# Riḍván-Botschaft 1990

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> Riḍván-Botschaft 1990 á Das Universale Haus der Gerechtigkeit á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.01-Online (1990)
> 
> Das Universale Haus der Gerechtigkeit
> 
> Bahá'í-Weltzentrum
> 
> Ridván 1990
> 
> An die Bahá'í der Welt
> 
> Innig geliebte Freunde,
> 
> nachdem wir ein Jahr großer Leistungen vollendet haben, stehen wir an der Schwelle des letzten Jahrzehnts dieses
> strahlenden zwanzigsten Jahrhunderts und sehen uns einer unmittelbaren Zukunft von unerhörten Herausforderungen
> und blendenden Möglichkeiten gegenüber. Die Geschwindigkeit der Ereignisse während des letzten Jahres ist ein
> Hinweis auf die Beschleunigung, während sich der hundertste Jahrestag des Aufstieges Bahá’u’lláhs nähert, der
> geistigen Kräfte, die durch die Ankunft Seiner umwälzenden Mission befreit wurden. Es ist eine Beschleunigung, die in
> ihrer Plötzlichkeit und ihrem umfassenden umgestaltenden Eindruck auf das soziale Gedankengut und auf politische
> Einheiten Hochgefühle erweckt hat im Hinblick auf die unmittelbaren Auswirkungen sowie Gefühle der Verwirrung
> über ihre wahre Bedeutung und den vorherbestimmten Ausgang, welche die erstaunten Herausgeber einer führenden
> Zeitung, die keine Erklärung dafür finden konnten, veranlaßten, sie dem Wirken einer "Unsichtbaren Hand"
> zuzuschreiben.
> 
> Für die Anhänger Bahá’u’lláhs in der ganzen Welt kann kein Zweifel über den Göttlichen Ursprung noch über die
> klaren Zielsetzungen dieser außerordentlichen Ereignisse bestehen. Wir wollen uns deshalb über die wunderbaren
> Zeichen der Wohltätigkeit von Gottes überfließender Gnade freuen. Das am letzten Ridván berichtete hohe Maß von
> Lehrarbeit und Aufnahmen in den Glauben wurde beibehalten, und neue Gebiete des Lehrens wurden von Osteuropa
> bis an das Chinesische Meer erschlossen. Mit der Niederlassung von zwei Rittern Bahá’u’lláhs auf der Insel Sachalin
> in den letzten Wochen, ist das letzte Gebiet, das von Shoghi Effendi in seinem Zehnjahresweltplan erwähnt wurde, in
> das Bahá'í-Gemeinwesen eingetreten. Die Wiederbildung des örtlichen Geistigen Rates von 'Ishqábád, die kürzliche
> Wahl des Rates von Cluj in Rumänien, der erste neue Rat im "Ostblock", die Wiedererrichtung und Bildung von
> örtlichen Geistigen Räten in anderen Teilen der Sowjetunion und in anderen Ländern Osteuropas zu diesem Ridván
> -all diese Leistungen und unmittelbaren Aussichten bestätigen unsere Ankunft an einem bedeutungsvollen
> Meilenstein in der vierten Epoche des Gestaltenden Zeitalters. Die Verwaltungsordnung umfaßt nun eine Gemeinde
> von größerer Verschiedenheit als je zuvor. Es sind solche ungeheuren Ereignisse, die unsere kürzliche Ankündigung
> eines zusätzlichen Zweijahres-Lehrplanes veranlaßten, der nun offiziell begonnen hat und den wir ihrer ungeteilten
> und aktiven Aufmerksamkeit empfehlen.
