# 18 Das Buch Hiob

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> Hiobs Frömmigkeit und Glück
> 
> 1:1    Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und
> rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse.
> Jer 25,20; Klgl 4,21;  Hes 14,14; 14,20;  Jak 5,11
> 
> 1:2    Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter,
> 
> 1:3    und er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert
> Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, und er
> war reicher als alle, die im Osten wohnten.
> 
> 1:4    Und seine Söhne gingen hin und machten ein Festmahl, ein jeder in
> seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei
> Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.
> 
> 1:5    Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte
> sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach
> ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt
> und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.
> 
> Hiob bewährt sich in schwerer Prüfung
> 
> 1:6    Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor
> den HERRN traten, kam auch der Satan unter ihnen.
> Kap 2,1; 1. Mose 6,2;  1. Chr 21,1
> Das sind himmlische Wesen, die das Gefolge Gottes bilden (vgl. Kap
> 38,7; Ps 82,1) und vor seinem Thron erscheinen (vgl. 1. Kön 22,19);
> zu ihnen gehört auch der Satan (vgl. Sach 3,1).
> 
> 1:7    Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan
> antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her
> durchzogen.
> 
> 1:8    Der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht
> Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und
> rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.
> 
> 1:9    Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob Gott
> umsonst fürchtet?
> Ps 73,13
> 
> 1:10   Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher
> beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz
> hat sich ausgebreitet im Lande.
> 
> 1:11   Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was
> gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!
> 
> 1:12   Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner
> Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan
> hinaus von dem HERRN.
> 5. Mose 8,2
> 
> 1:13   An dem Tage aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken
> im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen,
> 
> 1:14   kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die
> Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide,
> 
> 1:15   da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die
> Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen,
> daß ich dir's ansagte.
> 
> 1:16   Als der noch redete, kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes fiel
> vom Himmel und traf Schafe und Knechte und verzehrte sie, und ich
> allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.
> Ps 78,48
> 
> 1:17   Als der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten
> drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie weg
> und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich
> allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.
> Jer 51,24
> 
> 1:18   Als der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter
> aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen,
> 
> 1:19   und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die
> vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, daß sie
> starben, und ich allein bin entronnen, daß ich dir's ansagte.
> 
> 1:20   Da stand Hiob auf und zerriß sein Kleid und schor sein Haupt und
> fiel auf die Erde und neigte sich tief
> 
> 1:21   und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt
> werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's
> genommen; der Name des HERRN sei gelobt! -
> Pred 5,14; 1. Tim 6,7;  Jak 5,11
> 
> 1:22   In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider
> Gott.
> 
>          Hiob bewährt sich erneut in schwerer Prüfung
> 
> 2:1    Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den
> HERRN traten, daß auch der Satan unter ihnen kam und vor den HERRN
> trat.
> Kap 1,6
> 
> 2:2    Da sprach der HERR zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan
> antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her
> durchzogen.
> 
> 2:3    Der HERR sprach zu dem Satan: Hast du acht auf meinen Knecht Hiob
> gehabt? Denn es ist seinesgleichen auf Erden nicht, fromm und
> rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest
> an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu
> verderben.
> 
> 2:4    Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Haut für Haut! und alles,
> was ein Mann hat, läßt er für sein Leben.
> 
> 2:5    Aber strecke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an:
> was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!
> 
> 2:6    Der HERR sprach zu dem Satan: Siehe da, er sei in deiner Hand, doch
> schone sein Leben!
> 
> 2:7    Da ging der Satan hinaus vom Angesicht des HERRN und schlug Hiob
> mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel.
> 5. Mose 28,27
> 
> 2:8    Und er nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche.
> 
> 2:9    Und seine Frau sprach zu ihm: Hältst du noch fest an deiner
> Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!
> 
> 2:10   Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Weiber reden.
> Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch
> annehmen? In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen
> Lippen.
> Kap 1,22
> 
> Hiob wird von drei Freunden besucht
> 
> 2:11   Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn
> gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Elifas von
> Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama. Denn sie waren eins
> geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten.
> 1. Mose 36,15; Jer 49,7;  1. Mose 25,2;  Jos 15,41
> 
> 2:12   Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht
> und erhoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriß sein
> Kleid, und sie warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt
> 
> 2:13   und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und
> redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß
> war.
> 
>          Hiobs Klage
> 
> 3:1    Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
> 
> 3:2    Und Hiob sprach:
> 
> 3:3    Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, und die Nacht, da
> man sprach: Ein Knabe kam zur Welt!
> Jer 20,14-18
> 
> 3:4    Jener Tag soll finster sein, und Gott droben frage nicht nach ihm!
> Kein Glanz soll über ihm scheinen!
> 
> 3:5    Finsternis und Dunkel sollen ihn überwältigen und düstere Wolken
> über ihm bleiben, und Verfinsterung am Tage mache ihn schrecklich!
> 
> 3:6    Jene Nacht - das Dunkel nehme sie hinweg, sie soll sich nicht unter
> den Tagen des Jahres freuen noch in die Zahl der Monde kommen!
> 
> 3:7    Siehe, jene Nacht sei unfruchtbar und kein Jauchzen darin!
> 
> 3:8    Es sollen sie verfluchen, die einen Tag verfluchen können, und die
> da kundig sind, den Leviatan zu wecken!
> d. i. ein Riesentier, nach der Art des Krokodils (Kap 40,25).
> 
> 3:9    Ihre Sterne sollen finster sein in ihrer Dämmerung. Die Nacht hoffe
> aufs Licht, doch es komme nicht, und sie sehe nicht die Wimpern der
> Morgenröte,
> 
> 3:10   weil sie nicht verschlossen hat den Leib meiner Mutter und nicht
> verborgen das Unglück vor meinen Augen!
> 
> 3:11   Warum bin ich nicht gestorben bei meiner Geburt? Warum bin ich nicht
> umgekommen, als ich aus dem Mutterleib kam?
> 
> 3:12   Warum hat man mich auf den Schoß genommen? Warum bin ich an den
> Brüsten gesäugt?
> 
> 3:13   Dann läge ich da und wäre still, dann schliefe ich und hätte Ruhe
> 
> 3:14   mit den Königen und Ratsherren auf Erden, die sich Grüfte erbauten,
> 2. Sam 18,18
> 
> 3:15   oder mit den Fürsten, die Gold hatten und deren Häuser voll Silber
> waren;
> 
> 3:16   wie eine Fehlgeburt, die man verscharrt hat, hätte ich nie gelebt,
> wie Kinder, die das Licht nie gesehen haben.
> 
> 3:17   Dort haben die Gottlosen aufgehört mit Toben; dort ruhen, die viel
> Mühe gehabt haben.
> 
> 3:18   Da haben die Gefangenen allesamt Frieden und hören nicht die Stimme
> des Treibers.
> 
> 3:19   Da sind klein und groß gleich, und der Knecht ist frei von seinem
> Herrn.
> 
> 3:20   Warum gibt Gott das Licht dem Mühseligen und das Leben den betrübten
> Herzen
> 
> 3:21   - die auf den Tod warten, und er kommt nicht, und nach ihm suchen
> mehr als nach Schätzen,
> Offb 9,6
> 
> 3:22   die sich sehr freuten und fröhlich wären, wenn sie ein Grab
> bekämen -,
> 
> 3:23   dem Mann, dessen Weg verborgen ist, dem Gott den Pfad ringsum
> verzäunt hat?
> Kap 19,8
> 
> 3:24   Denn wenn ich essen soll, muß ich seufzen, und mein Schreien fährt
> heraus wie Wasser.
> 
> 3:25   Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir
> graute, hat mich getroffen.
> 
> 3:26   Ich hatte keinen Frieden, keine Rast, keine Ruhe, da kam schon
> wieder ein Ungemach!
> 
>          HIOBS GESPRÄCHE MIT SEINEN FREUNDEN (Kapitel 4,1 - 27,23)
> Des Elifas erste Rede
> 
> 4:1    Da hob Elifas von Teman an und sprach:
> 
> 4:2    Du hast's vielleicht nicht gern, wenn man versucht, mit dir zu
> reden; aber Worte zurückhalten, wer kann's?
> 
> 4:3    Siehe, du hast viele unterwiesen und matte Hände gestärkt;
> 
> 4:4    deine Rede hat die Strauchelnden aufgerichtet, und die bebenden Knie
> hast du gekräftigt.
> 
> 4:5    Nun es aber an dich kommt, wirst du weich, und nun es dich trifft,
> erschrickst du!
> 
> 4:6    Ist nicht deine Gottesfurcht dein Trost, und die Unsträflichkeit
> deiner Wege deine Hoffnung?
> 
> 4:7    Bedenke doch: Wo ist ein Unschuldiger umgekommen? Oder wo wurden die
> Gerechten je vertilgt?
> 
> 4:8    Wohl aber habe ich gesehen: Die da Frevel pflügten und Unheil säten,
> ernteten es auch ein.
> Spr 22,8
> 
> 4:9    Durch den Odem Gottes sind sie umgekommen und vom Schnauben seines
> Zorns vertilgt.
> 
> 4:10   Das Brüllen der Löwen und die Stimme der Leuen und die Zähne der
> jungen Löwen sind dahin.
> 
> 4:11   Der Löwe kommt um, wenn er keine Beute hat, und die Jungen der Löwin
> werden zerstreut.
> 
> 4:12   Zu mir ist heimlich ein Wort gekommen, und von ihm hat mein Ohr ein
> Flüstern empfangen
> 
> 4:13    beim Nachsinnen über Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf
> die Leute fällt;
> (13-17) Kap 33,15-18; 1. Mose 15,12
> 
> 4:14   da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine
> erschraken.
> 
> 4:15   Und ein Hauch fuhr an mir vorüber; es standen mir die Haare zu Berge
> an meinem Leibe.
> 
> 4:16   Da stand ein Gebilde vor meinen Augen, doch ich erkannte seine
> Gestalt nicht; es war eine Stille, und ich hörte eine Stimme:
> 
> 4:17   Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein
> vor dem, der ihn gemacht hat?
> 1. Kön 8,46; Ps 14,3; Spr 20,9
> 
> 4:18   Siehe, seinen Dienern traut er nicht, und seinen Boten wirft er
> Torheit vor:
> Kap 15,15
> 
> 4:19   wieviel mehr denen, die in Lehmhäusern wohnen und auf Staub
> gegründet sind und wie Motten zerdrückt werden!
> 
> 4:20   Es währt vom Morgen bis zum Abend, so werden sie zerschlagen, und
> ehe man's gewahr wird, sind sie ganz dahin.
> 
> 4:21   Ihr Zelt wird abgebrochen, und sie sterben unversehens.
> 
>   5:1    Rufe doch, ob einer dir antwortet! Und an welchen von den Heiligen
> willst du dich wenden?
> 
> 5:2    Denn einen Toren tötet der Unmut, und den Unverständigen bringt der
> Eifer um.
> 
> 5:3     Ich sah einen Toren Wurzel schlagen, doch plötzlich schwand er von
> seiner Stätte dahin.
> (3-5) Ps 37,35-36
> 
> 5:4    Seinen Kindern bleibt Hilfe fern, und sie werden zerschlagen im Tor;
> denn kein Erretter ist da.
> 
> 5:5    Seine Ernte verzehrt der Hungrige, und auch aus den Hecken holt er
> sie, und nach seinem Gut lechzen die Durstigen.
> 
> 5:6    Denn Frevel geht nicht aus der Erde hervor, und Unheil wächst nicht
> aus dem Acker;
> 
> 5:7    sondern der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil, wie Funken hoch
> emporfliegen.
> 
> 5:8    Ich aber würde mich zu Gott wenden und meine Sache vor ihn bringen,
> 
> 5:9    der große Dinge tut, die nicht zu erforschen sind, und Wunder, die
> nicht zu zählen sind,
> Kap 9,10
> 
> 5:10   der den Regen aufs Land gibt und Wasser kommen läßt auf die Gefilde,
> 
> 5:11   der die Niedrigen erhöht und den Betrübten emporhilft.
> Ps 75,8; Lk 1,52
> 
> 5:12   Er macht zunichte die Pläne der Klugen, so daß ihre Hand sie nicht
> ausführen kann.
> 
> 5:13   Er fängt die Weisen in ihrer Klugheit und stürzt den Rat der
> Verkehrten,
> 1. Kor 3,19
> 
> 5:14   daß sie am Tage in Finsternis laufen und tappen am Mittag wie in
> der Nacht.
> Jes 59,9-10
> 
> 5:15   Er hilft dem Armen vom Schwert und den Elenden von der Hand des
> Mächtigen.
> 
> 5:16   Dem Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muß ihren Mund
> zuhalten.
> 
> 5:17   Siehe, selig ist der Mensch, den Gott zurechtweist; darum widersetze
> dich der Zucht des Allmächtigen nicht.
> Ps 94,12; Spr 3,11
> 
> 5:18   Denn er verletzt und verbindet; er zerschlägt, und seine Hand
> heilt.
> 5. Mose 32,39; Hos 6,1
> 
> 5:19   In sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in sieben wird dich
> kein Übel anrühren.
> Ps 37,24; Spr 24,16
> 
> 5:20   In der Hungersnot wird er dich vom Tod erlösen und im Kriege von des
> Schwertes Gewalt.
> 
> 5:21   Er wird dich verbergen vor der Geißel der Zunge, daß du dich nicht
> fürchten mußt, wenn Verderben kommt.
> 
> 5:22   Über Verderben und Hunger wirst du lachen und dich vor den wilden
> Tieren im Lande nicht fürchten.
> 
> 5:23   Denn dein Bund wird sein mit den Steinen auf dem Felde, und die
> wilden Tiere werden Frieden mit dir halten,
> Jes 11,6-9; Hos 2,20
> 
> 5:24   und du wirst erfahren, daß deine Hütte Frieden hat, und wirst deine
> Stätte überschauen und nichts vermissen,
> 
> 5:25   und du wirst erfahren, daß deine Kinder sich mehren und deine
> Nachkommen wie das Gras auf Erden sind,
> 
> 5:26   und du wirst im Alter zu Grabe kommen, wie Garben eingebracht werden
> zur rechten Zeit.
> 
> 5:27   Siehe, das haben wir erforscht, so ist es; darauf höre und merke du
> dir's.
> 
>          Hiobs erste Antwort an Elifas
> 
> 6:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 6:2    Wenn man doch meinen Kummer wägen und mein Leiden zugleich auf die
> Waage legen wollte!
> 
> 6:3    Denn nun ist es schwerer als Sand am Meer; darum sind meine Worte
> noch unbedacht.
> 
> 6:4    Denn die Pfeile des Allmächtigen stecken in mir; mein Geist muß ihr
> Gift trinken, und die Schrecknisse Gottes sind auf mich gerichtet.
> Ps 38,3
> 
> 6:5    Schreit denn der Wildesel, wenn er Gras hat, oder brüllt der Stier,
> wenn er sein Futter hat?
> 
> 6:6    Ißt man denn Fades, ohne es zu salzen, oder hat Eiweiß
> Wohlgeschmack?
> 
> 6:7    Meine Seele sträubt sich, es anzurühren; es ist, als wäre mein Brot
> unrein.
> 
> 6:8    Könnte meine Bitte doch geschehen und Gott mir geben, was ich hoffe!
> 
> 6:9    Daß mich doch Gott erschlagen wollte und seine Hand ausstreckte und
> mir den Lebensfaden abschnitte!
> 
> 6:10   So hätte ich noch diesen Trost und wollte fröhlich springen - ob
> auch der Schmerz mich quält ohne Erbarmen -, daß ich nicht
> verleugnet habe die Worte des Heiligen.
> 
> 6:11   Was ist meine Kraft, daß ich ausharren könnte; und welches Ende
> wartet auf mich, daß ich geduldig sein sollte?
> 
> 6:12   Ist doch meine Kraft nicht aus Stein und mein Fleisch nicht aus Erz.
> 
> 6:13   Hab ich denn keine Hilfe mehr, und gibt es keinen Rat mehr für mich?
> 
> 6:14   Wer Barmherzigkeit seinem Nächsten verweigert, der gibt die Furcht
> vor dem Allmächtigen auf.
> 
> 6:15   Meine Brüder trügen wie ein Bach, wie das Bett der Bäche, die
> versickern,
> Ps 38,12
> 
> 6:16   die erst trübe sind vom Eis, darin der Schnee sich birgt,
> 
> 6:17   doch zur Zeit, wenn die Hitze kommt, versiegen sie; wenn es heiß
> wird, vergehen sie von ihrer Stätte:
> 
> 6:18   Ihr Weg windet sich dahin und verläuft, sie gehen hin ins Nichts und
> verschwinden.
> 
> 6:19   Die Karawanen von Tema blickten aus auf sie, die Karawanen von Saba
> hofften auf sie;
> Kap 1,15
> 
> 6:20   aber sie wurden zuschanden über ihrer Hoffnung und waren betrogen,
> als sie dahin kamen.
> 
> 6:21   So seid ihr jetzt für mich geworden; weil ihr Schrecknisse seht,
> fürchtet ihr euch.
> 
> 6:22   Hab ich denn gesagt: Schenkt mir etwas und bezahlt für mich von
> eurem Vermögen
> 
> 6:23   und errettet mich aus der Hand des Feindes und kauft mich los von
> der Hand der Gewalttätigen?
> 
> 6:24   Belehret mich, so will ich schweigen, und worin ich geirrt habe,
> darin unterweist mich!
> 
> 6:25   Wie kräftig sind doch redliche Worte! Aber euer Tadeln, was beweist
> das?
> 
> 6:26   Gedenkt ihr, Worte zu rügen? Aber die Rede eines Verzweifelnden
> verhallt im Wind.
> 
> 6:27   Ihr freilich könntet wohl über eine arme Waise das Los werfen und
> euren Nächsten verschachern.
> 
> 6:28   Nun aber hebt doch an und seht auf mich, ob ich euch ins Angesicht
> lüge.
