# Erstes Kapitel: Arjuna beobachtet die Heere auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra

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> ERSTES KAPITEL
> Arjuna beobachtet die Heere auf dem
> Schlachtfeld von Kuruksetra
> 
> VERS 1
> Dhrtarastra sprach: O Sanjaya, was taten meine Söhne
> und die Söhne Pandus, als sie sich an der Pilgerstätte
> von Kuruksetra voll Kampflust versammelt hatten?
> ERLÄUTERUNG
> Bhagavad-Gita ist die vielgelesene, in der Gita-mahatmya
> (Ruhmpreisung der Gita) zusammengefaßte, theistische
> Wissenschaft. In der Gita-mahatmya heißt es, man solle die
> Bhagavad-Gita mit der Hilfe eines Menschen, der ein
> Geweihter Sri Krsnas ist, genau prüfend lesen und
> versuchen, sie frei von subjektiv motivierten
> Interpretationen zu verstehen. Das Beispiel klaren
> Verständnisses findet man in der Bhagavad-Gita selbst,
> nämlich in der Weise, wie diese Lehre von Arjuna
> verstanden wurde, der die Gita unmittelbar vom Herrn
> hörte. Wenn jemand sich so glücklich schätzen kann, die
> Bhagavad-Gita in dieser Linie der Schülernachfolge, ohne
> motivierte Interpretation, zu verstehen, erhebt er sich über
> alle Studien vedischer Weisheit und alle Schriften der Welt.
> Man wird in der Bhagavad-Gita all das finden, was in
> anderen Schriften enthalten ist, doch wird der Leser auch
> Dinge finden, die andernorts nicht zu finden sind. Das ist
> das Besondere an der Gita. Sie ist die vollkommene
> Gotteswissenschaft, weil sie unmittelbar von der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, gesprochen ist.
> Die von Dhrtarastra und Sanjaya besprochenen Themen,
> die im Mahabharata schrieben sind, bilden das
> Grundprinzip dieser bedeutenden Philosophie. Es wird
> berichtet, daß diese Philosophie auf dem Schlachtfeld von
> Kuruksetra offenbart wurde, das schon seit den längst
> vergangenen Zeiten der vedischen Kultur eine heilige
> Pilgerstätte ist. Sie wurde vom Herrn gesprochen, als Er auf
> diesem Planeten persönlich erschienen war, um die
> Menschheit zu unterweisen.
> Das Wort dharma-ksetra(ein Ort, an dem religiöse Rituale
> vollzogen werden) ist bedeutsam, weil auf dem
> Schlachtfeld von Kuruksetra die Höchste Persönlichkeit
> Gottes auf der Seite Arjunas stand. Dhrtarastra , der Vater
> der Kurus, hatte am endgültigen Sieg seiner Söhne starke
> Zweifel, und so fragte er seinen Sekretär Sanjaya: "Was
> taten meine Söhne und die Söhne Pandus?” Er war sich
> sicher, daß sich sowohl seine Söhne als auch die Söhne
> seines jüngeren Bruders Pandu auf diesem Feld von
> Kuruksetra versammelt hatten, um sich mit
> Entschlossenheit zu bekriegen. Er wünschte keinen
> Kompromiß zwischen den Vettern und Brüdern und wollte
> über das Schicksal seiner Söhne auf dem Schlachtfeld
> Gewißheit haben. Da es so arrangiert war, daß diese
> Schlacht bei Kuruksetra gekämpft werden sollte, das an
> einer anderen Stelle in den Veden als eine Stätte der
> Verehrung - selbst für die Bewohner der himmlischen
> Planeten - erwähnt wird, war Dhrtarastra über den Einfluß
> des heiligen Ortes auf den Ausgang der Schlacht von
> großer Furcht erfüllt. Er wußte sehr wohl, daß dies Arjuna
> und dessen Bruder günstig beeinflussen wurde, da sie alle
> von Natur aus tugendhaft waren. Sanjaya war ein Schüler
> Vyasas, und daher war er durch die Barmherzigkeit Vyasas
> befähigt, das Schlachtfeld von Kuruksetra intuitiv vor sich
> zu sehen, obwohl er sich in Dhrtarastra s Zimmer aufhielt.
> Aus diesem Grunde also befragte ihn Dhrtarastra über die
> Lage auf dem Schlachtfeld.
> Sowohl die Pandavas als auch die Söhne Dhrtarastra s
> gehören zur selben Familie, doch wird hier Dhrtarastra s
> Denkweise enthüllt. Er erhob mit wohlüberlegter Absicht
> den Anspruch, nur seine Söhne seien Kurus, und schloß die
> Söhne Pandus vom Familienerbe aus. Man, kann somit die
> besondere Stellung Dhrtarastras in seiner Beziehung zu
> seinen Neffen, den Söhnen Pandus, verstehen. Schon jetzt
> Beginn kann man erwarten, daß ebenso, wie in einem
> Reisfeld die nutzlosen Pflanzen ausgerissen werden, auf
> dem religiösen Feld von Kuruksetra, wo der Vater der
> Religion, Sri Krsna, anwesend war, die unerwünschten
> Pflanzen wie Dhrtarastra s Sohn Duryodhana und andere
> vernichtet werden und den wahrhaft religiösen Menschen
> unter der Führung Yudhistihiras vom Herrn die Herrschaft
> übertragen wird. Dies ist die Bedeutung der Worte dharmaksetre
> und kuru-ksetre, wenn man sie einmal abgesehen
> von ihrer geschichtlichen und vedischen Bedeutung
> betrachtet.
> 
> VERS 2
> Sanjaya sagte: O König, nachdem König Duryodhana
> über die Armee geblickt hatte, die von den Söhnen
> Pandus aufgestellt worden war, ging er zu seinem
> Lehrer und sprach die folgenden Worte:
> ERLÄUTERUNG
> Dhrtarastra war von Geburt an blind, und
> unglückseligerweise mangelte es ihm auch an spiritueller
> Sicht. Er wußte sehr wohl, daß seine Söhne in bezug auf
> Religion gleichermaßen blind waren, und er war sicher, daß
> sie sich niemals mit den Pandavas einigen konnten, die alle
> von Geburt an fromm waren. Dennoch kamen ihm wegen
> des Einflusses der Pilgerstätte Zweifel, und Sanjaya konnte
> verstehen, aus welchem Grund er Fragen über die Lage auf
> dem Schlachtfeld stellte. Er wollte den König daher
> ermutigen und machte ihn warnend darauf aufmerksam,
> daß seine Söhne nicht bereit waren, unter dem Einfluß der
> heiligen Stätte irgendeinen Kompromiß zu schließen.
> Sanjaya teilte dem König weiter mit, daß sein Sohn
> Duryodhana sogleich zu seinem Oberbefehlshaber
> Dronacarya ging, nachdem er die militärische Stärke der
> Pandavas gesehen hatte, um ihn über die wirkliche Lage zu
> unterrichten. Obwohl Duryodhana hier als der König
> bezeichnet wird, mußte er dennoch, aufgrund der ernsten
> Lage, zum Befehlshaber gehen. Er war daher durchaus
> geeignet, Politiker zu sein. Aber Duryodhanas
> diplomatische Scheinheiligkeit konnte nicht die Furcht
> verbergen, die er verspürte, als er die militärische
> Aufstellung der Pandavas sah.
> 
> VERS 3
> O mein Lehrer, betrachte das gewaltige Heer der Söhne
> Pandus, das dein intelligenter Schüler, der Sohn
> Drupadas, so geschickt aufstellte.
