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Iran: Drehscheibe zwischen Ost und West

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Gerhard Schweizer

IRAN Drehscheibe zwischen Ost und West

Klett-Cotta denen sich bestenfalls einige neue Villen, Reitstalle und technische Die Botschaft der Baha'i Luxusgerate aus Europa bezahlen lieBen. DaB Persien nicht auch noch von Kolonialtruppen besetzt wurde, Wir wissen exakt den Tag, an dem die Bewegung Babi - und damit verdankten die unfahigen Herscher nur einem Gli.icksfall: RuBland der Baha'i - ihren ersten Schritt an die Offentlichkeit getan hat. Es und GroBbritannien stritten um die Vorherrschaft in diesem Gebiet war der 23. Mai 1844. Damals fing Ali Mohammed in einem Mo- und einigten sich nach zahem Ringen auf den KompromiB, nur indi- scheehof von Schiras zu predigen an. rekt das Land zu regieren, es in »lnteressenspharen« aufzuteilen. Den Zeitpunkt fur sein erstes Auftreten hatte er gut gewahlt. Persien erreichte einen neuen Tiefpunkt seiner Geschichte. Denn diesem 23. Mai 1844 hatten die Schiiten Persiens ohnehin mit Persien blieb das ganze 19. Jahrhundert hindurch ein schwaches, groBten Erwartungen entgegengesehen: Ihrer Uberlieferung nach zerrissenes Land. Mehr noch: eine zutiefst unschopferische, in Tradi- war es dann genau tausend J ahre her, daB der zwolfte Imam ins Ver- tionen erstarrte Nation. Von diesem Niedergang nahmen sich auch borgene »entriickt« sei, und nun machte man sich Gedanken, ob an die Geistlichen nicht aus. Modschtaheds wie Mullahs, ranghohe Ko- diesem bedeutsamen Jubilaum der Imam Mahdi, der »Rechtgelei- rangelehrte wie das FuBvolk der zahlreichen Dorfprediger hatten viel tete«, wiederkehren wurde. Die Zeiten erschienen den Fragenden von dem revolutionaren Schwung verloren, den sie noch gegen die danach. Je mehr die »unglaubigen« Europaer siegreich im Orient Schahs der Safawiden bewiesen hatten. Jetzt wa~n ihre Fuhrer den vordrangen, um so deutlicher fuhlten Moslems die gestorte Weltord- Hoflingen in Teheran zu ahnlich geworden, sie besaBen groBe Lande- nung reif fur den verheiBenen »Erloser«, der aus dem Verborgenen reien, liebten den Luxus und forderten von ihren Bauem ebenso treten und die Glaubigen aus tiefster Emiedrigung zum weltweiten hohe Abgaben wie die kaiserlichen Beamten. Manche Modschta- Sieg fuhren werde. Falls der Imam nicht selber erscheine, so werde heds hielten sich gar eine Privatarmee, um notfalls gegen aufstandi- er doch wenigstens ein Zeichen setzen ... sche Bauem vorzugehen. Religiose Fuhrer dieses Schlags zeigten An diesem 23. Mai 1844 waren in Persien die Moscheen brechend kein Interesse, daB sich an den herrschenden Verhaltnissen grund- voll mit Menschen, eine Nation wartete in religioser Hysterie: Dach satzlich etwas andere. der »Erloser« kam nicht. Aber in der Hauptmoschee von Schiras Einmal allerdings sah es so aus, als konnten weder der Schah noch machte der funfundzwanzigjahrige Ali Mohammed auf sich aufmerk- die ranghohen Geistlichen den Ruf nach Reformen unterdriicken. sam. Er galt in den Augen seiner Mitburger als auBerst fromm und Dies geschah Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals forderte ein from- gelehrt, denn jahrelang hatte er in den Pilgerstadten Nedschef und mer Schiit in mitreiBenden Reden eine bessere Gesellschaft und Kerbela schiitische Glaubenslehre studiert, und auBerdem wies ihn konnte mehr als jeder andere Neuerer die Volksmassen hinter sich sein Titel »Seyyid«als Nachkomme der weitverzweigten Propheten- scharen, ja eine Rebellenarmee gegen die Truppen des Schahs und familie aus. Nicht wenige Mullahs seiner Heimatstadt Schiras beob- der Modschtaheds aufbieten. Dieser Mannn vermochte - fur ein achteten ihn allerdings argwohnisch, denn er hatte sich einer schiiti- paar J ahre wenigstens - die erstarrten Fron ten aufzubrechen und zu- schen Sekte angeschlossen, deren Lehre nicht in allen Punkten von mindest Signale fur eine Emeuerung zu setzen. Er hieB Ali Moham- den Modschtaheds gebilligt wurde. Diese Sekte lehrte, stets gebe es med. Besser bekannt ist er unter seinem Beinamen »Bab« (arabisch: einen Menschen, der mit dem Verborgenen Imam in geheimer Ver- das Tor). Er begriindete die Bewegung der Babi. Aus ihr sollte nach bindung stehe und seinen Willen kenne. Nun, am 23. Mai 1844, dem

