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Lange Lehrreden 4 Mit Soṇadaṇḍa

1. Die Brahmanen und Hausbesitzer von Campā So habe ich es gehört: Einmal wanderte der Buddha im Land der Aṅger mit einem großen Saṅgha von fünfhundert Mönchen und Nonnen. Da kam er nach Campā, wo er sich am Ufer des Gaggarā-Lotusteichs aufhielt. Damals residierte der Brahmane Soṇadaṇḍa in Campā. Es war ein Krongut, von König Seniya Bimbisāra von Magadha verliehen, das von Lebewesen wimmelte und reichlich Heu, Wald, Wasser und Getreide besaß, ein königlicher Park, der einem Brahmanen geschenkt war.

Die Brahmanen und Hausbesitzer von Campā hörten: „Es scheint, der Asket Gotama – ein Sakyer, der von einer Familie der Sakyer fortgezogen ist – ist in Campā angekommen und hält sich am Ufer des Gaggarā-Lotusteichs auf. Er hat diesen guten Ruf: ‚Dieser Gesegnete ist vollendet, ein vollkommen erwachter Buddha, von vollendetem Wissen und Verhalten, heilig, Kenner der Welt, unübertrefflicher Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, Lehrer von Göttern und Menschen, erwacht, gesegnet.‘ Er hat diese Welt – mit ihren Göttern, Māras und Brahmās, mit dieser Bevölkerung mit ihren Asketen und Brahmanen, Göttern und Menschen – durch eigene Einsicht erkannt und erklärt sie anderen. Er verkündet eine Lehre, die am Anfang gut, in der Mitte gut und am Ende gut ist, bedeutsam und gut ausgedrückt. Und er legt eine geistliche Übung dar, die ganz vollständig und rein ist. Es ist gut, solche Vollendeten zu sehen.“ Darauf brachen sie aus Campā auf, bildeten Gruppen und zogen zum Gaggarā-Lotusteich.

Da hatte sich der Brahmane Soṇadaṇḍa gerade zu seiner Mittagsruhe auf den Söller seines Pfahlbau-Langhauses zurückgezogen. Er sah, wie die Brahmanen und Hausbesitzer zum Gaggarā-Lotusteich zogen, und wandte sich an seinen Hausdiener: „Werter Hausdiener, warum ziehen die Brahmanen und Hausbesitzer zum Gaggarā-Lotusteich?“ „Der Asket Gotama ist in Campā angekommen und hält sich am Ufer des Gaggarā-Lotusteichs auf. Er hat diesen guten Ruf: ‚Dieser Gesegnete ist vollendet, ein vollkommen erwachter Buddha, von vollendetem Wissen und Verhalten, heilig, Kenner der Welt, unübertrefflicher Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, Lehrer von Göttern und Menschen, erwacht, gesegnet.‘ Sie gehen hin, um diesen werten Gotama zu sehen.“ „Nun, dann geh zu den Brahmanen und Hausbesitzern und sage zu ihnen: ‚Werte Herren, der Brahmane Soṇadaṇḍa bittet euch, zu warten, denn auch er will hingehen, um den Asketen Gotama zu sehen.‘“ „Ja, werter Herr“, antwortete der Hausdiener und tat wie geheißen.

2. Soṇadaṇḍas Eigenschaften Damals befanden sich fünfhundert auswärtige Brahmanen wegen einer Angelegenheit in Campā. Sie hörten, dass der Brahmane Soṇadaṇḍa hingehen wollte, um den Asketen Gotama zu sehen. Sie begaben sich zu Soṇadaṇḍa und sagten zu ihm: „Ist es wirklich wahr, dass du dabei bist, hinzugehen, um den Asketen Gotama zu sehen?“ „Ja, werte Herren, das ist wahr.“

„Bitte geh nicht, werter Soṇadaṇḍa!

Es ist nicht angebracht, dass du hingehst, um den Asketen Gotama zu sehen.

Denn wenn du das tust, wird dein Ruhm abnehmen, und seiner wird zunehmen.

Aus diesem Grund ist es nicht angebracht, dass du hingehst, um den Asketen Gotama zu sehen; es ist angebracht, dass er herkommt, um dich zu sehen.

