Riḍván-Botschaft 1996
Riḍván-Botschaft 1996 á Das Universale Haus der Gerechtigkeit á Bahá'í Verlag GmbH, Auflage 1.01-Online (1996)
Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Ridvan 1996
An die Bahá’í der Welt
Innig geliebte Freunde,
Mit vor Dankbarkeit zur Gesegneten Schönheit überfließenden Herzen erkennen wir die überreichen Zeichen Seiner Gnade während des Drei‐Jahres‐Planes, der mit dem diesjähri‐ gen Ridván‐Fest zu Ende geht. Der belebende Geist des Heiligen Jahres, der dem Beginn des Planes zu Ridván 1993 den Schwung gab, durchzog diese Zeit der konzentrierten Anstren‐ gungen und verlieh unserer Weltgemeinde größere Festigkeit, Spannkraft, Reife und Zuver‐ sicht als je zuvor. Gleichzeitig ist das Ansehen der Gemeinde stark gestiegen. Wenn dieser Plan auch nicht mit einer dramatischen zahlenmäßigen Ausbreitung endet, gleichwohl es in einigen Ländern eine beachtliche Zunahme an Mitgliedern gab, so ist das Ergebnis doch eine mit neuen Qualitäten bereicherte Gemeinde, eine Gemeinde, die darauf vorbereitet ist, die unmittelbar vor uns liegenden Aussichten auf den Fortschritt des Glaubens voll auszuschöp‐ fen.
Die großartige Entwicklung der Projekte am Berge Karmel fallen unter den meßbaren Leis‐ tungen dieser Zeit besonders ins Auge. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurden die in un‐ serer Botschaft zum Drei‐Jahres‐Plan vorhergesehenen Errungenschaften gänzlich erreicht. Alle Phasen des Baus sind eingeleitet. Der Rohbau des Zentrums zum Studium der Texte und der Erweiterung des Internationalen Archivgebäudes wurde errichtet, die Arbeiten an diesen Gebäuden sind bis zur Inangriffnahme des Innenausbaus und der Fassadenarbeiten fortgeschritten. Die Errichtung des ständigen Sitzes des Internationalen Lehrzentrums, dem dritten im Bau befindlichen Gebäude am Bogen, macht schnelle Fortschritte. Sieben Terras‐ sen unterhalb des Schreines des Báb sind vollendet und lassen schon den sich abzeichnenden Strahlenglanz vom Fuß bis zum Gipfel von Gottes Heiligem Berg erkennen. Eine aufmerk‐ same Öffentlichkeit ist beeindruckt von der Schönheit, die sich wie ein Teppich über den Hang des Berges ausbreitet.
Die greifbare Realität des Fortschritts, der bisher so wunderbar verwirklicht wurde, ist Be‐ weis einer noch größeren Errungenschaft, nämlich die vereinte Zielrichtung, die in der ge‐ samten globalen Gemeinde bei der Verfolgung dieser gigantischen gemeinsamen Unterneh‐ mung erreicht wurde. Das Ausmaß des hervorgerufenen Interesses und der Unterstützung hat seinen Ausdruck in einem nie dagewesenen Zustrom von Beiträgen gefunden, die einen Grad an Opferbereitschaft widerspiegeln, der wiederum von der Beschaffenheit des Glau‐ bens sowie der Großzügigkeit des Herzens der Liebenden Bahá’u’lláhs auf dem ganzen Erd‐ ball Zeugnis ablegt. Daß die Beiträge für die Projekte am Berg Karmel das Drei‐Jahres‐Ziel von 74 Millionen US‐Dollar erreicht haben, ist eine zweite meßbare und außergewöhnliche Leistung, die zuversichtlich macht, daß die notwendige finanzielle Unterstützung für diese Projekte bis zu deren Fertigstellung am Ende des Jahrhunderts andauern wird.
Die Zeichen des Fortschritts waren in den vergangenen drei Jahren in weiten und vielfälti‐ gen Bereichen offenkundig. Die bemerkenswerten Bemühungen um die Ausbreitung und Festigung der Gemeinde, die vermehrten Unternehmungen im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und ein beispielloser Vorstoß auf dem Gebiet der Öffentlich‐ keitsarbeit und Außenbeziehungen ergeben das Bild einer Gemeinde, die mit neuen Fähig‐ keiten begabt ist.
Neue Lehrmethoden
Auf dem Feld des Lehrens gab es eine allgemeine Zunahme der Aktivitäten, was sich in der Bildung zwölf neuer Nationaler Geistiger Räte im Verlauf des Planes und im Anstieg der Pionier‐ und Reiselehrertätigkeit zeigte. In vielen Ländern waren die Gläubigen entflammt von der neuen Herangehensweise, die in dem während des Planes veröffentlichten Pio‐ nieraufruf vorgeschlagen wurde. Die Zahl der Pioniere aus und in verschiedene Länder war hoch, und es gab eine wahre Flut von Reiselehrern, die sowohl im Heimatland wie auch im Ausland tätig waren. Systematische Ansätze zu gemeinsamen Lehraktivitäten und gezielt konzipierten langfristigen Lehrprojekten zeigten Früchte und ließen sich deutlicher als je zuvor in vielen Ländern erkennen. Die Energie und Kreativität, die die verschiedenen Ent‐ wicklungen in der Ausbreitung und Festigung begleiteten, ist in hohem Maße auf den vom Internationalen Lehrzentrum bewiesenen Unternehmungsgeist zurückzuführen. Seine stän‐ dige Anleitung und Ermutigung der Kontinentalen Beraterämter; seine Empfehlung neuer Methoden für die Aussendung von Pionieren, wie sie vom Universalen Haus der Gerechtig‐ keit in seinem in den ersten Monaten des Planes veröffentlichten Pionieraufruf bestätigt wurden, und seine re‐gelmäßige Unterstützung der ihrer Obhut unterstellten Kontinentalen Pionierausschüsse; seine unermüdliche Aufmerksamkeit auf den Bedarf an Erziehung und Vertiefung in der Gemeinde, die in seinem Austausch und seiner Arbeit mit Beratern zum Ausdruck kam, wenn es darum ging, in Lehrprojekte auch Vertiefungsprogramme für neu‐ erklärte Gläubige einzufügen, Kurse und Arbeitsgruppen für die Heranbildung verschiede‐ ner Fähigkeiten zu entwickeln, Lehrer für Kinder auszubilden und die Zahl der Kinderklas‐ sen zu erhöhen; seine Ermutigung von Bemühungen, Fortbildungs‐Institute in verschiede‐ nen Teilen der Welt zu errichten ‐ all das hat widerhallende Ergebnisse gezeitigt. Besondere Anerkennung muß dem Lehrzentrum auch für den Einfluß