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Ein keusches, heiliges Leben

Ein keusches, heiliges Leben á Textzusammenstellung á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 2.02 (O-2021-06-12)

Ein keusches, heiliges Leben Textzusammenstellung

Vorwort

»Solch ein keusches und heiliges Leben mit seinen Kennzeichen der Bescheidenheit, Reinheit, Enthaltsamkeit, Anständigkeit und inneren Sauberkeit bedingt nichts weniger als Mäßigung in allem, was zu Kleidung, Sprache, Vergnügen sowie allen künstlerischen und literarischen Zerstreuungen gehört. Es verlangt tägliche Wachsamkeit in der Beherrschung der fleischlichen Wünsche und verderbten Neigungen. Es fordert die Aufgabe leichtfertigen Verhaltens mit seiner übertriebenen Verhaftung an nichtssagende und oft missgeleitete Freuden. Es verlangt völlige Enthaltung von allen alkoholischen Getränken, von Opium und ähnlichen Drogen, die zur Gewohnheit werden können. Es verurteilt die erniedrigende Verwendung von Kunst und Literatur, Nacktkultur und Kameradschaftsehe, eheliche Untreue und alle Arten des zwanglosen geschlechtlichen Verkehrs, leichtfertige Vertraulichkeit und geschlechtliche Laster.« Q1

Der Bahá’í-Maßstab

Das Wesen der Bahá’í-Gesetze

1

Wen Gott mit Einsicht begabt hat, der wird bereitwillig anerkennen, dass die von Gott erlassenen Gebote das höchste Mittel für den Bestand der Ordnung in der Welt und für die Sicherheit ihrer Völker ist … O ihr Völker der Welt! Wisset und seid gewiss, dass Meine Gebote die Lampen Meiner liebevollen Vorsehung unter Meinen Dienern und die Schlüssel Meiner Gnade für Meine Geschöpfe sind. So ist es aus dem Himmel des Willens eures Herrn, des Herrn der Offenbarung, herabgesandt … Sprich: In Meinen Gesetzen ist der süße Duft Meines Gewandes wahrzunehmen, und mit ihrer Hilfe werden die Banner des Sieges auf den höchsten Höhen gehisst. Die Zunge Meiner Macht richtet aus dem Himmel Meiner allmächtigen Herrlichkeit diese Worte an Meine Schöpfung: »Haltet Meine Gebote aus Liebe zu Meiner Schönheit!« Glücklich der Liebende, der den göttlichen Duft seines Meistgeliebten einatmet aus diesen Worten, erfüllt mit dem Wohlgeruch einer Gnade, die keine Zunge beschreiben kann. Bei Meinem Leben! Wer den erlesenen Wein der Reinheit aus den Händen Meiner großmütigen Gunst trinkt, wird Meine Gebote, die vom Tagesanbruch Meiner Schöpfung leuchten, umkreisen. Wähnt nicht, Wir hätten euch nur ein Gesetzbuch offenbart. Nein, Wir haben vielmehr den erlesenen Wein mit den Fingern der Macht und Kraft entsiegelt. Dafür zeugt, was die Feder der Offenbarung enthüllt hat. Denkt darüber nach, o ihr Einsichtsvollen!A1

2

Wie es Gesetze gibt, die unser stoffliches Leben steuern und z.B. verlangen, dass wir unseren Körper mit bestimmten Nahrungsmitteln versorgen, ihn in einem bestimmten Temperaturbereich halten und so weiter, um Behinderungen zu vermeiden, so gibt es auch Gesetze, die unser geistiges Leben steuern. Diese Gesetze werden der Menschheit in jedem Zeitalter von der Manifestation Gottes offenbart; ihnen zu gehorchen ist lebenswichtig, wenn sich jeder Mensch und die Menschheit im Ganzen richtig und harmonisch entwickeln sollen. Außerdem gibt es eine Wechselwirkung zwischen diesen verschiedenen Aspekten. Wenn der einzelne die geistigen Gesetze in seiner eigenen Entwicklung verletzt, schadet er nicht nur sich selbst, sondern auch der Gesellschaft, in der er lebt. Ebenso wirkt der Zustand der Gesellschaft unmittelbar auf den Einzelnen, der in ihr leben muss.A2

3

Wir haben Ihre verschiedenen Briefe bedacht und Ihre Fragen sowie Ihre Ansicht zur Kenntnis genommen, dass viele Bahá’í-Jugendliche in … verwirrt sind und inständig um Führung in einfacher, klarer Sprache bitten, wie man in Situationen des täglichen Lebens, besonders, was das Geschlechtsleben angeht, zurechtkommen soll. Es erscheint dem Universalen Haus der Gerechtigkeit weder möglich noch wünschenswert, eine Reihe von Regeln aufzustellen, die jeder Situation gerecht werden. Vielmehr ist es die Aufgabe des einzelnen Gläubigen, je nach seinem persönlichen, frommen Verständnis der Schriften klar zu entscheiden, wie sein Verhalten in Situationen, denen er im täglichen Leben begegnet, sein sollte. Wenn er seine eigentliche Lebensaufgabe als Anhänger der Gesegneten Vollkommenheit erfüllen will, wird er sein Leben im Einklang mit den Lehren gestalten. Dieses Ziel kann der Gläubige nicht dadurch erreichen, dass er sein Leben bloß nach einer Reihe starrer Regeln richtet. Wenn sein Leben auf den Dienst für Bahá’u’lláh ausgerichtet ist und all sein Handeln bewusst unter diesem Gesichtspunkt geschieht, wird er sein wahres Lebensziel nicht verfehlen. Darum muss jeder Gläubige die heiligen Schriften und die Anleitungen des geliebten Hüters immer wieder studieren und stets bestrebt sein, ein neues und besseres Verständnis ihrer Wichtigkeit für sich selbst und für die Gesellschaft zu gewinnen. Er sollte inständig um göttliche Führung, Weisheit und Kraft beten, damit er tue, was Gott gefällt, und er Ihm allezeit nach bestem Vermögen diene.A3

