der menschliche Geist frei sein, neues zu erfinden und Lösungen für komplexe Probleme zu ersinnen, so muss er die Freiheit haben, Wissen zu erwerben.

Religion

Das Konzept von Wissen, das jetzt erforderlich ist, um die Bemühungen bei der Armutsbekämpfung zu steuern, muss sowohl auf die Armut an Gütern wie auch auf die Armut an Geistigkeit angewandt werden können. Materielle Ressourcen sind zweifellos unentbehrlich, doch sie allein können keine Vision des vollen Maßes menschlichen Wohlstands generieren; sie können keine Antwort auf die tiefsten Fragen der menschlichen Natur oder den Sinn unseres Daseins geben. Wichtiger noch, materielle und technische Dimensionen allein werden nicht die grundlegenden Veränderungen im menschlichen Charakter und Glauben hervorbringen können, die nötig sind, um die destruktiven Verhaltensweisen zu überwinden, die zu der heutigen Situation geführt haben. Sie werden nicht imstande sein, den menschlichen Willen anzuregen und darin zu bestärken, Langmut zu haben, nach Vortrefflichkeit zu streben, demütig zu dienen, schöpferisch tätig zu sein, nach Wissen zu streben, Schönheit zu kultivieren und das Wohlergehen der ganzen Menschheit anzustreben. Die geistige Dimension und ihren Ausdruck in den Religionen der Welt mit einzubeziehen, bedeutet nicht, zum Aberglauben oder Fanatismus zurückzukehren oder rationales Denken in irgendeiner Weise anzuprangern. Es geht eher darum, bei den Bemühungen der Armutsbekämpfung auf ganzheitliche Weise alle Dimensionen menschlicher Erfahrung einzubinden  sowie ein Verständnis davon, wie Armut sich in den materiellen und den geistigen Dimensionen des menschlichen Lebens manifestiert.

Bei unseren Bemühungen, Armut zu beseitigen, erleben wir nichts weniger als die Geburtswehen einer wahrhaft weltweiten Zivilisation: Neue Denkansätze, neue Standards und neue gesetzliche und institutionelle Gefüge ringen darum, sich durchzusetzen. So wie unser Verständnis der Probleme und ihrer möglichen Lösungen sich ausweitet, so ebnet ein noch nie da gewesener globaler Konsens und die dazu gehörige Möglichkeit weltweiter Zusammenarbeit den Weg für ein Ergebnis, das großartiger ist als irgendetwas, das wir bisher erreichen konnten. Um aber das Wissen und das Engagement zu generieren, das vonnöten ist, um Armut zu überwinden, muss der Mensch das volle Spektrum geistigen und intellektuellen Potentials für dieses Unternehmen aufbieten. Und wenn die Fülle unseres Menschseins sich diesem Prozess verpflichtet hat, wird es die Struktur von Zivilisation erneuern.

 

 

[1] Easterly, William. The White Man’s Burden: Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and so Little Good. The Penguin Press: New York, 2006.

[2] Die Millennium Entwicklungsziele, die im Jahr 2000 formuliert wurden, sind die Strategie der Vereinten Nationen, extreme Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren. Die acht Termin-gebundenen Ziele beinhalten: Beseitigung extremen Hungers und extremer Armut, Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter, Verminderung der Kindersterblichkeitsrate, Verbesserung der Gesundheitsvorsorge werdender Mütter, Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten, Gewährleistung nachhaltiger Umweltverträglichkeit, Aufbau einer weltweiten Partnerschaft für Entwicklung.

[3] Mason, Andrew D. und Elizabeth M. King. Engendering Development through Gender Equality in Rights, Resources, and Voice. Ein Forschungsbericht der Weltbank: Washington, DC, 2001; Towards Achieving Gender Equality and Empowering Women. Internationales Forschungszentrum für Frauen: Washington, DC, 2005; Chen, M. et al. Progress of the World’s Women 2005: Women, Work & Poverty. UN Frauen-Fonds: New York, 2005.

[4] Kaufmann, Daniel; Aart Kraay und Massimo Mastruzzi. Governance Matters IV: Governance Indicators for 1996 – 2004. Weltbank: Washington, DC, 2005; Arab Human Development Report 2004: Towards Freedom in the Arab World. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen: New York, 2004. Am 17. September 2007 berichtete der Nachrichtendienst der Vereinten Nationen, dass jährlich ein Viertel des Bruttoinlandproduktes der afrikanischen Staaten (148 Mrd. US-Dollar) der Korruption zum Opfer fällt.

