⋮ KWIC Create account to save clippings server-side.

17. November 1992 - KLARE VISIONEN

KLARE VISIONEN

Arbeitsmaterial für Hilfsamtsmitglieder und Assistenten

Zusammengestellt vom Kontinentalen Berateramt von Europa

2. Auflage 1994

KLARE VISIONEN

ins Deutsche übersetzt von : Norbert Kröger, Günter Maltz, Peter Mühlschlegel, Emanuel Towfigh, Dr. Nicola Towfigh und Irene Wiedenhöfer

Herausgegeben von den Hilfsamtsmitgliedern von Deutschland Redaktion: Roland Zimmel

April 1994

Nach der englischen Ausgabe

Kenness of Vision

(c) 1994 The Continental Board of Counsellors for the Protection an Propagation of the Bahá'í Faith in Europe

Hergestellt und Vertrieben von The Bahá'í Publishing Trust 27 Rutland Gate London SW 7 1PD

"An diesem Tag ist alles erwägenswert, was die Blindheit mindert und die Sehkraft stärkt. Solche Sehkraft ist der Träger wahren Wissens und sein Führer. In der Tat beruht nach Ansicht der Weisen Urteilskraft auf scharfer Sehkraft.

Bahá'u'lláh, Botschaften aus 'Akká, Kap. 4:9

Inhaltsverzeichnis

Teil 1 Unterlagen zusammengestellt vom Internationalen Lehrzentrum zu den weltweiten Hilfsamtskonferenzen Januar/Februar 1992

* Heiligkeit..................................................6 * Betreuung des Einzelnen und der Gemeinde...................11 * Der Örtliche Geistige Rat: Eine neue Schöpfung.............16

* Visionen des Wachstums vermitteln, Strategien entwickeln, Aktionslinien erstellen und Dienstergebenheit entwickeln...............................21

Teil 2 Über das Lehren - Briefe des Internationalen Lehrzentrums

* Was alles zum Lehren gehört................................28 * Kleine Lehrprojekte........................................32 * Lehrinstitute..............................................34 * Sucher einladen, dem Glauben beizutreten...................41

Teil 3 Über die Jugend............................................44

Teil 4 Über Frauen................................................57

Teil 5 Über Kinder................................................63

Teil 6 Über die Fonds des Glaubens................................66

Teil 7 Der Dreijahresplan - Brief des Internationalen Lehrzentrums vom 17. November 1992 an alle Berater

* Die Steigerung der Glaubenskraft des einzelnen Gläubigen...75 * Die Bedeutung der Entwicklung des menschlichen Potentials der Sache.......................................82 * Die Pflege der korrekten Arbeitsweise der örtlichen und nationalen Institutionen...................................86

Teil 8 Assistenten der Hilfsamtsmitglieder

* Die Rolle der Hilfsamtsmitglieder bei der Zusammenarbeit mit Assistenten............................................92 * Assistenten der Hilfsamtsmitglieder........................96

Teil 1

Unterlagen zusammengestellt vom Internationalen Lehrzentrum zu den weltweiten Hilfsamtskonferenzen Januar/Februar 1992

* Heiligkeit

* Betreuung des Einzelnen und der Gemeinde

* Der örtliche Geistige Rat: eine neue Schöpfung

* Visionen des Wachstums vermitteln, Strategien entwickeln, Aktionslinien erstellen und Dienstergebenheit einflößen

Heiligkeit

Gott wünschte erkannt zu werden und ließ durch einen Akt Seines Willens alles Sein in Erscheinung treten. Die Zeichen Gottes gibt es überall, und das Heilige wird in der ganzen Schöpfung widergespiegelt. Alles Sein strahlt ein Zeichen Gottes wider und der Mensch kann potentiell alle Zeichen Gottes widerspiegeln. Die Religion bemüht sich, den Einzelnen zu erziehen und die Gesellschaft voranschreiten zu lassen, indem sie das aufzeigt, was Gottes ist und eine Vision Seiner alldurch- dringenden Macht und Allgegenwart schafft. Der Mensch darf das Heilige nicht entweihen, sondern muß sich ihm hingeben und ihm sein Leben weihen.

Wir sind mit der Fähigkeit ausgestattet, das Heilige in seiner Universalität, in seinem individuellen Ausdruck in der Welt des Seins und in der Natur und in den Herzen der Menschen zu erkennen. Der Akt der Erkenntnis setzt schöpferische Kräfte frei, die uns mit der Quelle aller Dinge in Verbindung bringt und uns ermächtigt, uns selbst zu geistigen Wesen zu wandeln, Gott anzubeten und der Menschheit reine Handlungen des Dienstes darzubringen. Unsere Verbindung mit dem Heiligen durch das schöpferische Wort erhöht unsere geistigen Kräfte und unsere Wirksamkeit bei der Erfüllung unserer Verantwortung.

Die Bahá'í sind dazu aufgerufen, ihre Fähigkeiten dazu zu nutzen, das Heilige in allen Dingen zu erkennen und zu ehren. Diese Erkenntnis drückt sich aus in der Kunst, in der Musik, in der Dichtung, in der Literatur und den Berufen, in unserer Haltung gegenüber der Umwelt und der Wissenschaft und vor allen Dingen durch das Lehren, durch gute Taten, durch Handlungen des Mitgefühls und durch Dienst an der Menschheit. Das Heilige Jahr erinnert uns in begeisternder Weise an das Heilige. Die Begeisterung und der Geist, die das Heilige Jahr umgeben, bieten den Beratern, den Hilfsamtsmitgliedern und ihren Assistenten eine einmalige Gelegenheit, den Freunden zu helfen, höhere Stufen der Ergebenheit und der Hingabe an die Sache Gottes zu erreichen.

Erkenntnis der Offenbarung

Die Größe und Einzigartigkeit Gottes als unseren Schöpfer zu erkennen und Sein Heiliges Wort zu erfassen - das ist Sinn und Zweck unseres Lebens und die Quelle geistiger Befähigung.

1. "Diese Heiligen haben weiter verkündet, wenn Er, der der Tagesanbruch der vielfältigen Gnade Gottes ist, sich offenbart, werden alle Propheten und Boten und mit ihnen der Qá'im sich im Schatten des heiligen Banners versammeln, das der Verheißene hissen wird. Diese Stunde ist nun gekommen. ... Der erlesene Wein Seiner Offenbarung ist an diesem Tage und in Seinem Namen, der Selbstgenügende, entsiegelt. Seine Gnadenfülle ergießt sich über die Menschen. Fülle deinen Becher und trinke daraus in Seinem Namen, der Heiligste, der Allgepriesene." Bahá'u'lláh , Ährenlese Seite 15

2. "Gebe Gott, daß du mit durchdringender Schau in allen Dingen das Zeichen der Offenbarung des Altehrwürdigen Königs wahrnehmst und erkennest, wie erhaben und geheiligt über die ganze Schöpfung dieses hehrste, heiligste Wesen ist. Das ist in Wahrheit die eigentliche Wurzel und der Kern des Glaubens an die Einheit Gottes. `Gott war allein; es war keiner neben Ihm.` Er ist jetzt, was Er immer gewesen ist. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Einen, dem Unvergleichlichen, dem Allmächtigen, dem Höchsterhabenen, dem Größten. Bahá'u'lláh , Ährenlese S. 168

3. "Sinne nach über das, was herniedergeströmt ist vom Himmel des Willens deines Herrn, des Quells aller Gnade, damit du die gewollte Bedeutung begreifst, die in den geweihten Tiefen der Heiligen Schriften verwahrt ist." Bahá'u'lláh , Botschaften aus `Akká, Seite 168

4. "Der Mensch ist wie ein Baum. Wenn ihn Früchte schmücken, war und ist er allezeit des Lobes und des Preises würdig. ...Das Wasser für diese Bäume ist das Lebenswasser der heiligen Worte, welche die Geliebten der Welt äußern. Bahá'u'lláh , Botschaften aus `Akká, Seite 285

Die Antwort auf die Offenbarung

Unsere Reaktion auf das, was Gottes ist, sollte durch die Eigenschaften der Zuneigung, des Gehorsams, der Demut und der Loslösung geprägt sein.

5. "Gepriesen seiest Du, o mein Gott! Ich flehe zu Dir bei ihnen, die den Thron Deines Willens umkreisen und sich erhoben haben in die Sphäre Deines Wohlgefallens, und die sich mit all ihrer Liebe dem Horizonte Deiner Offenbarung, dem Tagesanbruch Deiner Erleuchtung und dem Aufgangsort Deiner Namen zuwandten - hilf Deinen Dienern, das zu befolgen, was Du ihnen in Deinen Tagen befohlen hast - Befehle, durch die sich die Heiligkeit Deiner Sache unter Deinen Dienern erweisen wird und diese Angelegenheiten Deiner Geschöpfe und Deines Reiches in Ordnung kommen werden." Bahá'u'lláh , Gebete und Meditation S. 29

6. "Wie verwirrend ist für mich, bedeutungslos wie ich bin, der Versuch, die geheiligten Tiefen Deines Wesens auszuloten! Wie vergeblich ist mein Bemühen, mir das Ausmaß der Macht vorzustellen, die Deinem Werk, der Offenbarung Deiner schöpferischen Kraft, innewohnt!" Bahá'u'lláh , Ährenlese Seite 59

7. "O Sohn des Menschen! Es erstrahlt das Licht auf dich vom Horizont des heiligen Berges, und der Geist der Erleuchtung weht um den Sinai deines Herzens. Befreie dich von den Schleiern eitler Einbildungen und betritt Meinen Königshof, auf daß du bereit werdest zu ewigem Leben und würdig der Begegnung mit Mir. Sorgen, Kummer und Tod werden dir dann nichts anhaben." Bahá'u'lláh , Verborgene Worte, arab. Nr. 63

Rechtleitung durch Offenbarung

Gottes Offenbarung setzt den Maßstab für Worte und Taten des Menschen und lenkt sein Tun. Sie ermöglicht es ihm, die Lehren zu verbreiten und die Herzen durch die Bindung an Gott zu beeinflussen, sein eigenes Leben zu verändern und der Menschheit zu dienen.

8. "In Seinem Heiligsten Buch erklärt Bahá'u'lláh: 'Bei Meinem Leben! Wüßtet ihr, was Wir für euch wünschten, als Wir Unsere heiligen Gesetze offenbarten, so würdet ihr euere Seelen aufopfern für diese heilige, mächtige, erhabene Sache.'" Universales Haus der Gerechtigkeit, Einführung zur Inhaltsübersicht und systematische Darstellung des Kitáb-i-Aqdas, S. 20

9. Was Er sich an diesem Tage vorbehalten hat, sind die Städte der Menschenherzen, und die Geliebten Dessen, der die höchste Wahrheit ist, sind an diesem Tage wie die Schlüssel zu ihnen. Gebe Gott, daß sie befähigt werden, durch die Macht des Größten Namens die Tore dieser Städte aufzuschließen." Bahá'u'lláh , Ährenlese Seite 211

10. "Was Er sich vorbehielt, sind die Städte der Menschenherzen, damit Er sie von aller irdischen Befleckung rein mache und sie befähige, dem geheiligten Orte zu nahen, den die Hände der Ungläubigen niemals entweihen können. Öffne, o Volk, die Stadt des Menschenherzens mit dem Schlüssel deiner Rede." Bahá'u'lláh , Ährenlese Seite 264

11. "Es gebührt den Handwerkern und Könnern der Welt, in jedem Augenblick tausendfältige Zeichen der Dankbarkeit an der Heiligen Schwelle zu opfern und sich in höchstem Maße zu bemühen und eifrig ihrem Beruf nachzugehen, so daß ihre Anstrengungen das hervorbringen, was die größte Schönheit und Vollkommenheit in den Augen aller Menschen aufweist."

'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá (Haifa: Bahá`í World Centre 1982), Seite 145 unüberprüfte Übersetzung

12. "...Wir fühlen uns dazu gedrängt, dies Ihrer Aufmerksamkeit anheimzugeben, damit Sie, wenn Sie es für geraten halten, den durch Sie Ernannten nahelegen können, daß es nicht nur von großer Wichtigkeit ist, mit den Pionieren in Verbindung zu bleiben, sondern ihnen auch zu helfen auszuharren und sie darauf hinzuweisen, wie heilig ihre Verantwortung ist und welch eine große geistige Niederlage es wäre, wenn sie ihren Posten aufgeben, wenn die Möglichkeit bestünde, dort zu bleiben." (Aus einem Brief vom 2. Mai 1954, geschrieben im Auftrage des Hüters an die Hände der Sache, zitiert in The Continental Boards of Conselors, a compilation by the National Spiritual Assembly of the United States (Wilmette; Bahá`í Publishing Trust, 1981), Seite 23)

13. "Aber ehe die Mehrheit des Rates zu einer Entscheidung kommt, ist es nicht nur das Recht, sondern die heilige Verpflichtung jedes Mitgliedes, frei und offen seine Ansichten zu äußern, ohne befürchten zu müssen, daß Mißfallen oder Entfremdung bei einem der übrigen Mitglieder entsteht." (Aus einem Brief vom 28.Oktober 1935, geschrieben im Auftrage von Shoghi Effendi an einen Gläubigen, zitiert in Hornby, Helen, comp: Lights of Guidance; A Bahá`í Reference File, (New Dehli: Bahá`í Publishing Trust, 1988) Seite 177)

Anwendung der Offenbarung

Gottesdienst äußert sich durch Studium, Verbreitung und Schutz Seiner Sache, unvoreingenommenes und vorbehaltloses Festhalten an Seinen Gesetzen und volle Hingabe an die Förderung der Wohlfahrt der menschlichen Rasse.