> ERLÄUTERUNG
> Duryodhana, ein geschickter Diplomat, wollte auf die
> Fehler Dronacaryas, des großen brahmaäa-
> Oberbefehlshabers, aufmerksam machen. Dronacarya hatte
> mit König Drupada, dem Vater Draupadis, die Arjunas
> Gattin war, politische Streitigkeiten gehabt. Als Folge
> dieser Auseinandersetzung vollzog Drupada ein großes
> Opfer, durch das er die Segnung empfing, einen Sohn zu
> haben, der fähig war, Dronacarya zu töten. Dronacarya
> wußte dies sehr wohl, und doch zögerte er als großmütiger
> brahmaäa nicht, dem Sohn Drupadas, Dhrstadyumna, alle
> seine militärischen Geheimnisse anzuvertrauen, als dieser
> ihm zur militärischen Ausbildung übergeben wurde. Auf
> dem Schlachtfeld von Kuruksetra wählte Dhrstadyumna die
> Seite der Pandavas, und er war es, der ihre Schlachtordnung
> aufstellte, nachdem er die Kunst von Dronacarya erlernt
> hatte. Duryodhana machte Dronacarya auf diesen Fehler
> aufmerksam, damit dieser während des Kampfes wachsam
> und unnachgiebig sei. Außerdem wollte er hierdurch darauf
> hinweisen, daß Dronacarya in der Schlacht gegen die
> Pandavas, die ebenfalls seine ihm lieben Schüler waren,
> nicht ähnlich milde sein solle. Besonders Arjuna war sein
> liebster und hervorragendsten Schüler. Duryodhana warnte
> auch davor, daß solche Schonung im Kampf zu einer
> Niederlage führen würde.
> 
> VERS 4
> In diesem Heer gibt es viele heldenhafte Bogenschützen,
> die Bhima und Arjuna im Kampf ebenbürtig sind. Auch
> sind dort große Kämpfer wie Yuyudhana, Virata und
> Drupada.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl Dhrstadyumna angesichts der hervorragenden
> Fähigkeiten Dronacaryas auf dem Gebiet der Kriegführung
> kein sehr großes Hindernis war, gab es dennoch viele
> andere, die Anlaß zu Befürchtungen gaben. Sie werden von
> Duryodhana als große Hindernisse auf dem Weg zum Sieg
> bezeichnet, denn jeder einzelne von ihnen war ebenso
> furchterregend wie Bhima und Arjuna. Er kannte die Stärke
> Bhimas und Arjunas und verglich daher die anderen mit
> ihnen.
> 
> VERS 5
> Dort sind auch so bedeutende, heldenhafte und
> mächtige Kämpfer wie Dhrstaketu, Cekitana, Kasiraja,
> Purujit, Kuntibhoja und Saibya.
> 
> VERS 6
> Dort stehen der gewaltige Yudhamanyu, der machtvolle
> Uttamauja, der Sohn Subhadras und die Söhne
> Draupadis. All diese Krieger sind große Wagenkämpfer.
> 
> VERS 7
> O bester der brahmaäas, laß mich dir zu deiner
> Information mitteilen, welche Hauptleute besonders
> geeignet sind, meine Streitmacht zu führen.
> 
> VERS 8
> Es gibt dort Persönlichkeiten wie dich selbst, Bhisma,
> Karna, Krpa, Asvatthama, ViKarna und den Sohn
> Somadattas mit Namen Bhurisrava, die in der Schlacht
> immer siegreich sind.
> ERLÄUTERUNG
> Duryodhana erwähnte die herausragenden Helden der
> Schlacht, die alle immer siegreich sind. ViKarna ist der
> Bruder Duryodhanas; Asvatthama ist der Sohn
> Dronacaryas, und Saumadatti oder Bhurisrava ist der Sohn
> des Königs der Bhaliker. Karna ist der Halbbruder Arjunas,
> da er von Kuntī geboren wurde, ehe sie König Pandu
> heiratete. Krpacarya heiratete die Zwillingsschwester
> Dronacaryas.
> VERS 9
> Es gibt noch viele andere Helden, die bereit sind, um
> meinetwillen ihr Leben zu wagen. Sie alle sind sehr gut
> mit verschiedenartigen Waffen ausgerüstet, und alle
> sind in der militärischen Wissenschaft erfahren.
> ERLÄUTERUNG
> Was die anderen betrifft - wie Jayadratha, Kṛtavarma oder
> Salya -, so sind alle entschlossen, für Duryodhana ihr
> Leben zu opfern. Mit anderen Worten: Es ist bereits klar,
> daß sie alle in der Schlacht von Kuruksetra sterben werden,
> weil sie sich der Partei des sündigen Duryodhana
> angeschlossen haben. Aufgrund der oben erwähnten
> vereinigten Kräfte seiner Freunde war Duryodhana
> natürlich von seinem Sieg überzeugt.
> 
> VERS 10
> Unsere Stärke ist unermeßlich, und wir werden von
> Großvater Bhisma vollendet beschützt, wohingegen die
> Stärke der Pandavas, die von Bhima sorgfältig
> beschützt werden, begrenzt ist.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird von Duryodhana das Stärkeverhältnis
> abgeschätzt. Er glaubt, die Stärke seiner Streitkräfte sei
> unermeßlich, da sie der erfahrenste General, Großvater
> Bhisma, besonders beschütze. Demgegenüber seien die
> Streitkräfte der Pandavas begrenzt, da diese ein weniger
> erfahrener General, nämlich Bhima, beschütze, der in der
> Gegenwart Bhismas wie ein Zwerg erscheine. Duryodhana
> hatte Bhima immer schon beneidet, da er sehr genau wußte,
> daß er nur von Bhima getötet werden würde, falls er
> überhaupt sterben sollte; aber gleichzeitig war er durch die
> Gegenwart Bhismas, der ein weitaus überlegenerer Feldherr
> war, von seinem Sieg überzeugt. Seine Schlußfolgerung,
> daß er aus der Schlacht siegreich hervorgehen würde,
> beruhte auf genauen Überlegungen.
> 
> VERS 11
> Jetzt müßt ihr Großvater Bhisma volle Unterstützung
> gewähren, indem ihr eure jeweiligen strategischen
> Punkte an der Heeresfront einnehmt.
> ERLÄUTERUNG
> Nachdem Duryodhana die Tapferkeit Bhismas gepriesen
> hatte, bedachte er, andere könnten glauben, sie seien als
> weniger wichtig angesehen worden, und so versuchte er in
> seiner üblichen diplomatischen Art, die Lage mit den
> obigen Worten zu bereinigen. Er betonte, Bhismadeva sei
> zweifellos der größte Held, doch sei er ein alter Mann, und
> daher solle jeder besonders darauf achten, ihm von allen
> Seiten Deckung zu geben. Er mochte in den Kampf
> verwickelt werden, und wenn Bhisma auf einer Seite völlig
> in Anspruch genommen sei, könne der Feind dies unter
> Umständen ausnutzen. Daher sei es wichtig, daß die
> anderen Helden ihre strategischen Stellungen nicht
> verlassen und so dem Feind gestatten würden, die
> Schlachtreihe zu durchbrechen. Duryodhana spürte
> deutlich, daß der Sieg der Kurus von der Gegenwart
> Bhismadevas abhing. Er war sich der vollen Unterstützung
> Bhismadevas und Dronacaryas in der Schlacht gewiß, da er
> sehr wohl wußte, daß sie nicht ein einziges Wort gesagt
> hatten, als Arjunas Gattin DraupadÖ sie um Gerechtigkeit
> angefleht hatte, als sie in völliger Hilflosigkeit gezwungen
> wurde, sich vor allen großen Generälen in der
> Versammlung zu entkleiden. Obwohl er wußte, daß die
> beiden Feldherren eine gewisse Zuneigung zu den
> Pandavas hegten, hoffte er, sie würden jetzt solche
> Zuneigung vollständig aufgeben, ebenso wie sie es
> 
> während gemeinsamer Glücksspiele getan hatten.