> 
> Wie verblüffend, wie weitreichend waren die Tätigkeiten, welche die Gemeinde in der Kürze eines Jahres bis zu
> diesem Stand in ihrer Entwicklung vorangetrieben haben! Wenn wir über die Wunder von Bahá’u’lláhs Bestätigungen
> nachdenken, wenden sich unsere Herzen in Liebe und Hochachtung überall den Händen der Sache Gottes zu, die als
> Bannerträger jener Gemeinde stets ihr helles Wahrzeichen der Dunkelheit der Zeiten entgegenhielten. Mit einem
> unbezähmbaren Geist beharren sie in der Erfüllung, unter allen Umständen und wo immer sie sein mögen, ihrer Gott
> gegebenen Aufgaben, ihre weit verstreuten, rasch sich vermehrenden Mitglieder anzuregen, zu erleuchten und zu
> beraten. Angesichts der neuen Lage in der Bahá'í-Welt machen wir uns die Freude, einige der Gelegenheiten der
> Verbindung von Händen der Sache mit den Entwicklungen in Europa und Asien im letzten Jahr zu erwähnen.
> ‘Amatu’l-Bahá Rúhíyyih Khánum vertrat während einer ausgedehnten Reise in den Fernen Osten das Universale
> Haus der Gerechtigkeit bei der Bildung des Nationalen Geistigen Rats von Macau, verbrachte einige Zeit bei dem
> Ritter Bahá’u’lláhs in der Mongolei, wo anschließend die erste einheimische Bewohnerin ihren Glauben an Bahá’u’lláh
> erklärte, und widmete den Freunden in verschiedenen Teilen der Volksrepublik China viel Aufmerksamkeit, wo ihr
> Film "Die Grünlicht-Expedition11 (11Greenlight Expedition") im Fernsehen gezeigt wurde. Herr Collis Featherstone
> wandte große Energie auf, die lang leidenden Freunde im kriegsverwüsteten Vietnam zu stärken. In diesem
> Augenblick besucht Herr 'Alí-Akbar Furútan die UdSSR, die er während der Verfolgung des Glaubens dort verlassen
> mußte; nun ist er in der siegreichen Erfüllung eines Wunsches dorthin zurückgekehrt, den unser geliebter Hüter vor
> rund sechzig Jahren ihm gegenüber zum Ausdruck brachte.
> 
> Noch sind die Berateramtsmitglieder des Internationalen Lehrzentrums langsam gewesen, auf die Möglichkeiten zu
> reagieren, das nun in allen Gebieten der Welt offenbar gewordene Klima des Fortschritts zu pflegen. Durch eine
> einheitliche Schau des Wachstums, zu der sie die Kontinentalen Beraterämter aufgerufen haben und mit ihnen ihre
> fähigen, hart arbeitenden und aufopferungsvollen Hilfsämter, kann ein neues Leben in der Ausbreitung und Festigung
> des Glaubens in der ganzen Welt gespürt werden. Die Kontinentalen Berater verdienen die tiefe Dankbarkeit der
> gesamten Bahá'í-Gemeinde, nachdem sie sich dem Ende ihrer laufenden fünfjährigen Amtszeit nähern, die durch ihre
> hervorragenden Dienste ausgezeichnet ist.
> 
> Genau wie die Gemeinde ihre innere Verflechtung ausgebreitet hat, hat sie auch ihre äußeren Beziehungen, ihren
> Einfluß und ihre Anziehungskraft auf verschiedene Weise ausgedehnt, von denen manche in ihrer Breite und in ihren
> Möglichkeiten Erstaunen hervorrufen. Einige Beispiele mögen genügen: durch das neu geschaffene Umweltbüro hat
> die Internationale Bahá'í-Gemeinde aus eigener Initiative und in Zusammenarbeit mit anderen Umweltorganisationen
> das jährliche Welttreffen der Forstcharta wieder eingeführt, das 1945 von dem bekannten Richard St. Barbe Baker
> gegründet wurde; seitdem wurde das Umweltbüro eingeladen, an wichtigen Veranstaltungen teilzunehmen, die von
> internationalen mit Umweltfragen befaßten Organisationen unterstützt werden. Die Internationale Bahá'í-Gemeinde ist
> an der Arbeit des Sonderausschusses zur Beseitigung des Analphabetentums unter der Schirmherrschaft der
> UNESCO beteiligt und ihr Vertreter wurde gebeten, an der in Thailand stattgefundenen Weltkonferenz eine Anzahl
> von sehr ins Auge fallenden und wichtigen Aufgaben zu übernehmen, die der Bahá'í-Gemeinde Bedeutung verliehen.