4

Was Keuschheit betrifft, so ist sie einer der herausforderndsten Begriffe, der in diesem freizügigen Zeitalter verständlich gemacht werden muss. Die Bahá’í müssen sich jedoch aufs äußerste darum bemühen, die Bahá’í-Maßstäbe einzuhalten, gleichgültig, wie schwierig ihnen das anfangs auch erscheinen mag. Derlei Bemühungen werden leichter, sobald die Jugend versteht, dass die Gesetze und Maßstäbe des Glaubens dem Zweck dienen, sie von unsagbaren geistigen und sittlichen Schwierigkeiten zu befreien, genau wie das richtige Verständnis der Naturgesetze uns ein Leben in Harmonie mit den Kräften des Planeten ermöglicht.A4

Wahre Freiheit

5

Seht die Kleingeistigkeit der Menschen. Sie verlangen nach dem, was ihnen schadet, und verwerfen, was ihnen nützt … Wisst, dass die Verkörperung der Freiheit und ihr Sinnbild das Tier ist. Dem Menschen ziemt es, dass er sich in Schranken fügt, die ihn vor seiner eigenen Unwissenheit beschützen und vor dem Schaden des Unheilstifters bewahren. Freiheit veranlasst den Menschen die Grenzen des Schicklichen zu überschreiten und die Würde seiner Stufe zu verletzen. Sie erniedrigt ihn auf die Ebene tiefster Verderbtheit und Schlechtigkeit. Betrachtet den Menschen als eine Schafherde, die zu ihrem Schutze eines Hirten bedarf. Dies ist gewiss die Wahrheit, die unumstößliche Wahrheit. Wir billigen die Freiheit unter gewissen Umständen, unter anderen verwerfen Wir sie. Wir sind wahrlich der Allwissende. Sprich: Wahre Freiheit besteht in der Unterwerfung des Menschen unter Meine Gebote, so wenig ihr dies auch versteht. Würden die Menschen befolgen, was Wir aus dem Himmel der Offenbarung auf sie herabsandten, so würden sie sicherlich vollkommene Freiheit erlangen. Glücklich der Mensch, der die Absicht Gottes in allem erfasst, was Er aus dem Himmel Seines Willens, der alles Erschaffene durchdringt, offenbart! Sprich: Die Freiheit, die euch nützt, ist nirgendwo zu finden außer in vollkommener Dienstbarkeit vor Gott, der Ewigen Wahrheit. Wer ihre Süße kostet, wird es verschmähen, sie gegen alle Herrschaft der Erde und des Himmels zu tauschen.A5

6

Ähnlich steht es um die Menschen, die nach Freiheit schreien. Die gemäßigte Freiheit, welche die Gewähr für die Wohlfahrt der Menschheit bietet und allumfassende Beziehungen aufrechterhält, findet ihre kraftvolle Ausprägung in den Lehren Bahá’u’lláhs.A6

Der Bahá’í-Maßstab für Keuschheit

7

Die Erwählten Gottes … sollten nicht auf den verderbten Zustand der Gesellschaft schauen, in der sie leben, oder auf die Beweise der Entartung und der Leichtfertigkeit, die die Menschen um sie her an den Tag legen. Sie sollten sich nicht damit zufriedengeben, dass sie lediglich anders sind als die anderen und über sie hinausragen. Vielmehr sollten sie den Blick auf erhabenere Gipfel richten, indem sie sich die Ratschläge und Ermahnungen der Feder der Herrlichkeit zum höchsten Ziel setzen. Dann werden sie alsbald erkennen, wie zahlreich die Stufen sind, die noch erklommen werden müssen, und wie weit entfernt das ersehnte Ziel liegt, kein anderes Ziel als das, Beispiel zu sein für himmlische Verhaltensnormen und Tugenden.A7

8

Es muss jedoch beachtet werden, dass die Einhaltung eines so hohen Maßstabes moralischen Verhaltens nicht mit irgendeiner Form der Askese oder des übertriebenen und blindgläubigen Puritanismus in Verbindung gebracht oder verwechselt werden darf. Der von Bahá’u’lláh geprägte Maßstab sucht keinesfalls irgendjemand das einwandfreie Recht oder Vorrecht zu verweigern, den vollen Vorteil und Nutzen aus den vielfältigen Freuden, Schönheiten und Annehmlichkeiten zu ziehen, mit denen die Welt durch einen alliebenden Schöpfer so reich ausgestattet wurde. »Möchte ein Mensch«, so versichert uns Bahá’u’lláh, »sich mit dem Schmuck dieser Erde schmücken, ihre Trachten tragen und die Wohltaten genießen, die sie zu schenken vermag, so kann ihm das nicht schaden, sofern er nichts zwischen sich und Gott treten lässt; denn Gott hat alle guten Dinge, ob sie in den Himmeln oder auf Erden erschaffen sind, für solche seiner Diener bestimmt, die wahrhaft an Ihn glauben. Genießet, o Menschen, die guten Dinge, die Gott euch erlaubt, und beraubt euch nicht selbst Seiner wunderbaren Gaben. Bringet Ihm Dank und Preis, und gehöret zu den wahrhaft Dankbaren.«Q2A8

9

Der Bahá’í-Maßstab ist sehr hoch, vor allem, wenn er mit den völlig verderbten Sitten der heutigen Welt verglichen wird. Unser Maßstab jedoch wird gesündere, glücklichere, edlere Menschen schaffen und zu haltbareren Ehen führen …A9

Ein keusches, heiliges Leben

Begriffsbestimmung

10

Solch ein keusches und heiliges Leben mit seinen Kennzeichen der Bescheidenheit, Reinheit, Enthaltsamkeit, Anständigkeit und inneren Sauberkeit bedingt nichts weniger als Mäßigung in allem, was zu Kleidung, Sprache, Vergnügen sowie allen künstlerischen und literarischen Zerstreuungen gehört. Es verlangt tägliche Wachsamkeit in der Beherrschung der fleischlichen Wünsche und verderbten Neigungen. Es fordert die Aufgabe leichtfertigen Verhaltens mit seiner übertriebenen Verhaftung an nichtssagende und oft missgeleitete Freuden. Es verlangt völlige Enthaltung von allen alkoholischen Getränken, von Opium und ähnlichen Drogen, die zur Gewohnheit werden können. Es verurteilt die erniedrigende Verwendung von Kunst und Literatur, Nacktkultur und Kameradschaftsehe, eheliche Untreue und alle Arten des zwanglosen geschlechtlichen Verkehrs, leichtfertige Vertraulichkeit und geschlechtliche Laster. Es kann keinen Kompromiss dulden mit den Lehren, Maßstäben, Gewohnheiten und Übertreibungen eines verfallenden Zeitalters. Nein, es sucht vielmehr durch die anfeuernde Kraft seines Beispiels den schädlichen Charakter solcher Lehren, die Falschheit solcher Maßstäbe, die Hohlheit solcher Ansprüche, die Entartung solcher Gewohnheiten und die Schändlichkeit solcher Übertreibungen zu beweisen.A10