> 
> VERS 12
> Darauf blies Bhisma, der große, heldenhafte Ahnherr
> der Kuru-Dynastie, der Großvater der Kämpfer, sehr
> laut sein Muschelhorn. Es dröhnte wie das Brüllen eines
> Löwen und erfüllte Duryodhana mit Freude.
> ERLÄUTERUNG
> Der Ahnherr der Kuru-Dynastie konnte verstehen, was im
> Herzen seines Enkels Duryodhana vorging, und aus
> natürlichem Mitgefühl versuchte er, ihn anzuspornen,
> indem er sehr laut in sein Muschelhorn blies, was seiner
> löwengleichen Stellung angemessen war. Durch die
> Symbolik des Muschelhorns gab er aber zugleich seinem
> niedergeschlagenen Enkel indirekt zu verstehen, daß er
> keine Chance habe, in der Schlacht siegreich zu sein, da der
> Höchste Herr, Sri Krsna, auf der anderen Seite stehe.
> Nichtsdestoweniger war es seine Pflicht, den Kampf
> durchzuführen, und er würde dabei keine Mühen scheuen.
> 
> VERS 13
> Da ertönten plötzlich alle Muschelhörner, Signalhörner,
> Trompeten, Trommeln und Hörner, und der
> gemeinsame Klang war gewaltig.
> 
> VERS 14
> Auf der Gegenseite ließen sowohl Krsna als auch
> Arjuna, die auf einem großen, von weißen Pferden
> gezogenen Streitwagen standen, ihre transzendentalen
> Muschelhörner erschallen.
> ERLÄUTERUNG
> Im Gegensatz zu dem von Bhismadeva geblasenen
> Muschelhorn werden die Muschelhörner in den Händen
> von Krsna und Arjuna als transzendental bezeichnet. Das
> Erschallen der transzendentalen Muschelhörner deutete an,
> daß es für die andere Seite keine Hoffnung auf Sieg gab, da
> Krsna auf der Seite der Pandavas stand. "Sieg ist immer mit
> solchen Menschen, die den Söhnen Pandus gleichen, da Sri
> Krsna bei ihnen ist." Und wann immer und wo immer der
> Herr gegenwärtig ist, dort findet man auch die Göttin des
> Glücks, die niemals allein, ohne ihren Gemahl, lebt. Daher
> 
> erwarteten Arjuna Sieg und Glück, wie der transzendentale
> Klang, der aus dem Muschelhorn Krsnas erschallte,
> andeutete. Außerdem war der Streitwagen, auf dem die
> beiden Freunde saßen, ein Geschenk Agnis, des
> Feuergottes, an Arjuna, was bedeutete, daß man mit diesem
> Streitwagen, wo immer er in den drei Welten gezogen
> werden würde, alle Himmelsrichtungen erobern konnte.
> 
> VERS 15
> Darauf ließ Sri Krsna Sein Muschelhorn mit Namen
> Pancajanya erschallen; Arjuna blies in das seine, das
> Devadatta, und Bhima, der unersättliche Esser und
> Vollbringer herkulischer Taten, blies in sein
> furchterregendes Muschelhorn namens Paundram.
> ERLÄUTERUNG
> Sri Krsna wird in diesem Vers als Hrsikesa bezeichnet, da
> Er der Eigentümer aller Sinne ist. Die Lebewesen sind
> winzige Bestandteile von Ihm, und daher sind die Sinne der
> Lebewesen ebenfalls Bestandteile Seiner Sinne. Die
> Unpersönlichkeitsphilosophen wissen die Sinne der
> Lebewesen nicht zu schätzen und sind deshalb immer
> bestrebt, die Lebewesen als ohne Sinne oder unpersönlich
> zu beschreiben. Der Herr, der in den Herzen aller
> Lebewesen weilt, lenkt ihre Sinne, doch lenkt Er sie je nach
> dem Grad der Hingabe des Lebewesens, und im Falle eines
> reinen Gottgeweihten lenkt Er die Sinne unmittelbar. Hier
> auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra lenkt der Herr die
> transzendentalen Sinne Arjunas direkt, und so erklärt es
> sich, daß Er in diesem Vers als Hrsikesa bezeichnet wird.
> Der Herr hat verschiedene Namen, je nach Seinen
> verschiedenen Betätigungen. Zum Beispiel trägt Er den
> Namen Madhusudana, weil Er den Dämon Madhu tötete;
> Sein Name ist Govinda, weil Er den Kühen und den Sinnen
> Freude schenkt; Sein Name ist Vasudeva, weil Er als der
> Sohn Vasudevas erschien; Sein Name ist Devaki-nandana,
> weil Er Devaki als Seine Mutter annahm; Sein Name ist
> Yaśoda-nandana, weil Er mit den Spielen Seiner Kindheit
> Yasoda in Vṛndavana beglückte, und Sein Name lautet
> Partha-sarathi, weil er der Wagenlenker Seines Freundes
> Arjuna war. In ähnlicher Weise trägt Er den Namen
> Hrsikesa, weil Er Arjuna auf dem Schlachtfeld von
> Kuruksetra Führung gab.
> Arjuna wird in diesem Vers als Dhanaijaya bezeichnet,
> weil er seinem älteren Bruder dabei half, Reichtum zu
> erlangen, als der König diesen benötigte, um die Ausgaben
> für verschiedene Opfer zu bestreiten. In ähnlicher Weise ist
> Bhima als Vṛkodara bekannt, weil er sowohl ungeheure
> Mengen essen als auch herkulische Taten vollbringen
> konnte, wie zum Beispiel den Dämon Hiḍimba töten. Der
> Klang der verschiedenen Arten von Muschelhörnern, die
> die verschiedenen Persönlichkeiten auf seiten der Pandavas
> bliesen, angefangen mit dem Muschelhorn des Herrn, war
> für die kampfbereiten Soldaten sehr ermutigend. Auf der
> anderen Seite gab es keine solche Ermutigung; noch waren
> der Herr, der Höchste Lenker, oder die Glücksgöttin
> gegenwärtig. Es war den Kurus also vorherbestimmt, die
> Schlacht zu verlieren - das war die Botschaft, die der Klang
> der Muschelhörner verkündete.
> 
> VERS 16-18
> König Yudhistihira, der Sohn Kuntis, ließ sein
> Muschelhorn, das Anantavijaya, ertönen, und Nakula
> und Sahadeva bliesen das Sughosa und das
> Manipuspaka. Der große Bogenschütze, nämlich der
> König von Kasi, der große Kämpfer Sikhandi,
> Dhrstadyumna, Virata und der unbezwingbare Satyaki,
> Drupada, die Söhne Draupadis und die anderen, o
> König, wie der Sohn Subhadras, ließen ebenfalls,
> mächtig bewaffnet, ihre jeweiligen Muschelhörner
> erschallen.
> ERLÄUTERUNG
> Sanjaya gab König Dhrtarastra mit sehr viel Feingefühl zu
> verstehen, daß seine unkluge Politik, die Söhne Pandus zu
> betrügen und sich darum zu bemühen, die eigenen Söhne
> auf den Thron des Königreichs zu bringen, nicht sehr
> lobenswert sei.
