03-Karma Yoga ============= Exported from Holy-Writings.com on 2026-06-18 1 clipping 1. DRITTES KAPITEL Karma-yoga VERS 1 Arjuna sprach: O Janardana, o Kesava, warum drängst Du mich, an diesem schrecklichen Kriegshandwerk teilzunehmen, wenn Du glaubst, dass Intelligenz besser sei als fruchtbringende Arbeit? ERLÄUTERUNG Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, hat im vorangegangenen Kapitel die Beschaffenheit der Seele sehr ausführlich beschrieben, um Seinen vertrauten Freund Arjuna aus dem Ozean des materiellen Elends zu erretten. Als Pfad der Erkenntnis wurde buddhi-yoga oder Krsna- Bewusstsein empfohlen. Manchmal wird Krsna-Bewusstsein als Untätigkeit mißverstanden, und oft zieht sich jemand, der einem solchen Irrtum unterliegt, an einen einsamen Ort zurück, um dort durch das Chanten von Sri Krsnas Heiligem Namen völlig Krsna-bewusst zu werden. Doch ohne in der Philosophie des Krsna-Bewusstseins geschult zu sein, ist es nicht ratsam, den Heiligen Namen Krsnas an einem abgelegenen Ort zu chanten, wo man nichts weiter als die billige Bewunderung der unschuldigen Öffentlichkeit gewinnen mag. Auch Arjuna hielt Krsna- Bewusstsein oder buddhi-yoga, das heißt Intelligenz, um im spirituellen Wissen fortzuschreiten, für so etwas wie Sichzurückziehen vom aktiven Leben und die Auferlegung von Buße und Enthaltung an einem abgelegenen Ort. Mit anderen Worten: Er wollte geschickt den Kampf vermeiden, indem er Krsna-Bewusstsein als Entschuldigung benutzte; doch als ernsthafter Schüler brachte er die Angelegenheit vor seinen Meister und fragte Krsna, wie er am besten handeln solle. Als Antwort erklärte Sri Krsna in diesem Dritten Kapitel ausführlich karma-yoga oder Arbeit im Krsna-Bewusstsein. VERS 2 Meine Intelligenz ist durch Deine zweideutigen Unterweisungen verwirrt. Sage mir deshalb bitte eindeutig, was das beste für mich ist. ERLÄUTERUNG Im vorherigen Kapitel wurden als Einleitung zur Bhagavad-Gita viele verschiedene Pfade erklärt, so zum Beispiel sankhya-yoga, buddhi-yoga, die Beherrschung der Sinne durch Intelligenz, Handeln ohne den Wunsch nach fruchttragenden Ergebnissen und die Stellung des Neulings. All dies wurde unsystematisch vorgetragen. Um danach zu handeln und es zu verstehen, wäre eine geordnetere Beschreibung der Pfade notwendig. Arjuna wollte daher diese offenbar verwirrenden Unterweisungen klären, damit jeder gewöhnliche Mensch sie ohne Fehlinterpretation annehmen könnte. Obwohl Krsna nicht die Absicht hatte, Arjuna durch Wortspielereien zu verwirren, vermochte Arjuna dem Vorgang des Krsna-Bewusstseins nicht zu folgen - weder durch Untätigkeit noch durch aktiven Dienst. Mit anderen Worten: Durch seine Fragen erhellt er den Pfad des Krsna-Bewusstseins für alle Schüler, die ernsthaft bemüht sind, das Mysterium der Bhagavad-Gita zu verstehen. VERS 3 Der Höchste Herr sprach: O sündloser Arjuna, Ich habe bereits erklärt, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt, die den Herrn, das Höchste Selbst, erkennen. Einige neigen dazu, Ihn durch empirische, philosophische Spekulation zu verstehen, und andere sind geneigt, Ihn durch hingebungsvolle Arbeit zu erkennen. ERLÄUTERUNG Im Zweiten Kapitel, Vers 39, erklärte der Herr zwei Vorgänge: sankhya-yoga und karma-yoga oder buddhiyoga. Im vorliegenden Vers erklärt der Herr das gleiche etwas deutlicher. Mit sankhya-yoga oder dem analytischen Studium der spirituellen und materiellen Natur befassen sich solche Menschen, die geneigt sind, zu spekulieren und Dinge durch experimentelles Wissen und Philosophie zu verstehen. Die anderen arbeiten im Krsna-Bewusstsein, wie in Vers 61 des Zweiten Kapitels erklärt wird. In Vers 39 hat der Herr erklärt, dass man von den Fesseln des Handelns befreit werden kann, wenn man nach den Grundsätzen des buddhi-yoga oder Krsna-Bewusstseins arbeitet; außerdem ist dieser Vorgang fehlerlos. Das gleiche Prinzip wird in Vers 61 noch deutlicher erklärt, dass nämlich dieser buddhiyoga bedeutet, vollständig vom Höchsten (oder genauer von Krsna) abhängig zu sein, und dass auf diese Weise alle Sinne sehr leicht unter Kontrolle gebracht werden können. Deshalb sind beide yogas, genau wie Religion und Philosophie, voneinander abhängig. Religion ohne Philosophie ist sentimental oder zuweilen sogar Fanatismus, wohingegen Philosophie ohne Religion nichts weiter als gedankliche Spekulation ist. Das endgültige Ziel ist Krsna, denn auch die Philosophen, die ernsthaft nach der Absoluten Wahrheit suchen, kommen letztlich zum Krsna- Bewusstsein. Dies wird ebenfalls in der Bhagavad-Gita bestätigt. Der ganze Vorgang besteht darin, die wirkliche Stellung des Selbst in Beziehung zum Überselbst zu verstehen. Der indirekte Vorgang ist philosophische Spekulation, wodurch man allmählich zur Stufe des Krsna- Bewusstseins kommen mag, und der andere Vorgang besteht darin, durch Krsna-Bewusstsein zu allem eine direkte Beziehung herzustellen. Von diesen beiden ist der Pfad des Krsna-Bewusstseins der bessere, da er nicht davon abhängt, die Sinne durch einen philosophischen Vorgang zu läutern. Krsna-Bewusstsein selbst ist der Läuterungsvorgang, und durch die direkte Methode des hingebungsvollen Dienens ist es einfach und erhaben zugleich. VERS 4 Nicht dadurch, dass man sich einfach von Arbeit fernhält, kann man Freiheit von Reaktionen erlangen; noch kann man durch Entsagung allein Vollkommenheit erreichen. ERLÄUTERUNG Den Lebensstand der Entsagung kann man annehmen, wenn man durch die Erfüllung der vorgeschriebenen Pflichten, die nur festgelegt sind, um die Herzen materialistischer Menschen zu reinigen, geläutert worden ist. Ohne geläutert zu sein, kann man keinen Erfolg haben, indem man unvermittelt die vierte Stufe des Lebens (sannyasa) annimmt. Nach Meinung der empirischen Philosophen wird man dadurch, dass man einfach sannyasa annimmt oder sich von fruchtbringenden Tätigkeiten zurückzieht, sogleich so gut wie Narayana. Sri Krsna jedoch billigt diese Auffassung nicht. Ohne eine Läuterung des Herzens ist sannyasa nur eine Störung für die soziale Ordnung. Wenn sich aber jemand dem transzendentalen Dienst des Herrn widmet, auch ohne seine vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, nimmt der Herr entgegen, was immer derjenige imstande sein mag zu tun (buddhi-yoga). "Auch wenn man diesem Prinzip nur in geringem Maße nachkommt, wird man befähigt, große Schwierigkeiten zu überwinden." (Bg. 2.40) VERS 5 Alle Menschen sind gezwungen, hilflos nach dem Drängen zu handeln, die von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur hervorgerufen werden; deshalb kann niemand auch nur für einen Augenblick aufhören, etwas zu tun. ERLÄUTERUNG Das Lebewesen ist nicht nur im verkörperten Leben aktiv; vielmehr ist es das Wesen der Seele, immer aktiv zu sein. Ohne die Gegenwart der spirituellen Seele kann sich der materielle Körper nicht bewegen. Der Körper ist nur ein totes Fahrzeug, das von der spirituellen Seele bewegt werden muss, die immer aktiv ist und nicht einmal für einen Augenblick innehalten kann. Infolgedessen muss die Seele mit den positiven Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins beschäftigt werden; andernfalls wird sie in Tätigkeiten beschäftigt, die ihr die illusionierende Energie diktiert. In Berührung mit der materiellen Energie nimmt die spirituelle Seele materielle Erscheinungsweisen an, und um die Seele von diesen Verbindungen zu reinigen, ist es notwendig, die in den sastras niedergelegten vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen. Wenn die Seele sich in ihrer natürlichen Funktion des Krsna-Bewusstseins betätigt, ist alles, was sie zu tun imstande ist, gut für sie. Dies wird im Srimad-Bhagavatam (1.5.17) wie folgt bestätigt: "Wenn sich jemand dem Krsna-Bewusstsein zuwendet, entsteht niemals für ihn ein Verlust oder Nachteil - selbst wenn er den vorgeschriebenen Pflichten, die in den sastras niedergelegt sind, nicht folgt noch seinen hingebungsvollen Dienst richtig ausführt oder sogar von seiner Stufe herabfallen mag. Doch was nutzt es ihm, wenn er zwar alle in den sastras angegebenen Vorschriften zur Läuterung befolgt, aber nicht Krsna-bewusst ist?" Der Läuterungsvorgang ist also notwendig, um die Stufe des Krsna-Bewusstseins zu erreichen. Daher ist sannyasa oder jeder andere Läuterungsvorgang dafür bestimmt, dem Menschen zu helfen, das endgültige Ziel zu erreichen, nämlich Krsna-bewusst zu werden; andernfalls ist das ganze Leben ein Fehlschlag. VERS 6 Wer seine Sinne und seine aktiven Organe zurückhält, aber in Gedanken bei Sinnesobjekten weilt, betrügt sich gewiss selbst und ist ein Heuchler. ERLÄUTERUNG Es gibt viele Heuchler, die es ablehnen, im Krsna- Bewusstsein tätig zu sein, aber vorgeben zu meditieren, während sie tatsächlich in Gedanken in Sinnengenuss schwelgen. Solche Heuchler mögen auch über trockene Philosophie sprechen, um ihre pseudointellektuellen Anhänger zu bluffen; doch nach der Aussage dieses Verses sind sie die größten Betrüger. Für Sinnengenuss kann man jeden beliebigen Beruf in der Gesellschaft ausüben, doch kann man, wenn man den Regeln und Regulierungen seines bestimmten Standes folgt, seine Existenz allmählich läutern. Wer jedoch vorgibt, ein yogí zu sein, während er in Wirklichkeit nach Objekten der Sinnenbefriedigung Ausschau hält, muss als der größte Betrüger bezeichnet werden, auch wenn er manchmal über Philosophie spricht. Sein Wissen hat keinen Wert, weil dem Wissen eines solch sündigen Menschen von der illusionierenden Energie des Herrn die Wirkung genommen wird. Der Geist eines solchen Heuchlers ist immer unrein, und daher hat seine Zurschaustellung yogischer Meditation nicht den geringsten Wert. VERS 7 Dagegen ist derjenige, der die Sinne durch den Geist beherrscht und seine aktiven Organe, ohne anzuhaften, in Werken der Hingabe beschäftigt, weitaus höher einzustufen. ERLÄUTERUNG Anstatt ein Pseudo-Transzendentalist zu werden und nach einem ausschweifenden Leben und Sinnengenuss zu trachten, ist es weitaus besser, in seinem jeweiligen Aufgabenbereich zu bleiben und den Sinn des Lebens zu erfüllen, der darin besteht, aus