DREIZEHNTES KAPITEL =================== Exported from Holy-Writings.com on 2026-06-18 1 clipping 1. DREIZEHNTES KAPITEL Natur, Genießer und Bewusstsein VERS 1-2 Arjuna sagte: O mein lieber Krsna, ich möchte prakçti [die Natur], purusa [den Genießer], das Feld, den Kenner des Feldes, Wissen und das Ziel des Wissens verstehen. Darauf sprach der Segenspendende Herr: Den Körper, o Sohn Kuntis, nennt man das Feld, und wer den Körper kennt, wird als der Kenner des Feldes bezeichnet. ERLÄUTERUNG Arjuna war begierig, etwas über prakçti (die Natur), purusa (den Genießer), ksetra (das Feld), ksetrajna (den Kenner des Feldes), Wissen und das Ziel des Wissens zu erfahren. Als er nach all diesen Dingen fragte, sagte Krsna, dass der Körper das Feld sei, und derjenige, der dieses Feld kenne, werde Kenner des Feldes genannt. Der Körper ist das Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Die bedingte Seele ist im materiellen Dasein gefangen, und sie versucht, sich die materielle Natur untertan zu machen. Folglich bekommt sie, je nach ihrer Fähigkeit, die materielle Natur zu beherrschen, ein entsprechendes Tätigkeitsfeld. Dieses Tätigkeitsfeld ist der Körper. Und was ist der Körper? Der Körper besteht aus Sinnen. Die bedingte Seele möchte die Befriedigung dieser Sinne genießen, und je nach ihrem Vermögen, die Sinne zu genießen, wird ihr ein Körper oder Tätigkeitsfeld gegeben. Deshalb nennt man den Körper ksetra oder das Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Jemand nun, der sich nicht mit dem Körper identifiziert, wird als ksetrajna oder der Kenner des Feldes bezeichnet. Es ist nicht sehr schwer, den Unterschied zwischen dem Feld und seinem Kenner, das heißt zwischen dem Körper und dem Kenner des Körpers, zu verstehen. Jeder kann verstehen, dass er von der Kindheit bis zum Alter fortwährend körperlichen Wandlungen unterworfen ist und dennoch die gleiche Person bleibt. Es besteht also ein Unterschied zwischen dem Kenner des Tätigkeitsfeldes und dem Tätigkeitsfeld an sich. Eine lebendige bedingte Seele kann daher verstehen, dass sie vom Körper verschieden ist. Zu Beginn der Bhagavad-Gita wurde gesagt: dehe 'smin. Das Lebewesen befindet sich im Körper, und der Körper verändert sich von Kindheit zu Knabenzeit, von Knabenzeit zu Jugend und von Jugend zu Alter, und die Person, die den Körper besitzt, weiß, dass sich der Körper verändert. Der Eigentümer ist eindeutig ksetrajna (der Kenner des Feldes). Manchmal können wir verstehen: Ich bin glücklich; ich bin verrückt; ich bin eine Frau; ich bin ein Hund; ich bin eine Katze; wir sind die Kenner; doch der Kenner ist vom Feld verschieden. Obwohl wir viele Gegenstände gebrauchen, wie zum Beispiel unsere Kleider, wissen wir, dass wir von den Dingen, die wir benutzen, verschieden sind. In ähnlicher Weise können wir mit ein wenig Überlegung auch verstehen, dass wir vom Körper verschieden sind. In den ersten sechs Kapiteln der Bhagavad-Gita werden der Kenner des Körpers, das Lebewesen, und die Haltung, durch die es den Höchsten Herrn verstehen kann, beschrieben. In den mittleren sechs Kapiteln der Gita werden die Höchste Persönlichkeit Gottes und die Beziehung zwischen der individuellen Seele und der Überseele hinsichtlich des hingebungsvollen Dienstes beschrieben. In diesen Kapiteln werden die übergeordnete Stellung der Höchsten Persönlichkeit Gottes und die untergeordnete Stellung der individuellen Seele eindeutig definiert. Die Lebewesen sind unter allen Umständen untergeordnet, doch weil sie diese Tatsache vergessen haben, leiden sie. Wenn sie durch fromme Werke erleuchtet sind, wenden sie sich dem Herrn ihren verschiedenen Stellungen entsprechend zu: als Leidende, als diejenigen, denen es an Geld mangelt, als Neugierige und als die, die auf der Suche nach Wissen sind. Das wurde ebenfalls beschrieben. Vom Dreizehnten Kapitel an wird nun erklärt, wie das Lebewesen mit der materiellen Natur in Berührung kommt und auf welche Weise es vom Höchsten Herrn durch die verschiedenen Methoden des fruchtbringenden Tuns, der Kultivierung von Wissen und der Ausführung hingebungsvollen Dienstes befreit wird. Obwohl das Lebewesen vom materiellen Körper völlig verschieden ist, wird es irgendwie mit diesem verbunden. Auch das wird erklärt. VERS 3 O Nachkomme Bharatas, du solltest verstehen, dass Ich ebenfalls der Kenner in allen Körpern bin, und den Körper und seinen Besitzer zu kennen wird als Wissen bezeichnet. Das ist Meine Ansicht. ERLÄUTERUNG Während wir den Körper und den Besitzer des Körpers, die Seele und die Überseele erörtern, werden wir drei verschiedene Studienobjekte finden: den Herrn, das Lebewesen und die Materie. In jedem Tätigkeitsfeld, das heißt in jedem Körper, gibt es zwei Seelen: die individuelle Seele und die Überseele. Weil die Überseele eine vollständige Erweiterung der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsnas, ist, sagt Krsna: "Ich bin ebenfalls der Kenner, doch bin Ich nicht der individuelle Besitzer des Körpers. Ich bin der höchste Kenner. Ich bin in jedem Körper als Paramatma oder Überseele gegenwärtig." Wer das Thema vom Tätigkeitsfeld und dem Kenner des Feldes sehr eingehend im Sinne der Bhagavad-Gita studiert, kann Wissen erlangen. Der Herr sagt: "Ich bin der Kenner des Tätigkeitsfeldes in jedem individuellen Körper." Das Individuum mag seinen eigenen Körper kennen, doch ist es sich nicht anderer Körper bewusst. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die als Überseele in allen Körpern anwesend ist, weiß alles über alle Körper. Der Herr kennt all die verschiedenen Körper aller verschiedenen Lebensformen. Ein Bürger kennt vielleicht sein eigenes Stück Land, doch der König kennt nicht nur seinen Palast, sondern auch alle Ländereien, die die einzelnen Bürger besitzen. In ähnlicher Weise mag man der Besitzer seines eigenen Körpers sein, doch der Herr ist der Besitzer aller Körper. Der König ist der ursprüngliche Besitzer des Königreichs, und der Bürger ist der zweitrangige Besitzer. In ähnlicher Weise ist der Höchste Herr der höchste Besitzer aller Körper. Der Körper besteht aus den Sinnen. Der Höchste Herr ist Hrsikesa, was soviel bedeutet wie "Lenker der Sinne". Er ist der ursprüngliche Lenker der Sinne, ebenso wie der König der ursprüngliche Lenker aller Tätigkeiten des Staates ist; die Bürger sind zweitrangige Lenker. Der Herr sagt auch: "Ich bin ebenfalls der Kenner." Dies bedeutet, dass Er der höchste Kenner ist; die individuelle Seele kennt nur ihren jeweiligen Körper. In den vedischen Schriften heißt es: Der Körper wird ksetra genannt, und in ihm weilen der Besitzer des Körpers und der Höchste Herr, der sowohl den Körper als auch den Besitzer des Körpers kennt. Deshalb wird Er der Kenner aller Felder genannt. Der Unterschied zwischen dem Tätigkeitsfeld, dem Besitzer der Tätigkeiten und dem höchsten Besitzer der Tätigkeiten wird wie folgt beschrieben: Vollkommenes Wissen von der Beschaffenheit des Körpers, der Beschaffenheit der individuellen Seele und der Beschaffenheit der Überseele ist in den vedischen Schriften als jnanam bekannt. Das ist Krsnas Ansicht. Die Seele und die Überseele als eins und doch verschieden zu verstehen ist Wissen. Wer das Tätigkeitsfeld und den Kenner der Tätigkeit nicht versteht, verfügt über kein vollkommenes Wissen. Man muss die Position von prakçti (der Natur), purusa (dem Genießer der Natur) und Öèvara (dem Kenner), der die Natur und die individuellen Seelen beherrscht, verstehen. Man sollte diese drei in ihren verschiedenen Eigenschaften und Kräften nicht miteinander verwechseln. Man sollte den Maler, das Gemälde und die Staffelei nicht durcheinanderbringen. Die materielle Welt, die das Feld der Tätigkeiten ist, ist die Natur; der Genießer der Natur ist das Lebewesen, und über beiden steht der höchste Lenker, die Persönlichkeit Gottes. In der vedischen Literatur heißt es: bhokta bhogyaà preritaraà ca matva sarvaà proktaà trividhaà brahmam etat. Es gibt drei Auffassungen vom Brahman: prakçti ist Brahman als das Feld der Tätigkeiten; jiva (die individuelle Seele) ist auch Brahman und versucht, die materielle Natur zu beherrschen, und der Lenker beider ist ebenfalls Brahman, aber Er ist der eigentliche Herrscher. In diesem Kapitel wird auch erklärt werden, dass von den beiden Kennern der eine fehlbar und der andere unfehlbar ist. Einer ist übergeordnet, und der andere ist untergeordnet. Wer glaubt, die beiden Kenner des Feldes seien ein und derselbe, widerspricht dem Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, der hier sehr klar sagt: "Ich bin ebenfalls der Kenner des Tätigkeitsfeldes." Wer ein Seil fälschlich für eine Schlange hält, hat kein Wissen. Es gibt verschiedene Arten von Körpern, und es gibt verschiedene Besitzer der Körper. Weil jede individuelle Seele ihre individuelle Fähigkeit hat, über die materielle Natur zu herrschen, gibt es unterschiedliche Körper. Aber der Höchste ist auch in ihnen als der Lenker gegenwärtig. Das Wort ca ist hier von Bedeutung, da es auf die Gesamtzahl aller Körper hinweist. Das ist die Ansicht Srila Rupa Baladeva Vidyabhusanas. Krsna ist die Überseele, die in jedem einzelnen Körper neben der individuellen Seele weilt. Und Krsna sagt hier ausdrücklich, dass die Überseele sowohl das Tätigkeitsfeld als auch