Buch 77 (SACH- UND WORTERKLÄRUNGEN) 1 (- A -) 1 ( A und O) Alpha und Omega, der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets; darum in der Offenbarung Bezeichnung Gottes (1,8; 21,6) und Christi (22,13) als des Ersten und des Letzten, der am Anfang und am Ende der Herr ist, aus dem und zu dem alles ist. 2 ( Aaron) Der Bruder von -> Mose, am Berg Sinai von Gott zum ersten Priester der Israeliten berufen (2. Mose 28-30). 3 ( Abaddon) (hebräisch; griechisch Apollyon) Der »Verderber«; Name des über den Ort des Verderbens gesetzten Engels (Offb 9,11). 4 ( Abba) Aramäisch »Vater«, als Anrede im Familienkreis. Jesus gebrauchte das Wort in der Gebetsanrede an Gott (Mk 14,36) und brachte damit die innige Verbundenheit mit seinem himmlischen Vater zum Ausdruck. Die ersten Christen sind ihm darin gefolgt (Röm 8,15). Im Judentum jener Zeit war als Gebetsanrede nur das feierliche »Ab« gebräuchlich. 5 ( Abel) Zweiter Sohn -> Adams und Evas. Er wurde von seinem Bruder Kain ermordet (1. Mose 4). 6 ( Abendmahl) Die christliche Abendmahlsfeier geht zurück auf das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern (Mt 26,26-28 und Parallelen), ist aber auch zu sehen auf dem Hintergrund der Tischgemeinschaft Jesu mit den »Zöllnern und Sündern« (Mk 2,16; Lk 15,2). In Erinnerung an die Mahlgemeinschaft Jesu wurde das Abendmahl in den ersten Christengemeinden noch im Rahmen einer gemeinsamen Mahlzeit aller Gläubigen gefeiert (-> Liebesmahl). Mißstände, die dabei auftraten (1. Kor 11,17-34), führten später zu einer Trennung. 7 ( Abgrund) Im Alten Testament Aufenthaltsort der Toten (Hiob 26,6; Spr 15,11; 27,20); in der Offenbarung (9,1.11; 11,7; 17,8; 20,1.3) Gefängnis des Teufels und der abtrünnigen Geister (vgl. Lk 8,31). 8 ( Abib) (Ährenmonat, 2. Mose 13,4) Der siebte Monat des althebräischen Jahres, später Nisan genannt, etwa Mitte März bis Mitte April. 9 ( Abraham) Ehrenname, der Abram von Gott verliehen wurde (>Vater vieler Völker<; 1. Mose 17,4). Für Paulus (Röm 4) wird der Stammvater Israels zum Vorbild des Glaubens und >Vater< der Glaubenden aus allen Völkern. 10 ( Achaja) Römische Provinz im Gebiet des heutigen Griechenland mit der Hauptstadt Korinth. 11 ( Achortal) Der Name bedeutet >Unglückstal<. Es liegt im Nordwesten von Jericho in der Nähe der Stadt Ai. Das Tal spielt im Zusammenhang der Inbesitznahme des Landes Kanaan eine Rolle: Hier wurde Achan, der sich an gebanntem Gut (-> Bann) vergriffen hatte, gesteinigt und damit ein Israel drohender Fluch in Segen verwandelt (Jos 7,24-26). Für Hosea (Hos 2,17) wiederholt sich die Verwandlung von Unglück in Segen, wenn Israel zum zweitenmal von Gott in sein Land geführt wird. 12 ( Adam) Ursprünglich kein Eigenname, sondern das hebräische Wort für »Mensch«. Nach Paulus hat Adam die ganze Menschheit in die Verfallenheit an Sünde und Tod hineingezogen. Ihm tritt Christus als der »letzte Adam« gegenüber, der vom Tod zum Leben führt (Röm 5,12-19; 1. Kor 15,45-49). 13 ( Adama und Zebojim) Die beiden Städte werden zusammen mit -> Sodom und Gomorra genannt, deren Schicksal sie teilten und in deren Nachbarschaft sie vermutlich lagen (5. Mose 29,22). 14 ( Adar) -> Monate. 15 ( Adria) (Apg 27,27) Auch das Mittelländische Meer zwischen Kreta und Sizilien wurde im Altertum zur Adria gerechnet. 16 ( Agrippa) -> Herodes (4,5). 17 ( Allerheiligstes) -> Tempel. 18 ( Aloe) Ein indischer Baum, zugleich Bezeichnung für dessen wohlriechendes Harz, das u. a. als Duftstoff beim Begräbnis verwendet wurde (Joh 19,39). 19 ( Altar) -> Opfer; -> Tempel. 20 ( Älteste) Die Stellung der >Ältesten< gründete ursprünglich in der Würde des Alters: In Familie und Sippe gilt die Autorität der >Alten<. Obwohl im Grundsatz alle Familienoberhäupter den gleichen Rang hatten, übten im größeren Verband des Stammes die Häupter der mächtigsten Familien die Autorität aus, im Krieg als Anführer und im Frieden durch Rechtsprechung. Sie bildeten eine Art Adel. Mit der Entwicklung einer städtischen Kultur entstand eine Stadtaristokratie, die als lokale Behörde die Ortschaft verwaltete und Recht sprach. Unter dem Königtum verloren die Ältesten an Einfluß, gewannen ihn aber neu nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil (-> Hoher Rat). In den jüdischen Gemeinden außerhalb Palästinas war die Verwaltung zumindest der -> Synagoge einem Ältestenrat unterstellt. - Gelegentlich bezeichnet »Älteste« auch die älteren Gesetzesausleger (Mk 7,3.5). Nach jüdischem Vorbild findet man auch in den jungen Christengemeinden ein Vorsteherkollegium von Ältesten. (Zur weiteren Entwicklung -> Gemeindeleiter.) In der Offenbarung sind die 24 Ältesten eine Art himmlischer Thronrat mit zugleich königlichen und priesterlichen Funktionen. Die Bedeutung der 24-Zahl ist nicht sicher zu ermitteln. 21 ( Amen) Das (hebräische) Wort hat den Sinn von »so ist es / so sei es!«, wenn es von der Gemeinde zur Bestätigung von Segen oder Fluch ausgerufen wird (5. Mose 27,15-26) oder die Gemeinde sich mit diesem Wort hinter das Gebet eines einzelnen stellt (1. Kor 14,16). In der neutestamentlichen Gemeinde gewinnt das Gebet wie auch das abschließende >Amen< seine besondere Zuversicht und Festigkeit aus der in Christus erfahrbar gewordenen Treue Gottes und aus der Tatsache, daß Christus selbst das Gebet seiner Gemeinde mitträgt (2. Kor 1,20; Offb 3,14). 22 ( Amoriter) »Amoriterland« (Amurru) ist die frühbabylonische Bezeichnung für Palästina und Syrien. Im Alten Testament begegnet der Volksname als Bezeichnung der vorisraelitischen Bevölkerung Gesamtpalästinas wie auch als Bezeichnung für einen Volksstamm in Mittelpalästina. 23 ( Apollyon) -> Abaddon. 24 ( Apostel) Wahrscheinlich ist der Titel >Apostel< (Ausgesandter) von der jüdischen Einrichtung des >Gesandten< herzuleiten, der für bestimmte Aufträge mit der Vollmacht des Sendenden ausgestattet wurde. Die Missionare der Urchristenheit trugen diesen Titel. In der späteren Überlieferung wird die Apostelzahl auf die zwölf -> Jünger und Paulus beschränkt. Die Zahl zwölf erinnert an die zwölf Stämme Israels; die Apostel repräsentieren das neue Gottesvolk. 25 ( Aram, Aramäer) Bezeichnung einer semitischen Stammes- und Völkergruppe, die ihren Ursprung vermutlich in Mesopotamien hatte und von dort nach Südwesten gewandert ist. In der Bibel werden auch die Verwandten Abrahams >Aramäer< genannt. Im Gebiet des heutigen -> Syrien bildete sich das sog. Aramäerreich. Die aramäische Sprache gehört zum westlichen Zweig der semitischen Sprachfamilie. Sie setzte sich als Diplomaten- und Korrespondenzsprache im neuassyrischen, neubabylonischen und persischen Reich als sogenanntes >Reichsaramäisch< durch. Eine Reihe biblischer Kapitel sind in aramäischer Sprache geschrieben. Vermutlich war sie zur Zeit Jesu in Palästina weithin gebräuchlich. 26 ( Arbe) (3. Mose 11,22) Heuschreckenart. 27 ( Arche) -> Noah. 28 ( Archelaus) Sohn Herodes' I.; -> Herodes (3). 29 ( Areopag) (Apg 17,19.34) Griechisch »Areshügel«. Dort tagte in alten Zeiten der oberste athenische Gerichtshof. In der römischen Zeit hatte er seine Sitzungen in der Königshalle am Markt, seine Befugnisse erstreckten sich nur noch auf Religion und Erziehung. Ob Paulus vor dieser Behörde oder nur am Ort ihrer Zusammenkünfte sprach, läßt sich aus Apg 17 nicht entnehmen. 30 ( Aretas) Aretas IV., 9 v. bis 38 n. Chr., König über das östlich-südöstlich von Palästina gelegene Reich der Nabatäer, das seinen Einfluß zeitweise bis Damaskus ausdehnte (2. Kor 11,32). 31 ( Ariel) »Gottesherd«; Hes 43,15.16 der oberste Teil des Brandopferaltars; daher Jes 29,1.2.7 dichterische Bezeichnung Jerusalems, weil dort der Brandopferaltar stand. 32 ( Aschera) Eine im phönizisch-kanaanitischen Bereich beheimatete Fruchtbarkeits- und Vegetationsgöttin, deren Kult auch in Israel eindrang (1. Kön 18,19). Grüne Bäume oder an deren Stelle Holzpfähle (die ebenfalls »Ascheren« heißen) symbolisierten die Gegenwart der Göttin und wurden anbetend verehrt. Die Aschera galt als Gattin -> Baals. Häufig waren die Gottesdienste dieser Göttin mit geschlechtlichen Ausschweifungen verknüpft. 33 ( Asien) Die römische Provinz Asia umfaßte den westlichen Teil von Kleinasien mit der Hauptstadt Ephesus (seit 133 v. Chr.). Hier lagen die sieben Gemeinden, andie die Sendschreiben von Offenbarung 2-3 gerichtet sind. 34 ( Assyrien) Land am Oberlauf des Tigris, in der Gegend des heutigen Mossul. Größte Städte: Assur (daher der Name), Kalah, Ninive. Sie waren zu verschiedenen Zeiten auch Hauptstädte. Geschichtlich bedeutsam wurde Assyrien schon Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. Vom 10. bis 6. Jahrhundert war es eine beherrschende Großmacht, die sich vor allem durch eine rücksichts- und erbarmungslose Machtpolitik verhaßt machte. Das Reich endete völlig um 600 v. Chr. 35 ( Astarte) Westsemitische Fruchtbarkeitsgöttin, deren Kult mit sexuellen Ausschweifungen verbunden war. Salomo ließ ihr aus politischen Gründen - als Göttin der Phönizier - ein Opferheiligtum errichten (2. Kön 23,13). 36 ( Atargatis) (2. Makk 12,26) Die syrisch- aramäische Ausprägung der in Kanaan als Astarte oder Aschera verehrten Fruchtbarkeitsgöttin (vgl. 1. Kön 18,19). 37 ( Äthiopien) -> Kusch. 38 ( Augustus) Einer der Titel von Gajus Octavius. Er bedeutet >Erhabener< (griechisch Sebastos). Augustus wurde als Weltheiland gefeiert, da seine Regierungszeit als römischer Kaiser (27 v. bis 14 n. Chr.) in ihren späteren Abschnitten eine Zeit allgemeinen Friedens war. 39 ( Ausländer) Wer zu einem fremden Volk gehört, nur für eine gewisse Zeit (etwa als Händler) in Israel weilt oder, wenn er im Land bleibt (z. B. 2. Sam 15,19; 1. Kön 11,1.8), die angestammte Religions- und Volkszugehörigkeit festhält, also nicht »Beisasse« oder »Fremdling« wird. In dieser Übersetzung des Alten Testaments ist dafür oft »Fremder« gesagt. 40 ( Aussatz) Eine Sammelbezeichnung für verschiedene Hautkrankheiten, zu denen nicht nur die Lepra, sondern auch die Psoriasis, die Schuppenflechte, gehört. Aussatz machte auf jeden Fall kultisch unrein (-> rein). Der Unreine wurde aus der Gemeinschaft der Gesunden, der Reinen, ausgesondert. Über eine Behandlung des Aussatzes ist nichts bekannt; wenn eine Heilung stattfand, galt der Priester als Sachverständiger, der sie bestätigen mußte. Als »Aussatz« bezeichnet und entsprechend behandelt wurde auch Pilz- und Schimmelbefall an Häusern und Gebrauchsgegenständen (3. Mose 13-14). 2 (- B -) 1 ( Baal) Der Wortsinn ist eigentlich >Herr< oder >Besitzer<. Im Lauf der Zeit wurde das Wort zu einem Göttertitel und schließlich zu einem Götternamen. Die kanaanitischen Stadtgottheiten trugen diesen Namen. Einzelne berühmte Lokalgötter sind Baal-Berit, der »Herr des Bundes« in Sichem (Ri 8,33; 9,4), Baal- Peor (4. Mose 25,3-5), Baal-Sebub, der »Herr der Fliegen« in Ekron (2. Kön 1,2), der Baal von Sidon (1. Kön 16,31). Im israelitischen Sprachgebrauch gewinnt dieser Göttername immer mehr den Sinn von >Götze<, da sich die israelitische Religion besonders mit den kanaanitischen Kulten auseinanderzusetzen hatte. Es gilt als sicher, daß man den Baal als Himmels- oder Wettergottheit zu verstehen hat. Durch die Verbindung mit -> Aschera oder Astarte (1. Kön 11,5) wird seine Beziehung zu Fruchtbarkeitskulten deutlich. In der Vorstellung der Kanaaniter war das fruchtbare Ackerland eine Muttergottheit, die durch Baal befruchtet wurde. Die Götter waren also im Grunde die Mächte der Fruchtbarkeit selbst. Sie sind Teil dieser Welt und darum durch Riten und magische Praktiken zu beeinflussen. Israels Gott aber ist der Schöpfer der Welt und steht ihr gegenüber als der Herr, der sich nichts abzwingen läßt. Er schenkt Fruchtbarkeit aus freiem Willen und erwartet, daß sein Volk ihm darauf in Liebe und Gehorsam antwortet. Die Teilnahme am kanaanitischen Fruchtbarkeitskult ist Israel untersagt, weil dieser Kult ein Geschenk Gottes - die Fruchtbarkeit von Land, Menschen und Vieh - an die Stelle Gottes, die Gabe an die Stelle des Gebers setzt. 2 ( Babel, Babylon) Die Herkunft und Bedeutung dieses Namens ist nicht völlig geklärt. Von den Babyloniern wurde er als >Tor Gottes< gedeutet, in Israel vom hebräischen Wort für >Verwirrung< abgeleitet (1. Mose 11). Im 2. Jahrtausend v. Chr. wurde die Stadt Babel am Euphrat zum Herrschaftszentrum des Vorderen Orients. Ihr Einfluß endete erst im 2. Jahrhundert v. Chr. (-> Babylonien). Im Neuen Testament wird der Name als Deckbezeichnung für die römische Weltmacht und ihre Hauptstadt Rom verwendet (1. Petr 5,13; vgl. Offb 18). Vergleichspunkt ist die Feindschaft gegen das Gottesvolk: Der römische Kaiser läßt die Christen verfolgen; die Babylonier haben Jerusalem zerstört und einen Teil des Volkes in die Verbannung geführt. 3 ( Babylonien) Das Schwemmland um Euphrat und Tigris bis zur Höhe des heutigen Bagdad (Mesopotamien). Zuerst ist diese Gegend vermutlich im 5. Jahrtausend v. Chr. besiedelt worden. In der Bibel spielt eine besondere Rolle das neubabylonische Reich, dessen Herrscher Nebukadnezar (604-562 v. Chr.) Juda besiegte, Jerusalem zerstören und die Oberschicht des Landes nach Babylonien deportieren ließ. 4 ( Bann) Der Begriff gehört in den Zusammenhang des sog. >Heiligen Krieges< und bedeutet, daß die gesamte Kriegsbeute dem menschlichen Gebrauch und der menschlichen Verfügung entnommen ist und Gott als dem eigentlichen Kriegsherrn gehört. Im strengsten Fall wurden die Siedlungen mit Feuer zerstört und alles Lebendige in ihnen mit dem Schwert vernichtet. Aus den biblischen Berichten läßt sich erkennen, daß diese Form des Krieges nur aus besonderen Anlässen und mit eng begrenzten Zielen (z. B. als Strafaktion) geübt wurde. Die Forderung des 5. Mosebuches nach Ausrottung aller vorisraelitischen Bewohner Kanaans ist in der Praxis nicht durchgeführt worden. In ihr spiegelt sich das Bestreben, Israel vor fremden Einflüssen zu schützen, die seinem Glauben gefährlich werden konnten, und, wie der Kampf der Propheten (Hosea, Jeremia, Hesekiel) zeigt, auch tatsächlich wurden (-> Baal). 5 ( Baschan) Eine ostjordanische Hochebene von sprichwörtlicher Fruchtbarkeit am Jarmuk. 6 ( Bedolachharz) (1. Mose 2,12; 4. Mose 11,7). Das wohlriechende Harz der in Südarabien heimischen Balsamstaude, das als Duftstoff, zum Räuchern und als Wundmittel verwendet wurde. 7 ( Beelzebul) (Mt 10,25; 12,24; vgl. Baal- Sebub 2. Kön 1,2) Im Judentum Name des obersten der bösen Geister. 8 ( Beisasse) (2. Mose 12,45; 4. Mose 35,15) Im Unterschied zu den Vollbürgern, den Fremdlingen und den Sklaven ein Schutzbürger, der - meist nur vorübergehend - an einem Ort ansässig ist, ohne das Bürgerrecht zu erlangen (-> Ausländer, Fremdling). 9 ( Bel) (Bar 6,41; St zu Dan 2,1-21) Anderer Name für den babylonischen Hauptgott Marduk. 10 ( Beliar) (2. Kor 6,15) »Nichtsnutzigkeit«, »Verderben«; Name des Teufels. 11 ( Ben-Hinnom) -> Hinnomtal. 12 ( Beschneidung, beschneiden, beschnitten) Die Beschneidung wird bei vielen Völkern geübt, aber unterschiedlich gedeutet. Im alten Israel wurde sie zum Zeichen des -> Bundes zwischen Gott und seinem Volk und zum Kennzeichen der Zugehörigkeit zum Gottesvolk, vor allem in Abgrenzung gegen das Griechentum in hellenistischer Zeit. Vollzogen wird sie durch das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied; sie wurde in früher Zeit bei Jünglingen, später bei Neugeborenen am 8. Tag nach der Geburt geübt. Mädchen wurden in Israel nicht beschnitten. Daß Gott mehr erwartet als nur die äußere Beschneidung, sagt der Aufruf zu einer »Beschneidung des Herzens« (5. Mose 10,16; 30,6; vgl. Kol 2,11), der auf eine Umwandlung des inneren Menschen zielt. In den frühen judenchristlichen Gemeinden entstand die Frage, ob man Nichtjuden, die Christen werden wollten, beschneiden und damit zuerst in das Judentum aufnehmen müsse. Paulus wehrte sich gegen eine solche Forderung mit Leidenschaft (Gal 5). 13 ( Besessene) Menschen, von denen ein böser Geist (Dämon) Besitz ergriffen hat. Die Existenz dämonisch Besessener, wie sie das Neue Testament bezeugt, zeigt an, in welcher Lage sich die Menschheit befindet: Sie ist oft nicht ihr eigener Herr, sondern zerstörerischen Mächten ausgeliefert. Auch viele Krankheiten, vor allem psychisch krankhaftes Verhalten, wurden im Altertum auf den Einfluß böser -> Geister zurückgeführt. Wenn Jesus in der Kraft des heiligen Geistes die bösen Geister austreibt, so ist dies das Zeichen dafür, daß Gott seine Herrschaft schon aufrichtet (Mt 12,28; Lk 11,20) und das Widergöttliche besiegt (Lk 10,18). 14 ( Bethel (Bet-El) Der Name bedeutet >Haus Gottes<. Der Ort im äußersten Süden des Stammgebietes von Ephraim, etwa 8 km nördlich von Jerusalem, war bereits in der Bronzezeit besiedelt und hatte ein Heiligtum, das sich unweit des Ortes befand. Es wurde von Josia bei seiner Kultreform zerstört (2. Kön 23,15). In der Bibel ist bei Erwähnung des Namens in der Regel an das Heiligtum und erst in nachexilischer Zeit an den Ort gedacht. 15 ( Bischof) (= Aufseher) Im Neuen Testament noch nicht Bezeichnung für ein übergemeindliches Amt. In Phil 1,1 Bezeichnung für die Aufseher oder Verwalter neben den Helfern (= Diakonen) in der Gemeinde, in Apg 20,28 für die Ältesten der Gemeinde in Ephesus, in 1. Tim 3,1; Tit 1,7 für den Leiter der Gemeinde neben den Diakonen, in 1. Petr 2,25 im umfassenden Sinn auf Jesus übertragen (-> Gemeindeleiter). 16 ( Block) (Hiob 13,27; Jer 20,2.3; Apg 16,24) Ein Strafgerät (Holzblock) in das der Delinquent unter Verdrehung des Körpers gespannt wurde, bzw. Gerüst, in das im unteren Teil die Füße geschlossen wurden und im oberen die Hände und der Kopf. 17 ( Blut) Das Blut gilt als Quelle und Sitz des Lebens. Da Gott der Lebensspender ist, gehört es ihm und darf vom Menschen nicht gegessen oder getrunken werden. Das führt in Israel zu der Forderung, nur solches Fleisch zu essen, in dem keinerlei Blut zurückgeblieben ist (1. Mose 9,4), und damit zu einer Form des Schlachtens, bei der das gesamte Blut des Tieres ausfließt (Schächtung). Bei der rituellen Schlachtung (Opferung) wird das Blut der Opfertiere aufgefangen und an den Altar gegossen. Außerdem wird bei bestimmten Opferarten (-> Opfer) das Opferblut als Sühnemittel verwendet, um die verunreinigende Wirkung menschlicher Verfehlungen aufzuheben. Von daher wird im Neuen Testament der Opfertod Jesu als Sühne für die Sünde der Menschen verstanden (vor allem im Hebräerbrief). In anderem Zusammenhang dient das Blut von Opfertieren zur Besiegelung des -> Bundes zwischen Gott und seinem Volk (2. Mose 24,6-8). Auf diesem Hintergrund deutet Jesus seinen Tod als Besiegelung des Neuen Bundes (Mt 26,28). Im Alten Testament wird das Blut (= Leben) des Menschen unter Gottes besonderen Schutz gestellt (1. Mose 9,5). Vergossenes Menschenblut schreit zum Himmel um Rache (1. Mose 4,10), und wenn keine Sühne dafür geleistet wird, bringt es Unheil über das Land (5. Mose 21,1-9). 18 ( Bluträcher) (4. Mose 35,12; 5. Mose 19,6; 2. Sam 14,11) Nach uraltem Rechtsempfinden fordert jeder Mord Sühne (-> Blut). Bevor es eine öffentliche Gerichtsbarkeit gab, oblag diese Sühne dem Sippenverband. Der nächste männliche Verwandte des Ermordeten (der >Bluträcher<) hatte die Pflicht, den Mörder oder an seiner Stelle ein Mitglied von dessen Sippe zu töten. Schon im Alten Testament findet sich das Bestreben, naheliegenden Mißbräuchen der Sippenrache zu begegnen (-> Freistädte und 2. Mose 21,23-25). Das Neue Testament führt darüber hinaus zum grundsätzlichen Verzicht auf Rache (Mt 5,38-39; Röm 12,19-21). 19 ( Brandopfer) -> Opfer. 