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Sechs Schritte zum geistigen Wachstum

Sechs Schritte zum geistigen Wachstum á Textzusammenstellung á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 6.02 (O-2023-05-01)

Sechs Schritte zum geistigen Wachstum Textzusammenstellung

Vorwort

In der Botschaft vom 1. September 1983 lenkt das Universale Haus der Gerechtigkeit unsere Aufmerksamkeit auf sechs Gebote Bahá’u’lláhs, deren gewissenhafte Befolgung Voraussetzung für unsere geistige Entwicklung ist. »Sie stellen den Weg dar, wahre Geistigkeit zu erlangen.« Die stete Befolgung dieser sechs Gebote zieht Segnungen nach sich, die den Gläubigen verwandeln. Im Anschluss an die Botschaft finden Sie zu jedem der sechs Schritte eine Auswahl von Texten aus den Bahá’í-Schriften; sie dienen Ihrem Studium und der Vertiefung.

Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Liebe Bahá’í-Freunde! … Europa hat in vergangenen Jahrhunderten so schrecklich unter Verfolgungen und Auseinandersetzungen gelitten, die durch religiöse Uneinigkeit und Fanatismus hervorgerufen wurden, dass es zu einer heftigen Reaktion gegen Religion an sich kam. Viele Europäer wurden skeptisch, verachteten religiöse Bräuche und lehnten es ab, über religiöse Themen zu sprechen oder der Kraft des Glaubens zu vertrauen. Dieses Sich-Abwenden von der Religion wurde noch gewaltig durch das Anwachsen des Materialismus bestärkt, und dies brachte eine Verknüpfung von körperlichem Wohlergehen und geistiger Dürre hervor, die in sozialer und seelischer Hinsicht katastrophale Folgen für die Bevölkerung hat. Diese intellektuelle und gefühlsbedingte Atmosphäre schafft für die Bahá’í-Gemeinde Probleme zweifacher Art. Ihre Auswirkung auf einen großen Teil der Nicht-Bahá’í-Bevölkerung erschwert es den Bahá’í, die Botschaft anderen zu überbringen. Ihre Auswirkung auf die Bahá’í ist subtiler (schwerer zu fassen), aber nicht weniger schädlich. Wenn sie nicht bewusst bekämpft wird, kann sie die Gläubigen dazu führen, jene geistigen Übungen zu vernachlässigen, die die wahre Quelle ihrer geistigen Kraft und die Nahrung ihrer Seelen sind. Bahá’u’lláh hat in Seinen Schriften sehr klar die wesentlichen Voraussetzungen für unsere geistige Entwicklung festgelegt, und ‘Abdu’l-Bahá hat immer wieder in Seinen Ansprachen und Sendschreiben darauf hingewiesen. Man kann sie kurz folgenderweise zusammenfassen: 1. Das tägliche Sprechen eines der Pflichtgebete mit reinem, andächtigem Herzen. 2. Das regelmäßige Lesen in den heiligen Schriften – zumindest jeden Morgen und Abend – mit Ehrerbietung, Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit. 3. Das Nachdenken (Meditieren) über die Lehren im Geist des Gebets, damit wir sie besser verstehen, getreuer befolgen und genauer anderen Menschen übermitteln können. 4. Das tägliche Bemühen, unser Verhalten mehr in Übereinstimmung mit den hohen Maßstäben zu bringen, die in den Lehren dargelegt sind. 5. Das Lehren der Sache Gottes. 6. Selbstloser Dienst im Glauben und in der Ausübung unseres Gewerbes oder Berufes. Diese Punkte sind bereits in anderen Worten den Freunden in Europa durch die Berater übermittelt worden, aber das Haus der Gerechtigkeit möchte sie betonen, denn sie stellen den Weg dar, wahre Geistigkeit zu erlangen, wie er von der Manifestation Gottes für dieses Zeitalter festgelegt worden ist. Es ist auffallend, wie privat und persönlich die grundlegendsten geistigen Übungen des Gebets und der Meditation im Glauben sind. Natürlich haben Bahá’í auch Zusammenkünfte, um zu beten, wie im Haus der Andacht (Mashriqu’l-Adhkár) oder bei den Neunzehntagefesten, aber die täglichen Pflichtgebete müssen in der Abgeschiedenheit des eigenen Zimmers gesprochen werden, und das Meditieren über die Lehren ist ebenso eine private, individuelle Tätigkeit, keine Form von Gruppentherapie. In Seinen Ansprachen beschreibt ‘Abdu’l-Bahá das Gebet als »Zwiesprache mit Gott« und sagt, »dass man während des Meditierens mit dem eigenen Geist spricht«. »In diesem Gemütszustand stellt man seinem Geist bestimmte Fragen, und der Geist antwortet: Das Licht bricht hervor, und die Wirklichkeit wird offenbar.« Q1 Natürlich kann man auch auf andere Art seine Geistigkeit vermehren. Z. B. hat Bahá’u’lláh keine Techniken genannt, die beim Meditieren befolgt werden sollen, und den einzelnen Gläubigen steht es frei, auf diesem Gebiet so vorzugehen, wie sie es möchten, vorausgesetzt, sie bleiben in Übereinstimmung mit den Lehren. Solche Aktivitäten sind jedoch rein persönlich und sollten unter keinen Umständen mit den Handlungen verwechselt werden, die Bahá’u’lláh selbst von grundlegender Wichtigkeit für unsere geistige Entwicklung betrachtete. Einige Gläubige mögen meinen, dass es für sie nützlich sei, einer bestimmten Meditationsübung zu folgen, und sie können dies gewiss tun. Aber solche Methoden sollten nicht bei Ferienkursen gelehrt werden oder während des Kursprogramms durchgeführt werden, da sie einige vielleicht ansprechen mögen, während sie andere abstoßen. Sie haben nichts mit dem Glauben zu tun und sollten ganz getrennt gehalten werden, damit die Sucher nicht verwirrt werden. Das Haus der Gerechtigkeit ist davon überzeugt, dass die Gläubigen in ganz Europa, wenn sie gewissenhaft bestrebt sind, auf die sechs oben aufgeführten Arten geistig zu wachsen, und sich in ihrem innersten Wesen bewusst werden, dass sie in all ihren Diensten nur Vermittler für die bestätigende Macht Gottes sind, die Herzen ihrer Mitbürger anziehen und die ansteckende Krankheit des Materialismus überwinden werden, der den Blick so vieler ihrer Landsleute trübt. Anstrengung, Aktivität, Einheit und ständiges Vertrauen auf die Macht Bahá’u’lláhs werden gewiss alle Hindernisse überwinden. Mit liebevollen Bahá’í-Grüßen Sekretariatsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit

Textzusammenstellung

Das tägliche Sprechen eines der Pflichtgebete mit reinem, andächtigem Herzen

1

Wisse, dass das Gebet eine unerlässliche Pflicht ist und dass der Mensch unter keinem Vorwand davon entbunden werden kann, es sei denn, er ist geistig krank oder ein unüberwindbares Hindernis tritt auf.A1

2

Die Pflichtgebete sind bindend, weil sie Demut und Ergebenheit bewirken, den Menschen sein Angesicht Gott zuwenden und seine Hingabe an Ihn zum Ausdruck bringen lassen. Durch solches Gebet pflegt der Mensch Verbindung mit Gott, sucht Ihm nahe zu kommen, hält Zwiesprache mit dem wahren Geliebten seines Herzens und erreicht geistige Stufen.A2

3

Die täglichen Pflichtgebete und einige besondere Gebete wie das Heilungsgebet und die Tafel an Ahmad wurden von Bahá’u’lláh mit besonderer Wirkkraft und Bedeutung versehen. So sollten sie verstanden werden. Die Gläubigen sollten sie mit dem unbedingten Glauben und Vertrauen lesen, dass sie durch diese Gebete in viel engere Verbindung mit Gott treten und sich noch mehr mit Seinen Gesetzen und Geboten identifizieren können.A3

4

Wisse, dass in jedem Wort und in jeder Bewegung des Pflichtgebets Hinweise, Geheimnisse und eine Weisheit liegen, die kein Mensch verstehen kann und die Buchstaben und Schriftrollen nicht fassen können.A4

5

Er empfiehlt Ihnen, nur das kurze Pflichtgebet mittags zu sprechen. Dieses enthält keine Verbeugungen und erfordert nur, dass der Gläubige, während er es spricht, sein Antlitz ‘Akká zuwendet, wo Bahá’u’lláh beigesetzt ist. Dies ist das körperliche Symbol einer inneren Wirklichkeit. Wie die Pflanze sich dem Sonnenlicht entgegenstreckt, von dem sie Leben und Wachstum empfängt, so wenden wir unsere Herzen beim Gebet der Manifestation Gottes, Bahá’u’lláh, zu. Und während dieses kurzen Gebetes wenden wir unser Antlitz dem Orte zu, an dem Sein Staub in dieser Erde liegt, als Symbol für das innerliche Tun. Bahá’u’lláh hat in Seinem Glauben alle Rituale und Formen auf ein absolutes Mindestmaß eingeschränkt. Die wenigen Anordnungen, die es gibt – wie die zu den beiden langen Pflichtgebeten – sind nur Symbole der inneren Haltung. Es liegt eine Weisheit in ihnen und ein großer Segen, aber wir können uns nicht zwingen, das zu verstehen oder nachzuempfinden. Deshalb hat Er uns auch das sehr kurze, einfache Gebet gegeben – für diejenigen, welche nicht die Handlungen ausführen möchten, die mit den beiden anderen verbunden sind.A5

6

Seien Sie versichert, dass Ihr unverbrüchliches Festhalten an Bahá’u’lláhs Gesetzen und Verordnungen die einzige Kraft ist, die Sie wirksam führt, Ihnen die Prüfungen und Schwierigkeiten Ihres Lebens überwinden hilft und Sie dabei unterstützt, stetig zu wachsen und sich geistig zu entwickeln. Der Hüter schätzt es besonders, dass Sie Bahá’u’lláhs Vorschriften, die Pflichtgebete täglich zu sprechen, treu befolgen und damit allen jungen Bahá’í ein leuchtendes Beispiel geben. Den täglichen Gebeten ist eine besondere Kraft verliehen; nur wer sie täglich spricht, kann das würdigen. Die Freunde sollten sich deshalb bemühen, diese Gebete täglich zu verwenden, wie auch immer die besonderen Umstände und Bedingungen ihres Lebens sein mögen.A6

Das regelmäßige Lesen in den heiligen Schriften – zumindest jeden Morgen und Abend – mit Ehrerbietung, Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit

7

Lest jeden Tag die von Gott offenbarten Verse. Selig ist der Mensch, der sie spricht und darüber nachdenkt. Wahrlich, er gehört zu denen, um die gut steht.A7

8

Sprecht die Verse Gottes jeden Morgen und jeden Abend. Wer versäumt, sie zu sprechen, ist Gottes Bund und Seinem Testament nicht treu, und wer sich an diesem Tage von den heiligen Versen abkehrt, zählt zu denen, die sich seit Ewigkeit von Gott abgekehrt haben.A8

9

O Meine Diener! Meine heilige, Meine von Gott verordnete Offenbarung mag mit einem Meere verglichen werden, in dessen Tiefe zahllose Perlen von hohem Wert und unübertrefflichem Glanz verborgen sind. Es ist die Pflicht eines jeden Suchers, sich zu mühen und danach zu streben, die Küsten dieses Meeres zu erreichen, auf dass er entsprechend dem Eifer seines Suchens und seiner Anstrengungen an solchen Wohltaten teilhabe, wie sie in Gottes unabänderlichen, verborgenen Tafeln vorherbestimmt sind.A9

10

Versenkt euch in das Meer Meiner Worte, damit ihr seine Geheimnisse ergründet und alle Perlen der Weisheit entdecket, die in seinen Tiefen verborgen liegen.A10

11

Wer zurückgezogen in seiner Kammer die von Gott offenbarten Verse spricht, wird erfahren, wie die Engel des Allmächtigen den Duft der Worte, die sein Mund ausspricht, überallhin verbreiten und das Herz jedes rechtschaffenen Menschen höher schlagen lassen. Mag er sich auch zunächst dieser Wirkung nicht bewusst werden, muss doch die Kraft der ihm gewährten Gnade früher oder später ihren Einfluss auf seine Seele ausüben.A11

