Licht und Gnade á Textzusammenstellung á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.01-Online (2025)
Licht und Gnade Eine Textzusammenstellung aus den Bahá’í-Schriften
Mentale Gesundheit
Auszüge aus den Schriften Bahá’u’lláhs
1
O Fremdling, dem Freundschaft erwiesen wird! Die Kerze deines Herzens ist durch die Hand Meiner Macht entzündet. Lösche sie nicht durch die widrigen Winde der Selbstsucht und der Leidenschaft. Meiner zu gedenken, ist dein Heil in allen Gebrechen; vergiss dies nicht. Mache Meine Liebe zu deinem Schatz und hege sie wie dein Augenlicht und dein Leben. Bahá’u’lláh, Die Verborgenen Worte 2:32Q
2
Wisse, dass die Seele des Menschen über alle Gebrechlichkeit des Leibes und des Verstandes erhaben und davon unabhängig ist. Dass ein Kranker Zeichen der Schwäche aufweist, ist den Hindernissen zuzuschreiben, die sich bei ihm zwischen Seele und Leib legen; denn die Seele selbst bleibt unberührt von jedem körperlichen Leiden. Denke an das Licht der Lampe. Wenn auch ein Gegenstand von außen ihr Strahlen beeinträchtigen kann, so scheint das Licht selbst doch mit unverminderter Stärke weiter. Ebenso ist jedes Gebrechen des menschlichen Leibes ein Hindernis für die Seele, das sie davon abhält, ihre innere Kraft und Stärke zu zeigen. Wenn sie jedoch den Leib verlässt, wird sie solche Überlegenheit beweisen, solchen Einfluss entfalten, dass keine Macht der Erde dem gleichkommen kann. Jede reine, jede geläuterte und geheiligte Seele wird mit gewaltiger Macht begabt sein und in überschäumender Freude jubeln. Denke an die Lampe, die unter einem Scheffel verborgen ist. Wenn auch ihr Licht leuchtet, ihr Schein dringt nicht zu den Menschen. Denke ebenso an die Sonne, die von Wolken verdunkelt wird. Beachte, wie ihr Glanz scheinbar abnimmt, während die Quelle jenes Lichtes in Wirklichkeit unverändert bleibt. Die Seele des Menschen gleicht dieser Sonne und alle Dinge auf Erden entsprechen seinem Leib. Solange kein äußeres Hindernis sie trennt, wird der Leib in seiner Gesamtheit das Licht der Seele widerspiegeln und von ihrer Kraft unterstützt werden. Aber sobald sich ein Schleier zwischen beide legt, scheint die Helligkeit des Lichtes abzunehmen. Denke wiederum an die Sonne, wenn sie völlig hinter Wolken verborgen ist. Obwohl die Erde noch von ihrem Licht erhellt wird, ist doch die Menge Lichtes, die sie empfängt, viel geringer geworden. Erst wenn sich die Wolken verzogen haben, kann die Sonne wieder in voller Pracht erstrahlen. Die natürliche Leuchtkraft der Sonne wird jedoch nicht davon berührt, ob nun Wolken da sind oder nicht. Die Seele des Menschen ist die Sonne, die seinen Leib erleuchtet und ihm Nahrung spendet, und sollte auch dafür angesehen werden. Bedenke ferner, wie die Frucht, ehe sie Gestalt annimmt, als Anlage im Baume liegt. Würde der Baum in Stücke gehauen, so könnte man doch kein Anzeichen und nicht das kleinste Teilchen einer Frucht darin finden. Sobald sie aber hervortritt, wird sie, wie du selber feststellst, in wunderbarer Schönheit und herrlicher Vollkommenheit sichtbar. Manche Früchte erreichen ihre volle Reife freilich erst, nachdem sie vom Baume gepflückt worden sind. Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 80:2-5Q
Aus den Schriften ‘Abdu’l-Bahás
3
