# INHALTSVERZEICHNIS

*Exported from [Holy-Writings.com](https://www.holy-writings.com/) on 2026-06-19 — 1 clipping.*

---

> INHALTSVERZEICHNIS
> 
> GEHORSAM	2
> Erkennen der individuellen Verantwortung	3
> Die eigene Unzulänglichkeit erkennen	4
> Anerkennung einer äußeren Autoritätsquelle	5
> Verstehen der Anforderungen von Autorität	8
> Die Rolle des Verstandes bei der Ausführung von Geboten	11
> LITERATURVERZEICHNIS	14
> 
> Gehorsam
> 
> Eine Ansprache von Ian Sample, am 26. July 1991 im Empangsraum des Sitzes des Universalen 
> Hauses der Gerechtigkeit, anläßlich des Programmes Geistige Bereicherung am Bahá’í Weltzent-
> rum
> 
> Das Internationale Lehrzentrum hat eine wunderbare Textsammlung zum Thema Gehorsam er-
> stellt, die Sie alle erhalten haben. Ich gehe davon aus, daß Sie alle damit vertraut sind und möchte 
> daher in meinen Ausführungen einige grundsätzliche Gedanken behandeln - hauptsächlich Ge-
> horsam in Beziehung zur Freiheit der Gedanken und ebenso die Bedeutung des Gehorsams für 
> die Entwicklung des einzelnen Menschen wie auch für die Gesellschalt als Ganzes.
> 
> Die Menschheit hat praktisch während ihrer gesamten Vergangenheit entsetzlich an Tyrannei ge-
> litten. Dadurch wird Gehorsam heute häufig gleichgesetzt mit sklavischer Unterwürfigkeit und Er-
> gebenheit in Unterdrückung - oder noch schlimmer: Sie wird als Entschuldigung für die Teilnahme 
> an Verfolgungen genutzt. Da Sie eine Weile in Isreal gelebt haben, wissen Sie, daß dies häufig 
> thematisiert wird, wenn über den Holocaust gesprochen wird. Jene, die am Holocaust beteiligt 
> waren, sagten: „Nun, ich gehorchte lediglich den Befehlen; dafür kann man mich doch nicht be-
> langen.“ Wegen dieser Vergangenheit der Unterdrückung wurde dem Gehorsam eine große Ver-
> achtung zuteil und „rücksichtslose“ Individualität wird als das wahre Ziel des sozialen Lebens ge-
> priesen. Wie ist dann vor diesem Hintergrund das folgende Zitat Bahá’u’lláhs zu verstehen:
> 
> Was der Menschheit an diesem Tage nottut, ist Gehorsam gegen die, welche die Gewalt in Hän-
> den haben, und gewissenhaftes Festhalten am Seile der Weisheit.
> (ÄL 102)
> 
> Um dies zu verstehen, sollten wir die Kehrseite dieser Medaille betrachten. Wir müssen die un-
> wahrscheinlich großen Probleme der Menschheit schätzen lernen, die durch gewaltsamen Natio-
> nalismus und Stammesstrukturen entstehen, durch die Gier der Einzelnen und den entwurzelten 
> Vergleichskampf im Wirtschaftsleben, durch zügellose, unzulässige Unmoral und durch das stän-
> dig wachsende Vorkommen von Kriminalität und Terrorismus. Dies alles sind Verzerrungen der 
> Freiheit.
> 
> Die Vergangenheit hat in der Tendenz gezeigt, daß die Menschheit zwischen den beiden Extre-
> men, Tyrannei und zügelloser Ausschweifung, hin- und herpendelt und dabei auch glückliche Zei-
> ten erlebt, wenn sie einen gemäßigten Bereich erreicht hat. In der Bahá’í-Gemeinschaft streben 
> wir kein gemäßigtes Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gehorsam an. Stattdessen lernen wir 
> durch die Lehren Bahá’u’lláhs, wie wir in Freiheit der göttlichen Richtschnur Gehorsam leisten 
> können und erkennen somit Gehorsam und Freiheit als ein harmonisches Ganzes an. Wir sollten 
> sie nicht länger als Gegenspieler betrachten.
> 
> Um dieses Konzept genauer zu untersuchen, möchte ich es in das Licht der folgenden fünf Pro-
> zesse stellen:
> 
> - Der erste ist, daß wir uns als die höchsten Quellen der Autorität betrachten.
> 
> - Beim zweiten geht es darum, die eigene Mangelhaftigkeit zu erkennen.
> 
> - Der dritte besteht darin, eine Quelle der Autorität außerhalb des eigenen Seins zu anzuerken-
> nen.
> 
> - Der vierte ist es, die Anforderungen dieser Autoritätsquelle verstehen zu lernen.
> 
> - Der fünfte ist die Rolle der Entscheidung bei der Durchführung dieser Anforderungen.
> 
> Die Grundlage für jegliche Entwicklung ist die Selbsterkenntnis und die Anerkennung der Verant-
> wortung für das eigene Leben.
> 
> Der nächste Schritt ist die Erkenntnis, daß es zum Chaos im Leben einer Person und in der ge-
> samten Gesellschaft führt, wenn jeder seinen eigenen Neigungen folgt.
> 
> Dies führt uns dazu, die äußere Autoritätsquelle für das Wahre und Richtige zu suchen. Wenn wir 
> glauben, diese gefunden zu haben, ist es wichtig, sie zu bestätigen. Wenn wir das nicht tun, op-
> fern wir eine der grundlegendsten Rechte und Pflichten der Menschheit.
> 
> Haben wir uns entschieden, daß eine Quelle Gültigkeit besitzt und wollen wir ihr gehorchen, kön-
> nen wir dies nur in das tägliche Leben umsetzen, wenn wir verstehen, was diese Quelle der Macht 
> von uns erwartet.
> 
> Sollten wir schließlich unsere Intelligenz und Urteilsfähigkeit bei der Ausführung von Gehorsam 
> gegenüber der Autorität nicht einsetzen, kann es darauf hinauslaufen, daß wir das Gegenteil des-
> sen tun, was sie wirklich beabsichtigt.
> 
> Alle fünf der genannten Vorgänge erfordern die Übung unserer Urteilskraft. Sie stellen die Ableh-
> nung der Vorgehensweise des „blinden Gehorsams“ dar und ich glaube, daß dieser blinde Gehor-
> sam im Widerspruch zum Glauben steht. Gehorsam besteht für einen Bahá’í darin, durch eigenen 
> Willen dem zu folgen, was man als Recht erachtet. Blinder Gehorsam ist ein Verzicht auf den frei-
> en Willen.
> 
> Erkennen der individuellen Verantwortung
> 
> Die durch Gott jeder einzelnen Seele übergebene Verantwortung, sein eigenes Leben in die Hand 
> zu nehmen, wird immer wieder in den Schriften betont. Betrachten Sie die folgenden Worte Ba-
> há’u’lláhs. Der erste Abschnitt ist so vertraut, daß man in Gefahr gerät, zu versäumen, über die 
> vielen Elemente nachzudenken, die er enthält. Deshalb werde ich ihn mit Unterbrechungen lesen:
> 
> O Sohn des Geistes!
> 
> Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit. Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach 
> Mir verlangst, und vergiß sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann. Mit ihrer Hilfe sollst du mit eige-
> nen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch die eigene Erkenntnis Wissen erlangen und 
> nicht durch die deines Nächsten. Bedenke im Herzen, wie du sein solltest. Wahrlich: Gerechtigkeit 
> ist Meine Gabe und das Zeichen Meiner Gnade. So halte sie dir vor Augen.
> (VW, 2)
> 
> Weiter besitzen wir die drei folgenden Textstellen, die das gleiche Thema behandeln:
> 
> Urteilt gerecht über die Sache Gottes, eures Schöpfers, schauet, was vom Throne der Höhe her-
> abgesandt ist, und denkt darüber nach mit reinem, geheiligtem Herzen. Dann wird euch die Wahr-
> heit dieser Sache so offenbar erscheinen wie die Sonne in ihrer Mittagsherrlichkeit. Dann werdet 
> ihr zu denen gehören, die an Ihn glauben.