> Die Vorzeichen deuteten schon jetzt klar darauf hin, daß
> die gesamte Kuru-Dynastie in dieser großen Schlacht
> vernichtet werden würde. Angefangen mit dem Ahnherrn,
> Bhisma, bis hinab zu den Enkeln, wie Abhimanyu und
> anderen - Könige aus vielen Reichen der Erde nicht
> ausgenommen -, waren alle dort Anwesenden dem
> Untergang geweiht. Die ganze Katastrophe war die Schuld
> König Dhrtarastras, weil er die Pläne seiner Söhne
> unterstützte.
> 
> VERS 19
> Der Klang der verschiedenen Muschelhörner wurde
> tosend, und da er sowohl im Himmel als auch auf der
> Erde widerhallte, zerriß er die Herzen der Söhne
> Dhrtarastras.
> ERLÄUTERUNG
> Als Bhisma und die anderen Krieger auf der Seite
> Duryodhanas ihre jeweiligen Muschelhörner ertönen
> ließen, gab es auf der Seite der Pandavas kein
> Herzzerreißen. Vorkommnisse dieser Art werden nicht
> erwähnt, doch heißt es in eben diesem Vers, daß die Herzen
> der Söhne Dhrtarastra s von den Klängen zerrissen wurden,
> die die Partei der Pandavas erzeugte. Dies ist auf die
> Pandavas und ihr Vertrauen auf Sri Krsna zurückzuführen.
> Jemand, der beim Höchsten Herrn Zuflucht sucht, hat selbst
> inmitten des größten Unheils nichts zu fürchten.
> 
> VERS 20
> O König, da nahm Arjuna, der Sohn Pandus, der auf
> seinem Streitwagen saß und dessen Fahne mit dem
> Zeichen Hanumans versehen war, seinen Bogen auf und
> machte sich bereit, seine Pfeile abzuschießen, während
> er nach den Söhnen Dhrtarastra s blickte. O König,
> daraufhin sprach Arjuna zu Hrsikesa [Krsna] die
> folgenden Worte.
> ERLÄUTERUNG
> Die Schlacht sollte jeden Augenblick beginnen. Man kann
> aus der obigen Darstellung verstehen, daß die Söhne
> Dhrtarastra s entmutigt waren, als sie die unerwartete
> Aufstellung der Streitkräfte der Pandavas sahen, die durch
> die direkten Unterweisungen Sri Krsnas auf dem
> Schlachtfeld geführt wurden.
> Das Emblem Hanumans auf der Fahne Arjunas ist ein
> weiteres Zeichen des Sieges, denn Hanuman stellte sich in
> der Schlacht zwischen Rama und Ravana auf die Seite Sri
> Ramas, und Sri Rama war siegreich. Jetzt waren sowohl
> Rama als auch Hanuman auf dem Streitwagen Arjunas
> anwesend, um Arjuna beizustehen. Sri Krsna ist Rama
> Selbst, und wo immer Sri Rama Sich aufhält, dort sind auch
> Sein ewiger Diener Hanuman und Seine ewige Gefährtin
> SÖta, die Glücksgöttin, anzutreffen.
> Es gab daher für Arjuna keinen Grund, irgendwelche
> Feinde zu fürchten. Und vor allem war der Herr der Sinne,
> Sri Krsna, persönlich gegenwärtig, um ihm Weisungen zu
> erteilen. Was also die Durchführung der Schlacht betraf, so
> standen Arjuna alle guten Ratschläge zur Verfügung. In
> solch glückverheißenden Umständen, die vom Herrn für
> Seinen Geweihten geschaffen worden waren, lagen die
> Zeichen sicheren Sieges.
> 
> VERS 21-22
> Arjuna sagte: O Unfehlbarer, bitte lenke meinen
> Streitwagen zwischen die beiden Heere, damit ich sehen
> kann, wer hier anwesend ist, wen es zu kämpfen gelüstet
> und mit wem ich mich in dieser großen Schlacht zu
> messen habe.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl Sri Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist,
> betätigte Er Sich aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit im
> Dienst Seines Freundes. Er fehlt niemals darin, Seine
> Geweihten zuneigungsvoll zu behandeln, und deshalb wird
> Er hier als unfehlbar bezeichnet. Als Wagenlenker mußte
> Er Arjunas Befehle ausführen, und da Er nicht zögerte, dies
> zu tun, wird Er als unfehlbar bezeichnet. Obwohl Er die
> Rolle des Wagenlenkers Seines Geweihten angenommen
> hatte, war Seine Stellung als der Höchste nicht in Frage
> gestellt. Unter allen Umständen ist Er die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Hrsikesa, der Herr der Gesamtheit
> aller Sinne. Die Beziehung zwischen dem Herrn und
> Seinem Diener ist sehr süß und transzendental. Der Diener
> ist immer bereit, dem Herrn einen Dienst zu leisten, und in
> ähnlicher Weise sucht auch der Herr immer nach einer
> Gelegenheit, Seinem Geweihten irgendeinen Dienst zu
> erweisen. Er findet größere Freude daran, wenn Sein reiner
> Geweihter die vorteilhafte Stellung einnimmt, Ihm zu
> befehlen, als wenn Er es ist, der Befehle erteilt. Da Er der
> Meister ist, muß jeder Seinen Anordnungen nachkommen -
> niemand steht über Ihm, der Ihm Befehle geben könnte -,
> doch wenn Er sieht, daß ein reiner Gottgeweihter Ihm
> befiehlt, erfährt Er transzendentale Freude, obwohl Er der
> unfehlbare Herr aller Umstände ist.
> Als ein reiner Geweihter des Herrn hatte Arjuna kein
> Verlangen, mit seinen Vettern und Brüdern zu kämpfen,
> doch durch den Starrsinn Duryodhanas, der niemals
> irgendeinem Friedensangebot zugestimmt hatte, war er
> gezwungen, auf das Schlachtfeld zu kommen. Voller
> Erwartung wollte er deshalb sehen, wer die auf dem
> Schlachtfeld versammelten führenden Persönlichkeiten
> waren. Obwohl eine Friedensbemühung auf dem
> Schlachtfeld ausgeschlossen war, wollte er sie dennoch
> wiedersehen und sehen, wie sehr sie danach drängten,
> diesen unerwünschten Krieg zu führen.
> 
> VERS 23
> Laß mich diejenigen sehen, die hierher gekommen sind,
> um zu kämpfen und so den bösartigen Sohn
> Dhrtarastra s zu erfreuen.
> ERLÄUTERUNG
> Es war ein offenes Geheimnis, daß Duryodhana in
> Zusammenarbeit mit seinem Vater Dhrtarastra durch üble
> Machenschaften das Königreich der Pandavas an sich
> reißen wollte. Daher mußten all jene die sich Duryodhana
> angeschlossen hatten, von gleicher Gesinnung sein. Arjuna
> wollte sie vor Beginn des Kampfes auf dem Schlachtfeld
> sehen, nur um zu erfahren, um wen es sich handelte; er
> hatte nicht die Absicht, ihnen Friedensverhandlungen
> vorzuschlagen. Es war auch eine Tatsache, daß er sie sehen
> wollte, um die Stärke abzuschätzen, der er zu begegnen
> hatte, obgleich er sich des Sieges völlig sicher war, da
> Krsna an seiner Seite saß.
> 
> VERS 24
> Sanjaya sprach: O Nachkomme Bharatas, so von
> Arjuna angesprochen lenkte Sri Krsna den
> vortrefflichen Streitwagen zwischen die Heere beider
> Parteien.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers wird Arjuna als Guḍakeśa bezeichnet.