Du bist von guter Geburt auf mütterlicher und väterlicher Seite, von reiner Abkunft, mit unwiderlegbarem und einwandfreiem Stammbaum bis zur siebten väterlichen Generation zurück.

Aus diesem Grund ist es nicht angebracht, dass du hingehst, um den Asketen Gotama zu sehen; es ist angebracht, dass er herkommt, um dich zu sehen.

Du bist reich, wohlhabend und vermögend. … Du sagst die Hymnen auf und hast sie im Gedächtnis und hast die drei Veden gemeistert zusammen mit ihrem Wortschatz und der Durchführung des Rituals, der Lautlehre und der Einteilung der Wortarten sowie dem Testament als fünftem.

Du kennst sie Wort für Wort, kennst die Grammatik und bist mit der Kosmologie und den Kennzeichen eines großen Mannes vertraut. … Du bist ansprechend, gut aussehend, reizend, von unvergleichlicher Schönheit.

Du bist von gottgleicher Schönheit und Herrlichkeit, von bemerkenswertem Anblick. … Du bist tugendhaft, besitzt reife Tugend. … Du bist ein guter Redner und drückst dich gut aus.

Deine Worte sind geschliffen, klar und deutlich und bringen die Bedeutung zum Ausdruck. … Du lehrst die Lehrmeister Vieler, lehrst dreihundert junge Vedenstudenten das Aufsagen der Hymnen.

Viele junge Vedenstudenten kommen aus verschiedenen Bezirken und Ländern um der Hymnen willen zum werten Soṇadaṇḍa, mit dem Wunsch, die Hymnen zu lernen. … Du bist alt, bejahrt und hochbetagt, in vorgerücktem Alter und im letzten Lebensabschnitt angekommen.

Der Asket Gotama ist jung und ist erst kürzlich fortgezogen. … Du bist geehrt, geachtet, gewürdigt, verehrt und wertgeschätzt vom König Bimbisāra von Magadha … und dem Brahmanen Pokkharasāti. … Du residierst in Campā, einem Krongut, von König Seniya Bimbisāra von Magadha verliehen, das von Lebewesen wimmelt und reichlich Heu, Wald, Wasser und Getreide besitzt, ein königlicher Park, der einem Brahmanen geschenkt ist.

Auch aus diesem Grund ist es nicht angebracht, dass du hingehst, um den Asketen Gotama zu sehen; es ist angebracht, dass er herkommt, um dich zu sehen.“

3.

Die Eigenschaften des Buddha Als sie geendet hatten, sagte Soṇadaṇḍa zu diesen Brahmanen:

„Nun hört denn, werte Herren, warum es angebracht ist, dass ich hingehe, um den werten Gotama zu sehen, und nicht angebracht, dass er herkommt, um mich zu sehen:

Er ist von guter Geburt auf mütterlicher und väterlicher Seite, von reiner Abkunft, mit unwiderlegbarem und einwandfreiem Stammbaum bis zur siebten väterlichen Generation zurück.

Aus diesem Grund ist es nicht angebracht, dass der werte Gotama herkommt, um mich zu sehen; es ist vielmehr angebracht, dass ich hingehe, um ihn zu sehen.

Als er fortzog, verließ er einen großen Familienkreis. … Als er fortzog, ließ er Goldmünzen und ungemünztes Gold in Fülle zurück, das unter und über der Erde verwahrt ist. … Er zog aus dem Haus fort ins hauslose Leben, als er noch ein junger Mensch war, jung, mit makellos schwarzem Haar, von Jugend gesegnet, in der Blüte des Lebens. … Obwohl seine Mutter und sein Vater es anders wollten und mit tränenüberströmtem Gesicht weinten, rasierte er sich Haar und Bart, legte ockerfarbene Roben an und zog aus dem Haus fort ins hauslose Leben. … Er ist ansprechend, gut aussehend, reizend, von unvergleichlicher Schönheit.

Er ist von gottgleicher Schönheit und Herrlichkeit, von bemerkenswertem Anblick. … Er ist tugendhaft, besitzt die Tugend, die edel und tauglich ist. … Er ist ein guter Redner und drückt sich gut aus.

Seine Worte sind geschliffen, klar und deutlich und bringen die Bedeutung zum Ausdruck. … Er lehrt die Lehrmeister Vieler. … Er hat das sinnliche Verlangen beendet und ist frei von Launenhaftigkeit. … Er lehrt die Wirksamkeit von Taten und Verhalten.