14. "...Hilfsamtsmitglieder ..., die Erfüllung ihrer doppelten und heiligen Pflichten den Glauben zu schützen und die Lehrtätigkeiten voranzutreiben." (Aus einem Brief vom April 1954, geschrieben von Shoghi Effendi an Nationaltagungen, zitiert in The Continental Boards of Counselors, S. 22-23)

15. "Unter den ersten der großen Prinzipien, die durch Ihn offenbart wurden, ist die Untersuchung der Wirklichkeit. Das bedeutet, daß jedes einzelne Glied der Menschheit aufgefordert ist und ihm befohlen wurde, alle abergläubischen Glaubensvorstellungen, alle Traditionen und blinden Nachahmungen der von den Vorfahren übernommenen Religionsformen beiseite zu lassen und selbst die Wirklichkeit zu untersuchen. Da die grundlegende Wirklichkeit eine ist, werden alle Religionen und Nationen der Welt eines werden, wenn sie diese Wirklichkeit untersuchen. Die Verkündigung dieses Prinzips findet sich in keinem der Heiligen Bücher der Vergangenheit." ('Abdu'l-Bahá, The Promulgation of Universal Peace: Ansprachen gehalten von 'Abdu'l-Bahá während Seines Aufenthalts in Amerika und Kanada von 1912 (Wilmette: Bahá`í Publishing Trust, 1982), Seite 433

16. "Er hat auch das Prinzip verkündet, daß die ganze Menschheit erzogen werden müßte und daß es nicht zugelassen werden darf, daß es Analphabetentum gibt. Dieses praktische Hilfsmittel für die Nöte der Welt kann man in keinem Text der anderen Heiligen Bücher finden." The Promulgation of Universal Peace, Seite 435

17. "Außerdem erklärt Bahá'u'lláh, daß alle Formen des Vorurteils unter der Menschheit aufgegeben werden müßten und daß solange bestehende Vorurteile nicht restlos beseitigt werden, die Menschenwelt keinen Frieden, keinen Wohlstand und keine Ruhe erreichen kann noch erreichen wird. Dieses Prinzip kann in keinem anderen Heiligen Buch als nur in den Lehren Bahá'u'lláhs gefunden werden." The Promulgation of Universal Peace, Seite 434

18. "Gehorsam den Anweisungen und Befehlen des Staates gegenüber ist tatsächlich die heilige Verpflichtung eines jeden wahren und loyalen Bahá`í. Sowohl Bahá'u'lláh wie auch 'Abdu'l-Bahá haben uns alle gedrängt, gegenüber den politischen Autoritäten unseres jeweiligen Landes ehrerbietig und loyal zu sein." Aus einem Brief v. 11. Februar 1934, geschrieben im Auftrage Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in The Light of Divine Guidance (Hofheim-Langenhain: Bahá`í-Verlag, 1982) Seite 54

Die Fonds des Glaubens

Durch Opfer und Spenden verwirklichen wir das Heilige in der Schöpfung; was geopfert wird, gehört Gott und ist deshalb heilig.

19. "...Bahá`í Fonds ... Es ist die heilige Verpflichtung eines jeden verantwortungsbewußten und treuen Dieners Bahá'u'lláhs, der den Fortschritt Seines Glaubens ersehnt, frei und großzügig zum Wachstum des Fonds beizutragen." Shoghi Effendi, aus einem Brief vom 12. März 1923, in Bahá`í Administration: Selected Messages 1922-1932 (Wilmette; Bahá`í Publishing Trust, 1974), Seiten 41 - 42)

20. "Die Gesegnete Schönheit - möge mein Leben für Ihren Staub geopfert werden - hat mit Ihrem entschiedenen Wort hervorgehoben, daß in den das uqúq betreffenden Frage äußerste Ehrlichkeit walten muß. Das Gesetz des Huqúq ist heilig."

'Abdu'l-Bahá, zitiert nach der Textzusammenstellung uqúqu'lláh, deutsche Fassung 1987, Seite 29

Betreuung des Einzelnen und der Gemeinde

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat der Bahá`í-Welt versichert, daß die Möglichkeit für sofortigen Fortschritt auf dem Gebiet des Lehrens unmittelbar gegeben ist. Dieser Fortschritt muß von einem Reifeprozeß der Institutionen des Glaubens begleitet sein. Aber das Erreichen dieses Fortschritts wird von der rückhaltlosen Unterstützung der Gläubigen abhängig sein, die jetzt überall zu einer neuen Bewußtheit über die ungewöhnlichen Möglichkeiten und die Dringlichkeit der Zeit erwachen.

Die vierte Epoche des Gestaltenden Zeitalters begann 1986. Die geistigen, intellektuellen und sozialen Prozesse, die zu dieser Epoche gehören, verlangen eine ständige Pflege sowohl des Einzelnen wie auch der Gemeinde. Eines hängt vom anderen ab und die Institutionen müssen für ihr wechselseitiges Vor- anschreiten sorgen. Die Seelen müssen umgestaltet und neue Formen des Gemeindelebens entwickelt werden.

Geistige Führerschaft, die durch opfervollen Dienst und ergebene Tätigkeit erreicht wird, ist jetzt erforderlich. Durch überströmende Liebe können die Mitglieder der Institutionen jetzt eine Einheit erreichen und pflegen, die einen Erfolg nach dem anderen erbringen wird. Die erhabene Körperschaft hat den Beratern mit Nachdruck nahegelegt, daß ihre Aufgabe das ganze Leben des Glaubens betrifft und daher entscheidend ist: "... durch ihre Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten müssen Sie die örtlichen Gei- stigen Räte stärken und aufrichten und überall den Geist der Gläubigen wachrütteln und ihre Vision erweitern."

Wenn wir auf diese Aufforderung, die Einzelnen und die Gemeinden zu pflegen, reagieren, so müssen wir uns ständig den machtvollen Aufruf 'Abdu'l-Bahás an die Hände der Sache Gottes vor Augen halten, "...die göttlichen Düfte zu verbreiten, die Menschenseelen zu erbauen, die Bildung zu fördern, alle Menschen zu bessern und allezeit in jeder Lage von Irdischem geheiligt und gelöst zu sein." Diese Arbeit muß ausgeweitet werden, wir müssen lernen, wie wir ihr Gestalt geben, wie wir den Geistigen Räten Hilfestellung leisten und wie wir die Entwicklung der Gemeinden vorantreiben. Um das zu tun, müssen die großen Kräfte, die in den Herzen der Gläubigen liegen, freigesetzt werden.

Die Elemente des Betreuungsprozesses

Die Herzen erquicken

1. "O Mein Name! Die Rede muß die Kraft der Eindringlichkeit besitzen. Ist sie dieser Eigenschaft beraubt, übt sie keinen Einfluß aus. Und dieser durchdringende Einfluß hängt davon ab, daß der Geist rein und das Herz makellos ist. Desgleichen bedarf die Rede der Mäßigung; ohne sie ist der Hörer außerstande die Rede zu ertragen, vielmehr bekundet er von Anfang an Widerspruch. Und die Mäßigung wird dadurch erlangt, daß man die Rede mit den Zeichen göttlicher Weisheit mischt, wie sie in den heiligen Büchern und Sendbriefen verzeichnet sind. Wenn eines Menschen Rede dergestalt in ihrer Wesenheit mit diesen beiden Grunderfordernissen ausgestattet ist, wird sie sich als ungemein wirksam erweisen und das beste Mittel für die Wandlung der Menschenseelen sein. Das ist die Stufe höchsten Sieges und himmlischer Herrschaft. Wer sie erreicht, ist mit der Macht belehnt, die Sache Gottes zu lehren und der Menschen Herzen und Gemüter zu besiegen." (Bahá'u'lláh , Botschaften aus Akká, Seite 226f)

2. "O Mein Name! Gib allem Erschaffenen erneut zu trinken von diesem Kelche, der die Meere aufbranden ließ. Entfache sodann in den Herzen die Feuerlohe, die dieser Rote Baum entzündet hat, damit sich alle erheben, Seinen Namen unter den Anhängern aller Glaubensrichtungen zu preisen und zu verherr- lichen." (Bahá'u'lláh , Botschaften aus Akká, Seite 224)

3. "Versammelt euch in größter Freude und Verbundenheit und lest die Verse, die der barmherzige Herr offenbarte. So werden sich die Tore zu wahrer Erkenntnis vor eurem inneren Wesen auftun, und ihr werdet fühlen, wie sich eure Seelen mit Standhaftigkeit, eure Herzen mit strahlender Freude füllen." Bahá'u'lláh , zitiert in `Den Glauben vertiefen`, Seite 8, eine Zusammenstellung von der Forschungsabteilung im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit)

Die Ergebenheit steigern

4. "Wo immer die Geliebten Gottes sich versammeln und wem immer sie begegnen, sie müssen in ihrer Haltung vor Gott und in der Art, wie sie Seinen Ruhm und Seine Ehre preisen, solche Demut und Ergebenheit zeigen, daß jedes Staubatom unter ihren Füßen die Tiefe ihrer Ergebenheit bezeugt. Das Ge- spräch, das diese heiligen Seelen führen, sollte von solcher Kraft erfüllt sein, daß eben diese Staubatome unter seinem Einfluß erbeben. Bahá'u'lláh , Ährenlese, S. 10f.

5. "Du erweisest wahrlich der Sache Gottes jetzt einen großen Dienst bei ihrer Begründung, da die Förderung Seiner Religion, die Erweckung des Volkes, die Verbreitung der göttlichen Lehren und die Erziehung der Menschheit den Eckpfeiler ihres Bauwerkes bilden. All dies hängt davon ab, daß die Freunde in der Lehrarbeit geschult sind. Ich flehe zu Gott, du mögest binnen kurzer Zeit fähig sein, die Kinder des Paradieses Abhá mit den göttlichen Geheimnissen und Wahrheiten vertraut zu machen und die Schleier eitlen Wahns zu zerreißen, damit jedes von ihnen ein gewandter Redner wird und viele andere zur Sache Gottes führen kann. Dann wird der Strom himmlischer Gnadengaben offenbar werden, die unsichtbaren Heerscharen des Königreiches, gerüstet mit überzeugenden Zeichen und Beweisen, werden die Men- schenherzen in ihrer innersten Wirklichkeit, ihrem Kernbereich erobern, wie ein einziges Samenkorn, das sich zu sieben Ähren entfaltet." 'Abdu'l-Bahá, zitiert in `Den Glauben vertiefen`, Seite 19

Entwicklung eines guten Charakters fördern

6. "Lenkt eure Aufmerksamkeit ohne Unterlaß auf das, was das Wort Gottes erhöht. In dieser Größten Offenbarung gelten edle Werke und rühmliche Eigenschaften als die Heerscharen Gottes, desgleichen Sein seliges, Sein heiliges Wort. Diese Heerscharen sind ein Magnet für die Menschenherzen, ein Schlüssel für alle Türen. Von allen Rüstungen in der Welt ist dies die wirksamste." Bahá'u'lláh , Botschaften aus `Akká, Seite 284

7. "Halte die Bewohner dortzulande ab von herausfordernden Handlungen, von Hader, Streit und allem was sonst Unruhe stiftet. Rühmlich ist heutzutage die Verbreitung der Sache Gottes. Wollten sich zum Beispiel diejenigen Leute, die gewisse Ziele verfolgen, dem Lehren der Sache Gottes hingeben, so währen alle, die dortzulande wohnen, binnen kurzem mit dem Mantel des Glaubens bekleidet." Bahá'u'lláh , Botschaften aus `Akká, S. 226

Den Heiligen Geist anziehen

8. "Es gibt bestimmte Pfeiler, die als unerschütterliche Stützen des Glaubens Gottes errichtet sind. Die mächtigsten Pfeiler sind Bildung, der Gebrauch des Verstandes, die Erweiterung des Bewußtseins, die Einsicht in die Wirklichkeiten des Weltalls und in die verborgenen Geheimnisse des allmächtigen Gottes." 'Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften Kap. 97,1

9. "Wer immer sich erhebt, um der Sache Gottes zu helfen, den werden wir über zehn mal zehntausend Seelen siegreich machen, und sollte er in der Liebe zu Mir wachsen, so werden Wir ihn über alles im Himmel und alles auf Erden triumphieren lassen." Bahá'u'lláh , zitiert in Shoghi Effendi, Messages to the Bahá`í World 1950 - 1957 (Wilmette; Bahá`í Publishing Trust, 1971) Seite 362

10. "Erhebt euch mit ganzer Macht um dem Bündnis Gottes beizustehen und dient in Seinem Weinberg. Seid zuversichtlich, daß Bestätigung euch gewährt werden wird.... Bei Gott, der Herr der Heerscharen ist eure Stütze, die Engel des Himmels euer Beistand, der Heilige Geist euer Gefährte und der Mittelpunkt des Bündnisses euer Helfer. Seid nicht nachlässig, sondern tätig und fürchtet euch nicht." 'Abdu'l-Bahá, Bahá`í World Faith; Selected writings of Bahá'u'lláh and 'Abdu'l-Bahá (Wilmette; Bahá`í Publishing Trust, 1971) , Seite 362