• seinem Tod eine neue Religion hervorgehen - Persiens letzte Reli- fur die Schiiten so bedeutsamen Tag, verktindete der junge Ali Mo- gionsschopfung: die der Baha'i. hammed: Er sei der Auserwahlte fur die gegenwartige Epoche - der »Bab«, das Tor, durch das der Glaubige direkten Zugang zum Wtllen des Erwarteten Mahdi erhalte. J ahrhundertelang hatten Mullahs und Modschtaheds die Botschaft Gottes nur unvollstandig, miBver-

252 253 standlich, verfalscht wiedergegeben - er aber, der »Bab«, bringte im noch den religiosen Revolutionar, der vorhandene Traditionen um- Auftrag des Verborgenen Imam die reine Wahrheit. sttirzen wollte. Ihr Hauptanklagepunkt hieB, der Bab wolle sich mit Die Nachricht iiber seine Predigt verbreitete sich innerhalb von dem Propheten Mohammed und den zwolf heiligen Imamen auf wenigen Stunden in Schiras, und Monate spater war dieser Mann eine Stufe stellen. Der Angeklagte widersprach nicht. Wahrend des bereits in halb Persien bekannt. Von weit her kamen Neugierige zur letzten Jahres hatte er tatsachlich verktindet, sein selbstverfaBtes Freitagspredigt, um mehr iiber den Willen des Verborgenen Imams, Heiliges Buch sei dem Koran ebenbiirtig. Mehr noch: Er sei nicht iiber die unverfalschte Auslegung der heiligen Schriften zu erfahren. nur »das Tor zur Wahrheit«, sondem die Wahrheit selbst. Damit Der Bab klagte die ranghohen Geistlichen an, daB sie machtgierig hatte er sich endgtiltig vom Islam entfemt, denn kein Glaubiger und kauflich wie weltliche Herrscher seien und oft nur noch gedan- durfte sich einen solchen Rang anmaBen. Das Todesurteil war rasch kenlos ihre Gebete herunterleierten. Den Regierenden warf er vor, gesprochen. Aus der Sicht eines orthodoxen Schiiten fand sich an die Untertanen wie Sklaven zu behandeln und sie durch willkiirlich diesem Urteil nichts Unrechtes, allerdings waren mit diesem Verdam- hohe Steuem in Not zu bringen. Die Ehegatten mahnte er, Gott mungsspruch zugleich auch alle sozialen Reformen verworfen, die habe die Frau mit denselben Rechten ausgestattet wie den Mann, sie Bab gefordert hatte. Am 9. Juli 1850 wurde Ali Mohammed in Tabris di.irfe den Schleier able gen und sich so frei bewegen wie der Gatte. erschossen. Wer an diesen Geboten zweifle, der habe Gottes Botschaft nicht in Der Bab war tot. Die Bewegung lebte. Ihr Fuhrer hatte als Marty- ihrer vollen Tragweite verstanden. rer geendet - in wtirdiger. Nachfolge von Ali und Hussein, so folger- Fiir die Zuhorer besaBen solche Worte Sprengkraft. Viele fiihlten ten die Anhanger, durch sein Beispiel bereit zu auBerstem Fanatis- sich in ihrem untergrtindigen Unbehagen gegen den Schah, die mus und Opfermut. Sie rankten auch bald wundersame Legenden GroBgrundbesitzer und die Geistlichen bestatigt; sie faBten Mut, auf um seinen Tod. Angeblich hatte die erste Gewehrsalve seinen Kar- die verheillene neue Ordnung zu hoffen. Andere aber verlieBen grol- per nicht verletzt und nur die Fesseln gesprengt - ein Zeichen Gottes lend die Moschee, um an hochster Stelle zu melden, was hier an filr den, der es zu deuten verstand -, und das Hinrichtungskom- Ketzerei gepredigt wurde. GroBgrundbesitzer wie Geistliche hatten mando habe ein zweites Mal antreten miissen. Seine Anhanger ver- allen Grund, diesen Prediger zu filrchten, stellte er doch mit zwin- ehrten ihn nun beinahe wie einen Gott, sie stellten ihn in der Reihe gender Logik ihre Vorrechte in Frage. Beunruhigt wandten sich die der heiligen Martyrer bald iiber Ali und Hussein. In allen Provinzen Modschtaheds um Hilfe an den Schah, den sie bisher angeklagt bat- Persiens schlirten sie erfolgreich Aufstande, und zwei volle J ahre ten wegen seiner lauen Haltung gegeniiber der Religion. Kein Wun- dauerte es, bis Schah Nasir ad Din die Rebellenheere des Bab nieder- der, daB der Schah zuerst einmal miBtrauisch blieb und abwartete. werfen konnte. Er tat dies mit auBerster Konsequenz und Grausam- Erst als sich in mehreren Provinzen Bauem zu bewaffneten Trupps keit. Gefangene lieB er grundsatzlich keine machen, Hunderttau- zusammenschlossen und Gerechtigkeit im Namen des Bab forder- sende starben auf seinen Befehl unter den Gewehrsalven von ten, wurde man am Hof von Teheran hellhorig. Schah Nasir ad Din Hinrichtungskommandos oder unter der Falter. schickte Truppen und lieB unter den Aufstandischen ein Blutbad Vor diesem Terror flohen viele Uberlebende ins Ausland, vor anrichten. allem in den benachbarten Irak, wo der Todfeind des Schahs, der Der Bab konnte fliehen, wurde gefangen, nach Aserbeidschan ge- Statthalter des sunnitischen Osmanensultans, regierte. In Bagdad bracht und vor ein Gericht gestellt. Fiir die Richter war das Urteil konnte sich die Schar der zerstreuten Anhanger wieder sammeln. Ihr von vornherein klar, sie hatten Anweisungen von hochster Stelle. Oberhaupt wurde Mirza Hussein Ali, der Sohn eines Ministers. Die- Der Schab und seine Minister sahen in dem Bab den sozialen Auf- ser Mann nahm den Namen Baha'ullah (» Herrlichkeit Gottes«) an. rtihrer, der die Sklaven gegen ihre Herren, die Armen gegen die Rei- Er wurde zum zweiten groBen Fiihrer der Bewegung, formte aber chen hetzte. Die Mullahs und Modschtaheds erkannten in ihm auch die Lehre entscheidend um. Was er schuf, ist jene Botschaft, wie sie