der materiellen Knechtschaft frei zu werden und in das Königreich Gottes einzugehen. Das vornehmlichste svartha-gati oder Ziel des Selbstinteresses besteht darin, Visnu zu erreichen. Die gesamte Einrichtung des varna und asrama ist so angelegt, dass sie uns hilft, dieses Lebensziel zu erreichen. Auch ein Haushälter kann dieses Ziel durch geregelten Dienst im Krsna-Bewusstsein erreichen. Um selbstverwirklicht zu werden, sollte man ein gezügeltes Leben führen, so wie es in den sastras vorgeschrieben wird, und fortfahren, seiner Beschäftigung ohne Anhaftung nachzugehen, um auf diese Weise Fortschritte zu machen. Ein aufrichtiger Mensch, der dieser Methode folgt, ist weitaus besser als ein falscher Heuchler, der fadenscheinigen Spiritualismus zur Schau stellt, um die unschuldige Öffentlichkeit zu betrügen. Ein ehrlicher Straßenfeger ist weitaus besser als ein Scharlatan, der nur meditiert, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. VERS 8 Erfülle deine vorgeschriebene Pflicht, denn es ist besser zu handeln, als untätig zu sein. Ohne Arbeit kann ein Mensch nicht einmal seinen physischen Körper erhalten. ERLÄUTERUNG Es gibt viele Pseudo-Meditierende, die vorgeben, von einer hohen Familie abzustammen, und überaus berufstüchtige Personen, die sich den Anschein geben, alles für den Fortschritt im spirituellen Leben geopfert zu haben. Sri Krsna wollte nicht, dass Arjuna zum Heuchler wurde, sondern dass er seine vorgeschriebenen Pflichten so erfüllte, wie sie für ksatriyas festgelegt sind. Arjuna war Haushälter und General, und deshalb war es für ihn besser, dies zu bleiben und seine religiösen Pflichten zu erfüllen, wie sie einem Haushälter-ksatriya vorgeschrieben sind. Solche Tätigkeiten läutern allmählich das Herz eines weltlichen Menschen und befreien ihn von materieller Verunreinigung. Sogenannte Entsagung, mit dem Ziel, für den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, wird weder vom Herrn noch von irgendeiner religiösen Schrift gebilligt. Schließlich muss man Körper und Seele durch irgendeine Arbeit zusammenhalten. Man sollte seine Arbeit nicht launenhaft, ohne von materialistischen Neigungen geläutert zu sein, aufgeben. Jeder, der sich in der materiellen Welt aufhält, hat mit Sicherheit die unreine Neigung, die materielle Natur zu beherrschen, das heißt, nach Sinnenbefriedigung zu streben. Diese unreinen Neigungen müssen geläutert werden. Ohne dies zu tun, und zwar durch vorgeschriebene Pflichten, sollte man niemals versuchen, ein so genannter Transzendentalist zu werden, seiner Arbeit zu entsagen und auf Kosten anderer zu leben. VERS 9 Man muss seine Arbeit Visnu als Opfer darbringen, denn sonst wird man durch sie an die materielle Welt gebunden; o Sohn Kuntis, erfülle daher deine vorgeschriebenen Pflichten zu Seiner Zufriedenstellung; auf diese Weise wirst du immer unangehaftet und frei von Knechtschaft bleiben. ERLÄUTERUNG Man muss sogar für die bloße Erhaltung des Körpers arbeiten. Deshalb muss ein Mensch seiner sozialen Stellung und seinen Eigenschaften entsprechend bestimmte Pflichten erfüllen, so dass er seinen Körper erhalten kann. Yajna bedeutet Sri Visnu oder Opferdarbringungen. Alle Opferhandlungen sind auch für die Zufriedenstellung Sri Visnus bestimmt. Die Veden schreiben vor: Yajno vai VisnuÉ. Mit anderen Worten: Ob man die vorgeschriebenen Yajnas ausführt oder Sri Visnu unmittelbar dient - es wird der gleiche Zweck erfüllt. Krsna-Bewusstsein bedeutet daher, Yajnas durchzuführen, wie es in diesem Vers vorgeschrieben wird. Die varnasrama-Einrichtung hat ebenfalls dieses Ziel, um Visnu zufriedenzustellen. Deshalb muss man für die Zufriedenstellung Visnus arbeiten. Jede andere Arbeit, die man in der materiellen Welt verrichtet, ist die Ursache von Knechtschaft, denn sowohl gute als auch schlechte Werke haben ihre Reaktionen, und jede Reaktion bindet den Handelnden. Daher muss man im Krsna-Bewusstsein handeln, um Krsna oder Visnu zufriedenzustellen, und während man solchen Tätigkeiten nachgeht, befindet man sich auf der Stufe der Befreiung. Das ist die große Kunst des Handelns, und am Anfang erfordert dieser Vorgang sehr kundige Führung. Daher sollte man sehr besonnen handeln und sich entweder von einem Geweihten Krsnas führen lassen oder direkt den Unterweisungen Sri Krsnas folgen (Arjuna hatte die Gelegenheit dazu). Nichts sollte für Sinnenbefriedigung, sondern alles sollte für Krsnas Befriedigung getan werden. Diese Handlungsweise wird einen nicht nur vor den Reaktionen bewahren, die auf die eigenen Handlungen folgen, sondern wird einen auch allmählich auf die Ebene des transzendentalen liebevollen Dienstes für den Herrn erheben. Nur durch hingebungsvolles Dienen kann man in das Königreich Gottes zurückkehren. VERS 10 Am Anfang der Schöpfung sandte der Herr aller Geschöpfe Generationen von Menschen und Halbgöttern zusammen mit Opfern für Visnu aus und segnete sie, indem Er sprach: Möget ihr durch diesen Yajna [Opfer] glücklich werden, denn seine Durchführung wird euch alle wünschenswerten Dinge bescheren. ERLÄUTERUNG Der Herr aller Geschöpfe (Visnu) bietet den bedingten Seelen durch die materielle Schöpfung eine Möglichkeit, nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. Alle Lebewesen in der materiellen Schöpfung sind durch die materielle Natur bedingt, weil sie ihre Beziehung zu Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, vergessen haben. Die vedischen Prinzipien sollen uns helfen, diese ewige Beziehung zu verstehen, wie es in der Bhagavad-Gita (15.15) heißt: vedaiè ca sarvair aham eva vedyaÉ. Der Herr sagt, dass es der Zweck der Veden ist, Ihn zu verstehen. In den vedischen Hymnen heißt es: Daher ist der Herr der Lebewesen die Höchste Persönlichkeit Gottes, Visnu. Auch im Srimad-Bhagavatam (2.4.20) beschreibt Srila Rupa Sukadeva GosvamÖ den Herrn als pati: "Möge Sri Krsna, der Herr, mit mir Erbarmen haben - Er ist der verehrenswerte Herr aller Geweihten, der Schutzherr und Ruhm aller Könige, wie Andhaka und Vrsni aus der Yadu-Dynastie, der Gemahl aller Glücksgöttinnen, der Leiter aller Opfer und daher der Führer aller Lebewesen, der Lenker aller Intelligenz, der Besitzer aller Planeten, der spirituellen sowie der materiellen, und die höchste Inkarnation auf Erden (das Höchste Alles-in-Allem)." Sri Visnu ist der praja-pati, und Er ist der Herr aller lebenden Geschöpfe, aller Welten, aller Schönheiten und der Beschützer eines jeden. Der Herr erschuf die materielle Welt für die bedingten Seelen, damit sie lernen, wie man Yajnas oder Opfer für die Zufriedenstellung Visnus darbringt, so dass sie während ihres Aufenthalts in der materiellen Welt bequem und sorglos leben können. Dann können sie nach Verlassen des gegenwärtigen materiellen Körpers in das Königreich Gottes eingehen. Das ist der ganze Plan für die bedingte Seele. Durch die Darbringung von Yajnas werden die bedingten Seelen allmählich Krsna bewusst und nehmen so in jeder Hinsicht göttliche Eigenschaften an. Für das jetzige Zeitalter des Kali wird von den vedischen Schriften der sankirtana-Yajna (das Chanten der Namen Gottes) empfohlen, und Sri Caitanya hat diesen transzendentalen Vorgang zur Befreiung aller Menschen in unserem Zeitalter eingeführt. Sankirtana-Yajna und Krsna-Bewusstsein lassen sich gut miteinander vereinbaren. Sri Krsna in Seiner hingebungsvollen Form (als Sri Caitanya) wird im Srimad-Bhagavatam (11.5.29) mit einem besonderen Hinweis auf den sankirtana-Yajna erwähnt. Es heißt dort: "Im Zeitalter des Kali werden die Menschen, die mit genügend Intelligenz ausgestattet sind, den Herrn, der von Seinen Gefährten begleitet wird, durch die Ausführung des sankirtana-Yajna verehren." Andere in den vedischen Schriften vorgeschriebene Yajnas sind in diesem Zeitalter des Kali nicht so leicht durchzuführen, doch der sankirtana-Yajna ist in jeder Hinsicht einfach und erhaben. VERS 11 Wenn die Halbgötter durch Opfer zufriedengestellt sind, werden sie auch euch erfreuen, und wenn somit ein gegenseitiger Austausch stattfindet, wird allgemeiner Wohlstand für alle herrschen. ERLÄUTERUNG Die Halbgötter sind bevollmächtigte Verwalter, die sich um materielle Angelegenheiten kümmern. Die Versorgung mit Luft, Licht, Wasser und allen anderen Segnungen für die Erhaltung des Körpers und der Seele eines jeden Lebewesens ist den Halbgöttern anvertraut, die unzählige Helfer in verschiedenen Teilen des Körpers der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind. Ihr Wohlgefallen und ihr Mißfallen hängt davon ab, ob die Menschen Yajnas durchführen. Einige der Yajnas sind dafür gedacht, bestimmte Halbgötter zufriedenzustellen; aber dennoch wird Sri Visnu in allen Yajnas als der höchste Nutznießer verehrt. In der Bhagavad-Gita (5.29) wird ebenfalls gesagt, dass Krsna Selbst der Nutznießer aller Arten von Yajnas ist: bhoktaram Yajna-tapasam. Deshalb ist die letztliche Zufriedenstellung des Yajna-pati der Hauptzweck aller Yajnas. Wenn diese Yajnas vollendet ausgeführt werden, sind natürlicherweise auch die Halbgötter erfreut, die für die verschiedenen Abteilungen der Versorgung verantwortlich sind, und so herrscht keine Knappheit in der Versorgung mit Naturprodukten. Die Ausführung von Yajnas hat viele Nebenvorteile, die letztlich zur Befreiung aus der materiellen Knechtschaft führen. Wie es in den Veden heißt, werden durch die Ausführung von Yajnas alle Tätigkeiten geläutert: Wie in dem folgenden Vers erklärt wird, werden durch die Ausführung von Yajna die Speisen geheiligt, und wenn man geheiligte Nahrung zu sich nimmt, läutert man sein gesamtes Dasein; durch eine Läuterung des Daseins werden die feineren Gewebe des Erinnerungsvermögens geheiligt, und wenn das Gedächtnis geweiht ist, kann man an den Pfad der Befreiung denken, und all dies zusammen führt zu Krsna-Bewusstsein, der großen Notwendigkeit für die heutige Gesellschaft. VERS 12 Die Halbgötter, die für die verschiedenen Notwendigkeiten des Lebens verantwortlich sind, versorgen den Menschen mit allem, was er braucht, wenn sie durch Yajna [Opfer] zufriedengestellt sind. Wer jedoch diese Gaben