20 ( Brot, ungesäuertes) Brot wurde in Fladenform auf Backplatten oder in der heißen Aschenglut ohne Verwendung eines weiteren Gerätes gebacken. Die Fladen waren im Durchmesser etwa 20-50 cm groß und 0,2 bis 1 cm dick. Das Mehl wurde mit Wasser angerührt und ungesäuert (ohne Treibmittel) gebacken, zum Teil wurde auch schon -> Sauerteig verwendet. Brot, das mit Sauerteig gebacken wurde, durfte im Opferdienst nicht verwendet werden. Einen hervorragenden Platz hat das ungesäuerte Brot im -> Passafest. Das Fladenbrot wurde nicht geschnitten, sondern gebrochen. 21 ( Bul) (1. Kön 6,38) Der zweite Monat des althebräischen Jahres, später Marcheschwan genannt, ungefähr Mitte Oktober bis Mitte November. 22 ( Bund) Bund bedeutet ursprünglich ein Rechtsverhältnis auf Vertragsbasis unter Gleichberechtigten oder einen Vasallitätsvertrag zwischen einem stärkeren und einem schwächeren Partner. Es wurde wahrscheinlich durch eine Schlachtungszeremonie, die nicht unbedingt Opfercharakter haben mußte, bekräftigt. Der Bund zwischen Gott und seinem Volk ist nicht ein Vertrag zwischen gleichgestellten Partnern. Immer geht die Initiative von Gott aus, der einem einzelnen oder dem Volks Israel seinen Bund anbietet, der dem Bundespartner Verheißungen zusagt, aber auch Verpflichtungen auferlegt (1. Mose 9,8.17; 15,18; 17,1.4.10; 2. Mose 19-24). Die -> Propheten des Alten Testaments, die erleben, wie Israel durch Götzendienst und soziale Ungerechtigkeit den Bund mit Gott bricht, kündigen für die Zukunft einen >neuen Bund< an. Diese Erwartung sieht das Neue Testament in Jesus Christus erfüllt: Er ist durch seinen Tod am Kreuz der Begründer des Neuen Bundes geworden, der zwischen Gott und dem neuen Bundesvolk aus allen Völkern, der Christenheit, besteht. 23 ( Bundeslade) (>Lade Gottes< 1. Sam 3,3; >Lade des Zeugnisses< Jos 4,16) Wahrscheinlich war die heilige Lade (hebräisch = Kasten) in der Vorkönigszeit das Zentral- und Kriegsheiligtum einer Gruppe der Israelstämme. Sie wurde an den Heiligtümern von Silo oder Bethel aufbewahrt, doch begleitete sie auch das Volksheer bei Kriegszügen. David ließ die Lade nach Jerusalem überführen, Salomo stellte sie in das Allerheiligste des -> Tempels. Vermutlich ist sie bei der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar zerstört oder weggeschleppt worden. Über ihren Verbleib ist nichts bekannt, und eine neue Lade wurde nicht angefertigt. Sie galt als Thron des unsichtbaren Gottes (»Gnadenthron« als Bezeichnung für die goldene Deckplatte); über ihre Gestalt vgl. 2. Mose 25,10-22. 24 ( Bürger, römischer) Das römische Bürgerrecht hatten ursprünglich nur die Stadtrömer und die Bewohner einiger weniger römischer Provinzen. Später konnte es als Belohnung oder gegen Bezahlung von jedermann erworben werden. Ein römischer Bürger hatte Anrecht auf ein besonderes Rechtsverfahren, er war gegen die Willkür der Provinzbehörden in mancher Hinsicht geschützt und konnte an den Kaiser als obersten Richter appellieren (Apg 25,11). 25 ( Buße) a) = Strafe (Esr 7,26); b) = Bereuen (Hiob 42,6; Jer 31,19); c) = Umkehr, Sinnesänderung, Bekehrung (Mt 3,2). 3 (- C -) 1 ( Chaldäer) Alter Name für die Bewohner des südwestlichen Mesopotamien. 2 ( Cherub) (Mehrzahl Cherubim) Himmlische Wesen mit Flügeln, aus Tier- und Menschengestalt gemischt: a) Wächter des Paradieses (1. Mose 3,24); b) Träger des Thrones Gottes (Ps 18,11; Hes 10,1; 11,22); c) Nachbildungen der Cherubim über der Lade im Tempel (2. Mose 25,18; 1. Kön 8,6). 3 ( Christus) -> Messias. 4 (- D -) 1 ( Dachsfelle) (2. Mose 25,5) Vielleicht die Haut von einer Art Delphinen. 2 ( Dagon) Der wichtigste Gott der Philister (Tempel in Aschdod 1. Sam 5,1-5 und Gaza Ri 16,23). 3 ( Dämonen) Die Bibel kennt neben dem -> Satan eine Vielzahl böser -> Geister. Auch die Götter der Völker werden als dämonische Mächte verstanden (3. Mose 17,7; 1. Kor 8,5; 10,20). 4 ( Dan) Sohn Jakobs und israelitischer Stamm, der nach einer ersten Siedlungszeit westlich Judas dem Druck der Philister weichen mußte und seinen endgültigen Wohnstiz am oberen Jordanlauf fand (Ri 18). 5 ( Daniel) Neben dem Empfänger der Visionen des Danielbuches, der in Daniel 1-6 als babylonischer und persischer Hofbeamter aus der Zeit des Exils (-> Gefangenschaft) geschildert wird, gibt es einen anderen Träger dieses Namens (eigentlich in der leicht abweichenden Form Danel), der in Hes 14,14-20 neben Noah und Hiob als vorbildlich Gerechter genannt wird. Eine Danielgestalt mit dieser Eigenschaft ist aus kanaanitischer Tradition bekannt. Hesekiel nennt offenbar bewußt drei vorbildliche Gestalten, die nicht zu Israel gehörten. 6 ( Dankopfer) -> Opfer. 7 ( David, Sohn Davids) David war der bedeutendste altisraelitische König (um 1000 v. Chr.). Im Judentum zur Zeit Jesu war man teilweise der Auffassung, daß der erwartete Retter und Heilbringer ein Nachkomme (>Sohn<) Davids sein und dessen Reich wiederherstellen werde. So wird >Sohn Davids< zu einem Christustitel. Wer den >Schlüssel Davids< hat (Offb 3,7), verfügt über den Zugang zur neuen Welt Gottes, dem himmlischen Jerusalem (Jerusalem = Stadt Davids). Das Neue Testament zitiert David als Verfasser der ihm zugeschriebenen Psalmen. 8 ( Diakon) (Phil 1,1; 1. Tim 3,8-13)Urchristliches Gemeindeamt. Über die Aufgaben der Diakone wissen wir nichts Sicheres. Wahrscheinlich übernahmen sie Verwaltungsaufgaben und organisierten die Liebestätigkeit (vgl. Apg 6,1-7). 9 ( Diana) Der lateinische Name für die griechische Göttin Artemis, die jungfräuliche Göttin der Jagd und der Wälder. Die Diana von Ephesus (Apg 19,24.27.28) ist verwandt mit der kleinasiatsichen »Großen Mutter« (Kybele), der Spenderin der Fruchtbarkeit in der Natur. Ihr aus einem Meteorstein gehauenes (»vom Himmel gefallenes«, V. 35) Kultbild mit vielen Brüsten stand in dem prachtvollen, zu den sieben Weltwundern gezählten Artemistempel von Ephesus. 10 ( Dionysos) (2. Makk 6,7; 14,33) Griechischer Gott, dem der Efeu heilig ist. 11 ( Drache) (-> Leviatan) Bezeichnung für verschiedene schreckenerregende Tiere, im Meer (Ps 74,13; Jes 27,1; 51,9) und auf dem Land, an einzelnen Stellen deutlich das Krokodil (Hes 29,3; 32,2) oder eine Schlange (5. Mose 32,33; Ps 91,13). In der Offenbarung Bild für den Teufel (12,3.9). 12 ( Dreschschlitten, Dreschwagen, Dreschwalze) (2. Sam 24,22; 1. Chr 21,23; Jes 41,15) Gedroschen wurde im alten Israel, indem man eine Walze oder einen >Schlitten< (d. h. ein mit scharfen Steinen gespicktes Brett) von Zugtieren über die Ähren ziehen ließ, die auf dem festgestampften Boden ausgebreitet waren. Anschließend warf man das gedroschene Getreide mit der -> Worfschaufel in die Luft, damit der Wind die Spreu davontragen konnte. Wegen des Windes wurden Dreschplätze (Tennen) gerne auf der Höhe angelegt. Dadurch gerieten sie in die Nähe der ebenfalls an solchen Orten befindlichen vorisraelitischen Opferstätten, die dem kanaanitischen Fruchtbarkeitskult gewidmet waren (Hos 9,1; -> Baal). 13 ( Drusilla) Schwester Agrippas II. (-> Herodes, 5). 5 (- E -) 1 ( Eden) Obwohl der Garten Eden als Ursprung tatsächlich existierender Flüsse, wie des Euphrat, beschrieben wird, ist es nicht möglich, seine Lage geographisch festzulegen. In der griechischen Übersetzung des Alten Testaments heißt er >paradeisos<, ein Wort, von dem unser >Paradies< abgeleitet ist. 2 ( Edom) Nachbarvolk Israels, das auf Jakobs Bruder Esau zurückgeführt wird (1. Mose 36). 3 ( eingeboren) (Joh 1,14.18; 3,16.18; 1. Joh 4,9) Der »eingeborene Sohn« Gottes ist Jesus nicht nur als der einzige und einzigartige, sondern (wörtlich) als der »einzigerzeugte«. Damit wird bei Johannes das Geheimnis der Beziehung Jesu zum »Vater« angedeutet. Im altkirchlichen Bekenntnis wird das aufgenommen: Christus, das ewige -> Wort Gottes, ist im Unterschied zu allen anderen Wesen von Gott, dem Vater, »gezeugt, nicht erschaffen«. 4 ( Einsetzungsopfer) -> Opfer. 5 ( Elia) Prophet der israelitischen Frühzeit, der nach Mal 3,23-24 und nach jüdischen Erwartungen vor dem Endgericht und dem Anbruch der neuen Welt Gottes noch einmal auftreten soll. Er wurde in späterer Zeit als der große Nothelfer seines Volkes angerufen (Mt 27,47.49). 6 ( Elisa) Als Prophet der Nachfolger -> Elias. Er heilte einen höheren Offizier des syrischen Nachbarreiches vom -> Aussatz (2. Kön 5; Lk 4,27). 7 ( Elul) -> Monate. 8 ( Efod) (Luther: Leibrock) Ein Teil der Priesterkleidung (»Priesterschurz«); besonders vielleicht die Tasche mit den Stimmsteinen, die bei der Erkundung des Gotteswillens durch das Losorakel gebraucht wurden (1. Sam 14,18; 23,9; 30,7). Dagegen ist in Ri 8,27 ein Gottesbild (oder sein Überzug?) gemeint. 9 Engel, Engel des HERRN In den ältesten alttestamentlichen Schriften bedeutet Engel soviel wie >Bote Gottes<. Sofern die nähere Bestimmung >Engel Gottes< oder >Engel des HERRN< benutzt wird, ist häufig gemeint, daß es Gott selbst ist, der sich in menschlicher Gestalt zeigt oder mit Menschen spricht. Der Name >Engel< wird auch für die himmlischen Wesen verwendet, die zur Umgebung Gottes gehören. Gott wird dabei als König gedacht; die Engel bilden seinen >Hofstaat<, der die Herrlichkeit Gottes preist und seinen Willen ausführt (-> Gottessöhne). Nach jüdischer Auffassung haben einst Engel am Sinai dem Mose das -> Gesetz übergeben. In Apg 7,38.53 wird dieser Gedanke positiv aufgenommen. Nach Paulus dagegen weist die Vermittlung durch die Engel auf eine geringere Bedeutung des Gesetzes hin (Gal 3,19; vgl. Hebr 2,2). Im Neuen Testament begegnen Engel als Boten Gottes (Lk 1,26-38), aber auch als himmlische Repräsentanten irdischer Gemeinden, die zugleich die Aufgabe eines Schutzengels haben (Offb 2-3; Mt 18,10; Apg 12,15). Daneben finden sich gottfeindliche Engelmächte, böse Gestirn- oder Elementargeister (>Mächte der Welt< = des Kosmos), die von Menschen Verehrung empfangen oder ihnen gefährlich werden können. Christus hat diese Mächte besiegt (Gal 4,3-5; Kol 2,8-10). 10 ( Engelfürst) Nach dem Danielbuch (Dan 10,20.21) haben nicht nur einzelne Menschen (Mt 18,10) oder Gemeinden (Offb 2-3), sondern ganze Völker und Reiche ihren >Engel<, der entsprechend seiner erweiterten Verantwortung einen höheren Rang einnimmt (als >Fürst< unter den Engeln bzw. Erzengel). Darin spiegelt sich die Überzeugung, daß sich in der Menschengeschichte nicht nur ein irdisches Geschehen abspielt, sondern zugleich eine Auseinandersetzung zwischen überirdischen Mächten. 11 ( Ephraim) Jüngster Sohn Josefs. Als wichtigster Stamm des Nordreichs Israel kann Ephraim auch für das ganze Nordreich stehen (Jes 7,8.9; Hos 11,8.9). 12 ( Epikureer) (Apg 17,18) Anhänger des griechischen Philosophen Epikur, Vertreter einer den Lebensgenuß lehrenden Weltanschauung. 13 ( Erbteil, Erbe) Der dem einzelnen Israeliten gehörende Anteil am Gesamtbesitztum seiner Sippe. Er kann nicht einfach veräußert werden, da er sonst dem Gesamteigentum der Sippe verlorenginge; wenn er unbedingt verkauft werden soll, muß er dem Nächstverwandten zum Kauf angeboten werden. Daraus ergeben sich für diesen auch Verpflichtungen gegenüber einer eventuell vorhandenen Witwe (Rut 4,5). Der von den Vorfahren ererbte Besitz ist geradezu geheiligt, so daß der Erwerb durch einen Fremden, gleichgültig wen, schlimmstes Unrecht wäre (vgl. 1. Kön 21,3). 14 ( Erdharz) (Asphalt) Ein festes und halbfestes Mineral, Zersetzungsprodukt aus urzeitlichen Pflanzen und Tieren, das unter anderem in der Nähe des Toten Meeres gefunden und in offenen Gruben abgebaut wurde. Im Altertum wurde es als Mörtel benutzt, zum Verpichen von Schiffen und Gefäßen, aber auch als Fußbodenbelag und für künstlerische Arbeiten. 15 ( Erkenntnis) Bestimmte Kreise in urchristlicher Zeit waren der Überzeugung, daß der Besitz des heiligen Geistes den Christen eine >Erkenntnis< verleihe, die umfassender und tiefgehender sei als die Lehre der Apostel. Paulus und Johannes bekämpfen in ihren Briefen solche überheblichen Anschauungen als gefährlich und als Brutstätte von Irrtümern und Irrlehren. 16 ( Erlaßjahr) In jedem 49. Jahr sollte im alten Israel die ursprüngliche Besitzordnung wiederhergestellt werden. Denn im Ideal galt Grundbesitz als unveräußerlich (-> Erbteil). Ebenso sollten Sklaven israelitischer Volkszugehörigkeit in diesem Jahr die Freiheit wiedererlangen (3. Mose 25). 17 ( Erlöser, Löser) 1. Der Mensch, der das Eigentum der Sippe »auslöst« und zurückerwirbt (3. Mose 25,25), der einen in Schuldsklaverei Geratenen freikauft (3. Mose 25,48), der Verwandte, der eine kinderlose Witwe durch Heirat von der Kinderlosigkeit erlöst (Rut 3,9.12; 4,1.3.6), der -> »Bluträcher«, der durch Tötung des Totschlägers die Schuld der Tötung einlöst (4. Mose 35,12; 5. Mose 19,6). 2.Gott, der die Seinigen aus fremder Gewalt befreit hat, so Israel aus der Knechtschaft in Ägypten (2. Mose 6,6; 15,13) und aus der babylonischen Gefangenschaft (Jes 41,14; 52,9), so den Frommen (Ps 19,15; 103,4), so die Witwen und Waisen (Spr 23,11). Gottes erlösendes Werk sieht das Neue Testament in Christus vollendet. (Mt 20,28; Röm 3,24; Gal 3,13; 1. Petr 1,18). 18 ( Erstgeburt) Zum Zeichen, daß alles Leben eigentlich Gott gehört, wurden in Israel die männlichen Erstgeburten des Viehs als -> Opfer dargebracht. Beim Menschen wurde die Erstgeburt durch ein Ersatzopfer abgelöst. Das konnte bei jedem Priester im Land geschehen. Wenn Jesus nach Lk 2,22 dazu in den Tempel gebracht wurde, so deutet dies an, wo er hingehört (vgl. Lk 2,49). 19 ( Ersticktes) Fleisch von getöteten oder verendeten Tieren, in dem noch das Blut ist; für den Juden ungenießbar, weil das -> Blut als Träger des Gott gehörenden Lebens gilt (3. Mose 17,11). Darum das Verbot Apg 15,20.29; 21,25. 20 ( Erstling, Erstlingsgabe) Gott ist der Geber allen menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens; darum gebührt ihm die Erstlingsgabe von allem Lebenden (-> Erstgeburt). Im Alten Testament handelt es sich um Dankesgaben der Menschen für Gott (durch Abgabe an die Priester), um Gott als den Herrn des Lebens zu ehren: Opfer des ersten Ertrags von Früchten (Getreide, Öl, Wein; 2. Mose 23,19; 4. Mose 18,12), der erstgeborenen männlichen Tiere (2. Mose 13,2); der erstgeborene Sohn wurde durch ein Tieropfer ausgelöst (2. Mose 13,13). Im Neuen Testament hat der Begriff eine übertragene Bedeutung. Paulus verwendet Erstlingsgabe in Röm 11,16 für den Glauben der Erzväter, durch den das ganze Volk Israel geheiligt ist, in Röm 16,5 und in 1. Kor 16,15 für die ersten Christen einer Provinz und in Röm 8,23 in Umkehrung des Verhältnisses von Geber und Empfänger für den Geist Gottes, der den Christen als Unterpfand für das volle zukünftige Heil bereits gegeben ist (ähnlich 2. Kor 1,22; Eph 1,14 der Geist als erste Teilzahlung, durch die ein Vertrag gültig wird). Jesus Christus verbürgt als Erstling der Entschlafenen (1. Kor 15,20) die allgemeine Auferweckung der Toten. 21 ( Erz- (Erzengel, Erzhirte, Erzvater) Bezeichnet den im Range »Ersten«, also Höchsten. 22 ( Esau) Zwillingsbruder -> Jakobs und Stammvater Edoms. Er trat sein Erstgeburtsrecht um ein Linsengericht an seinen Bruder ab. Die Umkehrung der natürlichen Rangordnung wird der Mutter Rebekka schon vor der Geburt ihrer Söhne von Gott vorausgesagt (1. Mose 25,23; Röm 9,12). 23 ( Essig) Bei dem Getränk, das Jesus am Kreuz gereicht wurde (Mt 27,48), handelt es sich um sauren Wein oder Weinessig, der zum nachhaltigen Stillen starken Durstes besonders geeignet ist und deshalb das normale Getränk der Soldaten war. 24 ( Etanim) Der erste Monat des althebräischen Jahres, später Tischri genannt, Mitte September bis Mitte Oktober. 25 ( Eva) Frau des ersten Menschen -> Adam. Aus ihrem Namen kann man einen Anklang an das hebräische Wort für >lebend< heraushören (1. Mose 3,20). 26 ( Evangelist) Neben den -> Aposteln, -> Propheten und -> Lehrern (1. Kor 12,28) gab es in der ersten Christenheit auch Männer, die eine besondere Gabe zur Verkündigung des >Evangeliums<, der frohen Botschaft von Christus, besaßen und als Missionare die Botschaft über die Einzelgemeinde hinaustrugen (Apg 21,8; Eph 4,11; vgl. 2. Tim 4,5). 27 ( Evangelium) Frohe Botschaft, besonders die Freudenbotschaft von der Gnade Gottes in Jesus Christus. 6 (- F -) 1 ( Fabel) 1. Eine erdichtete kleine Erzählung, in der Pflanzen oder Tiere reden und handeln (Ri 9,8; 2. Kön 14,9). 2. Die Pastoralbriefe kennzeichnen als Fabeln die phantastischen Spekulationen der Irrlehrer (1. Tim 1,4; 2. Tim 4,4), während 2. Petr 1,16 betont, daß das Wort vom Kommen Christi nicht eine klug erdachte Fabel ist. 2 ( Fasten) (Fast- und Bußtage) Teilweiser oder völliger Verzicht auf Essen und Trinken wurde in Israel als Sühne für eigene oder fremde Sünden geübt, aber man enthielt sich der Nahrung auch aus Trauer und zur Unterstützung eines Gebetes, an besonderen Unglückstagen und zum Versöhnungsfest. Zur Zeit Jesu war es bei manchen Frommen Sitte geworden, zweimal wöchentlich zu fasten. Bußtage, d. h. Volksfast- und -trauertage wurden angesetzt, um eine drohende Not abzuwenden oder eine Beleidigung Gottes zu sühnen. Erkannte man einen Schuldigen, sei es mit Hilfe eines Gottesurteils oder durch Zeugenaussagen, dann mußte er hingerichtet werden, sein Besitz verfiel dem König. In 1. Kön 21,9 mißbraucht Isebel einen solchen Bußtag zu einem offenbaren Justizmord. Nach der Zerstörung Jerusalems 587 v. Chr. wurden regelmäßige Fasttage eingeführt, an denen das Volk in gottesdienstlichen Feiern sein Schicksal beklagte, seine Schuld bekannte und die Hilfe Gottes anrief (vgl. Sach 7). 3 ( Fastenzeit) In Apg 27,9 der Fasttag fünf Tage vor dem Großen -> Versöhnungstag Ende September / Anfang Oktober. 4 ( Feldgeister) Böse Geister, wohl in Bocksgestalt gedacht (Jes 13,21; 34,14), gefürchtet, aber auch abergläubisch verehrt (3. Mose 17,7; 2. Chr 11,15). 5 ( Felix) Antonius Felix, römischer -> Statthalter (Prokurator) in Palästina 52-60 n. Chr. 6 ( Feste) (1. Mose 1,6-8) Das hebräische Wort bezeichnet etwas Festgestampftes, Festgehämmertes (Platte). Man dachte sich im Alten Orient den Himmel als eine riesige Kuppel oder Schale. Darüber befand sich nach dieser Anschauung der Himmelsozean und über diesem die Wohnung Gottes (Ps 104,1-3). 7 ( Feste) Israels Die drei alten Jahresfeste waren zunächst Erntefeste und wurden dann mit der Erinnerung an Gottes Taten in der Geschichte Israels verbunden: das -> Passa (zusammen mit dem Fest der ungesäuerten Brote) zum Beginn der Gerstenernte mit dem Gedenken an den Auszug aus Ägypten; das Wochenfest (Pfingstfest) sieben Wochen später zum Beginn der Weizenernte mit der Erinnerung an die Gesetzgebung; das Fest der Obst- und Weinernte (Laubhüttenfest) im Herbst mit der Bewahrung Israels in der Wüste (3. Mose 23,43). Dazu kamen das Neujahrsfest am ersten Tag des siebten Monats und zehn Tage später der Große Versöhnungstag. Jüngere Feste waren das Purimfest, dessen Anlaß im Esterbuch dargestellt wird, und das Fest der Tempelweihe zum Gedenken an die Wiederweihung des Tempels durch den Makkabäer Judas (1. Makk 4,59). Im Neuen Testament sind erwähnt das Passa (Mt 26,2), das Pfingstfest (Apg 2,1), das Laubhüttenfest (Joh 7,2), das Tempelweihfest (Joh 10,22) und der Versöhnungstag (Hebr 9,7). 8 ( Festus) Porzius Festus, römischer -> Statthalter (Prokurator) in Palästina 60-62 n. Chr. 9 ( Fischtor) Eines der alten Stadttore Jerusalems, westlich von der späteren Burg Antonia (Neh 3,3; 12,39; Zef 1,10). 10 ( Fleisch) Das griechische Wort, das Luther wörtlich mit »Fleisch« übersetzte, hat eine wesentlich größere Bedeutungsbreite als seine deutsche Entsprechung. Zunächst bezeichnet »Fleisch« den ganzen Menschen als leiblich-seelische Einheit. So sind Mann und Frau in ihrer Verbindung »ein Fleisch« (und nicht nur ein Leib; 1. Mose 2,24); »alles Fleisch« bedeutet: alle Menschen (Joel 3,1). Im übertragenen Sinn bezeichnet es 1. den Bereich des Irdischen, Menschlichen und Leiblichen, der der Vergänglichkeit unterworfen ist (z. B. Jes 40,5.6). In diesen Bereich trat der Gottessohn ein, als er Mensch wurde (Joh 1,14; Röm 8,3). Das Gegenüber zum irdischen Bereich bildet die Sphäre Gottes, die durch den Begriff »Geist« gekennzeichnet wird (Röm 1,3.4; 1. Tim 3,16; 1. Petr 3,18). Das Gegenüber von Fleisch und -> Geist kennzeichnet hier die beiden Bereiche, 11 ( Fluch) -> Segen und Fluch. 