12

So gib denn, o mein Gott, meiner Seele Dein wundersames Gedenken ein, damit ich Deinen Namen verherrliche. Zähle mich nicht zu denen, die Dein Wort lesen und doch Deine verborgene Gabe nicht finden, die nach Deinem Ratschluss darin enthalten ist, um die Seelen Deiner Geschöpfe und die Herzen Deiner Diener zu beleben.A12

Das Nachdenken (Meditieren) über die Lehren im Geist des Gebets, damit wir sie besser verstehen, getreuer befolgen und genauer anderen Menschen übermitteln können

13

Ich rate euch, mit Ernst die Lehren Bahá’u’lláhs zu studieren, damit ihr mit Gottes Hilfe wirklich und wahrhaftig zu Bahá’í werdet.A13

14

Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach. Studiere die heiligen Worte … Gebet und Meditation – nimm dir für beide viel Zeit. Dann wirst du diesen großen Durst spüren, und nur dann kannst du anfangen, das Leben zu leben!A14

15

Das Bestreben, ein besseres Verständnis für die Bedeutung der überwältigenden Offenbarung Bahá’u’lláhs zu erlangen, muss nach meiner unumstößlichen Überzeugung immer erste Pflicht und Ziel des unablässigen Bemühens eines jeden ihrer getreuen Jünger bleiben. Das genaue, sorgsame Begreifen einer so großen Ordnung, einer so erhabenen Offenbarung, eines so heiligen Glaubens liegt aus augenfälligen Gründen außerhalb des Bereiches und der Fassungskraft unseres begrenzten Geistes. Dennoch können wir, ja müssen wir versuchen, in der Arbeit für die Verbreitung Seines Glaubens neue Eingebung und vermehrten Rückhalt durch ein klareres Verständnis der von ihm verwahrten Wahrheiten und der ihm zu Grunde liegenden Prinzipien zu erlangen.A15

16

Sinne nach über das, was herniedergeströmt ist vom Himmel des Willens deines Herrn, des Quells aller Gnade, damit du die gewollte Bedeutung begreifest, die in den geweihten Tiefen der heiligen Schriften verwahrt ist.A16

17

Eine Stunde Nachdenkens ist mehr wert als siebzig Jahre frommer Andacht.A17

18

Wie Bahá’u’lláh erklärt, enthält jede Erscheinung ein Zeichen (von Gott). Das Zeichen des Verstandes ist Kontemplation. Das Zeichen der geistigen Versenkung ist Schweigen; denn es ist dem Menschen unmöglich, zwei Dinge zur gleichen Zeit zu tun; er kann nicht gleichzeitig sprechen und meditieren … Man kann die Bezeichnung Mensch nicht auf ein Wesen anwenden, dem die Fähigkeit des Meditierens abgeht. Ohne sie wäre es nur ein Tier, ja niedriger als die wilden Tiere. Durch die Fähigkeit der Meditation erwirbt der Mensch ewiges Leben, durch sie erreicht ihn der Odem des Heiligen Geistes – die Segnung des Heiligen Geistes wird ihm durch Überlegung und Meditation gegeben … Meditation ist der Schlüssel zu den Toren der Geheimnisse. In diesem Zustand löst sich der Mensch von sich selbst; er zieht sich in diesem Zustand zurück von allen Dingen der Außenwelt. In dieser subjektiven Verfassung taucht er ein in das Meer geistigen Lebens und kann die Geheimnisse der Dinge an sich enthüllen.A18

19

Sich in die Sache Gottes vertiefen bedeutet, die Schriften Bahá’u’lláhs und des Meisters so sorgfältig zu lesen, dass man sie anderen in ihrer reinen Form wiedergeben kann. Es gibt viele, die eine oberflächliche Vorstellung davon haben, was die Sache Gottes will. Das bringen sie dann mit allerhand eigenen Ideen vor. Da die Sache noch in ihren Anfängen steckt, müssen wir sehr vorsichtig sein, damit wir nicht diesem Irrtum erliegen und der Bewegung, die wir so sehr verehren, Schaden zufügen. Das Studium der Sache Gottes ist unbegrenzt. Je mehr wir in den Schriften lesen, umso mehr Wahrheiten können wir darin finden, und umso mehr werden wir erkennen, dass unsere früheren Meinungen irrig waren.A19

20

Die geheiligten Seelen sollten in ihren Herzen über die Lehrmethoden nachdenken und nachsinnen. Aus den Texten dieser wundersamen, himmlischen Schriften sollten sie Sätze und Abschnitte auswendig lernen, die sich auf verschiedene Gegebenheiten beziehen, damit sie im Verlauf ihrer Ansprachen göttliche Verse wiedergeben können, so oft es die Gelegenheit erfordert, da diese heiligen Verse ja das kraftvollste Elixier, der größte, mächtigste Talisman sind. So machtvoll ist ihr Einfluss, dass dem Hörer kein Grund zum Wankelmut bleibt.A20

21

Würde ein Mensch in seinem Herzen darüber nachdenken, was die Feder des Höchsten offenbart hat, und von der Süße dieser Offenbarung kosten, so würde er sich gewisslich seiner eigenen Wünsche ledig und befreit fühlen, völlig dem Willen des Allmächtigen ergeben. Glücklich der Mensch, der eine so hohe Stufe erreicht und sich nicht selbst einer so reichen Gnade beraubt!A21

22

Um Sein Wort zu verstehen, um die Verse der Himmelstauben zu begreifen, bedarf es keiner Gelehrsamkeit, sondern nur der Reinheit des Herzens, der Keuschheit der Seele und der Freiheit des Geistes.A22

23

Wenn du göttliches Wissen und Erkenntnis wünschst, so reinige dein Herz von allem außer Gott, wende dich ganz dem vollkommenen Geliebten zu, suche und wähle nur Ihn und halte dich an vernünftige, maßgebende Beweise. Denn Beweise sind ein Wegweiser, die das Herz sich der Sonne der Wahrheit zuwenden lassen. Ist das Herz der Sonne zugewandt, so wird das Auge geöffnet, es wir die Sonne durch die Sonne selbst erkennen. Der Mensch wird dann keiner Gründe oder Beweise mehr bedürfen.A23

24

Göttliches ist zu unergründlich, um in gewöhnlichen Worten ausgedrückt zu werden. Die himmlischen Lehren werden in Gleichnissen ausgedrückt, damit sie verstanden und für kommende Zeitalter aufbewahrt werden. Wenn die geistig gesinnten sich tief in das Meer ihrer Bedeutung versenken, bringen sie die Perlen ihrer inneren Bedeutung ans Licht. Es gibt keine größere Freude, als Gottes Wort mit geistigem Sinn zu studieren.A24

