# Zweites Kapitel: Inhalt der Gita zusammengefaßt

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> ZWEITES KAPITEL
> Inhalt der Gita zusammengefaßt
> 
> VERS 1
> Sanjaya sagte: Als Madhusudana, Krsna, Arjuna voller
> Mitleid und sehr betrübt sah, mit Tränen in den Augen,
> sprach Er die folgenden Worte.
> ERLÄUTERUNG
> Materielles Mitleid, Klagen und Tränen sind alles Zeichen
> dafür, dass man das wirkliche Selbst nicht kennt. Mitleid
> mit der ewigen Seele bedeutet Selbstverwirklichung. Das
> Wort "Madhusudana" ist in diesem Vers von Bedeutung.
> Sri Krsna tötete den Dämon Madhu, und jetzt wollte
> Arjuna, dass Krsna den Dämon des Mißverständnisses
> vernichtete, der ihn während der Erfüllung seiner Pflicht
> überwältigt hatte. Niemand weiß, worauf Mitleid gerichtet
> werden soll. Mitleid mit der Kleidung eines Ertrinkenden
> ist sinnlos. Ein Mensch, der in das Meer der Unwissenheit
> gefallen ist, kann nicht dadurch gerettet werden, dass man
> nur sein äußeres Gewand rettet - den groben materiellen
> Körper. Wer dies nicht weiß und um das äußere Gewand
> klagt, wird als sudra bezeichnet oder jemand, der
> unnötigerweise jammert. Arjuna war ein ksatriya, und ein
> solches Verhalten wurde nicht von ihm erwartet. Sri Krsna
> kann jedoch das Klagen des unwissenden Menschen
> vertreiben, und zu diesem Zweck wurde die Bhagavad-Gita
> von Ihm gesungen. Dieses Kapitel unterrichtet uns durch
> ein analytisches Studium des materiellen Körpers und der
> Seele, das von der höchsten Autorität, Sri Krsna,
> vorgenommen wird, in Selbstverwirklichung. Diese
> Verwirklichung wird möglich, wenn das nach
> fruchttragenden Ergebnissen strebende Lebewesen in einem
> gefestigten Verständnis vom wahren Selbst handelt.
> 
> VERS 2
> Die Höchste Person [Bhagavan] sprach: Mein lieber
> Arjuna, wie konnten diese Unreinheiten über dich
> kommen? Sie ziemen sich in keiner Weise für einen
> Mann, der die höheren Werte des Lebens kennt. Sie
> führen nicht zu höheren Planeten, sondern zu Schande.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna und die Höchste Persönlichkeit Gottes sind identisch.
> Deshalb wird Sri Krsna die ganze Gita hindurch als
> "Bhagavan" bezeichnet. Bhagavan ist das endgültige in der
> Absoluten Wahrheit. Die Absolute Wahrheit wird in drei
> Verständnisphasen erkannt, nämlich als Brahman oder die
> unpersönliche, alldurchdringende spirituelle Natur; als
> Paramatma oder der lokalisierte Aspekt des Höchsten im
> Herzen aller Lebewesen und als Bhagavan oder die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna. Im Srimad-Bhagavatam
> (1.2.11) wird dieses Verständnis von der Absoluten
> Wahrheit demgemäß erklärt:
> "Die Absolute Wahrheit wird von demjenigen, der Sie
> kennt, in drei Aspekten wahrgenommen, die alle
> miteinander identisch sind. Diese Aspekte der Absoluten
> Wahrheit werden als Brahman, Paramatma und Bhagavan
> bezeichnet."
> Diese drei göttlichen Aspekte können am Beispiel der
> Sonne näher erklärt werden, die ebenfalls drei verschiedene
> Aspekte hat, nämlich den Sonnenschein, die
> Sonnenoberfläche und den Sonnenplaneten selbst. Wer nur
> den Sonnenschein studiert, befindet sich auf der ersten
> Stufe der Verwirklichung; wer die Oberfläche der Sonne
> versteht, ist weiter fortgeschritten, und wer in den
> Sonnenplaneten eingehen kann, befindet sich auf der
> höchsten Stufe. Gewöhnliche Schüler, die zufrieden sind,
> wenn sie nur den Sonnenschein verstehen, das heißt seine
> universale Ausbreitung und die gleißende Ausstrahlung
> seines unpersönlichen Wesens, mögen mit denen
> verglichen werden, die nur den Brahman-Aspekt der
> Absoluten Wahrheit erkennen können. Der Schüler, der
> weiter fortgeschritten ist, kann darüber hinaus die
> Sonnenscheibe erkennen, was mit dem Wissen um den
> Paramatma-Aspekt der Absoluten Wahrheit verglichen
> wird. Und der Schüler, der in das Herz des Sonnenplaneten
> eingehen kann, wird mit jemandem verglichen, der die
> persönlichen Merkmale der Höchsten Absoluten Wahrheit
> erkennt. Daher sind die bhaktas oder jene
> Transzendentalisten, die den Bhagavan-Aspekt der
> Absoluten Wahrheit erkannt haben, die höchsten
> Transzendentalisten, wenngleich alle Schüler, die sich dem
> Studium der Absoluten Wahrheit widmen, mit dem
> gleichen Thema zu tun haben. Der Sonnenschein, die
> Sonnenscheibe und das Geschehen im Innern des
> Sonnenplaneten können nicht voneinander getrennt werden,
> und dennoch gehören die Schüler, die diese drei
> verschiedenen Aspekte studieren, nicht zur gleichen
> Kategorie.
> Das Sanskritwort Bhagavan wird von der bedeutenden
> Autorität Parasara Muni, dem Vater Vyasadevas, wie folgt
> erklärt: "Die Höchste Persönlichkeit, die allen Reichtum,
> alle Stärke, allen Ruhm, alle Schönheit, alles Wissen und
> alle Entsagung in Sich birgt, wird Bhagavan genannt." Es
> gibt viele Personen, die sehr reich, sehr mächtig, sehr
> schön, sehr berühmt, sehr gelehrt und sehr entsagungsvoll
> sind, aber niemand kann behaupten, er besitze allen
> Reichtum, alle Stärke usw. in vollem Umfang. Nur Krsna
> kann diesen Anspruch erheben, denn Er ist die Höchste
> Persönlichkeit Gottes. Kein Lebewesen, nicht einmal
> Brahma, Siva oder Narayana, kann Reichtümer in solcher
> Fülle besitzen wie Krsna. Deshalb kommt Brahma in der
> Brahma-samhita zu dem Schluss, dass Sri Krsna die Höchste
> Persönlichkeit Gottes ist. Niemand kommt Ihm gleich oder
> steht über Ihm. Er ist der urerste Herr, Bhagavan, bekannt
> als Govinda, und Er ist die höchste Ursache aller Ursachen.
> "Es gibt viele Persönlichkeiten, die die Eigenschaften
> Bhagavans besitzen, aber Krsna ist die höchste, da niemand
> Ihn übertreffen kann. Er ist die Höchste Person, und Sein
> Körper ist ewig, voller Wissen und voller Glückseligkeit.
> Er ist der urerste Herr, Govinda, und die Ursache aller
> Ursachen." (Bs. 5.1)
> Im Srimad-Bhagavatam findet man auch ein Verzeichnis
> vieler Inkarnationen der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
> doch Krsna wird als die ursprüngliche Persönlichkeit
> Gottes beschrieben, von der viele Inkarnationen und
> Persönlichkeiten Gottes ausgehen:
> "All die hier aufgeführten Inkarnationen Gottes sind
> entweder vollständige Erweiterungen oder Teile der
> vollständigen Erweiterungen des Höchsten Gottes, doch
> Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes Selbst." (SB.
> 1.3.28)
> Somit ist Krsna die ursprüngliche Höchste Persönlichkeit
> Gottes, die Absolute Wahrheit, der Ursprung sowohl der
> Überseele als auch des unpersönlichen Brahman.
> In Gegenwart der Höchsten Persönlichkeit Gottes war
> Arjunas Klage um seine Verwandten gewiss unangebracht,
> und daher gebrauchte Krsna das Wort kutas (woher), um
> Seine Überraschung zum Ausdruck zu bringen. Solche
> unmännlichen Gefühle erwartete man niemals von jemand,
> der zur zivilisierten Klasse der Männer, den öryas gehörte.
> Das Wort arya trifft auf Menschen zu, die den Wert des
> Lebens kennen und eine auf spirituelle Erkenntnis
> gründende Zivilisation haben. Menschen, die sich von der
> materiellen Lebensauffassung leiten lassen, wissen nicht,
> dass das Ziel des Lebens die Erkenntnis der Absoluten
> Wahrheit, das heißt Visnus oder Bhagavans, ist. Sie lassen
> sich von den äußeren Erscheinungen der materiellen Welt
> fesseln und wissen deshalb nicht, was Befreiung ist.
> Menschen, die nicht wissen, was Befreiung aus materieller
> Knechtschaft bedeutet, werden als Nicht-öryas bezeichnet.
> Obwohl Arjuna ein ksatriya war, wich er von seinen
> vorgeschriebenen Pflichten ab, als er sich weigerte, zu
> kämpfen. Ein solch feiges Verhalten wird eher als für
> Nicht-Aryas typisch beschrieben. Ein derartiges Abweichen
> von der Pflicht hilft einem nicht, im spirituellen Leben
> fortzuschreiten; noch verschafft es einem die Möglichkeit,
> in dieser Welt zu Ruhm zu kommen. Sri Krsna billigte
> Arjunas sogenanntes Mitleid mit seinen Verwandten nicht.
> 
> VERS 3
> 
> O Sohn Prthas, gib dieser entwürdigenden Schwachheit
> nicht nach. Es ist dir nicht angemessen. Gib diese
> kleinliche Schwäche des Herzens auf und erhebe dich o
> Bezwinger des Feindes.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna wurde als "Sohn Prthas" angesprochen, da Prtha die
> Schwester von Krsnas Vater Vasudeva war. Arjuna war
> also ein Blutsverwandter Krsnas. Wenn sich der Sohn eines
> ksatriya weigert, zu kämpfen, ist er nur dem Namen nach
> ein ksatriya, ebenso wie des Sohn eines brahmana, der
> gottlos handelt, nur dem Namen nach ein brahmana ist.
> Solche ksatriyas und brahmanas sind unwürdige Söhne
> ihrer Väter; Krsna wollte daher nicht, dass Arjuna zu einem
> unwürdigen Sohn eines ksatriya wurde. Arjuna war Krsnas
> engster Freund, und Krsna lenkte ihn auf dem Streitwagen;
> aber wenn sich Arjuna von der Schlacht zurückzog, würde
> er damit, trotz all dieser Vorteile, unehrenhaft handeln;
> deshalb sagte Krsna, eine solche Haltung sei Arjunas
> Persönlichkeit nicht angemessen. Arjuna mochte erwidern,
> er wolle an der Schlacht wegen seiner großmütigen Haltung
> gegenüber dem höchst ehrwürdigen Bhisma und seinen
> Verwandten nicht teilnehmen, doch war Krsna der Ansicht,
> diese Art von Großmut werde von Autoritäten nicht
> gebilligt. Deshalb sollte solcher Großmut oder sogenannte
> Gewaltlosigkeit von Menschen wie Arjuna unter der
> unmittelbaren Führung Krsnas aufgegeben werden.
> 
> VERS 4
> Arjuna sagte: O Vernichter des Madhu [Krsna], wie
> kann ich mit Pfeilen in der Schlacht Männer wie Bhisma
> und Drona bekämpfen, die meiner Verehrung würdig
> sind?
> ERLÄUTERUNG
> Achtbare Höhergestellte, wie Bhisma, der Großvater, und
> Dronacarya, der Lehrer, sind immer verehrenswert. Selbst
> wenn sie angreifen, sollte man sie nicht bekämpfen. Es gilt
> das ungeschriebene Gesetz, dass Höherstehende nicht
> einmal in einem Wortgefecht bekämpft werden dürfen.
> Selbst wenn sie manchmal grob sein mögen, sollten sie
> nicht grob behandelt werden. Wie soll es also Arjuna
> möglich sein, ihnen entgegenzutreten? Würde Krsna
> jemals Seinen eigenen Großvater, Ugrasena, oder Seinen
> Lehrer, Sandipani Muni, angreifen? So lauteten einige der
> Einwände, die Arjuna Krsna gegenüber vorbrachte.
> 
> VERS 5
> Es ist besser, in dieser Welt durch Betteln zu leben als
> auf Kosten der Leben großer Seelen, die meine Lehrer
> sind. Obwohl sie von Habsucht getrieben werden, sind
> sie dennoch Höhergestellte. Wenn sie getötet werden,
> wird unser Gewinn mit Blut befleckt sein.
> ERLÄUTERUNG
> Den Unterweisungen der Schriften gemäß soll man einen
> Lehrer, der eine abscheuliche Handlung begeht und sein
> Unterscheidungsvermögen verloren hat, aufgeben. Bhisma
> und Drona waren wegen Duryodhanas finanzieller Hilfe
> verpflichtet, sich auf seine Seite zu stellen, wenngleich sie
> eine solche Stellung, nur aufgrund finanzieller
> Überlegungen, nicht hätten annehmen sollen. Unter diesen
> Umständen hatten sie ihr Ansehen als Lehrer verloren.
> Arjuna glaubte jedoch, dass sie trotzdem seine Vorgesetzten
> blieben und dass daher, materielle Gewinne zu genießen,
> nachdem man sie getötet hätte, bedeuten würde, sich an
> einer mit Blut bedeckten Siegesbeute zu erfreuen.
> 
> VERS 6
> Auch wissen wir nicht, was besser ist - die Söhne
> Dhrtarastrs zu besiegen oder von ihnen besiegt zu
> werden. Wenn wir sie töteten, wäre es besser, nicht
> mehr zu leben. Nun stehen sie vor uns auf dem
> Schlachtfeld.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna wußte nicht, ob er kämpfen und damit wagen sollte,
> unnötig Gewalt anzuwenden, obwohl Kämpfen die Pflicht
> der ksatriyas ist, oder ob es besser sei, sich zurückzuziehen
> und von Betteln zu leben. Falls er den Feind nicht
> bezwänge, wäre Betteln das einzige Mittel, für seinen
> Lebensunterhalt zu sorgen. Auch war der Sieg nicht sicher,
> da jede Seite aus der Schlacht siegreich hervorgehen
> mochte. Selbst wenn Sieg sie erwartete (und ihre Sache war
> gerecht), wäre es dennoch sehr schwer, in der Abwesenheit
> der Söhne Dhrtarastrs zu leben, wenn diese in der Schlacht
> fielen. Unter diesen Umständen wäre dies eine andere Art
> von Niederlage. All diese Überlegungen Arjunas beweisen
> eindeutig, dass er nicht nur ein großer Geweihter des Herrn
> war, sondern dass er auch sehr erleuchtet war und
> vollkommene Herrschaft über seinen Geist und seine Sinne
> besaß. Sein Wunsch, sich durch Betteln am Leben zu
> erhalten, obwohl er in einer königlichen Familie geboren
> worden war, ist ein weiteres Zeichen von Loslösung. Er
> war wahrhaft tugendhaft, wie diese Eigenschaften und sein
> 
> Glauben in die unterweisenden Worte Sri Krsnas (seines
> spirituellen Meisters) zeigen. Man kann hieraus schließen,
> dass Arjuna durchaus geeignet war, Befreiung zu erlangen.
> Solange die Sinne nicht beherrscht sind, besteht keine
> Möglichkeit, auf die Ebene von Wissen erhoben zu werden,
> und ohne Wissen und Hingabe ist es nicht möglich, befreit
> zu werden. Arjuna besaß also, noch über seine
> hervorragenden materiellen Eigenschaften hinaus, auch all
> diese wunderbaren Eigenschaften.
> 
> VERS 7
> Ich weiß nicht mehr, was meine Pflicht ist, und ich habe
> aus Schwäche meine Fassung verloren. In diesem
> Zustand bitte ich Dich, mir klar zu sagen, was das beste
> für mich ist. Jetzt bin ich Dein Schüler und eine Dir
> ergebene Seele. Bitte unterweise mich.
> ERLÄUTERUNG
> Es liegt in der Natur der Dinge, dass das ganze System
> materieller Tätigkeiten für jeden eine Quelle der
> Verwirrung darstellt. Bei jedem Schritt gibt es Verwirrung,
> und deshalb ist es angebracht, sich an einen echten
> spirituellen Meister zu wenden, der einem die richtige
> Führung geben kann, den Sinn des Lebens zu erfüllen. Alle
> vedischen Schriften geben uns den Rat, einen spirituellen
> Meister aufzusuchen, um von den Verwirrungen des
> Lebens frei zu werden, die ohne unseren Wunsch auftreten.
> Sie gleichen einem Waldbrand, der wütet, ohne von jemand
> entfacht worden zu sein. In ähnlicher Weise ist die
> Weltlage so beschaffen, dass Verwirrungen im Leben von
> selbst entstehen, ohne dass wir uns ein solches
> Durcheinander wünschen. Niemand will, dass es brennt,
> aber dennoch geschieht es, und wir geraten außer Fassung.
> Die vedische Weisheit ordnet daher an, dass man sich an
> einen spirituellen Meister in der Schülernachfolge wenden
> muss, um die Verwirrungen des Lebens zu lösen und die
> Wissenschaft von dieser Loslösung zu verstehen. Von
> einem Menschen mit einem echten spirituellen Meister
> kann man erwarten, dass er alles weiß. Man sollte daher
> nicht in materiellen Verwirrungen verstrickt bleiben,
> sondern einen spirituellen Meister aufsuchen. Das ist die
> Bedeutung dieses Verses.
> Wer ist nun eigentlich materiellen Verwirrungen
> ausgesetzt? Es ist derjenige, der die Probleme des Lebens
> nicht begreift. In der Garga Upanisad wird der verwirrte
> Mensch wie folgt beschrieben:
> "Nur ein Geizhals löst die Probleme des Lebens nicht als
> Mensch und verlässt daher diese Welt wie die Katzen und
> Hunde, ohne die Wissenschaft der Selbstverwirklichung zu
> verstehen."
> Die menschliche Form des Lebens ist ein überaus kostbares
> Gut für das Lebewesen, denn es kann sie zur Lösung der
> Probleme des Lebens nutzen; wer daher diese Gelegenheit
> nicht richtig nutzt, ist ein Geizhals. Auf der anderen Seite
> gibt es den brahmana oder den Menschen, der intelligent
> genug ist, diesen Körper zur Lösung aller Probleme des
> Lebens zu nutzen.
> Die Krpanas oder Geizhnlse verschwenden ihre Zeit mit
> übermäßiger Zuneigung zu Familie, Gesellschaft, Land
> usw. in der materiellen Lebensauffassung. Die meisten
> Menschen haften am Familienleben, an Frau, Kindern und
> anderen Angehörigen - und diese Anziehung auf der
> körperlichen Ebene wird "Hautkrankheit" genannt. Der
> Krpana glaubt, er könne seine Familienangehörigen vor
> dem Tode schützen, oder der Krpana denkt, seine Familie
> oder Gesellschaft könne ihn vor dem Rachen des Todes
> retten. Solche Familienanhaftung kann man selbst bei
> Tieren finden, die sich ebenfalls um ihre Kinder sorgen. Da
> Arjuna intelligent war, konnte er verstehen, dass seine
> Zuneigung zu Familienangehörigen und sein Wunsch, sie
> vor dem Tode zu schützen, die Ursachen seiner Verwirrung
> waren. Obwohl er verstehen konnte, dass es seine Pflicht
> war zu kämpfen, konnte er dennoch aufgrund geiziger
> Schwäche seine Pflichten nicht erfüllen. Er bittet daher Sri
> Krsna, den höchsten spirituellen Meister, eine endgültige
> Lösung herbeizuführen. Er bietet sich Krsna als Schüler an.
> Er möchte freundschaftliche Gespräche beenden.
> Gespräche zwischen dem Meister und dem Schüler sind
> ernst, und jetzt will Arjuna vor dem anerkannten
> spirituellen Meister sehr ernst sprechen. Krsna ist daher der
> ursprüngliche spirituelle Meister der Wissenschaft von der
> Bhagavad-Gita, und Arjuna ist der erste Schüler für das
> Verständnis der Gita. Wie Arjuna die Bhagavad-Gita
> versteht, wird in der Gita selbst gesagt. Und dennoch
> erklären törichte weltliche Gelehrte, es sei nicht notwendig,
> sich Krsna als Person zu ergeben, sondern vielmehr dem
> "Ungeborenen in Krsna". Es besteht kein Unterschied
> zwischen Krsnas Innerem und Krsnas Äußerem. Wer
> keinen Sinn für dieses Verständnis hat, erweist sich bei dem
> Versuch, die Bhagavad-Gita zu verstehen, als der größte
> Narr.
> 
> VERS 8
> Ich kann kein Mittel finden, dieses Leid zu vertreiben,
> das meine Sinne austrocknet. Ich wäre nicht einmal
> fähig, davon frei zu werden, wenn ich ein
> unangefochtenes Königreich auf der Erde mit einer
> Oberherrschaft wie die der Halbgötter im Himmel
> gewönne.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl Arjuna so viele Einwände vorbrachte, die auf
> Kenntnis der Grundsätze von Religion und Moralgesetzen
> beruhten, scheint es, dass er seine eigentlichen Probleme
> ohne die Hilfe des spirituellen Meisters, Sri Krsna ,nicht zu
> lösen vermochte. Er konnte verstehen, dass sein sogenanntes
> Wissen nutzlos war, wenn es darum ging, die Probleme zu
> meistern, die seine ganze Existenz austrockneten, und es
> war ihm unmöglich, solche Verwirrungen ohne die Hilfe
> eines spirituellen Meisters wie Krsna zu lösen.
> Akademisches Wissen, Gelehrsamkeit, eine hohe Stellung
> usw. sind nutzlos, wenn es darum geht, die Probleme des
> Lebens zu lösen. Hilfe kann nur ein spiritueller Meister wie
> Krsna geben. Die Schlussfolgerung lautet daher, dass ein
> spiritueller Meister, der zu einhundert Prozent Krsnabewusst
> ist, der echte spirituelle Meister ist, da er die
> Probleme des Lebens lösen kann. Sri Caitanya sagte, dass
> jemand, der Meister in der Wissenschaft des Krsna-
> Bewusstseins ist, ungeachtet seiner sozialen Stellung, der
> wahre spirituelle Meister ist. Im Caitanya-caritamrta
> (Madhya 8.127) heißt es:
> "Es ist gleichgültig, ob jemand ein vipra [ein großer
> Gelehrter im vedischen Wissen] ist, ob er in einer niedrigen
> Familie geboren wurde oder ob er im Lebensstand der
> Entsagung steht - wenn er Meister in der Wissenschaft von
> Krsna ist, ist er der vollkommene und echte spirituelle
> Meister."
