# 1995 Die Bahai Gemeinde und die UN

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> Die Bahá’í-Gemeinde und die Vereinten Nationen
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> Ein Beitrag von Roland Philipp
> Vertreter der Bahá’í International Community bei den Vereinten 
> Nationen in Wien und Vorsitzender des Jugendkomitees der NGOs
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> Die Bahá’í International Community« (BIC) ist in Vertretung der weltweiten Bahá’í-Gemeinde als regie-
> rungsunabhängige Organisation bei und für die Vereinten Nationen tätig. Die um die Mitte des vorigen 
> Jahrhunderts von Bahá’u’lláh in Persien gestiftete Bahá’í-Religion ist heute mit weltweit rund 6 Millio-
> nen Gläubigen in praktisch allen Ländern der Welt vertreten und bietet damit in sich ein Beispiel des 
> harmonischen Zusammenwirkens von Menschen Verschiedenster Nationalität, Rasse, Klasse und 
> Religion.
> 
>    Die zentrale Lehre der Bahá’í-Religion ist das Prinzip der Einheit der Menschheit, deren Verwirkli-
> chung letztlich zu einem umfassenden und dauerhaften Welt Frieden fuhren wird. Dies setzt nach den 
> Lehren Bahá’u’lláhs allerdings eine grundlegende geistige Wandlung der Menschen und der Gesell-
> schaft voraus. Bahá’u’lláh hat dafür in seinen Schriften umfassende geistige und gesellschaftliche Leh-
> ren und Prinzipien dargelegt, die notwendigen Grundprinzipien einer neuen Weltordnung festgehalten 
> und den Ablauf dieses umfassenden Umbruchsprozesses beschrieben.
> 
>    Ausgestattet mit einer weltumspannenden Organisationsstruktur und im Besitz vielfältiger und aktu-
> eller Erfahrungen mit den subtilen Bedürfnissen und den komplexen Zusammenhängen multikulturel-
> len Zusammenlebens bringt die Bahá’í International Comrnunity einerseits die konkreten Vorstellungen 
> der Bahá’í-Religion für die Befriedung der Völker und die Harmonisierung ihrer berechtigten Bedürfnis-
> se in die Arbeit der Vereinten Nationen ein und steht andererseits nur die Verbreitung der Anliegen und 
> der Programme der Vereinten Nationen im Rahmen der Aktivitäten der weltweit in rund 100.000 Ort-
> schaften tätigen Bahá’í zur Verfügung.
> 
> *	Die Entwicklung der Bahá’í International Community
> 
>    Im Frühjahr 1947 wurde der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in den USA und Kanada von den 
> Vereinten Nationen in New York beim Büro nur Öffentlichkeitsarbeit als nichtstaatliche Organisation 
> anerkannt, was ihn berechtigte, durch einen Botschafter vertreten zu sein.
> 
>    Zu dieser Zeit erbat das Sonderkomitee der Vereinten Nationen nur Palästina von den Bahá’í eine 
> Darstellung der Beziehungen des Bahá’í-Glaubens zu Palästina und über die Bahá’í-Vorstellungen für 
> zukünftige Veränderungen Palästinas. Dies geschah wohl hauptsächlich deshalb, weil sich das geisti-
> ge und organisatorische Weltzentrum der Bahá’í-Religion seit 1868 in Akká und Haifa, im heutigen 
> Israel befindet, wohin Bahá’u’lláh durch die gemeinschaftliche Aktion des damaligen türkischen Sul-
> tans und des persischen Shah verbannt worden war.
> 
>    In der Folge wurden 1948 die damals weltweit bestehenden 8 Nationalen Geistigen Räte gemein-
> schaftlich als »Bahá’í International Community« als NGO mit Beobachterstatus anerkannt.
> 
>    Nachdem in den frühen Jahren der BIC mit ehrenamtlichen Vertretern und mit Teilzeitarbeit aus-
> kam, begann Mitte der 60erJahre entsprechend dem wachsenden Arbeitsumfang und den vielfältigen 
> Arbeitsgebieten mit der Berufung eines ersten hauptamtlichen und vollbeschäftigten Vertreters der BIC 
> in New York ein steter personeller und räumlicher Ausbau des Bahá’í-Büros. Heute ist die Bahá’í Inter-
> national Community an allen Amtssitzen der Vereinten Nationen zumindest mit ehrenamtlichen Vertre-
> tern tätig und unterhält in unmittelbarer Nachbarschaft zum UN-Zentrum in New York ein nach mehre-
> ren Hauptarbeitsgebieten gegliedertes Büro.
> 
>    Dem 1967 eingereichten Antrag auf Zuerkennung des beratenden Status beim Wirtschafts- und So-
> zialrat der Vereinten Nationen wurde schließlich 1970 stattgegeben und die BIC ist heute auch bei 
> anderen UNUnterorganisationen, z.B. bei der UNEP (1974) und bei der UNICEF (1976) akkreditiert. 
> Das schon lange Zeit bestehende \>Internationale Bahá’í-Büro in Genfs wurde 1971 in Hinblick auf die 
> Zusammenarbeit mit der Menschenrechtskommission deutlich verstärkt, was vor allem durch die im-
> mer wiederkehrenden Verfolgungen der Bahä'i in  islamischen Ländern, vor allem aber in ihrem Ur-
> sprungsland Iran, notwendig geworden war.