genießt, ohne sie zuvor den Halbgöttern als Opfer darzubringen, ist gewiss ein Dieb. ERLÄUTERUNG Die Halbgötter sind eingesetzte Bevollmächtigte, die im Auftrag Visnus, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, für die Versorgung zuständig sind. Deshalb müssen sie durch Darbringung vorgeschriebener Yajnas zufriedengestellt werden. In den Veden werden verschiedenartige Yajnas für verschiedenartige Halbgötter vorgeschrieben, doch werden alle Opfer letztlich der Höchsten Persönlichkeit Gottes dargebracht. Jemandem, der nicht verstehen kann, was die Persönlichkeit Gottes ist, werden Opfer zu den Halbgöttern empfohlen. Je nach ihren verschiedenen materiellen Eigenschaften werden den Menschen in den Veden verschiedene Arten von Yajnas empfohlen. Die Verehrung verschiedener Halbgötter findet ebenfalls auf dieser Grundlage statt - nämlich gemäß den verschiedenen Eigenschaften. Zum Beispiel wird den Fleischessern empfohlen, die Göttin Kali, die grausige Form der materiellen Natur, zu verehren und ihr Tieropfer darzubringen. Denen aber, die sich in der Erscheinungsweise der Tugend befinden, wird die transzendentale Verehrung Visnus empfohlen. Letztlich jedoch sind alle Yajnas dafür bestimmt, den Menschen allmählich auf die transzendentale Ebene zu erheben. Für gewöhnliche Menschen sind zumindest fünf Yajnas notwendig, die man als panca-mahaYajna kennt. Man sollte wissen, dass es die Beauftragten des Herrn, die Halbgötter, sind, die für alles sorgen, was für die menschliche Gesellschaft zum Leben notwendig ist. Niemand kann irgend etwas selbst herstellen. Nehmen wir zum Beispiel die Nahrungsmittel der menschlichen Gesellschaft; dazu gehören Getreide, Früchte, Gemüse, Milch, Zucker usw. für die Menschen in der Erscheinungsweise der Tugend sowie Fleisch usw. für die Nichtvegetarier, und all dies kann nicht von der menschlichen Gesellschaft hergestellt werden. Oder nehmen wir beispielsweise Wärme, Licht, Wasser und Luft, die ebenfalls zum Leben notwendig sind - nichts davon kann von der menschlichen Gesellschaft produziert werden. Ohne den Höchsten Herrn kann es kein Sonnenlicht, kein Mondlicht, keinen Regen und keinen Wind geben, ohne die niemand leben kann. Offensichtlich hängt unser Leben von der Versorgung durch den Herrn ab. Selbst für unsere Fabriken benötigen wir so viele Rohstoffe, wie Metall, Schwefel, Quecksilber, Mangan und eine Menge anderer unentbehrlicher Dinge, die uns alle von den Beauftragten des Herrn zur Verfügung gestellt werden, damit wir richtigen Gebrauch davon machen und uns gesund erhalten, um Selbsterkenntnis zu erlangen, die zum endgültigen Ziel des Lebens, nämlich zur Befreiung vom materiellen Kampf ums Dasein, führt. Dieses Ziel des Lebens wird erreicht, wenn man Yajnas ausführt. Wenn wir den Sinn des menschlichen Lebens vergessen und uns von den Beauftragten des Herrn nur für die Befriedigung unserer Sinne versorgen lassen und immer mehr in die materielle Existenz verstrickt werden, was nicht der Zweck der Schöpfung ist, werden wir ohne Zweifel zu Dieben und werden daher von den Gesetzen der materiellen Natur bestraft. Eine Gesellschaft von Dieben kann niemals glücklich sein, denn sie hat kein Ziel im Leben. Die grobmaterialistischen Diebe haben kein endgültiges Ziel im Leben. Ihr Interesse gilt einzig und allein der Befriedigung ihrer Sinne; auch wissen sie nicht, wie man Yajnas darbringt. Sri Caitanya jedoch führte den einfachsten Yajna ein, den sankirtana-Yajna, der von jedem, der die Prinzipien des Krsna-Bewusstseins annimmt, ausgeführt werden kann. VERS 13 Die Geweihten des Herrn werden von allen Arten von Sünden befreit, da sie Nahrung essen, die zunächst als Opfer dargebracht wurde. Andere, die Nahrung für ihren eigenen Sinnengenuss zubereiten, essen wahrlich nur Sünde. ERLÄUTERUNG Die Geweihten des Höchsten Herrn, das heißt diejenigen, die im Krsna-Bewusstsein leben, werden santas genannt, und wie in der Brahma-saàhita (5.38) beschrieben wird, sind sie immer in Liebe mit dem Herrn verbunden: Die santas, die mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Govinda (dem Quell aller Freuden) oder Mukunda (demjenigen, der Befreiung gewährt) oder Krsna (der allanziehenden Person), immer in Liebe verbunden sind, können nichts annehmen, ohne es zuvor der Höchsten Person zu opfern. Daher führen solche Gottgeweihten ständig Yajnas in den verschiedenen Erscheinungsformen des hingebungsvollen Dienstes aus wie sravanam, kírtanam, smaranam oder arcanam, und diese Darbringungen von Yajnas halten sie stets fern von allen Arten der Verunreinigung durch sündhaften Umgang in der materiellen Welt. Andere, die Nahrung für sich selbst oder für die Befriedigung ihrer Sinne zubereiten, sind nicht nur Diebe, sondern essen auch alle Arten von Sünde. Wie kann ein Mensch glücklich sein, wenn er sowohl ein Dieb als auch ein Sünder ist? Das ist nicht möglich. Damit daher die Menschen in jeder Hinsicht glücklich werden können, müssen sie darin unterwiesen werden, wie der einfache sankirtana-Yajna in vollem Krsna-Bewusstsein ausgeführt werden kann. Sonst kann es keinen Frieden und kein Glück auf der Welt geben. VERS 14 Alle lebenden Körper erhalten sich durch Getreide, das nur wachsen kann, wenn Regen fällt. Regen entsteht durch die Darbringung von Yajna [Opfer], und Yajna wird aus vorgeschriebenen Pflichten geboren. ERLÄUTERUNG Srila Rupa Baladeva Vidyabhusana ein großer Kommentator der Bhagavad-Gita, schreibt: Der Höchste Herr, der als Yajna-purusah oder der persönliche Nutznießer aller Opfer bekannt ist, ist das Oberhaupt aller Halbgötter, die Ihm dienen wie die verschiedenen Teile des Körpers dem Ganzen. Halbgötter wie Indra, Candra und Varuna sind vom Höchsten Herrn ernannte Verwalter, die materielle Angelegenheiten regeln, und die Veden ordnen Opfer an, um diese Halbgötter zufriedenzustellen, damit es ihnen gefallen möge, für genügend Luft, Licht und Wasser zu sorgen, so dass Getreide wachsen kann. Wenn man Sri Krsna verehrt, werden die Halbgötter, die verschiedene Glieder des Herrn sind, von selbst ebenfalls verehrt, und so ist es nicht notwendig, die Halbgötter gesondert vom Herrn zu verehren. Aus diesem Grunde opfern die Geweihten des Herrn, die im Krsna-Bewusstsein leben, ihre Nahrung zunächst Krsna und essen dann - ein Vorgang, der den Körper spirituell ernährt. Auf diese Weise werden nicht nur alle vergangenen sündhaften Reaktionen im Körper vernichtet, sondern der Körper wird auch vor allen Verunreinigungen der materiellen Natur geschützt. Wenn eine ansteckende Krankheit um sich greift, kann man durch einen antiseptischen Impfstoff vor dem Angriff einer solchen Epidemie geschützt werden. In ähnlicher Weise macht uns Nahrung, die zuerst Visnu geopfert und dann von uns gegessen wird, gegen alle materiellen Einwirkungen ausreichend immun, und jemand, der sich diese Handlungsweise zur Gewohnheit gemacht hat, wird als ein Geweihter des Herrn bezeichnet. Deshalb kann ein Mensch im Krsna-Bewusstsein, der nur Nahrung ißt, die Krsna geopfert wurde, allen Reaktionen auf vergangene materielle Infektionen entgegenwirken, die den Fortschritt auf dem Pfad der Selbsterkenntnis behindern. Ein Mensch hingegen, der dies nicht tut, vergrößert weiter die Anzahl seiner sündigen Handlungen, und das bereitet den nächsten Körper darauf vor, Hunden und Schweinen zu gleichen, um die resultierenden Reaktionen auf alle Sünden zu erleiden. Die materielle Welt ist voller Verunreinigungen, und jemand, der immun geworden ist, da er nur das prasada des Herrn (zu Visnu geopferte Speise) ißt, wird vor diesen Angriffen bewahrt, wohingegen ein anderer, der kein prasada zu sich nimmt, der Verunreinigung ausgesetzt ist. Getreide und Gemüse sind wahrhaft Nahrungsmittel. Der Mensch ißt verschiedene Arten von Getreide, Gemüse, Früchten usw., und die Tiere fressen die Abfallprodukte des Getreides sowie Gemüse, Gras, Pflanzen usw. Menschen, die es gewohnt sind, Fleisch zu essen, sind letztlich ebenfalls von der Erzeugung von Pflanzen abhängig, um Tiere essen zu können. Daher sind wir letzten Endes auf das angewiesen, was auf den Feldern wächst, und nicht auf das, was in großen Fabriken produziert wird. Die Ernte auf den Feldern wiederum richtet sich danach, ob ausreichend Regen vom Himmel fällt, und dieser Regen wird von Halbgöttern wie Indra, der Sonne und dem Mond beherrscht, die alle Diener des Herrn sind. Der Herr kann durch Opfer zufriedengestellt werden; deshalb wird jemand, der Ihm nichts darbringt, Mangel leiden - so lautet das Gesetz der Natur. Yajnas, besonders der für dieses Zeitalter empfohlene sankirtana-Yajna, müssen daher ausgeführt werden, um uns zumindest vor Nahrungsknappheit zu bewahren. VERS 15 Geregelte Tätigkeiten werden in den Veden vorgeschrieben, und die Veden sind unmittelbar von der Höchsten Persönlichkeit Gottes manifestiert. Folglich ist die alldurchdringende Transzendenz für ewig in Opferhandlungen gegenwärtig. ERLÄUTERUNG Yajnartha karma oder die Notwendigkeit von Arbeit für die Zufriedenstellung Krsnas allein wird in diesem Vers noch deutlicher hervorgehoben. Wenn wir also für die Zufriedenstellung des Yajna-purusa oder Visnus handeln sollen, müssen wir die Anweisung für das Handeln im Brahman herausfinden, das heißt, wir müssen die transzendentalen Veden zu Rate ziehen. Die Veden sind also Gesetze, die bestimmen, wie man handeln muss. Alles, was ohne die Anleitung der Veden getan wird, nennt man vikarma, das heißt unautorisiertes oder sündiges Handeln. Man sollte sich daher immer von den Veden führen lassen, um vor der Reaktion auf sein Handeln bewahrt zu werden. So wie man im gewöhnlichen Leben nach der Weisung des Staates handeln muss, so muss man unter der Leitung des höchsten Staates des Herrn tätig sein. Solche Weisungen in den Veden sind unmittelbar durch den Atem der Höchsten Persönlichkeit Gottes manifestiert. Es heißt: "Die vier Veden, nämlich ¨Rg-Veda, Yajur-Veda, Sama-Veda und Atharva-Veda, sind alles Emanationen aus dem Atem der erhabenen Persönlichkeit Gottes. Wie in der Brahma-samhita bestätigt wird, kann der Herr, da allmächtig, sprechen, indem