> Ohne ein Meister in der Wissenschaft des Krsna-
> Bewusstseins zu sein, ist also niemand ein echter spiritueller
> Meister. In den vedischen Schriften wird auch gesagt:
> "Ein gelehrter brahmana, der auf allen Gebieten des
> vedischen Wissens bewandert ist, eignet sich nicht als
> spiritueller Meister, wenn er kein Vaisnava ist oder sich in
> der Wissenschaft des Krsna-Bewusstseins nicht auskennt.
> Jemand aber, der in einer Familie aus einer niederen Kaste
> geboren wurde, kann ein spiritueller Meister werden, wenn
> er ein Vaisnava oder Krsna-bewusst ist."
> 
> Den Problemen des 
> materiellen Daseins - Geburt, Alter,
> Krankheit und Tod kann nicht durch Anhäufung von
> Reichtum und durch wirtschaftlichen Fortschritt
> entgegengewirkt werden. In vielen Teilen der Welt gibt es
> Staaten, denen alle Annehmlichkeiten des Lebens zur
> Verfügung stehen, die sehr reich und wirtschaftlich
> fortgeschritten sind und die trotzdem immer noch mit den
> Problemen des materiellen Daseins zu kämpfen haben. Sie
> suchen auf verschiedenen Wegen nach Frieden, aber sie
> können wirkliches Glück nur dann erreichen, wenn sie sich
> Krsna zuwenden oder die Bhagavad-Gita und das Srimad-
> Bhagavatam zu Rate ziehen die die Wissenschaft von
> Krsna beinhalten -, oder wenn sie sich an den echten
> Vertreter Krsnas, den Menschen im Krsna-Bewusstsein,
> wenden.
> Wenn wirtschaftlicher Fortschritt und materielle
> Annehmlichkeiten das Gejammer um familiäre, soziale,
> nationale oder internationale Trugbilder vertreiben könnten,
> hätte Arjuna nicht gesagt, dass selbst ein unangefochtenes
> Königreich auf Erden oder Oberherrschaft wie die der
> Halbgötter auf den himmlischen Planeten nicht imstande
> seien, sein Leid zu vertreiben. Er suchte daher Zuflucht im
> Krsna-Bewusstsein, und das ist der richtige Weg zu Frieden
> und Harmonie. Wirtschaftlicher Fortschritt oder Herrschaft
> über die Welt können jeden Augenblick durch die
> Umwälzungen der materiellen Natur beendet werden.
> Selbst der Aufstieg zu höheren Planeten, wie zum Beispiel
> der Versuch des Menschen, Lebensraum auf dem Mond zu
> suchen, kann ebenfalls mit einem Schlag beendet werden.
> Die Bhagavad-Gita (9.21) bestätigt dies: "Wenn die Früchte frommer Werke
> aufgezehrt sind, fällt man vom Gipfel höchsten Glücks
> wieder auf die niedrigste Stufe des Lebens zurück." Viele
> Politiker dieser Welt sind auf diese Weise zu Fall
> gekommen. Solche Stürze werden nur zu weiteren
> Ursachen des Klagens.
> Wenn wir daher Klagen ein für allemal bezwingen wollen,
> müssen wir bei Krsna Zuflucht suchen, wie es auch Arjuna
> erstrebt. Arjuna bat also Krsna, seine Probleme endgültig
> zu lösen, und das ist der Weg des Krsna-Bewusstseins.
> 
> VERS 9
> Sanjaya sagte: Nachdem Arjuna, der Bezwinger der
> Feinde, so gesprochen hatte, sagte er zu Krsna:
> "Govinda, ich werde nicht kämpfen!" und verstummte.
> ERLÄUTERUNG
> Dhrtarastra  muss sehr erfreut gewesen sein, als er hörte, dass
> Arjuna nicht kämpfen wollte und statt dessen beabsichtigte,
> das Schlachtfeld zu verlassen, um ein Bettler zu werden.
> Aber Sanjaya enttäuschte ihn eigentlich zugleich, als er ihm
> mitteilte, dass Arjuna befähigt war, seine Feinde zu töten
> (parantapaH). Obwohl Arjuna aus Zuneigung zu seiner
> Familie zeitweise von falschem Schmerz überwältigt war,
> vertraute er sich Krsna, dem höchsten spirituellen Meister,
> als Schüler an. Dies deutete an, dass er bald von falscher
> Klage aus Zuneigung zu seiner Familie frei sein und mit
> vollkommenem Wissen um Selbsterkenntnis oder Krsna-
> Bewusstsein erleuchtet sein und dann gewiss kämpfen
> würde. Auf diese Weise würde Dhrtarastrs Frohlocken in
> Enttäuschung enden, da Arjuna von Krsna erleuchtet sein
> und bis zum Letzten kämpfen würde.
> 
> VERS 10
> O Nachfahre Bharatas [Dhrtarastra ], da sprach Krsna
> in der Mitte zwischen den beiden Heeren zu dem
> kummervollen Arjuna lächelnd die folgenden Worte.
> ERLÄUTERUNG
> Das Gespräch fand zwischen engen Freunden statt,
> zwischen Hrsikesa und Gudakesa. Als Freunde befanden
> sich beide auf der gleichen Ebene, doch einer wurde
> freiwillig der Schüler des anderen. Krsna lächelte, weil sich
> ein Freund entschlossen hatte, ein Schüler zu werden. Als
> Herr allen Seins nimmt Er als der Meister eines jeden
> immer die übergeordnete Stellung ein, und doch nimmt der
> Herr auch jemand an, der Freund, Sohn, Geliebte oder
> Geweihter sein oder Ihn Selbst in einer solchen Rolle sehen
> möchte. Als Er aber als Meister akzeptiert wurde, nahm Er
> sogleich diese Rolle an und sprach mit dem Schüler wie der
> Meister - mit Ernst, wie es notwendig ist. Es scheint, dass
> das Gespräch zwischen dem Meister und dem Schüler
> öffentlich, vor den beiden Heeren, geführt wurde, so dass
> alle ihren Nutzen daraus ziehen konnten. Die Gespräche der
> Bhagavad-Gita sind also nicht für eine bestimmte Person,
> Gesellschaft oder Gemeinschaft gedacht, sondern für alle,
> und Freunde wie Feinde haben gleichermaßen das Recht,
> sie zu hören.
> 
> VERS 11
> Der Höchste Herr sprach: Während du gelehrte Worte
> sprichst, betrauerst du, was des Kummers nicht wert ist.
> Die Weisen beklagen weder die Lebenden noch die
> Toten.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr nahm sofort die Stellung des Lehrers ein und
> rügte den Schüler, indem Er ihn indirekt einen Toren
> nannte. Der Herr sagte: "Du sprichst wie ein Gelehrter, aber
> du weißt nicht, dass jemand, der wirklich gelehrt ist - der
> weiß, was Körper und was Seele ist - niemals die
> Verfassung des Körpers beklagt, weder im lebendigen noch
> im toten Zustand." Wie in späteren Kapiteln eindeutig
> erklärt werden wird, bedeutet Wissen, die Materie, die
> spirituelle Seele und den Lenker von beiden zu kennen.
> Arjuna wandte ein, religiösen Grundsätzen solle mehr
> Bedeutung beigemessen werden als Politik oder Soziologie,
> aber er wußte nicht, dass Wissen von der Materie, der Seele
> und dem Höchsten sogar noch wichtiger ist als religiöse
> Rituale. Und weil es ihm an diesem Wissen fehlte, hätte er
> sich nicht als großer Gelehrter ausgeben sollen. Da er nun
> tatsächlich kein großer Gelehrter war, jammerte er um
> etwas, was des Klagens überhaupt nicht wert war. Der
> Körper wird geboren und hat das Schicksal, heute oder
> morgen zu vergehen; deshalb ist der Körper nicht so
> wichtig wie die Seele. Wer dies weiß, ist wahrhaft gelehrt,
> und für ihn gibt es keinen Grund zu klagen - ungeachtet des
> Zustands, in dem sich der materielle Körper befindet.
> 
> VERS 12
> Niemals gab es eine Zeit, als Ich oder du oder all diese
> Könige nicht existierten, noch wird in der Zukunft einer
> von uns aufhören zu sein.
> ERLÄUTERUNG
> In den Veden, das heißt sowohl in der Katha Upanisad als
> auch in der Svetasvatara Upanisad, steht geschrieben, dass
> der Herr, die Höchste Persönlichkeit, der Erhalter
> unzähliger Lebewesen ist und sie versorgt - je nach ihren
> unterschiedlichen Lebensumständen, die aus individueller
> Arbeit und der Reaktion auf dieses Tun resultieren. Der
> Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, lebt auch durch
> Seine vollständigen Teile im Herzen eines jeden
> Lebewesens. Nur heilige Menschen, die sowohl im Innern
> als auch außerhalb den gleichen Höchsten Herrn
> wahrnehmen können, sind imstande, wahrhaft
> vollkommenen und ewigen Frieden zu erlangen.
> Die gleiche vedische Wahrheit, die Arjuna verkündet
> wurde, wird allen Menschen auf der Weit offenbart, die
> sich als sehr gelehrt hinstellen, aber in Wirklichkeit nur
> über dürftiges Wissen verfügen. Der Herr sagt eindeutig,
> dass Er Selbst, Arjuna und all die auf dem Schlachtfeld
> versammelten Könige ewig individuelle Wesen sind und
> dass Er ewig der Erhalter der individuellen Lebewesen
> sowohl in ihren bedingten als auch in ihren befreiten
> Situationen ist. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist die
> höchste individuelle Person, und Arjuna, der ewige
> Gefährte des Herrn, und all die dort versammelten Könige
> sind ebenfalls individuelle, ewige Personen. Es ist nicht so,
> dass sie in der Vergangenheit nicht als Individuen existiert
> haben, und es ist nicht so, dass sie nicht ewige Personen
> bleiben werden. Ihre Individualität existierte in der
> Vergangenheit, und ihre Individualität wird in der Zukunft
> ohne Unterbrechung weiterbestehen. Deshalb besteht kein
> Anlaß, irgend jemand zu beklagen.
> Die Theorie der Mayavadis, die individuelle Seele, getrennt
> durch die Bedeckung mayas oder der Illusion, werde nach
> der Befreiung mit dem unpersönlichen Brahman
> verschmelzen und ihre individuelle Existenz verlieren, wird
> hier von Sri Krsna, der höchsten Autorität, nicht unterstützt.
> Noch wird hier die Theorie untermauert, dass wir uns im
> bedingten Zustand Individualität nur einbilden. Krsna sagt
> hier deutlich, dass in der Zukunft auch die Individualität des
> Herrn und anderer, wie in den Upanisaden bestätigt ist,
> fortbestehen wird. Diese Erklärung Krsnas ist maßgebend,
> denn Krsna kann nicht der Illusion unterliegen. Wenn
> Individualität keine Tatsache wäre, hätte Krsna sie nicht so
> sehr betont - sogar für die Zukunft. Die Mayavadis mögen
> einwenden, die Individualität, von der Krsna spreche, sei
> nicht spirituell, sondern materiell, aber selbst wenn man das
> Argument akzeptiert, dass Individualität materiell sei, wie
> ist dann Krsnas Individualität zu verstehen? Krsna
> bekrnftigt, dass Er in der Vergangenheit Seine Individualität
> hatte, und versichert, dass Er auch in der Zukunft Seine
> Individualität haben wird. Er hat Seine Individualität auf
> vielerlei Weise bestätigt, und es ist erklärt worden, dass das
> unpersönliche Brahman Ihm untergeordnet ist. Krsna hat
> Seine spirituelle Individualität immer bewahrt. Wenn man
> Ihn für eine gewöhnliche bedingte Seele mit individuellem
> Bewusstsein hält, hat Seine Bhagavad-Gita als maßgebende
> Schrift keinen Wert. Ein gewöhnlicher Mensch mit den vier
> Mnngeln menschlicher Unvollkommenheit ist unfähig,
> etwas zu lehren, was es wert ist, gehört zu werden. Die Gita
> steht über solcher Literatur. Kein weltliches Buch ist mit
> der Bhagavad-Gita vergleichbar. Wenn man Krsna für
> einen gewöhnlichen Menschen hält, verliert die Gita ihre
> ganze Bedeutung. Die Mayavadis argumentieren, die in
> diesem Vers angesprochene Pluralität sei im
> herkömmlichen Sinne zu verstehen und beziehe sich auf
> den Körper. Aber an früherer Stelle, vor diesem Vers, ist
> eine solche körperliche Auffassung bereits verurteilt
> worden. Wie konnte also Krsna, nachdem Er das
> körperliche Verständnis von den Lebewesen verurteilt
> hatte, eine übliche Vorstellung vom Körper vertreten? Die
> Auffassung von der Individualität wird daher auf
> spiritueller Grundlage aufrechterhalten, wie es von großen
> acaryas wie Sri Ramanuja und anderen, bestätigt wird. An
> vielen Stellen in der Gita heißt es eindeutig, dass diese
> spirituelle Individualität nur von denen verstanden wird, die
> Geweihte des Herrn sind. Diejenigen, die Krsna als die
> Höchste Persönlichkeit Gottes beneiden, haben keinen
> Zugang zu diesem großartigen Literaturwerk. Ein
> Nichtgottgeweihter, der sich mit den Lehren der Gita
> befaßt, gleicht einer Biene, die an einem Honigtopf leckt.
> Man kann den Geschmack des Honigs nicht erfahren,
> solange man nicht den Topf öffnet. In ähnlicher Weise
> kann auch das Geheimnis der Bhagavad-Gita nur von
> Gottgeweihten verstanden werden, und niemand sonst kann
> davon einen Geschmack bekommen, wie im Vierten
> Kapitel des Buches bestätigt wird. Auch ist die Gita
> Menschen nicht zugänglich, die auf die bloße Existenz des
> Herrn neidisch sind. Deshalb ist die Mayavadi-Auslegung
> der Gita eine höchst irreführende Darstellung der ganzen
> Wahrheit. Sri Krsna Caitanya hat uns verboten,
> Kommentare der Mayavadis zu lesen, und Er weist uns
> darauf hin, dass derjenige, der sich der Philosophie der
> Mayavadis zuwende, die Fähigkeit verliere, das eigentliche
> Geheimnis der Gita zu verstehen. Wenn sich Individualität
> auf das empirische Universum bezieht, dann ist es nicht
> notwendig, dass der Herr überhaupt lehrt. Die Pluralität der
> individuellen Seele und des Herrn ist eine ewige Tatsache
> und wird, wie oben erwähnt, von den Veden bestätigt.
> 
> VERS 13
> So wie die verkörperte Seele in diesem Körper
> fortgesetzt von Knabenzeit zu Jugend und zu Alter
> wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise
> in einen anderen Körper ein. Die selbstverwirklichte
> Seele ist durch einen solchen Wechsel nicht verwirrt.
> ERLÄUTERUNG
> Da jedes Lebewesen eine individuelle Seele ist, wechselt es
> seinen Körper in jedem Augenblick und manifestiert sich
> so manchmal als Kind, manchmal als Jugendlicher und
> manchmal als alter Mann. Dennoch handelt es sich um die
> gleiche spirituelle Seele, die sich nicht wandelt. Diese
> individuelle Seele wechselt den Körper zum Zeitpunkt des
> Todes endgültig und geht in einen anderen Körper ein, und
> da sie mit Sicherheit bei der nächsten Geburt einen anderen
> Körper bekommt - entweder einen materiellen oder einen
> spirituellen -, gab es für Arjuna keinen Grund, den Tod zu
> beklagen, auch den Bhismas oder Dronas nicht, um die er
> sich so sorgte. Vielmehr sollte er sich freuen, dass sie ihre
> alten Körper gegen neue eintauschen und so ihre Energie
> erneuern würden. Solche Körperwechsel bedeuten eine
> Vielfalt von Freuden oder Leiden, die sich je nach der
> Handlungsweise im Leben richten. Da Bhisma und Drona
> edle Seelen waren, wurden sie in ihrem nächsten Leben mit
> Gewissheit entweder spirituelle Körper oder zumindest ein
> Leben in himmlischen Körpern erhalten, in denen ein
> höherer Genuss des materiellen Daseins möglich wäre. In
> beiden Fällen gab es also keinen Grund zu klagen.
> Jeder Mensch, der über vollkommenes Wissen von der
> Beschaffenheit der individuellen Seele, der Überseele und
> der Natur - der materiellen wie auch der spirituellen -
> verfügt, wird als dhÖra oder ein überaus besonnener
> Mensch bezeichnet. Ein solcher Mensch lässt sich niemals
> durch den Wechsel von Körpern täuschen. Die Mayavadi-
> Theorie des Einsseins der spirituellen Seele kann nicht
> damit begründet werden, dass die Seele nicht in
> fragmentarische Teile zerlegt werden kann und dass ein
> solches Zerlegen in verschiedene individuelle Seelen den
> Höchsten teilbar und wandelbar machen würde, was dem
> Prinzip widerspräche, dass die Höchste Seele unwandelbar
> ist.
> Wie in der Gita bestätigt wird, bestehen die
> fragmentarischen Teile des Höchsten ewig (sanatana) und
> werden ksara genannt, was bedeutet, dass sie die Neigung
> haben, in die materielle Natur zu fallen. Diese
> fragmentarischen Teile sind ewig so beschaffen, und selbst
> nach der Befreiung bleibt die individuelle Seele der gleiche
> fragmentarische Teil. Aber einmal befreit, lebt sie
> zusammen mit dem Herrn, der Persönlichkeit Gottes, ein
> ewiges Leben in Glückseligkeit und Wissen. Am Beispiel
> der Spiegelung kann man die Überseele verstehen, die in
> jedem einzelnen individuellen Körper anwesend ist und die
> man als Paramatma kennt, der vom individuellen
> Lebewesen verschieden ist. Wenn der Himmel im Wasser
> gespiegelt wird, repräsentieren die Spiegelungen sowohl
> die Sonne und den Mond als auch die Sterne. Die Sterne
> können mit den Lebewesen verglichen werden und die
> Sonne oder der Mond mit dem Höchsten Herrn. Die
> individuelle, fragmentarische Seele wird von Arjuna
> repräsentiert, und die Höchste Seele ist die Persönlichkeit
> Gottes, Sri Krsna. Sie befinden sich nicht auf der gleichen
> Ebene, wie zu Beginn des Vierten Kapitels deutlich werden
> wird. Wenn sich Arjuna auf der gleichen Ebene wie Krsna
> befindet und Krsna nicht über Arjuna steht, dann wird ihre
> Beziehung als Lehrer und Schüler bedeutungslos. Wenn
> beide von der illusionierenden Energie (maya) getäuscht
> sind, ist es nicht notwendig, dass der eine Lehrer und der
> andere Schüler ist. Solche Unterweisungen wären nutzlos,
> da niemand in der Gewalt mayas ein maßgebender Lehrer
> sein kann. Hier jedoch wird Sri Krsna als der Höchste Herr
> anerkannt, der Sich in einer höheren Stellung befindet als
> das Lebewesen, Arjuna, der eine von maya irregeführte,
> vergessliche Seele ist.
> 
> VERS 14
> O Sohn Kuntis, das unbeständige Erscheinen von Glück
> und Leid und ihr Verschwinden im Laufe der Zeit
> gleichen dem Kommen und Gehen von Sommer und
> Winter. Sie entstehen durch Sinneswahrnehmung, o
> Nachkomme Bharatas, und man muss lernen, sie zu
> dulden, ohne gestört zu sein.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man seine Pflicht richtig erfüllen will, muss man
> lernen, das unbeständige Erscheinen und Verschwinden
> von Glück und Leid zu dulden. Nach vedischer
> Unterweisung muss man sogar im Monat Magha (Januar-
> Februar) früh morgens sein Bad nehmen. Zu dieser Zeit ist
> es sehr kalt, aber trotzdem zögert ein Mann, der an den
> religiösen Grundsätzen festhält, nicht, sein Bad zu nehmen.
> In ähnlicher Weise zögert eine Frau nicht, während der
> Monate Mai und Juni - dem heißesten Teil der Sommerzeit
> - in der Küche zu kochen. Man muss trotz klimabedingter
> Unbequemlichkeiten seine Pflicht erfüllen. In ähnlicher
> Weise ist Kämpfen das religiöse Prinzip der ksatriyas, und
> auch wenn man mit einem Freund oder Verwandten
> kämpfen muss, sollte man nicht von seiner
> vorgeschriebenen Pflicht abweichen. Man muss den
> vorgeschriebenen Regeln und Regulierungen religiöser
> Prinzipien folgen, um zur Ebene von Wissen aufzusteigen,
> denn nur durch Wissen und Hingabe kann man sich aus den
> Klauen mayas befreien.
> Die beiden Namen, mit denen Arjuna hier bedacht wird,
> sind ebenfalls bedeutsam. Die Anrede "Kaunteya" zeigt
> seine bedeutende Blutsverwandtschaft mit der Familie
> seiner Mutter an, und die Anrede "Bharata" deutet auf seine
> Größe von Seiten seines Vaters hin. Man kann also
> annehmen, dass er von beiden Seiten ein großes Erbe
> mitbrachte. Ein großes Erbe bringt in Bezug auf die richtige
> Erfüllung von Pflichten Verantwortung mit sich, und daher
> kann er den Kampf nicht vermeiden.
> 
> VERS 15
> O Bester unter den Menschen [Arjuna], wer sich durch
> Glück und Leid nicht stören lässt, sondern in beiden
> geduldig ist, eignet sich gewiss dazu, Befreiung zu
> erlangen.