> 
> 6:29   Kehrt doch um, damit nicht Unrecht geschehe! Kehrt um! Noch habe ich
> recht darin!
> 
> 6:30   Ist denn auf meiner Zunge Unrecht, oder sollte mein Gaumen Böses
> nicht merken?
> 
>   7:1    Muß nicht der Mensch immer im Dienst stehen auf Erden, und sind
> seine Tage nicht wie die eines Tagelöhners?
> Kap 14,6
> 
> 7:2    Wie ein Knecht sich sehnt nach dem Schatten und ein Tagelöhner auf
> seinen Lohn wartet,
> 
> 7:3    so hab ich wohl ganze Monate vergeblich gearbeitet, und viele elende
> Nächte sind mir geworden.
> 
> 7:4    Wenn ich mich niederlegte, sprach ich: Wann werde ich aufstehen? Bin
> ich aufgestanden, so wird mir's lang bis zum Abend, und mich quälte
> die Unruhe bis zur Dämmerung.
> 
> 7:5    Mein Fleisch ist um und um eine Beute des Gewürms und faulig, meine
> Haut ist verschrumpft und voller Eiter.
> 
> 7:6    Meine Tage sind schneller dahingeflogen als ein Weberschiffchen und
> sind vergangen ohne Hoffnung.
> Jes 38,12
> 
> 7:7    Bedenke, daß mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder
> Gutes sehen werden.
> 
> 7:8    Und kein lebendiges Auge wird mich mehr schauen; sehen deine Augen
> nach mir, so bin ich nicht mehr.
> 
> 7:9    Eine Wolke vergeht und fährt dahin: so kommt nicht wieder herauf,
> wer zu den Toten hinunterfährt;
> 
> 7:10   er kommt nicht zurück, und seine Stätte kennt ihn nicht mehr.
> Kap 10,21; 14,12;  Ps 103,16
> 
> 7:11   Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren. Ich will reden in der
> Angst meines Herzens und will klagen in der Betrübnis meiner Seele.
> 
> 7:12   Bin ich denn das Meer oder der Drache, daß du eine Wache gegen mich
> aufstellst?
> 
> 7:13   Wenn ich dachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mir
> meinen Jammer erleichtern,
> 
> 7:14   so erschrecktest du mich mit Träumen und machtest mir Grauen durch
> Gesichte,
> 
> 7:15   daß ich mir wünschte, erwürgt zu sein, und den Tod lieber hätte als
> meine Schmerzen.
> 
> 7:16   Ich vergehe! Ich leb' ja nicht ewig. Laß ab von mir, denn meine Tage
> sind nur noch ein Hauch.
> 1. Kön 19,4
> 
> 7:17   Was ist der Mensch, daß du ihn groß achtest und dich um ihn
> bekümmerst?
> 
> 7:18   Jeden Morgen suchst du ihn heim und prüfst ihn alle Stunden.
> 
> 7:19   Warum blickst du nicht einmal von mir weg und läßt mir keinen
> Atemzug Ruhe?
> 
> 7:20   Hab ich gesündigt, was tue ich dir damit an, du Menschenhüter? Warum
> machst du mich zum Ziel deiner Anläufe, daß ich mir selbst eine Last
> bin?
> 
> 7:21   Und warum vergibst du mir meine Sünde nicht oder läßt meine Schuld
> hingehen? Denn nun werde ich mich in die Erde legen, und wenn du
> mich suchst, werde ich nicht mehr dasein.
> 
>          Bildads erste Rede
> 
> 8:1    Da hob Bildad von Schuach an und sprach:
> 
> 8:2    Wie lange willst du so reden und sollen die Reden deines Mundes so
> ungestüm daherfahren?
> 
> 8:3    Meinst du, daß Gott unrecht richtet oder der Allmächtige das Recht
> verkehrt?
> Kap 34,10
> 
> 8:4    Haben deine Söhne vor ihm gesündigt, so hat er sie verstoßen um
> ihrer Sünde willen.
> Kap 1,4-5
> 
> 8:5    Wenn du aber dich beizeiten zu Gott wendest und zu dem Allmächtigen
> flehst,
> 
> 8:6    wenn du rein und fromm bist, so wird er deinetwegen aufwachen und
> wird wieder aufrichten deine Wohnung, wie es dir zusteht.
> Ps 35,23
> 
> 8:7    Und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach sehr zunehmen.
> Kap 42,10
> 
> 8:8    Denn frage die früheren Geschlechter und merke auf das, was ihre
> Väter erforscht haben,
> 
> 8:9    denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unsere Tage sind
> ein Schatten auf Erden.
> 
> 8:10   Sie werden dich's lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem
> Herzen hervorbringen:
> 
> 8:11   »Kann auch Rohr aufwachsen, wo es nicht feucht ist, oder Schilf
> wachsen ohne Wasser?
> 
> 8:12   Noch steht's in Blüte, bevor man es schneidet, da verdorrt es schon
> vor allem Gras.
> 
> 8:13   So geht es jedem, der Gott vergißt, und die Hoffnung des Ruchlosen
> wird verloren sein.
> Kap 11,20; Spr 10,28
> 
> 8:14   Denn seine Zuversicht vergeht, und seine Hoffnung ist ein Spinnweb.
> 
> 8:15   Er verläßt sich auf sein Haus, aber es hält nicht stand; er hält
> sich daran, aber es bleibt nicht stehen.
> 
> 8:16   Er steht voll Saft im Sonnenschein, und seine Reiser wachsen hinaus
> über seinen Garten.
> 
> 8:17   Über Steinhaufen schlingen sich seine Wurzeln und halten sich
> zwischen Steinen fest.
> 
> 8:18   Wenn man ihn aber vertilgt von seiner Stätte, so wird sie ihn
> verleugnen, als kennte sie ihn nicht.
> 
> 8:19   Siehe, das ist das Glück seines Lebens, und aus dem Staube werden
> andre wachsen.«
> 
> 8:20   Siehe, Gott verwirft die Frommen nicht und hält die Hand der
> Boshaften nicht fest,
> 
> 8:21   bis er deinen Mund voll Lachens mache und deine Lippen voll
> Jauchzens.
> 
> 8:22   Die dich aber hassen, müssen sich in Schmach kleiden, und die Hütte
> der Gottlosen wird nicht bestehen.
> 
>          Hiobs erste Antwort an Bildad
> 
> 9:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 9:2    Ja, ich weiß sehr gut, daß es so ist und daß ein Mensch nicht recht
> behalten kann gegen Gott.
> Kap 40,3-5; Ps 143,2
> 
> 9:3    Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht
> eins antworten.
> Ps 19,13
> 
> 9:4    Gott ist weise und mächtig; wem ist's je gelungen, der sich gegen
> ihn gestellt hat?
> 
> 9:5    Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden; er kehrt sie um in seinem
> Zorn.
> 
> 9:6    Er bewegt die Erde von ihrem Ort, daß ihre Pfeiler zittern.
> 
> 9:7    Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die
> Sterne.
> 
> 9:8    Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers.
> Mt 14,25
> 
> 9:9    Er macht den Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn
> und die Sterne des Südens.
> Kap 38,31; Am 5,8
> 
> 9:10   Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht
> zu zählen sind.
> Kap 5,9
> 
> 9:11   Siehe, er geht an mir vorüber, ohne daß ich's gewahr werde, und
> wandelt vorbei, ohne daß ich's merke.
> 
> 9:12   Siehe, wenn er wegrafft, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen:
> Was machst du?
> 
> 9:13   Gott wehrt seinem Zorn nicht; unter ihn mußten sich beugen die
> Helfer Rahabs.
> Kap 26,12; Ps 89,11
> d. i. der Drache der Urzeit.
> 
> 9:14   Wie sollte dann ich ihm antworten und Worte finden vor ihm?
> 
> 9:15   Wenn ich auch recht habe, so kann ich ihm doch nicht antworten,
> sondern ich müßte um mein Recht flehen.
> 
> 9:16   Wenn ich ihn auch anrufe, daß er mir antwortet, so glaube ich nicht,
> daß er meine Stimme hört,
> 
> 9:17   vielmehr greift er nach mir im Wettersturm und schlägt mir viele
> Wunden ohne Grund.
> 
> 9:18   Er läßt mich nicht Atem schöpfen, sondern sättigt mich mit
> Bitternis.
> 
> 9:19   Geht es um Macht und Gewalt: Er hat sie. Geht es um Recht: Wer will
> ihn vorladen?
> Vers 33
> 
> 9:20   Wäre ich gerecht, so müßte mich doch mein Mund verdammen; wäre ich
> unschuldig, so würde er mich doch schuldig sprechen.
> 
> 9:21   Ich bin unschuldig! Ich möchte nicht mehr leben; ich verachte mein
> Leben.
> 
> 9:22   Es ist eins, darum sage ich: Er bringt den Frommen um wie den
> Gottlosen.
> Kap 8,20; Pred 9,2-3
> 
> 9:23   Wenn seine Geißel plötzlich tötet, so spottet er über die
> Verzweiflung der Unschuldigen.
> 
> 9:24   Er hat die Erde unter gottlose Hände gegeben, und das Antlitz ihrer
> Richter verhüllt er. Wenn nicht er, wer anders sollte es tun?
> 
> 9:25   Meine Tage sind schneller gewesen als ein Läufer; sie sind
> dahingeflohen und haben nichts Gutes erlebt.
> 
> 9:26   Sie sind dahingefahren wie schnelle Schiffe, wie ein Adler
> herabstößt auf die Beute.
> 
> 9:27   Wenn ich denke: Ich will meine Klage vergessen und mein Angesicht
> ändern und heiter bleiben,
> 
> 9:28   so fürchte ich doch wieder alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß
> du mich nicht unschuldig sprechen wirst.
> 
> 9:29   Ich soll ja doch schuldig sein! Warum mühe ich mich denn so
> vergeblich?
> 
> 9:30   Wenn ich mich auch mit Schneewasser wüsche und reinigte meine Hände
> mit Lauge,
> Jer 2,22
> 
> 9:31   so wirst du mich doch eintauchen in die Grube, daß sich meine
> Kleider vor mir ekeln.
> 
> 9:32   Denn er ist nicht ein Mensch wie ich, dem ich antworten könnte, daß
> wir miteinander vor Gericht gingen.
> Pred 6,10
> 
> 9:33   Daß es doch zwischen uns einen Schiedsmann gäbe, der seine Hand auf
> uns beide legte!
> 
> 9:34   Daß er seine Rute von mir nehme und mich nicht mehr ängstige!
> 
> 9:35   So wollte ich reden und mich nicht vor ihm fürchten, denn ich bin
> mir keiner Schuld bewußt.
> 
>  10:1    Mich ekelt mein Leben an. Ich will meiner Klage ihren Lauf lassen
> und reden in der Betrübnis meiner Seele
> 
> 10:2    und zu Gott sagen: Verdamme mich nicht! Laß mich wissen, warum du
> mich vor Gericht ziehst.
> 
> 10:3    Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und verwirfst mich, den deine
> Hände gemacht haben, und bringst der Gottlosen Vorhaben zu Ehren?
> 
> 10:4    Hast du denn Menschenaugen, oder siehst du, wie ein Sterblicher
> sieht?
> 1. Sam 16,7
> 
> 10:5    Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit oder deine Jahre wie
> eines Mannes Jahre,
> 
> 10:6    daß du nach meiner Schuld fragst und nach meiner Sünde suchst,
> 
> 10:7    wo du doch weißt, daß ich nicht schuldig bin und niemand da ist, der
> aus deiner Hand erretten kann?
> 
> 10:8     Deine Hände haben mich gebildet und bereitet; danach hast du dich
> abgewandt und willst mich verderben?
> Ps 139,14
> 
> 10:9    Bedenke doch, daß du mich aus Erde gemacht hast, und läßt mich
> wieder zum Staub zurückkehren?
> Kap 33,6; 1. Mose 2,7;  1. Mose 3,19
> 
> 10:10   Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse gerinnen
> lassen?
> 
> 10:11   Du hast mir Haut und Fleisch angezogen; mit Knochen und Sehnen hast
> du mich zusammengefügt;
> 
> 10:12    Leben und Wohltat hast du an mir getan, und deine Obhut hat meinen
> Odem bewahrt.
> Apg 17,28
> 
> 10:13   Aber du verbargst in deinem Herzen - ich weiß, du hattest das im
> Sinn -,
> 
> 10:14   daß du darauf achten wolltest, wenn ich sündigte, und mich von
> meiner Schuld nicht lossprechen.
> 
> 10:15   Wäre ich schuldig, dann wehe mir! Und wäre ich schuldlos, so dürfte
> ich doch mein Haupt nicht erheben, gesättigt mit Schmach und
> getränkt mit Elend.
> 
> 10:16   Und wenn ich es aufrichtete, so würdest du mich jagen wie ein Löwe
> und wiederum erschreckend an mir handeln.
> Jes 38,13
> 
> 10:17   Du würdest immer neue Zeugen gegen mich stellen und deinen Zorn auf
> mich noch mehren und immer neue Heerhaufen gegen mich senden.
> 
> 10:18   Warum hast du mich aus meiner Mutter Leib kommen lassen? Ach daß ich
> umgekommen wäre und mich nie ein Auge gesehen hätte!
> Kap 3,11; Jer 20,14
> 
> 10:19   So wäre ich wie die, die nie gewesen sind, vom Mutterleib weg zum
> Grabe gebracht.
> 
> 10:20   Ist denn mein Leben nicht kurz? So höre auf und laß ab von mir, daß
> ich ein wenig erquickt werde,
> 
> 10:21   ehe denn ich hingehe - und komme nicht zurück - ins Land der
> Finsternis und des Dunkels,
> Kap 7,10
> 
> 10:22   ins Land, wo es stockfinster ist und dunkel ohne alle Ordnung, und
> wenn's hell wird, so ist es immer noch Finsternis.
> 
>          Zofars erste Rede
> 
> 11:1    Da hob Zofar von Naama an und sprach:
> 
> 11:2    Muß langes Gerede ohne Antwort bleiben? Muß denn ein Schwätzer immer
> recht haben?
> 
> 11:3    Müssen Männer zu deinem leeren Gerede schweigen, daß du spottest und
> niemand dich beschämt?
> 
> 11:4    Du sprichst: »Meine Rede ist rein, und lauter bin ich vor deinen
> Augen.«
> Kap 9,21; 10,7
> 
> 11:5    Ach, daß Gott mit dir redete und täte seine Lippen auf
> 
> 11:6    und zeigte dir die Tiefen der Weisheit - denn sie ist zu wunderbar
> für jede Erkenntnis -, damit du weißt, daß er noch nicht an alle
> deine Sünden denkt.
> Ps 51,8
> 
> 11:7    Meinst du, daß du weißt, was Gott weiß, oder kannst du alles so
> vollkommen treffen wie der Allmächtige?
> 
> 11:8    Die Weisheit ist höher als der Himmel: was willst du tun?, tiefer
> als die Hölle: was kannst du wissen?,
> 
> 11:9    länger als die Erde und breiter als das Meer:
> 
> 11:10   wenn er daherfährt und gefangenlegt und Gericht hält - wer will's
> ihm wehren?
> 
> 11:11   Denn er kennt die heillosen Leute; er sieht den Frevel und sollte es
> nicht merken?
> 
> 11:12   Kann ein Hohlkopf verständig werden, kann ein junger Wildesel als
> Mensch zur Welt kommen?
> 
> 11:13   Wenn aber du dein Herz auf ihn richtest und deine Hände zu ihm
> ausbreitest,
> 
> 11:14   wenn du den Frevel in deiner Hand von dir wegtust, daß in deiner
> Hütte kein Unrecht bliebe:
> 
> 11:15   so könntest du dein Antlitz aufheben ohne Tadel und würdest fest
> sein und dich nicht fürchten.
> 
> 11:16   Dann würdest du alle Mühsal vergessen und so wenig daran denken wie
> an Wasser, das verrinnt,
> 
> 11:17   und dein Leben würde aufgehen wie der Mittag, und das Finstre würde
> ein lichter Morgen werden,
> 
> 11:18    und du dürftest dich trösten, daß Hoffnung da ist, würdest rings um
> dich blicken und dich in Sicherheit schlafen legen,
> (18 und 19) Ps 4,9
> 
> 11:19   würdest ruhen, und niemand würde dich aufschrecken, und viele würden
> deine Gunst erbitten.
> 
> 11:20   Aber die Augen der Gottlosen werden verschmachten, und sie werden
> nicht entrinnen können, und als ihre Hoffnung bleibt, die Seele
> auszuhauchen.
> Kap 8,14
> 
>          Hiobs erste Antwort an Zofar
> 
> 12:1    Da antwortete Hiob und sprach:
> 
> 12:2    Ja, ihr seid die Leute, mit euch wird die Weisheit sterben!
> 
> 12:3    Ich hab ebenso Verstand wie ihr und bin nicht geringer als ihr; wer
> wüßte das nicht?
> 
> 12:4    Ich muß von meinem Nächsten verlacht sein, der ich Gott anrief und
> den er erhörte. Der Gerechte und Fromme muß verlacht sein.
> 
> 12:5    Dem Unglück gebührt Verachtung, so meint der Sichere; ein Stoß
> denen, deren Fuß schon wankt!
> 
> 12:6    Die Hütten der Verwüster stehen ganz sicher, und Ruhe haben, die
> wider Gott toben, die Gott in ihrer Faust führen.
> Hab 1,11
> 
> 12:7    Frage doch das Vieh, das wird dich's lehren, und die Vögel unter dem
> Himmel, die werden dir's sagen,
> 
> 12:8    oder die Sträucher der Erde, die werden dich's lehren, und die
> Fische im Meer werden dir's erzählen.
> 
> 12:9    Wer erkennte nicht an dem allen, daß des HERRN Hand das gemacht hat,
> 
> 12:10   daß in seiner Hand ist die Seele von allem, was lebt, und der
> Lebensodem aller Menschen?
