# NEUNTES KAPITEL

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> NEUNTES KAPITEL
> Das vertraulichste Wissen
> 
> VERS 1
> Der Höchste Herr sprach: Mein lieber Arjuna, weil du
> Mich niemals beneidest, werde Ich dir diese
> vertraulichste Weisheit mitteilen, deren Kenntnis dich
> von den Leiden des materiellen Daseins befreien wird.
> ERLÄUTERUNG
> Je mehr ein Gottgeweihter über den Höchsten Herrn hört,
> desto mehr wird er erleuchtet. Dieser Vorgang des Hörens
> wird auch im Srimad-Bhagavatam empfohlen: "Die
> Botschaften von der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind
> voller Kräfte, und diese Kräfte können erfahren werden,
> wenn die Gottgeweihten untereinander über den Höchsten
> Gott sprechen. Dies kann nicht durch die Gemeinschaft
> gedanklicher Spekulanten oder akademischer Gelehrter
> erfahren werden, denn es ist verwirklichtes Wissen."
> Die Gottgeweihten sind ständig im Dienst des Höchsten
> Herrn beschäftigt. Der Herr versteht die Mentalität und
> Aufrichtigkeit eines bestimmten Lebewesens, das im
> Krsna-Bewusstsein tätig ist, und gibt ihm die Intelligenz, die
> Wissenschaft von Krsna in der Gemeinschaft von
> Gottgeweihten zu verstehen. Gespräche über Krsna sind
> sehr mächtig, und wenn ein vom Glück begünstigter
> Mensch solchen Umgang hat und versucht, dieses Wissen
> zu verstehen, wird er auf dem Weg zu spiritueller
> Erkenntnis gewiß Fortschritte machen. Um Arjuna zu
> immer höherer Erhebung in Seinem mächtigen Dienst zu
> ermutigen, beschreibt Sri Krsna in diesem Neunten Kapitel
> Themen, die noch vertraulicher sind als die bereits
> offenbarten.
> Der Anfang der Bhagavad-Gita, das Erste Kapitel, ist mehr
> oder weniger eine Einleitung zum übrigen Teil des Buches.
> Das im Zweiten und Dritten Kapitel beschriebene
> spirituelle Wissen wird als vertraulich bezeichnet. Die im
> Siebten und Achten Kapitel erörterten Themen haben
> insbesondere mit hingebungsvollem Dienst zu tun, und weil
> sie zu Erleuchtung im Krsna-Bewusstsein führen, werden
> sie als noch vertraulicher bezeichnet. Aber die im Neunten
> Kapitel beschriebenen Dinge handeln von unvermischter,
> reiner Hingabe, und daher wird es "das vertraulichste
> Wissen" genannt. Wer im vertraulichsten Wissen von Krsna
> gründet, ist natürlicherweise transzendental und erleidet
> daher keine materiellen Qualen mehr, obwohl er sich
> immer noch in der materiellen Welt befindet. Im
> Bhakti-rasamrta-sindhu wird gesagt, dass jemand, der den
> ernsthaften Wunsch hat, dem Höchsten Herrn liebevoll zu
> dienen, als befreit angesehen werden muss, obwohl er sich
> noch im bedingten Zustand des materiellen Daseins
> befindet. In ähnlicher Weise werden wir im Zehnten
> Kapitel der Bhagavad-Gita lesen, dass jeder, der auf diese
> Weise tätig ist, eine befreite Seele ist.
> Der erste Vers dieses Kapitels nun ist von besonderer
> Bedeutung. Wissen (idaà jÒanam) bezieht sich auf reinen
> hingebungsvollen Dienst, der aus neun verschiedenen
> 
> Tätigkeiten besteht: hören, chanten, sich erinnern, dienen,
> verehren, beten, gehorchen, Freundschaft schließen und
> alles hingeben. Wenn man diese neun Elemente
> hingebungsvollen Dienstes praktiziert, wird man zu
> spirituellem Bewusstsein oder Krsna-Bewusstsein erhoben.
> Wenn dann das Herz von der materiellen Verunreinigung
> befreit ist, kann man die Wissenschaft von Krsna verstehen.
> Nur zu verstehen, dass ein Lebewesen nicht materiell ist,
> genügt nicht. Diese Erkenntnis mag der Beginn spiritueller
> Verwirklichung sein, doch sollte man den Unterschied zwischen
> Tätigkeiten des Körpers und spirituellen Tätigkeiten
> erkennen, durch die man versteht, dass man nicht der
> materielle Körper ist.
> Im Siebten Kapitel sprachen wir bereits über die vielfältige
> Macht der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Ihre
> verschiedenen Energien, die niederen und höheren Naturen
> und die gesamte materielle Manifestation. Jetzt werden in
> den Kapiteln Neun und Zehn die Herrlichkeiten des Herrn
> beschrieben werden.
> In diesem Vers ist das Sanskritwort anasuyave ebenfalls
> sehr bedeutsam. Im allgemeinen beneiden die
> Kommentatoren Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes
> - auch wenn sie sehr gebildet sind -, und selbst die
> hervorragendsten Gelehrten kommentieren die
> Bhagavad-Gita sehr ungenau. Weil sie Krsna beneiden, sind
> ihre Kommentare wertlos. Nur Kommentare, die von
> Gottgeweihten verfasst werden, sind autorisiert. Niemand
> kann die Bhagavad-Gita erklären oder vollkommenes
> Wissen von Krsna vermitteln, wenn er neidisch ist. Wer
> Krsnas Charakter kritisiert, ohne Krsna zu kennen, ist ein
> Narr. Solche Kommentare sollten daher sorgsam vermieden
> werden. Für den, der versteht, dass Krsna die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, die reine und transzendentale
> Persönlichkeit ist, werden diese Kapitel von großem Nutzen
> sein.
> 
> VERS 2
> Dieses Wissen ist der König der Bildung und das
> geheimste aller Geheimnisse. Es ist das reinste Wissen,
> und weil es durch Erkenntnis eine direkte Erfahrung
> vom Selbst vermittelt, ist es die Vollkommenheit der
> Religion. Es ist immerwährend und wird mit Freude
> praktiziert.
> ERLÄUTERUNG
> Dieses Kapitel der Bhagavad-Gita wird „der König der
> Bildung“ genannt, weil es die Essenz aller zuvor erklärten
> Lehren und Philosophien ist. Es gibt in Indien sieben
> Hauptphilosophen: Gautama, Kanada, Kapila, Yajnavalkya,
> Sandilya, Vaisvanara und schließlich Vyasadeva, den Autor
> des Vedanta-sutra. Es herrscht also kein Mangel im
> Bereich von Philosophie oder transzendentalem Wissen.
> Hier nun sagt der Herr, dass das Neunte Kapitel der König
> dieses Wissens ist, die Essenz allen Wissens, das durch ein
> Studium der Veden und verschiedener Arten von Philosophie
> gewonnen werden kann. Es ist höchst vertraulich, weil
> vertrauliches oder transzendentales Wissen das Verständnis
> des Unterschieds zwischen Seele und Körper vermittelt.
> Und der König allen vertraulichen Wissens gipfelt im
> hingebungsvollen Dienst.
> Im Allgemeinen sind die Menschen in diesem vertraulichen
> Wissen nicht bewandert; sie verfügen nur über äußerliches
> Wissen. Was gewöhnliche Bildung betrifft, so befassen sich
> die Leute mit vielen verschiedenen Wissensgebieten:
> Politik, Soziologie, Physik, Chemie, Mathematik,
> Astronomie, Ingenieurwesen usw. Überall auf der Welt gibt
> es sehr viele Wissenszweige und viele große Universitäten,
> doch unglücklicherweise gibt es keine Universität oder
> Bildungsstätte, an der die Wissenschaft von der spirituellen
> Seele gelehrt wird. Die Seele aber ist der wichtigste Teil
> des Körpers, denn ohne die Gegenwart der Seele ist der
> Körper wertlos. Trotzdem legen die Menschen großen Wert
> auf die körperlichen Notwendigkeiten des Lebens und
> kümmern sich nicht um die lebendige Seele.
> Die Bhagavad-Gita betont, besonders vom Zweiten Kapitel
> an, die Wichtigkeit der Seele. Ganz zu Anfang sagt der
> Herr, dass der Körper vergänglich und dass die Seele
> unvergänglich ist. Das ist ein vertraulicher Teil des
> Wissens: einfach zu wissen, dass die spirituelle Seele vom
> Körper verschieden und dass ihr Wesen unveränderlich,
> unzerstörbar und ewig ist. Aber das ist noch keine positive
> Information über die Seele. Manche Menschen sind der
> Ansicht, die Seele sei vom Körper verschieden und bleibe,
> wenn der Körper tot oder wenn man vom Körper befreit
> sei, in einer so genannten Leere und werde unpersönlich.
> Doch diese Auffassung entspricht nicht der Wirklichkeit.
> Wie kann die Seele, die schon im Körper so aktiv ist,
> untätig sein, wenn sie vom Körper befreit ist? Sie ist immer
> aktiv. Wenn sie ewig ist, dann ist sie auch ewig aktiv. Ihre
> Tätigkeiten im spirituellen Königreich bilden den vertraulichsten
> Teil spirituellen Wissens, und deshalb wird hier
> angedeutet, dass diese Tätigkeiten der spirituellen Seele den
> König allen Wissens, den vertraulichsten Teil allen
> Wissens, darstellen.
> Wie in der vedischen Literatur erklärt wird, ist dieses
> Wissen die reinste Form aller Tätigkeiten. Im Padma
> Purana sind die sündigen Handlungen des Menschen
> analysiert worden, und es heißt dort, dass sie die Folgen von
> einer Sünde nach der anderen sind. Diejenigen, die
> fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen, sind in verschiedene
> Stufen und Formen sündhafter Reaktionen
> verstrickt. Wenn zum Beispiel der Same eines bestimmten
> Baumes gesät worden ist, scheint der Baum nicht sogleich
> zu wachsen; es braucht seine Zeit. Zunächst ist er eine
> kleine, sprießende Pflanze, dann nimmt er allmählich die
> Form eines Baumes an, blüht, trägt Früchte, und wenn er
> herangereift ist, werden die Blüten und Früchte von jenen
> Menschen genossen, die den Samen des Baumes gesät
> haben. In ähnlicher Weise verhält es sich, wenn ein Mensch
> eine sündhafte Handlung begeht - es dauert einige Zeit,
> bis sie Früchte trägt. Es gibt verschiedene Stufen. Das
> Individuum mag von den sündhaften Handlungen bereits
> abgelassen haben, doch die Ergebnisse oder die Frucht
> dieser sündhaften Handlung werden immer noch genossen.
> Es gibt Sünden, die noch die Form von Samen haben, und
> es gibt andere, die bereits reif sind und uns Früchte
> bescheren, die wir als Leid und Schmerz "genießen", wie
> im 20. Vers des Siebten Kapitels erklärt wurde.
> Jemand, der die Reaktionen auf alle sündhaften Tätigkeiten
> beendet hat, nur noch fromme Werke tut und frei von der
> Dualität dieser materiellen Welt ist, wird im
> hingebungsvollen Dienst für die Höchste Persönlichkeit
> Gottes tätig. Mit anderen Worten: Diejenigen, die sich
> tatsächlich im hingebungsvollen Dienst des Höchsten Herrn
> betätigen, sind bereits von allen Reaktionen befreit. Für
> diejenigen, die im hingebungsvollen Dienst der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes beschäftigt sind, verschwinden
> allmählich alle sündhaften Reaktionen - seien diese
> ausgereift, gespeichert oder in Form von Samen vorhanden.
> Die reinigende Kraft hingebungsvollen Dienstes ist also
> sehr stark, und daher wird solcher Dienst als pavitram
> uttamam oder das Reinste bezeichnet. Uttamam bedeutet
> "transzendental", tamas bedeutet "die materielle Welt" oder
> "Dunkelheit", und uttamam bedeutet "das, was transzendental
> zu materiellen Tätigkeiten ist". Hingebungsvolle
> Tätigkeiten dürfen niemals als materiell angesehen werden,
> wenngleich es manchmal so scheinen mag, als seien
> Gottgeweihte wie gewöhnliche Menschen tätig. Wer jedoch
> zu sehen vermag und sich mit hingebungsvollem Dienst
> auskennt, wird wissen, dass es sich hier nicht um materielle
> Tätigkeiten handelt. Sie sind alle spirituell und
> hingebungsvoll, unverunreinigt durch die materiellen
> Erscheinungsweisen der Natur.
> Es heißt, dass die Ausführung hingebungsvollen Dienstes so
> vollkommen ist, dass man die Ergebnisse unmittelbar
> wahrnehmen kann. Dieses unmittelbare Ergebnis ist
> tatsächlich sichtbar, und wir haben die praktische
> Erfahrung gemacht, dass jeder, der die Heiligen Namens
> Krsnas chantet (Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna,
> Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare
> Hare) schon bald transzendentale Freude verspürt und sehr
> schnell von aller materiellen Verunreinigung frei wird. Dies
> kann tatsächlich beobachtet werden. Wenn man nicht nur
> ständig über Krsna hört, sondern darüber hinaus auch
> versucht, die Botschaft hingebungsvoller Tätigkeiten zu
> verbreiten, oder wenn man die missionarischen Tätigkeiten
> des Krsna-Bewusstseins unterstützt, wird man bemerken,
> dass man allmählich spirituellen Fortschritt macht. Dieser
> Fortschritt im spirituellen Leben ist von keiner früheren
> Bildung oder Qualifikation abhängig. Die Methode an sich
> ist so rein, dass man rein wird, wenn man einfach nach ihr
> handelt.
> Im Vedanta-sutra wird dies mit folgenden Worten
> beschrieben: 
> "Hingebungsvoller Dienst ist so mächtig, dass man ohne
> jeden Zweifel erleuchtet wird, wenn man einfach die
> Tätigkeiten des hingebungsvollen Dienstes verrichtet."
> Narada, der als Sohn einer Dienerin geboren wurde, war
> weder gebildet noch von hoher Herkunft, doch als seine
> Mutter großen Gottgeweihten diente, bot sich auch Narada,
> als seine Mutter gerade fort war, die Gelegenheit, diesen
> großen Seelen zu dienen. Narada sagt selbst: "Einmal nahm
> ich mit Erlaubnis der großen Weisen die Überreste ihrer
> Speisen zu mir, und so wurden alle meine Sünden sofort
> ausgelöscht. Auf diese Weise wurde ich im Herzen
> gereinigt, und da begann das Wesen des Transzendentalisten 
> auf mich anziehend zu wirken.“ (SB.