Keuschheit

11

Der ist Mein wahrer Jünger, der, käme er in ein Tal aus reinem Gold, geradewegs hindurchzöge, darüber schwebend wie eine Wolke, weder sich wendend noch rastend. Ein solcher Mensch gehört wahrlich zu Mir. Von seinem Gewande kann die Schar der Höhe den Duft der Heiligkeit atmen … Und wenn er der schönsten, anmutigsten Frau begegnete, fühlte er sein Herz auch nicht vom leisesten Schatten eines Verlangens nach ihrer Schönheit verführt. Ein solcher Mensch ist wahrlich ein Geschöpf makelloser Keuschheit. Dies lehrt dich die Feder des Altehrwürdigen der Tage, wie es ihr geboten wurde von deinem Herrn, dem Allmächtigen, dem Allgütigen.A11

12

Reinheit und Keuschheit waren und sind noch immer der schönste Schmuck der Dienerinnen Gottes. Gott ist Mein Zeuge! Das klare Licht der Keuschheit wirft seinen Glanz auf die geistigen Welten und sein Duft weht selbst bis ins Erhabenste Paradies.A12

13

Das Universale Haus der Gerechtigkeit erklärt hinsichtlich der positiven Aspekte der Keuschheit, dass der Bahá’í-Glaube den Wert des Geschlechtstriebes anerkennt, und es ist der Auffassung, dass die Ehe gestiftet wurde als der Weg, ihm angemessen Ausdruck zu verleihen. Die Bahá’í halten nichts davon, dass der Geschlechtstrieb unterdrückt wird, aber er sollte gelenkt und beherrscht werden. Keuschheit bringt keineswegs den Abbruch zwischenmenschlicher Beziehungen mit sich. Sie befreit den Menschen von der Tyrannei des allgegenwärtigen Geschlechtstriebs. Ein Mensch, der seine geschlechtlichen Triebe beherrscht, kann tiefe, dauerhafte Freundschaften mit vielen Menschen, Männern wie Frauen, haben, ohne dabei jenes einzigartige, kostbare Band, das Mann und Frau verbinden sollte, jemals zu beschmutzen.A13

Mäßigung

14

Was die Grenzen der Mäßigung überschreitet, hört auf, wohltätigen Einfluss auszuüben. Betrachtet zum Beispiel Gegenstände wie Freiheit, Zivilisation und dergleichen. Wie wohlgefällig verständige Menschen sie auch immer betrachten mögen, ins Übermaß gesteigert, werden sie verderblichen Einfluss auf die Menschen haben.A14

15

Die Wahl der Kleidung sowie Schnitt und Form des Bartes bleiben den Menschen zur Entscheidung überlassen. Aber hütet euch, o Menschen, dass ihr euch nicht selbst zum Spielzeug der Unwissenden machet!A15

16

Des Menschen Wort ist eine Wirklichkeit, die Einfluss auszuüben sucht und des rechten Maßes bedarf. Sein Einfluss ist durch seine Feinheit bedingt, die ihrerseits von losgelösten, reinen Herzen abhängt. Sein rechtes Maß muss mit Takt und Weisheit gebildet werden, wie es die heiligen Schriften und Sendschreiben verordnen.A16

17

Wir haben euch Musik und Gesang erlaubt, doch seht euch vor, dass dies euch nicht verleite, des Anstands und der Würde Grenzen zu überschreiten. Eure Freude entspringe Meinem Größten Namen, einem Namen, der das Herz frohlocken lässt und allen Gott Nahen den Geist mit Verzückung erfüllt.A17

18

In den Lehren steht nichts gegen das Tanzen, aber die Freunde sollten daran denken, dass Bahá’u’lláhs Maßstab Sittsamkeit und Keuschheit ist. Die Atmosphäre in modernen Tanzsälen, wo so viel geraucht, getrunken und schamlos getändelt wird, ist sehr schlecht, aber anständige Tänze sind an und für sich nicht schädlich. Klassischer Tanz oder Tanzstunden in der Schule schaden sicher nicht. Es schadet auch nicht, in Schauspielen oder Kinofilmen mitzuspielen. Schädlich ist heutzutage nicht die Kunst an sich, sondern die verhängnisvolle Verderbtheit, die so oft mit den Künsten einhergeht. Als Bahá’í müssen wir keine der Künste meiden, aber die Taten und die Atmosphäre, die manchmal im Umfeld dieser Berufe anzutreffen sind, sollten wir meiden.A18

Täglich wachsames Handeln

19

Erhebt euch, o Menschen, und entschließt euch durch die Kraft der göttlichen Macht, den Sieg über euer Selbst zu erringen, damit die ganze Welt aus ihrer Hörigkeit vor den Götzen ihrer leeren Einbildungen erlöst werde – Götzen, die ihren erbärmlichen Anbetern so viel Schaden zugefügt haben und für ihr Elend verantwortlich sind. Diese Trugbilder sind das Hindernis, das den Menschen in seinem Bemühen hemmt, auf dem Pfade der Vervollkommnung voranzuschreiten.A19

20

O Sohn des Seins! Lege dir selbst jeden Tag Rechenschaft ab, ehe du zur Rechenschaft gezogen wirst. Denn unerwartet kommt der Tod, und dann musst du deine Taten verantworten.A20

21

Leidenschaft ist eine Flamme, die schon ungezählte Male die Ernte des Lebens vieler Gebildeter zu Asche verbrannt hat, ein allverzehrendes Feuer, das sich selbst mit dem Meer ihres aufgespeicherten Wissens nicht löschen ließ. Wie oft ist es schon geschehen, dass jemand mit allen Attributen des Menschentums gesegnet war, das Kleinod wahren Verstehens besaß, aber dennoch seinen Leidenschaften nachging, bis seine außergewöhnlichen Eigenschaften die Grenzen der Mäßigung überschritten und er sich zu Ausschweifungen hinreißen ließ. Seine guten Absichten wandelten sich zum Bösen, seine Anlagen waren nicht länger auf Ziele gerichtet, die ihrer wert waren, und die Macht seiner Begierden lenkte ihn von der Rechtschaffenheit und ihrem Lohn ab auf gefährliche und dunkle Wege. In den Augen Gottes, Seiner Erwählten und aller Einsichtsvollen ist ein guter Charakter das Erhabenste und Lobenswerteste, was es gibt, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass die Quelle seiner Ausstrahlung Vernunft und Erkenntnis sind, und dass er wahre Mäßigung zur Grundlage hat.A21

