# Riḍván-Botschaft 2000

*Exported from [Holy-Writings.com](https://www.holy-writings.com/) on 2026-06-21 — 1 clipping.*

---

> Riḍván-Botschaft 2000 á Das Universale Haus der Gerechtigkeit á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.01-Online (2000)
> 
> Das Universale Haus der Gerechtigkeit
> Bahá’í‐Weltzentrum
> 
> Ridván 2000
> 
> An die Bahá’í der Welt
> Innig geliebte Freunde,
> [1] Wir verbeugen uns in Dankbarkeit vor dem Herrn der Heerscharen und unsere Her‐
> zen fließen über vor Freude, da wir Zeuge dessen sind, welch wunderbaren Unterschied die
> vier Jahre seit dem Beginn des globalen Planes bewirkt haben, der nun an diesem Fest des
> Glanzes abgeschlossen wird. So deutlich ist der in dieser Zeit erreichte Fortschritt, dass unse‐
> re Weltgemeinde Höhepunkte erreicht hat, von denen aus neue leuchtende Horizonte für ih‐
> re künftigen großen Errungenschaften klar erkennbar sind.
> [2] Der zahlenmäßige Zuwachs ergab sich hauptsächlich aus einer entscheidenden Qua‐
> litätssteigerung. Die Kultur der Bahá’í‐Gemeinde hat einen Wandel erlebt. Dieser Wandel ist
> erkennbar an erweiterten Fähigkeiten, der Methodik zielgerichteten Handelns und der dar‐
> aus resultierenden gewachsenen Zuversicht der drei am Plan beteiligten Ebenen – dem Ein‐
> zelnen, den Institutionen und der örtlichen Gemeinde. Dies ist so, weil die Freunde sich
> nachhaltiger damit befassten ihre Kenntnis der göttlichen Lehren zu vertiefen und weil sie
> viel – und dies systematischer als zuvor – darüber gelernt haben, wie diese bei der Verbrei‐
> tung der Sache Gottes, bei individuellen und gemeinschaftlichen Aktivitäten und bei der Zu‐
> sammenarbeit mit ihren Nachbarn angewandt werden können. Mit einem Wort, sie begaben
> sich auf einen anwendungsorientierten Lernprozess, von dem aus zielgerichtetes Handeln
> verfolgt wurde. Die treibende Kraft dieses Wandels war das System der Bahá’í‐Institute, die
> in der ganzen Welt mit großer Geschwindigkeit errichtet wurden – eine Leistung, die sich
> auf dem Gebiet der Ausbreitung und Festigung als das größte Vermächtnis des Vier‐Jahres‐
> Planes qualifizierte.
> [3] Durch die gesteigerte Befähigung der Einzelnen den Glauben zu lehren, was sich in
> dem neuen Schwung individueller Initiativen zeigt; durch die verbesserte Fähigkeit der
> Geistigen Räte, Regionaler Räte und Ausschüsse, die Bemühungen der Freunde zu leiten;
> durch die Einführung neuer Denk‐ und Handlungsmuster, die das gemeinschaftliche Verhal‐
> ten der örtlichen Gemeinden beeinflusste – in all diesen Beziehungen bewies das System der
> Bahá’í‐Institute seine Unverzichtbarkeit als ein Motor im Prozess des Beitritts in Scharen.
> Viele Institute haben ihre Fähigkeit vergrößert, weite Regionen mit ihren Programmen zu
> versorgen, indem sie ihr Wirkungsfeld durch örtliche Studienkreise erweiterten. So hat zum
> Beispiel die Mongolei 106 Studienkreise eingerichtet und verzeichnete als Ergebnis einen be‐
> achtlichen Zuwachs an neuen Gläubigen. Gleichzeitig zu derartigen Entwicklungen richteten
> die Mitglieder unserer weltweiten Gemeinschaft mehr Aufmerksamkeit darauf, auf die
> Macht des Gebets zu vertrauen, über das heilige Wort Gottes zu meditieren und die geisti‐
> gen Wohltaten aus der Teilnahme an Andachten zu beziehen. Durch das Zusammenwirken
> dieser Elemente einer intensivierten Transformation des Einzelnen und der Gemeinschaft
> wächst tatsächlich die Größe der Gemeinde. Obgleich die Zuwachsrate neuer Gläubiger bis
> 
> jetzt nur geringfügig die der vergangenen Jahre übertraf, ist es doch ungemein erfreulich zu
> sehen, dass diese Zunahme geographisch weit gestreut ist, immer größere Teile der Gemein‐
> de engagiert und erfolgreich Neuerklärte in das Leben der Sache Gottes integriert.
> [4] Ein so gesunder und vielversprechender Zustand des Glaubens verdankt unermess‐
> lich viel der Institution der Berater; ihrem beratenden Einfluss, ihrer Rolle in der Zusam‐
> menarbeit und ihrer praktischen Arbeit. Die Zahl der Berater wurde im Hinblick auf die Er‐
> richtung und Funktion der Institute vergrößert, was den rechtzeitig gegebenen Ansporn
> durch ein pulsierendes und immer wachsames Internationales Lehrzentrum widerspiegelte.
> [5] Das zentrale Thema des Vier‐Jahres‐Planes – der Fortschritt beim Prozess des Bei‐
> tritts in Scharen – erzeugte eine enge Verbindung von Denken und Handeln. Es konzentrier‐
> te die Aufmerksamkeit auf eine bedeutende Entwicklungsstufe in der Evolution der Bahá’í‐
> Gemeinde, die während des Gestaltenden Zeitalter erlangt werden muss; denn ehe nicht in
> hohem Maße für den Beitritt von Scharen gesorgt wird, werden die Bedingungen nicht reif
> sein für Massenerklärungen, jenem Durchbruch, den Shoghi Effendi in seinen Schriften ver‐
> heißt. Der thematische Brennpunkt des Planes erzeugte Auswirkungen auf alle Arten von
> Bahá’í‐Aktivitäten; er benötigte eine Klarheit des Verständnisses, die systematische und stra‐
> tegische Planung als Voraussetzung für individuelles und gemeinschaftliches Handeln mög‐
> lich machte. Die Mitglieder der Gemeinde begannen allmählich zu begreifen, wie Systemati‐
> sierung die Prozesse des Wachstums und der Entwicklung ermöglicht. Dieser Aufschwung
> des Bewusstseins war ein gewaltiger Schritt zu einem Anstieg der Lehraktivitäten und zur
> Veränderung der Gemeindekultur.