Liebe und Einigkeit unter den Freunden fördern

11. "Wenn du Seelen führen willst, ist es deine Pflicht standhaft zu sein, gut zu sein und unter allen Umständen mit lobenswerten Attributen und göttlichen Eigenschaften ausgestattet zu sein. Sei ein Zeichen der Liebe, eine Manifestation der Gnade, eine Quelle der Zartheit, sei liebevollen Herzens und gut zu allen und freundlich zu den Dienern Gottes, aber besonders zu jenen, die mit dir verwandt sind, Männer wie Frauen gleichermaßen. Ertrage alles Ungemach, das dir von den Menschen zugefügt wird und tritt ihnen nur mit Freundlichkeit, mit großer Liebe und mit guten Wünschen entgegen." 'Abdu'l-Bahá, Tablets of 'Abdu'l-Bahá Abbas, Vol. III (Chicago Bahá`í Publishing Committee, 1930 printing) Seiten 619 - 620

12. "...Wir dürfen zwischen den einzelnen Mitgliedern der menschlichen Familie keinen Unterschied machen. Wir dürfen keine Seele als unproduktiv und benachteiligt ansehen. Es ist unsere Pflicht, die Seelen so zu erziehen, daß die Sonne der Gaben Gottes in ihnen widerscheinen möge, und das ist durch die Macht der Einheit der Menschheit möglich. Je mehr Liebe unter den Menschen Ausdruck findet und je stärker die Macht der Einheit ist, umso größer wird diese Widerspiegelung und Offenbarung sein, denn die größte Gabe Gottes ist die Liebe. Liebe ist die Quelle aller Gaben Gottes. Ehe Liebe nicht vom Herzen Besitz ergreift, kann keine andere göttliche Gnade in ihm offenbart werden." The Promulgation of Universal Peace, Seite 15

13. "Wann immer heilige Seelen, gestärkt von den Kräften des Himmels, sich mit solchen Tugenden des Geistes erheben und Reihe um Reihe geschlossen vorwärtsstreben, wird jede dieser Seelen gleich einem Tausend, und die brausenden Wogen dieses mächtigen Meeres werden den Bataillonen der himmlischen Heerscharen gleich. Was für ein Segen wird das sein - wenn alle zusammenkommen wie vormals getrennte Wildwasser, Flüsse und Bäche, Rinnsale und einzelne Tropfen. Sammeln sie sich an einem Platz, so bilden sie ein mächtiges Meer. In solchem Ausmaß wird sich da die Unreinheit aller Menschen durchsetzen, daß die Überlieferungen, Gewohnheiten, Gebräuche und Verschiedenheiten in dem wunderlichen Leben aller Völkerschaften in den Hintergrund treten und verschwinden, wie einzelne Tropfen vergehen, sobald das große Meer der Einheit braust und wallt und wogt." 'Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, Kap. 207,3; Bahá`í-Verlag, Hofheim Langenhain 1992

Die Beziehung zwischen den einzelnen Freunden und den Institutionen mit dem Geist des Glaubens erfüllen

14. "Nimm den Kelch des Testaments in deine Hand; hüpfe und tanze in Ekstase in der triumphalen Prozession des Bündnisses die pulsierende Kraft in den Arterien des Körpers der Welt ... jener Geist, welcher die Ursache des Lebens ist. Wer immer durch diesen Geist belebt wird, in ihm wird die Frische und Schönheit des Lebens offenbar, er wird mit dem Heiligen Geist getauft, er ist wiedergeboren, er ist frei von Bedrückung und Tyrannei, von Unachtsamkeit und Härte, die den Geist abtöten und er erreicht ewiges Leben."

"Preise Gott, daß du fest im Bündnis und Testament stehst und daß du dein Antlitz der Leuchte der Welt, Seiner Erhabenheit Bahá'u'lláh, zuwendest." 'Abdu'l-Bahá, zitiert in Star of the West, Vol. 14, No. 7, Oktober 1923, Seite 225

16. "Deshalb müssen die Geliebten Gottes diesen Baum der Hoffnung mit den Wassern ihres ganzen Strebens fleißig nähren und pflegen. In welchem Land sie auch leben, laßt sie aus ganzem Herzen Freunde und Gefährten sein für alle, die ihnen nahe stehen oder ferne sind. Laßt sie mit himmelsgleichen Eigen- schaften die Institutionen Gottes und Seine Religion fördern. Laßt sie nie den Mut verlieren, nie verzweifeln, nie sich niedergeschlagen fühlen. Je mehr Widerstand sie begegnen, desto mehr laßt sie ihren festen Glauben zeigen; je mehr Schmerz und Trübsal auf sie kommen, desto freigebiger laßt sie allen den Kelch der Großmut reichen. Das ist der Geist, der der Welt neues 2Leben gibt, das ist das weithin strahlende Licht in seinem Wesenskern. Wer anders ist oder anders handelt, ist es nicht wert, an der Heiligen Schwelle des Herrn zu dienen." 'Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften Kap. 6,13

17. Ein anderer wertvoller Dienst, den die Mitglieder des Hilfsamtes und ihre Assistenten sehr gut leisten können, besteht darin, in den Herzen aller Gläubigen eine Liebe für die Institutionen des Glaubens zu wecken und zu entwickeln, nicht nur deswegen, weil diese Institutionen von Bahá'u'lláh verordnet sind, sondern auch deswegen, weil diese Liebe eine der Voraussetzungen dafür ist, daß Menschen in großer Zahl sich dem Glauben anschließen. Shoghi Effendi schrieb, daß:

"Ohne den Geist wahrer Liebe zu Bahá'u'lláh, zu Seinem Glauben und Seinen Institutionen und der Gläubigen zueinander, kann niemals eine große Zahl von Menschen zum Glauben geführt werden." Aus einem Brief vom 25. Oktober 1949, geschrieben im Auftrage Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in Compilation of Compilations, Band II, Seite 315)

DER ÖRTLICHE GEISTIGE RAT EINE NEUE SCHÖPFUNG

Wenn wir uns dessen bewußt werden, ein wie kostbares Geschenk Gottes die Institution des Örtlichen Geistigen Rates ist, ja, daß er der Angelpunkt innerhalb der Weltordnung Bahá'u'lláhs ist, dann werden wir sicher danach streben, unsere Räte zu errichten, sie zu pflegen und zu erhalten und werden bereitwillig jede Anstrengung unternehmen, damit sie richtig funk- tionieren und geschützt werden.

Obgleich die Hilfsamtsmitglieder nicht in der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten tätig sind, haben sie doch eindeutig die Verantwortung zu erziehen und über die Administration des Glaubens und auch über die Beziehungen zwischen den Einzelnen und den Institutionen zu informieren. Im Mittelpunkt dieser Verantwortung steht die Aufgabe, die Freunde über das Bündnis zu unterrichten und dabei behilflich zu sein, in ihren Herzen Liebe für die Institutionen der Administrativen Ordnung zu entwickeln. Diese Liebe äußert sich im Gehorsam dem örtlichen Geistigen Rat gegenüber und erzeugt den Wunsch, alle Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, die es dem Rat erlauben werden, seinen geheiligten Verpflichtungen nachzukommen. Unter diesem Blickpunkt bekommt die Erziehung der Freunde in Bezug auf die Fonds des Glaubens eine besondere Bedeutung zu, denn indem die Freunde großzügig spenden, unterstützen sie nicht nur die Institutionen, sondern machen in ihrer eigenen geistigen Entwicklung Fortschritte.

Bei der Entwicklung der Gemeinde und der Stärkung des Örtlichen Geistigen Rates muß besonders Nachdruck auf das Neunzehn-Tage-Fest gelegt werden, als "ein grundlegender Ausdruck des Gemeindelebens" in einem neuen Stadium der Entwicklung. Hier können die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten Ideen übermitteln und Wege vorschlagen, wie das Fest zu einem Mittelpunkt der Anziehung und zu einer Quelle Geistiger Nahrung für die Gemeinde werden kann.

Beratung ist ein Mittel, um das Gefüge der Bahá'í-Gemeinde zu sichern und zu stärken. Die Kraft und die Wirksamkeit, die in der Beratung steckt, zeigt sich nicht automatisch, sondern wächst durch Übung und Erfahrung. Die Hilfsamtsmitglieder helfen den Freunden, Beratung in der Familie, bei den Neunzehn-Tage-Festen und bei allen anderen Gelegenheiten des Gemeindelebens zu entwickeln und zu benutzen. Wenn der örtliche Geistige Rat die Kunst der Beratung beherrscht, so hat er den größten Schritt auf dem Weg des Reifeprozesses zurückgelegt.

Die Stufe des Örtlichen Geistigen Rates; seine Pflichten und Aufgaben

1. "Eines der Heilmittel, die Bahá'u'lláh einer kranken Welt verordnet, ist der Geistige Rat (der in Zukunft zu einem Haus der Gerechtigkeit werden wird); seine Mitglieder haben sehr heilige und schwere Verantwortungen; seine Fähigkeit, die Gemeinde zu leiten, zu beschützen und ihren Mitgliedern zu helfen, ist aber gleichfalls sehr groß." Aus einem Brief v. 30. Juni 1949, geschrieben im Auftrage Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von Deutschland und Österreich, zitiert in "The Light of Divine Guidance S. 153)

2. "Diesen Geistigen Räten ... steht der Geist Gottes bei. Ihr Schirmherr ist 'Abdu'l-Bahá. Er breitet Seine Flügel über sie. Was gibt es für eine größere Gnade als diese? ... Diese Geistigen Räte sind leuchtende Lampen und himmlische Gärten, aus denen die Düfte der Heiligkeit über alle Lande wehen, und die Strahlen der Erkenntnis sich über alle erschaffenen Dinge ergießen. Von ihnen geht nach allen Seiten der Odem des Lebens aus. Sie sind wahrlich zu allen Zeiten und unter allen Umständen die starken Quellen für den menschlichen Fortschritt." 'Abdu'l-Bahá, zitiert in "Gott geht vorüber" (Bahá'í-Verlag Hofheim-Langenhain 1974), Seite 378f

3. "Die Freunde sollten die Bahá'í-Administration niemals als einen Selbstzweck verkennen. Sie ist lediglich das Werkzeug für den Geist des Glaubens. Diese Sache ist eine Sache, die Gott der Menscheit als ein Ganzes offenbart hat. Sie soll dem ganzen Menschengeschlecht zugute kommen. Der einzige Weg, auf dem sie das tun kann, ist, das Gemeinschaftsleben der Menschheit neu zu gestalten, und ebenso zu versuchen, den einzelnen Menschen neu zu beleben. Die Bahá`í-Administration ist nur die erste Formge- bung dessen, was in der Zukunft zum Gesellschaftsleben, zu neuen Gesetzen des Gemeinschaftslebens werden wird. ... wir (lernen) etwas überaus Schwieriges, aber überaus Wundervolles: wie man als Bahá`í- Gemeinschaft nach den herrlichen Lehren des Glaubens zusammenlebt." Aus einem Brief v. 14. Oktober 1941 im Auftrage Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in `Geistige Räte - Häuser der Gerechtigkeit`, Seite 32

4. "Satzung des Örtlichen Geistigen Rates" "Der Geistige Rat soll bei der Verwaltung dieser Körperschaft immer der Ideale gedenken, die in den Heiligen Schriften des Bahá`í-Glaubens hinsichtlich der Beziehungen des Geistigen Rates zur Bahá`í- Gemeinde, der Bahá`í in der Gemeinde zueinander und der Bahá`í zu allen Nicht-Bahá`í ohne Vorurteil gegen Rasse, Bekenntnis oder Nationalität hochgehalten werden. Der Geistige Rat soll deshalb seine heilige Pflicht vor allem darin erkennen, voll und ganz die Einigkeit innerhalb der Bahá`í-Gemeinde zu erhalten, den Kranken und Notleidenden zu helfen und sie zu trösten, den Armen und Verlassenen beizustehen, die Waisen, Verkrüppelten und Betagten zu schützen, die Bahá`í-Kinder den höchsten religiösen Zielsetzungen entsprechend zu erziehen, Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern der Gemeinde beizulegen, die von Bahá'u'lláh geoffenbarten Grundsätze göttlicher Kultur und Zivilisation zu verbreiten und in jedmöglicher Weise das Bahá`í-Ziel der Einheit der Menschheit zu fördern. Er soll treu und ergeben die allgemeinen Bahá`í-Tätigkeiten und -Angelegenheiten unterstützen, die vom Nationalen Geistigen Rat angeregt und geleitet werden. Er soll von ganzem Herzen mit anderen örtlichen Geistigen Räten Deutschlands in allen Angelegenheiten zusammenarbeiten, die vom Nationalen Geistigen Rat als von allgemeiner Wichtigkeit und als Bahá`í-Anliegen bezeichnet werden. Er soll sich strengstens jeglicher unmittelbaren oder mittelbaren Handlungen oder Beeinflussungen enthalten, die eine Einmischung seitens einer Bahá`í-Körperschaft in die Belange der öffentlichen Politik der staatlichen Autoritäten bedeuten könnte. Er soll Verbindungen zwischen den Bahá`í Gemeinden beleben, Beglaubigungen für aus ... wegreisende Bahá`í ausstellen und solche von anderen Bahá`í-Gemeinden überprüfen. Er soll seine Be- fugnisse als ein Mittel betrachten, um den Bahá`í und Nicht-Bahá`í zu dienen, nicht aber als Quelle willkürlicher Macht. Der Geistige Rat soll unter Vorbehalt des geheiligten Rechtes letzter Entscheidung in allen Angelegenheiten, welche die Bahá`í-Gemeinde betreffen, immer Ratschlag und Beratung bei allen Mitgliedern der Gemeinde suchen, die Gemeinde in allen Dingen auf dem Laufenden halten und zu voller und freier Aussprache über alle den Glauben berührende Fragen einladen." Treuhandschaftserklärung und Satzung, S. 30f, deutsche Fassung)