den begrenzten Genießer lenkt. VERS 4 Der Herr beschreibt hier das Tätigkeitsfeld und den Kenner des Tätigkeitsfeldes in ihren wesensgemäßen Positionen. Man muss wissen, wie der Körper beschaffen ist, aus welchen Materialien der Körper besteht, unter wessen Kontrolle der Körper arbeitet, wie die Veränderungen auftreten, woher diese Veränderungen kommen, was die Ursachen sind, was die Gründe sind, was das Endziel des Individuums ist und was die eigentliche Form der individuellen Seele ist. Man sollte ebenfalls den Unterschied zwischen der individuellen lebendigen Seele und der Überseele, ihre verschiedenen Einflüsse, ihre Potentiale usw. kennen. Man braucht nur die BhagavadGita nach der Beschreibung der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu verstehen, und all diese Punkte werden geklärt sein. Man sollte jedoch darauf achten, die Höchste Persönlichkeit Gottes in jedem Körper und jeder individuellen Seele nicht für den jiva zu halten. Das würde bedeuten, den Mächtigen mit dem Machtlosen gleichzusetzen. VERS 5 Dieses Wissen vom Tätigkeitsfeld und dem Kenner der Tätigkeiten wird von verschiedenen Weisen in verschiedenen vedischen Schriften beschrieben - besonders im Vedanta-sutra -, und es wird mit aller Beweisführung in Bezug auf Ursache und Wirkung präsentiert. ERLÄUTERUNG Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, ist die höchste Autorität, wenn es darum geht, dieses Wissen zu erklären. Selbstverständlich ist es unter erfahrenen Gelehrten und maßgebenden Autoritäten immer noch üblich, stets vorangegangene Autoritäten als Beweis anzuführen, und so erklärt Krsna diesen äußerst umstrittenen Punkt - die Dualität und Nichtdualität der Seele und der Überseele -, indem Er Sich auf Schriften wie das Vedanta-sutra bezieht, die als Autorität anerkannt sind. Als erstes sagt Er, dass dieses Wissen mit den Lehren verschiedener Weiser übereinstimmt. Außer Ihm Selbst ist auch Vyasadeva, der Verfasser des Vedanta-sutra, ein großer Weiser, und im Vedanta-sutra wird Dualität in vollendeter Form erklärt. Auch Vyasadevas Vater, Parasara, war ein großer Weiser, der in seinen Büchern über Religiosität unter anderem schreibt: aham tvaà ca athanye ... "Wir - du, ich und die verschiedenen anderen Lebewesen - sind alle transzendental, obwohl wir uns in materiellen Körpern befinden. Jetzt sind wir, je nach unserem karma, in die Bahnen der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur gefallen, und so befinden sich einige auf höheren Ebenen und andere in der niederen Natur. Die höheren und niederen Naturen existieren aufgrund von Unwissenheit und werden in einer unbegrenzten Anzahl von Lebewesen sichtbar. Die Überseele aber, die unfehlbar ist, wird von den drei Eigenschaften der Natur nicht verunreinigt - Sie ist transzendental." Auch in den ursprünglichen Veden, besonders in der Katha-Upanisad, wird zwischen der Seele, der Überseele und dem Körper unterschieden. Es gibt eine Manifestation der Energie des Herrn, annamaya genannt, durch die man einfach von Nahrung abhängig ist, um zu leben. Das ist eine materialistische Erkenntnis des Höchsten. Dann gibt es pranamaya, was bedeutet, dass man, nachdem man die Höchste Absolute Wahrheit in der Nahrung erkannt hat, die Absolute Wahrheit in den Lebenssymptomen oder in den Lebensformen wahrnehmen kann. Auf der Stufe der jnanamaya entwickelt sich das Lebenssymptom bis hin zum Denken, Fühlen und Wollen. Dann folgt Brahman-Erkenntnis und die als vijnanamaya bekannte Erkenntnis, durch die der Geist und die Lebenssymptome des Lebewesens vom Lebewesen selbst unterschieden werden. Die nächste und höchste Stufe ist anandamaya, die Erkenntnis der allglückseligen Natur. Es gibt also fünf Stufen der Brahman-Erkenntnis, die man brahma-puccham nennt. Von diesen bilden die ersten drei-annamaya, pranamaya und jnanamaya - die Tätigkeitsfelder der Lebewesen. Transzendental zu all diesen Tätigkeitsfeldern steht der Höchste Herr, der anandamaya genannt wird. Auch im Vedanta-sutra wird der Höchste als anandamayo 'bhyasat bezeichnet. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist von Natur aus voller Freude, und um Seine transzendentale Glückseligkeit zu genießen, erweitert Er Sich in vijnanamaya, pranamaya, jnanamaya und annamaya. In diesem Tätigkeitsfeld gilt das Lebewesen als der Genießer, und verschieden von ihm ist der anandamaya. Dies bedeutet, dass das Lebewesen vollkommen wird, wenn es sich entschließt, in Verbindung mit dem anandamaya zu genießen. Das ist das wahre Bild vom Höchsten Herrn als höchstem Kenner des Feldes, vom Lebewesen als untergeordnetem Kenner und von der Natur des Tätigkeitsfeldes. VERS 6-7 Die fünf Hauptelemente, falsches Ego, Intelligenz, das Unmanifestierte, die zehn Sinne, der Geist, die fünf Sinnesobjekte, Verlangen, Hass, Glück, Leid, die Gesamtheit, die Lebenssymptome und Überzeugungen - all diese werden, zusammengenommen, als das Tätigkeitsfeld und seine Wechselwirkungen angesehen. ERLÄUTERUNG Nach allen autoritativen Aussagen der großen Weisen, der vedischen Hymnen und der Aphorismen des Vedanta-sutra sind die Hauptbestandteile dieser Welt Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Dies sind die fünf wesentlichen Elemente (maha-bhuta). Als nächstes folgen falsches Ego, Intelligenz und der unmanifestierte Zustand der drei Erscheinungsweisen der Natur. Weiter gibt es fünf Sinne, um Wissen zu erwerben: Augen, Ohren, Nase, Zunge und Tastsinn; außerdem fünf Arbeitssinne: Stimme, Beine, Hände, Anus und Genitalien, und dann, über den Sinnen, den Geist, der sich im Innern befindet und deshalb auch als der innere Sinn bezeichnet werden kann. Mit dem Geist gibt es also insgesamt elf Sinne. Auch gibt es noch fünf Objekte der Sinne: Form, Klang, Geruch, Geschmack und Wärme. Die Gesamtheit dieser vierundzwanzig Elemente wird als das Tätigkeitsfeld bezeichnet. Wenn man ein analytisches Studium dieser vierundzwanzig Elemente vornimmt, kann man das Tätigkeitsfeld sehr gut verstehen. Weiter gibt es Verlangen, Hass, Freude und Schmerz, die Wechselwirkungen und Repräsentationen der fünf großen Elemente im groben Körper sind. Die Lebenssymptome, die von Bewusstsein und Überzeugung repräsentiert werden, sind die Manifestationen des feinstofflichen Körpers - Geist, Ego und Intelligenz. Diese feinstofflichen Elemente sind im Tätigkeitsfeld enthalten. Die fünf Hauptelemente sind eine grobstoffliche Repräsentation des feinstofflichen falschen Egos. Sie sind eine Repräsentation in der materiellen Auffassung. Bewusstsein wird von der Intelligenz repräsentiert, deren unmanifestierte Stufe die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur bilden. Die unmanifestierten drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur werden pradhana genannt. Wer die vierundzwanzig Elemente mit ihren Wechselwirkungen im einzelnen kennen möchte, sollte diese Philosophie eingehender studieren; in der Bhagavad-Gita wird nur eine Zusammenfassung gegeben. Der Körper ist die Repräsentation all dieser Faktoren, und es gibt sechs Veränderungen des Körpers: Er wird geboren, wächst, bleibt eine Zeitlang bestehen, erzeugt Nebenprodukte, beginnt dann zu zerfallen und vergeht schließlich. Deshalb ist das Tätigkeitsfeld eine nicht-dauerhafte, materielle Sache. Der ksetrajna jedoch, der Kenner des Feldes, sein Besitzer, ist von anderer Natur. VERS 8-12 Demut, Bescheidenheit, Gewaltlosigkeit, Duldsamkeit, Einfachheit, Aufsuchen eines echten spirituellen Meisters, Sauberkeit, Stetigkeit und Selbstbeherrschung; Entsagung der Objekte der Sinnenbefriedigung, Freisein von falschem Ego und das Erkennen des Übels von Geburt, Tod, Alter und Krankheit; Nichtangehaftetsein an Kinder, Frau, Heim und dergleichen, Gleichmut inmitten erfreulicher und unerfreulicher Ereignisse, beständige und unverfälschte Hingabe an Mich, Sichzurückziehen an einsame Orte, Loslösung von der allgemeinen Masse der Menschen, Erkenntnis der Wichtigkeit der Selbstverwirklichung und die philosophische Suche nach der Absoluten Wahrheit - all diese Dinge erkläre Ich hiermit für Wissen, und alles, was dem widerspricht, ist Unwissenheit. ERLÄUTERUNG Dieser Vorgang des Wissens wird manchmal von weniger intelligenten Menschen als die Wechselwirkung des Tätigkeitsfeldes missverstanden. Tatsächlich aber ist dies der echte Vorgang des Wissens. Wenn man diesen Vorgang annimmt, besteht die Möglichkeit, der Absoluten Wahrheit näherzukommen. Er ist nicht eine Wechselwirkung der zehnfachen Elemente, wie zuvor beschrieben wurde. Er ist eigentlich das Mittel, davon frei zu werden. Der wichtigste Aspekt des Wissens wird in der ersten Zeile des elften Verses erwähnt: Der Vorgang des Wissens gipfelt in unverfälschtem hingebungsvollem Dienst für den Herrn. Wenn man sich also dem transzendentalen Dienst des Herrn nicht zuwendet oder nicht dazu imstande ist, haben die anderen neunzehn Punkte keinen besonderen Wert. Doch wenn sich jemand dem hingebungsvollen Dienst in völligem Krsna-Bewusstsein zuwendet, entwickeln sich die restlichen neunzehn Eigenschaften von selbst in ihm. Das im achten Vers erwähnte Prinzip, einen spirituellen Meister anzunehmen, ist essentiell. Selbst für jemand, der sich dem hingebungsvollen Dienst zuwendet, ist es überaus wichtig. Transzendentales Leben beginnt, wenn man einen echten spirituellen Meister annimmt. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, sagt hier eindeutig, dass dieser Vorgang des Wissens der richtige Pfad ist. Jede Spekulation, die davon abweicht, ist Unsinn. Das hier dargelegte Wissen kann wie folgt analysiert werden: Demut bedeutet, nicht danach zu streben, von anderen geehrt zu werden. Die materielle Auffassung vom Leben macht uns sehr begierig, von anderen Ehre zu empfangen; doch in den Augen eines Menschen mit vollkommenem Wissen - der weiß, dass er nicht der Körper ist - ist alles, was sich auf den Körper bezieht, ob Ehre oder Schmach, nutzlos. Man sollte nicht diesem materiellen Selbstbetrug nachjagen. Viele Leute sind sehr darauf aus, für ihre Religion berühmt zu werden, und so kann man manchmal beobachten, wie sich jemand, ohne die Prinzipien der Religion zu verstehen, einer Gruppe anschließt, die in Wirklichkeit keine religiösen Prinzipien befolgt, und sich dann als religiöser Lehrer aufspielen möchte. Um zu prüfen, wie weit man tatsächlich in der spirituellen Wissenschaft fortgeschritten ist, sollte man anhand dieser Gesichtspunkte urteilen. Unter Gewaltlosigkeit wird im allgemeinen verstanden, den Körper nicht zu töten oder zu zerstören; doch in Wirklichkeit bedeutet Gewaltlosigkeit, anderen kein Leid zuzufügen. Die meisten Menschen sind durch Unwissenheit in der materiellen Lebensauffassung gefangen und erleiden daher unaufhörlich materielle Qualen. Solange man also die Menschen nicht zu spirituellem Wissen erhebt, ist man gewalttätig. Man sollte sein Bestes versuchen, den Menschen wirkliches Wissen zu vermitteln, so dass sie erleuchtet werden und der materiellen Verstrickung entkommen können. Das ist Gewaltlosigkeit. Duldsamkeit bedeutet, es gelernt zu haben, Beleidigungen und Schmähungen seitens anderer zu ertragen. Wenn man sich bemüht, im spirituellen Wissen fortzuschreiten, wird man oft von anderen beleidigt und geschmäht. Das ist zu erwarten, weil die materielle Natur so beschaffen ist. Selbst ein Junge wie Prahlada, der schon mit fünf Jahren spirituelles Wissen kultivierte, geriet in Gefahr, als sein Vater seine Hingabe unterbinden wollte. Der Vater versuchte, ihn auf viele Arten zu töten, doch Prahlada ließ sich das von ihm gefallen. Es kann also viele Hindernisse geben, wenn man Fortschritte im spirituellen Wissen machen will, doch wir sollten Geduld haben und mit Entschlossenheit weiter vorwärtsschreiten. Einfachheit bedeutet, dass man ohne Diplomatie so aufrichtig sein sollte, dass man sogar einem Feind die reine Wahrheit offenbaren kann. Einen spirituellen Meister anzunehmen ist unbedingt notwendig, weil man ohne die Anweisungen eines echten spirituellen Meisters in der spirituellen Wissenschaft nicht fortschreiten kann. Man sollte sich dem spirituellen Meister in aller Demut nähern und ihm alle Dienste anbieten, so dass es ihm eine Freude sein wird, dem Schüler seine Segnungen zu erteilen. Wenn ein spiritueller Meister seinen Schüler segnet, macht der Schüler sogleich Fortschritte, ohne die regulierenden Prinzipien zu befolgen, denn ein echter spiritueller Meister ist ein Repräsentant Krsnas. Zumindest wird es einem Schüler, der dem spirituellen Meister vorbehaltlos gedient hat, leichter fallen, die regulierenden Prinzipien einzuhalten. Sauberheit ist unerlässlich, um im spirituellen Leben Fortschritte zu machen. Es gibt zwei Arten von Sauberheit: äußere und innere. Äußere Sauberkeit bedeutet, ein Bad zu nehmen, doch um innerlich sauber zu werden, muss man immer an Krsna denken und Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare chanten. Dieser Vorgang reinigt den Geist vom angesammelten Staub vergangenen karmas. Stetigkeit bedeutet, sehr entschlossen zu sein, Fortschritt im spirituellen Leben zu machen. Ohne solche Entschlossenheit kann man keinen spürbaren Fortschritt machen. Und Selbstbeherrschung bedeutet, nichts anzunehmen, was dem Pfad des spirituellen Fortschritts entgegensteht. Man sollte es sich zur Gewohnheit machen, alles abzulehnen, was gegen den Pfad spirituellen Fortschritts ist. Das ist wirkliche Entsagung. Die Sinne sind so stark, dass sie ständig nach Befriedigung begehren. Man sollte solchen Bedürfnissen, die nicht notwendig sind, nicht nachgeben. Die Sinne sollten nur befriedigt werden, um den Körper gesund zu halten, so dass man seine Pflicht, im spirituellen Leben fortzuschreiten, erfüllen kann. Der wichtigste und zügelloseste aller Sinne ist die Zunge. Wenn man die Zunge beherrschen kann, ist es auch möglich, die anderen Sinne zu kontrollieren. Die Zunge hat die Aufgabe, zu schmecken und Klangschwingungen zu erzeugen; deshalb sollte die Zunge durch systematische Regulierung immer damit beschäftigt sein, die Reste von Krsna geopferten Speisen zu schmecken und Hare Krsna zu chanten. Was die Augen betrifft, so sollte ihnen nicht erlaubt werden, etwas anderes zu sehen als die schöne Gestalt Krsnas. Das wird die Augen beherrschen. In ähnlicher Weise sollten die Ohren damit beschäftigt werden, von Krsna zu hören, und die Nase sollte Krsna geopferte Blumen riechen. Das ist der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes, und hieraus kann man ersehen, dass die Bhagavad-Gita nichts anderes darlegt als die Wissenschaft des hingebungsvollen Dienstes. Hingebungsvoller Dienst ist das einzige und hauptsächliche Ziel. Unintelligente Kommentatoren versuchen, den Geist des Lesers auf andere Dinge zu lenken, doch es gibt in der Bhagavad-Gita kein anderes Thema als hingebungsvollen Dienst. Falsches Ego bedeutet, den Körper für sich selbst zu halten. Wenn man versteht, dass man nicht der Körper, sondern spirituelle Seele ist, so ist das wahres Ego. Ego ist existent. Falsches Ego wird verurteilt, aber nicht das wahre Ego. In den vedischen Schriften wird gesagt: aham brahmasmi. "Ich bin Brahman, ich bin spirituelle Seele." Dieses "ich bin", dieses Gefühl des Selbst, existiert auch auf der befreiten Stufe der Selbstverwirklichung. Dieses Gefühl des "ich bin" ist das Ego, doch wenn dieses Gefühl des "ich bin" auf den falschen Körper gerichtet wird, ist es falsches Ego. Wenn das Gefühl des Selbst jedoch auf die Realität gerichtet wird, ist dies das wahre Ego. Einige Philosophen sagen, wir sollten unser Ego aufgeben, aber wir können unser Ego nicht aufgeben, denn Ego bedeutet Identität. Selbstverständlich sollten wir die falsche Identifizierung mit dem Körper aufgeben. Man sollte versuchen, das Leid zu verstehen, das darin besteht, Geburt, Tod, Alter und Krankheit ertragen zu müssen. Es gibt in den verschiedenen vedischen Schriften Beschreibungen der Geburt. Im Srimad-Bhagavatam finden wir eine anschauliche Beschreibung der Welt des Ungeborenen, das heißt, unter welchen Bedingungen das Kind im Mutterschoß lebt, wie es leidet, usw. Man sollte unbedingt verstehen, dass Geburt qualvoll ist. Weil wir vergessen haben, wie sehr wir im Schoß der Mutter gelitten haben, lösen wir nicht das Problem der Wiederholung von Geburt und Tod. In ähnlicher Weise gibt es zur Zeit des Todes vielerlei Leiden, die ebenfalls in den maßgebenden Schriften erwähnt werden. Diese Schriften sollten diskutiert werden. Und was Krankheit und Alter betrifft, so macht jeder die praktische Erfahrung davon. Niemand möchte krank sein, und niemand will alt werden, doch Krankheit und Alter sind unvermeidlich. Solange wir das materialistische Leben in Anbetracht der Leiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod nicht mit Pessimismus sehen, haben wir keinen Antrieb, im spirituellen Leben Fortschritt zu machen. Mit der Loslösung von Heim, Frau und Kindern ist nicht gemeint, dass man keine Gefühle für sie haben soll. Zuneigung zu ihnen ist natürlich, doch wenn sie für den spirituellen Fortschritt nicht förderlich sind, sollte man nicht an ihnen hängen. Der beste Vorgang, sein Heim angenehm zu gestalten, ist Krsna-Bewusstsein. Wenn jemand völlig im Krsna-Bewusstsein lebt, kann er in seinem Heim eine sehr glückliche Atmosphäre schaffen, denn dieser Vorgang des Krsna-Bewusstseins ist sehr einfach. Man braucht nur Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare zu chanten, die Überreste von Speisen zu essen, die Krsna geopfert wurden, über Bücher wie die Bhagavad-Gita und das Srimad-Bhagavatam zu sprechen und die Bildgestalten Krsnas zu verehren. Diese vier Dinge werden einen glücklich machen. Man sollte die Mitglieder seiner Familie also in dieser Weise schulen. Die Familienangehörigen können sich morgens und abends zusammensetzen und gemeinsam Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare chanten. Wenn man sein Familienleben auf diese Weise gestalten kann, um Krsna-Bewusstsein zu entwickeln, indem man diesen vier Prinzipien folgt, ist es nicht notwendig, vom Familienleben zu einem Leben der Entsagung zu wechseln. Wenn es jedoch für den spirituellen Fortschritt nicht zuträglich oder förderlich ist, sollte das Familienleben aufgegeben werden. Man muss alles opfern, um Krsna zu erkennen oder zu dienen, genau wie Arjuna. Arjuna wollte seine Familienangehörigen nicht töten, aber als er verstand, dass diese Familienangehörigen Hindernisse für seine Erkenntnis Krsnas waren, nahm er Krsnas Anweisungen an, kämpfte gegen seine Verwandten und tötete sie. In jedem Fall sollte man vom Glück