> Guḍaka bedeutet „Schlaf”, und jemand, der den Schlaf
> bezwingt, wird guḍakeśa genannt. Schlaf bedeutet auch
> Unwissenheit. Also bezwang Arjuna dank seiner
> Freundschaft mit Krsna sowohl Schlaf als auch
> Unwissenheit. Als ein großer Geweihter Krsnas konnte er
> Krsna nicht einmal für einen Augenblick vergessen, da dies
> das Wesen eines Gottgeweihten ist. Ob im Wach- oder im
> Schlafzustand - ein Geweihter des Herrn kann niemals
> davon frei sein, an Krsnas Namen, Gestalt, Eigenschaften
> und Spiele zu denken. So kann ein Geweihter Krsnas
> sowohl Schlaf als auch Unwissenheit bezwingen, indem er
> einfach unablässig an Krsna denkt. Das nennt man Krsna-
> Bewußtsein oder samadhi. Als Hrsikesa oder der Lenker
> der Sinne und des Geistes eines jeden Lebewesens konnte
> Krsna Arjunas Absicht verstehen, als dieser Ihm befahl, den
> Streitwagen zwischen beide Heere zu lenken. Er folgte also
> dieser Anweisung und sprach dann wie folgt.
> 
> VERS 25
> In Gegenwart von Bhisma, Drona und allen anderen
> Herrschern der Welt sprach Hrsikesa, der Herr: O
> Partha, sieh nur all die Kurus, die sich hier versammelt
> haben.
> ERLÄUTERUNG
> Als die Überseele aller Lebewesen konnte Sri Krsna
> verstehen, was in Arjunas Geist vorging. Der Gebrauch des
> Wortes Hrsikesa in diesem Zusammenhang weist darauf
> hin, daß Er alles wußte. Und auch das Wort partha, was
> soviel bedeutet wie "Sohn Kuntis oder Prthas", ist im
> Zusammenhang mit Arjuna ähnlich wichtig. Als Freund
> wollte Krsna Arjuna zu verstehen geben, daß Er
> eingewilligt hatte, sein Wagenlenker zu sein, weil Arjuna
> der Sohn Prthas, der Schwester Seines Vaters Vasudeva,
> war. Was aber meinte Krsna nun, als Er zu Arjuna sagte
> "Betrachte nur die Kurus"? Wollte Arjuna jetzt innehalten
> und nicht kämpfen? Krsna erwartete niemals so etwas von
> dem Sohn Seiner Tante Prtha. Die Geisteshaltung Arjunas
> wurde so vom Herrn in freundschaftlichem Scherzen
> vorhergesagt.
> 
> VERS 26
> Da konnte Arjuna, der mitten zwischen den Heeren
> beider Parteien stand, seine Väter, Großväter, Lehrer,
> Onkel mütterlicherseits, Brüder, Söhne, Enkel, Freunde
> und auch seine Schwiegerväter und seine Gönner
> erkennen - alle waren dort versammelt.
> ERLÄUTERUNG
> Auf dem Schlachtfeld konnte Arjuna alle möglichen
> Verwandten sehen. Er erkannte Persönlichkeiten wie
> Bhurisrava, die Altersgenossen seines Vaters waren, sowie
> seine Großväter Bhisma und Somadatta, Lehrer wie
> Dronacarya und Krpacarya, Onkel mütterlicherseits wie
> Salya und Sakuni, Brüder wie Duryodhana, Söhne wie
> Laksmaäa, Freunde wie Asvatthama, Gönner wie
> Kṛtavarma usw. Auch konnte er in den Heeren viele seiner
> Freunde erkennen.
> 
> VERS 27
> Als der Sohn Kuntis, Arjuna, all diese verschiedenen
> Grade von Freunden und Verwandten sah, wurde er
> von Mitleid überwältigt und sprach wie folgt.
> 
> VERS 28
> Arjuna sagte: Mein lieber Krsna, beim Anblick meiner
> Freunde und Verwandten, die so Kampflustig vor mir
> stehen, fühle ich, wie mir die Glieder zittern und mein
> Mund austrocknet.
> ERLÄUTERUNG
> Jeder, der echte Hingabe an den Herrn besitzt, birgt in sich
> alle guten Eigenschaften, die man bei göttlichen Menschen
> oder bei den Halbgöttern findet, wohingegen dem
> Nichtgottgeweihten göttliche Eigenschaften fehlen, mag er
> durch Bildung und Kultur auf dem Gebiet materieller
> Befähigungen auch noch so fortgeschritten sein. Daher
> wurde Arjuna, als er seine Familienangehörigen, seine
> Freunde und Verwandten auf dem Schlachtfeld gesehen
> hatte, sogleich von Mitleid mit ihnen überwältigt, die sie
> sich entschieden hatten, gegeneinander zu kämpfen. Was
> seine eigenen Soldaten betraf, so hatte er von Anfang an
> Mitgefühl, doch empfand er jetzt auch Mitleid mit den
> Soldaten der gegnerischen Partei, da er ihren
> unausweichlichen Tod voraussah. Bei diesen Gedanken
> begannen seine Glieder zu zittern, und sein Mund wurde
> trocken. Es verwundene ihn eigentlich, sie so Kampflustig
> zu sehen. Nahezu die gesamte Gemeinschaft, das heißt alle
> Blutsverwandten Arjunas, war gekommen, um gegen ihn zu
> kämpfen. Dies überwältigte einen gutherzigen
> Gottgeweihten wie Arjuna. Obwohl es hier nicht erwähnt
> wird, kann man sich vorstellen, daß nicht nur Arjunas
> Glieder zitterten und sein Mund austrocknete, sondern daß
> er auch aus Mitleid weinte. Solche Merkmale Arjunas
> beruhten nicht auf Schwäche, sondern auf Weichherzigkeit,
> einem Merkmal eines reinen Gottgeweihten. Deshalb heißt
> es:
> "Wer unerschütterliche Hingabe an die Höchste
> Persönlichkeit Gottes hat, besitzt alle guten Eigenschaften
> der Halbgötter. Wer aber kein Geweihter des Herrn ist,
> verfügt nur über materielle Fähigkeiten, die von geringem
> Wert sind. Dies ist so, weil er sich auf der Ebene des
> Geistes bewegt und mit Sicherheit von der flimmernden
> materiellen Energie betört wird." (SB. 5.18.12)
> 
> VERS 29
> Mein ganzer Körper zittert, und meine Haare sträuben
> sich. Mein Bogen Gandiva gleitet mir aus der Hand und
> meine Haut brennt.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt zwei Arten des Körperzitterns und zwei Arten des
> Sichsträubens von Haaren. Solche Phänomene treten
> entweder in großer spiritueller Ekstase oder aus großer
> Angst unter materiellen Bedingungen auf. Im Falle
> transzendentaler Erkenntnis gibt es keine Angst. Arjunas
> Merkmale in dieser Lage entspringen materieller Angst,
> nämlich der Befürchtung, das Leben zu verlieren. Diese
> Tatsache ist auch an anderen Merkmalen erkennbar: so
> wurde er zum Beispiel so ungeduldig, daß ihm sein
> berühmter Bogen Gandiva aus den Händen glitt, und weil
> sein Herz im Innern brannte, spürte er ein Brennen auf der
> Haut. All diese Dinge rühren von einer materiellen
> Lebensauffassung her.
> 
> VERS 30
> Ich bin jetzt nicht imstande, hier noch länger
> stehenzubleiben. Ich vergesse mich, und mein Geist
> taumelt. Ich sehe nur Unheil drohen, o Töter des
> Dämons Kesī.
