Das Tabernakel der Einheit ========================== Exported from Holy-Writings.com on 2026-06-19 1 clipping 1. Das Tabernakel der Einheit á Bahá’u’lláh á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.03 (O-2021-06-12) Das Tabernakel der Einheit Bahá’u’lláh Einführung A1 Vom Anbeginn der Bahá’í-Offenbarung in einem unterirdischen Verlies in Teheran, in dem ihr Stifter 1852 gefangen lag, ist die Gemeinde Bahá’u’lláhs rasch über den gesellschaftlichen und religiösen Rahmen ihrer Anfangszeit hinausgewachsen. Unter den Ersten, die sich außerhalb der islamischen Gemeinde von ihrer Lehre angezogen fühlten und damit den Zustrom von Menschen aller Religionen und jeglicher Herkunft vorzeichneten, waren Zoroastrier aus Persien und Indien. An diese Gruppe richtete Bahá’u’lláh mehrere Tafeln, von denen einige hier erstmals in vollständiger, autorisierter Übersetzung vorgestellt werden. Herausragend unter diesen Werken ist die Tafel Bahá’u’lláhs an Mánikchí Ṣáḥib. Mánikchí Limjí Hataria (1813–1890), auch bekannt unter dem Namen Mánikchí (Manekjí) Ṣáḥib, wurde als Sohn zoroastrischer Eltern in Indien geboren. Als fähiger Diplomat und ergebener Anhänger der Religion seiner Ahnen wurde Mánikchí Ṣáḥib 1854 zum Emissär der Parsen Indiens ernannt, um seine Glaubensbrüder im Iran zu unterstützen, die unter der repressiven Politik der Qajarenherrscher litten. Wenig später gelangte er in die Gegenwart Bahá’u’lláhs. Obwohl Mánikchí Ṣáḥib bis an sein Lebensende der zoroastrischen Religion angehörte, wurde er von der Lehre der neuen Religion angezogen. Berührt durch die Opfer der frühen Märtyrer, bewunderte er sie zeitlebens. Jahre nach ihrer Begegnung stellte er Bahá’u’lláh eine Reihe von Fragen, die zu der Offenbarung zweier Tafeln von weitreichender Bedeutung führten; die erste wurde ihm im Jahr 1878 zugesandt. Die erste Tafel, bekannt unter der Bezeichnung Lawḥ-i-Mánikchí-Ṣáḥib, beeindruckt wegen der bekannten Passagen, die den universellen prophetischen Anspruch Bahá’u’lláhs herausstellen. Auf Mánikchí Ṣáḥibs forsche Bitte hin in reinem Persisch offenbart, beantwortet die Tafel die von ihm gestellten Fragen und verkündet einige zentrale Aussagen der Lehre Bahá’u’lláhs: »Sorgt euch um die Nöte eurer Zeit, und konzentriert euch auf ihre Bedürfnisse.«Q1 »Wendet Euer Antlitz ab vom Dunkel der Entfremdung und kehrt euch dem strahlenden Licht der Sonne der Eintracht zu.«Q2 »Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges.«Q3 »Alles, was Unwissenheit mindert und das Wissen mehrt, findet Anerkennung vor dem Herrn der Schöpfung, heute und immerdar.«Q4 Wie man dem Inhalt der zweiten Tafel entnehmen kann, war Mánikchí Ṣáḥib mit dieser Antwort nicht ganz zufrieden; er hatte eine ausführlichere Erörterung bestimmter Fragen erwartet. Bahá’u’lláhs zweite Antwort ist Inhalt einer langen Tafel, die am 14. Sha‘bán 1299 (1. Juli 1882) unter dem Namen Seines Sekretärs Mírzá Áqá Ján offenbart wurde. Diese Tafel ist an den herausragenden Bahá’í-Gelehrten Mírzá Abu’l-Faḍl gerichtet, der zu dieser Zeit als Sekretär bei Mánikchí Ṣáḥib angestellt war; doch ihr größter Teil bezieht sich auf die Fragen des Letzteren. Bahá’u’lláh stellt zu Beginn fest, dass Mánikchí Ṣáḥib der Antwort »nicht die erforderliche Aufmerksamkeit« gewidmet habe, »sonst hätte er erkannt, dass darin nichts ausgelassen war«Q5. Er sagt, dass auf diese Fragen aus Gründen der Klugheit nicht direkt eingegangen wurde, dass sie gleichwohl »in trefflicher Prägnanz und Klarheit«Q6 beantwortet wurden. In dem restlichen Text der Tafel werden die Fragen Mánikchí Ṣáḥibs der Reihe nach zitiert und detailliert beantwortet; in einigen Fällen werden die Fragen mit universellen Prinzipien in Verbindung gebracht, die in der ersten Tafel verkündet worden waren. Diese Tafel ist insofern bemerkenswert, als sie eine Reihe von Fragen über die Lehren der abrahamitischen und nicht-abrahamitischen Religionen erörtert, wie sie von Mánikchí Ṣáḥib verstanden wurden; dazu gehören die Schöpfung, die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft, die Erklärung der Unterschiede zwischen den Gesetzen der verschiedenen Religionen, ihre Exklusivitätsansprüche sowie ihr unterschiedlich starkes Bestreben, neue Anhänger zu gewinnen. Bahá’u’lláhs Antworten betonen eher die gültigen Aspekte in den Aussagen der verschiedenen Lehren, als dass Er sie als unzulänglich und falsch ablehnte. In diesem Band sind neben diesen beiden größeren Werken auch der Lawḥ-i-Haft-Pursish (Tafel der Sieben Fragen), gerichtet an Ustád Javán-Mard, einen frühen, herausragenden Bahá’í zoroastrischer Herkunft und ehemaligen Schüler Mánikchí Ṣáḥibs, sowie zwei weitere Tafeln enthalten, die für Gläubige mit demselben religiösen Hintergrund offenbart wurden. Diese fünf Tafeln gewähren einen Eindruck von der Liebe Bahá’u’lláhs für eine Religion, die viele Jahrhunderte zuvor in demselben Land entstanden war wie Seine eigene, und Seine besondere Beziehung zu deren Anhängern. Ein Teil des Lawḥ-i-Mánikchí-Ṣáḥib und einige Ausschnitte aus den anderen Tafeln wurden bereits von Shoghi Effendi übersetzt; diese wurden in den Text der vorliegenden Übersetzung integriert und im Anhang aufgelistet. Es ist zu hoffen, dass die Veröffentlichung dieses Bandes dazu beiträgt, dass das Grundprinzip der Einheit der Religionen besser verstanden wird und es denjenigen neuen Schwung verleiht, die sich bemühen, dieses Verständnis in einer Zeit zu fördern, die seiner täglich dringender bedarf. Tafel an Mánikchí Ṣáḥib (Lawḥ-i-Mánikchí-Ṣáḥib) Im Namen des einen wahren Gottes Gepriesen sei Er, der allsehende, urewige Gott, der aus einem Tropfen vom Meer Seiner Gnade das Firmament des Seins errichtete, es schmückte mit den Sternen des Wissens, und der dem Menschen Zutritt gewährt zum erhabenen Hof der Einsicht und des Verstehens. Dieser Tropfen, das Urwort Gottes, wird auch Wasser des Lebens genannt. Denn mit den Wassern des Wissens schenkt er denen Leben, die in der Wüste der Unwissenheit zugrunde gingen. Auch wird er das Urlicht genannt. Als dieses Licht aus der Sonne göttlichen Wissens erstrahlte, begann die Schöpfung sich zu regen. So zeigt sich das Wirken Seiner Gnade. Er ist der Unvergängliche, der Allweise, und Er ist der Wissende, der Freigebige. Erhaben ist Er über alle Worte. Unzugänglich ist Er für Auge und Verstand des Menschen, unerreichbar für sein Reden und Handeln. Alles Sein und Werden bezeugt die Wahrheit dieser Worte. Somit steht fest: Das Wort ist die erste Gabe Gottes; und es ist der Verstand, der das Wort empfängt und in sich aufnimmt. Dieses Wort ist der erste Lehrer in der Schule des Seins und der Offenbarer des Allmächtigen. Alles Sichtbare wird nur erkannt durch das Licht seiner Weisheit. Alles Offenbare ist nur ein Zeichen seines Wissens. Alle Namen sind sein Name, und aller Dinge Anfang und Ende liegen allein in ihm. Dein Brief hat Mich, der Ich den Zwängen des Irdischen unterworfen bin, im Gefängnis erreicht. Er brachte Freude, stärkte die Bande der Freundschaft und rief die Erinnerung an vergangene Tage wach. Preis sei dem Herrn der Welt, der uns die Gunst gewährte, uns in arabischen LandenA2 zu begegnen und miteinander zu sprechen. So lasst uns hoffen, dass unsere Begegnung niemals in Vergessenheit gerate, noch durch der Zeiten Lauf aus dem Herzen gelöscht werde. Vielmehr sprieße aus diesem Samen die Blume der Freundschaft und bleibe für immer frisch und grün, für alle sichtbar. Und nun zu deiner Frage über die heiligen Schriften. Der allwissende Arzt legt Seinen Finger an den Puls der Menschheit. Er erkennt die Krankheit und verschreibt in Seiner unfehlbaren Weisheit die Arznei. Jede Zeit hat ihre besonderen Nöte, jede Seele ihre eigene Sehnsucht. Für die Krankheit der Welt von heute gibt es ein Heilmittel, für die Welt von morgen ein anderes. Sorgt euch um die Nöte eurer Zeit, und konzentriert euch auf ihre Bedürfnisse. Wir sehen die Menschheit umgeben von endloser Drangsal auf ihrem Krankenlager dahinsiechen, verzweifelt und ohne Hoffnung. Von Selbstsucht Trunkene haben sich zwischen die Menschen und den allwissenden, nie irrenden Arzt gedrängt. Sieh, wie sie selbst und alle Menschen in ihren Plänen verfangen sind. Sie kennen weder die Ursache der Krankheit noch wissen sie um die Arznei. Sie halten das Gerade für krumm und wähnen, ihr Freund sei ihr Feind. Neigt euer Ohr der süßen Weise dieses Gefangenen. Steht auf und erhebt eure Stimme, auf dass die Schlafenden erwachen. Sprich: O ihr, die ihr wie tot seid! Die Hand göttlicher Güte reicht euch das Wasser des Lebens. Eilt herbei und trinkt euch satt! Wer an diesem Tag wiedergeboren wird, soll niemals sterben; wer aber nicht erweckt wird, der wird niemals leben. Du hast auch nach den Sprachen gefragt. Beide sind zu rühmen, Arabisch wie Persisch. Eine Sprache soll vermitteln, was der Sprecher meint, und diesen Zweck erfüllen sie beide. Da in diesen Tagen die Sonne göttlichen Wissens am Firmament Persiens erstrahlt, verdient diese Sprache jedes Lob. Mein Freund! In den Tagen, da das Urwort unter den Menschen erschien, erkannte manch himmlische Seele die vertraute Stimme des Geliebten und folgte ihr nach. Andere aber sahen, dass die Taten einiger sich von ihren Worten unterschieden, und so blieben sie den Strahlen der Sonne göttlichen Wissens fern. Sprich: O Kinder des Staubs! Der Heilige spricht: Was dich an diesem glorreichen Tag von Sünden heiligt und dir Frieden und Ruhe schenkt, ist der Gerade Pfad,A3 der Pfad zu Mir. »Frei von Sünden« heißt, all dessen ledig zu sein, was dem Menschen schadet und seinen hohen Rang herabsetzt – etwa, dass er sich an seinen eigenen Worten und Taten ergötzt, und seien sie noch so gut. Wirklichen Frieden und wahre Ruhe wird es erst geben, wenn ein jeder sich dem Wohl der ganzen Menschheit verschreibt. Der Allwissende bezeugt: Begriffen die Völker der Welt die wahre