12 ( Freistädte) Zufluchtsorte, an denen im alten Israel jemand Asyl finden konnte, der unabsichtlich einen Menschen getötet hatte. Wenn er seine Unschuld glaubhaft machen konnte, war er damit vor dem -> Bluträcher geschützt. 13 ( Fremdling) Wer den angestammten Sippenverband verlassen hat, in der Fremde Zuflucht suchte und dort als Schutzbürger gewisse Rechte genießt, ohne Vollbürger zu sein. Auch ein Israelit, der sich im Gebiet eines anderen israelitischen Stamms aufhält, kann als Fremdling bezeichnet werden (-> Ausländer). 14 ( Fronarbeit, Frondienst) Unentgeltliche zwangsweise Dienstleistung für den Grund- oder Landesherren. Öffentliche Arbeiten wurden im Altertum (und Mittelalter) vielfach in Fronarbeit ausgeführt. 15 ( Frühregen) Gewöhnlich Ende Oktober oder Anfang November, zum Beginn der etwa sechs Monate währenden Regenzeit, nach der Trockenzeit des Sommers zur neuen Aussaat nötig. 16 ( Fürst dieser Welt) Der -> Satan (siehe auch -> Welt). 7 (- G -) 1 ( Gabbata) (Joh 19,13) Ein erhöhter, mit Steinplatten belegter Platz beim Palast des -> Statthalters in Jerusalem, auf dem unter freiem Himmel die Gerichtsurteile gesprochen wurden. 2 ( Gabriel) In der jüdischen Engellehre wird Gabriel zu den sogenannten -> Engelfürsten, den >Erzengeln<, gezählt, die zur engsten Umgebung Gottes gehören. 3 ( Galatien) Kleinasiatische Landschaft, die seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. von keltischen Stämmen bewohnt wurde (sprachlich verwandt ist Gallien und gälisch). Die Römer schufen nach der Eroberung dieses Gebietes eine Provinz mit dem gleichen Namen, die aber außer dieser Landschaft auch noch Teile von Phrygien, Pisidien, Pamphylien, Lykaonien und Isaurien umfaßte. Die Adressaten des Galaterbriefes sind kaum die Bewohner der römischen Provinz, sondern der Landschaft Galatien. 4 ( Galbanum) (2. Mose 30,34; Sir 24,21) Ein in Syrien heimisches, bis 2 m hohes Doldengewächs, dessen eingedickter Milchsaft für die im Gottesdienst gebrauchte Weihrauchmischung verwendet wurde. 5 ( Gallio) Römischer Statthalter (Prokonsul) der Provinz -> Achaja 51-52 n. Chr. 6 ( Gamaliel) Jüdischer -> Schriftgelehrter, zu dessen Schülern auch Paulus zählte. 7 ( Gebetsriemen) (Mt 23,5) Die Juden befestigen zum Gebet mit langen Riemen auf der Stirn und am linken Arm lederne Kapseln, in denen mit Schriftworten beschriebene Pergamentstreifen verwahrt sind (vgl. 5. Mose 6,8). Zur Zeit Jesu trugen viele Fromme die Gebetsriemen den ganzen Tag. 8 ( Gefangenschaft) (Wegführung, Exil, Verbannung) Zur »Befriedigungspolitik« der altorientalischen Herrscher gehörte es seit dem 2. Jahrtausend v. Chr., die Oberschichten (Priester, Kaufleute, Handwerker) eroberter Provinzen untereinander auszutauschen. In der Bibel wird von zwei Wegführungen berichtet: 1. Die assyrische Gefangenschaft: Im 8. Jh. v. Chr. eroberte der assyrische König Sargon II. Samaria und deportierte die Oberschicht des Nordreiches nach Mesopotamien. Im Gegenzug ließ er Leute aus Babylon und Elam ansiedeln (-> Samaritaner). 2. Die babylonische Gefangenschaft: Im 6. Jh. v. Chr. eroberte der neubabylonische König Nebukadnezar II. Juda und deportierte 597 und 587 v. Chr. die Oberschicht nach Babylonien, ohne eine neue Oberschicht in Juda anzusiedeln. Die Verbannten konnten in geschlossenen Siedlungen zusammenwohnen, so daß der nationale Zusammenhalt bewahrt blieb und sich die Hoffnung auf Rückkehr erhalten konnte. 9 ( Gefängnis, Geister im G.) Nach jüdischer Überlieferung werden die -> Engel, die sich nach 1. Mose 6,4 durch den Verkehr mit Menschenfrauen vergangen hatten, zur Strafe im Innern der Erde gefangengehalten. Auch ihnen wird durch Christus die Möglichkeit der Vergebung angekündigt (1. Petr 3,19). Nach 1. Petr 4,6 gilt die Rettungstat Christi auch den Menschen, die vor seinem Erscheinen gestorben sind. 10 ( Geißel) Ein Lederriemen mit eingeflochtenen Knochen oder Metallstückchen. Die Geißelung war eine römische Strafe für männliche Verbrecher, die nicht das römische Bürgerrecht besaßen (Apg 22,25). Meist ging sie der Kreuzigung voran (Mt 20,19; 27,26; Joh 19,1), wobei sie nicht selten bereits tödlich wirkte. 11 ( Geister, böse, unreine) Böse Geister (griech. Dämonen, z. B. Mt 7,22; Mk 1,34; Lk 8,2; Joh 8,48 u. ö.) oder unreine Geister (z. B. Mt 10,1; Mk 1,23; Lk 4,33 u. ö.) sind geistige Wesen mit übermenschlichen Kräften, die von einem Menschen Besitz ergreifen und ihn völlig beherrschen können (-> Besessene). Ein »sprachloser Geist« (Mk 9,17) ist ein dämonisches Wesen, das den von ihm besessenen Menschen stumm macht. 12 ( Geist Gottes, heiliger Geist) Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich >Wind, Hauch<. Gemeint ist damit das Lebensprinzip, das Gott seinen Geschöpfen verliehen hat und über das er jederzeit verfügt. Vom Geist Gottes gehen aber auch spezielle Wirkungen auf bestimmte Menschen aus: Er kommt über einen Menschen und treibt ihn zu einer bestimmten Tat (Ri 13,25). Er beseelt die ekstatischen Prophetengemeinschaften (1. Sam 10,10-12) und kann einen Propheten ganz real an einen anderen Ort versetzen (1. Kön 18,12; vgl. Hes 8,3). Wenn der Geist Gottes ständig auf einem Menschen ruht wie auf David (1. Sam 16,13) oder einer prophetischen Gestalt (Jes 42,1; 61,1), ist dies das Zeichen einer besonderen Verbundenheit mit Gott und Beauftragung durch ihn. Propheten des Alten Testaments haben für die Zukunft eine Ausgießung des Gottesgeistes über das ganze Volk erwartet (Hes 36,27; Joel 3). Die neutestamentliche Gemeinde sah diese Erwartung durch Jesus erfüllt, der nicht nur selbst vom Geist Gottes erfüllt war (Mk 1,10), sondern diesen Geist auch den Seinen vermittelt hat (Apg 2). Mit der -> Taufe (Erwachsenentaufe, z. T. auch Handauflegung: Apg 8,17; 19,6) wird allen Glaubenden der Geist verliehen. Seine Einwohnung ist Zeichen und Gewähr dafür, daß sie an der neuen Welt Gottes teilhaben (Eph 1,13.14). Er äußert sich in zahlreichen >Geistesgaben< und gibt durch sie der Gemeinde Wachstum, Form und Halt (1. Kor 12; Eph 4,7-13). Schon, daß jemand Christus als seinen Herrn erkennen und an ihn glauben kann, ist das Werk des Geistes (1. Kor 12,3). 13 ( Gemeindeleiter) Nach jüdischem Vorbild wurden die christlichen Gemeinden ursprünglich von einer Gruppe von Vorstehern (-> Älteste) geleitet (Apg 14,23; 20,17; 1. Tim 5,17-22; Tit 1,5). Diese Leitungsform scheint in der Jerusalemer Urgemeinde ihre Wurzeln zu haben (Apg 11,30; 15,4.6; 21,18). In den Paulinischen Gemeinden gab es - wohl in Anlehnung an bestimmte Ämter in griechischen Vereinswesen - Gemeindeleiter (>Bischöfe<) und Gemeindehelfer (>Diakone<; vgl. Phil 1,1; 1. Tim 3,1). Wo beide Formen der Gemeindeleitung aufeinandertrafen, wurde zwischen der Aufgabe der Gemeindeältesten und der der Gemeindeleiter nicht unterschieden (vgl. Apg 20,17 mit 20,28 oder Tit 1,5 mit 1,7). Auch die Gemeindeleiter nahmen zunächst ihre Aufgabe als Kollegium wahr (Phil 1,1). Erst in nach-neutestamentlicher Zeit finden wir die verschiedenen Formen der Gemeindeleitung ganz miteinander verschmolzen und die altkirchliche Ämterordnung voll ausgeprägt: ein Gemeindeleiter (episkopos / Bischof), unter ihm das Kollegium der Gemeindeältesten (presbyteroi / Priester), dazu die Gemeindehelfer (diakonoi / Diakone). 14 ( Gemüt) (Mt 22,37; Mk 12,30.33; Lk 10,27; Röm 7,23.25) Das Wort bezeichnet bei Luther nicht nur das Gefühl, sondern umfaßt Verstand, Vernunft, Gesinnung, Willen, Verlangen und Streben. 15 ( Gerechtigkeit Gottes) So wörtlich in Röm 1,17; 3,21. Luther hat auch die Übersetzung erwogen: »die Gott macht, wirkt«. Gerechtigkeit ist nicht eine Eigenschaft Gottes, sondern sein Heilshandeln am Menschen, das den Sünder in die Gemeinschaft mit Gott aufnimmt und ihm ein neues Leben schenkt. 16 ( Gesalbter) -> Messias. 17 ( Gesetz) Im Judentum bezeichnete man die fünf Mosebücher als >Gesetz< (Tora) und umschrieb das Alte Testament mit >das Gesetz und die Propheten<. Der Begriff >Gesetz< konnte aber auch auf das ganze Alte Testament ausgedehnt werden. Seit der Zeit Esras bestimmte das Mosegesetz das gesamte Leben des jüdischen Volkes und grenzte es streng gegen die übrigen Völker ab. Von besonderer Bedeutung wurden dafür die Gesetze über die -> Beschneidung und den -> Sabbat sowie die Reinheitsvorschriften (-> rein). Die Frage nach der bleibenden Geltung des Mosegesetzes führte in der Urchristenheit zu ernsten Auseinandersetzungen (Apg 15; Gal 2). 18 ( Gethsemane) Wörtlich >Ölkelter<. Das deutet darauf hin, daß es sich um einen Ölgarten mit einer (vielleicht verfallenen?) Ölkelter gehandelt hat. 19 ( Geweiht) -> Gottgeweihter. 20 ( Gihon) (1. Kön 1,33) Quelle bei Jerusalem. Zu 1. Mose 2,13 -> Paradiesströme. 21 ( Gittit) (Ps 8,1; 81,1; 84,1) Ein Musikinstrument oder eine Tonart. 22 ( Gleichnis) Als >Gleichnis< bezeichnet man eine in der Regel ganz kurze Erzählung, die einen bestimmten Gedanken veranschaulichen soll. Für Jesus ist diese Redeform besonders typisch. Seine Gleichnisse greifen Bilder und Ereignisse aus dem täglichen Leben auf. Man darf jedoch nicht an den Einzelheiten des Erzählten hängenbleiben, sondern muß darauf achten, worauf das Ganze hinaus will. Jedes Gleichnis, das Jesus erzählt, ist ein Appell, der seine Hörer zum Mitdenken, Weiterdenken und Umdenken auffordert. 23 ( Gog) Nach Hes 38 und 39 ein Fürst im Land Magog, das im Norden zu suchen ist; Offb 20,8 ist »Gog und Magog« Bezeichnung der Weltmacht, die am Ende der Zeit gegen das Gottesvolk anstürmt. 24 ( Gomorra) -> Sodom. 25 ( Gosan) Assyrische Provinz am oberen Habor (Nebenfluß des Euphrat). Hier wurden die 722 v. Chr. deportierten Israeliten angesiedelt. 26 ( Gottesberg) Wie die Griechen sich ihre Götter auf dem Olymp wohnend vorstellten, so gibt es im Alten Orient die Anschauung von einem Götterberg >im Norden<. In Israel brachte man den Glauben an die Überlegenheit des eigenen Gottes dadurch zum Ausdruck, daß man sagte: Der Zionsberg in Jerusalem ist der wahre Götterberg! (Ps 48,3). 27 ( Gottesfürchtige) (Apg 13,16 u. ö.) Heiden, die am jüdischen Synagogengottesdienst teilnahmen und das Mosegesetz teilweise einhielten. Sie sind zu unterscheiden von den Proselyten (»Judengenossen«), d. h. Heiden, die durch Beschneidung rechtsgültig zum Judentum übergetreten und zur Einhaltung des ganzen -> Gesetzes verpflichtet waren. 28 ( Gottgeweihter) Gottgeweihte (Nasiräer) heißen im Alten Testament Menschen, die sich als für Gott ausgesondert verstehen und dies durch eine bestimmte Lebensweise bezeugen. Es kam vor, daß solche Gottgeweihten ihr ganzes Leben in dieser Ausnahmesituation verbrachten, wie z. B. Simson (Ri 13,5.7). Häufiger scheint es jedoch gewesen zu sein, daß sich jemand für eine begrenzte Zeitspanne dem ausschließlichen Dienst Gottes weihte. Bestandteil des Gelübdes war die Enthaltung von bestimmten Nahrungsmitteln, vor allem alkoholischen Getränken, und das Tragen einer bestimmten Kleidung. Zum Zeichen ihrer >Weihe< ließen die Nasiräer in der Regel ihr Haupthaar nicht schneiden (4. Mose 6,1-8). Wenn jemand auf Zeit ein solches Gelübde ablegte, mußte er als Abschluß ein ziemlich kostspieliges Opfer darbringen (4. Mose 6,13-20). In diesem Zusammenhang steht die Aufforderung an Paulus (Apg 21,23-26), die Opferkosten für arme Nasiräer zu übernehmen und dadurch zugleich seine eigene Gesetzestreue zu beweisen. Da Paulus aus dem Ausland kam, galt er selbst als >unrein< (-> rein) und durfte erst nach einer siebentägigen Reinigungszeit bei diesem Opfer im Tempel anwesend sein. 29 ( Götzenopferfleisch) Das Fleisch von Tieren, die heidnischen Göttern als Opfer geweiht wurden. Dazu gehört a) alles Fleisch, das bei einer heidnischen Kultmahlzeit verzehrt wurde, aber auch b) das auf dem Markt gekaufte Fleisch (weil übriggebliebenes Opferfleisch auf den Markt kam und das Schlachten eines jeden Tieres als Opfer aufgefaßt wurde). Paulus verbot den Christen die Teilnahme an heidnischen Kultmahlzeiten, gab aber den Genuß von Götzenopferfleisch frei, wenn dieser außerhalb des Kultaktes erfolgte. Wurde jedoch dabei das Fleisch ausdrücklich als Opferfleisch bezeichnet, dann sollte der Christ mit Rücksicht auf ängstliche (judenchristliche) Gemeindeglieder lieber darauf verzichten (1. Kor 8-10). Die Juden dürfen wegen des Verbots von Blutgenuß (1. Mose 9,4) nur Fleisch essen, das nach ritueller Vorschrift geschlachtet (= geschächtet) worden ist. 30 ( Gräber) (Mt 23,27) Sie galten in Israel als unrein (-> rein). Damit sie nicht ahnungslos betreten würden, wurden die Grabkammern durch Übertünchen mit weißer Farbe kenntlich gemacht. 31 ( Greuelbild der Verwüstung) (Dan 9,27; 11,37; 12,11; Mt 24,15; Mk 13,14) Bei Daniel ein prophetischer Hinweis auf die Entweihung des Jerusalemer -> Tempels durch Antiochus IV. Epiphanes, der 168 v. Chr. dort einen heidnischen Kult einrichten ließ. Das »Greuelbild« war entweder ein Götterbild oder - wahrscheinlicher - ein kleiner Altaraufsatz, der auf den großen Brandopferaltar gestellt wurde, um die fremden Opfer durchführen zu können. Durch diesen Gegenstand wurde das ganze Heiligtum kultisch unrein, »verwüstet«, so daß der jüdische Opferdienst unmöglich gemacht und Priester und Gemeinde vertrieben wurden. Dadurch verödete das Tempelgebiet (1. Makk 1,57; 6,7). - In Mt 24 und Mk 13 wird der Ausdruck aus Daniel übernommen, um eine in der Endzeit erwartete Tempelschändung anderer Art zu bezeichnen. Nachdem der Jerusalemer Tempel im Jahr 70 n. Chr. zerstört wurde, kann man dabei an Vorgänge wie die in Offb 13 bildhaft angedeuteten denken. 32 ( Griechen) »Juden und Griechen« = Juden und Heiden (Röm 1,16); »Griechen und Nichtgriechen (Barbaren)« = alle Völker (Röm 1,14). Die Griechen in Joh 12,20 sind griechisch redende Proselyten (»Judengenossen«). 33 ( Grummet) (Am 7,1) Übersetzung unsicher. Vielleicht der durch den Spätregen hervorgebrachte zweite Graswuchs. 8 (- H -) 1 ( Hadad-Rimmon) (Sach 12,11) Vielleicht ist hier auf die Totenklage um den Gott der Vegetation (2. Kön 5,18) hingewiesen, dessen Sterben in der Trockenheit des Sommers beklagt wurde, wie nach dem neu belebenden Frühregen im Herbst sein Auferstehen gefeiert wurde. Vielleicht ist aber auch zu übersetzen: »Klage wie die bei Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo«. Hadad-Rimmon wäre dann der Ort, bei dem der letzte bedeutende König Judas, Josia, 609 v. Chr. gefallen ist (2. Kön 23,29). Nach 2. Chr 25,20-25 war die Klage um Josia in Juda zu einem festen Brauch geworden. 2 ( Hagab) (3. Mose 11,22) Heuschreckenart. 3 ( Halleluja) (hebräisch) Lobet den Herrn! 4 ( Harmagedon) (Offb 16,16) Unerklärbarer Name eines Berges, auf dem sich in der Endzeit die Könige der Welt gegen Gott versammeln sollen. Die Anknüpfungsmöglichkeiten an biblische Bezugsstellen, die man erwogen hat, erweisen sich als nicht überzeugend. Der Name könnte aus der zur Zeit des Neuen Testaments weit verbreiteten apokalyptischen Literatur stammen, von der große Teile verloren sind. 5 ( Hanes) (Jes 30,4) Grenzstadt in Süd- Ägypten. 6 ( Hargol) (3. Mose 11,22) Heuschreckenart. 7 ( Hasidäer) (1. Makk 2,42; 7,12) Hebräisch hasidim = die Frommen. Eine Gruppe im Judentum, die aus treuen Anhängern des Gesetzes bestand und nur einen -> Hohenpriester aus dem Hause Aaron anerkennen wollte. Sie war zeitweise mit der makkabäischen Bewegung verbunden, ohne völlig in ihr aufzugehen, wie es in 2. Makk 14,6 angenommen wird. Aus ihr gingen später die -> Pharisäer hervor. 8 ( Hausgott) Kleine Götterfiguren, die als gute Geister das Haus beschützen sollen, sind aus vielen Kulturen bekannt und in älterer Zeit auch in Israel verbreitet (Hos 3,4). 9 ( Hebopfer) (2. Mose 29,27.28) Der Teil des Besitzes, der vom übrigen »abgehoben« (vielleicht auch emporgehoben) und dadurch Gott geweiht wurde; auch der Anteil eines Opfers, der dem Priester zustand, z. B. die rechte Keule beim Dankopfer. 10 ( Hebräer) Die ursprüngliche Bedeutung ist unsicher. Das Wort begegnet im Alten Testament zunächst als Bezeichnung für unfreie Israeliten (in Ägypten: 2. Mose 1-2; als Sklaven: 2. Mose 21,2; Jer 34,8.9). In nachexilischer Zeit wird das Wort zum Ehrennamen und zur jüdischen Selbstbezeichnung (Jona 1,9; vgl. 2. Kor 11,22; Phil 3,5). Sprache und Schrift werden jetzt auch >hebräisch< genannt. In Apg 6,1 bezeichnet das Wort die aramäisch redenden Juden im Unterschied zu den griechisch redenden. 11 ( hebräisch) Als Umgangssprache diente zur Zeit Jesu das Aramäische (-> Aramäer). Die Aufschrift über dem Kreuz (Joh 19,20) war vielleicht jedoch auf Hebräisch abgefaßt. 12 ( Heer des Himmels) a) Die Engel um Gottes Thron (1. Kön 22,19; 2. Chr 18,18; Lk 2,13); b) die Gestirne (Jes 34,4; 40,26), häufig als Götter verehrt (5. Mose 4,19; Zef 1,5). 13 ( Henoch) Im Alten Testament einer der Nachkommen Adams (1. Mose 5,21). Der Judas-Brief zitiert in V. 14 aus einer Henoch zugeschriebenen Schrift, die aus dem 2. Jh. v. Chr. stammt. 14 ( heilig) >Heilig< ist im Alten Testament alles, was Gott und der göttlichen Sphäre zugehört. Das ist aus priesterlicher Sicht vor allem der -> Tempel und dort wieder in besonderem Maße die heiligen Geräte, die Altäre, die -> Bundeslade und der innerste Raum, der das -> Allerheiligste heißt. Nur wer selbst >geheiligt< (geweiht) ist, kann sich dieser Sphäre nahen, ohne Schaden zu nehmen (4. Mose 4,15; 2. Mose 30,29). Die -> Opfer, die Gott dargebracht werden, sind in abgestuftem Maße heilig, und entsprechend dürfen unterschiedliche Personenkreise einen Anteil davon verzehren: beim Dank- und Lobopfer die ganze Gemeinde (3. Mose 7,13-15); bei den Erntegaben ans Heiligtum und bei bestimmten Opferanteilen alle Angehörigen der Priesterfamilie (4. Mose 18,11-19), bei den Sühnopfern die Priester allein (3. Mose 6,19-22). Es gehört zum Dienst der Priester, genau zu unterscheiden - und das Volk unterscheiden zu lehren - zwischen >heilig< und >unheilig< (profan; 3. Mose 10,10), also die Grenze zu wahren zwischen der Sphäre des heiligen Gottes und des unheiligen Menschen. Zugleich aber haben sie zwischen beiden Sphären zu vermitteln, damit die Menschen imstande sind, Gott heilige Gaben darzubringen, so daß dafür von dem heiligen Gott Heil in das Leben der Menschen einströmen kann. Was von den Menschen als Voraussetzung erwartet wird, ist, daß sie in kultischem Sinn -> >rein< sind. Ein wichtiger Schritt wird mit der Erkenntnis vollzogen, daß die äußerliche Reinheit nicht genügt, sondern daß Gottes Heiligkeit vom Menschen, der ihr begegnen will, die Reinheit des Herzens und das Tun des Rechten verlangt (vgl. Ps 15). »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott« (3. Mose 19,2) - so steht über dem Kapitel, in dem sich der berühmte Satz findet: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« 15 ( Herakles) (2. Makk 4,19) Halbgöttlicher Held der griechischen Sage, dem kultische Opfer dargebracht wurden. 16 ( Hermes) (Apg 14,12) Herold und Sprecher der Götter, Begleiter des höchsten Gottes -> Zeus und Gott des Handels (bei den Römern Merkur). 