Er ausatmet; denn der Herr besitzt die Allmacht, durch jeden Seiner Sinne die Tätigkeiten aller anderen Sinne auszuführen. Mit anderen Worten: Der Herr kann durch Seinen Atem sprechen, und Er kann mit Seinen Augen befruchten. In der Tat heißt es, dass Er über die materielle Natur blickte und so alle Lebewesen zeugte. Nachdem Er die bedingten Seelen in den Schoß der materiellen Natur gezeugt hatte, gab Er Seine Weisungen in Form der vedischen Weisheit, um zu zeigen, wie diese bedingten Seelen nach Hause, zu Gott, zurückkehren können. Wir sollten uns immer daran erinnern, dass die bedingten Seelen in der materiellen Natur alle nach materiellem Genuss gieren. Aber die vedischen Weisungen sind so beschaffen, dass man seine pervertierten Wünsche befriedigen kann, um dann, nachdem man seinen sogenannten Genuss beendet hat, zu Gott zurückzukehren. Das vedische Wissen bietet den bedingten Seelen eine Möglichkeit zur Befreiung; deshalb müssen sie versuchen, dem Vorgang des Yajna zu folgen, indem sie Krsna-bewusst werden. Selbst jene, die den vedischen Anweisungen nicht folgen können, mögen die Prinzipien des Krsna- Bewusstseins annehmen, und das wird die Durchführung vedischer Yajnas oder karmas ersetzen. VERS 16 Mein lieber Arjuna, ein Mensch, der diesem vorgeschriebenen vedischen System des Opfers nicht folgt, führt ein Leben der Sünde, da einer, der nur in den Sinnen Freude findet, vergeblich lebt. ERLÄUTERUNG Die Philosophie jener Menschen, die dem Mammon frönen, nämlich sehr schwer zu arbeiten und die Befriedigung der Sinne zu genießen, wird hier vom Herrn verurteilt. Deshalb ist es für diejenigen, die die materielle Welt genießen wollen, absolut notwendig, den oben erwähnten Zyklus von Yajnas durchzuführen. Wer sich an solche Vorschriften nicht hält, lebt ein sehr gefährliches Leben, da er mehr und mehr in die Verdammnis geht. Durch das Gesetz der Natur ist diese menschliche Form des Lebens besonders zur Selbstverwirklichung bestimmt, die auf drei Wegen erreicht werden kann, nämlich durch karma-yoga, jnana-yoga oder bhakti-yoga. Für die Transzendentalisten, die über Laster und Tugend stehen, ist es nicht notwendig, streng die vorgeschriebenen Yajnas auszufahren, doch diejenigen, die ihre Sinne befriedigen, müssen sich durch den oben erwähnten Zyklus von Yajna-Darbringungen läutern. Es gibt verschiedene Arten von Tätigkeiten. Menschen, die nicht Krsna-bewusst sind, haben mit Sicherheit ein sinnliches Bewusstsein, und daher ist die Ausführung frommer Werke für sie notwendig. Das Yajna-System ist in 81 solcher Weise geplant, dass Menschen mit einem sinnlichen Bewusstsein ihre Begierden befriedigen können, ohne in die Reaktionen auf sinnenbefriedigende Handlungen verstrickt zu werden. Der Wohlstand der Welt hängt nicht von unseren eigenen Anstrengungen ab, sondern von den im Hintergrund stattfindenden Vorkehrungen des Höchsten Herrn, die unmittelbar von den Halbgöttern ausgeführt werden. Deshalb sind die Yajnas unmittelbar an den jeweiligen, in den Veden erwähnten Halbgott gerichtet. Indirekt ist auch dies Krsna-Bewusstsein, denn wenn man die Durchführung der Yajnas beherrscht, ist es sicher, dass man Krsna-bewusst wird. Wenn man aber durch die Darbringung von Yajnas nicht Krsna-bewusst wird, sind solche Prinzipien nichts weiter als moralische Verhaltensregeln. Man sollte daher seinen Fortschritt nicht begrenzen und bei moralischen Regeln stehenbleiben, sondern diese transzendieren, um Krsna-Bewusstsein zu erreichen. VERS 17 Wer jedoch im Selbst Freude findet, im Selbst erleuchtet ist, allein im Selbst erfreut und nur im Selbst befriedigt ist - für ihn gibt es keine Pflicht. ERLÄUTERUNG Ein Mensch, der völlig Krsna-bewusst und durch seine Handlungen im Krsna-Bewusstsein vollauf zufrieden ist, hat keine Pflicht mehr zu erfüllen. Da er Krsna-bewusst ist, ist alle Unreinheit in seinem Innern augenblicklich fortgewaschen - eine Wirkung, die sonst nur durch viele Tausende von Yajnas erzielt werden kann. Durch eine solche Klärung des Bewusstseins entwickelt man starkes Vertrauen in seine ewige Stellung in Beziehung zum Höchsten. Durch die Gnade des Herrn wird daraufhin die Pflicht von innen her deutlich, und daher hat man nicht länger irgendwelche Verpflichtungen den vedischen Unterweisungen gegenüber. Ein solcher Krsna-bewusster Mensch ist nicht mehr an materiellen Tätigkeiten interessiert und findet keine Freude mehr an materiellen Genüssen wie Wein, Frauen und ähnlichen Verlockungen. VERS 18 Ein selbstverwirklichter Mensch verfolgt bei der Erfüllung seiner vorgeschriebenen Pflichten keine Absicht; weder hat er einen Grund, solche Arbeit nicht zu verrichten, noch ist es für ihn notwendig, von irgendeinem anderen Lebewesen abhängig zu sein. ERLÄUTERUNG Ein selbstverwirklichter Mensch ist nicht länger gehalten, irgendeine vorgeschriebene Pflicht zu erfüllen – außer Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein. Krsna-Bewusstsein bedeutet keineswegs Untätigkeit, wie in den folgenden Versen erklärt wird. Ein Krsna-bewusster Mensch sucht bei niemandem Schutz - weder bei einem Menschen noch bei einem Halbgott. Was immer er im Krsna-Bewusstsein tut, reicht aus, seine Verpflichtungen zu erfüllen. VERS 19 Daher sollte man, ohne an den Früchten der Tätigkeiten zu haften, aus Pflichtgefühl handeln; denn wenn man ohne Anhaftung arbeitet, erreicht man das Höchste. ERLÄUTERUNG Das Höchste ist die Persönlichkeit Gottes für die Gottgeweihten und Befreiung für den Unpersönlichkeitsanhänger. Daher wird jemand, der unter der richtigen Führung und ohne am Ergebnis der Arbeit zu haften, für Krsna bzw. im Krsna-Bewusstsein handelt, mit Sicherheit Fortschritte auf dem Pfad zum höchsten Ziel des Lebens machen. Arjuna ist gesagt worden, er solle in der Schlacht von Kuruksetra für Krsnas Interesse kämpfen, weil Krsna wollte, dass er kämpfte. Ein guter Mensch oder ein gewaltloser Mensch zu sein ist eine persönliche Anhaftung; wenn man aber im Auftrag des Höchsten handelt, handelt man, ohne am Ergebnis zu haften. Das ist vollkommenes Handeln; es befindet sich auf der höchsten Stufe und wird deshalb von Sri Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, empfohlen. Vedische Rituale, wie zum Beispiel vorgeschriebene Opfer, werden vollzogen, um sich von gottlosen Tätigkeiten zu reinigen, die im Bereich der Sinnenbefriedigung ausgeführt wurden. Aber Handeln im Krsna-Bewusstsein ist transzendental zu den Reaktionen auf gute oder schlechte Werke. Ein Krsnabewusster Mensch haftet nicht am Ergebnis, sondern handelt nur für Krsna. Er verrichtet die unterschiedlichsten Tätigkeiten, bleibt aber völlig unangehaftet. VERS 20 Selbst Könige wie Janaka und andere erreichten die Stufe der Vollkommenheit, indem sie vorgeschriebene Pflichten erfüllten. Daher solltest du, nur um die Allgemeinheit zu erziehen, deine Arbeit verrichten. ERLÄUTERUNG Könige wie Janaka und andere waren alle selbstverwirklichte Seelen, und so waren sie nicht Verpflichtet, die in den Veden vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen. Dennoch führten sie alle vorgeschriebenen Tätigkeiten aus, um der Allgemeinheit ein Beispiel zu geben. Janaka war der Vater SÖtas und der Schwiegervater Sri Ramas. Als großer Geweihter des Höchsten Herrn war er in der Transzendenz verankert, doch weil er zur gleichen Zeit König von Mithila war (einem Bezirk der Provinz Behar in Indien), musste er seine Untertanen lehren, wie man in einer Schlacht ehrenhaft kämpft. Er und seine Untertanen kämpften, um die Menschen im allgemeinen zu lehren, dass in einer Situation, wo gute Argumente nichts nutzen, Gewalt ebenfalls notwendig ist. Vor der Schlacht von Kuruksetra war, selbst von der Höchsten Persönlichkeit Gottes, jede Anstrengung unternommen worden, die Schlacht zu vermeiden, doch die Gegenseite war entschlossen zu kämpfen. In solch einem Fall ist es also notwendig, für die gerechte Sache zu kämpfen. Obwohl jemand, der sich im Krsna-Bewusstsein befindet, kein Interesse an der materiellen Welt hat, arbeitet er dennoch, um die Öffentlichkeit zu lehren, wie man leben und handeln soll. Erfahrene Menschen im Krsna-Bewusstsein können in einer Weise handeln, dass andere ihnen folgen werden, und dies wird im folgenden Vers erklärt. VERS 21 Was immer ein bedeutender Mensch tut - gewöhnliche Menschen folgen seinen Fußspuren. Und welche Maßstäbe auch immer er durch sein beispielhaftes Verhalten setzt - alle Welt folgt ihm nach. ERLÄUTERUNG Die Masse der Menschen braucht immer einen Führer, der die Öffentlichkeit durch praktisches Verhalten lehren kann. Ein Führer kann die Öffentlichkeit nicht lehren, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn er selbst raucht. Sri Caitanya sagte, ein Lehrer solle sich schon richtig verhalten, bevor er zu lehren beginnt. Wer auf diese Weise lehrt, wird als acarya oder beispielhafter Lehrer bezeichnet. Deshalb muss ein Lehrer den Prinzipien der sastras (Schriften) folgen, um den gewöhnlichen Menschen zu erreichen. Er darf keine Regeln aufstellen, die gegen die Prinzipien der offenbarten Schriften verstoßen. Die offenbarten Schriften, wie die Manu-samhita und ähnliche andere, gelten als die maßgebenden Bücher, denen die menschliche Gesellschaft folgen sollte. Somit sollte die Lehre des Führers auf die Grundsätze der Standardregeln gestützt sein, wie sie von den großen Lehrern praktiziert werden. Auch das Srimad- Bhagavatam bestätigt, dass man den Fußspuren großer Gottgeweihter folgen sollte, und das ist der Weg, Fortschritte auf dem Pfad der spirituellen Erkenntnis zu machen. Der König oder das Oberhaupt eines Staates, der Vater und der Schullehrer werden alle als natürliche Führer der unschuldigen Menschen im allgemeinen angesehen. All diese natürlichen Führer tragen eine große Verantwortung für ihre Abhängigen; daher müssen sie mit den maßgebenden Büchern der moralischen und spirituellen Gesetze vertraut sein. VERS 22 O Sohn Prthas, in allen drei Planetensystemen gibt es keine Arbeit, die Mir vorgeschrieben ist. Weder mangelt es Mir an etwas, noch muss Ich irgendetwas erreichen - und dennoch bin