> Mit der Ermutigung eines erfahrenen Regierungsbeamten von Fiji wurden Schritte unternommen, in Suva ein
> Zweigbüro des Büros der Internationalen Bahá'í-Gemeinde für die Vereinten Nationen im pazifischen Raum zu
> schaffen. Die Universität von Maryland in den Vereinigten Staaten verkündete ihren Beschluß, einen "Bahá'í-Lehrstuhl
> für den Weltfrieden" an ihrem Zentrum für Internationale Entwicklung und Konfliktbewältigung zu errichten, was
> Veranlassung geben wird für ein großes Anwachsen der akademischen Bemühungen, die Sache Bahá’u’lláhs zu
> prüfen. Beinahe zur gleichen Zeit gab der Nationale Geistige Rat von Indien bekannt, daß eine Übereinkunft erzielt
> wurde, einen Lehrstuhl für Bahá'í-Studien an der Universität von Indore zu schaffen.
> 
> Die fortdauernden Bemühungen, die Befreiung der Bahá'í in Iran zu erreichen, haben ein neues Stadium erreicht.
> Zum ersten Mal war es einem Vertreter der Vereinten Nationen möglich, offiziell auf iranischem Boden mit einem
> Vertreter der geächteten Bahá'í-Gemeinde zusammenzutreffen. Das Ergebnis wurde in einem Bericht an die
> Kommission für Menschenrechte der Vereinten Nationen festgehalten, bei deren kürzlicher Sitzung in Genf wieder ein
> Beschluß über Iran, der die Bahá'í erwähnt, angenommen wurde. In einer gleichlaufenden Aktion von weitreichender
> Bedeutung hat das Abgeordnetenhaus der Vereinigten Staaten einstimmig einen Beschluß angenommen, der zur
> Befreiung der iranischen Bahá'í-Gemeinde aufruft und Schritte darlegt, die zur Erreichung dieses Zieles von der
> Regierung der Vereinigten Staaten unternommen werden müssen; ein ähnlicher Beschluß liegt dem Senat vor.
> 
> Im Heiligen Land erhielten die Vorbereitungen für die Ausführung der Bauprojekte auf dem Berge Karmel einen
> deutlichen Auftrieb. Anlaß für eine tiefe Befriedigung ist, daß am Vorabend von Naw-Rúz die
> Stadtbezirks-Planungskommission nach schwierigen und vielseitigen Verhandlungen entschied, den vom Bahá'í-
> Weltzentrum unterbreiteten Plan zu genehmigen. Damit ist der Weg freigemacht für die endgültige Erteilung der
> Baugenehmigungen.
> 
> Geliebte Freunde: nur zwei Jahre trennen uns vom Abschluß des Sechsjahresplanes und vom Beginn des Heiligen
> Jahres an Ridván 1992, jener besonderen Zeit, wenn wir innehalten werden, um die ungestüme Aufzeichnung der
> Ereignisse zu würdigen, die uns zur Jahrhundertfeier des Aufstieges Bahá’u’lláhs gebracht haben, und um mit
> entsprechender Feierlichkeit über den erlösenden Lebenszweck des kostbarsten Wesens nachzudenken, das je auf
> diesem Planeten geatmet hat.