Die Beziehung des Hilfsamtes zu den Örtlichen Geistigen Räten

5. "Autorität und Leitung geht von den Räten aus, während die Kraft, die Aufgaben zu erfüllen, vorwiegend in der gesamten Körperschaft der Gläubigen liegt. Es ist die vordringliche Aufgabe der Hilfsämter, bei der Erweckung und Befreiung dieser Kräfte mitzuhelfen." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Kontinentalen Beraterämter und die Nationalen Geistigen Räte vom 1. Oktober 1969, in Botschaften des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Band II, 1968 - 1973, Seite 97

6. "Die Mitglieder der Hilfsämter sollten ihrerseits die Freunde durch Korrespondenz und Besuche ermutigen - Einzelstehende ebenso wie Räte - und ihnen vor Augen führen, daß die Grundlage aller unserer Tätigkeiten die Einheit ist; sie sollten die Freunde ermutigen, unter allen Umständen einig zu sein, so daß die Arbeit mit der Bestätigung des Heiligen Geistes vorangehen kann. Die Mitglieder der Hilfsämter sollen ebenso die Freunde ermutigen, freigebig zu den verschiedenen Fonds beizutragen, die errichtet wurden, da die Fonds das Lebensblut der Gemeinde sind, und die Arbeit nicht vorangetragen werden kann, ohne daß das Lebensblut dauernd in Umlauf ist." Aus einem Brief im Auftrage Shoghi Effendis an die Hände der Sache Gottes vom 7. Juni 1954, zitiert in The Continental Boards of Counselors, Seite 24

Entwicklung des Örtlichen Geistigen Rates und der Gemeinde

7. "Nur wenn die einzelnen Mitglieder des Örtlichen Geistigen Rates sich selbst in den grundlegenden Wahrheiten des Glaubens und in der richtigen Anwendung der Prinzipien, die die Tätigkeit des Rates bestimmen, vertiefen, wird diese Institution wachsen und ihr volles Potential entwickeln." Aus einem Brief vom 11. August 1970 vom Universalen Haus der Gerechtigkeit an alle Nationalen Geistigen Räte, zitiert in Light of Guidance, Seite 43

8. "Der beste Rat ist jener, der die Fähigkeiten der einzelnen Gruppenmitglieder herauszustellen versteht und sie damit beschäftigt hält, in der einen oder anderen Form aktiv daran teilzunehmen, den Glauben zu lehren und die Botschaft zu verbreiten." Aus einem Brief vom August 1932 im Auftrage Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in Bahá`í News, Nr. 68, November 1932, Seite 3

9. "Die örtlichen Räte sollten den einzelnen Gläubigen Vertrauen einflößen, und diese wiederum sollten ihre Bereitschaft zum Ausdruck bringen, sich völlig an die Entscheidungen und Anweisungen des örtlichen Rates zu halten: beide Seiten müssen lernen, zusammenzuarbeiten und sich darüber klar zu werden, daß nur durch Zusammenarbeit die Institutionen der Bahá`í-Sache bestmöglich ohne Unterbrechung wirksam sein können. Der Gehorsam dem Örtlichen Geistigen Rat gegenüber sollte uneingeschränkt und rückhaltlos sein, jene Körperschaft aber sollte ihre Anweisungen in solcher Weise geben, daß der Eindruck vermieden wird, sie werde von diktatorischen Motiven beseelt. Der Geist der Sache Gottes ist ein Geist wechselseitiger Zusammenarbeit, nicht ein Geist der Diktatur." Aus einem Brief vom 28. Oktober 1935 im Auftrage Shoghi Effendis an einen Gläubigen, zitiert in `Geistige Räte - Häuser der Gerechtigkeit`, Seite 26f

Das Neunzehn-Tage-Fest

10. "Man kann dieses Fest mit seiner einzigartigen Kombination von Bräuchen sehr wohl als den Höhepunkt eines großen historischen Entwicklungsprozesses ansehen, in dem grundlegende Bestandteile des Gemeindelebens wie Andacht, Feste und andere Formen des Beisammenseins über riesige Zeitspannen hinweg eine herrliche Annäherung erreicht haben. In diesem aufgeklärten Zeitalter bildet das Neunzehntagefest die neue Stufe, zu der sich die grundlegenden Ausdruckformen des Gemeindelebens emporentwickelt haben. Shoghi Effendi hat es als das Fundament der neuen Weltordnung bezeichnet, und in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief wird darauf verwiesen, daß das Fest "ein fundamentales Mittel dazu ist, engen und andauernden Kontakt unter den Gläubigen sowie zwischen ihnen und der Körperschaft der von ihnen gewählten Vertreter in der örtlichen Gemeinde zu pflegen."

"Wenn das Neunzehntagefest zum gebührenden Erlebnis werden soll, ist außer dem Verstehen der Grundidee auch die Vorbereitung des Festes selbst sowie auf das Fest nötig. Obwohl der Örtliche Geistige Rat von der Verwaltung her für die Durchführung des Festes verantwortlich ist, beauftragt er oft einen einzelnen oder eine Gruppe mit den Vorbereitungen. Diese Vorgehensweise steht im Einklang mit dem für diesen Anlaß so wichtigen Geist der Gastfreundschaft. Die betreffenden Personen können Gastgeber sein, und oft suchen sie Gebete und Texte für den Andachtsteil aus; sie können sich auch um das gesellige Beisammensein kümmern. In kleinen Gemeinden ist es einfach, persönliche Gastfreundschaft zu praktizieren, aber in großen Gemeinden können die örtlichen Geistigen Räte andere Wege für nötig halten, die jedoch den Grundgedanken der Gastfreundschaft bewahren." Aus einem Brief vom 27. August 1989 des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, zitiert in The Nineteen Day Feast, a compilation, London 1989, S. VIf

Beratung

11. "In allen Dingen muß beraten werden. Dieses solltest du nachdrücklich hervorheben, auf daß Beratung von allen beachtet werde. Die Absicht dessen, was von der Feder des Höchsten offenbart wurde, ist, daß Beratung unter den Freunden voll ausgetragen werde, da sie eine Ursache der Erkenntnis und des Erwachens und eine Quelle des Guten und des Wohlergehens ist und immer sein wird." Bahá'u'lláh , zitiert in `Beratung`, eine Zusammenstellung der Forschungsabteilung im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, Seite 4

12. "In diesem Glauben ist Beratung lebensnotwendig, aber eine geistige Beratung ist gemeint und nicht einfach eine Äußerung persönlicher Ansichten." 'Abdu'l-Bahá, Promulgation of Universal Peace, Seite 7

13. "Die Frage der Beratung ist von äußerster Wichtigkeit und eines der mächtigsten Werkzeuge, um Ruhe und Glück der Menschen zu fördern." 'Abdu'l-Bahá, zitiert in `Beratung`, Seite 11

14. "Der Zweck der Beratung ist, zu zeigen, daß die Ansichten verschiedener Menschen ganz gewiß der eines einzelnen Menschen vorzuziehen sind, genauso wie die Kraft einer Anzahl Menschen selbstverständlich größer ist als die Kraft eines einzelnen. So wird Beratung in der Gegenwart des All- mächtigen annehmbar und wurde den Gläubigen zur Pflicht gemacht, damit sie sich über alltägliche und persönliche Dinge wie auch über Angelegenheiten allgemeiner und umfassender Natur beraten." 'Abdu'l-Bahá, zitiert in `Beratung`, Seite 13

15. "Bahá'u'lláh betont auch, wie wichtig die Beratung ist. Wir sollten nicht denken, daß diese lohnende Methode, Lösungen zu finden, auf die administrativen Institutionen der Sache beschränkt ist. Beratung in der Familie, bei der offen und frei gesprochen wird und die beseelt ist von der Erkenntnis, daß Mäßigung und Ausgewogenheit notwendig sind, kann das Allheilmittel für häusliche Konflikte sein." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 1. August 1978 an einen Gläubigen, zitiert in `Einheit der Familie`, Seite 46

16. "Es ist die Absicht zu betonen, daß Beratung das Ziel haben muß, die Wahrheit herauszufinden. Wer seine Meinung äußert, sollte sie nicht als richtig hinstellen, sondern sie als einen Beitrag zum Konsens der Meinung anbieten, denn das Licht der Wirklichkeit wird offensichtlich, wenn zwei Meinungen aufeinandertreffen. Ein Funke wird erzeugt, wenn Stahl und Stein zusammenschlagen. Der Mensch sollte seine Meinung mit äußerster Ernsthaftigkeit, Ruhe und Zurückhaltung abwägen. Ehe er seine eigene Ansicht vorträgt, sollte er sorgfältig die schon geäußerten Meinungen der anderen berücksichtigen. Wenn er feststellt, daß eine schon vorher geäußerte Ansicht der Wahrheit näher kommt und wertvoller ist, sollte er sie sofort annehmen und nicht eigenwillig auf seiner eigenen bestehen. Durch diese vorzügliche Methode bemüht er sich, zur Einheit und Wahrheit zu gelangen. Opposition und Spaltung sind beklagenswert ... Daher ist echte Beratung eine geistige Konferenz in der Haltung und Atmosphäre der Liebe. Die Mitglieder müssen einander im Geiste der Freundschaft lieben, damit gute Ergebnisse erzielt werden mögen. Liebe und Freundschaft sind die Grundlage." Aus The Promulgation of Universal Peace, Seite 72 - 73

17. "Beratung verleiht tiefere Kenntnis und verwandelt Vermutung in Gewißheit. Sie ist ein strahlendes Licht, welches in einer dunklen Welt den Weg weist und Führung gibt. Für alles gibt es und wird es immer eine Stufe der Vollendung und Reife geben. Die Gabe der Einsicht zeigt ihre Reife in der Beratung." Bahá'u'lláh , zitiert in `Beratung`, Seite 3

Visionen des Wachstums vermitteln, Strategien entwickeln Aktionslinien erstellen und Dienstergebenheit einflößen

Ein Arbeitspapier, erstellt vom Internationalen Lehrzentrum für die Hilfsamtskonferenzen im Januar und Februar 1992 mit dem Thema: "Die Kraft des einzelnen freisetzen und die örtlichen und nationalen Bahá`í-Gemeinden aktiv werden lassen" (Gedanken über dieses Papier sind die gleichen wie in den vorherigen über Heiligkeit, Betreuung des Einzelnen und der Gemeinde sowie der Örtliche Geistige Rat)

Visionen des Wachstums vermitteln, Strategien entwickeln, Aktionslinien erstellen und Dienstergebenheit einflößen sind alles Aspekte, die den Gemeinden dazu helfen, Aktionspläne zu errichten und durchzuführen. Ehe diese einzelnen Elemente der Planung und des Durchführungsprozesses jedoch untersucht werden, wollen wir einige Worte über den Charakter von Gemeinschaftsaktionen sagen, besonders im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr.

Die Macht konkreter, klar umrissener Tätigkeit

In ihren Bemühungen, die Fähigkeiten der Einzelnen freizusetzen und die örtliche Gemeinde aktiv werden zu lassen, nutzen die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten die Macht des schöpferischen Wortes und die Kraft ihrer eigenen Liebe zu den Freunden, um ihnen zu helfen, ihre Kenntnisse des Glaubens zu vertiefen, das Verstehen zu fördern, Begeisterung anzufachen, zu motivieren und die Bande der Einheit zu stärken und den Wunsch, nach Dienstbereitschaft zu entzünden. Dies ist jedoch nicht das ganze Ausmaß ihrer Arbeit. Sie müssen auch dabei helfen, daß die Freunde ihre Liebe und ihr Verständnis in die Tat umsetzen.

Die Notwendigkeit, würdige und angemessene Feiern des hundertjährigen Jahrestages des Hinscheidens Bahá'u'lláhs zu organisieren, gibt den Hilfsamtsmitgliedern schon früh im Heiligen Jahr die Gelegenheit, die Freunde in jeder örtlichen Gemeinde zusammenzurufen, damit sie sich ihrer konkreten gemeinsamen Aufgabe widmen. Jedes Volk hat Traditionen, Fähigkeit und Mittel, sich in Erinnerung an ein Heiliges Ereignis zu vereinen und es sollte möglich sein, dieses auch in der weitaus größten Zahl der Großstädte, Kleinstädte und Dörfer auf der ganzen Welt zu tun, wo Bahá`í wohnen. Indem sie zu diesen Erinnerungsfeiern ermutigen, können die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten den Gläubigen helfen, aus einem heiligen und historischen Unternehmen geistige Kräfte zu schöpfen und die Vorbereitung für eine Reihe von klar umrissenen Tätigkeiten zu schaffen, die den Namen Bahá'u'lláhs weit in ihrer ganzen Umgebung verherrlichen.