> (ÄL 52)
> 
> Vergeßt nicht die Ehrfurcht vor Gott, ihr Gelehrten der Welt, und urteilt gerecht über die Sache 
> dieses Ungelehrten, für den alle Bücher Gottes, des Beschützers, des Selbstbestehenden, ge-
> zeugt haben.
> (ÄL 44)
> 
> Dies ist wahrlich ein Zeichen Seiner sanften Barmherzigkeit für die Menschen, jeder Seele hat Er 
> die Fähigkeit verliehen, Gottes Zeichen zu erkennen. Wie sonst hätte Er den Menschen Sein 
> Zeugnis erbringen können - gehörtet ihr doch zu denen, die im Herzen über Seine Sache nach-
> denken. Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über 
> ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.
> (ÄL 52)
> 
> In diesen und vielen weiteren Texten ruft uns Bahá’u’lláh auf, nicht einfach zu gehorchen, sondern 
> unseren Verstand zu gebrauchen, gerecht zu urteilen, anzuerkennen und dann zu glauben und zu 
> gehorchen. Er versichert uns, daß wir alle die Fähigkeit besitzen, die Wahrheit zu erkennen und 
> ihr zu folgen.
> 
> Daß eine absolute Autorität in uns wohnt, trifft für jeden Menschen zu, ob er dies nun versteht o-
> der auch nicht. Man mag diese Autorität nicht anerkennen, um sich wie Treibgut in der Strömung 
> der Gezeiten umhertreiben zu lassen, und man wird für sein eigenes Leben sorgen.
> 
> Allzu oft suchen wir heutzutage Gründe für unsere Handlungen, die Bedingungen und Begeben-
> heiten, die außerhalb unserer Kontrollmöglichkeit liegen und die durch unsere Vererbung, unsere 
> Erziehung oder unsere derzeitige Lage vorgegeben sind. Da ist sicher etwas Wahres dran und ich 
> behaupte nicht, daß keine Einflüsse auf uns ausgeübt werden.Aber in den meisten Fällen sind es 
> doch vollkommen schwache Entschuldigungen dafür, etwas falsches zu tun oder zu versäumen, 
> das zu tun, wovon man im tiefsten Inneren weiß, daß es richtig wäre.
> 
> Jeder hat immer die Wahl, sich äußerlichen Einflüssen zu beugen oder Schritte zu unternehmen, 
> diesen zu begegnen, also einer äußeren Autorität zu gehorchen oder auch nicht. Schritte zur Ver-
> änderung unserer Bedingungen zu unternehmen, erfordert Anstrengungen, was dazu führen 
> kann, daß wir diese Schritte nicht gehen - aber dies ist dann unsere eigene Entscheidung. 
> Manchmal hat die Entscheidung, einer äußeren Autorität zu widersprechen, so unangenehme Fol-
> gen, daß man sich entscheidet, gegen die eigene Überzeugung zu gehorchen. Doch auch das ist 
> dann eine eigene Entscheidung. Schließlich wird jemand, der glaubt, die Entscheidung ist von 
> Wichtigkeit, eher den Tod akzeptieren, als falsch zu entscheiden. Aber es besteht immer wieder 
> die Wahlmöglichkeit und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig zu beachten, denn häufig fin-
> det man jemanden, sich entschuldigend sagen: „Es tut mir leid, aber ich konnte nicht handeln wie 
> es richtig gewesen wäre - sonst wäre ich erschossen worden!“ Das war dann auch seine Ent-
> scheidung: Er hätte auch die Erschießung hinnehmen können.
> 
> Im Iran waren die Verfolger der Sache häufig erstaunt, daß die Bahá’í hinnahmen - ehe sie ein 
> Wort der Verleugnung des Glaubens über die Lippen brachten - sich hinrichten zu lassen. Dies ist, 
> wo wir unabhängig und stark sein müssen.
> 
> Somit ist der erste Orientierungspunkt, den jeder Mensch an sich anlegen muß, er selbst und die 
> ihm von Gott verliehene Fähigkeit, selbst zu entscheiden. Für einen Atheisten oder einen Agnosti-
> ker gibt es keinen zentralen Referenzpunkt außer ihm selbst und seinen eigenen Wünschen und 
> Ideen. Selbst, wenn er überhaupt nicht denken sollte, läßt er sich vollkommen von seinen Wün-
> schen und Vorlieben treiben - mit anderen Worten, nicht durch das, was er für richtig hält, sondern 
> nur durch das, was er fühlt. Nur wenige Menschen existieren auf dieser, unter dem tierischen Ver-
> halten anzusiedelnden, Ebene. Zum Glück beginnen sie früher oder später darüber nachzuden-
> ken, was am Besten für sie ist. Sie üben die Kräfte, die in der eigenen Entscheidung liegen. Aber 
> gewöhnlich vollenden sie diesen Prozeß nicht. Viele leben nur von einem Tag zum anderen, in-
> dem sie den Moden und Launen der Gesellschaft, in der sie leben, folgen. Sie nehmen deren Vor-
> urteile auf und folgen deren Maßstäben.
> 
> Folgt ein Individuum unkritisch seinen selbstbezogenen Entscheidungen, kommt es zwangsläufig 
> in Konflikt mit anderen und erhöht somit die Gesamtheit der Probleme in der Welt. Unweigerlich 
> geraten alle, wenn die Nummer 1 als erstes kommt, und jeder Mensch sich selbst als Nummer 1 
> ansieht, in eine Konfliktsituation. Dies passiert, egal ob er andere für die Befriedigung seiner Be-
> dürfnisse zu dominieren versucht oder auch nicht. Auf der anderen Seite hat das gedankenlose 
> Befolgen von gesellschaftlichen Vorurteilen oder der Vorgaben eines Führers die Feinseligkeit von 
> anderen Gruppierungen zur Folge. Beides führt zu geistigem Verfall und Chaos. In den „Sieben 
> Beweisen“ schreibt der Báb:
> 
> In jedem Lande siehst du zahllose geistliche Führer ohne Urteilskraft, in jedem Volk abertausend 
> Mitläufer, denen dieselbe Eigenschaft fehlt. Denke in deinem Herzen eine Zeitlang darüber nach, 
> habe Erbarmen mit dir selbst und wende deine Aufmerksamkeit nicht von Beweisen und Zeugnis-
> sen ab.
> (AB, 4,9) 
> 
> Weiter vorn, im gleichen Buch sagt er:
> 
> Nein, bei Gott, sei du weder ein Geistlicher ohne Urteilskraft noch Mitläufer ohne Urteilskraft, denn 
> am Tage der Auferstehung werden beide vergehen.
> (AB, 4,9)
> 
> Die eigene Unzulänglichkeit erkennen
> 
> Sobald eine Seele beginnt, nachzusinnen, nicht  darüber, was sie tun kann, um nur das eigene 
> Selbst zufrieden zu stellen, sondern was sie tun sollte; wenn sie sich erlaubt, zu erwägen, was 
> richtig oder falsch ist; wenn sie über den Sinn ihres Lebens nachdenkt; wenn sie mit anderen Wor-
> ten eine erkennende Person wird, hat sie den ersten Schritt weg von der wirklichen Gottlosigkeit 
> getan. Wirklichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind Eigenschaften Gottes und 
> wer immer eine solche sucht, sucht Gott. Viele der selbsternannten Atheisten sind nicht wirkliche 
> Atheisten. Sie haben bei ihrer Suche nach Wahrheit lediglich hinter die Oberflächlichkeit der tradi-
> tionellen Religion geblickt. Ich glaube, das ist es, was wir zur Zeit im Osten beobachten können. 
> Viele Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen, haben dennoch ein geistiges Herz und wissen 
> nur nicht, wonach sie Ausschau halten. Sie sind nun dabei, es zu finden.