ich mit Arbeit beschäftigt. ERLÄUTERUNG Die Höchste Persönlichkeit Gottes wird in den Veden wie folgt beschrieben: "Der Höchste Herr ist der Herrscher aller anderen Herrscher, und Er ist der größte von all den verschiedenen planetarischen Führern. Jeder untersteht Seiner Herrschaft. Alle Lebewesen werden allein vom Höchsten Herrn mit bestimmter Macht ausgestattet; sie sind nicht selbst die Höchsten. Er ist auch für alle Halbgötter verehrenswert und ist der höchste Lenker unter allen Lenkern. Deshalb steht Er in transzendentaler Stellung zu allen Arten von materiellen Führern und Herrschern und ist für alle verehrenswert. Es gibt niemanden, der größer ist als Er, und Er ist die höchste Ursache aller Ursachen. Er besitzt keine körperliche Form wie die eines gewöhnlichen Lebewesens. Es besteht kein Unterschied zwischen Seinem Körper und Seiner Seele. Er ist absolut. All Seine Sinne sind transzendental. Jeder Seiner Sinne kann die Funktion jedes anderen Sinnes erfüllen. Daher ist niemand größer als Er oder kommt Ihm gleich. Seine Kräfte sind mannigfaltig, und so werden all Seine Taten in einem natürlichen Ablauf von selbst ausgeführt." (Svetasvatara Upanisad 6.7-8) Da alles in vollem Reichtum in der Persönlichkeit Gottes vorhanden ist und in voller Wahrheit existiert, gibt es für die Höchste Persönlichkeit Gottes keine Pflicht zu erfüllen. Jemand, der die Ergebnisse der Arbeit empfangen muss, hat eine bestimmte Pflicht, aber jemand, für den es innerhalb der drei Planetensysteme nichts zu erreichen gibt, hat gewiss keine Pflicht. Und trotzdem tritt Sri Krsna auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra als Führer der ksatriyas auf, da die ksatriyas Verpflichtet sind, die Leidenden zu beschützen. Obwohl Er über allen Regulierungen der offenbarten Schriften steht, tut Er nichts, was die offenbarten Schriften verletzt. VERS 23 Denn würde Ich keine Arbeit verrichten, o Partha, folgten gewiss alle Menschen Meinem Pfad. ERLÄUTERUNG Um den sozialen Frieden für den Fortschritt im spirituellen Leben aufrechtzuerhalten, gibt es traditionelle Familiengebräuche, die für jeden zivilisierten Menschen bestimmt sind. Obwohl solche Regeln und Vorschriften nur für die bedingten Seelen, und nicht für Sri Krsna, gelten, folgte Er dennoch diesen vorgeschriebenen Regeln, da Er erschien, um die Prinzipien der Religion festzulegen. Andernfalls würden gewöhnliche Menschen Seinen Fußspuren folgen, da Er die größte Autorität ist. Aus dem Srimad-Bhagavatam erfahren wir, dass Sri Krsna sowohl zu Hause als auch außerhalb Seines Hauses alle religiösen Pflichten erfüllte, die einem Haushälter vorgeschrieben sind. VERS 24 Würde Ich aufhören zu arbeiten, gingen alle Welten zugrunde. Auch wäre Ich die Ursache für die Entstehung unerwünschter Bevölkerung und würde dadurch den Frieden aller fühlenden Wesen zerstören. ERLÄUTERUNG Varna-sankara ist unerwünschte Bevölkerung, die den Frieden der allgemeinen Gesellschaft stört. Um diese soziale Störung zu vermeiden, gibt es vorgeschriebene Regeln und Regulierungen, durch die die Gesellschaft von selbst friedlich und geordnet werden kann, so dass spiritueller Fortschritt im Leben möglich ist. Wenn Sri Krsna erscheint, richtet Er Sich natürlich nach solchen Regeln und Regulierungen, um das Ansehen und die Notwendigkeit dieser wichtigen Vorschriften zu erhalten. Der Herr ist der Vater aller Lebewesen, und wenn die Lebewesen irregeführt werden, fällt die Verantwortung indirekt auf den Herrn. Wann immer daher regulierende Prinzipien allgemein missachtet werden, erscheint der Herr Selbst und berichtigt die Gesellschaft. Wir sollten jedoch sorgsam zur Kenntnis nehmen, dass wir, obwohl wir den Fußspuren des Herrn folgen müssen, uns dennoch stets daran zu erinnern haben, dass wir Ihn nicht nachahmen können. Folgen und Imitieren befinden sich nicht auf der gleichen Ebene. Wir können den Herrn nicht nachahmen, indem wir den Govardhana-Hügel hochheben, wie es der Herr in Seiner Kindheit tat. Das ist für jeden Menschen unmöglich. Wir müssen Seinen Anweisungen folgen, doch dürfen wir Ihn niemals imitieren. Das Srimad-Bhagavatam (10.33.30) bestätigt dies: "Man sollte einfach den Anweisungen des Herrn und Seiner ermächtigten Diener folgen. Ihre Anweisungen sind für alle gut, und jeder intelligente Mensch wird sich genau nach ihnen richten. Man sollte sich jedoch vor dem Versuch hüten, ihre Taten nachzuahmen. Man sollte nicht versuchen, einen Ozean von Gift zu trinken, weil man Siva imitieren will." Wir sollten immer die Stellung der isvaras oder derjenigen, die tatsächlich die Bewegung der Sonne und des Mondes lenken können, als uns übergeordnet betrachten. Ohne selbst solche Macht zu besitzen, kann man die isvaras, die übermächtig sind, nicht nachahmen. Siva trank einen ganzen Ozean von Gift, aber wenn ein gewöhnlicher Mensch versucht, auch nur eine kleine Menge solchen Giftes zu trinken, wird er den Tod finden. Es gibt viele Pseudo-Geweihte Sivas, die ganja (Marihuana) und ähnliche berauschende Drogen rauchen, jedoch dabei vergessen, dass sie den Tod sehr nah zu sich rufen, wenn sie so Sivas Taten imitieren. In ähnlicher Weise gibt es einige Pseudo-Geweihte Sri Krsnas, die mit Vorliebe den Herrn in Seinem rasa-lila, Seinem Liebestanz, nachahmen, aber vergessen, dass sie unfähig sind, den Govardhana-Hügel hochzuheben. Es ist daher das Beste, nicht zu versuchen, die Mächtigen nachzuahmen, sondern einfach ihren Anweisungen zu folgen; auch sollte man nicht versuchen, ohne Qualifikation ihre Posten zu besetzen. Es gibt so viele "Inkarnationen" Gottes, die die Macht des Höchsten Herrn nicht besitzen. VERS 25 Im Gegensatz zu den Unwissenden, die ihre Pflichten mit Anhaftung an Ergebnisse erfüllen, sollten die Gelehrten ohne jede Anhaftung handeln, um somit die Menschen auf den rechten Pfad zu führen. ERLÄUTERUNG Ein Krsna-bewusster Mensch und jemand, der nicht Krsnabewusst ist, unterscheiden sich durch ihre unterschiedlichen Wünsche. Ein Krsna-bewusster Mensch tut nichts, was nicht für die Entwicklung von Krsna-Bewusstsein förderlich ist. Er mag sogar genauso handeln wie der Unwissende, der zu sehr an materiellen Tätigkeiten haftet, aber der eine verrichtet solche Tätigkeiten, um seine Sinne zu befriedigen, während der andere tätig ist, um Krsna zu erfreuen. Folglich muss der Krsna-bewusste Mensch seinen Mitmenschen zeigen, wie man handelt und die Ergebnisse des Tuns für den Zweck des Krsna-Bewusstseins verwendet. VERS 26 Die Weisen sollten den Geist der Unwissenden, die an fruchtbringendem Tun haften, nicht verwirren. Sie sollten nicht dazu ermutigt werden, sich von ihrer Arbeit zurückzuziehen, sondern Arbeit im Geist der Hingabe zu verrichten. ERLÄUTERUNG Das ist das Ziel aller vedischen Rituale. Alle Rituale, alle Opferdarbringungen und alles, was sonst noch in den Veden niedergelegt ist, einschließlich aller Anleitungen zu materiellen Tätigkeiten, sollen dazu beitragen, Krsna, das endgültige Ziel des Lebens, zu verstehen. Weil aber die bedingten Seelen nichts außer Sinnenbefriedigung kennen, studieren sie die Veden mit dieser Absicht. Durch Regulierung der Sinne wird man jedoch allmählich auf die Stufe des Krsna-Bewusstseins erhoben. Deshalb sollte eine verwirklichte Seele im Krsna- Bewusstsein andere bei ihren Tätigkeiten oder in ihrem Verständnis nicht stören, sondern sie sollte handeln, um zu zeigen, wie die Ergebnisse aller Arbeit in den Dienst Krsnas gestellt werden können. Der gelehrte, Krsnabewusste Mensch sollte so handeln, dass der unwissende Mensch, der für die Befriedigung seiner Sinne arbeitet, lernen kann, wie man handeln und sich verhalten soll. Wenn auch der Unwissende bei seinem Tun nicht gestört werden soll, so kann doch jemand, der ein wenig Krsna- Bewusstsein entwickelt hat, unmittelbar im Dienst des Herrn beschäftigt werden, ohne anderen vedischen Vorschriften folgen zu müssen. Für einen solchen, vom Glück begünstigten Menschen ist es nicht notwendig, die vedischen Rituale zu beachten, denn in direktem Krsna- Bewusstsein kann man alle Ergebnisse bekommen, indem man einfach seine jeweiligen vorgeschriebenen Pflichten erfüllt. VERS 27 Die verwirrte Seele hält sich, unter dem Einßuß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur, für den Ausführenden von Tätigkeiten, die in Wirklichkeit von der Natur verrichtet werden. ERLÄUTERUNG Zwei Menschen, die die gleiche Arbeit verrichten - der eine im Krsna-Bewusstsein und der andere im materiellen Bewusstsein -, scheinen auf der gleichen Ebene zu handeln, doch liegt zwischen ihren jeweiligen Positionen ein gewaltiger Unterschied. Der Mensch im materiellen Bewusstsein ist aufgrund von falschem Ego davon überzeugt, alles selbst zu tun. Er weiß nicht, dass der Mechanismus des Körpers ein Produkt der materiellen Natur ist, die unter der Aufsicht des Höchsten Herrn arbeitet. Der Materialist weiß nicht, dass er letztlich unter Krsnas Kontrolle steht. Der Mensch unter dem Einßuß des falschen Ego bildet sich ein, alles unabhängig zu tun, und daran erkennt man seine Unwissenheit. Er weiß nicht, dass sein grob- und feinstofflicher Körper auf Anordnung der Höchsten Persönlichkeit Gottes von der materiellen Natur geschaffen wurden und dass er daher seinen Körper und seinen Geist im Dienste Krsnas, im Krsna-Bewusstsein, beschäftigen sollte. Der Unwissende vergißt, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes als Hrsikesa oder der Meister der Sinne bekannt ist, denn durch den langen Missbrauch seiner Sinne für Sinnenbefriedigung ist er einfach verwirrt durch das falsche Ego, das ihn seine ewige Beziehung zu Krsna vergessen lässt. VERS 28 Wer die Absolute Wahrheit kennt, o Starkarmiger, befaßt sich nicht mit den Sinnen und mit Sinnenbefriedigung, da er sehr wohl den Unterschied zwischen Arbeit in Hingabe und Arbeit für fruchtbringende Ergebnisse kennt. ERLÄUTERUNG Wer die Absolute Wahrheit kennt, ist sich seiner fürchterlichen Lage in der materiellen Welt bewusst. Er weiß, dass er ein winziger Teil der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsnas, ist und dass er sich eigentlich nicht