Bedeutung Seiner Worte, so hätten sie ihren Anteil aus dem Meer Seiner Freigebigkeit nicht verwirkt. Nie ist am Firmament der Wahrheit ein hellerer Stern erstrahlt. Das erste Wort des Allweisen lautet: O Kinder des Staubs! Wendet euer Antlitz ab vom Dunkel der Entfremdung und kehrt euch dem strahlenden Licht der Sonne der Eintracht zu. Dies wird, mehr als alles andere, den Völkern zum Wohl gereichen. O Freund! Nie grünte am Baum der Worte ein schöneres Blatt, keine glänzendere Perle findet sich im Ozean des Wissens. O Kinder des Verstehens! Wenn schon das Augenlid, so zart es ist, das Auge hindern kann, die Dinge der Welt zu sehen, was mag erst geschehen, wenn der Schleier der Begehrlichkeit auf das Auge des Herzens fällt? Sprich: O Menschen! Gier und Neid verfinstern das Licht der Seele, so wie Wolken das Licht der Sonne. Wer immer dies mit offenem Ohr hört, wird die Flügel der Loslösung ausbreiten und sich mühelos emporschwingen zu den Höhen wahren Verstehens. Als Dunkelheit die Welt umhüllte, da wogte das Meer göttlicher Freigebigkeit, und das Licht erstrahlte, auf dass die Taten der Menschen offen gelegt würden. Dies, wahrlich, ist das Licht, das in den himmlischen Schriften vorhergesagt ward. So Gott will, werden die Herzen aller Menschen gereinigt und veredelt durch rechte Worte, und das Licht der Einheit wird seinen Glanz über jede Seele ergießen und alle Welt beleben. O Menschen! Auf Worte müssen Taten folgen, denn Taten sind der Beweis für die Wahrheit der Worte. Worte ohne Taten können niemals den Durst des Dürstenden stillen, noch eröffnen sie dem Blinden die Tore des Sehens. Der Herr himmlischer Weisheit spricht: Ein hartes Wort ist wie der Hieb eines Schwerts, ein freundliches Wort hingegen ist wie Milch; es führt die Menschenkinder zur Erkenntnis und erhöht ihren Rang. Die Zunge der Weisheit spricht: Wer Mich nicht hat, der hat nichts. Entsagt allem und sucht nur Mich. Ich bin die Sonne der Erkenntnis, das Meer des Wissens. Ich schenke den Verzagten neue Kraft und erwecke die Toten. Ich bin das Licht der Führung, das den Weg erhellt. Ich bin der königliche Falke auf dem Arm des Allmächtigen. Ich entfalte die schlaffen Flügel jedes ermatteten Vogels und lehre ihn, wieder zu fliegen.A4 Der wahre Freund spricht: Der Pfad zur Freiheit liegt offen vor euch – eilet herbei! Reich strömt der Quell der Weisheit – trinkt euch daran satt. Sprich: O Freunde! Das Tabernakel der Eintracht ist errichtet; betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges. Wahrlich, Ich sage: Alles, was Unwissenheit mindert und das Wissen mehrt, findet Anerkennung vor dem Herrn der Schöpfung, heute und immerdar. Sprich: O ihr Menschen! Wandelt im Schatten der Gerechtigkeit und der Wahrhaftigkeit und sucht Obdach im Königszelt der Einzigkeit. Sprich: O ihr, die ihr Augen habt zu sehen! Die Vergangenheit ist der Spiegel der Zukunft. Schaut hinein und lernt daraus, auf dass ihr den Freund erkennt und Ihm kein Leid bereitet. Als die erlesenste Frucht am Baum des Wissens gilt heute, was dem Wohl der Menschheit dient und ihre Belange schützt. Sprich: Die Zunge wurde erschaffen, Zeugnis abzulegen von Meiner Wahrheit; besudelt sie nicht mit Falschheit. Das Herz ist die Schatzkammer Meines Geheimnisses; überlasst es nicht der Gier. Gebe Gott, dass wir an diesem strahlenden Morgen, da das Licht der Sonne göttlichen Wissens die ganze Erde erleuchtet, das Wohlgefallen des Freundes erlangen und uns satt trinken aus dem Meer Seiner Erkenntnis. O Freund! Hörende Ohren sind selten, und so blieb die Feder für einige Zeit stumm. Wahrlich, es kam so weit, dass Schweigen angebrachter schien als Reden. Sprich: O ihr Menschen! Wir sprechen stets in rechtem Maß, auf dass das Neugeborene gedeihe und der zarte Sprössling grüne. Milch muss in verträglichen Mengen gereicht werden, damit die Kinder der Welt die Stufe der Reife erlangen und am Hof der Eintracht wohnen. O Freund! Wir fanden fruchtbaren Boden und legten dort hinein den Samen wahren Verstehens. Nun lasst uns sehen, was die Strahlen der Sonne daraus machen – ob sie die Samenkörner vertrocknen lassen oder zum Wachsen bringen. Sprich: Durch die unbezwingbare Macht Gottes, des Allwissenden, des Unvergleichlichen, ist an diesem Tag die Sonne göttlicher Erkenntnis hinter dem Schleier des Geistes hervorgetreten. Die Vögel auf den Feldern sind trunken vom Wein der Erkenntnis und jubilieren im Gedenken des Freundes. Wohl dem, der kommt und zu Ihm findet! … Antworten auf Fragen von Mánikchí Ṣáḥib (aus einer Tafel an Mírzá Abu’l-Faḍl) Nun zu dem, was du über den gelehrten Ṣáḥib – Gott sei mit ihm – schreibst. Seine Haltung liegt offen zutage, und zeigt sich auch in seinem Schreiben. Was seine Fragen betrifft, so schien es zunächst nicht ratsam, auf jede einzeln einzugehen. Denn dies hätte dem Gebot der Klugheit und den gängigen Vorstellungen widersprochen. Gleichwohl sind in dem, was aus dem Himmel göttlicher Gunst für ihn offenbart wurde, die Antworten in trefflicher Prägnanz und Klarheit enthalten. Doch die Antwort, so scheint es, fand nicht die erforderliche Aufmerksamkeit. Sonst hätte er erkannt, dass darin nichts ausgelassen war, und ausgerufen: »Das sind fürwahr klare, schlüssige Worte!« So lauteten seine Fragen: Erstens: »Die Propheten von Mahábád waren zusammen mit Zarathustra achtundzwanzig an der Zahl. Jeder von ihnen erhöhte den Glauben der anderen. Sie alle legten bei ihrem Erscheinen Zeugnis für die Wahrheit der früheren Religionen ab und bestritten niemals ihre Gültigkeit. Ein jeder verkündete: ›Wir sind Empfänger von Gottes Offenbarung, und übermitteln sie Seinen Dienern.‹ Einige der Hindu-Propheten verkündeten hingegen: ›Wir sind Gott Selbst, und die gesamte Schöpfung untersteht Unserem Befehl. Wann immer Streit und Zwietracht unter den Menschen sich ausbreiten, kommen Wir, um ihn zu beenden.‹ Jeder von ihnen verkündete bei seinem Erscheinen: ›Ich bin Er, der schon zuvor erschienen.‹ Die jüngeren Gottesboten, wie David, Abraham, Moses und Jesus bestätigten zwar die Wahrheit der Propheten vor ihnen, aber sie sagten: ›Jenes war das Gesetz der Vergangenheit; nun aber gilt, was Ich verkünde.‹ Der Arabische Prophet hingegen hat gesagt: ›Durch Mein Erscheinen haben sich alle anderen Gesetze als falsch erwiesen. Allein Mein Gesetz gilt!‹ Welche dieser Auffassungen sind richtig, und wer von ihnen ist im Recht?« Zunächst: In einer Hinsicht unterscheiden sich die göttlichen Boten voneinander. Denke beispielsweise an Moses: Er brachte ein Buch und erließ Gesetze, und eine Vielzahl von Propheten nach Ihm waren damit beauftragt, Seinem Gesetz Geltung zu verschaffen, da es der damaligen Zeit entsprach. Die Bücher und Chroniken, die die Thora ergänzen, geben beredtes Zeugnis davon. Was nun die Aussage betrifft, die du Ihm, dem Offenbarer des Qur’án, zuschreibst: »Durch Mein Erscheinen haben sich alle anderen Gesetze als falsch erwiesen. Allein Mein Gesetz gilt!« Ein solches Wort ist niemals jener Quelle göttlicher Weisheit entsprungen. Nein, vielmehr hat Er das bestätigt, was zuvor den Propheten und Sendboten aus dem Himmel des göttlichen Willens herabgesandt worden war. Er – erhaben ist Er – spricht: »Alif Lám Mím. Gott, es ist kein Gott außer Ihm, dem Lebendigen, dem Selbstbestehenden. Er hat das Buch mit der Wahrheit auf Dich herabgesandt als Bestätigung dessen, was vor ihm war. Und Er hat die Thora und das Evangelium herabgesandt vordem als Rechtleitung für die Menschen, und Er hat jetzt den Qur’án herabgesandt ...«Q7 Er hat zudem verkündet, dass alle Propheten von Gott gekommen und zu Ihm zurückgekehrt sind. In diesem Licht betrachtet sind sie alle eins, da sie kein Wort gesprochen, keine Botschaft verkündet und keine Sache offenbart haben, die aus ihnen selbst gekommen wäre. Nein, alles was sie sprachen, kam von dem einen wahren Gott, groß ist Seine Herrlichkeit. Sie alle haben die Menschheit zum Höchsten Horizont gerufen und ihnen die frohe Botschaft des ewigen Lebens überbracht. Folglich sind die unterschiedlichen Aussagen, die der verehrte Ṣáḥib wiedergegeben hat, so zu betrachten, als seien sie einzelne Buchstaben, die zusammen erst ein Wort bilden. Nun zur Frage: »Welche dieser Auffassungen ist richtig, und wer von ihnen ist im Recht?« Hier gelten die folgenden gesegneten Worte, die hell wie die Sonne erstrahlen: »Keinen Unterschied machen Wir zwischen Seinen Boten.«Q8 Hingegen bezieht sich der Vers: »Einige Boten haben Wir die anderen überragen lassen«Q9 auf die andere, zuvor genannte Sichtweise. Die Antwort auf alle Fragen des verehrten Ṣáḥib ist in diesem umfassenden und erhabenen Wort verwahrt. Er – groß ist Er – spricht: »Und nun zu deiner Frage über die heiligen Schriften. Der allwissende Arzt legt Seinen Finger an den Puls der Menschheit. Er erkennt die Krankheit und verschreibt in Seiner unfehlbaren Weisheit die Arznei. Jede Zeit hat ihre besonderen Nöte, jede Seele ihre eigene Sehnsucht. Für die Krankheit der Welt von heute gibt es ein Heilmittel, für die Welt von morgen ein anderes. Sorgt euch um die Nöte eurer Zeit, und konzentriert euch auf ihre Bedürfnisse.