> 
> Jeder, der beginnt, auf diese Weise zu denken, wird sich nach Beispielen und Vorbildern für sein 
> Handeln umsehen, die scheinbar erfolgreich sind und denen er folgen kann, um ähnlich erfolg-
> reich zu sein. Dabei ist es unabhängig davon, ob er Atheist ist oder nicht. Als Grundlage hat er die 
> ganzen Verhaltensmuster, die er in seiner Kindheit kennenlernte. Er wird sie behalten oder für 
> andere neue Muster verwerfen. Aber selbst dann, wenn er einen Referenzpunkt außerhalb von 
> sich selbst findet, wird es schwer für ihn sein, über seine derzeitige Ebene hinauszuwachsen. Es 
> ist, als ob man sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen wolle - man ist dazu einfach 
> nicht in der Lage.
> 
> Solange ein Mensch das Zentrum des eigenen Universums bleibt, wird er auf seine eigene We-
> sensart beschränkt bleiben. Wir haben alle schon Mitglieder der Bahá’í-Gemeinschaft getroffen, 
> die an diesen Beschränkungen litten. Schauen wir uns zum Beispiel jemanden an, der sich für 
> soziale Gerechtigkeit einsetzt und der durch eigene Lebenserfahrungen und Ideen anderer eine 
> Philosophie der sozialen Reform entwickelt hat, die sehr nahe verwandt mit den Lehren Ba-
> há’u’lláhs ist. Wenn er dem Glauben begegnet, findet er eine ganze Gemeinschaft mit den glei-
> chen Ideen. Er erklärt sich als Bahá’í und wird ein Mitglied dieser Gemeinschaft. Wenn sich die 
> Grundlage für seine Anziehung nicht verändert, wird er früher oder später mit Bahá’í-Lehren in 
> Kontakt kommen, die nicht in sein Weltbild passen. Sie werden eine Herausforderung für ihn sein 
> und er wird versuchen, den Glauben so zu verändern, daß er besser zu seinen eigenen Idealen 
> paßt. Dies wird ihm jedoch nicht gelingen und er wird in seiner Enttäuschung dem Glauben den 
> Rücken kehren und sich mit anderen Gleichgesinnten zusammen tun, mit denen er jedoch auch 
> keine absolute Übereinstimmung erreichen wird. D. h., da er selbstbezogen ist, wird er sein Leben 
> lang auf eine gewisse Weise alleine bleiben. Er wird Verbindungen mit anderen Menschen einge-
> hen, sie jedoch auch wieder brechen.
> 
> Das bedeutet, jeder Mensch muß seine eigene Unvollkommenheit erkennen und den gemein-
> schaftlichen Mittelpunkt außerhalb seines Selbstes suchen. Nur dann besteht für die einzelne 
> Seele die Möglichkeit zur vollständigen Entwicklung und sie wird fähig, mit anderen zusammen in 
> Harmonie für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu arbeiten.
> 
> Anerkennung einer äußeren Autoritätsquelle
> 
> Solange ein Mensch kein wirklich gebietendes Zentrum besitzt, das in Harmonie mit der Natur des 
> Universums steht, wird keine Verbindung mit anderen Individuen bestehen bleiben. Deshalb wer-
> den sich rein soziale Bewegungen und politische Parteien verändern, aufspalten und abschlie-
> ßend zusammenbrechen. Dabei ist es egal, wie groß die Loyalität ist, die ihnen entgegengebracht 
> wird. Wenn wir aber unsere individuelle Autorität und Freiheit einer externen Autorität unterwerfen, 
> haben wir die Pflicht, diese Quelle der Autorität zu bestätigen, ob es eine bürgerliche Regierung, 
> eine politische Partei oder was auch immer ist.
> 
> Der entscheidende Unterschied zwischen Religion und Philosophie ist, daß Religion für sich bean-
> sprucht, eine Verbindung zu Gott selbst, dem Schöpfer, dem Erhalter, dem Urheber des Univer-
> sums zu haben. Sie stellt nicht lediglich die Zusammenfassung wohlüberlegter Ideen, sondern 
> vielmehr die Offenbarung ewiger Wahrheit dar. Die Autorität, die sie beansprucht, ist absolut. Dar-
> in ist sowohl ihre Stärke als auch eine Gefahr enthalten. Die Stärke ist, daß jemand, der direkt mit 
> Gott verbunden ist, zu Harmonie mit Wahrheit, Gerechtigkeit und Schönheit gelangt. Die Gefahr 
> liegt darin, einem falschen Propheten den Gehorsam zukommen zu lassen, der allein Gott selbst 
> geschuldet werden kann. Dann verfällt man in eine Verwirrung, die weit schlimmer ist, als jede 
> Form von Philosophie sie erzeugen kann. Bedenkt welche Verheerungen durch charismatische 
> Führer wie Hitler ausgelöst wurden. Sie haben für sich absolute Loyalität und Gehorsam durch 
> ihre Anhänger beansprucht. Solche Führer erzeugen Pseudo-Religionen, die mit politischen Par-
> teien nichts mehr zu tun haben. Die Anerkennung der Quelle der Autorität ist bei den Religionen 
> von höchster Wichtigkeit.
> 
> Kein Wissen ist von größerer Bedeutung für die einzelne Seele, als die Erkenntnis, daß jeder die 
> Verantwortung hat, die Wahrheit zu suchen und dabei Fehlentscheidungen auszuschließen. Jeder 
> hat sodann die absolute Pflicht, dieser Wahrheit zu folgen, wo auch immer sie hinführt. Wir müs-
> sen erkennen, daß Gott nicht mit sich handeln läßt.
> 
> Bahá’u’lláh enthüllt diese Wahrheit in einem Satz eines Seiner Gebete: „Welche Kraft können die 
> schattenhaften Geschöpfe als ihr Eigentum beanspruchen, wenn sie Ihm, der der Ungeschaffene 
> ist, gegenüberstehen.
> 
> Nun ist dies eine sehr wichtige, eine sehr folgenreiche und äußerst unbequeme Wahrheit. In die-
> sem Zusammenhang möchte ich etwas über die Gottesfurcht sagen. Denn wenn jemand wirklich 
> über Gott nachdenkt, ist dies eine beängstigende Aussicht. Wenn jemand ein Atheist ist, der ü-
> berhaupt nicht an Gott glaubt, kann dieser sich bis zu einem bestimmten Punkt blind stellen für die 
> Abscheulichkeiten dieses Universums, indem er von Tag zu Tag hetzt. Aber wenn er wirklich über 
> es nachdenkt, wird das Universum zu einem entsetzlichen Ort. Wir brauchen nur die Größenord-
> nung der Sterne zu betrachten, oder die Sonne selbst mit ihren Sonnenflecken und dann über uns 
> winzig kleinen Mikroben nachdenken, wie wir uns auf der Erdoberfläche bewegen. Wir sind zu-
> tiefst machtlos; was können wir also tun? Was können wir für die Zukunft tun? Dies war eines der 
> theoretischen Probleme, mit denen sich die kommunistischen Denker vor einigen Jahren befassen 
> mußten. Sie hatten die großartige Idee, daß die Menschen für  eine bessere Zukunft altruistisch 
> und selbstlos sein sollten. Ein Individuum hatte nach ihren Vorstellungen kein zukünftiges Leben -- 
> es gab kein ewiges Leben -- aber die Zukunft lag in einer aufzubauenden Gesellschaftsform. Man 
> diente dort so gut man konnte, man liebte seine Mitmenschen und man schuf eine Welt, die ein 
> Muster an Perfektion werden sollte. Diese Welt sollte dann jedermans ewiges Leben darstellten. 
> In Probleme gerieten sie, als sie bemerkten, daß die Menschen erkannten, diese Welt würde 
> selbst nicht für ewig bestehen. Irgendwann würde auch sie zerstört werden. D. h. es gibt keine 
> ewige Zukunft durch die Verbesserung dieser Welt. Und wenn es keine andauernde Zukunft gibt, 
> fragt man sich: "Warum soll ich mich darum kümmern? Warum soll ich diese rund 70 Jahre für 
> etwas Opfer erbringen, daß sowieso nicht für immer Bestand haben wird?" Pascal hat vor Jahr-
> hunderten dieses Problem erkannt: Die Armut und das Elend dieser Welt sind ohne Gott für die 
> Menschen unerträglich. Sie fangen dann an, nach Ablenkungen zu suchen, um sich davon abzu-
> lenken. Darum wird auch eine Gesellschaft, die mehr und mehr unreligiös wird, zunehmend von 
> Vergnügungen und Ablenkungen und Kitzel eingenommen. Denn die Menschen können die Wahr-
> heit nur schwer ertragen.
