# KLAGEL

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> Jerusalem klagt und fleht um Hilfe
> 
> 1:1    Wie liegt die Stadt so verlassen, die voll Volks war! Sie ist wie
> eine Witwe, die Fürstin unter den Völkern, und die eine Königin in
> den Ländern war, muß nun dienen.
> Jer 51,5
> 
> 1:2    Sie weint des Nachts, daß ihr die Tränen über die Backen laufen. Es
> ist niemand unter allen ihren Liebhabern, der sie tröstet. Alle
> ihre Freunde sind ihr untreu und ihre Feinde geworden.
> Ps 69,21
> 
> 1:3    Juda ist gefangen in Elend und schwerem Dienst, es wohnt unter den
> Heiden und findet keine Ruhe; alle seine Verfolger kommen heran und
> bedrängen es.
> 
> 1:4    Die Straßen nach Zion liegen wüst, weil niemand auf ein Fest kommt.
> Alle Tore der Stadt stehen öde, ihre Priester seufzen, ihre
> Jungfrauen sehen jammervoll drein, und sie ist betrübt.
> 
> 1:5    Ihre Widersacher sind obenauf, ihren Feinden geht's gut; denn der
> HERR hat über die Stadt Jammer gebracht um ihrer großen Sünden
> willen, und ihre Kinder sind gefangen vor dem Feind dahingezogen.
> 
> 1:6    Es ist von der Tochter Zion aller Schmuck dahin. Ihre Fürsten sind
> wie Hirsche, die keine Weide finden und matt vor dem Verfolger
> herlaufen.
> 
> 1:7    Jerusalem denkt in dieser Zeit, da sie elend und verlassen ist,
> wieviel Gutes sie von alters her gehabt hat, wie aber all ihr Volk
> daniedersank unter des Feindes Hand und ihr niemand half. Ihre
> Feinde sehen auf sie herab und spotten über ihren Untergang.
> 
> 1:8    Jerusalem hat sich versündigt; darum muß sie sein wie ein unreines
> Weib. Alle, die sie ehrten, verschmähen sie jetzt, weil sie ihre
> Blöße sehen; sie aber seufzt und hat sich abgewendet.
> Hes 16,37
> 
> 1:9    Ihr Unflat klebt an ihrem Saum. Sie hätte nicht gemeint, daß es ihr
> zuletzt so gehen würde. Sie ist ja greulich heruntergestoßen und hat
> dazu niemand, der sie tröstet. »Ach HERR, sieh an mein Elend; denn
> der Feind triumphiert!«
> 
> 1:10   Der Feind hat seine Hand gelegt an alle ihre Kleinode. Ja, sie
> mußte zusehen, daß die Heiden in ihr Heiligtum gingen, während du
> geboten hast, sie sollten nicht in deine Gemeinde kommen.
> Jer 52,17-19;  5. Mose 23,4
> 
> 1:11   Alles Volk seufzt und geht nach Brot, es gibt seine Kleinode um
> Speise, um sein Leben zu erhalten. »Ach HERR, sieh doch und schau,
> wie verachtet ich bin!«
> 
> 1:12   Euch allen, die ihr vorübergeht, sage ich: »Schaut doch und seht, ob
> irgendein Schmerz ist wie mein Schmerz, der mich getroffen hat; denn
> der HERR hat Jammer über mich gebracht am Tage seines grimmigen
> Zorns.
> 
> 1:13   Er hat ein Feuer aus der Höhe in meine Gebeine gesandt und läßt es
> wüten. Er hat meinen Füßen ein Netz gestellt und mich rückwärts
> fallen lassen; er hat mich zur Wüste gemacht, daß ich für immer
> siech bin.
> 
> 1:14   Schwer ist das Joch meiner Sünden; durch seine Hand sind sie
> zusammengeknüpft. Sie sind mir auf den Hals gekommen, so daß mir
> alle meine Kraft vergangen ist. Der Herr hat mich in die Gewalt
> derer gegeben, gegen die ich nicht aufkommen kann.