254 255 uns heute noch erhalten ist: die nach seinem Namen benannte Reli- Die Aussagen iiber Himmel und Holle, Engel, Geister, Teufel und gion der Baha'i. Auferstehung nach dem Tod - so wie man sie in dem Awesta, in der Baha'ullah fiihrte anfangs ein bewegtes, heimatloses Leben. Ein Bibel und im Koran finde - seien als Symbole fiir die Sehnsiichte des Jahrzehnt lang war es ihm nicht vergonnt, sich an einem Ort von Menschen zu werten, man diirfe sie nicht wortlich als Tatsachen ver- Dauer niederzulassen, denn beargwohnt wurden er und seine An- stehen. Auch brauche man nicht alle Vorschriften von Religionsstif- hanger auch von den sunnitischen Moslems. Die osmanische Regie- tem buchstabengetreu zu befolgen, denn solche Gebote seien oft ge- rung befahl ihm, Bagdad zu verlassen und nach Edime in Thrakien nug zeitgebunden und in einer spateren Epoche nicht mehr sinnvoll, umzusiedeln. 1868 erreichte ihn ein neuer Befehl, nun hatte er in man miisse sie <lurch neue Regeln ersetzen. Daher seien Glaubens- Haifa (heute Israel) zu wohnen. Dort, am Hang des Berges Karmel, krieg, Askese, Vielweiberei und Entrechtung der Frau zugunsten des konnten die Vertriebenen endlich Ruhe finden und sich einen Tem- Mannes zu verwerfen; nur <las Gebet, die Meditation und die gute pel bauen. Dort verfaBte Baha'ullah einen GroBteil seiner Schriften, Tat fiihrten zur religiosen Vollkommenheit. die weit iiber das hinausgingen, was sein.Vorganger, der Bab, gepre- Endgiiltig hatte sich die Lehre der Baha'i von ihrem islamischen digt hatte; Schriften, die fiir jeden orthodoxen Moslem eine unge- Ursprung gelOst, sie war zur eigenstandigen Religion geworden. heure Provokation darstellen muBten. Schiitisches Denken lebte zwar in ihr weiter, aber fiir AuBenstehende Werfen wir einen Blick auf die Textstelle einer Schrift, wie sie die blieb dies kaum mehr erkennbar, fiir Schiiten selber war es unertrag- Baha'i heute vertreiben, so begreifen wir die Herausforderung. Es lich. Baha'ullah fiihlte sich so unfehlbar wie einst die Imame, begriff heiBt dort: »Die Baha'i glauben an einen Gott, obgleich die Men- sich dabei aber als Verkiinder einer neuen Universalreligion, in der schen ihn mit verschiedenen Namen bezeichnen. In gewissen Zeit- die Glaubigen aller Bekenntnisse ihre Heimat finden sollten. abstanden hat Gott Sein Wort <lurch verschiedene Boten geoffen- Anders als die meisten Korangelehrten seiner Zeit war Baha'ullah bart, die die Baha'i Offenbarer Gottes nennen. Abraham, Moses, bestens mit den geistigen Stromungen in der Philosophie und den Krischna, Buddha, Zarathustra, Christus, Mohammed waren solche Wissenschaften Europas vertraut, auch suchte er eifrig den Kontakt Gottesoffenbarer. Ihre Lehren sind gottliche Lehren, und in jedem zur westlichen Welt. Hatte sich der Bab noch in erster Linie an seine Zeitalter verkiinden sie Gottes Willen und Absicht neu ... Da es nur schiitischen Landsleute gewandt, so richtete sein Nachfolger die Bot- einen Gott gibt, haben alle Gottesoffenbarer die gleiche Wahrheit schaft an alle Menschen. Folgerichtig sandte er Missionare in euro- verkiindet. Sie haben diese Wahrheit weiterentwickelt und den je- paische Lander und nach Amerika. Von seinem Stammsitz bei Haifa weiligen Bediirfnissen der verschiedenen Kulturkreise, der gesamten schickte er Botschaften an die britische Konigin Victoria, an Kaiser geschichtlichen Entwicklung der Menschheit angepaBt. Diese stufen- Wilhelm I. von Deutschland und Zar Alexander II. von RuBland; in weise Entfaltung der Religion von einem Zeitalter zum andem wird diesen offentlichen Briefen rief er zu einer Politik der Volkerverstan- fortschreitende Gottesoffenbarung genannt. Baha'ullah, der Begriin- digung und Toleranz gegeniiber Andersdenkenden auf. Diese Auf- der der Baha'i-Religion, ist der Offenbarer Gottes fiir unsere Zeit.« rufe fanden bei den Regierungen wenig Beachtung, um so mehr aber Soweit das Zitat. Baha'ullah lieB zwar keinen Zweifel daran, daB bei liberal denkenden Biirgem. 1893, ein Jahr nach dem Tod des ihm der Koran unter den bisherigen -Oberlieferungen am meisten am Baha'ullah, gab es bereits die ersten Baha'i-Gemeinden in GroBbri- Herzen lag, aber: Er sei gesandt, um <las Heilige Buch des Islam tannien und den USA. Nicht wenige Christen, von der zeitweiligen <lurch eine zeitgemaBere Gotteserkenntnis zu ersetzen, er befreie die Unduldsamkeit und Enge ihrer Kirchen enttauscht, fiihlten sich an- Offenbarungen aller bisherigen Religionen vom Ballast iiberlebter gezogen vom Geist dieser Universalreligion. Heute zahlt die Baha'i- Ideen und mache den gemeinsamen Kem aller religiosen Botschaf- Bewegung Millionen Anhanger in aller Welt, besonders in Europa ten sichtbar. Baha'ullah verkiindete, dieser Kem stehe nicht im und den USA; allein in der Bundesrepublik leben iiber zehntausend Widerspruch zur modemen wissenschaftlichen Forschung Europas. Anhanger.