> ERLÄUTERUNG
> Jeder, der mit fester Entschlossenheit nach der
> fortgeschrittenen Stufe spiritueller Erkenntnis strebt und
> mit Gleichmut die Angriffe von Leid und Glück duldet, ist
> gewiss geeignet, befreit zu werden. In der varnasrama-
> Einrichtung stellt die vierte Stufe des Lebens, nämlich der
> Lebensstand der Entsagung (sannyasa), ein mühevolles
> Leben dar. Doch wem es ernst ist, sein Leben zu
> vervollkommnen, der tritt mit Sicherheit trotz aller
> Schwierigkeiten in den sannyasa-Stand des Lebens ein. Die
> Schwierigkeiten entstehen im allgemeinen daraus, dass man
> die Beziehung zu seiner Familie abbrechen, das heißt die
> Verbindung zu Frau und Kindern, aufgeben muss. Aber
> wenn jemand fähig ist, solche Schwierigkeiten auf sich zu
> nehmen, ist sein Weg zur spirituellen Erkenntnis gewiss
> vollkommen. Ebenso bekommt Arjuna bei seiner
> Pflichterfüllung als ksatriya den Rat, standhaft zu bleiben -
> auch wenn es schwierig ist, mit seinen
> Familienangehörigen oder anderen nahestehenden
> Menschen zu kämpfen. Sri Caitanya nahm im Alter von
> vierundzwanzig Jahren sannyasa an, und Seine
> Angehörigen, nämlich Seine junge Frau und Seine alte
> Mutter, hatten außer Ihm niemand, der sich um sie
> kümmerte. Dennoch nahm Er um einer höheren Sache
> willen sannyasa an und erfüllte mit Beständigkeit höhere
> Pflichten. Das ist der Weg, Befreiung aus der materiellen
> Knechtschaft zu erlangen.
> 
> VERS 16
> Die Weisen, die die Wahrheit sehen, haben erkannt, dass
> das Inexistente ohne Dauer und das Existente ohne
> Ende ist. Zu diesem Schluss sind die Weisen gekommen,
> nachdem sie das Wesen von beiden studiert hatten.
> ERLÄUTERUNG
> Der sich wandelnde Körper ist nicht von Dauer. Dass sich
> der Körper in jedem Augenblick durch die Aktionen und
> Reaktionen der verschiedenen Zellen verändert, wird von
> der modernen medizinischen Wissenschaft bestätigt, und so
> finden also im Körper Wachstum und Alter statt. Aber die
> spirituelle Seele besteht fortwährend und bleibt trotz aller
> Wandlungen des Körpers und des Geistes dieselbe. Das ist
> der Unterschied zwischen Materie und spiritueller Natur.
> Von Natur aus wandelt sich der Körper ständig, aber die
> Seele ist ewig. Zu dieser Schlussfolgerung sind alle Arten
> von Weisen, sowohl Unpersönlichkeits- als auch
> Persönlichkeitsphilosophen, gekommen. Im Visnu Purana
> heißt es, dass Visnu und Seine Reiche alle von
> selbstleuchtender spiritueller Existenz sind Die Wörter "existent" und "inexistent"
> beziehen sich nur auf die spirituelle Natur und die Materie.
> Das ist die Ansicht aller Weisen.
> Hier beginnen die Unterweisungen des Herrn an die
> Lebewesen, die durch den Einfluss der Unwissenheit
> verwirrt sind. Eine Beseitigung der Unwissenheit bedeutet
> auch, dass die ewige Beziehung zwischen dem Verehrenden
> und dem Verehrten wiederhergestellt und folglich der
> Unterschied zwischen den winzigen, teilhaften Lebewesen
> und der Höchsten Persönlichkeit Gottes verstanden wird.
> Man kann das Wesen des Höchsten anhand eines
> eingehenden Studiums seinerselbst verstehen,
> vorausgesetzt, dass man den Unterschied zwischen sich
> selbst und dem Höchsten als die Beziehung zwischen dem
> Teil und dem Ganzen versteht. In den Vedanta-sutras und
> ebenso im Srimad-Bhagavatam ist der Höchste als der
> Ursprung aller Inkarnationen anerkannt worden. Diese
> Inkarnationen kann man anhand der Folgeerscheinungen
> höherer und niederer Natur wahrnehmen. Wie im Siebten
> Kapitel offenbart werden wird, gehören die Lebewesen zur
> höheren Natur. Obwohl kein Unterschied zwischen der
> Energie und dem Ursprung der Energie besteht, wird der
> Energieursprung als der Höchste und die Energie oder
> Natur als Ihm untergeordnet anerkannt. Deshalb sind die
> Lebewesen dem Höchsten Herrn immer untergeben - wie
> der Diener dem Meister oder der Schüler dem Lehrer.
> Solch klares Wissen ist unter dem Zauber der Unwissenheit
> unmöglich zu verstehen, und um solche Unwissenheit zu
> vertreiben, lehrt der Herr die Bhagavad-Gita zur
> Erleuchtung aller Lebewesen für alle Zeiten.
> 
> VERS 17
> Wisse, das was den gesamten Körper durchdringt, ist
> unzerstörbar. Niemand ist imstande, die unvergängliche
> Seele zu zerstören.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers erklärt noch deutlicher das wirkliche Wesen
> der Seele, das über den gesamten Körper verbreitet ist.
> Jeder kann verstehen, was über den ganzen Körper
> verbreitet ist: es ist Bewusstsein. Jeder ist sich der
> Schmerzen und Freuden bewusst, die entweder in einem
> Teil des Körpers oder im gesamten Körper empfunden
> werden. Diese Verbreitung von Bewusstsein beschränkt sich
> auf den eigenen Körper. Die Schmerzen und Freuden des
> einen Körpers sind einem anderen unbekannt. Daher ist
> jeder einzelne Körper die Verkörperung einer individuellen
> Seele, und das Symptom für die Anwesenheit der Seele
> wird als individuelles Bewusstsein erfahren. Diese Seele
> wird als so groß wie der zehntausendste Teil einer
> Haarspitze beschrieben. Die Svetasvatara Upanisad (5.9)
> bestätigt dies wie folgt:
> "Wenn eine Haarspitze in hundert Teile und jedes dieser
> Teile in weitere hundert Teile zerlegt wird, dann entspricht
> eines dieser Teile der Größe der Seele."
> Im Bhagavatam wird diese Tatsache in ähnlicher Weise
> erklärt:
> "Es gibt unzählige Partikel von spirituellen Atomen, und
> jedes von ihnen ist so groß wie der zehntausendste Teil
> einer Haarspitze."
> Hiernach ist das individuelle Partikel, das eine spirituelle
> Seele darstellt, ein spirituelles Atom, das kleiner ist als die
> materiellen Atome, und solche Atome sind unzählbar.
> Dieser sehr kleine spirituelle Funken bildet das
> Grundprinzip des materiellen Körpers, und der Einfluss
> eines solchen spirituellen Funkens ist über den ganzen
> Körper verbreitet, ebenso wie sich der Einfluss des aktiven
> Prinzips eines Medikaments im gesamten Körper verbreitet.
> Diese Ausbreitung der Seele wird überall im Körper als
> Bewusstsein verspürt, und das ist der Beweis für die
> Gegenwart der Seele. Jeder Laie kann verstehen, dass der
> materielle Körper ohne Bewusstsein ein toter Körper ist und
> dass dieses Bewusstsein im Körper durch keine materielle
> Bemühung wiederbelebt werden kann. Bewusstsein ist
> daher auf keinerlei Menge materieller Verbindungen
> zurückzuführen, sondern auf die spirituelle Seele. In der
> Mundaka Upanisad (3.1.9) wird weiter erklärt, wie man die
> atomische spirituelle Seele mißt.
> "Die Seele ist atomisch klein und kann durch vollkommene
> Intelligenz wahrgenommen werden. Diese atomische Seele
> schwebt in den fünf Luftarten prana, apana, vyana,
> samana und udana, befindet sich im Herzen und verbreitet
> ihren Einfluss über den gesamten Körper des verkörperten
> Lebewesens. Wenn die Seele von der Verunreinigung
> durch die fünf Arten materieller Luft geläutert ist, entfaltet
> sich ihr spiritueller Einfluss."
> Das hatha-yoga-System ist dazu gedacht, die fünf
> Luftarten, die die reine Seele umkreisen, durch
> verschiedene Sitzstellungen zu meistern - nicht um
> irgendeines materiellen Gewinns willen, sondern um die
> winzige Seele aus der Verstrickung in die materielle
> Atmosphnre zu befreien.
> Das Wesen der winzigen Seele wird also in allen vedischen
> Schriften anerkannt und in der praktischen Erfahrung jedes
> geistig gesunden Menschen tatsächlich empfunden. Nur ein
> Geistesgestörter kann glauben, die winzig kleine Seele sei
> das alldurchdringende Visnu-tattva.
> Der Einfluss der winzigen Seele kann vollständig über einen
> bestimmten Körper verbreitet werden. Wie es in der
> Mundaka Upanisad heißt, befindet sich die atomische Seele
> im Herzen des Lebewesens, und da die Messung der
> atomischen Seele jenseits der Reichweite der materiellen
> Wissenschaftler liegt, behaupten einige von ihnen
> törichterweise, es gebe keine Seele. Es besteht kein Zweifel
> darüber, dass die individuelle winzige Seele zusammen mit
> der Überseele im Herzen weilt, und daher kommen alle
> 
> Energien, die zur Bewegung des Körpers benötigt werden,
> aus diesem Teil des Körpers. Die roten Blutkörperchen, die
> den Sauerstoff aus der Lunge mit sich tragen, bekommen
> Energie von der Seele. Wenn die Seele diese Stellung
> verlässt, kommt die Tätigkeit des Blutes, die die
> Verbrennungsvorgänge anregt, zum Stillstand. Die
> medizinische Wissenschaft erkennt die Bedeutung der roten
> Blutkörperchen an, aber sie kann nicht herausfinden, dass
> die Quelle der Energie die Seele ist. Auf der anderen Seite
> aber rnumt die medizinische Wissenschaft ein, dass das
> Herz der Sitz aller Energien des Körpers ist.
> Diese atomischen Partikel des Spirituellen Ganzen werden
> mit den Molekülen des Sonnenscheins verglichen. Im
> Sonnenschein gibt es unzählige strahlende Moleküle. In
> ähnlicher Weise sind die fragmentarischen Teile des
> Höchsten Herrn atomische Funken der Strahlen des
> Höchsten, die als prabha oder höhere Energie bezeichnet
> werden. Weder das vedische Wissen noch die moderne
> Wissenschaft verleugnen die Existenz der spirituellen Seele
> im Körper, und die Wissenschaft von der Seele wird
> ausführlich von der Höchsten Persönlichkeit Gottes Selbst
> in der Bhagavad-Gita erklärt.
> 
> VERS 18
> Nur der materielle Körper des unzerstörbaren,
> unmeßbaren und ewigen Lebewesens unterliegt der
> Zerstörung. Deshalb kämpfe, o Nachkomme Bharatas.
> ERLÄUTERUNG
> Der materielle Körper ist von Natur aus vergänglich. Er
> mag sogleich vergehen oder erst nach hundert Jahren. Es ist
> nur eine Frage der Zeit. Es gibt keine Möglichkeit, ihn
> 
> unbegrenzt zu erhalten. Die spirituelle Seele aber ist so
> winzig, dass sie von einem Feind nicht einmal gesehen,
> geschweige denn getötet werden kann. Wie im vorherigen
> Vers erwähnt wurde, ist sie so klein, dass niemand
> irgendeine Vorstellung hat, wie man ihre Dimension
> messen kann. Von beiden Gesichtspunkten aus betrachtet
> gibt es also keinen Grund zu klagen, denn weder kann das
> Lebewesen, so wie es ist, getötet noch kann der materielle
> Körper, der nicht einmal eine Sekunde länger als
> vorgesehen erhalten werden kann, bleibend beschützt
> werden. Das winzige Partikel des Spirituellen Ganzen
> nimmt seinem Tun gemäß einen materiellen Körper an, und
> daher soll man die Einhaltung religiöser Grundsätze nutzen.
> In den Vedanta-sutras wird das Lebewesen
> eigenschaftsmäßig als Licht eingestuft, da es ein
> Bestandteil des höchsten Lichts ist. So wie Sonnenlicht das
> gesamte Universum erhält, so erhält das Licht der Seele den
> materiellen Körper. Sobald die spirituelle Seele den
> materiellen Körper verlassen hat, beginnt der Körper zu
> zerfallen; daher ist es die spirituelle Seele, die den Körper
> erhält. Der Körper selbst ist unwichtig. Arjuna wurde
> angewiesen, zu kämpfen und den materiellen Körper um
> der Religion willen zu opfern.
> 
> VERS 19
> Wer glaubt, das Lebewesen töte oder werde getötet,
> befindet sich in Unwissenheit. Wer in Wissen gründet,
> weiß, dass das Lebewesen weder tötet noch getötet wird.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn ein verkörpertes Lebewesen durch tödliche Waffen
> verletzt wird, muss man wissen, dass das Lebewesen
> innerhalb des Körpers nicht getötet wird. Wie aus den
> vorangegangenen Versen deutlich hervorgeht, ist die
> spirituelle Seele so klein, dass es unmöglich ist, sie mit
> irgendeiner materiellen Waffe zu töten. Allein aufgrund
> seiner spirituellen Beschaffenheit kann das Lebewesen
> niemals vernichtet werden. Das, was vernichtet oder
> angeblich zerstört wird, ist nur der Körper. Dies soll aber
> keineswegs dazu auffordern, den Körper zu töten. Die
> vedische Unterweisung lautet: mahimsyat sarva-bhutani.
> "Tu niemals irgend jemand Gewalt an." Auch ermutigt das
> Verständnis, dass das Lebewesen nicht getötet werden kann,
> nicht dazu, Tiere zu schlachten. Den Körper irgendeines
> Lebewesens zu vernichten, ohne dazu befugt zu sein, ist
> verabscheuungswürdig und wird sowohl vom Gesetz des
> Staates als auch vom Gesetz des Herrn bestraft. Arjuna
> jedoch soll für das Prinzip der Religion töten - nicht aus
> einer Laune heraus.
> 
> VERS 20
> Für die Seele gibt es weder Geburt noch Tod. Auch hört
> sie, da sie einmal war, niemals auf zu sein. Sie ist
> ungeboren, ewig, immerwährend, unsterblich und
> urerst. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper
> erschlagen wird.
> ERLÄUTERUNG
> Der Qualität nach ist der winzige fragmentarische Teil des
> Höchsten Spirituellen Wesens mit dem Höchsten eins. Er
> unterliegt keinem Wandel wie der Körper. Manchmal wird
> die Seele als "die Beständige" oder kutastha bezeichnet.
> Der Körper unterliegt sechs Arten von Wandlungen: Er
> wird in der Gebnrmutter des mütterlichen Körpers geboren,
> bleibt dort einige Zeit, wächst heran, zeugt Nachkommen,
> verfällt allmählich und gernt schließlich in Vergessenheit.
> Die Seele aber durchlnuft nicht solche Wandlungen. Die
> Seele selbst wird nicht geboren, aber weil sie einen
> materiellen Körper annimmt, wird der Körper geboren. Die
> Seele wird nicht geboren, und die Seele stirbt nicht. Alles,
> was geboren wird, muss sterben. Und da die Seele nie
> geboren wurde, kennt sie weder Vergangenheit noch
> Gegenwart, noch Zukunft. Sie ist ewig, immerwährend und
> urerst - das heißt, es gibt in der Geschichte keine Spur ihrer
> Entstehung. Unter dem Einfluss der körperlichen
> Vorstellung suchen wir nach dem Zeitpunkt der Geburt
> usw. der Seele. Die Seele wird zu keiner Zeit alt, wie es der
> Körper wird. Daher fühlt der sogenannte alte Mann, dass er
> der gleiche ist wie in seiner Kindheit oder Jugend. Die
> 
> Wandlungen des Körpers beeinflussen nicht die Seele. Die
> Seele unterliegt nicht dem Zerfall wie ein Baum oder etwas
> anderes Materielles. Die Seele hat auch keine
> Nachkommen. Die Nebenprodukte des Körpers, nämlich
> Kinder, sind ebenfalls verschiedene individuelle Seelen,
> und nur im Hinblick auf den Körper erscheinen sie als
> Kinder eines bestimmten Mannes. Der Körper entwickelt
> sich, weil die Seele anwesend ist; aber weder hat die Seele
> Abkömmlinge, noch unterliegt sie dem Wandel. Folglich ist
> die Seele von den sechs Wandlungen des Körpers frei.
> Auch in der Katha Upanisad (1.2.18) finden wir einen
> ähnlichen Abschnitt, in dem es heißt:
> Die Aussage und Bedeutung dieses Verses ist die gleiche
> wie in der Bhagavad-Gita, aber hier in diesem Vers gibt es
> 
> ein besonderes Wort, nämlich vipascit, was soviel bedeutet
> wie "gelehrt" oder "mit Wissen".
> Die Seele ist voll Wissen oder immer von Bewusstsein
> erfüllt. Daher ist Bewusstsein das Merkmal der Seele. Selbst
> wenn man die Seele nicht im Herzen findet, wo sie sich
> aufhält, kann man die Gegenwart der Seele einfach durch
> die Anwesenheit von Bewusstsein verstehen. Manchmal
> finden wir die Sonne am Himmel nicht, weil sich Wolken
> davor geschoben haben oder aus irgendeinem anderen
> Grund, aber das Licht der Sonne ist immer da, und wir sind
> überzeugt, dass es deshalb Tag ist. Sobald frühmorgens ein
> wenig Licht am Himmel ist, können wir verstehen, dass die
> Sonne am Himmel steht. In ähnlicher Weise können wir
> auch die Gegenwart der Seele verstehen, da in allen
> Körpern - ob Mensch oder Tier - Bewusstsein vorhanden ist.
> Dieses Bewusstsein der Seele unterscheidet sich jedoch vom
> Bewusstsein des Höchsten, da das höchste Bewusstsein
> Allwissen ist - es umfaßt Vergangenheit, Gegenwart und
> Zukunft. Das Bewusstsein der individuellen Seele neigt
> dazu, vergeßlich zu sein. Wenn sie ihre wahre Natur
> vergißt, empfängt sie aus den erhabenen Lehren Krsnas
> Erziehung und Erleuchtung. Aber Krsna ist nicht mit der
> vergeßlichen Seele zu vergleichen. Wenn dem so wäre,
> würden Seine Lehren in der Bhagavad-Gita nutzlos sein. Es
> gibt zwei Arten von Seelen. die winzig kleine Seele (anuatma)
> und die Überseele (vibhu-atma). Dies wird auch in
> der Katha Upanisad (1.2.20) wie folgt bestätigt:
> "Sowohl die Überseele [Paramatma] als auch die winzig
> kleine Seele [jivatma] sitzen auf dem gleichen Baum des
> Körpers, im gleichen Herzen des Lebewesens, und nur
> jemand, der von allen materiellen Wünschen und Klagen
> 
> frei 
> geworden ist, kann durch die Gnade des Höchsten die
> Herrlichkeit der Seele verstehen."
> Krsna ist auch der Ursprung der Überseele, wie in den
> folgenden Kapiteln enthüllt werden wird, und Arjuna ist die
> winzig kleine Seele, die ihre wahre Natur vergessen hat und
> daher von Krsna oder Seinem echten Vertreter (dem
> spirituellen Meister) erleuchtet werden muss.
> 
> VERS 21
> O Partha, wie kann ein Mensch, der weiß, dass die Seele
> unzerstörbar, ungeboren, ewig und unveränderlich ist,
> jemand töten oder einen anderen veranlassen zu töten?
> ERLÄUTERUNG
> Alles hat seinen bestimmten Nutzen, und ein Mensch, der
> in vollkommenem Wissen gründet, weiß, wie und wo ein
> Ding seine richtige Verwendung hat. In ähnlicher Weise hat
> auch Gewalt ihre Nützlichkeit, und wie Gewalt
> anzuwenden ist, liegt bei demjenigen, der über Wissen
> verfügt. Obwohl der Friedensrichter über einen Menschen,
> der wegen Mordes verurteilt ist, die Todesstrafe verhängt,
> kann gegen ihn kein Vorwurf erhoben werden, da er
> Gewalt gegen einen anderen in Übereinstimmung mit dem
> Gesetz befiehlt. In der Manu-samhita, dem Gesetzbuch der
> Menschheit, wird bestätigt, dass ein Mörder zum Tode
> verurteilt werden sollte, damit er in seinem nächsten Leben
> für die große Sünde, die er begangen hat, nicht zu leiden
> braucht. Deshalb ist die Strafe des Königs, einen Mörder zu
> hängen, durchaus segensreich. In ähnlicher Weise verhält
> es sich mit Krsna: Wenn Er den Befehl gibt zu kämpfen,
> muss man daraus schließen, dass Gewalt um höchster
> Gerechtigkeit willen stattfindet. Arjuna sollte der
> Anweisung folgen, da er wohl weiß, dass solche Gewalt, die
> im Kampf für Krsna angewandt wird, keineswegs Gewalt
> ist; denn der Mensch oder vielmehr die Seele kann auf
> keinen Fall getötet werden. Um für Gerechtigkeit zu
> sorgen, ist also sogenannte Gewalt gestattet. Ein
> chirurgischer Eingriff soll den Patienten nicht töten,
> sondern heilen. Daher findet der Kampf, den Arjuna im
> Auftrag Krsnas austragen soll, in vollem Wissen statt, und
> daher kann keine sündhafte Reaktion folgen.
> 
> VERS 22
> Wie ein Mensch alte Kleider ablegt und neue anlegt, so
> gibt die Seele alt und unbrauchbar gewordene Körper
> auf und nimmt neue an.
> ERLÄUTERUNG
> Dass die atomische individuelle Seele den Körper wechselt,
> ist eine anerkannte Tatsache. Selbst einige moderne
> Wissenschaftler, die nicht an die Existenz der Seele
> glauben, aber zur gleichen Zeit die Energiequelle im
> Herzens nicht erklären können, müssen die fortwährenden
> Wandlungen des Körpers von Kindheit zu Knabenzeit, von
> Knabenzeit zu Jugend und von Jugend zu Alter
> anerkennen. Vom Alter aus wird die Wandlung auf einen
> anderen Körper übertragen. Dies ist schon im
> vorangegangenen Vers erklärt worden.
