Schenk dein Herz Bahá’u’lláh nach einem Referat von Adib Taherzadeh Die Offenbarung Bahá’u’lláhs hat uns viele wunderbare Begriffe gebracht. Einer bezieht sich auf das Lehren der Sache Gottes. Während in »Nicht-Bahá’í-Kreisen« der Hauptzweck beim Lehren einer Religion die Ver- mehrung der Mitglieder einer Gemeinde ist, ist im Glauben Bahá’u’lláhs das Lehren der Sache ein Akt der Hingabe an Gott und in Seinen Augen die lobenswerteste Tat. Bahá’u’lláh ermahnt Seine Anhänger mit die- sen Worten: '"Lehrt die Sache Gottes, o ihr vom Volke Bahás, denn Gott hat es jedem zur Pflicht gemacht, Seine Botschaft zu lehren und sieht es als die verdienstvollste aller Taten an. (»Ährenlese«, S. 18Z). Und 'Abdu'l-Bahá sagt: »Das Lehren der Sache ist von äußerster Wichtigkeit, denn es ist der Haupteckstein des Fundamentes.« Der Hauptzweck des Lehrens ist nicht einfach, die Mitgliederzahl der Bahá’í-Gemeinde zu vergrößern, ob- wohl dies eines der Resultate ist. Der wesentlichste Beweggrund ist, daß jeder einzelne Mensch Bahá’u’lláh erkennen und Ihm näher kommen soll. In der ganzen Schöpfung gibt es nichts Wichtigeres als die Hinwen- dung der Seele zu Gott. In der physischen Welt sehen wir die Anziehungskraft zwischen der Erde und allem, was in den Einfluß ihrer Schwerkraft kommt. Die Erde neigt dazu, alles anzuziehen, und das Ziel eines jeden Gegenstandes ist es schließlich, sie zu erreichen und auf ihr zu ruhn. Das gleiche Gesetz der Anziehung bindet den Schöpfer an Seine Schöpfung. Die Seele ist hingezogen zu den Welten Gottes, und wenn die Schranken, die zwischen beiden stehen, fallen, wird der Mensch seine wahre Bestimmung erreichen. Die Sache Gottes lehren ist die Handlung, um diese Schranken zu beseitigen. Wenn die Seele Bahá’u’lláh erkennt, wird sie ihren Wohnsitz erreichen, und nichts ist in den Augen Gottes verdienstvoller, als daß Seine Diener sich völlig Ihm zuwenden. Das Ziel des Bahá’í-Lehrers ist, daß die Botschaft Gottes verherrlicht werde und die Menschen befähige, Seine Sache anzunehmen, Seinen Ruhm zu künden und sich Ihm mehr zuzuwenden. Das Lehren ruft mehr als alles andere das Wohlwollen Gottes hervor. In einem Seiner Tablets versichert Bahá’u’lláh, daß zwei Dinge Gott gefallen: die Tränen, die aus Furcht vor Ihm vergossen werden und das Blut des Märtyrers, das auf Seinem Pfade vergossen wird. Aber da das letz- tere nicht immer möglich ist und Bahá’u’lláh Seinen Anhängern geraten hat, ihr Leben nicht absichtlich hin- zugeben, hat Er dies durch das Lehren der Sache ersetzt. Wir wissen, wie erhaben die Stufe jener ist, die das Märtyrertum auf dem Pfade Gottes angenommen haben. Bahá’u’lláh offenbart in den Verborgenen Wor- ten diese erhabene Stufe: »0 Sohn des Menschen! Bei Meiner Schönheit! Wenn du dein Haar mit deinem Blute färbst, so ist dies in Meinen Augen größer als die Schöpfung des Weltalls und der Glanz, beider Wel- ten...« (»Verborgene Worte« [arab.] Nr 47). Und doch, so erhaben ist die Stufe der Lehrer in den Augen Gottes, daß Bahá’u’lláh in einem anderen Tablet versichert, daß in dieser Sendung es vorzuziehen ist, mit Weisheit zu lehren, anstatt sein Leben hinzugeben. Deshalb können wir sehen, daß das .ehren weit tiefere geistige Bedeutung hat als es auf den ersten Blick erscheint. Um einen solchen Akt der Hingabe auszuführen, dem das gleiche Verdienst zukommt, als wenn man auf dem Pfade Gottes sein Leben gibt, bedarf es einiger geistiger Voraussetzungen. Ohne diese wird das Lehren zu einer mechanischen Handlung, die keinen Eindruck auf die Hörer macht. Diese Voraussetzungen sind in den Schriften von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá zu finden. Shoghi Effendi hat einige von ihnen in seinem Brief an die nordamerikanischen Gläubigen »Das Kommen Göttlicher Gerechtig- keit« (S. 37-55) aufgezählt; ein Jahr später gab er ihnen ihren wichtigsten Plan, den ersten Siebenjahresplan. Man kann diese Voraussetzungen in einem Satz zusammenfassen, nämlich: »das Leben im Einklang mit den Bahá’í-Lehren zu leben«. Es steht auch sehr klar in den Schriften, daß ohne diese Voraussetzungen niemand im Lehren der Sache Erfolg haben wird. Bahá’u’lláh sagt in einem Seiner Tablets: »Gott hat jedem die Pflicht auferlegt, Seine Sa- che zu lehren. Wer sich erhebt, um diese Pflicht zu erfüllen, muß sich vor dem Verkünden Seiner Botschaft - das ist unerläßlich -mit dem Schmuck eines aufrechten und lobenswerten Charakters zieren, damit seine Worte die Herzen derer anziehen, die für seinen Ruf empfänglich sind. Ohne diesen kann er niemals hoffen, auf seine Hörer einzuwirken.« (»Ährenlese«, S. 219). Diese Darlegung Bahá’u’lláhs ist unwiderruflich, denn Er sagt: »Ohne diesen kann er niemals hoffen, auf seine Hörer einzuwirken«. Das Wort »niemals« ist sehr betont und schließt jede andere Lehrweise aus. In unzähligen anderen Tablets hat Bahá’u’lláh ähnliche Erklärungen offenbart. ‘Abdu’l-Bahá schreibt in einem Seiner Tablets: »Das Ziel ist dieses: die Absicht des Lehrers muß rein sein, sein Herz unabhängig, sein Geist angezogen, sein Denken in Frieden, seine Entscheidung fest, seine Groß- mut erhaben und in der Liebe zu Gott eine leuchtende Fackel. Wenn er so wird, wird sein geheiligter Atem sogar Felsen anziehen; anders wird es keinen Erfolg geben.