Das tägliche Bemühen, unser Verhalten mehr in Übereinstimmung mit den hohen Maßstäben zu bringen, die in den Lehren dargelegt sind

25

Lebe in Übereinstimmung mit den Lehren Bahá’u’lláhs. Lies sie nicht nur. Es besteht ein großer Unterschied zwischen der Seele, die die Worte Bahá’u’lláhs nur liest, und derjenigen, die versucht, danach zu leben. Lies die Verborgenen Worte. Denke über ihre Bedeutung nach und bringe die Gebote in deinem Leben zum Ausdruck.A25

26

Vor allen Menschen hat Er euch erwählt. Eure Augen wurden dem Lichte der Führung eröffnet, eure Ohren auf die Musik der himmlischen Heerscharen eingestimmt. Ihr wurdet mit großer Gnade gesegnet, denn eure Herzen und Seelen wurden zu neuem Leben wiedergeboren. Danket und preiset Gott, dass die Hand unermesslicher Segnungen euch diese edelsteinbesetzte Krone aufs Haupt gedrückt hat – eine Krone, deren leuchtende Juwelen glitzern und strahlen werden, solange die Zeit währt. Strengt euch mächtig an, und erwählt euch ein erhabenes Ziel, um Ihm für all das zu danken. Gehorcht den Lehren Gottes durch die Macht des Glaubens, und lasst alle eure Taten mit Seinen Geboten in Einklang sein.A26

27

Bahá’í sollen in jeder Lebenslage ein Beispiel der Eigenschaften und Tugenden geben, die aus Gott geboren sind, und sollten bemüht sein, sich durch eine gute Lebensweise auszuzeichnen. Ihren Anspruch, Bahá’í zu sein, sollten sie durch Taten und nicht durch den Namen rechtfertigen. Ein wahrer Bahá’í strebt Tag und Nacht danach, auf dem Pfade menschlicher Vervollkommnung voranzuschreiten. Sein sehnlichster Wunsch ist, so zu leben und so zu handeln, dass die Welt durch ihn bereichert und erleuchtet wird. Der Quell seiner Eingebung ist der Wesenskern göttlicher Tugend. Sein Lebensziel ist es, sich so zu verhalten, dass er dauernden Fortschritt bewirkt. Erst wenn der Mensch solche vollkommenen Gaben erworben hat, kann er als wahrer Bahá’í gelten. Denn in dieser heiligen Sendung, der krönenden Herrlichkeit vergangener Zeitalter und Zyklen, ist wahrer Glaube nicht die bloße Anerkennung der Einheit Gottes, sondern ein Leben, das alle Vollkommenheiten und Tugenden offenbart, die sich aus einer solchen Überzeugung ergeben.A27

28

Sprich: Sei achtsam, o Volk Bahás, dass du nicht auf den Wegen jener wandelst, deren Worte sich von ihren Taten unterscheiden. Strebt, dass ihr fähig werdet, den Völkern der Erde Gottes Zeichen zu offenbaren und Seine Gebote widerzuspiegeln. Lasst eure Taten Führung für die ganze Menschheit sein, denn bei den meisten Menschen, ob hoch oder niedrig, unterscheidet sich das Bekenntnis vom Verhalten. Durch eure Taten aber könnt ihr euch vor anderen auszeichnen. Durch sie kann der Glanz eures Lichtes über die ganze Erde verbreitet werden. Glücklich ist der Mensch, der Meinen Rat beachtet und die Gebote hält, die Er, der Allwissende, der Allweise, gegeben hat.A28

29

Lasst jeden Morgen besser sein als den Abend davor, und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen. Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend, nicht im Prunk des Wohllebens und des Reichtums. … Nehmt euch in Acht vor Faulheit und Müßiggang, haltet euch an das, was der Menschheit, ob Jung oder Alt, Hoch oder Niedrig, Nutzen bringt.A29

30

Die Gefährten Gottes sind an diesem Tag der Sauerteig, der die Völker der Welt voll durchdringen muss. Sie müssen solche Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Ausdauer, solche Taten und einen solchen Charakter zeigen, dass die ganze Menschheit aus ihrem Beispiel Nutzen ziehen kann.A30

31

Deshalb sage ich, dass der Mensch auf dem Pfad Gottes wandeln muss. Tag für Tag muss er danach streben, besser zu werden; sein Glaube muss wachsen und sich festigen, seine guten Eigenschaften und seine Zuwendung zu Gott müssen sich mehren, das Feuer seiner Liebe muss heller lodern. So wird er Tag für Tag Fortschritte machen; denn Stillstand ist der Weg zum Rückschritt. Der fliegende Vogel schwingt sich höher und höher empor, denn sobald er zu fliegen aufhört, sinkt er ab. Alle Tage solltet ihr morgens beim Aufstehen das Heute mit dem Gestern vergleichen und sehen, in welchem Zustand ihr seid. Wenn ihr merkt, dass euer Glaube stärker und euer Herz noch mehr Gott hingegeben ist, dass eure Liebe zugenommen hat und eure Freiheit von der Welt größer geworden ist, so danket Gott und bittet Ihn, dass diese Eigenschaften wachsen. Dann müsst ihr anfangen zu beten und alles bereuen, was ihr falsch gemacht habt. Ihr müsst zu Gott flehen und um Hilfe und Beistand bitten, dass ihr besser als gestern werdet und weiterhin Fortschritte machen dürft.A31

32

O ihr Freunde Gottes! Strebt danach, dass alle Völker und Gemeinschaften der Welt, selbst die Feinde, Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung in euch setzen, dass jemand, der sich hunderttausendfach irrt, euch dennoch sein Angesicht zuwendet in der Hoffnung, ihr werdet seine Sünden verzeihen; denn er darf nicht hoffnungslos werden, weder bekümmert noch verzagt. Dies ist das Verhalten und die Sitte des Volkes Bahás. Dies ist die Grundlage des höchsten Weges! Richtet euch in Sitte und Lebensart nach den Ratschlägen ‘Abdu’l-Bahás.A32