«Q10 Jeder Gerechte wird bezeugen, dass diese Worte wie ein Spiegel des göttlichen Wissens sind, der die Antwort auf all das, wonach gefragt wurde, klar und deutlich widerstrahlt. Selig, wem Gott, der Allwissende, der Allweise, Augen gab zu sehen. Eine weitere Frage des verehrten Ṣáḥib lautet: »Es gibt vier verschiedene Anschauungen. Eine besagt, dass alle Dinge in der Welt des Sichtbaren, vom kleinsten Atom bis hin zur Sonne, Gott selbst sind, und dass in der Schöpfung nichts gesehen werden kann als Er. Eine andere behauptet, dass Gott allein der notwendig und ursprünglich Seiende ist und dass Seine Boten die Mittler zwischen Ihm und Seinen Geschöpfen sind und diese zu Ihm führen. Die dritte sagt hingegen, dass der Notwendig SeiendeA5 zwar die Sphären erschaffen hat, dass alles andere aber aus diesen hervorgehe. Es entsteht und vergeht, so wie winzige Lebewesen, die sich in einem Gewässer bilden und wieder zugrunde gehen. Die vierte behauptet, dass der Notwendig Seiende die Natur gestaltet hat, und dass alle Dinge, vom kleinsten Atom bis hin zur Sonne, ohne Anfang und Ende aus ihr hervorgehen und wieder verschwinden. So wie Gras bei Regen wächst und danach wieder verdorrt. Wo ist da Platz für Strafe und Abrechnung? Dass die Propheten und Könige Gesetze erlassen haben, sei lediglich, um der menschlichen Gesellschaft eine Ordnung zu geben und sie zu lenken. Dabei sind die Propheten und die Könige auf jeweils verschiedene Weise vorgegangen: Die Propheten beriefen sich auf Gott, damit die Menschen gehorchen. Die Könige setzten auf Schwerter und Kanonen. Welche dieser vier Vorstellungen ist Gott wohlgefällig?« Bei Gott! Die Antwort auf all das liegt in den Worten, die schon zuvor der Zunge des Barmherzigen entströmt sind: »Sorgt euch um die Nöte eurer Zeit, und konzentriert euch auf ihre Bedürfnisse.«Q11 Denn heute ist der Herr der Offenbarung erschienen, Er, der ehedem am Sinai sprach, ruft mit lauter Stimme. Was immer Er verkündet, ist das sicherste Fundament für die Häuser in der Stadt des Wissens und der Weisheit. Wer sich fest daran hält, gehört vor Gott zu den Einsichtigen. Diese erhabenen Worte strömten aus der Feder des Höchsten, erhaben und verherrlicht ist Er: »Dies ist der Tag des Sehens, denn das Antlitz Gottes erstrahlt hell am Horizont der Offenbarung. Dies ist der Tag des Hörens, denn Gottes Ruf ist erschallt. Ein jeder muss sich an diesem Tag fest an das halten und verkünden, was von Ihm offenbart wurde, dem Urheber aller Schriften, dem Tagesanbruch der Offenbarung, dem Urquell des Wissens, dem Ursprung göttlicher Weisheit.« Also wurde die Antwort im Reich der Rede offenbart durch Ihn, den Aufgangsort göttlichen Wissens. Selig die Verstehenden! Von den vier genannten Strömungen kommt die zweite der WahrheitA6 am nächsten; denn die Propheten und Sendboten Gottes sind seit jeher die Übermittler von Gottes reicher Gnade. Alles, was die Menschen von Gott empfangen, wird ihnen überbracht durch diese heiligen und losgelösten Wesen, diese Schatzkammern Seines Wissens und Offenbarer Seines Befehls. Aber auch die Lehren der anderen Strömungen lassen sich begründen, weil in gewisser Hinsicht alle Dinge Manifestationen der Namen und Attribute Gottes sind. Zu den Worten des Ṣáḥib über die Könige: Sie sind fürwahr Manifestationen Seines Namens ›der Machtvolle‹, Offenbarer Seines Namens ›der Allmächtige‹. Das Gewand, das dem Leib ihres strahlenden Tempels ansteht, ist die Gerechtigkeit. Erst wenn Gerechtigkeit die Könige ziert, werden die Menschen vollkommener Ruhe und größter Wohlfahrt teilhaftig. Wer vom Wein göttlichen Wissens getrunken hat, wird solche Fragen mit klaren und deutlichen Beweisen aus der äußeren Welt und schlüssigen Belegen aus der inneren Welt beantworten. Doch Neues ist an diesem Tag offenbart, und es gilt in neuer Weise darüber zu sprechen. Im Jahre Neun endete die Zeit des Fragens und Antwortens. Und jetzt spricht Er, groß ist Seine Herrlichkeit: »Dies ist nicht der Tag, Ihn zu befragen. So du den Ruf Gottes von Ihm, dem Tagesanbruch der Herrlichkeit, vernimmst, rufe aus: ›Hier bin ich, o Herr aller Namen! Hier bin ich, o Schöpfer der Himmel! Ich bezeuge, dass Du erschienen bist und durch Dein Geheiß offenbart hast, was immer Du wünschtest. Du bist in Wahrheit der Herr der Kraft und Macht.‹« Was der verehrte Ṣáḥib gefragt hat, ist nun klar beantwortet. Ihm wurden Verse aus dem Himmel göttlicher Vorsehung herab gesandt, damit er den Melodien der Taube der Ewigkeit, dem Murmeln der Bewohner des höchsten Paradieses lausche. Vielleicht wird er die Süße des Rufes erkennen und den Pfad beschreiten. Eines Tages sprach die Zunge der Herrlichkeit über den Ṣáḥib, dass er vollbringen werde, was seinen Namen unsterblich macht. Als der Brief Seinen heiligen Hof erreichte, sprach Er: »O Diener! Auch wenn der verehrte Ṣáḥib nur die Fragen anderer wiedergegeben hat, so atmen Wir doch den süßen Duft der Zuneigung aus seinem Brief. Wir flehen zu Gott, dass Er ihm gnädiglich beistehe, Seinen Willen zu tun und Ihm wohlgefällig zu sein. Seine Macht ist wahrlich allem gewachsen.« Diese Worte des Allbarmherzigen verströmen ihren Wohlgeruch. Er ist wahrlich der Allwissende, der Allunterrichtete. Eine weitere seiner Fragen lautet: »Die Gesetze des Islam basieren auf religiösen PrinzipienA7, und diese wurden ergänzt durch menschliche Rechtsprechung. Im Glauben der Mahábádí und der Hindus aber umfassen die religiösen Prinzipien selbst sämtliche Gesetze, auch solche, die das Trinken von Wasser oder das Heiraten wie auch alle anderen Fragen des menschlichen Lebens betreffen. Welche Sicht ist Gott wohlgefällig?« Unter religiösen ›Prinzipien‹ ist Unterschiedliches zu verstehen. Alle Prinzipien beruhen seit jeher auf der Gotteserkenntnis. An diesem Tag ist fürwahr der Frühling Seiner Erkenntnis, des Allbarmherzigen, angebrochen. Was heute vom Quell Seines Befehls, von der Manifestation Seiner Selbst ausgeht, ist das Prinzip, dem sich alle unterwerfen müssen. Die Antwort auch dieser Frage ist in diesem gesegneten und erhabenen Wort zu finden: »Sorgt euch um die Nöte eurer Zeit, und konzentriert euch auf ihre Bedürfnisse.«Q12 Denn dies ist der Herr der Tage, und was heute vom Quell göttlicher Offenbarung ausgeht, ist die Wahrheit und das Wesen aller Prinzipien. Dieser Tag gleicht einem Meer und alle anderen Tage gleichen Buchten. Was an diesem Tag offenbart wird, ist das Fundament, das Mutterbuch und der Quell aller Rede. Auch frühere Tage waren mit Gott – groß ist Seine Herrlichkeit – verbunden, doch der heutige Tag wurde auserwählt und durch besondere Verbundenheit mit Ihm geziert. In den Büchern Gottes und Seiner Erwählten wurde er als der »Tag Gottes« gepriesen. Also ist er und alles, was an ihm offenbart wird, die Grundlage, alle anderen Tage aber beziehen sich auf ihn und leiten sich von ihm ab. So ist zum Beispiel der Besuch der Moschee zweitrangig gegenüber der Erkenntnis Gottes, denn das Gebet setzt die Erkenntnis Gottes voraus. Die Prinzipien aber, von denen die Geistlichen heute sprechen, sind nur eine Ansammlung von Regeln, die sie selbst ersonnen haben und von denen ein jeder nach seiner persönlichen Meinung und Neigung auf den Inhalt des göttlichen Gesetzes schließt. Bedenke zum Beispiel ihre Diskussionen um die Frage, ob bestimmte Gebote sofortige Erfüllung verlangen oder Aufschiebung dulden. Gott, groß ist Seine Herrlichkeit, sagt: »Esset und trinket ...«A8 Nun sei aber nicht bekannt, ob diese Anordnung augenblicklich erfüllt werden müsse oder ob es erlaubt sei, ihre Ausführung hinauszuschieben. Manche meinen, die Ausführung hänge von der Erfüllung bestimmter Umstände ab. Einmal brach ein ehrwürdiger Geistlicher, begleitet von einigen seiner Schüler, von Najaf aus auf, um zum Schrein des Imám Ḥusayn, Friede sei mit Ihm, zu pilgern. Unterwegs wurden sie von einer Schar Beduinen überfallen. Der große Gelehrte händigte ihnen augenblicklich seinen gesamten Besitz aus, woraufhin seine Schüler fragten: »Ihr habt doch immer Aufschub in solchen Dingen befürwortet. Was hat euch nun zu solcher Eile getrieben?« Mit einem Blick auf die Speere der Beduinen sagte er: »Die Macht der Umstände, meine Freunde.« Als Begründer der Prinzipien islamischer Rechtsprechung gilt Abú Ḥanífah, eine führende Autorität der Sunniten. Und auch in früheren Zeiten gab es solche Prinzipien. Heute aber hängen Annahme und Ablehnung aller Dinge allein von Gottes Wort ab. Über solche Unterschiede sollte man kein Wort mehr verlieren. Auf das Vergangene schaut Gott mit gütigem Auge, darum soll nur im Guten davon gesprochen werden, zumal es dem grundlegenden Prinzip nicht widerspricht. Dieser Diener bekennt seine Unwissenheit und bezeugt, dass alles Wissen allein bei Gott ist, dem Helfer in Gefahr, dem Selbstbestehenden. Was immer der Lehre dieses Tages zuwiderläuft, ist abzulehnen, denn die Sonne der Wahrheit erstrahlt hell über dem Horizont des Wissens. Selig, wer sein Herz mit den Wassern des Gotteswortes von menschlichen Begriffen und Andeutungen läutert und seinen Blick auf den Höchsten Horizont richtet. Dies ist fürwahr die größte Gunst, die höchste Gnade. Wer sie erlangt, hat alles Gute erreicht, denn kein Wissen außer dem göttlichen hat je dem Menschen genützt. Was über die religiösen Prinzipien und die daraus abgeleiteten Gesetze gesagt wurde, bezieht sich auf das, was die Geistlichen verschiedener Religionen je nach ihrem Fassungsvermögen gesagt haben. Wir aber wollen nun diesem Wort folgen: »Lass sie sich weiter vergnügen an ihrem eitlen Geschwätz.«Q13 Er spricht die Wahrheit und zeigt den Weg. Die Befehlsgewalt liegt allein bei Gott, dem Allmächtigen, dem Freigebigen. Eine weitere seiner Fragen lautet: »Manche sagen, alles, was im Einklang mit den Naturgesetzen und der Vernunft steht, entspreche auch dem göttlichen Gesetz. Was diesen aber widerspricht, müsse nicht beachtet werden. Andere glauben hingegen, alles, was der göttliche Gesetzgeber vorgeschrieben hat, solle auch ohne Vernunftargumente und ohne Belege aus der Natur angenommen werden; man müsse ohne Fragen und Vorbehalte folgen, so wie man den Fußweg zwischen Ṣafá und Marwah raschen Schrittes zurücklegt und die Säule bei JamrahA9 mit Steinen bewirft, bei der rituellen Waschung die Füße abreibt und ähnliche Riten. Welche dieser Auffassungen ist richtig?