> [6] Die gesamten Aspekte des Themas wurden bei den Bemühungen zur Planung, zum
> Aufbau institutioneller Kapazität und zur Entwicklung menschlicher Ressourcen deutlich.
> Die Verbindungslinien zwischen ihnen können vom Beginn des Planes bis zu seinem Ende
> verfolgt werden. Die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter im Dezember 1995 im Hei‐
> ligen Land bildete den Anfang. Dort wurden die Berater in die besonderen Merkmale des
> Planes eingeführt. Danach wurde mit den Nationalen Geistigen Räten in nationalen Pla‐
> nungssitzungen hierüber beraten; die Beratungen wurden auf regionaler Ebene fortgesetzt,
> bei denen dann Hilfsamtsmitglieder, örtliche Geistige Räte und ihre Ausschüsse beteiligt wa‐
> ren. So wurden Elemente der Bahá’í‐Administration in den Planungsprozess einbezogen. Sie
> gelangten darüber hinaus zur Stufe der Umsetzung, auf der die institutionelle Kapazität ge‐
> schaffen werden musste, um mit dem Beitritt in Scharen umgehen zu können. In diesem Zu‐
> sammenhang wurden zwei wichtige Maßnahmen ergriffen: Eine war die Errichtung von
> Bahá’í‐Instituten; die andere war die formelle Errichtung und weit verbreitete Einführung
> von Regionalen Bahá’í‐Räten. Sie sind administrative Einrichtungen zwischen der örtlichen
> und der nationalen Ebene, um die administrativen Fähigkeiten solcher Gemeinden zu stär‐
> ken, in denen die zunehmend komplexen Angelegenheiten, vor die sich die Nationalen Geis‐
> tigen Räte gestellt sahen, diese Entwicklung erforderlich machten. Von gleicher Bedeutung
> für die Verbindung der wesentlichen Elemente des Prozesses waren die für die Arbeit für
> soziale und wirtschaftliche Entwicklung – einem entscheidenden Teil der Festigung – und
> für auswärtige Angelegenheiten definierten Strategien. Diese werden es als einem lebens‐
> wichtigen Faktor dem Glauben ermöglichen, die Folgen seines Hervortretens aus der Ver‐
> borgenheit zu bewältigen. Die hieraus erzielten überwältigenden Ergebnisse aufzuzählen,
> würde den Rahmen dieser Seiten bei weitem sprengen. Wir fühlen uns jedoch bewegt, ge‐
> wisse Glanzpunkte zu nennen, die das Ausmaß der Errungenschaften innerhalb des Plans il‐
> lustrieren.
> 
> [7] Im Heiligen Land wurde der Bau der Terrassen und der Gebäude am Bogen mit der
> Gewissheit fortgesetzt, dass – wie angekündigt – der Termin zu ihrer Fertigstellung am Ende
> dieses gregorianischen Jahres eingehalten wird. Darüber hinaus wird das Gebäude in Haifa,
> das wir in unserer letzten Ridván‐Botschaft im Zusammenhang mit der Vergrößerung der
> Pilgergruppen erwähnten, zu diesem Ridván bereit für die Nutzung sein. Im selben Zusam‐
> menhang wurden Architektenpläne für in Bahjí zu bauende Einrichtungen genehmigt, die
> dringend benötigt werden, um Pilger und andere Bahá’í‐ und Nicht‐Bahá’í‐Besucher unter‐
> zubringen. Die Übersetzung der Texte für den zu erwartenden neuen Band von Bahá’u’lláhs
> Schriften wurde fertiggestellt; seine Veröffentlichung wird derzeit vorbereitet.
> [8] Fortschritte bei der Ausbreitung und Festigung waren auch auf noch nicht erwähnten
> Gebieten erkennbar: beim Pionieren, der Proklamation, der Veröffentlichung von Literatur,
> dem Einsatz der Künste, der Bildung von Geistigen Räten und bei den Gesellschaften für
> Bahá’í‐Studien. Etwa 3.300 Gläubige siedelten sich als Lang‐ und Kurzzeitpioniere internati‐
> onal an. Dass viele Länder, die normalerweise Pioniere erhalten, selbst Pioniere ins Ausland
> schickten, ist ein weiteres Anzeichen für den Reifungsprozess von nationalen Gemeinden.
> Treu dem ihnen übertragenen Auftrag ragen die Gemeinden von Kanada und den Vereinig‐
> ten Staaten durch die Zahl der Pioniere, die ihr Land verließen, besonders hervor. Dies gilt
> auch für die viel größere Anzahl von Reiselehrern, wobei die Jugend in bedeutsamer Weise
> vertreten war. Besonders beachtlich war auch die ermutigende Reaktion der Gläubigen afri‐
> kanischen Ursprungs in den Vereinigten Staaten auf den Aufruf, als Bahá’í‐Lehrer nach Af‐
> rika zu reisen.
> [9] Die Proklamation der Sache Gottes geschah durch vielfältige Aktionen, wobei ein
> weites Spektrum von Gelegenheiten als Anlass dienten – Jahrestage, Gedenktage, Diskussi‐
> onsgruppen, Ausstellungen und ähnliches. Hierdurch lernte eine große Zahl von Menschen
> die Lehren des Glaubens kennen. Die Häuser der Andacht waren magnetische Anziehungs‐
> punkte für Besucher, die in zunehmender Zahl eintraten, besonders in Indien, wo im letzten
> Jahr etwa fünf Millionen Menschen begrüßt wurden. Zu solchen Aktivitäten kam noch die
> vielfältige Nutzung der Medien hinzu, um die Bahá’í‐Botschaft zu übermitteln. In den Ver‐
> einigten Staaten gab es 60.000 Anfragen als Reaktion auf eine Medienkampagne, die vom
> Nationalen Lehrausschuss entworfen worden war. In der ganzen Welt verbreitete sich die
> Kenntnis über den Glauben durch wohlwollende Artikel in den Druckmedien, die häufiger
> als bisher unaufgefordert erschienen. Es gab auch eine ähnlich breitere Publizität durch die
> Bereitschaft seitens Radio‐ und Fernsehstationen, regelmäßige Bahá’í‐Programme aufzu‐
> nehmen; dies war der Fall in Ländern wie der Demokratischen Republik des Kongo und
> Liberia. Solch günstige Entwicklungen wurden gekrönt durch die unabhängige Entschei‐
> dung internationaler Medieneinrichtungen, den Schrein des Báb und die Terrassen als
> Standort eines Fernsehbeitrags aus dem Heiligen Land für weltweite Medienprogramme zu
> wählen, die das Kommen des Jahres 2000 feierten.
