VIERTES KAPITEL Transzendentales Wissen VERS 1 Der Segenspendende Herr sprach: Ich unterwies den Sonnengott, Vivasvan, in dieser unvergänglichen Wissenschaft des yoga; Vivasvan unterwies Manu, den Vater der Menschheit, darin, und Manu seinerseits unterwies Iksvaku. ERLÄUTERUNG Hier finden wir die Geschichte der Bhagavad-Gita, die sich bis in ferne Zeiten zurückverfolgen läßt, als sie dem königlichen Stand, das heißt den Königen aller Planeten, verkündet wurde. Diese Wissenschaft ist besonders für den Schutz der Bevölkerung bestimmt, und daher sollte der königliche Stand sie verstehen, um fähig zu sein, die Bürger zu regieren und vor der materiellen Fessel der Lust zu beschützen. Das menschliche Leben ist dafür bestimmt, spirituelles Wissen in ewiger Beziehung zur Höchsten Persönlichkeit Gottes zu kultivieren, und die Oberhäupter aller Staaten und aller Planeten sind dazu verpflichtet, dieses Wissen den Bürgern durch Erziehung, Kultur und Hingabe zu vermitteln. Mit anderen Worten: Die Oberhäupter aller Staaten sollten die Wissenschaft des Krsna-Bewusstseins verbreiten, so dass die Menschen diese große Wissenschaft nutzen und einem erfolgreichen Pfad folgen, indem sie die Gelegenheit der menschlichen Form des Lebens wahrnehmen. In diesem Zeitalter ist der Sonnengott als Vivasvan bekannt, der König der Sonne, die der Ursprung aller Planeten im Sonnensystem ist. In der Brahmasamhita (5.52) heißt es: "Laßt mich", sprach Brahma, "Govinda [Krsna], die Höchste Persönlichkeit Gottes, verehren, der die ursprüngliche Person ist und unter dessen Anweisung die Sonne, der König aller Planeten, unermeßliche Kraft und Hitze annimmt. Die Sonne repräsentiert das Auge des Herrn und folgt, Seinem Befehl gehorchend, ihrem Lauf." Die Sonne ist der König aller Planeten, und der Sonnengott (zur Zeit ist es Vivasvan) regiert den Sonnenplaneten, der alle anderen Planeten beherrscht, indem er sie mit Wärme und Licht versorgt. Die Sonne rotiert unter dem Befehl Krsnas, und Sri Krsna machte ursprünglich Vivasvan zu Seinem ersten Schüler, der die Wissenschaft von der Bhagavad-Gita verstehen sollte. Die Gita ist daher keine spekulative Abhandlung für den unbedeutenden weltlichen Gelehrten, sondern ein Standardbuch des Wissens, das uns seit unvordenklichen Zeiten überliefert wird. Im Mahabharata (Santi-parva 348.5l-52) können wir die Geschichte der Gita zurückverfolgen: Zu Beginn des Treta-yuga wurde diese Wissenschaft von der Beziehung zum Höchsten von Vivasvan an Manu weitergegeben. Manu, der Vater der Menschheit, lehrte sie seinem Sohn, Maharaja Iksvaku, dem König der Erde und Vorvater der Raghu-Dynastie, in der Sri Ramacandra erschien. In der menschlichen Gesellschaft gab es die Bhagavad-Gita also seit der Zeit Maharaja Iksvakus." Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind erst 5 000 Jahre von den insgesamt 432 000 Jahren des Kali-yuga vergangen. Vor diesem Zeitalter gab es das Dvapara-yuga (864 000 Jahre) und davor das Treta-yuga (l 296 000 Jahre). Manu sprach die Bhagavad-Gita also vor etwa 2 165 000 Jahren zu seinem Sohn und Schüler Maharaja Iksvaku, dem König des Planeten Erde. Das Zeitalter des gegenwenigen Manu wird auf eine Länge von etwa 305 300 000 Jahre geschätzt, von denen bisher 120 400 000 vergangen sind. Wenn man akzeptiert, dass die Gita vor der Geburt Manus vom Herrn zu Seinem Schüler, dem Sonnengott Vivasvan, gesprochen wurde, dann wurde die Gita, nach einer groben Schätzung, vor mindestens 120 400 000 Jahren verkündet, und in der menschlichen Gesellschaft gab es sie für 2 000 000 Jahre. Vor 5 000 Jahren sprach der Herr die Bhagavad-Gita erneut zu Arjuna. Das ist in groben Zügen die Geschichte der Gita, nach den Aussagen der Gita selbst und nach der Version Sri Krsnas, des Sprechers. Sie wurde zum Sonnengott Vivasvan gesprochen, da dieser ebenfalls ein ksatriya und der Vater aller ksatriyas ist, die Nachkommen des Sonnengottes und damit surya-vamsa-ksatriyas sind. Weil die Bhagavad-Gita den Veden gleichwertig ist, da sie von der Höchsten Persönlichkeit Gottes gesprochen wurde, wird ihr Wissen als apauruseya oder übermenschlich bezeichnet. Und da die vedischen Unterweisungen ohne menschliche Interpretation so akzeptiert werden, wie sie sind, muss auch die Gita ohne weltliche Interpretation akzeptiert werden. Weltliche Streithähne mögen über die Gita in ihrer eigenen Weise spekulieren, aber was dabei herauskommt, ist nicht die Bhagavad-Gita, wie sie ist. Daher muss die Bhagavad-Gita so akzeptiert werden, wie sie ist, von der Schülernachfolge, und es ist hier beschrieben, dass der Herr zum Sonnengott sprach; der Sonnengott sprach zu seinem Sohn Manu und Manu sprach zu seinem Sohn Iksvaku. VERS 2 Diese erhabene Wissenschaft wurde so durch die Kette der Schülernachfolge empfangen, und die heiligen Könige verstanden sie auf diese Weise. Aber im Laufe der Zeit wurde die Nachfolge unterbrochen, und daher scheint die Wissenschaft, wie sie ist, verloren zu sein. ERLÄUTERUNG Es heißt hier eindeutig, dass die Gita besonders für die heiligen Könige bestimmt war, da diese durch die Herrschaft über die Bürger den Zweck der Gita zu erfüllen hatten. Die Bhagavad-Gita war niemals für dämonische Menschen bestimmt, die ihren Wert zu niemandes Nutzen zerstören und alle möglichen Interpretationen je nach Laune erfinden würden. Sobald der ursprüngliche Sinn durch die Motive skrupelloser Kommentatoren entstellt war, entstand die Notwendigkeit, die Schülernachfolge zu erneuern. Vor 5000 Jahren bemerkte der Herr Selbst, dass die Schulernachfolge unterbrochen war, und erklärte daher, dass der Zweck der Bhagavad-Gita verloren zu sein schien. In ähnlicher Weise gibt es auch heutzutage so viele Ausgaben der Gita (besonders im Englischen), aber fast alle stimmten nicht mit den Lehren der autorisierten Schülernachfolge überein. Es gibt zahllose Interpretationen der verschiedensten weltlichen Gelehrten, doch fast alle akzeptieren die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, nicht, wenngleich sie mit den Worten Sri Krsnas ein gutes Geschäft machen. Dieser Geist ist dämonisch, denn Dämonen glauben nicht an Gott, aber genießen das Eigentum des Höchsten. Da für eine Ausgabe der Gita, so wie sie durch das parampara-System (die Schülernachfolge) empfangen worden ist, eine dringende Notwendigkeit besteht, wird hiermit der Versuch unternommen, diesem großen Mangel abzuhelfen. Die Bhagavad-Gita - so akzeptiert, wie sie ist - ist ein großer Segen für die Menschheit; wenn sie aber als eine Abhandlung philosophischer Spekulationen verstanden wird, ist sie nur eine Zeitverschwendung. VERS 3 Diese uralte Wissenschaft von der Beziehung zum Höchsten wird dir heute von Mir mitgeteilt, weil du Mein Geweihter und auch Mein Freund bist; deshalb kannst du das transzendentale Mysterium dieser Wissenschaft verstehen. ERLÄUTERUNG Es gibt zwei Klassen von Menschen, nämlich den Gottgeweihten und den Dämon. Der Herr wählte Arjuna zum Empfänger dieser großen Wissenschaft, weil Arjuna auf dem Wege war, ein Geweihter des Herrn zu werden; für einen Dämonen ist es nicht möglich, diese große Geheimwissenschaft zu verstehen. Es gibt zahlreiche Ausgaben dieses großen Buches des Wissens; einige sind von Gottgeweihten kommentiert und andere von Dämonen. Die Kommentare der Gottgeweihten sind autorisiert und daher vorteilhaft, wohingegen die Kommentare der Dämonen wertlos sind. Arjuna erkennt Sri Krsna als die Höchste Persönlichkeit Gottes an, und jeder Kommentar zur Gita, der in die Fußstapfen Arjunas tritt, ist wirklicher hingebungsvoller Dienst im Interesse dieser bedeutenden Wissenschaft. Dämonische Menschen dagegen erfinden etwas über Krsna und bringen die öffentlichen und allgemeinen Leser vom Pfad der Unterweisungen Krsnas ab. Man sollte versuchen, der von Arjuna ausgehenden Schülernachfolge zu folgen, und so einen großen Nutzen gewinnen. VERS 4 Arjuna sagte: Der Sonnengott Vivasvan ist von Geburt her älter als Du. Wie ist es zu verstehen, dass Du ihn am Anfang in dieser Wissenschah unterwiesen hast? ERLÄUTERUNG Arjuna ist ein anerkannter Geweihter des Herrn, wie konnte er also Krsnas Worten keinen Glauben schenken? Tatsache ist, dass Arjuna nicht für sich selbst fragte, sondern für diejenigen, die nicht an die Höchste Persönlichkeit Gottes glauben, oder die Dämonen, denen die Vorstellung nicht behagt, dass Krsna als die Höchste Persönlichkeit Gottes anerkannt werden soll. Nur für sie fragt Arjuna so, als wäre er sich selbst nicht der Persönlichkeit Gottes oder Krsnas Bewusst. Wie im Zehnten Kapitel deutlich wird, wusste Arjuna sehr wohl, dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes, der Urquell allen Seins und das höchste Prinzip in der Transzendenz ist. Natürlich erschien Krsna auch als der Sohn Devakis auf dieser Erde. Wie Krsna dieselbe Höchste Persönlichkeit Gottes, die ewige, ursprüngliche Person, blieb, ist für einen gewöhnlichen Menschen sehr schwer zu verstehen. Um daher diesen Punkt zu klären, stellte Arjuna Krsna diese Frage, so dass der Herr Selbst als Autorität darüber sprechen konnte. Dass Krsna die höchste Autorität ist, wird von der ganzen Welt akzeptiert - nicht nur heute, sondern seit unvordenklichen Zeiten -, und nur die Dämonen lehnen Ihn ab. Wie dem auch sei, da Krsna die von allen anerkannte Autorität ist, stellte Arjuna Ihm diese Frage, damit Krsna Sich Selbst beschreiben konnte, ohne von den Dämonen beschrieben zu werden, die Ihn so zu verzerren versuchen, dass Er den Dämonen und ihren Anhängern verständlich ist. Es ist für jeden in seinem eigenen Interesse notwendig, die Wissenschaft von Krsna zu kennen. Es ist daher für alle Welten segensreich, wenn Krsna Selbst über Sich spricht. Den Dämonen mögen solche Erklärungen von Krsna Selbst fremd erscheinen, da die Dämonen Krsna immer nur von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachten; aber die Gottgeweihten begrüßen die Erklärungen Krsnas, wenn sie von Ihm Selbst gesprochen werden, mit großer Freude. Die Gottgeweihten werden solche autoritativen Aussagen Krsnas stets verehren, weil sie immer begierig sind, mehr und mehr über Ihn zu erfahren. Die Atheisten, die Krsna für einen gewöhnlichen Menschen halten, mögen auf diese Weise zu dem Verständnis kommen, dass Krsna übermenschlich ist, dass Er sac-cid-ananda-vigraha ist - die ewige Gestalt der Glückseligkeit und des Wissens -, dass Er transzendental ist und dass Er über dem Herrschaftsbereich der Erscheinungsweisen der materiellen Natur und über dem Einfluss von Raum und Zeit steht. Ein Geweihter Krsnas; wie Arjuna, steht zweifellos über jedem Missverständnis der transzendenten Stellung Krsnas. Dass Arjuna dem Herrn diese Frage stellt, ist nichts weiter als ein Versuch des Gottgeweihten, der atheistischen Haltung jener Menschen zu begegnen, die Krsna für einen gewöhnlichen Menschen halten, der den Erscheinungsweisen der materiellen Natur unterworfen ist. VERS 5 Der Segenspendende Herr sprach: Viele, viele Geburten haben sowohl du als auch Ich hinter uns. Ich kann Mich an sie alle erinnern, doch du kannst es nicht, o Bezwinger des Feindes. ERLÄUTERUNG Die Brahma-samhita gibt uns über sehr viele Inkarnationen des Herrn Auskunft. Es heißt dort (Bs. 5.33): "Ich verehre Govinda [Krsna], die Höchste Persönlichkeit Gottes, der die ursprüngliche Person ist - absolut, unfehlbar, ohne Anfang, obwohl in unzählige Formen erweitert, dennoch der gleiche Ursprüngliche, der Älteste und die Person, die immer in blühender Jugend erscheint. Solch ewige, glückselige, allwissende Formen des Herrn werden gewöhnlich nicht einmal von den besten vedischen Gelehrten verstanden, doch reinen, unverfälschten Gottgeweihten sind sie immer sichtbar." In der Brahma-samhita (5.39) heißt es auch: "Ich verehre Govinda [Krsna], die Höchste Persönlichkeit Gottes, der Sich immer in vielfachen Inkarnationen wie Rama und Nrsimha und auch vielen Sub-Inkarnationen befindet, der aber die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes, bekannt als Krsna, ist und der Sich auch persönlich inkarniert." Auch in den Veden wird gesagt, dass Sich der Herr, obwohl Einer ohne einen Zweiten, in unzähligen Formen manifestiert. Er ist wie der vaidurya-Stein, der seine Farbe wechselt, aber dennoch der gleiche bleibt. All diese vielfaltigen Formen werden von den reinen, unverfälschten Gottgeweihten verstanden, jedoch nicht durch ein einfaches Studium der Veden: Gottgeweihte wie