> 
> *	Aktivitäten der Bahá’í International Community
> 
>     Die Bahá’í wirken bei praktisch allen Projekten und Programmen des Zentrums für wirtschaftliche 
> Entwicklung und humanitäre Angelegenheiten mit. Sie nehmen aktiv an den Vorbereitungsprozessen 
> und den entsprechenden Konferenzen teil und tragen deren Ziele und Anliegen durch Veranstaltungen 
> ihrer örtlichen Bahá’í-Gemeinden in die ganze Welt.
> 
>     Auch die dabei abgedeckten Arbeitsbereiche können hier nur beispielhaft aufgezählt werden: Kin-
> der, Verbrechensverhütung, Abrüstung, Umwelt, Ernährung, Gesundheit, Menschenrechte, Seerecht, 
> Drogen, Frieden, Frauen, Jugend, Alte, Behinderte und andere mehr, wie Bevölkerungsfragen, Ent-
> wicklungsfragen und Weltraumfragen.
> 
> *	Programme für soziale und wirtschaftliche Entwicklung
> 
>     An dieser Stelle soll auch auf die vielfältigen Programme nur soziale und wirtschaftliche Entwick-
> lung hingewiesen werden, die nach dem Motto »Hilfe zur Selbsthilfen mit Schwerpunkt in der soge-
> nannten »Dritten und Vierten Welt« durchgeführt werden.
> 
>     Sie werden vor allem von örtlichen Bahá’í-Gemeinden in Entsprechung ihrer materiellen und perso-
> nellen Möglichkeiten und abgestimmt auf die Bedürfnisse der Menschen in ihrem Wirkungsbereich 
> getragen. Sie umfassen beispielsweise Grund- und Landwirtschaftsschulen, Ernährungs- und Hygie-
> neprogramme, medizinische Programme und Radiostationen, aber auch Kleinprojekte in der Alten-
> betreuung oder im Umweltschutz Ehe- und Familienseminare sowie Geldbeschaffungs- und Spenden-
> aktionen für örtliche Sozialprogramme.
> 
>     Diese Projekte werden teilweise in Zusammenarbeit mit beziehungsweise mit Unterstützung von 
> Teilorganisationen der Vereinten Nationen durchgeführt und sind gute Beispiele für das Zusammen-
> wirken der Bahá’í-Gemeinde und der Vereinten Nationen, in denen in Modell- und Pilotprojekten einer-
> seits die Bestrebungen der Vereinten Nationen wirksam unterstützt und andererseits ein in den Ba-
> há’í-Lehren dargelegter wesentlicher Lösungsansatz praktisch erprobt werden kann die Lösung mate-
> rieller Probleme durch geistige Prinzipien.
> 
> *	Den Übergang zur Stufe der Einheit der Menschheit begleiten
> 
>     Was wir heute beobachten, ist ein grundlegender Umbruch in Wesen und Form menschlichen Zu-
> sammenlebens. Nachdem die Menschheit die aufeinanderfolgenden Stufen gesellschaftlicher Einheit 
> von der Familie zur Sippe, zum Stadtstaat und zur Nation durchschritten hat, stehen wir heute an der 
> Schwelle zur notwendigen Erringung der nächsthöheren Stufe der Einheit, nämlich der Stufe der Ein-
> heit der Menschheit.
> 
>     In den Bahá’í-Schriften ist nachzulesen, daß Der Weltfrieden nicht nur möglich, sondern unaus-
> weichlich ist«, daß Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit unerreichbar sind, 
> wenn nicht und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist« (Bahá’u’lláh) und daß Aderweltfriede von gro-
> ßer Bedeutung, aber die Einheit des Gewissens dabei wesentlich ist«.
> 
>     Die Errichtung eines dauerhaften Weltfriedens bedarf umfassender Ansätze. Wir müssen deshalb 
> endlich anerkennen, daß der Mensch nicht nur ein materielles und soziales Wesen ist, sondern daß er 
> auch geistige Bedürfnisse besitzt, die nicht länger negiert werden dürfen. Dieser grundlegende Um-
> bruch bedarf des Wandels sowohl im innermenschlichen als auch im gesellschaftlichen Bereich, er 
> bedarf des Drucks und des Strebens nicht nur von der Basis, sondern auch von den verantwortlichen 
> geistlichen und weltlichen Führern her.
> 
>     Die Vereinten Nationen könnten in dieser überaus kritischen Situation dieses historischen Um-
> bruchs der Katalysator, das Werkzeug und der Motor für diese Bemühungen sein, und die Bahá’í sind 
> bestrebt, sie dabei nach besten Kräften zu unterstützen.
> 
>     In seiner Erklärung aus Anlaß des Internationalen Jahres des Friedens (1986) schrieb das Univer-
> sale Haus der Gerechtigkeit: »Ob der Friede erst nach unvorstellbaren Schrecken erreichbar ist, he-
> raufbeschworen durch stures Beharren der Menschheit auf veralteten Verhaltensmustern, oder ob er 
> heute durch einen konsultativen Willensakt herbeigeführt wird, dies ist die Wahl, vor die alle Erdenbe-
> wohner gestellt sind.«
> 
> (aus One Country 1995/3)
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> — *1995 Die Bahai Gemeinde und die UN*