gezollt werden, den es über die Berater auf die Einführung von Basis‐Literaturprogrammen in immer mehr Ländern ausüb‐ te. Durch solche Programme wurden einige für die Verbreitung des Glaubens und die Ver‐ tiefung der Gläubigen wesentliche Titel ausgewählt, in großer Zahl gedruckt und zu ermä‐ ßigten Preisen verfügbar gemacht. Der außergewöhnliche Fortschritt in der Entwicklung dieser so wichtigen, am Weltzentrum wirkenden Institution war deutlich spürbar bei der Beraterkonferenz im vergangenen Dezember, die den Kurs für die Arbeit dieser hochrangi‐ gen Amtsträger des Glaubens in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren absteckte. Eine bedeutsame Entwicklung ist darin zu sehen, daß die einheimischen Gläubigen in verstärk‐ tem Maße die Verantwortung für die Lehr‐ und Vertiefungsarbeit in ihren Ländern über‐ nahmen. In sehr unruhigen Gebieten wie Angola, Kambodscha, Liberia und Sierra Leone errangen die Freunde wichtige Siege, entweder bei den Lehraktivitäten, die zu etlichen Er‐ klärungen führten, oder bei der Errichtung und Wiedererrichtung von Bahá’í‐ Räten sowie beim Aufbau und der Weiterführung von Entwicklungsprojekten. In Gegenden, wo Nationa‐ le Geistige Räte erst kürzlich gebildet wurden, wie in den Ländern des ehemaligen Ost‐ blocks, haben die Freunde ein bewundernswertes Vermögen bewiesen, die Angelegenheiten des Glaubens zu verwalten. Ein Glanzpunkt dieser Zeit war die plötzliche Steigerung der Tatkraft, des Muts und der Kreativität der Bahá’í‐Gemeinden auf Inseln in der ganzen Welt. Die Tätigkeitsbereiche waren weit gefächert und umfaßten das Heranziehen von ortsansäs‐ sigen Lehrern, die Ausbildung und Aussendung von mehreren Dutzend Reiselehrern zu benachbarten Inseln, die Eröffnung von Grundschulen, die vielfältigen Gelegenheiten für die Proklamation des Glaubens wie auch die Trägerschaft von Veranstaltungen, an denen hoch‐ rangige Beamte und einflußreiche Persönlichkeiten teilnahmen. Daß in den vergangenen Jahren Staats‐ und Regierungsoberhäupter von Inselstaaten das Bahá’í‐Weltzentrum besucht haben, ist ein Anzeichen für die lebhaften Aktivitäten der Gläubigen in diesen kleinen, über die sieben Meere verstreuten Ländern. Betrachtet man die genannten Beispiele für die Ein‐ stellung und Bemühungen der Freunde in unterschiedlichen Umfeldern, dann bezeugen sie alle eine verstärkte Hingabe an die Lehrarbeit, eine wachsende Reife und flexible Beständig‐ keit. Das spiegelt die Glaubenstiefe wider, die Bahá’í aus verschiedstenen Volksgruppen bewegt.
Der Beitrag der Jugend
Im Einklang mit diesen Beobachtungen stehen die hervorragenden Beiträge der Jugend zur Verbreitung und Festigung. Ihre Aktivitäten haben in der Drei‐Jahres‐Periode neue Dimen‐ sionen erreicht. Von Jugendkonferenzen und anderen, ihre Interessen berücksichtigenden Zusammenkünften angetrieben, hat die Jugend in der ganzen Welt ungeheure Mengen an Zeit, Energie und Eifer für die Lehrarbeit als Reiselehrer innerhalb und außerhalb ihrer Län‐ der und als Teams in gemeinsamen Lehrprojekten eingesetzt, wodurch sie hunderte von Neuerklärungen und die Bildung von vielen örtlichen Geistigen Räten bewirkte. Mit Hilfe der Musik und der Künste die Sache zu proklamieren und zu lehren zeichnete ihre Anstren‐ gungen in vielen Orten aus. Die Ausbreitung von Tanz‐ und Theaterworkshops war beson‐ ders wirkungsvoll. Die Beteiligung der Jugend bei den Außenbeziehungen und Verbindun‐ gen zu anderen Gruppen hat dem Glauben auf diesem Gebiet neue Möglichkeiten eröffnet. Die Verpflichtung zu einem Jahr des Dienstes hat sich weiter verbreitet. Gleichzeitig hat die Zahl der Jugendlichen merklich zugenommen, die eine berufliche Ausbildung abschlossen und akademische, fachliche und berufliche Auszeichnung erlangten. All das sind Anzeichen dafür, daß die Jugend im direktem Dienst am Glauben mehr tut, während sie gleichzeitig ihren Teil zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft beiträgt. Zeichen für die Konsoli‐ dierung der Gemeinde ließen sich auch darin erkennen, daß die Freunde sich stärker an so‐ zialen und wirtschaftlichen Entwicklungen beteiligten, besonders auf dem Gebiet der Erzie‐ hung. In einem herausragenden Fall hat eine Regierung die Bahá’í gebeten, die Verantwor‐ tung für die Leitung von sieben Grundschulen zu übernehmen. Sie taten das auch mit der Unterstützung des Büros für soziale und wirtschaftliche Entwicklung am Weltzentrum. Be‐ achtenswert ist auch, daß in Afrika Bahá’í‐ Gemeinden, die wegen politischer Unruhen in ihrem Heimatland im Exil leben, weiterhin landwirtschaftliche und andere Projekte entwi‐ ckeln, die ihnen weitgehende wirtschaftliche Unabhängigkeit sichern. Bemühungen, die Stel‐ lung der Frauen zu verbessern, gewinnen in einer Reihe von Ländern an Schwung, wo die Bahá’í‐Institutionen, zusätzlich zu der Beteiligung von Bahá’í an Projekten, die von anderen Organisationen gefördert werden, eigene Ausschüsse und Büros einrichteten, um die Inte‐ ressen der Frauen wahrzunehmen. Als Symbol dieses Aufschwungs ist das Büro für die För‐ derung der Frauen der Internationalen Bahá’í‐Gemeinde eingerichtet worden. In einigen Ländern gab es auch eine beachtliche Beteiligung der Bahá’í an offiziell geförderten Pro‐ grammen zur Hebung des Gesundheitszustands. In anderen Fällen haben Bahá’í selbst sol‐ che Programme angeregt und durchgeführt. Die Arbeit im Bereich der sozialen und wirt‐ schaftlichen Entwicklung ermöglichte auch die dauerhafte Errichtung und Konsolidierung von größeren Projekte und Organisationen. Drei Pilotprojekte setzten den ersten Schritt in einer