17 ( Herodes) (1) Herodes I. war 37-4 v. Chr. römischer Vasallenkönig in Palästina. In seine Regierungszeit fällt die Geburt Jesu (Mt 2,1; Lk 1,5). (2) Herodes Antipas, Sohn von Herodes I., herrschte nur über Galiläa und Peräa, 4 v. - 39 n. Chr. Er ließ Johannes den Täufer hinrichten (Mt 14,1-10). (3) Herodes Archelaus, Sohn Herodes' I., herrschte 4 v. - 6 n. Chr. über Judäa, Samarien und Idumäa (Mt 2,22). Sein Gebiet wurde danach einem römischen -> Statthalter (Prokurator) unterstellt. (4) Agrippa I., Enkel Herodes' I., wurde volkstümlich >Herodes< genannt, da er kurze Zeit (41-44 n. Chr.) das Reich seines Großvaters unter seiner Herrschaft vereinigte. Er ließ den Apostel Jakobus, den Bruder des Johannes, hinrichten (Apg 12,1-23). (5) Agrippa II., Sohn Agrippas I., Bruder der Berenike (die 48-69 n. Chr. bei ihm lebte) und der Drusilla, hatte eine kleine Herrschaft nördlich von Palästina (50-94 n. Chr.). Als dem römischen Vertrauensmann für Angelegenheiten des Jerusalemer Tempels und Schwager des Statthalters -> Felix läßt -> Festus ihm den Gefangenen Paulus vorführen (Apg 25,13-26,32). 18 ( Herodias) Frau des -> Herodes Antipas. Aus politischem Ehrgeiz hatte sie sich von dessen Halbbruder (in Mk 6,17 irrtümlich Philippus genannt) getrennt und Antipas zur Verstoßung seiner ersten Frau veranlaßt. 19 ( HERR) In dieser Übersetzung (im Anschluß an eine alte Tradition) Wiedergabe des hebräischen Gottesnamens, der mit großer Wahrscheinlichkeit Jahwe gelautet hat. Gesichert sind lediglich die Konsonanten JHWH (das auslautende H ist stumm). Da die jüdischen Gelehrten, die den hebräischen Text mit Vokalen versahen, den Gottesnamen aus Scheu nicht mehr aussprachen, haben sie statt der ursprünglichen Vokale die Vokale des hebräischen Wortes für >Herr< eingesetzt, das beim Vorlesen an dieser Stelle gesprochen werden sollte (adonaj; das anlautende a in der Schreibung verkürzt zu e). Durch ein Mißverständnis ist später daraus das Kunstwort JeHoVaH geworden. Die ursprüngliche Form des Gottesnamens läßt sich erschließen aus der Kurzform Jah, die z. B. in Hallelu-jah (Preist Jahwe) enthalten ist, sowie aus alten griechischen Texten. Jahwe ist ein Eigenname, der den Gott Israels von anderen Göttern unterscheidet. Erst im Lauf der Zeit setzt sich die Erkenntnis durch, daß er der einzige Gott ist und alle anderen Götter »tote Götzen« sind (Ps 96,5; vgl. 1. Kor 8,4-6). Die Bedeutung des Namens Jahwe ist umstritten. In 2. Mose 3,13-15 wird eine Deutung aus dem Zeitwort sein gegeben, die das Wesen des Gottes Israels als Mit- Sein mit seinem Volk und seiner Schöpfung sehr schön zum Ausdruck bringt. 20 ( Herrlichkeit (des Herrn) Die sichtbare Erscheinung der göttlichen Majestät, die als strahlender Lichtglanz zu denken ist. Nach 2. Mose 33,18-23 und anderen Stellen ist der Anblick dieser Lichterscheinung für sterbliche Menschen tödlich. Aber in prophetischen Visionen wird sie von Jesaja (Kap 6) und Hesekiel (Kap 1-3) geschaut und beschrieben. Im Neuen Testament bezeichnet der Ausdruck Gottes unvergängliches Leben, an dem nicht nur der auferstandene Christus, sondern durch ihn auch die Gemeinde teilhat. Nach Joh 1,14; 2,11 war diese Herrlichkeit an Jesus schon während seines Erdenlebens wahrnehmbar. 21 ( Hetiter) Von ihrem Stammland im Inneren Kleinasiens aus gründeten die Hetiter im 2. Jahrtausend v. Chr. ein bedeutendes Reich, das sich zeitweilig bis nach Damaskus und Babylon erstreckte. Im Alten Testament ist Hetiter Bezeichnung für einen Teil der Urbevölkerung Kanaans (1. Mose 15,20; 23,10; 26,34 u. ö.), Hetiterland kann aber auch nach assyrischem Sprachgebrauch Bezeichnung für Syrien, besonders Nordsyrien, sein (Ri 1,26; Jos 1,4). 22 ( Hiddekel) -> Paradiesströme. 23 ( Himmel) Nach jüdischen Vorstellungen hat der Himmel mehrere >Stockwerke<; das -> Paradies dachte man sich im >dritten Himmel< (vgl. 2. Kor 12,2.4). Eine charakteristische und für uns befremdliche Vorstellung entfaltet der Epheserbrief: Der Raum zwischen Himmel und Erde ist demnach von dämonischen Mächten beherrscht, die Gott und den Menschen feindlich sind. Christus hat bei seiner Himmelfahrt diese Mächte besiegt und gefangengenommen (Eph 4,8-10; 6,12). 24 ( Himmelskönigin) Gottheit, die wahrscheinlich der babylonischen Ischtar ähnlich war und vor allem von Frauen verehrt wurde. Sie hatte auch im Israel der Königszeit einen festen Kult (Jer 44,17). Ihre Symbole waren Mondsichel und Venusstern. 25 ( Hinnomtal) Tal westlich und südlich von Jerusalem (Ben-Hinnom oder Ge-Ben-Hinnom genannt), das in das Kidrontal mündet. Bis zur Reform des Königs Josia (639-609 v. Chr.) war dort eine Opferstätte des -> Moloch, an der Kinderopfer dargebracht wurden. Nach der Zerstörung und Entweihung durch Josia wurde das Tal als Ausländerfriedhof und Schuttabladeplatz benutzt. In der Form Gehinnom oder Gehenna ist der Name des Tals zum Inbegriff der Hölle geworden. 26 ( Hiob) (ökumenisch Ijob) Er gilt in Tob 2,12 und Jak 5,11 als Beispiel geduldigen Leidens, auf das am Ende eine große Belohnung folgt (vgl. das alttestamentliche Buch desselben Namens). 27 ( Hoherpriester) Im Alten Bund Aaron und seine Nachfolger oder der oberste Priester an den verschiedenen Heiligtümern wie Eli in Silo. Im Jerusalemer -> Tempel durfte allein der Hohepriester das Allerheiligste betreten (vgl. Hebr 9,1-7). Die Hohenpriester aus dem Makkabäergeschlecht legten sich die Königswürde bei. Herodes und ebenso die Römer nahmen dem hohenpriesterlichen Amt die Lebenslänglichkeit und die Erblichkeit. Daher spricht das Neue Testament von Hohenpriestern in der Mehrzahl, weil auch die von den Römern abgesetzten Hohenpriester und die Glieder der (fünf) hohepriesterlichen Familien so genannt wurden. Zur Zeit Jesu war der amtierende Hohepriester der Vorsitzende des -> Hohen Rates. 28 ( Hoher Rat) -> Rat. 29 ( Hölle) An zwölf Stellen des Neuen Testaments (Mt 5,22.29.30; 10,28; 18,9; 23,15.33; Mk 9,43.45.47; Lk 12,5; Jak 3,6; im Alten Testament nur Hiob 11,8) der Ort der Verdammten (2. Petr 2,4), von Jesus unter verschiedenen Bildern beschrieben (ewiges Feuer, Finsternis und Kälte, nagender Wurm); dem entspricht in der Offenbarung der feurige Pfuhl (Offb 19,20; 20,10.14.15). 30 ( Horeb) Berg der Gottesoffenbarung (-> Sinai). 31 ( Horn) Sinnbild der Kraft und Macht (1. Kön 22,11), der Macht eines Staates (Jer 48,25), der Weltmacht (Sach 2,1). Die Hörner an den vier Ecken des Brandopferaltars sind Symbol der göttlichen Macht und Gegenwart, darum Zufluchtsstätte (1. Kön 1,50). 32 ( Hosianna) (Mt 21,9; Mk 11,9.10) Ein Gebetsruf aus dem messianischen Psalm 118,25: »Ach, hilf!«, »Rette doch!«, »Gib doch Heil!« 33 ( Hundegeld) (5. Mose 23,19) Lohn für widernatürliche Unzucht (1. Kön 14,24; vgl. Offb 22,15). 34 ( Hurerei) Da sexuelle Ausschweifungen Bestandteil des Kults bestimmter Götter waren, wird >Hurerei< auch im übertragenen Sinne für Götzendienst verwendet (-> Unzucht, -> Baal). Bei dem Verbot in 3. Mose 19,29 handelt es sich dagegen ganz wörtlich um religiös motivierte Prostitution. 35 ( Hüter) (an der Schwelle; 2. Kön 25,18) Im Unterschied zum Tempelpersonal der »Torhüter« drei hochgestellte Priester, die unmittelbar auf die beiden höchsten Priester folgten. Vermutlich mußten sie am Tempeleingang die kultische Reinheit der Besucher prüfen, bevor diese in das Heiligtum gehen durften (-> rein); außerdem hatten sie die Abgabe der -> Tempelsteuer zu überwachen. 9 (- I -) 1 ( Ir-Heres) In Jes 19,18 Heliopolis (On); Jer 43,13 sagt dafür Bet-Schemesch. 2 ( Isaak) Sohn Abrahams mit Sara und Vater -> Jakobs. 3 ( Isai) Vater des Königs -> David. 4 ( Isch-Boschet) Sohn Sauls und vorübergehend israelitischer König. Sein wohl ursprünglicher Name Eschbaal (>Gefolgsmann des Herrn<) wurde im Zuge seiner Ächtung in Isch-Boschet geändert: >Mann der Schande<. 5 ( Isebel) Frau Ahabs, tyrische Prinzessin, die den Baalsdienst in Israel offiziell eingeführt hat (-> Baal). Bei der Revolution Jehus (2. Kön 9,30-37) kam sie ums Leben. Sie gilt als die wichtigste Gegenspielerin des Propheten Elia. 6 ( Ismael) Sohn Abrahams mit Hagar. Der Name bedeutet: >Gott hört<. 10 (- J -) 1 ( Israel) Beiname des israelitischen Stammvaters -> Jakob, den er nach dem nächtlichen Kampf mit Gott am Jabbok erhielt (1. Mose 32,29). Als Volksname bezeichnet er einerseits das gesamte Zwölf-Stämme-Volk, andererseits seit der Trennung von Juda das Nordreich >Israel<, das nach seinem Hauptstamm auch Ephraim genannt wird. 2 ( Jachin und Boas) (1. Kön 7,21) Säulen oder Pfeiler am Eingang des Tempels in Jerusalem. Die Namen sind vielleicht der Anfang von Verheißungen für das Königshaus: Jachin = »festmachen wird« (der Herr)...; Boas = »durch ihn (den Herrn) stark...«. 3 ( Jafo) (Jona 1,3) Im Neuen Testament Joppe (Apg 9,36), das heutige Jaffa. 4 ( Jakob) Enkel Abrahams und neben diesem der eigentliche >Stammvater< des Volkes -> Israel. 5 ( Jannes und Jambres) So heißen nach der jüdischen Legende die Zauberer, die nach 2. Mose 7,11.22 Mose vor dem Pharao mit ihren Künsten zu widerlegen suchten. 6 ( Jareb) (Hos 5,13; 10,6) Geheimname für den assyrischen Großkönig. 7 ( Jehu) Offizier König Jorams von Israel; er zettelte eine Revolution an, bei der die Dynastie Omri ausgelöscht wurde (2. Kön 9-10). Ihm gelang es, selbst eine Dynastie zu gründen, die Israel fast hundert Jahre lang beherrschte. 8 ( Jerusalem) >Stadt des Friedens< oder >Stadt des Salimu<, einer ammonitischen Gottheit. Der Ort ist seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt. Als die Israeliten ins Land Kanaan eindrangen, war er von Jebusitern bewohnt. Er konnte erst von David erobert werden, der ihn zur Hauptstadt seines Doppelreiches machte (2. Sam 5,6-9). 9 ( Jeschurun) (5. Mose 32,15; 33,5.26; Jes 44,2) Dichterischer Name für Israel, »der Wackere, der Redliche«. 10 ( Jesreel) Große Ebene, die zwischen dem galiläischen Bergland und dem Tabor im Nordosten und dem samaritanischen Gebirge im Südwesten liegt. Sie wurde erst zu Beginn der Königszeit dem Gebiet Israels zugefügt. Der gleichnamige Ort liegt am Ostrand der Ebene. Er war vom Königshaus der Omriden (König Omri 882-871 v. Chr.) zur zweiten Residenz neben Samaria ausgebaut worden. 11 ( Jesus) Der Name Jesus (Jeschua oder Jehoschua, griechisch Josua) bedeutet >Gott rettet<. Darauf wird in Mt 1,21 angespielt. 12 ( Joch) Das Querholz, das den paarweise vorgespannten Zugtieren über den Nacken gelegt und mit Stricken am Hals befestigt wurde. In der Mitte war es mit der Wagendeichsel oder dem Pflug verbunden. >Unter dem Joch< sein, wird von daher zum Bild für Sklaverei, Unterdrückung und Fremdherrschaft. 13 ( Jona, Zeichen des Jona) Im alttestamentlichen Jonabuch wird erzählt, daß der flüchtige Prophet drei Tage im Bauche des Fisches verbrachte, bis dieser ihn an Land spie. Jesus vergleicht sich in Lk 11,30 in doppelter Hinsicht mit Jona: als wunderbar vom Tod Erretteter und als einer, der das Gericht bringt. Wie Jona aus dem Fischbauch als Verkünder des Gerichts nach Ninive kam, so wird Jesus als der vom Tod Auferstandene wiederkommen zum Gericht über die, die ihm nicht geglaubt haben. Auch in Mt 12,30-40 werden Grabesruhe und Auferweckung Jesu den Gegnern nicht als ein >Zeichen< in dem von ihnen erwünschten Sinn in Aussicht gestellt, sondern als Auftakt der Ereignisse, die für sie das Gericht bedeuten. 14 ( Juda) (1) Sohn Jakobs mit Lea (1. Mose 29,35). (2) Landschaftsname, der schon vorisraelitisch ist. (3) Stammesbezeichnung für die israelitischen Einwanderer im Gebiet Juda. (4) Die Stammesgebiete von Juda und Benjamin, die nach der Teilung des Salomonischen Reiches das Reich Juda bildeten, mit der Hauptstadt Jerusalem unter der davidischen Dynastie. 15 ( Judäa) Zur Zeit der Römer der südliche Teil Palästinas mit der Hauptstadt Jerusalem oder auch das ganze Palästina. 16 ( Judas) (1) Einer aus dem Jüngerkreis Jesu, der durch seinen Verrat die heimliche Gefangennahme Jesu ermöglichte (Iskariot). (2) Ein anderer Jünger Jesu (Lk 6,16; Joh 14,22; Apg 1,13). (3) Ein Bruder Jesu (Mt 13,55; wahrscheinlich auch in Jud 1 gemeint). (4) Der Galiläer, der zur Zeit der in Lk 2,1 erwähnten Volkszählung eine Widerstandsbewegung gegen die römische Fremdherrschaft leitete (Apg 5,37), aus der dann die Partei der -> Zeloten erwuchs. 17 ( Judengenossen) -> Gottesfürchtige. 18 ( Jünger) Wie die -> Schriftgelehrten und der Täufer Johannes hatte auch Jesus >Schüler<, die ihm auf seinen Wanderungen folgten und sich seiner Autorität unterstellten. Jesus verlangt von seinen Jüngern allerdings eine Unbedingtheit der >Nachfolge<, die weit über das traditionelle Maß hinausgeht. Der Jünger Jesu muß um der anbrechenden -> Herrschaft Gottes willen bereit sein, alles hinter sich zu lassen (Lk 9,57-62; 14,25-27). Jünger Jesu sind im Neuen Testament nicht nur die zwölf -> Apostel, sondern in gewissem Sinn alle Christen (Mt 10,42; 28,19). In der Apostelgeschichte wird die Gemeinde öfter als »die Jünger« bezeichnet, wo wir heute »die Christen« sagen würden; denn diese Bezeichnung, die den Jesusjüngern von ihrer Umwelt gegeben wurde, hatte zunächst einen eher abwertenden Klang (»Christianer«; vgl. Apg 26,28; 11,26). 19 ( Jungfrau) (1. Kor 7,36-38). Nach Luthers Verständnis der Verse handelt es sich um die Frage, ob ein Vater angesichts der bald erwarteten Wiederkunft Christi seine Tochter noch verheiraten soll. Eine andere Auslegungsmöglichkeit setzt den Fall voraus, daß ein Bräutigam vor der Frage steht, ob er seine Braut unberührt lassen oder vor der Wiederkunft Christi noch heiraten soll. Neuere sprachliche Erkenntnisse legen die zweite Auslegung nahe. 11 (- K -) 1 ( Kain) (1. Mose 4,1-16) Erster Sohn -> Adams und Evas; Bruder Abels, der von Kain erschlagen wurde. 2 ( Kalb) (Stierbild) Die im Alten Testament erwähnten Stierbilder (»Goldenes Kalb«) waren keine Götterbilder. Sie wurden nicht angebetet, sondern galten als Träger des unsichtbar auf ihnen thronenden Gottes. Trotzdem lag die Verwechslung zwischen Bild und Gott nahe (2. Mose 32). Jerobeam stellte zwei von ihnen auf, um ein nationales Heiligtum als Gegengewicht gegen die Anziehungskraft des Jerusalemer -> Tempels zu haben (1. Kön 12,29). »Kälber« werden die Stierbilder bewußt abwertend genannt (Hos 8,5.6). 3 ( Kalmus) (2. Mose 30,23) Wohlriechendes Rohr oder Gras aus dem Jemen oder aus Vorderindien, das zur Herstellung des heiligen Salböls benutzt wurde. 4 ( Kalne) (Jes 10,9; Am 6,2) Hauptstadt eines nordsyrischen Staates, 738 v. Chr. von den Assyrern unterworfen. 5 ( Kämmerlein) (Mt 6,6) Das Vorratshäuslein neben dem Bauernhaus, das bei geschlossener Tür völlig dunkel und sehr unfeierlich war; aber dort, in der Verborgenheit, ist echtes Beten möglich. 6 ( Kanaan) Ursprünglich das >Land des Purpurs<, d. h. Phönizien, im Alten Testament das israelitische Siedlungsgebiet im >Heiligen Land<, das spätere Palästina (-> Phönizien). Die Kanaanäer oder Kanaaniter sind die vorisraelitischen Bewohner des Landes. 7 ( Kandake) (Apg 8,27) Der Titel der Königinnen von Äthiopien (-> Kusch). 8 ( Karkemisch) (Jes 10,9) Am Euphrat gelegen, Hauptstadt eines hetitischen Staates, 712 v. Chr. von den Assyrern erobert; dort schlug Nebukadnezar den Pharao Necho von Ägypten (Jer 46,2). 9 ( Kassia) (2. Mose 30,24; Hes 27,19) Wohlriechende Blüten und Blätter des ostasiatischen Baumes, dessen innere Rinde das Zimtgewürz ergibt. 10 ( Kedar) (Ps 120,5; Jes 21,16.17; 42,11; 60,7; Jer 2,10; Hes 27,21) Nomadisierende Händler in der arabischen Wüste, als Kämpfer gefürchtet. 11 ( Kelter(treter) Die Weintrauben wurden im alten Israel durch Stampfen mit den bloßen Füßen ausgepreßt. Von daher erklärt sich das Bild vom >Keltertreter< in Jes 63,1-6. 12 ( Kemosch) Hauptgott der Moabiter. Bis zur Zeit Josias gab es östlich von Jerusalem einen Altar dieses Gottes (2. Kön 23,13; vgl. 1. Kön 11,7). Der moabitische König Mescha erwähnt den Gott in einer Inschrift, in der er beschreibt, wieviel israelitische Ortschaften er für ihn mit dem -> Bann belegt, d. h. ausgerottet hat. 13 ( Keniter) Mit den Israeliten verwandter Stamm, der halbnomadisch im Bereich des judäischen Stammesgebietes umherzog. Er wurde zuzeiten sogar zu Juda gerechnet. 14 ( Kewan) Assyrisch-babylonischer Sterngott, ebenso wie Sakkut eine Erscheinungsform des Saturn. Die Überlieferer des hebräischen Textes (Masoreten) gaben den Namen Sakkut und Kewan, damit sie beim Vorlesen nicht ausgesprochen würden, die Vokale des hebräischen Wortes für >Scheusal< (schikkuz), so entstanden die Formen Kiwun bzw. Kijun und Sikkut. 15 ( Kinneret) (4. Mose 34,11) Im Neuen Testament der See Genezareth. 16 ( Kislew) -> Monate. 17 ( Kittim, Kittiter) So hießen (von der phönizischen Gründung Kition auf Zypern) zunächst die Insel Zypern (Jes 23,1.12) und ihre Bewohner (1. Mose 10,4; 1. Chr 1,7; Hes 27,6). Später nannte man so die Inselwelt des Ägäischen Meers (Jer 2,10), Mazedonien (1. Makk 1,1; 8,5) und schließlich das römische Weltreich (Dan 11,30). 18 ( Klaudius) Römischer Kaiser 41-54 n. Chr. 19 ( Knauf) Verzierung am Leuchter (2. Mose 25,31); Kapitell der Säule (1. Kön 7,16; Am 9,1; Zef 2,14). 20 ( Kolonie, römische) Eine Ansiedlung römischer Bürger (ausgediente Soldaten oder Verbannte) außerhalb Italiens. 21 ( Korach) Er wollte während der Wüstenwanderung der Israeliten Mose und Aaron die Führung streitig machen. Zusammen mit 250 Anhängern wurde er durch ein Gottesgericht vernichtet (4. Mose 16). Ob die »Söhne Korach«, ein Sängergeschlecht, dem eine Reihe von Psalmen zugeschrieben werden (Ps 42; 44-49 u. a.), mit ihm zusammenhängen, ist unsicher. 22 ( Korban) Das Wort, das im Alten Testament das Gott dargebrachte Opfer bezeichnet (3. Mose 1; 4. Mose 7), leitet im frühen Judentum die in Mk 7,11 zitierte Gelöbnisformel für Weihgeschenke ein. Mit dieser Formel konnte man den Tempel zum alleinigen Erben seines Besitzes einsetzen. Das Eigentum, das mit »Korban« Gott geweiht war, durfte nicht mehr verkauft werden; doch hatte der Besitzer bis zu seinem Tod das Nutznießungsrecht. 23 ( Kreter und Pleter) Die Leibwache Davids; der Name bezeichnet die Söldner nach ihrer Herkunft als Philister (1. Sam 30,14; 2. Sam 15,18). 24 ( Kusch) Der Name des Reiches, das von 645 v. Chr. bis 350 n. Chr. die Könige von Napata und Meroe südlich von Ägypten zwischen den 3. und den 6. Nilkatarakten, also im heutigen Sudan, beherrschten. Von Palästina her dachte man freilich bei dem Namen Kusch meist überhaupt an die Länder südlich von Ägypten; dieses Gebiet mit seinen hochgewachsenen, dunkelhäutigen Bewohnern (Jes 18,7; Jer 13,23) hieß in der Antike »Äthiopien«. Die Herrscher der 25. Dynastie (715-663 v. Chr.) gewannen von ihrer Hauptstadt Napata aus die Herrschaft über Ägypten und konnten Assyrien entgegentreten (vgl. 2. Kön 19,9; Jes 20,5; 37,9; Jer 26,9). Zur Zeit des Neuen Testaments herrschten über das zwischen Assuan und Kartum gelegene Reich Kusch Königinnen mit dem Titel Kandake (Apg 8,27). Luthers Übersetzung »Mohrenland« blieb in Ps 68,32; häufiger blieb »Mohr« (für Kuschiter) z. B. Ps 87,4; Jer 13,23; 38,7; Am 9,7. 12 (- L -) 1 ( Ladanum) -> Tragakant. 2 ( Lade (des Bundes) -> Bundeslade. 3 ( Last) So heißen Jes 13-23; Nah 1,1 und sonst Prophetenworte meist drohender Art. Jer 23,33-39 sind die Spötter bedroht, die in den Gottesworten eine Last sahen. 4 ( Laststein) (Sach 12,3) Der Stein, den die jungen Männer hoben, um ihre Kraft zu erweisen. 5 ( Laubhüttenfest) Wichtigstes, abschließendes Erntefest, eines der drei israelitischen Hauptfeste (-> Feste). Es wurde mit einer Wallfahrt nach Jerusalem wahrscheinlich im Oktober gefeiert und dauerte etwa eine Woche (Esr 3,4; Neh 8,14-18); Wasser und Licht (Joh 7,37; 8,12) spielten dabei eine Rolle. 6 ( Legion) Eine Einheit des römischen Heeres, etwa 6000 Mann (Mt 26,53); Ausdruck für eine hohe Zahl (»ein ganzes Regiment«; Mk 5,9). 7 ( Lesung des Gesetzes und der Propheten) (Apg 13,15) Im Gottesdienst der Synagoge wurde regelmäßig nach bestimmter Ordnung je ein Abschnitt aus dem Gesetz (den fünf Büchern Mose) und aus den prophetischen und geschichtlichen Büchern des Alten Testaments (im jüdischen Kanon »Propheten« genannt) als Schriftlesung vorgetragen. 8 ( Levi) Sohn Jakobs und israelitischer Stamm (-> Leviten). 