> 
> 1:15   Der Herr hat zertreten alle meine Starken, die ich hatte; er hat
> gegen mich ein Fest ausrufen lassen, um meine junge Mannschaft zu
> verderben. Der Herr hat die Kelter getreten der Jungfrau, der
> Tochter Juda.
> Jes 63,3
> 
> 1:16   Darüber weine ich so, und mein Auge fließt von Tränen; denn der
> Tröster, der meine Seele erquicken sollte, ist ferne von mir. Meine
> Kinder sind dahin; denn der Feind hat die Oberhand gewonnen.«
> 
> 1:17   Zion streckt ihre Hände aus, und doch ist niemand da, der sie
> tröstet; denn der HERR hat gegen Jakob seine Feinde ringsum
> aufgeboten, so daß Jerusalem zwischen ihnen sein muß wie ein
> unreines Weib.
> Vers 8
> 
> 1:18   Der HERR ist gerecht, denn ich bin seinem Worte ungehorsam gewesen.
> Höret, alle Völker, und schaut meinen Schmerz! Meine Jungfrauen und
> Jünglinge sind in die Gefangenschaft gegangen.
> Kap 3,42; 5,16
> 
> 1:19   Ich rief meine Freunde, aber sie ließen mich im Stich. Meine
> Priester und meine Ältesten sind in der Stadt verschmachtet, sie
> gehen nach Brot, um ihr Leben zu erhalten.
> 
> 1:20   Ach HERR, sieh doch, wie bange ist mir, daß mir's im Leibe davon weh
> tut! Mir dreht sich das Herz im Leibe um, weil ich so ungehorsam
> gewesen bin. Draußen hat mich das Schwert und im Hause hat mich der
> Tod meiner Kinder beraubt.
> 
> 1:21   Man hört's wohl, daß ich seufze, und doch habe ich keinen Tröster;
> alle meine Feinde hören mein Unglück und freuen sich, daß du es
> gemacht hast. So laß doch den Tag kommen, den du verkündet hast, daß
> es ihnen gehen soll wie mir.
> Kap 4,21
> 
> 1:22   Laß alle ihre Bosheit vor dich kommen und richte sie zu, wie du mich
> zugerichtet hast um aller meiner Missetat willen; denn meiner
> Seufzer sind viel, und mein Herz ist betrübt.
> 
>          Klage über die Verwüstung Judas und Jerusalems
> 
> 2:1    Wie hat der Herr die Tochter Zion mit seinem Zorn überschüttet! Er
> hat die Herrlichkeit Israels vom Himmel auf die Erde geworfen; er
> hat nicht gedacht an seinen Fußschemel am Tage seines Zorns.
> Ps 132,7-8
> 
> 2:2    Der Herr hat alle Wohnungen Jakobs ohne Erbarmen vertilgt, er hat
> die Burgen der Tochter Juda abgebrochen in seinem Grimm und
> geschleift. Er hat entweiht ihr Königreich und ihre Fürsten.
> 
> 2:3    Er hat alle Macht Israels in seinem grimmigen Zorn zerbrochen, er
> hat seine rechte Hand zurückgezogen, als der Feind kam, und hat in
> Jakob gewütet wie ein flammendes Feuer, das alles ringsum verzehrt.
> 
> 2:4    Er hat seinen Bogen gespannt wie ein Feind; seine rechte Hand hat er
> geführt wie ein Widersacher und hat alles getötet, was lieblich
> anzusehen war im Zelt der Tochter Zion, und hat seinen Grimm wie
> Feuer ausgeschüttet.
> 
> 2:5    Der Herr ist wie ein Feind geworden, er hat Israel vertilgt. Er hat
> zerstört alle Paläste und hat die Burgen vernichtet; er hat der
> Tochter Juda viel Jammer und Leid gebracht.
> 
> 2:6    Er hat sein eigenes Zelt zerwühlt wie einen Garten und seine Wohnung
> vernichtet. Der HERR hat in Zion Feiertag und Sabbat vergessen
> lassen, und in seinem grimmigen Zorn ließ er König und Priester
> schänden.