Wenn das Jahrhundert des Hinscheidens Bahá'u'lláhs würdig begangen werden soll, besonders in jenen Orten, wo die Gläubigen noch nicht sehr vertieft werden konnten, muß rechtzeitig vorher ein Fundament gelegt werden. Es muß den Freunden dabei geholfen werden, ein Verständnis der Sendung Bahá'u'lláhs und Seiner ruhmreichen Stellung zu gewinnen. Man muß ihnen weiter durch einen Beratungsprozeß helfen, zu einer Entscheidung zu kommen, wie sie diesen Heiligen Jahrestag feiern wollen, und zwar in einer Art und Weise, die ihre Liebe zu Bahá'u'lláh und ihre tiefsten Gefühle gegenüber dem Heiligen ausdrückt. Sie sollten dazu ermutigt werden, diese Erinnerungsfeier auf ihre eigene Weise zu organisieren. Sie müssen ihre Hilfs- quellen zusammentragen, die Aufgaben unter sich verteilen und den starken Geist der Zusammenarbeit hinzuziehen, der in den meisten Kulturen besteht. Die Ergebnisse eines solchen Prozesses werden sich sehr deutlich von dem

unterscheiden, was bei einem flüchtigen Besuch der Gemeinde erreicht werden könnte, während dem sie nur an die Wichtigkeit der Gelegenheit erinnert und zu einer Gedenkfeier zusammengerufen werden.

Aufbauend auf diesem Geist, der durch die angemessene Gedenkfeier von Bahá'u'lláhs Hinscheiden erzeugt worden ist, kann eine Reihe von konkreten Aktionen die Fähigkeit der Gemeinde erhöhen, die heilende Botschaft Bahá'u'lláhs hinauszutragen. Natürlich wird die Art einer solchen Aktion von Gemeinde zu Gemeinde verschieden sein und reicht von einem Besuch in einem benachbarten Dorf, um dort den Glauben zu lehren, bis hin zu komplexen Proklamationsprojekten in Weltstädten. Die folgenden Themen sind Vorschläge für Beratungspunkte um zu zeigen, in welcher Art Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten Gemeinschaftsaktionen fördern können. Die kurzen Aussagen nach jeder Überschrift sind dazu gedacht, Gedanken zu erwecken und zur Diskussion anzuregen.

1 Die Fähigkeit, den Freunden zu helfen, Einheit im Denken zu erreichen. Ein Konsens und eine Einheit im Denken wird zuerst nicht bei Einzelheiten erreicht, sondern auf einer höheren Be- wußtseinsebene. Ehe man einzelne Entscheidungen treffen kann, muß man über die Ziele, die Natur, das Ausmaß der zu unternehmenden Aktionen eine allgemeine Einigung erzielen. Ein gemeinsamer Wille muß dann als Ergebnis des Konsenses über die einzuschlagende Richtung geschaffen werden.

2 Die Fähigkeit, eine "Lernatmosphäre" zu schaffen. Die Lernleistung vermeidet es, daß man nach Regeln sucht, die streng befolgt werden müssen. Nach der Beratung werden Entscheidungen durchgeführt, aber es wird im Auge behalten, daß die folgende Entwicklung beobachtet und darüber nachgedacht werden muß. Dieses gemeinsame Nachdenken erfolgt unter Berücksichtigung der Weisheit, die in den Schriften enthalten ist. In einer Lernatmosphäre ist die Angst vor Versagen ausgeschaltet und man hilft den Freunden, sich auf die Leistungen und auf die neue Fähigkeit zum Fortschritt, die sich aus dem Lernen ergibt, zu konzentrieren.

3 Die Fähigkeit, die Leistungen der Institutionen zu erhöhen. Durch konkrete Aktionen ist es möglich, langsam die Organisationsfähigkeit der Gemeinde aufzubauen, ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit zu steigern, ihre Entscheidungsfreudigkeit zu erhöhen und die Entscheidung wir- kungsvoll durchzuführen. Die Stärkung eines Örtlichen Geistigen Rates hängt sowohl von der Vertiefung ab wie auch von der zunehmenden Erfahrung, die sich aus konkreten Aktionen ergibt.

4 Die Fähigkeit der Gemeinden gemeinsame Aktionen mit Freude und Begeisterung zu verrichten. Begeisterung ist zu Anfang einer Aktivität leicht zu erzeugen, aber sie aufrecht zu erhalten, erfordert Freude und Frohsinn. Unerfüllte Erwartungen führen zu gedämpfter Begeisterung. Es ist daher wichtig, den Freunden dazu zu verhelfen, daß sie Freude und Befriedigung aus dem Dienst selbst entnehmen, auch wenn er von wenigen geleistet wird und nicht so, wie es ursprünglich vorgesehen war.

Die stärkende Auswirkung regelmäßiger Aktivitäten

Was oben in Bezug auf Aktionen im Zusammenhang mit dem Heiligen Jahr aufgezeigt worden ist, deutet auf ein Grundprinzip der Gemeindeentwicklung hin. Ehe in den meisten Teilen der Welt eine Gemeinde regelmäßige Aktivitäten durchführen kann, die das Bahá`í-Gemeindeleben charakterisieren, muß erst ein Gefühl für die Gemeinschaft durch eine Reihe von wohldefinierten Aktionen aufgebaut werden, die in einer bestimmten Zeit stattfinden und mit Sicherheit zu Erfolgen und zu konkreten Ergebnissen führen. Wenn einmal die Fähigkeit der Gemeinde zu Aktionen bis zu einem gewissen Grade aufgebaut worden ist, dann wird die Erfüllung der folgenden Bedingungen sicherstellen, daß weitere regelmäßige Aktivitäten auch durchgehalten werden:

beständige Anwesenheit der Hilfsamtsmitglieder und Assistenten in der Gemeinde

6 beständige Kommunikation zwischen dem Hilfsamtsmitglied, den Assistenten, den Freunden und dem örtlichen Geistigen Rat

7 beständige Bemühung, die Vision der Freunde über die Aufgabe der Bahá`í-Gemeinde zu erweitern

8 beständige Aufmerksamkeit für die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten, die Erziehung der Freunde, nicht nur in Bezug auf Konzept und Prinzipien, aber auch wie man Aktivitäten wirkungsvoll durchführt

9 beständige Aufmerksamkeit für das Studium der Heiligen Schriften, sowohl als Einzelner wie auch als Gruppe und die Entwicklung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es leichter machen, in der Gruppe Texte zu studieren.

Aktionspläne

Hilfsamtsmitglieder sind die Diener von örtlichen Gemeinden, die unterschiedlich stark sind. Während einige Gemeinden sich in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, können andere einen Örtlichen Geistigen Rat haben, der fähig ist, recht komplexe Pläne und Projekte geschickt durchzuführen. Hilfsamtsmitglieder selbst können ihre vielfältigen Pflichten nicht erfüllen, indem sie von einander unabhängige Aktivitäten verfolgen. Sie müssen ihre Arbeit nach wohldurchdachten , flexiblen Aktionsplänen organisieren. Die Entwicklung des Glaubens auf der Stufe der regionalen und nationalen Gemeinden erfordern auch systematische Aktionspläne, die gleichzeitig verschiedene Handlungsbereiche betreffen. Unglücklicherweise beschränkt sich Planung oft auf die Aufstellung von Zielen für einen größeren Plan, ihre Zuweisung an bestimmte Regionen, örtliche Gemeinden, nationale Ausschüsse oder anderer Institutionen. Um dieser Pläne willen, werden die Freunde dann aufgerufen, sich zu erheben, um die Ziele zu erfüllen, indem sie an verschiedenen Aktivitäten, Ereignissen, Projekten oder Kampagnen teilnehmen, die einzeln entwickelt werden und von einander isoliert sind, wobei wenig Gefühl für Kontinuität entsteht. Dies führt natürlich zu Ergebnissen, denn wann immer wir uns erheben und dem Glauben mit Liebe und Ergebenheit dienen, ist der Erfolg sichergestellt. Wir beobachten jedoch, daß viel größere Ergebnisse erzielt werden, wenn das Planen und Durchführen mehr Aufmerksamkeit erhält und systematischer angegangen wird. Wenn es auf Aktionspläne beharrt, so wünscht das Internationale Lehrzentrum nicht, daß man an das Planen in komplizierter Weise herangehen soll, was manchmal vielversprechend erscheint, aber nur die Energie von der Aktion selbst ablenkt. Es hat sich vielmehr gezeigt, daß ein detailliertes Planen als eine von Aktionen unabhängige Maßnahme sich oft als wenig lohnend erweist. Ohne daß wir eine besondere Planungsmethode befürworten, wollen wir doch einige geistige und praktische Elemente untersuchen, die den Freunden helfen können, den Glauben systematischer zu verbreiten und ihre Siege zu konsolidieren. Die folgenden Themen werden für eine Beratung vorgeschlagen: "Visionen des Wachstums", "Strategien entwickeln", "Wachstumspläne erstellen" und "zu Hingabe und Dienstbereitschaft begeistern". Diese Elemente des Planungs- und Durchführungsprozesses sind nicht in dieser Reihenfolge zu verwenden. Die dazugehörigen Aktivitäten müssen parallel durchgeführt, wiederholt, verfeinert und verändert werden, in dem Maße, wie die Gemeinde lernt und die Fähigkeiten ihrer Institutionen zunehmen.

10 Visionen des Wachstums aufbauen. Eine wesentliche Voraussetzung für systematische Aktionen besteht darin, daß die Freunde und ihre Institutionen eine gemeinsame Vision des Wachstums für die Gemeinde und die Region entwickeln, eine Vision, an der alle teilhaben und die ihre Pläne und Durchführung ihrer Projekte lenkt. Eine solche Vision kann nicht nur eine Beschreibung von Hoffnungen und Wünschen für die ferne Zukunft sein. Wenn sie sich auch nicht mit Einzelheiten abgibt, so muß diese Vision doch das Potential für unmittelbares Wachstum in der Region herausstellen, dazu Tätigkeitsfelder, die auf Aussicht mit Erfolg untersucht werden können, die Art von Zielen, die man sich stecken kann, die Natur der Projekte, die man unternehmen könnte und die Art und Weise, in der diese Projekte zu den Zielen des globalen Planes des Glaubens beitragen können. Es ist auch einleuchtend, daß eine solche Vision nicht ein für allemal festgelegt werden kann. Sie muß sich entwickeln, die Umrisse müssen schärfer werden und sie muß weitere Elemente in sich aufnehmen, in dem Maße, wie das Planen und die Durchführung langsam voranschreiten.

Wenn Einheitlichkeit im Denken und der Vision erreicht worden sind, dann verschwinden viele Probleme, die Beratung über spezifische Aktivitäten wird viel leichter und vor allem öffnen sich Kanäle, durch die der Geist des Glaubens zu fließen beginnt, und die Massen in Bewegung setzt. Wenn diese Vision nicht von wenigen Mitgliedern der Gemeinde aufgezogen wird, sondern das Ergebnis eines ständigen Beratungsprozesses ist, wenn ein Prozeß in Gang gesetzt wird, bei dem jeder ständig lernt, wie man die Lehrmethoden und das administrative Verfahren verbessern kann und durch das die Lehrer und Administratoren tiefere Einsicht in die Möglichkeit des Wachstums der Bahá`í- Gemeinde und des Einflusses auf die Gesellschaft gewinnen und wenn schließlich das gemeinsame Lernen im Geiste der Einheit und Demut durchgeführt wird, dann werden wir sicher erleben, wie unsere Bemühungen reiche Früchte in großer Anzahl hervorbringt.

Wenn wir versuchen, den Freunden dabei zu helfen, eine Vision des Wachstums für ihre örtliche und nationale Gemeinde oder Region zu entwickeln, so müssen wir daran denken, daß eine solche Vision nur aus einer weit größeren Vision solcher Realitäten entstehen kann wie der Größe dieses Tages, der Macht göttlichen Beistandes und den Möglichkeiten, die in jedem Menschenwesen potentiell angelegt sind und der Macht, die uns zur Verfügung steht, wenn wir wirklich einig sind und im Geiste dieser Einheit arbeiten. Das Entwickeln einer solchen Vision des Wachstums ist also im Grunde genommen ein geistiger Prozeß, der ein immer zunehmenderes Bewußtsein der geistigen Kräfte beinhaltet, die durch Bahá'u'lláh freigesetzt worden sind.

11 Strategien entwickeln. Das Wort "Strategie" wird auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Zusammenhängen gebraucht. Hier wird es in einem streng begrenzten Sinne verwendet. Obgleich Visionen ihrer Natur nach sich auf der Ebene der Verallgemeinerungen bewegen, so haben wir doch, als wir die Vision des Wachstums entwickelten, schon überlegt, in welchen konkreten Möglichkeiten Ressourcen und Methoden uns zur Verfügung stehen. Bei der Entwicklung von Strategien bringen wir Struktur in diese Visionen und entdecken die Wege, denen wir folgen müssen, um sie zu erreichen. So kann zum Beispiel eine Gemeinde, die die Möglichkeiten untersucht, die Erziehung zu beeinflussen, die Strategie wählen, das Erziehungssystem hauptsächlich durch direkten Kontakt mit den Lehrern anzusprechen. Eine Gemeinde, die die Vision entwickelt, daß der Glaube sich unter einer außergewöhnlich empfänglichen Bevölkerungsgruppe schnell ausbreiten möge, kann sich auf die Strategie einer genau definierten Kampagne einigen, zu der ständige Lehrteams gehören, die durch regelmäßige Institutskurse ergänzt werden. Wenn es um die Vision geht, eine große Zahl aktiver Bahá`í-Gemeinden in einem ländlichen Gebiet zu erreichen, so kann ein regionaler Ausschuß als hauptsächliche Strategie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wählen und durch sie in zuneh- mendem Maße die Beteiligung der Eltern am Glauben steigern.