Arjuna sind ständige Gefährten des Herrn, und wann immer Sich der Herr inkarniert, inkarnieren sich auch Seine Ihm beigesellten Geweihten, um dem Herrn in verschiedenen Eigenschaften zu dienen. Arjuna ist einer dieser Gottgeweihten, und aus diesem Vers läßt sich ersehen, dass vor einigen Millionen von Jahren, als Sri Krsna die Bhagavad-Gita zum Sonnengott Vivasvan sprach, auch Arjuna, in einer anderen Form, gegenwärtig war. Der Unterschied zwischen dem Herrn und Arjuna besteht darin, dass der Herr Sich an dieses Ereignis erinnerte, wohingegen Arjuna sich nicht daran erinnern konnte. Das ist der Unterschied zwischen dem winzigen, teilhaften Lebewesen und dem Höchsten Herrn. Obwohl Arjuna hier als mächtiger Held bezeichnet wird, der die Feinde bezwingen konnte, vermag er sich nicht an das zu erinnern, was sich in seinen verschiedenen vergangenen Geburten ereignet hatte. Ein Lebewesen kann daher, ganz gleich, wie bedeutend es nach materiellen Maßstäben sein mag, dem Höchsten Herrn niemals gleichkommen. Jeder, der ein ständiger Begleiter des Herrn ist, ist gewiss eine befreite Seele, doch kann er dem Herrn nicht ebenbürtig sein. In der Brahma-samhita (5.33) wird der Herr als unfehlbar (acyuta) beschrieben, was bedeutet, dass Er Sich Selbst niemals vergisst, auch dann nicht, wenn Er mit der Materie in Berührung kommt. Deshalb können der Herr und das Lebewesen niemals in jeder Hinsicht gleich sein, selbst wenn das Lebewesen so befreit ist wie Arjuna. Obwohl Arjuna ein Geweihter des Herrn ist, vergisst er manchmal das Wesen des Herrn; aber durch die göttliche Gnade Krsnas kann ein Gottgeweihter sogleich das unfehlbare Wesen des Höchsten verstehen, wohingegen ein Nichtgottgeweihter oder Dämon dieses transzendentale Wesen nicht verstehen kann. Folglich können diese Beschreibungen in der Gita von dämonischen Gehirnen nicht verstanden werden. Krsna erinnerte Sich an Handlungen, die von Ihm vor Millionen von Jahren ausgef ührt wurden, doch Arjuna konnte es nicht, obgleich sowohl Krsna als auch Arjuna dem Wesen nach ewig sind. Hieraus können wir ebenfalls ersehen, dass ein Lebewesen alles vergisst, weil es seinen Körper wechselt, der Herr Sich jedoch an alles erinnert, weil sich Sein sac-cid-ananada-Körper niemals wandelt. Er ist advaita, was bedeutet, dass kein Unterschied zwischen Seinem Körper und Ihm Selbst besteht. Alles mit Ihm Verbundene ist spirituell, während die bedingte Seele von ihrem materiellen Körper verschieden ist. Und weil der Körper und das Selbst des Herrn identisch sind, unterscheidet sich Seine Stellung immer von der des gewöhnlichen Lebewesens, auch wenn Er auf die materielle Ebene herabsteigt. Die Dämonen können sich auf dieses transzendentale Wesen des Herrn nicht einstellen, wie der Herr im folgenden Vers erklärt. VERS 6 Obgleich Ich ungeboren bin und Mein transzendentaler Körper niemals vergeht und obwohl Ich der Herr aller fühlenden Wesen bin, erscheine Ich in jedem Zeitalter in Meiner ursprünglichen transzendentalen Gestalt. ERLÄUTERUNG Der Herr hat über die Besonderheit Seiner Geburt gesprochen: Obwohl Er wie ein gewöhnlicher Mensch erscheinen mag, erinnert Er Sich an alles, was während Seiner vielen, vielen vergangenen "Geburten" geschah, wohingegen sich ein gewöhnlicher Mensch nicht einmal an das erinnern kann, was er vor ein paar Stunden getan hat. Wenn jemand gefragt wird, womit er vor einem Tag zu genau der gleichen Zeit beschäftigt war, würde es einem gewöhnlichen Menschen sehr schwerfallen, sofort eine Antwort zu geben. Er müsste sicherlich sein Gedächtnis durchforschen, um sich zu erinnern, was er vor einem Tag zu genau der gleichen Zeit getan hat. Und dennoch wagen viele Menschen zu behaupten, sie seien Gott bzw. Krsna. Man sollte sich von solch bedeutungslosen Behauptungen nicht irreführen lassen. Als nächstes erklärt der Herr Seine prakrti oder Gestalt. Prakrti bedeutet sowohl Natur als auch svarupa oder Gestalt. Der Herr sagt, dass Er in Seinem Ihm eigenen Körper erscheint. Er wechselt Seinen Körper nicht wie das gewöhnliche Lebewesen, das von einem Körper zum anderen wandert. Die bedingte Seele mag im jetzigen Leben eine bestimmte Form des Körpers haben, doch hat sie im nächsten Leben einen anderen Körper. In der materiellen Welt besitzt das Lebewesen keinen festen Körper, sondern wandert von einem Körper zum anderen. Der Herr jedoch tut dies nicht. Wann immer Er erscheint, erscheint Er durch Seine innere Kraft in dem gleichen ursprünglichen Körper. Mit anderen Worten: Krsna erscheint in dieser materiellen Welt in Seiner ursprünglichen, ewigen Gestalt, mit zwei Händen, eine Flöte haltend. Er erscheint genau so, wie Er ist, in Seinem ewigen Körper, unberührt von der materiellen Welt. Obwohl Er in dem gleichen transzendentalen Körper erscheint und der Herr des Universums ist, scheint es dennoch, als werde Er wie ein gewöhnliches Lebewesen geboren. Trotz der Tatsache, dass Sri Krsna vom Kind zum Knaben und vom Knaben zum Jüngling heranwächst, wird Er doch erstaunlicherweise niemals älter als ein Jüngling. Als die Schlacht von Kuruksetra stattfand, hatte Er daheim viele Enkel, das heißt, nach materieller Berechnung hatte Er bereits ein hohes Alter erreicht. Dennoch sah Er aus wie ein Jüngling von zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren. Wir sehen niemals ein Bild, das Krsna als alten Mann zeigt, da Er niemals alt wird wie wir, obwohl Er - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - der Älteste in der ganzen Schöpfung ist. Weder Sein Körper noch Seine Intelligenz vergehen oder wandeln sich jemals. Daher ist es klar, dass Er, obwohl in der materiellen Welt, immer dieselbe ungeborene, ewige Gestalt der Glückseligkeit und des Wissens ist, unwandelbar in Seinem transzendentalen Körper und Seiner transzendentalen Intelligenz. Er ähnelte in Seinem Erscheinen und Fortgehen der Sonne, die aufgeht, vor uns am Himmel wandert und dann wieder unserer Sicht entschwindet. Wenn die Sonne außer Sicht ist, denken wir, dass die Sonne untergegangen sei, und wenn die Sonne unseren Augen sichtbar wird, denken wir, die Sonne erscheine am Horizont. In Wirklichkeit jedoch befindet sich die Sonne immer in ihrer festen Position, aber weil unsere Sinne fehlerhaft und unzureichend sind, glauben wir, die Sonne am Himmel erscheine und verschwinde. Weil sich nun das Erscheinen und Fortgehen Krsnas von dem eines gewöhnlichen Lebewesens grundsätzlich unterscheidet, ist es offensichtlich, dass Er durch Seine innere Kraft ewiges, glückseliges Wissen ist - Er wird daher niemals von der materiellen Natur verunreinigt. Auch die Veden bestätigen, dass der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ungeboren ist, aber dennoch erscheint es, als werde Er in vielfältigen Manifestationen geboren. Auch die Schriften, welche die Veden ergänzen, bestätigen, dass der Herr niemals Seinen Körper wechselt, obwohl Er anscheinend geboren wird. Im Srimad-Bhagavatam wird beschrieben, wie Er vor Seiner Mutter als Narayana erscheint, mit vier Händen und den Schmuckstücken der sechs Arten umfassender Reichtümer. Nach dem Visvakosa-Wörterbuch ist Sein Erscheinen in Seiner ursprünglichen ewigen Gestalt Seine grundlose Barmherzigkeit. Der Herr ist Sich all Seines vorangegangenen Erscheinens und Fortgehens Bewusst, während ein gewöhnliches Lebewesen alles vergisst, was mit seinem vergangenen Körper zu tun hat, sobald es einen neuen Körper bekommt. Er ist der Herr aller Lebewesen, weil Er wunderbare und übermenschliche Taten vollbringt, während Er auf dieser Erde weilt. Daher ist der Herr immer die gleiche Absolute Wahrheit, und es besteht kein Unterschied zwischen Seiner Gestalt und Ihm Selbst oder zwischen Seinen Eigenschaften und Seinem Körper. Es mag sich nun die Frage stellen, weshalb der Herr in dieser Welt erscheint und wieder fortgeht. Dies wird im nächsten Vers erklärt. VERS 7 Wann immer und wo immer das religiöse Leben verfällt und Irreligiosität überhandnimmt, o Nachkomme Bharatas, zu der Zeit erscheine Ich. ERLÄUTERUNG Das Wort Srjami ist hier von Bedeutung. Srjami kann nicht im Sinne von "Schöpfung" verstanden werden, denn dem vorherigen Vers zufolge wird die Form oder der Körper des Herrn niemals erschaffen, da all Seine Formen ewig bestehen. Deshalb bedeutet Srjami, dass Sich der Herr so manifestiert, wie Er ist. Obwohl der Herr nach Plan erscheint, nämlich am Ende des Dvapara-yuga des achtundzwanzigsten Zeitalters des achten Manu, das heißt einmal an einem Tag Brahmas, ist Er nicht verpflichtet, solche Regeln und Regulierungen einzuhalten, denn es steht Ihm völlig frei, nach Seinem Willen in vieler Weise zu handeln. Er erscheint daher nach Seinem Willen immer dann, wenn Irreligiosität zunimmt und wahre Religion verschwindet. Die Prinzipien der Religion sind in den Veden festgelegt, und jede Abweichung von der richtigen Ausführung der vedischen Regeln macht einen Menschen irreligiös. Im Bhagavatam wird erklärt, dass solche Prinzipien die Gesetze des Herrn sind. Allein der Herr kann ein System der Religion schaffen. Es wird ebenfalls anerkannt, dass der Herr die Veden ursprünglich Brahma durch dessen Herz offenbarte. Deshalb sind die Prinzipien des dharma oder der Religion die direkten Anweisungen der Höchsten Persönlichkeit Gottes (dharmam tu saksat-bhagavat-pranitam; SB. 6.3.19). Auf diese Prinzipien wird überall in der Bhagavad-Gita klar hingewiesen. Es ist der Zweck der Veden, solche Prinzipien nach Anweisung des Herrn festzulegen, und der Herr erklärt am Schluß der Gita, dass das höchste Prinzip der Religion darin besteht, sich Ihm allein zu ergeben. Die vedischen Prinzipien führen einen zur Ergebung gegenüber dem Herrn, und wann immer diese Prinzipien von dämonischen Menschen gestört werden, erscheint der Herr. Aus dem Bhagavatam erfahren wir, dass Buddha eine Inkarnation Krsnas ist, die erschien, als der Materialismus überhandnahm und die Materialisten die Autorität der Veden zum Vorwand nahmen, unschuldige Tiere zu schlachten. Obwohl es in den Veden gewisse einschränkende Regeln und Vorschriften gibt, die sich auf Tieropfer beziehen, die nur für bestimmte Zwecke durchgeführt werden, brachten Menschen mit dämonischen Neigungen diese Tieropfer dar, ohne sich nach den vedischen Prinzipien zu richten. Buddha erschien daher, um diesem unsinnigen Tun ein Ende zu bereiten und die vedischen Grundsätze der Gewaltlosigkeit einzuführen. Jeder einzelne avatara (Inkarnation des Herrn) hat also eine bestimmte Mission, und sie werden alle in den offenbarten Schriften beschrieben. Niemand sollte als avatara anerkannt werden, wenn er nicht in den Schriften erwähnt wird. Es ist nicht so, dass der Herr nur in Indien erscheint. Er kann überall und zu jeder Zeit erscheinen. In jeder Inkarnation offenbart Er so viel über Religion, wie es von bestimmten Menschen unter ihren bestimmten Umständen verstanden werden kann. Aber die Mission ist immer dieselbe, nämlich die Menschen zum GottesBewusstsein und zum Gehorsam gegenüber den Prinzipien der Religion zu führen. Manchmal steigt der Herr persönlich herab, und manchmal schickt Er Seinen echten Stellvertreter in der Form Seines Sohnes oder Dieners, und manchmal erscheint Er Selbst in einer verkleideten Form. Die Prinzipien der Bhagavad-Gita wurden Arjuna und damit auch anderen hochstehenden Menschen verkündet, weil Arjuna, im Vergleich zu gewöhnlichen Menschen in anderen Teilen der Welt, weit fortgeschritten war. Dass zwei und zwei gleich vier ist, ist ein mathematisches Prinzip, das sowohl beim einfachen Rechnen als auch in der höheren Arithmetik gilt; dennoch gibt es höhere und niedere Mathematik. Alle Inkarnationen des Herrn lehren daher die gleichen Prinzipien, doch den verschiedenen Umständen entsprechend erscheinen ihre Lehren auf einer höheren oder niederen Ebene. Wie später noch erklärt werden wird, beginnen die höheren Prinzipien der Religion, wenn man die vier Unterteilungen und Stufen des sozialen Lebens akzeptiert. Die einzige Aufgabe einer Inkarnation besteht darin, überall Krsna-Bewusstsein zu erwecken. Dass dieses Bewusstsein einmal sichtbar und ein anderes Mal nicht sichtbar ist, liegt allein an den jeweiligen Umständen. VERS 8 Um die Frommen zu erretten und die Schurken zu vernichten und um die Prinzipien der Religion wieder einzuführen, erscheine Ich Zeitalter nach Zeitalter. ERLÄUTERUNG Nach den Lehren der Bhagavad-Gita ist ein sadhu oder Heiliger ein Mensch