9 ( Leviatan) Bildliche Verkörperung der Mächte, die sich Gottes Schöpfermacht entgegenstellen und von ihm besiegt werden. Der Leviatan wird vorgestellt als Seeungeheuer (»Drache«) mit mehreren Köpfen, das sich zusammen mit der Urflut (-> Meer) gegen Gott auflehnt (Ps 74,13.14). Die Schilderung Hiob 40,25-41,26 zeichnet deutlich das Krokodil, doch auch mit den Farben eines Urdrachen. 10 ( Leviten) Priesterstamm. Wahrscheinlich wurden ihm die Priester der einzelnen Orts- und Höhenheiligtümer zugerechnet. Nach der Kultreform Josias, durch die Jerusalem zum ausschließlichen religiösen Zentrum wurde, sanken die Leviten auf die Stufe von Tempeldienern herab (2. Kön 23,8.9). Nach der biblischen Überlieferung werden auch die Nachkommen Aarons und des Hohenpriesters der Davidszeit, Zadok, dem Stamm Levi zugerechnet. 11 ( Libertiner) (Apg 6,9) Juden, die aus der Sklaverei freigelassen wurden und nun in Jerusalem eine eigene Synagoge (mit griechischer Sprache im Gottesdienst) hatten. 12 ( Licht und Recht) (Urim und Tummim, 2. Mose 28,30) Offenbar altheilige Orakelgegenstände, die in der Brusttasche des Hohenpriesters verwahrt und vom Priester (4. Mose 27,21) oder auch vom König (1. Sam 14,41) benützt wurden, um Gottes Willen zu erforschen. 13 ( Liebesmahl) Die Einheit der urchristlichen Gemeinden, die sich als eine große Familie fühlten, sollte auch in gemeinsamem Essen sichtbar werden; doch zeigten sich früh böse Mißstände (1. Kor 11,17-34; Jud 12). 14 ( Liebesäpfel) (1. Mose 30,14) Die Frucht der Alraune, klein, scharf riechend, ähnelt einem Apfel. Sie galt als Mittel zur Förderung der Fruchtbarkeit. 15 ( Löser) -> Erlöser. 16 ( Lot) Neffe Abrahams. Er wird mit seiner Familie als einziger vor der Vernichtung beim Untergang -> Sodoms bewahrt. 17 ( Lot und Taler) Die älteste Form des Handels ist der Tausch von Naturalgütern; dann wurde mit ungemünzten Stücken von Silber und Gold bezahlt, die bei einem Kauf gewogen werden mußten (1. Mose 23,16). Daher gewann das Wort »wägen« die Bedeutung »bezahlen«, und das meist gebrauchte Gewicht, das »Lot«, wurde der gängige Geldwert. Geprägte Münzen gab es seit der persischen Zeit. Die ersten jüdischen Münzen schlug nach 1. Makk 15,6 der Hohepriester Simon. Die Einheit des Geldes war der Schekel - in dieser Übersetzung mit Lot (1. Mose 23,15; 1. Makk 10,40.42) und Taler (2. Mose 30,13; 1. Sam 9,8) wiedergegeben. Das Gewicht eines Silbertalers war etwa 14,5 g, sein Wert etwa 2,50 Mark; doch schwankten Gewicht und Wert, und es gab ein besonderes »Gewicht des Heiligtums« (2. Mose 30,13; 38,26). Über die Kaufkraft des Geldes hören wir wenig; nach 3. Mose 5,15 konnte man für zwei Silberstücke einen Widder kaufen, nach 2. Kön 7,16 für ein Silberstück 13 kg Weizen oder 26 kg Gerste. 50 (später 60) Taler ergaben eine Mine (ein Pfund; Hes 45,12), 60 Minen ein Talent (einen Zentner). Kleinere Werte waren ein Drittel (Neh 10,33) und ein Viertel (1. Sam 9,8) eines Talers. 18 ( Lud) Ein unbekanntes nordafrikanisches Volk. 13 (- M -) 1 ( Magog) -> Gog. 2 ( Mal, Steinmal) Ein aufrecht hingestellter heiliger Stein: a) als Denkstein für einen Vertragsschluß und Grenzstein (1. Mose 31,45); b) als Grabstein (1. Mose 35,20; 2. Sam 18,18); c) als Gedenkstein an heiliger Stätte (1. Mose 28,18; 2. Mose 24,4); d) zu Ehren heidnischer Götter, darum für Israel streng verboten (3. Mose 26,1; 5. Mose 7,5) und doch errichtet (1. Kön 14,23; 2. Kön 3,2). 3 ( Mammon) (Mt 6,24) Zusammenfassende Bezeichnung für Geld und Gut. 4 ( Manna) (2. Mose 16) Wunderbare Speise der Israeliten auf ihrem Wüstenzug. Viele Ausleger bringen das Manna in Verbindung mit der Absonderung einer Schildlaus, die sich vom Saft der Mannatamariske ernährt. Die Beduinen benutzen sie noch heute als Honigersatz. 5 ( Maranata) Ein aramäischer Ruf aus dem frühchristlichen Gottesdienst, der wahrscheinlich mit »Unser Herr, komm!« zu übersetzen und als Bitte um die Wiederkunft Christi zu verstehen ist (1. Kor 16,22; vgl. Offb 22,20). 6 ( Marduk) Hauptgott von -> Babel. 7 ( Maß) In Joh 2,6 Wiedergabe einer Maßeinheit, die etwa 40 Litern entspricht. Die Wasserkrüge fassen demnach rund 100l. 8 ( Massa und Meriba) Ort, an dem sich die Israeliten auf der Wüstenwanderung wegen Wassermangels gegen Mose auflehnten (2. Mose 17,1-7). 9 ( Mastix) -> Tragakant. 10 ( Maulbeerbaum) Gemeint ist der Maulbeerfeigenbaum, ein Baum, der hauptsächlich als Bauholz verwendet wurde. Seine Früchte waren nicht sehr wertvoll und konnten nur durch Anritzen jeder einzelnen Frucht kurz vor der Ernte zur Reife gebracht werden, ohne daß sie durch den Insektenbefall verdarben. Diese Tätigkeit wurde von Hirten oder Maulbeerbaumpflegern ausgeübt (1. Kön 10,27). 11 ( Mazedonien) Römische Provinz am Ägäischen Meer mit der Hauptstadt Thessalonich. 12 ( Meder) Iranischer Stamm, der das medisch-persische Hochland bewohnte. Er war zuerst den -> Assyrern tributpflichtig, besiegte dann mit den Neubabyloniern Assur und wurde unter Kyros ein Teil des persischen Reiches. 13 ( Meer) Das Meer ist für das Alte Testament Sinnbild der gottfeindlichen, die Schöpfung und ihre Ordnung bedrohenden Macht. Der Schöpfungsvorgang selbst kann darum als Kampf gegen das >Urmeer< beschrieben werden, das im Meerdrachen (-> Leviatan) persönliche Gestalt annimmt (Hiob 26,12.13; 38,8-11). 14 ( Melchisedek) Priesterkönig der Stadt Salem (Jerusalem). Er wird als Priester des >Höchsten Gottes< bezeichnet. Aus der Begegnung mit Abraham, der dem König den Zehnten ablieferte (1. Mose 14), wurde später das Zehntrecht der Jerusalemer Priesterschaft abgeleitet. In Hebr 7 gilt Melchisedek als Urbild des Priestertums Christi. Daß er »ewig lebt« (7,3), wird aus der dort angeführten Psalmstelle (Ps 110,4: »Priester ewiglich nach der Weise Melchisedeks«) geschlossen. 15 ( Menschensohn) Bei dem Menschensohn, dessen Kommen von frommen jüdischen Kreisen zur Zeit des Neuen Testaments erwartet wurde, handelt es sich um eine übermenschlich-himmlische Gestalt, der nach dem letzten Gericht von Gott die Weltherrschaft übertragen werden soll (Dan 7,13.14). Nach anderer Anschauung wird der Menschensohn selbst das letzte Gericht abhalten. Jesus hat schon in seinem Erdenleben die Vollmacht des Menschensohns in Anspruch genommen, als er entschied, was vor Gott zu tun erlaubt ist und was nicht (Mk 2,28), und als er Menschen die Vergebung ihrer Schuld zusprach (Mk 2,10). Die himmlische Machtstellung des Menschensohns wurde Jesus zuteil, als Gott ihn vom Tode erweckte (vgl. Mt 28,18-20 mit Dan 7,14). Der kommende Menschensohn, von dem Jesus zunächst noch verhüllend sprechen konnte wie von einem dritten (Lk 12,8.9; Mk 8,38), wird also niemand anders sein als der auferstandene Herr selbst (Mk 13,26; 14,62). Nach Gottes Willen sollte dieser >Menschensohn< von Menschen verurteilt und getötet werden, um »sein Leben als Lösegeld für alle Menschen« hinzugeben (Mk 8,31; 10,45). Der Richter gibt sein Leben für die, die einst vor seinem Gericht stehen werden! 16 ( Meriba) -> Massa. 17 ( Merodach) (Jer 50,2) -> Marduk. 18 ( Meschech, Meschech-Tubal) Meschech und Tubal waren zwei kleinasiatische Völker, die ihren Wohnsitz zunächst in Zilizien und Phrygien hatten und dann von den Kimmeriern (biblisch = Gomer; Hes 38,6) zum Schwarzen Meer hin abgedrängt wurden. In Ps 120,5 ist eher an den nordarabischen Stamm Massa (Spr 31,1) zu denken. 19 ( Mesopotamien) Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet »das Land zwischen den Strömen«, nämlich Euphrat und Tigris, also das Zweistromland. Im Alten Testament wird der Name nur für das obere Zweistromland verwendet. 20 ( Messias) (hebräisch; griechisch = Christus) Das Wort bedeutet >Gesalbter< und bezeichnet den König, der durch -> Salbung in sein Amt eingesetzt wurde. In der späteren Königszeit und vollends in und nach der babylonischen Gefangenschaft entstand die Erwartung eines >Gesalbten< in besonderem Sinn: eines idealen Herrschers der Heilszeit, die die drückende Gegenwart ablösen soll. Mit seiner Gestalt verknüpft sich die Hoffnung auf eine Wiederherstellung des Reiches -> Davids, aber auch seine Ausweitung zur Weltherrschaft; über die politische Friedensordnung hinaus erwartete man eine Erneuerung der ganzen Schöpfung (Jes 11). Doch ist der Gedanke einer Heilszeit der Zukunft nicht überall mit der Gestalt eines Messiaskönigs verbunden (Jes 65). Im Judentum vor der Zeitwende erwartet man neben einem irdisch-politischen Messias (-> Davids Sohn) den -> Menschensohn als überirdischen Heilsbringer, der das Ende der gesamten gegenwärtigen Weltordnung heraufführt. Vor dem Hintergrund der Menschensohnerwartung ließen sich Hoheit und Anspruch Jesu im damaligen Judentum treffender und weniger mißverständlich zum Ausdruck bringen als vor dem Hintergrund der Messias-Erwartung. 21 ( Michael) Einer der -> Engelfürsten, Schutzengel des Gottesvolkes (Dan 10,21). Als Anführer der Engelheere kämpft er gegen den -> Satan (Offb 12,7). 22 ( Midianiter) Ihr Stammesgebiet lag im Nordwesten der arabischen Halbinsel. Sie waren Kamelnomaden und durch ihre Beweglichkeit ihren Gegnern überlegen. Offensichtlich hatten die Midianiter auch den Handel zwischen Mesopotamien und Ägypten in der Hand. 23 ( Milkom) Nationalgott der Ammoniter, dem Salomo wegen seiner ammonitischen Frauen eine Opferstätte errichtete (1. Kön 11,5). 24 ( Millo) (2. Sam 5,9; 1. Kön 9,15; 2. Kön 12,21) Wahrscheinlich eine Aufschüttung zur Befestigung Jerusalems, vielleicht an der Nordmauer der alten -> Davidsstadt. In Sichem (Ri 9,6) eher die Akropolis (Burg). 25 ( Minze) (Lk 11,42) Ein Gartengewächs, als Gewürz geschätzt. 26 ( Mohrenland) (Ps 68,32) -> Kusch. 27 ( Moloch) (eigentlich Melech, »König«). Eine im semitischen Raum verbreitete Gottheit, Herr der unterirdischen Mächte, besonders des Feuers. Seine Verehrung drang vor allem im 8./7. Jh. v. Chr. auch in Israel ein (2. Kön 23,10; Jer 32,35). Man ehrte den Gott, indem man die Opfer auf eine besondere Art seinem Bereich, dem Feuer, übergab. Auch Kinder wurden ihm geopfert. Nach manchen Auslegern sollen die Kinder nicht getötet und verbrannt, sondern nur in einer besonderen Feuerzeremonie symbolisch der Gottheit übereignet worden sein. 28 ( Monat, Jahr) Die vorderasiatischen Kalender richteten sich nach dem Mondumlauf, der ägyptische nach dem Sonnenumlauf. Das Mondjahr hat 354 Tage und bleibt deshalb hinter dem Naturjahr (Sonnenjahr) zurück. Daher wurden Schaltmonate eingefügt, ursprünglich wohl alle 3 Jahre ein Schaltmonat, seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in einem 8-Jahr-Turnus 3 Schaltmonate. Das altisraelitische Jahr begann im Herbst. Nach 722 v. Chr. wurde aber für Handel und Verkehr der assyrische Kalender übernommen, bei dem das Jahr im Frühjahr beginnt. Für Israels Feste blieb man nach wie vor beim Herbstkalender. Von den alten kanaanitischen Monatsnamen blieben vier länger im Gebrauch: Abib, Bul, Siw, Etanim (siehe diese Namen). Nach dem Exil verwendeten die Juden den neubabylonischen Kalender, der auch der persische Staatskalender war. Die babylonischen Monatsnamen heißen: 1. Nisan (Neh 2,1; Est 3,7) ungefähr Mitte März bis April 2. Ijar ungefähr Mitte April bis Mai 3. Siwan (Est 8,9; Bar 1,8) ungefähr Mitte Mai bis Juni 4. Tammus ungefähr Mitte Juni bis Juli 5. Ab ungefähr Mitte Juli bis August 6. Elul (Neh 6,15; 1. Makk 14,27) ungefähr Mitte August bis September 7. Tischri ungefähr Mitte September bis Oktober 8. Marcheschwan ungefähr Mitte Oktober bis November 9. Kislew (Sach 7,1; Neh 1,1) ungefähr Mitte November bis Dezember 10. Tebet (Est 2,16) ungefähr Mitte Dezember bis Januar 11. Sebat (Sach 1,7; 1. Makk 16,14) ungefähr Mitte Januar bis Februar 12. Adar (Esr 6,15; Est 3,7) ungefähr Mitte Februar bis März. 29 ( Morgenstern) Der Morgenstern, der Planet Venus, ist Bild für den in Macht und Herrlichkeit wiederkommenden Christus. In Offb 2,28 weist der Morgenstern wohl auf die Herrschaft hin, die der Christ zusammen mit Christus ausüben wird. 30 ( Mörser) (Zef 1,11) Name eines Stadtteils von Jerusalem. 31 ( Mose) Führer der israelitischen Stämme auf der Wüstenwanderung und Vermittler von -> Bund und -> Gesetz am Sinai. Der Name ist ägyptisch (Mos = Sohn), wird jedoch in 2. Mose 2,10 mit dem hebräischen Wort für >herausziehen< in Verbindung gebracht. 32 ( Mühlstein) Die Handmühle bestand aus zwei Mahlsteinen, deren oberer mit einem Loch zum Eingeben der Körner versehen war, gehörte zu jedem Haushalt und durfte nicht gepfändet werden (5. Mose 24,6). 33 ( Myrrhe) Duftendes Harz eines immergrünen Baumes, das sehr begehrt war und zur Herstellung von Parfüm, Salböl, Gewürz sowie als Wohlgeruch bei der Bestattung verwendet wurde (Joh 19,39), außerdem als betäubender Zusatz zum Wein (Mk 15,23). 14 (- N -) 1 ( Nachtwache) Die Nacht, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang - etwa 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens -, wurde ursprünglich in drei Nachtwachen geteilt, zur Zeit des Neuen Testaments in vier Nachtwachen zu je drei Stunden. Die letzte Nachtwache wurde auch Morgenwache genannt. 2 ( Name (des Herrn) Der biblische Gott ist ursprünglich der Gott eines bestimmten Volkes (Israel) und trägt als solcher, wie alle Götter der alten Zeit, einen Eigennamen (-> Herr). Für das hebräische Denken ist der Name nicht >Schall und Rauch<, sondern aufs engste mit der Person des Namensträgers, dessen Wesen und Wirken verbunden. Durch das Aussprechen des Gottesnamens wird Gott selbst gegenwärtig, z. B. im Segenszuspruch der Priester (4. Mose 6). Der Tempel in Jerusalem wird als Wohnsitz für Gottes >Namen< bezeichnet, weil Gott dort im Gebet beim Namen gerufen werden kann. So wird der Name zu der dem Menschen zugewandten und zugänglichen Seite des souveränen Gottes. 3 ( Name (Jesu Christi) Der Name Jesu ist von seiner Person nicht zu trennen. Was »im Namen« Jesu Christi geschieht, geschieht in der Vollmacht der Person Jesu Christi; er selber, der auferstandene Herr, ist darin am Werk (Apg 3,6.12-16; 4,10.12). Wenn die christliche Taufe »auf den Namen Jesu Christi« erfolgt (2,38), so wird der Täufling damit Jesus, seinem Herrn, als Eigentum übergeben und unter seinen Schutz gestellt. 4 ( Narde, Nardenöl) (Joh 12,3; Mk 14,3) Aus der Wurzel der indischen Nardenpflanze bereitete man ein kostbares, wohlriechendes Öl, das unter anderem bei den Begräbnisvorbereitungen verwendet wurde. 5 ( Nazoräer) (Mt 2,23) Im Alten Testament findet sich das Prophetenwort in dem bei Matthäus angeführten Wortlaut nicht. Vielleicht liegt ein Hinweis auf den »Sproß« in Jes 11,1 (hebr. nezär) vor; auch das hebräische Wort nasir = Geweihter (Ri 13,5; 4. Mose 6) klingt an. 6 ( Nebajot) (Jes 60,7) Ein arabischer Stamm. 7 ( Nebo) 1) Berg und Stadt in Moab sowie Stadt in Juda (das »andere Nebo« Neh 7,33). 2) Babylonischer Gott, der als Sohn -> Marduks galt. Der Gott des Schicksals, der das Buch des Lebens hat, der Gott der Schreibkunst (Jes 46,1). 8 ( Nehuschtan) Ein Schlangenbild im Jerusalemer Tempel, dem Heilkraft zugeschrieben und das deshalb verehrt wurde (vgl. den Äskulapstab). Vielleicht war es ein Gottesbild kanaanitischer Herkunft, doch wurde es in der Überlieferung mit der Bronzeschlange gleichgesetzt, die Mose in der Wüste errichtet hatte (4. Mose 21). König Histeia ließ dieses Bild entfernen (2. Könige 18,4). 9 ( Neumond) Der Tag, an dessen Vorabend der zunehmende Mond wieder sichtbar wurde, galt als Monatsbeginn. Der Mond war in der altorientalischen Welt jedoch nicht nur für den Kalender bedeutsam, sondern zog auch vielfach göttliche Verehrung auf sich. In Israel war der Gestirnkult zwar untersagt, doch wurde der Neumondstag besonders feierlich - z. T. auch länger als einen Tag (1. Sam 20,27) - begangen (Ps 81,4). Daß solche Feste häufig entarteten, geht aus Hos 2,13 hervor. In Hos 5,7 wird angedroht, daß von diesem entarteten Kult her das Gericht über Israel kommt. 10 ( Nieren) Sie galten als Sitz der Gemütsbewegungen in Freude und Leid (Ps 73,21), der Gewissensregungen, überhaupt des inneren Lebens (Jer 20,12). 11 ( Nikolaiten) Ihr Name wird mit Nikolaus von Antiochia (Apg 6,5) in Verbindung gebracht. Über ihre Lehre ist nicht viel bekannt. Wahrscheinlich fühlten sie sich als Christen hoch erhaben über alles Irdische und meinten, auch Unzucht und Teilnahme an den Götzenopfern (-> Götzenopferfleisch) könne ihnen nicht mehr schaden (Offb 2,6.14.15). 12 ( Nisan) -> Monate. 13 ( Nisroch) (2. Kön 19,37; Jes 37,38) Ein unbekannter assyrischer Gott. 14 ( Ninive) Hauptstadt des assyrischen Reiches (-> Assur). 15 ( Noah) Er wurde nach 1. Mose 6-8 von Gott wegen seines vorbildlichen Lebens vor dem Untergang in der >Sintflut< gerettet. Gott hatte ihm befohlen, mitten auf dem festen Land ein Schiff, die Arche, zu bauen und es mit seiner Familie zu besteigen. 16 ( Nod) Ein Land Nod ist geographisch nicht bekannt. Es bedeutet wohl Land der Ruhelosigkeit, Land des Elends und bezeichnet das Leben in der Gottesferne. 17 ( Nof) (Jes 19,13; Jer 2,16) Das alte Memphis, südlich von Kairo, die Hauptstadt der Pharaonen im »Alten Reich«. 15 (- O -) 1 ( Obrigkeit) (wörtlich »Macht«) Das Wort bezeichnet bei Luther staatliche Regierungsgewalten und Behörden (Röm 13,1-3; Tit 3,1). 2 ( Ofel) (2. Chr 27,3; 33,14; Neh 3,27) In Jerusalem der Teil des östlichen Höhenzugs zwischen der alten Davidsstadt im Süden und dem Tempel- und Palastbezirk im Norden. 3 ( Ofir) (1. Kön 9,28) Goldland, wahrscheinlich in Südwest-Arabien. Zur Zeit Salomos fuhren die Goldschiffe vom Golf von Akaba nach Ofir. 4 ( Öl) Im Alten Testament ist in der Regel an Olivenöl gedacht. Die Oliven wurden gepreßt und zerquetscht, das Öl gesammelt und nach Qualität geschieden. Es wurde für den Haushalt, zur Medizin und zur Kosmetik verwendet. Auch zur -> Salbung benutzte man Olivenöl, nachdem es mit aromatischen Stoffen vermischt worden war. Das Öl ist Symbol für Freude und Festlichkeit. 5 ( Ölberg) Seit alter Zeit heilig gehaltener Ort etwa 1 km von Jerusalem. Er gehört zu einem Höhenzug, der Jerusalem von Norden und Osten umgibt. 6 ( Onych) (Sir 24,21) Ein mineralischer Stoff (das feine weiß-graue Galmeiflugpulver), der einer Salbe beigemengt wurde. 7 ( Onyx) (2. Mose 28,20; Hes 28,13) Halbedelstein aus Quarz, der durch seine Farbschichten Gravuren besonders schön hervortreten läßt. 8 ( Opfer) Gabe an Gott, um ihm zu danken und zu huldigen, um seine Hilfe zu erbitten, um Schuld zu sühnen. Opfer werden in der Bibel von Anfang an (1. Mose 4,3) und bei allen Völkern vorausgesetzt; sie sind stets mit Gebet, mit Anrufung des Gottesnamens verbunden (1. Mose 12,8). Die Stätten des Opfers sind Altar und Tempel. Als Opfergaben werden dargebracht: im unblutigen Opfer Früchte, Mehl, Brot, Wein, Öl, Weihrauchkörner; im blutigen Opfer reine Tiere: Rinder, Kälber, Schafe, Ziegen und Tauben. Verboten ist in Israel das Menschenopfer (1. Mose 22,12). Wichtigste Opferarten sind das Brandopfer oder Ganzopfer, bei dem das ganze Tier auf dem Brandopferaltar verbrannt wurde (1. Mose 8,20), - das Dankopfer und Lobopfer, bei dem der größte Teil des Opfers von den Opfernden in froher Mahlzeit an heiliger Stätte verzehrt wurde zum Ausdruck der Gemeinschaft mit Gott und untereinander, - das Sündopfer und Schuldopfer, bei dem die sühnende Kraft in dem Blut des Tieres als dem Sitz des Lebens gesucht wurde, - das freiwillig dargebrachte Speis- und Trankopfer, mit dem der Mensch Gott als den Geber aller Gaben ehrte, - das Einsetzungsopfer bei der Priesterweihe (-> auch Hebopfer und Schwingopfer). Beim Räucheropfer wurde eine besondere Mischung von Weihrauch und verschiedenen anderen Bestandteilen verbrannt, die zum Amtsgeheimnis einer bestimmten Priesterfamilie gehörte. Jesus hat wenig vom Opfer gesprochen und hat mit dem Untergang des Tempels (Mt 23,38; 24,2) das Aufhören allen Opferdienstes vorausgesagt. Jesu Gemeinde sah in seinem Sterben das große, für alle Zeiten gültige Opfer und wußte von Gott wohlgefälligen Opfern im tätigen Christenleben (Röm 12,1; 1. Petr 2,5). 