> [10] Die Einbeziehung der Kunst wurde zu einem wichtigen Faktor bei der Proklamation,
> dem Lehren, der Vertiefung und den Andachten der weltweiten Gemeinde. Die Künste zo‐
> gen junge Leute an, die sie in ihren Lehr‐ und Vertiefungsaktivitäten verwendeten, haupt‐
> sächlich in den zahlreichen aktiven Drama‐ und Tanzworkshops in vielen Teilen der Welt.
> Aber der Schwung der Künste führte jenseits des Singens und Tanzens zu einem weiten
> Spektrum einfallsreicher Aktivitäten, die den Menschen die Grundlagen der Sache Gottes
> vermittelte. Dort, wo Volkskunst eingesetzt wurde, besonders in Afrika, wurde die Lehrar‐
> beit sehr aufgewertet. So wurde zum Beispiel in Ghana und Liberia ein Projekt “Licht der
> 
> Einheit” gestartet, um die Künste beim Lehren zu fördern. In Indien verfolgte die “Commu‐
> nal Harmony Group” ein ähnliches Ziel.
> [11] Hauptsächlich auf Betreiben der Berater und mit Unterstützung des Kontinentalen
> Fonds wurde der Übersetzung und Veröffentlichung von Bahá’í‐Literatur besonders in Afri‐
> ka und Asien Aufschwung verliehen. Außerdem erschien der Kitáb‐i‐Aqdas in einer voll‐
> ständigen arabischen Ausgabe und in anderen Sprachen.
> [12] Obwohl die Beschränkung der Bildung von örtlichen Geistigen Räten auf den ersten
> Ridván‐Tag, was seit 1997 gilt, die Zahl dieser Institutionen erwartungsgemäß absinken ließ,
> so war die Abnahme doch nicht erheblich. Seitdem blieb die Zahl konstant, und ein gesun‐
> der Prozess der Festigung hat stattgefunden. Acht neue Pfeiler des Universalen Hauses der
> Gerechtigkeit wurden errichtet, wodurch die Gesamtzahl von 181 Nationalen Geistigen Rä‐
> ten erreicht wurde.
> [13] Besonders erfreulich während dieser vier Jahre war der zunehmende Schwung, mit
> dem die Aktivitäten der Bahá’í‐Gelehrsamkeit mit ihrer lebenswichtigen Aufgabe voran‐
> schritten, die intellektuellen Grundlagen für die Arbeit des Glaubens zu stärken. Unschätz‐
> bare Ergebnisse waren zum einen die beeindruckende Erweiterung der Bahá’í‐Literatur und
> zum zweiten die Verfassung verschiedener Dissertationen, die unterschiedliche Probleme
> unserer Zeit im Lichte der Bahá’í‐Prinzipien untersuchten. Das Netzwerk der Gesellschaften
> für Bahá’í‐Studien, das in diesem Jahr seinen 25. Jahrestag begeht, konnte im Laufe des Pla‐
> nes fünf neue Schwestergesellschaften begrüßen. Die auf diesem Feld des Dienstes sichtbare
> Vielfalt und Kreativität zeigt sich darin, dass die erste Konferenz für Bahá’í‐Studien in Pa‐
> pua‐Neuguinea abgehalten wurde und dass die japanische Gesellschaft in bahnbrechender
> Weise ihre Aufmerksamkeit auf die geistigen Ursprünge der traditionellen japanischen Ge‐
> lehrsamkeit richtete.
> [14] Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung fand ein eindeutiger
> qualitativer Fortschritt statt, obgleich die Zahlen, die eine Zunahme der Projekte ausweisen,
> auch beeindruckend sind. Die jährlich gemeldeten Aktivitäten steigerten sich von etwa 1.350
> zu Beginn des Planes auf mehr als 1.800 an seinem Ende. Zunehmend systematisches Vorge‐
> hen blieb das vorherrschende Kennzeichen bei dieser Arbeit während dieser Zeit. Um die
> Beratung über die Prinzipien der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ihre Durch‐
> führung zu fördern, führte das Büro für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung am Welt‐
> zentrum 13 regionale Seminare durch, an denen schätzungsweise 700 Vertreter aus 60 Län‐
> dern teilnahmen. Dieses Büro kümmerte sich auch darum, Pilotprojekte und geeignetes Ma‐
> terial zu entwickeln, mit denen organisierte Kampagnen gestartet werden konnten, um Ju‐
> gendliche unter anderem im Lesen und Schreiben zu unterrichten, um Mitarbeiter im Ge‐
> sundheitswesen der Gemeinde auszubilden, um Frauen zu fördern und um moralische Er‐
> ziehung anzubieten. Ein Beispiel ist das Programm in Guyana, das mehr als 1.500 Helfer für
> die Alphabetisierung ausbildete; ein weiteres ist die Fertigstellung von acht Lehreinheiten
> zur Förderung der Frauen in Malaysia. Diese wurden auch zur Grundlage für Ausbildungs‐
> veranstaltungen in Afrika, Asien und Südamerika. Im Guaymi‐Bezirk von Panama wurde
> ein Plan in Angriff genommen, Bahá’í‐Radiostationen mit der Arbeit der Bahá’í‐Institute zu
> verbinden. Da Institute das Potenzial besitzen, Ausbildung für soziale und wirtschaftliche
> Projekte zu leisten, bemühte sich ein Dutzend von ihnen in dieser Richtung und ist dabei,
> auf den Gebieten der Alphabetisierung, der Ausbildung zum Gemeindesanitäter und beruf‐
> licher Ausbildung zu experimentieren. Eine Reihe von durch die Baháʹí geförderten und in‐
> spirierten Initiativen haben ihre Energie Projekten gewidmet wie zum Beispiel einem, das
> 
> mit der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeitet, um die FlussBlindheit in Kamerun
> zu bekämpfen; dort erhielten mehr als 30.000 Menschen durch dieses Bahá’í‐Projekt die nöti‐
> gen Medikamente. Ein weiteres Beispiel ist die Privatuniversität in Äthiopien, Unity College,
> die inzwischen 8.000 Studenten hat, ferner die Landegg Akademie in der Schweiz, die neben
> der Ausweitung und Konsolidierung ihrer Studienpläne wertvolle Hilfe bei der anhaltenden
> Suche nach einer Lösung der ungeheuren sozialen Folgen des Balkankonflikts geleistet hat.