> 
> Festzustellen, daß diese Welt nicht nur eine Ansammlung von Atomen und Molekülen ist, sondern 
> daß da etwas ist, das sie steuert -- daß da mit anderen Worten Gott ist -- kann für eine Weile ein 
> interessantes philosophisches Konzept sein, bis man es ernsthaft untersucht. Wenn man dann 
> feststellt, daß Gott wirklich Gott ist, kann man Ihn nicht mehr beliebig bezeichnen. Und: man kann 
> nicht mit Ihm handeln. C.S. Lewis verfaßte hierüber einst einen Kommentar. Als er die Realität 
> Gottes erkannte, stellte er auch eine Forderung fest, die durch Ihn gestellt wurde. Gott sagte nicht: 
> „Gib mir alles oder nichts.“ Da gibt es keine Wahl. Er sagte: "Alles". Das ist es. Da gibt es keine 
> Alternativen. Gott ist Gott.
> Dies ist schwer, aber wichtig zu akzeptieren. Die unglaublichen Gnaden, die wir durch die Mani-
> festationen erfahren, sind das Wissen, daß diese unverständliche Kraft hinter diesem Universum 
> keine blinde und willkürliche Kraft ist. Vielmehr ist es das Wissen, daß die Kraft der Liebe, Wahr-
> heit und Schönheit dahintersteckt, daß die einzelne menschliche Seele aus Seiner Sicht wichtig ist 
> und daß sie in Seiner Obhut ist. Dies ist eine revolutionäre Idee und ist der Kern jeder wahren Re-
> ligion.
> Aber nach wie vor müssen wir hinnehmen, daß wir nicht mit Gott handeln können. Ich empfehle 
> jedem von Ihnen, der Schwierigkeiten damit hat, das Konzept der Furcht vor Gott anzunehmen 
> oder mit den Ungerechtigkeiten in dieser Welt hadert, daß er das Buch Hiob liest. Dies ist ein sehr 
> altes Buch, aber behandelt dieses Problem. Hiob ist ein sehr aufrichtiger Mann, ein sehr gesunder 
> Mann, ein sehr wohlhabender Mann und in der Geschichte -- bei der Geschichte handelt es sich 
> um ein Gleichnis -- kommt der Teufel zu Gott und spricht: "Schau, er ist doch nur so gut, weil Du 
> ihn so gut behandelst. Nimm ihm seine ganze Gesundheit, sein ganzes Glück und er wird Dir nicht 
> mehr gehorchen." Da sagte Gott: "In Ordnung" und Er erlaubte dem Teufel, Hiob alles zu nehmen, 
> was er hatte. Von da an lief bei Hiob alles schief. Es kommen eine ganze Reihe von Freunden und 
> schlechten Tröstern, die wie ein Refrain in der Geschichte wirken und Hiob erklären, warum alles 
> schief geht. Sie versuchen, ihm klar zu machen, daß alles so käme, weil er gesündigt haben muß. 
> "Nein, ich habe nicht gesündigt," sagt Hiob. "Ich werde nicht sagen, daß ich gesündigt habe, denn 
> ich habe nicht gesündigt! Ich werde nicht bestraft für etwas, das ich getan habe." Aber er verfolgte 
> weiterhin seinen Weg des Gehorsams zu Gott und seiner Liebe zu Gott. Er erklärte: "Selbst, wenn 
> Er mich hinrichtet, werde ich an Ihn glauben." Das ganze läuft so weiter und wir erhalten die ver-
> schiedensten Rechtfertigungen für das, was passiert. Schließlich ist Hiob davon überzeugt, daß er 
> Gott befragen müsse. Und Gottes Stimme erklingt aus einem Wirbelwind:
> Da antwortete der Herr dem Hiob aus dem Wettersturm und sprach: Wer ist es, der den 
> Ratschluß verdunkelt mit Gerede ohne Einsicht? Auf, gürte Deine Lenden wie ein Mann: Ich will 
> dich fragen, du belehre Mich! Wo warst Du, als Ich die Erde gegründet? Sag es denn, wenn du 
> Bescheid weißt. Wer setzte ihre Maße? Du weißt es ja. Wer hat die Meßschnur über ihr ge-
> spannt? Wohin sind ihre Pfeiler eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt als die Morgen-
> sterne jauchzten, als jubelten alle Gottessöhne?
> 	(Hiob, 38:1 ff)
> 
> Es gibt keine Möglichkeit für uns, das Wesen Gottes oder Seine Absichten zu verstehen. Wir 
> müssen dies einfach hinnehmen. Dies ist, lassen Sie es mich so sagen, die Furcht und zugleich 
> die Erhebung, wenn wir schließlich das Wesen Gottes akzeptieren. Ich habe nie die besondere 
> Begebenheit vergessen, durch die ich diese Wahrheit erfuhr. Sie wurde mir klar durch einen jun-
> gen Mann, mit dem ich zusammen zu arbeiten hatte. Er war ein Büroangestellter in einer Firma, in 
> der ich Buchhalter war. Irgendwann befragte er mich über den Glauben. Ich glaube, ich gab ihm 
> damals "Bahá’u’lláh und das neue Zeitalter“ und dann trennten sich unsere Wege. Eines Tages 
> hatten wir wieder eine gemeinsame Aufgabe und er sagte zu mir: "Wissen Sie, ich hatte damals 
> keine Wahlmöglichkeit mehr. Als ich anfing, das Buch zu lesen, stellte ich fest, daß es so wichtig 
> war, daß ich keine andere Wahl hatte, als es zu Ende zu lesen und zu entscheiden, ob es wahr 
> oder falsch ist. Und wenn ich es als wahr erachte, habe ich keine andere Wahl als dem zu folgen." 
> Nun es gibt nicht so viele Menschen, die eine so tiefe Empfindungsgabe haben, so kurz, nachdem 
> sie über den Glauben gehört haben -- er hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, ob es 
> wahr ist. Aber er studierte und er entschied und er nahm den Glauben an. Er verstand die Wahr-
> heit folgender Worte Bahá’u’lláh’s sehr gut:
> 
> Sie sollten keinesfalls ihrer Phantasie erlauben, ihre Urteilskraft zu trüben, noch sollten sie ihre 
> eigenen Vorstellungen für die Stimme des Ewigen halten.
> (ÄL 160)
> 
> Einzuräumen, daß Gott Gott ist, zu akzeptieren, daß man nur ein kleiner Teil Seiner Schöpfung ist 
> und zu verstehen, daß die Erfüllung der Übung der eigenen unabhängigen Autorität die Unteror-
> dung unter die Autorität Gottes ist, kann eine sehr demütigende und schmerzliche Erfahrung sein. 
> Einmal vollzogen, bringt es einen Zuwachs an Freude und Kraft, die man kaum erwartet hätte. 
> Denn man hört auf, alleine zu sein. Man wird ein hilfreicher integrierter Bestandteil des ganzen 
> Universums. Es ist eine Offenbarung des Geheimnisses des Opfers und der erstaunlichen Tatsa-
> che, daß Gott Liebe ist.
> Eine Gefahr verbirgt sich darin, daß die Freude, die solch eine Selbstaufgabe mit sich bringt, in 
> gewisser Weise auch von jemandem erfahren werden kann, der sich einem falschen Propheten 
> hingibt, so wie von jenem, der sich der wahren Manifestation Gottes weiht. Selbstaufgabe ist als 
> solches eine Tugend und man kann das gleiche erhebende Gefühl haben, wenn man sich dem 
> Falschen weiht. Dies ist die Gefahr. Die Methoden, wie wir die Wahrheit suchen und akzeptieren 
> können, kennen wir, weshalb ich hierüber keine Ausführungen machen werde. Sie erinnern sich 
> alle an die vier Kriterien, die ’Abdu’l-Bahá uns zur Ermittlung der Wahrheit genannt hat: Die Sinne, 
> den Verstand, die Tradition und die Inspiration. Jeder dieser Wege kann fehlbar sein, aber wir 
> geben unser Bestes, sie alle zu kombinieren und es ist die Führung Gottes, die uns die endgültige 
> unfehlbare Führung gibt.