Alphabetisierungskampagne, die das Büro für soziale und wirtschaftliche Entwicklung über die ganze Welt auszudehnen beabsichtigt. Die Gründung und das Betreiben von Ent‐ wicklungsprojekten durch Bahá’í führten auch zu einer Proklamation des Glaubens, indem sie die Beteiligung der Bevölkerung und das Interesse der Massenmedien erweckten. Ein Vorstoß in der Öffentlichkeitsarbeit und bei den Außenbeziehungen, der alle zuvor ver‐ zeichneten Erfolge in einem vergleichbaren Zeitabschnitt übertrifft, hat der Proklamation des Glaubens großen Auftrieb gegeben. Gewaltige Anstrengungen überall in der Welt führten dazu, daß der Glaube viel stärker ins Blickfeld trat als je zuvor und verhalfen der Internatio‐ nalen Bahá’í‐Gemeinde zu einem entsprechend höheren Ansehen. In großen Zügen kann man den Fortschritt daran erkennen, daß große und kleine Bahá’í‐Gemeinden wie selbstver‐ ständlich öffentliche Veranstaltungen unterstützten oder an ihnen teilnahmen, daß die Bahá’í als eine gesellschaftliche Kraft von Regierungsstellen und Nicht‐Regierungs‐Organisationen sowie von prominenten Persönlichkeiten anerkannt wurden und leichten Zugang zu den Medien hatten. Die Berichterstattung über Bahá’í‐ Veranstaltungen und ‐Interessen in der Presse und den elektronischen Kommunikationsmedien übertraf bei weitem alle Erwartun‐ gen. Unter den Aktivitäten in der ganzen Welt ragen einige besondere Entwicklungen her‐ aus: die Häufigkeit, mit der hohe Beamte Bahá’í zur Teilnahme an Veranstaltungen und Pro‐ jekten einluden oder sie um Hilfe baten; die erfolgreichen Initiativen von Bahá’í bei der Be‐ einflussung von Regierungsmaßnahmen; die Einrichtung von Bahá’í‐Studienprogrammen und ‐Kursen an Bildungseinrichtungen und Universitäten und die Einführung von Unter‐ richtsmaterial durch öffentliche Schulen; der Einsatz der Künste durch Bahá’í‐ Institutionen, Gruppen und einzelne bei Proklamationsveranstaltungen. Im Laufe des Jahres 1995 verdeut‐ lichten zwei bedeutende UN‐Ereignisse das sich beschleunigende Aufkeimen der Einheit im Denken bei Weltunternehmungen, was wiederum die Aufmerksamkeit und Beteiligung der Bahá’í‐Gemeinde beanspruchte. Zuerst waren am Weltgipfel für Sozialentwicklung im März in Kopenhagen 250 Freunde aus mehr als 40 Ländern beteiligt, die beeindruckende Anstren‐ gungen unternahmen, um die Teilnehmer des Gipfels und des dazugehörigen Forums mit den Lehren bekanntzumachen. Bei dieser Gelegenheit wurde das vom Büro für Öffentlich‐ keitsarbeit der Internationalen Bahá’í‐Gemeinde erarbeitete Statement „Entwicklungsper‐ spektiven für die Menschheit“ zum ersten Mal verteilt und diskutiert. Folge‐Aktivitäten überall in der Welt waren Konferenzen und Seminare sowie die Verteilung des Statements. Sodann zogen die Vierte Weltfrauenkonferenz in Beijing im September und das parallel ver‐ laufende NRO‐Forum zusätzlich zur offiziellen Delegation der Internationalen Bahá’í‐ Gemeinde über 500 Bahá’í aus aller Welt an. Im selben Jahr veranlaßte der 50. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen das Büro der Internationalen Bahá’í‐Gemeinde bei den UN, eine Stellungnahme „Wendezeit für die Nationen“ herauszugeben und zu verteilen, die Vorschläge für die Weiterentwicklung der Weltorganisation enthält.
Mehr Öffentlichkeitsarbeit
Zwei Ereignisse sind besonders hervorzuheben, bei denen `Amatuʹl‐Bahá Rúhíyyih Khánum in herausragender Weise beteiligt war. Im vergangenen Herbst leitete sie eine Delegation von vier offiziellen Bahá’í‐Vertretern beim Gipfeltreffen der „Alliance between Religions and Conservation“, die unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Prinz Philip stand und auf Schloß Windsor stattfand. Im Oktober trat Rúhíyyih Khánum als Hauptrednerin beim Vierten Internationalen Dialog zum Übergang zur Weltgesellschaft auf, der unter der Schirmherrschaft der UNESCO (der Internationalen Organisation für Erziehung, Wissen‐ schaft und Kultur der Vereinten Nationen) vom Bahá’í‐Lehrstuhl für Weltfrieden und dem Fachbereich Geschichte der Universität von Maryland veranstaltet wurde. Nicht unerwähnt bleiben sollten manch andere bedeutsame Kennzeichen des besprochenen Zeitraums. So wurde eine Ausgabe des Kitáb‐i‐Aqdas in der Originalsprache Arabisch veröffentlicht, erst‐ mals mit Anmerkungen in Persisch, die den Text wie in der englischen Ausgabe ergänzen. Das Gesetz der Huqúquʹlláh ist tiefer in den Herzen der Gläubigen in der ganzen Welt ver‐ wurzelt. Während des letzten Jahres des Planes hat der Treuhänder der Huqúquʹlláh, die Hand der Sache Gottes `Alí‐Muhammad Varqá, seinen Wohnsitz in das Heilige Land verlegt. Dieser wichtige Schritt bedeutet auch, daß alle drei Hände der Sache Gottes ‐ `Amatuʹl‐Bahá Rúhíyyih Khánum, `Alí‐Akbar Furútan und Dr. Varqá ‐ nun am Weltzentrum wohnen und Pilgern, Besuchern und den in Haifa dienenden Freunden Inspiration vermitteln. Vor diesem Hintergrund ermutigender Entwicklungen begeben wir uns nun zum diesjährigen Ridván in einen Vier‐Jahres‐Plan, der uns bis Ridván 2000 begleiten wird. Ernsthaft und liebevoll rufen wir unsere Brüder und Schwestern in allen Ländern auf, mit uns gemeinsam Anstrengungen in Gang zu setzen, die den Generationen des nahenden 21. Jahrhunderts eine überreiche und dauerhafte Erbschaft sichern. Der Vier‐Jahres‐Plan hat ein Hauptziel: einen bedeutenden Fortschritt beim Prozeß des Beitritts in Scharen. Wie wir schon bei anderer Gelegenheit fest‐ stellten, soll solch ein Fortschritt durch eine deutliche Steigerung bei den Aktivitäten und der Entwicklung des einzelnen Gläubigen, der Institutionen und der örtlichen Gemeinde erreicht werden.