256 257 Auch im Iran selber existiert die neue Religon weiter, dort lebten Herrschaft Mohammed Reza Pahlevis bedeutete damit fur die Baha'i bis zum Beginn der »lslamischen Revolution« 1979 an die 300000 eine Atempause - mehr allerdings nicht. Baha'i, an Zahl fast zehnmal so stark wie die Zarathustrier, sie stell- Als Khomeini 1979 die »lslamische Republik« ausrief und allen ten damit die bei weitem starkste religiose Minderheit des Landes. Burgern die Glaubensfreiheit verhieB, konnten sich die Baha'i nicht Aber diese Baha'i hatten es schwer. Besonders wahrend des 19. Jahr- von diesem Versprechen betroffen fuhlen. In der neuen Verfassung hunderts wurden sie von der Schahpolizei als revolutionare Unruhe- gilt Toleranz nur fur Zarathustrier, Juden und Christen, ganz so, wie stifter verfolgt, und bis heute werden sie von den Mullahs als Ketzer, es seit je in islamischen Landern gegenuber Anhangern monotheisti- ja als Unglaubige verdammt. Fur die Moslems sind die Baha'i eine scher Religionen ublich gewesen ist. Die Baha'i aber - als »abtrtin- Provokation geblieben. Denn Schiiten wie Sunniten sehen den Isalm nige« Moslems, als »Verrater am wahren Glauben« eingestuft - muB- als kronenden AbschluB, als Vollendung der judischen und christ- ten gerade unter der Regierung fundamentalistischer Mullahs und lichen Offenbarung an; ihrer Meinung nach gilt Mohammed in der Ajatollahs wieder mit besonders barter Verfolgung rechnen. 1982 er- langen Reihe von Gottgesandten unwiderruflich als der letzte Pro- lieBen die neuen Machthaber ein Gesetz, das den Baha'i im Iran ein phet, und jeder religiose Fuhrer, der sich in spateren Jahrhunderten weiteres Leben fast unmoglich machte. Baha'i dtirfen seitdem kein eine neue Prophetenrolle uber Mohammed hinaus anmaBt, kann Eigentum mehr besitzen, kein Bankkonto einrichten, keinen Beruf nach orthodox-islamischem Verstandnis nur als Gotteslasterer einge- austiben, keine Schule und Universitat besuchen, auBerdem ist ihnen stuft werden. jegliche medizinische Betreuung verwehrt. Sie erhalten auch keinen Mullahs riefen zur Vemichtung der Ketzer auf, das Volk folgte Ausweis mehr, ohne Ausweispapiere dtirfen sie aber keine Lebensmit- ihnen nur gar zu haufig. Fanatisierte Schiiten sturmten die Hauser tel kaufen, und damit sind sie dem Hungertod preisgegeben. Uberle- der Baha'i, verwtisteten ihre Friedhofe, schlugen ihre Anhanger tot, ben konnen sie unter solchen Umstanden wie bei frtiheren Verfolgun- ohne daB die Polizei einschritt und die Rasenden zurticktrieb. Aus gen nur im Verborgenen, auf Nachbarschaftshilfe, von Freunden, zeitgenossischen Berichten wissen wir, wie grausam die Fanatiker zu- meist Christen, angewiesen. Viele von ihnen flohen auf gefahrvollen weilen mit ihren Opfem umgingen: Sie trieben ihnen Eisenstangen Wegen ins Ausland. Hunderte B aha'i wurden wahrend der zehnjahri- <lurch den Bauch und nagelten sie angesichts einer johlenden Volks- gen Herrschaft Khomeinis <lurch aufgeputschte Volksmengen getOtet, menge am Boden fest. Zehntausende Baha'i verloren wahrend des Hunderte unter fadenscheinigen Vorwanden hingerichtet, mehr als 19. Jahrhunderts in Persien gewaltsam ihr Leben, aber auszurotten 10000 <lurch Enteignung obdachlos, samtliche Kultstatten zerstOrt. waren sie nicht. Vielen gelang es, ihren Glauben zu verbergen, an- Wenn auch nach Khomeinis Tod die Verfolgungen nachlieBen, blieb dere blieben ihren Nachbam zwar bekannt, wurden aber von ihnen das morderische Gesetz offiziell in Kraft, und somit ist den Baha'i in als Menschen geachtet und daher vor radikalen Moslems geschtitzt. ihrem Ursprungsland eine dtistere Zukunft beschieden. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts schien fur die Baha'i endgultig Auch in anderen islamischen Landern, wo orthodoxe Geistliche das Schlimmste vorbei. Toleranzideen der europaischen Aufklarung einen starken EinfluB auf die Politik austiben, leben die Baha'i unter gelangten nach Persien, und mit ihnen wurde auch die Regierung massivem Druck. Zwar wird nirgends wie im Iran die Todesstrafe ver- duldsamer gegentiber den einstigen Rebellen. Von Persiens letztem hangt, werden nirgends »Ketzer« <lurch RegierungserlaB enteignet, Schab Mohammed Reza Pahlevi heiBt es gar, daB er die Baha'i ge- dagegen haben die Betroffenen haufig genug unter Verwaltungsschi- schatzt habe, weil sie fortschrittlicher dachten als viele Moslems. kanen zu leiden, drohen ihnen bei geringfiigigen Anlassen Gefang- Doch auch dieser Schab wagte es nicht, das Gesetz aufzuheben, nisstrafen. Unbehelligt, wenn auch nur herablassend geduldet, leben <lurch das es den Baha'i verboten war, in den Staatsdienst einzutre- die Baha'i lediglich in Moslemstaaten mit relativ »verwestlichter« ten. Immerhin lieB er 1955 Truppen aufmarschieren, um die religio- Gesetzgebung, so in der Ttirkei, Syrien, dem Libanon, Jordanien, sen Zentren der Baha'i vor fanatisierten Schiiten zu schtitzen. Die Tunesien und Indonesien.