[5] Human Development Report 2004. Cultural Liberty in Today’s Diverse World. Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen: New York, 2004.

[6] Stern, Nicholas. Stern Review: The Economics of Climate Change, HM Treasury: London, 2006.

[7] World Employment Report 2004-2005. Employment, Productivity and Poverty Reduction. Internationaler Arbeiterverband: Genf, 2004.

[8] Siehe 3.

[9] Siehe 4.

[10] “The Failed States Index,” Foreign Policy, Juli/August 2007, 55-63.

[11] Siehe 2 oben.

[12] Sen, Amartya. Development as Freedom. Anchor: New York, 2000.

[13] United Nations Peacekeeping Operations Background Note. Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Vereinten Nationen: New York. 30. November 2005 (Beträge in US-Dollar, 2005).

[14] World Drug Report 2007. UN Büro für Drogen und Kriminalität: New York, 2007.

[15] Das UN-Millennium-Projekt schätzt die Kosten, die aufgewendet werden müssen, um die Ziele der Millennium-Entwicklungsziele in allen Ländern zu erreichen, auf etwa 121 Mrd. US-Dollar im Jahr 2006, und bis 2015 ansteigend auf 189 Mrd. US Dollar. (UN Millennium Project 2005. Investing in Development: A Practical Plan to Achieve the Millennium Development Goals. Overview. UN-Entwicklungsprogramm: New York, 2005).

[16] Verschiedene Wissenschaftler untersuchen alternative Maßstäbe, um das nationale Vermögen zu messen. Der „Genuine Progress Indicator” (dt. „Tatsächlicher Fortschrittsindikator“) ist eine solche Initiative. Im Unterschied zu dem traditionellen Maßstab des Bruttoinlandprodukts (BIP) versucht der GPI, Umweltverschmutzung und wirtschaftliche Missfolgen abzuziehen und bisher nicht einkalkulierte Beiträge wie beispielsweise Hausarbeit und Familienzeit mit einzuberechnen, um ein klareres Bild des nationalen Vermögens zu ermitteln. Für 2002 (das aktuellste Jahr mit GPI Daten) errechnete die Nicht-Regierungsorganisation „Redefining Progress“, dass in den USA zwischen 1972 und 2002 der GDP um 79% pro Kopf wuchs, während der GPI nur um 1% anwuchs (Jason Venetoulis und Cliff Cobb. The Genuine Progress Indicator 1950-2002 (2004 Update). Redefining Progress: Oakland, CA, 2004).

[17] Berichte des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (1988 von der Internationalen Meteorologischen Organisation und dem UN Entwicklungsprogramm gegründet) werden in den Debatten zum Klimawandel oft zitiert. Die aktuellsten Berichte mit dem Titel Climate Change 2007 beinhalten: The Physical Science Basis; Impacts, Adaptation and Vulnerability und Mitigation of Climate Change. Sie wurden 2007 von der Cambridge University Press veröffentlicht.

[18] Auf nationaler Ebene müssen die umfangreichen Anforderungen der Berichterstattung einander angepasst und konsolidiert werden, damit die Länder ihren Verpflichtungen effektiv und kohärent nachkommen können.

[19] Dixon, John, Aidan Gulliver and David Gibbon. Farming Systems and Poverty: improving farmers' livelihoods in a changing world. Eine gemeinsame Studie der „Food and Agriculture Organization“ (FAO) der Vereinten Nationen und der Weltbank: Rom und Washington, DC, 2001. URL: ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/003/y1860e/y1860e00.pdf

[20] World Watch Institute, Vital Signs 2007-2008, 74.
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Part I

The crisis of global poverty has, at long last, been accorded a high priority on the international agenda. This propitious development has sparked a flurry of discussion and research concerning the means for eradicating this debilitating condition from human life. Yet as renewed pledges for action pour in from governments, as long-held theories and conventional approaches fail to quell long-held prejudices, conflicts, and exploitation, a feeling of rudderlessness looms over the global enterprise of poverty eradication. At the same time, a palpable optimism emerges from the attention and momentum generated by the search for solutions to this worldwide challenge.