Die Gemeinde muß größer werden
Die Ausdrucksweise „Fortschritt beim Prozeß des Beitritts in Scharen“ enthält die Vorstel‐ lung, daß die gegenwärtigen Umstände es erfordern und die bestehenden Gelegenheiten es auch zulassen, daß die Bahá’í‐Weltgemeinde sich in bedeutendem Maße nachhaltig vergrö‐ ßert; daß dieser Aufschwung angesichts der Weltsituation nötig ist; daß die drei beim Auf‐ bau der Ordnung Baháʹuʹlláhs Beteiligten ‐ der einzelne, die Institutionen und die Gemeinde ‐ ein solches Wachstum fördern können, indem sie zunächst geistig und innerlich eine solche Möglichkeit akzeptieren und dann darauf hinarbeiten, eine große Anzahl neuer Gläubiger aufzunehmen und dabei die Mittel für die Sicherstellung ihrer geistigen und administrativen Schulung und Entwicklung in die Wege zu leiten. Dadurch wird die Zahl der kenntnisrei‐ chen, aktiven Gläubigen ‐ sowohl im Bereich des Lehrens als auch in der Administration ‐ vervielfacht, deren engagierte Teilnahme an der Arbeit des Glaubens wieder den ständigen Zustrom neuer Anhänger, eine ununterbrochene Entfaltung von Bahá’í‐Räten und eine stete Festigung der Gemeinde gewährleisten wird. Darüber hinaus bedeutet das Bewirken des Fortschritts des Prozesses, daß jener Prozeß bereits im Gange ist und daß örtliche und natio‐ nale Gemeinden sich dabei in unter‐schiedlichen Phasen befinden. Alle Gemeinden stehen nun vor der Aufgabe, Schritte zu unternehmen und sich nachhaltig zu bemühen, um ein Ausmaß an Ausbreitung und Festigung zu erreichen, das ihren Möglichkeiten entspricht. Der einzelne und die Institutionen, obgleich sie in unterschiedlichen Bereichen tätig sind, werden aufgerufen, sich zu erheben und den Erfordernissen dieser kritischen Zeit im Leben unserer Gemeinde und in den Geschicken der Menschheit gerecht zu werden. Die Rolle des einzelnen ist bei der Arbeit des Glaubens von einzigartiger Wichtigkeit. Es ist der einzelne, der die Lebendigkeit des Glaubens zum Ausdruck bringt, von der wiederum der Erfolg bei der Lehrarbeit und die Entwicklung der Gemeinde abhängen. Baháʹuʹlláhs Gebot an jeden Gläubigen, Seine Sache zu lehren, erlegt eine unausweichliche Verantwortung auf, die nicht auf irgendeine Institution des Glaubens übertragen oder von dieser übernommen werden kann. Nur der einzelne kann das Potential hierfür freisetzen wie etwa die Fähigkeit, Initiati‐ ve zu ergreifen, Gelegenheiten wahrzunehmen, Freundschaften zu schließen, persönlich mit anderen in Kontakt zu treten, Beziehungen aufzubauen, die Zusammenarbeit anderer im gemeinsamen Dienst am Glauben und an der Gesellschaft zu gewinnen und die von den beratenden Körperschaften getroffenen Entscheidungen in die Tat umzusetzen. Es ist die Pflicht des einzelnen, „sorgfältig jeden Weg der Annäherung in Betracht zu ziehen, den er bei seinen persönlichen Versuchen nutzen möchte, um bei jenen, die er in die schützende Obhut seines Glaubens einreihen möchte, Aufmerksamkeit zu erwecken, das Interesse wachzuhalten und ihren Glauben zu vertiefen.“ Um diese Fähigkeiten voll zu nutzen, be‐ zieht der einzelne Kraft aus seiner Liebe zu Baháʹuʹlláh, aus der Macht des Bundes, aus der Dynamik des Gebets, der aus dem regelmäßigen Lesen und Studieren der Heiligen Texte abgeleiteten Inspiration und Erziehung und der auf seine Seele einwirkenden verändernden Kräfte bei seinem Bemühen, sich gemäß den göttlichen Gesetzen und Prinzipien zu verhal‐ ten. Da er mit der Pflicht betraut ist, die Sache zu lehren, wird er darüber hinaus mit der Fä‐ higkeit begabt, die von Baháʹuʹlláh verheißenen besonderen Segnungen anzuziehen. „Wer an diesem Tage seine Lippen öffnet und den Namen seines Herrn erwähnt, auf den werden die Scharen göttlicher Eingebung aus dem Himmel Meines Namens, der Allwissende, der All‐ weise, herabkommen. Zu ihm wird auch die Versammlung der Höhe herabsteigen, und je‐ der aus ihr wird einen Kelch reinen Lichtes vorantragen.“
Individuelle Initiativen nötig
Shoghi Effendi hat die absolute Notwendigkeit individueller Initiative und Tat unterstrichen. Er erklärte, daß ohne die Unterstützung durch den einzelnen, die „gleichzeitig aus ganzem Herzen, ausdauernd und großzügig“ sein soll, jede Maßnahme und jeder Plan des Nationa‐ len Geistigen Rates „zum Scheitern verurteilt“, die Absicht des Göttlichen Planes des Meis‐ ters „behindert“ seien. Überdies wird die „stützende Kraft Baháʹuʹlláhs Selbst jedem einzel‐ nen vorenthalten werden, wenn er auf lange Sicht versäumt, sich zu erheben und seine Rolle zu spielen.“ Daher ist der Kernpunkt jedes zu erzielenden Fortschritts der einzelne Gläubige, der über die Macht des Handelns verfügt, die auch nur er durch seine eigene Initiative und ausdauernde Tat freisetzen kann. Was nun das Gefühl der Unzulänglichkeit betrifft, die manchmal die individuelle Initiative hemmt, so vermittelt ein in seinem Auftrag geschriebe‐ ner Brief den Rat des Hüters: „Sie erwähnen besonders den Mangel an Mut und Initiative seitens der Gläubigen und ein Gefühl der Minderwertigkeit, was sie am öffentlichen Reden hindert. Es sind genau diese Schwächen, von denen er wünscht, daß die Freunde sie über‐ winden, denn sie lähmen nicht nur ihre Anstrengungen, sondern bewirken sogar, daß die Flamme des Glaubens in ihren Herzen erstickt wird. Nicht ehe die Freunde sich dessen be‐ wußt werden, daß jeder von ihnen fähig ist, die Botschaft seinem eigenen Maß entsprechend zu überbringen, können sie je hoffen, die ihnen von einem liebenden und weisen Meister gesteckten Ziele zu erreichen. ... Jeder ist ein potentieller Lehrer. Man muß nur von dem Ge‐ brauch machen, was Gott einem gegeben hat, und sich so Seines Vertrauens würdig erwei‐ sen.