« Der Verstand hat verschiedene Stufen. Weil eine Erörterung all dessen, was die Philosophen darüber gesagt haben, den Rahmen unserer Abhandlung sprengen würde, haben Wir davon abgesehen. Offensichtlich haben nicht alle Menschen das gleiche Maß an Verstand. Nur der Vollkommene Verstand kann wahre Führung geben. Als Antwort auf diese Frage offenbarte die Feder des Allhöchsten folgende erhabene Worte: »Die Zunge der Weisheit spricht: Wer Mich nicht hat, der hat nichts. Entsagt allem und sucht nur Mich. Ich bin die Sonne der Erkenntnis, das Meer des Wissens. Ich schenke den Verzagten neue Kraft und erwecke die Toten. Ich bin das Licht der Führung, das den Weg erhellt. Ich bin der königliche Falke auf dem Arm des Allmächtigen. Ich entfalte die schlaffen Flügel jedes ermatteten Vogels und lehre ihn, wieder zu fliegen.«Q14 Sieh, welch klare Antwort aus dem Himmel göttlichen Wissens hernieder kam. Selig, wer darüber nachdenkt und begreift! Mit dem Vollkommenen Verstand ist der allumfassende göttliche Geist gemeint. Gar oft war der Verstand der Menschen kein Quell der Führung, sondern eine Fessel am Fuß des Suchers, die ihn hinderte, den Geraden Pfad zu betreten. Der Verstand des Menschen ist begrenzt, und so muss er suchen und forschen, um Ihn, den Urquell allen Wissens, zu finden und zu erkennen. So er diesen Quell, den jeder Verstand umkreist, erkannt hat, sieht er in allem, was Er verordnet, vollkommene Weisheit. Der Unterschied zwischen Ihm und allem anderen ist offenbar wie die Sonne. Ihn zu erkennen ist das höchste Prinzip; aus ihm folgt, dass alles, was Er verfügt, der göttlichen Weisheit entspricht und befolgt werden muss. Auf dieser Grundlage beruhen seit jeher die Gesetze und Verbote der Propheten. Manches, was an diesem Tag verordnet wurde, dient der Verherrlichung von Gottes Namen, und die Feder des Allhöchsten hat dem Lohn bestimmt, der sich daran hält. Wer auch nur einen Atemzug für Gott tut, wird zweifellos dafür belohnt. Das bezeugt der erhabene Vers, welcher dem Fürsten von MekkaA10 aus dem Himmel des göttlichen Willens herabgesandt wurde: »Wir haben die Qiblih, der Du folgtest, nur bestimmt, um zu unterscheiden, wer dem Gottgesandten folgt, und wer Ihm den Rücken kehrt.«Q15 Wer über diese heilige und erhabene Offenbarung nachdenkt und die herabgesandten Verse bedenkt, der bezeugt, dass der eine wahre Gott unermesslich erhaben ist über Seine Geschöpfe und dass Er seit je und für alle Zeit um alle Dinge weiß. Jeder Gerechte bezeugt: Wer diese mächtigste Offenbarung nicht anerkennt, der wird auch keine andere Sache und keinen anderen Glauben beweisen können. Wer aber nicht mit der Zier der Gerechtigkeit geschmückt ist und dem Unrecht Vorschub leistet, spricht nicht anders als die hasserfüllten Fanatiker aller Zeiten. Alles Wissen ist bei Gott, dem Allwissenden, dem Allunterrichteten. Eines Tages, als ich in Seiner Gegenwart weilte, wurde ich gefragt: »O Diener! Womit bist du beschäftigt?« Ich antwortete: »Mit einem Antwortschreiben an den ehrwürdigen Mírzá Abu’l-Faḍl.« Da gebot Er mir: »Schreibe Mírzá Abu’l-Faḍl, Meine Herrlichkeit sei mit ihm: ›Die Menschheit hat sich an Unrecht gewöhnt und flieht die Gerechtigkeit. Eine Manifestation Gottes, die Ihn stets pries, für Sein Wissen und die Heiligkeit und Unvergleichlichkeit Seines Wesens Zeugnis ablegte, wird immer wieder »Sonnen-« oder »Feueranbeter« genannt. Wie viele Offenbarer sind erschienen, die Menschen aber verkannten ihren Rang, verschlossen sich ihren Segnungen, und, Gott bewahre, verfluchten und schmähten sie. Einer der großen Gottesboten, den die Unwissenden Persiens heute ablehnen, sprach diese erhabenen Worte: »Die Sonne ist nichts als eine dichte kugelförmige Masse. Sie verdient es nicht, Gott oder der Allmächtige genannt zu werden. Denn den allmächtigen Gott vermag kein menschliches Begreifen jemals zu fassen und kein irdisches Wissen zu beschreiben. Sein Wesen ist auf ewig unergründlich.« Sieh, mit welch vollendeter Wortwahl Er verkündete, was Gott auch an diesem Tag bestätigt. Und doch gilt Er bei diesem Gesindel nicht einmal als Gläubiger, geschweige denn als von so erhabenem Rang. An anderer Stelle sagte Er: »Alles Sein entstammt Seinem Sein, und wäre Gott nicht, so wäre keines Seiner Geschöpfe mit dem Gewand des Seins bekleidet worden.« Gott bewahre Uns vor dem Übel derer, die die Wahrheit Gottes und Seiner Geliebten bestreiten und sich abkehren von diesem Horizont, von dem alle Bücher Gottes, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden, Zeugnis geben.‹« Aus dem bisher Gesagten folgt, dass nicht jeder Verstand Maßstab der Wahrheit sein kann. Als Weise gelten an erster Stelle die von Gott Erwählten, die Er zu Schatzkammern Seines Wissens bestimmt hat, zu Verwahrungsorten Seiner Offenbarung, Morgensternen Seiner Amtsgewalt, Dämmerorten Seiner Weisheit. Sie hat Er zu Seinen Stellvertretern auf Erden gemacht und durch Sie offenbart, was Ihm beliebt. Wer sich Ihnen zukehrt, der hat sich Gott zugewandt; doch wer sich von Ihnen abkehrt, der findet keine Erwähnung vor Gott, dem Allwissenden, dem Allweisen. Dies ist das Maß aller Dinge. Wer sich daran hält, das heißt, wer den Dämmerort der Offenbarung Gottes erkennt und anerkennt, der gilt in Gottes Buch als einer, der Verstand besitzt. Andernfalls ist er nur ein Tor, selbst wenn er sich im Besitz aller Weisheit der Welt wähnt. Wollte jemand vor Gott stehen, gereinigt von irdischer Bindung und selbstischen Wünschen, und über das nachsinnen, was in dieser größten Offenbarung erschienen ist, so legte er Zeugnis ab: Jeder reine Geist, jeder vollkommene Verstand, jede geläuterte Seele, jedes offene Ohr und jedes scharfe Auge, jede beredte Zunge, jede geweitete Brust und jedes strahlende Herz umkreist den Thron göttlicher Macht und wirft sich vor ihm nieder. Eine weitere seiner Fragen ist: »Eine der früheren Manifestationen hat das Essen von Rindfleisch erlaubt, eine andere hat es verboten; eine hat Schweinefleisch erlaubt, eine andere verboten. Also unterscheiden sich ihre Anordnungen. Ich bitte Ihn, die Wahrheit Gottes, zu erklären, was religiös verboten ist.« Da Menschen verschiedener Glaubensrichtung mit dem ehrwürdigen Ṣáḥib verkehren, hätte eine offene Antwort die Grenzen der Klugheit verletzt, denn sie wäre im Widerspruch gestanden zu den Gesetzen des Islam. Deshalb wurde sie zunächst aus dem Himmel Seines Willens nur indirekt beantwortet. Diese Antwort ist im zuvor angeführten Absatz zu finden: »Der allwissende Arzt legt Seinen Finger an den Puls der Menschheit.«Q16 Und weiter: »Sorgt euch um die Nöte eurer Zeit, und konzentriert euch auf ihre Bedürfnisse.«Q17 Das heißt, ihr sollt euren Blick auf die Gebote Gottes richten; was immer Er an diesem Tag bestimmt und für erlaubt erklärt, ist erlaubt. Das ist die reine Wahrheit. Alle müssen ihren Blick fest auf Gottes Gebot richten und befolgen, was vom Horizont Seines Willens herabgekommen ist, denn durch die Macht Seines Namens wurde das Banner des »Er tut, was Er will«Q18 entfaltet und die Standarte des »Er verordnet, was Ihm gefällt«Q19 gehisst. Wollte Er etwa Wasser für ungesetzlich erklären, dann wäre es verboten, und spräche Er das Gegenteil, dann träfe dies zu. Denn an keinem Ding steht ›erlaubt‹ oder ›verboten‹; nein, vielmehr ist all dies abhängig von Seinem Wort. Dies ist offenkundig und bedarf keiner weiteren Ausführungen. Dennoch glauben manche Gemeinschaften, dass die für sie geltenden Gebote unveränderlich seien, schon immer gültig waren und dies auch immer so bleibe. Bedenke ein weiteres Seiner Worte: »Wir sprechen stets in rechtem Maß, auf dass das Neugeborene gedeihe und der zarte Sprössling grüne. Milch muss in verträglichen Mengen gereicht werden, damit die Kinder der Welt die Stufe der Reife erlangen und am Hof der Eintracht wohnen.«Q20 So glauben manche, Wein sei immer schon verboten gewesen und das werde auch immer so bleiben. Wollte ihnen jetzt jemand sagen, dass sich dies eines Tages ändern könnte und Wein dann erlaubt wäre, so würden sie dies bestreiten und protestieren. Die Menschen haben die Bedeutung des »Er tut, was Er will«Q21 noch nicht erfasst, und den Sinn der Größten Unfehlbarkeit noch nicht begriffen. Der Säugling muss mit Milch ernährt werden. Gäbe man ihm Fleisch, so würde er sterben – dies wäre schieres Unrecht und reine Dummheit. Selig die Verstehenden. Die Größte Unfehlbarkeit ist, wie einst von Seinen gesegneten Lippen zu hören war, einzig den Manifestationen der Sache Gottes, den Aufgangsorten Seiner Offenbarung, vorbehalten. Dies wurde nur kurz abgehandelt, denn Zeit ist knapp und gleicht dem Phönix: Er ist in aller Munde, und doch ist er nirgends zu finden. Eine weitere seiner Fragen lautet: »Nach den Lehren der Mahábádí und der Hindus sollst du einem Menschen, der mit dir verkehren will, mit Freundlichkeit begegnen und ihn wie einen Bruder behandeln, ungeachtet seines Glaubens, seiner Hautfarbe oder Herkunft, seiner Erscheinung, seines Charakters oder seiner Lebensumstände. Aber in anderen Religionen ist dem nicht so: Ihre Anhänger fügen Andersgläubigen Leid zu, unterdrücken sie und halten es für einen Akt der Gottesverehrung, sie zu verfolgen. Sie halten es für legitim, sich deren Besitz und ihre Frauen anzueignen. Welche der beiden Auffassungen findet Gottes Wohlgefallen?« Die erste Auffassung ist seit jeher und für alle Zeiten richtig. Es ist nach Gottes Urteil nicht erlaubt, einen Menschen anzugreifen, ihm Leid zuzufügen oder ihn zu unterdrücken. Oft sind diese erhabenen Worte aus der Feder des Höchsten geflossen: »O Menschen! Gottes Glaube und Seine Religion wurden offenbart, um Eintracht und Verbundenheit unter den Menschen zu stiften. Macht sie nicht zur Ursache von Streit und Zwietracht.«Q22 Dies wurde auf zahlreichen Tafeln herabgesandt. Wer Gottes Wort darlegt, muss dies mit größtem Wohlwollen, mit Freundlichkeit und Mitgefühl tun. Wer die Wahrheit erkennt und Ihn annimmt, wird im Karminroten Buch als Bewohner des höchsten Paradieses verzeichnet. Lehnt er sie aber ab, so darf man mit ihm auf keinen Fall streiten. Er sagt: »Selig, wer sich erhebt, dem Wohle aller Völker zu dienen.