> 4. Mose 16,22; Apg 17,28
> 
> 12:11   Prüft nicht das Ohr die Rede, wie der Mund die Speise schmeckt?
> 
> 12:12   Bei den Großvätern nur soll Weisheit sein und Verstand nur bei den
> Alten?
> Kap 8,8
> 
> 12:13   Bei Gott ist Weisheit und Gewalt, sein ist Rat und Verstand.
> 
> 12:14   Siehe, wenn er zerbricht, so hilft kein Bauen; wenn er jemand
> einschließt, kann niemand aufmachen.
> Offb 3,7
> 
> 12:15   Siehe, wenn er das Wasser zurückhält, so wird alles dürr, und wenn
> er's losläßt, so wühlt es das Land um.
> 1. Kön 17,1; 17,7;  1. Mose 7,19-23
> 
> 12:16   Bei ihm ist Kraft und Einsicht. Sein ist, der da irrt und der
> irreführt.
> 1. Kön 12,28-30; 2. Kön 19,10-37
> 
> 12:17   Er führt die Ratsherren gefangen und macht die Richter zu Toren.
> 
> 12:18   Er macht frei von den Banden der Könige und umgürtet ihre Lenden mit
> einem Gurt.
> 
> 12:19   Er führt die Priester barfuß davon und bringt zu Fall die alten
> Geschlechter.
> 1. Sam 2,30-32; 22,18-19
> 
> 12:20   Er entzieht die Sprache den Verläßlichen und nimmt weg den Verstand
> der Alten.
> 
> 12:21   Er schüttet Verachtung auf die Fürsten und zieht den Gewaltigen die
> Rüstung aus.
> 1. Sam 17,5; 31,9; 2. Kön 19,37; Dan 4,29-30
> 
> 12:22   Er öffnet die finstern Schluchten und bringt heraus das Dunkel ans
> Licht.
> 
> 12:23   Er macht Völker groß und bringt sie wieder um; er breitet ein Volk
> aus und treibt's wieder weg.
> 
> 12:24   Er nimmt den Häuptern des Volks im Lande den Mut und führt sie irre,
> wo kein Weg ist,
> 
> 12:25   daß sie in der Finsternis tappen ohne Licht, und macht sie irre wie
> die Trunkenen.
> 
>  13:1    Siehe, das hat alles mein Auge gesehen und mein Ohr gehört, und ich
> hab's verstanden.
> 
> 13:2    Was ihr wißt, das weiß ich auch, und ich bin nicht geringer als ihr.
> 
> 13:3    Doch ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte rechten
> mit Gott.
> 
> 13:4    Aber ihr seid Lügentüncher und seid alle unnütze Ärzte.
> 
> 13:5    Wollte Gott, daß ihr geschwiegen hättet, so wäret ihr weise
> geblieben.
> Spr 17,28
> 
> 13:6    Hört doch, wie ich mich verantworte, und merkt auf die Streitsache,
> von der ich rede!
> 
> 13:7    Wollt ihr Gott verteidigen mit Unrecht und Trug für ihn reden?
> 
> 13:8    Wollt ihr für ihn Partei nehmen? Wollt ihr Gottes Sache vertreten?
> 
> 13:9    Wird's euch auch wohlgehen, wenn er euch verhören wird? Meint ihr,
> daß ihr ihn täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?
> 
> 13:10   Er wird euch hart zurechtweisen, wenn ihr heimlich Partei ergreift.
> 
> 13:11   Werdet ihr euch nicht entsetzen, wenn er sich erhebt, und wird sein
> Schrecken nicht über euch fallen?
> 
> 13:12   Was ihr zu bedenken gebt, sind Sprüche aus Asche; eure Bollwerke
> werden zu Lehmhaufen.
> 
> 13:13   Schweigt still und laßt mich reden; es komme über mich, was da will.
> 
> 13:14   Was soll ich mein Fleisch mit meinen Zähnen festhalten und mein
> Leben aufs Spiel setzen?
> 
> 13:15   Siehe, er wird mich doch umbringen, und ich habe nichts zu hoffen;
> doch will ich meine Wege vor ihm verantworten.
> 
> 13:16   Auch das muß mir zum Heil sein; denn es kommt kein Ruchloser vor
> ihn.
> 
> 13:17   Hört meine Rede und, was ich darlege, mit euren Ohren!
> 
> 13:18   Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, daß ich recht
> behalten werde.
> 
> 13:19   Wer ist, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen
> und zugrunde gehen.
> 
> 13:20   Nur zweierlei tu mir nicht, so will ich mich vor dir nicht
> verbergen:
> 
> 13:21   laß deine Hand fern von mir sein, und dein Schrecken erschrecke mich
> nicht;
> Kap 9,34
> 
> 13:22   dann rufe, ich will dir antworten, oder ich will reden, dann
> antworte du mir!
> 
> 13:23   Wie groß ist meine Schuld und Sünde? Laß mich wissen meine
> Übertretung und Sünde.
> 
> 13:24   Warum verbirgst du dein Antlitz und hältst mich für deinen Feind?
> Kap 19,11
> 
> 13:25   Willst du ein verwehendes Blatt schrecken und einen dürren Halm
> verfolgen,
> 
> 13:26   daß du so Bitteres über mich verhängst und über mich bringst die
> Sünden meiner Jugend?
> Ps 25,7
> 
> 13:27   Du hast meinen Fuß in den Block gelegt und hast acht auf alle meine
> Pfade und siehst auf die Fußtapfen meiner Füße,
> 
> 13:28   der ich doch wie Moder vergehe und wie ein Kleid, das die Motten
> fressen.
> 
>  14:1    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe,
> 
> 14:2     geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und
> bleibt nicht.
> Ps 90,5
> 
> 14:3    Doch du tust deine Augen über einen solchen auf, daß du mich vor dir
> ins Gericht ziehst.
> 
> 14:4    Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!
> Ps 14,3
> 
> 14:5    Sind seine Tage bestimmt, steht die Zahl seiner Monde bei dir und
> hast du ein Ziel gesetzt, das er nicht überschreiten kann:
> Ps 31,16;  Ps 39,5
> 
> 14:6    so blicke doch weg von ihm, damit er Ruhe hat, bis sein Tag kommt,
> auf den er sich wie ein Tagelöhner freut.
> Kap 7,1-2
> 
> 14:7    Denn ein Baum hat Hoffnung, auch wenn er abgehauen ist; er kann
> wieder ausschlagen, und seine Schößlinge bleiben nicht aus.
> 
> 14:8    Ob seine Wurzel in der Erde alt wird und sein Stumpf im Boden
> erstirbt,
> 
> 14:9    so grünt er doch wieder vom Geruch des Wassers und treibt Zweige wie
> eine junge Pflanze.
> 
> 14:10   Stirbt aber ein Mann, so ist er dahin; kommt ein Mensch um - wo ist
> er?
> 
> 14:11   Wie Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versiegt und
> vertrocknet,
> 
> 14:12   so ist ein Mensch, wenn er sich niederlegt, er wird nicht wieder
> aufstehen; er wird nicht aufwachen, solange der Himmel bleibt, noch
> von seinem Schlaf erweckt werden.
> Kap 7,10
> 
> 14:13   Ach daß du mich im Totenreich verwahren und verbergen wolltest, bis
> dein Zorn sich legt, und mir ein Ziel setzen und dann an mich denken
> wolltest!
> Jes 26,20
> 
> 14:14   Meinst du, ein toter Mensch wird wieder leben? Alle Tage meines
> Dienstes wollte ich harren, bis meine Ablösung kommt.
> 
> 14:15   Du würdest rufen und ich dir antworten; es würde dich verlangen nach
> dem Werk deiner Hände.
> 
> 14:16   Dann würdest du meine Schritte zählen, aber hättest doch nicht acht
> auf meine Sünden.
> 
> 14:17   Du würdest meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine
> Schuld übertünchen.
> Hos 13,12
> 
> 14:18   Ein Berg kann zerfallen und vergehen und ein Fels von seiner Stätte
> weichen,
> 
> 14:19   Wasser wäscht Steine weg, und seine Fluten schwemmen die Erde weg:
> so machst du die Hoffnung des Menschen zunichte.
> Röm 5,5
> 
> 14:20   Du überwältigst ihn für immer, daß er davon muß, entstellst sein
> Antlitz und läßt ihn dahinfahren.
> 
> 14:21   Sind seine Kinder in Ehren, das weiß er nicht, oder ob sie verachtet
> sind, das wird er nicht gewahr.
> 
> 14:22   Nur sein eigenes Fleisch macht ihm Schmerzen, und nur um ihn selbst
> trauert seine Seele.
> 
>          Des Elifas zweite Rede
> 
> 15:1    Da antwortete Elifas von Teman und sprach:
> 
> 15:2    Soll ein weiser Mann so aufgeblasene Worte reden und seinen Bauch so
> blähen mit leeren Reden?
> 
> 15:3    Du verantwortest dich mit Worten, die nichts taugen, und dein Reden
> ist nichts nütze.
> 
> 15:4    Du selbst zerstörst die Gottesfurcht und raubst dir die Andacht vor
> Gott.
> 
> 15:5    Denn deine Schuld lehrt deinen Mund, und du hast erwählt eine
> listige Zunge.
> 
> 15:6    Dein Mund verdammt dich und nicht ich, deine Lippen zeugen gegen
> dich.
> 
> 15:7    Bist du als der erste Mensch geboren? Kamst du vor den Hügeln zur
> Welt?
> 
> 15:8    Hast du im heimlichen Rat Gottes zugehört und die Weisheit an dich
> gerissen?
> Kap 11,7; Röm 11,33
> 
> 15:9    Was weißt du, das wir nicht wissen? Was verstehst du, das uns nicht
> bekannt ist?
> Kap 13,2
> 
> 15:10   Es sind Ergraute und Alte unter uns, die länger gelebt haben als
> dein Vater.
> 
> 15:11   Gelten Gottes Tröstungen so gering bei dir und ein Wort, das sanft
> mit dir verfuhr?
> 
> 15:12   Was reißt dein Herz dich fort? Was funkeln deine Augen,
> 
> 15:13   daß sich dein Mut wider Gott richtet und du solche Reden aus deinem
> Munde läßt?
> 
> 15:14   Was ist der Mensch, daß er rein sein sollte, und daß der gerecht
> sein sollte, der vom Weibe geboren ist?
> Kap 14,4
> 
> 15:15   Siehe, seinen Heiligen traut Gott nicht, und selbst die Himmel
> sind nicht rein vor ihm.
> Kap 4,18;  Kap 25,5
> 
> 15:16   Wieviel weniger der Mensch, der greulich und verderbt ist, der
> Unrecht säuft wie Wasser!
> 
> 15:17   Ich will dir's zeigen, höre mir zu, und ich will dir erzählen, was
> ich gesehen habe,
> 
> 15:18   was die Weisen gesagt und ihre Väter ihnen nicht verborgen haben,
> 
> 15:19   denen allein das Land gegeben war, so daß kein Fremder unter ihnen
> umherzog:
> 
> 15:20    Der Gottlose bebt sein Leben lang, und dem Tyrannen ist die Zahl
> seiner Jahre verborgen.
> (20-24) 1. Mose 4,14
> 
> 15:21   Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt
> der Verderber über ihn.
> 
> 15:22   Er glaubt nicht, daß er dem Dunkel entrinnen könne, und fürchtet
> immer das Schwert.
> 
> 15:23   Er zieht hin und her nach Brot und weiß, daß ihm der Tag der
> Finsternis bereitet ist.
> 
> 15:24   Angst und Not schrecken ihn und schlagen ihn nieder wie ein König,
> der angreift.
> 
> 15:25   Denn er hat seine Hand gegen Gott ausgereckt und dem Allmächtigen
> getrotzt.
> 
> 15:26   Er läuft mit dem Kopf gegen ihn an und ficht halsstarrig wider ihn.
> 
> 15:27   Er brüstet sich wie ein fetter Wanst und macht sich feist und dick.
> 
> 15:28   Er wohnt in zerstörten Städten, in Häusern, wo man nicht bleiben
> soll, die zu Steinhaufen bestimmt sind.
> 
> 15:29   Doch wird er nicht reich bleiben, und sein Gut wird nicht bestehen,
> und sein Besitz wird sich nicht ausbreiten im Lande.
> 
> 15:30   Er wird der Finsternis nicht entrinnen. Die Flamme wird seine Zweige
> verdorren, und Gott wird ihn durch den Hauch seines Mundes
> wegraffen.
> 
> 15:31   Er traue nicht auf Trug, sonst wird er betrogen sein, und Trug wird
> sein Lohn werden.
> 
> 15:32   Er wird ihm voll ausgezahlt werden noch vor der Zeit, und sein Zweig
> wird nicht mehr grünen.
> 
> 15:33   Er gleicht dem Weinstock, der die Trauben unreif abstößt, und dem
> Ölbaum, der seine Blüte abwirft.
> 
> 15:34   Denn die Rotte der Ruchlosen wird unfruchtbar bleiben, und das Feuer
> wird die Hütten der Bestechlichen fressen.
> 
> 15:35   Sie gehen schwanger mit Mühsal und gebären Unglück, und ihr Schoß
> bringt Trug zur Welt.
> Jes 59,4
> 
>          Hiobs zweite Antwort an Elifas
> 
> 16:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 16:2    Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster!
> 
> 16:3    Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was reizt dich, so zu
> reden?
> 
> 16:4    Auch ich könnte wohl reden wie ihr, wärt ihr an meiner Stelle. Auch
> ich könnte Worte gegen euch zusammenbringen und mein Haupt über
> euch schütteln.
> Ps 22,8
> 
> 16:5    Ich würde euch stärken mit dem Munde und mit meinen Lippen trösten.
> 
> 16:6    Aber wenn ich schon redete, so würde mich mein Schmerz nicht
> verschonen; hörte ich auf zu reden, so bliebe er dennoch bei mir.
> 
> 16:7    Nun aber hat Er mich müde gemacht und alles verstört, was um mich
> ist.
> 
> 16:8    Er hat mich runzlig gemacht, das zeugt wider mich, und mein Siechtum
> steht wider mich auf und verklagt mich ins Angesicht.
> 
> 16:9    Sein Grimm hat mich zerrissen, und er war mir feind; er knirschte
> mit den Zähnen gegen mich; mein Widersacher funkelt mich mit seinen
> Augen an.
> 
> 16:10   Sie haben ihren Mund aufgesperrt wider mich und haben mich
> schmählich auf meine Backen geschlagen. Sie haben ihren Mut
> miteinander an mir gekühlt.
> 
> 16:11   Gott hat mich übergeben dem Ungerechten und hat mich in die Hände
> der Gottlosen kommen lassen.
> 
> 16:12   Ich war in Frieden, aber er hat mich zunichte gemacht; er hat mich
> beim Genick genommen und zerschmettert. Er hat mich als seine
> Zielscheibe aufgerichtet;
> Klgl 3,12
> 
> 16:13   seine Pfeile schwirren um mich her. Er hat meine Nieren durchbohrt
> und nicht verschont; er hat meine Galle auf die Erde geschüttet.
> 
> 16:14   Er schlägt in mich eine Bresche nach der andern; er läuft gegen mich
> an wie ein Kriegsmann.
> 
> 16:15   Ich habe einen Sack um meinen Leib gelegt und mein Haupt in den
> Staub gebeugt.
> 1. Mose 37,34
> 
> 16:16   Mein Antlitz ist gerötet vom Weinen, auf meinen Wimpern liegt
> Dunkelheit,
> 
> 16:17   obwohl kein Frevel in meiner Hand und mein Gebet rein ist.
> 
> 16:18   Ach Erde, bedecke mein Blut nicht, und mein Schreien finde keine
> Ruhestatt!
> 1. Mose 4,10; Hes 24,7-8
> 
> 16:19   Siehe, auch jetzt noch ist mein Zeuge im Himmel, und mein
> Fürsprecher ist in der Höhe.
> Kap 17,3
> 
> 16:20    Meine Freunde verspotten mich; unter Tränen blickt mein Auge zu
> Gott auf,
> (20 und 21) 1. Sam 2,25
> 
> 16:21   daß er Recht verschaffe dem Mann bei Gott, dem Menschen vor seinem
> Freund.
> 
> 16:22   Denn nur wenige Jahre noch, und ich gehe den Weg, den ich nicht
> wiederkommen werde.
> Kap 10,21
> 
>  17:1    Mein Geist ist zerbrochen, meine Tage sind ausgelöscht; das Grab ist
> da.
> 
> 17:2    Fürwahr, Gespött umgibt mich, und auf ihrem Hadern muß mein Auge
> weilen.
> 
> 17:3    Sei du selbst mein Bürge bei dir - wer will mich sonst vertreten?
> Kap 16,19
> 
> 17:4    Denn du hast ihrem Herzen den Verstand verborgen, darum wirst du
> ihnen den Sieg nicht geben.
> 
> 17:5    Zum Teilen lädt einer Freunde ein, doch die Augen seiner Kinder
> müssen verschmachten.
> 
> 17:6    Er hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gemacht, und ich muß
> mir ins Angesicht speien lassen.
> Kap 30,9
> 
> 17:7    Mein Auge ist dunkel geworden vor Trauern, und alle meine Glieder
> sind wie ein Schatten.
> 
> 17:8    Darüber entsetzen sich die Gerechten, und die Unschuldigen entrüsten
> sich über die Ruchlosen.
> 
> 17:9    Aber der Gerechte hält fest an seinem Weg, und wer reine Hände hat,
> nimmt an Stärke zu.
> 
> 17:10   Wohlan, kehrt euch alle wieder her und kommt; ich werde dennoch
> keinen Weisen unter euch finden!
> 
> 17:11   Meine Tage sind vergangen; zerrissen sind meine Pläne, die mein Herz
> besessen haben.