“ Was die Institutionen anbelangt, so wird der Beitritt in Scharen auf sie ebenso Auswir‐ kungen haben wie sie umgekehrt auf ihn. Die Entfaltung der örtlichen und Nationalen Bahá’í‐Räte erfordert jetzt eine neue Geisteshaltung seitens ihrer Mitglieder wie auch seitens derer, die sie wählen, denn die Bahá’í‐Gemeinde befindet sich in einem enormen histori‐ schen Prozeß, der jetzt in eine entscheidende Phase tritt. Baháʹuʹlláh hat der Welt Institutio‐ nen gegeben, die in einer neuen Ordnung tätig sein sollen, die dazu bestimmt ist, die Kräfte einer neuen Kultur zu kanalisieren. Fortschritte in Richtung auf die Verwirklichung dieses großartigen Zieles erfordern eine bedeutende und fortlaufende Ausdehnung der Bahá’í‐ Gemeinde, so daß ein angemessener Entwicklungsraum für den Reifeprozeß dieser Instituti‐ onen zur Verfügung steht. Diese Angelegenheit ist von unmittelbarer Wichtigkeit für die erklärten Anhänger Baháʹuʹlláhs in allen Ländern. Damit eine solche Ausdehnung angeregt und dann auch verkraftet wird, müssen sich Geistige Räte auf ein neues Niveau erheben, um ihre Verantwortung als Kanäle der göttlichen Führung, Planer der Lehrarbeit, Entwickler der menschlichen Fähigkeiten, Erbauer von Gemeinden und liebevolle Hirten der Menschen wahrzunehmen. Sie können diese Möglichkeiten dadurch verwirklichen, daß sie die Fähig‐ keit ihrer Mitglieder verbessern, gemeinsam gemäß den Prinzipien ihres Glaubens Rat zu halten und mit den Freunden in ihrem Amtsbereich zu beraten, daß sie den Geist des Diens‐ tes fördern, daß sie spontan mit den Kontinentalen Beratern und ihren Hilfsämtern zusam‐ menarbeiten, und daß sie ihre Außenbeziehungen pflegen. Der Fortschritt in der Entfaltung der Institutionen muß sich vor allem darin zeigen, daß sich die Zahl der Orte vervielfacht, in denen die Funktionsweise der Geistigen Räte die Fähigkeit des einzelnen Gläubigen, dem Glauben zu dienen, erhöht und einmütiges Handeln fördert. Mit einem Wort, der Reifegrad des Geistigen Rates sollte nicht nur daran gemessen werden, wie regelmäßig er zu Sitzungen zusammenkommt und wie effizient er funktioniert, sondern auch an der beständig wach‐ senden Bahá’í‐Mitgliederzahl, der Effektivität der Wechselbeziehung zwischen dem Rat und den Mitgliedern seiner Gemeinde, der Qualität des geistigen und sozialen Lebens der Ge‐ meinde und der allgemeinen Lebendigkeit der Gemeinde beim Prozeß einer dynamischen, ständig fortschreitenden Entwicklung.
Identität der Gemeinde
Die Gemeinde ihrerseits gewinnt ‐ gesondert vom einzelnen und den Institutionen betrachtet ‐ einen eigenen Charakter und eine eigene Identität, während sie an Größe zu‐nimmt. Dies ist eine notwendige Entwicklung, die besondere Aufmerksamkeit verlangt, sowohl im Hin‐ blick auf Gegenden, wo Neuerklärungen in großem Maße stattgefunden haben, wie auch in Erwartung und Vorbereitung auf sich zahlreicher ereignende Fälle von Beitritt in Scharen. Eine Gemeinde ist natürlich mehr als nur die Summe ihrer Mitglieder; sie ist eine umfassen‐ de Einheit der menschlichen Gesellschaft, die sich aus einzelnen, Familien und Institutionen zusammensetzt, die mit einer gemeinsamen Absicht zum Wohl der Menschen innerhalb und außerhalb ihrer eigenen Grenzen zusammenarbeiten; sie besteht aus einer Vielfalt von inter‐ agierenden Teilnehmern, die in einer ständigen Suche nach geistigem und sozialem Fort‐ schritt eine Einheit herstellen. Da die Bahá’í überall erst am Beginn des Prozesses der Ge‐ meindebildung stehen, müssen auf diese vordringliche Aufgabe enorme Anstrengungen verwendet werden. In einer früheren Botschaft haben wir schon darauf hingewiesen, daß das Aufblühen der Gemeinde vor allem auf örtlicher Ebene eine entscheidende Verbesserung der Verhaltensweisen erfordert: jener Verhaltensweisen, durch die der kollektive Ausdruck der Tugenden der einzelnen Mitglieder und die Funktionsweise der Geistigen Räte sich in der Einheit und Freundschaft innerhalb der Gemeinde und in der Dynamik ihrer Akti‐vitäten und ihres Wachstums zeigen. Das erfordert die Integration der sie bildenden Elemente ‐ Er‐ wachsene, Jugendliche, Kinder ‐ in geistige, soziale, erzieherische und administrative Aktivi‐ täten und ihre Beteiligung an örtlichen Lehr‐ und Entwicklungsplänen. Dazu gehören ein kollektiver Wille und die Ausrichtung auf das Ziel, den Geistigen Rat durch jährliche Wah‐ len fortbestehen zu lassen. Es schließt die Ausübung gemeinsamer Andachten ein. Daher ist es für das geistige Leben der Gemeinde wesentlich, daß die Freunde regelmäßige Andachts‐ versammlungen abhalten, in örtlichen Bahá’í‐Zentren ‐ dort, wo sie zur Verfügung stehen ‐ oder anderswo, die Wohnungen der Freunde inbegriffen.