> Hos 2,13;  Kap 5,12
> 
> 2:7    Der Herr hat seinen Altar verworfen und sein Heiligtum entweiht. Er
> hat die Mauern ihrer Paläste in des Feindes Hände gegeben, daß sie
> im Hause des HERRN Geschrei erhoben haben wie an einem Feiertag.
> 
> 2:8    Der HERR gedachte zu vernichten die Mauer der Tochter Zion; er hat
> die Meßschnur über die Mauern gezogen und seine Hand nicht
> abgewendet, bis er sie vertilgte. Er ließ Mauer und Wall trauern und
> miteinander fallen.
> 2. Kön 21,13
> 
> 2:9    Ihre Tore sind tief in die Erde gesunken; er hat ihre Riegel
> zerbrochen und zunichte gemacht. Ihr König und ihre Fürsten sind
> unter den Heiden, wo sie das Gesetz nicht üben können, und ihre
> Propheten haben keine Gesichte vom HERRN.
> 
> 2:10   Die Ältesten der Tochter Zion sitzen auf der Erde und sind still,
> sie werfen Staub auf ihre Häupter und haben den Sack angezogen. Die
> Jungfrauen von Jerusalem senken ihre Köpfe zur Erde.
> 
> 2:11   Ich habe mir fast die Augen ausgeweint, mein Leib tut mir weh, mein
> Herz ist auf die Erde ausgeschüttet über dem Jammer der Tochter
> meines Volks, weil die Säuglinge und Unmündigen auf den Gassen in
> der Stadt verschmachten.
> 
> 2:12   Zu ihren Müttern sprechen sie: Wo ist Brot und Wein?, da sie auf den
> Gassen in der Stadt verschmachten wie die tödlich Verwundeten und in
> den Armen ihrer Mütter den Geist aufgeben.
> 
> 2:13   Ach du Tochter Jerusalem, wem soll ich dich vergleichen, und wie
> soll ich dir zureden? Du Jungfrau, Tochter Zion, wem soll ich dich
> vergleichen, damit ich dich tröste? Denn dein Schaden ist groß wie
> das Meer. Wer kann dich heilen?
> 
> 2:14   Deine Propheten haben dir trügerische und törichte Gesichte
> verkündet und dir deine Schuld nicht offenbart, wodurch sie dein
> Geschick abgewandt hätten, sondern sie haben dich Worte hören
> lassen, die Trug waren und dich verführten.
> Jer 14,14-16; 23,16-22
> 
> 2:15   Alle, die vorübergehen, klatschen in die Hände, pfeifen und
> schütteln den Kopf über die Tochter Jerusalem: Ist das die Stadt,
> von der man sagte, sie sei die allerschönste, an der sich alles Land
> freut?
> Ps 48,3; Hes 16,14
> 
> 2:16   Alle deine Feinde reißen ihr Maul auf über dich, pfeifen und
> knirschen mit den Zähnen und sprechen: »Ha! wir haben sie vertilgt!
> Das ist der Tag, den wir begehrt haben; wir haben's erlangt, wir
> haben's erlebt.«
> 
> 2:17   Der HERR hat getan, was er vorhatte; er hat sein Wort erfüllt, das
> er längst zuvor geboten hat. Er hat ohne Erbarmen zerstört, er hat
> den Feind über dich frohlocken lassen und hat die Macht deiner
> Widersacher erhöht.
> 
> 2:18   Schreie laut zum Herrn, klage, du Tochter Zion, laß Tag und Nacht
> Tränen herabfließen wie einen Bach; höre nicht auf damit, und dein
> Augapfel lasse nicht ab!
> 
> 2:19   Steh des Nachts auf und schreie zu Beginn jeder Nachtwache, schütte
> dein Herz aus vor dem Herrn wie Wasser. Hebe deine Hände zu ihm auf
> um des Lebens deiner jungen Kinder willen, die vor Hunger
> verschmachten an allen Straßenecken!