> Auch die Núr‐Universität in Bolivien, die in einem gemeinsamen Projekt mit Ecuador eine
> Ausbildung für mehr als 1.000 Lehrer in einem Programm über moralische Führung anbie‐
> ten konnte, ist ein weiteres Beispiel hierfür. Auf dem Gebiet der sozialen und wirtschaftli‐
> chen Entwicklung waren solche Beweise des Ausbaus von Fähigkeiten von großem Vorteil,
> um die Ziele des Planes zu verwirklichen.
> [15] Geführt durch die den Nationalen Geistigen Räten 1994 übermittelte Strategie in
> auswärtigen Angelegenheiten hat sich die Leistungsfähigkeit der Gemeinde auf dem Gebiet
> der diplomatischen und öffentlichen Information ebenfalls in erstaunlicher Weise gesteigert,
> wobei die Bahá’í‐Gemeinde in eine dynamische Beziehung zu den Vereinten Nationen, Re‐
> gierungen, Nicht‐Regierungsorganisationen (NGOs) und den Medien getreten ist. Die Stra‐
> tegie konzentrierte sich auf internationaler und nationaler Ebene auf zwei wichtige Ziele: die
> Prozesse in Richtung auf den Weltfrieden zu beeinflussen und die Sache Gottes zu schützen.
> Durch die Maßnahmen zur Verteidigung unserer geliebten Glaubensbrüder im Iran gewann
> die Internationale Bahá’í‐Gemeinde ein neues Maß an Achtung und Unterstützung. Daraus
> ergaben sich Gelegenheiten, andere Ziele dieser Strategie zu verfolgen. Um sich der Heraus‐
> forderung der hartnäckigen Situation im Iran zu stellen, entwickelten unsere Institutionen
> und Vertretungen für auswärtige Angelegenheiten neue Vorgehensweisen, um verfügbare
> Instrumentarien von Regierungen und den Vereinten Nationen zu aktivieren. Die Verfol‐
> gungen im Iran beschäftigten die höchsten Instanzen auf unserem Planeten. Die Nachricht,
> dass ein iranischer Gerichtshof Todesurteile gegen zwei der Freunde bestätigt und ein ähnli‐
> ches Urteil gegen einen dritten ausgesprochen hatte, rief sogar eine scharfe Reaktion durch
> den Präsidenten der Vereinigten Staaten hervor, der an den Iran eine deutliche Mahnung
> richtete. Als Auswirkung der Interventionen von politischen Führern in der Welt und der
> Vereinten Nationen hörten die Hinrichtungen von iranischen Bahá’í praktisch auf und ging
> die Zahl der zu langjährigen Gefängnisstrafen Verurteilten drastisch zurück.
> [16] Wir begrüßen diese Interventionen und preisen zugleich den aufopfernden Geist, die
> Seelenstärke und den unbeugsamen Glauben unserer Brüder und Schwestern im Iran, die all
> diesen Bemühungen Stärke verliehen haben. Diese offenkundigen Eigenschaften der Seele
> bringen ihre Landsleute durch ihre Standhaftigkeit zum Staunen, mit der sie den tückischen
> und mitleidslosen Angriffen widerstehen. Wie sonst könnte man erklären, dass es so weni‐
> gen möglich war, sich so lange gegen so viele zu behaupten? Wie sonst hätten sie die Sorge
> der Welt und aktive Reaktionen auslösen können, sobald auch nur ein Einziger von ihnen
> mit dem Tode bedroht war? Es ist die Tragödie des Iran, dass die Angreifer es bis jetzt nicht
> eingesehen haben, dass die göttlichen Prinzipien, für die die Verfolgten ihren Besitz und so‐
> gar ihr Leben opfern, genau jene Lösungen enthalten, die die Sehnsüchte der Bevölkerung in
> dieser Stunde der Unzufriedenheit befriedigen würden. Es besteht jedoch nicht der geringste
> Zweifel, dass die systematische Willkürherrschaft, der unsere iranischen Freunde so grau‐
> sam ausgesetzt sind, schließlich der Macht des Allmächtigen weichen wird, die den geheim‐
> nisvollen Verlauf der Dinge seiner verheißenen Bestimmung in all seiner Herrlichkeit entge‐
> genführt.
> 
> [17] Das zweite Ziel der Strategie für auswärtige Angelegenheiten bezog sich auf vier
> Themen – Menschenrechte, der Stellung der Frau, globales Wohlergehen und moralische
> Entwicklung. Unsere Berichte zeugen von einem gewaltigen Fortschritt bei der Arbeit für
> Menschenrechte und die Stellung der Frau. Zu ersteren führte das Büro bei den Vereinten
> Nationen ein kreatives Programm für die Erziehung zu Menschenrechten durch, das bis jetzt
> dazu beitrug, bei nicht weniger als 99 Nationalen Geistigen Räten die Fähigkeit zur diploma‐
> tischen Arbeit aufzubauen. Bezüglich der Stellung der Frau zeigen 52 nationale Büros für
> den Fortschritt von Frauen, die Beiträge zahlreicher Bahá’í‐Frauen und ‐Männer bei Konfe‐
> renzen und Arbeitskreisen auf allen Ebenen, die Wahl von Bahá’í‐Vertretern in Führungspo‐
> sitionen bei wichtigen NGO‐Ausschüssen – so auch beim Entwicklungsfonds für Frauen der
> Vereinten Nationen –, wie die Anhänger Bahá’u’lláhs beharrlich für Sein Prinzip der Gleich‐
> berechtigung von Frau und Mann eintreten.
> [18] Gleichzeitig verbreiten eine ganze Reihe von Initiativen Informationen über die
> Bahá’í‐Religion an verschiedenste Gruppen in der Öffentlichkeit. Zu diesen innovativen
> Maßnahmen gehören: der Start einer Website “The Bahá’í World”, die im Durchschnitt
> schon 25.000 mal im Monat besucht wird; die Herausgabe des Statements “Wer schreibt die
> Zukunft?”, das den Freunden in der ganzen Welt hilft, über zeitgenössische Themen zu
> sprechen; die Sendung des persischen Radioprogrammes “Payam‐e‐Doost”, das für eine
> Stunde pro Woche im Bereich von Washington D.C. ausgestrahlt wird und das über das In‐
> ternet seit letztem November jederzeit in der ganzen Welt verfügbar ist; die Durchführung
> eines höchst originellen Fernsehprogramms, in dem moralische Prinzipien auf tägliche Prob‐
> leme angewandt werden und das von Regierungsstellen in Albanien, Bosnien‐Herzegowina,
> Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Slowenien und der früheren jugoslawischen Repub‐
> lik Mazedonien wärmstens befürwortet wird.