Gründung von Instituten
Um die Möglichkeiten der Ausbreitung und Festigung umzusetzen, die der Beitritt in Scha‐ ren mit sich bringt, muß eine entschlossene weltweite Anstrengung zur Entwicklung von menschlichen Fähigkeiten unternommen werden. Das Bemühen einzelner, in ihren Häusern Studienkreise zu leiten, gelegentliche Vertiefungskurse durch die Institutionen sowie die informellen Aktivitäten der Gemeinde sind, obgleich wichtig, nicht ausreichend für die Er‐ ziehung und Schulung einer sich rasch ausbreitenden Gemeinde. Daher ist es höchst wichtig, systematisch neue Methoden zu entwickeln, eine große Zahl von Gläubigen in den Grund‐ wahrheiten des Glaubens zu unterrichten und sie auszubilden und ihnen zu helfen, dem Glauben mit den ihnen von Gott verliehenen Fähigkeiten zu dienen. Es sollten daher ohne Verzug ständige Institute mit dem Ziel errichtet werden, nach einem regelmäßigen Zeitplan gut organisierte, streng methodisch geführte Ausbildungsprogramme anzubieten. Das Insti‐ tut muß natürlich über Räumlichkeiten verfügen können, ohne jedoch unbedingt ein eigenes Gebäude zu haben. Diese Angelegenheit erfordert eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den Kontinentalen Beratern und den Nationalen Geistigen Räten. Der Erfolg dieser Fortbildungs‐Institute wird nämlich in einem sehr großen Maße von der aktiven Beteiligung der Kontinentalen Berater und der Hilfsamtsmitglieder. Es wird nötig sein, daß die Hilfs‐ amtsmitglieder in einer engen Arbeitsbeziehung zu den Instituten und natürlich zu den ört‐ lichen Geistigen Räten stehen, deren Gemeinden Nutzen aus den Programmen ziehen wer‐ den. Da die Institute als Studienzentren zu betrachten sind und da sie ihrem Wesen nach mit der Verantwortung der Hilfsamtsmitglieder auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung übereinstimmen und diesen den Wirkungskreis für die Ausübung ihrer Verantwortung bie‐ ten, sollte die enge Beteiligung dieser Amtsträger des Glaubens an der Arbeit der Institute ein Teil ihrer sich ausweitenden Funktionen werden. Für die Entwicklung und Umsetzung der Instituts‐Programme wird es auch entscheidend sein, auf die Talente und Fähigkeiten von immer mehr Freunden zurückzugreifen. Da der Ausdruck „Institut“ in der Bahá’í‐ Gemeinde in verschiedener Weise gebraucht wird, bedarf es einer Klarstellung. Die nächsten vier Jahre stellen eine außergewöhnliche Zeitspanne in der Geschichte des Glaubens dar, einen Wendepunkt epochalen Ausmaßes. Was die Freunde in der ganzen Welt jetzt tun soll‐ ten, ist, sich selbst, ihre materiellen Mit‐tel, ihre Fähigkeiten und ihre Zeit für die Entwick‐ lung eines Netzwerkes an Fortbildungs‐ Instituten einzubringen. Diese Zentren der Bahá’í‐ Studien werden auf ein sehr praktisches Ergebnis zielen, nämlich das Heranziehen einer großen Zahl von Gläubigen, die darin ausgebildet sind, den Prozeß des Beitritts in Scharen wirksam und liebevoll zu fördern und zu erleichtern. „Sammelt euere Kräfte für die Verbrei‐ tung des Glaubens Gottes,“ hat Baháʹuʹlláh Seine Diener angewiesen und hinzugefügt, „Wer immer einer so hohen Berufung würdig ist, der mache sich auf, den Glauben zu fördern. Wer dies nicht vermag, hat die Pflicht, jemanden zu bestimmen, der statt seiner diese Offenba‐ rung verkündet...“ Ebenso wie man jemanden bestimmen kann, an der eigenen Stelle zu leh‐ ren, indem man die Ausgaben eines Pioniers oder Reiselehrers deckt, so kann man auch ei‐ nen Lehrer an ein Institut abordnen, der dann natürlich ein Lehrer von Lehrern ist. Dazu kann man zweckbestimmte Beiträge an den Kontinentalen Bahá’í‐Fonds ebenso wie an die örtlichen, nationalen und internationalen Fonds leisten.
Die Rolle der Künste
Bei all ihren Bemühungen, das Ziel des Vier‐Jahres‐Planes zu erreichen, bitten wir die Freunde auch, dem Einsatz der Künste stärkere Aufmerksamkeit zu schenken, nicht nur im Rahmen der Proklamation, sondern auch bei der Verbreitung und Festigung. Die graphi‐ schen und darstellenden Künste und die Literatur haben bei der Ausweitung des Einflusses des Glaubens eine wichtige Rolle gespielt und können es auch weiterhin tun. Auf der Ebene der Volkskunst kann dieser Möglichkeit in allen Teilen der Welt, ob in Dörfern oder Städten, nachgegangen werden. Shoghi Effendi setzte hohe Erwartungen in die Künste als ein Mittel, Aufmerksamkeit auf die Lehren zu ziehen. Ein in seinem Auftrag an einen einzelnen Gläu‐ bigen geschriebener Brief vermittelt die Ansicht des Hüters: „Es wird die Zeit kommen, da der Glaube sich wie ein Lauffeuer verbreiten wird, da sein Geist und seine Lehren auf der Bühne oder in der Kunst und Literatur als ganzes dargestellt werden wird. Die Kunst kann besser solche edlen Gefühle wecken als kalte, rationale Erklärungen, besonders unter der Masse der Bevölkerung.“ Während die Freunde und die Institutionen ihre Anstrengungen überall darauf richten, den Erfordernissen des Planes zu entsprechen, wird die Arbeit an den großen Projekten am Berge Karmel fortgeführt bis zu ihrer am Ende des Jahrhunderts erhoff‐ ten Vollendung. Mit dem Ende des Planes zu Ridván 2000 werden das Zentrum zum Studi‐ um der Texte und die Erweiterung des Archivs funktionsfähig sein; das Gebäude des Inter‐ nationalen Lehrzentrums wird bis zur Abschlußphase vorangeschritten sein. Der Abschnitt der öffentlichen Straße, die den Verlauf der Terrassen oberhalb des Schreines des Báb unter‐ bricht, wird abgesenkt und eine breite Verbindungsbrücke mit ihren eigenen Gärten gebaut worden sein; fünf der oberen Terrassen werden ebenfalls vollendet sein. Die verbleibenden vier oberen Terrassen und die zwei am Fuße des Berges werden sich in einem fortgeschritte‐ nen Bauzustand befinden. Ebenso werden andere besondere Bemühungen am Weltzentrum fortgesetzt. Aufmerksamkeit wird dabei solchen Angelegenheiten geschenkt wie der allge‐ meinen Anwendung weiterer Gesetze des Kitáb‐i‐Aqdas, der Vorbereitung eines neuen Ban‐ des von ausgewählten Schriften Baháʹuʹlláhs in Englisch, der weiteren Entwicklung der Auf‐ gaben des Internationalen Lehrzentrums und der Erkundung von Maßnahmen, wie man die Zahl der Pilger und Besucher am Weltzentrum erhöhen kann. Die Bahá’í‐Weltgemeinschaft wird ihre Bemühungen sowohl im Bereich der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung als auch der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen ausdehnen und die direkte Zusam‐ menarbeit mit jenen Kräften fortsetzen, die zur Errichtung von Ordnung in der Welt führen. Das Büro für wirtschaftliche und soziale Entwicklung wird durch Verbesserung seiner Ko‐ ordinationsfähigkeiten und im Rahmen seiner Mittel und