> 1.5.25) Narada erzählt seinem Schüler Vyasadeva, dass er in
> seinem letzten Leben während eines viermonatigen
> Aufenthalts einiger geläuterter Geweihter ihr Dienstjunge
> war und mit ihnen enge Gemeinschaft hatte. Manchmal
> ließen diese Weisen Speisereste auf ihren Tellern zurück,
> und der Knabe, der ihre Teller wusch, wollte die Reste
> probieren. Er fragte daher die großen Gottgeweihten, ob er
> sie essen dürfe, und sie gaben ihm ihre Erlaubnis. Narada
> aß darauf diese Überreste und wurde folglich von allen
> sündhaften Reaktionen befreit. Als er weiter die Reste ihrer
> Speisen zu sich nahm, wurde er allmählich ebenso reinen
> Herzens wie die Weisen und entwickelte allmählich den
> gleichen Geschmack. Die großen Gottgeweihten kosteten
> den Geschmack unablässigen hingebungsvollen Dienstes
> für den Herrn - Hören, Chanten, usw. -, und als Narada
> den gleichen Geschmack entwickelte, wollte er ebenfalls
> von der Herrlichkeit des Herrn hören und chanten. So
> entstand in ihm durch die Gemeinschaft mit den großen
> Weisen ein starker Wunsch nach hingebungsvollem Dienst.
> Deshalb zitierte er aus dem Vedanta-sutra: Wenn jemand 
> einfach den Tätigkeiten hingebungsvollen Dienstes nachgeht, 
> wird ihm alles von selbst offenbart, und er kann verstehen. 
> Das nennt man direkte Wahrnehmung.
> Narada war eigentlich der Sohn einer Dienstmagd. Er hatte
> keine Gelegenheit, zur Schule zu gehen. Er war einfach
> seiner Mutter behilflich, und glücklicherweise diente seine
> Mutter diesen Gottgeweihten. Das Kind Narada bekam
> ebenfalls die Gelegenheit hierzu und erreichte einfach
> durch Gemeinschaft mit den Weisen das höchste Ziel aller
> Religion: hingebungsvollen Dienst. Im
> Srimad-Bhagavatam heißt es, dass religiöse Menschen im
> allgemeinen nicht wissen, dass die höchste Vollkommenheit
> der Religion darin besteht, die Stufe hingebungsvollen
> Dienstes zu erreichen. Im allgemeinen ist vedisches Wissen
> notwendig, um den Pfad der Selbsterkenntnis zu verstehen.
> Aber hier erlangte Narada, obwohl er in den vedischen
> Prinzipien nicht geschult war, die höchsten Ergebnisse
> vedischen Studiums. Dieser Vorgang ist so mächtig, dass
> man die höchste Vollkommenheit erreichen kann, auch
> ohne den religiösen Vorgang regelmäßig zu praktizieren.
> Das wird in der vedischen Literatur ebenfalls bestätigt:
> acaryavan puruso veda. Wer sich in der Gemeinschaft
> großer acaryas befindet, kann, selbst wenn er nicht gebildet
> ist oder die Veden nicht studiert hat, mit all dem zur
> Selbsterkenntnis erforderlichen Wissen vertraut werden.
> Der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes wird mit
> Freude praktiziert. Warum? Hingebungsvoller Dienst
> besteht aus sravanam kirtanam visnoh. Man kann also
> einfach dem Chanten von der Herrlichkeit des Herrn
> zuhören, oder man kann von ermächtigten acaryas
> gehaltene philosophische Vorträge über transzendentales
> Wissen besuchen. Indem man einfach dasitzt und zuhört,
> kann man lernen. Sodann kann man die Reste der Speisen,
> die dem Herrn geopfert wurden (sehr wohlschmeckende
> Gerichte), essen. In jedem Zustand ist hingebungsvoller
> Dienst freudvoll. Man kann hingebungsvollen Dienst sogar
> in den ärmsten Verhältnissen ausführen. Der Herr sagt:
> patram puspam phalam. Er ist bereit, von dem
> Gottgeweihten jede Opferung entgegenzunehmen - ganz
> gleich, was es ist. Selbst ein Blatt, eine Blume, ein
> Stückchen Frucht oder ein wenig Wasser - was in jedem
> Teil der Welt erhältlich ist - kann von jedem Menschen,
> ungeachtet seiner sozialen Stellung, geopfert werden und
> wird vom Herrn angenommen, wenn es mit Liebe geopfert
> wird. Es gibt in der Geschichte viele Beispiele hierfür. Nur
> weil sie die tulasi-Blätter kosteten, die den Lotosfüßen des
> Herrn geopfert waren, wurden große Weise wie Sanatkumara
> zu großen Gottgeweihten. Der Vorgang der Hingabe
> ist also sehr schön und kann mit Freude praktiziert werden.
> Gott nimmt nur die Liebe, mit der Ihm etwas geopfert wird.
> Es heißt hier, dass dieser hingebungsvolle Dienst ewig
> besteht. Es verhält sich nicht so, wie die
> Mayavadi-Philosophen behaupten. Sie nehmen manchmal
> sogenannten hingebungsvollen Dienst auf, und solange sie
> nicht befreit sind, setzen sie ihren hingebungsvollen Dienst
> fort, doch am Ende, wenn sie Befreiung erlangen, "werden
> sie eins mit Gott". Solch vorübergehender, zeitweiliger
> hingebungsvoller Dienst ist nicht als reiner
> hingebungsvoller Dienst anerkannt. Wirklicher hingebungsvoller
> Dienst wird selbst nach der Befreiung
> fortgesetzt. Wenn der Gottgeweihte zu einem der
> spirituellen Planeten im Königreich Gottes geht, dient er
> auch dort dem Höchsten Herrn. Er versucht nicht, mit dem
> Höchsten Herrn eins zu werden.
> Wie sich zeigen wird, beginnt wahrer hingebungsvoller
> Dienst erst nach der Befreiung. In der Bhagavad-Gita heißt
> es: brahma-bhuta. Nachdem man befreit ist, das heißt,
> nachdem man im Brahman verankert ist, beginnt man mit
> seinem wirklichen hingebungsvollen Dienst. Indem man
> hingebungsvollen Dienst ausführt, kann man den Höchsten
> Herrn verstehen. Niemand kann die Höchste Persönlichkeit
> Gottes verstehen, indem er karma-yoga, jnana-yoga,
> astanga-yoga oder irgendeinen anderen yoga unabhängig
> praktiziert. Ohne auf die Ebene hingebungsvollen Dienstes
> zu gelangen, kann man nicht verstehen, was die
> Persönlichkeit Gottes ist. Im Srimad-Bhagavatam wird
> ebenfalls bestätigt, dass man die Wissenschaft von Krsna
> oder die Wissenschaft von Gott nur verstehen kann, wenn
> man durch den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes
> gereinigt wird - besonders, indem man von selbstverwirklichten
> Seelen aus dem Srimad-Bhagavatam oder der
> Bhagavad-Gita hört. "Wenn das Herz von allen unsinnigen
> Dingen befreit ist, kann man verstehen, was Gott
> ist." Somit ist der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes
> bzw. des Krsna-Bewusstseins der König aller Bildung und
> der König allen vertraulichen Wissens. Er ist die reinste
> Form der Religion und kann mit Freude und ohne
> Schwierigkeit praktiziert werden. Deshalb sollte man diese
> Methode annehmen.
> 
> VERS 3
> Wer auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes ohne
> Glauben ist, kann Mich nicht erreichen, o Bezwinger
> der Feinde, sondern kehrt zu Geburt und Tod in die
> materielle Welt zurück.
> ERLÄUTERUNG
> Die Ungläubigen können diesen Vorgang des
> hingebungsvollen Dienstes nicht vollenden; das ist die
> Bedeutung dieses Verses. Vertrauen wird durch die
> Gemeinschaft mit Gottgeweihten geschaffen. Unselige
> Menschen haben, selbst nachdem sie alle Beweise der
> vedischen Literatur von großen Persönlichkeiten
> vernommen haben, immer noch keinen Glauben an Gott.
> Sie sind von zögernder Natur und können nicht fest im
> hingebungsvollen Dienst des Herrn verankert bleiben.
> Folglich ist Glaube der wichtigste Faktor für den Fortschritt
> im Krsna-Bewusstsein. Im Caitanya-caritamrta heißt es,
> dass man fest davon überzeugt sein soll, dass man einfach
> durch Dienst für den Höchsten Herrn, Sri Krsna, die
> höchste Vollkommenheit erreichen kann. Das ist wirklicher
> Glaube. Im Srimad-Bhagavatam (4.31.14) steht
> geschrieben:
> "Wenn man die Wurzel eines Baumes bewässert, werden
> alle Äste, Zweige und Blätter zufrieden, und wenn man den
> Magen mit Essen versorgt, werden alle Sinne des Körpers
> zufrieden. In ähnlicher Weise werden alle Halbgötter und
> alle Lebewesen zufriedengestellt, wenn man sich im
> transzendentalen Dienst des Höchsten Herrn beschäftigt."
> Nachdem man die Bhagavad-Gita gelesen hat, sollte man
> unverzüglich zur Schlussfolgerung der Bhagavad-Gita
> kommen: Man sollte alle anderen Beschäftigungen
> aufgeben und den Dienst für den Höchsten Herrn, Krsna,
> die Persönlichkeit Gottes, aufnehmen. Glaube bedeutet, von
> dieser Lebensphilosophie überzeugt zu sein, und die
> Entwicklung dieses Glaubens ist der Vorgang des
> Krsna-Bewusstseins.
> Es gibt drei Arten Krsna-bewusster Menschen. Zur dritten
> Gruppe gehören diejenigen, die keinen Glauben haben.
> Solange sie nur offiziell im hingebungsvollen Dienst tätig
> sind und ein verstecktes Ziel verfolgen, können sie die am
> höchsten vervollkommnete Stufe nicht erreichen.
> Höchstwahrscheinlich werden sie nach einiger Zeit
> abrutschen. Sie mögen beschäftigt werden, aber weil es
> ihnen an völliger Überzeugung und festem Glauben
> mangelt, fällt es ihnen sehr schwer, Krsna-Bewusstsein
> fortzusetzen. Wir haben bei der Ausübung unserer
> missionarischen Tätigkeiten die praktische Erfahrung
> gemacht, dass sich einige Menschen dem Krsna-Bewusstsein
> mit einem versteckten Motiv zuwenden und den Vorgang
> des hingebungsvollen Dienstes wieder aufgeben, sobald es
> ihnen wirtschaftlich ein wenig besser geht - sie gehen
> dann wieder ihre alten Wege. Nur durch Glauben kann man
> im Krsna-Bewusstsein Fortschritte machen. Was die
> Entwicklung von Glauben betrifft, so kann man sagen, dass
> jemand, der in den Schriften des hingebungsvollen Dienstes
> gut bewandert ist und die Stufe festen Glaubens erreicht
> hat, ein erstklassiger Mensch im Krsna-Bewusstsein ist. Zur
> zweiten Gruppe gehören diejenigen, die zwar im
> Verständnis der Schriften des hingebungsvollen Dienstes
> nicht sehr fortgeschritten sind, die aber trotzdem von selbst
> fest daran glauben, dass Krsna-bhakti oder Dienst für Krsna
> der beste Weg ist, und die ihn deshalb in gutem Glauben
> angenommen haben. Daher befinden sie sich auf einer
> höheren Stufe als die drittklassigen Gottgeweihten, die
> weder über vollkommenes Wissen von den Schriften noch
> über guten Glauben verfügen, aber durch Gemeinschaft mit
> Gottgeweihten und Einfachheit zu folgen suchen. Der
> drittklassige Mensch im Krsna-Bewusstsein mag zu Fall
> kommen, doch wenn man zur zweiten oder ersten Klasse
> gehört, kommt man nicht zu Fall. Jemand, der zur ersten
> Gruppe zählt, wird zweifellos Fortschritte machen und am
> Ende das Ziel erreichen. Obwohl der drittklassige Mensch
> im Krsna-Bewusstsein im Innern überzeugt ist, dass
> hingebungsvoller Dienst für Krsna sehr gut ist, weiß er
> nichts von Krsna aus den Schriften wie
> Srimad-Bhagavatam und Bhagavad-Gita. Manchmal neigen
> diese drittklassigen Geweihten im Krsna-Bewusstsein zu
> karma-yoga und jnana-yoga, und zuweilen sind sie
> verwirrt, doch sowie die Infektion von karma-yoga oder
> jnana-yoga verflogen ist, werden sie zu zweitklassigen oder
> sogar erstklassigen Geweihten im Krsna-Bewusstsein.
> Glaube an Krsna wird ebenfalls in drei Stufen unterteilt und
> im Srimad-Bhagavatam beschrieben. Erstklassige
> Anhaftung, zweitklassige Anhaftung und drittklassige
> Anhaftung werden ebenfalls im Srimad-Bhagavatam, im
> Elften Canto, erklärt. Diejenigen, die keinen Glauben haben
> - sogar nachdem sie von Krsna und der Vorzüglichkeit
> des hingebungsvollen Dienstes gehört haben - und die
> alles nur für Lobpreisung halten, finden diesen Pfad sehr
> schwierig, auch wenn sie anscheinend im hingebungsvollen
> Dienst beschäftigt sind. Für sie besteht wenig Hoffnung, die
> Vollkommenheit zu erreichen. Folglich ist Glaube bei der
> Ausführung hingebungsvollen Dienstes sehr wichtig.
> 
> VERS 4
> Von Mir, in Meiner unmanifestierten Form, ist das
> gesamte Universum durchdrungen. Alle Wesen sind in 
> 
> Mir, 
> aber Ich bin nicht in ihnen.
> ERLÄUTERUNG
> Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist nicht durch die
> groben materiellen Sinne wahrnehmbar. Es wird gesagt,
> dass Sri Krsnas Name, Sein Ruhm, Seine Spiele usw. nicht
> durch materielle Sinne verstanden werden können. Nur
> jemandem, der unter der richtigen Führung in reinem
> hingebungsvollem Dienst tätig ist, offenbart Sich der Herr.
> In der Brahma-sanhita (5.38) heißt es:
> Man kann die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Govinda, immer innerhalb und
> außerhalb seinerselbst sehen, wenn man dem Herrn
> gegenüber eine transzendentale liebevolle Haltung
> entwickelt hat. Daher ist Er für die Menschen im
> allgemeinen nicht sichtbar. Hier wird gesagt, dass Er,
> obwohl alldurchdringend und überall gegenwärtig, durch
> die materiellen Sinne nicht wahrnehmbar ist. Aber obwohl
> wir Ihn nicht sehen können, ruht dennoch alles in Ihm. Wie
> wir schon im Siebten Kapitel besprochen haben, ist die
> gesamte materielle kosmische Manifestation nichts als eine
> Zusammensetzung Seiner beiden verschiedenen Energien:
> der höheren spirituellen Energie und der niederen
> materiellen Energie. Wie die Sonnenstrahlen überall im
> Universum verbreitet sind, so ist die Energie des Herrn
> über die ganze Schöpfung verbreitet, und alles ruht in
> dieser Energie.
> Man sollte jedoch nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass Er
> Seine persönliche Existenz verloren habe, weil Er überall
> verbreitet sei. Um ein solches Argument zu widerlegen,
> sagt der Herr: "Ich bin überall, und alles ist in Mir, aber
> dennoch bin Ich weit entfernt von allem." Ein König zum
> Beispiel führt eine Regierung, die nichts anderes als die
> Manifestation seiner Energie ist; die verschiedenen
> Regierungsabteilungen sind nichts anderes als die Energien
> des Königs, und jede Abteilung beruht auf seiner Macht.