> 
> 2:20   HERR, schaue und sieh doch, wen du so verderbt hast! Sollen denn die
> Frauen ihres Leibes Frucht essen, die Kindlein, die man auf Händen
> trägt? Sollen denn Propheten und Priester in dem Heiligtum des Herrn
> erschlagen werden?
> 5. Mose 28,53-57; Jer 19,9
> 
> 2:21   Es lagen in den Gassen auf der Erde Knaben und Alte; meine
> Jungfrauen und Jünglinge sind durchs Schwert gefallen. Du hast
> getötet am Tage deines Zorns, du hast ohne Erbarmen geschlachtet.
> 
> 2:22   Du hast von allen Seiten her meine Feinde gerufen wie zu einem
> Feiertag, so daß niemand am Tage des Zorns des HERRN entronnen und
> übriggeblieben ist. Die ich auf den Händen getragen und großgezogen
> habe, die hat der Feind umgebracht.
> 
>          Klage und Trost eines Leidenden
> 
> 3:1    Ich bin der Mann, der Elend sehen muß durch die Rute des Grimmes
> Gottes.
> 
> 3:2    Er hat mich geführt und gehen lassen in die Finsternis und nicht ins
> Licht.
> 
> 3:3    Er hat seine Hand gewendet gegen mich und erhebt sie gegen mich Tag
> für Tag.
> 
> 3:4    Er hat mir Fleisch und Haut alt gemacht und mein Gebein zerschlagen.
> 
> 3:5    Er hat mich ringsum eingeschlossen und mich mit Bitternis und Mühsal
> umgeben.
> 
> 3:6    Er hat mich in Finsternis versetzt wie die, die längst tot sind.
> 
> 3:7    Er hat mich ummauert, daß ich nicht heraus kann, und mich in harte
> Fesseln gelegt.
> 
> 3:8    Und wenn ich auch schreie und rufe, so stopft er sich die Ohren zu
> vor meinem Gebet.
> Ps 22,3; 69,4
> 
> 3:9    Er hat meinen Weg vermauert mit Quadern und meinen Pfad zum Irrweg
> gemacht.
> 
> 3:10   Er hat auf mich gelauert wie ein Bär, wie ein Löwe im Verborgenen.
> 
> 3:11   Er läßt mich den Weg verfehlen, er hat mich zerfleischt und zunichte
> gemacht.
> 
> 3:12   Er hat seinen Bogen gespannt und mich dem Pfeil zum Ziel gegeben.
> 
> 3:13   Er hat mir seine Pfeile in die Nieren geschossen.
> 
> 3:14   Ich bin ein Hohn für mein ganzes Volk und täglich ihr Spottlied.
> Hiob 30,9
> 
> 3:15   Er hat mich mit Bitterkeit gesättigt und mit Wermut getränkt.
> 
> 3:16   Er hat mich auf Kiesel beißen lassen, er drückte mich nieder in die
> Asche.
> 
> 3:17   Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben; ich habe das Gute
> vergessen.
> 
> 3:18   Ich sprach: Mein Ruhm und meine Hoffnung auf den HERRN sind dahin.
> 
> 3:19   Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und
> Bitterkeit getränkt bin!
> 
> 3:20   Du wirst ja daran gedenken, denn meine Seele sagt mir's.
> 
> 3:21   Dies nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch:
> 
> 3:22   Die Güte des HERRN ist's, daß wir nicht gar aus sind, seine
> Barmherzigkeit hat noch kein Ende,
> Neh 9,31
> 
> 3:23   sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.
> 
> 3:24   Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn
> hoffen.
> Ps 16,5; 73,26
> 
> 3:25   Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem
> Menschen, der nach ihm fragt.
> 
> 3:26   Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN
> hoffen.
> Röm 8,25
> 
> 3:27   Es ist ein köstlich Ding für einen Mann, daß er das Joch in seiner
> Jugend trage.
> 
> 3:28   Er sitze einsam und schweige, wenn Gott es ihm auferlegt,
> 
> 3:29   und stecke seinen Mund in den Staub; vielleicht ist noch Hoffnung.
> 
> 3:30   Er biete die Backe dar dem, der ihn schlägt, und lasse sich viel
> Schmach antun.