258 259 NaturgemaB konzentriert sich die Mehrheit der Baha'i in west- Auslander, die man sich vorstellen konnte«. Nattirlich war ein lichen Industriestaatt:n. wo ihnen eine pluralistische Verfassung freie solcher Schah fiir die Briten ein wertvoller Verbtindeter, im Volk Entfaltung zubilligt. Und dort wird sich ihre Glaubensgemeinschaft aber wuchs der HaB gegen den »Lakaien« im Dienst der »Unglaubi- mit einigen Millioncn Anhangem auch halten konnen - als eine un- gen«. ter vielen anderen Rdigionen. Dies mag bescheiden sein angesichts Aufstande brachen aus, die von den Regierungstruppen nur mtih- des ungeheuren Anspruchs, den ihre Propheten im Namen einer sam niedergeschlagen werden konnten. Ihren Hohepunkt erreichten »Universalreligion« dnst angemeldet haben. Aber im geistigen Niveau die Unruhen, als der Schah 1890 einer britischen Firma auch noch reicht diese Gruppicrung tiber andere religiose Sekten allemal hin- das Monopol des persischen Tabakhandels tiberlieB. Nun fiihlten aus. In der Bewegung der Baha'i ist noch einmal etwas von der sich alle Volksschichten bedroht, denn Rauchen war ein Vergnligen, schopferischen Originalitat des klassischen Persiens zu spliren. das sich selbst die Armsten leisten konnten - solange einheimische Handler den Preis bestimmten. Was aber, wenn die Briten den Preis willktirlich hinaufsetzten? Fortschrittlich denkende Perser aus der » Lakaien im Dienst der Ungliiubigen« gehobenen Blirgerschicht begannen, gegen den »Ausverkauf an Aus- lander« zu protestieren, ihnen zur Seite traten ranghohe Geistliche, Schah Nasir ad Din. der 1850 den Bab hinrichten lieB und die Baha'i die das einfache Volk hinter sich wuBten. Die ranghochsten Geist- aufs scharfste verfolgte. starb selber gewaltsam. Aber bis es soweit lichen trugen zu dieser Zeit bereits den Titel Ajatollah (»Zeichen war muBten mehr nls vier Jahrzehnte vergehen. Seine Regierungs- Allahs«) und betrachteten sich als die maBgeblichen Sprecher der zeit' - und sein Tod - sind symbolisch fiir Persiens Krise. Modschtaheds. Eingeschtichtert muBte der Schah den Vertrag ktindi- Nasir ad Din regi~rte zwar lange (von 1847-1896), tat aber wenig, gen und der Tabakgesellschaft eine hohe Entschadigung bezahlen, um den Niede~gang des Staates aufzuhalten. Im Gegenteil. Er Geld, das er nicht besaB, er muBte Schulden aufnehmen: die erste kaufte wahllos bei Briten und Russen technische Gerate, lieB von Auslandsschuld Persiens. Das Land geriet damit in noch tiefere auslandischen Baumeistem Villen im europaischen Stil emchten Abhangigkeit einer fremden Macht. Sechs Jahre spater, 1896, starb (dies war sein Bcitrag. Persien zu »modemisieren«), abet das Geld Schah Nasir ad Din unter den Schlissen eines persischen Nationa- fiir den steigendcn Luxus holte er sich aus drastischen Steuererho- listen, der dem »Lakaientum« ein Ende bereiten wollte. hungen. Noch folgcnreicher war, daB er bereitwillig den Briten das Das Lakaientum nahm aber kein Ende. Muzaffar ad Din, der Recht uberlieB, in Tc:heran eine Nationalbank einzurichten, im gan- Sohn und Nachfolger des ermordeten Schahs, war seinem Vater sehr zen Land Bergwcrkt! und Fabriken zu bauen, und dies alles gegen ahnlich. Er brauchte viel Geld fiir seinen Hofstaat, und um zu die- relativ geringe Gcwinnbeteiligung der Perser. Abgesehen von Beste- sem Geld zu kommen, tiberlieB er den Briten 1901 <las Monopol, chungssummen. die dem Schah und seinen Ministem sehr hoch er- nach Erdol zu bohren. Wieder erhielten Auslander einen Vorteil, <les- scheinen muBten. flol3 ein GroBteil des erwirtschafteten Geldes in sen Folgen der Schah nicht einmal annahemd abschatzen konnte. die Kassen britischcr Unternehmer. Die persischen Arbeiter erhiel- Den Briten gewahrte er auBerdem Militarsti.itzpunkte im Stiden des ten von den auslHndischen Dienstherren nahezu denselben Hunger- Landes, den Russen im Norden. Persien drohte mehr und mehr ein lohn wie die TagcWhner bei einem einheimischen Feudalherrn. Der Kolonialstaat zu werden. Gewinn war filr die Briten so hoch, daB einer ihrer bedeutendsten Ein neuer Aufstand erschtitterte 1905 das Land. Wieder fanden Kolonialbeamten, Lord Curzon, Vizekonig von Indien und spaterer •_á-_.. sich nationalistische Stadter und ranghohe Geistliche zu einem AuBenminister der Konservativen, mit Genugtuung feststellte: Es lJf Btindnis, wieder rotteten sich Volksmengen in den groBen Stadten handle sich in Persicn um »die vollstandigste und auBerordentlichste zusammen, schossen Regierungstruppen auf die unbewaffneten Oberlassung der gl•snmten Wirtschaftsquellen eines Konigreichs an Demonstranten. Aber diesmal war es vergeblich, die Unruhen lieBen