> ERLÄUTERUNG
> Aufgrund seiner Unruhe war es Arjuna nicht möglich,
> länger auf dem Schlachtfeld zu bleiben, und er vergaß sich,
> weil sein Geist schwach war. Wenn jemand zu sehr an
> materiellen Dingen hängt, führt ihn dies in einen
> verwirrenden Daseinszustand. Bhayam dvitiyabinivesatah:
> Solche Furcht und der Verlust des geistigen Gleichgewichts
> treten bei Menschen auf, die zu sehr von materiellen
> Umständen beeinflußt werden. Arjuna sah vor seinem
> geistigen Auge nur Unglück auf dem Schlachtfeld - er wäre
> nicht einmal glücklich, wenn er den Feind besiegte. Das
> Wort nimitta ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung.
> Wenn ein Mann in seinen Erwartungen nur Enttäuschung
> sieht, denkt er: "Warum bin ich Überhaupt hier?" Jeder ist
> an sich selbst und seinem eigenen Wohl interessiert.
> Niemand interessiert sich für das Höchste Selbst. Von
> Arjuna wird erwartet, daß er sein Eigeninteresse
> zurückstellt und sich dem Willen Krsnas fügt, der
> jedermanns wahres Selbstinteresse ist. Die bedingte Seele
> vergißt dies und erleidet deshalb materielle Schmerzen.
> Arjuna dachte, sein Sieg in der Schlacht werde für ihn nur
> ein Grund zum Klagen sein.
> 
> VERS 31
> Ich kann nicht sehen, wie etwas Gutes entstehen kann,
> wenn ich meine eigenen Verwandten in dieser Schlacht
> töte; noch kann ich, mein lieber Krsna,
> Folgeerscheinungen wie Sieg, Königreich oder Glück
> begehren.
> ERLÄUTERUNG
> Ohne zu wissen, daß Visnu oder Krsna ihr wahres
> Selbstinteresse ist, fühlen sich bedingte Seelen zu
> körperlichen Beziehungen hingezogen, in der Hoffnung,
> auf diese Weise glücklich zu werden. In ihrer Verblendung
> vergessen sie, daß Krsna auch die Ursache materiellen
> Glücks ist. Arjuna scheint sogar die für einen ksatriya
> geltenden Moralgesetze vergessen zu haben. Man sagt, daß
> zwei Arten von Menschen in den Sonnenplaneten eingehen
> können, der so mächtig und gleißend ist, nämlich der
> ksatriya, der in den vordersten Reihen der Schlachtordnung
> unter Krsnas direkten Befehlen fällt, und der Mensch im
> Lebensstand der Entsagung, der spiritueller Kultur absolut
> hingegeben ist. Arjuna widerstrebt es sogar, seine Feinde zu
> töten, von seinen Verwandten ganz zu schweigen. Er
> dachte, es gäbe kein Glück in seinem Leben, wenn er seine
> Verwandten tötete, und deshalb wollte er nicht kämpfen,
> ebenso wie ein Mensch, der keinen Hunger verspürt, nichts
> kochen möchte. Er hat sich jetzt entschlossen, in den Wald
> zu gehen und ein einsames Leben in Enttäuschung zu
> verbringen. Doch als ksatriya braucht er ein Königreich für
> seinen Unterhalt, denn ksatriyas können nicht irgendeiner
> anderen Beschäftigung nachgehen. Aber Arjuna besaß kein
> Königreich. Arjunas einzige Möglichkeit, ein Königreich
> zu gewinnen, bestand darin, mit seinen Vettern und
> Brüdern zu kämpfen und das Königreich zurückzufordern,
> das er von seinem Vater geerbt hatte. Aber das möchte er
> nicht. Deshalb hält er es für das beste, in den Wald zu
> gehen, um dort ein zurückgezogenes Leben der
> Enttäuschung zu fristen.
> 
> VERS 32-35
> O Govinda, was nützen uns Königreiche, Glück oder
> sogar das nackte Leben, wenn all jene, für die wir diese
> Dinge begehren mögen, jetzt auf dem Schlachtfeld in
> Reih und Glied stehen? O Madhusudana, wenn Lehrer,
> Väter, Söhne, Großväter, Onkel mütterlicherseits,
> Schwiegerväter, Enkel, Schwäger und alle Verwandten
> bereit sind, ihr Leben und ihre Besitztümer aufzugeben,
> und vor mir stehen - warum sollte ich da den Wunsch
> haben, sie zu töten, wenngleich ich selbst überleben
> mag? O Erhalter aller Geschöpfe, ich bin nicht bereit,
> mit ihnen zu kämpfen, nicht einmal, wenn ich dafür die
> drei Welten bekäme, geschweige denn diese Erde.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna sprach Sri Krsna als Govinda an, weil Krsna für die
> Kühe und die Sinne der Gegenstand aller Freude ist. Indem
> er dieses bedeutungsvolle Wort gebraucht, deutet Arjuna
> an, was seine Sinne zufriedenstellen wird. Obwohl Govinda
> nicht dafür da ist, unsere Sinne zu befriedigen, ist es doch
> so, daß dann, wenn wir die Sinne Govindas erfreuen,
> unsere eigenen Sinne von selbst zufrieden sind. Im
> materiellen Bewußtsein möchte jeder seine eigenen Sinne
> befriedigen, und Gott soll der Lieferant für diese
> Befriedigung sein. Der Herr wird die Sinne der Lebewesen
> in dem Maße befriedigen, wie sie es verdienen, doch nicht
> in dem Maße, wie es sie vielleicht gelüstet. Wenn man
> jedoch die entgegengesetzte Richtung einschlägt, das heißt
> versucht, die Sinne Govindas zu erfreuen, ohne dabei nach
> eigener Sinnenbefriedigung zu trachten, gehen durch die
> Gnade Govindas alle Wünsche des Lebewesens in
> Erfüllung.
> Hier zeigt sich ein wenig von Arjunas tiefer Zuneigung zu
> Gemeinschaft und Familienangehörigen, da er natürliches
> Mitleid mit ihnen empfindet. Er ist daher nicht bereit zu
> kämpfen. Jeder will Freunden und Verwandten seinen
> Reichtum zeigen, aber Arjuna befürchtet, daß alle seine
> Verwandten und Freunde auf dem Schlachtfeld getötet
> werden und daß er nach dem Sieg seinen Reichtum mit
> ihnen nicht teilen kann. Dies ist eine typische Überlegung
> im materiellen Leben. Das transzendentale Leben ist jedoch
> anders. Da ein Gottgeweihter die Wünsche des Herrn
> erfüllen möchte, kann er, wenn der Herr es will, alle Arten
> von Reichtum für den Dienst des Herrn annehmen, und
> wenn der Herr es nicht will, sollte er keinen Heller
> annehmen. Arjuna wollte seine Verwandten nicht töten,
> und wenn es aus irgendeinem Grunde notwendig war, sie
> zu töten, wollte er, daß Krsna sie persönlich tötete. Zu
> diesem Zeitpunkt wußte er noch nicht, daß Krsna sie bereits
> getötet hatte, bevor sie auf das Schlachtfeld kamen, und daß
> er nur ein Werkzeug Krsnas werden sollte. Diese Tatsache
> wird in späteren Kapiteln deutlich werden. Als ein
> natürlicher Geweihter des Herrn wollte sich Arjuna an
> seinen ruchlosen Vettern nicht rächen; doch es war der Plan
> des Herrn, daß sie alle getötet werden sollten. Der
> Geweihte des Herrn rächt sich nicht an einem Übeltäter;
> aber der Herr duldet kein Unrecht, das Seinem Geweihten
> von Halunken zugefügt wurde. Der Herr kann jemand
> verzeihen, wenn es Ihn Selbst betrifft, doch vergibt Er
> niemandem, der Seinen Geweihten Leid zugefügt hat.
> Deshalb war der Herr entschlossen, die Halunken zu töten,
> obwohl Arjuna ihnen verzeihen wollte.