Die Aufgabe leichtfertigen Verhaltens

22

O Mein Freund! Du bist die Sonne am Himmel Meiner Heiligkeit. Verdunkle nicht deinen Glanz mit dem Schmutz der Welt. Zerreiße den Schleier der Achtlosigkeit, strahle auf aus den Wolken und kleide alle Dinge in das Prachtgewand des Lebens.A22

23

Macht euch frei von jeder Bindung an diese Welt und ihre Eitelkeiten. Hütet euch, ihnen zu nahen, denn sie verleiten euch dazu, euren Gelüsten und eurer Habsucht zu folgen, und hindern euch daran, den geraden, herrlichen Pfad zu betreten.A23

24

In Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit beschreibt der geliebte Hüter in Absatz 47 nicht nur die Erfordernisse der Keuschheit, sondern »eines keuschen und heiligen Lebens« beide Eigenschaftsworte sind wichtig. Eines der Zeichen einer im Niedergang begriffenen Gesellschaft, das in der heutigen Welt klar zutage tritt, ist eine nahezu zügellose Hingabe an Vergnügung und Zerstreuung, unersättliches Verlangen nach Unterhaltung, fanatische Hingabe an Spiel und Sport, der Widerwille, irgendetwas ernsthaft zu betreiben, und eine verächtliche, spöttische Einstellung zur Tugend und zu echten Werten. Der »Verzicht auf leichtfertiges Verhalten« bedeutet nicht, dass ein Bahá’í ein sauertöpfisches Gesicht aufsetzen oder immer feierlich sein müsste. Ein richtiges Bahá’í-Leben kennzeichnen Humor, Fröhlichkeit und Freude. Leichtfertigkeit verliert ihren Reiz und führt schließlich zu Langeweile und Leere, wogegen echte Fröhlichkeit, Freude und Humor ebenso zu einem ausgewogenen Leben gehören wie ernste Gedanken, Mitgefühl und bescheidene Dienstbarkeit vor Gott – Merkmale, die das Leben bereichern und zu seiner Ausstrahlung beitragen. Shoghi Effendis Wortwahl war immer bedeutsam, und jedes Wort ist wichtig für das Verständnis seiner Führung. In diesem speziellen Abschnitt verbietet er nicht die »schalen« Vergnügungen, sondern er warnt nachdrücklich davor, »übermäßig« daran zu »hängen«, und weist darauf hin, dass sie oft »missgeleitet« sein können. Man wird an die Warnung ‘Abdu’l-Bahás erinnert, einen Zeitvertreib nicht zur Zeitvergeudung werden zu lassen.A24

Alkohol

25

Werdet trunken vom Wein der Liebe Gottes und nicht von dem, was euren Verstand zerstört, o ihr, die ihr Ihn anbetet! Wahrlich, dies wurde jedem Gläubigen verboten, Mann und Frau gleichermaßen.A25

26

Das Trinken von Wein ist nach dem Text des Heiligsten Buches verboten; denn es ist die Ursache von chronischen Krankheiten, schwächt die Nerven und zerstört den Verstand.A26

Drogen

27

Was jedoch die Frage des Opiums betrifft: Es ist abscheulich und verflucht, und Gott möge uns vor Seiner Strafe für den, der es gebraucht, beschützen! Der Text des Heiligsten Buches verbietet es ausdrücklich und verurteilt seinen Gebrauch in höchstem Maße. Die Vernunft sieht im Opiumrauchen eine Wahnsinnstat, und die Erfahrung zeigt, dass der Opiumraucher aus der menschlichen Gesellschaft völlig ausgeschlossen wird. Möge Gott alle beschützen vor einer so abscheulichen Tat, welche die Grundlage des Menschseins zerstört und den Süchtigen für Zeit und Ewigkeit zugrunde richtet. Opium ergreift Besitz von der Seele des Menschen, so dass sein Gewissen stirbt, sein Verstand besudelt und sein Wahrnehmungsvermögen zerfressen wird. Es tötet das Leben und löscht die natürliche Wärme. Kein größerer Schaden ist vorstellbar als der durch Opium. Wohl denen, die nicht einmal das Wort Opium über die Lippen bringen; bedenkt somit, wie erbärmlich derjenige ist, der es gebraucht!A27

28

Was Haschisch betrifft, so hatten Sie darauf aufmerksam gemacht, dass einige Perser sich an seinen Gebrauch gewöhnt haben. Gnädiger Gott! Es ist das schlimmste aller Rauschmittel, und dessen Verbot ist ausdrücklich offenbart. Sein Gebrauch zersetzt das Denken und lässt die Seele völlig erstarren. Wie kann einer nach dieser Höllenbaumfrucht verlangen, deren Genuss ihn dazu bringt, als Gespenst herumzulaufen! Wie kann man dieses verbotene Rauschgift nehmen und sich damit der Segnungen des Allbarmherzigen berauben! … Alkohol zerstört den Verstand und lässt den Menschen unsinnige Taten begehen. Aber … das verruchte Haschisch tötet den Verstand, lässt den Geist erstarren, versteinert die Seele, verzehrt den Leib und lässt den Menschen enttäuscht und zugrunde gerichtet zurück.A28

29

Was die sogenannten ›geistigen‹ Wirkungen der Drogen angeht, … geistige Anregung sollte der Hinwendung des Herzens zu Bahá’u’lláh entspringen, nicht materiellen Mitteln wie Drogen und Suchtstoffen. Aus der Beschreibung in Ihrem Brief wird deutlich, dass sinnestäuschende Wirkstoffe zu den Rauschmitteln gehören. Da von den Freunden, auch von der Jugend, verlangt wird, sich strikt aller Arten von Rauschmitteln zu enthalten, und da außerdem von ihnen erwartet wird, dass sie die bürgerlichen Gesetze ihres Landes gewissenhaft befolgen, ist ganz klar, dass sie diese Drogen nicht nehmen sollten. Eine sehr große Verantwortung für den künftigen Frieden und das Wohlergehen der Welt liegt auf den Schultern der heutigen Jugend. Möge die Bahá’í-Jugend durch die Kraft des Glaubens, den sie annahm, für ihre Kameraden ein leuchtendes Beispiel sein.A29