Es gibt zweierlei Mittel, Krankheiten zu heilen: stoffliche und geistige. Das erste ist ärztliche Behandlung, das zweite sind Gebete, die geistige Menschen an Gott richten, und Hinwendung zu Ihm. Beide Mittel sollten angewandt werden. Erkrankungen, die auf stofflichen Ursachen beruhen, sollten von den Ärzten mit medizinischen Heilmitteln behandelt werden; solche, die geistige Ursachen haben, verschwinden durch geistige Mittel. So lässt sich eine von Kummer, Angst und nervösen Einflüssen verursachte Krankheit eher durch geistige als durch körperliche Behandlung heilen. Es sollten also beide Heilmethoden Anwendung finden; sie stehen nicht im Widerspruch zueinander. Du solltest deshalb auch die körperlichen Heilmittel annehmen, zumal auch sie der Barmherzigkeit und Gunst Gottes entspringen, der die ärztliche Wissenschaft offenbart hat und ins Dasein treten ließ, damit Seine Diener auch aus dieser Heilweise Nutzen ziehen. Die gleiche Beachtung solltest du auch den geistigen Heilverfahren schenken, denn sie bringen wunderbare Wirkungen hervor. Wenn du nun das wahre Heilmittel wissen willst, das den Menschen von jeglicher Krankheit heilt und ihm die Gesundheit des göttlichen Reiches verleiht, so wisse, dass dies die Gebote und Lehren Gottes sind. Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf sie! ‘Abdu’l-Bahá, in: Briefe und Botschaften 133Q
4
O du, der du dein Angesicht Gott zuwendest! Schließe deine Augen für alles andere und öffne sie dem Reiche des Allherrlichen. Nur von Ihm erbitte, was immer du wünschst, nur bei Ihm suche, was immer du suchst. Mit einem Blick erhört Er hunderttausend Hoffnungen, mit einem Lichtstrahl heilt Er hunderttausend unheilbare Krankheiten, mit einem Nicken legt Er Balsam auf jede Wunde, mit einem Augenaufschlag befreit Er die Herzen aus den Ketten des Leids. Er tut, was Er tut, und welche Zuflucht bleibt uns? Er vollzieht Seinen Willen. Er verordnet, was Ihm beliebt. So ist es besser für dich, dein Haupt in Ergebenheit zu beugen und dein Vertrauen in den allbarmherzigen Herrn zu setzen. ‘Abdu’l-Bahá, in: Briefe und Botschaften 22Q
Aus Briefen im Auftrag Shoghi Effendis
5
Es ist immer sehr schwer, an einer Erkrankung zu leiden, besonders, wenn sie psychischer Natur ist. Wir sollten jedoch stets daran denken, dass diese Krankheiten nichts mit unserer Seele oder unserer inneren Beziehung zu Gott zu tun haben. Es ist äußerst bedauerlich, dass bis jetzt nur so wenig über den Verstand, seine Wirkungsweisen und möglichen Erkrankungen bekannt ist. Zweifellos werden mit zunehmender Vergeistigung der Welt und dem wissenschaftlichen Verständnis der wahren Natur des Menschen humanere und dauerhaftere Heilmethoden für psychische Erkrankungen gefunden werden. Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 12. April 1948 an einen GläubigenQ
6
Wie Sie wissen, gibt es gegenwärtig sehr viele psychische Erkrankungen und Störungen, und die Bahá’í dürfen in dieser Hinsicht keinesfalls eine resignierte Haltung einnehmen. Durch die Kraft des Glaubens werden wir, bei all unseren Beschwerden, auf einer viel höheren Ebene unterstützt als andere Menschen, denen diese Kraft verwehrt ist. Dennoch bedeutet dies nicht, dass wir medizinische Sichtweisen und Behandlungen nicht beachten sollten. Im Gegenteil: Wir sollten immer alles versuchen, um Gutachten von Spezialisten und kompetenten Ärzten einzuholen. Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 12. Januar 1957 an einen GläubigenQ
Aus Briefen im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
7