> Mt 5,39
> 
> 3:31    Denn der HERR verstößt nicht ewig;
> (31 und 32) Jes 54,8
> 
> 3:32   sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen
> Güte.
> 
> 3:33   Denn nicht von Herzen plagt und betrübt er die Menschen.
> 
> 3:34   Wenn man alle Gefangenen auf Erden unter die Füße tritt
> 
> 3:35   und eines Mannes Recht vor dem Allerhöchsten beugt
> 
> 3:36   und eines Menschen Sache verdreht, - sollte das der Herr nicht
> sehen?
> 
> 3:37   Wer darf denn sagen, daß solches geschieht ohne des Herrn Befehl
> Jes 45,7; Am 3,6
> 
> 3:38   und daß nicht Böses und Gutes kommt aus dem Munde des Allerhöchsten?
> 
> 3:39   Was murren denn die Leute im Leben? Ein jeder murre wider seine
> Sünde!
> 
> 3:40   Laßt uns erforschen und prüfen unsern Wandel und uns zum HERRN
> bekehren!
> 
> 3:41   Laßt uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel!
> 
> 3:42   Wir, wir haben gesündigt und sind ungehorsam gewesen, darum hast du
> nicht vergeben.
> Ps 106,6
> 
> 3:43   Du hast dich in Zorn gehüllt und uns verfolgt und ohne Erbarmen
> getötet.
> 
> 3:44   Du hast dich mit einer Wolke verdeckt, daß kein Gebet hindurch
> konnte.
> 
> 3:45   Du hast uns zu Kehricht und Unrat gemacht unter den Völkern.
> 
> 3:46   Alle unsere Feinde reißen ihr Maul auf über uns.
> 
> 3:47   Wir werden gedrückt und geplagt mit Schrecken und Angst.
> 
> 3:48   Wasserbäche rinnen aus meinen Augen über den Jammer der Tochter
> meines Volks.
> 
> 3:49   Meine Augen fließen und können's nicht lassen, und es ist kein
> Aufhören da,
> 
> 3:50   bis der HERR vom Himmel herabschaut und darein sieht.
> Ps 102,20-21
> 
> 3:51   Mein Auge macht mir Schmerzen wegen all der Töchter meiner Stadt.
> 
> 3:52   Meine Feinde haben mich ohne Grund gejagt wie einen Vogel.
> 
> 3:53   Sie haben mein Leben in der Grube zunichte gemacht und Steine auf
> mich geworfen.
> 
> 3:54   Wasser hat mein Haupt überschwemmt; da sprach ich: Nun bin ich
> verloren.
> 
> 3:55   Ich rief aber deinen Namen an, HERR, unten aus der Grube,
> 
> 3:56   und du erhörtest meine Stimme: »Verbirg deine Ohren nicht vor meinem
> Seufzen und Schreien!«
> 
> 3:57   Du nahtest dich zu mir, als ich dich anrief, und sprachst: Fürchte
> dich nicht!
> 
> 3:58   Du führst, Herr, meine Sache und erlösest mein Leben.
> 
> 3:59   Du siehst, HERR, wie mir Unrecht geschieht; hilf mir zu meinem
> Recht!
> 
> 3:60   Du siehst, wie sie Rache üben wollen, und kennst alle ihre Gedanken
> gegen mich.
> 
> 3:61   HERR, du hörst ihr Schmähen und alle ihre Anschläge gegen mich,
> 
> 3:62   die Reden meiner Widersacher und ihr Geschwätz über mich den ganzen
> Tag.
> 
> 3:63   Sieh doch: ob sie sitzen oder aufstehen, singen sie über mich
> Spottlieder.
> Vers 14
> 
> 3:64   Vergilt ihnen, HERR, wie sie verdient haben!
> Kap 1,21; Ps 137,8; 1. Petr 2,23; 3,9
> 
> 3:65   Laß ihnen das Herz verstockt werden, laß sie deinen Fluch fühlen!
> 
> 3:66   Verfolge sie mit Grimm und vertilge sie unter dem Himmel des HERRN.