Er wünscht der Gemeinschaft der Brahmanen keinen Schaden. … Er zog von einer angesehenen Familie mit ungebrochener adliger Abstammungslinie fort. … Er zog von einer reichen, wohlhabenden und vermögenden Familie fort. … Die Menschen kommen aus fernen Reichen und fernen Ländern, um ihm Fragen zu stellen. … Viele tausend Gottheiten haben für ihr ganzes Leben zu ihm Zuflucht genommen. … Er hat diesen guten Ruf: ‚Dieser Gesegnete ist vollendet, ein vollkommen erwachter Buddha, von vollendetem Wissen und Verhalten, heilig, Kenner der Welt, unübertrefflicher Anleiter für alle, die schulungsfähig sind, Lehrer von Göttern und Menschen, erwacht, gesegnet.‘ … Er besitzt die zweiunddreißig Kennzeichen eines großen Mannes. … Er ist einladend, sympathisch, höflich, lächelnd, offen und spricht als Erster. … Er wird von den vier Versammlungen geehrt, geachtet, gewürdigt, verehrt und wertgeschätzt. … Viele Götter und Menschen sind ihm ergeben. … Während er sich in einem Dorf oder Marktflecken befindet, bedrängen nicht-menschliche Wesen die Menschen dort nicht. … Er leitet einen Orden und eine Gemeinschaft und unterweist eine Gemeinschaft, und er gilt als der beste der verschiedenen Religionsstifter.

Er erlangte seinen Ruhm nicht auf dieselbe Weise wie jene anderen Asketen und Brahmanen.

Er erlangte seinen Ruhm vielmehr durch sein unübertreffliches Wissen und Verhalten. … Der König Seniya Bimbisāra von Magadha und seine Frauen und Kinder haben für ihr ganzes Leben zum Asketen Gotama Zuflucht genommen. … Der König Pasenadi von Kosala und seine Frauen und Kinder haben für ihr ganzes Leben zum Asketen Gotama Zuflucht genommen. … Der Brahmane Pokkharasāti und seine Frauen und Kinder haben für ihr ganzes Leben zum Asketen Gotama Zuflucht genommen. … Er ist geehrt, geachtet, gewürdigt, verehrt und wertgeschätzt vom König Bimbisāra von Magadha … dem König Pasenadi von Kosala … und dem Brahmanen Pokkharasāti. … Der Asket Gotama ist in Campā angekommen und hält sich am Ufer des Gaggarā-Lotusteichs auf.

Jeder Asket oder Brahmane, der herkommt und sich in unserem Dorfbezirk aufhält, ist unser Gast, und er sollte als solcher geehrt und geachtet werden.

Auch aus diesem Grund ist es nicht angebracht, dass der werte Gotama herkommt, um mich zu sehen; es ist vielmehr angebracht, dass ich hingehe, um ihn zu sehen.

Soweit reicht das Lob des werten Gotama, das ich mir eingeprägt habe.

Aber sein Lob ist nicht darauf beschränkt, denn das Lob des werten Gotama ist grenzenlos.“ Als er geendet hatte, sagten diese Brahmanen zu ihm:

„Nach dem Lob Soṇadaṇḍas würde es sich für einen vertrauensvollen ehrbaren Menschen lohnen, hinzugehen, um den werten Gotama zu sehen, wenn er sich im Umkreis von hundert Meilen aufhielte, selbst wenn man seine eigenen Vorräte in einem Ranzen tragen müsste.“ „Nun, werte Herren, lasst uns alle hingehen, um den Asketen Gotama zu sehen.“

4. Soṇadaṇḍa überlegt hin und her Da ging Soṇadaṇḍa zusammen mit einer großen Gruppe von Brahmanen zum Buddha.

Doch als er die andere Seite des Waldes erreicht hatte, kam ihm dieser Gedanke in den Sinn:

„Wenn ich nun dem Asketen Gotama eine Frage stellen würde, dann könnte er zu mir sagen: ‚Brahmane, du solltest deine Frage nicht so stellen.

So solltest du sie stellen.‘ Und die Versammlung könnte deshalb auf mich herabschauen: ‚Soṇadaṇḍa ist töricht und unfähig.