Das Universale Haus der Gerechtigkeit empfiehlt, dass Sie durch tägliches Gebet und besonders durch Einhaltung der täglichen Pflichtgebete, durch das Studium der Schriften, durch aktive Beteiligung an Lehrbemühungen und an den Gemeindeaktivitäten, sowie durch das fortwährende Bestreben, Opfer zu erbringen für den Glauben, den Sie so sehr lieben, ein geistiges Gegenstück schaffen zur professionellen Hilfe, die Sie durch die Experten erhalten. Sie sollten außerdem versuchen, einer nützlichen Beschäftigung nachzugehen, oder sich für eine solche auszubilden, denn laut unseren Lehren steht uns mit Arbeit an sich ein weiteres Mittel zur Verfügung, Gott näher zu kommen und Seine Bestimmung für uns in dieser Welt besser zu verstehen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Brief in seinem Auftrag vom 6. April 1976 an einen Gläubigen Q
8
… psychische Erkrankungen sind nicht seelisch, obwohl ihre Auswirkungen tatsächlich ein Hindernis und eine Belastung im Streben nach geistigem Fortschritt sein können. In einem Brief an einen Gläubigen im Auftrag des Hüters heißt es: »Solche Hindernisse Krankheiten und äußere Schwierigkeiten, wie schwerwiegend und unüberwindlich sie zunächst auch erscheinen mögen, können und sollten wirkungsvoll überwunden werden durch die vereinte, fortwährende Kraft sowohl des Gebets als auch entschiedenen und andauernden Bemühens«. Dieses Bemühen kann den Rat weiser und erfahrener Ärzte beinhalten, einschließlich den von Psychiatern. Für den Glauben zu arbeiten, anderen zu dienen, die Sie brauchen, und von sich selbst zu geben, kann Sie in Ihren Anstrengungen unterstützen, Ihre Leiden zu überwinden. Eine hilfreiche Tätigkeit ist natürlich, sich zu bemühen, die Sache Gottes trotz selbst empfundener Unzulänglichkeit zu lehren und so den heilsamen Worten der Sache zu erlauben, mit ihrer Gnade und positiven Kraft Ihren Geist zu erfüllen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Brief in seinem Auftrag vom 15. Juni 1982 an einen Gläubigen Q
9
Ihre Anfrage zu Themen der mentalen Gesundheit kommt zur rechten Zeit, denn von allen Bereichen medizinischer Studien sind Heilmethoden für Erkrankungen des Gehirns und des Verstandes die wohl wichtigsten für die Menschheit. In einem Brief im Auftrag des geliebten Hüters heißt es mit Bezug auf freudianische Methoden, dass »psychiatrische Behandlung … eine noch wachsende, keine ausgereifte Wissenschaft ist« und daher zeitgemäßer, disziplinierter Forschung bedarf. In einem anderen Brief bietet er Führung, indem er darlegt, dass trotz der vielen psychischen Krankheiten und Leiden unserer Zeit die Kraft des Glaubens derart ist, dass sie die Gesundheit der Bahá’í, egal woran sie leiden, auf einer viel höheren Ebene erhalten kann als bei jenen, denen diese heilende Gnade nicht zuteilwird. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Brief in seinem Auftrag vom 8. Juli 1986 an einen GläubigenQ
10
Zweifellos ist es sehr schwierig, eine Krankheit wie die von ihnen beschriebene, zu ertragen, aber wie bei allen Schwierigkeiten im Leben, können Sie auch bei dieser sicher sein, dass sie für Sie und Ihre Angehörigen die Möglichkeit zu großem geistigem Wachstum und zum Erlangen vieler Segnungen bringt. Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass es eigentlich nichts zu befürchten gibt, denn laut den Lehren ist die Seele über die Leiden des Körpers erhaben, egal wie unangenehm diese auch sein mögen. Solche emotionalen oder psychischen Erkrankungen, wie sie oft genannt werden, scheinen teilweise aus einem bestimmten Ungleichgewicht der Bestandteile des Körpers zu entstehen – ein Ungleichgewicht, das die medizinische Wissenschaft gerade erst zu verstehen beginnt. ‘Abdu’l-Bahá sagt, dass die Seele wie die Sonne und die Leiden des Körpers wie Wolken sind. Zwar können die Wolken verhindern, dass die Sonnenstrahlen für uns sichtbar sind, doch haben sie keinerlei Einfluss auf die Strahlkraft der Sonne selbst. Das Universale Haus der Gerechtigkeit, Brief in seinem Auftrag vom 30. Juni 1993 an einen GläubigenQ