«Q23 Ebenso spricht Er: »Das Volk Bahás soll hoch über allen Völkern schweben.« Jede Form von religiösem Hass, von Fanatismus, Zwietracht und Streit ist verboten. An diesem Tag ist ein Gestirn am Horizont göttlicher Güte aufgegangen, worauf die Feder des Höchsten diese erhabenen Worte geschrieben hat: »Wir haben euch erschaffen, einander Liebe und Treue zu erweisen, nicht Feindschaft und Hass.« Ebenso hat Er – gepriesen sei Sein Name – in persischer Sprache Worte offenbart, die die Herzen der Gottnahen und der Aufrichtigen verzücken und Eintracht stiften, so dass die Menschheit durch das Licht göttlicher Einheit erleuchtet wird und sich dem Horizont göttlichen Wissens zuwendet: »Der wahre Freund spricht: Der Pfad zur Freiheit liegt offen vor euch – eilet herbei! Reich strömt der Quell der Weisheit – trinkt euch daran satt. Sprich: O Freunde! Das Tabernakel der Eintracht ist errichtet; betrachtet einander nicht als Fremde. Ihr seid die Früchte eines Baumes, die Blätter eines Zweiges.«Q24 Gerechtigkeit besteht darin, jedem zu geben, was ihm zusteht; sie ruht auf zwei Pfeilern: Lohn und Strafe. Der Gerechtigkeit zufolge soll jeder Mensch den Lohn für seine Taten empfangen, denn Friede und Wohlfahrt der Menschen hängen davon ab. Er spricht: »Die Welt ist auf zwei Pfeilern errichtet: Lohn und Strafe.«Q25 Nun, in jeder Lage gilt es, die rechten Worte zu finden und sich angemessen zu verhalten. Selig, wer sich aufmacht, Gott zu dienen, wer nur Ihm zuliebe die Stimme erhebt und zu Ihm zurückkehrt. Eine weitere seiner Fragen lautet: »Hindus und Zoroastrier nehmen Fremde, die sich ihnen anschließen wollen, nicht in ihre Reihen auf. Christen heißen jene willkommen, die sich aus freien Stücken entschieden haben, ihre Religion anzunehmen. Aber sie werden nicht zudringlich und üben keinen Druck aus. Muslime und Juden jedoch bedrängen sie und wenden Zwang an; und sollte jemand die Annahme ihres Glaubens verweigern, feinden sie ihn an. Sie halten es für erlaubt, sich dessen Besitz und Frauen zu bemächtigen. Welche dieser Auffassungen ist vor Gott wohlgefällig?« Alle Menschen sind Brüder, und Brüderlichkeit hat zahlreiche Bedingungen. Eine davon ist, seinem Bruder nur zu wünschen, was man für sich selbst wünscht. Darum muss, wer ein Gut erlangt hat oder teilhat an der himmlischen Tafel, seine Freunde liebevoll davon in Kenntnis setzen. Findet er Gehör, ist das Ziel erreicht; andernfalls überlasse er sie sich selbst, streite jedoch nicht mit ihnen und sage nichts, was sie traurig machen könnte. Dies ist die unbezweifelbare Wahrheit und alles andere wäre unziemlich. Der verehrte Ṣáḥib, möge Gott ihn schützen, hat geschrieben, dass die Hindus und Zoroastrier keine Fremden aufnehmen, die sich ihnen anschließen wollen. Das widerspricht dem Zweck, zu dem Gottesboten erscheinen und ihre Bücher offenbaren. Denn all jene, die auf Gottes Geheiß erscheinen, sind mit der Führung und Erziehung aller Menschen betraut. Wie könnten sie da einen Sucher vom Ziel seiner Suche, einen Reisenden von seinem Herzenswunsch fernhalten? Die Feuertempel sind beredtes Zeugnis für diese Wahrheit. Zu ihrer Zeit rief ihr Feuer alle Bewohner der Erde zu Ihm, dem Geist der Reinheit. Er hat auch geschrieben, die Christen hießen diejenigen willkommen, die sich aus freien Stücken entschieden haben, ihre Religion anzunehmen, dass sie sich aber nicht darum bemühten und keinen Druck ausübten. Das ist ein Missverständnis. Denn die Christen haben sich sehr angestrengt und scheuen auch weiterhin keine Mühe, ihren Glauben zu lehren. Ihre kirchlichen Einrichtungen bringen hierfür bis zu dreißig Millionen auf. Ihre Missionare schwärmen über den gesamten Globus aus und verbreiten eifrig das Christentum. So haben sie sich über die ganze Welt ausgebreitet. Wie zahlreich sind die Schulen und Kirchen, die sie gestiftet haben, um Kinder zu unterrichten; doch ihr eigentliches Ziel ist, dass diese schon in früher Kindheit die Botschaft Christi hören. So soll in ihre noch reinen Herzen das eingeschrieben werden, was ihre Lehrer wünschen. Tatsächlich ist keine andere Gemeinschaft so sehr darauf bedacht, ihren Glauben zu verkünden, wie die Christen. Was an diesem Tag Annahme findet vor Seinem Thron, wurde bereits eingangs gesagt. Der Mensch wurde erschaffen, die Welt zu verbessern. Er muss sich um Gottes willen dem Dienst an seinen Brüdern widmen. Sollte einer von ihnen die Wahrheit annehmen, so soll er sich freuen, dass dieser die immerwährende Gunst erlangt hat. Wenn nicht, so sollte er Gott anflehen, seinen Bruder zu führen, ohne dass dieser auch nur eine Spur von Feindseligkeit oder Hass an ihm verspürt. Die Zügel der Befehlsgewalt liegen fest in Gottes Hand. Er tut, was Er will, und verordnet, was Ihm gefällt. Er ist wahrlich der Allmächtige, der Allgepriesene. Wir flehen zu dem einen, wahren Gott, groß ist Seine Herrlichkeit, dass Er uns fähig mache, Ihn zu erkennen, dessen unfehlbare Weisheit alle Dinge durchdringt. Denn wer Ihn erkannt hat, dem vermögen eitler Wahn und leerer Trug der Menschen nichts mehr anzuhaben. Der machtvolle Arzt hat Seinen Finger am Puls der Menschheit. Manches Mal mag Er es für richtig halten, von Krankheit befallene Glieder abzutrennen, damit die Krankheit nicht auf andere Teile des Körpers übergreift. Dies ist reines Erbarmen und Mitgefühl, und niemand hat das Recht, Einspruch zu erheben, denn Er ist fürwahr der Allwissende, der Allsehende. Eine weitere seiner Fragen lautet: »In der Religion der Mahábádí und Zoroastrier wird gesagt: ›Unsere Religion ist allen anderen überlegen. Die Religionen der anderen Propheten sind zwar wahr, aber sie haben vor Gott unterschiedlichen Rang, so wie es auch an einem Königshof Rangunterschiede zwischen dem Premierminister und dem einfachen Soldaten gibt. Wer immer es wünscht, den lasse an seinem Glauben festhalten.‹ Auch zwingen sie niemandem ihren Glauben auf. Die Hindus behaupten, wer jemals Fleisch isst, ganz gleich warum, werde niemals das Paradies erblicken. Die Anhänger von Muḥammad, Jesus und Moses behaupten, das gleiche Los erwarte diejenigen, die sich nicht ihrer Religion anschließen. Welche Auffassung findet vor Gott Wohlgefallen?« Die Aussage, »unser Glaube und unsere Religion sind allen anderen überlegen«, bezieht sich auf die Propheten, die vor ihnen erschienen sind. In bestimmter Hinsicht sind diese Heiligen eins: Der Erste von ihnen gleicht dem Letzten, der Letzte dem Ersten. Alle kamen von Gott, alle haben die Menschen zu Ihm gerufen, und alle kehrten zu Ihm zurück. Dies wurde im Buch der Gewissheit ausführlich erläutert. Es strömte in der Frühzeit dieser Größten Offenbarung aus der Feder der Herrlichkeit und ist wahrlich der Fürst aller Bücher. Selig, wer es liest und darüber nachdenkt aus Liebe zu Gott, dem Herrn der Schöpfung. Die den Hindus zugeschriebene Aussage, wer Fleisch esse, werde niemals das Paradies erblicken, widerspricht einer anderen Aussage, die sie vertreten: Alle Propheten seien wahr. Wenn deren Wahrheit verbürgt ist, dann ist es absurd zu behaupten, ihre Anhänger würden nicht ins Paradies gelangen. Man möchte sie fragen, was sie mit Paradies meinen und was sie davon verstanden haben. Wer an diesem Tag das Wohlgefallen des einen, wahren Gottes erlangt, zählt zu den Bewohnern des höchsten Paradieses, des herrlichsten Paradiesgartens. Er wird in allen Welten Gottes an dessen Früchten teilhaben. Bei Ihm, der Sehnsucht aller Menschen! Die Feder ist machtlos, diese Stufe zu beschreiben oder zu erläutern. Selig, wer Gottes Wohlgefallen erlangt, und wehe dem, der achtlos ist. Sobald sich der Anspruch eines von Gott erwählten Propheten als wahr erwiesen hat, steht es niemandem an, nach dem ›Warum‹ oder ›Weshalb‹ zu fragen. Vielmehr müssen alle annehmen und befolgen, was Er verkündet. So hat es Gott in all Seinen Büchern, Schriften und Tafeln verfügt. Eine weitere Frage lautet: »Die Hindus behaupten, Gott habe den Verstand in Gestalt eines Mannes namens Brahma erschaffen. Dieser kam in die Welt und war die Ursache für ihren Fortschritt und ihre Entwicklung. Alle Hindus seien Seine Nachkommen. Die Anhänger Zarathustras sagen: ›Gott erschuf mit Hilfe des Urverstands einen Mann namens Mahábád. Er ist unser Urahn.‹ Sie glauben an sechs Arten von Schöpfung. Zwei davon sind die bereits genannten; die anderen sind Wasser, Erde, Feuer sowie Bären und Affen. Hindus und Zoroastrier sagen beide, sie habe der Urverstand gezeugt. Deshalb nehmen sie Fremde nicht in ihre Gemeinde auf. Sind diese Vorstellungen richtig oder nicht? Er wird gebeten, in Seiner Weisheit darauf zu antworten.« Die gesamte Schöpfung wurde durch Gottes Willen erschaffen, und der Erste Adam wurde durch Sein allbezwingendes Wort ins Dasein gerufen. Es ist die Quelle der Vernunft, ihr Ursprung, ihre Schatzkammer und ihr Aufgangsort. Aus diesem Wort entstand die ganze Schöpfung. Es ist der Vermittler von Gottes erster Gnade. Niemand kann den Ursprung der Schöpfung wirklich erfassen außer Gott, groß ist Seine Herrlichkeit; Sein Wissen umfasst alles, bevor und nachdem es ins Dasein gerufen ward. Die Schöpfung hat nicht Anfang noch Ende, und niemand hat je ihr Geheimnis enträtselt. Das Wissen darum war und bleibt auf ewig verborgen und verwahrt in den Schatzkammern göttlichen Wissens. Die Welt des Seins ist bedingt, denn sie geht aus einer Ursache hervor. Allein Gottes Wesen ist urewig und unbedingt. Dies wurde gesagt, damit niemand aus der oben gemachten Aussage, wonach die Schöpfung keinen Anfang und kein Ende hat, folgere, dass sie wesensmäßig präexistent sei. Wahre Präexistenz ist allein Gott vorbehalten, während die Präexistenz der Welt abhängig und abgeleitet ist. Alles, was über Anfang und Ende und dergleichen gefolgert wurde, leitet sich in Wahrheit von den Worten der Propheten, der Gottesgesandten und Seiner Erwählten her. Das »Reich des Feinstofflichen«A11, von dem dabei oft die Rede ist, bezieht sich allein auf das Erscheinen der Propheten; alles andere ist bloßer Aberglaube. Zu Beginn der Offenbarung stehen alle Menschen auf gleicher Stufe. Erst dadurch, dass sie annehmen oder ablehnen, aufsteigen oder hinabstürzen, sich bewegen oder stillstehen, beginnen sie, sich voneinander zu unterscheiden. Wenn Gott durch Seine Manifestation fragt: »Bin Ich nicht euer Herr?