Er ist nicht in der Lage, dem Asketen Gotama eine wohlüberlegte Frage zu stellen.‘ Und wenn die Versammlung auf einen herabschaut, nimmt der Ruhm ab.

Wenn der Ruhm abnimmt, nimmt auch der Reichtum ab.

Mein Reichtum beruht schließlich auf meinem Ruhm.

Oder wenn der Asket Gotama mir eine Frage stellt, könnte es sein, dass ich ihn mit meiner Antwort nicht zufriedenstelle.

Er könnte zu mir sagen: ‚Brahmane, du solltest die Frage nicht so beantworten.

So solltest du sie beantworten.‘ Und die Versammlung könnte deshalb auf mich herabschauen: ‚Soṇadaṇḍa ist töricht und unfähig.

Er ist nicht in der Lage, den Asketen Gotama mit seiner Antwort zufriedenzustellen.‘ Und wenn die Versammlung auf einen herabschaut, nimmt der Ruhm ab.

Wenn der Ruhm abnimmt, nimmt auch der Reichtum ab.

Mein Reichtum beruht schließlich auf meinem Ruhm.

Wenn ich auf der anderen Seite umkehren würde, ohne den Asketen Gotama gesehen zu haben, nachdem ich so weit gekommen bin, könnte die Versammlung deshalb auf mich herabschauen: ‚Soṇadaṇḍa ist töricht und unfähig.

Er ist hochnäsig und furchtsam.

Er traut sich nicht, hinzugehen, um den Asketen Gotama zu sehen.

Denn wie in aller Welt kann er umkehren, ohne den Asketen Gotama gesehen zu haben, nachdem er so weit gekommen ist!‘ Und wenn die Versammlung auf einen herabschaut, nimmt der Ruhm ab.

Wenn der Ruhm abnimmt, nimmt auch der Reichtum ab.

Mein Reichtum beruht schließlich auf meinem Ruhm.“

Da ging Soṇadaṇḍa zum Buddha und tauschte Willkommensgrüße mit ihm aus. Nach der Begrüßung und dem Austausch von Höflichkeiten setzte er sich zur Seite hin. Einige der Brahmanen und Hausbesitzer von Campā verbeugten sich, andere begrüßten den Buddha und tauschten Höflichkeiten aus, wieder andere hielten ihm ihre zusammengelegten Hände entgegen, manche nannten ihren Namen und Stamm und manche schwiegen, bevor sie sich ebenfalls zur Seite hinsetzten.

Aber auch als er da saß, wurde Soṇadaṇḍa weiterhin von vielem Hin-und-Her-Überlegen geplagt. Er dachte: „Wenn der Asket Gotama mich doch bloß nach dem textlichen Erbe der drei Veden meines eigenen Lehrmeisters fragen würde! Dann könnte ich ihn bestimmt mit meiner Antwort zufriedenstellen.“

5. Was einen Brahmanen ausmacht Da dachte der Buddha, der Soṇadaṇḍas Gedankengang erkannte: „Dieser Brahmane Soṇadaṇḍa wird von seinen eigenen Gedanken beunruhigt. Warum frage ich ihn nicht nach dem textlichen Erbe der drei Veden seines eigenen Lehrmeisters?“ Und er sagte zu Soṇadaṇḍa: „Brahmane, wie viele Faktoren muss ein Brahmane besitzen, damit die Brahmanen ihn als einen Brahmanen beschreiben und damit er, wenn er sagt: ‚Ich bin ein Brahmane‘, richtig spricht, ohne in Unwahrheit zu verfallen?“

Da dachte Soṇadaṇḍa: „Der Asket Gotama hat mich genau nach dem gefragt, was ich wollte, was ich mir wünschte, wonach ich verlangte und mich sehnte, das heißt, nach meinem eigenen textlichen Erbe. Ich kann ihn bestimmt mit meiner Antwort zufriedenstellen.“