> Aber dennoch kann man nicht erwarten, dass der König in
> jeder Abteilung persönlich anwesend ist. Das ist ein grobes
> Beispiel. In ähnlicher Weise beruhen alle Manifestationen,
> die wir sehen, und alles, was sowohl in der materiellen als
> auch in der spirituellen Welt existiert, auf der Energie der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes. Die Schöpfung findet
> durch die Verbreitung der verschiedenen Energien des
> Herrn statt, und wie in der Bhagavad-Gita erklärt wird, ist
> Er überall durch Seine persönliche Repräsentation bzw. die
> Ausbreitung Seiner verschiedenen Energien gegenwärtig.
> 
> VERS 5
> Und dennoch ruht alles Erschaffene nicht in Mir. Sieh
> nur Meinen mystischen Reichtum! Obwohl Ich der
> Erhalter aller Lebewesen und obwohl Ich
> allgegenwärtig bin, ist Mein Selbst dennoch der
> Ursprung der Schöpfung.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr sagt, dass alles auf Ihm ruht. Das sollte nicht
> missverstanden werden. Der Herr kümmert Sich nicht direkt
> um die Erhaltung und Versorgung dieser materiellen
> Manifestation. Manchmal sehen wir ein Bild von Atlas, der
> den Erdball auf seinen Schultern trägt: er scheint vom
> Tragen des großen Erdplaneten sehr müde zu sein. Eine
> solche Vorstellung sollte jedoch nicht auf Krsna übertragen
> werden, der dieses geschaffene Universum aufrechterhält.
> Krsna sagt, Er sei weit entfernt von allem, obwohl alles auf
> Ihm ruhe. Die Planetensysteme schweben im Raum, und
> dieser Raum ist die Energie des Höchsten Herrn. Der Herr
> aber ist verschieden vom Raum. Er weilt an einem anderen
> Ort. Deshalb sagt der Herr "Obwohl sich die Lebewesen in
> Meiner unbegreiflichen Energie befinden, bin Ich dennoch,
> als die Höchste Persönlichkeit Gottes, jenseits von ihnen."
> Das ist der unbegreifliche Reichtum des Herrn.
> Im vedischen Wörterbuch heißt es: "Der Höchste Herr führt
> unvorstellbar schöne Spiele durch, bei denen Er Seine
> Energie entfaltet; Seine Person ist von verschiedenen
> mächtigen Energien erfüllt, und schon Sein Entschluss ist
> eine Tatsache. So ist die Persönlichkeit Gottes zu
> verstehen." Wir mögen uns vornehmen, etwas zu tun, aber
> es gibt so viele Hindernisse, und manchmal ist es uns nicht
> möglich, so zu handeln, wie wir gern möchten. Doch wenn
> Krsna etwas tun möchte, geschieht alles - einfach durch
> Seinen Willen - so vollkommen, dass man sich nicht
> erklären kann, wie es zustande gekommen ist. Der Herr
> erklärt diese Tatsache wie folgt: Obwohl Er die gesamte
> materielle Manifestation erhält und versorgt, berührt Er
> diese materielle Manifestation nicht. Einfach durch Seinen
> höchsten Willen wird alles erschaffen, alles versorgt, alles
> erhalten und alles vernichtet. Da Er das absolute spirituelle
> Wesen ist, gibt es zwischen Seinem Geist und Ihm Selbst
> keinen solchen Unterschied, wie er zwischen unserem
> Selbst und unserem gegenwärtigen materiellen Geist
> besteht. Der Herr ist gleichzeitig in allem Existierenden
> gegenwärtig; doch der gewöhnliche Mensch ist nicht fähig
> zu verstehen, wie Er auch persönlich gegenwärtig sein
> kann. Obwohl Er von der materiellen Manifestation
> verschieden ist, ruht doch alles auf Ihm. Dies wird hier als
> yogam aisvaram erklärt, als die mystische Kraft der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes.
> 
> VERS 6
> Wisse, wie der mächtige Wind, der überall weht, immer
> im ätherischen Raum ruht, so ruhen in gleicher Weise
> alle Wesen in Mir.
> ERLÄUTERUNG
> Für den gewöhnlichen Menschen ist es praktisch
> unbegreiflich, wie die gewaltige materielle Schöpfung in
> Krsna ruhen kann. Aber der Herr gibt hier ein Beispiel, das
> uns zu einem Verständnis verhelfen kann: Das Weltall ist
> die größte Manifestation, die wir uns denken können, und
> die kosmische Manifestation ruht in diesem Raum. Der
> Weltraum erlaubt sowohl den Atomen als auch den größten
> Planeten wie Sonne und Mond, sich zu bewegen. Obwohl
> der Himmel (oder der Wind oder die Luft) groß ist,
> befindet er sich dennoch innerhalb des Raums. Raum ist
> nicht jenseits des Himmels.
> In ähnlicher Weise existieren all die wunderbaren
> kosmischen Manifestationen durch den höchsten Willen
> Gottes, und sie alle sind diesem höchsten Willen untergeordnet.
> Wie wir im allgemeinen sagen, kann sich nicht
> einmal ein Grashalm ohne den Willen der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes bewegen. Und so bewegt sich alles
> nach Seinem Willen: Durch Seinen Willen wird alles
> erschaffen, alles erhalten und alles vernichtet. Dennoch ist
> Er von allem entfernt, ebenso wie der Raum immer von den
> Tätigkeiten der Atmosphäre entfernt ist. In den Upanisaden
> heißt es: "Der Wind weht aus Furcht vor dem Höchsten
> Herrn." Und auch in der Garga Upanisad heißt es: "Auf
> höchsten Befehl und unter der Oberaufsicht der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes bewegen sich der Mond, die Sonne
> und die großen Planeten." In der Brahma-samhita wird
> diese Tatsache ebenfalls erklärt. Auch finden wir dort eine
> Beschreibung der Sonne, und es wird dort gesagt, dass sie
> als eines der Augen des Höchsten Herrn angesehen wird
> und über unermessliche Kraft verfügt, um Hitze und Licht
> zu verbreiten. Dennoch bewegt sie sich auf den Befehl und
> durch den höchsten Willen Govindas in ihrer
> vorgeschriebenen Bahn. In der vedischen Literatur finden
> wir also den Beweis dafür, dass die materielle
> Manifestation, die uns so wunderbar und groß erscheint,
> unter der vollständigen Herrschaft der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes steht. Dies wird in den späteren
> Versen dieses Kapitels noch ausführlicher erklärt werden.
> 
> VERS 7
> O Sohn Kuntis, am Ende des Zeitalters geht die gesamte
> materielle Manifestation in Meine Natur ein, und am
> Anfang des nächsten Zeitalters erschaffe Ich durch
> Meine Kraft erneut.
> ERLÄUTERUNG
> Die Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung der materiellen
> kosmischen Manifestation ist ganz vom höchsten Willen
> der Persönlichkeit Gottes abhängig. "Am Ende des
> Zeitalters" bedeutet zum Zeitpunkt von Brahmas Tod.
> Brahma lebt einhundert Jahre, und einer seiner Tage
> entspricht etwa 4 300 000 000 unserer Erdenjahre. Seine
> Nacht währt ebenso lange. Einer seiner Monate besteht aus
> dreißig solcher Tage und Nächte und ein Jahr aus zwölf
> solcher Monate. Nach einhundert solcher Jahre, wenn
> Brahma stirbt, findet die Zerstörung oder Vernichtung statt;
> das bedeutet, dass die vom Höchsten Herrn manifestierte
> Energie wieder in Ihn zurückgezogen wird. Wenn es dann
> wieder notwendig ist, die kosmische Welt zu manifestieren,
> geschieht dies durch Seinen Willen: "Obwohl Ich Einer bin,
> werde Ich zu vielen." So lautet der vedische Aphorismus.
> Der Höchste Herr erweitert Sich in die materielle Energie,
> und so findet die gesamte kosmische Manifestation erneut
> statt.
> 
> VERS 8
> Die gesamte kosmische Ordnung untersteht Mir. Durch
> Meinen Willen wird sie immer wieder manifestiert, und
> durch Meinen Willen wird sie am Ende vernichtet.
> ERLÄUTERUNG
> Diese Materie ist die Manifestation der niederen Energie
> der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das ist bereits
> mehrfach erklärt worden. Bei der Schöpfung wird die
> materielle Energie als mahat-tattva freigesetzt, in das der
> Herr als die erste purusa-Inkarnation, Maha-Visnu, eingeht.
> Er liegt im Ozean der Ursachen, atmet unzählige Universen
> aus und geht in jedes Universum als Garbhodakasayi Visnu
> ein. Auf diese Weise wird jedes Universum erschaffen.
> Darauf manifestiert Er Sich als Ksirodakasayi Visnu, und
> dieser Visnu geht in alles ein - selbst in das winzige
> Atom.
> Was nun die Lebewesen betrifft, so werden sie in die
> materielle Natur gezeugt und nehmen als Ergebnis ihrer
> vergangenen Taten verschiedene Stellungen ein. So beginnt
> die Aktivität der materiellen Welt. Die Tätigkeiten der
> verschiedenen Lebensformen beginnen mit dem ersten
> Augenblick der Schöpfung. Es ist nicht so, dass sich alles
> evolutionsmäßig entwickelt. Die verschiedenen
> Lebensformen werden gleichzeitig mit dem Universum
> geschaffen. Menschen, Säugetiere, Vögel, Insekten usw. -
> alles wird zur gleichen Zeit geschaffen; denn alle Wünsche,
> die die Lebewesen bei der letzten Vernichtung hatten,
> werden erneut manifestiert. Es heißt hier klar, dass die
> Lebewesen mit diesem Vorgang nichts zu tun haben. Der
> Seinszustand, in dem sie sich in ihrem letzten Leben in der
> vergangenen Schöpfung befanden, wird einfach erneut
> manifestiert, und all dies geschieht einfach durch den
> Willen des Herrn. Das ist die unbegreifliche Macht der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes. Und nachdem der Herr die
> verschiedenen Spezies geschaffen hat, hat Er keine Verbindung
> mit ihnen. Die Schöpfung findet statt, um den
> Neigungen der verschiedenen Lebewesen gerecht zu
> werden, und so wird der Herr nicht in diesen Vorgang verwickelt.
> 
> VERS 9
> O Dhanaijaya, diese Tätigkeiten können Mich nicht
> binden. Ich bin immer unberührt, als wäre Ich
> unbeteiligt.
> ERLÄUTERUNG
> Man sollte in diesem Zusammenhang nicht denken, der
> Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, habe keine
> Beschäftigung. In Seiner spirituellen Welt ist Er immer
> beschäftigt. In der Brahma-samhita heißt es: "Er geht
> immer Seinen ewigen, glückseligen spirituellen Tätigkeiten
> nach, doch Er hat nichts mit den Tätigkeiten der materiellen
> Welt zu tun." Materielle Tätigkeiten werden von Seinen
> verschiedenen Kräften ausgeführt. Der Herr verhält sich
> immer neutral zu den materiellen Tätigkeiten der
> geschaffenen Welt. Diese Neutralität wird hier erklärt.
> Obwohl Er jedes winzige Teilchen der Materie beherrscht,
> verhält Er Sich dennoch neutral. Man kann hier das
> Beispiel eines Oberrichters anführen, der auf seinem
> Richterstuhl sitzt. Auf seinen Befehl geschehen so viele
> Dinge: Jemand wird gehängt; ein anderer wird ins
> Gefängnis geworfen, und wieder einem anderen wird eine
> riesige Geldsumme zugesprochen - aber dennoch ist der
> Richter neutral. Er hat mit solchem Gewinn und Verlust
> nichts zu tun. In ähnlicher Weise ist der Herr immer
> neutral, obwohl Sein Einfluss sich auf jeden
> Tätigkeitsbereich erstreckt. Im Vedanta-sutra wird gesagt,
> dass Er Sich nicht innerhalb der Dualitäten dieser
> materiellen Welt befindet. Er steht in transzendentaler
> Stellung zu diesen Dualitäten. Auch wird Er von der
> Schöpfung und Vernichtung der materiellen Welt nicht
> berührt. Die Lebewesen nehmen ihren Neigungen
> entsprechend verschiedene Formen in den vielfachen Arten
> des Lebens an, doch der Herr mischt Sich da nicht ein.
> 
> VERS 10
> Die materielle Natur arbeitet unter Meiner Führung, o
> Sohn Kuntis, und bringt alle sich bewegenden und sich
> nicht bewegenden Wesen hervor. Nach ihrem Gesetz
> wird diese Manifestation immer wieder geschaffen und
> immer wieder aufgelöst.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird klar gesagt, dass der Höchste Herr der höchste
> Lenker ist, obgleich Er allen Tätigkeiten der materiellen
> Welt fern ist. Der Höchste Herr ist der höchste Wille und
> der Hintergrund der materiellen Manifestation: doch die
> Verwaltung untersteht der materiellen Natur. Krsna sagt in
> 
> der Bhagavad-Gita auch, dass Er der Vater aller Lebewesen
> in den verschiedenen Formen und Arten ist. Der Vater gibt
> den Samen in den Schoß der Mutter. um ein Kind zu
> zeugen, und in ähnlicher Weise zeugt der Höchste Herr
> durch Seinen bloßen Blick die Lebewesen in den Schoß der
> materiellen Natur, aus dem sie, ihren letzten Wünschen und
> Tätigkeiten entsprechend, in verschiedenen Formen und
> Arten hervorkommen. Obwohl all diese Lebewesen unter
> dem Blick des Höchsten geboren werden, nehmen sie ihren
> vergangenen Taten und Wünschen gemäß verschiedene
> Körper an. Der Herr ist also nicht direkt mit der materiellen
> Welt verbunden. Er blickt nur über die materielle Natur; die
> materielle Natur wird so aktiviert, und alles wird
> augenblicklich geschaffen. Da der Höchste Herr über die
> materielle Natur blickt, gibt es zweifellos auch von Seiner
> Seite aus Aktivität, doch hat Er mit der Manifestation der
> materiellen Welt direkt nichts zu tun. Dazu wird in der
> smrti folgendes Beispiel gegeben: Wenn jemand eine
> Blume vor sich stehen hat, kann er ihren Duft mit seinem
> Geruchssinn wahrnehmen, und doch haben das Riechen
> und die Blume nichts miteinander zu tun. Eine ähnliche
> Verbindung besteht zwischen der materiellen Welt und der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes. Eigentlich hat der Herr mit
> der materiellen Welt nichts zu tun, doch erscheint Er durch
> Seinen Blick und lenkt alles. Zusammenfassend kann man
> sagen, dass die materielle Natur ohne die Oberaufsicht der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes nicht imstande ist, in
> irgendeiner Weise tätig zu sein. Aber dennoch ist die
> Höchste Persönlichkeit von allen materiellen Tätigkeiten
> losgelöst.
> 
> VERS 11
> Toren verspotten Mich, wenn Ich in der menschlichen
> Gestalt erscheine. Sie kennen nicht Mein
> transzendentales Wesen und Meine höchste Herrschaft
> über alles Existierende.