in der materiellen Schöpfung aufhalten sollte. Er kennt seine wirkliche Identität als ein Teilchen des Höchsten, der ewige Glückseligkeit und ewiges Wissen ist, und er erkennt, dass er auf irgendeine Weise von der materiellen Lebensauffassung gefangen ist. In seinem reinen Seinszustand ist er dafür bestimmt, seine Tätigkeiten in den hingebungsvollen Dienst der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsnas, zu stellen. Er beschäftigt sich daher mit den Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins und löst sich so auf natürliche Weise von den umstandsbedingten und zeitweiligen Tätigkeiten der materiellen Sinne. Er weiß, dass seine materiellen Lebensumstände der höchsten Kontrolle des Herrn unterstehen, und folglich fühlt er sich durch materielle Reaktionen, gleich welcher Art, nicht gestört, da er sie als die Barmherzigkeit des Herrn betrachtet. Dem Srimad-Bhagavatam zufolge wird jemand, der die Absolute Wahrheit in Ihren drei verschiedenen Aspekten kennt, nämlich als Brahman, als Paramatma und als die Höchste Persönlichkeit Gottes, tattvavit genannt, da er auch seine eigene tatsächliche Stellung in Beziehung zum Höchsten kennt. VERS 29 Verwirrt durch die Erscheinungsweisen der materiellen Natur, gehen die Unwissenden ausschließlich materiellen Tätigkeiten nach und entwickeln somit Anhaftung. Aber der Weise sollte sie nicht beunruhigen, obwohl diese Pflichten aufgrund des Mangels an Wissen seitens der Ausführenden von niederer Natur sind. ERLÄUTERUNG Menschen, die nicht intelligent sind, identifizieren sich fälschlich mit dem groben materiellen Bewusstsein und sind voller materieller Bezeichnungen. Unser Körper ist ein Geschenk der materiellen Natur, und jemand, der zu sehr am körperlichen Bewusstsein haftet, wird als mandan bezeichnet oder einer, der träge ist und kein Verständnis von der spirituellen Seele hat. Unwissende halten den Körper für das Selbst; körperliche Verbindungen mit anderen werden für Verwandtschaft gehalten, das Land, in dem der Körper geboren wurde, ist das Objekt der Verehrung, und die formellen religiösen Rituale werden als Selbstzweck betrachtet. Sozialarbeit, Nationalismus und Altruismus sind einige der Tätigkeiten für solche Menschen mit materiellen Bezeichnungen. Im Banne solcher Bezeichnungen sind sie auf der materiellen Ebene immer sehr geschäftig; für sie ist spirituelle Verwirklichung ein Mythos, und daher sind sie nicht daran interessiert. Verwirrte Menschen dieser Art mögen sich sogar mit solch grundlegenden Moralprinzipien wie Gewaltlosigkeit und ähnlichen, in materieller Hinsicht wohltätigen Werken beschäftigen. Diejenigen, die dagegen im spirituellen Leben erleuchtet sind, sollten nicht versuchen, solche von der Materie gefesselten Menschen zu beunruhigen. Besser, man geht seinen eigenen spirituellen Tätigkeiten in aller Stille nach. Menschen, die unwissend sind, können Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein nicht wertschätzen, und daher rät uns Sri Krsna, sie nicht zu stören und damit kostbare Zeit zu verschwenden. Aber die Geweihten des Herrn sind gütiger als der Herr Selbst, weil sie die Absicht des Herrn verstehen. Folglich nehmen sie alle möglichen Wagnisse auf sich und gehen sogar so weit, dass sie unwissende Menschen ansprechen, um zu versuchen, sie in den Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins zu beschäftigen, die für den Menschen absolut notwendig sind. VERS 30 Deshalb kämpfe, o Arjuna, indem du all deine Handlungen Mir hingibst und deinen Geist auf Mich richtest, ohne Verlangen nach Gewinn und frei von Egoismus und Gleichgültigkeit. ERLÄUTERUNG Dieser Vers deutet klar den Zweck der Bhagavad-Gita an. Der Herr unterweist uns, dass man, um völlig Krsna-bewusst zu werden, seine Pflichten wie in militärischer Disziplin erfüllen muss. Eine solche Unterweisung mag die Dinge ein wenig schwierig machen; aber trotzdem müssen Pflichten in Abhängigkeit von Krsna ausgeführt werden, weil das die wesensgemäße Stellung des Lebewesens ist. Das Lebewesen kann nicht unabhängig von der Zusammenarbeit mit dem Höchsten Herrn glücklich sein, da es die ewige, wesensgemäße Stellung des Lebewesens ist, sich den Wünschen des Herrn unterzuordnen. Arjuna bekam daher von Sri Krsna den Befehl zu kämpfen, als wäre der Herr sein militärischer Befehlshaber. Man muss alles opfern, um das Wohlwollen des Höchsten Herrn zu erlangen, und zur gleichen Zeit muss man seine vorgeschriebenen Pflichten erfüllen, ohne irgendwelchen Besitzanspruch zu erheben. Arjuna brauchte sich über den Befehl des Herrn keine Gedanken zu machen; er brauchte Seinen Befehl nur auszuführen. Der Höchste Herr ist die Seele aller Seelen; wer sich daher voll und ganz, ohne persönlichen Vorbehalt, vom Höchsten Herrn abhängig macht, oder mit anderen Worten, wer völlig Krsna-bewusst ist, wird als adhyatma-cetasa bezeichnet. NiraèÖÉ bedeutet, dass man nach der Anweisung des Meisters handeln muss. Auch sollte man niemals fruchttragende Ergebnisse erwarten. Der Kassierer mag für seinen Arbeitgeber Millionen von Mark zählen, doch beansprucht er keinen einzigen Pfennig für sich selbst. In ähnlicher Weise muss man erkennen, dass nichts auf der Welt einem bestimmten Menschen gehört, sondern dass alles das Eigentum des Höchsten Herrn ist. Das ist die wirkliche Bedeutung von mayi oder "Mir". Wenn man in solchem Krsna-Bewusstsein handelt, beansprucht man sicherlich nichts als sein Eigentum. Dieses Bewusstsein nennt man nirmama oder "nichts gehört mir". Und wenn gegen einen solch strengen Befehl, der keine Rücksicht auf sogenannte Verwandte oder körperliche Beziehungen nimmt, irgendein Widerwille besteht, sollte man diese Abneigung von sich werfen; auf diese Weise kann man vigata-jvara, das heißt frei von fiebriger Mentalität oder Lethargie werden. Jeder muss, seinen Eigenschaften und seiner Stellung gemäß, eine bestimmte Tätigkeit ausüben, und all diese Pflichten mögen, wie oben beschrieben wurde, im Krsna-Bewusstsein erfüllt werden. Das wird einen auf den Pfad der Befreiung führen. VERS 31 Wer seine Pflichten nach Meinen Unterweisungen erfüllt und dieser Lehre mit Glauben und Hingabe folgt, ohne neidisch zu sein, wird von der Fessel fruchtbringender Werke befreit. ERLÄUTERUNG Die Unterweisung der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsnas, ist die Essenz aller vedischen Weisheit und ist daher ausnahmslos ewiglich wahr. So, wie die Veden ewig sind, so ist auch diese Wahrheit des Krsna-Bewusstseins ewig. Man sollte festes Vertrauen in diese Unterweisung haben und den Herrn nicht beneiden. Es gibt viele Philosophen, die Kommentare zur Bhagavad-Gita schreiben, aber nicht an Krsna glauben. Sie werden niemals von der Fessel des fruchtbringenden Tuns befreit werden. Aber ein gewöhnlicher Mensch mit festem Glauben an die ewigen Unterweisungen des Herrn wird, selbst wenn er unfähig ist, solchen Anweisungen zu folgen, von der Fessel des Gesetzes des karma befreit. Zu Beginn des Krsna- Bewusstseins mag man die Anweisungen des Herrn nicht vollständig ausführen, aber weil man sich diesem Prinzip nicht widersetzt und ernsthaft handelt, ohne Niederlage und Hoffnungslosigkeit zu beachten, wird man mit Sicherheit auf die Ebene des reinen Krsna-Bewusstseins erhoben werden. VERS 32 Diejenigen aber, die aus Neid diese Lehren mißachten und nicht regelmäßig danach handeln, sind allen Wissens beraubt, getäuscht und zu Unwissenheit und Knechtschaft verdammt. ERLÄUTERUNG Der Fehler, nicht Krsna-bewusst zu sein, wird hier klar zum Ausdruck gebracht. So wie Ungehorsam gegenüber einer Verfügung des Staatspräsidenten bestraft wird, so wird auch mit Gewissheit Ungehorsam gegenüber der Anordnung der Höchsten Persönlichkeit Gottes bestraft. Ein ungehorsamer Mensch - er mag noch so bedeutend sein - weiß nichts von seinem Selbst, vom Höchsten Brahman, vom Paramatma und von der Persönlichkeit Gottes, weil sein Herz leer ist. Daher gibt es für ihn keine Hoffnung, sein Leben zur Vollkommenheit zu führen. VERS 33 Selbst ein Mensch des Wissens handelt seinem Wesen gemäß, denn jeder folgt seiner Natur. Was kann Unterdrückung ausrichten? ERLÄUTERUNG Solange man sich nicht auf der transzendentalen Ebene des Krsna-Bewusstseins befindet, kann man nicht vom Einßuß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur frei werden, wie vom Herrn im Siebten Kapitel (7.14) bestätigt wird. Daher ist es selbst dem gebildetsten Menschen auf der weltlichen Ebene unmöglich, durch theoretisches Wissen oder durch Unterscheidung der Seele vom Körper aus der Verstrickung mayas herauszukommen. Es gibt viele sogenannte Spiritualisten, die nach außen hin so tun, als seien sie in dieser Wissenschaft fortgeschritten, aber innerlich oder im stillen völlig unter dem Einfluss der jeweiligen Erscheinungsweisen der Natur stehen, die sie nicht überwinden können. Akademisch mag man sehr gelehrt sein, doch aufgrund der langen Gemeinschaft mit der materiellen Natur lebt man in Gefangenschaft. Krsna- Bewusstsein hilft einem, sich aus der materiellen Verstrickung zu lösen, auch wenn man weiter seinen vorgeschriebenen Pflichten nachkommen mag. Deshalb sollte niemand, ohne völlig Krsna-bewusst zu sein, plötzlich seine vorgeschriebenen Pflichten aufgeben und künstlich ein sogenannter yogí oder Transzendentalist werden. Es ist besser, in seiner Position zu bleiben und zu versuchen, unter höherer Anleitung Krsna-Bewusstsein zu erreichen. So mag man aus der Gewalt mayas befreit werden. VERS 34 Verkörperte Wesen empfinden gegenüber Sinnesobjekten Anziehung und Abneigung, doch sollte man nicht unter die Herrschaft von Sinnen und Sinnesobjekten geraten, denn sie sind Hindernisse auf dem Pfad der Selbstverwirklichung. ERLÄUTERUNG Denen, die Krsna-bewusst sind, widerstrebt es natürlicherweise, sich materieller Sinnenbefriedigung zu ergeben. Aber diejenigen, die nicht mit diesem Bewusstsein leben, sollten den Regeln und Regulierungen der offenbarten Schriften folgen. Ungezügelter Sinnengenuss ist die Ursache für Gefangenschaft in der Materie, doch wird jemand, der den Regeln und Regulierungen der offenbarten