30

Die Bahá’í sollten keine sinnestäuschenden Mittel, auch nicht LSD, Meskalin und ähnliche Stoffe, gebrauchen, außer wenn sie zur ärztlichen Behandlung verschrieben wurden. Ebenso sollten sie sich nicht auf Experimente mit solchen Mitteln einlassen.A30

Die Bahá’í-Haltung zur Sexualität

31

Kurz gesagt beruht die Bahá’í-Vorstellung von der Sexualität auf der Überzeugung, dass beide Geschlechter strenge Keuschheit üben sollen, nicht nur, weil sie ethisch höchst empfehlenswert ist, sondern auch, weil sie der einzige Weg zu einem glücklichen und erfolgreichen Eheleben ist. Sexuelle Beziehungen irgendwelcher Art außerhalb der Ehe sind deshalb nicht erlaubt, und wer diesen Grundsatz verletzt, wird nicht nur vor Gott verantwortlich sein, sondern auch die notwendige Strafe der Gesellschaft auf sich ziehen. Der Bahá’í-Glaube anerkennt den Wert des Geschlechtstriebes; er verurteilt jedoch den unrechtmäßigen und unschicklichen Gebrauch dieses Triebes, wie er in sogenannter freier Liebe, in der Partnerschaftsehe und anderen Erscheinungen zum Ausdruck kommt. All dies erachtet er als zweifelsfrei schädlich für den Menschen und die Gesellschaft, in der er lebt. Der richtige Gebrauch des Geschlechtstriebes ist das natürliche Recht jedes Menschen, und genau für diesen Zweck ist die Institution der Ehe geschaffen worden. Die Bahá’í halten nichts von der Unterdrückung des Geschlechtstriebs, aber viel von seiner Steuerung und Beherrschung.A31

32

Zu Ihrer Frage, ob es legitime Ausdrucksformen des Geschlechtstriebs außerhalb der Ehe gibt: den Bahá’í-Lehren zufolge kann keine sexuelle Handlung als legitim betrachtet werden, wenn sie nicht zwischen zwei gesetzlich verheirateten Menschen stattfindet. Außerhalb des Ehelebens kann es keinen legitimen oder gesunden Gebrauch des Geschlechtstriebs geben. Die Bahá’í-Jugend sollte einerseits Selbstkontrolle lernen, die, wenn sie geübt wird, zweifellos eine heilsame Wirkung auf die Entwicklung des Charakters und der Persönlichkeit im Ganzen hat. Andererseits sollte der Jugend geraten, ja sie sollte ermutigt werden, die Ehe zu schließen, wenn sie noch jung und im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte ist. Wirtschaftliche Umstände sind zweifellos oft ein ernsthaftes Hindernis vor Frühehen, aber in den meisten Fällen nur ein Vorwand; sie sollten deshalb nicht überbetont werden.A32

33

Keuschheit bedeutet ein unbeflecktes, reines Geschlechtsleben vor und nach der Heirat: vor der Heirat vollkommen keusch, nach der Heirat dem gewählten Gefährten vollkommen treu, Treue in allen sexuellen Handlungen, Treue in Wort und Tat. Abgesehen von anderen Missständen ist die Welt heute versunken in einer Überbetonung der körperlichen Liebe und in einem Mangel an geistigen Werten. Die Gläubigen sollten dies so weit wie möglich zu erkennen versuchen und sich über das Niveau ihrer Mitmenschen erheben, die so übertriebenes Gewicht auf die rein körperliche Seite der Paarung legen, wie es für alle Verfallsperioden der Geschichte typisch ist. Außerhalb ihres normalen, rechtmäßigen Ehelebens sollten sie danach streben, Bande der Freundschaft und Liebe zu knüpfen, die ewig und auf das geistige Leben des Menschen gegründet sind, nicht auf sein körperliches Leben. Das ist eines der vielen Gebiete, auf denen die Bahá’í beispielhaft sein und den Weg zu einem wahrhaft menschlichen Lebensmaßstab weisen müssen, nach welchem des Menschen Seele erhöht wird und sein Leib nur das Werkzeug seines erleuchteten Geistes ist. Selbstverständlich schließt dies keineswegs ein vollkommen normales Geschlechtsleben innerhalb der rechtmäßigen Bahnen der Ehe aus.A33

Unsittliche Handlungen werden verurteilt

34

Ehebruch, Sodomie und Unzucht sind euch verboten. Meide sie, o Schar der Getreuen. Bei der Gerechtigkeit Gottes! Ihr wurdet ins Dasein gerufen, die Welt von der Besudelung durch üble Leidenschaften zu läutern. Das hat euch der Herr der ganzen Menschheit zur Pflicht gemacht, könntet ihr es doch begreifen. Wer dem Allbarmherzigen angehört und teuflische Taten begeht, ist wahrlich nicht von Mir. Dies bezeugen jedes Atom, jeder Kieselstein, jeder Baum und jede Frucht und darüber hinaus diese unaufhörlich kündende, wahrheitsliebende, vertrauenswürdige Zunge.A34

35

Wenn wir uns klarmachen, dass Ehebruch, wie Bahá’u’lláh erklärt, den Fortschritt der Seele im zukünftigen Leben verzögert – so schrecklich ist er – und Alkoholgenuss den Verstand zerstört, weshalb man sich dem nicht einmal nähern sollte, sehen wir, wie eindeutig unsere Lehren zu diesen Themen sind.A35

36

Zu den vielen anderen Übeln, die die Gesellschaft an diesem geistigen Tiefpunkt der Geschichte plagen, zählt das Problem der Sittenlosigkeit und die Überbetonung des Geschlechtlichen. Bahá’u’lláhs Schriften zufolge ist Homosexualität geistig verworfen. Das bedeutet nicht, dass den davon geplagten Menschen nicht geholfen, nicht geraten und kein Mitgefühl gezeigt werden dürfte. Es bedeutet vielmehr, dass wir dies nicht für eine statthafte Lebensweise halten, wie es heutzutage leider allzu oft vertreten wird. Gegen die Übel in der Gesellschaft müssen wir mit geistigen, aber auch mit medizinischen und gesellschaftlichen Mitteln ankämpfen. Wir müssen tolerant sein, aber zu keinem Kompromiss bereit, verständnisvoll, aber in unserer Haltung unerschütterlich.A36