> ERLÄUTERUNG
> Aus den anderen Erklärungen der vorangegangenen Verse
> in diesem Kapitel wird klar, dass die Höchste Persönlichkeit
> Gottes kein gewöhnlicher Mensch ist, obwohl der Herr wie
> ein menschliches Wesen erscheint. Die Persönlichkeit
> Gottes, die die Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung der
> gesamten kosmischen Manifestation leitet, kann kein
> gewöhnlicher Mensch sein. Dennoch gibt es viele törichte
> Menschen, die glauben, Krsna sei bloß ein mächtiger
> Mensch, und nicht mehr. In Wirklichkeit aber ist Er die
> ursprüngliche Höchste Persönlichkeit, wie auch in der
> Brahma-samhita bestätigt wird Krsna ist der Höchste Herr.
> 
> Es gibt viele isvaras oder Herrscher, von denen einer
> größer zu sein scheint als der andere. Bei gewöhnlichen
> Verwaltungsangelegenheiten in der materiellen Welt zum
> Beispiel wird ein Beamter oder Direktor von einem
> Sekretär kontrolliert, dieser von einem Minister und dieser
> wiederum von einem Präsidenten. Jeder von ihnen ist ein
> Kontrollierender, doch der eine wird vom anderen
> kontrolliert. In der Brahma-sahita wird gesagt, dass Krsna
> der höchste Kontrollierende ist. Sowohl in der materiellen
> als auch in der spirituellen Welt gibt es zweifellos viele
> Herrscher, doch Krsna ist der höchste Herrscher, und Sein Körper 
> ist sac-cid-ananda, nicht materiell.
> Materielle Körper können nicht solch wunderbare Taten
> vollbringen, wie sie in den vorangegangenen Versen
> beschrieben wurden. Der Körper Krsnas ist ewig,
> glückselig und voller Wissen. Doch obwohl Er kein
> gewöhnlicher Mensch ist, verspotten Ihn die Toren und
> halten Ihn für einen der Ihren. Sein Körper wird hier als
> manusim bezeichnet, weil Er genauso handelt wie ein
> Mensch, ein Freund Arjunas, ein Politiker, der in die
> Schlacht von Kuruksetra verwickelt ist. In so vieler
> Hinsicht handelt Er genauso wie ein gewöhnlicher Mensch,
> doch im Grunde ist Sein Körper sac-cid-ananda-vigraha -
> ewige Glückseligkeit und absolutes Wissen. Dies wird auch
> in den vedischen Schriften bestätigt:
> sac-cid-ananda-rôpaya Krsnaya. "Ich erweise meine
> Ehrerbietungen Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
> der die ewig glückselige Gestalt voller Wissen ist." Eine
> andere Beschreibung in den Veden lautet: tam ekam
> govindam. "Du bist Govinda, die Freude der Sinne und der
> Kühe." Und weiter: sac-cid-ananda-vigraham. "Und Deine
> Gestalt ist transzendental, voller Wissen, Glückseligkeit
> und Ewigkeit."
> Trotz der transzendentalen Eigenschaften von Sri Krsnas
> Körper, Seiner vollkommenen Glückseligkeit und Seines
> vollendeten Wissens gibt es viele sogenannte Gelehrte und
> Kommentatoren der Bhagavad-Gita, die Krsna als einen
> gewöhnlichen Menschen verspotten. Der Gelehrte mag
> dank vergangener guter Taten als außergewöhnlicher
> Mensch geboren worden sein, doch eine solche Vorstellung
> von Krsna zeugt von geringem Wissen. Deshalb bezeichnet
> man ihn als mudha (Esel), denn nur törichte Menschen
> halten Krsna für ein gewöhnliches menschliches Wesen,
> 193
> 
> weil sie die vertraulichen Taten des Herrn und Seiner
> verschiedenen Energien nicht kennen. Sie wissen nicht, dass
> Krsnas Körper das Symbol vollständigen Wissens und
> vollkommener Glückseligkeit ist und dass Er der Besitzer
> alles Existierenden ist und jedem Befreiung gewähren
> kann. Weil sie nicht wissen, dass Krsna so viele
> transzendentale Eigenschaften in Sich birgt, verspotten sie
> Ihn.
> Auch wissen sie nicht, dass das Erscheinen der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes in der materiellen Welt eine
> Manifestation Ihrer inneren Energie ist. Krsna ist der Herr
> der materiellen Energie, und wie bereits mehrfach erklärt
> wurde (mama maya duratyaya), sagt Er, dass die materielle
> Energie, obwohl sehr mächtig, unter Seiner Aufsicht steht,
> und dass jeder, der sich Ihm ergibt, dem Einfluss dieser
> materiellen Energie entkommen kann. Wenn eine Seele, die
> sich Krsna ergeben hat, dem Einfluss der materiellen
> Energie entgehen kann, wie kann dann der Höchste Herr,
> der die Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung der
> gesamten kosmischen Natur leitet, einen materiellen Körper
> wie wir haben? Diese Vorstellung von Krsna ist also
> einfach Torheit. Verblendete Menschen können sich indes
> nicht vorstellen, dass Krsna, die Persönlichkeit Gottes, der
> wie ein gewöhnlicher Mensch erscheint, alle Atome und die
> gigantische Manifestation der universalen Form
> beherrschen kann. Das Größte und das Kleinste befinden
> sich jenseits ihres Vorstellungsvermögens, und folglich
> können sie nicht begreifen, dass eine Form wie die eines
> Menschen gleichzeitig das Unendliche und das Winzige
> beherrschen kann. Obwohl Er das Unbegrenzte und das
> Begrenzte lenkt, ist Er in Wirklichkeit von all diesen
> Manifestationen weit entfernt. Im Zusammenhang mit
> Seiner yogam aisvaram, Seiner unbegreiflichen transzendentalen
> Energie, wird eindeutig gesagt, dass Er das
> Unbegrenzte und das Begrenzte gleichzeitig beherrschen
> und dennoch davon unberührt bleiben kann. Wenngleich
> sich die Toren nicht vorstellen können, wie Krsna, der
> geradeso wie ein menschliches Wesen erscheint, das
> Unbegrenzte und das Begrenzte beherrschen kann, akzeptieren
> die reinen Gottgeweihten dies, denn sie wissen,
> dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Deshalb
> ergeben sie sich Ihm völlig und beschäftigen sich im
> Krsna-Bewusstsein, im hingebungsvollen Dienst des Herrn.
> Zwischen den Unpersönlichkeitsanhängern und den
> Persönlichkeitsanhängern gibt es viele
> Meinungsverschiedenheiten über das Erscheinen des Herrn
> als menschliches Wesen. Wenn wir aber die Bhagavad-Gita
> und das Srimad-Bhagavatam zu Rate ziehen, jene
> autoritativen Texte, die uns die Wissenschaft von Krsna
> vermitteln, können wir begreifen, dass Krsna die Höchste
> Persönlichkeit Gottes ist. Er ist kein gewöhnlicher Mensch,
> obwohl Er auf der Erde wie ein gewöhnlicher Mensch
> 
> erschien. 
> Im Srimad-Bhagavatam, im Ersten Kapitel des
> Ersten Canto, wird als Antwort auf die Frage der Weisen
> nach den Taten Krsnas gesagt, dass Sein Erscheinen als
> Mensch die Toren verwirrt. Kein Mensch könnte die
> wunderbaren Taten vollbringen, die Krsna vollbrachte, als
> Er auf der Erde gegenwärtig war. Als Krsna vor Seinem
> Vater und Seiner Mutter, Vasudeva und Devaki, erschien,
> zeigte Er Sich ihnen mit vier Händen, doch nach den
> Gebeten Seiner Eltern verwandelte Er Sich dem Aussehen
> nach in ein gewöhnliches Kind. Sein Erscheinen als
> gewöhnlicher Mensch ist einer der Aspekte Seines
> transzendentalen Körpers. Im Elften Kapitel der
> Bhagavad-Gita heißt es hierzu: tenaiva rupena usw. Arjuna
> betete, es möge ihm noch einmal vergönnt sein, jene
> vierhändige Form zu sehen, und als Krsna so von Arjuna
> gebeten wurde, nahm Er wieder Seine ursprüngliche
> Gestalt an. All diese verschiedenen Aspekte des Höchsten
> Herrn sind gewiss nicht die eines gewöhnlichen Menschen.
> Einige von denen, die Krsna verspotten, da sie von der
> Mayavadi-Philosophie infiziert sind, zitieren den folgenden
> Vers aus dem Srimad-Bhagavatam (3.29.21), um zu
> beweisen, dass Krsna nur ein gewöhnlicher Mensch ist:
> "Der Höchste ist in jedem Lebewesen gegenwärtig." Wir sollten
> diesen Vers jedoch lieber von Vaisnava-acaryas wie Jiva
> Gosvami verstehen, als uns an Interpretationen
> unautorisierter Kommentatoren zu halten, die Krsna
> verspotten. Jiva Gosvami sagt in seinem Kommentar zu
> diesem Vers, dass Krsna in Seiner vollständigen
> Erweiterung als Paramatma in den sich bewegenden und
> sich nicht bewegenden Wesen als Überseele weilt. Jeder
> neue Gottgeweihte also, der nur der arca-murti (der Form
> des Höchsten Herrn im Tempel) seine Aufmerksamkeit
> schenkt und andere Lebewesen nicht achtet, verehrt die
> Form des Herrn im Tempel vergeblich. Es gibt drei Arten
> von Geweihten des Herrn, und der Neuling befindet sich
> auf der untersten Stufe. Der neue Gottgeweihte schenkt der
> Bildgestalt des Herrn im Tempel mehr Aufmerksamkeit als
> den anderen Gottgeweihten; deshalb fordert Jiva Gosvami
> dazu auf, dass diese Einstellung berichtigt werden sollte.
> Ein Gottgeweihter sollte sehen, dass Krsna im Herzen eines
> jeden als Paramatma gegenwärtig ist; daher ist jeder Körper
> die Verkörperung oder der Tempel des Höchsten Herrn,
> und folglich sollte man, ebenso wie man dem Tempel des
> Herrn Achtung erweist, jeden Körper, in dem der
> Paramatma weilt, in rechter Weise achten. Jedem sollte also
> der angemessene Respekt erwiesen und niemand sollte
> missachtet werden.
> Es gibt auch viele Unpersönlichkeitsanhänger, die über
> Tempelverehrung spotten. Sie sagen: Wenn Gott überall ist,
> warum soll man sich auf die Verehrung im Tempel
> beschränken? Aber wenn Gott überall ist, ist Er dann nicht
> auch im Tempel oder in der Bildgestalt? Obwohl sich die
> Persönlichkeits- und die Unpersönlichkeitsanhänger aus
> diesem Grund fortwährend bekämpfen werden, weiß ein
> vollkommener Gottgeweihter im Krsna-Bewusstsein, dass
> Krsna, obwohl die Höchste Persönlichkeit,
> alldurchdringend ist, was die Brahma-samhita bestätigt.
> Obwohl Sein persönliches Reich Goloka Vrndavana ist und
> Er immer dort bleibt, ist Er dennoch, durch Seine
> verschiedenen Energiemanifestationen und durch Seine
> vollständigen Erweiterungen, überall in allen Teilen der
> materiellen und spirituellen Schöpfung gegenwärtig.
> 
> VERS 12
> Diejenigen, die so verwirrt sind, werden von
> dämonischen und atheistischen Auffassungen
> angezogen. In diesem verblendeten Zustand werden ihre
> Hoffnungen auf Befreiung, ihre fruchtbringenden
> Tätigkeiten und ihr Wissen, das sie entwickelt haben,
> allesamt zunichte gemacht.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt viele Gottgeweihte, die sich selbst für
> Krsna-bewusst halten und glauben, in Hingabe zu dienen,
> während sie in ihrem Herzen die Höchste Persönlichkeit
> Gottes, Krsna, nicht annehmen. Sie werden die Frucht des
> hingebungsvollen Dienstes - die Rückkehr zu Gott - auf
> keinen Fall kosten. In ähnlicher Weise werden auch
> diejenigen, die fruchtbringenden, frommen Tätigkeiten
> nachgehen und letztlich hoffen, von der materiellen
> Verstrickung befreit zu werden, niemals erfolgreich sein, da
> sie die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, missachten.
> Mit anderen Worten: Menschen, die Krsna nicht achten,
> müssen als dämonisch oder atheistisch angesehen werden.
> Wie im Siebten Kapitel der Bhagavad-Gita beschrieben
> wird, ergeben sich solche dämonischen Schurken Krsna
> niemals. Ihre gedanklichen Spekulationen, mit deren Hilfe
> sie die Absolute Wahrheit erreichen wollen, führen sie
> vielmehr zu der falschen Schlussfolgerung, dass das
> gewöhnliche Lebewesen und Krsna ein und dasselbe seien.
> Mit dieser falschen Überzeugung glauben sie, der Körper
> eines Menschen sei jetzt einfach von der materiellen Natur
> bedeckt, und sobald man von diesem materiellen Körper
> befreit sei, gebe es keinen Unterschied mehr zwischen Gott
> und einem selbst. Dieser Versuch, mit Krsna eins zu
> werden, wird scheitern, da er auf Verblendung beruht.
> Solch eine atheistische und dämonische Kultivierung spirituellen
> Wissens ist stets vergebens. Das ist es, was mit
> diesem Vers angedeutet werden soll. Der Versuch solcher
> Menschen, mit Hilfe der vedischen Literatur wie des
> Vedanta-sutra und der Upanisaden Wissen zu kultivieren,
> ist immer zum Scheitern verurteilt.
> Es ist daher ein schweres Vergehen, Krsna, die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, für einen gewöhnlichen Menschen
> zu halten. Diejenigen, die so denken, sind zweifellos
> verblendet, denn sie können die ewige Gestalt Krsnas nicht
> verstehen. Im Brhad-vaisnava-mantra heißt es eindeutig,
> dass jemand, der den Körper Krsnas für materiell hält, von
> allen Ritualen und Handlungen der sruti ausgeschlossen
> werden sollte. Und wenn man zufällig sein Gesicht sieht,
> sollte man sofort ein Bad in der Ganga nehmen, um sich
> von dieser Infektion zu befreien.
> Die Menschen verspotten Krsna, weil sie die Höchste
> Persönlichkeit Gottes beneiden. Ihr Schicksal ist es ohne
> Zweifel, immer wieder in den atheistischen und
> dämonischen Lebensarten geboren zu werden. Fortgesetzt
> wird ihr wirkliches Wissen von Täuschung verschleiert
> bleiben, und so werden sie sich allmählich in den
> finstersten Bereich der Schöpfung zurückbewegen.