33

Wenn die Freunde danach streben und alles daransetzen könnten, hundertprozentige Bahá’í zu werden, dann würden sie sehen, wie stark ihr Einfluss auf andere zunimmt und wie schnell der Glaube sich ausbreitet. Die Welt sucht keinen Kompromiss, sondern die Verkörperung eines hohen, leuchtenden Ideals. Je mehr die Freunde ihr Leben in jeder Hinsicht nach unseren Lehren ausrichten, sei es zu Hause, in ihrem geschäftlichen Umgang oder ihren gesellschaftlichen Beziehungen, desto größer wird die Anziehung sein, die sie auf die Herzen anderer ausüben.A33

34

Erfolg oder Fehlschlag, Gewinn oder Verlust müssen daher vom eigenen Bemühen des Menschen abhängen. Je mehr er strebt, desto größer wird sein Fortschritt sein.A34

35

Wir sollten immer daran denken, dass die Lehren vollkommen sind, und der einzige Grund, warum nicht schon mehr unserer Mitmenschen sie angenommen haben, der ist, dass wir Bahá’í auf der ganzen Welt noch nicht so selbstlose, strahlende Spiegel der Wahrhaftigkeit Bahá’u’lláhs sind, wie wir es sein sollten und sein könnten! Wir müssen ständig danach streben, Seine Lehren besser durch unser Beispiel zu belegen.A35

Das Lehren der Sache Gottes

36

Wenn die Freunde sich nicht bemühen, die Botschaft zu verbreiten, dann versäumen sie es, Gottes angemessen zu gedenken, und sie werden der Zeichen des Beistandes und der Bestätigung aus dem Abhá-Königreich nicht gewahr noch der göttlichen Geheimnisse teilhaftig werden. Wenn aber der Lehrer seine Zunge zum Lehren gebraucht, so wird er natürlich selbst angeregt und zum Magnet werden, der die göttliche Hilfe und Freigebigkeit aus dem Königreich anzieht.A36

37

Gott hat jedem zur Pflicht gemacht, Seine Sache zu lehren. Wer sich erhebt, diese Pflicht zu erfüllen, muss, ehe er Seine Botschaft verkündet, unbedingt den Schmuck eines aufrechten, lobenswerten Charakters anlegen, damit seine Worte die Herzen derer anziehen, die für seinen Ruf empfänglich sind. Anders kann er niemals hoffen, seine Hörer zu beeinflussen.A37

38

Nicht jeder von uns kann in gleicher Weise dienen, aber eine Methode, nach der jeder Bahá’í den Glauben verbreiten kann, ist das gute Beispiel. Dieses beeinflusst die Herzen der Menschen viel tiefer, als Worte es jemals vermögen. Die Liebe, die wir anderen Menschen erzeigen, die Gastfreundschaft, das Verständnis und die Hilfsbereitschaft sind die allerbeste Werbung für den Glauben.A38

39

Die ihr Land verlassen haben, um Unsere Sache zu lehren, wird der Geist des Glaubens durch seine Macht stärken. Eine Schar Unserer erwählten Engel wird mit ihnen gehen, wie Er, der Allmächtige, der Allweise, es gebietet. Wie groß ist der Segen, der den erwartet, der die Ehre erringt, dem Allmächtigen zu dienen!A39

40

Nachdem wir ein klares Verständnis vom wahren Wesen unseres Auftrages, von den anzuwendenden Methoden und dem einzuschlagenden Weg erlangt haben und hinreichend zu einem neuen Leben erweckt worden sind, was die wesentliche Voraussetzung für das Lehren ist, so lasst uns nun uns erheben, um Seine Sache mit Rechtschaffenheit, Überzeugungskraft, Verständnis und Kraft zu lehren. Dies ist die wichtigste und dringlichste Pflicht eines jeden Bahá’í. Lasst sie uns zur beherrschenden Leidenschaft unseres Lebens machen!A40

41

Jeder Tag hat seine bestimmten Erfordernisse. In den frühen Tagen brauchte der Glaube Märtyrer und Menschen, die alle Arten von Grausamkeit und Verfolgung ertragen konnten, wenn sie ihren Glauben kundtaten und die Botschaft Gottes verbreiteten. Diese Tage sind jedoch vorüber. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt braucht der Glaube keine Märtyrer, die für ihren Glauben sterben, sondern Diener, deren Sehnsucht es ist, den Glauben in der ganzen Welt zu lehren und fest anzusiedeln. Leben, um lehren zu können, bedeutet heute so viel wie in jenen frühen Zeiten der Märtyrertod. Was zählt, ist der Geist, der uns zum Handeln bewegt, nicht die Handlung selbst, durch die er sich äußert; und dieser Geist bedeutet, der Sache Gottes mit Herz und Seele dienen zu wollen.A41

Selbstloser Dienst am Glauben und in der Ausübung unseres Gewerbes oder Berufes

42

Wir fragen: Welche Tat in der Welt könnte größer sein, als für das allgemeine Wohl der Menschheit zu arbeiten? Kann man sich eine höhere Laufbahn vorstellen, als wenn ein Mensch sich der Erziehung, dem Fortschritt, dem Ruhm und Wohlstand der Diener Gottes widmet? Die größte der Gott wohlgefälligen Taten ist es, wenn die gesegneten Seelen die Hilflosen bei der Hand nehmen und sie von Unwissenheit, von Erniedrigung und Armut befreien und, erfüllt von aufrichtigem Bestreben, um Gottes willen die Lenden ihres Ehrgeizes zum Dienst an allen Menschen gürten, dabei ihren weltlichen Vorteil vergessend, um nur für das allgemeine Beste zu kämpfen. Wie es geschrieben steht: »Und zieht andere euch selbst vor, auch wenn sie arm sind; die Besten der Menschen sind, die Gutes ihren Mitmenschen tun, und die Schlimmsten sind, die ihnen Böses zufügen«.A42

43

Jedem von euch ist es zur Pflicht gemacht, sich in einem Beruf – einem Handwerk, Gewerbe und dergleichen – zu betätigen. Wir haben eure Tätigkeit bei solcher Arbeit gnädiglich zum Rang des Dienstes an Gott, dem Wahren, erhoben. Denkt in euren Herzen über die Gnade und den Segen Gottes nach und sagt Ihm Dank des Abends und des Morgens. Vergeudet eure Zeit nicht mit Faulheit und Müßiggang. Beschäftigt euch mit dem, was euch und anderen nützt. So ist es verordnet in diesem Sendschreiben, von dessen Horizont die Sonne der Weisheit und des Wortes widerstrahlt. Die verächtlichsten Menschen in den Augen Gottes sind die, welche faul dasitzen und betteln. Haltet euch fest an das Seil der weltlichen Mittel, im vollen Vertrauen auf Gott, der euch mit allen Gütern versorgt. Wer sich in einem Handwerk oder Gewerbe betätigt, dessen Tätigkeit wird von Gott als Gottesdienst gewertet; und dies ist nur ein Zeichen Seiner unendlichen, alles durchdringenden Großmut.A43