37

Eine Reihe von Sexualproblemen wie Homosexualität und Transsexualität können sehr wohl medizinische Seiten haben, und in diesen Fällen sollte gewiss die beste medizinische Betreuung gesucht werden. Aber aus den Lehren Bahá’u’lláhs ergibt sich klar, dass Homosexualität kein Zustand ist, mit dem sich der oder die Betroffene abfinden sollte; vielmehr ist sie eine Verformung seiner oder ihrer Natur, die beherrscht und überwunden werden sollte. Das mag einen harten Kampf bedeuten; aber ebenso hart kann der persönliche Kampf eines heterosexuellen Menschen sein, seine oder ihre Gelüste zu beherrschen. Übt man Selbstbeherrschung in diesem wie in vielen anderen Lebensbereichen, ist dies nützlich für den Fortschritt der Seele. Außerdem sollte eines bedacht werden: Es ist zwar höchst wünschenswert, verheiratet zu sein, und Bahá’u’lláh hat dies sehr empfohlen; doch ist die Ehe nicht der zentrale Zweck des Lebens. Wenn ein Mensch lange warten muss, bis er einen Ehepartner findet, oder wenn er oder sie letztlich allein bleiben muss, bedeutet dies nicht, dass er oder sie dadurch unfähig wäre, seinen oder ihren Lebenszweck zu erfüllen.

38

Ihr Brief, in dem Sie um direkte oder indirekte Hinweise in den Schriften des Glaubens auf Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe baten, wurde an die Forschungsabteilung verwiesen, und wir wurden gebeten, Ihnen folgende Stellungnahme mitzuteilen: »Unzucht« ist von Bahá’u’lláh eindeutig verbotenA37, und Shoghi Effendi erklärt, dass zu einem »keuschen und heiligen Leben« im Einklang mit den Lehren des Glaubens die Verurteilung aller Art »geschlechtlicher Laster« gehört.A38 Zum Kitáb-i-Aqdas: Eine der Bestimmungen des Heiligsten Buches ist, »nicht seinen Leidenschaften zu frönen«Q3. Außerdem ist auf eines der »Verbote« hinzuweisen, das im Absatz 5:36:1 des Kitáb-i-Aqdas genannt wird, nämlich der »uneheliche Beischlaf«. Dieser Begriff steht so in diesem Buch, weil Stichwörter notgedrungen kurz sein müssen und unter dem von Bahá’u’lláh im Urtext des Aqdas benützten Wort ›Ziná‹ im Allgemeinen und vorwiegend Unzucht verstanden wird. Das deckt jedoch keineswegs alle Bedeutungen des Begriffes ›Ziná‹ in der arabischen und persischen Rechtssprache. Eine der Bedeutungen von ›Ziná‹ – in diesem Fall, wenn der unerlaubte Geschlechtsverkehr gewaltsam erzwungen wird – ist Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung. Die Strafen für Taten wie Vergewaltigung werden in Zukunft vom Universalen Haus der Gerechtigkeit festgelegt.A39

Anwendung des Prinzips keuschen, heiligen Lebens

39

… [unbedingte Keuschheit] betrifft hauptsächlich und unmittelbar die Bahá’í-Jugend, die so entscheidend zur Stärke, Reinheit und Triebkraft im Leben der Bahá’í-Gemeinde beitragen kann und von der einmal die zukünftige Richtung ihres Schicksals und zum anderen die vollständige Entfaltung der ihr von Gott verliehenen Wirkungsmöglichkeiten abhängt … Was ein keusches und heiliges Leben anbelangt, so sollte es als ein nicht weniger wesentlicher Faktor betrachtet werden, der seinen entsprechenden Anteil zur Stärkung und Belebung der Bahá’í-Gemeinde beitragen muss … Sie alle, seien sie Männer oder Frauen, müssen zu dieser drohenden Stunde, da das Licht der Religion verblasst und die Beschränkungen, die sie auferlegt, eine nach der anderen abgeschafft werden, innehalten, um sich selbst zu prüfen, ihr Verhalten genau zu beobachten und sich mit kennzeichnender Entschlossenheit erheben, um das Leben ihrer Gemeinde von jeder Spur moralischer Lauheit zu säubern, die den Namen eines so heiligen und kostbaren Glaubens beflecken und seine Unbescholtenheit schmälern könnte. Ein keusches und heiliges Leben muss zum beherrschenden Grundsatz im Benehmen und Verhalten aller Bahá’í gemacht werden, sowohl in ihren sozialen Beziehungen zu den Mitgliedern ihrer eigenen Gemeinde als auch in ihrer Verbindung mit der ganzen Welt. Es muss die unaufhörlichen Bemühungen und verdienstvollen Anstrengungen jener schmücken und stärken, deren beneidenswertes Amt es ist, die Botschaft des Glaubens Bahá’u’lláhs zu verbreiten und seine Angelegenheiten zu verwalten. Es muss in all seiner Unbescholtenheit und mit all seinen Folgen in jedem Abschnitt des Lebens derjenigen hochgehalten werden, die in den Reihen dieses Glaubens stehen, sei es in ihrem Heim, auf Reisen, in ihrem Verein, ihrem gesellschaftlichen Leben, ihrer Unterhaltung, ihrer Schule und ihrer Universität. Es muss ihm besondere Aufmerksamkeit bei der Durchführung von geselligen Veranstaltungen in jeder Bahá’í-Sommerschule geschenkt werden und bei jeder anderen Gelegenheit, bei der-das Bahá’í-Gemeindeleben organisiert und gepflegt wird. Es muss eng und dauernd übereinstimmen mit der Aufgabe der Bahá’í-Jugend, sowohl als ein Bestandteil im Leben der Bahá’í-Gemeinde wie auch als Faktor beim zukünftigen Fortschritt und der Ausrichtung der Jugend ihres eigenen Lande.A40

Die Macht des Beispiels

Ein lobenswerter Charakter

40

Wer sich an diesem Tage erhebt, um Unserer Sache beizustehen und die Heerscharen einer rühmlichen Wesensart und eines aufrechten Verhaltens zu seiner Hilfe herbeiruft, wird mit dieser Tat sicherlich die ganze Welt beeinflussen.A41

41

Einen Bahá’í erkennt man an den Eigenschaften, die er zeigt, nicht an seinem Namen; man achtet ihn für seinen Charakter, nicht für seine Person.A42