und Leid des Familienlebens losgelöst sein, denn in dieser Welt kann man niemals völlig glücklich oder völlig unglücklich sein. Glück und Leid sind untrennbare Faktoren des materiellen Lebens. Wie in der Bhagavad-Gita empfohlen wird, sollte man lernen, sie zu dulden. Da man dem Kommen und Gehen von Glück und Leid niemals Einhalt gebieten kann, sollte man sich von der materialistischen Lebensweise lösen und von selbst in beiden Fällen gleichmütig bleiben. Gewöhnlich sind wir sehr glücklich, wenn wir etwas Erwünschtes bekommen, und wenn uns etwas Unerwünschtes widerfährt, sind wir unglücklich. Wenn wir jedoch tatsächlich auf der spirituellen Ebene verankert sind, werden uns diese Dinge nicht länger berühren. Um diese Stufe zu erreichen, müssen wir unabweichlichen, uneingeschränkten hingebungsvollen Dienst praktizieren; hingebungsvoller Dienst für Krsna ohne Abweichung bedeutet, sich in den neun Vorgängen des hingebungsvollen Dienstes, Chanten, Hören, Verehren, Ehrerbietungen erweisen usw., zu betätigen, wie im letzten Vers des Neunten Kapitels beschrieben wird. Diesem Vorgang sollte man folgen. Wenn man ein spirituelles Leben führt, wird man natürlicherweise nicht mehr mit materialistischen Menschen zusammensein wollen. Das würde einem zuwider sein. Man kann sich prüfen, indem man feststellt, inwieweit man geneigt ist, an einem einsamen Ort ohne unerwünschten Umgang zu leben. Natürlicherweise findet ein Gottgeweihter keinen Geschmack an unnötigem Sport, Kinobesuchen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen, denn er versteht, dass diese Dinge nichts als Zeitverschwendung sind. Es gibt viele Forscher und Philosophen, die das sexuelle Verhalten oder irgendetwas anderes studieren, doch nach den Lehren der Bhagavad-Gita haben solche Forschungsarbeiten und philosophischen Spekulationen keinen Wert. All dies ist mehr oder weniger unsinnig. Der Bhagavad-Gita gemäß sollte man mit philosophischer Besonnenheit das Wesen der Seele erforschen. Man sollte forschen, um zu verstehen, was für das Selbst von Wichtigkeit ist. Das wird hier empfohlen. Was Selbstverwirklichung anbelangt, so heißt es hier klar, dass bhakti-yoga besonders geeignet ist. Sobald von Hingabe die Rede ist, muss man die Beziehung zwischen der Überseele und der individuellen Seele in Betracht ziehen. Die individuelle Seele und die Überseele können nicht eins sein - zumindest nicht in der bhakti-Auffassung, der hingebungsvollen Außassung vom Leben. Dieser Dienst der individuellen Seele für die Höchste Seele ist nityam (ewig), wie es hier eindeutig heißt. Bhakti oder hingebungsvoller Dienst ist also ewig. Man sollte in dieser philosophischen Überzeugung gefestigt sein, sonst verschwendet man nur Zeit und befindet sich in Unwissenheit. Dies wird auch im Srimad-Bhagavatam (1.2.11) erklärt: „Diejenigen, die die Absolute Wahrheit wahrhaft kennen, wissen, dass das Höchste Selbst in drei verschiedenen Aspekten als Brahman, Paramatma und Bhagavan erkannt wird." Bhagavan ist die höchste Stufe in der Erkenntnis der Absoluten Wahrheit; deshalb sollte man die Ebene des Verständnisses der Höchsten Persönlichkeit Gottes erreichen und sich dann im hingebungsvollen Dienst des Herrn beschäftigen. Das ist die Vollkommenheit des Wissens. Angefangen mit dem Sichüben in Demut bis zur Erkenntnis der Höchsten Wahrheit, der Absoluten Persönlichkeit Gottes, gleicht der ganze Vorgang einer Treppe, die vom Erdgeschoß bis zum obersten Stockwerk führt. Auf dieser Treppe stehen viele Menschen, die bereits den ersten, zweiten oder dritten Stock erreicht haben, doch solange man nicht das oberste Stockwerk erreicht, das heißt Krsna versteht, befindet man sich auf einer unteren Stufe des Wissens. Wenn sich jemand mit Gott messen und zur selben Zeit Fortschritte im spirituellen Wissen machen will, wird er frustriert werden. Es wird klar gesagt, dass ohne Demut Wissen schädlich ist. Sich für Gott zu halten ist höchst eingebildet. Obwohl das Lebewesen ständig von den strengen Gesetzen der Natur getreten wird, denkt es aufgrund von Unwissenheit: "Ich bin Gott." Man sollte demütig sein und wissen, dass man dem Höchsten Herrn untergeordnet ist. Nur weil man gegen den Höchsten Herrn rebelliert, gerät man unter den Einfluss der materiellen Natur. Man muss diese Wahrheit erkennen und von ihr überzeugt sein. VERS 13 Ich werde dir jetzt das Erkennbare erklären, bei dessen Erkenntnis du das Ewige kosten wirst. Es ist anfanglos und Mir untergeordnet. Man nennt es Brahman oder die spirituelle Natur, und es liegt jenseits der Ursache und Wirkung dieser materiellen Welt. ERLÄUTERUNG Der Herr hat das Tätigkeitsfeld und den Kenner des Feldes erklärt. Er hat auch erklärt, wie man den Kenner des Tätigkeitsfeldes erkennen kann. Jetzt erklärt Er das Erkennbare, das heißt die Seele und die Überseele. Wenn man den Kenner, nämlich die Seele und die Überseele, kennt, kann man den Nektar des Lebens kosten. Wie im Zweiten Kapitel erklärt wird, ist das Lebewesen ewig. Das wird auch hier bestätigt. Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt, an dem der jiva geboren wurde, noch kann jemand herausfinden, wann der jivatma vom Höchsten Herrn manifestiert wurde. Deshalb hat er keinen Anfang. Die vedischen Schriften bestätigen dies: na jayate mriyate va vispaècit. Der Kenner des Körpers wird niemals geboren und stirbt niemals, und er ist voller Wissen. Der Höchste Herr wird in der vedischen Literatur auch als pradhana-ksetrajna-patir gunesah beschrieben. Der Höchste Herr ist als die Überseele der Hauptkenner des Körpers, und Er ist der Herr der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. In der smrti heißt es: Die Lebewesen stehen ewig im Dienst des Höchsten Herrn. Das wird auch von Sri Caitanyas Lehren bestätigt; deshalb bezieht sich die in diesem Vers erwähnte Beschreibung des Brahman auf die individuelle Seele, und wenn mit dem Wort "Brahman" das Lebewesen gemeint ist, muss man verstehen, dass das Le- bewesen vijnanam brahma im Gegensatz zu ananta-brahma ist. Ananta-brahma ist das Höchste Brahman, die Persönlichkeit Gottes. VERS 14 Überall sind die Hände, Beine, Augen und Gesichter des Herrn, und Er hört alles. Auf diese Weise existiert die Überseele. ERLÄUTERUNG Ähnlich wie die Sonne, die ihre zahllosen Strahlen verbreitet, existiert auch die Überseele oder Höchste Persönlichkeit Gottes. Sie existiert in Ihrer alldurchdringenden Form, und in Ihr existieren alle individuellen Lebewesen -angefangen mit dem ersten großen Lehrer, Brahma, bis hinab zu den kleinen Ameisen. Es gibt unbegrenzt viele Köpfe, Beine, Hände und Augen und unbegrenzt viele Lebewesen. Sie alle existieren in der Überseele und sind von Ihr abhängig. Deshalb ist die Überseele alldurchdringend. Die individuelle Seele kann jedoch nicht von sich behaupten, sie habe ihre Hände, Beine und Augen überall. Das ist nicht möglich. Wenn sie denkt, aufgrund von Unwissenheit sei sie sich nicht bewusst, dass ihre Hände und Beine überall verbreitet seien, sie werde aber zu dieser Stufe kommen, wenn sie richtiges Wissen erlange, widerspricht sich dieses Denken. Das würde nämlich bedeuten, dass die individuelle Seele, da sie von der materiellen Natur bedingt wurde, nicht in höchster Stellung steht. Der Höchste ist von Der individuellen Seele verschieden. Der Höchste Herr kann Seine Hand unbegrenzt weit ausstrecken; die individuelle Seele kann dies nicht. In der Bhagavad-Gita sagt der Herr, dass Er von jedem, der Ihm eine Blume oder eine Frucht oder ein wenig Wasser opfert, solches annimmt. Hier mag sich die Frage stellen, wie der Herr Dinge annehmen kann, wenn Er so weit entfernt ist. Das ist die Allmacht des Herrn. Obwohl Er Sich in Seinem Reich, weit entfernt von der Erde, aufhält, kann Er Seine Hand überallhin ausstrecken, um Opfergaben anzunehmen. Das ist Seine Macht. In der Brahma-samhita heißt es: goloka eva nivasati. Obwohl Er auf Seinem transzendentalen Planeten immer in Spiele vertieft ist, ist Er alldurchdringend. Die individuelle Seele kann nicht behaupten, sie sei alldurchdringend. Folglich beschreibt dieser Vers die Höchste Seele, die Persönlichkeit Gottes, nicht die individuelle Seele. VERS 15 Die Überseele ist die ursprüngliche Quelle aller Sinne, und doch ist Sie ohne Sinne. Der Herr ist unangehaftet, obwohl Er der Erhalter aller Lebewesen ist. Er steht in transzendentaler Stellung zu den Erscheinungsweisen der Natur, und zugleich ist Er der Herr aller Erscheinungsweisen der materiellen Natur. ERLÄUTERUNG Obwohl der Höchste Herr der Ursprung aller Sinne der Lebewesen ist, hat Er keine materiellen Sinne wie sie. Eigentlich haben die individuellen Seelen spirituelle Sinne, doch im bedingten Leben sind diese von den materiellen Elementen bedeckt, und so werden die Tätigkeiten der Sinne durch Materie hindurch entfaltet. Die Sinne des Höchsten Herrn sind nicht in solcher Weise bedeckt. Seine Sinne sind transzendental und werden daher nirguna genannt. Mit guäa sind die materiellen Erscheinungsweisen gemeint, doch Seine Sinne sind nicht von Materie bedeckt. Man sollte verstehen, dass Seine Sinne nicht wie die unseren sind. Obwohl Er die Quelle all unserer Sinnestätigkeiten ist, hat Er transzendentale Sinne, die nicht verunreinigt sind. Das wird sehr schön in der Svetasvatara Upanisad erklärt: sarvataÉ paäi-padam. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, hat keine Hände, die materiell verunreinigt sind, aber Er hat Hände, mit denen Er alle Opfer annimmt, die Ihm dargebracht werden. Das ist der Unterschied zwischen der bedingten Seele und der Überseele. Der Paramatma hat zwar keine materiellen Augen, aber Er hat Augen - wie könnte Er sonst sehen. Er sieht alles in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er lebt im Herzen des Lebewesens und weiß, was wir in der Vergangenheit getan haben, was wir jetzt tun und was uns in der Zukunft erwartet. Das wird auch in der Bhagavad-Gita bestätigt: "Er weiß alles, doch niemand kennt Ihn." Es wird gesagt, dass der Höchste Herr keine Beine hat wie wir, doch Er kann durch den Weltraum reisen, weil Er spirituelle Beine hat. Mit anderen Worten: Der Herr ist nicht unpersönlich; Er hat Augen, Beine, Hände und alles andere, und weil wir Teile des Höchsten Herrn sind, haben auch wir diese Dinge. Doch Seine Hände, Beine, Augen und Sinne sind nicht durch die materielle Natur verunreinigt. Die Bhagavad-Gita bestätigt ebenfalls, dass der Herr, wenn Er herabsteigt, durch Seine innere Kraft unverändert, wie Er ist, erscheint. Er wird durch die materielle Energie nicht verunreinigt, weil Er der Herr der materiellen Energie ist. In den vedischen Schriften finden wir, dass Seine ganze Verkörperung spirituell ist. Er hat Seine ewige Gestalt, die man sac-cid-ananda-vigraha nennt. Er ist von allem Reichtum erfüllt. Er ist der Besitzer aller Schätze und der Eigentümer aller Energie. Er ist der Intelligenteste, und Er ist voller Wissen. Dies sind einige Kennzeichen der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Er ist der Erhalter aller Lebewesen und der Zeuge jeder Tätigkeit. Wie wir aus den vedischen Schriften verstehen können, ist der Herr immer transzendental. Obwohl wir Seinen Kopf, Sein Gesicht, Seine Hände und Seine Beine nicht sehen können, sind sie da, und wenn wir auf die transzendentale Stufe erhoben werden, können wird die Gestalt des Herrn sehen. Weil unsere Sinne durch Materie verunreinigt sind, können wir Seine Gestalt nicht wahrnehmen. Deshalb können die Unpersönlichkeitsanhänger, die immer noch von Materie beeinflusst werden, die Persönlichkeit Gottes nicht verstehen. VERS 16 Der Herr, die Höchste Wahrheit, existiert sowohl innerhalb als auch außerhalb - im Sichbewegenden und im Sich-nicht-Bewegenden. Es ist nicht möglich, Ihn durch materielle Sinne zu sehen oder zu erkennen. Obwohl weit, weit entfernt, ist Er allem auch nah. ERLÄUTERUNG Aus der vedischen Literatur verstehen wir, dass Narayaäa, die Höchste Person, sowohl innerhalb als auch außerhalb jedes Lebewesens weilt. Er ist sowohl in der spirituellen als auch in der materiellen Welt gegenwärtig. Obwohl Er weit, weit entfernt ist, ist Er uns doch sehr nah. So lauten die Aussagen der vedischen Literatur. Und weil Er immer in transzendentaler Glückseligkeit vertieft ist, können wir nicht verstehen, wie Er all Seinen Reichtum genießt. Dies können wir mit unseren materiellen Sinnen nicht verstehen oder erfahren. Deshalb heißt es der vedischen Version gemäß, dass unser materieller Geist und unsere materiellen Sinne nicht geeignet sind, Ihn zu verstehen. Wer jedoch seine Sinne und seinen Geist durch das Praktizieren von Krsna-Bewusstsein im hingebungsvollen Dienst gereinigt hat, kann den Herrn ständig sehen. In der Brahma-samhita wird bestätigt, dass der Gottgeweihte, der Liebe zum Höchsten Gott entwickelt hat, den Herrn immer ohne Unterbrechung sehen kann. Und in der Bhagavad-Gita (11.54) wird erklärt, dass Er nur durch hingebungsvollen Dienst gesehen und verstanden werden kann. VERS 17 Obwohl der Herr, die Überseele, in viele aufgeteilt zu sein scheint, ist Er niemals geteilt. Er ist Einer. Obwohl Er der Erhalter aller Lebewesen ist, muss man verstehen, dass Er sie alle verschlingt und entwickelt. ERLÄUTERUNG Der Herr weilt als Überseele im Herzen eines jeden. Bedeutet das aber, dass Er Sich aufgeteilt hat? Nein. Im Grunde ist Er Einer. In diesem Zusammenhang wird das Beispiel der Sonne gegeben: Im Zenit hat die Sonne einen bestimmten Standort. Wenn man aber 5000 Kilometer in alle Richtungen ginge und fragte: „Wo ist die Sonne?", würde jeder sagen, dass sie auf seinen Kopf scheine. In der vedischen Literatur wird dieses Beispiel gegeben, um zu zeigen, dass der Herr, obwohl Er ungeteilt ist, aufgeteilt zu sein scheint. In der vedischen Literatur heißt es auch, dass ein Visnu durch Seine Allmacht überall gegenwärtig ist, ebenso wie die Sonne vielen Menschen an vielen Orten erscheint. Und obwohl der Höchste Herr der Erhalter eines jeden Lebewesens ist, wird zur Zeit der Vernichtung alles von Ihm verschlungen. Das wurde im Elften Kapitel bestätigt, als der Herr sagte, dass Er gekommen sei, um alle auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra versammelten Krieger zu verschlingen. Er erwähnte auch, dass Er in der Form der Zeit ebenfalls alles verschlinge. Er ist der Vernichter und der Töter aller. Zur Zeit der Schöpfung entwickelt Er alle aus ihrem ursprünglichen Zustand, und zur Zeit der Vernichtung verschlingt Er sie. Die vedischen Hymnen bestätigen die Tatsache, dass Er der Ursprung und der Ruheort aller Lebewesen ist. Nach der Schöpfung ruht alles in Seiner Allmacht, und nach der Vernichtung kehrt alles wieder zurück, um in Ihm zu ruhen. So lauten die Bestätigungen der vedischen Hymnen. VERS 18 Er ist die Lichtquelle in allen leuchtenden Gegenständen. Er befindet Sich jenseits der Dunkelheit der Materie und ist unmanifestiert. Er ist Wissen, Er ist der Gegenstand des Wissens, und Er ist das Ziel des Wissens. Er weilt im Herzen eines jeden. ERLÄUTERUNG Die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die Lichtquelle in allen leuchtenden Gegenständen wie Sonne, Mond, Sternen usw. Aus der vedischen Literatur erfahren wir, dass im spirituellen Königreich Sonne und Mond nicht notwendig sind, weil dort alles von der Ausstrahlung des Höchsten Herrn erleuchtet wird. In der materiellen Welt ist dieses brahmajyoti, die spirituelle Ausstrahlung des Herrn, vom mahat-tattva oder den materiellen Elementen bedeckt. Deshalb benötigen wir in der materiellen Welt die Hilfe von Sonne, Mond, Elektrizität usw., um Licht zu haben. In der spirituellen Welt aber sind solche Dinge nicht notwendig. In der vedischen Literatur wird klar gesagt, dass alles von der gleißenden Ausstrahlung des Herrn erleuchtet wird. Es ist daher klar, dass Sein Aufenthaltsort nicht in der materiellen Welt liegt. Er weilt in der spirituellen Welt, die weit, weit entfernt im spirituellen Himmel liegt. Auch das wird in der vedischen Literatur bestätigt: Er gleicht der Sonne, ewig leuchtend, doch befindet Er Sich weit, weit jenseits der Dunkelheit der materiellen Welt. Sein Wissen ist transzendental. Die vedische Literatur bestätigt, dass Brahman konzentriertes transzendentales Wissen ist. Wenn jemand in die spirituelle Welt erhoben werden möchte, gibt ihm der Höchste Herr, der im Herzen eines jeden weilt, das dazu notwendige Wissen. Einer der vedischen mantras lautet: Man muss sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergeben, wenn man tatsächlich befreit werden will. Und was das Ziel endgültigen Wissens betrifft, so wird in der vedischen Literatur ebenfalls bestätigt: "Nur wenn man Dich kennt, kann man die Grenzen von Geburt und Tod überschreiten." Er weilt im Herzen eines jeden als höchster Lenker. Die Beine und Hände des Höchsten sind überallhin verbreitet, was man von der individuellen Seele nicht behaupten kann. Daher muss man anerkennen, dass es zwei Kenner des Tätigkeitsfeldes gibt - die individuelle Seele und die Überseele. Unsere Hände und Beine befinden sich nur an einem Ort, doch Krsnas Hände und Beine sind überall verbreitet. Das wird in der Svetasvatara Upanisad bestätigt: Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Überseele, ist der prabhu oder Herr aller Lebewesen; deshalb ist Sie der letztliche Mittelpunkt aller Lebewesen. Man kann also nicht die Tatsache leugnen, dass die Höchste Überseele und die individuelle Seele immer verschieden sind. VERS 19 Somit habe Ich das Feld der Tätigkeiten [den Körper], Wissen und das Erkennbare zusammenfassend beschrieben. Nur Meine Geweihten können dies genau verstehen und so Meine Natur erreichen. ERLÄUTERUNG Der Herr hat in einer Zusammenfassung den Körper, Wissen und das Erkennbare beschrieben. Dieses Wissen umfasst drei Dinge: den Kenner, das Erkennbare und den Vorgang der Erkenntnis. Zusammen nennt man sie vijnanam oder die Wissenschaft von der Erkenntnis. Vollkommenes Wissen kann von den unverfälschten Geweihten des Herrn direkt verstanden werden. Andere sind dazu nicht imstande. Die Monisten sagen, dass diese drei Dinge letztlich eins werden, doch die Gottgeweihten stimmen dem nicht zu. Wissen und die Entwicklung von Wissen bedeuten, sich selbst im Krsna-Bewusstsein zu verstehen. Wir lassen uns von materiellem Bewusstsein leiten, doch sobald wir alles Bewusstsein auf Krsnas Taten übertragen und erkennen, dass Krsna alles ist, erreichen wir wirkliches Wissen. Mit anderen Worten: Wissen ist nichts anderes als die Vorstufe des vollkommenen Verständnisses von hingebungsvollem Dienst. VERS 20 Man