> Was passiert, wenn wir nach unseren besten Möglichkeiten unsere Sinne, unseren Verstand, un-
> sere Traditionen und unsere Inspiration angewandt haben und wir dachten, daß die Quelle der 
> Autorität gültig ist und haben ihr dann Gehorsam geleistet, dies aber trotz allem falsch war? Wie 
> können wir unseren Fehler herausfinden?
> Diese Frage bringt uns zum vierten Prozeß, den ich zu Beginn erwähnte.
> 
> Verstehen der Anforderungen von Autorität
> 
> In seinem Brief an die Palästina Sonderkommission der Vereinten Nationen hielt Shoghi Effendi 
> fest, der Glauben „beinhalte für die Anhänger als erste Pflicht, sich auf die entfesselte Suche nach 
> Wahrheit begeben.
> Dieses Gebot bedeutet zur gleichen Zeit den Schutz davor, einem falschen Propheten zu folgen, 
> den Ursprung des Lichtes der Beratung und die Garantie der erfolgreichen Umsetzung der Anwei-
> sungen Bahá’u’lláh’s in den Worten des Paradieses:
> 
> Schulen müssen die Kinder zuerst in den Grundsätzen der Religion erziehen, so daß Verheißung 
> und Drohung, wie sie in den Büchern Gottes geschrieben stehen, die Kinder von Verbotenem ab-
> halten und mit dem Mantel der Gebote schmücken; aber dies muß in solchem Maß geschehen, 
> daß es die Kinder nicht durch Abgleiten in eifernde, bigotte Unwissenheit schädigt.
> (BOT 6,28)
> 
> Wir kehren wieder zurück zu der Antithese zwischen blindem Gehorsam und willentlichem, be-
> wußtem Gehorsam, die ich zu Beginn des Vortrages erwähnte. Sie mögen fragen: „Aber warum 
> sollen wir unsere unabhängige Suche nach Wahrheit fortsetzen, nachdem wir sie durch die Aner-
> kennung Bahá’u’lláh’s gefunden haben? Würde dies nicht andeuten, daß wir Zweifel an Seiner 
> Position haben?“ Glauben Sie etwa, daß die Erkenntnis Bahá’u’lláh’s das Ende ist? Sicher ist es 
> nur der Anfang. Wenn man akzeptiert, daß Bahá’u’lláh die Manifestation Gottes ist, daß Er, Seine 
> Handlungen und Seine Worte ein perfekter Spiegel der Natur Gottes sind, Seiner Wahrheit, Sei-
> ner Absichten für dieses Zeitalter, dann beginnt eine lange Aufgabe, genau zu erfassen, was er 
> uns sagen will, Seine Befehle in unserem täglichen Leben umzusetzen und es zuzulassen, daß 
> das Licht Seiner Offenbarung unser Herz und unseren Verstand erleuchtet. Dies kann nicht pas-
> sieren, wenn wir die Türen unseres Geistes verschließen.
> 
> Ein wahres Prinzip für eine Handlung bleibt wahr, egal auf wen es angewendet wird. Das anhal-
> tende Suchen nach Wahrheit ermöglicht es den Anhängern eines wahren Propheten, Ihm immer 
> näher zu kommen, Seine Lehren aufzunehmen und sie in ihr Leben zu integrieren. Das gleiche 
> Prinzip, wenn es auf die Anhänger eines falschen Propheten angewendet wird, wird ihnen früher 
> oder später ermöglichen, den Irrtum zu erkennen. Dies ist auch der Grund, warum falsche Pro-
> pheten von ihren Anhängern blinden Gehorsam fordern. Sie fürchten die Wahrheit - und dies aus 
> gutem Grund. Aber warum sollte Er, der die Wahrheit selbst ist, jemals leiden durch das Streben 
> nach Wahrheit Seiner Anhänger?
> 
> Dann wäre da noch die Sache mit unserer Vertiefung in die Lehren. Wie können wir uns vertiefen, 
> wenn wir nicht über sie nachdenken, wenn wir sie uns nicht gegenseitig erzählen, wenn wir sie 
> nicht ausprobieren und sie untersuchen im Lichte der Erfahrung? Die Lehren Bahá’u’lláh’s sind 
> dazu da, die Menschheit für mindestens die nächsten 1.000 Jahre zu bereichern. Ist es dann ü-
> berhaupt vorstellbar, daß wir ohne eine Menge tiefgreifender Überlegungen wirklich verstehen, 
> was Er uns sagt und was Er von uns an Handlungen erwartet.
> 
> Nur durch unabhängiges, klares Nachdenken über den großen Umfang der Lehren kann man das 
> Wachstum seines Verständnisses fördern.
> 
> Aber nicht nur die Texte sind Quelle der Führung. Bahá’u’lláh hat uns auch noch die Beratung als 
> Instrument der Führung an die Hand gegeben. Damit dieses funktioniert, müssen wir die Freiheit 
> der Gedanken ebenso üben, wie die aufrichtige Äußerung, Höflichkeit und Gehorsam. Ohne die 
> Anwendung der ungehinderten Suche nach Wahrheit und ohne den Gehorsam gegenüber Be-
> schlüssen, wird Beratung fruchtlos sein.
> 
> Somit haben wir den Bedarf an uneingeschränkter Suche nach Wahrheit im Verstehen der Vor-
> aussetzungen von Autorität begründet. Was können wir tun, wenn wir feststellen, daß wir diese 
> Voraussetzungen nicht akzeptieren können. Dies kann auf verschiedenen Ebenen geschehen und 
> ist ein Problem, dem ehrlich gegenübergetreten werden sollte und das es gilt, anzugehen.
> 
> -	Da könnte z.B. ein Gebot von Bahá’u’lláh selbst sein, welches wir nicht verstehen oder bei 
> dem es uns schwer fällt, zu gehorchen.
> -	Es könnte aber auch ein Prinzip des Glaubens oder eine Anweisung des Hüters oder des 
> Universalen Hauses der Gerechtigkeit sein, welches uns große Unannehmlichkeiten beschert o-
> der das uns bei Befolgung in Gefahr bringt.
> -	Oder es handelt sich um eine Entscheidung eines Geistigen Rates, von der wir überzeugt 
> sind, daß sie falsch ist.
> 
> Wie können wir in solchen Fällen reagieren. Sie alle führen uns zurück zum früheren Stadium des 
> Prozesses: Die Bestätigung der Quelle der Autorität. Wenn wir Schwierigkeiten mit dem Ver-
> ständnis oder dem Gehorsam gegenüber Gesetzen Bahá’u’lláh’s haben, sollten wir keine Hem-
> mungen haben, die Basis unseres Glaubens zu überprüfen. Wir haben Bahá’u’lláh als die Mani-
> festation Gottes aus Gründen anerkannt, von denen wir überzeugt sind, daß sie Gültigkeit hatten. 
> Was bedeutet nun diese eine Unstimmigkeit mit Seinen Schriften? Ist sie ernst genug, um die 
> Beweise, die mich zunächst zu Seiner Anerkennung führten, in Zweifel zu ziehen? Oder ist es ein 
> Hinweis auf meine eigene Unzulänglichkeit? Stellt man dann fest, der Glaube in Bahá’u’lláh ist 
> nicht erschüttert und lediglich ein bestimmtes Gesetz bereitet das Problem, dann sollte man auf 
> der Grundlage des Glaubens gehorchen. Eine weitere Qualität ist in diesen Prozeß mit einbezo-
> gen und dies ist die Loyalität. Wenn jemand eine Manifestation Gottes anerkennt, beginnt er, eine 
> Beziehung zu Ihr aufzubauen. Diese Beziehung läßt ein tieferes Verständnis wachsen. Dies wie-
> derum ist verbunden mit einer wachsenden Loyalität. Loyalität hat ihre Grundlagen in der Erfah-
> rung, dem Wissen und der Verpflichtung. Sie schützt einen davor, durch jede Anspielung gegen 
> Ihn, dem man die Loyalität ausgesprochen hat, aus dem Gleichgewicht geworfen zu werden. Ich 
> muß noch einmal betonen: Dies ist nicht blinder Glauben oder blinder Gehorsam: ’Abdu’l-Bahá 
> sagt in diesem Zusammenhang:
> 
> Unter Glauben versteht man zuerst bewußtes Wissen, dann das Tun guter Taten.