Prüfungen und Schwierigkeiten
Auszüge aus den Schriften Bahá’u’lláhs
11
O Sohn des Menschen! Für alles gibt es ein Zeichen. Das Zeichen der Liebe ist Standhaftigkeit in Meinem Ratschluss und Geduld in Meinen Prüfungen. Bahá’u’lláh, Die Verborgenen Worte 1:48Q
12
O Sohn des Menschen! Wenn dich auf Meinem Pfad keine Trübsal befiele, wie könntest du die Wege derer beschreiten, die mit Meinem Wohlgefallen zufrieden sind? Und wenn keine Prüfungen dich heimsuchten in deiner Sehnsucht nach Mir, wie könntest du dann das Licht in deiner Liebe zu Meiner Schönheit erlangen? Bahá’u’lláh, Die Verborgenen Worte 1:50Q
13
O Sohn des Menschen! Meine Trübsal ist Meine Vorsehung. Äußerlich ist sie Feuer und Züchtigung, zuinnerst aber Licht und Gnade. Eile ihr entgegen, auf dass du ein ewiges Licht und ein unsterblicher Geist werdest. Dies ist Mein Gebot an dich, beachte es! Bahá’u’lláh, Die Verborgenen Worte 1:51Q
14
Was immer euch widerfuhr, es geschah um Gottes willen. Dies ist ganz ohne Zweifel die Wahrheit. Daher sollt ihr alles in Seine Hände geben, auf Ihn vertrauen und euch auf Ihn verlassen. Er wird euch gewisslich nie allein lassen. Auch hierüber besteht kein Zweifel. Kein Vater wird seine Söhne reißenden Tieren preisgeben, kein Hirte seine Herde gierigen Wölfen. Er wird gewiss alles tun, um die Seinen zu schützen. Wenn nun aber im Einklang mit Gottes allumfassender Weisheit für kurze Zeit die Dinge sich entgegen gehegter Hoffnungen entwickeln, so ist dies nicht von Bedeutung und sollte keine Rolle spielen. Unser Ziel ist es, dass alle Freunde ihren Blick auf den Erhabensten Horizont richten und an dem festhalten, was in den Sendschreiben offenbart wurde. Strikt sollten sie Aufruhr meiden und es unterlassen, den Pfad der Zwietracht und des Streites zu betreten. Für den einen, wahren Gott, verherrlicht sei Er, sollten sie sich mit den Heerscharen der Nachsicht, Ergebenheit, eines aufrechten Charakters, guter Taten und vortrefflicher, erlesenster Worte einsetzen. Bahá’u’lláh, in: Krise und Sieg, 77:2-3 (S. 58f)Q
15
Bittet den einen, wahren Gott, Er möge euch den Geschmack solcher Werke kosten lassen, wie sie auf Seinem Pfade vollbracht werden, und an der Süße solcher Demut und Ergebenheit teilhaben lassen, wie sie um Seinetwillen erzeigt werden. Vergesst euer eigenes Selbst und wendet eure Augen eurem Nächsten zu. Widmet eure Kräfte allem, was die Erziehung der Menschen fördert. Nichts ist vor Gott verborgen oder könnte es jemals sein. So ihr Seinem Wege folgt, werden Seine unermesslichen, unvergänglichen Segnungen auf euch herniederströmen. Dies ist die leuchtende Tafel, deren Verse aus der eilenden Feder dessen strömten, der der Herr aller Welten ist. Bedenkt es im Herzen und gehört zu denen, die Seine Gebote halten. Bahá’u’lláh, in: Ährenlese 5:6Q
Aus den Schriften und Äußerungen ‘Abdu’l-Bahás
16
Noch einmal: Gibt es eine edlere Tat als den Dienst am Allgemeinwohl? Gibt es etwas Segensreicheres für einen Menschen, als dass er zur Quelle der Erziehung, des Fortschritts, des Wohlergehens und der Ehre für seine Mitmenschen wird? Nein, bei Gott dem Herrn! Es ist die höchste Tugend für begnadete Seelen, die Hilflosen bei der Hand zu nehmen und sie von ihrer Unwissenheit, Erniedrigung und Armut zu befreien, sich aus lauteren Beweggründen und reiner Liebe zu Gott aufzumachen und zielstrebig dem Dienst an den Massen zu widmen, dabei den eigenen weltlichen Vorteil zu vergessen und nur dem Allgemeinwohl zu dienen. »Sie ziehen jene sich selber vor, auch wenn Armut ihr eigenes Los ist. «Qur’án 59:9Q »Die Besten sind jene, die dem Volke dienen; die Schlimmsten sind jene, die dem Volke schaden. «‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur 182Q