> 
> 17:12   Nacht will man mir zum Tag machen: Licht sei näher als Finsternis.
> 
> 17:13   Wenn ich auch lange warte, so ist doch bei den Toten mein Haus, und
> in der Finsternis ist mein Bett gemacht.
> 
> 17:14   Das Grab nenne ich meinen Vater und die Würmer meine Mutter und
> meine Schwester.
> 
> 17:15   Worauf soll ich denn hoffen? Und wer sieht noch Hoffnung für mich?
> 
> 17:16   Hinunter zu den Toten wird sie fahren, wenn alle miteinander im
> Staub liegen.
> 
>          Bildads zweite Rede
> 
> 18:1    Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:
> 
> 18:2    Wie lange wollt ihr auf Worte Jagd machen? Habt doch Einsicht;
> danach wollen wir reden!
> 
> 18:3    Warum werden wir geachtet wie Vieh und sind so töricht in euren
> Augen?
> 
> 18:4    Willst du vor Zorn bersten? Soll um deinetwillen die Erde veröden
> und der Fels von seiner Stätte weichen?
> 
> 18:5    Dennoch wird das Licht der Gottlosen verlöschen, und der Funke
> seines Feuers wird nicht leuchten.
> Spr 13,9
> 
> 18:6    Das Licht wird finster werden in seiner Hütte und seine Leuchte über
> ihm verlöschen.
> 
> 18:7    Seine kräftigen Schritte werden kürzer, und sein eigener Plan wird
> ihn fällen.
> 
> 18:8    Ins Garn bringen ihn seine Füße, und über Fanggruben führt sein Weg.
> 
> 18:9    Das Netz wird seine Ferse festhalten, und die Schlinge wird ihn
> fangen.
> 
> 18:10   Sein Strick ist versteckt in der Erde und seine Falle auf seinem
> Weg.
> 
> 18:11   Um und um schreckt ihn jähe Angst, daß er nicht weiß, wo er hinaus
> soll.
> 3. Mose 26,36
> 
> 18:12   Unheil hungert nach ihm, und Unglück steht bereit zu seinem Sturz.
> 
> 18:13   Die Glieder seines Leibes werden verzehrt; seine Glieder wird
> verzehren der Erstgeborene des Todes.
> 4. Mose 12,10-12
> 
> 18:14   Er wird aus seiner Hütte verjagt, auf die er vertraute, und
> hingetrieben zum König des Schreckens.
> 
> 18:15   In seiner Hütte wird wohnen, was nicht zu ihm gehört; über seine
> Stätte wird Schwefel gestreut.
> 
> 18:16   Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige.
> 
> 18:17   Sein Andenken wird vergehen im Lande, und er wird keinen Namen haben
> auf der Gasse.
> 
> 18:18   Er wird vom Licht in die Finsternis vertrieben und vom Erdboden
> verstoßen werden.
> 
> 18:19   Er wird keine Kinder haben und keine Enkel unter seinem Volk; es
> wird ihm keiner übrigbleiben in seinen Wohnungen.
> 
> 18:20   Die im Westen werden sich über seinen Gerichtstag entsetzen, und
> die im Osten wird Furcht ankommen.
> Ps 37,13
> 
> 18:21   Ja, so geht's der Wohnung des Ungerechten und der Stätte dessen, der
> Gott nicht achtet.
> 
>          Hiobs zweite Antwort an Bildad
> 
> 19:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 19:2    Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten!
> 
> 19:3    Ihr habt mich nun zehnmal verhöhnt und schämt euch nicht, mir so
> zuzusetzen.
> 
> 19:4    Habe ich wirklich geirrt, so trage ich meinen Irrtum selbst.
> 
> 19:5    Wollt ihr euch wahrlich über mich erheben und wollt mir meine
> Schande beweisen?
> 
> 19:6    So merkt doch endlich, daß Gott mir unrecht getan hat und mich mit
> seinem Jagdnetz umgeben hat.
> 
> 19:7    Siehe, ich schreie »Gewalt!« und werde doch nicht gehört; ich rufe,
> aber kein Recht ist da.
> Jer 20,8; Hab 1,2;  Kap 30,20
> 
> 19:8    Er hat meinen Weg vermauert, daß ich nicht hinüber kann, und hat
> Finsternis auf meinen Steig gelegt.
> Kap 3,23; Klgl 3,7; 3,9
> 
> 19:9    Er hat mir mein Ehrenkleid ausgezogen und die Krone von meinem Haupt
> genommen.
> 
> 19:10   Er hat mich zerbrochen um und um, daß ich dahinfuhr, und hat meine
> Hoffnung ausgerissen wie einen Baum.
> 
> 19:11   Sein Zorn ist über mich entbrannt, und er achtet mich seinen
> Feinden gleich.
> Kap 13,24; 33,10
> 
> 19:12   Vereint kommen seine Kriegsscharen und haben ihren Weg gegen mich
> gebaut und sich um meine Hütte her gelagert.
> 
> 19:13   Er hat meine Brüder von mir entfernt, und meine Verwandten sind mir
> fremd geworden.
> Ps 31,12
> 
> 19:14   Meine Nächsten haben sich zurückgezogen, und meine Freunde haben
> mich vergessen.
> Ps 38,12
> 
> 19:15   Meinen Hausgenossen und meinen Mägden gelte ich als Fremder; ich bin
> ein Unbekannter in ihren Augen.
> 
> 19:16   Ich rief meinen Knecht, und er antwortete mir nicht; ich mußte ihn
> anflehen mit eigenem Munde.
> 
> 19:17   Mein Odem ist zuwider meiner Frau, und den Söhnen meiner Mutter
> ekelt's vor mir.
> 
> 19:18   Selbst die Kinder geben nichts auf mich; stelle ich mich gegen sie,
> so geben sie mir böse Worte.
> 
> 19:19   Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich liebhatte, haben
> sich gegen mich gewandt.
> 
> 19:20   Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte
> Leben brachte ich davon.
> Wörtlich: nur mit meiner Zähne Haut bin ich davongekommen.
> 
> 19:21   Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, meine Freunde; denn die Hand
> Gottes hat mich getroffen!
> 
> 19:22   Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von
> meinem Fleisch?
> 
> 19:23   Ach daß meine Reden aufgeschrieben würden! Ach daß sie aufgezeichnet
> würden als Inschrift,
> 
> 19:24   mit einem eisernen Griffel in Blei geschrieben, zu ewigem Gedächtnis
> in einen Fels gehauen!
> 
> 19:25   Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er
> über dem Staub sich erheben.
> Jes 41,14; Hos 13,14;  Kap 26,6
> mein Erlöser, d. h. hier: Gott als Anwalt, der sich zu meiner
> Verteidigung und Erlösung erhebt. - Luther übersetzte Vers 25-26:
> »Ich weiß, daß mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der
> Erden aufwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben
> werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.«
> 
> 19:26   Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch
> dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.
> Ps 17,15; 73,24
> 
> 19:27   Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein
> Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.
> 
> 19:28   Wenn ihr sprecht: Wie wollen wir ihn verfolgen und eine Sache gegen
> ihn finden!,
> 
> 19:29   so fürchtet euch selbst vor dem Schwert; denn das sind Missetaten,
> die das Schwert straft, damit ihr wißt, daß es ein Gericht gibt.
> 
>          Zofars zweite Rede
> 
> (vgl. Kap 15,1-35; 18,1-21)
> 20:1    Da antwortete Zofar von Naama und sprach:
> 
> 20:2    Darum muß ich antworten, und deswegen kann ich nicht schweigen;
> 
> 20:3    denn ich muß hören, wie man mich schmäht und tadelt, aber der Geist
> aus meiner Einsicht lehrt mich antworten.
> 
> 20:4    Weißt du nicht, daß es allezeit so gegangen ist, seitdem Menschen
> auf Erden gewesen sind,
> 
> 20:5    daß das Frohlocken der Gottlosen nicht lange währt und die Freude
> des Ruchlosen nur einen Augenblick?
> 
> 20:6     Wenn auch sein Scheitel in den Himmel reicht und sein Haupt an die
> Wolken rührt,
> (6 und 7) Ps 37,35-36
> 
> 20:7    so wird er doch für immer vergehen wie sein Kot, und die ihn
> gesehen haben, werden sagen: Wo ist er?
> Mi 7,10
> 
> 20:8    Wie ein Traum wird er verfliegen und nicht mehr zu finden sein und
> wie ein Nachtgesicht verschwinden.
> 
> 20:9    Das Auge, das ihn gesehen hat, wird ihn nicht mehr sehen, und seine
> Stätte wird ihn nicht mehr schauen.
> Ps 37,10
> 
> 20:10   Seine Söhne werden bei den Armen betteln gehen, und seine Hände
> müssen seine Habe wieder hergeben.
> 
> 20:11   Sind auch seine Gebeine voll Jugendkraft, so muß sie sich doch mit
> ihm in den Staub legen.
> 
> 20:12   Wenn ihm auch das Böse in seinem Munde wohlschmeckt, daß er es birgt
> unter seiner Zunge,
> 
> 20:13   daß er es hegt und nicht losläßt und es zurückhält in seinem Gaumen,
> 
> 20:14   so wird sich doch seine Speise verwandeln in seinem Leibe und wird
> Otterngift in seinem Bauch.
> 
> 20:15   Die Güter, die er verschlungen hat, muß er wieder ausspeien, und
> Gott treibt sie aus seinem Bauch heraus.
> 
> 20:16   Er wird Otterngift saugen, und die Zunge der Schlange wird ihn
> töten.
> 
> 20:17   Er wird nicht sehen die Ströme noch die Bäche, die mit Honig und
> Milch fließen.
> 
> 20:18   Er wird erwerben und doch nichts davon genießen und über seine
> eingetauschten Güter nicht froh werden.
> 5. Mose 28,30-33
> 
> 20:19   Denn er hat unterdrückt und verlassen den Armen; er hat Häuser an
> sich gerissen, die er nicht erbaut hat.
> 
> 20:20   Denn sein Wanst konnte nicht voll genug werden; mit seinem
> köstlichen Gut wird er nicht entrinnen.
> 
> 20:21   Nichts entging seiner Freßgier; darum wird sein gutes Leben keinen
> Bestand haben.
> 
> 20:22   Wenn er auch die Fülle und genug hat, wird ihm doch angst werden;
> alle Gewalt der Mühsal wird über ihn kommen.
> 
> 20:23   Es soll geschehen: damit er genug bekommt, wird Gott den Grimm
> seines Zorns über ihn senden und wird über ihn regnen lassen seine
> Schrecknisse.
> 
> 20:24   Flieht er vor dem eisernen Harnisch, so wird ihn der eherne Bogen
> durchbohren!
> 
> 20:25   Es dringt das Geschoß aus seinem Rücken, der Blitz des Pfeiles aus
> seiner Galle; Schrecken fahren über ihn hin.
> 5. Mose 32,41
> 
> 20:26   Alle Finsternis ist für ihn aufgespart. Es wird ihn ein Feuer
> verzehren, das keiner angezündet hat, und wer übriggeblieben ist in
> seiner Hütte, dem wird's schlimm ergehen.
> 5. Mose 32,22
> 
> 20:27   Der Himmel wird seine Schuld enthüllen, und die Erde wird sich gegen
> ihn erheben.
> 
> 20:28   Seine Ernte wird weggeführt werden, zerstreut am Tage seines Zorns.
> 
> 20:29   Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe, das
> Gott ihm zugesprochen hat.
> 
>          Hiobs zweite Antwort an Zofar
> 
> 21:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 21:2    Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das eure Tröstung sein!
> 
> 21:3    Ertragt mich, daß ich rede, und danach spottet über mich!
> 
> 21:4    Geht denn gegen einen Menschen meine Klage, oder warum sollte ich
> nicht ungeduldig sein?
> 
> 21:5    Kehrt euch her zu mir; ihr werdet erstarren und die Hand auf den
> Mund legen müssen.
> Kap 40,4
> 
> 21:6    Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt meinen
> Leib an.
> 
> 21:7    Warum bleiben die Gottlosen am Leben, werden alt und nehmen zu an
> Kraft?
> Jer 12,1
> 
> 21:8    Ihr Geschlecht ist sicher um sie her, und ihre Nachkommen sind bei
> ihnen.
> 
> 21:9    Ihr Haus hat Frieden ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über
> ihnen.
> 
> 21:10   Ihr Stier bespringt, und es mißrät nicht; ihre Kuh kalbt und wirft
> nicht fehl.
> 
> 21:11   Ihre kleinen Kinder lassen sie hinaus wie eine Herde, und ihre
> Knaben springen umher.
> 
> 21:12   Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Flöten.
> 
> 21:13   Sie werden alt bei guten Tagen, und in Ruhe fahren sie hinab zu den
> Toten,
> 
> 21:14   und doch sagen sie zu Gott: »Weiche von uns, wir wollen von deinen
> Wegen nichts wissen!
> Kap 22,17
> 
> 21:15    Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten? Oder was nützt
> es uns, wenn wir ihn anrufen?«
> 2. Mose 5,2; 2. Kön 18,35; Ps 12,5; Dan 3,15
> 
> 21:16   »Doch siehe, ihr Glück steht nicht in ihren Händen, und der Rat der
> Gottlosen ist ferne von mir.«
> Kap 22,18
> 
> 21:17   Wie oft geschieht's denn, daß die Leuchte der Gottlosen verlischt
> und ihr Unglück über sie kommt, daß Gott Herzeleid über sie austeilt
> in seinem Zorn,
> 
> 21:18   daß sie werden wie Stroh vor dem Winde und wie Spreu, die der
> Sturmwind wegführt?
> Ps 1,4
> 
> 21:19    »Gott spart das Unglück des Gottlosen auf für dessen Kinder.« Er
> vergelte es ihm selbst, daß er's spüre!
> Kap 20,10; 2. Mose 20,5
> 
> 21:20   Seine Augen mögen sein Verderben sehen, und vom Grimm des
> Allmächtigen möge er trinken!
> 
> 21:21   Denn was liegt ihm an seinem Hause nach seinem Tode, wenn die Zahl
> seiner Monde zu Ende ist?
> 
> 21:22   Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet?
> Pred 5,7
> 
> 21:23   Der eine stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller
> Genüge,
> 
> 21:24   sein Melkfaß ist voll Milch, und sein Gebein wird gemästet mit Mark;
> 
> 21:25   der andere aber stirbt mit verbitterter Seele und hat nie vom Glück
> gekostet -
> 
> 21:26   und doch liegen beide miteinander in der Erde, und Gewürm deckt sie
> zu.
> Kap 3,18-19
> 
> 21:27   Siehe, ich kenne eure Gedanken und eure Ränke, mit denen ihr mir
> Unrecht antut.
> 
> 21:28   Denn ihr sprecht: »Wo ist das Haus des Fürsten, und wo ist die
> Hütte, in der die Gottlosen wohnten?«
> 
> 21:29   Habt ihr nicht befragt, die des Weges kommen, und nicht auf ihre
> Zeichen geachtet,
> 
> 21:30   daß nämlich der Böse erhalten wird am Tage des Verderbens und am
> Tage des Grimms bleibt?
> 
> 21:31   Wer sagt ihm ins Angesicht, was er verdient? Wer vergilt ihm, was er
> getan hat?
> 
> 21:32   Wird er doch zu Grabe geleitet, und man hält Wache über seinem
> Hügel!
> 
> 21:33   Süß sind ihm die Schollen des Grabes, und alle Menschen ziehen ihm
> nach, und die ihm vorangehen, sind nicht zu zählen.
> 
> 21:34   Wie tröstet ihr mich mit Nichtigkeiten, und von euren Antworten
> bleibt nichts als Trug!
> 
>          Des Elifas letzte Rede
> 
> 22:1    Da antwortete Elifas von Teman und sprach:
> 
> 22:2    Kann denn ein Mann Gott etwas nützen? Nur sich selber nützt ein
> Kluger.
> 
> 22:3    Meinst du, der Allmächtige habe Vorteil davon, daß du gerecht bist?
> Was hilft's ihm, selbst wenn deine Wege ohne Tadel sind?
> 
> 22:4    Meinst du: er wird dich wegen deiner Gottesfurcht zurechtweisen und
> mit dir ins Gericht gehen?
> 
> 22:5    Ist deine Bosheit nicht zu groß, und sind deine Missetaten nicht
> ohne Ende?
> 
> 22:6    Du hast deinem Bruder ein Pfand abgenommen ohne Grund, du hast den
> Nackten die Kleider entrissen;
> 2. Mose 22,25-26;  Kap 24,9-10
> 
> 22:7    du hast die Durstigen nicht getränkt mit Wasser und hast dem
> Hungrigen dein Brot versagt;
> Kap 31,17; Mt 25,42-43
> 
> 22:8    dem Mächtigen gehört das Land, und sein Günstling darf darin wohnen;
> 
> 22:9    die Witwen hast du leer weggehen lassen und die Arme der Waisen
> zerbrochen.
> Kap 29,12-13
> 
> 22:10   Darum bist du von Schlingen umgeben, und Entsetzen hat dich
> plötzlich erschreckt.
> 
> 22:11   Dein Licht ist Finsternis, so daß du nicht sehen kannst, und die
> Wasserflut bedeckt dich.
> 
> 22:12   Ist Gott nicht hoch wie der Himmel? Sieh die Sterne an, wie hoch sie
> sind!
> 
> 22:13   Du sprichst zwar: »Was weiß Gott? Sollte er durchs Gewölk hindurch
> richten können?
> 
> 22:14   Die Wolken sind seine Hülle, daß er nicht sehen kann; er wandelt am
> Rande des Himmels.«
> 
> 22:15   Hältst du den Weg der Vorzeit ein, auf dem die Ungerechten gegangen
> sind,
> 
> 22:16   die fortgerafft wurden, ehe es Zeit war, und das Wasser hat ihren
> Grund weggewaschen,
> Kap 15,32-33;  1. Mose 7,21
> 
> 22:17   die zu Gott sprachen: »Heb dich von uns!«? Was sollte der
> Allmächtige ihnen antun können?