> 
> In Erwartung dieses Höhepunktes in der Bahá'í-Geschichte wurden Pläne für zwei große Weltereignisse in Angriff
> genommen: einer betrifft die Zusammenkunft einer möglichst breiten Vertretung von Gläubigen im Heiligen Land vom
> ganzen Erdball kommend, um an einer würdigen Gedenkfeier dieser schmerzvollen Vollendung in der Nachbarschaft
> des Heiligsten Schreines teilzunehmen. Ein Bestandteil dieser Gedenkfeier, symbolisch für den jenseitigen und
> siegreichen Einfluß von Bahá’u’lláhs befreitem Geist, wird die Unterbringung eines Behältnisses unter dem Boden
> beim Eingangstor zu Seinem Schrein sein, das die ausgeschmückte Ehrenrolle der Ritter Bahá’u’lláhs enthält, eine
> Aufzeichnung, die von Shoghi Effendi während seines Zehnjahresplanes begonnen wurde, jene beherzten Seelen
> betreffend, die sich erhoben, um im Namen ihres Herrn in jenem Plan erwähnte jungfräuliche Gebiete zu erobern.
> Damit wird eine von Shoghi Effendi selbst ausgedrückte Absicht nach beinahe vier Jahrzehnten zu einem würdigen
> Abschluß gebracht werden. Die noch lebenden Ritter Bahä'ulllähs werden eingeladen werden, um diesem Vorgang
> beizuwohnen.
> 
> Das andere Ereignis wird der Bahá'í-Weltkongreß sein, um die Einsetzung des Bündnisses vor einem Jahrhundert zu
> feiern, das von Bahá’u’lláh der Nachwelt hinterlassen wurde als unverrückbares Mittel, die Einheit und Unversehrtheit
> Seiner weltumfassenden Ordnung sicherzustellen. Er wird im November 1992 in New York einberufen werden, der
> Ort, der vom Ihm als Stadt des Bündnisses bezeichnet wurde, der Sein ernannter Mittelpunkt ist und der voraussah,
> daß "New York eine gesegnete Stätte werden wird, von welcher der Ruf nach Standhaftigkeit im Bündnis und im
> Testament Gottes nach allen Teilen der Welt ausgehen wird."
> 
> Entsprechende Veranstaltungen auf örtlicher und nationaler Ebene werden mit diesen zwei Hauptereignissen in
> Verbindung stehen, um den innersten Gefühlen der Bahá'í Ausdruck zu verleihen und um der Öffentlichkeit von der
> inhaltsschweren Tatsache der Erscheinung des Herrn des Bündnisses in der Welt sowie von den Zielen und Werken
> Seiner erhabenen Mission einen Eindruck zu vermitteln. Tatsächlich sind bereits Pläne in Bearbeitung für die
> Durchführung eines intensiven Feldzuges, um den ganzen Erdball mit Seinem Namen zu schmücken.
> 
> Die Freunde müssen sich nun überall auf die Bedeutung dieser zwei Jahrestage einstimmen. Sie müssen durch
> Gebet und Studium der Schriften geistig vorbereitet sein, um eine tiefere Würdigung der Stufe und Absichten
> Bahá’u’lláhs sowie der grundlegenden Bedeutung Seines mächtigen Bündnisses zu gewinnen. Solch eine
> Vorbereitung steht im innersten Kern ihrer Bemühungen, eine Wandlung in ihrem eigenen und gemeinschaftlichen
> Leben herbeizuführen. Laßt alle Freunde, - jeden Mann, jede Frau und jeden Jugendlichen, - durch die hohe Qualität
> ihres Innenlebens und ihres persönlichen Charakters den geeinten Geist ihrer Verbindung miteinander, die
> Rechtschaffenheit ihres Verhaltens gegenüber allen und die Vortrefflichkeit ihrer Taten beweisen, daß sie zu einer
> wirklich erleuchteten und beispielhaften Gemeinde gehören; daß ihr über alles Geliebter, dessen Aufstieg sie
> gedenken, Sein Leben auf Erden nicht umsonst erlitten hat. Laßt diese Ausrüstung das Maß für ihre Bemühungen
> sein, Seine Sache zu lehren, das Merkmal ihrer Huldigung an den König der Könige.