Schriften folgt, durch die Sinnesobjekte nicht verstrickt. Sexueller Genuss zum Beispiel ist ein Bedürfnis der bedingten Seele, und in einer ehelichen Verbindung ist Sexualität gestattet. Die Anweisungen der Schriften verbieten beispielsweise sexuelle Beziehungen mit jeder Frau außer der eigenen. Jede andere Frau sollte man als seine Mutter ansehen. Aber trotz solcher Vorschriften neigt ein Mann dazu, sexuelle Beziehungen mit anderen Frauen zu unterhalten. Diese Neigungen müssen bezwungen werden; sie werden sonst zu Hindernissen auf dem Pfad der Selbstverwirklichung. Solange der materielle Körper da ist, dürfen die Bedürfnisse des materiellen Körpers befriedigt werden, jedoch nach Regeln und Vorschriften. Dennoch sollten wir nicht auf die Kontrolle solcher Bewilligungen bauen. Man muss diesen Regeln und Regulierungen folgen, ohne an ihnen zu haften, denn auch Sinnenbefriedigung unter Regulierungen kann einen vom rechten Weg abbringen, ebenso wie selbst auf Hauptstraßen immer die Möglichkeit eines Unfalls besteht. Obwohl solche Straßen sorgsam in gutem Zustand gehalten werden, kann doch niemand garantieren, dass nicht auch auf der sichersten Straße Gefahr lauert. Der Geist des Genießens ist aufgrund materieller Gemeinschaft schon seit sehr, sehr langer Zeit in uns. Es besteht daher trotz geregelten Sinnengenusses immer die Möglichkeit, zu Fall zu kommen; deshalb muss auch jede Anhaftung an geregelten Sinnengenuss unter allen Umständen vermieden werden. Aber das Handeln im liebevollen Dienst für Krsna löst einen von allen Arten sinnlicher Tätigkeiten. Niemand sollte daher auf irgendeiner Stufe des Lebens versuchen, vom Krsna- Bewusstsein losgelöst zu sein. Der ganze Sinn der Loslösung von allen Arten der sinnlichen Anhaftung besteht letztlich darin, auf der Ebene des Krsna- Bewusstseins verankert zu werden. VERS 35 Es ist weit besser, die eigenen vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, auch wenn sie fehlerhaft sein mögen, als die Pflichten eines anderen. Es ist besser, bei der Erfüllung der eigenen Pflicht ins Verderben zu stürzen, als den Pflichten eines anderen nachzukommen; denn dem Pfad eines anderen zu folgen ist gefährlich. ERLÄUTERUNG Man sollte daher lieber seine vorgeschriebenen Pflichten in völligem Krsna-Bewusstsein erfüllen, als Pflichten nachzukommen, die anderen vorgeschrieben sind. Vorgeschriebene Pflichten ergänzen unseren psychosomatischen Zustand im Bann der Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Spirituelle Pflichten sind Pflichten, die der spirituelle Meister für den transzendentalen Dienst Krsnas anordnet. Aber ganz gleich, ob im materiellen oder spirituellen Bereich, man sollte selbst angesichts des Todes lieber zu seinen Pflichten stehen als die Pflichten eines anderen nachahmen. Pflichten auf der materiellen Ebene und Pflichten auf der spirituellen Ebene mögen voneinander verschieden sein, doch das Prinzip, der autorisierten Weisung zu folgen, ist für den Ausführenden immer vorteilhaft. Wenn man im Bann der Erscheinungsweisen der materiellen Natur steht, sollte man den für bestimmte Situationen vorgeschriebenen Regeln folgen, und nicht andere imitieren. Zum Beispiel ist ein brahmana, der sich in der Erscheinungsweise der Tugend befindet, gewaltlos, wohingegen es einem ksatriya, der sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befindet, erlaubt ist, Gewalt anzuwenden. Für einen ksatriya ist es daher besser, getötet zu werden, während er den Regeln der Gewalt folgt, als einen brahmana nachzuahmen, der den Prinzipien der Gewaltlosigkeit folgt. Jeder muss sein Herz durch einen allmählichen Vorgang läutern, nicht abrupt. Wenn jemand jedoch die Erscheinungsweisen der materiellen Natur transzendiert und völlig im Krsna- Bewusstsein verankert ist, kann er unter der Führung des echten spirituellen Meisters alles und jedes tun. Auf dieser vollkommenen Stufe des Krsna-Bewusstseins mag ein ksatriya als brahmana oder ein brahmana als ksatriya handeln. Auf der transzendentalen Ebene gelten die Unterschiede der materiellen Welt nicht. Zum Beispiel war Vièvamitra ursprünglich ein ksatriya, doch handelte er später als brahmana, während Parasurama ein brahmana war und später als ksatriya handelte. Da sie in der Transzendenz verankert waren, konnten sie dies tun, doch solange man sich auf der materiellen Ebene befindet, muss man seine Pflichten in Entsprechung zu den Erscheinungsweisen der materiellen Natur erfüllen. Zur gleichen Zeit muss man sich über Krsna-Bewusstsein voll im klaren sein. VERS 36 Arjuna sagte: O Nachkomme Vrsnis, durch was wird man getrieben, sündig zu handeln - sogar wider Willen, wie unter Zwang? ERLÄUTERUNG Ein Lebewesen ist, als winziger Teil des Höchsten, ursprünglich spirituell, rein und frei von allen materiellen Verunreinigungen. Deshalb ist es von Natur aus den Sünden der materiellen Natur nicht ausgesetzt. Doch wenn es mit der materiellen Natur in Berührung ist, begeht es, ohne zu zögern, viele Sünden - manchmal sogar gegen seinen Willen. Deshalb ist Arjunas Frage an Krsna nach der pervertierten Natur der Lebewesen sehr dringlich. Obwohl das Lebewesen manchmal nicht sündig handeln will, ist es dennoch dazu gezwungen. Sündhafte Handlungen werden jedoch nicht von der Überseele im Innern veranlaßt, sondern haben eine andere Ursache, wie der Herr im nächsten Vers erklärt. VERS 37 Der Segenspendende Herr sprach: Es ist Lust allein, Arjuna, die aus Berührung mit den materiellen Erscheinungsweisen der Leidenschaft geboren und später in Zorn umgewandelt wird. Sie ist der allesverschlingende, sündige Feind dieser Welt. ERLÄUTERUNG Wenn ein Lebewesen mit der materiellen Schöpfung in Berührung kommt, wird seine ewige Liebe zu Krsna durch die Verbindung mit der Erscheinungsweise der Leidenschaft in Lust umgewandelt. Oder mit anderen Worten: Die Empfindung der Liebe zu Gott wird in Lust umgewandelt, ebenso wie Milch in Berührung mit saurer Tamarinde zu Yoghurt wird. Wenn dann die Lust unbefriedigt bleibt, wandelt sie sich in Zorn; aus Zorn entsteht Illusion, und aufgrund von Illusion ist man gezwungen, das materielle Dasein weiter fortzusetzen. Folglich ist Lust der größte Feind des Lebewesens. Und es ist Lust allein, die das reine Lebewesen veranlasst, in der materiellen Welt verstrickt zu bleiben. Zorn ist eine Manifestation der Erscheinungsweise der Unwissenheit - diese Erscheinungsweise äußert sich durch Zorn und andere Folgeerscheinungen. Wenn man daher nach der vorgeschriebenen Methode lebt und handelt und somit von der Erscheinungsweise der Leidenschaft zur Erscheinungsweise der Tugend erhoben wird, anstatt zur Erscheinungsweise der Unwissenheit abzusinken, kann man durch spirituelle Anhaftung vor der Entartung durch den Zorn gerettet werden. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, erweiterte Sich in viele, um Sich Seiner ewig anwachsenden spirituellen Glückseligkeit zu erfreuen, und die Lebewesen sind Teile dieser spirituellen Glückseligkeit. Auch besitzen sie eine bedingte Unabhängigkeit, doch durch den Missbrauch ihrer Unabhängigkeit - wenn die dienende Haltung in die Neigung zu Sinnengenuss umgewandelt wird -, geraten sie unter die Herrschaft der Lust. Die materielle Schöpfung ist vom Herrn geschaffen worden, um den bedingten Seelen die Möglichkeit zu geben, diese lustvollen Neigungen zu befriedigen, und wenn sie von ihren anhaltenden lustvollen Tätigkeiten völlig enttäuscht sind, beginnen die Lebewesen, nach ihrer eigentlichen Stellung zu fragen. Mit dieser Frage beginnen die Vedanta-sutras, wo es heißt: athato brahma-jijnasa. "Man soll nach dem Höchsten fragen." Und das Höchste wird im Srimad Bhagavatam definiert als janmadyasya yato 'nvayad itaratas ca, das heißt: "Der Ursprung allen Seins ist das Höchste Brahman." Folglich hat auch die Lust ihren Ursprung im Höchsten. Wenn deshalb die Lust in Liebe zum Höchsten umgewandelt wird, das heißt in Krsna-Bewusstsein, oder mit anderen Worten, wenn man alle Wünsche auf Krsna richtet, dann können sowohl Lust als auch Zorn spiritualisiert werden. Hanuman, der große Diener Sri Ramas, richtete sein Zorn gegen seine Feinde, um den Herrn zu erfreuen. Deshalb werden Lust und Zorn, wenn sie im Krsna-Bewusstsein beschäftigt werden, zu unseren Freunden statt zu unseren Feinden. VERS 38 Wie Feuer von Rauch, ein Spiegel von Staub und ein Embryo vom Mutterleib bedeckt ist, so wird das Lebewesen von verschiedenen Graden dieser Lust bedeckt. ERLÄUTERUNG Es gibt drei Grade von Bedeckung des Lebewesens, durch die sein reines Bewusstsein verfinstert wird. Diese Bedeckung ist nichts anderes als Lust in verschiedenen Manifestationen und wird mit Rauch im Feuer, Staub auf dem Spiegel und dem Mutterleib über einem Embryo verglichen. Wenn Lust mit Rauch verglichen wird, bedeutet dies, dass das Feuer des lebendigen Funkens ein wenig wahrgenommen werden kann. Mit anderen Worten: Wenn das Lebewesen sein Krsna-Bewusstsein ein wenig entfaltet, mag es mit dem von Rauch bedeckten Feuer verglichen werden. Obwohl dort, wo Rauch ist, notwendigerweise Feuer sein muss, gibt es auf der frühen Stufe keine offenkundige Manifestation von Feuer. Diese Stufe entspricht dem Beginn des Krsna-Bewusstseins. Der Staub auf dem Spiegel bezieht sich auf einen Reinigungsvorgang des Spiegels des Geistes durch vielfältige spirituelle Methoden. Der beste Vorgang ist das Chanten der Heiligen Namen des Herrn. Der vom Mutterleib bedeckte Embryo ist ein Vergleich, der eine hilflose Lage illustrieren soll, denn das Kind im Mutterschoß ist so hilflos, dass es sich nicht einmal bewegen kann. Dieser Lebenszustand kann mit dem der Bäume verglichen werden. Die Bäume sind ebenfalls Lebewesen, aber aufgrund ihrer sehr starken Äußerung von Lust sind sie in einen solchen Lebensumstand versetzt worden, dass sie beinahe ohne jedes Bewusstsein sind. Der bedeckte Spiegel wird mit den Vögeln und Säugetieren und das von Rauch bedeckte Feuer mit dem Menschen verglichen. In der Form eines Menschen mag das Lebewesen sein Krsna-Bewusstsein ein wenig wiederbeleben, und wenn es sich weiter entwickelt, kann