sollte verstehen, dass die materielle Natur und die Lebewesen anfanglos sind. Ihre Umwandlungen und die Erscheinungsweisen der Materie sind Produkte der materiellen Natur. ERLÄUTERUNG Durch dieses Wissen können der Körper, das Feld der Tätigkeiten und die Kenner des Körpers (sowohl die individuelle Seele als auch die Überseele) erkannt werden. Der Körper ist das Tätigkeitsfeld und ist aus der materiellen Natur zusammengesetzt. Die individuelle Seele ist im Körper eingeschlossen. Der purusa oder das Lebewesen genießt die Tätigkeiten des Körpers. Er ist ein Kenner, und der andere ist die Überseele. Natürlich muss man verstehen, dass sowohl die Überseele als auch das individuelle Lebewesen verschiedene Manifestationen der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind. Das Lebewesen gehört zu Seiner Energie, und die Überseele gehört zu Seinen persönlichen Erweiterungen. Sowohl die materielle Natur als auch das Lebewesen sind ewig. Das bedeutet, dass sie bereits vor der Schöpfung existierten. Die materielle Manifestation kommt von der Energie des Höchsten Herrn, ebenso wie die Lebewesen, doch sind diese von höherer Energie. Beide existierten, bevor dieser Kosmos manifestiert wurde. Die materielle Natur ruhte in der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Maha-Visnu, und als es notwendig war, wurde sie mit Hilfe des mahat-tattva manifestiert. In ähnlicher Weise weilen auch die Lebewesen in Ihm, doch weil sie bedingt sind, weigern sie sich, dem Höchsten Herrn zu dienen. Daher ist es ihnen nicht gestattet, in den spirituellen Himmel einzugehen. Nachdem die materielle Natur aufgelöst worden ist, wird diesen Lebewesen erneut die Möglichkeit gegeben, in der materiellen Welt zu handeln und sich darauf vorzubereiten, in die spirituelle Welt zurückzukehren. Das ist das Mysterium dieser materiellen Schöpfung. Eigentlich ist das Lebewesen ursprünglich ein spirituelles Teilchen des Höchsten Herrn, doch wegen seiner rebellischen Haltung ist es durch die materielle Natur bedingt. Es ist tatsächlich nicht wichtig, wie die Lebewesen oder höheren Bestandteile des Höchsten Herrn mit der materiellen Natur in Berührung gekommen sind. Die Höchste Persönlichkeit Gottes weiß jedoch, wie und warum dies geschah. In den Schriften sagt der Herr, dass diejenigen, die sich zur materiellen Natur hingezogen fühlen, einen harten Kampf ums Dasein führen müssen. Aber wir sollten den Beschreibungen dieser wenigen Verse mit Gewissheit entnehmen, dass alle Wandlungen und Einflüsse der materiellen Natur, die durch die drei Erscheinungsweisen hervorgerufen werden, ebenfalls Produkte der materiellen Natur sind. Alle Wandlungen und Verschiedenheiten hinsichtlich der Lebewesen beziehen sich auf den Körper. Was die spirituelle Natur betrifft, so sind die Lebewesen alle gleich. VERS 21 Die Natur gilt als die Ursache aller materiellen Tätigkeiten und Wirkungen, wohingegen das Lebewesen die Ursache der verschiedenen Leiden und Genüsse in der Welt ist. ERLÄUTERUNG Die verschiedenen Manifestationen von Körpern und Sinnen, die unter den Lebewesen zu finden sind, haben ihre Ursache in der materiellen Natur. Es gibt 8 400 000 verschiedene Arten des Lebens, und diese Verschiedenheiten sind die Schöpfung der materiellen Natur. Sie entstehen aus den verschiedenen Sinnenfreuden des Lebewesens, das so den Wunsch ausdrückt, in diesem oder jenem Körper zu leben. Wenn es in verschiedene Körper gesetzt wird, genießt es verschiedene Formen von Glück und Leid. Sein materielles Glück und Leid sind auf den Körper zurückzuführen, nicht auf es selbst, wie es ist. In seinem ursprünglichen Zustand gibt es zweifellos Genuss; deshalb ist das sein wirklicher Zustand. Aufgrund seines Wunsches, die materielle Natur zu beherrschen, befindet es sich in der materiellen Welt. In der spirituellen Welt gibt es so etwas nicht. Die spirituelle Welt ist rein, doch in der materiellen Welt kämpft jeder schwer, um Dinge zu erbeuten, die dem Körper verschiedene Freuden bescheren. Um es deutlicher auszudrücken: Der Körper ist das Ergebnis der Sinnesorgane. Die Sinne sind Instrumente, um Wünsche zu befriedigen. Dem Lebewesen wird also alles zusammen - Körper und Sinneswerkzeuge - von der materiellen Natur zur Verfügung gestellt, und wie der nächste Vers klarmacht, wird das Lebewesen je nach seinen vergangenen Wünschen und Tätigkeiten mit den entsprechenden Umständen gesegnet oder bestraft. Seinen Wünschen und Tätigkeiten gemäß wird man von der materiellen Natur in verschiedene Wohnstätten gesetzt. Das Lebewesen selbst ist die Ursache solcher Wohnstätten und der es begleitenden Freuden und Leiden. Einmal in einen bestimmten Körper gesetzt, kommt es unter die Herrschaft der Natur; da nämlich der Körper aus Materie besteht, handelt er nach den Gesetzen der Natur. Zu dem Zeitpunkt hat das Lebewesen nicht die Macht, dieses Gesetz zu ändern. Nehmen wir an, ein Wesen wird in den Körper eines Hundes gesetzt. Sobald es in den Körper eines Hundes gesetzt worden ist, muss es wie ein Hund handeln. Es kamt nicht anders handeln. Und wenn das Lebewesen in den Körper eines Schweines gesetzt wird, ist es gezwungen, Kot zu fressen und wie ein Schwein zu handeln. In ähnlicher Weise muss das Lebewesen, wenn es in den Körper eines Halbgottes gesetzt wird, in Entsprechung zu diesem Körper handeln. Das ist das Gesetz der Natur. Doch unter allen Umständen ist die Überseele bei der individuellen Seele. Dies wird in den Veden wie folgt erklärt: Der Höchste Herr ist mit dem Lebewesen so gütig, dass Er die individuelle Seele immer begleitet und unter allen Umständen als Überseele oder Paramatma gegenwärtig ist. VERS 22 So folgt das Lebewesen in der materiellen Natur den Wegen des Lebens und genießt die drei Erscheinungsweisen der Natur. Das hat seine Ursache in der Verbindung mit dieser materiellen Natur. Auf diese Weise trifft es mit Gut und Schlecht unter den verschiedenen Arten des Lebens zusammen. ERLÄUTERUNG Dieser Vers ist sehr wichtig, um zu verstehen, wie das Lebewesen von einem Körper zum anderen wandert. Im Zweiten Kapitel wurde erklärt, dass das Lebewesen von Körper zu Körper wandert, so wie jemand Kleider wechselt. Dieses Wechseln der Kleidung ist auf die Anhaftung des Lebewesens an die materielle Existenz zurückzuführen. Solange es von dieser falschen materiellen Manifestation gefangen ist, muss es weiter von einem Körper zum anderen wandern. Aufgrund seines Wunsches, die materielle Natur zu beherrschen, wird es in solche nicht wünschenswerten Umstände versetzt. Unter dem Einfluss materieller Wünsche wird das Lebewesen mal als Halbgott, mal als Mensch, als Säugetier, als Vogel, als Wurm, als Wassertier, als Reptil, als Wanze usw. geboren. Das ist der Lauf der Welt. Und in allen Fällen hält sich das Lebewesen für den Herrn seiner Lebensumstände, obwohl es dem Einfluss der materiellen Natur untersteht. Wie das Lebewesen in solch verschiedene Körper gesetzt wird, ist hier erklärt. Die Ursache liegt in der Gemeinschaft mit den verschiedenen Erscheinungsweisen der Natur. Man muss sich daher über die drei materiellen Erscheinungsweisen erheben und in der transzendentalen Stellung verankert werden. Das nennt man Krsna-- Bewusstsein. Solange das Lebewesen nicht im Krsna-Bewusstsein verankert ist, wird sein materielles Bewusstsein es zwingen, von einem Körper zum anderen zu wandern; denn es hat schon seit undenklichen Zeiten materielle Wünsche. Diese Auffassung muss es ändern. Solcher Gesinnungswandel kann nur stattfinden, wenn man aus autoritativen Quellen hört. Das beste Beispiel sehen wir hier: Arjuna hört von Krsna die Wissenschaft von Gott. Wenn sich das Lebewesen diesem Vorgang des Hörens widmet, wird es seinen langgehegten Wunsch, über die materielle Natur zu herrschen, verlieren, und allmählich und in dem Maße, wie es sein altes Verlangen zu beherrschen aufgibt, wird es die Ebene erreichen, auf der es spirituelles Glück genießt. In einem vedischen mantra heißt es, dass man in dem Maße, wie man in Gemeinschaft mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu Wissen gelangt, sein ewiges glückseliges Leben zu kosten beginnt. VERS 23 Jedoch gibt es in diesem Körper noch einen anderen, einen transzendentalen Genießer, den Herrn, den höchsten Besitzer, der als Beobachter und Erlaubnisgeber gegenwärtig ist und den man als Überseele kennt. ERLÄUTERUNG Hier wird gesagt, dass die Überseele, die die individuelle Seele ständig begleitet, die Repräsentation des Höchsten Herrn ist. Die Überseele ist kein gewöhnliches Lebewesen. Weil die Monisten der Ansicht sind, es gebe nur einen Kenner des Körpers, glauben sie, zwischen der Überseele und der individuellen Seele bestehe kein Unterschied. Um dies klarzustellen, sagt der Herr, dass Er die Paramatma-Repräsentation in jedem Körper ist. Er ist von der individuellen Seele verschieden; Er ist parah oder transzendental. Die individuelle Seele genießt die Tätigkeiten eines bestimmten Feldes, aber die Überseele ist weder als begrenzter Genießer noch als Teilnehmer an körperlichen Tätigkeiten anwesend, sondern als Zeuge, Beobachter, Erlaubnisgeber und höchster Genießer. Ihr Name ist Paramatma, nicht atma, und Sie ist transzendental. Es ist sehr offensichtlich, dass atma und Paramatma voneinander verschieden sind. Die