> 
> Unsere lieben und geschätzten Mitarbeiter: es ist eine solche Zeit der tiefsten Vorausahnung für uns, daß die
> Weltgesellschaft sich in einem kritischen Abschnitt ihres Übergangs zu dem Charakter befindet, den der Herr des
> Zeitalters für sie vorgesehen hat. Die Winde Gottes stürmen weiter und blasen alte Systeme um, womit sie der tiefen
> Sehnsucht nach einer Neuordnung der menschlichen Angelegenheiten Dringlichkeit verleihen und den Weg auftun für
> das Hissen des Banners Bahá’u’lláhs in Ländern, aus denen es bis jetzt verbannt war. Die Geschwindigkeit der
> Änderungen erweckt Erwartungen, die unsere Träume im letzten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts anregen.
> Die Situation ist gleichzeitig ein strahlendes Vorzeichen und eine gewichtige Herausforderung.
> 
> Die grundlegende Wandlung im Aufbau der heutigen Gesellschaft ist bedeutungsvoll, da sie die Erreichung des
> Geringeren Friedens beinhaltet. Wie hoffnungsvoll die Zeichen auch sein mögen, können wir doch nicht vergessen,
> daß die dunkle Wegstrecke dieses Zeitalters des Überganges noch nicht völlig durchquert wurde, sie ist noch immer
> lang, schlüpfrig und mühevoll. Denn Gottlosigkeit ist weitverbreitet, und der Materialismus greift um sich.
> Nationalismus und Rassismus treiben ihren Verrat im menschlichen Herzen, und die Menschheit ist blind für die
> geistigen Grundlagen der Lösung ihrer wirtschaftlichen Nöte. Für die Bahá'í-Gemeinde ist die Situation eine
> besondere Herausforderung, denn die Zeit läuft ab, und wir haben schwerwiegende Verpflichtungen einzuhalten.
> Davon sind die nächstliegenden: erstens, die Sache Gottes zu lehren und ihre göttlich verordneten Institutionen
> überall in der Welt mit Weisheit, Mut und Dringlichkeit aufzubauen, und zweitens, auf dem Berge Karmel den Bau der
> Terrassen beim Schrein des Báb und der übrigen Gebäude am Bogen des administrativen Weltzentrums des
> Glaubens fertigzustellen. Die erste verlangt entschlossenes, von allen getragenes und zuversichtliches Handeln von
> seiten der einzelnen Gläubigen. Die zweite bedarf der großzügigen Spende von Geldern. Beide sind innig miteinander
> verflochten.
> 
> Während der letzten zwei Jahre sind beinahe eine Million Seelen dem Glauben beigetreten. Die sich mehrenden
> Gelegenheiten des Gruppenbeitritts an verschiedenen orten haben zu diesem Wachstum beigetragen, und haben
> damit die Aufmerksamkeit auf Shoghi Effendis Vision gezogen, die unsere Vorstellungen von glorreichen zukünftigen
> Möglichkeiten auf dem Lehrgebiet formt. Denn er hat uns versichert, daß der Vorgang des 11Gruppenbeitrittes von
> Menschen verschiedener Nationalität und Rasse zur Bahá'í-Welt ... das Vorspiel sein würde für jene lang erwartete
> Stunde, wenn eine Massenbekehrung von seiten jener Nationen und Rassen und als unmittelbares Ergebnis einer
> Kette von Ereignissen, bedeutungsvoll und möglicherweise katastrophal ihrer Natur nach, von denen wir bis jetzt noch
> nicht einmal eine vage Vorstellung haben können, die Geschicke des Glaubens plötzlich umwälzen, das
> Gleichgewicht der Welt stören und die zahlenmäßige Stärke sowie die materielle Kraft und geistige Autorität des
> Glaubens Bahá’u’lláhs tausendfach anwachsen läßt." Wir sind voller Ermutigung zu glauben, daß Aufnahmen in
> großem Umfang zunehmen werden, die ein Dorf nach dem anderen, eine Stadt nach der anderen von einem Land
> zum anderen betreffen. Doch es steht uns nicht zu, untätig die endliche Erfüllung von Shoghi Effendis Vision
> abzuwarten. Wir wenigen müssen, indem wir unsere ganze Hoffnung in die Vorsehung Gottes legen und die
> Herausforderungen, denen wir uns gegenübergestellt sehen, als göttliches Vorrecht betrachten, zum Sieg
> voranschreiten mit den Plänen in unserer Hand.