> [19] Ein Phänomen, das sich gegen Ende des Jahrhunderts verstärkt zeigt, ist das Bemü‐
> hen der Menschen weltweit, ihre Sehnsüchte durch sogenannte “Organisationen der Zivilge‐
> sellschaft” auszudrücken. Es muss für die Bahá’í überall eine Quelle größter Genugtuung
> sein, dass die Internationale Bahá’í‐Gemeinde, die als eine Nicht‐Regierungsorganisation ei‐
> nen Querschnitt der ganzen Menschheit darstellt, als eine einheitsstiftende Kraft in bedeu‐
> tenden Diskussionen, die die Zukunft der Menschheit gestalten, solches Vertrauen gewon‐
> nen hat. Unser Hauptvertreter bei den Vereinten Nationen wurde zum gleichberechtigten
> Vorsitzenden des Ausschusses für Nicht‐Regierungsorganisationen ernannt, der vom Wirt‐
> schafts‐ und Sozialrat eingerichtet wurde – eine Stellung, die der Internationalen Bahá’í‐
> Gemeinde eine Führungsrolle bei der Organisation des Millennium‐Forums einräumt. Diese
> von Kofi Annan, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen für kommenden Mai einberu‐
> fene Versammlung, wird den Organisationen der Zivilgesellschaft Gelegenheit geben, ihre
> Ansichten und Vorschläge zu globalen Fragen zu formulieren. Diese werden dann von dem
> im September dieses Jahres folgenden Millennium‐Gipfel aufgenommen werden, bei dem
> sich Staats‐ und Regierungschefs treffen.
> [20] Dass die Menschheit sich der geistigen Dimension des Wandels in der Welt bewusst
> wird, hat für Bahá’í eine besondere Bedeutung. Der interreligiöse Dialog hat sich intensiviert.
> Während des Vier‐Jahres‐Planes war der Glaube in zunehmendem Maße als anerkannter
> Partner daran beteiligt. Das Parlament der Weltreligionen führte im letzten Dezember in
> Kapstadt 6.000 Teilnehmer zusammen, darunter eine starke Bahá’í‐Delegation. Bahá’í waren
> im südafrikanischen und internationalen Leitungsgremium an der Planung der Veranstal‐
> tung beteiligt. Für die Bahá’í ergab sich ein besonderes Interesse an dieser Veranstaltung aus
> 
> der Tatsache, dass der Name Bahá’u’lláhʹs öffentlich zum ersten Mal im Westen beim Parla‐
> ment in Chicago 1893 erwähnt worden war. Auf zwei im letzten November in Jordanien ab‐
> gehaltenen interreligiösen Veranstaltungen wurden Bahá’í als geladene Teilnehmer emp‐
> fangen; es waren dies die Konferenz über Konflikte und Religionen im Nahen Osten und die
> Jahrestagung der Weltkonferenz für Religion und Frieden (WCRP). Bahá’í‐Vertreter nahmen
> auch an Veranstaltungen in der Vatikanstadt und in Neu Delhi teil, die von der römisch‐
> katholischen Kirche veranstaltet wurden. Beim zweiten Anlass war Beraterin Zena Sorabjee
> eine der Vertreterinnen von Religionen, die in Gegenwart von Papst Johannes Paul II zur
> Versammlung sprachen. Im Vereinigten Königreich trat der Glaube in die öffentliche Arena,
> als Bahá’í‐Vertreter mit Mitgliedern von acht anderen großen Religionen zu einer interreligi‐
> ösen Millenniumsfeier in der Königlichen Galerie im Westminster‐Palast zusammenkamen,
> wo in Gegenwart von Mitgliedern des Königshauses, des Premierministers, des Erzbischofs
> von Canterbury und anderen hervorragenden Persönlichkeiten auf die Versammlung der
> “neun großen Religionen des Vereinigten Königreiches” Bezug genommen wurde. In
> Deutschland wurden die Bahá’í zum ersten Mal am interreligiösen Dialog beteiligt. Damit
> änderte sich eine langjährige Einstellung der christlichen Konfessionen, die wegen eines von
> einem Bundesbrecher geschriebenen und von einem lutherischen Verlag 1981 herausgegebe‐
> nen Buches die Berührung mit dem Glauben vermieden hatten. Abhilfe erfolgte durch eine
> 600 Seiten starke von drei Bahá’í geschriebene wissenschaftliche Widerlegung, die in einem
> führenden Nicht‐Bahá’í‐Verlag 1995 erschien, was einen außergewöhnlichen Sieg für die
> deutsche Bahá’í‐Gemeinde darstellt. Eine englische Übersetzung wurde im letzten Jahr des
> Planes herausgegeben. In ungewöhnlicher Form fand ein interreligiöser Dialog statt, als
> 1998 Vertreter der Weltbank und von neun großen Religionen im Lambeth‐Palast eine Ver‐
> anstaltung abhielten, die zur Bildung eines Entwicklungsdialogs der Weltreligionen führte.
> Es ist das vom Dialog verkündete Ziel zu versuchen, den Graben zwischen den Religions‐
> gemeinschaften und der Weltbank zu überbrücken, um ihnen eine wirkungsvollere Zusam‐
> menarbeit bei der Überwindung der Armut in der Welt zu ermöglichen. Die Häufigkeit und
> der umfassende Charakter dieser interreligiösen Versammlungen ist ein neues Phänomen in
> den Beziehungen der Religionen untereinander. Es ist offensichtlich, dass sich die verschie‐
> denen Religionsgemeinschaften darum bemühen, den Geist der Freundlichkeit und Brüder‐
> lichkeit untereinander zu erreichen, den Bahá’u’lláh Seine Anhänger aufgerufen hat, den
> Anhängern anderer Religionen gegenüber an den Tag zu legen.