44

Wahre Zuversicht ist für den Diener, seinen beruflichen Pflichten in dieser Welt nachzugehen, sich fest an den Herrn zu halten und nur Seine Gnade zu suchen; denn in Seinen Händen liegen die Geschicke aller Seiner Diener.A44

45

Was deine eigenen Angelegenheiten angeht, so wäre es lobenswert, wenn du dich mit allem abfändest, was der Himmel schickt. Einen Beruf auszuüben, ist sehr empfehlenswert; denn wenn man arbeitet, ist man weniger geneigt, sich bei den unangenehmen Seiten des Lebens aufzuhalten. So Gott will, wirst du in jeder Stadt und jedem Land, wo du auch weilst, strahlende Freude, Frohsinn und Frohlocken erfahren.A45

46

Wenn der Mensch die Stufe der Erfüllung und seine Reife erlangt hat, bedarf er des Wohlstands. Wohlstand, den er durch Handwerk und Beruf erwirbt, ist nach Ansicht der Weisen und vor allem in den Augen von Dienern, die sich ganz der Erziehung der Welt und der Belehrung ihrer Völker widmen, lobens- und empfehlenswert. Solche Diener sind wahrlich Mundschenke für die Lebenswasser der Erkenntnis, Führer auf dem Weg zur Vollendung. Sie leiten die Völker der Welt auf den geraden Pfad und unterweisen sie in allem, was Fortschritt und Erhöhung der Menschen fördert.A46

47

Die Sache Gottes ist wie eine Hochschule. Die Gläubigen sind wie die Studenten. Die Schule wurde gegründet zur Förderung von Wissenschaft, Künsten und Literatur. Würden die Wissenschaften nicht in ihr gepflegt und die Schüler nicht erzogen, so wäre der Zweck der Schule nicht erreicht. Die Lernenden müssen die Früchte ihres Studiums in ihrem Verhalten und ihren Taten zeigen, sonst haben sie ihre Zeit vergeudet. Nun müssen die Freunde Gottes so leben und sich so verhalten, dass sie der Religion Gottes größeren Ruhm und größeren Erfolg bringen. Für sie muss die Sache Gottes eine dynamische Kraft sein, die das Leben der Menschen umgestaltet, nicht eine Frage von Versammlungen, Ausschüssen, nichtigen Wortgefechten, unnötigen Debatten und politischer Drahtzieherei. Was ist Zweck und Ziel des Ackerns, Pflügens, Säens der Saat und der Bewässerung? Steht ein anderer Gedanke hinter all diesen Arbeiten als die Ernte des Getreides? Wenn die Garben nur grün und frisch sind, aber keine Weizen- oder Gerstenkörner enthalten, so ist der Zweck nicht erreicht. Das Ziel war nicht das üppige Grün des Feldes, sondern die Fülle der Ernte. Ich hoffe, die Gläubigen werden sich aufs äußerste bemühen, ihr Leben mit überreicher Ernte zu krönen.A47

48

Das Leben des Menschen wird in dieser Welt schließlich zu Ende gehen. Wir müssen alle aus diesem Leben Früchte gewinnen. Der Baum des Daseins eines jeden muss Früchte tragen. Wenn ein Baum keine Früchte hat, muss er gefällt und verbrannt werden; zu anderem ist er nicht nütze. Frage: Was ist die Frucht vom menschlichen Baum? Antwort: Es ist die Liebe zu Gott, es ist die Liebe zur Menschheit, es ist, allen Menschen der Welt Gutes zu wünschen, es ist Dienst an der Menschheit, es ist Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, es ist Tugend und gute Moral, es ist Ergebung in Gott, es ist die Erziehung der Seelen; das sind die Früchte vom Baume des Menschen. Ohne diese ist er Holz und nichts anderes.A48

49

Wenn die Frucht des Daseins des Menschen nicht Dienst ist an der Schwelle des Allmächtigen, so erkläre ich bei dem lebendigen, selbstbestehenden Gott, dass Leben Tod ist, Existenz Nichtexistenz, Nichtsein besser als Sein, Vergnügen Pein, Freude Schmerz und Unsterblichkeit Sterblichkeit. An diesem Hofe müssen wir demütig und gelassen sein, tätig und fortschrittlich, hellwach und gedankenvoll, vornehm und gut, gerade und strebsam. Dies ist das Ergebnis des Lebens! Dies ist die Frucht des unaufhörlichen Bestrebens! Dies ist der Preis, der gewonnen werden soll! Dies ist die Erleuchtung der Welt der Menschheit! Dies ist das ewige Leben! Dies ist die Erhabenheit der menschlichen Natur! Dies ist der himmlische Ruhm! Dies ist die strahlende Krone vom Königreich Abhá (der höchsten Schönheit)!A49

50

Die Geliebten Gottes sollten der Welt vor allem durch die Macht edlen Handelns und eines vornehmen Charakters statt durch Darlegungen und Beweise die Tatsache vor Augen führen, dass die Verheißungen Gottes sich notwendigerweise erfüllen werden, dass sich diese Erfüllung schon jetzt vollzieht und dass die frohen Botschaften klar, einleuchtend und vollständig sind. In der Tat, würden nicht einige hervorragende Seelen die Arena des Dienens betreten und zu einem strahlenden Licht in der Gemeinschaft der Menschen werden, wäre es eine ungeheuerliche Aufgabe, vor den Augen der Weltweisen die Wahrheit dieser Sache zu vertreten. Wenn die Freunde jedoch die Tugenden verkörpern und einen guten Charakter aufweisen, bedarf es der Worte und Argumente nicht mehr. Ihre Taten selbst dienen dann als beredtes Zeugnis, ihr edles Verhalten sichert den Schutz, die Unversehrtheit und den Ruhm der Sache Gottes.A50