42

… indem wir trotz aller Schwierigkeiten an den Bahá’í-Gesetzen festhalten, stärken wir nicht nur unseren Charakter sondern beeinflussen auch unsere Mitmenschen.A43

Die Bedeutung von Taten

43

O Sohn Meiner Magd! Früher wurde durch Worte geführt, nun aber sollen Taten uns leiten. Vom Menschen müssen heilige Taten ausgehen. Worte sind allen gemein, reine, heilige Taten sind nur Unseren Geliebten eigen. Darum strebt mit ganzer Seele, euch durch Taten auszuzeichnen. Solches raten Wir euch auf dieser heiligen, strahlenden Tafel.A44

44

Jede gerechte Tat ist mit einer Kraft versehen, die den Staub über den Himmel der Himmel emporheben kann. Sie kann jede Fessel sprengen und hat die Macht, die Kraft zu erneuern, die sich verbraucht hat und dahinschwand … Sei rein, o Volk Gottes, sei rein; sei rechtschaffen, sei rechtschaffen.A45

45

Der Hüter hat immer wieder nachdrücklich betont, wie nötig es ist, dass die Bahá’í-Jugend die Lehren, besonders deren sittlichen Aspekt, beispielhaft verkörpert. Wenn sie sich nicht durch vorzügliches Verhalten auszeichnet, kann sie nicht von anderen jungen Menschen erwarten, dass sie die Sache wirklich ernst nehmen. Er stimmt mit Ihnen von ganzem Herzen darin überein, dass wir, solange wir die Lehren nicht in die Tat umsetzen, keinesfalls erwarten können, dass der Glaube wächst; denn der Hauptzweck aller Religionen – einschließlich der unsrigen – ist, den Menschen näher zu Gott zu führen und, was äußerst wichtig ist, seinen Charakter zu verwandeln. Oft wird zu großes Gewicht auf die sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkte in den Lehren gelegt; der moralische Standpunkt kann jedoch nicht stark genug betont werden.A46

Die Wirkung des Beispiels

46

Die Besserung der Welt kann durch reine und gute Taten, durch lobenswertes und geziemendes Verhalten erreicht werden.A47

47

Lasst eure Taten Führung für die ganze Menschheit sein, denn bei den meisten Menschen, ob hoch oder niedrig, unterscheidet sich das Bekenntnis vom Verhalten. Durch eure Taten aber könnt ihr euch vor anderen auszeichnen. Durch sie kann der Glanz eures Lichtes über die ganze Erde verbreitet werden. Glücklich ist der Mensch, der Meinen Rat beachtet und die Gebote hält, die Er, der Allwissende, der Allweise, gegeben hat.A48

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In dieser Zeit gilt es, der Sache Gottes siegbringend und wirkungsvoll Beistand zu leisten! Der Sieg des Glaubens Gottes hängt vom Lehren ab, und das Lehren setzt redliches Handeln, gute Taten und rechtes Verhalten voraus. Der Grundstein eines Lebens auf dem Pfade Gottes ist Strebsamkeit nach sittlichem Adel und der Erwerb von Charaktereigenschaften, wie sie in Seinen Augen wohlgefällig sind. Die Bahá’í sollten sich mit diesem heiligen Gewand schmücken; mit diesem mächtigen Schwert sollten sie die Festungen der Menschenherzen erobern. Die Menschen sind der schönen Worte und Abhandlungen, der Ermahnungen und Predigten überdrüssig und können sie nicht mehr ertragen. Das Einzige, was heute die Welt von ihrer Pein befreien und die Herzen ihrer Völker anziehen kann, sind Taten, nicht Worte, Beispiele, nicht Vorschriften, heilige Tugenden, nicht Verlautbarungen und Urkunden, die von Regierungen und Staaten zu gesellschaftspolitischen Anlässen herausgegeben werden. In allen Dingen, ob groß oder klein, müssen Wort und Tat einander ergänzen, muss die Tat das Wort begleiten; eines muss das andere vervollständigen, stützen und bestärken. Die Bahá’í müssen sich in dieser Hinsicht auszeichnen.A49

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Die Freunde Gottes sollten der Welt viel eher durch die Macht edler Taten und eines vortrefflichen Charakters denn durch eindringliche Darlegungen und Beweise vor Augen führen, dass, was Gott verheißen hat, unweigerlich geschehen wird, dass es bereits geschieht, und dass die göttlichen frohen Botschaften klar, eindeutig und vollständig sind. Denn wenn nicht erleuchtete Seelen auf dem Felde des Dienens voranschreiten und die Menschenmenge überstrahlen, ist die Aufgabe, die Wahrheit dieser Sache vor den Augen vorurteilsfreier Menschen zu verteidigen, schrecklich groß. Wenn aber die Freunde Tugenden und einen guten Charakter verkörpern, sind Worte und Argumente überflüssig. Ihre bloßen Taten werden zum beredten Zeugnis, und ihr vornehmes Verhalten wird den Schutz, die Unversehrtheit und den Ruhm der Sache Gottes gewährleisten.A50

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Ohne Zweifel können die Freunde das von Bahá’u’lláh in Seinen Lehren geprägte Vorbild unbefleckter Keuschheit nur erreichen, wenn sie sich fest und mutig als unbeugsame Anhänger der Bahá’í-Lebensart erweisen und sich voll bewusst sind, dass sie Lehren vertreten, die in krassem Gegensatz zu den zersetzenden Kräften stehen, die so unheilvoll das Gefüge der ethischen Werte der Menschheit zerstören. Der gegenwärtige, zu unseren herausfordernden ethischen Verhaltensnormen im Gegensatz stehende Trend in der modernen Gesellschaft – weit davon entfernt, die Gläubigen, die unbeirrbar entschlossen an den von ihrem Glauben gesetzten Maßstäben für Reinheit und Keuschheit festhalten, zu Zugeständnissen zu bewegen – muss sie anspornen, ihre heiligen Verpflichtungen zielstrebig zu erfüllen und so die üblen Kräfte, die die Grundfesten persönlicher Tugend untergraben, zu bekämpfen.A51