Da richtete Soṇadaṇḍa seinen Körper auf, blickte über die Versammlung und sagte zum Buddha: „Werter Gotama, ein Brahmane muss fünf Faktoren besitzen, damit die Brahmanen ihn als einen Brahmanen beschreiben und damit er, wenn er sagt: ‚Ich bin ein Brahmane‘, richtig spricht, ohne in Unwahrheit zu verfallen. Welche fünf? Da ist ein Brahmane von guter Geburt auf mütterlicher und väterlicher Seite, von reiner Abkunft, mit unwiderlegbarem und einwandfreiem Stammbaum bis zur siebten väterlichen Generation zurück. Er sagt die Hymnen auf und hat sie im Gedächtnis und hat die drei Veden gemeistert zusammen mit ihrem Wortschatz und der Durchführung des Rituals, der Lautlehre und der Einteilung der Wortarten sowie dem Testament als fünftem. Er kennt sie Wort für Wort, kennt die Grammatik und ist mit der Kosmologie und den Kennzeichen eines großen Mannes vertraut. Er ist ansprechend, gut aussehend, reizend, von unvergleichlicher Schönheit. Er ist von gottgleicher Schönheit und Herrlichkeit, von bemerkenswertem Anblick. Er ist tugendhaft, besitzt reife Tugend. Er ist klug und verständig, er ist der erste oder zweite, der die Opfer-Schöpfkelle hält. Das sind die fünf Faktoren, die ein Brahmane besitzen muss, damit die Brahmanen ihn als einen Brahmanen beschreiben und damit er, wenn er sagt: ‚Ich bin ein Brahmane‘, richtig spricht, ohne in Unwahrheit zu verfallen.“

„Aber Brahmane, ist es möglich, einen dieser fünf Faktoren zurückzustellen und jemanden immer noch zu Recht als einen Brahmanen zu beschreiben?“ „Das ist möglich, werter Gotama. Wir könnten das Aussehen von den fünf Faktoren ausnehmen. Denn was bedeutet schon das Aussehen? Ein Brahmane muss die verbleibenden vier Faktoren besitzen, damit die Brahmanen ihn zu Recht als einen Brahmanen beschreiben.“

„Aber Brahmane, ist es möglich, einen dieser vier Faktoren zurückzustellen und jemanden immer noch zu Recht als einen Brahmanen zu beschreiben?“ „Das ist möglich, werter Gotama. Wir könnten die Hymnen von den vier Faktoren ausnehmen. Denn was bedeuten schon die Hymnen? Ein Brahmane muss die verbleibenden drei Faktoren besitzen, damit die Brahmanen ihn zu Recht als einen Brahmanen beschreiben.“

„Aber Brahmane, ist es möglich, einen dieser drei Faktoren zurückzustellen und jemanden immer noch zu Recht als einen Brahmanen zu beschreiben?“ „Das ist möglich, werter Gotama. Wir könnten die Geburt von den drei Faktoren ausnehmen. Denn was bedeutet schon die Geburt? Wenn ein Brahmane tugendhaft ist, reife Tugend besitzt, und wenn er klug und verständig ist, der erste oder zweite, der die Opfer-Schöpfkelle hält: Diese beiden Faktoren muss ein Brahmane besitzen, damit die Brahmanen ihn zu Recht als einen Brahmanen beschreiben.“

Als er geendet hatte, sagten diese Brahmanen zu ihm: „Bitte sag das nicht, werter Soṇadaṇḍa, bitte sag das nicht! Du verurteilst Aussehen, Hymnen und Geburt! Du läufst gänzlich zur Doktrin des Asketen Gotama über!“

Da sagte der Buddha zu ihnen: „Nun, Brahmanen, wenn ihr denkt, Soṇadaṇḍa sei nicht gelehrt, drücke sich nicht gut aus, sei geistlos und nicht in der Lage, mit mir über diese Sache zu debattieren, dann lasst ihn beiseite, und ihr könnt mit mir debattieren. Aber wenn ihr denkt, er sei gelehrt, drücke sich gut aus, sei klug und in der Lage, mit mir über diese Sache zu debattieren, dann solltet ihr beiseitetreten und ihn mit mir debattieren lassen.“

Darauf sagte Soṇadaṇḍa zum Buddha: „Lass es gut sein, werter Gotama, schweige. Ich will ihnen selbst auf rechtmäßige Weise antworten.“ Dann sagte er zu diesen Brahmanen: „Sagt das nicht, werte Herren, sagt das nicht: ‚Du verurteilst Aussehen, Hymnen und Geburt! Du läufst gänzlich zur Doktrin des Asketen Gotama über!‘ Ich verurteile nicht Aussehen, Hymnen oder Geburt.“

Da saß zu dieser Zeit Soṇadaṇḍas Neffe, der junge Vedenstudent Aṅgaka, in dieser Versammlung.