The mechanisms of poverty eradication have long been defined in primarily material terms. Indeed, the central pillar of the international community’s poverty alleviation efforts has been the transfer of financial resources. Approximately $2.3 trillion have been spent on foreign aid over the last five decades.[1] Tragically, the aid, far from ushering in greater self-sufficiency, has often had a detrimental effect on recipient communities: increased dependency on foreign assistance, subservience to externally dictated priorities, misappropriation of funds and decreased pressure for governance reform. In a resolute push for change, the United Nations has sought to expand the mechanisms for assistance and to galvanize support for poverty alleviation through its Millennium Development Goals.[2]

It is now increasingly acknowledged that such conditions as the marginalization of girls and women,[3] poor governance,[4] ethnic and religious antipathy,[5] environmental degradation[6] and unemployment[7] constitute formidable obstacles to the progress and development of communities. These evidence a deeper crisis—one rooted in the values and attitudes that shape relationships at all levels of society. Viewed from this perspective, poverty can be described as the absence of those ethical, social and material resources needed to develop the moral, intellectual and social capacities of individuals, communities and institutions. Moral reasoning, group decision-making and freedom from racism, for example, are all essential tools for poverty alleviation. Such capacities must shape individual thinking as well as institutional arrangements and policy-making. To be clear, the goal at hand is not only to remove the ills of poverty but to engage the masses of humanity in the construction of a just global order.

Individuals and institutions must work in tandem to take up this task. One of the goals of poverty alleviation, then, centers on the individual: he must be helped to reclaim his dignity and sense of self-worth, must be encouraged to gain confidence to improve his condition and strive to realize his potential. Beyond the achievement of personal well-being, he must be nurtured to become a source of social good—of peace, happiness and advantage to those around him. It is at the level of service to others that our humanity achieves its highest expression. The second goal centers on institutions: at every level of society, they must serve as channels through which the talents and energies of individuals can be harnessed in service to humanity. Resources that help to develop this individual and institutional capacity represent a true source of wealth to the community.

Much like the physical principles that govern the material world, the social world, too, is governed by moral principles, which underlie the functioning of an ordered society. Principles such as gender equality,[8] trustworthiness,[9] access to education, human rights and freedom of religion,[10] for example, tend to correlate positively with measures of socioeconomic well-being and stability. The interrelatedness of challenges stemming from poverty calls for the articulation of principles capable of guiding analysis, decision-making and the development of indicators to measure progress. The essential merit of a principle-based process is that it guides individuals and institutions away from a focus on isolated, short-term concerns to consider problems from a systemic and long-term perspective. For any decision to garner support and deliver results, the decision-making process itself must have integrity: it must involve those directly affected by the decisions and it must be governed by transparent, agreed-upon ethical standards.

It is in this context that the Bahá'í International Community would like to offer two principles as guides for efforts in the realm of poverty eradication: justice and unity. These principles underlie a vision of development in which material progress serves as a vehicle for the moral and cultural advancement of humanity. Justice provides the means capable of harnessing human potential to eradicate poverty from our midst, through the implementation of laws, the adjustment of economic systems, the redistribution of wealth and opportunity, and unfailing adherence to the highest ethical standards in private and public life. Unity asserts that progress is systemic and relational, that a concern for the integrity of the family unit and the local, national, and global community must guide poverty alleviation efforts.

Part II

Governance

The question of poverty places particular responsibility on elected leaders and their governments. While some have argued that poverty itself leads to poor governance, causality often moves in the opposite direction: better governance leads to better development outcomes.[11] Central to the issue of governance is the inescapable question of character – the values that a leader brings to his or her office largely define the direction and fruits of his or her work. Trustworthiness is foremost among these, as it fosters credibility with the public and with other leaders, builds support for government initiatives and engenders stability and security. Effective leaders must not only exercise an impeccable ethic but also work to strengthen the character of the nation’s economic, social, legal and educational institutions, to improve the regulatory framework, and to manage scarce resources effectively. Where earnings are concerned, they must be content with a lawful and modest remuneration. As the substance of politics becomes increasingly global, elected leaders must show the vision and the courage to gradually align national interests with the requirements of the evolving global community.

Justice and human rights

The United Nations’ efforts to link poverty eradication efforts with international human rights norms is a positive step in aligning the work of governments with the principles of justice. Our common heritage of human rights norms, encompassing the rights of the individual and of the family; the freedom to know and to believe; the equality of men and women and racial equality; the right to work and to education, among others, embodies the most significant moral accomplishments of the human race. Human rights, as endorsed by most governments of the world, must now enter into the community and legal culture and be systematically incorporated into domestic legislation. They must be translated into all languages and made accessible through media and educational institutions. In this way, the human rights norms can come to replace broken legal systems characterized by the oppressive and arbitrary application of laws, forced on people unaware of their rights and unable to articulate their needs.