> Das Überwechseln der atomischen individuellen Seele in
> einen anderen Körper wird durch die Gnade der Überseele
> ermöglicht. Die Überseele erfüllt den Wunsch der
> atomischen Seele, ebenso wie ein Freund den Wunsch
> seines Freundes erfüllt. Die Veden, wie die Mundaka
> Upanisad und die SVetasvatara Upanisad, vergleichen die
> Seele und die Überseele mit zwei befreundeten Vögeln, die
> auf dem gleichen Baum sitzen. Einer der Vögel (die
> individuelle atomische Seele) ißt von den Früchten des
> Baumes, während der andere Vogel (Krsna) Seinen Freund
> nur beobachtet. Von diesen beiden Vögeln - obwohl sie
> sich eigenschaftsmäßig gleichen - ist der eine von den
> Früchten des materiellen Baumes bezaubert, wohingegen
> der andere einfach nur Zeuge der Tätigkeiten Seines
> Freundes ist. Krsna ist der bezeugende Vogel, und Arjuna
> ist der essende Vogel. Obwohl sie Freunde sind, ist
> trotzdem der eine Meister und der andere Diener. Dass die
> atomische Seele diese Beziehung vergißt, ist die Ursache
> dafür, dass sie von einem Baum zum anderen oder vielmehr
> von einem Körper zum anderen wechselt. Die jiva-Seele
> kämpft sehr schwer auf dem Baum des materiellen Körpers;
> aber sobald sie sich damit einverstanden erklärt, den
> anderen Vogel als den höchsten spirituellen Meister
> anzuerkennen - wie Arjuna einverstanden war, indem er
> sich Krsna freiwillig unterordnete, um sich von Ihm
> unterweisen zu lassen -, wird der untergeordnete Vogel
> sogleich von allem Klagen frei. Sowohl die Katha
> Upanisad als auch die Svetasvatara Upanisad bestätigen
> dies:
> "Obwohl die beiden Vögel im gleichen Baum sitzen, wird
> der essende Vogel von Angst und Unzufriedenheit geplagt,
> weil er die Fruchte des Baumes genießen will. Aber wenn
> er sich auf diese oder jene Weise seinem Freund, der der
> Herr ist, zuwendet und dessen Herrlichkeit erkennt, wird
> der leidende Vogel sogleich von allen Ängsten frei."
> Arjuna hat sich jetzt seinem ewigen Freund, Krsna,
> zugewandt und lässt sich von Ihm in der Bhagavad-Gita
> unterrichten. Indem er so von Krsna hört, kann er die
> erhabene Herrlichkeit des Herrn verstehen und von aller
> Klage frei werden. Arjuna wird hier vom Herrn
> unterwiesen, den Körperwechsel seines alten Großvaters
> und seines Lehrers nicht zu beklagen. Er sollte vielmehr
> froh darüber sein, ihre Körper in einem gerechten Kampf
> zu töten, so dass sie sogleich von allen Reaktionen auf
> verschiedene körperliche Tätigkeiten gereinigt werden
> mögen. Wer sein Leben auf dem Opferaltar oder auf dem
> geeigneten Schlachtfeld lässt, wird auf der Stelle von
> körperlichen Reaktionen gereinigt und auf eine höhere
> Stufe des Lebens erhoben. Es gab also für Arjuna keinen
> Grund zu klagen.
> 
> VERS 23
> Die Seele kann weder von Waffen in Stücke geschnitten,
> noch kann sie von Feuer verbrannt, von Wasser benetzt
> oder vom Wind verdorrt werden.
> ERLÄUTERUNG
> Alle Arten von Waffen, wie Schwerter, Flammen,
> Regenfälle, Wirbelstürme usw., sind nicht imstande, die
> spirituelle Seele zu vernichten. Es scheint, dass es damals
> außer den modernen Feuerwaffen noch viele andere Arten
> von Waffen gab, die aus Erde, Wasser, Luft, Äther usw.
> bestanden. Selbst die Kernwaffen der heutigen Zeit werden
> als Feuerwaffen eingestuft. Vormals gab es noch andere
> Waffen, die aus allen möglichen materiellen Elementen
> hergestellt waren. Feuerwaffen bekämpfte man mit
> Wasserwaffen, die jetzt der modernen Wissenschaft
> unbekannt sind. Auch wissen moderne Wissenschaftler
> nichts von Wirbelsturmwaffen. Nichtsdestoweniger kann
> die Seele, ungeachtet wissenschaftlicher Erfindungen,
> niemals in Stücke geschnitten oder durch irgendeine
> Anzahl von Waffen vernichtet werden.
> Es war niemals möglich, die individuelle Seele von der
> ursprünglichen Seele abzutrennen. Die Mayavadis
> versuchen zu beschreiben, wie die individuelle Seele aus
> Unwissenheit hervorging und folglich von der täuschenden
> Energie bedeckt wurde. Weil die Lebewesen ewig
> (sanatana) atomische individuelle Seelen sind, neigen sie
> dazu, von der täuschenden Energie bedeckt zu werden, und
> so werden sie von der Gemeinschaft des Höchsten Herrn
> getrennt, ebenso wie die Funken eines Feuers, obwohl der
> Eigenschaft nach eins mit dem Feuer, zum Verlöschen
> neigen, wenn sie aus dem Feuer herausfallen. Im Varaha
> Purana werden die Lebewesen als abgesonderte winzige
> Bestandteile des Höchsten beschrieben. Sie sind dies ewig,
> wie auch von der Bhagavad-Gita bestätigt wird. Wie aus
> den Lehren des Herrn zu Arjuna ersichtlich ist, behält das
> Lebewesen also, selbst nachdem es von der Illusion befreit
> ist, seine gesonderte Identität. Arjuna wurde durch das
> Wissen, das er von Krsna empfing, zwar befreit, doch
> wurde er niemals eins mit Krsna.
> 
> VERS 24
> Diese individuelle Seele ist unzerbrechlich und
> unauflöslich und kann weder verbrannt noch
> ausgetrocknet werden. Sie ist immerwährend,
> alldurchdringend, unwandelbar, unbeweglich und ewig
> dieselbe.
> ERLÄUTERUNG
> Alle diese Eigenschaften der winzigen Seele beweisen
> eindeutig, dass die individuelle Seele ewig der winzige
> Bestandteil des spirituellen Ganzen ist und ewig, ohne
> Veränderung, dasselbe Atom bleibt. Es ist sehr schwierig,
> in diesem Falle die Theorie des Monismus anzuwenden,
> denn es ist niemals zu erwarten, dass die individuelle Seele
> mit allem anderen eins und gleich wird. Nach der Befreiung
> von der materiellen Verunreinigung mag es die winzige
> Seele vorziehen, als ein spiritueller Funken in den
> leuchtenden Strahlen der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu
> verbleiben, aber die intelligenten Seelen gehen in die
> spirituellen Planeten ein, um mit der Persönlichkeit Gottes
> zusammenzusein.
> Das Wort sarva-gatah (alldurchdringend) ist bedeutsam, da
> kein Zweifel darüber besteht, dass es überall in Gottes
> Schöpfung Lebewesen gibt. Sie leben auf dem Land, im
> Wasser, in der Luft, unter der Erde und sogar im Feuer. Die
> Ansicht, Lebewesen würden im Feuer vernichtet werden,
> ist nicht annehmbar, da es hier unmißverständlich heißt,
> dass die Seele durch Feuer nicht verbrannt werden kann.
> Deshalb besteht kein Zweifel darüber, dass es auch im
> Sonnenplaneten Lebewesen gibt, die dort mit einem
> geeigneten Körper leben. Wäre die Sonne unbewohnt, dann
> wurde das Wort sarva-gatah (überall gibt es Leben) seine
> Bedeutung verlieren.
> 
> VERS 25
> Es heißt, dass die Seele unsichtbar, unbegreiflich,
> unveränderlich und unwandelbar ist. Da du dies weißt,
> solltest du um den Körper nicht trauern.
> ERLÄUTERUNG
> Wie zuvor beschrieben wurde, ist die Größe der Seele für
> unsere materielle Berechnung so klein, dass sie nicht einmal
> mit dem stnrksten Mikroskop gesehen werden kann;
> deshalb ist sie unsichtbar. Was die Existenz der Seele
> betrifft, so kann niemand, über den Beweis von sruti oder
> der vedischen Weisheit hinaus, ihre Existenz experimentell
> nachweisen. Wir müssen diese Wahrheit akzeptieren, weil
> es keine andere Quelle gibt, die Existenz der Seele zu
> verstehen, wenngleich sie tatsächlich wahrgenommen
> werden kann. Es gibt viele Dinge, die wir allein auf der
> Grundlage höherer Autorität akzeptieren müssen. Niemand
> kann die auf die Autorität der Mutter gestützte Existenz
> seines Vaters leugnen. Außer der Autorität der Mutter gibt
> es keine andere Quelle, die Identität des Vaters zu
> verstehen. In ähnlicher Weise gibt es keine andere
> Möglichkeit, die Seele zu verstehen, als die Veden zu
> studieren. Mit anderen Worten: Die Seele ist durch
> menschliches experimentelles Wissen nicht zu begreifen.
> Die Seele ist Bewusstsein und bewusst - so lautet auch die
> Aussage der Veden, und wir haben die zu akzeptieren.
> Anders als der Körper, der sich wandelt, vollzieht sich in
> der Seele keine Wandlung. Da die Seele unveränderlich ist,
> ist sie im Vergleich zur unendlichen Höchsten Seele immer
> atomisch klein. Die Höchste Seele ist unendlich, und die
> atomische Seele ist unendlich klein. Folglich kann die
> unendlich kleine Seele, da unwandelbar, niemals der
> unendlichen Seele oder der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> gleichkommen. Diese Auffassung wird in den Veden auf
> verschiedene Weise wiederholt, nur um die
> Unveränderlichkeit der Konzeption von der Seele zu
> untermauern. Wiederholung ist notwendig, damit wir etwas
> fehlerfrei und eingehend verstehen.
> 
> VERS 26
> Wenn du jedoch glaubst, die Seele werde ständig aufs
> neue geboren und sterbe immer wieder, gibt es für dich
> dennoch keinen Grund zu klagen, o Starkarmiger.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt immer eine Klasse von Philosophen, die fast mit
> den Buddhisten gleichzusetzen ist und die nicht an eine
> vom Körper gesonderte Existenz der Seele glaubt. Als Sri
> Krsna die Bhagavad-Gita sprach, gab es Philosophen dieser
> Art, die als Lokayatikas oder Vaibhasikas bekannt waren.
> Diese Philosophen vertraten die Auffassung,
> Lebenssymptome oder die Seele entstünden in einem
> gewissen Reifestadium materieller Verbindungen. Die
> modernen materialistischen Wissenschaftler und
> Philosophen des Materialismus denken ähnlich. Ihrer
> Ansicht nach ist der Körper eine Kombination
> physikalischer Elemente und sie glauben, die
> Lebenssymptome entwickelten sich auf einer gewissen
> Stufe durch sie Wechselwirkung physikalischer und
> chemischer Elemente. Die Wissenschaft der Anthropologie
> stützt sich auf diese Philosophie. In neuerer Zeit gibt es
> viele Pseudo-Religionen - die jetzt vor allem in Amerika
> Mode werden -, die sich ebenfalls an diese Philosophie
> sowie an die nihilistischen, sich nicht hingebenden
> buddhistischen Sekten anschließen.
> Selbst wenn Arjuna nicht an die Existenz der Seele glaubte
> - wie es bei den Vertretern der Vaibhasika-Philosophie der
> Fall ist -, hätte dennoch kein Grund zur Klage bestanden.
> Niemand jammert um den Verlust einer Masse chemischer
> Stoffe und hört auf, seine vorgeschriebene Pflicht zu
> erfüllen. In der modernen Wissenschaft und
> wissenschaftlichen Kriegsführung werden so viele Tonnen
> chemischer Substanzen verschwendet, um den Feind zu
> besiegen. Nach der Vaibhasika-Philosophie vergeht die
> sogenannte Seele (atma) mit der Auflösung des Körpers. In
> jedem Fall also - ob Arjuna die vedische Schlussfolgerung
> akzeptierte, dass es eine winzige Seele gibt, oder ob er nicht
> an die Existenz der Seele glaubte -, hatte er keinen Grund
> zu klagen. Da nach der Theorie der Vaibhasikas in jedem
> Augenblick unendlich viele Lebewesen aus der Materie
> erzeugt werden und unendlich viele sterben, braucht man
> um ein solches Ereignis nicht zu trauern. Da nun Arjuna
> eine Wiedergeburt der Seele nicht in Betracht zog, gab es
> für ihn keinen Grund, sich vor sündhaften Reaktionen zu
> fürchten, die entstehen würden, wenn er seinen Großvater
> und seinen Lehrer tötete. Krsna redete Arjuna hier spöttisch
> mit maha-bahu (Starkarmiger) an, da zumindest Er die
> Theorie der Vaibhasikas nicht akzeptierte, die das vedische
> Wissen außer acht lässt. Als ksatriya gehörte Arjuna der
> vedischen Kultur an, und daher war es seine Pflicht, weiter
> ihren Prinzipien zu folgen.
> 
> VERS 27
> Einem, der geboren wurde, ist der Tod sicher, und
> einem, der gestorben ist, ist die Geburt gewiss. Deshalb
> solltest du bei der unvermeidlichen Erfüllung deiner
> Pflicht nicht klagen.
> ERLÄUTERUNG
> Die Tätigkeiten im Leben bestimmen die Geburt. Und
> nachdem man einen Kreis von Tätigkeiten beendet hat,
> muss man sterben, um für den nächsten geboren zu werden.
> Auf diese Weise dreht sich das Rad von Geburt und Tod,
> eine Umdrehung nach der anderen, ohne Befreiung. Dieser
> Kreislauf von Geburt und Tod rechtfertigt jedoch nicht
> unnötiges Morden, Schlachten oder Krieg. Aber zugleich
> sind Gewalt und Krieg in der menschlichen Gesellschaft
> unvermeidliche Faktoren, um Gesetz und Ordnung
> aufrechtzuerhalten.
> Die Schlacht von Kuruksetra war ein unvermeidliches
> Ereignis, da sie der Wille des Höchsten war, und es ist die
> Pflicht des ksatriya, für die rechte Sache zu kämpfen.
> Warum sollte Arjuna den Tod seiner Verwandten fürchten
> oder darüber bekümmert sein, wenn er doch nur seine
> eigentliche Pflicht erfüllte? Es paßte nicht zu ihm, das
> Gesetz zu brechen und dadurch den Reaktionen sündiger
> Handlungen unterworfen zu werden, wovor er sich sehr
> fürchtete. Auch wenn er seine eigentliche Pflicht nicht
> erfüllte, könnte er den Tod seiner Verwandten nicht
> verhindern, und da er falsch gehandelt hätte, würde er sein
> Ansehen verlieren.
> 
> VERS 28
> Alle erschaffenen Wesen sind am Anfang
> unmanifestiert, in ihrem Zwischenzustand manifestiert
> und wieder unmanifestiert, wenn sie vernichtet sind.
> Warum soll man also klagen?
> ERLÄUTERUNG
> Geht man einmal davon aus, dass es zwei Gruppen von
> Philosophen gibt - die einen, die an die Existenz der Seele
> glauben, und die anderen, die nicht an die Existenz der
> Seele glauben -, so gibt es in beiden Fällen keinen Grund
> zur Klage. Diejenigen, die nicht an die Existenz der Seele
> glauben, werden von den Nachfolgern der vedischen
> Weisheit als Atheisten bezeichnet. Selbst wenn wir, um der
> Beweisführung willen, die atheistische Theorie akzeptieren,
> gibt es dennoch keinen Grund zur Klage. Abgesehen von
> der gesonderten Existenz der Seele, bleiben die materiellen
> Elemente vor der Schöpfung unmanifestiert. Aus diesem
> feinen Zustand der Nichtmanifestation geht Manifestation
> hervor, ähnlich wie aus Äther Luft, aus Luft Feuer, aus
> Feuer Wasser und aus Wasser Erde entsteht. Aus der Erde
> gehen viele verschiedene Manifestationen hervor. Nehmen
> wir zum Beispiel einen riesigen Wolkenkratzer, der aus
> Erde besteht. Wenn man ihn zerstört, löst sich die
> Manifestation wieder auf, und letzten Endes bleiben nur
> Atome übrig. Das Gesetz der Energieerhaltung gilt immer,
> nur sind die Dinge im Laufe der Zeit einmal manifestiert
> und ein anderes Mal unmanifestiert - darin liegt der
> Unterschied. Welchen Grund gibt es also, entweder den
> Zustand der Manifestation oder den der Nichtmanifestation
> zu beklagen? Auf irgendeine Weise sind die Dinge selbst
> im unmanifestierten Zustand nicht verloren. Sowohl am
> Anfang als auch am Ende bleiben alle materiellen Elemente
> unmanifestiert, und nur in ihrem Zwischenstadium sind sie
> manifestiert, und das macht keinen wirklichen materiellen
> Unterschied.
> Wenn wir die vedische Schlussfolgerung akzeptieren, wie
> man sie in der Bhagavad-Gita (2.18) findet, dass nämlich die
> materiellen Körper im Laufe der Zeit vergehen (antavanta
> ime dehah), dass aber die Seele ewig ist (nityasyoktah
> saririnah), dann sollten wir uns immer daran erinnern, dass
> der Körper wie ein Gewand ist und warum sollte man den
> Wechsel eines Kleidungsstücks beklagen? Der materielle
> Körper hat im Verhältnis zur ewigen Seele keine wirkliche
> Existenz. Er ist so etwas wie ein Traum. Im Traum glauben
> wir vielleicht, dass wir in der Luft fliegen oder als König in
> einer Karosse sitzen; doch wenn wir erwachen, sehen wir,
> dass wir weder fliegen noch in einer Karosse sitzen. Die
> Veden fordern zur Selbstverwirklichung auf, wobei sie
> davon ausgehen, dass der materielle Körper im Grunde
> nicht existiert. Daher gibt es in keinem Fall - ob man an die
> Existenz der Seele glaubt oder ob man an die Existenz der
> Seele nicht glaubt - einen Grund, den Verlust des Körpers
> zu beklagen.
> 
> VERS 29
> Einige betrachten die Seele als wunderbar; einige
> beschreiben sie als wunderbar, und einige hören, sie sei
> wunderbar, wohingegen andere, selbst nachdem sie von
> ihr gehört haben, sie überhaupt nicht verstehen können.
> ERLÄUTERUNG
> Da die Gitopanisad weitgehend auf den Prinzipien der
> Upanisaden beruht, ist es nicht überraschend, in der Katha
> 
> Upanisad den folgenden Abschnitt zu finden:
> Die Tatsache, dass sich die winzig kleine Seele im Körper
> eines riesigen Tieres, im Körper eines mächtigen
> Banyanbaums und sogar in winzigen Bakterien befindet
> von denen Millionen und Abermillionen nur einen
> 
> Zentimeter Raum einnehmen ist zweifellos sehr erstaunlich.
> Menschen mit geringem Wissen und Menschen, die nicht
> 
> enthaltsam sind, können die Wunder des individuellen
> winzigen Funkens spiritueller Natur nicht verstehen,
> obwohl diese Dinge von der größten Autorität des Wissens
> erklärt werden, die sogar Brahma, dem ersten Lebewesen
> im Universum Unterweisung erteilte. Aufgrund einer grobmateriellen
> Auffassung von den Dingen können sich die
> meisten Menschen in diesem Zeitalter nicht vorstellen, wie
> ein solch kleines Teilchen einmal so groß und ein anderes
> Mal so klein werden kann. Sie sehen daher die Seele als
> etwas Wunderbares an, entweder weil sie ihre
> Beschaffenheit kennen oder weil sie ihnen beschrieben
> worden ist. Getäuscht von der materielle Energie, befassen
> sich die meisten Menschen so sehr mit Dingen für die
> Befriedigung ihrer Sinne, dass sie nur sehr wenig Zeit
> haben, die Frage nach dem Verständnis des eigenen Selbst
> zu begreifen, obwohl es eine Tatsache ist, dass ohne dieses
> Selbstverständnis alle Handlungen im Kampf ums Dasein
> letzten Endes zum Scheitern verurteilt sind. Vielleicht weiß
> niemand, dass man über die Seele nachdenken und
> außerdem eine Lösung für die materiellen Leiden finden
> muss.
> Manche Menschen, die daran interessiert sind, etwas über
> die Seele zu erfahren, mögen Vorträge von autorisierten
> Sprechern hören, doch werden sie oft aufgrund von
> Unwissenheit irregeführt und glauben, die Überseele und
> die winzige Seele seien ohne Größenunterschied eins. Es ist
> sehr schwer, einen Menschen zu finden, der die Stellung
> der Seele, die Überseele, die winzige Seele, ihre jeweiligen
> Funktionen, Beziehungen und alle anderen größeren und
> kleineren Einzelheiten vollkommen versteht. Und es ist
> noch schwieriger, einen Menschen zu finden, der aus dem
> Wissen über die Seele tatsächlich vollen Nutzen gewonnen
> hat und die Stellung der Seele in verschiedenen Aspekten
> beschreiben kann. Aber wenn jemand irgendwie imstande
> ist, das Thema Seele zu verstehen, ist sein Leben
> erfolgreich. Der einfachste Vorgang, das Selbst zu
> verstehen, besteht indes darin; die Aussagen der BhagavadGita
> die von der größten Autorität, Sri Krsna, gesprochen
> wurde, anzunehmen, ohne sich von anderen Theorien
> ablenken zu lassen. Aber es erfordert auch ein hohes Maß
> an tapasya und Opfer, entweder in diesem Leben oder in
> vorangegangenen, bevor man fähig ist, Krsna als die
> 
> Höchste Persönlichkeit Gottes anzuerkennen. Krsna kann
> jedoch durch die grundlose Barmherzigkeit des reinen
> Gottgeweihten, und auf keine andere Weise, in dieser
> Eigenschaft erkannt werden.
> 
> VERS 30
> O Nachkomme Bharatas, die Seele, die im Körper
> wohnt, ist ewig und kann niemals getötet werden. Daher
> brauchst du um kein Geschöpf zu trauern.
> ERLÄUTERUNG
> Hiermit beschließt der Herr Seine Unterweisungen über die
> unveränderliche spirituelle Seele. Indem Sri Krsna die
> unsterbliche Seele auf verschiedene Weise beschreibt,
> erhärtet Er die Tatsache, dass die Seele unsterblich und der
> Körper vergänglich ist. Arjuna war ein ksatriya, und
> 
> deshalb 
> sollte er nicht aus Furcht, dass sein Großvater und
> sein Lehrer - Bhisma und Drona - in der Schlacht sterben
> wurden, seine Pflicht aufgeben. Man muss aufgrund der
> Autorität Sri Krsnas glauben, dass es eine Seele gibt und
> dass diese Seele vom materiellen Körper verschieden ist,
> und nicht, dass es so etwas wie die Seele nicht gibt oder dass
> Lebenssymptome auf einer gewissen Stufe materieller
> Reife aus der Wechselwirkung chemischer Stoffe
> entstehen. Obwohl die Seele unsterblich ist, wird Gewalt
> nicht befürwortet; doch in Kriegszeiten wird davon nicht
> abgeraten, wenn es wirklich notwendig ist. Diese
> Notwendigkeit muss durch den Willen des Herrn 
> gerechtfertigt sein, nicht durch unser Gutdünken.