Um wirkungsvoll zu sein, muß die Strategie mit dem Erkennen der Bedingungen in der Bahá`í- Gemeinde und in der Gesellschaft entwickelt werden, in der sie existiert. Bei der Entwicklung der Strategien haben die oben genannten Gemeinden sicherlich die Fähigkeiten berücksichtigt über die sie verfügen und wenigstens einige der Eigenschaften der sie umgebenden Gesellschaft. Auch um solche Kenntnisse zu gewinnen, befürworten wir nicht formale und komplizierte Untersuchungen, sondern einen Prozeß der Beratung, der sein Bestes daransetzt, zu beobachten, Fragen festzumachen und Möglichkeiten zu berücksichtigen, die es innerhalb und außerhalb der Gemeinde gibt. Dieser Beratungsprozeß muß kontinuierlich und offen sein, so daß Voraussetzungen unter Berücksichtigung des durch Erfahrung verbesserten Verständnisses, geändert werden können.

12 Aktionslinien erstellen: Das Internationale Lehrzentrum ist davon überzeugt, daß mangelnde Kontinuität die Erfolge der Bahá`í-Gemeinde in der Welt stark einschränken. Bei der Suche nach einer Verbesserung dieser Kontinuität haben wir es als nützlich erkannt, daß man an Aktionspläne denkt, die aus einer Reihe von parallelen Aktionslinien bestehen. Aktionslinien ihrerseits bestehen aus einer Reihe von Projekten und Aktivitäten, von denen eine auf der anderen aufbaut und den Weg für zukünftige Fortschritte vorbereitet. So sind zum Beispiel in verschiedenen Ländern die Berater dabei, die Ausbildung von einer großen Zahl von Kinderklassenlehrern zu fördern als einer Aktionslinie, die zum nationalen Aktionsplan gehört. Zu dieser Aktionslinie gehört die Vorbereitung geeigneter Lehrmaterialien, die Ausbildung einer Kerngruppe von Ausbildern von Kinderklassenlehrern, eine Reihe von Kursen für die Lehrer, eine Bewertung des Materials und schließlich die Entwicklung verbesserter Methoden der Lehrerausbildung und der Kindererziehung. Viele Hilfsamtsmitglieder in der Welt haben in ihre eigenen Aktionspläne solche Aktionslinien eingebaut wie etwa die Förderung individuellen Lehrens, die örtliche Vertiefung in Gemeinden der Gegend und die Ermutigung zu Jugendaktivitäten.

Um ein anderes Beispiel von Aktionslinien zu nennen, so ist in vielen Gegenden der Welt die Förderung und Bereicherung des Neunzehn-Tage-Festes eine Aktionslinie, die im Aktionsplan der Hilfsamtsmitglieder und der regionalen Lehrausschüsse mit enthalten sein muß. Eine Aktivität inner- halb dieser Aktionslinie könnte ein Arbeitskreis für die Assistenten sein, bei dem man sie sorgfältig mit dem Inhalt des Briefes vom 27. August 1989 vertraut macht, den das Universale Haus der Ge- rechtigkeit an die Anhänger Bahá'u'lláhs in der ganzen Welt gerichtet hat. Eine andere Aktivität könnte ein Beratungstreffen sein mit ausgewählten Einzelnen aus der Region um herauszufinden, wie das Fest durch den Einbau von passenden Elementen aus der örtlichen kulturellen Tradition bereichert werden könnte. Eine andere Reihe von Aktivitäten könnten besondere Treffen zwischen Hilfsamtsmitgliedern und ihren Assistenten sein, um von den gegenseitigen Erfahrungen zu lernen, die sie bei der Verbes- serung der Neunzehn-Tage-Feste in einer örtlichen Gemeinde gewonnen haben.

Die Aufgliederung eines Aktionsplanes in eine kontinuierliche Aktionslinie ist nicht notwendigerweise ein komplexes Verfahren. Aber damit solche Pläne erfolgreich sind, müssen gewisse grundlegende Prinzipien beachtet werden. Die Aktionen, die einander folgen sollen, müssen vernünftigerweise konsistent sein in ihrem Ansatz und in ihrer zugrunde liegenden Logik. Um ihre Wirkung auszuweiten und fortzusetzen, sollte eine Aktionslinie Aktivitäten enthalten, die für die Zunahme der zur Ver- fügung stehenden Ressourcen, insbesondere menschliche Ressourcen hilfreich sind. Wenn man daher eine Aktionslinie entwirft, muß man überlegen, welche Ressourcen zur Verfügung stehen und wie man sie erweitern kann, welche administrative Hilfen für diese Aktion erforderlich sind und welche Methoden bei ihnen angewandt werden sollen. Wenn man auf einer Aktionslinie entlangschreitet, so bedeutet das, daß man sich genaue, kurzzeitige Ziele setzen und das Erreichte kontrollieren muß. Dann muß die nächste Gruppe von Aktivitäten entworfen werden. Aber all das muß geschehen, indem man sich hauptsächlich auf die Aktion konzentriert und auf die Vorzüglichkeit, mit der jede dieser Aktivitäten durchgeführt wurde. In dem Maße wie Kurzzeitziele erreicht werden und man sich andere entlang auf der Aktionslinie steckt, verändert sich die Richtung und die Methode vervollkommnet sich. Aber es gibt Kontinuität und plötzlich Veränderungen, die gewöhnlich kontraproduktiv sind, was vermieden wird.

13 Dienstergebenheit einflößen. Einzelne Bahá'í und Gemeinden brauchen Begleitung, wenn sie solche Aktionslinien verfolgen. Wenn Schwierigkeiten auftreten und die Entschlossenheit nachläßt, müssen die Freunde immer wieder zu höheren Stufen der Hingabe angeregt werden. Hier gewinnt das Konzept der Pflege für die Arbeit der Hilfsamtsmitglieder und der Assistenten zentrale Bedeutung. Die Herzen anregen, die Hingabe steigern, gute Charakterentwicklung fördern, den Heiligen Geist anziehen, Liebe und Einigkeit unter den Freunden pflegen und das Verhältnis zwischen den einzelnen Gläubigen und den Institutionen mit dem Geist des Glaubens zu erfüllen, dies sind die Herausforderungen, vor denen die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten ständig stehen. Beratung über folgende Punkte könnten ihnen helfen, dieser Herausforderung gewachsen zu sein: * sich auf die Kraft des Gebetes und die Kraft des schöpferischen Wortes verlassen

* die Kunst der wirkungsvollen Ermutigung beherrschen

* den Freunden dabei behilflich zu sein, daß sie die Notwendigkeit für ständiges Bemühen und Beharrlichkeit erkennen

* sich auf Energien konzentrieren und den Gemeindeaktivitäten ein Gefühl für geistige Disziplin vermitteln

Teil 2

ÜBER DAS LEHREN

Briefe vom Internationalen Lehrzentrum

* Was alles zum Lehren gehört

* Kleine Lehrprojekte

* Lehrinstitute

* Einladung an Sucher, dem Glauben beizutreten

WAS ALLES ZUM LEHREN GEHÖRT

Die neue Welle, mit der sich die Sache Gottes ausdehnt, angestoßen durch die Ridván-Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit von 1988, schwillt in jedem Erdteil weiter an. So hinreißend sind die Lehrmöglichkeiten auf der ganzen Welt, daß wir uns durch nichts davon abhalten lassen dürfen, unsere Kräfte brennpunktartig auf die vereinte Aktion zu lenken, um dergestalt zum Greifen nahe, noch nie dagewesene Siege zu erringen. Ihre Bemühungen, den Freunden eine Gesinnungseinheit in Sachen Ausbreitung und Festigung gewinnen und wahren zu helfen, haben in unschätzbarem Maße zur Schaffung des derzeitigen, der Lehrarbeit so günstigen Umfelds in der Bahá'í-Welt beigetragen. Um Sie bei diesen wertvollen Anstrengungen weiter zu unterstützen, möchten wir mit Ihnen einige Einsichten teilen, die wir aus den Erfahrungen der Bahá'í-Gemeinden rund um die Welt während dieser kraftvollen Zeit der Ausbreitung zusammengetragen haben.

Ein bemerkenswerter Zug an diesem Aufschwung des Lehrens ist, daß die Gläubigen der Stetigkeit ihrer Lehrbemühungen wachsende Aufmerksamkeit schenken. Schritt für Schritt wird den Freunden klar, daß Lehren keine Folge vereinzelter nicht zusammenhängender Veranstaltungen ist, sondern ein stetiger, systematischer Prozeß, in dem ein Bausatz unabdingbarer Bestandteile organisch vereinigt wird, wie mutige Proklamation; beständige, unaufhörliche Ausbreitung; Vertiefung mit Schwergewicht bei der Entwicklung des menschlichen Potentials für den Dienst an der Sache Gottes sowie methodische, ausdauernde Anstrengungen zur Stärkung der örtlichen wie nationalen Gemeinden und zur Entwicklung ihrer Institutionen.

Ein weiterer bemerkenswerter Zug am gegenwärtigen Aufschwung des Lehrens - und in der Tat ein unverrückbar eingepflanzter Bauteil nachhaltiger, stetiger Ausbreitungsbemühungen - ist das ständige Anwachsen derjenigen Gläubigen, die ihre Zeit und Kraft daran wenden, Bahá'u'lláhs Botschaft zu den wartenden Massen der Menschheit in jeder Gesellschaftsschicht zu tragen. Der Erfolg dieser Lehrer bei ihren persönlichen Bemühungen wie auch bei gemeinschaftlichen Planungen ihrer Institutionen hängt natürlich weitgehend von den Fähigkeiten, Einstellungen und geistigen Erkenntnissen ab, die sie in den Akt des Lehrens einbringen, desgleichen von der durchdringenden Kraft ihrer Rede.

Gott hat sich die Städte der Menschenherzen vorbehalten, erklärt Bahá'u'lláh, und die Gläubigen sind die Schlüssel zu diesen Herzen.

"Was Er sich vorbehalten hat, sind die Städte der Menschenherzen, und die Geliebten Dessen, der die Souveräne Wahrheit ist, sind an diesem Tage wie die Schlüssel zu ihnen. Gebe Gott, daß sie alle befähigt werden, durch die Macht des Größten Namens die Tore dieser Städte aufzuschließen." Bahá'u'lláh , Ährenlese Kap. 115:3

"Was Er sich vorbehielt, sind die Städte der Menschenherzen, damit Er sie von aller irdischen Befleckung rein mache und sie befähige, dem geheiligten Orte zu nahen, den die Hände der Ungläubigen niemals entweihen können. Öffne, o Volk, die Stadt des Menschenherzens mit dem Schlüssel deiner Rede." Bahá'u'lláh , Ährenlese Kap. 139:5

Die Einsicht, daß man sich beim Lehren der Sache Gottes mit dem beschäftigt, was Gott zugehört und demzufolge heilig ist, begeistert den Lehrer zu Haltungen und Gedanken, die den Akt des Lehrens mit geistiger Kraft aufladen. Der Lehrer wird sich bewußt, daß das Lehren etwas Unvergleichliches ist, anders zu bewerten als andere menschliche Wechselwirkungen. Dem Lehren darf man sich nicht so nähern wie der Förderung gesellschaftlicher Anliegen, geschweige denn dem Verkauf von Waren. Das aus dem Herzen des Lehrers strahlende Gefühl der Ehrfurcht vor Bahá'u'lláhs Offenbarung dringt dem Sucher ins Herz und kräftigt darin die Grundlagen seines neugeborenen Glaubens. Wenn man die heilige Pflicht erfüllt, das Herz des Suchers mit Bahá'u'lláhs Offenbarung zu verbinden, dann entfesselt man die dem Prozeß des Lehrens innewohnende Kraft der Verwandlung.

Die Lehrer steigern ihre Fähigkeiten noch weiter, wenn sie sich durch Gebet und stetiges Studium der Heiligen Schriften der Macht des Wortes Gottes in wachsendem Maße bewußt werden.

"Liegt es in menschlicher Macht, o Hakim, in den Bestandteilen irgendeines der winzigen, unteilbaren Teilchen der Materie eine so völlige Umwandlung zu bewirken, daß sie in lauteres Gold verwandelt wird? So verwirrend und schwierig dies erscheinen mag. Wir wurden bevollmächtigt, die noch größere Aufgabe zu erfüllen, teuflische Stärke in himmlische Kraft zu verwandeln. Die Kraft zu einer solchen Umwandlung übertrifft die Wirksamkeit des Lebenselexiers. Das Wort Gottes allein kann für sich in Anspruch nehmen, die Fähigkeit zu einer so großen, so weitreichenden Wandlung zu besitzen. Bahá'u'lláh , Ährenlese Kap. 99

Überzeugt von der verwandelnden Macht des Wortes Gottes, entdeckt der Lehrer im Lehren das Potential geistiger Kräfte bei dem neugewonnenen Gläubigen. Die Erklärung als Bahá'í stellt dann nur den ersten, zweifellos wichtigen Schritt dar, dem schnell und sicher ein Prozeß der Hege folgen muß, bei dem der neue Gläubige in engen Kontakt zum Wort Gottes gebracht und dazu begeistert wird, sich zum Lehren des Glaubens und zum Dienst an der Sache Gottes zu erheben.