Da sagte Soṇadaṇḍa zu diesen Brahmanen:

„Werte Herren, seht ihr meinen Neffen, den jungen Vedenstudenten Aṅgaka?“ „Ja, werter Herr.“ „Aṅgaka ist ansprechend, gut aussehend, reizend, von unvergleichlicher Schönheit.

Er ist von gottgleicher Schönheit und Herrlichkeit, von bemerkenswertem Anblick.

Es gibt niemanden in dieser Versammlung, der so gut aussieht, außer dem Asketen Gotama.

Aṅgaka sagt die Hymnen auf und hat sie im Gedächtnis und hat die drei Veden gemeistert zusammen mit ihrem Wortschatz und der Durchführung des Rituals, der Lautlehre und der Einteilung der Wortarten sowie dem Testament als fünftem.

Er kennt sie Wort für Wort, kennt die Grammatik und ist mit der Kosmologie und den Kennzeichen eines großen Mannes vertraut.

Und ich lehre ihn die Hymnen.

Aṅgaka ist von guter Geburt auf mütterlicher und väterlicher Seite, von reiner Abkunft, mit unwiderlegbarem und einwandfreiem Stammbaum bis zur siebten väterlichen Generation zurück.

Und ich kenne seine Mutter und seinen Vater.

Aber wenn Aṅgaka lebende Geschöpfe töten, stehlen, Ehebruch begehen, lügen oder Branntwein trinken würde, was würden ihm dann sein Aussehen, seine Hymnen oder seine Geburt nützen?

Wenn ein Brahmane tugendhaft ist, reife Tugend besitzt, und wenn er klug und verständig ist, der erste oder zweite, der die Opfer-Schöpfkelle hält:

Diese beiden Faktoren muss ein Brahmane besitzen, damit die Brahmanen ihn zu Recht als einen Brahmanen beschreiben.“

6. Das Gespräch über Tugend und Weisheit „Aber Brahmane, ist es möglich, einen dieser beiden Faktoren zurückzustellen und jemanden immer noch zu Recht als einen Brahmanen zu beschreiben?“ „Nein, werter Gotama. Denn Weisheit wird durch Tugend geläutert und Tugend durch Weisheit. Tugend und Weisheit gehen immer Hand in Hand. Ein tugendhafter Mensch ist weise und ein weiser Mensch ist tugendhaft. Und Tugend und Weisheit gelten als die besten Dinge in der Welt. Wie wenn man eine Hand mit der anderen wäscht oder einen Fuß mit dem anderen: Ebenso wird Weisheit durch Tugend geläutert und Tugend durch Weisheit. Tugend und Weisheit gehen immer Hand in Hand. Ein tugendhafter Mensch ist weise und ein weiser Mensch ist tugendhaft. Und Tugend und Weisheit gelten als die besten Dinge in der Welt.“

„Das ist wirklich wahr, Brahmane, das ist wirklich wahr! Denn Weisheit wird durch Tugend geläutert und Tugend durch Weisheit. Tugend und Weisheit gehen immer Hand in Hand. Ein tugendhafter Mensch ist weise und ein weiser Mensch ist tugendhaft. Und Tugend und Weisheit gelten als die besten Dinge in der Welt. Wie wenn man eine Hand mit der anderen wäscht oder einen Fuß mit dem anderen: Ebenso wird Weisheit durch Tugend geläutert und Tugend durch Weisheit. Tugend und Weisheit gehen immer Hand in Hand. Ein tugendhafter Mensch ist weise und ein weiser Mensch ist tugendhaft. Und Tugend und Weisheit gelten als die besten Dinge in der Welt. Aber, Brahmane, was ist diese Tugend? Und was ist diese Weisheit?“ „Das ist alles, was ich über diese Sache weiß, werter Gotama. Dass der werte Gotama selbst doch bitte die Bedeutung dieser Sache klarstelle.“