17
Glücklich der Mensch, der sein eigenes Wohl außer Acht lässt und gleich den Auserwählten Gottes mit seinen Mitmenschen im Dienste zum Wohle aller wetteifert, bis er, gestärkt durch den Segen und die immerwährenden Bestätigungen Gottes, befähigt sein wird, diese mächtige Nation erneut zu den einstigen Gipfeln ihres Ruhmes zu führen, dieses verdorrte Land mit köstlichem neuem Leben zu erfrischen und wie ein geistiger Frühling die Bäume, die das Leben der Menschen widerspiegeln, mit frischen Blättern, Blüten und Früchten heiliger Freude zu schmücken. ‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur 208Q
18
Frage: »Schreitet die Seele in dieser Welt eher durch Leid oder durch Freude fort? « Antwort: »Seele und Geist des Menschen schreiten fort, wenn er von Leid heimgesucht wird. Je tiefer der Boden gepflügt wird, desto besser wird der Same sprießen und umso reicher die Ernte ausfallen. So wie der Pflug eine tiefe Furche zieht und die Erde von Unkraut und Disteln säubert, so reinigen Leid und Trübsal den Menschen von den Belanglosigkeiten dieses irdischen Lebens, bis er den Zustand völliger Loslösung erreicht. Sein Lebensgefühl hienieden wird dann von göttlicher Glückseligkeit geprägt sein. Man könnte sagen, der Mensch ist unreif; die Hitze des Leidensfeuers wird ihn reifen lassen. Blickt zurück in die Vergangenheit, und ihr werdet sehen, dass die größten Menschen am meisten gelitten haben. « Frage: »Sollte demnach jemand, der durch Leiderfahrung eine höhere Entwicklungsstufe erreicht hat, Freude fürchten? « Antwort: »Im Leid wird er zu ewiger Freude gelangen, und nichts wird ihm diese Freude nehmen können. Die Apostel Christi haben gelitten; sie haben ewige Freude gewonnen. « Frage: »Also ist es unmöglich, ohne Leiderfahrung Glückseligkeit zu erlangen? « Antwort: »Nur durch Leiderfahrung gewinnt man ewige Glückseligkeit. Wer die Ebene der Selbstaufopferung erreicht hat, ist im Besitze wahrer Freude. Weltliche Freude vergeht. «‘Abdu’l-Bahá, in: Ansprachen in Paris 57:1-6Q
19
Ist es möglich, von den Prüfungen Gottes verschont zu werden? Nein, fürwahr! Eine große Weisheit liegt darin, die nur Weise und Wissende erkennen. Nur durch Prüfungen kann echtes Gold von falschem unterschieden werden. Nur durch Prüfungen können der Mutige und der Feigling erkannt werden. Nur durch Prüfungen lässt sich das Volk der Treue vom Volk der Selbstsucht unterscheiden. Nur durch Prüfungen entfalten sich Verstand und Fähigkeiten der Gelehrten in den Hochschulen. Nur durch Prüfungen können funkelnde Edelsteine von wertlosen Kieseln getrennt werden. Nur durch Prüfungen konnte sich der Fischer vor Hannas und Kaiphas, die in der Welt hohes Ansehen genossen, auszeichnen. Nur durch Prüfungen konnte das Antlitz Maria Magdalenas im Lichte fester Gewissheit über allen Horizonten strahlen. Dies sind einige der Geheimnisse der Prüfungen, die wir dir enthüllt haben, damit du die Geheimnisse Gottes in jedem Zyklus erkennst. Wahrlich, ich bete zu Gott, dass Er die Angesichter im Feuer der Prüfungen wie lauteres Gold leuchten lasse. ‘Abdu’l-Bahá, in: Göttliche Lebenskunst, S. 130Q
Aus Briefen im Auftrag des Hüters
20