51

Der Adel und Ruhm des Menschen besteht darin, dass inmitten aller Geschöpfe durch ihn die Rechtschaffenheit offenbar wird. Kann der Mensch sich eine größere Segnung denken als das Bewusstsein, dass durch Gottes Hilfe die Mittel für Behaglichkeit, Frieden und Wohlgedeihen der Menschheit in seine Hand gelegt sind? Nein, es gibt keine vollkommenere Freude, kein größeres Glück als dies. Wie lange sollen wir unsere eigenen selbstischen Wünsche zu erfüllen suchen? Sinne und innere Fähigkeiten wurden uns gegeben, damit wir sie zum Wohle der Menschheit anwenden und wir von der niedrigen Natur des Menschen erhoben werden durch die Festigkeit und Gerechtigkeit unseres Urteils sowie damit wir fortwährend Gutes tun mögen.A51

52

Im Verkehr der Gläubigen untereinander dürfen sie sich nicht mit einem bloßen Austausch kalter, leerer Redensarten begnügen, wie sie so oft bei Festessen, Empfängen, Sitzungen und in Vortragssälen üblich sind. Sie müssen sich vielmehr als gleichberechtigte Teilhaber an den ihnen durch Bahá’u’lláh verliehenen geistigen Gaben aufmachen und, unterstützt und beraten durch ihre örtlichen und nationalen Vertretungen, die offiziellen Veranstaltungen durch ihren vertrauten und innigen gesellschaftlichen Verkehr untereinander ergänzen. Zu Hause, in ihren Entspannungs- und Mußestunden, im täglichen Geschäftsleben, beim Zusammenkommen ihrer Kinder in der Schule oder auf dem Spielplatz, bei Abendgesellschaften, bei allen nur denkbaren Gelegenheiten, und mögen sie auch noch so unbedeutend scheinen, müssen sich die Mitglieder der Gemeinde Bahá’u’lláhs darin üben, weit und breit in den Augen der Welt und vor dem Angesicht ihres wachenden Meisters lebendige Zeugen der von Ihm so zärtlich gehegten und bis ans Ende Seiner Tage so unermüdlich verfochtenen Wahrheiten zu sein. Wenn wir in unserem Bestreben erlahmen und in unserem Glauben schwanken, wenn wir die verschiedenen, uns von Zeit zu Zeit durch einen allweisen und gnädigen Meister gebotenen Gelegenheiten versäumen, werden wir nicht nur in unserer wichtigsten und augenfälligsten Pflicht versagen, sondern auch gegen das Strömen jener belebenden Kräfte abstumpfen, die allein die starke und rasche Entfaltung des ringenden Glaubens Gottes sichern können.A52

53

Das geistige Leben wird gekennzeichnet durch Einfachheit und Betrachtung, verbunden mit Nützlichkeit und wohlüberlegter Tätigkeit … Frage: Was kann ich tun, um ein wirklicher Diener Gottes zu werden? ‘Abdu’l-Bahá: Lebe in Übereinstimmung mit den Lehren von Bahá’u’lláh. Lies sie nicht nur. Es ist ein großer Unterschied zwischen einem Menschen, der die Worte von Bahá’u’lláh nur liest, und einem, der versucht, sie zu leben. Lies die Verborgenen Worte. Denke nach über ihre Bedeutungen und bringe sie in deinem Leben zum Ausdruck. Alles, was ich sagen könnte, ist nur ein Tropfen dieser unendlichen See. … Ich erkläre bei Ihm, außer dem nichts wirklich besteht: Wenn wir in Übereinstimmung mit einer der Lehren leben, so werden wir leuchtend werden wie diese Lampe. Wenn wir wörtlich bekennen, dass Bahá’u’lláhs Prinzipien die Ursache von ewigem Heil sind und das Mittel, Gottes Thron nahe zu kommen, und doch nicht nach ihren Unterweisungen leben, sind wir keine Bahá’í. Darum müssen wir Tag und Nacht füreinander beten, so, dass uns geholfen werde, in unserem Leben den allumfassenden Geist Bahá’u’lláhs zum Ausdruck zu bringen.A53

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Nicht durch die Stärke unserer Zahl, nicht durch die bloße Darlegung einer Anzahl neuer, edler Grundsätze, nicht durch einen wohlorganisierten Lehrfeldzug, gleichviel wie weltweit und durchdacht er im Wesen sein mag, ja nicht einmal durch die Festigkeit unseres Glaubens oder die Kraft unserer Begeisterung können wir am Ende hoffen, in den Augen eines kritischen und skeptischen Zeitalters den erhabenen Anspruch der Abhá-Offenbarung zu rechtfertigen. Eines, und nur eines wird unfehlbar und mit Gewissheit den unzweifelhaften Sieg der Heiligen Sache sichern, nämlich das Maß, in dem unser persönliches, inneres Leben und unsere privaten Neigungen vielfältig den Glanz dieser ewigen von Bahá’u’lláh verkündeten Prinzipien widerspiegeln.A54

Anhang | Meditationstechniken

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Er hält es für besser, wenn die Bahá’í Bahá’u’lláhs Meditationen verwenden, nicht eine feste Form der Meditation, die jemand anders empfohlen hat. Aber die Gläubigen müssen in diesen Einzelheiten frei entscheiden; es muss ihnen erlaubt sein, einen persönlichen Freiraum zu haben, damit sie ihre eigene Ebene der Verbindung mit Gott finden.A55

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In den Lehren sind keine festen Formen der Meditation vorgeschrieben. Es gibt kein vorgezeichnetes Programm für die innere Entwicklung. Die Freunde werden dringend aufgefordert, ja es ist ihre unverzichtbare Pflicht, zu beten; sie sollen auch meditieren, aber wie sie beides tun, ist ganz dem Einzelnen überlassen. Die durch Meditation empfangene Eingebung ist von solcher Art, dass man sie nicht messen oder bestimmen kann. Gott kann, wenn Er dies wünscht, unserem Geist Dinge eingeben, von denen wir vorher nichts wussten.A56