> (GL, S. 58)
> 
> Wir haben ein dauerhaft gegründetes Vertrauen in Bahá’u’lláh als eine Autoritätsquelle in allen 
> Dingen. Manchmal schreiten wir voran mit einem klaren Verständnis für das, was Er von uns er-
> wartet. Manchmal fühlen wir uns im Dunkeln zurückgelassen, weil unser Verständnis noch nicht 
> genügend gewachsen ist. Das Licht, das uns durch solch dunkle Flecken führt, ist unser Glauben 
> an Ihn; unser Wissen, daß Er, obwohl es uns im Moment anders erscheint, recht hat, und daß Er 
> es wirklich besser weiß als wir. Dieses Wissen läßt uns in vollstem Vertrauen entsprechend han-
> deln und ich betone dieses „vollste Vertrauen“. Es handelt sich nicht um abgeneigten Gehorsam 
> gegenüber einem Gesetz, mit dem wir nicht übereinstimmen. Es ist Gehorsam aus vollem Herzen, 
> wenn wir einem Gesetz folgen, das wir nicht verstehen können, von dem wir aber wissen, daß es 
> richtig ist. Wie Shoghi Effendi bereits schrieb:
> 
> Können wir anzweifeln, daß die Wege Gottes nicht notwendigerweise auch die Wege der 
> Menschheit sind? Ist nicht Glaube ein anderer Begriff für hintergründigen Gehorsam, vollherzige 
> Ergebenheit, kompromißlose Befolgung dessen, von dem wir glauben, daß es die Offenbarung 
> und der Ausdruck des Willens Gottes ist? Es mag jedoch verwirrend erscheinen, oder als Abwei-
> chung von der beschränkten Sichtweise, der machtlosen Lehren, der ungeschliffenen Theorien, 
> der eitlen Einbildungen, der modernen Vorstellungen dieses vergänglichen und geplagten Zeital-
> ters. Wenn wir wanken oder zögern, wenn unsere Liebe zu Ihm versagen sollte, uns zu führen 
> und uns auf Seinem Pfad zu halten, wenn wir die göttlichen und eindringlichen Prinzipien verlas-
> sen, was nährt dann noch unsere Hoffnungen auf die Heilung der Krankheiten und Übel dieser 
> Welt ?
> (BA p. 62, unautorisierte Übersetzung)
> 
> Die Autorität des Hüters und des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ist zurückzuführen auf die 
> Autorität Bahá’u’lláh’s selbst. Somit sind hier gleiche Prinzipien anzuwenden. Man sollte ihnen 
> gehorchen, weil man weiß, daß sie göttlich geführt sind. Ich kann mich an mehr als eine Situation 
> erinnern, in der ich mich unfähig erkannte, die Entscheidung des Universalen Hauses der Gerech-
> tigkeit zu verstehen oder in der ich nicht übereinstimmte. Sie wissen, das Universale Haus der 
> Gerechtigkeit fällt auch nicht immer einstimmige Entscheidungen. Manchmal fällt es auch Mehr-
> heitsentscheidungen. Solche Situationen sind auf keinen Fall erstaunlich. Das Haus der Gerech-
> tigkeit ist unfehlbar, aber die einzelnen Personen sind es nicht. Somit ist es logisch, daß manch-
> mal einzelne im ersten Moment mit einer gefällten Entscheidung nicht einverstanden sind. In allen 
> Fällen habe ich selbstverständlich die Entscheidungen akzeptiert. Und nach einer gewissen Zeit 
> habe ich immer erkannt, warum das Universale Haus der Gerechtigkeit recht hatte und ich nicht. 
> Das Interessante an der Sache ist, daß es nicht nur an Dingen lag, die ich nicht gleich erkannte -- 
> „In Ordnung, dies war es, was ich in der Beratung falsch verstand, nun weiß ich, wie es richtig ist -
> - sondern manchmal auch Informationen, die ich zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht wissen 
> konnte. Die Wege Gottes sind geheimnisvoll, sogar, wenn Sie durch Ihn verordnet wurden. Man 
> kann nicht erwarten, immer alles von Anfang an zu wissen.
> 
> Solche Erfahrungen lassen einen geistig wachsen und bereichern das eigene Verständnis bis zu 
> einem einzigartigen Grad. Intelligenter und wachsamer Gehorsam unterstützen somit das Wachs-
> tum der Seele.
> 
> Einer Entscheidung eines Geistigen Rates zu folgen, von der man meint, daß sie falsch ist, kann 
> viel schwieriger sein. Hier gehorcht man wegen des unumstößlichen Prinzips des Erhaltes der 
> Einheit im Glauben. Außerdem kann man, wenn man den Fall für wichtig genug erachtet, darum 
> bitten, die Entscheidung nochmals zu überdenken. Hierbei sollte man jedoch Weisheit walten las-
> sen. Jeder hat das Recht, gegen die Entscheidung Einspruch zu erheben. Man sollte jedoch nicht 
> nur seine eigenen Interessen in dem Fall vor Augen haben, sondern auch die Interessen des 
> Glaubens. Ist es richtig, die Zeit des Geistigen Rates zu beanspruchen, indem man beharrlich 
> diesen Punkt verfolgt? Insbesondere dann, wenn man sicher ist, daß dessen Entscheidung falsch 
> ist? Oder ist es besser, darüber hinweg zu sehen und dem Geistigen Rat zu erlauben, seiner ei-
> gentlichen Aufgabe nachzugehen, die das Lehren der Sache Gottes ist? Manchmal ist es richtig, 
> manchmal ist es falsch. Manchmal sollte man darauf bestehen, manchmal sollte man es laufen 
> lassen. Nochmals, es ist eine Sache der Beurteilung und guter Gründe. Somit gelangt man zu der 
> Bedeutung des Verstandes, wenn es darum geht, die Anordnungen einer autoritären Führung 
> auszuführen.
> 
> Die Rolle des Verstandes bei der Ausführung von Geboten
> 
> Es gibt an dieser Stelle zwei Quellen von Autorität, über die wir nachdenken sollten, da sie sich 
> voneinander unterscheiden. Die eine ist der Herausgeber von Befehlen, die andere sind Gesetze 
> und Regeln.
> 
> Der Unterschied zwischen beiden ist, daß ein bestimmter Befehl einer Autoritätsquelle häufig sehr 
> klar, ausdrücklich und auf einen bestimmten Fall bezogen ist. Ein Gesetz oder eine Regel ist ein 
> mehr allgemeines Gebot und seine Anwendung auf einen speziellen Fall erfordert die Berücksich-
> tigung weiterer Regeln.