> Kap 21,14
> 
> 22:18   Hat er doch ihr Haus mit Gütern gefüllt. Aber: »Der Rat der
> Gottlosen ist ferne von mir.«
> Kap 21,16
> 
> 22:19   Die Gerechten werden's sehen und sich freuen, und der Unschuldige
> wird sie verspotten:
> Ps 107,42
> 
> 22:20   »Ja, unser Widersacher ist vertilgt, und was er hinterließ, hat das
> Feuer verzehrt.«
> 
> 22:21   So vertrage dich nun mit Gott und mache Frieden; daraus wird dir
> viel Gutes kommen.
> 
> 22:22   Nimm doch Weisung an von seinem Munde und fasse seine Worte in dein
> Herz.
> 
> 22:23    Bekehrst du dich zum Allmächtigen und demütigst du dich und tust
> das Unrecht weit weg von deiner Hütte
> Kap 8,5-7;  Kap 11,14-15
> 
> 22:24   - wirf in den Staub dein Gold und zu den Steinen der Bäche das Gold
> von Ofir -,
> 
> 22:25   so wird der Allmächtige dein Gold sein und wie Silber, das dir
> zugehäuft wird.
> 
> 22:26   Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz
> zu Gott erheben.
> 
> 22:27   Wenn du ihn bitten wirst, wird er dich hören, und du wirst deine
> Gelübde erfüllen.
> Ps 50,14-15
> 
> 22:28   Was du dir vornimmst, läßt er dir gelingen, und das Licht wird auf
> deinen Wegen scheinen.
> 
> 22:29   Denn er erniedrigt die Hochmütigen; aber wer seine Augen
> niederschlägt, dem hilft er.
> 1. Petr 5,5
> 
> 22:30   Auch wer nicht unschuldig ist, wird errettet werden; er wird
> errettet um der Reinheit deiner Hände willen.
> Ps 18,21; 18,25; 2. Kor 5,21
> 
>          Hiobs dritte Antwort an Elifas
> 
> 23:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 23:2    Auch heute lehnt sich meine Klage auf; seine Hand drückt schwer, daß
> ich seufzen muß.
> 
> 23:3    Ach daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Thron kommen
> könnte!
> 
> 23:4    So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen
> füllen
> 
> 23:5    und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er
> mir sagen würde.
> 
> 23:6    Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde
> achthaben auf mich.
> 
> 23:7    Dann würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich
> entrinnen meinem Richter!
> 
> 23:8    Aber gehe ich nun vorwärts, so ist er nicht da; gehe ich zurück, so
> spüre ich ihn nicht.
> 
> 23:9    Ist er zur Linken, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich zur
> Rechten, so sehe ich ihn nicht.
> Kap 42,5
> 
> 23:10   Er aber kennt meinen Weg gut. Er prüfe mich, so will ich erfunden
> werden wie das Gold.
> Ps 17,3; 139,23-24
> 
> 23:11   Denn ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und bewahrte seinen Weg
> und wich nicht ab
> 
> 23:12   und übertrat nicht das Gebot seiner Lippen und bewahrte die Reden
> seines Mundes bei mir.
> 
> 23:13   Doch er ist der eine - wer will ihm wehren? Und er macht's, wie er
> will.
> 
> 23:14   Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr
> derart im Sinn.
> 
> 23:15   Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber
> nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm.
> 
> 23:16   Gott ist's, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der
> mich erschreckt hat;
> 
> 23:17   denn nicht der Finsternis wegen muß ich schweigen, und nicht, weil
> Dunkel mein Angesicht deckt.
> 
>  24:1    Warum sind von dem Allmächtigen nicht Zeiten vorbehalten, und warum
> sehen, die ihn kennen, seine Tage nicht?
> Pred 3,11; 8,6
> 
> 24:2    Die Gottlosen verrücken die Grenzen, rauben die Herde und weiden
> sie.
> 5. Mose 27,17
> 
> 24:3    Sie treiben den Esel der Waisen weg und nehmen das Rind der Witwe
> zum Pfande.
> 
> 24:4    Sie stoßen die Armen vom Wege, und die Elenden im Lande müssen sich
> verkriechen.
> 
> 24:5    Siehe, sie sind wie Wildesel: in der Wüste gehen sie an ihr Werk und
> suchen Nahrung in der Einöde, als Speise für ihre Kinder.
> 
> 24:6    Sie ernten des Nachts auf dem Acker und halten Nachlese im Weinberg
> des Gottlosen.
> 
> 24:7    Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im
> Frost.
> 
> 24:8    Sie triefen vom Regen in den Bergen; sie müssen sich an die Felsen
> drücken, weil sie sonst keine Zuflucht haben.
> 
> 24:9    Man reißt das Waisenkind von der Mutterbrust und nimmt den Säugling
> der Armen zum Pfande.
> 
> 24:10    Nackt gehen sie einher ohne Kleider, und hungrig tragen sie Garben.
> Jes 58,7
> 
> 24:11   Gleich in den Gärten pressen sie Öl, sie treten die Kelter und
> leiden doch Durst.
> Jak 5,4
> 
> 24:12   Fern der Stadt seufzen Sterbende, und die Seele der Säuglinge
> schreit. Doch Gott achtet nicht darauf!
> 
> 24:13   Sie sind Feinde des Lichts geworden, kennen Gottes Weg nicht und
> bleiben nicht auf seinen Pfaden.
> 
> 24:14   Wenn der Tag anbricht, steht der Mörder auf und erwürgt den Elenden
> und Armen, und des Nachts schleicht der Dieb.
> 
> 24:15   Das Auge des Ehebrechers lauert auf das Dunkel, und er denkt: »Mich
> sieht kein Auge!« und verdeckt sein Antlitz.
> Ps 10,11
> 
> 24:16   Im Finstern bricht man in die Häuser ein; am Tage verbergen sie sich
> und scheuen alle das Licht.
> 
> 24:17   Ja, als Morgen gilt ihnen allen die Finsternis, denn sie sind
> bekannt mit den Schrecken der Finsternis.
> 
> 24:18   Er fährt leicht wie auf dem Wasser dahin, verflucht wird sein Acker
> im Lande, und man wendet sich seinem Weinberg nicht zu.
> 
> 24:19   Der Tod nimmt weg, die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das
> Schneewasser verzehrt.
> 
> 24:20   Der Mutterschoß vergißt ihn; die Würmer laben sich an ihm. An ihn
> denkt man nicht mehr; so zerbricht Frevel wie Holz.
> 
> 24:21   Er hat bedrückt die Unfruchtbare, die nicht gebar, und hat der Witwe
> nichts Gutes getan.
> 
> 24:22   Gott rafft die Gewalttätigen hin durch seine Kraft; steht er auf, so
> müssen sie am Leben verzweifeln.
> 
> 24:23   Er gibt ihnen, daß sie sicher sind und eine Stütze haben, doch seine
> Augen wachen über ihren Wegen.
> 
> 24:24   Sie sind hoch erhöht; aber nach einer kleinen Weile sind sie nicht
> mehr da; sie sinken hin und werden hinweggerafft wie alle; wie die
> Spitzen der Ähren werden sie abgeschnitten.
> 
> 24:25   Ist's nicht so? Wer will mich Lügen strafen und erweisen, daß meine
> Rede nichts sei?
> 
>          Bildads letzte Rede
> 
> 25:1    Da antwortete Bildad von Schuach und sprach:
> 
> 25:2    Herrschaft und Schrecken ist bei ihm, der Frieden schafft in seinen
> Höhen.
> 
> 25:3    Wer will seine Scharen zählen? Und über wem geht sein Licht nicht
> auf?
> 
> 25:4    Und wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie kann rein
> sein ein vom Weibe Geborener?
> Kap 9,2; Ps 143,2
> 
> 25:5    Siehe, auch der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht
> rein vor seinen Augen -
> Kap 15,15
> 
> 25:6    wieviel weniger der Mensch, eine Made, und das Menschenkind, ein
> Wurm!
> Jes 41,14
> 
>          Hiobs dritte Antwort an Bildad
> 
> 26:1    Hiob antwortete und sprach:
> 
> 26:2    Wie sehr stehst du dem bei, der keine Kraft hat, hilfst du dem, der
> keine Stärke in den Armen hat!
> 
> 26:3    Wie gibst du Rat dem, der keine Weisheit hat, und lehrst ihn
> Einsicht in Fülle!
> 
> 26:4    Mit wessen Hilfe redest du? Und wessen Geist geht von dir aus?
> 
> 26:5    Die Schatten drunten erbeben, das Wasser und die darin wohnen.
> 
> 26:6     Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm, und der Abgrund hat keine
> Decke.
> Ps 139,8; Spr 15,11; Am 9,2;  Offb 9,1
> 
> 26:7    Er spannt den Norden aus über dem Leeren und hängt die Erde über das
> Nichts.
> 
> 26:8    Er faßt das Wasser zusammen in seine Wolken, und die Wolken
> zerreißen darunter nicht.
> 
> 26:9    Er verhüllt seinen Thron und breitet seine Wolken davor.
> 
> 26:10   Er hat am Rande des Wassers eine Grenze gezogen, wo Licht und
> Finsternis sich scheiden.
> 
> 26:11   Die Säulen des Himmels zittern und entsetzen sich vor seinem
> Schelten.
> 
> 26:12   Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht
> hat er Rahab zerschmettert.
> Kap 9,13; Ps 89,11
> d. i. der Drache der Urzeit.
> 
> 26:13   Am Himmel wurde es schön durch seinen Wind, und seine Hand
> durchbohrte die flüchtige Schlange.
> Jes 27,1
> 
> 26:14   Siehe, das sind nur die Enden seiner Wege, und nur ein leises
> Wörtlein davon haben wir vernommen. Wer will aber den Donner seiner
> Macht verstehen?
> 
>  27:1    Und Hiob fuhr fort mit seinem Spruch und sprach:
> 
> 27:2    So wahr Gott lebt, der mir mein Recht verweigert, und der
> Allmächtige, der meine Seele betrübt
> 
> 27:3    - solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner
> Nase -:
> 
> 27:4    meine Lippen reden nichts Unrechtes, und meine Zunge sagt keinen
> Betrug.
> Ps 34,14
> 
> 27:5    Das sei ferne von mir, daß ich euch recht gebe; bis mein Ende kommt,
> will ich nicht weichen von meiner Unschuld.
> 
> 27:6    An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht; mein
> Gewissen beißt mich nicht wegen eines meiner Tage.
> Apg 24,16; 1. Kor 4,4
> 
> 27:7    Meinem Feind soll es gehen wie dem Gottlosen und dem, der sich gegen
> mich auflehnt, wie dem Ungerechten.
> 
> 27:8    Denn was ist die Hoffnung des Ruchlosen, wenn Gott mit ihm ein Ende
> macht und seine Seele von ihm fordert?
> Lk 12,20
> 
> 27:9    Meinst du, daß Gott sein Schreien hören wird, wenn die Angst über
> ihn kommt?
> 
> 27:10   Oder kann er an dem Allmächtigen seine Lust haben und Gott allezeit
> anrufen?
> 
> 27:11   Ich will euch über Gottes Tun belehren, und wie der Allmächtige
> gesinnt ist, will ich nicht verhehlen.
> 
> 27:12   Siehe, ihr habt es selber gesehen; warum bringt ihr dann so unnütze
> Dinge vor?
> 
> 27:13    Das ist der Lohn eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe der
> Tyrannen, das sie vom Allmächtigen bekommen:
> (13-17) Spr 13,22; Pred 2,26
> 
> 27:14   werden seine Söhne groß, so werden sie eine Beute des Schwerts; und
> seine Nachkommen werden an Brot nicht satt.
> Kap 21,19
> 
> 27:15   Die ihm übrigbleiben, wird der Tod ins Grab bringen, und seine
> Witwen werden nicht weinen.
> 
> 27:16   Wenn er Geld zusammenbringt wie Staub und schafft Kleider an, wie
> man Lehm aufhäuft,
> 
> 27:17   so wird er's zwar anschaffen, aber der Gerechte wird's anziehen, und
> dem Unschuldigen wird das Geld zuteil.
> 
> 27:18   Er baut sein Haus wie eine Spinne und wie ein Wächter eine Hütte
> macht.
> 
> 27:19   Reich legt er sich nieder, aber wird's nicht noch einmal tun können;
> tut er seine Augen auf, dann ist nichts mehr da.
> 
> 27:20   Es wird ihn Schrecken überfallen wie Wasserfluten; des Nachts nimmt
> ihn der Sturmwind fort.
> 
> 27:21   Der Ostwind wird ihn wegführen, daß er dahinfährt, und wird ihn von
> seinem Ort hinwegwehen.
> 
> 27:22   Das wird er über ihn bringen und ihn nicht schonen; vor seiner
> Gewalt muß er immer wieder fliehen.
> 
> 27:23   Man wird über ihn mit den Händen klatschen und über ihn zischen, wo
> er gewesen ist.
> 
>          Das Lied von der Weisheit Gottes
> 
> 28:1    Es hat das Silber seine Gänge und das Gold seinen Ort, wo man es
> läutert.
> 
> 28:2    Eisen bringt man aus der Erde, und aus dem Gestein schmilzt man
> Kupfer.
> 
> 28:3    Man macht der Finsternis ein Ende, und bis ins Letzte erforscht man
> das Gestein, das im Dunkel tief verborgen liegt.
> 
> 28:4    Man bricht einen Schacht fern von da, wo man wohnt; vergessen, ohne
> Halt für den Fuß, hängen und schweben sie, fern von den Menschen.
> 
> 28:5    Man zerwühlt wie Feuer unten die Erde, auf der doch oben das Brot
> wächst.
> 
> 28:6    Man findet Saphir in ihrem Gestein, und es birgt Goldstaub.
> 
> 28:7    Den Steig dahin hat kein Geier erkannt und kein Falkenauge gesehen.
> 
> 28:8    Das stolze Wild hat ihn nicht betreten, und kein Löwe ist darauf
> gegangen.
> 
> 28:9    Auch legt man die Hand an die Felsen und gräbt die Berge von Grund
> aus um.
> 
> 28:10   Man bricht Stollen durch die Felsen, und alles, was kostbar ist,
> sieht das Auge.
> 
> 28:11   Man wehrt dem Tröpfeln des Wassers und bringt, was verborgen ist,
> ans Licht.
> 
> 28:12   Wo will man aber die Weisheit finden? Und wo ist die Stätte der
> Einsicht?
> 
> 28:13   Niemand weiß, was sie wert ist, und sie wird nicht gefunden im Lande
> der Lebendigen.
> 
> 28:14   Die Tiefe spricht: »In mir ist sie nicht«; und das Meer spricht:
> »Bei mir ist sie auch nicht.«
> 
> 28:15   Man kann nicht Gold für sie geben noch Silber darwägen, sie zu
> bezahlen.
> Spr 3,13-15
> 
> 28:16   Ihr gleicht nicht Gold von Ofir oder kostbarer Onyx und Saphir.
> 
> 28:17   Gold und edles Glas kann man ihr nicht gleichachten noch sie
> eintauschen um güldnes Kleinod.
> 
> 28:18   Korallen und Kristall achtet man gegen sie nicht; wer Weisheit
> erwirbt, hat mehr als Perlen.
> 
> 28:19   Topas aus Kusch wird ihr nicht gleichgeschätzt, und das reinste Gold
> wiegt sie nicht auf.
> 
> 28:20   Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht?
> 
> 28:21   Sie ist verhüllt vor den Augen aller Lebendigen, auch verborgen den
> Vögeln unter dem Himmel.
> 
> 28:22   Der Abgrund und der Tod sprechen: »Wir haben mit unsern Ohren nur
> ein Gerücht von ihr gehört.«
> 
> 28:23    Gott weiß den Weg zu ihr, er allein kennt ihre Stätte.
> (23-28) Spr 8,22-31
> 
> 28:24   Denn er sieht die Enden der Erde und schaut alles, was unter dem
> Himmel ist.
> 
> 28:25   Als er dem Wind sein Gewicht gegeben und dem Wasser sein Maß
> gesetzt,
> 
> 28:26   als er dem Regen ein Gesetz gegeben hat und dem Blitz und Donner den
> Weg:
> 
> 28:27   damals schon sah er sie und verkündigte sie, bereitete sie und
> ergründete sie
> 
> 28:28   und sprach zum Menschen: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist
> Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht.
> Ps 111,10; Spr 1,7
> 
>          Hiobs früheres Glück
> 
> 29:1    Und Hiob hob abermals an mit seinem Spruch und sprach:
> 
> 29:2    O daß ich wäre wie in den früheren Monden, in den Tagen, da Gott
> mich behütete,
> 
> 29:3    da seine Leuchte über meinem Haupt schien und ich bei seinem Licht
> durch die Finsternis ging!
> Ps 18,29
> 
> 29:4    Wie war ich in der Blüte meines Lebens, als Gottes Freundschaft
> über meiner Hütte war,
> Ps 25,14
> 
> 29:5    als der Allmächtige noch mit mir war und meine Kinder um mich her,
> 
> 29:6    als ich meine Tritte wusch in Milch und die Felsen Ölbäche ergossen!
> 
> 29:7    Wenn ich ausging zum Tor der Stadt und meinen Platz auf dem Markt
> einnahm,
> 
> 29:8    dann sahen mich die Jungen und verbargen sich scheu, und die Alten
> standen vor mir auf,
> 
> 29:9    die Oberen hörten auf zu reden und legten ihre Hand auf ihren Mund,
> 
> 29:10   die Fürsten hielten ihre Stimme zurück, und ihre Zunge klebte an
> ihrem Gaumen.
> 
> 29:11   Denn wessen Ohr mich hörte, der pries mich glücklich, und wessen
> Auge mich sah, der rühmte mich.