> 
> VERS 13
> O Sohn Prthas, diejenigen, die nicht verblendet sind, die
> großen Seelen, stehen unter dem Schutz der göttlichen
> Natur. Sie sind vollständig im hingebungsvollen Dienst
> beschäftigt, da sie Mich als die Höchste Persönlichkeit
> Gottes kennen, die ursprünglich und unerschöpflich ist.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers findet man die klare Beschreibung eines
> mahatma. Das erste Kennzeichen eines mahatma besteht
> darin, dass er in der göttlichen Natur bereits verankert ist. Er
> steht nicht unter der Herrschaft der materiellen Natur. Und
> wie ist dies bewirkt worden? Das wird im Siebten Kapitel
> erklärt: "Wer sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Sri
> Krsna, ergibt, wird sogleich von der Herrschaft der materiellen
> Welt befreit." Das ist die Qualifikation. Man kann
> von der Herrschaft der materiellen Natur frei werden,
> sobald man seine Seele der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> weiht. Das ist die erste Voraussetzung. Weil das Lebewesen
> marginale Kraft ist, wird es, sobald es von der Herrschaft
> der materiellen Energie befreit ist, unter die Führung der
> spirituellen Natur gestellt. Die Führung der spirituellen
> Natur wird daivià prakrtim oder göttliche Natur genannt.
> Wenn man also auf diese Weise - durch Hingabe an die
> Höchste Persönlichkeit Gottes - erhoben wird, erreicht
> man die Stufe der großen Seele, des mahatma.
> Der mahatma lenkt seine Aufmerksamkeit auf nichts
> anderes als Krsna, da er wohl weiß, dass Krsna die
> ursprüngliche Höchste Person ist, die Ursache aller Ursachen.
> Darüber besteht kein Zweifel. Solch ein mahatma,
> eine große Seele, entwickelt sich durch das Zusammensein
> mit anderen mahatmas oder reinen Gottgeweihten. Reine
> Gottgeweihte fühlen sich nicht einmal zu Krsnas anderen
> Aspekten wie dem vierarmigen Maha-Visnu hingezogen.
> Weil sie keine Anziehung zu den anderen Aspekten Krsnas
> (geschweige denn zu den Halbgöttern) verspüren, sind
> ihnen die Halbgötter und menschlichen Wesen nicht so
> wichtig. Sie meditieren nur über Krsna im
> Krsna-Bewusstsein. Sie sind ständig im unerschütterlichen
> Dienst des Herrn, im Krsna-Bewusstsein, beschäftigt.
> 
> VERS 14
> Ohne Unterlass preisen sie Meine Herrlichkeit, bemühen
> sich mit großer Entschlossenheit und verneigen sich vor
> Mir. So verehren Mich die großen Seelen unaufhörlich
> mit Hingabe.
> ERLÄUTERUNG
> Einen mahatma kann man nicht fabrizieren, indem man
> irgendeinen gewöhnlichen Menschen dazu ernennt. Die
> Merkmale eines mahatma werden hier beschrieben: Er
> chantet ständig von der Herrlichkeit des Höchsten Herrn Sri
> Krsna, der Persönlichkeit Gottes. Er hat nichts anderes zu
> tun. Mit anderen Worten: Er ist kein
> Unpersönlichkeitsanhänger. Was Lobpreisung betrifft, so
> muss man den Höchsten Herrn preisen, indem man Seinen
> Heiligen Namen, Seine ewige Gestalt, Seine
> transzendentalen Eigenschaften und Seine ungewöhnlichen
> Spiele rühmt. All dies sollte man ruhmpreisen, und daher
> hängt ein mahatma an der Höchsten Persönlichkeit Gottes.
> Wer sich zum unpersönlichen Aspekt des Höchsten Herrn,
> dem brahmajyoti, hingezogen fühlt, wird in der
> Bhagavad-Gita nicht als mahatma beschrieben. Er wird im
> nächsten Vers in anderer Weise beschrieben. Der mahatma
> ist immer mit verschiedenen Tätigkeiten hingebungsvollen
> Dienstes beschäftigt, wie sie im Srimad-Bhagavatam
> beschrieben werden, zum Beispiel hört und chantet er über
> Visnu, nicht über einen Halbgott oder Menschen. Das ist
> Hingabe. Solch ein mahatma ist fest entschlossen,
> letztlich die Gemeinschaft des Höchsten Herrn in einem der
> fünf transzendentalen rasas zu erreichen. Um dieses Ziel zu
> erreichen, stellt er alle Tätigkeiten - geistige, körperliche
> und sprachliche - in den Dienst des Höchsten Herrn, Sri
> Krsnas. Das nennt man vollständiges Krsna-Bewusstsein.
> Im hingebungsvollen Dienst gibt es gewisse Tätigkeiten,
> die festgelegt worden sind - zum Beispiel das Fasten an
> bestimmten Tagen, wie dem elften Tag nach Voll- oder
> Neumond (Ekadasi) und dem Erscheinungstag des Herrn.
> All diese Regeln und Regulierungen werden von den
> großen acaryas denen empfohlen, die tatsächlich daran
> interessiert sind, in die Gemeinschaft der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes in der transzendentalen Welt
> aufgenommen zu werden. Die mahatmas oder großen
> Seelen halten sich streng an diese Regeln und Vorschriften,
> und deshalb ist es sicher, dass sie das gewünschte Ergebnis
> erreichen.
> Wie im zweiten Vers dieses Kapitels beschrieben wird, ist
> hingebungsvoller Dienst nicht nur einfach, sondern kann
> auch in einer freudigen Stimmung ausgeführt werden. Man
> braucht sich keine strenge tapasya aufzuerlegen. Man kann
> sein Leben im hingebungsvollen Dienst unter der Anleitung
> eines erfahrenen spirituellen Meisters in jeder Position
> führen - ob als Haushälter oder als sannyasi oder als
> brahmacari -, in jeder Position und überall auf der Welt
> kann man hingebungsvollen Dienst für die Höchste
> Persönlichkeit Gottes ausführen und so tatsächlich ein
> mahatma, eine große Seele, werden.
> 
> VERS 15
> Andere, die mit der Kultivierung von Wissen beschäftigt
> sind, verehren den Höchsten Herrn als den Einen ohne
> einen Zweiten, aufgeteilt in viele, und in der universalen
> Form.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers ist die Zusammenfassung der vorangegangenen
> Verse. Der Herr teilt Arjuna mit, dass diejenigen, die rein
> Krsna-bewusst sind und nichts anderes als Krsna kennen,
> mahatma genannt werden; es gibt jedoch noch andere
> Menschen, die zwar nicht unbedingt die Stellung eines
> mahatma einnehmen, die aber Krsna auf andere Art
> verehren. Einige von ihnen wurden bereits beschrieben als
> die Notleidenden, die Mittellosen, die Neugierigen und
> diejenigen, die Wissen kultivieren. Aber es gibt andere, die
> auf einer noch tieferen Stufe stehen, und diese werden in
> drei Gruppen unterteilt: (1) derjenige, der sich selbst als
> eins mit dem Höchsten Herrn verehrt, (2) derjenige, der
> sich eine Form des Höchsten Herrn ausdenkt und sie
> verehrt und (3) derjenige, der die universale Form, die
> visva-rupa der Höchsten Persönlichkeit Gottes, anerkennt
> und verehrt. Von diesen dreien sind die Niedrigsten, die
> sich selbst als Höchsten Herrn verehren und sich als
> Monisten bezeichnen, am häufigsten vertreten. Solche
> Menschen halten sich für den Höchsten Herrn, und in
> diesem Bewusstsein verehren sie sich selbst. Auch das ist
> eine Form der Gottesverehrung, denn diese Menschen
> können verstehen, dass sie nicht der materielle Körper,
> sondern eigentlich spirituelle Seele sind; zumindest ist
> dieses Bewusstsein vorherrschend. Im allgemeinen verehren
> die Unpersönlichkeitsanhänger den Höchsten Herrn auf
> diese Weise. Zur zweiten Gruppe gehören die Verehrer der
> Halbgötter oder diejenigen, die gemäß ihrer Vorstellung
> eine beliebige Form als die Gestalt des Höchsten Herrn
> ansehen. Und zur dritten Gruppe zählen diejenigen, die sich
> nichts außerhalb der Manifestation des materiellen
> Universums vorstellen können. Sie betrachten das
> Universum als den höchsten Organismus oder die höchste
> Wesenheit und verehren es daher. Das Universum ist
> ebenfalls eine Form des Herrn.
> 
> VERS 16
> Aber Ich bin es, der das Ritual ist; Ich bin das Opfer,
> die Opferung an die Vorväter, das Heilkraut und der
> transzendentale mantra. Ich bin die Butter, das Feuer
> und die Opferung.
> ERLÄUTERUNG
> Das als jyotistoma bekannte Opfer ist ebenfalls Krsna, und
> Er ist auch der maha-yajna. Die Opfergaben, die dem
> Pitçloka dargebracht werden, das heißt das Opfer zur
> Erfreuung des Pitçloka, sind eine Droge in Form von
> gereinigter Butter und repräsentieren auch Krsna. Auch die
> mantras, die in diesem Zusammenhang gechantet werden,
> sind Krsna. Und viele andere Dinge, die mit
> Milchprodukten zubereitet werden und dafür bestimmt
> sind, im Opfer dargebracht zu werden, sind ebenfalls
> Krsna. Das Feuer ist auch Krsna, denn Feuer ist eines der
> fünf materiellen Elemente und zählt daher zu Krsnas
> abgesonderter Energie. Mit anderen Worten: Die im
> karma-kanda-Teil der Veden empfohlenen vedischen Opfer
> sind in ihrer Gesamtheit ebenfalls Krsna. Oder, anders
> ausgedrückt, von denen, die im hingebungsvonen Dienst
> Krsnas tätig sind, kann man sagen, dass sie alle Opfer
> ausgeführt haben, die in den Veden empfohlen werden.
> 
> VERS 17
> Ich bin der Vater des Universums, die Mutter, der
> Erhalter und der Ahnherr. Ich bin der Gegenstand des
> Wissens, der Läuternde und die Silbe om. Ich bin auch
> der Rg-, der Sama- und der Yajur-Veda.
> ERLÄUTERUNG
> Alle kosmischen Manifestationen, sowohl die sich
> bewegenden als auch die sich nicht bewegenden, werden
> durch verschiedene Tätigkeiten der Energie Krsnas manifestiert.
> Im materiellen Dasein schaffen wir verschiedene
> Beziehungen zu verschiedenen Lebewesen, die nichts
> anderes sind als Krsnas marginale Energie, doch durch die
> Schöpfung der prakrti erscheinen manche von ihnen als
> unser Vater, unsere Mutter, unser Großvater usw., während
> sie im Grunde nichts anderes als winzige Teile Krsnas sind.
> Folglich sind diese Lebewesen, die unser Vater, unsere
> Mutter usw. zu sein scheinen, nichts anderes als Krsna. In
> diesem Vers bedeutet das Wort dhata "Schöpfer". Nicht nur
> sind unser Vater und unsere Mutter Bestandteile Krsnas,
> sondern auch ihre Erzeuger, Großvater und Großmutter.
> Eigentlich ist jedes Lebewesen - als Bestandteil Krsnas -
> ebenfalls Krsna. Alle Veden haben daher nur Krsna zum
> Ziel. Was immer wir durch die Veden erfahren möchten, ist
> ein Schritt auf Krsna zu. Das Thema, das uns hilft, unsere
> wesensgemäße Stellung zu läutern, ist besonders Krsna. In
> ähnlicher Weise ist das Lebewesen, das bestrebt ist, alle
> vedischen Prinzipien zu verstehen, ein Bestandteil Krsnas
> und als solches ebenfalls Krsna. In allen vedischen mantras
> ist das Wort om, das pranava genannt wird, eine
> transzendentale Klangschwingung und repräsentiert Krsna.
> Und weil in allen Hymnen der vier Veden (Sama, Yajur, ¨g
> und Atharva) das pranava oder omkara sehr häufig
> vorkommt, gelten diese ebenfalls als Krsna.
> 
> VERS 18
> Ich bin das Ziel, der Erhalter, der Meister, der Zeuge,
> das Reich, die Zuflucht und der liebste Freund. Ich bin
> die Schöpfung und die Vernichtung, die Grundlage aller
> Dinge, der Ruheort und der ewige Same.
> ERLÄUTERUNG
> Gati bedeutet den Bestimmungsort, den wir erreichen
> möchten. Das Endziel aber ist Krsna, wenngleich die
> meisten Menschen dies nicht wissen. Wer Krsna nicht
> kennt, ist irregeführt, und sein sogenannter Fortschritt ist
> entweder unvollständig oder eine Halluzination. Es gibt
> viele Menschen, die verschiedene Halbgötter zu ihrem Ziel
> machen, und durch die entschlossene Ausführung der
> strengen jeweiligen Methoden erreichen sie verschiedene
> Planeten wie Candraloka, Suryaloka, Indraloka, Maharloka
> usw. Da all diese lokas oder Planeten Schöpfungen Krsnas
> sind, sind sie gleichzeitig Krsna und nicht Krsna.
> Tatsächlich sind solche Planeten, da sie Manifestationen
> der Energie Krsnas sind, ebenfalls Krsna, doch eigentlich
> dienen sie nur als ein Schritt vorwärts auf die Erkenntnis
> Krsnas zu. Sich den verschiedenen Energien Krsnas
> zuzuwenden bedeutet, sich Krsna indirekt zu nähern. Man
> sollte sich Krsna jedoch direkt nähern, denn so kann man
> Zeit und Energie sparen. Wenn es zum Beispiel möglich ist,
> die Spitze eines Gebäudes mit dem Fahrstuhl zu erreichen,
> warum soll man Schritt für Schritt die Treppe
> hinaufsteigen? Alles ruht auf Krsnas Energie; daher kann
> ohne Krsnas Schutz nichts existieren. Krsna ist der höchste
> Herrscher, weil alles Ihm gehört und alles dank Seiner
> Energie existiert. Da Krsna im Herzen eines jeden weilt, ist
> Er der höchste Zeuge. Die Wohnorte, Länder und Planeten,
> die wir bevölkern, sind ebenfalls Krsna. Krsna ist das
> endgültige Ziel aller Zuflucht, und daher sollte man in
> beiden Fällen - sei es zum Schutz oder zur Beendigung
> des leidvollen Zustandes - bei Krsna Zuflucht suchen.
> Wann immer wir Zuflucht nehmen müssen, sollten wir
> wissen, dass unser Schutz eine lebendige Kraft sein muss.
> Somit ist Krsna das höchste Lebewesen. Da Krsna die
> Quelle unserer Erzeugung oder der höchste Vater ist, kann
> niemand ein besserer Freund sein als Krsna, und es kann
> niemand geben, der wohlmeinender ist. Krsna ist die
> ursprüngliche Quelle der Schöpfung und der letztliche
> Ruheort nach der Vernichtung. Krsna ist daher die ewige
> Ursache aller Ursachen.
> 
> VERS 19
> O Arjuna, Ich sorge für Hitze, Regen und Dürre. Ich
> bin die Unsterblichkeit, und Ich bin auch der personifizierte 
> Tod. Sowohl Sein als auch Nichtsein sind in Mir.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna verteilt durch Seine verschiedenen Energien - mit
> Hilfe von Elektrizität und Sonne - Hitze und Licht.