260 261 sich nicht eindammen ohne den Preis eines groBen Gemetzels. In . 1111er. . der Uber semen K op f h.mweg reg1erte, á un d zog esá slá áhlHál\lwll á allen Moscheen des Landes begannen Mullahs, gegen die Unrechts- vor. sich auf eine »Badereise« quer <lurch Europa zu begclwn. v• 111 herrschaft zu predigen. dcr er nicht mehr zurtickkehrte. 1925 erklarte sich Reza Kh:11 1 1á11111 Daraufbin lud der Schah angesehene Btirger, Modschtaheds und neucn Schab. Kaum im Amt, verktindete er, nachzuholen. w:1., .,Lárne Ajatollahs zu Verhandlungen ein. Ihn muBte erschrecken, daB vor áá Vorg~inger versaumt h atten: p ers1en á von aus 1an .. d'lSC hen ('csd11lltl'á ' á allem die Geistlichen an SelbstbewuBtsein gewonnen hatten und ihm ... b d d L d d machern zu sau ern un as an zu mo erms1eren, á á p ctá á ásilá11 '111llt1: drohten, den Volksaufstand noch weiter anzuheizen. Und so billigte seine Selbstachtung wiederfinden. er schlieBlich im Frtihjahr 1906 eine neue Verfassung: Zuktinftig sollte es ein Parlament mit einem gewahlten Ministerprasidenten ge- ben, der Schah sollte nur noch konstitutioneller Monarch sein. Dies Aufstieg und Krise der Dynastie Pahlevi war eindeutig eine Reform nach europaischem Vorbild, von westlich gebildeten Stadtern vorgeschlagen. Aber auch die Geistlichen ver- Reza Khan sab sich am Beginn einer Dynastie, die das Laud uuch mochten eine wesentliche Forderung durchzusetzen: Der Schah zwci Jahrhunderten nationaler Demtitigung zu neuer Gr<llk fllhn:ii muBte sich in aller Formals »Statthalter des verborgenen Imams« be- sollte. Dieser Dynastie gab er den Namen »Pahlevi«, was sovicl wt<: trachten; zuktinftig hatte er bei samtlichen wesentlichen Fragen mit »hcroisch« bedeutet. den Ajatollahs zu reden, die zu entscheiden hatten, ob ein Gesetz »Khan« dagegen ist ein Titel, den Reza als ranghoher Offit.il't' ."il'tá auch »islamischer Moral« entsprach. ncm Namen angefugt hatte. Ttirkische Stammeshauptlin~c huhl'll Schab Muzzafar ad Din tiberlebte die Reform nur wenige Monate. ihn oft fur sich in Anspruch genommen, die Mongolen hahL' 11 . 11111• Gar zu sehr in seinem Stolz getroffen, nun nicht mehr ein absolut Uhcrnommen. Aber der Kosakenoffizier Reza entstarnlllll' klá~t1ct regierender Monarch zu sein, starb dieser ohnehin krankelnde Herr- vornehmen Familie, sein Yater war Eseltreiber, er selber Sl.'lrnlhtrtc á scher aus Gram. Sein Nachfolger Mohammed Ali Schah war robu- Nicdriger hatte seine Herkunft nicht sein konnen, kein Iáll:rrsdil'I' 11 ; ster, wenn auch nicht fahiger. Er lieB 1908 das Parlament auflosen, Pcrsiens Geschichte kam je aus solch armlicben Verh~iltn1ss1.