im Krsna-Bewusstsein. Ein Mensch mag irreligiös erscheinen, doch wenn er voll und ganz die Qualifikationen eines Krsna-Bewussten Menschen hat, muss er als sadhu angesehen werden. Duskçtam bezieht sich auf jemand, der für Krsna-Bewusstsein nichts übrig hat. Selbst wenn solche Halunken (duskrtam) mit weltlicher Bildung dekoriert sein mögen, werden sie als Dummköpfe und die Niedrigsten der Menschheit bezeichnet, wohingegen jemand anders, der hundertprozentig im Krsna-Bewusstsein tätig ist, als sadhu angesehen wird, auch wenn ein solcher Mensch weder gelehrt noch sehr gebildet sein mag. Was die Atheisten betrifft, so ist es für den Höchsten Herrn nicht notwendig, persönlich zu erscheinen, um sie zu vernichten, wie Er es bei den Dämonen Ravana und Kamsa tat. Der Herr hat viele Helfer, die durchaus imstande sind, Dämonen zu töten. Er steigt jedoch besonders herab, um Seinen reinen Geweihten, die immer von den dämonischen Menschen verfolgt werden, Erleichterung zu verschaffen. Der Dämon verfolgt den Gottgeweihten, selbst wenn der letztere ein naher Verwandter ist. Obwohl Prahlada Maharaja der Sohn Hiranyakasipus war, wurde er von seinem Vater verfolgt, und obwohl Devaki, Krsnas Mutter, die Schwester Kaàsas war, wurden sie und ihr Ehemann Vasudeva verfolgt, nur weil Krsna von ihnen geboren werden sollte. Sri Krsna erschien also hauptsächlich, um Devaki zu retten, und weniger, um Kaàsa zu töten, doch tat Er beides gleichzeitig. Deshalb heißt es hier, dass der Herr in verschiedenen Inkarnationen erscheint, um die Gottgeweihten zu erretten und die dämonischen Halunken zu vernichten. Im Caitanya-caritamçta von Krsnadasa Kaviraja fassen die folgenden Verse diese Grundsätze hinsichtlich der Inkarnationen zusammen: "Eine Form des Herrn, die in die materielle Welt hinabsteigt, um zu erschaffen, wird als avatara oder Inkarnation bezeichnet. Alle Erweiterungen Sri Krsnas sind eigentlich Bewohner der spirituellen Welt. Wenn sie jedoch in die materielle Welt hinabsteigen, nennt man sie Inkarnationen [avataras]." (Cc. Madhya 20.263-264) Es gibt verschiedene Arten von avataras, wie zum Beispiel purusa-avataras, guäa-avataras, lÖla-avataras, èaktyaveèa-avataras, manvantara-avataras und yuga-avataras, die alle in einer bestimmten Reihenfolge überall im Universum erscheinen. Krsna aber ist der urerste Herr, der Ursprung aller avataras. Sri Krsna erscheint mit der besonderen Absicht, die begierige Erwartung der reinen Gottgeweihten zu erfüllen, die sich sehr danach sehnen, Ihn bei Seinen ursprünglichen Spielen in Vçndavana zu sehen. Daher ist es der Hauptzweck des Krsna-avatara, Seine reinen Geweihten zu erfreuen. Der Herr sagt, dass Er Sich in jedem Zeitalter inkarniert. Dies deutet darauf hin, dass Er Sich auch im Zeitalter des Kali inkarniert. Wie es im Srimad-Bhagavatam heißt, ist die Inkarnation im Zeitalter des Kali Sri Caitanya Mahaprabhu, der die Verehrung Krsnas durch die sankirtana-Bewegung predigte und Krsna-Bewusstsein in ganz Indien verbreitete. Er sagte voraus, dass sich die Kultur des sankirtana überall auf der Welt, von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf, verbreiten werde. In den vertraulichen Teilen der offenbarten Schriften, wie den Upanisaden, dem Mahabharata und dem Bhagavatam, ist Sri Caitanya geheim, nicht direkt als die Inkarnation Krsnas, der Persönlichkeit Gottes, beschrieben. Die Geweihten Sri Krsnas fühlen sich zur sankirtana-Bewegung Sri Caitanyas sehr hingezogen. Dieser avatara des Herrn tötete die Halunken nicht, sondern erlöst sie durch die grundlose Barmherzigkeit des Herrn. VERS 9 Wer die transzendentale Natur Meines Erscheinens und Meiner Taten kennt, wird nach Verlassen des Körpers nicht wieder in dieser materiellen Welt geboren, sondern gelangt in Mein ewiges Reich, o Arjuna. ERLÄUTERUNG Das Herabkommen des Herrn aus Seinem transzendentalen Reich wurde schon im sechsten Vers erklärt. Wer die Wahrheit des Erscheinens der Persönlichkeit Gottes verstehen kann, ist damit bereits aus der materiellen Knechtschaft befreit und kehrt daher sogleich nach Verlassen dieses gegenwärtigen materiellen Körpers in das Königreich Gottes zurück. Eine solche Befreiung des Lebewesens aus der materiellen Gefangenschaft ist keineswegs einfach. Die Unpersönlichkeitsphilosophen und die yogis erreichen Befreiung nur nach vielen Schwierigkeiten und vielen, vielen Geburten. Aber selbst dann ist die Befreiung, die sie erreichen - sie verschmelzen mit dem unpersönlichen brahmajyoti des Herrn - nur teilhaft, und es besteht die Gefahr, dass sie wieder in die materielle Welt zurückkehren. Der Gottgeweihte jedoch gelangt nach Verlassen des materiellen Körpers in das Reich des Herrn, indem er einfach die transzendentale Natur des Körpers und der Taten des Herrn versteht, und so läuft er nicht Gefahr, wieder in die materielle Welt zurückzukehren. In der Brahma-samhita (5.33) wird gesagt, dass der Herr zahllose Formen und Inkarnationen hat: advaitam acyutam anadim ananta-rôpam. Obwohl es viele transzendentale Formen des Herrn gibt, sind sie alle ein und dieselbe Höchste Persönlichkeit Gottes. Man muss diese Tatsache mit Überzeugung verstehen, obwohl sie weltlichen Gelehrten und empirischen Philosophen unbegreiflich ist. In den Veden heißt es: "Der eine Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, tauscht ewig in vielen, vielen transzendentalen Formen mit Seinen reinen Geweihten Beziehungen aus." Diese vedische Aussage wird in dem vorliegenden Vers der Gita vom Herrn persönlich bestätigt. Wer diese Wahrheit aufgrund der Autorität der Veden und der Höchsten Persönlichkeit Gottes akzeptiert und seine Zeit nicht mit philosophischen Spekulationen verschwendet, erreicht die am höchsten vervollkommneste Stufe der Befreiung. Indem man diese Wahrheit einfach vertrauensvoll akzeptiert, kann man ohne Zweifel Befreiung erlangen. In diesem Falle läßt sich das "tat tvam asi" der Veden wirklich anwenden. Jeder, der versteht, dass Sri Krsna der Höchste ist, oder zum Herrn sagt "Du bist das Höchste Brahman, die Persönlichkeit Gottes", ist gewiss augenblicklich befreit, und folglich ist sein Eintritt in die transzendentale Gemeinschaft des Herrn garantiert. Mit anderen Worten: Solch ein gläubiger Geweihter des Herrn erreicht die Vollkommenheit, und das wird durch die folgende vedische Erklärung bestätigt: Man kann die vollkommene Stufe der Befreiung von Geburt und Tod erreichen, indem man einfach den Herrn, die Höchste Persönlichkeit Gottes, kennt. Es gibt keine andere Möglichkeit, denn jeder, der Sri Krsna nicht als die Höchste Persönlichkeit Gottes versteht, befindet sich mit Sicherheit in der Erscheinungsweise der Unwissenheit. Folglich wird er keine Erlösung erlangen, wenn er nur sozusagen von außen am Honigtopf leckt, das heißt die Bhagavad-Gita im Licht weltlicher Gelehrsamkeit interpretiert. Solche empirischen Philosophen mögen in der materiellen Welt sehr wichtige Rollen spielen, doch macht sie das noch lange nicht geeignet, befreit zu werden. Solch blasierte weltliche Gelehrte müssen auf die grundlose Barmherzigkeit des Gottgeweihten warten. Man sollte daher Krsna-Bewusstsein mit Glauben und Wissen kultivieren und auf diese Weise die Vollkommenheit erreichen. VERS 10 Befreit von Anhaftung, Angst und Zorn, völlig in Gedanken an Mich versunken und bei Mir Zuflucht suchend, wurden viele, viele Menschen in der Vergangenheit durch Wissen über Mich geläutert - und so erlangten sie alle transzendentale Liebe zu Mir. ERLÄUTERUNG Wie oben beschrieben, ist es für einen Menschen, der zu sehr an materiellen Dingen hängt, sehr schwierig, das persönliche Wesen der Höchsten Absoluten Wahrheit zu verstehen. Im allgemeinen sind Menschen, die an der körperlichen Auffassung vom Leben haften, so sehr in Materialismus versunken, dass es für sie fast unmöglich ist zu verstehen, dass es einen transzendentalen Körper gibt, der unvergänglich, voller Wissen und ewig glückselig ist. Der materialistischen Auffassung zufolge ist der Körper vergänglich, voller Unwissenheit und voller Leid. Deshalb behalten die Menschen im allgemeinen diese gleiche Vorstellung vom Körper bei, wenn sie über die persönliche Gestalt des Herrn hören. Für solch materialistische Menschen ist die Form der gigantischen materiellen Manifestation das Höchste. Folglich halten sie das Höchste für unpersönlich. Und weil sie zu sehr in Gedanken an materielle Dinge versunken sind, erschreckt sie die Vorstellung, auch nach der Befreiung von der Materie ihre Persönlichkeit zu behalten. Wenn sie darüber informiert werden, dass spirituelles Leben ebenfalls individuell und persönlich ist, bekommen sie Angst, erneut Personen zu werden, und so ziehen sie es vor, mit der unpersönlichen Leere zu verschmelzen. Im allgemeinen vergleichen sie die Lebewesen mit den Schaumbläschen im Ozean, die sich im Ozean außösen. Dies ist die höchste Vollkommenheit spiritueller Existenz, die ohne individuelle Persönlichkeit erreicht werden kann. Es ist ein angstvoller Lebenszustand, in dem es an vollkommenem Wissen über spirituelle Existenz mangelt. Darüber hinaus gibt es viele Menschen, die spirituelles Dasein überhaupt nicht verstehen können. Verwirrt durch so viele Theorien und durch Widersprüche verschiedener Arten philosophischer Spekulation, fühlen sie sich abgestoßen oder werden ärgerlich und kommen törichterweise zur Schlussfolgerung, es gebe keine höchste Ursache und letztlich sei alles leer. Solche Menschen befinden sich in einem krankhaften Zustand des Lebens. Manche Menschen haften zu stark an materiellen Dingen und schenken daher dem spirituellen Leben keine Aufmerksamkeit; andere wollen mit der höchsten spirituellen Ursache verschmelzen, und wieder andere zweifeln an allem, weil sie aus Hoffnungslosigkeit über jede spirituelle Spekulation ärgerlich sind. Letztere nehmen bei einer bestimmten Art von Rauschmittel Zuflucht, und ihre Gefühlshalluzinationen werden manchmal für spirituelle Visionen gehalten. Man muss sich von diesen drei Stufen der Anhaftung an die materielle Welt lösen: von Gleichgültigkeit gegenüber spirituellem Leben, von Angst vor einer spirituellen persönlichen Identität und von der Vorstellung der "Leere", die zu Frustration im Leben führt. Um von diesen drei Stufen der materiellen Lebensauffassung frei zu werden, muss man unter der Leitung eines echten spirituellen Meisters beim Herrn vollständige Zuflucht suchen und den Vorschriften und regulierenden Prinzipien des hingebungsvollen Dienstes folgen. Die letzte Stufe des hingebungsvollen Lebens wird prema (transzendentale Liebe zu Gott) genannt. Im Bhakti-rasamçta-sindhu (1.4.15) wird die Wissenschaft vom hingebungsvollen Dienst wie folgt erklärt: "Am Anfang muss ein vorbereitender Wunsch nach Selbstverwirklichung vorhanden sein. Dies wird einen auf die Stufe führen, den Versuch zu unternehmen, mit spirituell fortgeschrittenen Menschen zusammenzusein. Auf der nächsten Stufe wird man von einem echten spirituellen Meister eingeweiht, und unter seiner Leitung beginnt der neue Gottgeweihte mit dem Vorgang des hingebungsvollen Dienstes. Durch die Ausübung hingebungsvollen Dienstes unter der Führung des spirituellen Meisters wird man von aller materiellen Anhaftung frei, erreicht Beständigkeit in der Selbstverwirklichung und findet Geschmack daran, über Sri Krsna, die Absolute Persönlichkeit Gottes, zu hören. Dieser Geschmack führt einen weiter vorwärts zur Anhaftung ans Krsna-Bewusstsein, was im gereiften Zustand zu bhava oder der Vorstufe transzendentaler Liebe zu Gott wird. Wirkliche Liebe zu Gott nennt man prema oder die am höchsten vervollkommnete Stufe des Lebens." Auf der prema-Stufe ist man ständig im transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn tätig. Durch den allmählichen Vorgang des hingebungsvollen Dienstes kann man unter der Führung eines echten spirituellen Meisters die höchste Stufe erreichen, frei von allen materiellen Anhaftungen, von der Angst vor einer individuellen spirituellen Persönlichkeit und frei von den Frustrationen, die aus der Philosophie von der Leere entstehen. Dann kann man letztlich in das Reich des Höchsten Herrn gelangen. VERS 11 Alle belohne Ich in dem Maße, wie sie sich Mir ergeben. Jeder folgt Meinem Pfad in jeder Hinsicht, o Sohn Prthas. ERLÄUTERUNG Jeder sucht Krsna in den verschiedenen Aspekten Seiner Manifestationen. Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, wird teilweise in Seiner unpersönlichen brahmajyoti-Ausstrahlung erkannt und teilweise als die alldurchdringende Überseele, die in allem, einschließlich der Atome, gegenwärtig ist. Vollständig kann Krsna jedoch nur von Seinen reinen Geweihten erkannt werden. Folglich ist Krsna das Objekt der Erkenntnis eines jeden, und daher ist jeder - je nach seinem Wunsch, Ihn zu haben - zufrieden. Auch in der transzendentalen Welt tauscht Krsna mit Seinen reinen Geweihten Beziehungen aus in der transzendentalen Haltung, in der der Gottgeweihte sich Ihn wünscht. Ein Gottgeweihter mag sich Krsna als höchsten Meister wünschen, ein anderer als seinen persönlichen Freund, wieder ein anderer als seinen Sohn und noch ein anderer als seinen Geliebten. Krsna belohnt alle Gottgeweihten in gleichem Maße, das heißt entsprechend ihrer verschiedenen Intensitäten der Liebe zu Ihm. In der materiellen Welt gibt es die gleichen Erwiderungen von Gefühlen, und sie werden vom Herrn mit den verschiedenen Arten von Verehrern in gleichem Maße ausgetauscht. Die reinen Gottgeweihten sind sowohl hier als auch im transzendentalen Reich mit Ihm persönlich zusammen und sind fähig, dem Herrn persönlich zu dienen; auf diese Weise erfahren sie transzendentale Glückseligkeit in Seinem liebevollen Dienst. Was die Unpersönlichkeitsphilosophen betrifft, die spirituellen Selbstmord begehen wollen, indem sie die individuelle Existenz des Lebewesens vernichten, so hilft Krsna auch ihnen, indem Er sie in Seinen Strahlenglanz aufnimmt. Diese Unpersönlichkeitsanhänger sind nicht bereit, die ewige glückselige Persönlichkeit Gottes anzuerkennen; folglich können sie die Glückseligkeit des transzendentalen persönlichen Dienstes für den Herrn nicht kosten, da sie ihre Individualität ausgelöscht haben. Einige von ihnen, die nicht einmal in der unpersönlichen Existenz verankert sind, kehren wieder zu diesem materiellen Feld zurück, um ihre schlummernden Wünsche nach Betätigung zu erfüllen. Ihnen wird kein Zutritt zu den spirituellen Planeten gewährt, sondern ihnen wird erneut eine Möglichkeit gegeben, auf den materiellen Planeten zu handeln. Den fruchtbringenden Arbeitern gewährt der Herr die gewünschten Ergebnisse ihrer vorgeschriebenen Pflichten in Seiner Eigenschaft als yajnesvara, und auch den yogis, die nach mystischen Kräften trachten, werden solche Kräfte gewährt. Mit anderen Worten: Um erfolgreich zu sein, ist jeder allein von Seiner Barmherzigkeit abhängig, und alle Arten von spirituellen Vorgängen sind nichts anderes als verschiedene Stufen des Erfolges auf dem gleichen Weg. Solange man daher nicht zur höchsten Vollkommenheit des Krsna-Bewusstseins gelangt, bleiben, wie im Srimad-Bhagavatam (2.3.10) gesagt wird, alle Versuche unvollkommen. "Ob man keinerlei Wünsche hat [der Zustand der Gottgeweihten] oder ob man nach fruchtbringenden Ergebnissen trachtet oder nach Befreiung strebt - man sollte mit seiner ganzen Kraft versuchen, die Höchste Persönlichkeit Gottes zu verehren, um die höchste Vollkommenheit zu erreichen, die im Krsna-Bewusstsein gipfelt." VERS 12 Menschen dieser Welt wünschen sich Erfolg in fruchtbringenden Tätigkeiten, und daher verehren sie die Halbgötter. Schon nach kurzer Zeit bekommen solche Menschen natürlich die Ergebnisse ihrer fruchtbringenden Arbeit in dieser Welt. ERLÄUTERUNG Es herrscht ein großes Mißverständnis bezüglich der Halbgötter oder Götter dieser materiellen Welt, und Menschen mit weniger Intelligenz, obwohl als große Gelehrte angesehen, halten diese Halbgötter für verschiedene Formen des Höchsten Herrn. In Wirklichkeit sind die Halbgötter nicht verschiedene Formen Gottes, sondern Gottes verschiedene Bestandteile. Gott ist Einer, und die Teile sind viele. Die Veden sagen: nityo nityanam. Gott ist Einer. Und: Der Höchste Herrscher ist Krsna. Der Höchste Gott ist Einer - Krsna -, und die Halbgötter sind mit verschiedenen Kräften versehen, um die materielle Welt zu verwalten. Diese Halbgötter sind alles Lebewesen (nityanam) mit unterschiedlichen Graden von Macht. Sie können dem Höchsten Gott - Narayana, Visnu oder Krsna - nicht gleichgestellt werden. Jeder, der glaubt, Gott und die Halbgötter befänden sich auf der gleichen Ebene, ist ein Atheist oder pasandi. Selbst so mächtige Halbgötter wie Brahma und Siva können nicht mit dem Höchsten Herrn verglichen werden. Vielmehr wird der Herr von Halbgöttern wie Brahma und Siva verehrt. Aber seltsamerweise gibt es dennoch verblendete Menschen, die ihre Führer aus anthropomorphischen oder zoomorphischen Mißverständnissen verehren. Iha devataÉ bezieht sich auf einen mächtigen Menschen oder Halbgott der materiellen Welt. Aber Narayana, Visnu, oder Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, gehört nicht zu dieser Welt. Der Herr steht über oder vielmehr in transzendentaler Stellung zu der materiellen Schöpfung. Sogar Sripada Sankaracarya, der Führer der Unpersönlichkeitsphilosophen, ist der Meinung, dass Sich Narayana oder Krsna jenseits der materiellen Schöpfung befindet. Dennoch verehren törichte Menschen (hrt-anjana) die Halbgötter, weil sie sofortige Ergebnisse möchten. Sie bekommen die Ergebnisse auch, wissen aber nicht, dass die so erhaltenen Ergebnisse zeitweilig und für weniger intelligente Menschen gedacht sind. Der intelligente Mensch befindet sich im Krsna-Bewusstsein, und er hat es nicht nötig, für einen sofortigen und zeitweiligen Nutzen die armseligen Halbgötter zu verehren. Die Halbgötter der materiellen Welt samt ihren Verehrern werden mit der Vernichtung der materiellen Welt vergehen. Die Segnungen der Halbgötter sind materiell und zeitweilig. Sowohl die materiellen Welten als auch ihre Bewohner - einschließlich der Halbgötter und ihrer Verehrer - sind wie Blasen im kosmischen Ozean. In dieser Welt jedoch trachtet die menschliche Gesellschaft wie von Sinnen nach zeitweiligem Besitz wie materiellem Reichtum, Land, Familie und anderen Annehmlichkeiten. Um solche vergänglichen Dinge zu bekommen, verehren sie Halbgötter oder mächtige Männer in der menschlichen Gesellschaft. Wenn ein Mann einen Ministersessel bekommt, da er einen politischen Führer verehrt hat, glaubt er, etwas Großes erreicht zu haben. Daher kriechen sie alle vor den sogenannten Führern oder "hohen Tieren", um zeitweilige Vorteile zu erlangen, und sie bekommen tatsächlich solche Dinge. Solch törichte Menschen haben kein Interesse am Krsna-Bewusstsein, das eine bleibende Lösung für die Beschwerlichkeiten des materiellen Daseins anbietet. Sie trachten alle nach Sinnengenuß, und um Möglichkeiten zum Sinnengenuß zu bekommen, zieht es sie zur Verehrung ermächtigter Lebewesen, die als Halbgötter bekannt sind. Dieser Vers deutet darauf hin, dass Menschen nur selten am Krsna-Bewusstsein Interesse finden. Sie sind meistens an materiellem Genuß interessiert und verehren daher irgendein mächtiges Lebewesen. VERS 13 In Entsprechung zu den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur und der Arbeit, die ihnen zugeordnet ist, wurden die vier Einteilungen der menschlichen Gesellschaft von Mir geschaffen. Und obwohl Ich der Schöpfer dieses Systems bin, solltest du wissen, dass Ich dennoch der Nichthandelnde bin, denn Ich bin unwandelbar. ERLÄUTERUNG Der Herr ist der Schöpfer alles Existierenden. Alles ist von Ihm geboren; alles wird von Ihm erhalten, und alles ruht nach der Vernichtung in Ihm. Folglich ist Er auch der Schöpfer der vier Einteilungen der Gesellschaftsordnung, angefangen mit der intelligenten Klasse von Menschen, die man als brahmanas bezeichnet, da sie sich in der Erscheinungsweise der Tugend befinden. Als nächstes kommt die verwaltende Klasse, die man als ksatriyas bezeichnet, da sie sich in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befinden. Die gewerbetreibenden Menschen, vaisyas genannt, befinden sich in den gemischten Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit, und die sudras, die Arbeiterklasse, befinden sich in der unwissenden Erscheinungsweise der materiellen Natur. Obwohl Sri Krsna die vier Einteilungen der menschlichen Gesellschaft geschaffen hat, gehört Er zu keiner dieser Einteilungen, denn Er ist nicht eine der bedingten Seelen, von denen ein Teil die menschliche Gesellschaft bildet. Die menschliche Gesellschaft gleicht jeder anderen Tiergesellschaft, doch um die Menschen von der tierischen Stufe zu erheben, sind die oben erwähnten Einteilungen zur systematischen Entwicklung von Krsna-Bewusstsein vom Herrn geschaffen worden. Die Neigung eines bestimmten Menschen zu einer bestimmten Arbeit ist durch die Erscheinungsweisen der materiellen Natur festgelegt, die er erworben hat. Solche Lebenssymptome, in Entsprechung zu verschiedenen Erscheinungsweisen der materieüen Natur, werden im Achtzehnten Kapitel dieses Buches beschrieben. Ein Mensch im Krsna-Bewusstsein jedoch steht sogar noch über den brahmanas, da von einem brahmana der Eigenschaft nach erwartet wird, Wissen über das Brahman, die Höchste Absolute Wahrheit, zu besitzen. Die meisten von ihnen wenden sich der unpersönlichen Brahman-Manifestation Sri Krsnas zu; doch nur ein Mensch, der das begrenzte Wesen eines brahmanas transzendiert und Wissen über die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, erlangt, wird im Krsna-Bewusstsein verankert oder, mit anderen Worten, ein Vaisäava. Krsna-Bewusstsein umfaßt Wissen von allen vollständigen Erweiterungen Krsnas wie Rama, Nrsimha und Varaha. Jedoch so, wie Krsna zu diesem System der vier Einteilungen der menschlichen Gesellschaft in transzendentaler Stellung steht, so steht auch ein Mensch im Krsna-Bewusstsein zu allen Einteilungen der menschlichen Gesellschaft, ob auf Gemeinschaft, Nation oder Lebensform bezogen, in transzendentaler Stellung. VERS 14 Es gibt keine Arbeit, die Mich beeinflusst; auch strebe Ich nicht nach den Früchten des Handelns. Wer diese Wahrheit über Mich versteht, wird ebenfalls nicht in die fruchttragenden Reaktionen des Tuns verstrickt. ERLÄUTERUNG Wie es in der materiellen Welt konstitutionelle Gesetze gibt, die besagen, dass der König unfehlbar ist oder dass der König nicht den Gesetzen des Staates untersteht, so wird auch der Herr, obwohl Er der Schöpfer der materiellen Welt ist, von den Tätigkeiten der materiellen Welt nicht beeinflusst. Er erschafft und bleibt unberührt von der Schöpfung, wohingegen die Lebewesen aufgrund ihrer Neigung, über die materiellen Reichtümer zu herrschen, in die fruchttragenden Ergebnisse materieller Tätigkeiten verstrickt werden. Der Besitzer eines Unternehmens ist für die richtigen und falschen Tätigkeiten der Angestellten nicht verantwortlich, sondern die Angestellten sind selbst verantwortlich. Die Lebewesen gehen ihren jeweiligen Tätigkeiten für Sinnenbefriedigung nach, doch sind ihnen diese Tätigkeiten nicht vom Herrn aufgetragen worden. Um Fortschritte auf dem Gebiet der Sinnenbefriedigung zu machen, gehen die Lebewesen der Arbeit dieser Welt nach und erstreben himmlisches Glück nach dem Tod. Weil der Herr in Sich Selbst vollkommen ist, verspürt Er keinerlei Anziehung zu sogenanntem himmlischem Glück. Die himmlischen Halbgötter sind nur Seine beauftragten Diener. Der Besitzer begehrt niemals das niedrige Glück, wie es die Arbeiter erstreben mögen. Der Herr bleibt von den materiellen Aktionen und Reaktionen unberührt. Zum Beispiel ist der Regen für die verschiedenen Arten der Vegetation, die auf der Erde erscheinen, nicht verantwortlich, obwohl es ohne Regen keine Vegetation geben kann. Die vedische smçti bestätigt diese Tatsache wie folgt: "In den materiellen Schöpfungen ist der Herr nur die höchste Ursache. Die unmittelbare Ursache ist die materielle Natur, durch welche die kosmische Manifestation sichtbar wird." Die geschaffenen Wesen sind von großer Vielfalt, wie zum Beispiel die Halbgötter, Menschen und niederen Tiere, und sie alle sind den Reaktionen ihrer vergangenen guten oder schlechten Tätigkeiten unterworfen. Der Herr gibt ihnen nur die geeigneten Möglichkeiten für solche Tätigkeiten und dazu die Regulierungen der Erscheinungsweisen der Natur, doch Er ist niemals für ihre vergangenen und gegenwärtigen Handlungen verantwortlich. In den Vedanta-sutras wird bestätigt, dass der Herr niemals irgendein Lebewesen bevorzugt oder benachteiligt. Das Lebewesen ist für seine Handlungen selbst verantwortlich. Der Herr gibt ihm nur mit Hilfe der materiellen Natur, der äußeren Energie, die Möglichkeiten zum Handeln. Jemand, der