> Während des Sommers ist es Krsna, der verhindert, dass
> Regen vom Himmel fällt, und Er ist es auch, der während
> der Regenzeit den Regen unaufhörlich strömen läßt. Die
> Energie, die uns erhält, indem sie die Dauer unseres Lebens
> verlängert, ist Krsna, und Krsna begegnet uns am Ende des
> Lebens als der Tod. Wenn man all diese verschiedenen
> Energien Krsnas analysiert, kann man feststellen, dass es für
> Krsna keinen Unterschied zwischen Materie und spiritueller
> Natur gibt, oder genauer gesagt, Er ist sowohl Materie als
> auch spirituelle Natur. Auf der fortgeschrittenen Stufe des
> Krsna-Bewusstseins macht man daher keine solchen
> Unterschiede mehr. Man sieht nur Krsna in allen Dingen.
> Da Krsna sowohl Materie als auch spirituelle Natur ist, ist
> die gigantische universale Form, die alle materiellen
> Manifestationen beinhaltet, ebenfalls Krsna, und Seine
> Spiele in Vçndavana als zweihändiger Syamasundara, der
> auf einer Flöte spielt, sind die Spiele der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes.
> 
> VERS 20
> Diejenigen, die die Veden studieren und den soma-Saft
> trinken, weil sie die himmlischen Planeten erreichen
> wollen, verehren Mich indirekt. Sie werden auf dem
> Planeten Indras geboren, wo sie himmlische Freuden genießen.
> ERLÄUTERUNG
> Das Wort trai-vidyah bezieht sich auf die drei Veden:
> Sama, Yajur und ¨g. Ein brahmana, der diese drei Veden
> studiert hat, wird tri-vedi genannt. Jeder, der sich mit dem
> Wissen, das man aus diesen drei Veden erfahren kann,
> eingehend beschäftigt, wird in der Gesellschaft geachtet.
> Unglückseligerweise gibt es viele bedeutende Gelehrte der
> Veden, die den endgültigen Sinn des Studiums nicht
> kennen. Deshalb erklärt Krsna hier, dass Er Selbst das
> endgültige Ziel der tri-vedis ist. Wirkliche tri-vedis suchen
> unter den Lotosfüßen Krsnas Zuflucht und beschäftigen
> sich in reinem hingebungsvollem Dienst, um den Herrn
> zufriedenzustellen. Hingebungsvoller Dienst beginnt mit
> dem Chanten des Hare-Krsna-mantra und dem
> gleichzeitigen Versuch, Krsna wahrhaft zu verstehen.
> Unglückseligerweise entwickeln jene, die die Veden nur
> offiziell studieren, ein größeres Interesse an
> Opferdarbringungen für verschiedene Halbgötter wie Indra
> und Candra. Durch solche Bemühungen werden die
> Verehrer verschiedener Halbgötter zweifellos von der
> Verunreinigung durch die niederen Eigenschaften der Natur
> geläutert und so zu den höheren Planetensystemen oder
> himmlischen Planeten erhoben, die als Maharloka,
> Janaloka, Tapoloka usw. bekannt sind. Wenn man einmal
> diese höheren Planetensysteme erreicht hat, kann man seine
> Sinne hunderttausendmal besser befriedigen als auf diesem
> Planeten.
> 
> VERS 21
> Nachdem sie so himmlische Sinnenfreuden genossen
> haben, kehren sie wieder auf diesen sterblichen Planeten
> zurück. Somit erlangen sie durch die vedischen
> Prinzipien nur flackerndes Glück.
> ERLÄUTERUNG
> Wer zu diesen höheren Planetensystemen erhoben wird,
> genießt eine längere Lebensdauer und bessere
> Möglichkeiten für Sinnengenuss; jedoch ist es einem nicht
> vergönnt, dort für immer zu bleiben. Man wird wieder auf
> diesen Erdplaneten zurückgeschickt, nachdem die Früchte
> frommer Werke aufgezehrt sind. Jemand, der nicht die
> Vollkommenheit des Wissens erreicht hat, auf die das
> Vedanta-sutra hinweist (janmady asya yatah), oder mit
> anderen Worten, wem es nicht gelingt, Krsna, die Ursache
> aller Ursachen, zu verstehen, verfehlt das endgültige Ziel
> des Lebens und wird so immer wieder zu höheren Planeten
> erhoben, von denen er immer wieder herunterfällt - als ob
> er auf einem Riesenrad säße, das sich mal nach oben und
> mal nach unten bewegt. Statt also zur spirituellen Welt
> erhoben zu werden, von der es nicht mehr möglich ist,
> herabzufallen, bewegt man sich einfach im Kreislauf von
> Geburt und Tod durch die höheren und niederen
> Planetensysteme. Man sollte sich lieber der spirituellen
> Welt zuwenden, um sich dort eines ewigen Lebens voll
> Glückseligkeit und Wissen zu erfreuen, und niemals wieder
> zu diesem leidvollen materiellen Dasein zurückkehren.
> 
> VERS 22
> Doch denjenigen, die Mich mit Hingabe verehren und
> über Meine transzendentale Gestalt meditieren, gebe
> Ich, was sie brauchen, und erhalte Ich, was sie haben.
> ERLÄUTERUNG
> Wer es nicht ertragen kann, auch nur einen Augenblick
> ohne Krsna-Bewusstsein zu leben, kann nichts anderes tun,
> als vierundzwanzig Stunden am Tag an Krsna zu denken,
> da er ständig im hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist,
> indem er über Krsna hört, über Ihn chantet, sich an Ihn
> erinnert, Ihm Gebete darbringt, Ihn verehrt, Seinen
> Lotosfüßen dient, Ihm andere Dienste leistet, Freundschaft
> zu Ihm entwickelt und sich Ihm völlig ergibt. Solche
> Tätigkeiten sind alle glückverheißend und voller spiritueller
> Kräfte, ja sie führen den Gottgeweihten in seiner
> Selbstverwirklichung zur Vollkommenheit. Dann hat er nur
> noch den einen Wunsch: die Gemeinschaft der Höchsten
> 
> Persönlichkeit Gottes zu erreichen. Das nennt man yoga.
> Durch die Barmherzigkeit des Herrn kehrt ein solcher
> Gottgeweihter nie wieder zum materiellen Zustand des
> Lebens zurück. Ksema bezieht sich auf den barmherzigen
> Schutz des Herrn. Der Herr hilft dem Gottgeweihten,
> Krsna-Bewusstsein durch yoga zu erlangen, und wenn der
> Gottgeweihte völlig Krsna-bewusst wird, bewahrt ihn der
> Herr davor, wieder in ein leidvolles, bedingtes Leben
> zurückzufallen.
> 
> VERS 23
> Was immer ein Mensch anderen Göttern opfern mag, o
> Sohn Kuntis, ist in Wirklichkeit für Mich allein
> bestimmt, doch wird es ohne rechtes Verständnis
> geopfert.
> ERLÄUTERUNG
> "Menschen, die Halbgötter verehren, sind nicht sehr
> intelligent, obwohl solche Verehrung indirekt Mir gilt",
> sagt Krsna. Wenn zum Beispiel jemand die Blätter und
> Zweige eines Baumes begießt, ohne die Wurzel zu
> bewässern, zeugt sein Handeln von mangelndem Wissen
> oder davon, dass er nicht den regulierenden Prinzipien folgt.
> In ähnlicher Weise dient man den verschiedenen
> Körperteilen, indem man den Magen mit Nahrung versorgt.
> Die Halbgötter sind gewissermaßen verschiedene Beamte
> und Minister in der Regierung des Höchsten Herrn. Man
> muss den Gesetzen der Regierung folgen, nicht denen der
> Beamten und Minister. In ähnlicher Weise wird von jedem
> erwartet, allein den Höchsten Herrn zu verehren. Das wird
> die verschiedenen Beamten und Minister des Herrn von
> selbst zufriedenstellen. Die Beamten und Minister sind als
> Vertreter der Regierung tätig, und ihnen ein Bestechungsgeld
> anzubieten ist ungesetzlich. Das wird hier mit dem
> Wort avidhi-purvakam ausgedrückt. Mit anderen Worten:
> Krsna billigt nicht die unnötige Verehrung der Halbgötter.
> 
> VERS 24
> Ich bin der einzige Genießer und das einzige Ziel von
> Opfern. Wer Mein wahres, transzendentales Wesen
> nicht erkennt, kommt zu Fall.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird eindeutig gesagt, dass es viele Arten von
> yajna-Durchführungen gibt, die in den vedischen Schriften
> empfohlen werden; doch im Grunde sind sie alle dafür
> bestimmt, den Höchsten Herrn zufriedenzustellen. Yajna
> bedeutet Visnu. Im Zweiten Kapitel der Bhagavad-Gita
> wird klar gesagt, dass man nur arbeiten soll, um Yajna oder
> Visnu zufriedenzustellen. Die vollendete Form
> menschlicher Zivilisation, die als varnasrama-dharma
> bekannt ist, hat den besonderen Zweck, Visnu zu erfreuen.
> Deshalb sagt Krsna in diesem Vers: "Ich bin der Genießer
> aller Opfer, denn Ich bin der höchste Meister." Weniger
> intelligente Menschen jedoch, die dies nicht wissen,
> verehren Halbgötter, um einen zeitweiligen Nutzen zu
> gewinnen. Deshalb fallen sie ins materielle Dasein hinab
> und erreichen nicht das erstrebte Ziel des Lebens. Wenn
> man tatsächlich einen materiellen Wunsch hat, sollte man
> lieber zum Höchsten Herrn um Erfüllung beten, wenngleich
> dies keine reine Hingabe ist, und so wird man das
> gewünschte Ergebnis bekommen.
> 
> VERS 25
> Wer die Halbgötter verehrt, wird unter den
> Halbgöttern geboren; wer Geister und Gespenster
> verehrt, wird unter solchen Wesen geboren; wer die
> Vorfahren verehrt, geht zu den Vorfahren, und wer
> Mich verehrt, wird mit Mir leben.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn jemand den Wunsch hat, zum Mond, zur Sonne oder
> zu irgendeinem anderen Planeten zu gehen, kann er das
> gewünschte Ziel erreichen, wenn er bestimmten vedischen
> Prinzipien folgt, die für diesen Zweck empfohlen sind.
> Diese Prinzipien werden ausführlich in dem Teil der Veden
> beschrieben, der fruchtbringende Werke behandelt. In
> diesem Teil der Veden, der technisch als darsa-paurnamasi
> bekannt ist, wird eine bestimmte Verehrung der Halbgötter
> empfohlen, die auf verschiedenen himmlischen Planeten
> leben. In ähnlicher Weise kann man auch, wenn man einen
> besonderen Yajna durchführt, die pita-Planeten erreichen.
> Man kann auch zu den zahlreichen Planeten der Geister
> gelangen und dort ein yaksa, raksa oder pisaca werden. Die
> pisaca-Verehrung wird auch als "Schwarze Kunst" oder
> "Schwarze Magie" bezeichnet. Es gibt viele Menschen, die
> diese Schwarze Kunst praktizieren und glauben, dies sei
> Spiritualismus; doch solches Tun ist völlig materialistisch.
> Ein reiner Gottgeweihter jedoch, der die Höchste
> Persönlichkeit Gottes verehrt, erreicht zweifellos die
> Vaikuntha-Planeten oder Krsnaloka. Durch diesen wichtigen
> Vers können wir folgendes sehr leicht verstehen: Wenn
> man die himmlischen Planeten erreichen kann, indem man
> die Halbgötter verehrt; wenn man die pita-Planeten
> erreichen kann, indem man die pitas verehrt, und wenn
> man die Planeten der Geister erreichen kann, indem man
> Schwarze Künste praktiziert - warum sollte dann der reine
> 
> Gottgeweihte nicht den Planeten Krsnas oder Visnus
> erreichen können? Unglücklicherweise haben viele
> Menschen von diesen erhabenen Planeten, auf denen Krsna
> und Visnu weilen, keine Kenntnis, und weil sie nichts von
> ihnen wissen, kommen sie zu Fall. Selbst die
> Unpersönlichkeitsanhänger fallen vom brahmajyoti herab.
> Die Bewegung für Krsna-Bewusstsein gibt daher der gesamten
> menschlichen Gesellschaft die erhabene Information,
> dass man einfach durch das Chanten des
> Hare-Krsna-mantra noch in diesem Leben die
> Vollkommenheit erreichen und so nach Hause, zu Gott,
> zurückkehren kann.
> 
> VERS 26
> Wenn jemand Mir mit Liebe und Hingabe ein Blatt,
> eine Blume, eine Frucht oder etwas Wasser opfert,
> werde Ich es annehmen.
> ERLÄUTERUNG
> Nachdem Sri Krsna klargestellt hat, dass Er der einzige
> Genießer, der urerste Herr und der wahre Empfänger aller
> Opferdarbringungen ist, offenbart Er nun, welche Arten
> von Opfern Er dargebracht haben möchte. Wenn sich
> jemand im hingebungsvollen Dienst für den Höchsten
> betätigen möchte, um geläutert zu werden und das Ziel des
> Lebens - transzendentalen hingebungsvollen Dienst für
> Gott - zu erreichen, sollte er herausfinden, was der Herr
> von ihm wünscht. Wer Krsna liebt, wird Ihm alles geben,
> was Er Sich wünscht, und es vermeiden, Ihm etwas zu opfern,
> was Er nicht wünscht oder worum Er nicht gebeten
> hat. Fleisch, Fisch und Eier sollten Krsna daher nicht
> geopfert werden. Wenn Er solche Dinge als Opfer
> wünschte, würde Er es sagen. Stattdessen bittet Er
> eindeutig darum, dass Ihm ein Blatt, eine Frucht, Blumen
> und Wasser dargebracht werden, und Er sagt von einem
> solchen Opfer: "Ich werde es annehmen." Deshalb sollten
> wir verstehen, dass Er kein Fleisch, kein Fisch und keine
> Eier annehmen wird. Gemüse, Getreide, Früchte, Milch und
> Wasser sind die für Menschen geeigneten Nahrungsmittel
> und werden von Sri Krsna Selbst vorgeschrieben. Was
> immer wir sonst zu uns nehmen, kann Ihm nicht geopfert
> werden, da Er es nicht annehmen wird. Wir können also
> nicht auf der Ebene liebender Hingabe handeln, wenn wir
> Krsna solche Nahrung opfern.
> Im dreizehnten Vers des Dritten Kapitels erklärt Sri Krsna,
> dass nur die Überreste von Opfern gereinigt und daher
> geeignet seien, von denen verzehrt zu werden, die nach
> Fortschritt im Leben suchen und danach streben, von den
> Fesseln der materiellen Verstrickung befreit zu werden. Er
> sagt im gleichen Vers, dass diejenigen, die ihre Nahrung
> nicht opfern, nichts als Sünde essen. Mit anderen Worten:
> Jeder Bissen, den sie zu sich nehmen, verstrickt sie nur
> noch mehr in die Kompliziertheiten der materiellen Natur.