«, dann zählt jeder, der antwortet: »Doch, fürwahr!«Q26, vor Gott zu den vortrefflichsten Geschöpfen. Gemeint ist damit also: Ehe das Wort Gottes verkündet wird, stehen alle Menschen auf der gleichen Stufe und haben den gleichen Rang. Erst danach fangen sie an, sich zu unterscheiden, wie du zweifelsfrei bezeugst. Aus dem Gesagten geht klar hervor, dass niemand je mit Recht behaupten kann, er stamme von dem Urverstand ab, andere aber nicht. Die Wahrheit, die hell wie die Sonne erstrahlt, lautet: Alle wurden erschaffen durch den Göttlichen Willen und entstammen einem Ursprung. Alle kommen von Ihm, und zu Ihm werden sie zurückkehren. Das ist die Bedeutung des gesegneten Verses, den die Feder des Allbarmherzigen im Qur’án offenbart hat: »Wahrlich, wir sind Gottes, und zu Ihm kehren wir zurück.«Q27 Du siehst nun, dass alle Fragen in dem einen Abschnitt beantwortet wurden, der von der Feder des Höchsten offenbart worden war. Selig, wer frei von Weltlichem und geheiligt von eitlem Wahn und leerem Trug die Auen göttlichen Wissens durchquert und in allen Dingen die Zeichen Seiner Herrlichkeit schaut. Viele Verse wurden für den verehrten Ṣáḥib niedergeschrieben. Würde er ihren Wert schätzen und von ihren Früchten kosten, wäre er von so großer Freude ergriffen, dass alle Sorgen der Welt ihn nicht länger bedrückten. Gebe Gott, dass er aufrichtig diese Worte spreche und ihnen gemäß handle: »Sprich: Gott! Alsdann lass sie sich weiter vergnügen an ihrem eitlen Geschwätz.«Q28 Möge er darauf bedacht sein, jene armen Seelen, die in tiefer Finsternis zurückgeblieben sind, zum Licht der Sonne zu führen. Möge er durch die Macht des Größten Namens das Banner ergreifen, das von nichts anderem kündet als von Seiner Offenbarung, und den Anhängern der früheren Religionen voranschreiten, damit vielleicht die Finsternis vertrieben wird und die Strahlen der Sonne der Wahrheit die ganze Welt erleuchten. Das ist die größte Gnade und die höchste Berufung. Wenn der Mensch sie nicht erreicht, wo kann er dann Trost und Freude finden? Was kann ihn dann noch stützen und bewegen? Mit wem soll er abends Zwiesprache halten und wessen Namen will er morgens anrufen, wenn er sich vom Lager erhebt? Noch einmal: »Wahrlich, wir sind Gottes, und zu Ihm kehren wir zurück.«Q29 Seine letzte Frage lautet: »Die meisten Tafeln, die wir gesehen haben, sind in arabischer Sprache offenbart. Sollte man nicht auf die arabische Sprache verzichten, da doch der Geliebte dieses Tages persischer Herkunft ist? Denn selbst die Araber haben die Bedeutung des Qur’án bis zum heutigen Tage nicht verstanden. Die persische Sprache dagegen ist hoch geschätzt und wird von der zivilisierten Welt gelobt. Das heutige Persisch ist dem Arabischen überlegen, und auch das alte Persisch wird von den Menschen in Indien und anderswo zunehmend geschätzt. Es wäre daher besser, wenn das Wort Gottes hauptsächlich in reinem Persisch verkündet würde, weil es die Herzen in größerem Maße anzuziehen vermag. Auch wird darum gebeten, dass die Antwort auf diese Fragen in reinem Persisch geschrieben werde.« Die persische Sprache ist in der Tat süß und gefällig. Und seit diese Bitte an Seinen heiligen und gesegneten Hof übermittelt wurde, sind zahlreiche Tafeln in dieser Sprache offenbart worden. Zu der Aussage, dass die äußere Bedeutung des Qur’án nicht verstanden wurde: Der Qur’án wurde auf verschiedenste Weise interpretiert und in zahllose Sprachen übersetzt. Was die Menschen jedoch nicht verstanden haben, sind seine verborgenen Mysterien und inneren Bedeutungen. Alles, was sie sagen, entspricht ihrem begrenzten Verständnis. Denn niemand kann seine wahre Bedeutung erfassen außer Gott, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem Allwissenden. An diesem Tag ist der Herr erschienen, der Herrscher, der Schöpfer und die Zuflucht der ganzen Welt. Lass jedes Ohr auf das horchen, was vom Königreich Seines Willens offenbart wird; lass jedes Auge erwartungsvoll auf die Sonne des Wissens und der Weisheit blicken. Bei Ihm, der Sehnsucht der ganzen Welt! Dies ist der Tag der sehenden Augen, der hörenden Ohren, der erkennenden Herzen, der Zungen, die künden. Selig, wer dies erreicht, selig, wer danach strebt, selig, wer erkennt! Dies ist der Tag, da der Mensch immerwährende Ehre erwerben kann, denn was immer aus der Feder des Höchsten für ihn hervorströmt, trägt den Schmuck der Unsterblichkeit. Noch einmal: Selig, wer dies erreicht. Der verehrte Ṣáḥib hat geschrieben: »Sollte man nicht auf die arabische Sprache verzichten, da doch der Geliebte dieses Tages persischer Herkunft ist?« Hierzu entströmten der Feder des Höchsten, groß ist Seine Herrlichkeit, diese erhabenen Worte: »Beide sind zu rühmen, Arabisch wie Persisch. Eine Sprache soll vermitteln, was der Sprecher meint, und diesen Zweck erfüllen sie beide. Da in diesen Tagen die Sonne göttlichen Wissens am Firmament Persiens erstrahlt, verdient diese Sprache jedes Lob.«Q30 Das Licht der Wahrheit erstrahlt wahrhaftig über dem Horizont göttlicher Worte, und so ist es nicht nötig, dass sterbliche Diener sich dazu äußern. An der Süße der persischen Sprache kann kein Zweifel bestehen, doch hat sie nicht die Ausdrucksfähigkeit des Arabischen. Vieles kann im Persischen nicht gesagt werden, weil es dafür keine Begriffe gibt, wohingegen es im Arabischen für ein und denselben Gegenstand mehrere Wörter gibt. Fürwahr, keine Sprache auf der Welt ist so umfassend wie die arabische. Das muss gerechterweise gesagt werden; auch wenn die Sonne an diesem Tag über dem Horizont Persiens aufgegangen ist und ihr Licht über die ganze Welt ergießt. Darum verdient die liebliche Sprache Persiens jedes Lob. So haben alle Fragen des verehrten Ṣáḥib ihre Antwort gefunden. Wenn es angebracht und klug ist, spricht nichts dagegen, dass er sie selbst liest und vielleicht auch den Freunden dort zeigt, wie Jináb-i-‘Alí-Akbar sowie Jináb-i-Áqá Mírzá Asadu’lláh – Gottes strahlendste Herrlichkeit sei mit ihnen. Dieser Diener fleht zu dem einen wahren Gott, dass Er die Menschheit mit Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit ziere, wobei das Zweite nur eine Ausdrucksform des Ersten ist. Wahrlich, Gerechtigkeit ist ein Licht, das den Menschen durch die Finsternis der Welt leitet und ihn vor jeder Gefahr schützt. Sie ist fürwahr ein strahlendes Licht. Gebe Gott, dass die Herrscher der Welt davon erleuchtet werden. Dieser Diener fleht zu Gott, dass Er allen Menschen helfe, Seinen Willen zu tun und Sein Wohlgefallen zu erlangen. Er ist wahrlich der Herr dieser und der künftigen Welt. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Gewaltigsten. Die Tafel der Sieben Fragen (Lawḥ-i-Haft-Pursish) Im Namen des Herrn der Rede, des Allweisen Aller Lobpreis sei Gott, der die Welt mit den Strahlen der Sonne Seiner Gnade erleuchtet hat. Aus dem Buchstaben ›B‹ ließ Er das größte Meer hervorgehen, aus dem Buchstaben ›H‹ offenbarte Er Sein innerstes Wesen. Er ist der Allmächtige, dessen Willen menschliche Macht niemals vereiteln kann und dessen Strom der Worte alle Könige der Welt nicht aufzuhalten vermögen. Wir haben deinen Brief gelesen und deinen Ruf vernommen. In ihm sind Perlen der Liebe und Geheimnisse der Zuneigung verwahrt. Wir flehen zu dem unvergleichlichen Gott, dass Er dir die Kraft gebe, Seine Sache zu unterstützen und die, die in der Wüste der Unwissenheit Durst leiden, zum Wasser des Lebens zu führen. Seine Macht ist wahrlich allem gewachsen. Er, das Meer des Wissens, die Sonne der Erkenntnis, hat eingewilligt, deine Fragen zu beantworten. Die erste Frage lautet: »In welcher Sprache und in welche Richtung gewandt sollen wir den einen, wahren Gott anbeten?« Am Beginn jeder Rede steht der Lobpreis Gottes, der aus Seiner Erkenntnis folgt. Reiner Augen bedarf es, um Ihn zu erkennen, und die Zunge muss geheiligt sein, will sie angemessen Seinen Lobpreis anstimmen. An diesem Tag hat das Volk der Einsicht und des Verstehens seinen Blick Ihm zugewandt; nein mehr noch, die Richtungen selbst neigen sich Ihm zu. O Shír-Mard! Wir flehen zu Gott, dass du nicht zurückweichst, sondern dich mit himmlischer Kraft erhebst und sprichst: »O Hohepriester! Euch wurden Ohren gegeben, damit ihr dem Geheimnis des Selbstbestehenden lauscht, Augen, Ihn zu schauen. Warum flieht ihr? Der wahre Freund ist offenbar. In Seinen Worten ruht eure Erlösung. O Hohepriester! Wolltet ihr den Duft vom Rosengarten des Verstehens atmen, ihr suchtet keinen als Ihn. Sodann würdet ihr den Allweisen, den Unvergleichlichen, in Seinem neuen Gewande erkennen, eure Augen von der Welt und von allen, die sie suchen, abwenden, und euch aufmachen, Ihm beizustehen.« Die zweite Frage betrifft Glauben und Religion. An diesem Tag wurde der göttliche Glaube offenbart. Der Herr der Welt ist gekommen und hat den Weg gewiesen. Sein Glaube besteht in rechtem Tun und Seine Religion in der Duldsamkeit. Dieser Glaube verleiht ewiges Leben, diese Religion führt die Menschen zur Stufe der Genügsamkeit. Dies umfasst allen Glauben und jede Religion. Halte dich fest daran, und bewahre es gut! Die dritte Frage lautet: »Wie sollen wir mit jenen Menschen umgehen, die ihren eigenen Glauben für allen anderen Religionen überlegen halten? Wie können wir uns vor ihren Vorwürfen und Angriffen schützen?