das Feuer des spirituellen Lebens in der menschlichen Form entfacht werden. Wenn man mit dem Rauch im Feuer sorgfältig umgeht, kann das Feuer zum Lodern gebracht werden. Deshalb ist die menschliche Lebensform eine Gelegenheit für das Lebewesen, der Verstrickung des materiellen Daseins zu entkommen. In der menschlichen Lebensform kann man den Feind, die Lust, besiegen, indem man unter kundiger Führung Krsna-Bewusstsein kultiviert. VERS 39 So wird das reine Bewusstsein eines Menschen von seiner ewigen Feindin in der Form von Lust bedeckt, die niemals befriedigt werden kann und die wie Feuer brennt. ERLÄUTERUNG In der Manu-smrti heißt es, dass Lust durch kein noch so großes Ausmaß an Sinnengenuss befriedigt werden kann, ebenso wie Feuer niemals durch eine ständige Zufuhr von Öl gelöscht wird. In der materiellen Welt ist der Mittelpunkt aller Tätigkeiten Sex, und daher wird die materielle Welt als maithunya-agara oder die Ketten des Geschlechtslebens bezeichnet. In einem gewöhnlichen Gefängnis werden Verbrecher hinter Gittern festgehalten; in ähnlicher Weise werden die Verbrecher, die gegen die Gesetze des Herrn verstoßen, durch Sexualität in Ketten gelegt. Fortschritt der materiellen Zivilisation auf der Grundlage von Sinnenbefriedigung bedeutet, die Dauer der materiellen Existenz eines Lebewesens zu verlängern. Daher ist die Lust das Symbol der Unwissenheit, durch die das Lebewesen in der materiellen Welt gehalten wird. Während des Genusses sinnlicher Befriedigung mag es so etwas wie ein Glücksgefühl geben, doch in Wirklichkeit ist dieses sogenannte Glücksgefühl der eigentliche Feind des Sinnengenießers. VERS 40 Die Sinne, der Geist und die Intelligenz sind die Wohnstätten dieser Lust, die das wirkliche Wissen des Lebewesens verschleiert und das Lebewesen verwirrt. ERLÄUTERUNG Der Feind hat verschiedene strategische Punkte im Körper der bedingten Seele besetzt, und daher weist Sri Krsna auf diese Stellen hin, damit derjenige, der den Feind besiegen will, weiß, wo er ihn finden kann. Der Geist ist das Zentrum aller Tätigkeiten der Sinne, und somit ist der Geist das Behältnis aller Pläne für Sinnenbefriedigung; als Folge werden Geist und Sinne zu Sammelplätzen der Lust. Als nächstes wird die Intelligenz-Abteilung zum Hauptort solch lustvoller Neigungen. Die Intelligenz ist die unmittelbare Nachbarin der Seele. Die lustvolle Intelligenz beeinflusst die Seele, das falsche Ego anzunehmen und sich mit Materie und folglich mit Geist und Sinnen zu identifizieren. Die Seele verfällt dem Genuss der materiellen Sinne und hält dies fälschlich für wahres Glück. Diese falsche Identifizierung der Seele wird sehr schön im Srimad- Bhagavatam erklärt. "Ein Mensch, der den Körper, der aus drei Elementen geschaffen ist, mit seinem Selbst identifiziert, die Nebenprodukte des Körpers für seine Verwandten hält, sein Geburtsland als verehrungswürdig betrachtet und einen Pilgerort besucht, um dort nur ein Bad zu nehmen, statt Weise mit transzendentalem Wissen aufzusuchen, muss als Esel oder Kuh betrachtet werden." VERS 41 Deshalb, o Arjuna, bester der Bharatas, bezwinge gleich zu Anfang dieses große Symbol der Sünde [die Lust], indem du die Sinne regulierst, und erschlage diese Zerstörerin des Wissens und der Selbstverwirklichung. ERLÄUTERUNG Der Herr gab Arjuna den Rat, die Sinne von Anfang an zu regulieren, so dass er die größte sündige Feindin, die Lust, bezwingen könne, die den Drang nach Selbstverwirklichung und besonders das Wissen vom Selbst zerstört. Jnanam bezieht sich auf das Wissen, das das Selbst vom Nicht-Selbst unterscheidet, oder mit anderen Worten, auf das Wissen darum, dass die spirituelle Seele nicht der Körper ist. VijÒanam bezieht sich auf spezifisches Wissen von der spirituellen Seele, ihrer wesensgemäßen Stellung und ihrer Beziehung zur Höchsten Seele. Dies wird im Srimad Bhagavatam wie folgt erklärt: "Das Wissen vom Selbst und vom Höchsten Selbst ist sehr vertraulich und geheimnisvoll, da es von maya verschleiert wird, doch solches Wissen und besonders die Verwirklichung können verstanden werden, wenn sie vom Herrn Selbst erklärt werden." Die Bhagavad-Gita gibt uns dieses Wissen, besonders Wissen vom Selbst. Die Lebewesen sind winzige Teile des Herrn, und daher besteht ihre Aufgabe einfach darin, dem Herrn zu dienen. Dieses Bewusstsein nennt man Krsna- Bewusstsein. Man muss also vom Beginn des Lebens an dieses Krsna-Bewusstsein erlernen, und so mag man völlig Krsna-bewusst werden und dementsprechend handeln. Lust ist nur die verzerrte Spiegelung der Liebe zu Gott, die für jedes Lebewesen natürlich ist. Wenn man aber gleich von Anfang an im Krsna-Bewusstsein erzogen wird, kann diese natürliche Gottesliebe nicht zu Lust entarten. Wenn Gottesliebe zu Lust entartet, ist es sehr schwierig, zum normalen Zustand zurückzukehren. Nichtsdestoweniger ist Krsna-Bewusstsein so mächtig, dass sogar ein Mensch, der spät beginnt, lernen kann, Gott zu lieben, indem er den regulierenden Prinzipien des hingebungsvollen Dienstes folgt. Man kann also von jeder Stufe des Lebens aus, bzw. dann, wenn man die dringende Notwendigkeit einsieht, beginnen, seine Sinne im hingebungsvollen Dienst des Herrn zu regulieren, und so die Lust in Liebe zu Gott umwandeln - der höchsten Vollkommenheit des menschlichen Lebens. VERS 42 Die aktiven Sinne sind der leblosen Materie überlegen; der Geist steht über den Sinnen; die Intelligenz steht über dem Geist, und sie [die Seele] steht sogar noch über der Intelligenz. ERLÄUTERUNG Die Sinne sind verschiedene Ventile für die Tätigkeit der Lust. Die Lust sammelt sich im Körper, aber durch die Sinne ist ihr ein Ventil geschaffen. Daher stehen die Sinne über dem Körper als Ganzes. Diese Ventile sind nicht in Gebrauch, wenn ein höheres Bewusstsein, das heißt Krsna- Bewusstsein, vorhanden ist. Im Krsna-Bewusstsein stellt die Seele eine direkte Verbindung mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes her. Deshalb enden die Körperfunktionen, wie hier beschrieben wird, letztlich in der Höchsten Seele. Mit körperlicher Tätigkeit sind die Funktionen der Sinne gemeint, und die Funktionen der Sinne einzustellen bedeutet, alle körperlichen Tätigkeiten zu beenden. Aber weil der Geist tätig ist, wird er auch dann handeln, wenn der Körper still und in Ruhe ist, wie es während des Träumens geschieht. Über dem Geist aber steht die Entschlossenheit der Intelligenz, und über der Intelligenz befindet sich die Seele. Wenn daher die Seele direkt mit dem Höchsten beschäftigt ist, werden natürlicherweise alle anderen Untergeordneten, nämlich die Intelligenz, der Geist und die Sinne, von selbst beschäftigt sein. In der Katha Upanisad gibt es einen Abschnitt, wo es heißt, dass die Objekte der Sinnenbefriedigung den Sinnen überlegen sind und dass der Geist über den Sinnesobjekten steht. Wenn daher der Geist ständig direkt im Dienst des Herrn tätig ist, gibt es für die Sinne keine Möglichkeit, in anderer Weise aktiv zu werden. Diese Geisteshaltung wurde schon erklärt. Wenn der Geist im transzendentalen Dienst des Herrn beschäftigt ist, hat er keine Möglichkeit, niedrigen Neigungen nachzugehen. In der Katha Upanisad wurde die Seele als mahan oder die Große beschrieben. Folglich steht die Seele über allem, das heißt den Sinnesobjekten, den Sinnen, dem Geist und der Intelligenz. Die wesensgemäße Stellung der Seele zu verstehen ist daher die Lösung des ganzen Problems. Mit Intelligenz muss man die wesensgemäße Stellung der Seele herausfinden und dann den Geist immer im Krsna- Bewusstsein beschäftigen. Das löst das ganze Problem. Einem Spiritualisten, der neu ist, wird im allgemeinen geraten, sich von den Objekten der Sinne fernzuhalten. Man muss den Geist stärken, indem man die Intelligenz benutzt. Wenn man kraft seiner Intelligenz den Geist im Krsna-Bewusstsein beschäftigt, indem man sich völlig der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergibt, dann wird der Geist von selbst stärker, und obwohl die Sinne sehr stark sind, wie Schlangen, werden sie nicht wirksamer sein als Schlangen mit herausgebrochenen Giftzähnen. Aber obwohl die Seele Herr über die Intelligenz und den Geist und auch die Sinne ist, besteht doch immer die Gefahr, durch den in Erregung geratenen Geist zu Fall zu kommen, solange die Seele nicht durch Gemeinschaft mit Krsna im Krsna-Bewusstsein gestärkt ist. VERS 43 Wenn man also weiß, dass man transzendental zu den materiellen Sinnen, dem Geist und der Intelligenz ist, sollte man das niedere Selbst durch das höhere Selbst beherrschen und so - kraft spiritueller Stärke - diese unersättliche Feindin, die Lust, bezwingen. ERLÄUTERUNG Dieses Dritte Kapitel der Bhagavad-Gita lenkt schlüssig zum Krsna-Bewusstsein hin, indem man sich als der ewige Diener der Höchsten Persönlichkeit Gottes erkennt, ohne die unpersönliche Leere als das endgültige Ziel zu betrachten. Im materiellen Leben wird man mit Sicherheit von Neigungen zu Lust und dem Wunsch nach Herrschaft über die Schätze der materiellen Natur beeinflusst. Das Begehren nach Herrschaft und die Begierde nach Sinnenbefriedigung sind die größten Feinde der bedingten Seele; doch durch die Stärke des Krsna-Bewusstseins kann man die materiellen Sinne, den Geist und die Intelligenz beherrschen. Man sollte seine Arbeit und seine vorgeschriebenen Pflichten nicht plötzlich aufgeben, doch wenn man allmählich Krsna-Bewusstsein entwickelt, kann man durch stetige Intelligenz, die auf die reine Identität gerichtet ist, in einer transzendentalen Stellung verankert werden, ohne von den materiellen Sinnen und dem Geist beeinflusst zu sein. Das ist die Essenz dieses Kapitels. Auf der unreifen Stufe materieller Existenz können philosophische Spekulationen und künstliche Versuche, die Sinne durch die sogenannte Übung von yoga-Stellungen zu kontrollieren, einem Menschen nicht helfen, spirituelles Leben zu erlangen. Er muss durch höhere Intelligenz im Krsna-Bewusstsein geschult werden. Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Dritten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel: "Karma-yoga". — 03-Karma Yoga