> 
> VERS 31
> Im Hinblick auf deine besondere Pflicht als ksatriya
> solltest du wissen, dass es für dich keine bessere
> Beschäftigung gibt, als auf der Grundlage religiöser
> Prinzipien zu kämpfen. Daher ist es nicht notwendig zu
> zögern.
> ERLÄUTERUNG
> Von den vier Einteilungen gesellschaftlicher
> Administration wird die zweite Stufe, die für eine gute
> Verwaltung zuständig ist, ksatriya genannt. Ksat bedeutet
> verletzen, und jemand, der vor Schaden beschützt, wird als
> ksatriya bezeichnet (trayate bedeutet Schutz gewnhren).
> Ksatriyas werden im Wald darin ausgebildet, zu töten.
> Früher ging ein ksatriya in den Wald und forderte einen
> Tiger zum Zweikampf heraus und kämpfte dann mit dem
> Tiger mit dem bloßen Schwert in der Hand. Wenn der Tiger
> getötet war, wurde er auf Anordnung des Königs verbrannt.
> Dieser Brauch wird bis zum heutigen Tage von den
> ksatriya-Königen des Staates Jaipur gepflegt. Weil religiöse
> Gewalt manchmal notwendig ist, werden die ksatriyas
> besonders darin ausgebildet, herauszufordern und zu töten.
> Deshalb ist es für ksatriyas niemals vorgesehen, direkt in
> den Stand des sannyasa oder der Entsagung einzutreten.
> Gewaltlosigkeit mag in der Politik ein diplomatisches
> Vorgehen sein, aber sie ist niemals ein entscheidender
> Faktor oder ein Grundsatz. In den religiösen Gesetzbüchern
> heißt es:
> "Während ein König oder ksatriya auf dem Schlachtfeld
> mit einem anderen König kämpft, der ihn beneidet, ist er
> geeignet, nach dem Tod die himmlisch Planeten zu
> erreichen, ebenso wie die brahmanas ebenfalls die
> himmlischen Plane erreichen, indem sie Tiere im
> Opferfeuer opfern."
> Wenn daher in einer Schlacht auf der Grundlage religiöser
> Prinzipien getötet wird oder wenn Tiere im Opferfeuer
> getötet werden, gilt dies keinesfalls als Gewalttat; denn
> jeder der Beteiligten zieht aus den miteinbezogenen
> religiösen Prinzip seinen Nutzen. Das geopferte Tier
> bekommt augenblicklich die menschliche Form des Lebens,
> ohne sich dem allmählichen Evolutionsprozeß von einer
> Lebensform zur anderen unterziehen zu müssen, und die
> auf dem Schlachtfeld getöteten ksatriyas erreichen die
> himmlischen Planeten, ebenso wie die brahmanas, die
> Opfer darbringen.
> Es gibt zwei Arten von sva-dharmas oder bestimmten
> Pflichten. Solange man nicht befreit ist, muss man, um
> Befreiung zu erlangen, die Pflichten des jeweiligen
> Körpers, in dem man sich befindet, in Übereinstimmung
> mit den religiösen Prinzipien erfüllen. Wenn man befreit
> ist, wird der sva-dharma - die bestimmte Pflicht - spirituell
> und befindet sich nicht mehr auf der Ebene des materiellen
> Körpers. In der körperlichen Auffassung vom Leben gibt es
> sowohl für die brahmanas als auch für die ksatriyas
> bestimmte Pflichten, und diese Pflichten sind
> unvermeidlich. Sva-dharma ist vom Herrn festgelegt, und
> dies wird im Vierten Kapitel näher erklärt werden. Auf der
> körperlichen Ebene wird sva-dharma als varnasramadharma
> bezeichnet oder das Sprungbrett des Menschen zu
> spirituellem Verstehen. Menschliche Zivilisation beginnt
> erst auf der Stufe des varnasrama-dharma, das heißt dann,
> wenn die bestimmten Pflichten erfüllt werden, die sich nach
> den jeweilige Erscheinungsweisen der Natur richten, die
> den Körper beeinflussen. Erfüllt man in irgendeinem
> Bereich des Handelns seine jeweilige Pflicht in
> Übereinstimmung mit dem varnasrama-dharma, wird man
> auf eine höhere Stufe des Lebens gehoben.
> 
> VERS 32
> O Partha, glücklich sind die ksatriyas, denen sich
> unverhofft solche Gelegenheiten zum Kampf bieten, da
> sie ihnen die Tore der himmlischen Planeten öffnen.
> ERLÄUTERUNG
> Als höchster Lehrer der Welt verurteilt Sri Krsna die
> Haltung Arjunas, der sagte: "Ich sehe in diesem Kampf
> nichts Gutes. Ewiger Aufenthalt in der Hölle wird die Folge
> sein." Solche Äußerungen Arjunas waren nur auf
> Unwissenheit zurückzuführen. Er wollte bei der Erfüllung
> seiner bestimmten Pflicht gewaltlos werden. Auf dem
> Schlachtfeld zu stehen und gewaltlos zu werden ist für
> einen ksatriya die Philosophie der Narren. In der Parasarasmrti,
> den religiösen Gesetzen, die von Parasara, dem
> großen Weisen und Vater Vyasadevas, verfasst wurden,
> heißt es:
> "Es ist die Pflicht des ksatriya, die Bürger vor allen
> auftretenden Schwierigkeiten zu schützen, und aus diesem
> Grund muss er in manchen Fällen Gewalt anwenden, um
> Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten. Daher hat er die
> Pflicht, die Soldaten feindlicher Könige zu besiegen, um
> dann, auf der Grundlage religiöser Prinzipien, die Welt zu
> regieren."
> Wenn man alle Gesichtspunkte in Betracht zieht, hatte
> Arjuna keinen Grund, sich vom Kampf zurückzuziehen.
> Wenn er seine Feinde besiegte, wurde er sich des
> Königreichs erfreuen können, und wenn er in der Schlacht
> sterben sollte, würde er zu den himmlischen Planeten
> erhoben werden, deren Tore ihm weit offenstanden. Zu
> kämpfen würde ihm also in jedem Fall nützen.
> 
> VERS 33
> Wenn du jedoch in diesem religiösen Krieg nicht
> kämpfst, wirst du gewiss Sünden auf dich laden, weil du
> deine Pflichten vernachlässigst, und so deinen Ruf als
> Kämpfer verlieren.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna war ein berühmter Krieger, und er hatte Ruhm
> erworben, indem er mit vielen mächtigen Halbgöttern -
> selbst Siva - kämpfte. Als er gegen den als Jnger
> verkleideten Siva im Kampf siegreich war, fand der große
> Halbgott Wohlgefallen an ihm und gab ihm als Belohnung
> eine Waffe, die als pasupata-astra bekannt war. Jeder
> wußte, dass Arjuna ein großer Krieger war. Selbst
> Dronacarya gab ihm seinen Segen und schenkte ihm eine
> besondere Waffe, mit der er sogar seinen Lehrer töten
> konnte. Er war also von vielen Autoritäten, auch von
> seinem Vater, Indra, dem Himmelskönig, mit so vielen
> militärischen Auszeichnungen geehrt worden; aber wenn er
> die Schlacht verließe, würde er nicht nur seine bestimmte
> Pflicht als ksatriya vernachlässigen, sondern er würde auch
> all seinen Ruhm und seinen guten Namen verlieren und so
> seinen Abstieg in die Hölle vorbereiten. Mit anderen
> Worten: Nicht wenn Arjuna kämpft, sondern wenn er sich
> von der Schlacht zurückzieht, fährt er in die Hölle.
> 
> VERS 34
> Für alle Zeiten wird man von deiner Schmach sprechen,
> und für jemand, der einmal geehrt wurde, ist Schande
> schlimmer als der Tod.
> ERLÄUTERUNG
> Sowohl als Freund wie auch als Philosoph fällt Sri Krsna
> jetzt Sein endgültiges Urteil über Arjunas Absicht, nicht zu
> kämpfen. Der Herr sagt: "Arjuna, wenn du das Schlachtfeld
> verlässt, werden dich die Menschen schon vor deiner
> eigentlichen Flucht einen Feigling nennen. Und wenn du
> meinst, dass die Menschen dich ruhig beschimpfen könnten,
> du aber lieber dein Leben retten möchtest, indem du vom
> Schlachtfeld fliehst, so rate Ich dir, lieber in der Schlacht zu
> sterben. Für einen ehrbaren Mann wie dich ist Schande
> schlimmer als der Tod. Deshalb solltest du nicht aus Angst
> um dein Leben fliehen, sondern lieber in der Schlacht
> sterben. Das wird dich vor der Schande bewahren, Meine
> Freundschaft mißbraucht zu haben, und dein Ansehen in
> der Gesellschaft retten."
> Das endgültige Urteil des Herrn sah für Arjuna also vor, in
> der Schlacht zu sterben, und nicht, sich zurückzuziehen.
> 
> VERS 35
> Die großen Generäle, die deinen Namen und Ruhm hoch
> ehrten, werden denken, du habest das Schlachtfeld nur
> aus Furcht verlassen, und so werden sie dich für einen
> Feigling halten.
> ERLÄUTERUNG
> Sri Krsna fährt fort, Arjuna Seine Entscheidung zu
> erklären: "Glaube nicht, die großen Generale, wie
> Duryodhana, Karna und andere, werden denken, du habest
> das Schlachtfeld aus Mitleid mit deinen Brüdern und
> deinem Großvater verlassen. Sie werden glauben, du seiest
> aus Angst um dein Leben geflohen, und so wird ihrer hohe
> Wertschätzung deiner Persönlichkeit ins Gegenteil
> umschlagen."
> 
> VERS 36
> Deine Feinde werden schlecht über dich reden und deine
> Fähigkeit verspotten. Was könnte schmerzlicher für
> dich sein?
> ERLÄUTERUNG
> Sri Krsna war zu Anfang über Arjunas ungerufenes Mitleid
> verwundert sagte, sein Mitleid sei den Nicht-Aryas
> angemessen. Mit vielen Worten hat Er Seine Einwände
> gegen Arjunas sogenanntes Mitleid erläutert.
> 
> VERS 37
> O Sohn Kuntis, entweder wirst du auf dem Schlachtfeld
> getötet werden und die himmlischen Planeten erreichen,
> oder du wirst siegen und so das irdische Königreich
> genießen. Erhebe dich daher, und kämpfe mit
> Entschlossenheit.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl es nicht sicher war, dass Arjunas Seite siegen
> wurde, musste er dennoch kämpfen; denn selbst wenn er
> den Tod fände, konnte er zumindest zu den himmlischen
> Planeten erhoben werden.
> 
> VERS 38
> Kämpfe um des Kampfes willen, ohne Glück oder Leid,
> Verlust oder Gewinn, Sieg oder Niederlage zu beachten.
> Wenn du so handelst, wirst du niemals Sünde auf dich
> laden.
> ERLÄUTERUNG
> Sri Krsna sagt jetzt unmittelbar, dass Arjuna um des
> Kampfes willen kämpfen solle, da Er die Schlacht wünsche.
> Bei Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein achtet man nicht auf
> Glück oder Leid, Verlust oder Gewinn, Sieg oder
> 
> Niederlage. 
> Transzendentales Bewusstsein bedeutet, dass
> alles für Krsna getan werden sollte; es folgt dann keine
> Reaktion auf materielle Tätigkeiten. Jemand, der um der
> Befriedigung seiner eigenen Sinne willen handelt, entweder
> in Tugend oder in Leidenschaft, ist der Reaktion
> unterworfen, sei diese gut oder schlecht. Aber jemand, der
> sich völlig den Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein ergeben
> hat, ist nicht länger irgend jemand verpflichtet, noch ist er
> irgend jemand etwas schuldig, wie man es im
> gewöhnlichen Verlauf von Tätigkeiten ist. Es wird gesagt:
> "Jeder, der sich Krsna, Mukunda, völlig ergeben und alle
> anderen Pflichten aufgeben hat, ist niemandem mehr
> verpflichtet oder irgend jemandem etwas schuldig - weder
> den Halbgöttern noch den Weisen, noch den Mitmenschen,
> noch den Verwandten, noch der Menschheit, noch den
> Vorvätern." (SB. 11.5.41)
> Das ist der indirekte Hinweis, den Krsna Arjuna in diesem
> Vers gibt. In den folgenden Versen wird diese Sache
> eingehender erklärt werden.
> 
> VERS 39
> Bisher habe Ich dir das analytische Wissen der sankhya-
> Philosophie erklärt. Höre jetzt von dem Wissen um
> jenen yoga, durch den man ohne fruchttragendes
> Ergebnis arbeitet. O Sohn Prthas, wenn du mit solcher
> Intelligenz handelst, kannst du dich von der Fessel der
> Werke befreien.
> ERLÄUTERUNG
> Nach dem vedischen Wörterbuch Nirukti bedeutet sankhya
> "das, was die Erscheinungen in allen Einzelheiten
> beschreibt", während sich sankhya auf jene Philosophie
> bezieht, die die wahre Natur der Seele beschreibt. Zu yoga
> gehört auch die Meisterung der Sinne. Arjunas EntSchluss,
> nicht zu kämpfen, hatte seine Ursache in dem Verlangen
> nach Sinnenbefriedigung. Seine vornehmste Pflicht
> vergessend, wollte er aufhören zu kämpfen, da er glaubte,
> glücklicher zu sein, wenn er seine Familienangehörigen
> und Verwandten nicht tötete, als wenn er sich des
> Königreiches erfreute, indem er seine Vettern und Brüder -
> die Söhne Dhrtarastrs - tötete. In beiden Fällen würde er
> mit dem Beweggrund der Sinnenbefriedigung handeln.
> Sowohl Glück, das man erfährt, wenn man die Verwandten
> besiegt, als auch Glück, das man verspürt, wenn man sie
> lebend sieht, befinden sich auf der Ebene persönlicher
> Sinnenbefriedigung, da man dabei weises Handeln und die
> Erfüllung der Pflicht aufgibt. Krsna wollte daher Arjuna
> erklären, dass er die Seele selbst nicht töten würde, wenn er
> den Körper seines Großvaters erschlugen und Er machte
> ihm klar, dass alle individuellen Personen, einschließlich
> des Herrn Selbst, ewige Individuen sind. Sie waren
> Individuen in der Vergangenheit, sie sind Individuen in der
> Gegenwart, und sie werden auch in der Zukunft Individuen
> bleiben, denn wir alle sind ewig individuelle Seelen und
> wechseln nur unser körperliches Gewand auf verschiedene
> Weise. Aber selbst nachdem wir von den Fesseln des
> materiellen Körpers befreit sind, behalten wir unsere
> Individualität. In einem analytischen Studium ist das Wesen
> der Seele und des Körpers von Sri Krsna bereits sehr
> sorgfältig erklärt worden. Und dieses anschauliche Wissen,
> das die Seele und den Körper von verschiedenen
> Gesichtspunkten aus beschreibt, ist mit Bezugnahme auf
> das Nirukti-Wörterbuch hier als sankhya bezeichnet
> worden. Dieser sankhya hat mit der sankhya-Philosophie
> des Atheisten Kapila nichts zu tun. Lange bevor der
> Betrüger Kapila seine sankhya-Philosophie aufstellte, war
> die sankhya-Philosophie, wie sie im Srimad-Bhagavatam
> beschrieben wird, von dem wirklichen Kapila, einer
> Inkarnation Sri Krsnas, Seiner Mutter Devahuti erklärt
> worden. Es wird von Ihm eindeutig erklärt, dass der purusa
> oder der Höchste Herr aktiv ist und dass Er erschafft, indem
> Er über die prakrti oder die materielle Natur blickt. Diese
> Tatsache wird in den Veden und in der Gita anerkannt. Die
> Beschreibung in den Veden deutet darauf hin, dass der Herr
> über die prakrti blickte und sie mit winzigen individuellen
> Seelen schwängerte. Alle diese Individuen arbeiten in der
> materiellen Welt, um ihre Sinne zu befriedigen, und unter
> dem Zauber der materiellen Energie halten sie sich für
> Genießer. Diese Geisteshaltung findet ihren Höhepunkt in
> dem Wunsch nach Befreiung, wenn das Lebewesen mit
> dem Höchsten Herrn eins werden will. Das ist die letzte
> Falle mayas oder der Illusion, die Sinne befriedigen zu
> können, und nur nach vielen, vielen Leben solcher
> sinnenbefriedigender Tätigkeiten geschieht es, dass sich
> eine große Seele Vasudeva, Krsna, ergibt und so an das
> Ende ihrer Suche nach der endgültigen Wahrheit gelangt.
> Arjuna hat Krsna bereits als seinen spirituellen Meister
> angenommen, als er sich Ihm ergab: Folglich will Krsna ihm jetzt etwas
> über die Prinzipien des buddhi-yoga oder karma-yoga
> sagen, das heißt, mit anderen Worten, über die Praxis
> hingebungsvollen Dienstes ausschließlich für die
> Befriedigung der Sinne des Herrn. Im zehnten Vers des
> Zehnten Kapitels wird klar gesagt, dass buddhi-yoga die
> Gemeinschaft mit dem Herrn bedeutet, der als Paramatma
> im Herzen eines jeden weilt. Aber solche Gemeinschaft
> kommt nicht ohne hingebungsvollen Dienst zustande. Wer
> daher im hingebungsvollen oder transzendentalen
> liebenden Dienst des Herrn oder, mit anderen Worten, im
> Krsna-Bewusstsein verankert ist, erreicht diese Stufe des
> buddhi-yoga durch die besondere Gnade des Herrn. Der
> Herr sagt deshalb, dass Er nur diejenigen mit dem reinen
> Wissen der liebenden Hingabe beschenkt, die sich immer
> aus transzendentaler Liebe im hingebungsvollen Dienst
> beTätigen. Auf diese Weise kann der Gottgeweihte Ihn sehr
> leicht im ewig-glückseligen Königreich Gottes erreichen.
> Der in diesem Vers erwähnte buddhi-yoga ist also der
> hingebungsvolle Dienst für den Herrn, und das hier
> erwähnte Wort sankhya hat nichts mit dem atheistischen
> sankhya-yoga zu tun, den der Betrüger Kapila verkündete.
> Man sollte daher den sankhya-yoga, der hier erwähnt wird,
> auf keinen Fall mit dem atheistischen sankhya verwechseln.
> Auch hatte diese Philosophie in der damaligen Zeit
> überhaupt keinen Einfluss, und Sri Krsna hätte niemals
> solch gottlose philosophische Spekulationen erwähnt.
> Wirkliche sankhya-Philosophie wird von Kapila, dem
> Herrn, im Srimad Bhagavatam beschrieben, aber selbst
> dieser sankhya hat nichts mit den hier behandelten Themen
> zu tun. Hier ist mit sankhya die analytische Beschreibung
> des Körpers und der Seele gemeint. Sri Krsna gab eine
> analytische Beschreibung der Seele, nur um Arjuna zur
> Stufe des buddhi-yoga oder bhakti-yoga hinzuführen.
> Deshalb ist Sri Krsnas sankhya und Kapilas sankhya, wie er
> im Bhagavatam beschrieben wird, ein und dasselbe. Beides
> ist bhakti-yoga. Krsna sagte daher, nur die weniger
> intelligenten Menschen unterschieden zwischen sankhyayoga
> und bhakti-yoga.
> Natürlich hat atheistischer sankhya-yoga nichts mit bhaktiyoga
> zu tun, aber dennoch behaupten unintelligente
> Menschen, die Bhagavad-Gita beziehe sich auf den,
> atheistischen sankhya-yoga. Man soll daher verstehen, dass
> buddhi-yoga bedeutet, im Krsna-Bewusstsein, das heißt in
> der vollkommenen Glückseligkeit und im allumfassenden
> Wissen des hingebungsvollen Dienstes, zu arbeiten. Wer
> ausschließlich für die Zufriedenstellung des Herrn arbeitet,
> ganz gleich wie schwierig solche Arbeit sein mag, arbeitet
> nach den Prinzipien des buddhi-yoga und ist immer in
> transzendentale Glückseligkeit eingetaucht. Durch solche
> transzendentale Bestätigung entwickelt man, dank der
> Gnade des Herrn, alle transzendentalen Eigenschaften von
> selbst, und so ist die erlangte Befreiung in sich selbst
> vollkommen, ohne dass man sich gesondert darum bemühen
> muss, Wissen zu erwerben. Es besteht ein großer
> Unterschied zwischen Arbeit im Krsna-Bewusstsein und
> Arbeit um fruchttragender Ergebnisse willen, insbesondere
> für Sinnenbefriedigung, wenn man nach Ergebnissen in
> Form von Familie oder materiellem Glück strebt. Buddhiyoga
> ist daher die transzendentale Qualität der Arbeit, die
> wir verrichten.
> 
> VERS 40
> Bei diesem Bemühen gibt es weder Verlust noch
> Minderung, und schon ein wenig Fortschritt auf diesem
> Pfad kann einen vor der größten Gefahr bewahren.
> ERLÄUTERUNG
> Handeln im Krsna-Bewusstsein oder zum Nutzen Krsnas zu
> handeln, ohne Sinnenbefriedigung zu erwarten, ist die
> höchste transzendentale Art von Arbeit. Selbst ein kleiner
> Anfang solcher Tätigkeit findet kein Hindernis, noch kann
> dieser kleine Anfang auf irgendeiner Stufe verloren gehen.