„Nun, Brahmane, hör zu und gebrauche den Geist gut, ich werde sprechen.“ „Ja, werter Herr“, antwortete Soṇadaṇḍa. Der Buddha sagte: „Da erscheint ein Klargewordener in der Welt, vollendet, ein vollkommen erwachter Buddha … So hat ein Mönch die Tugend vervollkommnet. Das, Brahmane, ist diese Tugend. … Er tritt in die erste Vertiefung ein und verweilt darin … in die zweite Vertiefung … in die dritte Vertiefung … in die vierte Vertiefung … Er streckt seinen Geist aus und richtet ihn auf das Erkennen und Sehen … Das ist Teil seiner Weisheit. … Er versteht: ‚… es gibt nichts weiter für diesen Ort.‘ Das ist Teil seiner Weisheit. Das, Brahmane, ist diese Weisheit.“

7. Soṇadaṇḍa erklärt sich zu einem Laienschüler Als der Buddha geendet hatte, sagte Soṇadaṇḍa zu ihm: „Vortrefflich, werter Gotama! Vortrefflich! Als würde er das Umgestürzte aufrichten oder das Verborgene enthüllen oder den Verirrten den Weg weisen oder im Dunkeln ein Licht anzünden, sodass Menschen mit klaren Augen sehen könnten, was da ist, so hat der werte Gotama die Lehre auf vielerlei Weise klargemacht. Ich nehme Zuflucht zum werten Gotama, zur Lehre und zum Saṅgha der Mönche und Nonnen. Von diesem Tag an soll der werte Gotama mich als Laienschüler in Erinnerung behalten, der für sein ganzes Leben Zuflucht genommen hat. Würdest du zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen bitte die morgige Mahlzeit von mir annehmen?“ Der Buddha schwieg zum Zeichen der Zustimmung. Da erhob sich, als er die Zustimmung des Buddha erkannt hatte, Soṇadaṇḍa von seinem Sitz, verbeugte sich, umrundete den Buddha respektvoll, die rechte Seite ihm zugewandt, und ging. Als dann die Nacht vorüber war, ließ Soṇadaṇḍa in seiner eigenen Wohnung vorzügliche frische und gekochte Speisen zubereiten. Dann ließ er den Buddha über die Zeit benachrichtigen: „Es ist Zeit, werter Gotama, das Essen ist fertig.“

Da kleidete der Buddha sich am Morgen an, nahm Schale und Robe, ging zusammen mit dem Saṅgha der Mönche und Nonnen zu Soṇadaṇḍas Haus und setzte sich auf den ausgebreiteten Sitz. Und Soṇadaṇḍa bewirtete und bediente den Saṅgha der Mönche und Nonnen mit dem Buddha an der Spitze eigenhändig mit vorzüglichen frischen und gekochten Speisen.

Als der Buddha gegessen und Hand und Schale gewaschen hatte, nahm Soṇadaṇḍa einen niedrigen Sitz und setzte sich zur Seite hin. Dann sagte er zum Buddha: „Werter Gotama, wenn ich zu einer Versammlung gegangen bin und ich erhebe mich dort von meinem Sitz und verbeuge mich vor dem Buddha, könnte diese Versammlung deshalb auf mich herabschauen. Und wenn die Versammlung auf einen herabschaut, nimmt der Ruhm ab. Wenn der Ruhm abnimmt, nimmt auch der Reichtum ab. Mein Reichtum beruht schließlich auf meinem Ruhm. Wenn ich zu einer Versammlung gegangen bin und meine zusammengelegten Hände erhebe, bitte nimm das, als hätte ich mich von meinem Sitz erhoben. Und wenn ich meinen Turban lüfte, bitte nimm das, als hätte ich mich verbeugt. Und, werter Gotama, wenn ich in einer Kutsche bin und ich steige von meiner Kutsche ab und verbeuge mich vor dem werten Gotama, könnte diese Versammlung deshalb auf mich herabschauen. Wenn ich in einer Kutsche bin und meine Peitsche hochhalte, bitte nimm das, als wäre ich von meiner Kutsche abgestiegen. Und wenn ich meinen Sonnenschirm herablasse, bitte nimm das, als hätte ich mich verbeugt.“

Dann leitete der Buddha Soṇadaṇḍa mit einem Dhammavortrag an, ermunterte, begeisterte und erhob ihn. Darauf erhob er sich von seinem Sitz und ging.