> 
>          Zions Elend und Schmach
> 
> 4:1    Wie ist das Gold so ganz dunkel und das feine Gold so häßlich
> geworden, und wie liegen die Edelsteine an allen Straßenecken
> zerstreut!
> 
> 4:2    Die edlen Kinder Zions, dem Golde gleichgeachtet, wie sind sie nun
> den irdenen Töpfen gleich, die ein Töpfer macht!
> 
> 4:3    Auch Schakale reichen ihren Jungen die Brüste und säugen sie; aber
> die Tochter meines Volks ist unbarmherzig wie ein Strauß in der
> Wüste.
> Hiob 39,14-16
> 
> 4:4    Dem Säugling klebt seine Zunge an seinem Gaumen vor Durst; die
> kleinen Kinder verlangen nach Brot, und niemand ist da, der's ihnen
> bricht.
> 
> 4:5    Die früher leckere Speisen aßen, verschmachten jetzt auf den Gassen;
> die früher auf Purpur getragen wurden, die müssen jetzt im Schmutz
> liegen.
> 
> 4:6    Die Missetat der Tochter meines Volks ist größer als die Sünde
> Sodoms, das plötzlich unterging, und keine Hand kam zu Hilfe.
> 1. Mose 18,20;  1. Mose 19,24-25
> 
> 4:7    Zions Fürsten waren reiner als der Schnee und weißer als Milch; ihr
> Leib war rötlicher als Korallen, ihr Aussehen war wie Saphir.
> 
> 4:8    Nun aber ist ihre Gestalt so dunkel vor Schwärze, daß man sie auf
> den Gassen nicht erkennt; ihre Haut hängt an den Knochen, und sie
> sind so dürr wie ein Holzscheit.
> 
> 4:9    Den durchs Schwert Erschlagenen ging es besser als denen, die vor
> Hunger starben, die verschmachteten und umkamen aus Mangel an
> Früchten des Ackers.
> 
> 4:10   Es haben die barmherzigsten Frauen ihre Kinder selbst kochen
> müssen, damit sie zu essen hatten in dem Jammer der Tochter meines
> Volks.
> Kap 2,20
> 
> 4:11   Der HERR hat seinen Grimm austoben lassen, er hat seinen grimmigen
> Zorn ausgeschüttet; er hat in Zion ein Feuer angesteckt, das auch
> ihre Grundfesten verzehrt hat.
> 
> 4:12   Es hätten's die Könige auf Erden nicht geglaubt noch alle Leute in
> der Welt, daß der Widersacher und Feind zum Tor Jerusalems einziehen
> könnte.
> 
> 4:13   Es ist aber geschehen wegen der Sünden ihrer Propheten und wegen der
> Missetaten ihrer Priester, die dort der Gerechten Blut vergossen
> haben.
> 
> 4:14   Sie irrten hin und her auf den Gassen wie die Blinden und waren mit
> Blut besudelt, daß man ihre Kleider nicht anrühren konnte;
> 
> 4:15   man rief ihnen zu: »Weicht, ihr Unreinen! Weicht, weicht, rührt
> nichts an!« Wenn sie flohen und umherirrten, so sagte man auch unter
> den Heiden: »Sie sollen nicht länger bei uns bleiben.«
> 3. Mose 13,45
> 
> 4:16   Des HERRN Zorn hat sie zerstreut; er will sie nicht mehr ansehen.
> Die Priester ehrte man nicht, und an den Alten übte man keine
> Barmherzigkeit.
> Kap 2,6;  Kap 5,12; 3. Mose 19,32
> 
> 4:17   Noch immer blickten unsre Augen aus nach nichtiger Hilfe, bis sie
> müde wurden; und wir warteten auf ein Volk, das uns doch nicht
> helfen konnte.
> 
> 4:18   Man jagte uns, daß wir auf unsern Gassen nicht gehen konnten. Da kam
> unser Ende; unsere Tage sind aus, unser Ende ist gekommen.