> Jede auf der materiellen Ebene begonnene Arbeit muss
> vollendet werden; sonst ist der ganze Versuch ein
> Fehlschlag. Aber jede Arbeit, die man im Krsna-
> Bewusstsein beginnt, hat eine dauernde Wirkung, selbst
> wenn sie nicht zu Ende geführt wird. Wer solche Arbeit
> verrichtet, verliert daher nichts, auch wenn seine Arbeit im
> Krsna-Bewusstsein unvollendet bleibt. Selbst wenn man ein
> Prozent der Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein ausführt,
> sind bleibende Ergebnisse die Folge, so dass man das
> nächste Mal bei zwei Prozent weitermachen kann,
> wohingegen es bei materieller Tätigkeit ohne einen
> hundertprozentigen Erfolg keinen Gewinn gibt. Ajamila
> erfüllte seine Pflicht zu einem gewissen Prozentsatz im
> Krsna-Bewusstsein, aber das Ergebnis, das ihm am Ende
> zuteil wurde, war durch die Gnade des Herrn ein
> hundertprozentiger Erfolg. In diesem Zusammenhang
> findet man im Srimad-Bhagavatam (1.5.17) einen schönen
> Vers:
> "Wenn jemand es aufgibt, der Befriedigung seiner Sinne
> nachzujagen, im Krsna-Bewusstsein arbeitet und dann zu
> Fall kommt, weil er seine Arbeit nicht vollendet, was
> verliert er dabei? Und was kann jemand gewinnen, wenn er
> seine materiellen Tätigkeiten in vollkommener Weise
> ausführt?"
> Oder wie es die Christen ausdrucken: "Was nützte es einem
> Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber an seiner
> ewigen Seele Schaden nähme?"
> Materielle Tätigkeiten und ihre Ergebnisse enden mit dem
> Körper. Arbeit im Krsna-Bewusstsein aber trägt einen
> Menschen, selbst nach dem Verlust des Körpers, erneut
> zum Krsna-Bewusstsein. Zumindest ist es sicher, dass man
> im nächsten Leben eine Möglichkeit hat, entweder in der
> Familie eines hochgebildeten brahmana oder in einer
> reichen aristokratischen Familie wieder als Mensch geboren
> zu werden, wodurch man eine weitere Gelegenheit zur
> Erhebung bekommt. Das ist die einzigartige Qualität der
> Arbeit, die im Krsna-Bewusstsein verrichtet wird.
> 
> VERS 41
> Diejenigen, die diesen Pfad beschreiten, sind
> entschlossen in ihrem Vorhaben, und ihr Ziel ist eins. O
> geliebtes Kind der Kurus, die Intelligenz der
> Unentschlossenen jedoch ist vielverzweigt.
> ERLÄUTERUNG
> Starker Glaube im Krsna-Bewusstsein, dass man zur
> höchsten Vollkommenheit des Lebens erhoben werden
> sollte, bezeichnet man als vyavasayatmika-Intelligenz. Im
> Caitanya-caritamrta (Madhya 22.62) heißt es:
> Glaube bedeutet unerschütterliches Vertrauen in etwas
> Erhabenes. Wenn man die Pflichten im Krsna-Bewusstsein
> erfüllt, braucht man den Verpflichtungen, die man in der
> materiellen Weit gegenüber der Familie, der Menschheit
> oder der Nation haben mag, nicht nachzukommen.
> Fruchtbringende Tätigkeiten sind die Handlungen, die aus
> den Reaktionen auf vergangene gute oder schlechte Taten
> hervorgehen. Wenn man im Krsna-Bewusstsein wach ist,
> braucht man sich bei seinem Tun nicht länger um gute
> Ergebnisse zu bemühen. Wenn man im Krsna-Bewusstsein
> verankert ist, befinden sich alle Handlungen auf der
> absoluten Ebene, da sie nicht länger Dualitäten wie gut und
> schlecht unterworfen sind. Die höchste Vollkommenheit
> des Krsna-Bewusstseins ist die Entsagung der materiellen
> Auffassung vom Leben. Diese Stufe wird mit
> fortschreitendem Krsna-Bewusstsein von selbst erreicht. Die
> Entschlossenheit eines Menschen im Krsna-Bewusstsein
> beruht auf der Erkenntnis, dass Vasudeva oder Krsna die
> Wurzel aller manifestierten Ursachen ist (vasudevaH
> sarvam iti sa mahatma sudurlabhaH; Bg. 7.19). So wie man
> den Blättern und Zweigen eines Baumes dient, indem man
> die Wurzel begießt, so kann man jedem - sich selbst, der
> Familie, der Gesellschaft, dem Land, der Menschheit usw. -
> den höchsten Dienst erweisen, indem man im Krsna-
> Bewusstsein handelt. Wenn man durch sein Tun Krsna
> zufriedenstellt, dann wird jeder zufrieden sein.
> Dienst im Krsna-Bewusstsein wird jedoch am besten unter
> der kundigen Führung eines spirituellen Meisters
> ausgeführt, der ein echter Vertreter Krsnas ist, der das
> Wesen des Schülers kennt und der ihn so anleiten kann, dass
> er im Krsna-Bewusstsein handelt. Um daher im Krsna-
> Bewusstsein wirklich fortzuschreiten, muss man fest
> entschlossen handeln und dem Stellvertreter Krsnas
> gehorchen, und man sollte die Anweisung des echten
> spirituellen Meisters als seine Lebensaufgabe ansehen. 
> Srila Rupa Visvanatha Cakravarti Thakura lehrt uns in seinen
> berühmten Gebeten zum spirituellen Meister:
> "Wenn man den spirituellen Meister zufriedenstellt, wird
> die Höchste Persönlichkeit Gottes zufrieden. Und wenn
> man den spirituellen Meister nicht zufriedenstellt, ist es
> nicht möglich, auf die Ebene des Krsna-Bewusstseins
> erhoben zu werden. Ich sollte daher dreimal tnglich über
> meinen spirituellen Meister meditieren, um seine
> Barmherzigkeit bitten und ihm meine achtungsvollen
> Ehrerbietungen erweisen. "
> Der ganze Vorgang hängt jedoch davon ab, dass man
> vollkommen verstanden hat, dass sich die Seele jenseits der
> körperlichen Auffassung befindet - nicht nur theoretisch,
> sondern auch praktisch, indem man nicht mehr versucht,
> seine Sinne durch fruchtbringende Handlungen zu
> befriedigen. Jemand, der im Geiste nicht wahrhaft gefestigt
> ist, wird von verschiedenen fruchtbringenden Handlungen
> abgelenkt.
> 
> VERS 42-43
> Menschen mit geringem Wissen hängen sehr an den
> 
> blumenreichen 
> Worten der Vedas, die ihnen
> verschiedene fruchtbringende Tätigkeiten zur Erhebung
> zu himmlischen Planeten empfehlen, wo eine gute
> Geburt, Macht und so fort auf sie warten. Da sie nach
> Sinnenbefriedigung und einem Leben in Hülle und Fülle
> begehren, sagen sie, es gebe nichts, was darüber
> hinausgehe.
> ERLÄUTERUNG
> Die meisten Menschen sind nicht sehr intelligent, und
> aufgrund ihrer Unwissenheit haften sie sehr stark an den im
> karma-kanda-Teil der Veden empfohlenen
> fruchtbringenden Tätigkeiten. Sie wünschen sich nichts
> mehr als Vorschlnge für Sinnenbefriedigung, wie man das
> Leben auf himmlischen Planeten genießen kann, wo Wein
> und Frauen zur Verfügung stehen und materieller Reichtum
> sehr üblich ist. In den Veden werden viele Opfer, besonders
> die jyotistoma-Opferung, für die Erhebung zu den
> himmlischen Planeten empfohlen. Ja, es heißt sogar, dass
> jeder, der zu den himmlischen Planeten erhoben werden
> will, diese Opfer ausführen muss, und Menschen mit
> geringem Wissen glauben, dies sei der ganze Sinn und
> Zweck der vedischen Weisheit. Solch unerfahrenen
> Menschen fällt es sehr schwer, sich das entschlossene
> Handeln im Krsna-Bewusstsein zu eigen zu machen. So wie
> Toren sich zu den Blüten giftiger Bäume hingezogen
> fühlen, ohne die Folgen solcher Reize zu kennen, so
> werden Menschen, die nicht erleuchtet sind, von solch
> himmlischem Reichtum und der damit verbundenen
> Sinnenfreude betört.
> Im karma-kanda-Teil der Veden heißt es, dass diejenigen,
> die sich die vier monatlichen Bußen auferlegen, die
> Eignung erwerben, den soma-rasa-Trank zu trinken, um für
> immer unsterblich und glücklich zu werden. Selbst auf der
> Erde sind einige Menschen sehr begierig, diesen somarasa-
> Trank zu bekommen, um stark und gesund zu werden
> und Sinnenbefriedigung genießen zu können. Solche
> Menschen glauben nicht an die Befreiung aus der
> materiellen Knechtschaft und haften sehr an den pompösen
> Zeremonien der vedischen Opfer. Sie sind im allgemeinen
> sinnlich und trachten nach nichts anderem als den
> himmlischen Freuden des Lebens. Es ist bekannt, dass es
> auf den himmlischen Planeten Gärten gibt, nandanakanana
> genannt, in denen sich genügend Gelegenheiten
> bieten, mit engelgleich-schönen Frauen zusammenzusein
> und reichlich soma-rasa-Wein zu trinken. Solch
> körperliches Glück ist zweifellos sinnlich; daher sind dort
> diejenigen anzutreffen, die - als "Herren der materiellen
> Welt" - nichts anderem als materiellem, zeitweiligem Glück
> verhaftet sind.
> 
> VERS 44
> Im Geist derer, die zu sehr an SinnenGenuss und
> materiellem Reichtum haften und von solchen Dingen
> verwirrt sind, kommt es nicht zu dem festen EntSchluss,
> dem Höchsten Herrn in Hingabe zu dienen.
> ERLÄUTERUNG
> Samadhi bedeutet "festverankerter Geist". Das vedische
> Wörterbuch Nirukti erklärt hierzu: "Wenn der Geist fest darauf
> gerichtet ist, das Selbst zu verstehen, nennt man dies
> samadhi." Samadhi ist niemals möglich für Menschen,
> denen es um materiellen SinnenGenuss geht, auch nicht für
> diejenigen, die von solch zeitweiligen Dingen verwirrt sind.
> Sie sind durch die Wirkungsweise der materiellen Energie
> mehr oder minder verdammt.
> 
> VERS 45
> Die Veden handeln hauptsächlich von den drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Erhebe dich
> über diese Erscheinungsweisen, o Arjuna; Sei
> transzendental zu ihnen allen. Sei frei von allen
> Dualitäten und aller Sorge um Gewinn und Sicherheit,
> und sei im Selbst verankert.
> ERLÄUTERUNG
> Alle materiellen Tätigkeiten beinhalten Aktionen und
> Reaktionen in den drei Erscheinungsweisen der materiellen
> Natur. Sie werden mit der Absicht ausgeführt,
> fruchtbringende Ergebnisse zu bekommen, die ihrerseits
> Knechtschaft in der materiellen Welt verursachen. Die
> Veden handeln hauptsächlich von fruchtbringenden
> Tätigkeiten, um die allgemeine Masse der Menschen
> allmählich aus dem Bereich der Sinnenbefriedigung zu
> einer Stellung auf der transzendentalen Ebene zu erheben.
> Arjuna bekommt als Schüler und Freund Krsnas den Rat,
> sich auf die transzendentale Ebene der Vedanta-Philosophie
> zu erheben, die am Anfang brahma-jijnasa oder Fragen
> über die Höchste Transzendenz aufwirft. Alle Lebewesen,
> die sich in der materiellen Welt aufhalten, kämpfen sehr
> schwer um ihre Existenz. Für sie gab der Herr nach der
> Schöpfung der materiellen Welt die vedische Weisheit, die
> Rat erteilt, wie man leben soll und sich aus der materiellen
> Verstrickung befreien kann. Wenn die Tätigkeiten für
> Sinnenbefriedigung, nämlich das karma-kanda-Kapitel,
> abgeschlossen sind, wird die Möglichkeit spiritueller
> Erkenntnis in Form der Upanisaden angeboten, die Teile
> verschiedener Veden sind, ebenso wie die Bhagavad-Gita
> ein Teil des fünften Veda, des Mahabharata, ist. Die
> Upanisaden beschreiben den Beginn transzendentalen
> Lebens.
> Solange der materielle Körper existiert, gibt es Aktionen
> und Reaktionen in den materiellen Erscheinungsweisen.
> Man muss lernen, Dualitäten wie Glück und Leid oder Knlte
> und Hitze zu ertragen, und indem man solche Dualität
> duldet, wird man frei von aller Sorge um Gewinn oder
> Verlust. Diese transzendentale Stellung wird in vollem
> Krsna-Bewusstsein erreicht, wenn man völlig von Krsnas
> Wohlwollen abhängig ist.
> 
> VERS 46
> Alle Zwecke, die ein kleiner Teich nach und nach erfüllt,
> können große Gewässer sofort erfüllen. In ähnlicher
> Weise kann alle Früchte der Veden erreichen, wer das
> Ziel der Veden kennt.
> ERLÄUTERUNG
> Die im karma-kanda-Teil der vedischen Literatur
> erwähnten Rituale und Opfer sollen dazu ermutigen,
> allmählich Selbstverwirklichung zu erlangen. Und der Sinn
> von Selbstverwirklichung wird im Fünfzehnten Kapitel der
> Bhagavad-Gita (15.15) deutlich erklärt: Der Zweck des
> Studiums der Veden ist es, Sri Krsna, die urerste Ursache
> aller Dinge, zu erkennen. Selbstverwirklichung bedeutet
> also, Krsna und unsere ewige Beziehung zu Ihm zu
> verstehen. Die Beziehung der Lebewesen zu Krsna wird
> ebenfalls im Fünfzehnten Kapitel der Bhagavad-Gita (15.7)
> erwähnt. Die Lebewesen sind winzige Teile Krsnas;
> deshalb ist die Wiederbelebung von Krsna-Bewusstsein
> durch das individuelle Lebewesen die am höchsten
> vervollkommnete Stufe vedischen Wissens. Dies wird im
> Srimad-Bhagavatam (3.33.7) wie folgt bestätigt:
> "O mein Herr, ein Mensch, der Deinen Heiligen Namen
> chantet, befindet sich auf der höchsten Ebene der
> Selbstverwirklichung, selbst wenn er in einer niedrigen
> Familie wie der eines candala (Hundeessers) geboren
> wurde. Ein solcher Mensch muss alle Arten von tapasya
> und Opfern in Übereinstimmung mit den vedischen
> Ritualen ausgeführt und viele, viele Male die vedischen
> Schriften studiert haben, nachdem er an allen heiligen
> Pilgerstntten gebadet hatte. Daher muss er als der
> vortrefflichste der Aryan-Familie angesehen werden."
> Man muss deshalb intelligent genug sein, den Zweck der
> Veden zu verstehen, ohne nur an den Ritualen zu haften,
> und man darf nicht danach trachten, zu den himmlischen
> Königreichen erhoben zu werden, um eine höhere Form der
> Sinnenbefriedigung zu genießen. Es ist in diesem Zeitalter
> dem gewöhnlichen Menschen nicht möglich, alle Regeln
> und Vorschriften der vedischen Rituale und die
> Anweisungen des Vedanta und der Upanisaden zu
> befolgen. Es erfordert viel Zeit, Energie, Wissen und
> Mittel, die Forderungen der Veden zu erfüllen. Dies ist im
> gegenwnrtigen Zeitalter kaum möglich.
> Das höchste Ziel der vedischen Kultur wird jedoch erreicht,
> wenn man den Heiligen Namen des Herrn chantet, wie es
> Sri Caitanya, der Befreier aller gefallenen Seelen, empfahl.
> Als Sri Caitanya von dem großen vedischen Gelehrten
> Prakasananda Sarasvati gefragt wurde, warum Er, anstatt
> die Veden zu studieren, wie ein mentaler Träumer den
> Heiligen Namen des Herrn chante, entgegnete der Herr,
> Sein spiritueller Meister habe Ihn für einen großen Narren
> befunden und Ihn daher angewiesen, den Heiligen Namen
> Sri Krsnas zu chanten. Er tat dies und befand sich von da an
> in ständiger Ekstase, so dass Ihn die Menschen für verrückt
> hielten. Im Zeitalter des Kali ist der größte Teil der
> Bevölkerung töricht und nicht genügend gebildet, die
> Vedanta-Philosophie zu verstehen; doch der Sinn und
> Zweck der Vedanta-Philosophie wird erfüllt, wenn man den
> Heiligen Namen des Herrn ohne Vergehen chantet. Der
> Vedanta bildet die letzte Stufe des vedischen Wissens, und
> der Verfasser und Kenner der Vedanta-Philosophie ist Sri
> Krsna Selbst. Und ein Meister des Vedanta ist jene große
> Seele, die Freude daran findet, den Heiligen Namen des
> Herrn zu chanten. Das ist der letztliche Sinn aller vedischen
> Mystik.
> 
> VERS 47
> Du hast das Recht, deine vorgeschriebene Pflicht zu
> erfüllen, aber du hast keinen Anspruch auf die Früchte
> des Handelns. Halte dich niemals für die Ursache der
> Ergebnisse deiner Tätigkeiten, und hafte niemals daran,
> deine Pflicht nicht zu erfüllen.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird von drei Dingen gesprochen, nämlich von
> vorgeschriebenen Pflichten, launenhafter Arbeit und
> UnTätigkeit. Unter vorgeschriebenen Pflichten versteht man
> Tätigkeiten, die ausgeführt werden müssen, solange man
> sich unter dem Einfluss der Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur befindet. Unter launenhafter Arbeit
> versteht man Handlungen, die ohne Einwilligung einer
> Autorität ausgeführt werden, und Untätigkeit bedeutet,
> seine vorgeschriebenen Pflichten nicht zu erfüllen. Der
> Herr gab Arjuna den Rat, nicht untätig zu sein, sondern
> seine vorgeschriebene Pflicht zu erfüllen, ohne am
> Ergebnis zu haften. Wer am Ergebnis seiner Arbeit haftet,
> ist auch die Ursache der Handlung und muss daher das
> Ergebnis genießen oder erleiden.
> Was vorgeschriebene Pflichten betrifft, so können sie in
> drei Unterteilungen gegliedert werden, nämlich
> Routinearbeit, Arbeit im Notfall und wunschgemäße
> Tätigkeiten. Routinearbeit nach den Anordnungen der
> Schriften wird ohne Verlangen nach Ergebnissen
> ausgeführt. Obligatorische Arbeit befindet sich in der
> Erscheinungsweise der Tugend, da man zu ihrer
> Ausführung genötigt ist. Arbeit um der Ergebnisse willen
> wird die Ursache von Bindung; deshalb ist solche Arbeit
> nicht vorteilhaft. Jeder hat ein Anrecht auf die Erfüllung
> vorgeschriebener Pflichten, doch sollte er ohne Anhaftung
> an das Ergebnis handeln. Solch uneigennützige,
> 
> obligatorische Pflichten führen einen ohne Zweifel auf den
> Pfad der Befreiung.
> Krsna gab deshalb Arjuna den Rat, aus reiner
> Pflichterfüllung zu kämpfen, ohne am Ergebnis zu haften.
> Würde er an der Schlacht nicht teilnehmen, wäre dies eine
> andere Form der Anhaftung. Solches Anhaften führt einen
> niemals auf den Pfad der Erlösung. Jedes Anhaften - ob
> positiv oder negativ - ist die Ursache für Bindung.
> UnTätigkeit ist sündhaft. Daher war Kämpfen aus reiner
> Pflichterfüllung der einzig glückverheißende Pfad der
> Erlösung für Arjuna.
> 
> VERS 48
> Sei fest im yoga verankert, o Arjuna. Erfülle deine
> Pflicht, und gib alle Anhaftung an Erfolg oder
> Mißerfolg auf. Solche Ausgeglichenheit des Geistes wird
> yoga genannt.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna sagt zu Arjuna, er solle in yoga handeln. Was ist nun
> dieser yoga? Yoga bedeutet, den Geist auf den Höchsten zu
> richten, indem man die ständig störenden Sinne meistert.
> Und wer ist der Höchste? Der Höchste ist der Herr. Und da
> Er Selbst Arjuna anweist zu kämpfen, hat Arjuna mit den
> Ergebnissen des Kampfes nichts zu tun. Gewinn oder Sieg
> sind Krsnas Sache; Arjuna ist nur angewiesen, nach dem
> Gebot Krsnas zu handeln.
> Krsnas Gebot zu folgen ist wirklicher yoga, und dies wird
> in dem Vorgang praktiziert, den man Krsna-Bewusstsein
> nennt. Allein durch Krsna-Bewusstsein kann man die
> Vorstellung, irgend etwas zu besitzen, aufgeben. Man muss
> der Diener Krsnas oder der Diener des Dieners von Krsna
> werden. Das ist der richtige Weg, seine Pflicht im Krsna-
> Bewusstsein zu erfüllen, das einem helfen kann, in yoga zu
> handeln.
> Arjuna ist ein ksatriya und gehört als solcher zur
> Einrichtung des varnasrama-dharma. Im Visnu Purana
> (3.8.9) heißt es, dass im varnasrama-dharma das ganze Ziel
> darin besteht, Visnu zufriedenzustellen. Niemand soll sich
> selbst zufriedenstellen, wie es in der materiellen Welt die
> Regel ist, sondern man soll Krsna erfreuen. Solange man
> also nicht Krsna zufriedenstellt, kann man die Prinzipien
> des varnasrama-dharma nicht richtig befolgen. Indirekt
> wurde Arjuna nahegelegt, so zu handeln, wie Krsna es ihm
> sagte.
> 
> VERS 49
> O Dhanaijaya, befreie dich von allen fruchtbringenden
> Tätigkeiten durch hingebungsvollen Dienst, und ergib
> dich völlig in dieses Bewusstsein. Diejenigen, die die
> Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, sind Geizhälse.
> ERLÄUTERUNG
> Wer seine wesensgemäße Stellung als ewiger Diener des
> Herrn wirklich verstanden hat, gibt alle anderen
> Beschäftigungen außer den Tätigkeiten im Krsna-
> Bewusstsein auf. Wie schon erklärt wurde, bedeutet buddhiyoga
> transzendentaler liebender Dienst für den Herrn.
> Solch hingebungsvoller Dienst ist die richtige
> Handlungsweise für das Lebewesen. Nur Geizhälse wollen
> die Frucht ihrer Arbeit genießen, wodurch sie nur noch
> mehr in die materielle Knechtschaft verstrickt werden.
> Außer Arbeit im Krsna-Bewusstsein sind alle Tätigkeiten
> verabscheuenswert, da sie den Handelnden fortgesetzt an
> den Kreislauf von Geburt und Tod binden. Man sollte daher
> niemals den Wunsch haben, selbst die Ursache von Arbeit
> zu sein. Alles sollte im Krsna-Bewusstsein getan werden,
> um Krsna zu erfreuen. Geizhälse wissen nicht, wie sie
> Besitztümer verwenden sollen, die sie durch glückliche
> Umstände oder harte Arbeit erwerben. Man sollte alle
> Energien verwenden, um im Krsna-Bewusstsein zu arbeiten;
> das wird unser Leben erfolgreich machen. Unglückselige
> Menschen stellen, wie die Geizhnlse, ihre menschliche
> Energie nicht in den Dienst des Herrn.