> 
> Ein interessantes Beispiel, an dem der Unterschied dieser beiden Varianten deutlich wird, ent-
> stand während der 60er Jahre in Amerika. Es war in der Zeit, als große Spannungen zwischen 
> den Rassen herrschten. Die Bahá’í strengten sich sehr an, die Rassenvorurteile zu überwinden 
> und die Einheit so gut wie möglich sowohl innerhalb der Gemeinde als auch außerhalb herzustel-
> len. Die Frage, die auch dem Universalen Haus der Gerechtigkeit vorgelegt wurde, war: Was pas-
> siert, wenn man in einem südlichen Staat lebt, wo ein Gesetz eine bestimmte Form des Kontaktes 
> zwischen Menschen verschiedener Hautfarben verbietet? Insbesondere, wenn es dahin gekom-
> men ist, daß Nicht-Bahá’í dieses Gesetz diskutieren? Müssen die Bahá’í diesem Gesetz dann fol-
> gen, weil wir das Prinzip haben, der Regierung zu gehorchen, egal um welches Gesetz es sich 
> handelt? Das Haus der Gerechtigkeit sagte: „Nein“. Es erklärte, daß die Bahá’í die Gebote des 
> Glaubens so gut es geht befolgen sollten. Wenn aber eine Autoritätsperson ihnen gebieten sollte, 
> es nicht zu tun, dann sollten sie es nicht tun. Mit anderen Worten: Das Gesetz mag den Weißen 
> und Schwarzen den Kontakt miteinander verbieten, wogegen der Glaube sie offensichtlich dazu 
> aufruft. Dann sollten die Bahá’í solange die Freundschaft untereinander pflegen, solange kein Po-
> lizist käme und ihnen gebieten würde: „Setzt euch an verschiedene Plätze.“ Dann sollten sie sich 
> voneinander entfernen. Es gibt demnach einen Unterschied zwischen einem geschriebenen Ge-
> setz und einem Gesetz, das direkt eingefordert wird. Dieser Umstand kommt in vielen Beziehun-
> gen zwischen dem Bahá’í-Glauben und den Gesetzen zum Tragen. Dies war in ähnlicher Form 
> während des Nazi-Deutschland der Fall. Mir wurde erzählt, daß die Nazi-Behörden den Bahá’í 
> befahlen, die Treffen zwischen Juden und Nicht-Juden zu trennen. Die Lösung damals war, daß 
> keine Treffen mehr stattfanden. Wir können solche Probleme also auf verschiedene Art und Wei-
> se lösen.
> 
> Es kann aber auch vorkommen, daß das Befolgen von Gesetzen und Prinzipien des Glauben 
> Schwierigkeiten und Leiden verursachen können. Wie ich bereits gesagt habe, ist es meist der 
> Gehorsam durch Glauben und die Annahme einer unangenehmen Wahl, die uns geistig und mo-
> ralisch und in unserem Verständnis wachsen lassen. Diese Art von Gehorsam hat auch einen Ef-
> fekt auf die Gemeinschaft als Ganzes. Dadurch entsteht eine Gesellschaft, die vereint, liebevoll, 
> standhaft, rechtschaffen und beherzt ist. Und sie ist ebenso frei von unwissendem Fanatismus 
> und Blindgläubigkeit. Es ist ein schwierig zu haltendes Gleichgewicht: Standhaft zu sein, Prinzi-
> pien zu haben, aber nicht fanatisch und genauso wenig blindgläubig zu sein.
> 
> Eine der Wahrheiten, die wir akzeptieren müssen, ist, daß das Leben nicht einfach ist. Es ist nicht 
> dafür da, einfach zu sein. Wenn wir dies erkennen, annehmen und daran arbeiten, wachsen wir 
> und schreiten voran, trotz aller Prüfungen und Widrigkeiten. Dies ist eine sehr tiefgreifende Er-
> kenntnis. Ich glaube, es war Carl Jung, der Menschen in einer besonderen Form als psycholo-
> gisch krank erachtete, die versuchten, „gesetzmäßige Schmerzen“ zu vermeiden. Sie sehen: je-
> des Wachstum im Leben bedingt Schmerzen einer gewissen Stufe. Betrachten Sie das Stadium 
> des Heranwachsens, wenn wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen, plötzlich erwachsen zu 
> werden. Oder wenn wir heiraten, und zwei Menschen auf einmal miteinander leben müssen. Auch 
> das ist mit Schmerzen verbunden. Und Jung, denke ich, legte seinen Finger auf einen sehr wichti-
> gen Punkt: Zu versuchen, gesetzmäßige Schmerzen zu vermeiden, erzeugt einen psychologi-
> schen Zusammenbruch. Und dies gilt für die gesamte Gesellschaft. Es mag jedoch einem Men-
> schen einen unbarmherzigen Anschein verleihen, wenn er zu bestimmten Zeiten mit Gehorsam 
> und Annahme von Schmerz voranschreitet.
> 
> Wahrer Gehorsam darf nicht mit sklavischer Unterwürfigkeit verwechselt werden. Er erfordert 
> Courage und Durchhaltevermögen. Ein wesentliches Element des Gehorsam ist die Ausübung 
> von Gerechtigkeit bei der Ausführung der Anforderungen der Autorität, die man akzeptiert hat.
> 
> Es spielt keine Rolle, ob in einem bestimmten Fall eine Anweisung einer Amtsgewalt oder eine 
> gesetzliche Vorgabe die Quelle der Autorität ist. Selten kann sie alle Möglichkeiten und Eventuali-
> täten abdecken.
> 
> Ich habe einmal eine Geschichte gelesen, die von einem Mann handelt, der sich nicht von seinem 
> Anzug trennen konnte -- Männer hängen häufig an einem ihrer Anzüge und wollen wollen sich 
> nicht von ihnen trennen -- als er aber allzu abgetragen war, entschied er doch, ihn aufzugeben. Er 
> nahm ihn und ging zu einem Schneider. Diesen beauftragte er, eine exakte Kopie zu erstellen. Der 
> Schneider tat dies ordnungsgemäß. Er entschuldigte sich jedoch, er habe sein Bestes gegeben, 
> eine originalgetreue Kopie zu erstellen. Es sei ihm jedoch nicht gelungen, den Kaffeefleck auf der 
> Jackettvorderseite nachzuempfinden. Dies ist ein Beispiel mit einer Problemstellung, denen das 
> Büro für die Gebäuderestaurierung täglich gegenübersteht. In diesem Fall will man, wenn man 
> eine Heilige Stätte repariert, dies so genau wie möglich tun. Wenn man z. B. zwei nahe beieinan-
> der liegende Fenster hat, von denen eines ein wenig kleiner als das andere ist, dann möchte man 
> nicht, daß eine aufmerksame Person vorbei kommt und sagt: „Es wäre schön, wenn beide die 
> gleiche Größe hätten.“ Man möchte die neuen Fenster verschieden machen, genauso, wie die 
> alten waren. Wenn wir andererseits ein leckendes Abflußrohr ersetzen wollen, dann soll das neue 
> Rohr natürlich nicht wieder ein Leck haben. Hier ist also die Anwendung eines guten Urteilsver-
> mögens angebracht. Und es ist erstaunlich, wie oft im Leben man Leute findet, die dies nicht an-
> wenden und man kann geradezu verrückt werden, wenn man, wie man denkt, eine klare Anwei-
> sung gegeben hat und die Person kommt mit etwas völlig Durcheinandergeratenem zurück und 
> sagt: „Aber Sie haben mir doch den Auftrag gegeben!“ Und man weiß, daß man die Anweisung 
> erteilt hat. Aber man hat erwartet, daß die Person ihren Verstand anwenden würde und dadurch 
> den Sinn, der hinter den tatsächlich gesprochenen Worten steckte, erfaßt hätte.
> 
> Dies sind sehr deutliche Beispiele. Die gleichen Anforderungen werden jedoch auch fortwährend 
> bei der Anwendung der Gesetze des Glaubens gestellt. Wann soll man auf ihrer Einhaltung be-
> stehen, wann großzügig sein, welche Ausnahmen sind zu rechtfertigen, welche nicht? Wie nach-
> sichtig darf man sein, ohne ein Prinzip zu opfern? Wie kann man rechtschaffen sein, ohne fana-
> tisch zu wirken? Generell gesagt: Es ist eine gute Leitlinie, mit sich selbst sehr streng zu sein und 
> mit anderen nachsichtig. Im zweiten Taráz schreibt Bahá’u’lláh:
> 
> Dieser Unterdrückte ermahnt die Völker der Welt, Duldsamkeit und Rechtschaffenheit zu üben; 
> dies sind zwei Lichter im Dunkel der Welt, zwei Erzieher für die Bildung der Menschheit. Glücklich 
> sind, die dazu gelangen, und wehe den Achtlosen.
> (BA, S. 52)
> 
> Die Gleichstellung von Toleranz und Rechtschaffenheit macht diesen Text, wie ich meine, zu ei-
> nem sehr interessanten Abschnitt.