« O du Löwe unter den Menschen! Sieh in den Heimsuchungen auf Gottes Pfad eine Labsal. In jedem Leid, das um Gottes Willen erduldet wird, liegt ein kraftvolles Heilmittel. Jede Bitternis ist in Wahrheit reine Süße, jede Demütigung Erhöhung. Begriffen die Menschen dies, so gäben sie bereitwillig ihr Leben hin um eines solchen Leides willen. Denn dies ist der Schlüssel zu einem unermesslichen Schatz; mag es auch äußerlich qualvoll sein, so ist es doch innerlich erquickend. Wir bestätigen deine Worte; die Menschen sind wahrhaftig des Lichtes beraubt, das von der Sonne der Gerechtigkeit ausgeht. Sie sind der Gerechtigkeit feind. Willst du frei werden von Leid, so sprich dieses Gebet, das durch die Feder des Allgnädigen offenbart wurde: »O Gott, mein Gott! Ich bezeuge Deine Einheit und Deine Einzigkeit. Ich flehe Dich an, o Herr der Namen, Schöpfer der Himmel, bei dem durchdringenden Einfluss Deines höchsten Wortes und der Macht Deiner erhabensten Feder, steh mir bei mit dem Banner Deiner Kraft und Macht und bewahre mich vor dem Unheil Deiner Feinde, die Deinen Bund gebrochen haben. Du bist wahrlich der Allmächtige, der Allgewaltige.« Dieses Gebet ist eine uneinnehmbare Feste und gleicht einem unbeugsamen Heer. Es gewährt Schutz und Erlösung. Die vierte Frage: »In unseren heiligen Büchern wird verkündet, dass dereinst der Sháh-Bahrám kommen werde mit mannigfachen Zeichen, um die Menschen auf den rechten Weg zu führen ...« O Freund! Alles, was in den Schriften verheißen ward, ist nun offenbar. Ringsumher sind die Zeichen zu sehen. Dies ist der Tag, da der Allmächtige Seinen Ruf erhebt und vom Erscheinen des Höchsten Himmels kündet. Die Welt erstrahlt im Lichte Seiner Offenbarung, nur wenige aber sehen es. Flehe zum unvergleichlichen Herrn, dass Er Seinen Dienern Erkenntnis verleihe, denn sie führt zu wahrem Wissen und zur Erlösung. Fürwahr, menschliches Begreifen hängt ab von der Schärfe der Wahrnehmung. Wollten die Menschen mit eigenen Augen schauen, so sähen sie, dass die Welt an diesem Tag in neues Licht getaucht ist. Sprich: Die Sonne des Wissens ist aufgegangen, das Licht der Erkenntnis erstrahlt. Selig, wer es schaut und erkennt. Die fünfte Frage bezieht sich auf die Ṣiráṭ-Brücke, das Paradies und die Hölle. Gottes Boten sind mit der Wahrheit gekommen und haben die Wahrheit verkündet. Was immer sie verheißen haben, ist eingetreten oder wird noch eintreten. Die Welt ruht auf dem Fundament von Lohn und Strafe. Vernunft und Wissen haben zu allen Zeiten bestätigt, dass es Paradies und Hölle gibt; denn Lohn und Strafe setzen deren Existenz voraus. Das »Paradies« ist zunächst Gottes Wohlgefallen. Wer es erlangt, zählt zu den Bewohnern des höchsten Paradieses. Nach dem Aufstieg der Seele wird ihr zuteil, was keine Feder zu beschreiben vermag. Für die Erkennenden und die, die ihren Blick auf die erhabenste Schau richten, ist die Bedeutung von »Brücke«, »Waage«, »Paradies«, »Höllenfeuer« und dergleichen, wovon in den heiligen Schriften geschrieben steht, offenkundig. Zu Beginn, wenn die Sonne der Wahrheit erstrahlt, stehen alle Menschen auf gleicher Stufe. Sodann verkündet Gott, was Ihm beliebt, und wer Seinen Ruf hört und annimmt, gehört zu den Bewohnern des Paradieses. Er hat die Brücke, die Waage und alles, was über den Tag der Auferstehung geschrieben steht, hinter sich gelassen und sein Ziel erreicht. Der Tag Seiner Offenbarung ist der Tag der größten Auferstehung. Gebe Gott, dass du von dem erlesenen Wein göttlicher Eingebung und den reinen Wassern himmlischer Gnade trinkst, auf dass du die Stufe der Einsicht und Enthüllung erreichst und den inneren und äußeren Sinn dessen, wonach du gefragt, erkennst und bezeugst. Die sechste Frage betrifft die Trennung der Seele vom Leib und ihren Aufstieg zur künftigen Wohnstatt. Zu diesem Thema hat die Feder göttlichen Wissens vor einiger Zeit offenbart, was den Einsichtigen genügt und die Verständigen mit Freude erfüllt. Wahrlich, Wir sagen: Die Seele erfreut sich an edlen Taten, und was auf dem Pfade Gottes vollbracht wird, kommt ihr zugute. Die siebte Frage betrifft Seine Abstammung und Herkunft. Abu’l-Faḍl-i-Gulpáygání, Meine Herrlichkeit ruhe auf ihm, hat dazu verfasst, was auf den heiligen Schriften basiert, und Wissen und Erkenntnis mehrt. Gottes Glaube ist mächtig und stark. Bald schon wird das, was Unsere Zunge verkündet hat, in der Welt erscheinen. Wir flehen zu Gott, dass Er dir die Kraft gebe, Ihm beizustehen. Er ist wahrlich der Allwissende, der Allmächtige. So du die Súriy-i-Ra’ís und die Súriy-i-Mulúk liest, werden sich deine Fragen erübrigen und du wirst der Sache Gottes so dienen, dass das Unrecht dieser Welt und die Gewalt ihrer Völker dich nicht daran hindern, dem urewigen Herrn beizustehen. Wir flehen zu Gott, dass Er dich in dem bestärke, was deinen Namen erhöht und unsterblich macht. Bemühe dich, die oben genannten Tafeln zu erlangen, auf dass du der Schatzkammer Seiner allgnädigen Feder Perlen der Weisheit und der Rede entnimmst. Die Herrlichkeit Gottes sei mit dir, mit jedem unerschütterlichen Herzen und jeder standhaften, treuen Seele. Zwei weitere Tafeln 4 Am Beginn jeder Rede steht der Lobpreis Gottes O Diener! Reichlich strömen die Wasser göttlicher Gaben. Trinkt davon, auf dass ihr mit dem Beistand des wahren Freundes von Staub und Finsternis geläutert werdet und Seine Wohnstatt betretet. Entsagt der Welt und richtet eure Schritte zur Stadt des Geliebten. O Diener! Das Feuer, das alle Schleier verbrennt, ward von Meiner Hand entfacht – löscht es nicht mit den Wassern der Unwissenheit. Die Himmel sind das Zeichen Meiner Größe; schaut auf zu ihnen mit reinem Auge. Die Sterne legen Zeugnis ab für Meine Wahrheit – tut ihr es ihnen gleich. O Diener! Augen bedarf es zu sehen und Ohren zu hören. Wer an diesem gesegneten Tag den göttlichen Ruf nicht vernimmt, der hat fürwahr kein Ohr. Damit ist nicht das Ohr gemeint, das du mit dem äußeren Auge siehst. Öffne dein inneres Auge, um das himmlische Feuer zu sehen, und lausche mit dem Ohr inneren Verstehens, um die lieblichen Worte des Geliebten zu hören. O Diener! Schmerzt euch das Herz vor Sehnsucht nach dem wahren Freund – hier ist Heilung! So ihr Augen habt zu sehen, schaut, das strahlende Antlitz des Geliebten ist vor aller Augen enthüllt! Entfacht das Feuer des Wissens und flieht die Unwissenden. Also spricht der Herr der Welt. O Diener! Ein Leib ohne Seele ist tot, leblos ist das Herz, das nicht seines Herrn gedenkt. Widmet euch dem Gedenken des Freundes und meidet den Feind. Euer Feind ist alles, was ihr aus Begierde erworben habt, an das ihr euch klammert und mit dem ihr eure Seele beschmutzt. Die Seele wurde erschaffen, des Freundes zu gedenken – bewahrt ihre Reinheit. Die Zunge wurde erschaffen, Zeugnis von Gott abzulegen – besudelt sie nicht, indem ihr von denen sprecht, die in die Irre gegangen. O Diener! Wahrlich, Ich sage: Wahrhaftig ist, wer den geraden Pfad erblickt. Dieser Pfad ist der einzige, und Gott hat ihn erkoren und bereitet. Er übertrifft alle Pfade, so wie das Licht der Sonne die Sterne überstrahlt. Wer nicht zu ihm gelangt, hat die Wahrheit nicht erfasst und geht in die Irre. So rät euch Gott, der Herr, dem nichts gleicht. O Diener! Dämonen bevölkern die Welt hienieden: Haltet euch fern von ihnen. Mit Dämonen sind die Irregegangenen gemeint, die, unter der Last ihrer üblen Taten, in den Kammern des Vergessens schlummern. Es ist besser sie schlafen, als sie wachen; ihr Tod ist besser als ihr Leben. O Diener! Nicht jede sterbliche Hülle ist erfüllt von Leben, nicht jeder Leib trägt Geist in sich. An diesem Tag ist mit Geist erfüllt, wer vollen Herzens die Wohnstatt des Geliebten sucht. Alle Wege finden an diesem Tag ihr Ziel; verschließt davor nicht die Augen. Der wahre Freund ist nahe: Wendet euch nicht ab von Ihm. O Diener! Ihr gleicht jungen Trieben in einem Garten, die drohen zu verdorren. Erfrischt euch mit dem himmlischen Wasser, das aus den Wolken göttlicher Freigebigkeit herniederregnet. Worten müssen Taten folgen. Wer die Worte des Freundes annimmt, ist ein Mensch der Tat; wer sie aber zurückweist – fürwahr, ein Totengerippe ist mehr wert als er. O Diener! Süß ist des Freundes Wort – wer vermag es zu kosten, wo ist das Ohr, es zu hören? Wohl dem, der heute in die Gegenwart des Geliebten gelangt, auf Seinem Pfad allem entsagt und seinen Blick von allem abwendet, damit er eine neue Welt schaue und Einlass finde in das ewige Paradies. Der Herr der Welt spricht: O Diener! Entsagt euren Wünschen und erstrebt, was Ich für euch wünsche. Begebt euch nicht auf den Weg ohne jemanden, der euch führt, doch vertraut nicht den Worten eines jeden Führers. Viele von ihnen sind in die Irre gegangen und haben den Geraden Pfad nicht erkannt! Der allein vermag zu führen, der frei ist von Bindung an diese Welt und den nichts davon abhält, die Wahrheit zu sagen. O Diener! Beschreitet den Pfad der Wahrhaftigkeit und wendet euch nicht ab von den Bedürftigen. Kündet von Mir den Großen dieser Welt und fürchtet euch nicht. O Diener! Seid rein in euren Taten und folgt den Worten Gottes. Also rät euch euer Herr, dem nichts gleicht. 