> Wenn man jedoch schöne, einfache Gemüsegerichte
> zubereitet, sie vor dem Bild oder der Bildgestalt Sri Krsnas
> opfert, seine Ehrerbietungen darbringt und zu Krsna betet,
> Er möge diese bescheidene Opferung annehmen, wird man
> befähigt, im Leben beständig fortzuschreiten, den Körper
> zu reinigen und feine Gehirnzellen zu entwickeln, die
> klares Denken ermöglichen. Darüber hinaus sollte die
> Opferung mit Liebe zubereitet werden. Krsna braucht kein
> Essen, da Er bereits alles Existierende besitzt, und doch
> wird Er das Opfer eines Menschen annehmen, der Ihn in
> dieser Weise erfreuen möchte. Das Wichtigste bei der
> Zubereitung, beim Darbringen und beim Opfern ist die
> Liebe zu Krsna.
> Die Philosophen der Unpersönlichkeitslehre, die der
> Ansicht sind, die Absolute Wahrheit sei ohne Sinne,
> können diesen Vers der Bhagavad-Gita nicht begreifen. Für
> sie ist er entweder eine Metapher oder ein Beweis für das
> weltliche Wesen Krsnas, des Sprechers der Gita. Aber
> Krsna, der Höchste Gott, besitzt tatsächlich Sinne, denn in
> der Brahma-samhita heißt es, dass Seine Sinne
> untereinander austauschbar sind. Mit anderen Worten:
> Jeder Sinn kann die Funktion jedes anderen Sinnes
> ausführen. Das ist die Bedeutung der Aussage "Krsna ist
> absolut". Wenn es Ihm an Sinnen mangelte, könnte Er wohl
> kaum alle Reichtümer in Sich bergen. Im Siebten Kapitel
> hat Krsna erklärt, dass Er die Lebewesen in die materielle
> Natur zeugt. Dies geschieht, indem Er einfach über die
> materielle Natur blickt. Das bedeutet in diesem Fall: Wenn
> Krsna die liebevollen Worte des Gottgeweihten beim Opfern
> der Speisen hört, ist das mit Seinem Essen und
> Schmecken völlig identisch. Dieser Punkt sollte besonders
> betont werden: Weil Er absolut ist, ist Sein Hören mit
> Seinem Essen und Schmecken völlig identisch. Nur der
> Gottgeweihte, der Krsna ohne Interpretation so akzeptiert,
> wie Er Sich Selbst beschreibt, kann verstehen, dass die
> Höchste Absolute Wahrheit Essen zu Sich nehmen und
> genießen kann.
> VERS 27
> O Sohn Kuntis, alles, was du tust; alles, was du ißt;
> alles, was du opferst und fortgibst, sowie alle
> Enthaltungen, die du auf dich nimmst, sollten als ein
> Opfer für Mich getan werden.
> ERLÄUTERUNG
> Somit ist es also die Pflicht eines jeden, sein Leben so zu
> gestalten, dass er Krsna unter keinen Umständen vergessen
> wird. Jeder muss arbeiten, um Leib und Seele zusammenzuhalten,
> und Krsna empfiehlt hier, dass man für
> Ihn arbeiten soll. Jeder muss etwas essen, um zu leben;
> deshalb sollte er die Reste von Speisen annehmen, die
> Krsna geopfert wurden. Jeder zivilisierte Mensch muss
> einige religiöse rituelle Zeremonien vollziehen; deshalb
> empfiehlt Krsna: "Tu es für Mich", und das nennt man
> arcana. Jeder hat die Neigung, für wohltätige Zwecke zu
> spenden; Krsna sagt: "Gib es Mir", und das bedeutet, dass
> alles überflüssige Geld dazu verwendet werden sollte, die
> Bewegung für Krsna-Bewusstsein zu unterstützen. Seit
> jüngster Zeit zeigen viele Leute ein reges Interesse an
> jenem Meditationsvorgang, der in diesem Zeitalter nicht
> mehr praktizierbar ist; doch wenn sich jemand darin übt,
> vierundzwanzig Stunden über Krsna zu meditieren, indem
> er auf seiner Gebetskette den Hare Krsna-mantra chantet,
> ist er, wie im Sechsten Kapitel der Bhagavad-Gita bestätigt
> wird, zweifellos der größte yogi.
> 
> VERS 28
> Auf diese Weise wirst du von allen Reaktionen auf gute
> und schlechte Taten befreit sein, und durch dieses
> Prinzip der Entsagung wirst du erlöst werden und zu
> Mir kommen.
> ERLÄUTERUNG
> Wer unter höherer Führung im Krsna-Bewusstsein handelt,
> wird yukta genannt. Die technische Bezeichnung lautet
> yukta-vairagya. Dies wird von Srila Rupa Gosvami wie
> folgt näher erklärt.
> Srila Rupa Gosvami sagt, dass wir handeln müssen, solange
> wir uns in der materiellen Welt aufhalten; wir können nicht
> aufhören, tätig zu sein. Wenn man Handlungen ausführt
> und die Früchte Krsna gibt, nennt man das yukta-vairagya.
> Wenn man wahrhaft in Entsagung verankert ist, klären
> solche Tätigkeiten den Spiegel des Geistes, und in dem
> Maße, wie man allmählich Fortschritte in spiritueller
> Erkenntnis macht, wird man der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes völlig ergeben. Folglich wird man am Ende befreit,
> und diese Befreiung ist ebenfalls näher erläutert. Durch
> diese Befreiung wird man nicht etwa eins mit dem
> brahmajyoti, sondern erreicht den Planeten des Höchsten
> Herrn. Es wird hier klar gesagt: mam upaisyasi. "Er kommt
> zu Mir" - zurück nach Hause, zurück zu Gott. Es gibt fünf
> Stufen der Befreiung, und hier heißt es ausdrücklich, dass
> ein Gottgeweihter, der sein ganzes Leben lang unter der
> Führung des Höchsten Herrn verbracht hat, die Stufe
> erreicht hat, von der er, wenn er seinen Körper verlässt,
> nach Hause, zu Gott, zurückkehren und direkt mit dem
> Höchsten Herrn zusammensein kann.
> Jeder, der kein anderes Interesse hat, als sein Leben dem
> Dienst des Herrn zu weihen, ist im Grunde ein sannyasi.
> Solch ein Mensch betrachtet sich immer als ewiger Diener,
> der vom höchsten Willen des Herrn abhängig ist. Was
> immer er daher tut, tut er für den Herrn. Jede Handlung, die
> er ausführt, ist ein Dienst für den Herrn. Er schenkt den in
> den Veden erwähnten fruchtbringenden Tätigkeiten oder
> vorgeschriebenen Pflichten keine ernsthafte
> Aufmerksamkeit. Für gewöhnliche Menschen ist es
> unerlässlich, die in den Veden erwähnten vorgeschriebenen
> Pflichten zu erfüllen, aber obwohl es manchmal so scheinen
> mag, als verstoße ein reiner Gottgeweihter, der völlig im
> Dienst des Herrn beschäftigt ist, gegen die
> vorgeschriebenen vedischen Pflichten, ist dies im Grunde
> nicht der Fall.
> Es wird daher von Vaisnava-Autoritäten gesagt, dass selbst
> der intelligenteste Mensch die Pläne und Tätigkeiten eines
> reinen Gottgeweihten nicht verstehen kann. Der genaue
> Wortlaut ist: vaisnavera kriya mudra vijne na bujhaya. Wer
> auf diese Weise immer im Dienst des Herrn tätig ist oder
> immer daran denkt und Pläne entwirft, wie er dem Herrn
> dienen kann, ist sowohl in der Gegenwart als auch in der
> Zukunft völlig befreit. Seine Rückkehr nach Hause, zu
> Gott, ist garantiert. Er steht über aller materialistischen
> Kritik, ebenso wie Krsna über aller Kritik steht.
> 
> VERS 29
> Ich beneide niemanden, noch bevorzuge Ich jemanden;
> Ich bin allen gleichgesinnt. Doch wer immer Mir in
> Hingabe dient, ist Mein Freund, ist in Mir, und auch Ich
> bin sein Freund.
> ERLÄUTERUNG
> Man mag hier fragen, warum Krsna ein besonderes
> Interesse an den Geweihten hat, die ständig in Seinem
> transzendentalen Dienst tätig sind, wenn Er doch jedem
> gleichgesinnt und niemand Sein besonderer Freund ist.
> Doch darin liegt keine Diskriminierung; es ist natürlich.
> Jemand mag in dieser materiellen Welt sehr großzügig sein,
> aber trotzdem hat er an seinen eigenen Kindern ein
> besonderes Interesse. Der Herr erklärt, dass jedes
> Lebewesen - in welcher Form auch immer - Sein Sohn
> ist, und daher versorgt Er jeden großzügig mit allen
> Notwendigkeiten des Lebens. Er ist wie eine Wolke, die ihr
> Wasser überallhin vergießt, ohne darauf zu achten, ob der
> Regen auf Felsen, auf Land oder auf Wasser fällt. Seinen
> Geweihten aber schenkt Er besondere Aufmerksamkeit.
> Solche Geweihte werden hier erwähnt: Sie gründen immer
> im Krsna-Bewusstsein, und daher sind sie immer auf
> transzendentale Weise in Krsna verankert. Der Begriff
> "Krsna-Bewusstsein" deutet bereits an, dass diejenigen, die
> sich in diesem Bewusstsein befinden, Transzendentalisten
> sind, die in Krsna gründen. Der Herr sagt hier
> unmissverständlich mayi te - "in Mir". Folglich ist der Herr
> natürlich auch in ihnen - es ist eine gegenseitige Beziehung.
> 
> Das erklären auch die Worte: "In dem Maße, wie sich jemand Mir 
> ergibt, sorge Ich für ihn." Dieser transzendentale Austausch 
> ist nur möglich, weil sowohl der Herr als auch der Gottgeweihte
> bewusst sind. Wenn ein Diamant in einen goldenen Ring
> eingefasst ist, sieht er sehr schön aus. Dabei nimmt sowohl
> die Schönheit des Goldes als auch die des Diamanten um
> ein Vielfaches zu. Das Lebewesen und der Herr funkeln
> ewig, und wenn sich ein Lebewesen dem Dienst des Herrn
> zuwendet, sieht es wie Gold aus. Der Herr gleicht einem
> Diamanten, und so ist diese Verbindung sehr schön.
> Lebewesen in ihrem reinen Zustand werden als
> Gottgeweihte bezeichnet. Der Höchste Herr wird zum
> Geweihten Seiner Geweihten. Gäbe es zwischen dem
> Gottgeweihten und dem Herrn keine wechselseitige
> Beziehung, könnte von Persönlichkeitsphilosophie keine
> Rede sein. In der Unpersönlichkeitsphilosophie gibt es
> keinen Austausch zwischen dem Höchsten und dem
> Lebewesen, aber in der Persönlichkeitsphilosophie gibt es
> diesen.
> Es wird oft das Beispiel gegeben, dass der Herr wie ein
> Wunschbaum ist, und was immer man sich von diesem
> Wunschbaum wünscht, stellt der Herr bereit. Hier aber ist
> die Erklärung umfassender. Es heißt hier, dass der Herr
> Seinen Geweihten besonders zugeneigt ist. Das ist eine
> Manifestation der besonderen Barmherzigkeit des Herrn
> gegenüber Seinen Geweihten. Man sollte nicht denken, der
> Austausch des Herrn mit Seinen Geweihten unterstehe dem
> Gesetz des karma. Er gehört zur transzendentalen
> 
> Beziehung des Herrn zu Seinen Geweihten.
> Hingebungsvoller Dienst für den Herrn ist keine Tätigkeit
> der materiellen Welt; er ist ein Teil der spirituellen Welt,
> wo Ewigkeit, Glückseligkeit und Wissen herrschen.
> 
> VERS 30
> Selbst wenn jemand die widerwärtigsten Handlungen
> begeht, muss er, wenn er sich im hingebungsvollen
> Dienst betätigt, als Heiliger angesehen werden, da er
> sich auf dem rechten Pfad befindet.
> ERLÄUTERUNG
> Das Wort suduracaro, das in diesem Vers gebraucht wird,
> ist sehr bedeutsam, und wir sollten es richtig verstehen. Für
> ein bedingtes Lebewesen gibt es zwei Arten von
> Handlungen: bedingte und wesensgemäße. Was den Schutz
> des Körpers oder Gehorsam gegenüber den Gesetzen der
> Gesellschaft und des Staates betrifft, so gibt es sicherlich -
> sogar für die Gottgeweihten - Tätigkeiten, die mit dem
> materiellen Leben verbunden sind, und solche Tätigkeiten
> werden als bedingt bezeichnet. Das Lebewesen, das sich
> seiner spirituellen Natur völlig bewusst und im Krsna--
> Bewusstsein oder hingebungsvollen Dienst des Herrn
> beschäftigt ist, geht neben diesen Handlungen auch noch
> Tätigkeiten nach, die man als transzendental bezeichnet.
> Solche Tätigkeiten werden in der wesensgemäßen Stellung
> verrichtet, und sie werden "hingebungsvoller Dienst"
> genannt. Nun ist es so, dass im bedingten Zustand
> hingebungsvoller Dienst und der bedingte Dienst in
> Beziehung zum Körper manchmal parallel laufen. Ein
> Gottgeweihter achtet so weit wie möglich darauf, nichts zu
> tun, was seine günstige Stellung gefährden könnte. Er weiß,
> dass die Vollkommenheit seiner Tätigkeiten vom Fortschritt
> seiner Verwirklichung im Krsna-Bewusstsein abhängig ist.
> Manchmal jedoch mag man beobachten, dass ein Mensch
> im Krsna-Bewusstsein in einer Weise handelt, die, vom
> sozialen oder politischen Standpunkt aus betrachtet, als
> verabscheuungswürdig gilt. Aber solch ein vorübergehendes
> Abgleiten disqualifiziert ihn nicht. Im
> Srimad-Bhagavatam heißt es, dass dann, wenn jemand zu
> Fall kommt, aber mit ganzem Herzen im transzendentalen
> Dienst des Höchsten Herrn beschäftigt ist, der Herr, der in
> seinem Herzen weilt, ihn reinigt und ihm sein
> abscheuliches Verhalten verzeiht. Die materielle
> Verunreinigung ist so stark, dass manchmal sogar ein yogÖ,
> der völlig im hingebungsvollen Dienst des Herrn
> 
> beschäftigt ist, 
> verleitet wird; doch Krsna-Bewusstsein ist so
> mächtig, dass solch ein gelegentliches Fallen sogleich
> berichtigt wird. Deshalb ist der Vorgang des
> hingebungsvollen Dienstes immer ein Erfolg. Niemand
> sollte einen Gottgeweihten verspotten, wenn dieser zufällig
> vom idealen Pfad abkommt; denn wie der nächste Vers
> erklärt, wird solch gelegentliches Fallen aufhören, sobald
> ein Gottgeweihter im Krsna-Bewusstsein fest verankert ist.