mit all den Kompliziertheiten dieses Gesetzes des karma oder der fruchtbringenden Tätigkeiten vertraut ist, wird von den Ergebnissen seines Tuns nicht beeinflusst. Mit anderen Worten: Wer das transzendentale Wesen des Herrn versteht, ist ein im Krsna-Bewusstsein erfahrener Mensch und wird daher niemals den Gesetzen des karma unterworfen. Wer das transzendentale Wesen des Herrn nicht kennt und glaubt, die Werke des Herrn hätten fruchttragende Ergebnisse zum Ziel, wie es bei den Tätigkeiten der gewöhnlichen Lebewesen der Fall ist, verstrickt sich mit Sicherheit in fruchttragende Reaktionen. Jemand aber, der die Höchste Wahrheit kennt, ist eine befreite, fest im Krsna-Bewusstsein verankerte Seele. VERS 15 Alle befreiten Seelen in längst vergangenen Zeiten handelten mit diesem Verständnis und erlangten so Befreiung. Daher solltest du, wie die Alten, deine Pflicht in diesem göttlichen Bewusstsein erfüllen. ERLÄUTERUNG Es gibt zwei Klassen von Menschen. Einige von ihnen haben ihr Herz voll vergifteter materieller Dinge, und manche sind frei von materieller Verunreinigung. Krsna-Bewusstsein ist für beide gleichermaßen segensreich. Diejenigen, die voll schmutziger Dinge sind, können sich dem Krsna-Bewusstsein zuwenden, um einen allmählichen Läuterungsvorgang zu beginnen, in dem sie den regulierenden Prinzipien des hingebungsvollen Dienstes folgen, und diejenigen, die bereits von allen Unreinheiten frei sind, mögen fortfahren, im gleichen Krsna-Bewusstsein zu handeln, so dass andere Menschen ihrem beispielhaften Verhalten folgen und daraus ihren Nutzen ziehen. Törichte Menschen oder Neulinge im Krsna-Bewusstsein wollen sich oft von allen Tätigkeiten zurückziehen, ohne Krsna-Bewusstsein zu kennen. Arjunas Wunsch, sich von Taten auf dem Schlachtfeld zurückzuziehen, wurde vom Herrn nicht gutgeheißen. Man muss nur wissen, wie man zu handeln hat. Sich von den Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins zurückzuziehen, abseits zu sitzen und Krsna-Bewusstsein vorzutäuschen, ist weniger bedeutsam als sich für Krsna tatsächlich im Bereich der Tätigkeiten zu beschäftigen. Arjuna wird hier der Rat gegeben, im Krsna-Bewusstsein zu handeln und den Fußspuren vorangegangener Schüler des Herrn zu folgen, wie zum Beispiel dem Sonnengott Vivasvan, von dem bereits zuvor die Rede war. Der Höchste Herr kennt sowohl Seine eigenen vergangenen Taten als auch die derjenigen, die in der Vergangenheit im Krsna-Bewusstsein handelten. Deshalb empfiehlt Er die Handlungsweise des Sonnengottes, der diese Kunst vom Herrn vor einigen Millionen von Jahren erlernte. Alle Schüler Sri Krsnas, die die Pflichten erfüllten, die ihnen von Krsna gegeben wurden, werden hier als befreite Seelen erwähnt. VERS 16 Selbst die Intelligenten sind verwirrt, wenn sie bestimmen sollen, was Handeln und was Nichthandeln ist. Ich werde dir jetzt erklären, was Handeln ist, und wenn du dies weißt, wirst du von allen Sünden befreit sein. ERLÄUTERUNG Handeln im Krsna-Bewusstsein muss mit den Beispielen vorangegangener echter Gottgeweihter in Einklang stehen. Dies wird in Vers 15 empfohlen. Warum solches Handeln nicht unabhängig sein soll, wird im Folgenden erklärt. Um im Krsna-Bewusstsein zu handeln, muss man sich der Führung autorisierter Personen anvertrauen, die einer Schülernachfolge angehören, wie zu Beginn dieses Kapitels erklärt wurde. Das System des Krsna-Bewusstseins wurde zuerst dem Sonnengott gelehrt; der Sonnengott erklärte es seinem Sohn Manu; Manu gab es an seinen Sohn Iksvaku weiter, und seit dieser fernen Zeit ist dieses System auch auf unserem Planeten bekannt. Deshalb muss man in die Fußstapfen vorangegangener Autoritäten in der Linie einer Schülernachfolge treten. Andernfalls werden selbst die intelligentesten Menschen hinsichtlich der Standard-Handlungen im Krsna-Bewusstsein verwirrt sein. Aus diesem Grund beschloß der Herr, Arjuna unmittelbar im Krsna-Bewusstsein zu unterweisen. Dank der unmittelbaren Unterweisung des Herrn an Arjuna wird jeder, der Arjunas Fußspuren folgt, mit Sicherheit nicht verwirrt werden. Es heißt, dass man nicht einfach durch unvollkommenes, experimentelles Wissen bestimmen kann, was Religion ist. Im Grunde können die Grundsätze der Religion nur vom Herrn Selbst festgelegt werden: dharmam tu saksat-bhagavat-pranitam (SB. 6.3.19). Niemand kann durch unvollkommene Spekulation ein religiöses Prinzip schaffen. Man muss den Fußspuren großer Autoritäten folgen wie Brahma, Siva, Narada, Kumara, Kapila, Prahlada, Bhisma, Sukadeva Gosvami, Yamaraja, Janaka und Bali Maharaja. Durch gedankliche Spekulation kann man nicht herausfinden, was Religion oder Selbstverwirklichung ist. Deshalb erklärt der Herr aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit mit Seinen Geweihten Arjuna direkt, was Handeln und was Nichthandeln ist. Nur Handeln im Krsna-Bewusstsein kann einen Menschen aus der Verstrickung des materiellen Daseins befreien. VERS 17 Die Kompliziertheit des Handelns ist sehr schwer zu verstehen. Deshalb sollte man genau wissen, was Handeln, was verbotenes Handeln und was Nichthandeln ist. ERLÄUTERUNG Wenn es einem mit der Befreiung aus der materiellen Knechtschaft ernst ist, muss man die Unterschiede zwischen Handeln, Nichthandeln und unautorisiertem Handeln verstehen. Man muss Handeln, Reaktion und pervertiertes Handeln eingehend analysieren, denn dies ist ein sehr schwieriges Thema. Um Krsna-Bewusstsein und Handeln gemäß den Erscheinungsweisen der materiellen Natur zu verstehen, muss man seine Beziehung zum Höchsten verstehen lernen; das heißt, jemand, der vollkommen gelernt hat, weiß, dass jedes Lebewesen der ewige Diener des Herrn ist und dass man folglich im Krsna-Bewusstsein handeln muss. Die gesamte Bhagavad-Gita ist auf diese Schlußfolgerung ausgerichtet. Alle anderen Schlußfolgerungen, die sich gegen dieses Bewusstsein und seine Begleiterscheinungen richten, sind vikarma, oder verbotene Handlungen. Um all das zu verstehen, muss man mit Autoritäten im Krsna-Bewusstsein Gemeinschaft pßegen und von ihnen das Geheimnis lernen; das ist so gut, wie vom Herrn direkt zu lernen. Andernfalls wird selbst der intelligenteste Mensch verwirrt sein. VERS 18 Wer Nichthandeln in Handeln und Handeln in Nichthandeln sieht, ist intelligent unter den Menschen, und er steht in der transzendentalen Stellung, obgleich er allen möglichen Tätigkeiten nachgehen mag. ERLÄUTERUNG Jemand, der im Krsna-Bewusstsein handelt, ist natürlicherweise von den Fesseln des karma frei. Seine Tätigkeiten werden alle für Krsna ausgeführt, und daher genießt oder erleidet er nicht die Auswirkungen der Arbeit. Folglich zählt er zu den Intelligenten der menschlichen Gesellschaft, obwohl er alle möglichen Tätigkeiten für Krsna verrichtet. Akarma bedeutet "Arbeit, auf die keine Reaktion folgt“. Der Unpersönlichkeitsphilosoph hört mit fruchtbringenden Tätigkeiten auf, weil er befürchtet, die entstehenden Reaktionen könnten Hindernisse auf dem Pfad der Selbstverwirklichung sein, doch der Anhänger des Persönlichen kennt sehr wohl seine Stellung als der ewige Diener der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Aus diesem Grund geht er den Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins nach. Weil alles für Krsna getan wird, genießt er bei der Ausführung dieses Dienstes nur transzendentales Glück. Von denen, die in dieser Weise beschäftigt sind, weiß man, dass sie keinen Wunsch nach persönlicher Sinnenbefriedigung haben. Das Bewusstsein, der ewige Diener Krsnas zu sein, macht einen immun gegen alle Arten reaktionsbringender Elemente des Handelns. VERS 19 Jemanden, der im vollem Wissen gründet, erkennt man daran, dass jede seiner Handlungen frei ist von dem Wunsch nach Sinnenbefriedigung. Von ihm sagen die Weisen, er sei ein Handelnder, dessen fruchtbringendes Tun durch das Feuer vollkommenen Wissens verbrannt sei. ERLÄUTERUNG Nur ein Mensch in vollem Wissen kann die Tätigkeiten eines Menschen im Krsna-Bewusstsein verstehen. Weil der Mensch im Krsna-Bewusstsein frei von allen Arten sinnenbefriedigender Neigungen ist, kann man verstehen, dass er die Reaktionen seiner Arbeit durch vollkommenes Wissen um seine wesensgemäße Stellung als ewiger Diener der Höchsten Persönlichkeit Gottes verbrannt hat. Wer diese Vollkommenheit des Wissens erlangt hat, ist wahrhaft gelehrt. Die Entwicklung dieses Wissens, der ewige Diener Krsnas zu sein, wird mit Feuer verglichen. Ist ein solches Feuer einmal entzündet, kann es alle Arten von Reaktionen verbrennen. VERS 20 Indem er alle Anhaftung an die Ergebnisse seiner Tätigkeiten aufgibt, immer zufrieden und unabhängig ist, führt er keine fruchtbringende Handlung aus, obwohl er mit allen möglichen Unternehmungen beschäftigt ist. ERLÄUTERUNG Diese Freiheit von der Fessel der Handlungen ist nur im Krsna-Bewusstsein möglich, wenn man alles für Krsna tut. Ein Krsna-Bewusster Mensch handelt aus reiner Liebe zur Höchsten Persönlichkeit Gottes, und daher verspürt er keinerlei Anziehung zu den Ergebnissen des Handelns. Er sorgt sich nicht einmal um seinen Unterhalt, denn alles ist Krsna überlassen. Er ist auch nicht bestrebt, sich Dinge anzueignen oder Dinge zu behüten, die bereits in seinem Besitz sind. Er tut seine Pflicht nach besten Kräften und überläßt alles Krsna. Solch ein unangehafteter Mensch ist immer frei von allen guten und schlechten Reaktionen; es ist, als handle er überhaupt nicht. Das ist das Merkmal von akarma oder Handlungen ohne fruchttragende Reaktionen. Jede andere Handlung, die nicht im Krsna-Bewusstsein ausgeführt wird, bindet den Handelnden, und wie zuvor erklärt wurde, ist das die eigentliche Bedeutung von vikarma. VERS 21 Ein Mensch mit einem solchem Verständnis handelt mit vollkommen beherrschtem Geist und vollkommen beherrschter Intelligenz, gibt jeden Anspruch auf Besitz auf und handelt nur für die zum Leben allernotwendigsten Dinge. Aus diesem Grunde wird er von sündhaften Reaktionen nicht berührt. ERLÄUTERUNG Ein Krsna-Bewusster Mensch erwartet bei seinen Tätigkeiten keine guten oder schlechten Ergebnisse. Sein Geist und seine Intelligenz sind völlig beherrscht. Er weiß, dass er ein winziger Teil des Höchsten ist und dass deshalb die Rolle, die er als Teil des Ganzen spielt, nicht in seiner Wahl liegt, sondern vom Höchsten für ihn gewählt wurde und nur mit Seiner Hilfe gespielt werden kann. Wenn sich die Hand bewegt, so bewegt sie sich nicht nach ihrem eigenen Willen, sondern nach dem Willen des ganzen Körpers. Ein Krsna-Bewusster Mensch steht immer in Einklang mit dem höchsten Wunsch, denn er hat kein Verlangen nach eigener Sinnenbefriedigung. Er bewegt sich genau wie ein Teil einer Maschine. So wie ein Maschinenteil geölt und gereinigt werden muss, um funktionsfähig zu bleiben, so erhält sich ein Krsna-Bewusster Mensch durch seine Arbeit, nur um fähig zu bleiben, im transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn zu handeln. Er ist daher gegen alle Reaktionen seiner Bemühungen gefeit. Wie ein Tier hat er nicht einmal ein Besitzrecht auf seinen eigenen Körper. Ein grausamer Tierhalter tötet manchmal das Tier in seinem Besitz, doch das Tier protestiert nicht. Es hat auch keine wirkliche Unabhängigkeit. Ein Krsna-Bewusster Mensch, der voll mit Selbstverwirklichung beschäftigt ist, hat sehr wenig Zeit, irgendeinen materiellen Gegenstand fälschlich zu besitzen. Um für Körper und Seele zu sorgen, hat er es nicht nötig, durch üble Machenschaften Geld anzuhäufen. Folglich wird er auch nicht durch solch materielle Sünden verunreinigt. Er ist frei von allen Reaktionen auf seine Handlungen. VERS 22 Wer mit Gewinn zufrieden ist, der von selbst kommt; wer frei von Dualität ist und keinen Neid kennt und wer sowohl bei Erfolg wie auch Misserfolg stetig ist, wird niemals verstrickt, obwohl er handelt. ERLÄUTERUNG Ein Krsna-Bewusster Mensch unternimmt nicht einmal große Anstrengungen, um seinen Körper zu erhalten. Er ist mit Gewinnen zufrieden, die ihm von selbst zufallen. Er bettelt und borgt nicht, sondern arbeitet ehrlich, soweit es in seinen Kräften steht, und ist mit dem zufrieden, was er durch seine eigene ehrliche Arbeit verdient. Er ist daher, was seinen Lebensunterhalt betrifft, unabhängig. Er läßt es nicht zu, dass der Dienst für jemand anders seinen Dienst im Krsna-Bewusstsein behindert. Doch um dem Herrn zu dienen, kann er in jeder Weise handeln, ohne dabei von der Dualität der materiellen Welt gestört