5 Der Name Gottes steht am Beginn jeder Rede O Freunde Gottes! Neigt euer Ohr dem Ruf des unvergleichlichen, selbstbestehenden Herrn, damit Er euch aus den Verstrickungen in Irdisches löse, euch aus der Finsternis befreie und zum ewigen Licht führe. Aufstieg und Niedergang, Stillstand und Bewegung entspringen Seinem Willen. Er ist der Herr über das Vergangene wie das Künftige. Die Voraussetzung für Aufstieg ist Leichtigkeit, und sie entsteht durch Wärme. So hat es Gott verfügt. Stillstand aber entsteht durch Schwere und große Dichte, die wiederum durch Kälte verursacht werden. So ist es von Gott verfügt. Da Er bestimmt hat, dass Wärme die Quelle der Bewegung und des Aufstiegs ist und die Voraussetzung, um jedes Ziel zu erreichen, hat Er mit mystischer Hand das unauslöschliche, himmlische Feuer in der Welt entfacht, damit es durch die Glut göttlicher Liebe die Menschen recht leite und sie zur Wohnstatt des wahren Freundes emporsteigen lasse. Dies ist das Geheimnis, verwahrt in dem Buche, das euch ehedem herabgesandt ward und das bislang den Augen und Herzen der Menschen verborgen war. Dieses Urfeuer ist heute offenbar, es spendet neues Licht und nie gekannte Wärme. Dieses göttliche Feuer brennt aus sich selbst heraus, ohne Brennstoff und ohne Rauch, auf dass es Nässe und Kälte, die Ursachen für Erstarrung und Ermüdung, vertreibe und die ganze Schöpfung zum Hof der Gegenwart des Allgnädigen führe. Wer diesem Feuer naht, wird davon entflammt und erreicht das Ziel, wer sich aber davon abwendet, der geht seiner verlustig. O Diener Gottes! Kehre dich ab vom Feind, auf dass du den Freund erkennst. Feind ist, wer dich vom Freund abhält. Dies ist nicht der Tag, an dem die Hohepriester befehlen und ihre Amtsgewalt ausüben. In eurem Buch heißt es, dass die Hohepriester an jenem Tag die Menschen in die Irre führen und daran hindern, Ihm zu nahen. Hohepriester ist in Wahrheit, wer das Licht sieht und zur Stätte des Geliebten eilt. Ein solcher ist ein rechtschaffener Priester, eine Quelle des Lichts für die ganze Welt. O Diener Gottes! Jeder Priester, der dich wegführt von diesem Feuer, von der Wirklichkeit des Lichts und dem Geheimnis göttlicher Offenbarung, der ist fürwahr dein Feind. Lass nicht zu, dass die Worte Fremder dich vom Freund fernhalten, wende dich nicht ab vom Geliebten wegen dem, was die Feinde sprechen. O Diener Gottes! Der Tag rechten Tuns ist gekommen: Jetzt ist nicht die Zeit für Worte. Der Bote Gottes ist erschienen: Jetzt ist nicht die Zeit zu zaudern. Öffne dein inneres Auge, damit du das Antlitz des Geliebten schaust, und lausche mit deinem inneren Ohr, auf dass du den Klang Seiner himmlischen Stimme vernimmst. O Diener Gottes! Das Gewand himmlischer Gabe ist genäht und liegt bereit. Nimm es und kleide dich darin. Entsage den Menschen und wende deinen Blick von ihnen ab. O du, der du mit Verstand begabt bist! So du Gottes Rat folgst, wirst du die Fesseln Seiner Diener abstreifen und dich über alle Menschen erheben. O Diener Gottes! Einen Tropfen aus dem Meer göttlicher Gnade haben Wir euch gewährt; wollten doch die Menschen davon kosten. Einen Ton der süßen Weisen des Geliebten haben Wir erklingen lassen; wollten die Menschen ihm doch lauschen. Schwinge dich auf mit den Flügeln der Freude in den Himmel der Liebe Gottes. Sieh, die Menschen sind wie tot, suche du die Gemeinschaft der Lebenden. Wer zu dieser Morgenstunde nicht den Duft des Geliebten atmet, zählt fürwahr zu den Toten. Er, der Allgenügende, verkündet mit lauter Stimme: »Das Königreich der Freude ist gekommen; seid nicht länger betrübt. Das verborgene Geheimnis ist nun offenbar; entsagt Kummer und Sorge!« So du die Größe dieses Tages erkennst, wirst du dich von der Welt und allem darin lösen, und zur göttlichen Heimstatt eilen. O Diener Gottes! Verkümmerte Seelen sind der Größe dieses Tages nicht gewahr, und erkaltete Herzen haben keinen Anteil an der Wärme dieses lodernden Feuers. O Diener Gottes! Der Baum, den Wir mit der Hand der Großmut gepflanzt, trägt nun Frucht, und die Frohe Botschaft, die wir im Buch verkündet, ist Wirklichkeit geworden. O Diener Gottes! Wir haben Uns dir offenbart, damals, als du schliefst, du aber warst dessen nicht gewahr. Erinnere dich nun, damit du erkennst und mit Herz und Seele zu dem Geliebten eilst, der über jeden Ort erhaben ist. O Diener Gottes! Sprich: O ihr Hohepriester! Die Hand der Allmacht streckt sich euch aus den Wolken heraus entgegen; schaut sie mit neuen Augen. Die Zeichen Seiner Majestät und Größe sind enthüllt; blickt auf zu ihnen mit reinen Augen. O Diener Gottes! Die Sonne des ewigen Reiches ist über dem Horizont Seines Willens erstrahlt, und das Meer göttlicher Großmut wogt. Verloren ist, wer dies nicht erkennt, und tot, wer es nicht erlangt. Schließe deine Augen vor dieser niederen Welt, und öffne sie für das Antlitz des wahren Freundes. Suche Seine Gegenwart und halte dich an Ihn. O Diener Gottes! Löse deine Zunge und preise Gott mit reinem Herzen, denn Seine beredte Feder hat deiner gedacht. So du die Größe dieser Gabe erkennst, wirst du dir deiner eigenen Unsterblichkeit bewusst. Nachweis der von Shoghi Effendi übersetzten Textstellen Zur vollständigen Bibliographie der hier ausgewiesenen Texte siehe den Literaturnachweis Lawḥ-i-Mánikchí-Ṣáḥib 1:4–1.6 »Der allwissende Arzt … wer aber nicht erweckt wird, der wird niemals leben.« Ährenlese 106 1:15 »O Freunde! Das Tabernakel der Eintracht … die Blätter eines Zweiges.« Ährenlese 112 Antworten auf Fragen von Mánikchí Ṣáḥib an Mírzá Abu’l-Faḍl 2:5 »Keinen Unterschied machen wir zwischen Seinen Boten.« Kitáb-i-Íqán 161 2:5 »Einige Boten haben Wir die anderen überragen lassen« Kitáb-i-Íqán 110 2:5 »Der allwissende Arzt … auf ihre Bedürfnisse.« Ährenlese 106 2:24 »Wir haben die Qiblih … den Rücken kehrt.« Kitáb-i-Íqán 55 2:35 »Selig, wer sich erhebt … Völker zu dienen.« Ährenlese 117 2:36 »O Freunde! … Blätter eines Zweiges.« Ährenlese 112 2:37 »Die Welt … Lohn und Strafe.« Ährenlese 112 2:51 »›Wahrlich wir sind Gottes, und zu Ihm kehren wir zurück.‹« Ährenlese 165 2:53 »Sprich: Gott! … eitlen Geschwätz.« Kitáb-i-Íqán 43 Lawḥ-i-Haft-Pursish 3:4 »O Hohepriester! … und euch aufmachen, Ihm beizustehen.« Der verheißene Tag 193 3:10 »Alles, was in den Schriften verheißen … des Höchsten Himmels kündet.« Der verheißene Tag 193 Zwei weitere Tafeln 5:3 »Dies ist nicht der Tag … des Geliebten eilt.« Der verheißene Tag 193 5:11 »O ihr Hohepriester! … mit reinen Augen.« Der verheißene Tag 193 Literatur ‘Abdu’l-Bahá: — Beantwortete Fragen, Hofheim 41998 — Má’idiy-i-Ásmání, Bd. 2, Neu Delhi 1984 — Yárán-i-Pársí, Hofheim 1998 Bahá’u’lláh: — Ährenlese, Hofheim 41999 — Anspruch und Verkündigung. Sendbriefe aus Edirne und ‘Akká, Hofheim 2007 — Áthár-i-Qalam-i-A‘lá, mehrbändiges Sammelwerk mit Schriften Bahá’u’lláhs, Bd. 1 photomechanischer Druck eines Manuskripts in der Handschrift von Zaynu’l-Muqarrabín, o.O., o.J.; Bd. 2 Bombay 1314 d.H. (1896); Bd. 4 Teheran 132 BZ (1975/76); Bd. 7 Teheran 134 BZ (1977/78) — Botschaften aus ‘Akká, Hofheim 1982 — Brief an den Sohn des Wolfes, Frankfurt 1966 — Der Kitáb-i-Aqdas. Das Heiligste Buch, Hofheim 22008 — Kitáb-i-Íqán, Hofheim 2000 Shoghi Effendi: — Gott geht vorüber, Hofheim 32001 — Der verheißene Tag ist gekommen, Frankfurt 1967 Boyce, Mary: Zoroastrians, Their Religious Beliefs and Practices, London 1979 Browne, Edward Granville: A Year Amongst the Persians, Cambridge 21926 Buck, Christopher: Bahá’u’lláh as Zoroastrian saviour, in: Bahá’í Studies Review, Volume 8, Issue 1, 1998, S. 15–33, online unter: >http://christopherbuck.com/Buck_PDFs/Buck_Zoroastrian_1998.pdf Quellenangaben Q1 Siehe 1:4, wie auch 2:5, 2:7, 2:16, 2:31 – Anm. d. Hrsg. Q2 Siehe 1:10 – Anm. d. Hrsg. Q3 Siehe 1:15, wie auch 2:36 – Anm. d. Hrsg. Q4 Siehe 1:15 – Anm. d. Hrsg. Q5 Siehe 2:1 – Anm. d. Hrsg. Q6 Siehe 2:1 – Anm. d. Hrsg. Q7 Qur’án 3:1–4 Q8 Qur’án 2:285. Q9 Qur’án 2:253. Q10 Siehe 1:4 Q11 Siehe 1:4 – Anm. d. Hrsg. Q12 Siehe 1:4 – Anm. d. Hrsg. Q13 Qur’án 6:91 Q14 Siehe 1:14 Q15 Qur’án 2:143 Q16 Siehe 1:4 – Anm. d. Hrsg. Q17 Siehe 1:4 – Anm. d. Hrsg. Q18 vgl. Qur’án 2:253, 3:40, 14:27; 22:14, 22:18 – Anm. d. Hrsg. Q19 Qur’án 5:1 – Anm. d. Hrsg. Q20 Siehe 1:18 Q21 vgl. Qur’án 2:253, 3:40, 14:27; 22:14, 22:18 – Anm. d. Hrsg. Q22 Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Maqṣúd, in Tablets of Bahá’u’lláh 11:14 – Anm. d. Hrsg. Q23 Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Maqṣúd, in Tablets of Bahá’u’lláh 11:12 – Anm. d. Hrsg. Q24 Siehe 1:15 Q25 Bahá’u’lláh, Lawḥ-i-Maqṣúd, in Tablets of Bahá’u’lláh 11:5 – Anm. d. Hrsg. Q26 Qur’án 7:171 Q27 Qur’án 2:156 Q28 Qur’án 6:91 Q29 Qur’án 2:156 Q30 Siehe 1:7 – Anm. d. Hrsg. Anmerkungen A1 Mit Änderungen, die dem Verlag mit Schreiben vom 17. September 2008 von der Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit übersandt wurden. (Anm. d. Übers.) A2 Im Irak A3 Vgl. Lawḥ-i-Maqṣúd, in Botschaften aus ‘Akká 11:24. A4 Vgl. Lawḥ-i-Maqṣúd, in Botschaften aus ‘Akká 11:19. A5 Der ›Notwendig Seiende‹ (Vájibu’l-Vujúd) steht für Gott. Dieser Terminus wurde von muslimischen Philosophen wie al-Farabi verwendet und lässt sich auf Aristoteles zurückführen. A6 Taqvá, in der engl. Übersetzung ›righteousness‹, hier mit ›Wahrheit‹ übersetzt, hat weitere Konnotationen wie ›Rechtschaffenheit‹, ›Frömmigkeit‹, ›Gottesfurcht‹, ›rechtes Verhalten‹ und lässt sich in seiner Bedeutungsfülle nicht mit einem Begriff wiedergeben. A7 Uṣúl. Im islamischen Recht bezeichnen die ›religiösen Prinzipien‹ (Uṣúl, wörtlich ›Wurzeln‹) die Rechtsquellen, die sich unmittelbar aus dem Qur’án und den Ḥadíthen (den ursprünglich mündlichen Überlieferungen der Worte und Taten Muḥammads) ableiten lassen. Weitere Gesetze und Verordnungen (Furú‘, wörtlich ›Äste‹) werden mittels der Regeln juristischer Hermeneutik (Fiqh) daraus abgeleitet. A8 Wahrscheinlich ein Verweis auf Qur’án 2:187, der das Fasten betrifft: »Esst und trinkt, bis ihr im Morgengrauen einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt.« A9 Dies gehört zu den Riten der muslimischen Ḥajj. A10 Muḥammad A11 Das ›Reich des Feinstofflichen‹ (‘álam-i-dharr) verweist auf den Bund zwischen Gott und Adam, von dem Qur’án 7:172 berichtet. In Má’idiy-i-Ásmání (Bd. 2, S. 30, New Delhi 1984) schreibt ‘Abdu’l-Bahá: »Wenn vom ›Reich des Feinstofflichen‹ die Rede ist, bezieht sich dies auf die Wirklichkeiten, Eigenarten, Fähigkeiten und Potentiale des Menschen, wie sie im Spiegel göttlichen Wissens erstrahlen. Da diese Fähigkeiten und Potentiale verschieden sind, hängen sie alle von bestimmten Voraussetzungen ab. Diese Voraussetzungen sind willige Annahme und Bittgebete.« — Das Tabernakel der Einheit — Bahá'í Verlag GmbH (autorisierte deutsche Übersetzung) (All Rights Reserved — wiedergegeben mit Genehmigung)