Die betonte Liebe zu Bahá'u'lláh als bewegende Kraft des Lehrens, spiegelt sich in der Liebe zum ganzen Menschengeschlecht wider, erweist sich als ein weiterer unschätzbarer Bauteil bei der geistigen Erziehung der Gläubigen. Liebe ist nicht nur unerläßlich, um die Städte der Menschenherzen aufzuschließen; sie steigert auch die Urteilskraft des Lehrers. Diese Urteilskraft hilft dem Lehrer, aufgeschlossen zu sein für die Bedürfnisse der neuen Gläubigen, aber auch für die feinen Besonderheiten ihrer gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse. So werden echte Versuche angestellt, die Hin- tergründe der Gläubigen in ihrer ganzen Vielfalt zu verstehen und den Gläubigen zu helfen, Bahá'u'lláhs Offenbarung auf die Verhältnisse und Möglichkeiten ihres eigenen Lebens anzuwenden. Die Neigung verringert sich, anderen die Charakteristika der eigenen Kultur aufzuerlegen; ein liebevolles Umfeld wird bereitet, in welchem der einzelne und die Gemeinschaft unter dem Einfluß der Offenbarung Bahá'u'lláhs gedeihen kann.

Dies sind nur einige der zahlreichen geistigen Themen, die dem Akt des Lehrens Bedeutung und durchdringende Kraft verleihen, wenn sie in die Überlegung der Bahá'í rund um die Welt Eingang finden. Die Lehrarbeit wird noch wirksamer, wenn die Freunde das Wesen der Lehrpläne und Lehrstrategien begreifen. Ein Konzept, das nach unserer Ansicht besser verstanden werden muß, ist die Beziehung zwischen Proklamation und Lehrarbeit. In seiner Naw-Rúz-Botschaft von 1974 stellt das Universale Haus der Gerechtigkeit in aller Deutlichkeit fest:

"Die Proklamation des Glaubens nach feststehenden Plänen mit dem Ziel, eine wachsende Bandbreite von Massen- Kommunikationsmitteln einzusetzen, ist tatkräftig weiterzuverfolgen. Seien wir uns bewußt, daß es der Zweck der Proklamation ist, der ganzen Menschheit die Tatsache und die allgemeine Zielsetzung der neuen Offenbarung bekanntzumachen, während Lehrprogramme geplant werden sollten, damit einzelne Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft im Glauben gefestigt werden."

Ein weiteres derartiges Konzept ist der Bedarf sowohl an systematischer persönlicher Lehrtätigkeit als auch an systematischer, von den Institutionen des Glaubens geplanter Lehrarbeit, unterstützt von der Gesamtheit der Gläubigen in jeder Gemeinde. Zum persönlichen Lehren erinnere man sich an die aufrüttelnden Ermahnungen unseres geliebten Hüters, zum Beispiel:

"Wenn er sich aus eigenem Antrieb entschlossen hat, dem Lehraufruf zu folgen, unverzagt vor allen Hindernissen, mit denen Freund oder Feind, wissentlich oder unwissentlich, den Pfad versperren wollen, dann soll er sorgfältig jeden Weg der Annäherung überdenken, den er bei seinen persönlichen Versuchen beschreiten möchte, um bei jenen, die er in die Schar seines Glaubens einreihen möchte, Aufmerksamkeit zu erwecken, das Interesse wachzuhalten und ihren Glauben zu vertiefen. Er soll die Möglichkeiten überprüfen, welche ihm die besonderen Umstände bieten, in denen er lebt, ihre Vorteile auswerten und klug und systematisch vorgehen, um sie für das Erreichen des Zieles, das er im Auge hat, einzusetzen. Das Kommen göttlicher Gerechtigkeit, 1969, S. 82

Wie notwendig systematisches, von den Institutionen des Glaubens geplantes Lehren ist, spricht Shoghi Effendi an zahlreichen anderen Stellen an, zum Beispiel:

"Ich rufe die einzelnen Gläubigen auf, ihre Beiträge für die nationalen Bahá'í-Körperschaften so weit wie möglich zu steigern, da diese zur Stunde aufgerufen sind, vereint der Entfaltung der Eröffnungsphase des Zehnjahresplanes Auftrieb zu verleihen. Seine Erfüllung wird, so Gott will, den triumphalen Abschluß der einleitenden Epoche in der Entfaltung des vom Mittelpunkt des Bundes zur systematischen Verbreitung des Glaubens Seines Vaters gefaßten großen Planes sichern." Botschaft vom 7. Dezember 1953, Hüterbotschaften an die Bahá'í-Welt, 1962, Seite 32

"Die neue Stunde in der Geschichte unserer geliebten Sache hat geschlagen. Sie ruft zu systematischen, nachhaltigen, die ganze Nation umfassenden Anstrengungen auf dem Feld des Lehrens, damit diese Kräfte in Kanäle fließen, die unserem Glauben zum Ruhm und seinen Institutionen zur Ehre gereichen werden." Shoghi Effendi, Message to America: Selected Letters an Cablegrams Addressed to the Bahá'ís of North America 1932-1946, (Wilmette:Bahá'í Publishing Committee, 1947), Seite 5-6

"Ein systematischer, sorgfältig bedachter, wohlerrichteter Plan muß aufgestellt, genau verfolgt und beständig ausgeweitet werden." Shoghi Effendi, Message to America: Selected Letters an Cablegrams Addressed to the Bahá'ís of North America 1932-1946, (Wilmette:Bahá'í Publishing Committee, 1947), Seite 7

In der Tat läßt sich das ausgeprägte Wachstum, das die Gemeinde des Größten Namens jetzt erlebt, weitgehend auf die Anstrengungen einer wachsenden Zahl von Nationalen Geistigen Räten zurückführen, systematische Lehrpläne aufzustellen und anzuwenden. Persönliches Lehren führt jeder Gemeinde einen steten Strom neuer Gläubiger zu, die sich kraft ihrer persönlichen Beziehung zu anderen Bahá'í leicht in die Gemeinde eingliedern. Systematische, gemeinschaftliche Anstrengungen andererseits öffnen die Tore zu beschleunigen Wachstum, indem sie die gesamten Kräfte der Freunde auf besonders empfängliche Bevölkerungsgruppen richten. Der hohe Grad von Einheit, der durch Gruppenlehrarbeit konstant erreicht wird, der ausgiebige Gebrauch von Gebeten, das opferbereite, disziplinierte Leben der Lehrer, besonders während der Lehrfeldzüge - all dies trägt dazu bei, geistige Kräfte anzuziehen und zu kanalisieren, die in der Tat Wunder wirken. In diesem Fall erweist sich jedoch der Prozeß der Vertiefung als schwieriger und herausfordernder als beim persönlichen Lehren. Er verlangt einfallsreiche Zugriffe, die - wir stellen es dankbar fest - in dem Maße gefunden werden, wie die Institutionen des Glaubens die Idee der Lehrinstitute fördern.

Ganz allgemein bedarf die Entwicklung sowohl der für die Einführung des Glaubens bei verschiedenen Menschentypen und Gruppen bestgeeigneten Zugangsmethoden als auch der anschließenden Vertiefung einer gründlichen gedanklichen Durchdringung und Beratung. Diese Methodenentwicklung fordert von den einzelnen Gläubigen und Gemeinden auch, daß sie die Haltung von Lernenden annehmen, systematisch über die Ergebnisse jeder Lehrbemühung nachdenken und die Früchte ihrer Erfahrungen in die aufeinanderfolgenden Pläne einbringen. Die diesen Lernprozeß ermöglichende Atmosphäre ist geprägt von Vertrauen, Einheit, Demut, Unterwerfung unter Gottes Willen sowie Beratung auf der Informationsgrundlage von Erfahrungen im Lichte der in den Lehren unseres Glaubens gespeicherten Weisheit.

Wir sind zuversichtlich, daß die Wachstumsfähigkeit der Bahá'í-Gemeinde sich dramatisch steigern wird in dem Maße, wie die Berater und Hilfsamtsmitglieder den Freunden durch persönliche Kontakte, Seminare, Workshops, Konferenzen und vor allem anderen im Rahmen von Lehrinstituten helfen, Einsichten in die geistige Natur des Lehrens zu gewinnen und ihr Bewußtsein für die Art, wie sich die verschiedenen Zugangsmethoden ergänzen, zu steigern. Die Angewohnheit, einen bestimmten Gesichtspunkt des Lehrens als Gegensatz eines anderen zu sehen - Proklamation gegen Lehrtätigkeit, Ausbreitung gegen Festigung, persönliches Lehren gegen institutionelle Pläne, Heimkreise gegen Gruppenlehrarbeit - wird nach und nach einer reifen Schau Platz machen, die das Wachstum der Bahá'í- Gemeinde eher als einen ganzheitlichen, harmonischen Vorgang begreift. Natürlich werden die einzelnen Gläubigen, wie uns das Universale Haus der Gerechtigkeit in der Ridván-Botschaft von 1990 vor Augen führt, zu diesem Wachstumsprozeß nach besten Kräften und Möglichkeiten beizutragen haben. Diese Ausgießung persönlicher Initiative fordert die Institutionen des Glaubens dazu heraus, ihre Fähigkeit zu entwickeln und die Kräfte und Talente jedes einzelnen Gläubigen auf den Verfolg mutiger Pläne hin zu immer größeren Siegen zu steuern. Das Internationale Lehrzentrum an alle Berater vom 21. Oktober 1990

KLEINE LEHRPROJEKTE

Da das Internationale Lehrzentrum die Bildung von Lehrgruppen als ein Mittel des starken Zugewinns neuer Gläubiger in Europa fördert, empfinden wir es als nützlich, einige Gedanken zum Wesen solcher Gruppen mitzuteilen - Leitlinien, wie sie aus den Erfahrungen mit dieser Idee in anderen Weltteilen entwickelt sind...

Zum ersten müssen alle erkennen, daß das wichtigste Mittel, Siege zu erringen, ein hohes Maß an persönlicher Initiative ist. Die persönliche Initiative ist so wichtig, daß sie in der Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit geschützt ist. Die Institutionen des Glaubens können führen, aber angezogen werden große Lehrerfolge durch den persönlichen Entschluß, sich begeistert zu erheben und auszuharren. Im Idealzustand wären die örtlichen Geistigen Räte und die Lehrausschüsse der Last ausufernder Planungen enthoben, wenn die einzelnen Bahá'í zu ihnen kämen und ihre Lehrprojekte anböten. Die Grundidee dieses Planes ist die Überzeugung, daß sich die einzelnen Gläubigen erheben werden. Die Lehrgruppe ist keine Verwaltungseinheit, sondern eine Gruppe von Freunden, die geistig und zahlenmäßig wachsen wollen.

Die zweite Idee ist die Beratung. Die Gläubigen müssen zu der Einsicht geführt werden, daß die Beratung auf den Alltag anzuwenden ist. Nicht nur die Verwaltungskörperschaften beraten; alle Freunde haben einen Bedarf an Beratung. Bei der Herausgabe einer Textzusammenstellung über das Lehren sagte das Universale Haus der Gerechtigkeit im März 1977:

"Alles in allem sind die Freunde sich bewußt, wie lebenswichtig das Lehren ist. Wegen ihrer Schwächen fehlt es ihnen jedoch großenteils an Zuversicht; sie glauben, sie wüßten nicht, wie sie vorgehen und ihre Bemühungen zum Abschluß bringen sollten."

Durch die Beratung miteinander können die Freunde Ängste, böse Ahnungen und Minderwertigkeitsgefühle ablegen; die Gruppe kann ihre Ziele aufstellen und dann gemeinsam oder einzeln an der Erfüllung dieser Ziele arbeiten.

Die dritte Idee ist, daß Energie in einem Brennpunkt gesammelt werden muß. Wir analysieren, was nottut, und versehen es mit allgemeiner Ermutigung, aber dann müssen wir miteinander zur Tat schreiten. Brennpunkt der Lehrarbeit einer Gruppe kann ein bestimmtes Viertel in ihrer Stadt sein, eine Altersgruppe, ein Platz, an dem viele Leute zusammenkommen, eine Schule oder Universität, Menschen an einem Arbeitsplatz oder eine bestimmte Interessengruppe. Zum Beispiel entschloß sich in einem Land eine Gruppe von Bahá'í, die Gedichte mag, nach einer Beratung, einen Ausschuß von Preisrichtern zur Bewertung von Gedichten zu bilden. Sie lud eine Anzahl Nicht-Bahá'í-Freunde mit gleichen Interessen zu einer Versammlung ein. Einige Gedichte, die dort die Menschen begeisterten, waren schöpferische Worte des Báb und Bahá'u'lláhs. Binnen kurzem erkannten die Freunde der Bahá'í, Bahá'u'lláh; die Gruppe verdoppelte sich. Die Energie muß auf eine Bevölkerungsgruppe konzentriert und auf eine bestimmte Tätigkeit gerichtet werden. Dies zeigt den besonderen Nutzen dieser Idee, ist es doch viel leichter zu wachsen, wenn man klein ist; das heißt, eine Gruppe von fünf kann leicht auf zehn anwachsen. Gäbe es viele derartige Gruppen, so wüchse der Glaube rasch. Oft werden Energie und Geist in der Verwaltung großer, langfristiger Bemühungen mit unrealistischen Erwartungen vergeudet.