> Jemand, der im Krsna-Bewusstsein gründet und mit
> Entschlossenheit Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna,
> Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare
> Hare chantet, sollte daher als auf der transzendentalen
> Ebene verankert angesehen werden, auch wenn er durch
> Zufall oder einen Unglücksfall zu Fall kommt. Die Worte
> sadhur eva ("er ist heilig") sind sehr eindringlich. Sie sind
> eine Warnung an die Nichtgottgeweihten, einen
> Gottgeweihten wegen eines zufälligen Falls nicht zu
> verspotten. Er sollte trotzdem als heilig angesehen werden,
> selbst wenn er unbeabsichtigt zu Fall gekommen ist. Das
> Wort mantavyah ist noch eindringlicher. Wenn man diese
> Regel nicht beachtet und einen Gottgeweihten verspottet,
> weil er zufällig zu Fall gekommen ist, handelt man gegen
> die Anweisung des Höchsten Herrn. Die einzige
> Qualifikation eines Gottgeweihten besteht darin, unerschütterlich 
> und ausschließlich im hingebungsvollen Dienst
> tätig zu sein.
> Flecken, die man auf dem Mond sehen mag,
> beeinträchtigen das Mondlicht nicht. In ähnlicher Weise
> macht ein zufälliges Abweichen vom rechten Pfad den
> Gottgeweihten nicht verabscheuenswert. Auf der anderen
> Seite sollte man jedoch nicht den falschen Schluss ziehen,
> dass ein Gottgeweihter im transzendentalen hingebungsvollen
> Dienst alle möglichen abscheulichen Handlungen
> begehen darf. Dieser Vers bezieht sich nur auf einen
> Unglücksfall, herbeigeführt durch die starke Macht materieller
> Verbindungen. Hingebungsvoller Dienst ist mehr
> oder weniger eine Kriegserklärung gegen die
> illusionierende Energie. Solange man nicht stark genug ist,
> gegen die illusionierende Energie zu kämpfen, kann es
> vorkommen, dass man unbeabsichtigt zu Fall kommt. Wenn
> man aber stark genug ist, wird man solchem Versagen nicht
> länger unterworfen sein, wie zuvor bereits erklärt wurde.
> Niemand sollte diesen Vers dazu missbrauchen, allen
> möglichen Unsinn zu machen und zu glauben, er sei immer
> noch ein Gottgeweihter. Wenn jemand seinen Charakter
> durch hingebungsvollen Dienst nicht verbessert, kann er
> nicht als Gottgeweihter hohen Ranges gelten.
> 
> VERS 31
> Sehr bald wird er rechtschaffen und erlangt
> immerwährenden Frieden. O Sohn Kuntis, verkünde
> kühn, dass Mein Geweihter niemals vergeht.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers sollte nicht missverstanden werden. Im Siebten
> Kapitel sagt der Herr, dass jemand, der verruchten
> Tätigkeiten nachgeht, kein Gottgeweihter werden kann.
> Wer kein Gottgeweihter ist, besitzt keinerlei gute
> Qualifikationen. Es bleibt dann die Frage offen, wie jemand
> ein reiner Gottgeweihter sein kann, der - zufällig oder absichtlich
> - verabscheuenswerten Tätigkeiten nachgeht.
> Diese Frage mag zu Recht gestellt werden. Die Schurken,
> die sich, wie im Siebten Kapitel beschrieben wird, niemals
> dem hingebungsvollen Dienst des Herrn zuwenden, haben
> keine guten Eigenschaften. Dies wird auch im
> Srimad-Bhagavatam bestätigt. Im allgemeinen ist ein
> Gottgeweihter, der den neun Arten hingebungsvoller
> Tätigkeiten nachgeht, damit beschäftigt, sein Herz von aller
> materiellen Verunreinigung zu befreien. Er nimmt die
> Höchste Persönlichkeit Gottes in sein Herz auf, und so
> werden alle sündhaften Verunreinigungen natürlicherweise
> fortgewaschen. Ständiges Denken an den Höchsten Herrn
> macht ihn von Natur aus rein. Den Veden zufolge gibt es
> eine bestimmte Regel, dass man sich im Falle eines Sturzes
> von seiner erhabenen Stellung gewissen rituellen
> Vorgängen unterziehen muss, um sich zu läutern. Hier aber
> gibt es keine solche Bedingung, denn der
> Läuterungsvorgang findet bereits im Herzen des
> Gottgeweihten statt, da dieser sich ständig an die Höchste
> Persönlichkeit Gottes erinnert. Deshalb sollte das Chanten
> von Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare /
> Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare ohne
> Unterlass fortgesetzt werden. Das wird einen Gottgeweihten
> vor jedem unbeabsichtigten Abgleiten beschützen. Er wird
> so für immer von allen materiellen Verunreinigungen frei
> bleiben.
> 
> VERS 32
> O Sohn Prthas, diejenigen, die bei Mir Zuflucht suchen,
> können das höchste Ziel erreichen - auch wenn sie von
> niederer Geburt sind, wie Frauen, vaisyas [Kaufleute]
> oder auch sudras [Arbeiter].
> ERLÄUTERUNG
> Hier erklärt der Höchste Herr eindeutig, dass es im
> hingebungsvollen Dienst keinen Unterschied zwischen den
> niederen und höheren Menschenklassen gibt. Solche
> Einteilungen bestehen in der materiellen Auffassung vom
> Leben, aber für einen Menschen, der im transzendentalen
> hingebungsvollen Dienst des Herrn tätig ist, existieren sie
> nicht. Jeder ist geeignet, das höchste Ziel zu erreichen. Im
> Srimad Bhagavatam heißt es, dass sogar die niedrigsten
> Menschen, die candalas (Hundeesser) durch das
> Zusammensein mit einem reinen Gottgeweihten erhoben
> werden können. Hingebungsvoller Dienst und die Führung
> eines reinen Gottgeweihten sind also so stark, dass es dabei
> keinen Unterschied zwischen den niederen und höheren
> Menschenklassen gibt - jeder kann an diesem Vorgang
> teilnehmen. Der einfachste Mensch kann, wenn er bei
> einem reinen Gottgeweihten Zuflucht sucht, durch kundige
> Führung geläutert werden. Den verschiedenen
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur gemäß werden
> die Menschen eingeteilt in die Erscheinungsweise der
> Tugend (brahmanas), die Erscheinungsweise der
> Leidenschaft (ksatriyas oder Verwalter), die vermischten
> Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit
> (vaisyas oder Kaufleute) und die Erscheinungsweise der
> Unwissenheit (sudras oder Arbeiter). Menschen, die noch
> tiefer stehen als diese, werden candalas genannt; sie sind in
> sündigen Familien geboren. Im allgemeinen werden
> Menschen, die in sündhaften Familien geboren wurden,
> von den höheren Klassen nicht akzeptiert. Aber der
> Vorgang des hingebungsvollen Dienstes und der reine
> Gottgeweihte sind so mächtig, dass alle unteren Klassen die
> höchste Vollkommenheit des Lebens erreichen können. Das
> ist nur möglich, wenn man bei Krsna Zuflucht sucht. Man
> muss völlig bei Krsna Zuflucht suchen; dann kann man
> sogar noch viel größer werden als die großen jÒanÖs und
> yogis.
> 
> VERS 33
> Um wieviel vortrefflicher sind dann die brahmanas, die
> Rechtschaffenen, die Gottgeweihten und die heiligen
> Könige, die Mir in dieser zeitweiligen, elenden Welt in
> Liebe dienen.
> ERLÄUTERUNG
> In der materiellen Welt gibt es zwar unterschiedliche
> Menschenklassen, aber letztlich ist diese Welt für niemand
> ein Ort des Glücks. Es heißt hier klar: anityam asukham
> lokam. Diese Welt ist zeitweilig und voller Leiden und
> daher für jeden vernünftigen Menschen unbewohnbar. Die
> Höchste Persönlichkeit Gottes erklärt, dass diese Welt
> zeitweilig und voller Leiden ist. Einige Philosophen,
> besonders die weniger bedeutenden unter ihnen, sagen, die
> Welt sei falsch, doch aus der Bhagavad-Gita können wir
> verstehen, dass die Welt nicht falsch ist; sie ist zeitweilig.
> Zwischen zeitweilig und falsch besteht ein Unterschied.
> Diese Welt ist zeitweilig, doch gibt es noch eine andere
> Welt, die ewig ist. Diese Welt hier ist voller Leiden, doch
> die andere Welt ist ewig und voller Glückseligkeit.
> Arjuna wurde in einer heiligen königlichen Familie
> geboren. Zu ihm sagt der Herr ebenfalls: "Wende dich
> Meinem hingebungsvollen Dienst zu, und komme schnell
> zurück zu Mir, zurück nach Hause." Niemand sollte in
> dieser zeitweiligen Welt bleiben, die so leidvoll ist. Jeder
> sollte an der Brust der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> Schutz suchen, so dass er für immer glücklich sein kann.
> Der hingebungsvolle Dienst des Höchsten Herrn ist der
> einzige Vorgang, durch den alle Probleme aller Klassen
> von Menschen gelöst werden können. Jeder sollte daher
> den Vorgang des Krsna-Bewusstseins annehmen und sein
> Leben zur Vollkommenheit führen.
> 
> VERS 34
> Beschäftige deinen Geist immer damit, an Mich zu
> denken; werde Mein Geweihter; erweise Mir deine
> Ehrerbietungen, und verehre Mich. Wenn du völlig in
> Gedanken an Mich versunken bist, wirst du mit
> Gewissheit zu Mir kommen.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers wird eindeutig darauf hingewiesen, dass
> Krsna-Bewusstsein das einzige Mittel ist, aus der Gewalt der
> verunreinigten materiellen Welt befreit zu werden.
> Manchmal verdrehen skrupellose Kommentatoren die
> Bedeutung von dem, was hier klar gesagt wird: dass
> nämlich aller hingebungsvoller Dienst der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, dargebracht werden soll.
> Unglückseligerweise lenken solch gewissenlose
> Kommentatoren den Geist des Lesers auf etwas völlig
> Undurchführbares und Unmögliches. Diese
> Kommentatoren wissen nicht, dass zwischen Krsnas Geist
> und Krsna Selbst kein Unterschied besteht. Krsna ist kein
> gewöhnlicher Mensch; Er ist die Absolute Wahrheit. Sein
> Körper. Sein Geist und Er Selbst sind eins und absolut.
> Bhaktisiddhanta Sarasvati Gosvami zitiert in seinem
> Anubhasya-Kommentar zum Caitanya-caritamrta, Fünftes
> Kapitel, Adi-lila, Vers 41-48, aus dem Kurma Purana:
> "Zwischen Krsnas Körper und Ihm Selbst besteht kein 
> Unterschied."
> Weil aber solche Kommentatoren die Wissenschaft von
> Krsna nicht kennen, verbergen sie Krsna und trennen Seine
> Persönlichkeit von Seinem Geist oder Seinem Körper.
> Obwohl dies pure Unwissenheit bezüglich der Wissenschaft
> von Krsna ist, schlagen manche Leute aus solcher
> Irreführung der Menschen Profit.
> Es gibt noch eine andere Gruppe dämonischer Menschen.
> Sie denken zwar ebenfalls an Krsna, doch beneiden sie Ihn,
> wie König Kaàsa, Krsnas Onkel. Auch er dachte
> fortwährend an Krsna, aber er dachte an Krsna als seinen
> Feind. Er hatte ständig Angst, weil er nicht wußte, wann
> Krsna kommen würde, um ihn zu töten. Diese Art des
> Denkens wird uns nicht helfen. Man sollte an Krsna in
> hingebungsvoller Liebe denken. Das ist bhakti. Man sollte
> sein Wissen von Krsna ständig kultivieren. Wie sieht nun
> diese förderliche Kultivierung aus? Sie besteht darin, dass
> man von einem echten Lehrer lernt. Krsna ist die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, und wie wir bereits mehrfach erklärt
> haben, ist Sein Körper nicht materiell, sondern ewiges
> glückseliges Wissen. So über Krsna zu sprechen wird
> einem helfen, ein Gottgeweihter zu werden. Der Versuch,
> Krsna aus der falschen Quelle zu verstehen, wird sich als
> fruchtlos erweisen.
> Man sollte daher seinen Geist in Gedanken an die ewige
> Form, die ursprüngliche Gestalt Krsnas, versenken und
> Krsna mit der festen Überzeugung im Herzen verehren, dass
> Er der Höchste ist. Es gibt in Indien Hunderttausende von
> Tempeln, in denen Krsna verehrt wird, und dort wird
> hingebungsvoller Dienst praktiziert. Bei dieser Art der
> Verehrung muss man Krsna Seine Ehrerbietungen
> darbringen. Man sollte sein Haupt vor der transzendentalen
> Bildgestalt Krsnas neigen und seinen Geist, seinen Körper
> und seine Tätigkeiten - alles - in den Dienst Krsnas
> stellen. Das wird einem helfen, sich ohne Abweichung
> völlig in Krsna zu versenken und nach Krsnaloka zu
> gelangen. Man sollte sich nicht von skrupellosen
> Kommentatoren irreführen lassen. Man muss in den neun
> verschiedenen Vorgängen des hingebungsvollen Dienstes
> tätig sein, die mit dem Chanten und Hören über Krsna
> beginnen. Reiner hingebungsvoller Dienst ist das Höchste,
> was die menschliche Gesellschaft erreichen kann.
> Im Siebten und Achten Kapitel der Bhagavad-Gita ist reiner
> hingebungsvoller Dienst für den Herrn erklärt worden,
> gesondert vom yoga des Wissens, vom mystischen yoga
> und von fruchtbringenden Tätigkeiten. Diejenigen, die
> nicht gänzlich rein und geheiligt sind, mögen sich zu
> verschiedenen Aspekten des Herrn, wie dem
> unpersönlichen brahmajyoti und dem lokalisierten
> Paramatma, hingezogen fühlen, doch ein reiner
> Gottgeweihter wendet sich unmittelbar dem Dienst des
> Höchsten Herrn zu.
> Es gibt ein schönes Gedicht über Krsna, in dem es
> unmissverständlich heißt, dass jeder, der Halbgötter verehrt,
> höchst unintelligent ist und den höchsten Lohn Krsnas
> niemals erreichen kann. Der Gottgeweihte mag am Anfang
> manchmal den Standard nicht halten können und zu Fall
> kommen, aber trotzdem sollte man immer verstehen, dass er
> auf einer höheren Stufe steht als alle anderen Philosophen
> und yogis. Jemand, der sich immer im Krsna-Bewusstsein
> betätigt, sollte als vollkommener Heiliger betrachtet
> werden. Seine unbeabsichtigten Tätigkeiten, denen es an
> Hingabe mangelt, werden allmählich nachlassen, und er
> wird zweifellos sehr bald in vollendeter Vollkommenheit
> verankert sein. Der reine Gottgeweihte hat keine wirkliche
> Möglichkeit, zu Fall zu kommen, weil Sich der Höchste
> Gott persönlich um Seine reinen Geweihten kümmert.
> Deshalb sollte sich ein intelligenter Mensch diesem
> 
> Vorgang des Krsna-Bewusstseins unmittelbar zuwenden
> und in dieser materiellen Welt glücklich leben. Ihm wird
> letztlich Krsnas höchster Lohn zuteil werden.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Neunten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel:
> "Das vertraulichste Wissen".
>
> — *NEUNTES KAPITEL*