> 
> Hier wird man auch wieder zurückverwiesen auf das Prinzip der abschließenden Verantwortlichkeit 
> jedes Einzelnen. Wir müssen akzeptieren, daß uns Gott den Verstand zu seiner Benutzung gege-
> ben hat. Er hat uns einen freien Willen gegeben und er hat uns ermahnt, Weisheit und gutes Ur-
> teilsvermögen anzuwenden.
> 
> Ich bezeichne es als einen Schmerz, denn wir müssen vorsichtig sein, diese Freiheit als eine Er-
> laubnis zu Ungehorsam zu betrachten. In einem der Briefe, die im Auftrag des Hüters geschrieben 
> wurden, hat der Sekretär die nüchterne Warnung ausgesprochen: „Wir sollten auf die Gnade Got-
> tes hoffen, aber wir dürfen nicht auf ihr bestehen.“
> (LG. #1223, unautorisierte Übersetzung)
> 
> Aber es gibt gültige Fälle, in denen weises Urteilsvermögen einem Menschen sagt: „In diesem Fall 
> würde ich sicher freigesprochen, etwas zu tun, was normalerweise nicht angenommen werden 
> könnte.“ Einige Gläubige, die sich davor fürchten, die Verantwortung hierfür zu übernehmen, bit-
> ten des Universale Haus der Gerechtigkeit um eine Ausnahmegenehmigung. Dies kann es häufig 
> nicht gewähren, wie sie sicher verstehen. Denn es hätte meist viel weitreichendere Folgen, die 
> sich nicht nur auf diesen einen Fall beschränkten. Ich erinnere mich an mehr als eine Begeben-
> heit, wo das Haus der Gerechtigkeit solche Fragen beantworten mußte und die Antwort wie folgt 
> lautete: „Es ist schade, daß er nicht selbst gehandelt hat, anstatt zu fragen“. Ich erinnere mich an 
> einen ähnlichen Kommentar, der von einem Pilger niedergeschrieben wurde, der dem Hüter eine 
> Frage stellte. Bevor er antwortete, fragte der Hüter ihn: „Sind Sie sicher, daß Sie diese Frage be-
> antwortet haben möchten?“
> 
> Es gibt eben Situationen, wo man einfach selbst entscheiden muß. Ich erinnere mich solch einer 
> Situation eines jungen Mannes, der Student der vergleichenden Religionswissenschaften war. Er 
> stellte Untersuchungen für den Abschluß seiner Doktorarbeit an. Und er meinte, daß es wichtig 
> wäre, dazu einige Schriften über die Bündnisbrecher zu lesen. Also schrieb er an das Universale 
> Haus der Gerechtigkeit und bat: „Können Sie mir bitte die Erlaubnis geben, diese Schriften über 
> die Bündnisbrecher zu lesen?“ Das Haus der Gerechtigkeit schrieb zurück und sagte: „Es ist Ihnen 
> doch nicht verboten, Schriften über die Bündnisbrecher zu lesen; es wird davor gewarnt, daß es 
> sehr gefährlich ist, aber es ist nicht verboten, also können wir Ihnen die Erlaubnis gar nicht ge-
> ben.“ Er schrieb zurück: „Ja, ich weiß dies alles, aber bitte geben Sie mir die Erlaubnis.“ Also 
> schrieb das Haus der Gerechtigkeit wiederholt, indem es seine frühere Anwort wiederholte. Er 
> wollte nicht hinnehmen, daß die Verantwortung bei ihm selbst lag. Es war eine Gefahr für seine 
> Seele, wie hätte also das Haus der Gerechtigkeit ihm sagen können: „Es ist Ihnen erlaubt, sich 
> der Gefahr auszusetzen“? Es gab kein Verbot, er mußte für sich selbst beurteilen: „Ist es notwen-
> dig, dies zu tun, oder ist es das nicht? Kann ich mich in die Gefahr begeben oder kann ich es 
> nicht?“ Es gibt viele Bereiche unseres täglichen Lebens, wo wir diese Verantwortungen selbst ü-
> bernehmen müssen.
> 
> Die Übung des eigenen Verstandes und die Anwendung des eigenen Urteilsvermögens beim Be-
> folgen eines Gesetzes und von Anweisungen sind aber auch Wege der Göttlichen Führung. Ich 
> war zutiefst beeindruckt von einer Sache, auf die die Hand der Sache Gottes Paul Haney einmal 
> Bezug nahm. Er sagte, er habe manchmal, wenn das Universale Haus der Gerechtigkeit ihn bat, 
> eine Aufgabe auszuführen, zunächst weder die Weisheit erkannt, die darin lag, noch habe er ge-
> wußt, wie er diese Aufgabe bewerkstelligen solle. Trotzdem begann er im Vertrauen auf die Göttli-
> che Führung, die dem Haus der Gerechtigkeit zuteil wird. Und er erkannte, daß sich mit jedem 
> Schritt, den er vorwärtsging, eine Tür öffnete und die weiteren Schritte klarer wurden. Am Ende 
> wußte er, daß er befähigt wurde, das zu erreichen, worum er gebeten worden war. Und er erkann-
> te auch den Grund für diese Aufgabe. Dies ist ein ideales Beispiel für Gehorsam, Glauben, Weis-
> heit und Urteilsvermögen.
> 
> Der Prozeß, die Verantwortung für sich anzunehmen, die eigene Unzulänglichkeit zu erkennen, 
> eine Quelle der Autorität zu suchen und anzuerkennen und dabei die Manifestation Gottes zu fin-
> den, Seine Lehren zu verstehen und die eigene Intelligenz zu nutzen, diese Lehren anzuwenden, 
> sind wesentlich für die Entwicklung der individuellen Seele und befähigen sie, ihr Ziel zu erreichen, 
> das da lautet, in Harmonie mit der Absicht Gottes zu gelangen und in absolutem Gehorsam ge-
> genüber Seinen Plänen zu leben.
> 
> Um einiges wichtiger ist Gehorsam in diesem Zusammenhang für das Wohlergehen und die Ent-
> wicklung der gesamten Menschheit. In allen Teilen der Welt flehen die Menschen um Freiheit. Und 
> dieses Streben nach Freiheit und den materiellen Gütern dieser Welt führt zu Konflikten und Krie-
> gen, die die Zerstörer von Freiheit und Wohlergehen sind. Nur die Führung Gottes und Ba-
> há’u’lláh’s System des vereinten und willentlichen Gehorsams der einzelnen Seele gegenüber 
> Seiner Führung, führen die Menschen wie eine Brücke über die abgrundtiefe Zersplitterung und 
> das Chaos hinüber zu der Seligkeit des Königreiches Gottes auf Erden. Und dann werden alle 
> Menschen die Wahrheit in den Worten Bahá’u’lláh’s erkennen:
> 
> Die Freiheit, die euch nützt, ist nirgendwo zu finden außer in vollkommener Dienstbarkeit vor Gott, 
> der Ewigen Wahrheit. Wer ihre Süße kostet, wird es verschmähen, sie gegen alle Herrschaft der 
> Erde und des Himmels zu tauschen.
> (I&S, S.43)
> Gehorsam	26 Juli 1991
> Programm Geistige Bereicherung
> 
> Literaturverzeichnis
> 
> AB	Der Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften
> ÄL	Bahá’u’lláh, Ährenlese
> BA	Bahá’í Administration: selected Messages 1922 - 1932 (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1980)
> BOT	Bahá’u’lláh, Botschaften aus Akka
> GL	Göttliche Lebenskunst
> I&S	Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote es Kitáb-i-Aqdas, Haifa, 
> Job	Das Buch Hiob, 
> LG	Hornby, Helen, comp. Lights of Guiance: A Bahá’í Reference File, rev. ed. (New Dehli: Bahá’í Publis-
> hing Trust, 1988)
> VW	Verborgene Worte (Arabisch)
> 
>                         Vertiefung:        Ansprache von Ian Samle über Gehorsam im Weltzentrum am 26. Juli 1991                                     
> 
> Hamburg, den 12.06.2003            Datei: D:\Winword2\BASTU\Gehorsam-Ian.doc	Seite: 2 von 15
>
> — *INHALTSVERZEICHNIS*