zu sein. Die Dualität der materiellen Welt wird als Hitze und Kälte, Leid und Glück oder ähnliche Gegensätze erfahren. Ein Krsna-Bewusster Mensch steht über der Dualität, da er nicht zögert, auf jede nur erdenkliche Weise für die Zufriedenstellung Krsnas zu handeln. Deshalb ist er sowohl bei Erfolg als auch bei Misserfolg stetig. Diese Zeichen werden sichtbar, wenn man völlig im transzendentalen Wissen verankert ist. VERS 23 Die Arbeit eines Menschen, der unangehaftet gegenüber den Erscheinungeweisen der materiellen Natur ist und der völlig in transzendentalem Wissen verankert ist, geht vollständig in die Transzendenz ein. ERLÄUTERUNG Wenn man völlig Krsna-Bewusst wird, ist man von allen Dualitäten befreit und daher frei von den Verunreinigungen der materiellen Erscheinungsweisen. Man kann befreit werden, weil man seine wesensgemäße Stellung in Beziehung zu Krsna kennt, und so kann der Geist nicht vom Krsna-Bewusstsein abgelenkt werden. Was immer man daher tut, tut man für Sri Krsna, den ursprünglichen Visnu. Deshalb sind alle Werke eigentlich Opfer, denn Opfer bedeutet, die Höchste Person, Krsna, zu erfreuen. Die Reaktionen auf solche Werke gehen mit Gewissheit in der Transzendenz auf, und man erleidet keine materiellen Auswirkungen. VERS 24 Jemand, der völlig im Krsna-Bewusstsein vertieft ist, erreicht mit Sicherheit das spirituelle Königreich, denn er widmet sich voll und ganz spirituellen Tätigkeiten, bei denen die Ausführung absolut ist und das, was dargebracht wird, von der gleichen spirituellen Natur ist. ERLÄUTERUNG Hier wird beschrieben, wie Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein einen Menschen letztlich zum spirituellen Ziel führen können. Es gibt verschiedene Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein, die alle in den folgenden Versen beschrieben werden. Zunächst wird jedoch nur das Prinzip des Krsna-Bewusstseins erklärt. Eine bedingte Seele, die in materielle Verunreinigung verstrickt ist, handelt mit Sicherheit in der materiellen Atmosphäre; sie muss sich aber aus einer solchen Umgebung befreien. Der Vorgang, durch den die bedingte Seele aus der materiellen Atmosphäre herausgelangen kann, ist Krsna-Bewusstsein. Ein Patient zum Beispiel, der an einer Darmkrankheit leidet, weil er zu viele Milchprodukte zu sich genommen hat, kann durch ein anderes Milchprodukt, nämlich Quark, geheilt werden. Wie hier in der Gita erklärt wird, kann die in die Materie versunkene Seele durch Krsna-Bewusstsein geheilt werden. Dieser Vorgang ist im allgemeinen bekannt als yajna (Opfer) oder Tätigkeiten, die einfach für die Zufriedenstellung Visnus oder Krsnas ausgeführt werden. Je mehr die Tätigkeiten der materiellen Welt im Krsna-Bewusstsein oder nur für Visnu verrichtet werden, desto mehr wird die Atmosphäre durch völlige Versenkung spiritualisiert. Brahman bedeutet spirituell. Der Herr ist spirituell, und die Strahlen Seines transzendentalen Körpers werden brahmajyoti oder Seine spirituelle Ausstrahlung genannt. Alles, was existiert, befindet sich in diesem brahmajyoti. Aber wenn das brahmajyoti von Illusion (maya), das heißt Sinnenbefriedigung, bedeckt ist, wird es als materiell bezeichnet. Dieser materielle Schleier kann durch Krsna-Bewusstsein augenblicklich entfernt werden; das Opfer für die Sache des Krsna-Bewusstseins, das Mittel zur Ausführung eines solchen Opfers oder Beitrags, der Vorgang der Ausführung, der Beitragende und das Ergebnis - sie alle zusammengenommen sind Brahman oder die Absolute Wahrheit. Die Absolute Wahrheit, die von maya bedeckt ist, wird Materie genannt. Materie, die in den Dienst der Absoluten Wahrheit gestellt wird, gewinnt ihre spirituelle Eigenschaft zurück. Krsna-- Bewusstsein ist der Vorgang, das verblendete Bewusstsein in Brahman, das Höchste, umzuwandeln. Wenn der Geist völlig im Krsna-Bewusstsein verankert ist, befindet er sich in samadhi oder Trance. Alles, was man in solch transzendentalem Bewusstsein tut, wird als Yajna oder Opfer für das Absolute bezeichnet. In diesem Zustand spirituellen Bewusstseins wird der Beitragleistende, der Beitrag, die Ausführung, der Vollzieher oder Leiter des Opfers und das Ergebnis oder der letztliche Gewinn eins im Absoluten, dem Höchsten Brahman. Das ist der Vorgang des Krsna-Bewusstseins. VERS 25 Einige yogis verehren die Halbgötter in vollendeter Weise, indem sie ihnen verschiedene Opfer darbringen, und manche von ihnen bringen Opfer im Feuer des Höchsten Brahman dar. ERLÄUTERUNG Wie oben beschrieben wird, nennt man einen Menschen, der seine Pflichten im Krsna-Bewusstsein erfüllt, einen vollkommenen yogi oder erstklassigen Mystiker. Doch es gibt auch andere, die ähnliche Opfer zur Verehrung von Halbgöttern darbringen, und noch andere, die dem Höchsten Brahman, dem unpersönlichen Aspekt des Höchsten Herrn, opfern. Es gibt also verschiedene Arten von Opfern im Sinne unterschiedlicher Kategorien. Solch verschiedene Kategorien von Opfern seitens verschiedener Arten von Ausführenden zeugen nur oberflächlich von einer Vielfalt von Opfern. Wirkliches Opfer bedeutet, den Höchsten Herrn, Visnu, der auch als Yajna bekannt ist, zufriedenzustellen. All die verschiedenen Arten von Opfern können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden, nämlich Opfer weltlicher Güter und Opfer, die ausgeführt werden, um transzendentales Wissen zu erlangen. Krsna-Bewusste Menschen opfern alle materiellen Besitztümer für die Zufriedenstellung des Höchsten Herrn, wohingegen andere, die nach zeitweiligem, materiellem Glück streben, ihren materiellen Besitz opfern, um Halbgötter wie Indra und den Sonnengott zu befriedigen. Unpersönlichkeitsphilosophen opfern ihre Identität, indem sie mit dem unpersönlichen Brahman verschmelzen. Die Halbgötter sind mächtige Lebewesen, die vom Höchsten Herrn beauftragt sind, für alle materiellen Funktionen wie Beheizung, Bewässerung und Beleuchtung des Universums zu sorgen und darüber zu wachen. Diejenigen, die an materiellen Vorteilen interessiert sind, verehren die Halbgötter durch verschiedene Opfer, wie sie den vedischen Ritualen gemäß vollzogen werden. Solche Menschen bezeichnet man als bahv-isvara-vadi (oder solche, die an viele Götter glauben). Andere, die den unpersönlichen Aspekt der Absoluten Wahrheit verehren und die Formen der Halbgötter als zeitweilig betrachten, opfern ihr individuelles Selbst im höchsten Feuer und beenden so ihr individuelles Dasein, indem sie mit der Existenz des Höchsten verschmelzen. Solche Unpersönlichkeitsanhänger verbringen ihre Zeit mit philosophischen Spekulationen, um das transzendentale Wesen des Höchsten zu verstehen. Mit anderen Worten: Die fruchtbringenden Arbeiter opfern ihre materiellen Besitztümer für materiellen Genuß, wohingegen die Unpersönlichkeitsanhänger ihre materiellen Namen und Beziehungen opfern, mit dem Ziel, in die Existenz des Höchsten einzugehen. Für den Unpersönlichkeitsanhänger ist der Feueraltar des Opfers das Höchste Brahman, und als Opfer bringen sie ihr Selbst dar, das vom Feuer des Brahman verzehrt wird. Der Krsna-Bewusste Mensch wie Arjuna jedoch opfert alles für die Zufriedenstellung Krsnas, und so werden sowohl all seine materiellen Güter als auch sein Selbst - alles - für Krsna geopfert. Damit ist er der yogi ersten Ranges, jedoch verliert er nicht seine individuelle Existenz. VERS 26 Einige opfern den Vorgang des Hörens und die Sinne im Feuer des beherrschten Geistes, und andere bringen die Sinnesobjekte, wie zum Beispiel Klang, im Feuer des Opfers dar. ERLÄUTERUNG Die vier Abschnitte des menschlichen Lebens, nämlich brahmacari, grhastha, vanaprastha und sannyasa, sollen den Menschen helfen, vollkommene yogis oder Transzendentalisten zu werden. Weil das menschliche Leben nicht dafür bestimmt ist, Sinnenbefriedigung wie die Tiere zu genießen, sind die vier Stufen des menschlichen Lebens so eingerichtet, dass man im spirituellen Leben die Vollkommenheit erreichen kann. Die brahmacaris, das heißt die Schüler unter der Obhut eines echten spirituellen Meisters, beherrschen den Geist, indem sie sich von Sinnenbefriedigung fernhalten. Sie werden in diesem Vers als diejenigen erwähnt, die den Vorgang des Hörens und die Sinne im Feuer des beherrschten Geistes opfern. Ein brahmacari hört nur Worte, die mit Krsna-Bewusstsein zu tun haben. Hören ist das Grundprinzip des Verstehens, und daher beschäftigt sich der reine brahmacarÖ voll im harer namanukirtanam - im Chanten und Hören von der Herrlichkeit des Herrn. Er hält sich von materiellen Klangschwingungen fern und ist ständig damit beschäftigt, die transzendentale Klangschwingung Hare Krsna, Hare Krsna zu hören. In ähnlicher Weise führen die Haushälter, die eine gewisse Erlaubnis zu Sinnenbefriedigung haben, solche Handlungen mit großer Einschränkung aus. Sexualität, Berauschung und das Essen von Fleisch sind allgemeine Tendenzen der menschlichen Gesellschaft, doch ein regulierter Haushälter gibt sich nicht einem zügellosen Geschlechtsleben und anderen Sinnenfreuden hin. Eine eheliche Gemeinschaft nach den Grundsätzen religiösen Lebens ist daher in jeder zivilisierten menschlichen Gesellschaft üblich, da dies der Weg zu gezügelter Sexualität ist. Diese gezügelte, unangehaftete Sexualität ist auch eine Art von Yajna, denn der regulierte Haushälter opfert seine allgemeine Neigung zur Sinnenbefriedigung für ein höheres, transzendentales Leben. VERS 27 Diejenigen, die an Selbstverwirklichung durch Meisterung von Geist und Sinnen interessiert sind, bringen sowohl die Funktionen all ihrer Sinne wie auch ihre Lebenskraft [Atem] als Opfergaben im Feuer des beherrschten Geistes dar. ERLÄUTERUNG Hier wird auf das von Patanjali entworfene yoga-System Bezug genommen. Im yoga-sutra des Patanjali wird die Seele als pratyag-atma und parag-atma bezeichnet. Solange die Seele an Sinnengenuß haftet, wird sie parag-atma genannt. Die Seele ist den Wirkungsweisen von zehn Luftarten ausgesetzt, die im Körper wirken und durch den Atemvorgang erfahren werden. Das yoga-System des Patanjali unterweist uns, wie man die Funktionen der Körperluft auf technische Weise meistern kann, so dass letztlich alle Funktionen der Luft im Innern dazu benutzt werden können, die Seele von materieller Anhaftung zu reinigen. Nach diesem yoga-System ist pratyag-atma das endgültige Ziel. Dieses pratyag-atma bedeutet, sich von Tätigkeiten in der Materie zurückzuziehen. Die Sinne stehen mit den Sinnesobjekten in einer Wechselbeziehung, das heißt, die Ohren hören, die Augen sehen, die Nase riecht, die Zunge schmeckt, die Hand berührt, und so sind alle Sinne mit Tätigkeiten außerhalb des Selbst beschäftigt. Das sind Funktionen der prana-vayu. Die apana-vayu strömt nach unten; die vyana-vayu hat die Aufgabe, zusammenzuziehen und zu erweitern; die samana-vayu sorgt für Ausgeglichenheit, und die udana-vayu strömt nach oben. Wenn man erleuchtet ist, benutzt man all diese Luftarten auf der Suche nach Selbstverwirklichung. VERS 28 Es gibt andere, die - erleuchtet durch das Opfer ihrer materiellen Besitztümer in schwerer tapasya - strenge Gelübde auf sich nehmen und den yoga der achtfachen Mystik praktizieren, und wieder andere studieren die Veden, um im transzendentalen Wissen Fortschritte zu machen. ERLÄUTERUNG Diese Opfer können in verschiedene Gruppen eingeteilt werden. Es gibt Menschen, die ihren Besitz in Form verschiedener Spenden opfern. In Indien eröffnen reiche Kaufleute oder Prinzen verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen wie dharmasala, anna-ksetra, atithi-sala, anathalaya und vidyapitha. Auch in anderen Ländern gibt es viele Krankenhäuser, Altersheime und ähnliche gemeinnützige Stiftungen, die dafür bestimmt sind, den Armen durch freies Essen, kostenlose, Erziehung und freie ärztliche Behandlung zu helfen. All diese wohltätigen Bemühungen werden dravyamaya-Yajna genannt. Es gibt andere, die freiwillig verschiedene Arten von tapasya wie candrayana und caturmasya auf sich nehmen, um eine höhere Stufe im Leben zu erlangen oder zu höheren Planeten im Universum erhoben zu werden. Diese Vorgänge beinhalten strenge Gelübde, unter denen man sein Leben nach bestimmten strikten Regeln führt. Wenn sich jemand zum Beispiel das caturmasya-Gelübde auferlegt, rasiert er sich vier Monate lang nicht (Juli - Oktober), ißt nur einmal am Tag bestimmte Speisen und verläßt das Haus nicht. Ein solcher Verzicht auf die Annehmlichkeiten des Lebens wird