> 
> VERS 36
> Sünde wird über uns kommen, wenn wir solche
> Angreifer erschlagen. Deshalb ist es nicht richtig, die
> Söhne Dhrtarastra s und unsere Freunde zu töten. Was
> können wir schon gewinnen, o Krsna, Gemahl der
> Glücksgöttin, und wie können wir glücklich sein, wenn
> wir unsere eigenen Verwandten erschlagen?
> ERLÄUTERUNG
> Vedischen Unterweisungen gemäß gibt es sechs Arten von
> Angreifern: (1) jemand, der andere vergiftet; (2) jemand,
> der das Haus in Brand setzt; (3) jemand, der mit tödlichen
> Waffen angreift; (4) jemand, der Besitztum plündert; (5)
> jemand, der eines anderen Land besetzt, und (6) jemand,
> der eines anderen Frau entführt. Solche Angreifer müssen
> sofort getötet werden, und man begeht keine Sünde, wenn
> solche Angreifer das Leben verlieren. Für einen
> gewöhnlichen Menschen ist es durchaus angebracht, solche
> Angreifer zu töten; doch Arjuna war kein gewöhnlicher
> Mensch. Dem Charakter nach war er ein Heiliger, und
> deshalb wollte er sich ihnen gegenüber wie ein solcher
> verhalten; aber solche Art von Heiligkeit ist nichts für einen
> ksatriya. Obwohl es notwendig ist, daß ein verantwortlicher
> Mensch in der Verwaltung eines Staates heilige
> Eigenschaften hat, sollte er kein Feigling sein. Sri Rama
> zum Beispiel war so fromm, daß sich alle Menschen
> wünschten, in Seinem Königreich (Rama-rajya) zu leben,
> aber Sri Rama zeigte nie auch nur die geringsten Anzeichen
> von Feigheit. Ravana griff Rama an, da er Ramas Frau,
> SÖta, raubte, doch Rama erteilte ihm ausreichende Lehren,
> die in der Geschichte der Welt nicht ihresgleichen finden.
> In Arjunas Fall sollte man indes die besondere Art der
> Angreifer bedenken, nämlich sein eigener Großvater, der
> eigene Lehrer, Freunde, Söhne, Enkel usw. Ihretwegen
> dachte Arjuna, daß er nicht die schweren Schritte
> unternehmen sollte, die bei gewöhnlichen Angreifern
> notwendig sind. Außerdem wird heiligen Menschen
> angeraten zu verzeihen. Solche Anweisungen für heilige
> Menschen sind wichtiger als jeder politische Notstand.
> Arjuna war der Meinung, es sei besser, seinen Verwandten
> aus religiösen Gründen zu verzeihen und ein heiliges
> Verhalten zu bewahren, als sie aus politischen Erwägungen
> zu töten. Er hielt daher solches Töten, nur um zeitweiligen,
> körperlichen Glücks willen, nicht für vorteilhaft.
> Schließlich sind Königreiche und andere so gewonnene
> materielle Freuden nicht beständig; warum sollte er also
> sein Leben und seine ewige Erlösung aufs Spiel setzen,
> indem er seine eigenen Verwandten tötete? Daß Arjuna
> Krsna als "Madhava" oder "Gemahl der Glücksgöttin"
> ansprach, ist in diesem Zusammenhang ebenfalls von
> Bedeutung. Er wollte darauf hinweisen, daß Krsna als
> Gemahl der Glücksgöttin ihn nicht dazu verleiten sollte,
> sich mit etwas zu befassen, das letztlich nur Unglück
> bringen wurde. Krsna jedoch bringt niemandem Unglück,
> vor allem nicht Seinen Geweihten.
> 
> VERS 37-38
> O Janardana, zwar sehen diese Männer, von Gier
> überwältigt, keinen Fehler darin, die eigene Familie zu
> töten oder mit Freunden zu streiten, aber warum sollten
> wir, im Wissen um diese Sünde, genauso handeln?
> ERLÄUTERUNG
> Ein ksatriya darf sich eigentlich nicht weigern, an einem
> Kampf oder Glücksspiel teilzunehmen, wenn er von einer
> rivalisierenden Partei dazu aufgefordert wird. Gemäß dieser
> Verpflichtung durfte sich Arjuna also im Grunde nicht
> weigern zu kämpfen, da er von der Partei Duryodhanas
> herausgefordert worden war. In diesem Falle jedoch, so
> überlegte Arjuna, mochte die andere Seite den
> Auswirkungen einer solchen Herausforderung gegenüber
> blind sein. Arjuna hingegen konnte die üblen Folgen
> voraussehen und wollte die Herausforderung deshalb nicht
> annehmen. Eine VerPflichtung ist erst dann wirklich
> bindend, wenn die Auswirkung gut ist - wenn aber die
> Auswirkung anders geartet ist, kann niemand verPflichtet
> werden. Indem Arjuna so das Für und Wider in Betracht
> zog, entschloß er sich, nicht zu kämpfen.
> 
> VERS 39
> Mit der Zerstörung der Dynastie wird die ewige
> Familientradition vernichtet, und so wird der Rest der
> Familie in irreligiöse Praktiken verwickelt.
> ERLÄUTERUNG
> Im System der varnasrama-Einrichtung gibt es viele
> Prinzipien religiöser Traditionen, die den
> Familienmitgliedern helfen sollen, in rechter Weise
> aufzuwachsen und spirituelle Werte zu erwerben. Die
> älteren Mitglieder sind für solche Läuterungsvorgänge in
> der Familie, die mit der Geburt beginnen und bis zum Tode
> angewandt werden, verantwortlich. Wenn aber die älteren
> Mitglieder der Familie sterben, kann es geschehen, daß
> solche traditionsgemäßen Läuterungszeremonien in der
> Familie eingestellt werden und die zurückbleibenden
> jüngeren Familienangehörigen irreligiöse Gewohnheiten
> entwickeln und dadurch ihre Gelegenheit zu spiritueller
> Erlösung versäumen. Deshalb dürfen die älteren
> Familienangehörigen unter keinen Umständen getötet
> werden.
> 
> VERS 40
> O Krsna, wenn Irreligiosität in der Familie vorherrscht,
> verderben die Frauen der Familie, und wenn die Frauen
> entarten, o Nachkomme Vrsnis, entsteht ungewollte
> Nachkommenschaft.
> ERLÄUTERUNG
> Eine gute Bevölkerung in der menschlichen Gesellschaft ist
> das Grundprinzip für Frieden, Wohlstand und spirituellen
> Fortschritt im Leben. Die Grundsätze der varnasrama-
> Religion waren so angelegt, daß die gute Bevölkerung in
> der Gesellschaft überwog und so den allgemeinen
> spirituellen Fortschritt des Staates und der Gemeinschaft
> gewährleistete. Eine solche Bevölkerung hängt von der
> Keuschheit und Treue ihrer Frauen ab. So wie Kinder sehr
> dazu neigen, irregeführt zu werden, so neigen Frauen sehr
> leicht zu Erniedrigung. Daher müssen sowohl die Kinder
> als auch die Frauen von den älteren Familienmitgliedern
> beschützt werden. Wenn die Frauen mit verschiedenen
> religiösen Praktiken beschäftigt sind, werden sie nicht zum
> Ehebruch verleitet. Nach Canakya Pandita sind Frauen im
> allgemeinen nicht sehr intelligent und deshalb nicht
> vertrauenswürdig. Folglich sollten die verschiedenen
> Familientraditionen religiöser Tätigkeiten sie ständig
> beschäftigen; dann wird ihre Keuschheit und Hingabe eine
> gute Bevölkerung hervorbringen, die geeignet ist am
> varnasrama-System teilzunehmen. Wenn solches
> varnasrama-dharma scheitert, bekommen die Frauen
> natürlicherweise die Freiheit, nach Belieben zu handeln und
> sich mit Männern einzulassen; dann steht dem Ehebruch
> nichts mehr im Wege, wobei man Gefahr läuft, ungewollte
> Nachkommenschaft zu zeugen. Auch unverantwortliche
> Männer begünstigen den Ehebruch in der Gesellschaft, und
> so überschwemmen ungewollte Kinder die menschliche
> Rasse, und es entstehen Gefahren wie Kriege und Seuchen.