> [21] Während dieser vier Jahre spielten sich die konzentrierten Bemühungen der Bahá’í
> zu einer Zeit ab, da die Gesellschaft im Allgemeinen mit einer Flut widerstreitender Interes‐
> sen zu kämpfen hatte. In dieser kurzen aber äußerst bewegten Zeitspanne schritten die in der
> Bahá’í‐Gemeinde und in der Welt waltenden Kräfte mit unerbittlicher Beschleunigung vo‐
> ran. In ihrem Sog offenbarten sich die sozialen Phänomene, auf die Shoghi Effendi hinge‐
> wiesen hatte, klarer als je zuvor. Vor mehr als 60 Jahren zog er die Aufmerksamkeit auf “die‐
> se gleichzeitigen Vorgänge des Aufstieges und des Unterganges, des Zusammenschlusses
> und des Auseinanderfallens, der Ordnung und des Chaos mit ihren ständigen und wechsel‐
> seitigen Auswirkungen aufeinander”. Diese zwei Prozesse spielten sich nicht isoliert von je‐
> nen ab, die für die Bahá’í‐Gemeinde typisch waren, sondern führten, wie schon gezeigt wur‐
> de, zur direkten Beteiligung des Glaubens. Sie scheinen auf der anderen Seite des gleichen
> Zeitkorridors zu laufen. Auf der einen Seite wüteten an etwa 40 Stellen Kriege, die von reli‐
> giösen, politischen, rassischen oder Stammeskonflikten geschürt wurden; ein plötzlicher to‐
> taler Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung lähmt eine Reihe von Ländern; Terroris‐
> mus als politische Waffe wurde zur Epidemie; eine Woge internationaler krimineller Netz‐
> 
> werke versetzte die Menschen in Schrecken. Auf der anderen Seite jedoch gab es ernsthafte
> Versuche, Methoden der kollektiven Sicherheit auszuarbeiten und umzusetzen, was
> Bahá’u’lláhs Vorschriften für die Erhaltung des Friedens in Erinnerung ruft; es gab einen
> Aufruf, einen internationalen Strafgerichtshof einzurichten, eine weitere Maßnahme, die mit
> den Erwartungen der Bahá’í übereinstimmt. Um die Aufmerksamkeit auf die dringende
> Notwendigkeit, ein angemessenes System zur Lösung von globalen Fragen einzurichten, ha‐
> ben sich die Führer der Welt auf einem Millennium‐Gipfel verabredet; neue Kommunikati‐
> onsmethoden haben den Weg dafür frei gemacht, dass jeder mit jedem auf diesem Planten in
> Verbindung treten kann. Wirtschaftliche Auflösungserscheinungen in Asien drohten die
> Weltwirtschaft zu destabilisieren, führten aber zu Bemühungen, die unmittelbare Gefahr zu
> beheben und Methoden zu entwickeln, einen Sinn für Gerechtigkeit in den Bereich des inter‐
> nationalen Handels und der Finanzen einzuführen. Dies sind nur einige Beispiele für die
> beiden gegensätzlichen aber aufeinander einwirkenden Tendenzen der Zeit, die Shoghi
> Effendis inspirierte Zusammenfassung über die Kräfte, die in Gottes Größerem Plan am
> Werke sind, bestätigen, “dessen letztes Ziel die Einheit und der Frieden der gesamten
> Menschheit ist”.
> [22] Zum Abschluss dieser vier ereignisreichen Jahre kommen wir an ein gewaltiges Zu‐
> sammentreffen von Abschlüssen und Anfängen in der gregorianischen Zeitrechnung und
> der Bahá’í‐Ära. In einem Sinne bedeutet dieses Zusammentreffen das Ende des zwanzigsten
> Jahrhunderts und in einem anderen eröffnet es eine neue Stufe in der Entfaltung des Gestal‐
> tenden Zeitalters. Die Perspektive dieser zwei Zeitrahmen veranlasst uns, über eine Vision
> von weltgestaltenden Entwicklungen nachzudenken, die zeitlich zusammenfallen; wir tun
> dies unter Berücksichtigung der Einsicht, die von Shoghi Effendi so plastisch bei der Grün‐
> dung des von ihm entworfenen Bogens am Berge Karmel dargelegt wurde. Im Verlauf des
> Planes gewann diese Vision eine leuchtende Klarheit, als die Bauprojekte am Berge Karmel
> voranschritten, als die Führer der Welt kühne Schritte in Richtung auf die Gestaltung eines
> weltweiten politischen Friedens unternahmen, und als örtliche und nationale Bahá’í‐
> Institutionen ein neues Niveau in ihrer Evolution erreichten. Wir tragen mit uns eine heilige
> und dauerhafte Erinnerung an das zwanzigste Jahrhundert in uns, die unsere Energien
> weckt und uns den Weg vorzeichnet: Zu ihm gehört jener zukunftsweisende Augenblick in
> der Geschichte der Menschheit, als der Mittelpunkt des Bundes Bahá’u’lláhs im Laufe einer
> Amtszeit, die ohne Parallele ist, die Struktur der neuen Weltordnung entwarf und als an‐
> schließend im Verlauf einiger seiner verheerendsten Jahre der Hüter des Glaubens seine äu‐
> ßerste Energie darauf verwendete, die Struktur eines administrativen Systems zu errichten,
> das am Ende des Jahrhunderts in der Ganzheit seiner essenziellen Form vor den Augen der
> Welt ausgebreitet liegt. Wir stehen damit an einer Brücke zwischen den Zeiten. Die Fähigkei‐
> ten, die im Laufe eines Jahrhunderts der heftigen Anstrengungen und Opfer von einer
> Handvoll von der Liebe zu Bahá’u’lláh berauschter Gläubiger entwickelt wurden, müssen
> jetzt auf die für das Gestaltende Zeitalter unausweichlich verbleibenden Aufgaben ange‐
> wandt werden; die zahlreichen Epochen unermüdlicher Arbeit dieses Zeitalters werden
> schließlich zum Goldenen Zeitalter unseres Glaubens führen, wenn der Größte Friede die
> Erde umfassen wird.