> 
> Eine Erweiterung der Gedanken und Tätigkeiten in verschiedenen Aspekten unserer Arbeit würde unsere
> Erfolgsaussichten vergrößern, unsere früher erwähnten Verpflichtungen zu erfüllen. Da Veränderung, eine immer
> schnellere Veränderung ein gleichbleibender Wesenzug des gegenwärtigen Lebens ist, und da unser Wachstum,
> unsere Größe und unsere äußeren Beziehungen uns viel abverlangen, muß unsere Gemeinde bereit sein sich
> anzupassen. In gewissem Sinne bedeutet dies, daß sie geschickter werden muß, ein weites Gebiet von Tätigkeiten zu
> betreuen, ohne daß sie dabei die Konzentration auf die Hauptziele der Lehrarbeit, nämlich Verbreitung und Festigung,
> verliert. Eine Einheit in der Mannigfaltigkeit der Tätigkeiten wird benötigt, ein Zustand, bei dem sich verschiedene
> Menschen auf verschiedene Aufgaben konzentrieren und die heilsame Auswirkung im ganzen auf das Wachstum und
> die Entwicklung des Glaubens zu würdigen wissen, denn eine Person kann nicht alles tun und alle Personen können
> nicht das gleiche tun. Dies Verständnis ist wichtig für die Reife, welche die Gemeinde aufgrund der vielfältigen
> Anforderungen, die an sie gestellt werden gezwungen ist zu erreichen.
> 
> Die von Bahá’u’lláh gebrachte Ordnung ist dazu bestimmt, den Fortschritt der Gesellschaft anzuleiten und ihre
> Probleme zu lösen. Unsere Zahl ist noch zu klein, als daß sie ein angemessenes Bild der Möglichkeiten bieten
> könnte, welche dem administrativen System innewohnen, das wir aufbauen, und die Wirksamkeit dieses Systems wird
> nicht ohne eine große Ausdehnung unserer Mitgliedschaft geschätzt werden können. Bei der jetzt vorherrschenden
> Lage in der Welt wird die Notwendigkeit einer solchen Demonstration immer dringender. Es ist nur zu offensichtlich,
> daß selbst diejenigen, die gegen die Mängel der alten Ordnung aufbegehren und sie am liebsten niederreißen
> würden, selbst irgendeiner gültigen Alternative beraubt sind, die sie an ihre Stelle setzen könnten. Da die
> administrative Ordnung dazu bestimmt ist, ein Modell für die zukünftige Gesellschaft zu sein, wird das Sichtbarwerden
> eines solchen Modells ein Hoffnungszeichen für diejenigen sein, die am Verzweifeln sind.