tapomaya-Yajna genannt. Wieder andere beschäftigen sich mit verschiedenen Arten mystischen yogas. wie dem Patanjali- System, um mit der Existenz des Absoluten zu verschmelzen, oder hatha-yoga bzw. astanga-yoga, um bestimmte Vollkommenheiten zu erlangen. Und manche reisen zu allen heiligen Pilgerorten. All diese Praktiken bezeichnet man als yoga-Yajna oder Opfer, um eine bestimmte Art von Vollkommenheit in der materiellen Welt zu erreichen. Noch andere widmen sich dem Studium verschiedener vedischer Schriften, besonders den Upanisaden und den Vedanta-sutras oder der sankhya- Philosophie. All dies nennt man svadhyaya-Yajna oder Opfer durch das Studieren der Veden. All diese yogis beschäftigen sich gläubig mit verschiedenen Arten von Opfern und streben nach einer höheren Stufe des Lebens. Krsna-Bewusstsein jedoch unterscheidet sich von all diesen Opfern, denn es ist direkter Dienst für den Höchsten Herrn. Krsna-Bewusstsein kann man nicht durch eines der oben erwähnten Arten von Opfern erlangen, sondern allein durch die Barmherzigkeit des Herrn und Seines reinen Geweihten. Daher ist Krsna-Bewusstsein transzendental. VERS 29 Und es gibt sogar noch andere, die dazu neigen, den Vorgang der Atembeherrschung zu praktizieren, um in Trance zu bleiben. Sie üben sich darin, den ausströmenden Atem im einströmenden und den einströmenden Atem im ausströmenden anzuhalten, und bleiben so letztlich in Trance, indem sie alles Atmen einstellen. Einige von ihnen bringen, indem sie das Essen einschränken, den ausströmenden Atem sich selbst als Opfer dar. ERLÄUTERUNG Dieses yoga-System, durch das man die Atmung beherrschen kann, nennt man pranayama, und es wird zu Beginn im hatha-yoga-System durch verschiedene Sitzstellungen geübt. All diese Vorgänge werden empfohlen, um die Sinne zu meistern und in der spirituellen Verwirklichung fortzuschreiten. Zu dieser Technik gehört, dass die Luft im Körper beherrscht wird, um ein gleichzeitiges Strömen in entgegengesetzte Richtungen zu ermöglichen. Die apana-Luft strömt nach unten, und die prana-Luft strömt nach oben. Der pranayama-yogi übt solange, in entgegengesetzter Richtung zu atmen, bis sich die beiden Luftströme gegenseitig aufheben und puraka oder Ausgeglichenheit herrscht. Wenn man den ausströmenden Atem im einströmenden Atem opfert, wird das recaka genannt, und wenn beide Luftströme völlig zur Ruhe kommen, nennt man dies kumbhaka-yoga. Durch kumbhaka-yoga verlängern die yogis ihre Lebensdauer um viele Jahre. Ein Krsna-Bewusster Mensch jedoch wird dadurch, dass er immer im transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn verankert ist, von selbst der Meister seiner Sinne. Da seine Sinne immer in Krsnas Dienst tätig sind, gibt es für sie keine Möglichkeit auf andere Weise beschäftigt zu werden. Am Ende seines Lebens wird er natürlicherweise auf die transzendentale Ebene Sri Krsnas versetzt; folglich versucht er nicht, seine Lebensdauer zu verlängern. Er wird sogleich auf die Ebene der Befreiung gehoben. Ein Krsna-Bewusster Mensch beginnt auf der transzendentalen Stufe, und er befindet sich ständig in diesem Bewusstsein. Er kommt daher nicht zu Fall, und letztlich geht er ohne Verzug in das Reich des Herrn ein. Das Verfahren, das Essen einzuschränken, wird von selbst praktiziert, wenn man nur Krsna-prasada ißt, das heißt Speise, die zuerst dem Herrn geopfert wurde. Um die Sinne zu beherrschen, ist es sehr hilfreich, das Essen einzuschränken. Und ohne die Sinne zu beherrschen, ist es nicht möglich, sich aus der materiellen Verstrickung zu lösen. VERS 30 Diejenigen, die diese Opfer ausführen und deren Bedeutung kennen, werden von sündhaften Reaktionen gereinigt, und weil sie den Nektar der Überreste solcher Opfer gekostet haben, gelangen sie in die höchste ewige Sphäre. ERLÄUTERUNG Aus der vorangegangenen Erklärung verschiedener Arten von Opfern (nämlich Opfer des Besitzes, Studium der Veden oder philosophischer Lehren und Ausübung des yoga-Systems) kann man ersehen, dass es das gemeinsame Ziel aller ist, die Sinne zu beherrschen. Sinnenbefriedigung ist die eigentliche Ursache des materiellen Daseins; solange man sich daher nicht auf einer Ebene befindet, auf der es keine Sinnenbefriedigung gibt, ist es nicht möglich, auf die ewige Ebene allumfassenden Wissens, vollkommener Glückseligkeit und vollkommenen Lebens erhoben zu werden. Diese Ebene liegt in der ewigen der Brahman-Sphäre. Alle oben erwähnten Opfer helfen einem, von den sündhaften Reaktionen des materiellen Daseins geläutert zu werden. Durch diesen Fortschritt wird man nicht nur in diesem Leben glücklich und reich, sondern geht auch letztlich in das ewige Königreich Gottes ein, indem man entweder mit dem unpersönlichen Brahman verschmilzt oder mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsna, zusammenkommt. VERS 31 O Bester der Kuru-Dynastie,ohne Opfer kann man auf diesem Planeten oder in diesem Leben niemals glücklich leben - vom nächsten ganz zu schweigen. ERLÄUTERUNG In welcher Form des materiellen Daseins man sich auch befinden mag, man weiß jedenfalls nichts von seiner wirklichen Situation. Anders ausgedrückt: Das Dasein in der materiellen Welt hat seine Ursache in den vielfachen Reaktionen auf unser sündhaftes Leben. Unwissenheit ist die Ursache eines sündigen Lebens, und ein sündiges Leben ist die Ursache dafür, dass man sich weiter im 112 materiellen Dasein dahinschleppt. Die menschliche Form des Lebens ist das einzige Schlupfloch, durch das man dieser Verstrickung entkommen kann. Die Veden geben uns deshalb eine Möglichkeit zur Flucht, indem sie uns die Pfade der Religion, des wirtschaftlichen Wohlstands und der regulierten Sinnenbefriedigung zeigen und schließlich das Mittel, aus diesem erbärmlichen Zustand gänzlich herauszukommen. Der Pfad der Religion, das heißt die verschiedenen Arten von Opfer, die oben empfohlen wurden, löst von selbst unsere wirtschaftlichen Probleme. Wenn Yajnas oder Opfer ausgeführt werden, können wir genug Nahrungsmittel, genug Milch usw. bekommen - auch wenn die Bevölkerung in starkem Maße zunimmt. Wenn der Körper mit allem versorgt wird, ist natürlicherweise die nächste Stufe, dass man seine Sinne befriedigt. Die Veden schreiben daher eine heilige Heirat vor, um die Befriedigung der Sinne zu regulieren. Auf diese Weise wird man allmählich zu der Ebene gehoben, auf der man aus der materiellen Knechtschaft befreit ist, und die höchste Vollkommenheit des befreiten Lebens besteht darin, mit dem Höchsten Herrn zusammenzusein. Diese Vollkommenheit wird durch die Darbringung von Yajna (Opfer) erreicht, wie schon oben erklärt wurde. Wenn nun jemand nicht geneigt ist, Yajnas nach den Unterweisungen der Veden auszuführen, wie kann er dann ein glückliches Leben erwarten? Es gibt verschiedene Grade materieller Annehmlichkeiten auf verschiedenen himmlischen Planeten, und in jedem Fall erwartet diejenigen, die verschiedene Arten von Yajnas darbringen, unermessliches Glück. Aber das höchste Glück, das ein Mensch erreichen kann, besteht darin, durch das Praktizieren von Krsna-Bewusstsein zu den spirituellen Planeten zu gelangen. Ein Leben im Krsna-Bewusstsein ist daher die Lösung für alle Probleme des materiellen Daseins. VERS 32 All diese verschiedenen Arten von Opfern werden in den Veden gebilligt, und sie alle werden aus verschiedenen Arten von Handlung geboren. Wenn du sie als solche kennst, wirst du befreit werden. ERLÄUTERUNG In den Veden werden verschiedene Arten von Opfern erwähnt, wie wir sie oben erörtert haben, um den verschiedenen Arten von Handelnden gerecht zu werden. Weil die Menschen so tief in die körperliche Auffassung vom Leben versunken sind, sind diese Opfer so eingerichtet, dass man entweder mit dem Körper, mit dem Geist oder mit der Intelligenz tätig sein kann. Aber sie alle werden empfohlen, um letztlich Befreiung vom Körper herbeizuführen. Dies wird hier vom Herrn aus Seinem eigenen Mund bestätigt. VERS 33 O Bezwinger des Feindes, das Opfer in Wissen ist größer als das Opfer materieller Besitztümer. O Sohn Prthas, letztlich gipfelt das Opfer von Arbeit in transzendentalem Wissen. ERLÄUTERUNG Der Zweck aller Opfer besteht darin, die Stufe vollständigen Wissens zu erreichen, sodann von allen materiellen Leiden frei zu werden und schließlich sich im liebevollen transzendentalen Dienst des Herrn (Krsna-Bewusstsein) zu beschäftigen. Trotzdem liegt in all diesen verschiedenen Opferhandlungen ein Geheimnis, und man sollte dieses Geheimnis kennen. Opfer nehmen manchmal je nach dem Glauben des Ausführenden unterschiedliche Formen an. Wenn der Glaube die Stufe transzendentalen Wissens erreicht, sollte der Ausführende von Opfern als weiter fortgeschritten betrachtet werden als diejenigen, die nur materielle Besitztümer ohne solches Wissen opfern; denn ohne Wissen bleiben Opfer auf der materiellen Ebene und bringen keinen spirituellen Nutzen. Wirkliches Wissen gipfelt in Krsna-Bewusstsein, der höchsten Stufe transzendentalen Wissens. Ohne durch Wissen eine höhere Ebene zu erreichen, sind Opfer nichts weiter als materielle Tätigkeiten. Wenn sie jedoch zur Ebene transzendentalen Wissens erhoben werden, gelangen all diese Tätigkeiten auf die spirituelle Ebene. Je nach Unterschieden im Bewusstsein werden Opferhandlungen manchmal als karma-kanda (fruchtbringende Tätigkeiten) und manchmal als jnana-kanda (Wissen auf der Suche nach der Absoluten Wahrheit) bezeichnet. Es ist besser, wenn Wissen das Endziel ist. VERS 34 Versuche die Wahrheit zu erfahren, indem du dich an einen spirituellen Meister wendest. Stelle ihm in ergebener Haltung Fragen, und diene ihm. Die selbstverwirklichte Seele kann dir Wissen offenbaren, weil sie die Wahrheit gesehen hat. ERLÄUTERUNG Der Pfad der spirituellen Erkenntnis ist zweifellos schwierig. Der Herr gibt uns daher den Rat, einen echten spirituellen Meister aufzusuchen, der einer Schülernachfolge angehört, die vom Herrn Selbst ausgeht. Niemand kann ein echter spiritueller Meister sein, ohne sich an diesen Grundsatz der Schülernachfolge zu halten. Der Herr ist der ursprüngliche spirituelle Meister, und jemand in der Schülernachfolge kann die Botschaft des Herrn, so wie sie ist, an seinen Schüler weitergeben. Niemand kann spirituell verwirklicht sein, indem er sich seinen eigenen Weg fabriziert, wie es heute bei törichten Heuchlern Mode geworden ist. Das Bhagavatam (6.3.19) sagt: dharmam tu saksad-bhagavat-pranitam. "Der Pfad der Religion ist direkt vom Herrn festgelegt worden." Deshalb können einem gedankliche Spekulationen oder trockene Argumente nicht helfen, im spirituellen Leben fortzuschreiten. Man muss sich an einen echten spirituellen Meister wenden, um Wissen zu empfangen. Solch ein spiritueller Meister sollte in voller Ergebenheit akzeptiert werden, und man sollte ihm wie ein unterwürfiger Diener, ohne falschen Stolz, dienen. Die Zufriedenheit des selbstverwirklichten spirituellen Meisters ist das Geheimnis des Fortschritts im spirituellen Leben. Fragen und Ergebenheit sind die geeignete Kombination für spirituelles Verständnis. Wenn Ergebenheit und Dienst nicht vorhanden sind, werden Fragen an den gelehrten spirituellen Meister keine Wirkung haben. Man muss imstande sein, die Prüfung des spirituellen Meisters zu bestehen, und wenn er den aufrichtigen Wunsch des Schülers sieht, segnet er ihn von selbst mit echtem spirituellem Verständnis. In diesem Vers werden sowohl blindes Folgen als auch absurdes Fragen verurteilt. Man sollte von dem spirituellen Meister nicht nur in ergebener Haltung hören, sondern man muss von ihm auch durch Ergebenheit, Dienst und Fragen ein klares Verständnis bekommen. Ein echter spiritueller Meister ist von Natur aus zu seinem Schüler sehr gütig. Wenn der Schüler daher ergeben ist und immer bereit zu dienen, wird der Austausch von Wissen und Fragen vollkommen. VERS 35 Und wenn du so die Wahrheit erfahren hast, wirst du wissen, dass alle Lebewesen Meine Teile sind - und dass sie in Mir ruhen und Mein eigen sind. ERLÄUTERUNG Empfängt man Wissen von einer selbstverwirklichten Seele, das heißt von jemandem, der die Dinge so kennt, wie sie sind, erfährt man, dass alle Lebewesen winzige Bestandteile der Höchsten Persönlichkeit Gottes Sri Krsna sind. Die Vorstellung, etwas existiere getrennt von Krsna, wird maya genannt (ma-nicht, ya-dieses). Einige Menschen glauben, wir hätten mit Krsna nichts zu tun; Krsna sei nur eine bedeutende historische