Individual responsibility

A large share of the responsibility for poverty eradication rests with the individuals themselves. While poverty is the product of numerous factors: historic, economic, political and environmental, there is also a cultural dimension, which manifests itself in individual values and attitudes. Some of these – such as the subjugation of girls and women, the lack of value of education or of an individual’s right to progress – can exacerbate conditions of poverty. The relevant human qualities such as honesty, willingness to work, and cooperation can be harnessed to accomplish enormously demanding goals when members of society trust that they are protected by standards of justice and assured of benefits that apply equally to all. The human rights approach, with its emphasis on the individual’s entitlement to a set of rights, however, may prove challenging to implement without an accompanying moral influence necessary to inspire the accompanying changes in attitudes and behaviors.

Gender

The issue of gender equality is one such example: over the last two decades nations have repeatedly come together to acknowledge the critical role of women in advancing development imperatives. The natural and social sciences have laid to rest any bases for discrimination; most countries have enacted laws to afford women the same opportunities as men; conventions have been signed and ratified; new measures and social indicators have been put in place. Yet women’s agency in the arenas of law, politics, science, commerce and religion, to name a few, is still grossly deficient. In areas where women have gained access to education, employment, and ownership opportunities, dramatic effects have been observed at many levels: at the level of the family, more equitable division of food, resources, and health care among girls and boys; higher rates of literacy among children; lower rates of fertility leading to better economic conditions and maternal health; and the injection of new concerns into public discourse. Female literacy, alone, has been shown to play a much more important role in promoting social well-being than other variables related to the general level of wealth in a society.[12] Indeed the well-being of the entire family has been dramatically altered where economic and social circumstances and societal attitudes have been favorable to women’s advancement. Yet, the gradual transformation of attitudes has required much more than legal measures, it has required a fundamental change of belief about roles of men and women and courage to challenge traditional gender norms.

Economic activity

Undeniably, poverty is sustained by an interaction of social and material factors. This interaction determines the societal benefits of material resources, whether the resources are concentrated in the hands of a few or are equitably distributed, whether they are beneficial or harmful to the society at large. Today, much of economic activity and its institutional context is at odds with environmental sustainability, the advancement of women, the well-being of the family, the engagement of young people, the availability of employment, and the expansion of knowledge. For example, military expenditures exceeding $1 trillion[13] and global trade in illicit drugs in excess of $300 billion[14] far exceeds the estimated costs of meeting the United Nations’ global development goals in areas of education, health, sustainability, and women’s empowerment.[15] The economic theories of impersonal markets, promoting self-centered actions of individuals, have not helped humanity escape the extremes of poverty on the one hand and over-consumption on the other. New economic theories for our time must be animated by a motive beyond just profit. They must be rooted in the very human and relational dimension of all economic activity, which binds us as families, as communities and as citizens of one world. They must be animated by a spirit of innovation rather than blind imitation, ennoblement rather than exploitation, and the full and confident participation of women.

Extremes of wealth

Economic considerations underlying poverty alleviation efforts have generally focused on the creation of wealth but have not yet fully considered the parallel problem of the over-concentration of wealth. In an interconnected world, where the wealth of many of the world’s richest individuals exceeds the Gross Domestic Product of entire nations, extreme poverty and extreme wealth exist side by side. While much of the focus of remedial efforts is directed towards the poorest, it is the concentration of wealth in the hands of the few that is in urgent need of attention. Indeed, the tremendous wealth generated by transnational corporations could be an integral part of the solution to tackle poverty, through strict regulation to ensure good global citizenship, adherence to human rights norms and the distribution of wealth for the benefit of the larger society. Where a nation’s wealth is concerned, the question becomes one of social value rather than gross dollar measures. The Gross Domestic Product, for example, aggregates the sum total of all economic activity – including the production of guns, cigarettes, etc. – regardless of its social worth or environmental impact. New measures that account for pollutants and economic ills and add unmeasured, unremunerated benefits are needed for a more accurate picture of a nation’s economic health and wealth.[16]

Sustainable development

It has been widely acknowledged that economic prosperity has come at a tremendous cost to our natural environment.[17] In fact, no country has emerged as a major industrial power without a legacy of significant environmental damage, affecting the security and well-being of its own populations and, equally significantly, those of developing nations. The growth-driven economic paradigm rooted in national interests at the expense of social and environmental variables and international well-being is under increasing scrutiny. Challenging ethical questions of resource distribution and responsibility for damages force governments to develop institutional mechanisms and implement policies that consider the prosperity and health of the global community and that of future generations. On an institutional level, a global entity with a strong scientific advisory capacity is needed to streamline reporting and decision-making processes, including the voices of non-state actors. It must coherently link environmental issues to social and economic priorities, for none of these can advance in isolation.[18] At the educational level, curricula must seek to develop a sense of responsibility towards the natural environment as well as foster a spirit of inquiry and innovation so that the diversity of human experience can be brought to bear on the challenge of creating an environmentally sustainable development pathway.