> 
> VERS 50
> Jemand, der im hingebungsvollen Dienst Tätig ist,
> befreit sich schon in diesem Leben sowohl von guten als
> auch von schlechten Reaktionen. Deshalb strebe nach
> yoga, o Arjuna, der Kunst aller Arbeit.
> ERLÄUTERUNG
> Seit unvordenklicher Zeit hat jedes Lebewesen die
> verschiedenen Reaktionen auf seine gute und schlechte
> Arbeit angesammelt. So ist es zu erklären, dass es sich
> fortgesetzt in Unwissenheit über seine eigentliche,
> wesensgemäße Stellung befindet. Diese Unwissenheit kann
> durch die Unterweisung der Bhagavad-Gita beseitigt
> werden, die uns lehrt, sich Sri Krsna in jeder Hinsicht zu
> 
> ergeben und so von der Geburt für Geburt drohenden
> Preisgabe an Aktion und Reaktion frei zu werden. Arjuna
> wird daher der Rat gegeben, im Krsna-Bewusstsein zu
> handeln, dem Vorgang, durch den man sich von Reaktionen
> auf vergangene Handlungen befreien kann.
> 
> VERS 51
> Die Weisen, die im hingebungsvollen Dienst Tätig sind,
> suchen Zuflucht beim Herrn und befreien sich aus dem
> Kreislauf von Geburt und Tod, indem sie den Früchten
> des Handelns in der materiellen Welt entsagen. Auf
> diese Weise können sie jenen Ort erreichen, der jenseits
> aller Leiden liegt.
> ERLÄUTERUNG
> Die befreiten Lebewesen suchen jenen Ort auf, an dem es
> keine mat. Leiden gibt. Im Bhagavatam (10.14.58) heißt es:
> "Für jemand, der das Boot der Lotusfüße des Herrn
> bestiegen hat - welcher der kosmischen Manifestation
> Zuflucht gewährt und welcher berühmt ist als Mukunda
> oder derjenige, der mukti gewährt -, für ihn ist der Ozean
> der materiellen Welt wie das Wasser im Hufabdruck eines
> Kalbes. Param padam oder Vaikuntha, wo es keine
> materiellen Leiden gibt, ist sein Ziel, und nicht der Ort, an
> dem auf Schritt und Tritt Gefahr lauert."
> Aufgrund von Unwissenheit weiß man nicht, dass die
> materielle Welt ein leidvoller Ort ist, wo auf Schritt und
> Tritt Gefahren drohen. Nur aus Unwissenheit versuchen
> weniger intelligente Menschen, sich durch fruchtbringende
> Tätigkeiten der Situation anzupassen, in dem Glauben, die
> sich ergebenden Handlungen würden sie glücklich machen.
> Sie wissen nicht, dass ihnen keine Art von materiellem
> Körper irgendwo im Universum ein Leben ohne Leiden
> geben kann. Die Leiden des Lebens, nämlich Geburt, Tod,
> Alter und Krankheiten, treten überall in der materiellen
> Welt auf. Wer aber seine wirkliche, wesensgemäße Stellung
> als der ewige Diener des Herrn versteht und somit die
> Position der Persönlichkeit Gottes kennt, betätigt sich im
> transzendentalen liebenden Dienst des Herrn. Folglich wird
> er befähigt, in die Vaikuntha-Planeten einzugehen, wo es
> weder ein materielles, leidvolles Leben noch den Einfluss
> von Zeit und Tod gibt. Seine wesensgemäße Stellung zu
> kennen bedeutet, auch die erhabene Position des Herrn zu
> kennen. Wer fälschlich glaubt, die Stellung des Lebewesens
> und die des Herrn befänden sich auf der gleichen Ebene, ist
> von Dunkelheit umgeben und daher nicht imstande, sich im
> hingebungsvollen Dienst des Herrn zu betätigen. Er wird
> selbst zu einem "Herrn" und ebnet sich so den Weg zur
> Wiederholung von Geburt und Tod. Wer aber versteht, dass
> es seine Position ist zu dienen, stellt sich in den Dienst des
> Herrn und wird sofort geeignet, nach Vaikunthaloka zu
> gehen. Dienst im Interesse des Herrn wird karma-yoga
> bzw. buddhi-yoga oder, in einfachen Worten,
> hingebungsvoller Dienst für den Herrn genannt.
> 
> VERS 52
> Wenn deine Intelligenz aus dem dichten Wald der
> Täuschung herausgetreten ist, wirst du gleichgültig
> werden gegenüber allem, was gehört worden und was
> noch zu hören ist.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt viele gute Beispiele aus dem Leben großer
> Geweihter des Herrn, denen die Rituale der Veden einfach
> 
> durch hingebungsvollen Dienst für den Herrn gleichgültig
> wurden. Wenn jemand Krsna und seine Beziehung zu
> Krsna wirklich versteht, werden ihm, selbst wenn er ein
> erfahrener brahmana ist, natürlicherweise die Rituale
> fruchtbringender Tätigkeiten völlig gleichgültig. Sri
> Madhavendra Puri, ein großer Gottgeweihter und acarya in
> der Nachfolge der Gottgeweihten, sagt:
> "O Herr, in meinen Gebeten preise ich dreimal täglich
> Deinen höchsten Ruhm. Während ich mein Bad nehme,
> erweise ich Dir meine Ehrerbietungen. O Halbgötter! O
> Vorväter! Bitte entschuldigt meine Unfähigkeit, euch meine
> Achtung zu erweisen. Wo immer ich jetzt sitze, kann ich
> mich an den großen Nachfahren der Yadu-Dynastie
> [Krsna], den Feind Kamsas, erinnern, und so kann ich mich
> von allen sündhaften Bindungen befreien. Ich denke, dass
> dies für mich ausreicht."
> Die vedischen Riten und Rituale sind für Neulinge
> unbedingt erforderlich: dreimal täglich alle möglichen
> Gebete sprechen, frühmorgens ein Bad nehmen, den
> Vorvätern Achtung erweisen usw. Wenn man aber völlig
> im Krsna-Bewusstsein verankert und im transzendentalen
> liebenden Dienst des Herrn Tätig ist, werden einem all diese
> regulierenden Prinzipien gleichgültig, da man die
> Vollkommenheit bereits erreicht hat. Wenn man die Ebene
> des Verstehens durch Dienst für den Höchsten Herrn, Sri
> Krsna, erreichen kann, braucht man nicht länger
> verschiedene Arten von tapasya und Opfern auszuführen,
> wie in den offenbarten Schriften empfohlen wird. Und
> wenn man auf der anderen Seite nicht verstanden hat, dass
> der Zweck der Veden darin besteht, Krsna zu erreichen, und
> einfach nur Rituale usw. vollzieht, verschwendet man mit
> solchen Beschäftigungen nutzlos seine Zeit. Menschen im
> Krsna-Bewusstsein überschreiten die Grenze des sabdabrahma
> oder des Bereichs der Veden und Upanisaden.
> 
> VERS 53
> Wenn dein Geist nicht länger von der blumigen Sprache
> der Veden verwirrt ist und fest in der Trance der
> Selbstverwirklichung verankert bleibt, dann wirst du
> das göttliche Bewusstsein erreicht haben.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man sagt, jemand sei in samadhi, bedeutet dies, dass
> er Krsna-Bewusstsein vollständig verwirklicht hat; das
> heißt: Wer völlig in samadhi versunken ist, hat Brahman,
> Paramatma und Bhagavan erkannt. Die höchste
> Vollkommenheit der Selbstverwirklichung ist die
> Erkenntnis, dass man ewig Krsnas Diener ist und dass man
> nur die eine Aufgabe hat, seine Pflichten im Krsna-
> Bewusstsein zu erfüllen. Ein Krsna-bewusster Mensch, das
> heißt ein unerschütterlicher Gottgeweihter, sollte sich nicht
> durch die blumige Sprache der Veden stören lassen, noch
> sollte er fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen, um sich
> zum himmlischen Königreich zu erheben. Im Krsna -
> Bewusstsein kommt man unmittelbar mit Krsna in
> Verbindung, und so können auf dieser transzendentalen
> Ebene alle Weisungen Krsnas verstanden werden. Es ist
> sicher, dass man durch solches Tun Ergebnisse erreicht und
> schlüssiges Wissen erlangt. Man braucht nur die
> Anweisungen Krsna oder Seines Stellvertreters, des
> spirituellen Meisters, ausführen.
> 
> VERS 54
> Arjuna sprach: O Kesava, welche Merkmale weist
> jemand auf, dessen Bewusstsein in die Transzendenz
> eingegangen ist? Wie und worüber spricht er? Wie sitzt
> er und wie geht er?
> ERLÄUTERUNG
> So wie jeder Mensch seiner jeweiligen Lage gemäß
> besondere, ihn kennzeichnende Züge aufweist, so hat in
> ähnlicher Weise auch jemand, der Krsna-bewusst ist, sein
> besonderes Wesen - Reden, Gehen, Denken, Fühlen usw.
> So wie ein reicher Mann bestimmte Merkmale hat, durch
> die man ihn als Reichen kennt; so wie ein Kranker gewisse
> Symptome hat, die ihn als krank kennzeichnen, oder wie
> ein Gelehrter seine Besonderheiten hat, so hat ein Mann im
> transzendentalen Bewusstsein von Krsna besondere
> Merkmale in seinen verschiedenen Verhaltensweisen. Man
> kann seine besonderen Merkmale aus der Bhagavad-Gita
> erfahren. Am wichtigsten ist, wie der Mann im Krsna-
> Bewusstsein spricht, denn Sprache ist die wichtigste
> Eigenschaft jedes Menschen. Man sagt, ein Esel bleibe
> unentdeckt, solange er nicht rede, und gewiss kann man
> einen gutgekleideten Esel nicht erkennen, solange er nicht
> spricht; doch sobald er den Mund öffnet, zeigt er sein
> wahres Gesicht. Das unmittelbare Merkmal eines Krsnabewussten
> Menschen ist, dass er nur über Krsna und mit
> Krsna verbundene Themen spricht. Andere Kennzeichen
> folgen dann von selbst, wie in den folgenden Versen
> beschrieben wird.
> 
> VERS 55
> Der Höchste Herr sprach: O Partha, wenn ein Mensch
> alle Arten von Sinnesbegierden aufgibt, die
> gedanklicher Überlegung entspringen, und wenn sein
> Geist im Selbst allein Befriedigung findet, dann sagt
> man von ihm, er sei in reinem transzendentalem
> Bewusstsein verankert.
> ERLÄUTERUNG
> Das Bhagavatam bestätigt, dass jeder, der völlig im Krsna-
> Bewusstsein oder hingebungsvollen Dienst des Herrn
> verankert ist, alle guten Eigenschaften der großen Weisen
> besitzt, wohingegen jemand, der nicht auf solch
> transzendentale Weise verankert ist, keine guten
> Eigenschaften hat, weil er sich mit Sicherheit in seine
> eigenen gedanklichen Überlegungen flüchtet. Folglich wird
> hier ganz richtig gesagt, dass man alle Arten von
> Sinnenwünschen, die gedanklichen Überlegungen
> entspringen, aufgeben muss. Künstlich kann man solche
> Sinnenwünsche nicht einstellen. Wenn man aber im Krsna-
> Bewusstsein Beschäftigt ist, dann lassen Sinnenwünsche
> ohne zusätzliche Bemühungen von selbst nach. Deshalb
> muss man sich ohne Zögern im Krsna-Bewusstsein
> betätigen, denn solch hingebungsvoller Dienst wird einem
> augenblicklich helfen, auf die Ebene transzendentalen
> Bewusstseins zu gelangen. Die hochentwickelte Seele bleibt
> immer in sich selbst zufrieden, da sie sich als der ewige
> Diener des Höchsten Herrn erkennt. Eine auf diese Weise
> in der Transzendenz verankerte Seele hat keine
> Sinnenwünsche, die niedrigem Materialismus entspringen;
> vielmehr bleibt sie immer glücklich in ihrer natürlichen
> Stellung, ewig dem Höchsten Herrn zu dienen.
> 
> VERS 56
> Wer trotz der dreifachen Leiden nicht verwirrt ist, nicht
> von Freude überwältigt wird, wenn er Glück erfährt,
> und frei von Anhaftung, Angst und Zorn ist, wird ein
> Weiser mit stetigem Geist genannt.
> ERLÄUTERUNG
> Das Wort muni bezeichnet einen Menschen, der seinen
> Geist mit den verschiedensten gedanklichen Spekulationen
> aufrührt, ohne zu einer tatsächlichen Schlussfolgerung zu
> kommen. Man sagt, jeder muni habe eine andere
> Betrachtungsweise, und solange sich ein muni nicht von
> anderen munis unterscheide, könne man ihn
> strenggenommen nicht als muni bezeichnen. Nasau munir
> yasya matam na binnam. Aber ein sthita-dhi-muni, wie er
> hier vom Herrn erwähnt wird, unterscheidet sich von einem
> gewöhnlichen muni. Der sthita-dhi-muni ist immer im
> Krsna-Bewusstsein verankert, denn seine Versuche kreativer
> Spekulation haben sich erschöpft. Er hat die Stufe
> gedanklicher Spekulationen hinter sich gelassen und ist zu
> dem Schluss gekommen, dass der Herr, Sri Krsna oder
> Vasudeva, alles ist. Ihn nennt man einen muni mit
> gefestigtem Geist. Ein solch völlig Krsna-bewusster Mensch
> fühlt sich durch die Angriffe der dreifachen Leiden
> keineswegs gestört, denn er betrachtet alle Leiden als die
> Barmherzigkeit des Herrn. Er findet es angemessen,
> aufgrund seiner vergangenen schlechten Taten mehr
> Unannehmlichkeiten zu bekommen, und er sieht, dass seine
> Leiden durch die Gnade des Herrn bis auf ein Mindestmaß
> verringert sind. In ähnlicher Weise dankt er, wenn er
> glücklich ist, dem Herrn für solche Güte und denkt, dass er
> dieses Glück nicht verdient habe. Er erkennt, dass er sich
> nur durch die Gnade des Herrn in einer solch angenehmen
> Lage befindet und imstande ist, dem Herrn besser zu
> dienen. Und um dem Herrn zu dienen, ist er immer
> unerschrocken und aktiv und lässt sich nicht von Anhaftung
> oder Ablehnung beeinflussen. Anhaftung bedeutet, Dinge
> für seine eigene Sinnenbefriedigung anzunehmen, und
> Losgelöstsein bedeutet das Fehlen einer solch sinnlichen
> Anhaftung. Wer aber im Krsna-Bewusstsein verankert ist,
> kennt weder Anhaftung noch Loslösung, da er sein Leben
> dem Dienst des Herrn geweiht hat. Folglich ist er niemals
> ärgerlich - auch dann nicht, wenn seine Versuche erfolglos
> sind. Ein Krsna-bewusster Mensch ist in seiner
> Entschlossenheit immer beständig.
> 
> VERS 57
> Wer frei von Anhaftung ist und nicht frohlockt, wenn
> ihm Gutes widerfährt, noch jammert, wenn ihm Übles
> geschieht, ist fest in vollkommenem Wissen verankert.
> ERLÄUTERUNG
> In der materiellen Welt finden ständig Veränderungen statt,
> die gut oder schlecht sein mögen. Wer durch solche
> materiellen Veränderungen nicht beunruhigt wird, das
> heißt, wer sich von Gut und Schlecht nicht beeinflussen
> lässt, gilt als im Krsna-Bewusstsein gefestigt. Solange man
> sich in der materiellen Welt befindet, wird es immer Gutes
> und Schlechtes geben, denn diese Welt ist voller Dualität.
> Wer jedoch im Krsna-Bewusstsein gefestigt ist, wird von
> Gut und Schlecht nicht beeinflußt, da es ihm nur um Krsna
> geht, der absolut und allgut ist. Ein solches in Krsna
> ruhendes Bewusstsein versetzt einen in eine vollkommene,
> transzendentale Stellung, die man technisch als samadhi
> bezeichnet.
> 
> VERS 58
> Wer imstande ist, seine Sinne von den Sinnesobjekten
> zurückzuziehen, so wie die Schildkröte ihre Glieder in
> den Panzer einzieht, gründet in wirklichem Wissen.
> ERLÄUTERUNG
> Der Prüfstein für einen yogi, einen Gottgeweihten oder eine
> selbstverwirklichte Seele ist die Fähigkeit, die Sinne nach
> Plan zu beherrschen. Die meisten Menschen jedoch sind
> Diener der Sinne und werden vom Diktat der Sinne gelenkt.
> Das ist die Antwort auf die Frage nach der Stellung des
> yogi. Die Sinne werden mit giftigen Schlangen verglichen.
> Sie wollen zügellos und ohne Einschränkung Tätig sein. Der
> yogi oder Gottgeweihte muss daher sehr stark sein, um die
> Schlangen - wie ein Schlangenbeschwörer - beherrschen zu
> können. Er gestattet ihnen niemals, unabhängig zu handeln.
> Die offenbarten Schriften beinhalten viele Unterweisungen:
> einige sind Verbote und andere sind Gebote. Solange man
> nicht fähig ist, den Geboten und Verboten zu folgen und
> sich von Sinnengenuss zurückzuhalten, ist es nicht möglich,
> fest im Krsna-Bewusstsein verankert zu sein. Das beste
> Beispiel in diesem Zusammenhang ist die Schildkröte. Die
> Schildkröte kann augenblicklich ihre Sinne zurückziehen
> und diese zu jeder Zeit für bestimmte Zwecke wieder nach
> außen richten. In ähnlicher Weise werden die Sinne Krsnabewusster
> Menschen nur für einen bestimmten Zweck im
> Dienste des Herrn benutzt und sind sonst zurückgezogen.
> Wie man die Sinne immer im Dienst des Herrn
> beschäftigen kann, wird an dem Vergleich der Schildkröte
> deutlich, die ihre Gliedmaßen im Panzer zurückhalten kann.
> 
> VERS 59
> Die verkörperte Seele mag zwar von Sinnenfreuden
> zurückgehalten werden, doch der Geschmack für
> Sinnesobjekte bleibt; wenn sie jedoch solche Neigungen
> aufgibt, da sie einen höheren Geschmack erfährt, ist sie
> im Bewusstsein gefestigt.
> ERLÄUTERUNG
> Solange man nicht in der Transzendenz verankert ist, ist es
> nicht möglich, von SinnenGenuss abzulassen. Den Genuss 
> der Sinne durch Regeln und Regulierungen
> einzuschränken, ist so etwas, wie einem Kranken den
> Genuss bestimmter Speisen einzuschränken. Der Patient
> jedoch liebt solche Einschränkungen nicht, noch verliert er
> seinen Geschmack für diese Speisen. In ähnlicher Weise
> wird die Einschränkung der Sinne durch einen spirituellen
> Vorgang wie astanga-yoga, im Sinne von yama, niyama,
> asana, pranayama, pratyahara, dharana, dhyana usw.,
> weniger intelligenten Menschen empfohlen, die über kein
> besseres Wissen verfügen. Wer aber im Verlauf seines
> Fortschritts im Krsna-Bewusstsein die Schönheit des
> Höchsten Herrn Sri Krsna gekostet hat, findet nicht länger
> Geschmack an toten materiellen Dingen. Einschränkungen
> sind daher für die weniger intelligenten Neulinge im
> spirituellen Leben gedacht, doch sind solche
> Einschränkungen nur gut, wer man tatsächlich den
> Geschmack am Krsna-Bewusstsein hat. Wenn man
> tatsächlich Krsna-bewusst ist, verliert man von selbst den
> Geschmack an faden Dingen.
> 
> VERS 60
> Die Sinne sind so stark und ungestüm, o Arjuna, dass sie
> sogar den Geist eines Mannes gewaltsam fortreißen, der
> Unterscheidungsvermögen besitzt und bemüht ist, sie zu
> beherrschen.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt viele gelehrte Weise, Philosophen und
> Transzendentalisten, die die Sinne zu meistern versuchen;
> doch trotz ihrer Bemühungen fallen selbst die größten von
> ihnen manchmal dem materiellen SinnenGenuss zum Opfer,
> da ihr Geist erregt wurde. Selbst Visvamitra, ein großer
> Weiser und vollkommener yogi, wurde von Menaka zu
> sexuellem Genuss verleitet, obwohl er sich bemühte, mittels
> schwerer tapasya und durch yoga-Übungen seine Sinne zu
> beherrschen. Selbstverständlich gibt es noch viele andere,
> ähnliche Beispiele in der Weltgeschichte. Es ist also sehr
> schwierig, den Geist und die Sinne zu beherrschen, wenn
> man nicht völlig Krsna-bewusst ist. Ohne den Geist mit
> Krsna zu Beschäftigen, kann man von solch materiellen
> Betätigungen nicht ablassen. Ein praktisches Beispiel wird
> von Sri Yamunacarya, einem großen Heiligen und
> Gottgeweihten, gegeben, der sagt: "Seitdem mein Geist im
> Dienst der Lotusfüße Krsnas beschäftigt ist und ich eine
> immer neue transzendentale Gemütsstimmung genieße,
> wende ich mich augenblicklich ab, sobald ich an sexuelle
> Beziehungen zu einer Frau denke, und ich speie auf den
> Gedanken."
> Krsna-Bewusstsein ist solch eine transzendental-wunderbare
> Sache, dass materieller Genuss von selbst widerwärtig wird.
> Es ist so, als hätte ein Hungriger seinen Hunger mit einer
> ausreichenden Menge nahrhafter Speisen gestillt. Maharaja
> Ambarisa besiegte ebenfalls einen großen yogi, Durvasa
> Muni, einfach dadurch, dass sein Geist im Krsna-
> Bewusstsein Tätig war.