Zu Ihrer Frage bezüglich der Bedeutung körperlichen Leidens und seiner Beziehung zu psychischer und geistiger Heilung: Körperliches Leiden ist eine notwendige Begleiterscheinung jeglicher menschlichen Existenz und als solche unvermeidbar. Solange es Leben auf Erden gibt, wird es auch Leiden in unterschiedlichen Formen und Abstufungen geben. Allerdings kann Leiden, obwohl es eine unentrinnbare Wirklichkeit darstellt, dennoch ein Mittel sein, um Glück zu erlangen. Diese Deutung finden wir bei allen Propheten und Heiligen, die inmitten schwerer Prüfungen und Heimsuchungen glücklich und froh waren und das Beste und Heiligste im Leben erfahren haben. Leiden ist sowohl eine Mahnung als auch eine Führung. Es regt uns dazu an, uns den Umweltbedingungen besser anzupassen, und führt uns somit auf den Weg zur Selbstverbesserung. In jedem Leiden kann man eine Bedeutung und eine Weisheit finden. Es ist aber nicht immer leicht, das Geheimnis dieser Weisheit zu entdecken. Manchmal werden wir uns des Nutzens unseres Leidens erst bewusst, wenn es vorüber ist. Was der Mensch als Übel betrachtet, enthüllt sich oft als Quelle unendlicher Segnungen. Und das beruht auf seinem Wunsch, mehr zu wissen, als er vermag. Tatsächlich ist Gottes Weisheit für uns alle unergründlich, und es hat keinen Zweck, zu sehr darauf zu dringen, das zu ergründen, was für unseren Geist immer ein Mysterium bleiben wird. Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag an einen Gläubigen vom 29. Mai 1935Q
21
Wir müssen nicht nur mit anderen Menschen Geduld haben – unendliche Geduld – sondern auch mit unserem eigenen bedürftigen Selbst, und wir sollten nicht vergessen, dass sogar die Propheten Gottes mitunter müde wurden und in ihrer Verzweiflung aufschrien! … Er rät Ihnen dringend, durchzuhalten und sich all ihrer Errungenschaften zu erinnern, anstatt sich mit der Schattenseite der Dinge zu beschäftigen. Das Leben eines jeden hat sowohl eine dunkle als auch eine helle Seite. Der Meister sagte: »Wende dich von der Dunkelheit ab und dein Angesicht Mir zu. «Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag an einen Gläubigen vom 22. Oktober 1949Q
22
Seelenfrieden wird erlangt, indem das geistige Bewusstsein auf den Propheten Gottes ausgerichtet wird; deshalb sollten Sie die geistigen Lehren studieren und das Wasser des Lebens aus den Heiligen Äußerungen empfangen. Indem Sie dann diese hohen Ideale in Taten umsetzen, wird sich Ihr ganzer Charakter wandeln, und nicht nur Ihr Geist wird Frieden finden, sondern Ihr ganzes Wesen wird Freude und Begeisterung empfinden. Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag an einen Gläubigen vom 15. Oktober 1952Q
Bibliografie
‘Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, Auflage 11.01-Online (2022-10-01), bibliothek.bahai.de, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 2022. ‘Abdu’l-Bahá, Briefe und Botschaften, Auflage 4.01-Online (2021-09-29), bibliothek.bahai.de, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 2021. ‘Abdu’l-Bahá, Das Geheimnis göttlicher Kultur, Auflage 5.01-Online (2023-04-24), bibliothek.bahai.de, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 2023. Bahá’u’lláh, Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs, Auflage 10.01-Online (2023-11-07), bibliothek.bahai.de, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 2023. Bahá’u’lláh, Die Verborgenen Worte, Auflage 2.04-Online (2023-06-02), bibliothek.bahai.de, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 2023. Göttliche Lebenskunst: Eine von Mabel Hyde Paine besorgte Zusammenstellung aus Schriften von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 1985. Krise und Sieg: Eine Textsammlung der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Bahá’í-Verlag, Hofheim-Langenhain, 1988.