Agriculture

A core element of a strategy of sustainable development is the reform of agricultural policies and processes. Food production and agriculture is the world’s single largest source of employment; nearly 70% of the poor in developing countries live in rural areas and depend on agriculture for their livelihoods.[19] Although farming has been devalued by manufacturing and a rapidly expanding urban population, agriculture still represents the fundamental basis of economic and community life: malnourishment and food insecurity suffocate all attempts at development and progress. Despite this pivotal role, poverty is often concentrated in rural areas. Damage to natural resources, poor information and infrastructure often result in food insecurity, premature deaths and mass migration to urban areas in search of a better life. The farmer must be accorded his or her rightful place in the processes of development and civilization building: as the villages are reconstructed, the cities will follow.

Employment

The provision of meaningful work represents an essential component of poverty alleviation efforts. The meaningful engagement of young people becomes even more important as urban populations swell and, with them, the increase of slums, rising crime rates, use of drugs, unemployment, breakdown of family structures and social isolation. Today, young people between the ages of 15-29 account for nearly half of all adults in 100 economically disadvantaged nations.[20] Lack of meaningful employment only feeds their hopelessness and frustration. Yet it is not only the quantity but also the quality and meaning of work that needs to be reconsidered. Whether tilling the soil or selling goods, one’s work should not be reduced to a means for acquiring more goods or as an expendable cost of production. One’s work is the means of developing one’s craft, of refining one’s character, and contributing to the welfare and progress of society. Indeed, the fight against underemployment must begin with the dignity and value of all human labor, even if it is humble, insecure, unprofitable or unremunerated.

Knowledge

Underlying the meaningful participation in the advancement of society and the higher aims of civilization is the bulwark of education. While many poverty eradication programs have focused on increasing enrollment in primary and secondary education – which is the first step – the long-term goal must also be articulated: namely to create a society in which the production, diffusion and application of knowledge infuses all facets of human activity. This requires interventions at all levels including child-rearing practices that foster questioning; equal educational opportunities for boys and girls; development of independent media sources; translation of texts from other cultures and the promotion of innovation and scientific research. In order to be free to innovate, to devise solutions to complex problems, the human mind must be free to know.

Religion

The concept of knowledge now needed to guide poverty alleviation efforts must be adequate to address both the poverty of means and the poverty of spirit. Material resources are essential, to be sure, yet they alone cannot generate a vision of the full measure of human prosperity; they cannot provide answers to the deepest questions about human nature or the purpose of our existence. Most importantly, the material and technical dimensions alone will not compel the fundamental changes in human character and belief needed to overcome the destructive behaviors which have led to present day conditions. They will not galvanize and sustain the human will to persevere, to strive for excellence, to humbly serve, to create, to seek knowledge, to cultivate beauty and to seek the well-being of all humankind. To encompass the spiritual dimension and its expression in the religions of the world is not to return to superstition or fanaticism or to denounce rational inquiry in any way. Rather, it is to build into poverty alleviation efforts, in an integrated manner, recognition of all the dimensions of human experience and an understanding of how poverty manifests in the material and spiritual dimensions of human life.

In our efforts to eradicate poverty, we are experiencing no less than the birth pangs of a truly global civilization: new modes of thought, new standards and new legal and institutional arrangements are struggling to take hold. As our understanding of the problems and their possible solutions expands, an unprecedented global consensus and accompanying capacity for international cooperation pave the way for an outcome far greater than any we have been able to achieve. Yet, to generate the knowledge and commitment needed to overcome poverty, the full spectrum of human spiritual and intellectual potential will need to be summoned for the task. And as the fullness of our humanity is engaged, it will regenerate the fabric of civilization.

[1] Easterly, William. The White Man’s Burden: Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and so Little Good. The Penguin Press: New York, 2006.