át1 á 1111 ~ seine Ftihrer verhaften und etliche von ihnen hinrichten, den Trup- doch hat gerade er mit energischem Griff das Land geknkt Wll' ."ll'll pen gab er Feuerbefehl, als sich in den groBen Stadten Volksmengen drci Jahrhunderten kein Schah! . k zusammen'rotteten, und schlieBlich halfen ihm auch noch russische (!) Reza kam 1878 in Sevad Kuh zurWelt, einem unscheinh:11'l'll l•k Truppen beim brutalen Vorgehen. Ein vergeblicher Kraftakt. Die ken. den kaum eme . Lan dk arte verze1c . hnet. D as D or t' IiL''',.. t '" dl' r Unruhen dehnten sich von den groBen Stadten in die Provinzen aus, P rov1. nz Masandaran nord..ost1áic h von 'r. .ie h eran an d en scál11ánfk11 I ta11- der Schah muBte ins russische Exil fliehen. Dessen Nachfolger Ach- . gen des Elbursge birges, d'le f rue ht bare K"us t ene bene d,. t.:s L'"'á1s1w1dll'll á . med Schah zeigte sich so hilflos wie sein Vorganger. Persien erlebte . Kb Mccres ist nicht we1t. Dort verbrachte der na e seme , l I • á. záátáil'lllttll, ein Jahrzehnt btirgerkriegsahnlicher Zustande, und immer deutli- aut. Schafwe1den, .. . d.le me . h t i'hm, son d em emem á G ro 13 grrt111dlw'itttl'r cber wurde, daB die Dynastie der Kadscbaren am Ende war. Wer gch<.1rten. Er wuchs ohne Jeghche Sc u I ung auf , a111,;t . . h lb'ld i.. •. '\\ll'h '\1 lllSI á aber sollte sie beerben? .tchlte es am Not1gsten, . ná er hungerte. le rma nungen l"I ár I\ l11l1;1hs. E h Der Erbe hieB Reza Khan. Er warder rangbochste Offizier der sich in diese Verhaltnisse gottergeben zu fugen, mul3tl!t1 1ht11. dl'llt Kosakenbrigade, der machtigsten Truppeneinbeit Persiens. 1921 .mtelligenten Knaben m1t . semen . . brachhegenden . ' wh.' 1,li l hII E nerg1cn. vorkommen. Frtihzeitig traumte er davon, der qualenden L)o&'h.' "~d marschierte er mit 2500 seiner getreuesten Gefolgsleute in Teheran ein und zwang Acbmed Scbah, ihn zum Kriegsminister zu ernennen, zu entkommen. Gerade v1erzehn . . er emcm Jahre alt, lief á v(uátw il~-. zwei Jahre spater forderte er ebenso herrisch das Amt des Premier- henden Kosakenregiment nach und trat dart als Fre1w1 tµt l •111 á lkt . á11á' ár .• ., ministers und bekam es. Der Schab furchtete sich vor seinem Pre- den Soldaten bekam er wenigstens taglich etwas zu essc11. lk's'' 11