> 
> VERS 61
> Wer seine Sinne zurückhält und sein Bewusstsein fest
> auf Mich richtet, ist bekannt als ein Mensch von stetiger
> Intelligenz.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers wird eindeutig erklärt, dass Krsna-
> Bewusstsein die höchste Stufe in der Vollendung des yoga
> ist. Ohne Krsna-bewusst zu sein, ist es keinesfalls möglich,
> die Sinne zu meistern. Wie oben erwähnt wurde, fing der
> große Weise Durvasa Muni mit Maharaja AmbarÖsa einen
> Streit an, und weil Durvasa Muni aus Stolz unnötigerweise
> zornig wurde, konnte er seine Sinne nicht beherrschen. Der
> König dagegen, der kein so mächtiger yogi wie der Weise,
> sondern ein Geweihter des Herrn war, ertrug geduldig alle
> Ungerechtigkeiten des Weisen und ging dadurch siegreich
> aus dem Streit hervor. Der König vermochte seine Sinne zu
> beherrschen, weil er die folgenden Qualifikationen besaß,
> die im Srimad-Bhagavatam (9.4.18-20) erwähnt werden:
> "König Ambarisa richtete seinen Geist fest auf die
> Lotusfüße Sri Krsnas; mit seinen Worten beschrieb er das
> Reich des Herrn; mit seinen Hnnden reinigte er den Tempel
> des Herrn; mit seinen Ohren hörte er über die Spiele des
> Herrn; mit seinen Augen sah er die Gestalt des Herrn; mit
> seinem Körper berührte er die Körper der Gottgeweihten;
> mit seiner Nase atmete er den Duft der Blumen ein, die den
> Lotusfüßen des Herrn geopfert waren; mit seiner Zunge
> schmeckte er die tulasi-Blätter, die dem Herrn geopfert
> waren; mit seinen Beinen pilgerte er zu den heiligen
> Stntten, an denen Tempel des Herrn errichtet waren; mit
> seinem Haupt brachte er dem Herrn Ehrerbietungen dar,
> und mit seinen Wünschen erfüllte er die Wünsche des
> Herrn. All diese Qualifikationen machten ihn geeignet, ein
> mat-paraH-Geweihter des Herrn zu werden."
> Das Wort mat-paraH ist in diesem Zusammenhang von
> größter Bedeutung. Wie man ein mat-paraH werden kann,
> wird am Leben Maharaja AmbarÖsas deutlich. Sri Baladeva
> Vidyabhusana, ein großer Gelehrter und acarya in der
> Linie der mat-paraH, bemerkt hierzu:
> "Die Sinne können nur durch die Kraft des
> hingebungsvollen Dienstes für Krsna vollständig gemeistert
> werden."
> Manchmal wird auch das Beispiel des Feuers angeführt:
> "So wie kleine flammen alles in einem Zimmer
> verbrennen, so verbrennt Sri Visnu, der im Herzen des yogi
> weilt, alle Arten von Unreinheiten." Auch das Yoga-sutra
> schreibt die Meditation über Visnu, und nicht über die
> Leere, vor. Die sogenannten yogis, die über etwas anderes
> als die Form Visnus meditieren, verschwenden nur ihre Zeit
> mit der vergeblichen Suche nach einem Trugbild. Wir
> müssen Krsna-bewusst sein - der Persönlichkeit Gottes
> geweiht. Das ist das Ziel des wirklichen yoga.
> 
> VERS 62
> Beim Betrachten der Sinnesobjekte entwickelt der
> Mensch Anhaftung an sie; aus solcher Anhaftung
> entwickelt sich Lust, und aus Lust geht Zorn hervor.
> ERLÄUTERUNG
> Wer nicht Krsna-bewusst ist, wird materielle Wünsche
> entwickeln, während er die Sinnesobjekte betrachtet. Die
> Sinne brauchen richtige Betätigung, und wenn sie nicht im
> transzendentalen liebenden Dienst des Herrn beschäftigt
> sind, werden sie sich mit Sicherheit eine Beschäftigung im
> Dienst des Materialismus suchen. In der materiellen Welt
> ist jeder, selbst Siva und Brahma - von anderen Halbgöttern
> auf den himmlischen Planeten ganz zu schweigen - dem
> Einfluss der Sinnesobjekte unterworfen, und die einzige
> Möglichkeit, dieser Verwirrung des materiellen Daseins zu
> entkommen, besteht darin, Krsna-bewusst zu werden. Siva
> befand sich in tiefer Meditation, doch als Parvati ihn reizte,
> mit ihr Sinnenfreude zu genießen, war er mit dem
> Vorschlag einverstanden, und als Ergebnis wurde
> Karttikeya geboren. Als Haridasa Thakura noch ein junger
> Geweihter des Herrn war, wurde er von der Inkarnation
> Maya DevÖs in ähnlicher Weise in Versuchung geführt,
> aber Haridasa bestand die Prüfung mit Leichtigkeit dank
> seiner unverfälschten Hingabe an Sri Krsna. Wie in dem
> oben erwähnten Vers von Sri Yamunacarya deutlich wird,
> verabscheut ein aufrichtiger Geweihter des Herrn jeden
> materiellen Sinnengenuss, da er durch den spirituellen
> Genuss der Gemeinschaft des Herrn einen höheren
> Geschmack erfährt. Das ist das Geheimnis des Erfolges.
> Wer daher nicht Krsna-bewusst ist, wird letztlich mit
> Sicherheit scheitern - gleichgültig wie er seine Sinne durch
> künstliche Verdrängung beherrschen mag -, denn schon der
> geringste Gedanke an Sinnenfreude wird ihn dazu treiben,
> seine Begierden zu befriedigen.
> VERS 63
> Aus Zorn entsteht Täuschung, und der Täuschung folgt
> die Verwirrung der Erinnerung. Wenn die Erinnerung
> verwirrt ist, geht die Intelligenz verloren, und wenn die
> Intelligenz verloren ist, fällt man wieder in den
> materiellen Sumpf zurück.
> ERLÄUTERUNG
> Durch die Entwicklung von Krsna-Bewusstsein kann man
> erkennen, dass alles seine Verwendung im Dienst des Herrn
> hat. Diejenigen, die kein Wissen vom Krsna-Bewusstsein
> haben, versuchen auf künstliche Weise, materielle Objekte
> zu vermeiden, und erreichen folglich, obwohl sie nach
> Befreiung aus der materiellen Knechtschaft streben, nicht
> die vollkommene Stufe der Entsagung. Im Gegensatz dazu
> weiß ein Krsna-bewusster Mensch, wie man alles im
> Dienste Krsnas verwenden kann; deshalb fällt er dem
> materiellen Bewusstsein nicht zum Opfer. Für einen
> Unpersönlichkeitsphilosophen zum Beispiel kann der Herr
> oder das Absolute, da unpersönlich, nicht essen. Während
> ein Unpersönlichkeitsanhänger bemüht ist,
> wohlschmeckende Speisen zu vermeiden, weiß der
> Gottgeweihte, dass Krsna der höchste Genießer ist und dass
> Er alles ißt, was Ihm mit Hingabe geopfert wird. Nachdem
> also der Gottgeweihte dem Herrn schmackhafte Speisen
> geopfert hat, ißt er die Überreste, die man prasada nennt.
> Auf diese Weise wird alles spiritualisiert, und es besteht
> nicht die Gefahr, zu Fall zu kommen. Der Gottgeweihte ißt
> prasada im Krsna-Bewusstsein, was der Nichtgottgeweihte
> als etwas Materielles ablehnt. Der
> Unpersönlichkeitsanhänger kann daher wegen seiner
> künstlichen Entsagung das Leben nicht genießen, und aus
> diesem Grund zieht ihn schon die geringste Erregung des
> Geistes wieder in den Sumpf des materiellen Daseins hinab.
> Es heißt, dass eine solche Seele, obwohl sie sogar bis zur
> Stufe der Befreiung aufsteigen mag, wieder zu Fall kommt,
> da sie nicht durch hingebungsvollen Dienst gestützt wird.
> 
> VERS 64
> Wer seine Sinne meistern kann, indem er den
> regulierenden Prinzipien der Freiheit folgt, kann die
> volle Barmherzigkeit des Herrn erlangen und so von
> aller Anhaftung und Abneigung frei werden.
> ERLÄUTERUNG
> Es wurde bereits erklärt, dass man die Sinne durch einen
> künstlichen Vorgang zwar oberflächlich beherrschen mag,
> dass aber, solange die Sinne nicht im transzendentalen
> Dienst des Herrn beschäftigt sind, immer die Möglichkeit
> besteht, wieder zu Fall zu kommen. Auch wenn es so
> erscheinen mag, als befinde sich ein völlig Krsna-bewusster
> Mensch auf der sinnlichen Ebene, ist er dennoch, dank
> seines Krsna-Bewusstseins, sinnlichen Tätigkeiten nicht
> verhaftet. Dem Krsna-bewussten Menschen geht es nur
> darum, Krsna zufriedenzustellen, um nichts anderes.
> Deshalb steht er zu aller Anhaftung in transzendentaler
> Stellung. Wenn Krsna es wünscht, kann der Gottgeweihte
> alles tun, was gewöhnlich unangenehm wäre, und wenn
> Krsna es nicht wünscht, wird er nicht das tun, was er
> gewöhnlich zu seiner eigenen Befriedigung getan hätte.
> Deshalb wacht er darüber, was er tut und was er nicht tut,
> denn er handelt nur unter der Führung Krsnas. Dieses
> Bewusstsein ist die grundlose Barmherzigkeit des Herrn, die
> der Gottgeweihte trotz seiner Anhaftung an die sinnliche
> Ebene erlangen kann.
> VERS 65
> Für jemand, der so im göttlichen Bewusstsein gründet,
> existieren die dreifachen Leiden des materiellen Daseins
> nicht länger, und in einem solch glücklichen Zustand
> wird seine Intelligenz sehr bald stetig.
> 
> VERS 66
> Wer nicht im transzendentalen Bewusstsein gründet,
> kann weder einen beherrschten Geist noch stetige
> Intelligenz besitzen, ohne die keine Möglichkeit zum
> Frieden besteht. Und wie kann es Glück ohne Frieden
> geben?
> ERLÄUTERUNG
> Solange man nicht Krsna-bewusst ist, besteht keine
> Möglichkeit zum Frieden. Im neunundzwanzigsten Vers
> des Fünften Kapitels wird bestätigt, dass man nur dann
> wirklichen Frieden finden kann, wenn man versteht, dass
> Krsna der einzige Genießer aller guten Ergebnisse von
> Opfern und tapasya, der Eigentümer aller universalen
> Manifestationen und der wirkliche Freund aller Lebewesen
> ist. Daher kann es, wenn man nicht Krsna-bewusst ist, kein
> endgültiges Ziel für den Geist geben. Störung ist auf das
> Fehlen eines endgültigen Ziels zurückzuführen, und wenn
> man die Gewissheit hat, dass Krsna der Genießer,
> Eigentümer und Freund jedes Wesens und aller Dinge ist,
> kann man mit stetigem Geist Frieden finden. Wer daher
> ohne eine Beziehung zu Krsna Tätig ist, muss sicherlich
> immerzu leiden und kennt keinen Frieden, mag er auch
> noch so bemüht sein, Frieden und spirituellen Fortschritt im
> Leben zur Schau zu stellen. Im Krsna-Bewusstsein
> manifestiert sich von selbst ein friedvoller Zustand, der nur
> in Beziehung zu Krsna erreicht werden kann.
> 
> VERS 67
> Gleich einem Boot auf dem Wasser, das von einem
> Sturm hinweggerissen wird, kann die Intelligenz des
> Menschen schon von einem der Sinne davongetragen
> werden, auf den der Geist sich richtet.
> ERLÄUTERUNG
> Solange nicht alle Sinne im Dienst des Herrn beschäftigt
> sind, kann schon ein einziger von ihnen, der nach seiner
> eigenen Befriedigung trachtet, den Gottgeweihten vom
> Pfad des transzendentalen Fortschritts abbringen. Wie am
> Leben Maharaja Ambarisas deutlich wurde, müssen alle
> Sinne im Krsna-Bewusstsein Beschäftigt sein, das ist die
> richtige Methode, den Geist zu beherrschen.
> 
> VERS 68
> Daher, o Starkarmiger, verfügt jemand, dessen Sinne
> von ihren Objekte zurückgezogen sind, über stetige
> Intelligenz.
> ERLÄUTERUNG
> So wie Feinde nur durch überlegene Stärke bezwungen
> werden können, so können die Sinne durch keine
> menschliche Bemühung bezwungen werden, sondern nur,
> indem man sie ständig im Dienst des Herrn Beschäftigt.
> Wer dies verstanden hat, dass man nämlich nur durch
> Krsna-Bewusstsein auf der Ebene der Intelligenz wirklich
> gefestigt ist und dass man diese Kunst unter der Führung
> eines echten spirituellen Meisters erlernen sollte, wird als
> sadhaka bezeichnet oder jemand, der geeignet ist, befreit zu
> werden.
> 
> VERS 69
> Was Nacht ist für alle Wesen, ist die Zeit des Erwachens
> für den Selbstbeherrschten, und die Zeit des Erwachens
> für alle Wesen ist Nacht für den nach innen gekehrten
> Weisen.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt zwei Arten von intelligenten Menschen. Der eine ist
> intelligent, soweit es materielle Tätigkeiten für
> Sinnenbefriedigung betrifft, und der andere ist nach innen
> gewandt und sich der Notwendigkeit bewusst,
> Selbsterkenntnis zu kultivieren. Tätigkeiten des nach innen
> gekehrten Weisen oder nachdenklichen Mannes sind
> "Nacht" für Menschen, die nur an materielle Dinge denken.
> Materialistische Menschen schlafen in einer solchen
> "Nacht", da sie von Selbstverwirklichung nichts wissen.
> Der nach innen gewandte Weise bleibt in der "Nacht" der
> materialistischen Menschen wach. Der Weise empfindet
> transzendentale Freude bei seinem allmählichen Fortschritt
> spiritueller Kultur, wohingegen jemand, der
> materialistischen Tätigkeiten nachgeht, von Sinnenfreuden
> aller Art träumt, da er seine Selbstverwirklichung verschläft
> und sich in seinem Schlafzustand manchmal glücklich und
> manchmal unglücklich fühlt. Der nach innen gekehrte
> Mensch steht materialistischem Glück und Leid immer
> gleichgültig gegenüber. Ungestört von materieller
> Reaktion, geht er seinen Tätigkeiten nach, die ihn zur
> Selbstverwirklichung führen.
> 
> VERS 70
> Nur wer durch die unaufhörliche Flut von Wünschen
> nicht gestört ist - die wie Flüsse in den Ozean münden,
> der ständig gefüllt wird, doch immer ruhig bleibt -,
> kann Frieden erlangen, und nicht derjenige, der danach
> trachtet, solche Wünsche zu befriedigen.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl der weite Ozean immer mit Wasser gefüllt ist, wird
> er, vor allem während der Regenzeit, mit noch viel mehr
> Wasser gefüllt. Aber der Ozean bleibt der gleiche -
> unbewegt; er wird nicht beunruhigt, noch tritt er jemals
> über seine Ufer. Dieses Beispiel trifft auch auf einen
> Menschen zu, der im Krsna-Bewusstsein gefestigt ist.
> Solange man den materiellen Körper hat, werden die
> Forderungen des Körpers nach Sinnenbefriedigung
> bestehenbleiben, doch der Gottgeweihte ist durch solche
> Wünsche nicht gestört, da er in sich selbst zufrieden ist. Ein
> Krsna-bewusster Mensch kennt keinen Mangel, denn der
> Herr sorgt für all seine materiellen Bedürfnisse. Daher ist er
> wie der Ozean - immer in sich selbst erfüllt. Wünsche
> mögen zu ihm kommen wie das Wasser der Flüsse, die in
> den Ozean strömen, doch er bleibt stetig in seinen
> Tätigkeiten und ist durch Wünsche nach
> Sinnenbefriedigung nicht im geringsten gestört. Das ist der
> Beweis dafür, dass jemand Krsna-bewusst ist: dass er alle
> Neigungen zu materieller Sinnenbefriedigung verloren hat,
> obwohl die Wünsche vorhanden sind. Da er im
> transzendentalen liebenden Dienst des Herrn zufrieden ist,
> kann er stetig bleiben wie der Ozean und daher
> vollständigen Frieden genießen. Andere dagegen, die ihre
> Wünsche bis zur Grenze der Befreiung erfüllen, erlangen,
> ganz zu schweigen von materiellem Erfolg, niemals
> Frieden. Die fruchtbringenden Arbeiter, die nach Erlösung
> Suchenden und auch die yogis, die nach mystischen Kräften
> trachten, sind alle unglücklich, weil ihre Wünsche nicht
> erfüllt werden. Der Mensch im Krsna-Bewusstsein hingegen
> ist im Dienst des Herrn glücklich, und er hat keine
> Wünsche, die zu erfüllen ären. Ja, er wünscht sich nicht
> einmal Befreiung aus der sogenannten materiellen
> Knechtschaft. Die Geweihten Krsnas haben keine
> materiellen Wünsche, und daher leben sie in
> vollkommenem Frieden.
> 
> VERS 71
> Jemand, der alle Wünsche nach Sinnenbefriedigung
> aufgegeben hat, der frei von Wünschen ist, allen
> Anspruch auf Besitz aufgegeben hat und frei von
> falschem Ego ist - er allein kann wirklichen Frieden
> erlangen.
> ERLÄUTERUNG
> Wunschlos zu werden bedeutet, nicht das geringste für die
> Befriedigung der eigenen Sinne zu begehren. Mit anderen
> Worten: Der Wunsch, Krsna-bewusst zu werden, ist wahre
> Wunschlosigkeit. Seine eigentliche Stellung als der ewige
> Diener Krsnas zu verstehen, ohne sich irrtümlich für den
> materiellen Körper zu halten und ohne fälschlich auf irgend
> etwas in der Welt einen Besitzanspruch zu erheben, ist die
> vollkommene Stufe des Krsna-Bewusstseins. Wer auf dieser
> vollkommenen Stufe verankert ist, weiß, dass Krsna der
> Besitzer aller Dinge ist und dass daher alles verwendet
> werden muss, um Krsna zufriedenzustellen. Arjuna weigerte
> sich zu kämpfen, weil er an seine eigene Befriedigung
> dachte, aber als er völlig Krsna-bewusst wurde, kämpfte er,
> weil Krsna es von ihm verlangte. Für sich selbst hatte er
> kein Verlangen zu kämpfen, aber für Krsna kämpfte der
> gleiche Arjuna nach besten Kräften. Der Wunsch, Krsna
> zufriedenzustellen, ist tatsächlich Wunschlosigkeit; es ist
> kein künstlicher Versuch, Wünsche zu verdrängen. Das
> Lebewesen kann nicht wunschlos oder sinnenlos sein; aber
> es muss die Qualität seiner Wünsche ändern. Jemand, der
> keine materiellen Wünsche mehr hat, weiß zweifellos, dass
> alles Krsna gehört (Ösavasyam idam sarvam), und erhebt
> daher nicht fälschlich einen Besitzanspruch auf irgend
> etwas. Dieses transzendentale Wissen gründet auf
> Selbsterkenntnis, nämlich dem unzweifelhaften
> Versändnis, dass jedes Lebewesen seiner spirituellen
> Identität nach ein ewiges Teilchen Krsnas ist und dass daher
> die ewige Stellung des Lebewesens niemals auf der Ebene
> Krsnas oder höher als Er ist. Dieses Verständnis vom
> Krsna-Bewusstsein bildet die Grundlage wahren Friedens.
> 
> VERS 72
> Das ist der Weg des spirituellen und gottgefälligen
> Lebens. Nachdem man es erreicht hat, ist man nicht
> mehr verwirrt. Ist man selbst zur Stunde des Todes in
> diesem Bewusstsein verankert, kann man in das
> Königreich Gottes eintreten.
> ERLÄUTERUNG
> Man kann Krsna-Bewusstsein oder göttliches Leben
> augenblicklich erlangen - innerhalb einer Sekunde - oder
> nicht einmal nach Millionen von Geburten. Es hängt nur
> davon ab, ob man es versteht und annimmt. Khatvanga
> Maharaja erreichte diese Stufe des Lebens erst Minuten vor
> seinem Tod, indem er sich Krsna ergab. Nirvana bedeutet,
> das materialistische Leben zu beenden. Der buddhistischen
> Philosophie gemäß gibt es nach Beendigung des
> materiellen Lebens nur Leere; aber die Bhagavad-Gita lehrt
> etwas anderes. Nach Beendigung des materiellen Lebens
> beginnt erst das wirkliche Leben. Für den groben
> Materialisten genügt es zu wissen, dass man die
> materialistische Lebensweise beenden muss; doch für
> Menschen, die spirituell fortgeschritten sind, gibt es nach
> diesem materialistischen Leben noch ein anderes Leben.
> Wenn man vor Beendigung dieses Lebens das Glück hat,
> Krsna-bewusst zu werden, erreicht man sogleich die Stufe
> des brahma-nirvana. Es besteht kein Unterschied zwischen
> dem Königreich Gottes und dem hingebungsvollen Dienst
> des Herrn. Da sich beide auf der absoluten Ebene befinden,
> hat man das spirituelle Königreich bereits erreicht, wenn
> man im transzendentalen liebenden Dienst des Herrn Tätig
> ist. In der materiellen Welt gibt es Tätigkeiten der
> Sinnenbefriedigung, wohingegen es in der spirituellen Welt
> Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins gibt. Krsna-Bewusstsein
> zu erreichen bedeutet, sogar noch während dieses Lebens,
> unmittelbar das Brahman zu erreichen. Ein im Krsna-
> Bewusstsein verankerter Mensch ist mit Sicherheit bereits in
> das Königreich Gottes eingetreten.
> Brahman ist genau das Gegenteil von Materie. Daher
> bedeutet brahmi sthitiH: "nicht auf der Ebene materieller
> Tätigkeiten". Der hingebungsvolle Dienst des Herrn wird in
> der Bhagavad-Gita als die befreite Stufe anerkannt. Folglich
> bedeutet brahmi sthitiH Befreiung aus der materiellen
> Knechtschaft.
> Srila Rupa Bhaktivinoda Thakura hat erklärt, dass dieses Zweite
> Kapitel der Bhagavad-Gita die Zusammenfassung des
> gesamten Textes ist. In der Bhagavad-Gita werden karmayoga,
> jnana-yoga und bhakti-yoga behandelt. Im Zweiten
> Kapitel sind karma-yoga und jnana-yoga ausführlich
> besprochen worden, und als Zusammenfassung des
> gesamten Textes wurde auch bhakti-yoga kurz erwähnt.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-ERLÄUTERUNGen zum
> Zweiten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem Titel:
> "Inhalt der Gita zusammengefaßt".
>
> — *Zweites Kapitel: Inhalt der Gita zusammengefaßt*