> 
> So weit ist es uns gelungen, eine beachtliche Mannigfaltigkeit in der großen Anzahl von ethnischen Gruppen, die im
> Glauben vertreten sind, zu erzielen, und es sollte alles getan werden, um dies durch vermehrte Beitritte aus bereits
> vertretenen Gruppen zu stärken und durch die Anziehung von Mitgliedern solcher Gruppen, die bis jetzt noch nicht
> erreicht werden konnten. Es gibt jedoch noch eine andere Kategorie der Mannigfaltigkeit, die wir aufbauen müssen,
> und ohne die der Glaube nicht imstande sein wird, den Verpflichtungen angemessen zu entsprechen, die ihm
> auferlegt wurden. Seine Mitgliedschaft muß nun, unbeachtet der ethnischen Verschiedenartigkeit, eine wachsende
> Zahl von Menschen mit Befähigung umfassen, einschließlich solcher Personen, die Leistung und Bedeutung auf den
> verschiedenen Gebieten menschlichen Bemühens vorweisen können. Eine beachtliche Anzahl solcher Personen
> aufzunehmen ist ein unerläßlicher Aspekt der Lehrarbeit in der Breite, ein Aspekt, der nicht länger mehr
> vernachlässigt werden darf und der bewußt und wohlüberlegt in unsere Lehrarbeit einbezogen werden muß, um ihre
> Grundlage zu verbreitern und den Vorgang des Gruppenbeitrittes zu beschleunigen. So wichtig und an der Zeit ist die
> Notwendigkeit des Tätigwerdens in dieser Angelegenheit, daß wir uns veranlaßt sehen, die Kontinentalen Berater und
> Nationalen Geistigen Räte aufzurufen, ihr bei ihren Beratungen und Plänen ernsthafte Aufmerksamkeit zu schenken.
> 
> Die Angelegenheiten der Menschheit haben ein Stadium erreicht, in dem immer mehr Anfragen an unsere Gemeinde
> gerichtet werden um Hilfe durch Rat und praktische Maßnahmen, um kritische soziale Probleme zu lösen. Dies ist ein
> Dienst, den wir gerne leisten, aber es bedeutet, daß unsere örtlichen und Nationalen Geistigen Räte sich
> gewissenhafter an die Grundregeln halten müssen. Mit der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit, die sich auf die
> Sache Gottes richtet, wird es für Bahá'í-Institutionen eine zwingende Notwendigkeit, ihr Verhalten und Vorgehen zu
> verbessern durch eine engere Anbindung an die grundlegenden Wahrheiten des Glaubens, durch größere
> Übereinstimmung mit dem Geist und der Form der Bahá'í-Administration und durch ein geschärftes Vertrauen in die
> wohltuende Wirkung richtiger Beratung, damit die von ihnen geführten Gemeinden ein Lebensmodell widerspiegeln,
> das den enttäuschten Mitgliedern der Gesellschaft Hoffnung bietet.
> 
> Daß es Andeutungen gibt, daß der Geringere Friede nicht allzu weit entfernt sein kann, daß die örtlichen und
> nationalen Institutionen der administrativen Ordnung ständig an Erfahrung und Einfluß gewinnen und daß sich die
> Pläne für die Errichtung der noch verbleibenden administrativen Gebäude am Bogen in einem fortgeschrittenen
> Zustand befinden, - daß diese hoffnungsvollen Bedingungen die Gestaltung jener dynamischen, von Shoghi Effendi
> vorausgeschauten gleichzeitigen Abläufe sichtbar werden lassen, kann kein ehrlicher Beobachter in Abrede stellen.
> 
> Als eine Gemeinde, die eindeutig bei der Vorhut der sich auf diesem Planeten am Werk befindlichen aufbauenden
> Kräfte steht, und als eine, die Zugang zu erwiesenem Wissen hat, soll man uns bei unseres Vaters Arbeit finden. Er
> wird auf Seinem glorreichen Zufluchtsort in der Höhe großzügige Ausgießungen Seiner Gnade auf unsere
> bescheidenen Bemühungen herabsenden und uns mit den unermeßlichen Siegen Seiner erobernden Kraft erstaunen.
> Um die unaufhörlichen Segensgaben eines solchen Vaters werden wir weiterhin für jeden einzelnen von Ihnen an der
> Heiligen Schwelle flehen.
> 
> DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
>
> — *Riḍván-Botschaft 1990 — Bahá'í Verlag GmbH (autorisierte deutsche Übersetzung) (All Rights Reserved — wiedergegeben mit Genehmigung)*