262 263 1730 bis 1747: Nadir vertreibt 1729 die Afghanen und laBt sich zum Schah 1878: Die Kosakenbrigade als Truppenteil der persischen Polizei wird ge- kronen. 1739 erobert er Teile lndiens und bringt aus Delhi den bertihmten schaffen. Sie steht unter dem Kommando russischer Offiziere. Damit ver- »Pfauenthron« der Moguln nach Persien. Nach seiner Ermordung herrscht starkt sich der russische EinfluB. Reza Pahlevi wird in der Provinz Masan- Anarchie. deran geboren.

1747: Afghanistan lost sich von dem geschwachten Persien und begriindet 1889: Die persische Regierung unter Schah Nasir ad Din tritt an GroBbritan- ein unabhangiges Konigreich. Der Staat existiert bis heute. nien das Recht ab, wichtige Vorkommen an Edelmetallen auszubeuten.

1771: Der franzosische Orientalist Anquetil-Duperron tibersetzt als erster 1890 bis 1892: Iranische Nationalisten und Ajatollahs schUren einen Volks- den »Awesta« und weckt damit ftir Europa das Interesse an Zarathustras aufstand und zwingen Schah Nasir ad Din, seinen Vertrag mit den Briten Lehre. Bereits 1776 ins Deutsche ubertragen. Uber das Tabakmonopol zu annullieren. 1892: Nietzsches »Also sprach Zarathustra« erscheint. 1794 bis 1797: Nach langen Machtkampfen gelangt in Persien Mohammed Kadschar auf den Turon und begrtindet die Dynastie der Kadscharen. 1896: Schah Nasir ad Din wird von einem persischen Nationalisten erschos- sen. 1794 bis 1925: Unter der Dynastie der Kadscharen gelangt Persien zuneh- mend unter das Diktat europaischer Machte. Despotische Herrscher und 1897: Die systematische Ausgrabung von Susa beginnt unter der Leitung fortschrittsfeindliche Mullahs verhindern jede durchgreifende Reform. Per- franzosischer Archaologen. sien wird »Entwicklungsland«. 1901: Die Konzession fur Erdolbohrungen in Persien wird von Schah Muzaf- 1796: Teheran wird Hauptstadt Persiens. far ad Din an die Briten vergeben.

1825 bis 1828: Nach einem verlorenen Krieg muB Persien an RuBland den 1902: Khomeini wird in Khomein, nahe Ghom, geboren. Kaukasus mit Baku, Teile von Aserbeidschan und Georgien abtreten. 190511906: In Teheran bricht eine Revolution aus. Protestiert wird gegen die 1844: Die religiose Sekte der Babi, der spateren Baha'i, entsteht. unfahige Regierung und die rasche Zunahme des ausllindischen Einflusses. Schah Muzaffar ad Din muB der Bildung eines Parlaments und einer konsti- 1848 bis 1864: Verfolgung und Vertreibung der Babi. Hinrichtung ihres Fuh- tutionellen Monarchie zustimmen. rers Seyyid Ali Mohammed 1850 auf Veranlassung des Schahs Nasir ad Din (1847-1896). 1908: Schah Mohammed Ali lost das Parlament auf und befiehlt, seine FUh- rer hinzurichten. Den darauf folgenden Volksaufstand laBt er blutig nieder- 1863: Aus der Sekte der Babi geht die Bewegung der Baha'i hervor. Nach schlagen; russische Truppen helfen ihm. Erste Erdolfunde in Persien. der Vertreibung ihrer Fuhrer aus Persien wird Haifa in Palastina ihr Zen- trum. 1909: Die Anglo-Persian Oil Company wird gegrtindet, um die persischen Erdolfelder auszubeuten. 185611857: Persien versucht, Afghanistan zuruckzuerobem. Aber die Briten greifen militarisch ein und zwingen den Schah Nasir ad Din, die Unabhangig- 1909: Aufstandische zwingen 1909 Achmed Schah, das Parlament wieder ein- keit Afghanistans anzuerkennen. zusetzen. Er regiert seitdem in einer konstitutionellen Monarchie (bis 1925).

1868: Die Russen erobern Turkestan mit Buchara und Samarkand. Diese 1911: Das persische Parlament lOst das Justizministerium auf, das unter geist- einst glanzvollen persischen Kulturzentren bleiben bis zur Auflosung der lichem EinfluB steht. Ein bUrgerliches Gesetzbuch nach franzosischem Vor- Sowjetunion 1991 unter russischer Herrschaft. bild wird ausgearbeitet.

1872: Die bankrotte Regierung unter Schah Nasir ad Din uberlaBt GroB- 1918: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nimmt der britische EinfluB in britannien einen Teil seiner Bodenschatze gegen relativ geringe Gewinnbe- Persien noch weiter zu. Persiens Wirtschaft steht vollig unter Kontrolle der teiligung. Briten.

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