> 
> 29:12   Denn ich errettete den Armen, der da schrie, und die Waise, die
> keinen Helfer hatte.
> Kap 31,16; 2. Mose 22,21-22
> 
> 29:13   Der Segen des Verlassenen kam über mich, und ich erfreute das Herz
> der Witwe.
> 
> 29:14   Gerechtigkeit war mein Kleid, das ich anzog, und mein Recht war mir
> Mantel und Kopfbund.
> 
> 29:15   Ich war des Blinden Auge und des Lahmen Fuß.
> 
> 29:16   Ich war ein Vater der Armen, und der Sache des Unbekannten nahm ich
> mich an.
> Kap 31,18
> 
> 29:17   Ich zerbrach die Kinnbacken des Ungerechten und riß ihm den Raub aus
> den Zähnen.
> 
> 29:18   Ich dachte: Ich werde in meinem Nest verscheiden und meine Tage so
> zahlreich machen wie Sand am Meer;
> 
> 29:19   meine Wurzel reiche zum Wasser hin, und der Tau bleibe auf meinen
> Zweigen;
> 
> 29:20   meine Ehre bleibe immer frisch bei mir, und mein Bogen sei immer
> stark in meiner Hand.
> 
> 29:21   Sie hörten mir zu und schwiegen und warteten auf meinen Rat.
> 
> 29:22   Nach meinen Worten redete niemand mehr, und meine Rede troff auf sie
> nieder.
> 
> 29:23   Sie warteten auf mich wie auf den Regen und sperrten ihren Mund auf
> wie nach Spätregen.
> 
> 29:24   Wenn ich ihnen zulachte, so faßten sie Vertrauen, und das Licht
> meines Angesichts tröstete die Trauernden.
> 
> 29:25   Wenn ich zu ihnen kommen wollte, so mußte ich obenan sitzen und
> thronte wie ein König unter der Schar.
> 
>          Hiobs jetziges Unglück
> 
> 30:1    Jetzt aber verlachen mich, die jünger sind als ich, deren Väter ich
> nicht wert geachtet hätte, sie zu meinen Hunden bei der Herde zu
> stellen,
> Kap 19,18
> 
> 30:2    deren Stärke ich für nichts hielt, denen die Kraft dahinschwand;
> 
> 30:3    die vor Hunger und Mangel erschöpft sind, die das dürre Land
> abnagen, die Wüste und Einöde;
> 
> 30:4    die da Melde sammeln bei den Büschen, und Ginsterwurzel ist ihre
> Speise.
> 
> 30:5    Aus der Menschen Mitte werden sie weggetrieben; man schreit ihnen
> nach wie einem Dieb;
> 
> 30:6    an den Hängen der Täler wohnen sie, in den Löchern der Erde und in
> Steinklüften;
> 
> 30:7    zwischen den Büschen schreien sie, und unter den Disteln sammeln sie
> sich -
> 
> 30:8    gottloses Volk und Leute ohne Namen, die man aus dem Lande weggejagt
> hatte.
> 
> 30:9    Jetzt bin ich ihr Spottlied geworden und muß ihnen zum Gerede
> dienen.
> Ps 69,13; Klgl 3,63
> 
> 30:10   Sie verabscheuen mich und halten sich ferne von mir und scheuen sich
> nicht, vor meinem Angesicht auszuspeien.
> Kap 17,6; Mt 26,67
> 
> 30:11   Er hat mein Seil gelöst und mich gedemütigt und den Zaum weggetan,
> an dem er mich hielt.
> 
> 30:12   Zur Rechten hat sich eine Schar gegen mich erhoben, sie haben meinen
> Fuß weggestoßen und haben gegen mich Wege angelegt, mich zu
> verderben.
> 
> 30:13   Sie haben meine Pfade aufgerissen, zu meinem Fall helfen sie; keiner
> gebietet ihnen Einhalt.
> 
> 30:14   Sie kommen wie durch eine breite Bresche herein, wälzen sich unter
> den Trümmern heran.
> 
> 30:15   Schrecken hat sich gegen mich gekehrt und hat verjagt wie der Wind
> meine Herrlichkeit, und wie eine Wolke zog mein Glück vorbei.
> 
> 30:16   Jetzt aber zerfließt meine Seele in mir, und Tage des Elends haben
> mich ergriffen.
> 
> 30:17   Des Nachts bohrt es in meinem Gebein, und die Schmerzen, die an mir
> nagen, schlafen nicht.
> 
> 30:18   Mit aller Gewalt wird mein Kleid entstellt, wie der Kragen meines
> Hemdes würgt es mich.
> Kap 7,5; 16,8
> 
> 30:19   Man hat mich in den Dreck geworfen, daß ich gleich bin dem Staub und
> der Asche.
> 
> 30:20   Ich schreie zu dir, aber du antwortest mir nicht; ich stehe da,
> aber du achtest nicht auf mich.
> Kap 19,7; Ps 22,3
> 
> 30:21   Du hast dich mir verwandelt in einen Grausamen und streitest gegen
> mich mit der Stärke deiner Hand.
> 
> 30:22   Du hebst mich auf und läßt mich auf dem Winde dahinfahren und
> vergehen im Sturm.
> 
> 30:23   Denn ich weiß, du wirst mich zum Tod gehen lassen, zum Haus, da alle
> Lebendigen zusammenkommen.
> 
> 30:24   Aber wird man nicht die Hand ausstrecken unter Trümmern und nicht
> schreien in der Not?
> 
> 30:25   Ich weinte ja über die harte Zeit, und meine Seele grämte sich über
> das Elend.
> 
> 30:26   Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht,
> und es kam Finsternis.
> 
> 30:27   In mir kocht es und hört nicht auf; mich haben überfallen Tage des
> Elends.
> 
> 30:28   Ich gehe schwarz einher, doch nicht von der Sonne; ich stehe auf in
> der Gemeinde und schreie.
> 
> 30:29   Ich bin ein Bruder der Schakale geworden und ein Geselle der
> Strauße.
> 
> 30:30   Meine Haut ist schwarz geworden und löst sich ab von mir, und meine
> Gebeine sind verdorrt vor hitzigem Fieber.
> 
> 30:31   Mein Harfenspiel ist zur Klage geworden und mein Flötenspiel zum
> Trauerlied.
> 
>          Hiobs Reinigungseid und Appell an Gott
> 
> 31:1    Ich hatte einen Bund gemacht mit meinen Augen, daß ich nicht
> lüstern blickte auf eine Jungfrau.
> Mt 5,28-29
> 
> 31:2    Was gäbe sonst mir Gott als Teil von oben und was für ein Erbe der
> Allmächtige aus der Höhe?
> 
> 31:3    Wäre es nicht Verderben für den Ungerechten und Unglück für den
> Übeltäter?
> 
> 31:4    Sieht er nicht meine Wege und zählt alle meine Schritte?
> Kap 23,10
> 
> 31:5    Bin ich gewandelt in Falschheit, oder ist mein Fuß geeilt zum
> Betrug?
> 
> 31:6    Gott möge mich wiegen auf rechter Waage, so wird er erkennen meine
> Unschuld!
> 
> 31:7    Ist mein Gang gewichen vom Wege und mein Herz meinen Augen
> nachgefolgt und blieb etwas hängen an meinen Händen,
> 
> 31:8    so will ich säen, aber ein anderer soll es essen, und was mir
> gewachsen ist, soll entwurzelt werden.
> 3. Mose 26,16
> 
> 31:9    Hat sich mein Herz betören lassen um eines Weibes willen und hab ich
> an meines Nächsten Tür gelauert,
> 
> 31:10   so soll mein Weib einem andern mahlen, und andere sollen sich über
> sie beugen.
> 2. Sam 12,11
> 
> 31:11   Denn das ist eine Schandtat und eine Schuld, die vor die Richter
> gehört.
> 5. Mose 22,22
> 
> 31:12   Ja, das ist ein Feuer, das bis in den Abgrund frißt und all meine
> Habe bis auf die Wurzel vernichtet.
> 
> 31:13   Hab ich mißachtet das Recht meines Knechts oder meiner Magd, wenn
> sie eine Sache wider mich hatten,
> 
> 31:14   was wollte ich tun, wenn Gott sich erhebt, und was würde ich
> antworten, wenn er nachforscht?
> 
> 31:15   Hat nicht auch ihn erschaffen, der mich im Mutterleibe schuf, hat
> nicht der Eine uns im Mutterschoß bereitet?
> Spr 14,31; Mt 25,40
> 
> 31:16   Hab ich den Bedürftigen ihr Begehren versagt und die Augen der
> Witwe verschmachten lassen?
> Kap 29,12
> 
> 31:17    Hab ich meinen Bissen allein gegessen, und hat nicht die Waise auch
> davon gegessen?
> (17-20) Jes 58,7
> 
> 31:18   Nein, ich habe sie von Jugend auf gehalten wie ein Vater, und ich
> habe sie von Mutterleib an geleitet.
> Kap 29,16
> 
> 31:19   Hab ich zugesehen, wie jemand ohne Kleid verkommen ist, und den
> Armen ohne Decke gehen lassen?
> 
> 31:20   Hat er mich nicht gesegnet, wenn er von der Wolle meiner Lämmer
> erwärmt wurde?
> 
> 31:21   Hab ich meine Hand gegen eine Waise erhoben, weil ich sah, daß ich
> im Tor Helfer hatte,
> Rut 4,1-11
> 
> 31:22   so falle meine Schulter vom Nacken und mein Arm breche aus dem
> Gelenk!
> 
> 31:23   Denn ich müßte Gottes Strafe über mich fürchten und könnte seine
> Hoheit nicht ertragen.
> 
> 31:24   Hab ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zum Feingold
> gesagt: »Mein Trost«?
> Ps 52,9
> 
> 31:25   Hab ich mich gefreut, daß ich großes Gut besaß und meine Hand soviel
> erworben hatte?
> 
> 31:26   Hab ich das Licht angesehen, wenn es hell leuchtete, und den Mond,
> wenn er herrlich dahinzog,
> 5. Mose 4,19
> 
> 31:27   daß mich mein Herz heimlich betört hätte, ihnen Küsse zuzuwerfen mit
> meiner Hand?
> 
> 31:28   Das wäre auch eine Missetat, die vor die Richter gehört; denn damit
> hätte ich verleugnet Gott in der Höhe.
> 
> 31:29   Hab ich mich gefreut, wenn's meinem Feinde übel ging, und mich
> erhoben, weil ihn Unglück getroffen hatte?
> Spr 24,17;  Ps 7,5; 35,13-14
> 
> 31:30   Nein, ich ließ meinen Mund nicht sündigen, daß ich verwünschte mit
> einem Fluch seine Seele.
> 1. Petr 3,9
> 
> 31:31   Haben nicht die Männer in meinem Zelt sagen müssen: »Wo ist einer,
> der nicht satt geworden wäre von seinem Fleisch?«
> 
> 31:32   Kein Fremder durfte draußen zur Nacht bleiben, sondern meine Tür tat
> ich dem Wanderer auf.
> Ri 19,20-21; 1. Petr 4,9; Hebr 13,2
> 
> 31:33   Hab ich meine Übertretungen, wie Menschen tun, zugedeckt, um
> heimlich meine Schuld zu verbergen,
> 
> 31:34   weil ich mir grauen ließ vor der großen Menge und die Verachtung der
> Sippen mich abgeschreckt hat, so daß ich still blieb und nicht zur
> Tür hinausging?
> 
> 31:38   Hat mein Acker wider mich geschrien und haben miteinander seine
> Furchen geweint,
> Der Zusammenhang erfordert die hier vorgenommene Umstellung der
> Verse 38-40a.
> 
> 31:39   hab ich seine Früchte unbezahlt gegessen und seinen Ackerleuten das
> Leben sauer gemacht,
> 
> 31:40a  so sollen mir Disteln wachsen statt Weizen und Unkraut statt
> Gerste.
> 
> 31:35   O hätte ich einen, der mich anhört - hier meine Unterschrift! der
> Allmächtige antworte mir! -, oder die Schrift, die mein Verkläger
> geschrieben!
> Kap 23,3-7
> 
> 31:36   Wahrlich, dann wollte ich sie auf meine Schulter nehmen und wie eine
> Krone tragen.
> 
> 31:37   Ich wollte alle meine Schritte ihm ansagen und wie ein Fürst ihm
> nahen.
> 
> 31:40b  Die Worte Hiobs haben ein Ende.
> 
>          DIE REDEN DES ELIHU (Kapitel 32,1 - 37,24)
> Elihus erste Rede
> 
> 32:1    Da hörten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für
> gerecht hielt.
> 
> 32:2    Aber Elihu, der Sohn Barachels des Busiters, aus dem Geschlecht
> Ram, ward zornig. Er ward zornig über Hiob, weil er sich selber für
> gerechter hielt als Gott.
> 1. Mose 22,21;  Kap 13,18; 19,6-7; 27,5-6
> 
> 32:3    Auch ward er zornig über seine drei Freunde, weil sie keine Antwort
> fanden und doch Hiob verdammten.
> Kap 15,4; 18,21; 20,29; 22,5
> 
> 32:4    Elihu aber hatte gewartet, bis sie mit Hiob geredet hatten, weil sie
> älter waren als er.
> 
> 32:5    Als Elihu nun sah, daß keine Antwort war im Munde der drei Männer,
> ward er zornig.
> 
> 32:6    Und Elihu, der Sohn Barachels des Busiters, hob an und sprach: Ich
> bin jung an Jahren, ihr aber seid alt; darum hab ich mich gescheut
> und gefürchtet, mein Wissen euch kundzutun.
> 
> 32:7    Ich dachte: Laß das Alter reden, und die Menge der Jahre laß
> Weisheit beweisen.
> Kap 12,12
> 
> 32:8    Aber der Geist ist es in den Menschen und der Odem des Allmächtigen,
> der sie verständig macht.
> 
> 32:9    Die Betagten sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen
> nicht, was das Rechte ist.
> 
> 32:10   Darum sage ich: Hört mir zu; auch ich will mein Wissen kundtun.
> 
> 32:11   Siehe, ich habe gewartet, bis ihr geredet hattet; ich habe
> aufgemerkt auf eure Einsicht, bis ihr die rechten Worte treffen
> würdet,
> 
> 32:12   und habe achtgehabt auf euch; aber siehe, da war keiner unter euch,
> der Hiob zurechtwies oder seiner Rede antwortete.
> 
> 32:13   Sagt nur nicht: »Wir haben Weisheit gefunden; Gott muß ihn schlagen
> und nicht ein Mensch.«
> 
> 32:14   Mich haben seine Worte nicht getroffen, und mit euren Reden will ich
> ihm nicht antworten.
> 
> 32:15   Ach! Betroffen stehen sie da und können nicht mehr antworten; sie
> wissen nichts mehr zu sagen.
> 
> 32:16   Und da soll ich warten, weil sie nicht mehr reden, weil sie dastehen
> und nicht mehr antworten?
> 
> 32:17   Auch ich will mein Teil antworten und will mein Wissen kundtun!
> 
> 32:18   Denn ich bin voll von Worten, weil mich der Geist in meinem Inneren
> bedrängt.
> 
> 32:19   Siehe, mein Inneres ist wie der Most, den man nicht herausläßt und
> der die neuen Schläuche zerreißt.
> 
> 32:20   Ich muß reden, daß ich mir Luft mache, ich muß meine Lippen auftun
> und antworten.
> 
> 32:21   Vor mir soll kein Ansehen der Person gelten, und ich will keinem
> Menschen schmeicheln.
> 
> 32:22   Denn ich weiß nicht zu schmeicheln; sonst würde mich mein Schöpfer
> bald dahinraffen.
> 
>  33:1    Höre doch, Hiob, meine Rede und merke auf alle meine Worte!
> 
> 33:2    Siehe, ich tue meinen Mund auf, und meine Zunge redet in meinem
> Munde.
> 
> 33:3    Mein Herz spricht aufrichtige Worte, und meine Lippen reden lautere
> Erkenntnis.
> 
> 33:4    Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat
> mir das Leben gegeben.
> 
> 33:5    Kannst du, so antworte mir; rüste dich gegen mich und stelle dich.
> 
> 33:6    Siehe, vor Gott bin ich wie du, und aus Erde bin auch ich gemacht.
> Kap 10,9
> 
> 33:7    Siehe, du brauchst vor mir nicht zu erschrecken, und mein Drängen
> soll nicht auf dir lasten.
> 
> 33:8    Du hast geredet vor meinen Ohren, den Ton deiner Reden höre ich
> noch:
> 
> 33:9    »Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde.
> Kap 16,17; 27,6; 31,1-40
> 
> 33:10   Siehe, Gott erfindet Vorwürfe wider mich, er betrachtet mich als
> seinen Feind;
> Kap 13,24; 19,11
> 
> 33:11   er hat meine Füße in den Block gelegt und hat acht auf alle meine
> Wege.«
> Kap 13,27
> 
> 33:12   Siehe, darin hast du nicht recht, muß ich dir antworten; denn Gott
> ist mehr als ein Mensch.
> 
> 33:13   Warum willst du mit ihm hadern, weil er auf Menschenworte nicht
> Antwort gibt?
> 
> 33:14   Denn auf eine Weise redet Gott und auf eine zweite; nur beachtet
> man's nicht.
> 
> 33:15   Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt,
> wenn sie schlafen auf dem Bett,
> Kap 4,12-16
> 
> 33:16   da öffnet er das Ohr der Menschen und schreckt sie auf und warnt
> sie,
> Kap 36,10
> 
> 33:17   damit er den Menschen von seinem Vorhaben abwende und von ihm die
> Hoffart tilge
> 
> 33:18   und bewahre seine Seele vor dem Verderben und sein Leben vor des
> Todes Geschoß.