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Es ist die herausfordernde Aufgabe der Bahá’í, die Gesetze Gottes in ihrem Leben zu befolgen und allmählich die übrige Menschheit für ihre Annahme zu gewinnen. Betrachten wir die Wirkung, die der Gehorsam gegenüber den Gesetzen auf das persönliche Leben ausübt, so müssen wir bedenken, dass der Sinn des Lebens in dieser Welt darin besteht, die Seele für das künftige Leben vorzubereiten. Hier müssen wir lernen, unsere tierischen Triebe zu beherrschen und zu lenken, anstatt deren Sklave zu werden. Das Leben in dieser Welt ist eine Folge von Prüfungen und Erfolgen, von Versagen und neuem geistigen Fortschritt. Manchmal erscheint der Weg sehr schwierig, aber man kann immer wieder erleben, dass eine Seele, die standhaft dem Gesetz Bahá’u’lláhs gehorcht, wie hart es auch scheinen mag, geistig wächst, während derjenige, der das Gesetz um seines vermeintlichen Glückes willen umgeht, offensichtlich einem Trugbild folgt. Er erreicht nicht das Glück, das er suchte; er verzögert seinen geistigen Fortschritt und bringt sich häufig in neue Schwierigkeiten.A52

Bibliografie

Bahá’u’lláh Ährenlese – eine Auswahl aus den Schriften Bahá’u’lláhs, Auflage 6.01-Print, Bahá’í Verlag 2020 Botschaften aus ‘Akká, Auflage 3.01-Print, Bahá’í Verlag 2019 Brief an den Sohn des Wolfes, Auflage 2.02-Online, Bahá’í Verlag 2019 Die Verborgenen Worte, Auflage 2.01-Print, Bahá’í Verlag 2020 Kitáb-i-Aqdas, Auflage 6.01-Print, Bahá’í Verlag 2020 ‘Abdu’l-Bahá Briefe und Botschaften, Auflage 2.03-Online, Bahá’í Verlag 2019 Das Geheimnis göttlicher Kultur, Auflage 3.02-Online, Bahá’í Verlag 2020 Shoghi Effendi Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, Auflage 3.02-Online, Bahá’í Verlag 2019 Zum wirklichen Leben, 4. Auflage (Print), Bahá’í Verlag 2015 Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitáb-i-Aqdas, in: Kitáb-i-Aqdas, Auflage 6.01-Print, Bahá’í Verlag 2020 Kompilationen Liebe und Ehe – Eine Auswahl aus Schriften Bahá’u’lláhs, ‘Abdu’l-Bahás, Shoghi Effendis und Briefen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Bahá’í Verlag 1981 Musik – Eine Textzusammenstellung aus den Bahá’í-Schriften, 2. Auflage (Print), Bahá’í Verlag 2016

Quellenangaben

Q1 Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 47 Q2 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 128:4 Q3 vgl. in: Kitáb-i-Aqdas, Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote des Kitáb-i-Aqdas 4:2:4.4.3.17.18

Anmerkungen

A1 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 155:2–5 A2 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An alle Nationalen Geistigen Räte, 6. Februar 1973 A3 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Gläubigen, 7. Oktober 1968 A4 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Gläubigen, 14. Januar 1985 A5 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 159:1–4 A6 ‘Abdu’l-Bahá, in: Briefe und Botschaften 227:27 A7 Shoghi Effendi, An den Geistigen Rat der Bahá’í in Teheran, 30. Oktober 1924; zitiert in: Zum wirklichen Leben 3:1 A8 Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 50 A9 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief in seinem Auftrag vom 19. Oktober 1947 A10 Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 47 A11 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 60:3 A12 Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 48 A13 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Gläubigen, Brief in seinem Auftrag vom 8. Mai 1979 A14 Bahá’u’lláh, in: Botschaften aus ‘Akká 11:18 A15 Bahá’u’lláh, in: Botschaften aus ‘Akká 3:10 A16 Bahá’u’lláh, in: Botschaften aus ‘Akká 11:29 A17 Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 1:51 A18 Shoghi Effendi, An einen Nationalen Geistigen Rat, Brief in seinem Auftrag vom 30. Juni 1952 A19 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 43:3 A20 Bahá’u’lláh, Verborgene Worte arab. 31 A21 ‘Abdu’l-Bahá, in: Das Geheimnis göttlicher Kultur 108 A22 Bahá’u’lláh, Verborgene Worte pers.73 A23 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 128:3 A24 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Gläubigen, 8. Mai 1979 A25 Bahá’u’lláh, zitiert in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 49 A26 ‘Abdu’l-Bahá, zitiert in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 49 A27 ‘Abdu’l-Bahá, in: Briefe und Botschaften 129:10 A28 ‘Abdu’l-Bahá, aus einem unveröffentlichten persischen Sendschreiben A29 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Nationalen Geistigen Rat, 15. April 1965 A30 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Nationalen Geistigen Rat, 11. Januar 1967 A31 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief in seinem Auftrag vom 5. September 1938, zitiert in: Liebe und Ehe, S.21 A32 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief vom 13. Dezember 1940 an einen Gläubigen, zit. in: Liebe und Ehe, S.22f A33 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief in seinem Auftrag vom 28. September 194, zitiert in: Liebe und Ehe, S.22 A34 Bahá’u’lláh, aus einem unveröffentlichten arabischen Sendschreiben A35 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief in seinem Auftrag vom 30. September 1949 A36 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief in seinem Auftrag vom 21. Mai 1954 A37 vgl., Bahá’u’lláh, Brief an den Sohn des Wolfes 83 A38 vgl., Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 47 A39 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Gläubigen, 8. Juni 1982 A40 Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 37, 45, 46 A41 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 131:4 A42 ‘Abdu’l-Bahá, aus einem unveröffentlichten persischen Sendschreiben A43 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An alle Nationalen Geistigen Räte, 6. Februar 1973 A44 Bahá’u’lláh, Verborgene Worte pers.76 A45 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 131:3–4 A46 Shoghi Effendi, An einen Gläubigen, Brief im seinem Auftrag vom 6. September 1946, zitiert in: Zum wirklichen Leben 46:1 A47 Bahá’u’lláh, zitiert in: Shoghi Effendi, in: Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit 39 A48 Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 139:8 A49 Shoghi Effendi, An die Bahá’í in Bombay, 8. Dezember 1923 A50 Shoghi Effendi, An die Bahá’í im Orient, 19. Dezember 1923 A51 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An einen Gläubigen, 22. Mai 1966 A52 Das Universale Haus der Gerechtigkeit, An alle Nationalen Geistigen Räte, 6. Februar 1973