Überseele, der Paramatma, hat Beine und Hände, die sich überall befinden, die individuelle Seele hingegen nicht. Und da Er der Höchste Herr ist, ist Er im Innern gegenwärtig, um die Wünsche der individuellen Seele nach materiellem Genuss zu bewilligen. Ohne die Einwilligung der Höchsten Seele kann die individuelle Seele nichts tun. Das Individuum ist bhakta oder derjenige, der erhalten wird, und der Herr ist bhukta oder der Erhalter. Es gibt unzählige Lebewesen, und Er weilt in ihnen als Freund. Tatsache ist, dass die individuellen Lebewesen ewiglich winzige Bestandteile des Höchsten Herrn und mit Ihm sehr eng in Freundschaft verbunden sind. Doch das Lebewesen neigt dazu, die Einwilligung des Höchsten Herrn zurückzuweisen und unabhängig zu handeln, um die materielle Natur zu beherrschen. Weil es diese Neigung hat, wird es als die marginale Energie des Höchsten bezeichnet. Das Lebewesen kann sich entweder in der materiellen oder in der spirituellen Energie aufhalten. Solange es durch die materielle Energie bedingt ist, bleibt der Höchste Herr als sein Freund, die Überseele, bei ihm, um es dazu zu bewegen, zur spirituellen Energie zurückzukehren. Der Herr ist immer bemüht, es zur sprituellen Energie zurückzuführen, doch aufgrund seiner winzigen Unabhängigkeit lehnt das individuelle Lebewesen es fortwährend ab, mit dem spirituellen Licht verbunden zu sein. Dieser Missbrauch seiner Unabhängigkeit ist die Ursache seines materiellen Kampfes in der bedingten Natur. Der Herr gibt ihm daher von innen und außen ständig Unterweisungen. Von außen gibt Er Unterweisungen, wie sie in der Bhagavad-Gita zu finden sind, und von innen versucht Er das Lebewesen davon zu überzeugen, dass Tätigkeiten im materiellen Feld für wahres Glück nicht förderlich sind. Er sagt: "Gib solches Tun einfach auf, und wende dein Vertrauen Mir zu. Dann wirst du glücklich sein." Der intelligente Mensch, der sein Vertrauen in den Paramatma oder die Höchste Persönlichkeit Gottes setzt, macht so den ersten Schritt auf dem Weg zu einem glückseligen ewigen Leben voller Wissen. VERS 24 Wer diese Philosophie von der materiellen Natur, dem Lebewesen und der Wechselwirkung der Erscheinungsweisen der Natur versteht, wird mit Sicherheit Befreiung erlangen. Er wird in dieser Welt nicht wiedergeboren werden, ungeachtet seiner jetzigen Stellung. ERLÄUTERUNG Wenn man die materielle Natur, die Überseele, die individuelle Seele und ihre Wechselbeziehungen klar versteht, ist man geeignet, befreit zu werden und die spirituelle Welt zu erreichen, ohne gezwungen zu sein, zur materiellen Natur zurückzukehren. Das ist das Ergebnis von Wissen. Der Zweck des Wissens besteht in dem klaren Verständnis, dass das Lebewesen zufällig in die materielle Existenz gefallen ist. Durch seine persönliche Bemühung in der Gemeinschaft von Autoritäten, Heiligen und einem spirituellen Meister muss es seine Stellung verstehen und dann zu seinem spirituellen Bewusstsein oder Krsna-Bewusstsein zurückkehren, indem es die Bhagavad-Gita so versteht, wie sie von der Persönlichkeit Gottes erklärt wird. Dann ist es sicher, dass es nie wieder in die materielle Existenz zurückkommen wird; es wird in die spirituelle Welt erhoben zu einem glückseligen ewigen Leben voller Wissen. VERS 25 Einige erkennen die Überseele durch Meditation, andere durch die Entwicklung von Wissen und wieder andere durch Arbeit, die ohne fruchtbringendes Verlangen verrichtet wird. ERLÄUTERUNG Der Herr teilt Arjuna mit, dass die bedingten Seelen in bezug auf ihre Suche nach Selbstverwirklichung in zwei Gruppen eingeteilt werden können. Atheisten, Agnostiker und Skeptiker haben keinen Sinn für spirituelles Verständnis. Doch es gibt andere, die Vertrauen in ihr Verständnis vom spirituellen Leben haben, und zwar diejenigen, die auf die Früchte ihrer Arbeit verzichtet haben. Diejenigen, die fortwährend versuchen, die Lehre des Monismus zu verbreiten, werden ebenfalls zu den Atheisten und Agnostikern gezählt. Mit anderen Worten: Nur die Geweihten der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind wahrhaft zu spirituellem Verständnis fähig, da sie verstehen, dass jenseits der materiellen Natur die spirituelle Welt und der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, existieren, der sich als Paramatma, die Überseele in jedem als alldurchdringender Gott, erweitert hat. Natürlich gibt es auch Menschen, die versuchen, die Höchste Absolute Wahrheit durch die Kultivierung von Wissen zu verstehen; sie werden zur zweiten Gruppe gezählt. Die atheistischen Philosophen zerlegen die materielle Welt in vierundzwanzig Elemente und setzen die Seele als fünfundzwanzigstes hinzu. Wenn sie verstehen können, dass die Natur der individuellen Seele transzendental zu den materiellen Elementen ist, können sie auch verstehen, dass über der individuellen Seele die Höchste Persönlichkeit Gottes steht. Der Herr ist das sechsundzwanzigste Element. So gelangen auch sie allmählich auf die Stufe des hingebungsvollen Dienstes im Krsna-Bewusstsein. Diejenigen, die ohne fruchtbringende Ergebnisse arbeiten, sind in ihrer Haltung ebenfalls vollkommen. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, auf die Ebene des hingebungsvollen Dienstes im Krsna-Bewusstsein zu gelangen. In diesem Vers heißt es auch, dass es einige Menschen gibt, die im Bewusstsein rein sind und versuchen, die Überseele durch Meditation zu finden. Wenn sie die Überseele in ihrem Innern entdecken, werden auch sie in der Transzendenz verankert. Andere versuchen, die Höchste Seele durch die Kultivierung von Wissen zu verstehen, und wieder andere üben sich im hatha-yoga-System und versuchen, die Höchste Persönlichkeit Gottes durch kindische Spielereien zu erfreuen. VERS 26 Und es gibt andere, die zwar im spirituellen Wissen nicht erfahren sind, die aber beginnen, die Höchste Person zu verehren, nachdem sie von anderen von Ihr gehört haben. Weil sie die Neigung haben, von Autoritäten zu hören, transzendieren auch sie den Pfad von Geburt und Tod. ERLÄUTERUNG Dieser Vers trifft besonders auf die moderne Gesellschaft zu, denn heutzutage gibt es so gut wie keine spirituelle Bildung. Manche Menschen mögen atheistisch, agnostisch oder philosophisch erscheinen, doch in Wirklichkeit gibt es kein Wissen von Philosophie. Was den gewöhnlichen Menschen betrifft, so besteht für ihn die Möglichkeit, durch Hören Fortschritte zu machen, wenn er eine gute Seele ist. Dieser Vorgang des Hörens ist sehr wichtig. Sri Caitanya, der Krsna-Bewusstsein in der modernen Welt predigte, legte auf den Vorgang des Hörens großen Nachdruck, denn wenn der gewöhnliche Mensch einfach aus autoritativen Quellen hört, kann er Fortschritt machen; das ist ganz besonders der Fall, wie Sri Caitanya sagt, wenn er die transzendentale Klangschwingung Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare hört. Es wird daher gesagt, dass alle Menschen den Vorteil, von selbstverwirklichten Seelen zu hören, nutzen und allmählich fähig werden sollten, alles zu verstehen. Dann werden sie zweifellos beginnen, den Höchsten zu verehren. Sri Caitanya hat gesagt, dass im gegenwärtigen Zeitalter niemand seine Stellung zu wechseln braucht, dass man aber die Bemühung aufgeben soll, die Absolute Wahrheit durch spekulatives Schlussfolgern zu verstehen. Man soll versuchen, der Diener derer zu werden, die den Höchsten Herrn kennen. Wenn man so glücklich ist, bei einem reinen Gottgeweihten Zuflucht zu suchen, von ihm über Selbstverwirklichung zu hören und seinen Fußspuren zu folgen, wird man allmählich zur Stellung eines reinen Gottgeweihten erhoben. In diesem Vers wird insbesondere der Vorgang des Hörens mit Nachdruck empfohlen, und das ist auch angemessen. Wenngleich der gewöhnliche Mensch oft nicht so begabt ist wie sogenannte Philosophen, wird ihm das vertrauensvolle Hören von einer wirklichen Autorität helfen, die materielle Existenz zu transzendieren und nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. VERS 27 O Oberhaupt der Bharatas, was immer du existieren siehst - ob es sich bewegt oder nicht -, ist nur die Verbindung des Feldes der Tätigkeiten mit dem Kenner des Feldes. ERLÄUTERUNG In diesem Vers werden sowohl die materielle Natur als auch das Lebewesen erklärt, die bereits vor der Schöpfung des Kosmos existierten. Alles Erschaffene ist nichts als die Verbindung des Lebewesens mit der materiellen Natur. Es gibt viele Manifestationen, wie Bäume, Berge und Hügel, die sich nicht bewegen, und es gibt viele Formen des Daseins, die sich bewegen; sie alle sind nichts weiter als Verbindungen der materiellen Natur mit der höheren Natur, dem Lebewesen. Ohne die Berührung der höheren Natur, des Lebewesens, kann nichts wachsen. Deshalb besteht die Beziehung zwischen der Materie und der höheren Natur ewig, und diese Verbindung ist vom Höchsten Herrn so vorgesehen. Folglich ist Er der Lenker sowohl der höheren als auch der niederen Natur. Die materielle Natur wurde von Ihm geschaffen, und die höhere Natur ist in diese Natur hineingesetzt, und so kommen alle Tätigkeiten und Manifestationen zustande. VERS 28 Wer sieht, dass die Überseele die individuelle Seele in allen Körpern begleitet, und versteht, dass weder die Seele noch die Überseele jemals zerstört werden, hat die wahre Sicht. ERLÄUTERUNG Jeder, der