9 ( Ordnung) Melchisedeks (Ps 110,4; Hebr 7,17; vgl. 1. Mose 14,18-20) Die Weise, in der -> Melchisedek sein Priestertum führte, als Priester und König zugleich. 10 ( Orion) (Hiob 9,9; 38,31; Am 5,8) Ein Sternbild. 16 (- P -) 1 ( Palmenstadt) Jericho (5. Mose 34,3; Ri 3,13; 2. Chr 28,15). In Ri 1,16 ist wohl Tamar am Südende des Toten Meeres (1. Kön 9,18) gemeint. 2 ( Paradies) (-> Eden) In jüdischen Kreisen erwartete man, daß das Paradies mit dem Lebensbaum (1. Mose 2,8.9; 3,24) in der Endzeit wiederkehren werde (vgl. Offb 2,7; 21,1 - 22,5). In der Gegenwart dagegen ist es verborgen, und zwar im dritten -> Himmel (vgl. 2. Kor 12,4). Es galt nach jüdischem Glauben als Aufenthaltsort der verstorbenen Frommen in der Zeit zwischen ihrem Tod und der allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt. 3 ( Paradiesströme) Von den vier Strömen, die vom Paradies ausgehen - Gihon, Pischon, Hiddekel (= Tigris) und Euphrat-, sind nur die beiden letzten bekannt. Der biblische Bericht bringt zum Ausdruck, daß von dem ursprünglichen Gottesgarten die Fruchtbarkeit der gesamten Erde ihren Ursprung hat. 4 ( Parbar) (1. Chr 26,18) und Parwarhaus (2. Kön 23,11) Wohl ein Anbau am Tempel. 5 ( Parwajim) (2. Chr 3,6) Wohl der Name eines goldreichen Landes. 6 ( Passa, Passafest) Ursprünglich ein nomadisches Fest, das später mit dem Auszug aus Ägypten verbunden wurde (2. Mose 12). Nach der Kultreform Josias (2. Kön 22-23) durfte das Passamahl nur noch in Jerusalem gefeiert werden. Die Hausbesitzer Jerusalems mußten den Pilgern für ihr Passamahl Räume zur Verfügung stellen. Hauptbestandteil der Mahlzeit war ein gebratenes oder gekochtes Schaf- oder Ziegenböckchen. Als Beigaben wurden eine Art bitterer Salat, ein Fruchtmus und vier Becher Wein genossen. Das Passafest ging unmittelbar in das siebentägige Fest der ungesäuerten Brote über, das im ganzen Land gefeiert wurde. Dieses Fest war ursprünglich ein Erntefest, bei dem man Brot aß, das ohne Sauerteig gebacken war. Vorher mußte der alte Sauerteig beseitigt werden, wovon Paulus in 1. Kor 5,6-8 in übertragenem Sinne spricht. 7 ( Passalamm) -> Passa 8 ( Patros) (Jer 44,1) Oberägypten. 9 ( Pergamente) Zum Schreiben hergerichtete, besonders für heilige Texte benutzte Tierhäute, wie Paulus einige (neben den aus Papyrusstreifen hergestellten Büchern) besaß (2. Tim 4,13). 10 ( Perazim) Berg, bei dem die Philister eine Schlacht gegen die Israeliten verloren haben (2. Sam 5,20). Von Jesaja wird das Bild im umgekehrten Sinne gebraucht: Gott wird sein Volk schlagen wie damals an dem Berg die Philister (Jes 28,21). 11 ( Perser) Iranischer Völkerstamm, der zu weltgeschichtlicher Bedeutung aufgestiegen ist. Die achämenidischen Könige schufen seit etwa 640 v. Chr. das persische Weltreich, das nach Siegen über die Elamiter, die Assyrer und die Babylonier den gesamten Vorderen Orient umspannte. Erst Alexander der Große vermochte Persien im Jahre 330 v. Chr. zu besiegen. 12 ( Petrus) Griechische Übersetzung des aramäischen Kefa (mit griechischer Endung: Kephas). Beides bedeutet >Fels<. 13 ( Pfingstfest) Das zweite der drei israelitischen Wallfahrtsfeste, fünfzig Tage nach dem Passafest (-> Feste). 14 ( Pharisäer) »Abgesonderte«. Die stärkste religiöse Partei seit den Makkabäerkriegen, die das Erbe Israels, das -> Gesetz und die Überlieferungen der Väter, in Ehren hielt, der Verheißung Gottes vertraute, darum auch an die Auferstehung der Toten glaubte und vor allem mit leidenschaftlichem Eifer für pünktliche Beobachtung des Gesetzes bis in die Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens hinein kämpfte, um die Erfüllung der messianischen Verheißungen vom Menschen her zu sichern. Nach einer Probezeit verpflichteten sie sich bei der Aufnahme in die Gemeinschaft, die Vorschriften über den -> Zehnten und die Reinheitsvorschriften (-> rein) strengstens einzuhalten. Nicht nur das im Gesetz Moses Niedergeschriebene, sondern auch die mündlich überlieferten genauen und strengen Anwendungsregeln, die »Satzungen der Ältesten«, d. h. der älteren Gesetzeslehrer (Mt 15,2), galt es im täglichen Leben zu beachten. Zunächst eine Laienbewegung, waren sie doch bald eng verbunden mit dem Stand der -> Schriftgelehrten. Ihre Gefahr war die Gesetzlichkeit, die zu selbstgerechtem Stolz und liebloser Härte führte und Jesus zum unerbittlichen Gegner dieser Frömmigkeit machte. Mit den Pharsiäern rangen um die Führung im Volk die -> Sadduzäer; seit dem Untergang Jerusalems (70 n. Chr.) beherrschten und prägten die Pharisäer das Denken des Judentums. 15 ( Philister) Die Herkunft der Philister ist unsicher. Vielleicht stammen sie aus Kreta, vielleicht aus Kappadozien oder Illyrien. Sie unterschieden sich von den Kanaanitern und Israeliten durch Kleidung, Bewaffnung, Sprache und Verfassung. Lange Zeit hatte Israel unter ihrer Übermacht zu leiden. Sie bildeten einen Städtebund, die später so genannte Pentapolis, die aus den fünf Städten Gaza, Gat, Aschdod, Aschkelon und Ekron bestand. Von den Philistern (Pelischtim) hat die gesamte Landschaft ihren Namen >Palästina< erhalten. 16 ( Pilatus) Römischer -> Statthalter (Prokurator) in Judäa 26-36 n. Chr. 17 ( Pischon) -> Paradiesströme. 18 ( Posaune) Nicht ein Instrument aus Metall, sondern aus dem Horn des Widders oder Ziegenbocks gefertigt, für kriegerische Signale verwendet (Jer 4,19.21), vielfach auch im Gottesdienst gebraucht (Ps 81,4), darum auch mit der Schilderung von Gottes künftigem Handeln verbunden (Jes 18,3; Zef 1,16; Offb 8,6). 19 ( Prätorium) Der Begriff begegnet im Neuen Testament in drei verschiedenen Zusammenhängen: 1. Im Prozeß Jesu (Mt 27,27; Mk 15,16; Joh 18,18.33; 19,9) bezeichnet es den Amtssitz des römischen -> Statthalters Pontius Pilatus in Jerusalem, wohl zu identifizieren mit der Burg Antonia im Nordwesten des Tempelplatzes oder mit dem Herodespalast im Westen der Stadt beim Jaffator. 2. Nach Apg 23,35 wurde Paulus in Cäsarea am Meer im »Prätorium des Herodes« gefangengehalten, d. h. im Palast des Herodes, der als offizieller Sitz des römischen Statthalters (zu jener Zeit Felix) diente. 3. In Phil 1,13 hängt die Deutung von dem angenommenen Abfassungsort des Briefs ab. In Ephesus wäre Prätorium die Residenz des Prokonsuls für die Provinz Asien; in Rom wäre am wahrscheinlichsten an die Kaserne der Prätorianergarde zu denken; in Cäsarea am Meer wie unter Punkt 2. 20 ( Priester) Im Alten Testament Personen, die aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und ihrer besonderen Weihe dazu bestimmt waren, die Gottesdienste zu leiten, Opfer darzubringen und den Willen Gottes zu deuten. An Priestersippen sind bekannt die Nachkommen Aarons, die Nachkommen Zadoks und die -> Leviten. Die Priester wurden in verschiedene Dienstgruppen eingeteilt, die sich in genau festgelegter Reihenfolge im Tempeldienst ablösten. Ihr Oberhaupt war seit der Zeit Salomos der sog. -> Hohepriester. 21 ( Prophet) Nach unserem Sprachgebrauch ist ein >Prophet< jemand, der die Zukunft kennt. Das Wesentliche beim biblischen Prophetentum liegt jedoch nicht in der Zukunftsschau. Der Prophet ist ein Mensch, den Gott (oder der -> Geist Gottes) zu seinem Sprecher gemacht hat. Die Propheten verkünden dem Volk Gottes oder einzelnen aus diesem Volk, besonders den führenden Kreisen, was Gott ihnen in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Das kann Mahnung, Trost oder Gerichtsdrohung sein. In der Frühzeit Israels ist das Prophetentum mit ekstatischen Erscheinungen verbunden. Der Geist ergreift vom Propheten Besitz wie eine fremde Macht, die über ihn kommt (1. Sam 10,5.6.10-12). Bezeichnend für diese Stufe ist auch, daß die Propheten in der Regel kollektiv auftreten (1. Sam 10,10; 1. Kön 22,6.12). In der Königszeit Israels traten neben dem fortbestehenden Prophetentum der älteren Art Propheten auf, die über diesen Rahmen weit hinauswuchsen. Als einzelne, die Gott berufen hatte, prangerten sie die herrschenden Zustände an. Sie maßen die Verhältnisse der Gegenwart und das Verhalten der Verantwortlichen am Rechtswillen Gottes, wie er im -> Gesetz gegeben war. Ebenso unerbittlich prangerten sie die Entartung des Glaubens (-> Baal) und des Gottesdienstes an. Und sie sahen die Katastrophe kommen, die das Verhalten des Volkes und seiner Führer unweigerlich herbeirufen mußte. Aber auch die neue Zukunft, die dem Volk danach noch einmal geschenkt werden soll, wird von den Propheten angekündigt. Sie wird geschaut im Bild eines umfassenden >Friedens<, der auch die anderen Völker umgreift. Zum Teil wird dieser Frieden mit der Gestalt eines Friedensbringers verknüpft (-> Messias). Die Propheten richten ihre Botschaft in der Regel mündlich aus; erst später wurden ihre Worte (zum Teil von ihnen selbst) aufgeschrieben. Die großen Propheten des 8. bis 6. Jahrhunderts v. Chr. standen oft in heftiger Auseinandersetzung mit einem Berufsprophetentum, das sich sowohl am Jerusalemer Tempel als auch in Bethel, dem Reichsheiligtum Nordisraels, herausgebildet hatte. Propheten dieser Art verkündeten in der Regel eher das, was dem Volk, insbesondere dem König gefiel (vgl. Am 7,10-17; Jer 5,30.31; 14,13-15; 28) und was ihnen selbst Gewinn brachte (Mi 3,5.11). Über Propheten in den frühen Christengemeinden -> Prophetie. 22 ( Prophetie) im Neuen Testament In der frühen Kirche waren Apostel, Propheten und Lehrer die wichtigsten Träger der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus (1. Kor 12,28). Prophetie ist eine Gabe des Geistes neben andern Geistesgaben. Der Prophet verkündet, was ihm Gott offenbart hat (1. Kor 14,26.30). Zur prophetischen Rede können Weissagungen für die Zukunft gehören (Apg 11,27.28; Offb); die neutestamentlichen Propheten haben aber vor allem die Aufgabe, die gegenwärtige Lage im Licht des Willens Gottes aufzudecken, der Gemeinde Weisungen des Herrn zu übermitteln und sie zu ermutigen und zu trösten. Paulus gibt der prophetischen Rede den Vorrang vor der -> Zungenrede, weil der Prophet mit verständlichen Worten redet und der Erbauung der Gemeinde dient (1. Kor 12-14). Gleichwohl soll auch die prophetische Rede von der Gemeinde geprüft werden (1. Thess 5,20.21). 23 ( Psalter) a) Ein Saiteninstrument (Ps 33,2); b) die Sammlung der Psalmen, das Psalmbuch. 24 ( Purim) Name eines jüdischen Festes am 14. und 15. Adar zur Erinnerung an die im Esterbuch erzählte Rettung der persischen Judenschaft. 25 ( Put) Vermutlich ein Volk in Libyen. 17 (- Q -) 1 ( Quasten) Nach 4. Mose 15,38-40 sollen die Israeliten an den vier Zipfeln des aus einem rechteckigen Stück Tuch bestehenden Mantels Quasten anbringen, um sich an die Gebote Gottes zu erinnern. 2 ( Quirinius) Publius Sulpicius Q. war kaiserlicher Beauftragter (Legat) für den Orient. Unter seiner Leitung wurde in Syrien eine Besitzaufnahme durchgeführt (-> Schätzung). 18 (- R -) 1 ( Rabbi) verstärkt Rabbuni (»mein Herr, mein Meister«): Ehrende Anrede an die -> Schriftgelehrten, die Kenner und Lehrer des Gesetzes. 2 ( Rabsaris) (2. Kön 18,17) Ein assyrischer Hofbeamter. 3 ( Rabschake) (2. Kön 18,17; Jes 36,2) Ein hoher assyrischer Hofbeamter, vielleicht der Obermundschenk. 4 ( Räfan) (Apg 7,43; auch Romfa) Eine heidnische Sterngottheit (vgl. Am 5,26). 5 ( Rahab) (Hiob 9,13; 26,12; Ps 89,11) Name für das mythische Seeungeheuer als Inbegriff der widergöttlichen Macht (-> Leviatan). Er wird auch auf Ägypten als den Feind des Gottesvolkes übertragen (Jes 30,7). 6 ( Rahel) Mutter der Stämme Ephraim und Benjamin. Sie wurde bei Rama nördlich von Jerusalem beigesetzt (vgl. 1. Sam 10,2); zur Zeit Jesu vermutete man ihr Grab aber im Gebiet von Juda, am Weg von Jerusalem nach Bethlehem (vgl. 1. Mose 35,19; 28,7). 7 ( Rat, Hoher Rat) Zur Zeit Jesu die oberste Behörde des Judentums unter dem Vorsitz des -> Hohenpriesters; die vornehmsten Priester, die führenden -> Schriftgelehrten und angesehene -> »Älteste«, zusammen 71 Männer, bildeten den Rat. Die Römer hatten die weltliche Vollmacht des Rats eingeschränkt, jedoch seine Autorität in religiösen Entscheidungen anerkannt. 8 ( Räucheraltar) Ein goldener Altar im Inneren des Tempels in Jerusalem, auf dem als Opfer eine besondere Weihrauchmischung verbrannt wurde. 9 ( Räuchern, Räucheropfer) Die Verbrennung wohlriechender Harze und Pflanzenteile (Räucherwerk) auf glühenden Kohlen im Heiligen des Tempels. In Offb 8,3.4 Sinnbild des Gebets. 10 ( Rauchopfersäule) Ein säulenartiger Aufsatz auf einem Altarunterbau, der eine schalenartige Vertiefung zum Darbringen eines Weihrauchopfers besitzt (3. Mose 26,30). 11 ( Raute) (Lk 11,42) Eine Gewürzpflanze. 12 ( rein, Reinheitsvorschriften) Der gläubige Jude muß nach dem Gesetz Moses im Zustand kultischer Reinheit sein, um dem heiligen Gott im Gottesdienst oder im Gebet begegnen zu können. Die Verunreinigung kann verschiedene Ursachen haben: z. B. Vorgänge der Geburt (Lk 2,22) und des Todes, Ausscheidungen des Körpers, Genuß bestimmter Speisen (Mk 7,15), Berührung von Leichen und verunreinigten Gegenständen, Kontakt mit Aussätzigen und Tischgemeinschaft mit Sündern und Heiden (Lk 15,1; Gal 2,12.13). Die Reinheitsvorschriften der jüdischen Gesetzesausleger regeln die Vermeidung kultischer Unreinheit (z. B. durch Speiseverbote) und die Wiedererlangung kultischer Reinheit (z. B. durch Waschungen und Tauchbäder wie Mk 7,3.4 oder durch Opfer Mk 1,35) aufgrund von 3. Mose 11-15. Die Gesetzestreuen zur Zeit des Neuen Testaments dehnten diese Bestimmungen, die für Priester und jeden, der den Tempel betreten wollte, verbindlich waren, auf den ganzen Alltag aus und verschärften sie. Wenn die -> Pharisäer also nichts mit ungewaschenen Händen aßen (Mk 7,1-4), dann nicht aus hygienischen, sondern aus religiösen Gründen: Man wollte sich als Gottes erwähltes Volk >rein< bewahren. Jesus nahm dazu eine radikal neue Stellung ein (Markus 7). 13 ( Richter) Die großen >Richter< des Richterbuches sind gottbegnadete Volksführer, während die >kleinen< Richter (Ri 10,1-5; 12,8-14), die Könige und auch Männer wie Josua und Samuel den Richtertitel im allgemein üblichen Wortsinn tragen. 14 ( Rimmon) (2. Kön 5,18) Ein aramäischer Wettergott (>Brüller<), der vor allem in Damaskus verehrt wurde. 15 ( Rogel) Brunnen südöstlich von Jerusalem, 38 m tief, wohl alte Kultstätte. 16 ( Romfa) -> Räfan. 17 ( Rosch) (Hes 38,2.3; 39,1) Vermutlich ein im nördlichen Kleinasien wohnender Völkerstamm in der Nachbarschaft von Tubal und Meschech (siehe dort). 18 ( Rüsttag) Der Freitag, an dessen Nachmittag man sich zur Feier des -> Sabbat rüstet (Mk 15,42; Lk 23,54), oder der Tag vor dem -> Passa (Joh 19,14). 19 (- S -) 1 ( Saba) Südarabischer Staat vom 9. vor- bis zum 6. nachchristlichen Jahrhundert. Anfangs Priesterstaat, später Königtum. Das Reich von Saba war vor allem durch seinen Handel berühmt. 2 ( Sabbat) Der Sabbat ist der Schlußtag der siebentägigen Woche, die erstmals bei den Israeliten nachweisbar ist. Er wurde, vielleicht mitbestimmt durch die an diesem Tag gehaltenen Gottesdienste, im Bewußtsein der Israeliten mehr und mehr zu einem ausschließlich gottgeweihten Tag, der in nachexilischer Zeit neben der -> Beschneidung zu einem Unterscheidungsmerkmal von anderen Völkern und zu einem Bundeszeichen zwischen Israel und seinem Gott wird (Jes 56,1-8). Zur Zeit des Neuen Testaments hatten die -> Schriftgelehrten bis ins einzelne festgelegt, welche Tätigkeiten am Sabbat verboten und welche allenfalls erlaubt sind. So durfte man z. B. nur einen -> »Sabbatweg« weit gehen. Bereits das Abreißen von Ähren galt als verbotene Erntearbeit (vgl. Mk 2,24). Nur wenn ein Leben auf dem Spiel stand, war es erlaubt, am Sabbat zu heilen. Jesus aber forderte die Frommen bewußt heraus, heilte am Sabbat und zeigte ihnen damit, was Gott wirklich will (Mk 2,27; 3,4). 3 ( Sabbatjahr) So wie der Mensch an jedem siebten Tag seine Arbeit ruhen lassen muß, soll im alten Israel das Land in jedem siebten Jahr einen >Sabbat< halten, d. h. unbebaut bleiben und brachliegen (3. Mose 25,1-7). Eine Begründung wird dafür nicht gegeben. Israelitische Sklaven sollen in diesem Jahr die Freiheit erhalten (2. Mose 21,2-6; nach 3. Mose 25,39-43 in jedem 49. Jahr) und es sollen alle Schulden erlassen werden (5. Mose 15,1-3). Diese weitgehende Forderung wurde offenbar vielfach nicht beachtet (3. Mose 26,34; 2. Chr 36,21), von der nachexilischen Gemeinde jedoch neu übernommen (Neh 10,32). 4 ( Sabbatweg) (Apg 1,12) Die Strecke, die nach der Sabbatsatzung zur Zeit Jesu ein Jude am Sabbat von seinem Wohnort aus gehen durfte: 2000 Ellen, etwa 1 km. 5 ( Sack) Kleidungsstück, das aus dunklem Ziegen- oder Kamelhaar gewoben war und mit einem Strick um den Leib befestigt wurde (2. Sam 3,31; Jes 3,24). Es wurde als Trauergewand (z. T. unter dem zum Zeichen der Trauer zerrissenen Obergewand) getragen. Neben dem Trauergewand in Sackform kommt auch die Form des Lendenschurzes vor (Jer 48,37). Auch als Bußgewand wurde es getragen in persönlicher Not und bei allgemeinen Katastrophen sowie als Ausdruck der Trauer über eine (bewußte oder nur vermutete) Schuld vor Gott, die als Strafe die betreffende Notlage herbeigeführt haben könnte. 6 ( Sadduzäer) Religionspartei im Judentum zur Zeit Jesu, der die vornehmen Priestergeschlechter und Vertreter der weltlichen Aristorkratie angehörten. Als »konservative« Gegenspieler der -> Pharisäer lehnten sie den Versuch ab, das ganze Leben dem -> Gesetz zu unterwerfen, und erkannten die diesem Zweck dienenden »Satzungen der Ältesten« (Mk 7,5) nicht an. Sie lehnten alle Lehren ab, die über das wörtlich im »Gesetz«, d. h. den fünf Mosebüchern, Enthaltene hinausgehen, so z. B. den Glauben an die Auferstehung der Toten und den volkstümlichen Engelglauben (Mt 22,23; Apg 23,8). Darin bekundet sich zugleich ein »freisinniges« Denken, dem eine Öffnung für die griechische (hellenistische) Kultur entsprach. Der Name »Sadduzäer« leitet sich wahrscheinlich von dem Priester Zadok her. Mit dem Untergang des Tempels verschwanden Priestertum und Sadduzäertum. 7 ( Salben, Salbung) Die Salbung wurde durch Einreiben oder Begießen des Kopfes und Leibes mit Öl (Olivenöl) vorgenommen. Sie war ein Zeichen der Lebensfreude und des Wohlstandes; deswegen unterließen Trauernde die Salbung. Außerdem hatte sie ihren besonderen Platz im religiösen Leben. Gottgeweihte Gegenstände und Personen wurden von Propheten oder Priestern gesalbt: der heilige -> Stein in Bethel (1. Mose 31,13), die -> Stiftshütte, der Altar (2. Mose 29,36), Propheten (1. Kön 19,16), Priester (2. Mose 30,30) und Könige (1. Sam 10,1; 16,1.13). Vielleicht stammt die Königssalbung aus dem kanaanitisch-ägyptischen Raum. Hintergrund mag die Vorstellung sein, daß durch die Salbung ein Vasallitätsverhältnis hergestellt wird, d. h. der König ist von Gott als dem höchsten König mit Macht betraut. Er ist »der Gesalbte des HERRN« (1. Sam 24,7; Ps 2,2). In späterer Zeit wird diese Bezeichnung zum Titel des erwarteten Heilskönigs aus Davids Geschlecht (Gesalbter = hebr. maschiach; -> Messias). 8 ( Salem) -> Jerusalem. 9 ( Salomohalle) Eine Säulenhalle an der Ostseite des äußeren Vorhofs in dem von Herodes dem Großen errichteten Neubau des Jerusalemer -> Tempels. Sie war auch Nichtjuden zugänglich und wurde für die religiöse Unterweisung benutzt. 10 ( Salzmeer) (1. Mose 14,3) Das Tote Meer. 11 ( Samarien) Nach der Eroberung des Nordreiches Israel durch die Assyrer errichteten diese auf dem alten Reichsgebiet eine Provinz, die nach Samaria, der bisherigen Hauptstadt des Landes, den Namen Samarien erhielt (2. Kön 17,24). 