> 
> VERS 41
> Wenn ungewollte Bevölkerung zunimmt, entsteht
> sowohl für die Familie als auch für diejenigen, die die
> Familientradition zerstören, eine höllische Situation. In
> solchen verdorbenen Familien werden den Vorvätern
> weder Speise noch Wasser als Opfer dargebracht.
> ERLÄUTERUNG
> Nach den Regeln und Vorschriften für fruchtbringende
> Tätigkeiten muß man den Vorvätern der Familie in
> bestimmten Zeitabständen Speise und Wasser opfern. Diese
> Opferung wird durchgeführt, indem man Visnu verehrt,
> denn wenn man die Reste der Nahrung zu sich nimmt, die
> Visnu geopfert wurde, kann man von allen Arten
> sündhafter Handlungen befreit werden. Manchmal mögen
> die Vorväter unter vielfachen Arten sündhafter Reaktionen
> leiden, und bisweilen können manche von ihnen nicht
> einmal einen grobstofflichen Körper annehmen und sind
> gezwungen, in feinstofflichen Körpern als Geister zu leben.
> Wenn daher die Nachkommen ihren Vorvätern Überreste
> von prasada-Speisen opfern, werden die Ahnen von einem
> Leben als Geist oder anderen leidvollen Umständen befreit.
> Es ist eine Familientradition, den Vorvätern auf diese
> Weise zu helfen, und jene, die kein gottergebenes Leben
> führen, müssen solche Rituale vollziehen. Jemand, der ein
> gottergebenes Leben führt, braucht solche Handlungen
> nicht zu verrichten. Indem man einfach hingebungsvollen
> Dienst ausführt, kann man Hunderte, ja Tausende von
> Vorvätern von allen Arten des Elends befreien. Im
> Bhagavatam (11.5.41) heißt es:
> "Jeder, der bei den Lotusfüßen Mukundas, der Befreiung
> gewährt, Zuflucht gesucht und alle Arten von
> VerPflichtungen aufgegeben hat und diesem Pfad mit allem
> Ernst folgt, ist weder den Halbgöttern noch den Weisen,
> noch anderen Lebewesen, noch seinen
> Familienangehörigen, noch der Menschheit, noch den
> Vorvätern verPflichtet."
> Solche VerPflichtungen sind von selbst erfüllt, wenn man
> im hingebungsvollen Dienst für die Höchste Persönlichkeit
> Gottes tätig ist.
> 
> VERS 42
> Durch die üblen Machenschaften derer, die die
> Familientradition zerstören, werden alle möglichen
> gemeinschaftlichen Vorhaben und Tätigkeiten, die dem
> Wohl der Familie dienen, zunichte gemacht.
> ERLÄUTERUNG
> Die vier Einteilungen der menschlichen Gesellschaft,
> zusammen mit Tätigkeiten zum Wohl der Familie, wie sie
> von der Einrichtung des sanatana-dharma oder
> varnasrama-dharma vorgesehen sind, sollen es dem
> Menschen ermöglichen, seine endgültige Erlösung zu
> erlangen. Wenn daher unverantwortliche Führer der
> Gesellschaft die Tradition des sanatana-dharma zerstören,
> entsteht ein Chaos in dieser Gesellschaft, und als Folge
> davon vergessen die Menschen das Ziel des Lebens -
> Visnu. Solche Führer bezeichnet man als blind, und
> Menschen, die ihnen folgen, werden unweigerlich in ein
> Chaos geführt.
> 
> VERS 43
> O Krsna, Erhalter aller Menschen, ich habe durch die
> Schülernachfolge gehört, daß diejenigen, die die
> Familienbräuche zerstören, für immer in der Hölle
> leiden.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna stützt seinen Einwand nicht auf seine eigene,
> persönliche Erfahrung, sondern auf das, was er von
> Autoritäten gehört hat. Das ist der Weg, wirkliches Wissen
> zu empfangen. Man kann nicht zum wirklichen Punkt
> tatsächlichen Wissens gelangen, ohne daß einem von der
> richtigen Person geholfen wird, die bereits in diesem
> Wissen verankert ist. In der Einrichtung des varnasrama
> gibt es ein System, das vorschreibt, daß man sich vor dem
> Tod einer bestimmten Zeremonie unterzieht, um von seinen
> sündhaften Handlungen geläutert zu werden. Wer ständig
> sündigt, muß den als prayascitta bezeichneten
> Läuterungsvorgang nutzen. Wenn man dies nicht tut, wird
> man mit Sicherheit zu höllischen Planeten gebracht, um als
> Folge sündiger Handlungen ein jammervolles Leben nach
> 
> dem anderen zu erleiden.
> 
> VERS 44
> Ach, wie seltsam es ist, daß wir, getrieben von dem
> Wunsch, königliches Glück zu genießen, uns anschicken,
> schwere sündhafte Taten zu begehen.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man von selbstsüchtigen Beweggründen getrieben
> wird, schreckt man unter Umständen nicht einmal vor solch
> sündigen Handlungen wie dem Mord an Bruder, Vater oder
> Mutter zurück. Es gibt hierfür viele Beispiele in der
> Weltgeschichte. Arjuna aber ist sich als frommer Geweihter
> des Herrn stets moralischer Grundsätze bewußt und daher
> bemüht, solche Tätigkeiten zu vermeiden.
> 
> VERS 45
> Ich hielte es für besser, wenn mich die Söhne
> Dhrtarastras unbewaffnet und widerstandslos töteten,
> als daß ich mit ihnen kämpfte.
> ERLÄUTERUNG
> Nach den Kampfregeln der ksatriyas ist es üblich, einen
> unbewaffneten und unwilligen Gegner nicht anzugreifen.
> Arjuna aber sah sich in einer solch verzwickten Lage, daß
> er beschloß, nicht zu kämpfen, wenn der Feind ihn angriffe.
> Er bedachte nicht, wie sehr die Gegenseite zum Kampf
> drängte. All diese Merkmale sind darauf zurückzuführen,
> daß er ein weiches Herz hatte, was von der Tatsache
> herrührte, daß er ein großer Geweihter des Herrn war.
> 
> VERS 46
> 
> Sanjaya sagte: Nachdem Arjuna diese Worte auf dem
> Schlachtfeld gesprochen hatte, warf er Bogen und Pfeile
> zur Seite und setzte sich, von Schmerz überwältigt, auf
> dem Streitwagen nieder.
> ERLÄUTERUNG
> Während Arjuna seine Feinde beobachtete, stand er
> aufrecht auf dem Streitwagen; doch dann wurde er von
> solchem Schmerz überwältigt, daß er sich wieder
> niedersetzte und Bogen und Pfeile beiseite legte. Wer so
> gütig und weichherzig ist und sich zudem im
> hingebungsvollen Dienst des Herrn betätigt, ist geeignet,
> Wissen vom Selbst zu empfangen.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Ersten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel:
> „Arjuna beobachtet die Heere auf dem Schlachtfeld von
> Kuruksetra".
>
> — *Erstes Kapitel: Arjuna beobachtet die Heere auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra — A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada*