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Die Meditation vermag die Tore tieferer Erkenntnis und Eingebung zu öffnen. Wer als Bahá’í meditiert, ist natürlich mit der Quelle verbunden. Meditiert ein Mensch, der an Gott glaubt, so stimmt er sich auf die Kraft und die Barmherzigkeit Gottes ein. Wir können aber nicht behaupten, dass jede Eingebung, die jemand erhält, der Bahá’u’lláh nicht kennt oder der nicht an Gott glaubt, bloß aus seinem eigenen Ich stammt. Meditation ist sehr wichtig; der Hüter sieht keinen Grund, warum die Freunde nicht in Meditation unterrichtet werden sollten. Sie sollten sich jedoch vor abergläubischen, törichten Ideen hüten, die sich einschleichen können.A57

Literaturverzeichnis

Bahá’u’lláh Ährenlese, Hofheim 32012 Botschaften aus ‘Akká, Hofheim 1982 Das Buch der Gewissheit – Kitáb-i-Íqán, Frankfurt 22000 Der Kitáb-i-Aqdas – Das Heiligste Buch, Hofheim 22008 Gebete und Meditationen, Hofheim 21992 ‘Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, Hofheim 1999 Shoghi Effendi Zum wirklichen Leben, Auszüge aus Briefen und Schriften 1923-1957, Hrsg. Universales Haus der Gerechtigkeit, Hofheim, 2. Aufl. 2001 Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, Hofheim 1977 Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, Frankfurt am Main 1969 Textzusammenstellungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit Geistiger Adel, Hofheim 1982 Den Glauben vertiefen, Hofheim 1984 Über das Lehren, Hofheim 1979 Über die Macht des Gebets, Hofheim 1981 Göttliche Lebenskunst, Eine von Mabel Hyde Paine besorgte Zusammenstellung aus Schriften von Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá, Hofheim 1985 John E. Esslemont, Bahá’u’lláh und das Neue Zeitalter, Oberkalbach 51970 Hermann Grossmann, Der Bahá’í und die Bahá’í-Gemeinde, Hofheim 21994 Gebete, Offenbart von Bahá’u’lláh, Báb und ‘Abdu’l-Bahá, Hofheim 42007 Sonne der Wahrheit, Organ der Bahá’í in Deutschland und Österreich, 18. Jahrgang 1947

Quellenangaben

Q1 ‘Abdu’l-Bahá, in: Über die Macht des Gebets, S. 17

Anmerkungen

A1 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Bahá’u’lláh und das Neue Zeitalter, S. 112 f. A2 ‘Abdu’l-Bahá, in: Über die Macht des Gebets, S. 15 A3 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag, zit. in: Gebete, S. 3 A4 ‘Abdu’l-Bahá, in: Über die Macht des Gebets, S. 16 A5 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag, in: Über die Macht des Gebets, S. 30 f. A6 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag, in: Über die Macht des Gebets, S. 26 f. A7 Bahá’u’lláh, in: Den Glauben vertiefen, Nr. 5 A8 Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas 149 A9 Bahá’u’lláh, Ährenlese 153:5 A10 Bahá’u’lláh, Ährenlese 70:2 A11 Bahá’u’lláh, Ährenlese 136:2 A12 Bahá’u’lláh, Gebete und Meditationen, 56:7 A13 ‘Abdu’l-Bahá, Ansprachen in Paris, S. 74 A14 ‘Abdu’l-Bahá, in: Den Glauben vertiefen, Nr. 67 A15 Shoghi Effendi, Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 151 f. A16 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 9:20 A17 Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas, S. 267 A18 ‘Abdu’l-Bahá, in: Über die Macht des Gebets, S. 17 A19 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag, in: Den Glauben vertiefen, Nr. 93 A20 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 13:19 A21 Bahá’u’lláh, Ährenlese 164:4 A22 Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Íqán 233 A23 ‘Abdu’l-Bahá, in: Göttliche Lebenskunst, S. 62 A24 ‘Abdu’l-Bahá, in: Den Glauben vertiefen, Nr. 63 A25 ‘Abdu’l-Bahá, in: Den Glauben vertiefen, Nr. 65 A26 ‘Abdu’l-Bahá, in: Geistiger Adel, S. 7 A27 ‘Abdu’l-Bahá, in: Geistiger Adel, S. 12 f. A28 Bahá’u’lláh, Ährenlese, 139:8 A29 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 9:4 A30 Bahá’u’lláh, zit. in: Shoghi Effendi, Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, S. 40 A31 ‘Abdu’l-Bahá, in: Geistiger Adel, S. 18 f. A32 ‘Abdu’l-Bahá, in: Geistiger Adel, S. 14 A33 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 23. Januar 1945, in: Zum wirklichen Leben 38 A34 Bahá’u’lláh, Ährenlese 34:8 A35 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 18. Februar 1947, in: Zum wirklichen Leben 50 A36 ‘Abdu’l-Bahá, in: Über das Lehren, S. 3 A37 Bahá’u’lláh, Ährenlese 158:1 A38 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 14. Oktober 1943, in: Zum wirklichen Leben 26 A39 Bahá’u’lláh, Ährenlese 157:1 A40 Shoghi Effendi, in: Über das Lehren, S. 7 A41 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 3. August 1932, in: Zum wirklichen Leben 11 A42 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Sonne der Wahrheit, 18. Jahrgang 1947, S. 71 A43 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 3:22 f. A44 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 10:8 A45 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 11:42 A46 Bahá’u’lláh, Botschaften aus ‘Akká 4:8 A47 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Sonne der Wahrheit, 18. Jahrgang 1947, S. 67 f. A48 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Sonne der Wahrheit, 18. Jahrgang 1947, S. 35 f. A49 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Sonne der Wahrheit, 18. Jahrgang 1947, S. 36 A50 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 19. Dezember 1923, in: Zum wirklichen Leben 2 A51 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Sonne der Wahrheit, 18. Jahrgang 1947, S. 69 f. A52 Shoghi Effendi, zit. in: Hermann Grossmann, Der Bahá’í und die Bahá’í-Gemeinde, S. 16 f. A53 ‘Abdu’l-Bahá, zit. in: Sonne der Wahrheit, 18. Jahrgang, S. 66 f. A54 Shoghi Effendi, zit. in: Hermann Grossmann, Der Bahá’í und die Bahá’í-Gemeinde, S. 16 A55 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 27. Januar 1952, in: Über die Macht des Gebets, S. 31 A56 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 25. Januar 1943, in: Über die Macht des Gebets, S. 27 A57 Shoghi Effendi, Brief in seinem Auftrag vom 19. November 1945, in: Über die Macht des Gebets, S. 28