12 ( Samaritaner, Samariter) Mischbevölkerung, die die Provinz -> Samarien bewohnte. Sie entstand durch Umsiedlung eroberter Völkerschaften in dieses Gebiet. Die Einwanderer vermischten sich mit den im Lande Zurückgebliebenen. Von den aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten Judäern wurden sie nicht als vollwertige Israeliten anerkannt. Zur Zeit Jesu galten sie bei den Juden als Ketzer, weil sie nur die fünf Mosebücher als heilige Schriften anerkannten und ihnen der Berg Garizim und nicht der -> Zion als der vorgeschriebene eine Ort für den Gottesdienst galt. Sie und ihr Land wurden von den Frommen verachtet und gemieden. 13 ( Sanballat) Statthalter der persischen Provinz Samarien zur Zeit Nehemias. 14 ( Saphir) Da der echte, durchsichtige Saphir vor der römischen Kaiserzeit fast unbekannt war, muß man damit rechnen, daß es sich bei den biblischen Erwähnungen um Lapislazuli handelt, einen undurchsichtigen blauen, mit Silber- und Goldpünktchen besäten Lasurstein, der im Altertum hochgeschätzt war und vielfach künstlerisch verarbeitet wurde. 15 ( Sara (Sarai) Frau -> Abrahams. 16 ( Satan) Ursprünglich kommt das Wort aus der israelitischen Rechtspraxis: es bezeichnet den Ankläger (>Staatsanwalt<), der die Vergehen des Beschuldigten aufzählt. In nachexilischer Zeit kennt man auch einen Ankläger beim himmlischen Gericht, der vor Gottes Thron die Sünden der Menschen namhaft macht. Im Buch Hiob (1,6; 2,1) wird er zu den »Gottessöhnen«, d. h. zum himmlischen Hofstaat, gezählt. In neutestamentlicher Zeit ist der Satan schließlich zum Gegenspieler Gottes geworden, dem Teufel, der als Herr dieser -> Welt gilt, aber endlich von Gott überwunden und vernichtet wird. Wenn in Offb 2,13 von der Stadt Pergamon gesagt wird, daß dort »der Satan wohnt«, so ist dabei vielleicht an den dort befindlichen riesigen Zeusaltar gedacht (-> Zeus). 17 ( Satzungen der Ältesten) -> Pharisäer. 18 ( Sauerteig) Als Treibmittel verwendete man beim Brotbacken ein Stück gegorenen Teig, das man vom letzten Backen aufgehoben hatte. So war stets Sauerteig im Haus; nur aufs -> Passafest mußte aller Sauerteig entfernt werden (vgl. 1. Kor 5,6-8). Auch für Speisopfer und bei Dankopfern durfte kein Sauerteig verwendet werden. Dahinter steht die Vorstellung, daß der Gärprozeß als eine Art Fäulnisprozeß die unversehrte Ursprünglichkeit und Reinheit der Gabe verletzt (-> rein). Sauerteig hat die Eigenschaft, >ansteckend< zu sein; darauf beruht das Gleichnis vom Sauerteig (Mt 13,33) und die Warnung in Mk 8,15, sich nicht von der Lehre der -> Pharisäer beeindrucken zu lassen. 19 Saul Der erste israelitische König, Vorgänger Davids (1. Sam 8-11). 20 ( Säulen) Ehrenname für Jakobus, Petrus und Johannes als Führer der Jerusalemer Urgemeinde. Er erinnert an das Bild von der Gemeinde als Tempel Gottes (1. Kor 3,16; Offb 3,12) und kennzeichnet die drei Männer als tragende Glieder der Gemeinschaft. 21 ( Saulus) Der jüdische Name des Apostels Paulus. Paulus ist sein zweiter Name, den er als römischer -> Bürger trug. In der Apostelgeschichte wird von 13,9 an nur noch der Name Paulus verwendet, d. h. von dem Augenblick an, wo Paulus erstmals als der große geisterfüllte und vollmächtige Verkünder des Evangeliums in der nicht jüdischen Welt hervortritt. 22 ( Schalman) Das Ereignis, auf das in Hos 10,14 angespielt wird, ist unbekannt. 23 ( Schatten) (Kol 2,17; Hebr 8,5; 10,1) Im Unterschied zu dem Gegenstand selbst ein schattenhafter Hinweis auf ihn. 24 ( Schätzung) Im Jahr 6/7 n. Chr., als Judäa (mit Idumäa und Samarien) römische Prokuratur wurde, wurden unter -> Quirinius die Bewohner des Landes und ihr Besitz für die Erhebung von Steuern registriert (»geschätzt«). Vielleicht bezieht sich Lk 2,1-3 darauf; vielleicht ist aber auch eine um 8/7 v. Chr. beginnende erste Erfassung gemeint. 25 ( Schaubrote) Das Brot, das nach der Vorschrift von 2. Mose 25,30 ständig auf einem Opfertisch im zentralen Heiligtum der Israeliten ausgelegt sein mußte. 26 ( Schear-Jaschub) Prophetischer Name, den Jesaja offenbar auf Gottes Befehl seinem Sohn gegeben hat (Jes 7,3). Der Sinn ist nicht eindeutig: »Nur (oder: wenigstens) ein Rest kehrt um (oder: kehrt zurück)«. Der Gedanke eines >Restes< findet sich auch in Jes 10,21.22; 8,16-18. 27 ( Scheidebrief) Nach jüdischem Recht konnte ein Mann seine Frau entlassen, wenn er ihrer überdrüssig war (vgl. 5. Mose 24,1). Er mußte ihr nur eine Scheidungsurkunde geben. Jesus nimmt energisch gegen diese Praxis Stellung (Mk 10,1-12). 28 ( Schibbolet) Das hebräische Wort kann Ähre oder Wasserflut bedeuten. In Ri 12,6 dient es als Erkennungszeichen: Die Leute von Ephraim können kein sch aussprechen! 29 ( Schihor) (1. Chr 13,5; Jes 23,3) Ein Arm des Nils. 30 ( Schilfmeer) Die Israeliten durchquerten nach dem Auszug aus Ägypten einen Meeresarm oder See östlich des Nildeltas. Erst später hat man den Schauplatz am Roten Meer gesucht. 31 ( Schinar) (1. Mose 11,2) Name für die Landschaft -> Babylonien; in Sach 5,11 Name für Babel. 32 ( Schlauch) (Mt 9,17) Gefäß zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten, verfertigt aus der Haut eines Tieres, gewöhnlich einer Ziege. 33 ( Schriftgelehrte) Ausgebildete und ordinierte jüdische Theologen, deren Aufgabedas Studium und die Auslegung des -> Gesetzes war. Da die fünf Mose- Bücher auch als Gesetzessammlung für das bürgerliche Leben galten, waren diese Theologen zugleich Juristen. Sie gaben ihr Wissen an ihre Schüler (>Jünger<) weiter. Sie traten erst in nachexilischer Zeit auf, als das religiöse Gesetz für das Leben der Juden eine immer größere Bedeutung gewann. Ihr großes Vorbild war Esra (vgl. Esr 7,6.10.25); erste schriftliche Erwähnung finden sie in den Makkabäerbüchern (1. Makk 7,12; 2. Makk 6,18). Die meisten Schriftgelehrten der neutestamentlichen Zeit gehörten der religiösen Gemeinschaft der -> Pharisäer an; die führenden Schriftgelehrten wurden die Häupter der pharisäischen Partei. Die Schriftgelehrten hatten ein engmaschiges Netz von Bestimmungen ausgearbeitet, die sicherstellen sollten, daß die göttlichen Gebote (etwa das Ruhegebot am -> Sabbat) auf keinen Fall übertreten wurden (vgl. Mk 2,23-3,6). Nach Mt 13,52 und 23,34 gab es auch in der christlichen Gemeinde >Schriftgelehrte<, die wohl die Aufgabe hatten, die Gesetzesauslegung Jesu, wie sie u. a. in der Bergpredigt (Mt 5-7) vorliegt, auf die aktuelle Situation der Gemeinden anzuwenden. 34 ( Schuldopfer) -> Opfer. 35 ( Schwagerehe) Pflichtehe. Der Bruder eines kinderlos verstorbenen Mannes mußte dessen Witwe heiraten, damit die Familie des Bruders nicht ausstirbt; denn der erste in der Schwagerehe geborene Sohn galt als Nachkomme des Verstorbenen (Rut 1-4; 5. Mose 25,5-10). 36 ( Schwingopfer) (2. Mose 29,24.27) Teile des Opfers wurden vor dem Altar »geschwungen«, d. h. hinundherbewegt, um sie Gott in betonter (z. T. auch sinnbildlicher) Weise zu übereignen. 37 ( Schebat) -> Monate. 38 ( Segen und Fluch) Das hebräische Denken sieht im gesprochenen Wort eine wirkende Macht. Seine Wirkung hängt freilich von Art und Bedeutung der sprechenden Persönlichkeit ab. Bestimmte Menschen sind mit besonderer Segensmacht begabt. Das kann bei Sterbenden mit der Todesnähe zusammenhängen (Jakob in 1. Mose 48), es kann Folge einer außerordentlichen Veranlagung sein (wie bei Bileam in 4. Mose 22-24), aber auch in einer Amtsstellung und Weihe gründen wie bei den Priestern, die zum Abschluß des Gottesdienstes die Gemeinde segnen (4. Mose 6,22-27). Der Fluch spielte im Rechtsleben eine wichtige Rolle. Er diente als Behelf gegen Rechtsbrecher, die man nicht fassen oder überführen konnte (3. Mose 5,1; Ri 17,2; Spr 29,24). Bei der Gesetzesverkündung und deren gottesdienstlicher Wiederholung wurden Flüche ausgesprochen, um die Gemeinde im Tun des Gotteswillens zu erhalten (5. Mose 27). 39 ( Sela) Vielleicht eine Anweisung für die Musiker, die den Psalmengesang begleiteten. 40 ( Seleuziden) Griechisches Geschlecht, das nach dem Tod Alexanders des Großen eines seiner Nachfolgereiche beherrschte: die Nachkommen von Seleukus I. (312 -280 v. Chr.). Das Reich der Seleuziden reichte zur Zeit seiner größten Ausdehnung vom Hellespont bis an die indische Grenze. Mit dem ägyptischen Reich der Ptolemäer kämpften die Seleuziden verschiedentlich um Syrien/ Palästina. Durch die Politik des Seleuziden Antiochus IV. (175-164 v. Chr.), der die griechische Kultur und Religion als einigendes Band seines Reiches überall durchzusetzen versuchte, wurden die Makkabäerkämpfe ausgelöst (1. Makk 1-2). 41 ( Serafim) (Jes 6,2) Engelwesen, den Cherubim ähnlich (-> Cherub). 42 ( Sergius) Paulus Etwa 47 n. Chr. römischer Prokonsul (Statthalter ohne Militärhoheit) der Insel Zypern. 43 ( Sichelwagen) (2. Makk 13,2) Der zweirädrige, von Pferden gezogene Streitwagen der orientalischen Heere seit der Perserzeit, der an der Wagenachse seitlich und nach unten herausstehende Schwerter hatte. Beim Angriff wurden mit ihm die Feinde wie mit einer Sichel »umgemäht«. 44 ( Silbergroschen, Silberling, Silberstück) Der hebräische Schekel, der römische Denar oder die griechische Drachme. Sie entsprechen nach Mt 20,2 dem Tageslohn eines Arbeiters. Der »Silberling« (Mt 26,15) hat möglicherweise den vierfachen Wert. 45 ( Silo) In der Vorkönigszeit ein wichtiges Heiligtum, an dem die -> Bundeslade aufbewahrt wurde. Es wurde etwa um 1050 v. Chr., wohl von den Philistern, zerstört. 46 ( Siloah) Ein Kanal, der das Wasser der Gihon-Quelle vom Kidron-Tal nach Jerusalem leitete und die Wasserversorgung im Falle einer Belagerung sichern sollte (das hebräische Wort bedeutet Kanal). Während der ältere Kanal, auf den sich Jes 8,6 bezieht, in seinem größeren Teil außerhalb der Mauern am Abhang des Tales verlief, ließ König Hiskia (725-697 v. Chr.) einen 533 m langen Tunnel durch den Fels hauen, der noch heute das Wasser der Quelle zum Siloah-Teich (Joh 9,7) leitet. 47 ( Sinai) Der Berg, an dem Gott sich seinem Volk Israel geoffenbart und seinen -> Bund mit ihm geschlossen hat (2. Mose 19-20) Seine genaue Lage ist nicht bekannt. 48 ( Sinim) (Jes 49,12) Wahrscheinlich Syene (das heutige Assuan) an der Südgrenze von Ägypten. 49 ( Siw) (1. Kön 6,1.37) Der achte Monat des althebräischen Jahres, Mitte April bis Mitte Mai. 50 ( Siwan) -> Monate. 51 ( Skevas) (Apg 19,14) Einen Hohenpriester Skevas hat es nicht gegeben. Es ist denkbar, daß die sieben Brüder einen solchen erfunden haben. Die Wunderheiler jener Zeit liebten es, sich ihrer Verbindung vor allem mit geheimnisvollen jüdischen Autoritäten zu rühmen. 52 ( Sklave, Sklaverei) Sklaverei gab es in der ganzen Alten Welt in mannigfachen Formen und unter den verschiedensten Bedingungen. In Israel unterschied man zwischen volksfremden Sklaven und solchen aus dem eigenen Volk. Ein Israelit konnte zum Sklaven eines anderen werden, wenn er stark verschuldet war oder sich ihm in einer Notlage freiwillig verkaufte; auch Eltern verkauften ihre Kinder in solch einem Fall. Ein israelitischer Sklave durfte jedoch nicht für entwürdigende Dienste gebraucht werden; er mußte wie ein Lohnarbeiter behandelt und im -> Sabbatjahr freigelassen werden. Für als Sklaven verkaufte Mädchen erläßt das -> Gesetz besondere Schutzbestimmungen (2. Mose 21,7-11). Fremde Sklaven wurden im Krieg erbeutet oder auf dem Sklavenmarkt (z. B. in Tyrus) gekauft. Sie zählten praktisch zur Familie, mußten jedoch die niederen Dienste verrichten und konnten auch weiterverkauft werden, was bei den israelitischen Sklaven untersagt war. In der griechisch-römischen Welt konnten Sklaven zu bedeutenden Stellungen aufsteigen; aber es gab daneben ein Heer von namenlosen Haus- und Arbeitssklaven. In den frühen christlichen Gemeinden war der Anteil dieser Sklaven offenbar hoch. Sie waren innerhalb der Gemeinde den Freien völlig gleichgestellt (Gal 3,28); doch bestehen die Schreiber der neutestamentlichen Briefe darauf, daß die Sklaven im Alltagsleben ihre Pflichten erfüllen und an der bestehenden Sozialordnung nicht rütteln (Eph 6,5-9; Kol 3,22; 1. Tim 6,1-2). Der Brief des Apostels Paulus an Philemon zeigt jedoch, daß die Brüderlichkeit in der Gemeinde ansatzweise auch zu einer gesellschaftlichen Neuorientierung führen kann. 53 ( Skorpion) (5. Mose 8,15; Hes 2,6; Lk 10,19; 11,12) Er zählt zum Stamm der Spinnentiere (Arachnida) und kann mit seinem langen Stachel schmerzhaft stechen. In 1. Kön 12,11.14 und 2. Chr 10,11.14 Bild für eine mit Stacheln versehene Peitsche. 54 ( Sodom und Gomorra) Kanaanitische Städte, die nach 1. Mose 19 wegen ihrer Sünden vernichtet wurden. Vielleicht am Südostufer des Toten Meeres gelegen, sind sie wahrscheinlich schon in der mittleren Bronzezeit durch eine Naturkatastrophe untergegangen. Beide Städte gelten als Symbol der Verruchtheit. In Jud 7 wird den Bewohnern Sodoms vorgeworfen, daß sie sogar mit den -> Engeln, die Lot besuchten, geschlechtlichen Umgang suchten. 55 ( Solam) (3. Mose 11,22) Heuschreckenart. 56 ( Spätregen) (5. Mose 11,14; Jak 5,7) Die Niederschläge am Ende der Regenzeit, etwa März / April; wichtig für die Entwicklung der Körner des Wintergetreides. 57 ( Speisopfer) -> Opfer. 58 ( Spezerei) Gewürze verschiedener Art zur Bereitung von Salben, Räucherwerk und Arzneien. 59 ( Stakte) (2. Mose 30,34) Unbekannter Bestandteil der Weihrauchmischung des Heiligtums. Stakte ist die griechische Wiedergabe des betreffenden hebräischen Wortes und bedeutet >Tropfen<. 60 ( Statthalter) (Prokurator) Im Unterschied zu den senatorischen Provinzen, die einem vom römischen Senat eingesetzten Prokonsul unterstanden, und zu den imperatorischen Provinzen, die einem vom Kaiser eingesetzten Legaten unterstellt waren, standen Judäa und Samarien (44-66 n. Chr. ganz Palästina) unter einem Prokurator (Statthalter), der in Cäsarea residierte. Die Prokuratur war eingerichtet worden, nachdem es unter der Regierung des Herodessohnes Archelaus (-> Herodes, 3) zu ständigen Konflikten mit den Juden gekommen war. Der Prokurator hatte vor allem das Steuerwesen zu überwachen und in wichtigen Fällen als Richter zu wirken; er verfügte über eine Truppenmacht. Im Neuen Testament werden erwähnt die Prokuratoren Pilatus (26-36 n. Chr.), Felix (52-60) und Festus (60-62). 61 ( Staub (von den Füßen schütteln) Wenn Juden aus nichtjüdischem Gebiet nach Israel zurückkehrten, pflegten sie den Staub von den Füßen zu schütteln, um nichts »Verunreinigendes« (-> rein) in das Heilige Land mitzuschleppen. Im Zusammenhang der Jüngeraussendung (Mt 10,14; Lk 9,5; 10,11) und der urchristlichen Mission (Apg 13,51; ähnlich 18,6) bedeutet es Abbruch der Beziehungen und Überantwortung an Gottes Gericht. 62 ( steinigen, Steinigung) Die Steinigung war eine Form der Todesstrafe, die bei besonders schweren Vergehen als feierliche Form des Ausschlusses aus dem Gottesvolk angewandt (3. Mose 24; 5. Mose 17; 21,21), aber auch als Lynchjustiz geübt wurde. In neutestamentlicher Zeit wurde eine offizielle Steinigung in folgender Form vollzogen: Der zu Steinigende wurde durch einen »Zeugen« (Apg 7,58) von einem Felsen oder einer Mauer rückwärts hinabgestürzt; wenn er noch lebte, ließ der zweite »Zeuge« einen schweren Stein auf seine Brust fallen. 63 ( Steinmal) -> Mal. 64 ( Steinpflaster) -> Gabbata. 65 ( Stiftshütte) (2. Mose 33,7) Das heilige Zelt, das »Zelt der Begegnung« zwischen Gott und Mose, das Heiligtum Israels während der Wüstenwanderung (2. Mose 25-27; 33-38). Noch zur Zeit Davids wurde die -> Bundeslade in einem Zelt aufgestellt (2. Sam 7,2). 66 ( Stoiker) (Apg 17,18) Anhänger der Stoa, der griechischen Philosophenschule, die zur Überlegenheit des Menschen über die äußeren Bedingungen erziehen wollte. 67 ( Sturmbock) (1. Makk 9,67) Belagerungsinstrument, mit dem die Mauern gerammt wurden, um eine Bresche zu schlagen. 68 ( Sündopfer) (3. Mose 4,1-5,13; 6,17-23; 2. Mose 29,14) -> Opfer. 69 ( Stunde) -> Tageszeiten. 70 ( Sühnopfer) -> Opfer. 71 ( Synagoge) Versammlungsstätte jüdischer Gemeinden, wo am Sabbatvormittag ein Wortgottesdienst mit Gebet, Schriftlesung, Predigt und abschließendem Segen abgehalten wurde. Zur Zeit Jesu durfte jeder in den heiligen Schriften bewanderte jüdische Mann die Predigt halten (vgl. Lk 4,20; Apg 13,15). Die Verwaltung der äußeren und inneren Angelegenheiten einer Synagogengemeinde lag in den Händen eines Ältesten-Kollegiums. An Synagogenbeamten gab es den Synagogenvorsteher, der für die ordnungsgemäße Abwicklung des Synagogengottesdienstes zu sorgen hatte, und den Synagogendiener, der ihm dabei zur Hand ging (Lk 4,20). In der Synagoge tagte auch das örtliche oder Synagogengericht, das aus 23 Mitgliedern bestehen mußte und über Juden, die zum christlichen Glauben übergetreten waren, die Strafe der Auspeitschung verhängen konnte (Mk 13,9; Apg 22,19; 2. Kor 11,24). 72 ( Syrer) -> Aramäer. 73 ( Syrien) Der Name ist aus einer Verkürzung des Namens Assyrien durch griechische Schriftsteller entstanden. Mit diesem Wort wird das Gebiet um Damaskus vom Euphrat bis zur Nordgrenze Palästinas bezeichnet. 74 ( Syrisch-Ephraimitischer Krieg) Mit dem Regierungsantritt Tiglat-Pilesers III. (745 v. Chr.) setzte eine neue Phase assyrischer Expansionspolitik ein. In den eroberten Gebieten mußte der assyrische Staatsgott als erster der Götter verehrt werden; die staats- und kulturtragende Oberschicht wurde verpflanzt und durch eine fremde ersetzt. Angesichts dieser Bedrohung machten eine Reihe von syrisch-palästinischen Kleinstaaten den Versuch, sich gemeinsam gegen die Assyrer zu behaupten. Führend in dem antiassyrischen Bündnis waren Syrien und Nordisrael (Ephraim). Da König Ahas von Juda sich weigerte, dem Bündnis beizutreten, zogen die verbündeten Könige Rezin von Damaskus und Pekach von Samaria im Jahr 733 v. Chr. gegen Jerusalem, um ihn abzusetzen und einen Mann ihres Vertrauens als neuen König einzusetzen. Anstatt nach der Botschaft des Propheten Jesaja auf Gottes Eingreifen zu vertrauen, rief Ahas den Assyrerkönig zu Hilfe und unterwarf sich ihm durch eine Tributzahlung. Diese Politik war nur kurzfristig erfolgreich. Die Verbündeten zogen von Jerusalem ab. Tiglat-Pileser trennte noch im selben Jahr Galiläa und das Ostjordanland von Nordisrael ab und machte 732 ganz Syrien zur assyrischen Provinz. Juda wurde zum assyrischen Vasallenstaat, in dem der assyrische Staatskult eingeführt werden mußte (2. Kön 16,10-18). 75 ( Syrte) (Apg 27,17) Ein Meerbusen des Mittelmeers an der nordafrikanischen Küste mit gefährlichen Sandbänken. 20 (- T -) 1 ( Tachpanches) (Jer 2,16) Eine ägyptische Stadt im östlichen Nildelta. 2 ( Tageszeiten, Stunden) Im Bereich des israelitischen Kultus und Ritus begann der neue Tag am vorhergehenden Abend (1. Mose 1,5; 3. Mose 11,24), doch empfand man unter dem Einfluß des natürlichen Lebensrhythmus gelegentlich auch den Morgen als Tagesbeginn (Ps 104,22). Im Neuen Testament ist nach weitverbreiteter Sitte des späten Altertums der ungefähr von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends laufende Tag in 12 Stunden eingeteilt. Demnach entspricht z. B. in Mk 15,34 die neunte Stunde ungefähr der Zeit um 3 Uhr nachmittags nach unserer Zeiteinteilung. 3 ( Taler) -> Lot. 4 ( Tammus) (Hes 8,14; Dan 11,37) Sumerischer Hirtengott, der mehr und mehr zum Gott der jährlich sterbenden und wiedererstehenden Vegetation wurde. Der Tammuskult drang im 8./7. Jh. v. Chr. bis nach Palästina vor. Beweint wird Tammus während des Wartens auf den Regen im Herbst, und zwar von den Frauen, die sinnbildlich anstelle der auf Befruchtung durch den »Himmelstau« wartenden Erde stehen. 5 ( Tanne) Luther sah in den hohen, immergrünen Bäumen der Bibel Tannen, während es Zypressen sind; vielleicht ist an einigen Stellen auch der Wacholder gemeint. Auch an den beiden Stellen, an denen immer noch von Tannen die Rede ist (1. Mose 6,14; Hos 14,9), sind Zypressen gemeint. 6 ( Tarsisschiffe) (1. Kön 10,22; Jes 23,1.14; 60,9; Hes 27,25) Große Handelsschiffe, wie sie etwa nach Tartessus (Tarschisch), der phönizischen Siedlung in Südspanien (Jon 1,3), fuhren. 