drei Dinge erkennen kann - den Körper, den Besitzer des Körpers oder die individuelle Seele und den Freund der individuellen Seele, die durch gute Gemeinschaft miteinander verbunden sind -, gründet tatsächlich in Wissen. Diejenigen, die mit dem Freund der Seele keine Gemeinschaft haben, sind unwissend; sie sehen nur den Körper und denken, alles sei zu Ende, wenn der Körper zerstört werde. Aber das ist nicht der Fall. Nach der Zerstörung des Körpers existieren sowohl die Seele als auch die Überseele, und sie bestehen ewig weiter in verschiedenen sich bewegenden und sich nicht bewegenden Formen. Das Sanskritwort paramesvaram wird manchmal mit "individuelle Seele" übersetzt, denn die Seele ist der Herr des Körpers, und nach der Zerstörung des Körpers wandert sie in eine andere Form. So gesehen ist sie tatsächlich Herr. Andere übersetzen dieses paramesvaram mit "Überseele", aber in beiden Fällen existieren die individuelle Seele und die Überseele weiter. Sie werden nicht zerstört. Wer so zu sehen vermag, kann tatsächlich verstehen, was geschieht. VERS 29 Wer sieht, dass die Überseele in jedem Lebewesen weilt und überall gleich ist, wird durch seinen Geist nicht erniedrigt. So nähert er sich dem transzendentalen Ziel. ERLÄUTERUNG Wenn das Lebewesen erkennt, dass sein materielles Dasein nur viel Leid bedeutet, kann es in seiner spirituellen Existenz verankert werden. Wenn jemand versteht, dass der Höchste in Seiner Paramatma-Manifestation überall gegenwärtig ist, das heißt, wenn er die Gegenwart der Höchsten Persönlichkeit Gottes in jedem Lebewesen sieht, erniedrigt er sich nicht und macht daher allmählich Fortschritt auf die spirituelle Welt zu. Für gewöhnlich ist der Geist selbstzentrierten Denkvorgängen verfallen, doch wenn er sich der Überseele zuwendet, macht man Fortschritte im spirituellen Verständnis. VERS 30 Wer sehen kann, dass alle Tätigkeiten vom Körper ausgeführt werden, der von der materiellen Natur geschaffen ist, und versteht, dass das Selbst nichts tut, hat die wahre Sicht. ERLÄUTERUNG Der Körper ist von der materiellen Natur unter der Anweisung der Überseele geschaffen worden, und alle Tätigkeiten in Beziehung zum Körper führt man nicht selbst aus. Zu allem, was man tut - sei es, um Glück zu erlangen oder um zu leiden -, wird man aufgrund der körperlichen Veranlassung gezwungen. Das Selbst jedoch befindet sich jenseits solcher körperlichen Tätigkeiten. Der Körper wird einem in Entsprechung zu seinen vergangenen Wünschen gegeben. Um bestimmte Wünsche zu erfüllen, wird einem der Körper gegeben, mit dem man dementsprechend handelt. Im Grunde ist der Körper eine Maschine, die vom Höchsten Herrn entworfen wurde, um Wünsche zu erfüllen. Aufgrund von Wünschen wird man in schwierige Umstände versetzt, um zu leiden oder zu genießen. Wenn man dieses transzendentale Verständnis vom Lebewesen entwickelt, löst man sich von körperlichen Tätigkeiten. Wer ein solches Verständnis hat, sieht die Dinge im richtigen Licht. VERS 31 Wenn ein vernünftiger Mensch aufhört, aufgrund verschiedener materieller Körper verschiedene Identitäten zu sehen, erlangt er die Brahman- Erkenntnis. Dann sieht er, dass Lebewesen überall verbreitet sind. ERLÄUTERUNG Wenn man erkennen kann, dass die verschiedenen Körper der Lebewesen aus den verschiedenen Wünschen der individuellen Seele entstehen und zur Seele an sich nicht wirklich gehören, sieht man die Dinge, wie sie tatsächlich sind. In der materiellen Lebensauffassung sehen wir den einen als Halbgott, einen anderen als Menschen, als Hund, als Katze usw. Das ist materielle Sicht, nicht wirkliche Sicht. Diese materielle Unterscheidung hat ihre Ursache in einer materiellen Auffassung vom Leben. Nach der Zerstörung des materiellen Körpers bleibt die Seele, wie sie ist. Nur weil die Seele mit der materiellen Natur in Berührung ist, bekommt sie verschiedene Arten von Körpern. Wenn jemand das sehen kann, erlangt er spirituelle Sicht; wenn er nicht mehr unterscheidet zwischen Mensch und Tier, groß und klein, usw., wird sein Bewusstsein gereinigt, und er wird fähig, in seiner spirituellen Identität Krsna-Bewusstsein zu entwickeln. Wie er dann die Dinge sieht, wird im nächsten Vers erklärt. VERS 32 Wer mit den Augen der Ewigkeit sieht, kann verstehen, dass die Seele transzendental und ewig ist und sich jenseits der Erscheinungsweisen der Natur befindet. O Arjuna, obwohl sie mit dem materiellen Körper in Berührung ist, tut die Seele nichts, noch ist sie verstrickt. ERLÄUTERUNG Ein Lebewesen scheint aufgrund der Geburt des materiellen Körpers geboren zu sein, doch in Wirklichkeit ist das Lebewesen ewig. Es wird nicht geboren, und obwohl es sich in einem materiellen Körper aufhält, ist es transzendental und ewig. Folglich kann es nicht zerstört werden. Es ist von Natur aus voller Glückseligkeit. Es befaßt sich nicht mit irgendwelchen materiellen Tätigkeiten und wird daher auch nicht durch Tätigkeiten verstrickt, die aufgrund seiner Verbindung mit materiellen Körpern ausgeführt werden. VERS 33 Aufgrund seiner feinstofflichen Natur vermischt sich der Himmel mit keinem anderen Element, obwohl er alldurchdringend ist. In ähnlicher Weise vermischt sich eine Seele, die in der Brahman-Erkenntnis verankert ist, nicht mit dem Körper, obwohl sie sich im Körper befindet. ERLÄUTERUNG Luft ist in Wasser, Schlamm, Kot und allem, was es sonst noch geben mag, enthalten; trotzdem vermischt sie sich mit nichts. In ähnlicher Weise hat das Lebewesen aufgrund seiner subtilen Natur mit all den verschiedenen Körpern, in denen es sich befinden mag, nichts zu tun. Deshalb ist es unmöglich, mit materiellen Augen zu sehen, wie das Lebewesen mit dem Körper in Verbindung ist und nach der Zerstörung des Körpers nicht mehr in ihm ist. Kein Wissenschaftler kann das feststellen. VERS 34 O Nachkomme Bharatas, so wie die Sonne allein das ganze Universum erleuchtet, so erleuchtet ein Lebewesen allein den ganzen Körper mit Bewusstsein. ERLÄUTERUNG Über das Bewusstsein gibt es verschiedene Theorien. Hier in der Bhagavad-Gita wird das Beispiel der Sonne und des Sonnenscheins gegeben. So wie die Sonne an einem Ort steht und trotzdem das ganze Universum erleuchtet, so erleuchtet ein kleines Teilchen wie die Seele, obwohl es sich im Herzen des Körpers befindet, den ganzen Körper mit Bewusstsein. Somit ist Bewusstsein der Beweis für das Vorhandensein der Seele, ähnlich wie Sonnenschein oder Licht der Beweis für die Gegenwart der Sonne ist. Wenn die Seele im Körper gegenwärtig ist, ist das Bewusstsein über den gesamten Körper verbreitet, doch sobald die Seele den Korper verlassen hat, gibt es kein Bewusstsein mehr. Jeder intelligente Mensch kann dies ohne weiteres verstehen. Daher ist Bewusstsein kein Produkt materieller Verbindungen. Es ist das Symptom des Lebewesens. Das Bewusstsein des Lebewesens, obwohl eigenschaftsmäßig mit dem höchsten Bewusstsein eins, ist nicht von höchster Natur, da das Bewusstsein eines bestimmten Körpers nicht am Bewusstsein eines anderen Körpers teilhat. Die Überseele aber, die in allen Körpern als Freund der individuellen Seele weilt, ist Sich aller Körper bewusst. Das ist der Unterschied zwischen höchstem Bewusstsein und individuellem Bewusstsein. VERS 35 Wer bewusst den Unterschied zwischen dem Körper und dem Besitzer des Körpers sieht und den Vorgang der Befreiung aus dieser Knechtschaft verstehen kann, erreicht ebenfalls das höchste Ziel. ERLÄUTERUNG Der Sinn des Dreizehnten Kapitels besteht darin, den Unterschied zwischen dem Körper, dem Besitzer des Körpers und der Überseele zu verstehen. Ein gläubiger Mensch sollte sich zunächst einer guten Gemeinschaft anschließen, um von Gott zu hören und so allmählich erleuchtet zu werden. Wenn jemand einen spirituellen Meister annimmt, kann er lernen, zwischen Materie und spiritueller Natur zu unterscheiden, und dies ist das Sprungbrett zu weiterer spiritueller Verwirklichung. Ein spiritueller Meister lehrt seine Schüler durch verschiedene Anweisungen, von der materiellen Lebensauffassung frei zu werden. In der Bhagavad-Gita zum Beispiel finden wir, dass Krsna Arjuna unterweist, um ihn von materialistischen Überlegungen zu befreien. Man kann verstehen, dass der Körper Materie ist und aus vierundzwanzig Elementen besteht. Das ist die grobe Manifestation; die feinstoffliche Manifestation besteht aus dem Geist und den psychologischen Vorgängen. Und die Symptome des Lebens sind die Wechselwirkungen dieser Erscheinungen. Aber darüber hinaus gibt es noch die Seele und auch die Überseele. Die Seele und die Überseele sind voneinander verschieden. Die materielle Welt ist durch die Verbindung der Seele mit den vierundzwanzig materiellen Elementen in Bewegung, und wer den Aufbau der gesamten materiellen Manifestation als die Verbindung der Seele mit den materiellen Elementen versteht und auch die Stellung der Höchsten Seele verstehen kann, qualifiziert sich, in die spirituelle Welt erhoben zu werden. Diese Dinge sind zur Betrachtung und Verwirklichung bestimmt, und daher sollte man dieses Kapitel mit der Hilfe des spirituellen Meisters genau verstehen. Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Dreizehnten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem Titel: "Natur, Genießer und Bewusstsein." — DREIZEHNTES KAPITEL