> 
> 33:19   Auch warnt er ihn durch Schmerzen auf seinem Bett und durch heftigen
> Kampf in seinen Gliedern
> 
> 33:20   und richtet ihm sein Leben so zu, daß ihm vor der Speise ekelt, und
> seine Seele, daß sie nicht Lust hat zu essen.
> 
> 33:21   Sein Fleisch schwindet dahin, daß man's nicht ansehen kann, und
> seine Knochen stehen heraus, daß man lieber wegsieht;
> 
> 33:22   so nähert er sich der Grube und sein Leben den Toten.
> 
> 33:23   Kommt dann zu ihm ein Engel, ein Mittler, einer aus tausend,
> kundzutun dem Menschen, was für ihn recht ist,
> 
> 33:24   so wird er ihm gnädig sein und sagen: »Erlöse ihn, daß er nicht
> hinunterfahre zu den Toten; denn ich habe ein Lösegeld gefunden.
> Ps 49,8-11
> 
> 33:25   Sein Fleisch blühe wieder wie in der Jugend, und er soll wieder
> jung werden.«
> Ps 103,5
> 
> 33:26   Er wird Gott bitten, und der wird ihm Gnade erweisen und wird ihn
> sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen seine
> Gerechtigkeit zurückgeben.
> 
> 33:27   Er wird vor den Leuten lobsingen und sagen: »Ich hatte gesündigt und
> das Recht verkehrt, aber es ist mir nicht vergolten worden.
> 
> 33:28   Gott hat mich erlöst, daß ich nicht hinfahre zu den Toten, sondern
> mein Leben das Licht sieht.«
> 
> 33:29   Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeden,
> 
> 33:30   daß er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem
> Licht der Lebendigen.
> Ps 56,14; 103,4; 116,9
> 
> 33:31   Merk auf, Hiob, und höre mir zu und schweige, damit ich reden kann!
> 
> 33:32   Hast du aber etwas zu sagen, so antworte mir. Sage an, ich will dir
> gern recht geben!
> 
> 33:33   Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige; ich will dich
> Weisheit lehren.
> 
>          Elihus zweite Rede
> 
> 34:1    Und Elihu hob an und sprach:
> 
> 34:2    Höret, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merkt auf mich!
> 
> 34:3    Denn das Ohr prüft die Rede, wie der Gaumen die Speise schmeckt.
> Kap 12,11
> 
> 34:4    Laßt uns ein Urteil finden, daß wir miteinander erkennen, was gut
> ist.
> 
> 34:5    Denn Hiob hat gesagt: »Ich bin gerecht, doch Gott verweigert mir
> mein Recht;
> Kap 33,9;  Kap 27,2
> 
> 34:6    ich soll lügen, obwohl ich recht habe, und mich quält der Pfeil,
> der mich traf, obwohl ich doch ohne Schuld bin.«
> Kap 9,15; 9,20;  Kap 6,4
> 
> 34:7    Wo ist so ein Mann wie Hiob, der Hohn trinkt wie Wasser
> Kap 15,16
> 
> 34:8    und auf dem Wege geht mit den Übeltätern und wandelt mit den
> gottlosen Leuten?
> Ps 1,1
> 
> 34:9    Denn er hat gesagt: »Es nützt dem Menschen nichts, wenn er Gottes
> Wohlgefallen sucht.«
> Kap 9,22
> 
> 34:10   Darum hört mir zu, ihr weisen Männer: Es sei ferne, daß Gott sollte
> gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht;
> Kap 8,3; 5. Mose 32,4; 2. Chr 19,7
> 
> 34:11   sondern er vergilt dem Menschen, wie er verdient hat, und trifft
> einen jeden nach seinem Tun.
> Ps 18,26-27; Röm 2,6; Offb 22,12
> 
> 34:12   Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt
> das Recht nicht. -
> Kap 19,6
> 
> 34:13   Wer hat ihm die Erde anvertraut? Und wer hat den ganzen Erdkreis
> hingestellt?
> 
> 34:14   Wenn er nur an sich dächte, seinen Geist und Odem an sich zöge,
> 
> 34:15   so würde alles Fleisch miteinander vergehen, und der Mensch würde
> wieder zu Staub werden.
> Ps 104,29
> 
> 34:16   Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner
> Reden!
> 
> 34:17   Kann denn regieren, wer das Recht hasset? Oder willst du den
> verdammen, der gerecht und allmächtig ist,
> 
> 34:18   der zum König sagt: »Du heilloser Mann« und zu den Fürsten: »Ihr
> Gottlosen«,
> 
> 34:19   der nicht ansieht die Person der Fürsten und achtet den Vornehmen
> nicht mehr als den Armen? Denn sie sind alle seiner Hände Werk.
> 
> 34:20   Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken
> und vergehen; die Mächtigen werden weggenommen ohne Menschenhand.
> 
> 34:21   Denn seine Augen sehen auf eines jeden Weg, und er schaut auf alle
> ihre Schritte.
> Kap 31,4; Spr 5,21
> 
> 34:22   Es gibt keine Finsternis und kein Dunkel, wo sich verbergen könnten
> die Übeltäter.
> Ps 139,11-12
> 
> 34:23   Denn es wird niemand gesagt, wann er vor Gott zum Gericht erscheinen
> muß.
> 
> 34:24   Er bringt die Stolzen um, ohne sie erst zu verhören, und stellt
> andere an ihre Stelle;
> 
> 34:25   denn er kennt ihre Werke, und er stürzt sie des Nachts, daß sie
> zerschlagen werden.
> 
> 34:26   Er urteilt sie ab wie die Gottlosen an einem Ort, wo viele es sehen,
> 
> 34:27   weil sie von ihm gewichen sind und verstanden keinen seiner Wege,
> 
> 34:28   so daß das Schreien der Armen vor ihn kommen mußte und er das
> Schreien der Elenden hörte.
> 1. Mose 16,11
> 
> 34:29   - Wenn er sich aber ruhig hält, wer will ihn verdammen? Und wenn er
> das Antlitz verbirgt, wer kann ihn schauen unter allen Völkern und
> Leuten? -
> 
> 34:30   So läßt er denn nicht einen Gottlosen regieren, der ein Fallstrick
> ist für das Volk.
> 
> 34:31   Wenn einer zu Gott sagt: »Ich hab's getragen, ich will kein Unrecht
> mehr tun;
> Bisherige Lutherbibel: Ich habe gebüßt. Anderer Vorschlag: Ich habe
> geirrt.
> 
> 34:32   was ich nicht sehe, das lehre du mich; hab ich unrecht gehandelt,
> ich will's nicht mehr tun«,
> 
> 34:33   soll er dann nach deinem Sinn vergelten, weil du ja widerrufen hast?
> Denn du hast zu wählen und nicht ich, und was du erkannt, sage an!
> 
> 34:34   Verständige Leute werden zu mir sagen und ein weiser Mann, der mir
> zuhört:
> 
> 34:35   »Hiob redet mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.«
> Kap 38,2
> 
> 34:36   Oh, Hiob sollte bis zum Äußersten geprüft werden, weil er Antworten
> gibt wie freche Sünder.
> 
> 34:37   Denn zu seiner Sünde fügt er noch Frevel hinzu. Er treibt Spott
> unter uns und macht viele Worte wider Gott.
> 
>          Elihus dritte Rede
> 
> 35:1    Und Elihu hob an und sprach:
> 
> 35:2    Hältst du das für recht, nennst du das »meine Gerechtigkeit vor
> Gott«,
> Kap 32,2
> 
> 35:3    daß du sprichst: »Was nützt sie mir? Was habe ich davon, daß ich
> nicht sündige?«
> Kap 34,9
> 
> 35:4    Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.
> 
> 35:5    Schau gen Himmel und sieh; und schau die Wolken an hoch über dir!
> 
> 35:6    Sündigst du, was kannst du ihm schaden? Und wenn deine Missetaten
> viel sind, was kannst du ihm tun?
> Kap 7,20
> 
> 35:7    Und wenn du gerecht wärst, was kannst du ihm geben, oder was wird er
> von deinen Händen nehmen?
> Kap 22,2-3; Röm 11,35
> 
> 35:8    Nur einem Menschen wie dir kann deine Bosheit etwas tun und einem
> Menschenkind deine Gerechtigkeit.
> 
> 35:9    Man schreit, daß viel Gewalt geschieht, und ruft um Hilfe vor dem
> Arm der Großen;
> 
> 35:10   aber man fragt nicht: »Wo ist Gott, mein Schöpfer, der Lobgesänge
> gibt in der Nacht,
> Apg 16,25
> 
> 35:11   der uns klüger macht als die Tiere auf Erden und weiser als die
> Vögel unter dem Himmel?«
> 
> 35:12   Da schreien sie über den Hochmut der Bösen, doch er erhört sie
> nicht.
> 
> 35:13   Denn Gott wird Nichtiges nicht erhören, und der Allmächtige wird es
> nicht ansehen.
> Joh 9,31
> 
> 35:14   Nun gar, wenn du sprichst, du könntest ihn nicht sehen - der
> Rechtsstreit liegt ihm vor, harre nur seiner!
> Kap 23,8-9
> 
> 35:15   Aber nun, da sein Zorn nicht heimsucht und er sich um Frevel nicht
> viel kümmert,
> Pred 8,11
> 
> 35:16   sperrt Hiob seinen Mund auf um nichts und hält stolze Reden mit
> Unverstand.
> 
>          Elihus letzte Rede
> 
> 36:1    Elihu hob noch einmal an und sprach:
> 
> 36:2    Warte noch ein wenig, ich will dich lehren; denn ich habe noch etwas
> für Gott zu sagen.
> 
> 36:3    Ich will mein Wissen weit herholen und meinem Schöpfer Recht
> verschaffen.
> 
> 36:4    Meine Reden sind wahrlich nicht falsch; vor dir steht einer, der es
> wirklich weiß.
> 
> 36:5    Siehe, Gott ist mächtig und verwirft niemand; er ist mächtig an
> Kraft des Herzens.
> 
> 36:6    Den Gottlosen erhält er nicht am Leben, sondern hilft dem Elenden
> zum Recht.
> Ps 72,4; 72,12; 146,7-9
> 
> 36:7    Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten, sondern mit Königen
> auf dem Thron läßt er sie sitzen immerdar, daß sie groß werden.
> Ps 113,7-8
> 
> 36:8    Und wenn sie gefangenliegen in Ketten und elend, gebunden mit
> Stricken,
> 
> 36:9    so hält er ihnen vor, was sie getan haben, und ihre Sünden, daß sie
> sich überhoben haben,
> 
> 36:10   und öffnet ihnen das Ohr zur Warnung und sagt ihnen, daß sie sich
> von dem Unrecht bekehren sollen.
> Kap 33,16
> 
> 36:11   Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt
> werden und glücklich leben.
> 
> 36:12   Gehorchen sie nicht, so werden sie dahinfahren durch des Todes
> Geschoß und vergehen in Unverstand.
> 
> 36:13   Die Ruchlosen verhärten sich im Zorn. Sie flehen nicht, auch wenn er
> sie gefangenlegt;
> 
> 36:14   so wird ihre Seele in der Jugend sterben und ihr Leben unter den
> Hurern im Tempel.
> 
> 36:15   Aber den Elenden wird er durch sein Elend erretten und ihm das Ohr
> öffnen durch Trübsal.
> 
> 36:16   So reißt er auch dich aus dem Rachen der Angst in einen weiten Raum,
> wo keine Bedrängnis mehr ist; und an deinem Tische, voll von allem
> Guten, wirst du Ruhe haben.
> 
> 36:17   Wenn du aber richtest wie ein Gottloser, so halten dich Gericht und
> Recht fest.
> 
> 36:18   Sieh zu, daß nicht dein Zorn dich verlockt oder die Menge des
> Lösegeldes dich verleitet.
> 
> 36:19   Wird dein Geschrei dich aus der Not bringen oder alle kräftigen
> Anstrengungen?
> 
> 36:20   Sehne dich nicht nach der Nacht, die Völker wegnimmt von ihrer
> Stätte!
> 
> 36:21   Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, denn Unrecht wählst du
> lieber als Elend!
> 
> 36:22   Siehe, Gott ist groß in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er
> ist?
> Ps 25,9
> 
> 36:23   Wer will ihm weisen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: »Du tust
> Unrecht«?
> 
> 36:24   Denk daran, daß du sein Werk preisest, von dem die Menschen singen.
> 
> 36:25   Denn alle Menschen schauen danach aus, aber sie sehen's nur von
> ferne.
> 
> 36:26   Siehe, Gott ist groß und unbegreiflich; die Zahl seiner Jahre kann
> niemand erforschen.
> 
> 36:27   Er zieht empor die Wassertropfen und treibt seine Wolken zusammen
> zum Regen,
> 
> 36:28   daß die Wolken überfließen und Regen senden auf die Menge der
> Menschen.
> 
> 36:29   Wer versteht, wie er die Wolken türmt und donnern läßt aus seinem
> Gezelt?
> 
> 36:30   Siehe, er breitet sein Licht um sich und bedeckt alle Tiefen des
> Meeres.
> 
> 36:31   Denn damit regiert er die Völker und gibt Speise die Fülle.
> 
> 36:32   Er bedeckt seine Hände mit Blitzen und bietet sie auf gegen den, der
> ihn angreift.
> 
> 36:33   Ihn kündet an sein Donnern, wenn er mit Zorn eifert gegen den
> Frevel.
> 
>  37:1    Darüber entsetzt sich mein Herz und fährt bebend hoch.
> 
> 37:2    O hört doch, wie sein Donner rollt und was für Gedröhn aus seinem
> Munde geht!
> 
> 37:3    Er läßt ihn hinfahren unter dem ganzen Himmel und seinen Blitz über
> die Enden der Erde.
> 
> 37:4    Ihm nach brüllt der Donner, und er donnert mit seinem großen Schall;
> und wenn sein Donner gehört wird, hält er die Blitze nicht zurück.
> 
> 37:5    Gott donnert mit seinem Donner wunderbar und tut große Dinge, die
> wir nicht begreifen.
> 
> 37:6    Er spricht zum Schnee: »Falle zur Erde!« und zum Platzregen, so ist
> der Platzregen da mit Macht.
> 
> 37:7    So legt er alle Menschen unter Siegel, daß die Leute erkennen, was
> er tun kann.
> 
> 37:8    Die wilden Tiere gehen in die Höhle und legen sich auf ihr Lager.
> Ps 104,21-22
> 
> 37:9    Aus seinen Kammern kommt der Sturm und von Norden her die Kälte.
> 
> 37:10   Vom Odem Gottes kommt Eis, und die weiten Wasser liegen erstarrt.
> 
> 37:11   Die Wolken beschwert er mit Wasser, und aus der Wolke bricht sein
> Blitz.
> 
> 37:12   Er kehrt die Wolken, wohin er will, daß sie alles tun, was er ihnen
> gebietet auf dem Erdkreis:
> 
> 37:13   zur Züchtigung für ein Land oder zum Segen läßt er sie kommen.
> 
> 37:14   Das vernimm, Hiob, steh still und merke auf die Wunder Gottes!
> 
> 37:15   Weißt du, wie Gott ihnen Weisung gibt und wie er das Licht aus
> seinen Wolken hervorbrechen läßt?
> 
> 37:16   Weißt du, wie die Wolken schweben, die Wunder des Allwissenden?
> 
> 37:17   Du, dem schon die Kleider heiß werden, wenn das Land stilliegt
> unterm Südwind,
> 
> 37:18   kannst du gleich ihm die Wolkendecke ausbreiten, die fest ist wie
> ein gegossener Spiegel?
> 
> 37:19   Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir können nichts
> vorbringen vor Finsternis.
> 
> 37:20   Wenn jemand redet, muß es ihm gesagt werden? Hat je ein Mensch
> gesagt, er wolle vernichtet werden?
> 
> 37:21   Eben sah man das Licht nicht, das hinter den Wolken hell leuchtet;
> als aber der Wind daherfuhr, da wurde es klar.
> 
> 37:22   Von Norden kommt goldener Schein; um Gott her ist schrecklicher
> Glanz.
> 
> 37:23   Den Allmächtigen erreichen wir nicht, der so groß ist an Kraft und
> reich an Gerechtigkeit. Das Recht beugt er nicht.
> 
> 37:24   Darum sollen ihn die Menschen fürchten, und er sieht keinen an, wie
> weise sie auch sind.
> 
>          DIE ANTWORT GOTTES (Kapitel 38,1 - 42,17)
> Die erste Rede des HERRN aus dem Wettersturm
> 
> 38:1    Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wettersturm und sprach:
> Kap 31,35
> 
> 38:2    Wer ist's, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand?
> Kap 34,35
> 
> 38:3    Gürte deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, lehre mich!
> Kap 40,7
> 
> 38:4    Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir's, wenn du so klug
> bist!
> 
> 38:5    Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die
> Richtschnur gezogen hat?
> Spr 30,4
> 
> 38:6    Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein
> gelegt,
> 
> 38:7    als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle
> Gottessöhne?
> Ps 19,2;  Kap 1,6
> 
> 38:8     Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es herausbrach wie aus
> dem Mutterschoß,
> (8-11) Ps 104,8-9; Spr 8,29
> 
> 38:9    als ich's mit Wolken kleidete und in Dunkel einwickelte wie in
> Windeln,
> 
> 38:10   als ich ihm seine Grenze bestimmte mit meinem Damm und setzte ihm
> Riegel und Tore
> 
> 38:11   und sprach: »Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier
> sollen sich legen deine stolzen Wellen!«?
> 
> 38:12   Hast du zu deiner Zeit dem Morgen geboten und der Morgenröte ihren
> Ort gezeigt,
> 
> 38:13   damit sie die Ecken der Erde faßte und die Gottlosen
> herausgeschüttelt würden?
> 
> 38:14   Sie wandelt sich wie Ton unter dem Siegel und färbt sich bunt wie
> ein Kleid.
> 
> 38:15   Und den Gottlosen wird ihr Licht genommen und der erhobene Arm
> zerbrochen werden.