7 ( Tartan) (2. Kön 18,17; Jes 20,1) Titel des Heerführers im assyrischen Heer. 8 ( Taufe) Den einmaligen Vollzug der Taufe durch einen Täufer - im Gegensatz etwa zu einer Selbsttaufe oder zu wiederholten, mehrmaligen Taufen bzw. kultischen Waschungen (-> rein) - hat die christliche Taufe mit der Taufe gemeinsam, zu der Johannes der Täufer die Menschen rief (Mt 3). Von allem Anfang an wurde man nur durch die Taufe in die christliche Gemeinde aufgenommen. Der Täufling sprach vor oder nach der Taufhandlung ein schon sehr früh fest geprägtes Glaubensbekenntnis. Die Taufe wurde so vollzogen, daß der Täufling ganz in Wasser untertauchte (Apg 8,38). Nach einem nachneutestamentlichen Zeugnis war es jedoch bei Wassermangel erlaubt, daß nur der Kopf dreimal mit Wasser übergossen wurde. Die Taufe geschah auf den -> Namen Jesu Christi (Apg 2,38; nur nach Mt 28,19 auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes). 9 ( Taumelbecher, Taumelkelch) Der Kelch des Gerichts (Jes 51,17.22; Jer 25,15-17), den Gott im Zorn zu trinken gibt und der die Betroffenen wie Trunkene taumeln läßt (Ps 60,5; Sach 12,2). 10 ( Tebet) -> Monate. 11 ( Teman) (Am 1,12) Eine Landschaft in Edom mit der Hauptstadt Bozra. 12 ( Tempel) Der Tempel Salomos (1. Kön 6) war ein Langhausbau, der aus drei Teilen bestand: Vorhalle, Heiliges und Allerheiligstes, darin kanaanitischen Tempelbauten entsprechend. Die Vorhalle war ca. 5 m lang und 10 m breit, ihr Eingang von zwei ehernen Säulen (1. Kön 7,15-22) flankiert. Das Heilige war 20 m lang, 10 m breit und 15 m hoch. Es enthielt den goldenen Räucheraltar, die Tische mit den -> Schaubroten und die zweimal fünf Leuchter (vgl. die Beschreibung der -> Stiftshütte in 2. Mose 40).Das >Allerheiligste< war ein Würfel von 10 m Kantenlänge, es hatte keine Fenster, und in ihm befand sich die -> Bundeslade. Der Hohepriester durfte es nur einmal im Jahr betreten (3. Mose 16,11-14; Hebr 9,7), sonst war es für jedermann unzugänglich. Der Tempel war von zwei Vorhöfen umgeben: einem inneren, in dem der große Brandopferaltar stand, und einem äußeren, dessen Umfassungsmauer den südlich des Tempels gelegenen Königspalast mit einschloß. Nebukadnezar zerstörte den ersten Tempel 587 v. Chr. Nach der Rückkehr der Judäer aus der -> Gefangenschaft wurde er an der alten Stelle in bescheidenerer Form wieder aufgebaut (Tempelweihe 515 v. Chr.). König -> Herodes der Große ersetzte diesen Tempel durch einen großartigen Neubau, wobei jedoch die Grundmaße des >Heiligen< und des Allerheiligsten unverändert blieben. Dabei wurde der innere Vorhof neu gegliedert (Vorhof der Priester, der Männer, der Frauen) und der äußere erheblich erweitert und mit großartigen Säulenhallen umgeben. Der äußere Vorhof war für jedermann, auch für Nichtjuden, zugänglich. In einem begrenzten Bereich dieses riesigen Platzes hat man sich auch die Stände der Geldwechsler vorzustellen und der Händler, die Opfertiere zum Kauf anboten (Mt 21,12). Mit dem Tempelvorhang, der beim Sterben Jesu zerriß (Mk 15,38), dürfte der vor dem >Allerheiligsten< gemeint sein. Das Zeichen ist wahrscheinlich im Licht von Mk 15,29 b; 14,58; 13,2 zu verstehen; es bedeutet den Untergang des Tempels. Der Jerusalemer Tempel wurde 70 n. Chr. bei der Eroberung Jerusalems durch Titus zerstört und nie wieder aufgebaut. 13 ( Tempeldirne) In den altorientalischen Fruchtbarkeitskulten (-> Baal) war die Prostitution im Zusammenhang mit der Gottesverehrung weit verbreitet. Zu Zeiten gab es auch in Israel unter kanaanitischem Einfluß Tempeldirnen. Einige Könige und Propheten bekämpften diese Zustände (2. Kön 23,7). 14 ( Tempelgroschen) Jeder erwachsene Jude hatte jährlich einmal eine Steuer für den -> Tempel in Jerusalem zu zahlen. Sie wird auf 2. Mose 30,11-16 zurückgeführt und betrug etwa den doppelten Tageslohn eines Arbeiters. Nur Priester und z. T. auch -> Schriftgelehrte waren von dieser Steuer befreit. Die Münze, die Mt 17,24-27 erwähnt wird, entspricht dem Steuersatz für zwei Personen. 15 ( Tempelweihe) (Joh 10,22) Das Fest, das zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels durch Judas Makkabäus im Jahr 165 v. Chr. jährlich 8 Tage lang gefeiert wurde (vgl. 1. Makk 4,59; 2. Makk 1,9). 16 ( Tenne) -> Dreschschlitten. 17 ( Teufel) -> Satan. 18 ( Theudas) (Apg 5,36) Ein jüdischer Widerstandskämpfer dieses Namens ist 44-46 n. Chr. aufgetreten und durch den römischen Prokurator Fadus enthauptet worden. 19 ( Tiberius) Römischer Kaiser 14-37 n. Chr. 20 ( Tiefen des Satans) Wahrscheinlich behaupten die falschen Lehrer von Offb 2,24, die >tiefen Geheimnisse der Gottheit< zu erforschen. Johannes bezeichnet ihre Erkenntnis als Teufelswissen. 21 ( Tod, zweiter) (Offb 21,8) Der Tod, aus dem es keine Auferstehung mehr gibt: die ewige Verdammnis am Tag des letzten Gerichts. 22 ( Tofet) (2. Kön 23,10; Jer 7,31.32; 19,6.11-13) Die Stätte des Molochkults im Hinnomtal bei Jerusalem (-> Moloch). 23 ( Totenklage) Die Trauer um einen Verstorbenen wurde im Altertum durch laut ausgestoßene Klagerufe zum Ausdruck gebracht (Jer 22,18). Man beschränkte sich jedoch nicht auf den Ausdruck persönlicher Trauer, sondern ließ die Totenklage auch von eigens dafür bestellten Personen ausüben (»Klageweiber«, Jer 9,16). Ihre normale Dauer betrug sieben Tage, für besonders angesehene Verstorbene dreißig Tage (5. Mose 34,18). 24 ( Totenreich) Unterirdischer Aufenthaltsbereich der Verstorbenen, die dort in schattenhafter Weise weiterleben (Hes 32,17-32). In der Offenbarung an Johannes (1,18; 20,13) ist die Totenwelt das Reich, in dem der Tod herrscht, der Aufenthaltsort der Toten bis zur Auferstehung. 25 ( Tragakant) Wie Mastix und Ladanum Gewürzstoff aus dem Harz gewisser Bäume oder Sträucher, auch zum Räuchern gebraucht. 26 ( Trankopfer) -> Opfer. 27 ( Trauer (-bräuche, -brot) Die Trauer um einen Verstorbenen wird im alten Israel außer durch die -> Totenklage durch eine Anzahl auffallender Trauerbräuche zum Ausdruck gebracht. Man zerreißt die Kleidung, legt den -> »Sack« an, nimmt den Turban ab und läßt Haar und Bart ungepflegt. Auf den Kopf streut man sich Staub oder Asche, schlägt sich an Brust oder Hüften, rauft sich das Haar oder schneidet es ab und fügt sich Schnittwunden zu. Ähnlich ist das Verhalten bei einem Unglücksfall. Das »Trauerbrot« (Jer 16,7; Hes 24,17) soll - als Gabe der Nachbarn und Freunde - nach einer Zeit des Fastens den oder die Trauernden in die Welt der Lebenden zurückholen. 28 ( Tröster) Im Johannesevangelium wird der heilige -> Geist der Tröster oder Helfer genannt, der Jesus vertritt, wenn er zum Vater geht (Joh 14,16). Er führt das Werk Jesu weiter, aber so, daß in ihm kein anderer als Jesus selbst zur Gemeinde kommt (Joh 14,18; vgl. 15,26). 29 ( Tubal) -> Meschech. 30 ( Tüpfelchen) (Mt 5,18; Lk 16,17) Ein Strich, ein Häklein an einem Buchstaben. 21 (- U -) 1 ( Ulai) (Dan 8,12) Ein Fluß in Persien. 2 ( unbeschnitten, Unbeschnittene) Die -> Beschneidung gilt in Israel als Zeichen des -> Bundes mit Gott. >Unbeschnitten< kann deshalb zu einem Schimpfwort werden für Angehörige von Völkern, die nicht wie Israel in einem besonderen Verhältnis zu Gott stehen. Es kann sogar auf Völker angewandt werden, die selbst die Beschneidung geübt haben (Ägypten und Tyrus = Phönizien in Hes 32). Entstanden ist das Schimpfwort wahrscheinlich in der Auseinandersetzung mit den -> Philistern, die als die nächsten Nachbarn den Israeliten lange Zeit schwer zu schaffen machten (vgl. 1. Sam 17,26). 3 ( unrein, Unreinheit) -> rein. 4 ( ungesäuert) -> Brot, ungesäuertes; -> Sauerteig. Zum Fest der ungesäuerten Brote -> Passa. 5 ( Unzucht) Das Wort bezeichnet im Neuen Testament vor allem den Verkehr mit Prostituierten, aber darüber hinaus in einem umfassenden Sinn Vergehen im Bereich der Sexualität. Gelegentlich bezieht es sich auf Ehen innerhalb bestimmter Verwandtschaftsgrade, die nach dem Gesetz Moses verboten waren (so wohl Offb 2,20; Mt 5,32; 19,9). Hierher gehört die Vorschrift von Apg 15,20.29, die im Zusammenhang steht mit anderen Vorschriften, die sich sämtlich in 3. Mose 17 finden: das Verbot des Götzenopfers (17,7), das Verbot des Blutgenusses (17,10-12) und des Genusses von ungeschächteten Tieren (17,13-16). Alle diese Vorschriften gelten nicht nur für die Israeliten, sondern ebenso für die Fremden, die unter ihnen leben (17,8.10.13.15; 18,26). Nach Apg 15,20 wurden sie auch den Christen aus nicht-jüdischen Völkern auferlegt - offensichtlich aus Rücksicht auf die gesetzestreuen Judenchristen, die sich sonst durch den Umgang mit ihnen verunreinigt hätten (-> rein). Im übertragenen Sinn bezeichnet »Unzucht« seit Hosea (1,2; 3,1) den Ungehorsam gegenüber Gott und die Zuwendung zu anderen Göttern, die in Kanaan oft zugleich mit sexueller Zügellosigkeit verbunden war (-> Baal). 22 (- V -) 1 ( Verlobung) (Mt 1,18; Lk 1,27; 2,5) Die jüdische Verlobung stellt ein rechtsverbindliches Eheversprechen dar. Die eheliche Gemeinschaft wird erst nach der Heimholung der Braut durch den Bräutigam (d. h. nach der Hochzeit) aufgenommen. 2 ( verschneiden, Verschnittener) Hofbeamte waren in manchen Teilen der Alten Welt Eunuchen, d. h. künstlich zeugungsunfähig gemacht (dazu zählt auch der Kämmerer in Apg 8,27). Ein solcher Eingriff war für das Empfinden des antiken Menschen vor allem deshalb schwerwiegend, weil er das Fortleben in den Nachkommen unmöglich machte. In Israel war der Eunuch überdies vom Tempelgottesdienst ausgeschlossen; er durfte allenfalls den äußeren Vorhof betreten (5. Mose 23,2). Erst allmählich bahnt sich ein Wandel der Auffassung an (Jes 56,3-5; Weish 3,14). 3 ( Versöhnungstag) -> Feste. 4 ( Vorderasien) In den Makkabäerbüchern keine geographische Bezeichnung, sondern das Seleuzidenreich, das 312 v. Chr. aus dem asiatischen Teil des Alexanderreichs entstanden ist. »Asien« bezeichnet in 2. Makk 10,24 einen nicht näher bestimmten Teil des Seleuzidenreichs, vielleicht Zilizien; zum Neuen Testament -> Asien. 5 ( Vorhof) -> Tempel. 23 (- W -) 1 ( Wagen (Streitwagen) Eine zugleich bewegliche und >schwere< Waffengattung. Der Streitwagen war in der Regel mit zwei Mann besetzt, dem Wagenlenker und dem Schützen; gelegentlich kam noch ein Schildhalter dazu. Manchmal waren die Radnaben mit Sicheln bestückt, die, wenn sie in ein Heer hineinfuhren, die Gegner zerfetzten. 2 ( Wahrheit) >Wahr< kann im Hebräischen nicht nur eine Aussage sein, sondern auch eine Person oder Sache. Wahr ist etwas, wenn es hält, was es verspricht; Wahrheit meint Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Treue, haltgebende Wirklichkeit. Diese Art von Wahrheit kommt vor allem Gott zu; in Römer 3,7 und 15,8 muß das Wort geradezu mit »(Bundes-)Treue« übersetzt werden. Bei Johannes bezeichnet >Wahrheit< die in Jesus zugängliche Wirklichkeit Gottes, die für die Menschen Freiheit (Joh 8,31.32), Licht (3,21) und Leben (14,6) bedeutet. Nach Jesu Abschied bleibt die >Wahrheit< durch den -> Geist Gottes zugänglich, ja wird jetzt erst recht erschlossen (16,12-15); sie muß das Leben der Glaubenden bestimmen (4,23.24; 1. Joh 1,6.8; 2,4). 3 ( Walker) (Jes 7,3) Er bearbeitete Stoffe in einem laugehaltigen Wasser durch Stampfen und Schlagen, bis die Härchen sich verfilzten. 4 ( Wallen) a) = überwallen (Ps 46,4); b) = wallfahren, eine Wallfahrt machen (Ps 42,5). 5 ( Wasser, lebendiges) In 1. Mose 26,19; Jer 2,13 Quellwasser; als Bild bleibenden Lebens gebraucht in Sach 14,8; Joh 4,10; 7,38; vgl. Offb 7,17; 21,6; 22,1.17. 6 ( weben; leben und weben) (1. Mose 1,21; Hes 47,9; Apg 17,28) Sich regen und bewegen. 7 ( Weberbaum) (1. Sam 17,7) So heißen die Querstangen an den beiden Enden des Webstuhls, an denen die Kettfäden befestigt wurden. Sie konnten eine beträchtliche Dicke erreichen. 8 ( Weihrauch) Ein weißes Baumharz, dessen Verbrennung einen kräftigen, würzigen Duft verbreitet. Zum >Räuchern< im Jerusalemer Tempel wurde eine besondere Weihrauchmischung verwendet (2. Mose 30,34-38). Gold, Weihrauch und -> Myrrhe (Mt 2,11) sind Gaben, die eines Königs würdig sind. 9 ( Weise) Das so übersetzte griechische Wort (magoi = unser >Magier<) bezeichnete zunächst die Mitglieder einer persischen Priesterkaste, die sich mit Sternkunde und Astrologie befaßten, sodann allgemein babylonische und sonstige Astrologen. 10 ( Welt, diese) Die Welt ist Gottes Schöpfung (Joh 1,1-3), und Gott hat die Welt so geliebt, daß er ihr seinen einzigen Sohn sandte (Joh 3,16). Weil aber die Welt die Finsternis mehr liebt als das Licht (3,19) und das Lebenswasser (4,10) und Lebensbrot (6,35) von sich weist, d. h. Jesus nicht aufnimmt, wird sie zu »dieser Welt«: der finsteren Welt, deren Herrscher der -> Satan ist (12,31), der Welt, die unter dem Gericht Gottes steht (3,19). Daß >diese Welt< von der Macht des Bösen beherrscht ist, kommt auch an anderen Stellen des Neuen Testaments zum Ausdruck (Gal 1,4; Eph 6,12). Wer durch Christus von seinen Sünden befreit und neugemacht worden ist, ist schon jetzt der Macht des Bösen entrissen und zählt nicht mehr zu >dieser Welt<, auch wenn er noch in ihr lebt. Er zeigt das durch ein gewandeltes Verhalten (Röm 12,2; 1. Kor 5,9-11); aber er wartet zugleich auf die neue Welt, in der das Gute die einzige Macht ist (2. Petr 3,13). 11 ( worfeln, Worfschaufel) Mit einer Worfschaufel warf man bei Wind das gedroschene Getreide in die Luft, um es von der Spreu zu trennen. 12 ( Wort, Das) (Joh 1,1-4.14) Im griechisch- sprechenden Judentum gab es zur Zeit des Neuen Testaments Vorstellungen über die >Weisheit< Gottes: Sie galt als erstes Geschöpf und als Mittlerin bei der Schöpfung, denn durch sie wurde die Welt geschaffen (vgl. Spr 8,22-31; Sir 1,4.9). Sie stieg dann zu den Menschen herunter, wurde von ihnen verworfen und kehrte wieder zu Gott zurück. In ähnlicher Weise konnte auch vom >Wort< gesprochen werden. Joh 1,1-18 erinnert an solche Aussagen. Doch wird hier gesagt, daß das Wort nicht erstes Geschöpf, sondern von allem Anfang an bei Gott war, und im Gegensatz zu jenen Gedanken heißt es hier, daß das Wort, das selbst Gott ist, in Jesus Christus wirklicher Mensch wurde. Durch >das Wort< wurde die Welt geschaffen, und durch >das Wort< spricht Gott zu seiner Welt. Ist Jesus >das Wort<, so wird damit bezeugt, daß in ihm wirklich Gott selbst den Menschen begegnet. 24 (- Y -) 1 ( Ysop) (2. Mose 12,22; 4. Mose 19,18; Ps 51,9; Joh 19,29) Ein Strauch, dessen Büschel bei der kultischen Reinigung zur Besprengung gebraucht wurden. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem Ysopkraut, das auch beim Passafest verwendet wird, nicht um den echten Ysop, der in Palästina nicht vorkommt, sondern um Majoran. Wenn in Joh 19,29 an diese Pflanze gedacht ist, muß man sich das Kreuz sehr niedrig vorstellen. 25 (- Z -) 1 ( Zebaoth) (2. Sam 5,10; 1. Kön 22,19; Hos 12,6; Am 3,13) »Gott Zebaoth« heißt »Gott der Heerscharen«. Dabei ist wohl nicht an die Heerscharen Israels (1. Sam 17,45) gedacht, sondern an himmlische Scharen (Engel; Lk 2,13). 2 ( Zehn Städte) Zur Zeit Jesu ein Verband von (ursprünglich zehn) überwiegend ostjordanischen Städten mit hauptsächlich nichtjüdischer Bevölkerung. Das Gebiet galt als heidnischer Fremdkörper im Heiligen Land. 3 ( Zehnter) Der zehnte Teil vom Ernteertrag (Korn, Wein, Öl) mußte als Gabe an Gott und zum Unterhalt der Priester ans Heiligtum abgeliefert werden. Später wurden auch die Armen bedacht. Auch vom Vieh wurde später der Zehnte entrichtet. Dahinter steht wie bei der Gabe der -> Erstgeburt und der -> Erstlinge der Gedanke, daß aller Ernte- und Viehsegen Gott zu verdanken ist. Weil im 4. und 5. Mosebuch die Zehntgesetze verschiedener Zeiten überliefert sind (4. Mose 18,20-32; 5. Mose 14,22-29), konnte man im Judentum aus diesem Nebeneinander die Einrichtung eines zweiten und dritten Zehnten ableiten (Tob 1,6-8). Die -> Pharisäer gaben den Zehnten selbst vom Ertrag der kleinsten Gartenkräuter (Mt 23,23) und von ihren sämtlichen Einkünften (Lk 18,12). 4 ( Zeloten) Diese jüdische Partei der >Eiferer< verweigerte aus religiösen Gründen die Unterwerfung unter das heidnische Römerreich und lehnte es ab, den Römern Steuern zu bezahlen (vgl. Mk 12,13-17). Sie erwarteten ein nationalistisches Reich unter einem neuen -> David. Den Anbruch dieses messianischen Reiches versuchten sie durch gewalttätige Aktionen herbeizuzwingen. Die Zeloten standen hinter den Aufständen gegen Rom, die 70 n. Chr. zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer führten. Unter den Jüngern Jesu war neben dem ehemaligen Zollbeamten, der mit der Besatzungsmacht zusammengearbeitet hatte, auch ein früheres Glied dieser Untergrundbewegung. Simon der Zelot (»Eiferer« Lk 6,15; Apg 1,13). 5 ( Zeltmacher) (Apg 18,3) Es ist nicht sicher auszumachen, ob Paulus und sein Berufsgenosse Aquila Zelttuch oder Decken, etwa Ziegenhaartücher, hergestellt haben. Paulus legt Wert darauf, daß er sich seinen Unterhalt mit eigener Hand verdient (1. Kor 9). 6 ( Zeus) Oberster Gott der Griechen, bei den Römern mit Jupiter gleichgesetzt. 7 ( Zilizien) Landschaft in Kleinasien. Wichtiges Gebiet auf dem Weg nach Syrien. Offensichtlich berühmt wegen seiner Pferdezucht (1. Kön 10,28). Die Hauptstadt war Tarsus. 8 ( Zimbel) (2. Sam 6,5; Ps 150,5) Schlaginstrument in Tellerform. Bestandteil der Tempelmusik. 9 ( Zinne) Mauerzinne. Die Zinne des Tempels (Mt 4,5) war vielleicht ein Balkon an der mächtig aufragenden Mauer, die den Tempelplatz trug. 10 ( Zion) Ursprünglicher Name der von David eroberten Jebusiterfestung (2. Sam 5,7), der dann so genannten »Davidsstadt«. Später geht der Name auf den Tempelberg über und wird schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. 11 ( Zoan) (Ps 78,12; Jes 19,13; 30,4) Eine Stadt im östlichen Teil des Nildeltas. 12 ( Zölesyrien) (1. Makk 10,69; 2. Makk 3,5) Der südliche Teil des Seleuzidenreichs mit Damaskus als Hauptort. 13 ( Zöllner) Zur Zeit des Neuen Testaments wurden in Palästina die Zölle eines Bezirks, wie Marktzölle, Grenzzölle usw. verpachtet, wahrscheinlich an den Meistbietenden. Die Pächter ihrerseits hatten wieder Unterpächter angestellt. Auch sie mußten einen bestimmten Betrag abliefern, kassierten jedoch den Zoll in die eigene Tasche. Es gab zwar feste Tarife, doch verleitete dieses System zum Betrug. Kein Wunder, daß die Zöllner Dieben und Räubern gleichgestellt waren. Da die Zolleinnehmer überdies im Dienst der heidnischen (römischen) Besatzungsmacht standen und durch ihren Beruf viel Kontakt mit Nichtjuden hatten, galten sie als »unrein« (-> rein). Von den Frommen wurden sie verachtet und gehaßt. 14 ( Zuchtmeister) (Gal 3,24.25) Der Sklave, der im vornehmen griechischen Haus mit der Erziehung der Knaben beauftragt war; von Paulus als Bild für den Dienst benutzt, den das fordernde Gesetz Gottes tun sollte. 15 ( Zunge, Zungenrede) Das Wort für Zunge bedeutet in den biblischen Ursprachen zugleich »Sprache« (1. Mose 11). Als eine Gabe des -> Geistes galt in den ersten Christengemeinden das Reden »in Zungen« (Apg 10,46; 19,6; 1. Kor 14,2): ein Reden oder Beten in der Verzückung (Ekstase), in Lauten, die ohne Auslegung nicht verständlich sind. In der Gemeinde von Korinth (1. Kor 14) wurde diese Gabe als ein besonders wertvoller Erweis des Geistes angesehen und von einem Teil der Gemeindeglieder stark überschätzt. Eine neue Art geistgewirkten Redens »in Zungen« (= verständlichen Sprachen) bezeugt Apg 2,4. Nach heutigen Erfahrungen geschieht das »Zungenreden« bei vollem Bewußtsein, jedoch so, daß der Sprecher sich dem Wirken des Geistes öffnet. Es wird von einer wachsenden Zahl als eine Weise des Gebets und als Mittel persönlicher Erbauung geschätzt. 16 ( Zyperblume) (Hld 1,14; 4,13) Wohlriechende, traubenförmige Blüte, auch zum Färben benutzt (Hennatraube).