> [23] An diesem Ridván beginnen wir einen Zwölf‐Monate‐Plan. So kurz er auch ist, muss
> und wird er ausreichen, gewisse lebenswichtige Aufgaben zu erfüllen und das Fundament
> für den nächsten, zwanzig Jahre andauernden Vorstoß des Göttlichen Planes des Meisters zu
> legen. Was vor vier Jahren so sorgfältig begonnen wurde – die systematische Aneignung von
> Kenntnissen, Qualitäten und Dienstfertigkeit – muss erweitert werden. Wo immer es sie gibt,
> 
> müssen nationale und regionale Institute die Programme und Systeme, die sie eingeführt
> haben, in vollem Umfang zur Anwendung bringen. Neue Institute müssen gebildet werden,
> wo der Bedarf danach erkannt wurde. Größere Schritte müssen unternommen werden, um
> die Lehrarbeit zu systematisieren, die durch individuelle Initiative und durch institutionelle
> Förderung unternommenen wird. Es ist teilweise zu diesem Zweck, dass die Berater und die
> Nationalen Räte in verschiedenen Gegenden jedes Kontinents “Regionale Wachstumspro‐
> gramme” aufgestellt haben. Die Ergebnisse werden einen Erfahrungsschatz liefern, der für
> zukünftige Pläne nützlich sein wird. Der Einzelne, die Institutionen und die örtlichen Ge‐
> meinden werden dringend gebeten, ihre Aufmerksamkeit auf diese wesentlichen Aufgaben
> zu richten, damit sie für das nächste Fünf‐Jahres‐Unternehmen, das zu Ridván 2001 beginnt,
> voll gerüstet sind – eine Unternehmung, die die Bahá’í‐Welt zur nächsten Phase beim Fort‐
> schritt im Prozess des Beitritts in Scharen führen wird.
> [24] Aber jenseits der Aufmerksamkeit, die auf diese Aufgaben gerichtet wird, gibt es
> noch eine dringende Herausforderung, vor der wir stehen: Unsere Kinder müssen geistig
> genährt und in das Leben der Sache Gottes integriert werden. Man darf nicht zulassen, dass
> sie ziellos in einer Welt umherirren, die voll von moralischen Gefahren ist. Im gegenwärtigen
> Zustand der Gesellschaft sehen sich die Kinder einem grausamen Schicksal gegenüber. Mil‐
> lionen und Abermillionen von ihnen sind in allen Ländern sozial entwurzelt. Die Kinder
> sind ihren Eltern und der Erwachsenenwelt gegenüber entfremdet, ob sie nun unter armen
> oder reichen Lebensbedingungen leben. Diese Entfremdung hat ihre Wurzeln in der Selbst‐
> sucht, die aus dem Materialismus entsteht, welcher sich im Kern der Gottlosigkeit befindet,
> die die Herzen der Menschen überall erfasst. Die soziale Entwurzelung der Kinder unserer
> Zeit ist ein sicheres Anzeichen einer Gesellschaft des Niedergangs; dieser Zustand be‐
> schränkt sich jedoch nicht auf eine Rasse, Klasse, Nation oder wirtschaftliche Bedingung – er
> betrifft alle. Es betrübt unsere Herzen zutiefst festzustellen, dass in vielen Teilen der Welt
> Kinder als Soldaten benutzt, als Arbeiter ausgebeutet, in die Sklaverei verkauft, in die Prosti‐
> tution gezwungen, zum Objekt für Pornographie herabgewürdigt, von Eltern, deren Denken
> nur um ihre eigenen Begierden kreist, verlassen werden oder auf andere Arten – zu zahl‐
> reich, um sie aufzuzählen – zu Opfern gemacht werden. Viele dieser Schrecken fügen Eltern
> selbst den eigenen Kindern zu. Der hieraus entstehende geistige und psychologische Scha‐
> den kann überhaupt nicht abgeschätzt werden. Unsere weltweite Gemeinde kann den Fol‐
> gen dieser Zustände nicht entfliehen. Das Bewusstsein dieser Tatsache sollte uns alle zu
> dringlichen und beständigen Anstrengungen für die Interessen von Kindern und der Zu‐
> kunft antreiben.
> [25] Obgleich Aktivitäten für Kinder auch ein Teil früherer Pläne waren, haben sie dem
> tatsächlichen Bedarf auf diesem Feld nicht annähernd entsprochen. Geistige Erziehung von
> Kindern und Junioren ist von größter Bedeutung für den weiteren Fortschritt der Gemeinde.
> Es ist daher geboten, Abhilfe für diesen Mangel zu schaffen. Die Institute müssen sicherstel‐
> len, dass ihre Programme die Ausbildung von Kinderklassenlehrern mit einschließen, die
> dann den örtlichen Gemeinden ihre Dienste zur Verfügung stellen können. Aber wenn auch
> eine geistige und schulische Ausbildung für Kinder wesentlich ist, bildet dies doch nur einen
> Teil dessen, was in die Entwicklung ihres Charakters und in ihre Persönlichkeitsbildung ein‐
> fließen muss. Es ist notwendig, dass der Einzelne und die Institutionen auf allen Ebenen, d.
> h. die Gemeinde als Ganzes, Kindern gegenüber eine angemessene Haltung zeigen und sich
> allgemein für ihr Wohlergehen interessieren. Eine solche Einstellung sollte sich völlig abhe‐
> ben von derjenigen einer schnell zerfallenden Ordnung.
> 
> [26] Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gemeinde besitzen kann, denn in ihnen
> liegt die Verheißung und die Garantie für die Zukunft. In ihnen liegt keimhaft der Charakter
> der zukünftigen Gesellschaft, der im Wesentlichen durch das gebildet wird, was die Erwach‐
> senen der Gemeinde für die Kinder tun oder zu tun versäumen. Sie sind ein Pfand, das keine
> Gemeinde ungestraft vernachlässigen darf. Eine allumfassende Liebe für die Kinder, die Art,
> wie man sie behandelt, die Qualität der ihnen geschenkten Aufmerksamkeit, der Geist, mit
> dem sich Erwachsene ihnen gegenüber verhalten – dies alles gehört zu den lebenswichtigen
> Aspekten der erforderlichen Einstellung. Liebe erfordert Disziplin, den Mut, Kinder an Müh‐
> sal zu gewöhnen, nicht allen ihren Launen nachzugeben und sie nicht ihren eigenen Nei‐
> gungen ganz zu überlassen. Es muss eine Atmosphäre gewahrt werden, in der Kinder füh‐
> len, dass sie zur Gemeinde gehören und sich an ihrem Ziel beteiligen. Sie müssen liebevoll
> aber nachdrücklich dahin geführt werden, nach den Bahá’í‐Maßstäben zu leben und die Sa‐
> che Gottes in einer Weise zu erforschen und zu lehren, wie es ihrem Lebensumfeld ent‐
> spricht.
> [27] Unter den Jugendlichen in der Gemeinde sind auch die Junioren, im Alter etwa zwi‐
> schen 12 und 15. Sie bilden eine besondere Gruppe, die besondere Bedürfnisse hat, da sie
> sich irgendwo zwischen Kindheit und Jugend befinden und viele Veränderungen in ihnen
> vorgehen. In schöpferischer, hingebungsvoller Aufmerksamkeit gilt es, sie an Programmen
> für Aktivitäten zu beteiligen, sie dabei mit ihren Interessen einzubeziehen, ihre Befähigun‐
> gen für das Lehren und den Dienst zu bilden und sie in die sozialen Interaktionen mit älte‐
> ren Jugendlichen einzubinden. Die Einbeziehung der Künste in ihren verschiedenen Formen
> kann in solchen Aktivitäten von großem Wert sein.