Möglichkeiten dabei mithelfen, auf dem in hunderten von Entwicklungsprojekten in aller Welt erreichten Fortschritt aufzubau‐ en. Auf der Bühne der Öffentlichkeitsarbeit und Außenbeziehungen werden sich die An‐ strengungen darauf richten, die Prozesse in Richtung Weltfrieden zu beeinflussen, insbeson‐ dere durch die Beteiligung der Gemeinde an der Förderung der Menschenrechte, der Stel‐ lung der Frauen, des welt‐weiten Wohlstands und der moralischen Entwicklung. Indem es diese Themen verfolgt, wird das Büro der Internationalen Bahá’í‐Gemeinde bei den Verein‐ ten Nationen nach Wegen suchen, um die Bande zwischen den Bahá’í und den Vereinten Nationen zu festigen. Ebenso wird das Büro für Öffentlichkeitsarbeit die Bahá’í‐Institutionen dabei unterstützen, diese Themen für eine umfassendere Proklamation des Glaubens zu nut‐ zen. Die Verteidigung der Rechte der Bahá’í im Iran und zunehmende Anstrengungen zur Befreiung des Glaubens in jenem Land und anderen Ländern, in denen er verboten ist, wer‐ den einen wesentlichen Teil unserer Beziehungen mit Regierungen und Nicht‐ Regierungsorganisationen ausmachen. In all diesen Aspekten sind die Bahá’í‐Freunde und Institutionen dringend aufgefordert, sich der Wichtigkeit von Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der Außenbeziehungen klar bewußt zu sein und ihnen erneut Aufmerksamkeit zu widmen. Die Bildung von zwei Nationalen Geistigen Räten zu diesem Ridván verleiht dem Vier‐Jahres‐Plan einen günstigen Anfang. Wir sind hocherfreut anzu‐ kündigen, daß unsere beiden Vertreter bei den ersten Nationaltagungen die Hand der Sache Gottes `Amatuʹl Bahá Rúhíyyih Khánum in Moldavien und Fred Schechter, Berater am In‐ ternationalen Lehrzentrum, in Sao Tomé und Principe sein werden. Bedauerlicherweise können die Nationalen Geistigen Räte von Burundi und Ruanda aufgrund von Umständen, die sich ihrer Kontrolle völlig entziehen, dieses Jahr nicht wieder gewählt werden. Die An‐ zahl dieser Institutionen wird demzufolge weltweit weiterhin 174 betragen.
Ausblick auf das neue Jahrtausend
Ridván 2000, der Zeitpunkt, an dem der Vier‐Jahres‐Plan beendet wird, befindet sich Monate vor dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts. In jenem Augenblick wird die Bahá’í‐Welt in dankbarer Anerkennung auf die außerordentlichen Entwicklungen und die erstaunlichen Errungenschaften zurückblicken, welche die Annalen der Sache Baháʹuʹlláhs während dieses ereignisreichen Zeitraums ausgezeichnet haben werden ‐ eines Zeitraums, der von `Abduʹl‐ Bahá als „Jahrhundert des Lichtes“ bezeichnet wurde. Eine der bedeutendsten Leistungen, die dann bewundert werden müssen, wird die Vollendung der Projekte am Berg Karmel sein, die zusammen mit den anderen Gebäuden auf jenem heiligen Berg als ein Denkmal für den Fortschritt stehen werden, den die administrative Ordnung zu jenem Zeitpunkt im Ge‐ staltenden Zeitalter erlangt haben wird. Der Höhepunkt einer solchen Würdigung wird, so Gott will, eine Großveranstaltung am Welt‐zentrum sein, mit der die Vollendung der Ge‐ bäude des Bogens und die Eröffnung der Terrassen des Schreines des Báb für die Öffentlich‐ keit begangen werden sollen. Geliebte Freunde, wir beginnen diesen Plan inmitten der Un‐ ruhe einer Zeit des sich beschleunigenden Übergangs. Der durch die Wucht der Offenbarung Baháʹuʹlláhs hervorgerufene Zwillingsprozeß schreitet rasch voran, wobei er eine Dynamik annimmt, die, in den Worten Shoghi Effendis, „jene Mächte, die das Antlitz unseres Planeten umgestalten, zu einem Höhepunkt führen (wird)“. Der eine ist ein Prozeß der Integration, der andere ist zerrüttend. Aus der „umfassenden Gärung“, die durch diese Prozesse verur‐ sacht wird, geht der Frieden schrittweise hervor, wodurch die einigenden Auswirkungen eines wachsenden Bewußtseins von Weltbürgertum offenkundig werden. Im Hinblick auf dieses Ziel waren die jüngsten Entwicklungen in der Welt paradoxerweise zugleich scho‐ ckierend und beruhigend. Einerseits erzeugt die Unordnung in den menschlichen Angele‐ genheiten ein tägliches Maß des Schreckens, welches die Sinne betäubt, andererseits unter‐ nehmen die Führer der Welt oft gemeinsame Aktionen, die dem Bahá’í‐Beobachter eine Ten‐ denz hin zu einer gemeinsamen Annäherung der Nationen an eine Lösung für die Probleme der Welt anzeigen. Bedenken Sie zum Beispiel die ungewöhnliche Häufung von weltweiten Anlässen, zu denen sich diese Führer seit dem Heiligen Jahr vor vier Jahren versammelt ha‐ ben, wie zur Feier des fünfzigsten Jahrestages der Vereinten Nationen, auf der die teilneh‐ menden Staatsoberhäupter und Regierungschefs ihre Verpflichtung zum Weltfrieden erklärt haben. Erwähnenswert sind auch die Bereitwilligkeit und die Spontaneität, mit der diese Regierungschefs als Antwort auf eine Reihe von Krisen in verschiedenen Teilen der Welt gemeinsam gehandelt haben. Solche Tendenzen fallen mit dem aus aufgeklärten Kreisen stärker werdenden Ruf zusammen, der Möglichkeit, zu einer Art globalen Regierungsform zu finden, Beachtung zu schenken. Dürfen wir nicht in diesen sich rasch entwickelnden Er‐ eignissen das Walten der Hand der Vorsehung sehen, ja, den eigentlichen Vorboten für das in unseren Schriften vorhergesagte gewaltige Ereignis? Obgleich die Errichtung des Geringe‐ ren Friedens nicht von irgendeinem Plan oder einer Aktion der Bahá’í abhängig ist und nicht das letzte Ziel darstellt, das der Menschheit im Goldenen Zeitalter zu erreichen bestimmt ist, liegt auf unserer Gemeinde doch die Verantwortung, den Prozessen in Richtung auf jenen Frieden den geistigen Impuls zu verleihen. Genau jetzt ist es nötig, daß wir unsere Bemü‐ hungen beim Aufbau des Bahá’í‐Systems so intensivieren, daß wir die Bestätigungen Baháʹuʹlláhs anziehen und somit eine geistige Atmosphäre schaffen, die zu einer Beschleuni‐ gung dieser Prozesse führen wird. Vor uns liegen zwei entscheidende Herausforderungen: Die eine besteht darin, eine Lehrkampagne in Gang zu setzen, an der die ganze Gemeinde begeistert, systematisch und persönlich teilnimmt und bei der die Aktivierung eines umfas‐ senden Fortbildungsprogramms sicherstellt, daß menschliches Potential in reichem Maße entwickelt wird. Die zweite ist die Fertigstellung der Bauprojekte am Berge Karmel, für die jedes nur erdenkliche Opfer gebracht werden muß, um einen freigebigen Fluß materieller Mittel bereitzustellen. Wenn wir diese zwei Brennpunkte entschlossen anpeilen, werden Be‐ dingungen geschaffen, die dazu führen, daß sich aufgestaute Kräfte freisetzen, die einen Wandel in der Ausrichtung der menschlichen Angelegenheiten auf dem ganzen Planeten herbeiführen werden.