> 
> 4:19   Unsre Verfolger waren schneller als die Adler unter dem Himmel. Auf
> den Bergen haben sie uns verfolgt und in der Wüste auf uns gelauert.
> 
> 4:20   Der Gesalbte des HERRN, der unser Lebensodem war, ist gefangen
> worden in ihren Gruben; wir aber dachten: »In seinem Schatten wollen
> wir leben unter den Völkern.«
> 
> 4:21   Ja, freue dich nur und sei fröhlich, du Tochter Edom, die du wohnest
> im Lande Uz! Denn der Kelch wird auch zu dir kommen, daß du trunken
> wirst und dich entblößest.
> Kap 3,64; Ps 137,7; Jer 25,15; 25,21
> 
> 4:22    Deine Schuld ist abgetan, du Tochter Zion; der Herr wird dich nicht
> mehr wegführen lassen. Aber deine Schuld, du Tochter Edom, wird er
> heimsuchen und deine Sünden aufdecken.
> Jes 40,2;  Jes 34,8-10; Hes 35,14-15
> 
>          Gebet des Volkes in seiner tiefsten Erniedrigung
> 
> 5:1    Gedenke, HERR, wie es uns geht; schau und sieh an unsre Schmach!
> 
> 5:2    Unser Erbe ist den Fremden zuteil geworden und unsre Häuser den
> Ausländern.
> 
> 5:3    Wir sind Waisen und haben keinen Vater; unsre Mütter sind wie
> Witwen.
> 
> 5:4    Unser Wasser müssen wir um Geld trinken; unser eigenes Holz müssen
> wir bezahlen.
> 
> 5:5    Mit dem Joch auf unserm Hals treibt man uns, und wenn wir auch müde
> sind, läßt man uns doch keine Ruhe.
> 
> 5:6    Wir mußten Ägypten und Assur die Hand hinhalten, um uns an Brot zu
> sättigen.
> 
> 5:7    Unsre Väter haben gesündigt und leben nicht mehr, wir aber müssen
> ihre Schuld tragen.
> 2. Mose 20,5; Jer 31,29
> 
> 5:8    Knechte herrschen über uns, und niemand ist da, der uns von ihrer
> Hand errettet.
> 
> 5:9    Wir müssen unser Brot unter Gefahr für unser Leben holen, bedroht
> von dem Schwert in der Wüste.
> 
> 5:10   Unsre Haut ist verbrannt wie in einem Ofen von dem schrecklichen
> Hunger.
> 
> 5:11   Sie haben die Frauen in Zion geschändet und die Jungfrauen in den
> Städten Judas.
> 
> 5:12   Fürsten wurden von ihnen gehenkt, und die Alten hat man nicht
> geehrt.
> 2. Kön 25,19-21
> 
> 5:13   Jünglinge mußten Mühlsteine tragen und Knaben beim Holztragen
> straucheln.
> 
> 5:14   Es sitzen die Ältesten nicht mehr im Tor und die Jünglinge nicht
> mehr beim Saitenspiel.
> 
> 5:15   Unsres Herzens Freude hat ein Ende, unser Reigen ist in Wehklagen
> verkehrt.
> 
> 5:16    Die Krone ist von unserm Haupt gefallen. O weh, daß wir so
> gesündigt haben!
> Jer 13,18
> 
> 5:17   Darum ist auch unser Herz krank, und unsre Augen sind trübe geworden
> 
> 5:18   um des Berges Zion willen, weil er so wüst liegt, daß die Füchse
> darüber laufen.
> 
> 5:19   Aber du, HERR, der du ewiglich bleibest und dein Thron von
> Geschlecht zu Geschlecht,
> 
> 5:20   warum willst du uns so ganz vergessen und uns lebenslang so ganz
> verlassen?
> 
> 5:21    Bringe uns, HERR, zu dir zurück, daß wir wieder heimkommen; erneure
> unsre Tage wie vor alters!
> Ps 126,1-6
> 
> 5:22   Hast du uns denn ganz verworfen, und bist du allzusehr über uns
> erzürnt?
>
> — *KLAGEL*