> 
> 38:16   Bist du zu den Quellen des Meeres gekommen und auf dem Grund der
> Tiefe gewandelt?
> 
> 38:17   Haben sich dir des Todes Tore je aufgetan, oder hast du gesehen die
> Tore der Finsternis?
> 
> 38:18   Hast du erkannt, wie breit die Erde ist? Sage an, weißt du das
> alles?
> 
> 38:19   Welches ist der Weg dahin, wo das Licht wohnt, und welches ist die
> Stätte der Finsternis,
> 
> 38:20   daß du sie zu ihrem Gebiet bringen könntest und kennen die Pfade zu
> ihrem Hause?
> 
> 38:21   Du weißt es ja, denn zu der Zeit wurdest du geboren, und deine Tage
> sind sehr viel!
> 
> 38:22    Bist du gewesen, wo der Schnee herkommt, oder hast du gesehen, wo
> der Hagel herkommt,
> (22 und 23) Jos 10,11; Jes 30,30
> 
> 38:23   die ich verwahrt habe für die Zeit der Trübsal und für den Tag des
> Streites und Krieges?
> 
> 38:24   Welches ist der Weg dahin, wo das Licht sich teilt und der Ostwind
> hinfährt über die Erde?
> 
> 38:25   Wer hat dem Platzregen seine Bahn gebrochen und den Weg dem Blitz
> und Donner,
> Kap 28,26
> 
> 38:26   daß es regnet aufs Land, wo niemand ist, in der Wüste, wo kein
> Mensch ist,
> 
> 38:27   damit Einöde und Wildnis gesättigt werden und das Gras wächst?
> 
> 38:28   Wer ist des Regens Vater? Wer hat die Tropfen des Taus gezeugt?
> 
> 38:29   Aus wessen Schoß geht das Eis hervor, und wer hat den Reif unter dem
> Himmel gezeugt,
> 
> 38:30   daß Wasser sich zusammenzieht wie Stein und der Wasserspiegel
> gefriert?
> 
> 38:31   Kannst du die Bande des Siebengestirns zusammenbinden oder den
> Gürtel des Orion auflösen?
> Kap 9,9
> 
> 38:32   Kannst du die Sterne des Tierkreises aufgehen lassen zur rechten
> Zeit oder die Bärin samt ihren Jungen heraufführen?
> 
> 38:33   Weißt du des Himmels Ordnungen, oder bestimmst du seine Herrschaft
> über die Erde?
> Jer 33,25
> 
> 38:34   Kannst du deine Stimme zu der Wolke erheben, damit dich die Menge
> des Wassers überströme?
> 
> 38:35   Kannst du die Blitze aussenden, daß sie hinfahren und sprechen zu
> dir: »Hier sind wir«?
> 
> 38:36   Wer gibt die Weisheit in das Verborgene? Wer gibt verständige
> Gedanken?
> 
> 38:37   Wer ist so weise, daß er die Wolken zählen könnte? Wer kann die
> Wasserschläuche am Himmel ausschütten,
> 
> 38:38   wenn der Erdboden hart wird, als sei er gegossen, und die Schollen
> fest aneinander kleben?
> 
> 38:39   Kannst du der Löwin ihren Raub zu jagen geben und die jungen Löwen
> sättigen,
> 
> 38:40   wenn sie sich legen in ihren Höhlen und lauern in ihrem Versteck?
> 
> 38:41   Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen
> und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben?
> Ps 147,9
> 
>  39:1    Weißt du die Zeit, wann die Gemsen gebären, oder hast du aufgemerkt,
> wann die Hirschkühe kreißen?
> 
> 39:2    Zählst du die Monde, die sie erfüllen müssen, oder weißt du die
> Zeit, wann sie gebären?
> 
> 39:3    Sie kauern sich nieder, werfen ihre Jungen und werden los ihre
> Wehen.
> 
> 39:4    Ihre Jungen werden stark und groß im Freien und gehen davon und
> kommen nicht wieder zu ihnen.
> 
> 39:5    Wer hat dem Wildesel die Freiheit gegeben, wer hat die Bande des
> Flüchtigen gelöst,
> 
> 39:6    dem ich die Steppe zum Hause gegeben habe und die Salzwüste zur
> Wohnung?
> 
> 39:7    Er verlacht das Lärmen der Stadt, die Schreie des Treibers hört er
> nicht;
> 
> 39:8    er durchstreift die Berge, wo seine Weide ist, und sucht, wo es grün
> ist.
> 
> 39:9    Meinst du, der Wildstier wird dir dienen wollen und wird bleiben an
> deiner Krippe?
> 
> 39:10   Kannst du ihm das Seil anknüpfen, um Furchen zu machen, oder wird er
> hinter dir in den Tälern den Pflug ziehen?
> 
> 39:11   Kannst du dich auf ihn verlassen, weil er so stark ist, und überläßt
> du ihm, was du erarbeitet hast?
> 
> 39:12   Kannst du ihm trauen, daß er dein Korn einbringt und in deine
> Scheune sammelt?
> 
> 39:13   Der Fittich der Straußin hebt sich fröhlich; aber ist's ein
> Gefieder, das sorgsam birgt?
> 
> 39:14   Läßt sie doch ihre Eier auf der Erde liegen zum Ausbrüten auf dem
> Boden
> 
> 39:15   und vergißt, daß ein Fuß sie zertreten und ein wildes Tier sie
> zerbrechen kann!
> 
> 39:16   Sie ist so hart gegen ihre Jungen, als wären es nicht ihre; es
> kümmert sie nicht, daß ihre Mühe umsonst war.
> 
> 39:17   Denn Gott hat ihr die Weisheit versagt und hat ihr keinen Verstand
> zugeteilt.
> 
> 39:18   Doch wenn sie aufgescheucht wird, verlacht sie Roß und Reiter.
> 
> 39:19   Kannst du dem Roß Kräfte geben oder seinen Hals zieren mit einer
> Mähne?
> 
> 39:20   Kannst du es springen lassen wie die Heuschrecken? Schrecklich ist
> sein prächtiges Schnauben.
> 
> 39:21   Es stampft auf den Boden und freut sich, mit Kraft zieht es aus, den
> Geharnischten entgegen.
> 
> 39:22   Es spottet der Furcht und erschrickt nicht und flieht nicht vor dem
> Schwert.
> 
> 39:23   Auf ihm klirrt der Köcher und glänzen Spieß und Lanze.
> 
> 39:24   Mit Donnern und Tosen fliegt es über die Erde dahin und läßt sich
> nicht halten beim Schall der Trompete.
> 
> 39:25   Sooft die Trompete erklingt, wiehert es »Hui!« und wittert den Kampf
> von ferne, das Rufen der Fürsten und Kriegsgeschrei.
> 
> 39:26   Fliegt der Falke empor dank deiner Einsicht und breitet seine Flügel
> aus, dem Süden zu?
> 
> 39:27   Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der
> Höhe?
> 
> 39:28   Auf Felsen wohnt er und nächtigt auf Zacken der Felsen und steilen
> Klippen.
> 
> 39:29   Von dort schaut er aus nach Beute, und seine Augen sehen sie von
> ferne.
> 
> 39:30   Seine Jungen gieren nach Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist
> er.
> Hab 1,8; Mt 24,28
> 
>          Hiobs erste Antwort an den HERRN
> 
> 40:1    Und der HERR antwortete Hiob und sprach:
> Abweichende Verszählung statt 40,1-32: 39,31 - 40,27.
> 
> 40:2    Wer mit dem Allmächtigen rechtet, kann der ihm etwas vorschreiben?
> Wer Gott zurechtweist, der antworte!
> Jes 45,9
> 
> 40:3    Hiob aber antwortete dem HERRN und sprach:
> 
> 40:4    Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten? Ich will meine
> Hand auf meinen Mund legen.
> 1. Mose 32,11; Jes 6,5;  Spr 30,32
> 
> 40:5    Einmal hab ich geredet und will nicht mehr antworten, ein zweites
> Mal geredet und will's nicht wieder tun.
> 
> Zweite Rede des HERRN aus dem Wettersturm
> 
> 40:6    Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wettersturm und sprach:
> 
> 40:7    Gürte wie ein Mann deine Lenden! Ich will dich fragen; lehre mich!
> Kap 38,3
> 
> 40:8    Willst du mein Urteil zunichte machen und mich schuldig sprechen,
> daß du recht behältst?
> 
> 40:9    Hast du einen Arm wie Gott, und kannst du mit gleicher Stimme
> donnern wie er?
> 
> 40:10   Schmücke dich mit Pracht und Hoheit; zieh Majestät und Herrlichkeit
> an!
> 
> 40:11   Streu aus den Zorn deines Grimmes; schau an alle Hochmütigen und
> demütige sie!
> 
> 40:12   Ja, schau alle Hochmütigen an und beuge sie und zertritt die
> Gottlosen in Grund und Boden!
> 
> 40:13   Verscharre sie miteinander in der Erde, und versenke sie ins
> Verborgene,
> 
> 40:14   so will auch ich dich preisen, daß dir deine rechte Hand helfen
> kann.
> 
> 40:15   Siehe da den Behemot, den ich geschaffen habe wie auch dich! Er
> frißt Gras wie ein Rind.
> d. i. ein Riesentier, nach der Art des Nilpferds.
> 
> 40:16   Siehe, welch eine Kraft ist in seinen Lenden und welch eine Stärke
> in den Muskeln seines Bauchs!
> 
> 40:17   Sein Schwanz streckt sich wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel
> sind dicht geflochten.
> 
> 40:18   Seine Knochen sind wie eherne Röhren, seine Gebeine wie eiserne
> Stäbe.
> 
> 40:19   Er ist das erste der Werke Gottes; der ihn gemacht hat, gab ihm sein
> Schwert.
> 
> 40:20   Die Berge tragen Futter für ihn, und alle wilden Tiere spielen dort.
> 
> 40:21   Er liegt unter Lotosbüschen, im Rohr und im Schlamm verborgen.
> 
> 40:22   Lotosbüsche bedecken ihn mit Schatten, und die Bachweiden umgeben
> ihn.
> 
> 40:23   Siehe, der Strom schwillt gewaltig an: er dünkt sich sicher, auch
> wenn ihm der Jordan ins Maul dringt.
> 
> 40:24   Kann man ihn fangen Auge in Auge und ihm einen Strick durch seine
> Nase ziehen?
> 
> 40:25   Kannst du den Leviatan fangen mit der Angel und seine Zunge mit
> einer Fangschnur fassen?
> Ps 74,14
> d. i. ein Riesentier, nach der Art des Krokodils.
> 
> 40:26   Kannst du ihm ein Binsenseil an die Nase legen und mit einem Haken
> ihm die Backen durchbohren?
> 
> 40:27   Meinst du, er wird dich lang um Gnade bitten oder dir süße Worte
> geben?
> 
> 40:28   Meinst du, er wird einen Bund mit dir schließen, daß du ihn für
> immer zum Knecht bekommst?
> 
> 40:29   Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel oder ihn für deine
> Mädchen anbinden?
> 
> 40:30   Meinst du, die Zunftgenossen werden um ihn feilschen und die Händler
> ihn verteilen?
> 
> 40:31   Kannst du mit Spießen spicken seine Haut und mit Fischerhaken seinen
> Kopf?
> 
> 40:32   Lege deine Hand an ihn! An den Kampf wirst du denken und es nicht
> wieder tun!
> 
>  41:1    Siehe, jede Hoffnung wird an ihm zuschanden; schon wenn einer ihn
> sieht, stürzt er zu Boden.
> Abweichende Verszählung statt 41,1-26: 40,28 - 41,25.
> 
> 41:2    Niemand ist so kühn, daß er ihn zu reizen wagt. - Wer ist denn, der
> vor mir bestehen könnte?
> 
> 41:3    Wer kann mir entgegentreten, und ich lasse ihn unversehrt? Unter dem
> ganzen Himmel ist keiner!
> 
> 41:4    Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, wie groß, wie mächtig
> und wohlgeschaffen er ist.
> 
> 41:5    Wer kann ihm den Panzer ausziehen, und wer darf es wagen, ihm
> zwischen die Zähne zu greifen?
> 
> 41:6    Wer kann die Tore seines Rachens auftun? Um seine Zähne herum
> herrscht Schrecken.
> 
> 41:7    Stolz stehen sie wie Reihen von Schilden, geschlossen und eng
> aneinandergefügt.
> 
> 41:8    Einer reiht sich an den andern, daß nicht ein Lufthauch
> hindurchgeht.
> 
> 41:9    Es haftet einer am andern, sie schließen sich zusammen und lassen
> sich nicht trennen.
> 
> 41:10   Sein Niesen läßt Licht aufleuchten; seine Augen sind wie die Wimpern
> der Morgenröte.
> 
> 41:11   Aus seinem Rachen fahren Fackeln, und feurige Funken schießen
> heraus.
> 
> 41:12   Aus seinen Nüstern fährt Rauch wie von einem siedenden Kessel und
> Binsenfeuer.
> 
> 41:13   Sein Odem ist wie lichte Lohe, und aus seinem Rachen schlagen
> Flammen.
> 
> 41:14   Auf seinem Nacken wohnt die Stärke, und vor ihm her tanzt die Angst.
> 
> 41:15   Die Wampen seines Fleisches haften an ihm, fest angegossen, ohne
> sich zu bewegen.
> 
> 41:16   Sein Herz ist so hart wie ein Stein und so fest wie der untere
> Mühlstein.
> 
> 41:17   Wenn er sich erhebt, so entsetzen sich die Starken, und vor
> Schrecken wissen sie nicht aus noch ein.
> 
> 41:18   Trifft man ihn mit dem Schwert, so richtet es nichts aus, auch nicht
> Spieß, Geschoß und Speer.
> 
> 41:19   Er achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz.
> 
> 41:20   Kein Pfeil wird ihn verjagen; die Schleudersteine sind ihm wie
> Spreu.
> 
> 41:21   Die Keule achtet er wie einen Strohhalm; er spottet der sausenden
> Lanze.
> 
> 41:22   Unter seinem Bauch sind scharfe Spitzen; er fährt wie ein
> Dreschschlitten über den Schlamm.
> 
> 41:23   Er macht, daß die Tiefe brodelt wie ein Topf, und rührt das Meer um,
> wie man Salbe mischt.
> 
> 41:24   Er läßt hinter sich eine leuchtende Bahn; man denkt, die Flut sei
> Silberhaar.
> 
> 41:25   Auf Erden ist nicht seinesgleichen; er ist ein Geschöpf ohne Furcht.
> 
> 41:26   Er sieht allem ins Auge, was hoch ist; er ist König über alle
> stolzen Tiere.
> 
>          Hiobs letzte Antwort an den HERRN
> 
> 42:1    Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach:
> 
> 42:2    Ich erkenne, daß du alles vermagst, und nichts, das du dir
> vorgenommen, ist dir zu schwer.
> 
> 42:3    »Wer ist der, der den Ratschluß verhüllt mit Worten ohne Verstand?«
> Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht
> verstehe.
> Kap 38,2
> 
> 42:4    »So höre nun, laß mich reden; ich will dich fragen, lehre mich!«
> Kap 38,3
> 
> 42:5    Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein
> Auge dich gesehen.
> Kap 19,26-27
> 
> 42:6    Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.
> 
> Gott rechtfertigt Hiob gegenüber seinen Freunden
> 
> 42:7    Als nun der HERR diese Worte mit Hiob geredet hatte, sprach er zu
> Elifas von Teman: Mein Zorn ist entbrannt über dich und über deine
> beiden Freunde; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein
> Knecht Hiob.
> 
> 42:8    So nehmt nun sieben junge Stiere und sieben Widder und geht hin zu
> meinem Knecht Hiob und opfert Brandopfer für euch; aber mein Knecht
> Hiob soll für euch Fürbitte tun; denn ihn will ich erhören, daß ich
> nicht töricht an euch handle. Denn ihr habt nicht recht von mir
> geredet wie mein Knecht Hiob.
> 1. Chr 15,26;  Hes 14,14
> 
> 42:9    Da gingen hin Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von
> Naama und taten, wie der HERR ihnen gesagt hatte. Und der HERR
> erhörte Hiob.
> 
> Hiobs gesegnetes Ende
> 
> 42:10   Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde
> Fürbitte tat. Und der HERR gab Hiob doppelt soviel, wie er gehabt
> hatte.
> Kap 1,3; 8,7
> 
> 42:11   Und es kamen zu ihm alle seine Brüder und alle seine Schwestern und
> alle, die ihn früher gekannt hatten, und aßen mit ihm in seinem
> Hause und sprachen ihm zu und trösteten ihn über alles Unglück, das
> der HERR über ihn hatte kommen lassen. Und ein jeder gab ihm ein
> Goldstück und einen goldenen Ring.
> Kap 19,13-14; 19,19
> 
> 42:12   Und der HERR segnete Hiob fortan mehr als einst, so daß er
> vierzehntausend Schafe kriegte und sechstausend Kamele und tausend
> Joch Rinder und tausend Eselinnen.
> 
> 42:13   Und er bekam sieben Söhne und drei Töchter
> Kap 1,2
> 
> 42:14   und nannte die erste Jemima, die zweite Kezia und die dritte
> Keren-Happuch.
> d. h. Täubchen, Zimmetblüte und Salbhörnchen.
> 
> 42:15   Und es gab keine so schönen Frauen im ganzen Lande wie die Töchter
> Hiobs. Und ihr Vater gab ihnen Erbteil unter ihren Brüdern.
> 4. Mose 27,8-11
> 
> 42:16   Und Hiob lebte danach hundertundvierzig Jahre und sah Kinder und
> Kindeskinder bis in das vierte Glied.
> Ps 90,10
> 
> 42:17   Und Hiob starb alt und lebenssatt.
> 1. Mose 25,8; 35,29; 1. Chr 29,28
>
> — *18 Das Buch Hiob*