Die Oppositon wird kommen
Wie kurz der Weg zum Frieden auch sein mag, er wird verschlungen sein. Wie verheißungs‐ voll das erwartete Ereignis auch sein mag, das seinen Kurs bestimmen wird, er muß in einer langen Entwicklungszeit reifen, und dazu gehören Prüfungen, Rückschläge und Konflikte bis zu dem Augenblick, da er unter dem direkten Einfluß des göttlichen Glaubens als der Größte Friede in Erscheinung tritt. Inzwischen werden die Menschen überall sich der Ver‐ zweiflung und Verwirrung gegenübersehen, ehe es ihnen gelingt, den stattfindenden Über‐ gang zu würdigen. Wir, die wir von der neuen Offenbarung erleuchtet sind, haben das Hei‐ lige Wort, das uns Zuversicht gibt, einen Göttlichen Plan zu unserer Führung, eine Geschich‐ te voller Heldenmut zu unserer Ermutigung. Wir wollen daher Mut fassen, nicht nur aus dem Wort, das wir hochhalten, sondern auch aus den Heldentaten und Opfern, die auch heute noch hell aus jenem Lande leuchten, in dem unsere Religion geboren wurde. Siebzehn Jahre lang haben unsere verfolgten Glaubensbrüder und ‐schwestern im Iran eine Glaubens‐ treue und einen Mut gezeigt, die eine unermeßliche Proklamation des Glaubens bewirkten und ihn aus der Verborgenheit zwangen. Hierin liegt in unseren eigenen Tagen der lebendi‐ ge Beweis für die gewaltigen Kräfte von Krise und Sieg. So Gott will, wird es nicht zu lange dauern, bis unsere iranischen Mitgläubigen von dem Joch erlöst werden, das sie tragen, und dann zu einem ruhmreichen, wunderbaren Sieg geführt werden, wie nur die Gesegnete Schönheit ihn verleihen kann. Ihre Erfahrung ist ein Zeichen und ein Beispiel für uns alle, wo immer wir auch leben; denn schließlich, so hat es uns der Meister gesagt, wird die Oppositi‐ on ihr Haupt auf allen Kontinenten erheben. Zwar mag sie von Ort zu Ort unterschiedlich sein, intensiv wird sie jedoch gewiß sein. Aber dank der stärkenden Gnade Baháʹuʹlláhs und der demonstrierten Standhaftigkeit jener edlen Freunde werden wir wissen, wie man den Speeren des Feindes ohne Furcht standhält. Der Herr der Heerscharen hat wahrlich verspro‐ chen, Sein Volk zu einem überwältigenden und entscheidenden Triumph zu führen. Da die Menschheit von den verheerenden Auswirkungen einer außer Kontrolle geratenen Zivilisa‐ tion geschüttelt und gequält wird, laßt uns unseren Verstand und unsere Herzen auf die vor uns liegenden göttlichen Aufgaben richten. Denn inmitten dieses Aufruhrs wird es über‐ reichlich Gelegenheiten geben, die ausgeschöpft werden müssen, „um das Wissen um die erlösende Macht des Glaubens Baháʹuʹlláhs nah und fern zu verbreiten und frische Streitkräf‐ te für das ständig wachsende Heer Seiner Gefolgschaft zu gewinnen.“ Dieser Plan, dem wir uns jetzt verschrieben haben, ist zu einem der kritischsten Momente im Leben des Planeten aufgestellt worden. Er soll unsere Gemeinde darauf vorbereiten, die sich beschleunigenden Veränderungen zu meistern, die sich in der Welt um uns vollziehen, und die Gemeinde in die Lage versetzen, sowohl der Wucht der damit verbundenen Prüfungen und Herausforde‐ rungen zu widerstehen als auch ein funktionierendes Modell deutlicher sichtbar zu machen, dem sich die Welt um Hilfe suchend und als Beispiel in den Nachwehen eines tumultartigen Übergangs zuwenden kann. Auf diese Weise nimmt dieser Plan eine besondere Stelle im Zeitplan der Bahá’í‐ und der Weltgeschichte ein. Jene unter uns, die für die Vision des Glau‐ bens empfänglich sind, genießen das besondere Vorrecht, bewußt an Bemühungen beteiligt zu sein, die dazu bestimmt sind, solche Prozesse anzuregen und schließlich voranzutreiben. Mögen Sie alle sich erheben und die Aufgaben dieses entscheidenden Augenblickes in An‐ griff nehmen. Möge jeder von Ihnen einer kurzen Zeitspanne, die voller Möglichkeiten und Hoffnungen für die Menschheit steckt, sein oder ihr Siegel aufdrücken. Rufen Sie sich stets den Ratschlag Shoghi Effendis, der uns unfehlbar leitet, ins Gedächtnis, auf daß Sie nicht von den drastischen Ereignissen dieser Übergangszeit abgelenkt und übermäßig beunruhigt werden: „Es ist nicht an uns, die wir winzige Sterbliche sind, in einem so kritischen Ab‐ schnitt der langen, buntbewegten Menschheitsgeschichte zu versuchen, zu einem genauen und befriedigenden Verständnis der Schritte zu gelangen, welche eine blutende Menschheit, die ihren Gott erbärmlich vergessen und Baháʹuʹlláh nicht beachtet hat, nach und nach von ihrem Golgatha zu ihrer endlichen Auferstehung führen. ...Wie verwirrt der Schauplatz, wie trübe der gegenwärtige Ausblick, wie engbegrenzt die uns verfügbaren Hilfsmittel auch sei‐ en, unser ist die Pflicht, heiter, vertrauensvoll und unaufhörlich zu arbeiten und, auf welche Weise auch immer die Umstände uns dazu befähigen mögen, unseren Anteil zu geben für das Wirken der Kräfte, die, von Baháʹuʹlláh geleitet und gelenkt, die Menschheit aus dem Tal des Elends und der Schmach auf die erhabensten Höhen der Macht und Herrlichkeit füh‐ ren.“
Das Universale Haus der Gerechtigkeit