> [28] Und nun möchten wir einige Worte an Eltern richten, die bei der Erziehung ihrer
> Kinder die Hauptverantwortung tragen. Wir rufen sie auf, ihre ständige Aufmerksamkeit
> auf die geistige Erziehung ihrer Kinder zu richten. Es scheint, dass einige Eltern annehmen,
> dies liege ausschließlich in der Verantwortung der Gemeinde; andere glauben, dass die Un‐
> abhängigkeit der Kinder bei der Erforschung der Wahrheit gewahrt bleiben müsse und des‐
> halb der Glaube ihnen nicht gelehrt werden dürfe. Wiederum andere fühlen sich unfähig,
> diese Aufgabe zu bewältigen. Nichts davon trifft zu. Der geliebte Meister sagte: “Vater und
> Mutter sind verpflichtet, Tochter und Sohn mit größter Anstrengung auszubilden”, und füg‐
> te hinzu: “Wer diese Aufgabe vernachlässigt, der wird in Gegenwart des gestrengen Herrn
> zur Rechenschaft gezogen und mit Vorwürfen überhäuft werden.” Unabhängig vom Niveau
> ihrer eigenen Ausbildung sind Eltern in der entscheidenden Lage, die geistige Entwicklung
> ihrer Kinder zu formen. Sie sollten unter keinen Umständen ihre Fähigkeit, den moralischen
> Charakter ihrer Kinder zu bilden, unterschätzen. Denn sie üben einen unersetzbaren Einfluss
> durch die häusliche Umgebung aus, die sie bewusst durch ihre Liebe zu Gott, ihr Bemühen,
> sich an Seine Gesetze zu halten, ihren Geist des Dienstes für Seine Sache, ihre nicht fanati‐
> sche Einstellung und ihre Freiheit von den zersetzenden Wirkungen der üblen Nachrede
> schaffen. Jeder Elternteil, der an die Gesegnete Schönheit glaubt, hat die Verantwortung sich
> in solcher Weise zu benehmen, wodurch bei den Kindern spontan der Gehorsam gegenüber
> den Eltern entsteht, dem die Lehren solch hohen Wert beimessen. Natürlich sollten die Eltern
> zusätzlich zu ihrem Bemühen im Hause die von der Gemeinde eingerichteten Bahá’í‐
> Kinderklassen unterstützen. Man muss auch daran denken, dass die Kinder in einer Welt le‐
> ben, die sie durch den direkten Kontakt mit den Schrecken, die wir beschrieben haben, und
> durch die unvermeidliche Überflutung der Massenmedien über die rauhen Realitäten infor‐
> miert. Viele von ihnen werden daher zwangsläufig vorzeitig reif, und unter diesen gibt es
> solche, die nach Maßstäben und einer Disziplin suchen, nach der sie ihr Leben ausrichten
> 
> können. Auf diesem düsteren Hintergrund einer dekadenten Gesellschaft sollten Bahá’í‐
> Kinder als die Sinnbilder einer besseren Zukunft strahlen.
> [29] Wir hegen die lebhaftesten Erwartungen, wenn wir daran denken, dass die Kontinen‐
> talen Berater sich im Januar 2001 aus einem Anlass versammeln werden, bei dem wir den
> Einzug des Internationalen Lehrzentrums in seinen ständigen Sitz am Berge Gottes feiern
> werden. Hilfsamtsmitglieder aus der ganzen Welt werden mit ihnen an einer Versammlung
> teilnehmen, die sich zweifellos als eines der historischen Ereignisse des Gestaltenden Zeital‐
> ters erweisen wird. Die Zusammenkunft eines solchen Kreises von Bahá’í‐Amtsträgern muss
> allein naturgemäß für eine Gemeinde, die dann kurz vor dem Ende eines Planes und dem
> Eintritt in einen neuen Plan stehen wird, zahllose Wohltaten bringen. Während wir über die‐
> se Auswirkungen nachsinnen, wenden wir uns mit dankbaren Herzen an die geliebten Hän‐
> de der Sache Gottes ‘Alí‐Akbar Furútan und ‘Alí Muhammad Varqá, die durch ihren Auf‐
> enthalt im Heiligen Land die Fackel des Dienstes hochhalten, die der geliebte Hüter in ihren
> Herzen entzündet hat.
> [30] Mit diesem Zwölf‐Monate‐Plan überqueren wir eine Brücke, zu der wir niemals zu‐
> rückkehren werden. Wir beginnen diesen Plan in der Abwesenheit von ‘Amatu’l‐Bahá
> Rúhíyyih Khánum aus diesem irdischen Dasein. Sie blieb bei uns praktisch bis zum Ende
> des zwanzigsten Jahrhunderts als ein Strahl jenes Lichtes, das während jener unvergleichli‐
> chen Periode in der Geschichte der Menschheit schien. In den Sendschreiben zum Göttlichen
> Plan beklagte der Meister Seine Unfähigkeit, durch die Welt zu reisen, um den göttlichen Ruf
> zu erheben, und da er Seine Enttäuschung so intensiv fühlte, schrieb Er die Hoffnung nieder:
> “Es möge Gott gefallen, dass ihr es erreicht!” ‘Amatu’l‐Bahá reagierte darauf mit grenzenlo‐
> ser Energie, berührte weit verstreute Gegenden dieser Erde in den 185 Ländern, die dazu
> ausersehen waren, ihre unvergleichlichen Geschenke zu erhalten. Ihr Beispiel, das für immer
> seinen Glanz behalten wird, erleuchtet die Herzen von Tausenden und Abertausenden auf
> dem ganzen Erdball. Da jede andere Geste unangemessen erscheint, sollten wir nicht alle
> während dieses Planes unsere demütigen Bemühungen dem Gedenken jener widmen, für
> die Lehren das oberste Ziel, die vollkommenste Freude des Lebens war?
> Das Universale Haus der Gerechtigkeit
>
> — *Riḍván-Botschaft 2000 — Bahá'í Verlag GmbH (autorisierte deutsche Übersetzung) (All Rights Reserved — wiedergegeben mit Genehmigung)*