[2] The United Nations’ Millennium Development Goals, launched in the 2000, represent the United Nations’ strategy to halve halve extreme poverty by 2015. The eight time-bound targets include: eradication of extreme hunger and poverty; promotion of gender equality; reduction of child mortality; improvement of maternal health; combating HIV/AIDS, malaria and other diseases; ensuring environmental sustainability; developing a global partnership for development.

[3] Mason, Andrew D. and Elizabeth M. King. Engendering Development through Gender Equality in Rights, Resources, and Voice. A World Bank Research Report. World Bank: Washington, DC, 2001; Towards Achieving Gender Equality and Empowering Women. International Center on Research for Women: Washington, DC, 2005; Chen, M. et al. Progress of the World’s Women 2005: Women, Work & Poverty. United Nations Fund for Women: New York, 2005.

[4] Kaufmann, Daniel, Aart Kraay and Massimo Mastruzzi. Governance Matters IV: Governance Indicators for 1996 – 2004. World Bank: Washington, DC, 2005; Arab Human Development Report 2004: Towards Freedom in the Arab World. United Nations Development Programme: New York, 2004; On September 17, 2007, the United Nations News Centre reported that one quarter of the gross domestic product of African States – or $148 billion – is lost to corruption yearly.

[5] Human Development Report 2004. Cultural Liberty in Today’s Diverse World. United Nations Development Programme: New York, 2004.

[6] Stern, Nicholas. Stern Review: The Economics of Climate Change, HM Treasury: London, 2006.

[7] World Employment Report 2004-2005. Employment, Productivity and Poverty Reduction. International Labor Organization: Geneva, 2004.

[8] See note 3.   

[9] See note 4.  

[10] “The Failed States Index,” Foreign Policy, July/August 2007, 55-63.

[11] See note 2 above.

[12] Sen, Amartya. Development as Freedom. Anchor: New York, 2000.

[13] United Nations Peacekeeping Operations Background Note. United Nations Department of Public Information: New York. 30 November 2005. (Dollar amounts in 2005 US dollars.)

[14] World Drug Report 2007. United Nations Office on Drugs and Crime: New York, 2007.

[15] The United Nations Millennium Project estimates that the costs of meeting the Millennium Development Goals in all countries are approximately $121 billion in 2006, rising to $189 billion in 2015. (UN Millennium Project 2005. Investing in Development: A Practical Plan to Achieve the Millennium Development Goals. Overview. United Nations Development Programme: New York, 2005.)

[16] Alternative means for calculating national wealth are being explored by various scholars. The “Genuine Progress Indicator” (GPI) is one such initiative. Unlike the conventional Gross Domestic Product (GDP) measure, the GPI attempts to subtract out pollution and economic ills and adds previously unmeasured benefits (e.g. household work and parenting) to calculate a more accurate measure of a nation’s wealth. For 2002 (the most recent year with GPI data), the U.S. non-governmental organization Redefining Progress calculated that between 1972 and 2002, while GDP per capita grew by 79 percent, the GPI grew by just 1 percent (Jason Venetoulis and Cliff Cobb. The Genuine Progress Indicator 1950-2002 (2004 Update). Redefining Progress: Oakland, CA, 2004.)

[17] Reports of the Intergovernmental Panel on Climate Change (established in 1988 by the World Meteorological Organization and the United Nations Environment Programme) are widely cited in climate change debates. The most recent reports under the title, Climate Change 2007 include: The Physical Science Basis; Impacts, Adaptation and Vulnerability; and Mitigation of Climate Change; and are published by Cambridge University Press, 2007.

[18] At the national level, the voluminous reporting requirements must be streamlined and consolidated so as to enable countries to meet their obligations in an efficient and coherent manner.

[19] Dixon, John, Aidan Gulliver and David Gibbon. Farming Systems and Poverty: improving farmers' livelihoods in a changing world. A joint study by the Food and Agriculture Organization of the United Nations and the World Bank: Rome and Washington, DC, 2001. URL: ftp://ftp.fao.org/docrep/fao/003/y1860e/y1860e00.pdf.

[20] World Watch Institute, Vital Signs 2007-2008, p.74.

* In 2007, following the United Nations’ adoption of the “Draft Guiding Principles on Extreme Poverty and Human Rights,” the Baha'i International Community organized local consultations with Baha'i communities around the world in order to draw out their perspectives on the meaning and experience of poverty, and its connection to human rights. Insights from Baha'is in Brazil, Guyana, Haiti, India, Namibia and Turkey formed the basis of the Baha'i International Community’s comment on the Draft Guiding Principles (as submitted to the Office of the High Commissioner for Human Rights) and are reflected in this statement.