Persönlichkeit, und das Absolute sei das unpersönliche Brahman. In Wirklichkeit aber ist dieses unpersönliche Brahman, wie in der Bhagavad-Gita bestätigt wird, Krsnas leuchtende Ausstrahlung. Krsna, als die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die Ursache allen Seins. In der Brahma-samhita (5.1) wird unmißverständlich gesagt, dass Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Ursache aller Ursachen ist. Selbst die Millionen von Inkarnationen sind nur Seine verschiedenen Erweiterungen. In ähnlicher Weise sind die Lebewesen ebenfalls Erweiterungen Krsnas. Die Mayavadi-Philosophen glauben fälschlich, Krsna verliere in Seinen vielen Erweiterungen Sein gesondertes Dasein. Dieser Gedanke ist dem Wesen nach materiell. In der materiellen Welt machen wir die Erfahrung, dass ein Ding seine ursprüngliche Identität verliert, wenn es in mehrere Teile zerlegt wird. Doch die Mayavadi-Philosophen können die Bedeutung von "absolut" nicht verstehen: Eins plus eins gleich eins, und eins minus eins ebenfalls gleich eins. Dies ist in der absoluten Welt der Fall. Aus Mangel an ausreichendem Wissen von der absoluten Wissenschaft sind wir im Augenblick von Illusion bedeckt und glauben daher, wir seien von Krsna getrennt. Obwohl gesonderte Teile Krsnas, sind wir doch niemals von Ihm verschieden. Der körperliche Unterschied zwischen den Lebewesen ist maya oder keine eigentliche Tatsache. Wir sind alle dafür bestimmt, Krsna zufriedenzustellen. Nur weil Arjuna von maya verwirrt war, dachte er, die zeitweilige körperliche Beziehung zu seinen Verwandten sei wichtiger als seine ewige spirituelle Beziehung zu Krsna. Die ganze Lehre der Gita ist auf dieses eine Ziel ausgerichtet: Ein Lebewesen kann als der ewige Diener Krsnas niemals von Ihm getrennt sein. Die Vorstellung, eine von Krsna getrennte Identität zu besitzen, wird maya genannt. Die Lebewesen haben als gesonderte Bestandteile des Höchsten eine Aufgabe zu erfüllen. Weil sie diese Aufgabe vergessen haben, befinden sie sich seit unvordenklichen Zeiten als Menschen, Tiere, Halbgötter usw. in verschiedenen Körpern. Solch körperliche Unterschiede entstehen, weil die Lebewesen den transzendentalen Dienst des Herrn vergessen haben. Wenn man aber durch Krsna-Bewusstsein in transzendentalem Dienst tätig ist, wird man sogleich von dieser Illusion befreit. Man kann solch reines Wissen nur von einem echten spirituellen Meister erwerben und so den Irrtum vermeiden, das Lebewesen sei Krsna ebenbürtig. Vollkommenes Wissen bedeutet zu verstehen, dass die Höchste Seele, Krsna, die höchste Zuflucht für alle Lebewesen ist und dass die Lebewesen, die diesen Schutz aufgeben, von der materiellen Energie getäuscht werden und sich einbilden, eine getrennte Identität zu besitzen. So vergessen sie Krsna in den verschiedenen Formen materieller Identität. Wenn diese irregeführten Lebewesen jedoch im Krsna-Bewusstsein verankert werden, muss man verstehen, wie im Bhagavatam bestätigt wird, dass sie sich auf dem Pfad der Befreiung befinden: muktir hitvanyatha rôpaà svarôpeäa vyavasthitiÉ. Befreiung bedeutet, in seiner wesensgemäßen Stellung als ewiger Diener Krsnas im Krsna-Bewusstsein verankert zu sein. VERS 36 Selbst wenn du der sündigste aller Sünder bist, wirst du fähig sein, den Ozean der Leiden zu überqueren, wenn du im Boot transzendentalen Wissens sitzt. ERLÄUTERUNG Ein richtiges Verständnis seiner wesensgemäßen Stellung in Beziehung zu Krsna ist so schön, dass es einen sogleich aus dem Kampf ums Dasein herausheben kann, der im Ozean der Unwissenheit ausgefochten wird. Die materielle Welt wird manchmal als ein Ozean der Unwissenheit und manchmal als ein brennender Wald betrachtet. Im Ozean ist der Kampf ums Dasein sehr hart, ganz gleich wie geübt man als Schwimmer sein mag. Wenn jemand kommt und den Schwimmer aus dem Ozean zieht, ist er der größte Retter. Vollkommenes Wissen, von der Höchsten Persönlichkeit Gottes empfangen, ist der Pfad der Befreiung. Das Boot des Krsna-Bewusstseins ist sehr einfach, aber zugleich sehr erhaben. VERS 37 So wie loderndes Feuer Brennholz zu Asche verwandelt, o Arjuna, so verbrennt das Feuer des Wissens alle Reaktionen auf materielle Tätigkeiten. ERLÄUTERUNG Vollkommenes Wissen vom Selbst, vom Überselbst und ihrer Beziehung zueinander wird hier mit Feuer verglichen. Dieses Feuer verbrennt nicht nur alle Reaktionen auf gottlose Tätigkeiten, sondern auch alle Reaktionen auf fromme Werke und verwandelt sie zu Asche. Es gibt viele Stufen von Reaktion: Reaktion, die gerade entsteht; Reaktion, die gerade Früchte trägt; Reaktion, die bereits eingetroffen ist, und Reaktion a priori. Doch Wissen um die wesensgemäße Stellung des Lebewesens verbrennt alles zu Asche. Wenn man über vollständiges Wissen verfügt, werden alle Reaktionen -sowohl a priori als auch a posteriori - verzehrt. In den Veden heißt es: "Man überwindet sowohl die frommen als auch die gottlosen Wechselwirkungen des Tuns." VERS 38 In dieser Welt gibt es nichts, was so erhaben und rein ist wie transzendentales Wissen. Solches Wissen ist die reife Frucht aller Mystik, und wer es erreicht hat, wird sehr bald das Selbst in sich genießen können. ERLÄUTERUNG Wenn wir von transzendentalem Wissen sprechen, so meinen wir damit spirituelles Verständnis. Es gibt nichts, was so erhaben und rein ist wie transzendentales Wissen. Unwissenheit ist die Ursache unserer Knechtschaft, und Wissen ist die Ursache unserer Befreiung. Dieses Wissen ist die reife Frucht hingebungsvollen Dienstes, und wenn man im transzendentalen Wissen verankert ist, braucht man nicht woanders nach Frieden zu suchen, denn man genießt Frieden im Innern. Mit anderen Worten: Dieses Wissen und dieser Friede finden ihre Vollendung im Krsna-Bewusstsein. Das ist die letztliche Schlußfolgerung der Bhagavad-Gita. VERS 39 Ein gläubiger Mensch, der sich in transzendentales Wissen vertieft und seine Sinne beherrscht, erlangt sehr schnell den höchsten spirituellen Frieden. ERLÄUTERUNG Solches Wissen im Krsna-Bewusstsein kann von einem gläubigen Menschen erreicht werden, der fest an Krsna glaubt. Jemand wird als gläubiger Mensch bezeichnet, wenn der denkt, dass einfach dadurch, dass er im Krsna-Bewusstsein handelt, die höchste Vollkommenheit erreichen kann. Diesen Glauben erreicht man durch hingebungsvollen Dienst und das Chanten von Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare, welches das Herz von allem materiellem Schmutz säubert. Darüber hinaus sollte man die Sinne beherrschen. Ein Mensch, der auf Krsna vertraut und die Sinne meistert, kann sehr leicht unverzüglich Vollkommenheit im Wissen des Krsna- Bewusstseins erlangen. VERS 40 Unwissende und ungläubige Menschen aber, die an den offenharten Schriften zweifeln, erreichen kein Gottes-Bewusstsein. Für die zweifelnde Seele gibt es Glück weder in dieser Welt noch in der nächsten. ERLÄUTERUNG Von vielen maßgeblichen und autoritativen offenbarten Schriften ist die Bhagavad-Gita die beste. Menschen, die fast Tieren gleichen, glauben nicht an die maßgeblichen offenbarten Schriften oder kennen sie nicht, und obwohl einige diese Schriften kennen und aus ihnen zitieren können, glauben sie im Grunde nicht an diese Worte. Und obwohl andere auf Schriften wie die Bhagavad-Gita vertrauen mögen, glauben sie doch nicht an die Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, noch verehren sie Ihn. Solche Menschen können sich im Krsna-Bewusstsein nicht halten. Sie kommen zu Fall. Von all den oben erwähnten Menschen machen diejenigen, die keinen Glauben haben und immer zweifeln, keinerlei Fortschritte. Menschen ohne Glauben an Gott und Sein offenbartes Wort finden weder in dieser noch in der nächsten Welt etwas Gutes. Für sie gibt es nicht das geringste Glück. Man sollte daher den Prinzipien der offenbarten Schriften mit Glauben folgen und dadurch auf die Ebene von Wissen erhoben werden. Nur dieses Wissen wird einem helfen, auf die transzendentale Ebene spirituellen Verständnisses zu gelangen. Anders ausgedrückt: Zweifelnde Menschen sind von spiritueller Befreiung weit entfernt. Man sollte daher den Fußspuren großer acaryas folgen, die der Schülernachfolge angehören, und so erfolgreich sein. VERS 41 Wer daher auf die Früchte seiner Handlungen verzichtet, wessen Zweifel durch transzendentales Wissen zerstört sind und wer fest im Selbst verankert ist, wird von Werken nicht gebunden, o Eroberer von Reichtümern. ERLÄUTERUNG Wer sich an die Unterweisung der Gita hält, wie sie vom Herrn, der Persönlichkeit Gottes, Selbst gegeben ist, wird durch die Gnade transzendentalen Wissens von allen Zweifeln frei. Er ist, als winziger Bestandteil des Herrn, in völligem Krsna-Bewusstsein bereits in Selbsterkenntnis verankert. Folglich steht er zweifellos über der Bindung an seine Handlung. VERS 42 Daher sollten die Zweifel, die in deinem Herzen aus Unwissenheit entstanden sind, mit der Waffe des Wissens zerschlagen werden. Bewaffne dich mit yoga, o Bharata, steh auf und kämpfe. ERLÄUTERUNG Das yoga-System, das in diesem Kapitel erklärt wird, heißt sanatana-yoga oder die ewige Tätigkeit des Lebewesens. Dieser yoga wird in zwei Arten von Opferhandlungen unterteilt: die eine ist das Opfer materieller Besitztümer und die andere ist Wissen vom Selbst, das heißt rein spirituelle Tätigkeit. Wenn das Opfer materieller Besitztümer nicht mit spiritueller Verwirklichung verbunden ist, wird ein solches Opfer materiell. Doch wer solche Opfer mit einem spirituellen Ziel bzw. im hingebungsvollen Dienst ausführt, bringt ein vollkommenes Opfer dar. Wenn wir zu spirituellen Tätigkeiten kommen, sehen wir, dass diese ebenfalls zweifach unterteilt sind, nämlich in das Verständnis des eigenen Selbst oder seiner wesensgemäßen Stellung und in die Wahrheit bezüglich der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Wer dem Pfad der Gita, wie sie ist, folgt, kann diese beiden wichtigen Unterteilungen spirituellen Wissens sehr leicht verstehen. Ihm fällt es nicht schwer, vollkommenes Wissen vom Selbst als einem winzigen Bestandteil des Herrn zu erlangen. Und ein solches Verständnis ist nützlich für einen solchen Menschen, der dann auch die transzendentalen Taten und Spiele des Herrn leicht verstehen kann. Zu Beginn dieses Kapitels wurden die transzendentalen Taten des Herrn vom Höchsten Herrn Selbst erörtert. Wer die Unterweisungen der Gita nicht versteht, ist ungläubig und missbraucht die winzige Unabhängigkeit, die ihm vom Herrn gewährt wird. Wer trotz dieser Unterweisungen die wahre Natur Sri Krsnas als die ewige, glückselige, allwissende Persönlichkeit Gottes nicht versteht, ist zweifellos der größte Tor. Unwissenheit kann beseitigt werden, indem man nach und nach die Prinzipien des Krsna-Bewusstseins akzeptiert. Krsna-Bewusstsein wird durch verschiedene Arten von Opfern wiedererweckt: durch Opfer zu den Halbgöttern, zum Brahman, im Zölibat, im Haushälterleben, bei der Beherrschung der Sinne, bei der Ausübung mystischen yogas, bei der Auferlegung von tapasya, beim Verzicht auf materielle Besitztümer, beim Studium der Veden und bei der Teilnahme an der sozialen Einrichtung des varnasrama-dharma. All diese Tätigkeiten sind als Opfer bekannt und beruhen auf einer geregelten Handlungsweise. Doch bei all diesen Tätigkeiten steht Selbstverwirklichung im Vordergrund. Wer dieses Ziel anstrebt, ist der wirkliche Schüler der Bhagavad-Gita, doch wer an der Autorität Sri Krsnas zweifelt, fällt zurück. Es wird daher geraten, die Bhagavad-Gita oder jede andere Schrift unter der Führung eines spirituellen Meisters mit Dienst und Ergebenheit zu studieren. Ein echter spiritueller Meister gehört seit ewigen Zeiten der Schülernachfolge an und weicht niemals von den Unterweisungen des Höchsten Herrn ab, wie sie vor Millionen von Jahren dem Sonnengott gegeben wurden, der die Lehren der Bhagavad-Gita in das irdische Königreich überlieferte. Man sollte daher dem Pfad der Bhagavad-Gita folgen, so wie er in der Gita selbst beschrieben wird, und sich vor selbstsüchtigen Menschen hüten, die nur nach persönlichem Prestige streben und andere vom rechten Pfad abbringen. Der Herr ist zweifellos die höchste Person, und Seine Taten sind transzendental. Wer das versteht, ist schon zu Beginn seines Studiums der Gita eine befreite Seele. Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Vierten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem Titel: "Transzendentales Wissen".