Die vierte Idee ist, daß reales Wachstum geistiges Wachstum bedeutet. Die Zahl der Menschen, die Bahá'í werden, kann als Spiegelbild des inneren Wachstums der jeweiligen Gruppe betrachtet werden. Deshalb müssen die Gruppen einen Prozeß der Vergeistigung begeistert vorantreiben. Dabei muß man jedoch verstehen, daß nur durch einen Vertiefungsprozeß, ohne gleichzeitige Schritte zur Lehrarbeit, keine Vergeistigung platzgreift; beides muß ineinander übergehen. Durch intellektuelle Übungen kommt keine Vergeistigung zustande. Wenn Menschen ohne Gebet, Nachdenken und Beratung tätig werden, kommen sie nicht zu fruchtbaren Ergebnissen.

Die fünfte Idee ist die Überzeugung, daß große Menschenscharen der Sache Gottes beiträten, wenn wir die Rufe ins Feld der Tat befolgten, die das Haus der Gerechtigkeit "an jeden einzelnen Gläubigen - Mann und Frau, Jugend und Kinder" richtet. Der Brennpunkt der Gruppenarbeit sollte so gestaltet sein, daß Seelen, die dazu ermutigt werden, die Anerkennung Bahá'u'lláhs als Manifestation Gottes ins Auge zu fassen, eine positive, einladende Atmosphäre vorfinden. Diese Atmosphäre kann stark bereichert werden durch das allgemeine Bewußtsein, daß wir ständig von den Bestätigungen des Heiligen Geistes umgeben sind, ja daß uns die Märtyrer und die heldenhaften Lehrer der Vergangenheit zu Hilfe eilen, wenn wir uns aufrichtig an sie wenden. Das ist eine Bewegung derjenigen geistigen Kräfte, die durchaus real sind und Türen öffnen. Das Internationale Lehrzentrum im Juli 1988 an alle Berater

Europa muß nicht den Lehrmustern folgen, die anderswo zum Eintritt in Scharen geführt haben. Wenn in Indien oder Lateinamerika ein einziges Lehrprojekt zu Tausenden von Gläubigen führt, läßt sich in Europa dasselbe durch Hunderte kleiner Projekte erreichen, von denen jedes der Sache Gottes ein paar Gläubige bringt. Was aufgegeben werden muß, ist die Idee von Projekten als übermäßig geplanten, aufwendigen Tätigkeiten. Kleine Gruppen von Gläubigen - eine oder zwei Familien, eine ganze örtliche Gemeinde, zwei oder drei Nachbargemeinden - können miteinander beraten, eine aufnahmebereite Bevölkerungsgruppe in ihre Gegend ausmachen, deren Interessen und Sorgen, Bräuche und Gewohnheiten kennenlernen, einüben, wie sie ihr den Glauben auf ansprechende Weise darlegen und eine Folge von Tätigkeiten einleiten, die zur Bahá'í-Erklärung einiger Leute aus dieser Be- völkerungsgruppe führen.

Unabhängig vom Niveau der Lehrtätigkeiten der Bahá'í-Verwaltungseinheiten in einem bestimmten Land kann man sich leicht eine Reihe von Lehrprojekten ausmalen, vorangetrieben durch Hilfsamtsmitglieder, welche Gläubige mit Begeisterung für das Lehren ausfindig machen, sie zur Teilnahme an einem eingehenden Prozeß der Vertiefung und der Beratung einladen und ihnen helfen, ein kleines Lehrprojekt aufzubauen. Diese Aufgabe könnten die europäischen Hilfsamtsmitglieder mit ihren Assistenten übernehmen. Sind die Freunde erst einmal auf diese Weise in Bewegung gebracht, dann werden die Institutionen des Glaubens Schritt für Schritt die Fähigkeit entwickeln, großangelegte Lehrprojekte und Pläne zu steuern. Das Internationale Lehrzentrum am 28. November 1988 an einen Berater

LEHRINSTITUTE

Der Strom erfreulicher Nachrichten, der in jüngster Zeit von einem Land nach dem anderen ins Weltzentrum fließt, macht einen weltweiten Aufschwung der Lehrtätigkeit als Antwort auf die Ridván- Botschaft des Universalen Haus der Gerechtigkeit deutlich. Inbrünstig beten wir an den Heiligen Schreinen, daß dieser neue Ausdehnungsprozeß sich beschleunige und die Lektionen der Vergangenheit unserer Institution helfen, den Freunden wertvollen Rat zu bieten und sie zu einer Folge von noch nie dagewesenen Siegen in der Lehrarbeit zu führen... Zweck des vorliegenden Briefes ist es, die Beratung über... den Gebrauch von Instituten zur Vertiefung der Freunde, besonders in Gebieten mit vielen Neuerklärungen, einzuleiten.

Unsere Sorge bei den Instituten rührt aus der wiederholten Beobachtung, daß die notwendige Vertiefung der neuen Gläubigen fast unmöglich zu bewerkstelligen ist, wenn die Zahl der Lehrer nicht ständig steigt und mit der raschen Ausbreitung Schritt hält. Sind Lehrinstitute frei von gewissen Mißverständnissen und werden sie schöpferisch in einem Geist der Liebe und des Opfers geführt, so erweisen sie sich als wertvolle Instrumente für die stetige Ausbildung der menschlichen Hilfsquellen, die für die rasche Ausbreitung ebenso dringend gebraucht werden wie für die anschließende Vertiefung und Festigung. Wenn wir die Organisationsmuster für Institute in den verschiedenen Ländern prüfen, erkennen wir eine Anzahl Ideen, die Ihnen bei Ihren Überlegungen zu diesem Gegenstand nützlich sein mögen...

1. Das Konzept des Instituts

Einige Probleme mit Bahá'í-Instituten rund um die Welt scheinen von einem begrenzten Verständnis für den Zweck eines Lehrinstituts herzurühren. In vielen Gemeinden wird das Wort für ein Ereignis wie ein Wochenend-Institut gebraucht, in anderen für ein Gebäude oder einen Versammlungsort. Werden Gebäude und Einrichtungen gekauft, so fühlt man sich manchmal veranlaßt, als erstes einen hauptamtlichen Direktor zu ernennen, der Schritt für Schritt weitere bezahlte Mitarbeiter einbringt; das Institut wird so zu einer Organisation mit Verwaltungshaushalt und sucht nach brauchbaren Programmen. In anderen Fällen werden die Institutsgebäude mehr oder weniger gut instand gehalten, aber nur für gelegentliche Kurse und Veranstaltungen genutzt.

Ein weiterer Faktor des Problems ist der Mangel an einem geeigneten Konzept der Entwicklung menschlicher Hilfsquellen zur Förderung der verschiedenen Aufgaben der Festigung und der Ausbreitung. In jedem Land braucht man eine Menge Leute für Kinderklassen, für Familienbesuche in den Dörfern und Städten zwecks Vertiefung, zur Hilfe bei der Entwicklung örtlicher Geistiger Räte und vor allem zur Teilnahme an Feldzügen für die Verbreitung des Glaubens. Woher sollen diese menschlichen Hilfsquellen kommen, wenn nicht aus den neugewonnenen Gläubigen selbst? Wie sollen sie die geschilderten Aufgaben erfüllen, wenn sie nicht durch systematische Vertiefungsprogramme ausgebildet werden? Natürlich sollte die Entwicklung menschlicher Hilfsquellen gegenüber dem, was gewöhnlich aus Theorien über engumgrenzte Schulungen für bestimmte Zwecke abgeleitet wird, eine neue, andersartige Bedeutung bekommen. Ausbildung in einem Bahá'í-Institut hat im größeren Zusammenhang eines Prozesses geistiger Bereicherung stattzufinden, eines Prozesses, der geistige Eigenschaften zu entwickeln und wahres Verständnis zu erreichen sucht. Die Erfahrung zeigt jedoch deutlich, daß es nicht ausreicht, regelmäßig an die Freunde zu appellieren, sie sollten sich erheben und dem Glauben dienen. Das gilt besonders für Gebiete mit erfolgreicher Massenlehrarbeit, wo die Freunde noch wenig Selbstvertrauen haben und auf dem Pfad des Dienens sozusagen an der Hand ge- nommen werden müssen. Die Entwicklung menschlicher Hilfsquellen für die Ausbreitung und Festigung des Glaubens darf nicht dem Zufall überlassen bleiben; sie muß überall in den nationalen Plänen berücksichtigt werden.

Erfolgreicher hat sich ein anderer Zugang zu Lehrinstituten erwiesen, der mit einer Kerngruppe erfahrener Bahá'í und einem sich selbst entfaltenden Programm für die geistige Erziehung der Freunde beginnt. Wichtig ist dabei, daß eine Gruppe vertiefter Bahá'í unter der Leitung eines kleinen Ausschusses, bedient von einem Koordinator, die Aufgabe in die Hand nimmt, interessierte, vielversprechende Gläubige zusammenzubringen - sei es an einem zentralen Platz oder in kleineren Gruppen in Dörfern und Märkten - um für sie schrittweise ein systematisches Vertiefungsprogramm zu entwikeln. Zweck dieser Vertiefung ist in erster Linie, diese Gläubigen zu befähigen, in wachsendem Maße am Lehren des Glaubens teilzuhaben, andere Gläubige zu vertiefen und innerhalb der Verwaltungsordnung zu dienen. Zunächst mögen solche Programme einfach gestaltet sein; wenn aber die Kerngruppe Ausdauer hat und sich folgerichtig verhält, dann werden Schritt für Schritt verschiedene Kurstypen entwickelt, die es den Freunden ermöglichen, ihre vielen Aufgaben im Zusammenhang mit der raschen Ausbreitung des Glaubens zu übernehmen.

2. Die Rolle der Berater und der Hilfsamtsmitglieder

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg eines Instituts scheint die enge Zusammenarbeit der Berater und Hilfsamtsmitglieder mit den Nationalen Räten und deren Ausschüssen zu sein. In vielen Ländern der Welt ist es erforderlich, daß die Berater über das Konzept eines Instituts mit den Nationalen Räten gründlich beraten und daß sie dem einzelnen Rat helfen, eine für ein bestimmtes Gebiet oder für das ganze Land als Institutskern geeignete Gruppe von Gläubigen ausfindig zu machen, aus dieser Gruppe einen kleinen Koordinierungsausschuß auszuwählen und den Koordinator des Instituts zu bestimmen. Ein Hilfsamtsmitglied oder mehrere, die eng zusammenarbeiten und unter der direkten Führung des Beraters stehen, sollten dann die Aufgabe erhalten, die Kerngruppe zu unterstützen, die Entwicklung entsprechenden Materials (das zunächst aus der einfachen Anpassung von Materialien anderer Institute bestehen kann) zu fördern und an der systematischen Umsetzung von Kursen und Programmen mitzuwirken.

3. Die besondere Rolle der Hilfsamtsmitglieder

Das Interesse eines Hilfsamtsmitglieds an einem funktionierenden Regionalinstitut rührt von dem Wunsch her, ein wichtiges Planziel des Nationalen Rates für die Entwicklung menschlicher Hilfsquellen zu unterstützen, hat aber auch mit seinem eigenen Plänen zur Heranbildung von Assistenten zu tun. Beide Planziele lassen sich mit den Tätigkeiten des Instituts weitgehend integrieren. Wenn demnach ein Hilfsamtsmitglied ein besonderes Budget aus dem Kontinentalen Fonds für die Assistentenausbildung erhält, kann es zweckmäßig sein, dem Institut Beiträge zu den Kosten von Kursen zukommen zu lassen, die der Ausbildung sowohl von Assistenten als auch von anderen menschlichen Hilfsquellen dienen. Je nach dem Reifegrad des Hilfsamtes entscheidet der Berater darüber, wie diese Mittel zu dem Verbund- Ausbildungsprogramm beigetragen werden können.

4. Der Gesamthaushalt eines Instituts

Es ist wichtig, daß die Nationalen Räte in ihre Haushaltspläne angemessene Beträge für die Tätigkeit der Institute einstellen. In der Tat macht es uns Sorgen, daß eine Reihe von Nationalen Räten Haushaltspläne verabschiedet, in denen keine Posten für die Lehrarbeit, die Entwicklung menschlicher Hilfsquellen oder die Literatur ausgewiesen sind. Viele dieser Haushaltspläne bestehen bis jetzt nur aus Verwaltungsausgaben, Gehältern, Mieten, Reisekosten und Porti. Zur Verbesserung dieser Situation müssen die Berater die Nationalen Räte anregen, die verfügbaren Mittel gleichmäßiger auf die ver- schiedenen Tätigkeitsbereiche zu verteilen. Um einen solchen Prozeß in Gang zu setzen, könnten die Berater eine gewisse Summe aus dem Besonderen Lehrfonds für die Tätigkeit des Instituts während des ersten Jahres oder der ersten beiden Jahre auskehren und dem Nationalen Rat auf diese Weise die Gelegenheit geben, das Institut alsdann in seinen eigenen Haushalt aufzunehmen. Die Summe der beiden Zuweisungen - aus dem nationalen Haushalt und dem Besonderen Lehrfonds -, vermehrt um die Beiträge der Hilfsamtsmitglieder in unterschiedlicher Höhe jedes Jahr für bestimmte Kurse, sollten die stetige Entwicklung des Instituts ermöglichen.

5. Besondere Literatur

Wichtig ist auch festzustellen, daß in vielen Ländern ein bedeutsamer Teilaspekt der Herstellung und Verbreitung von Literatur eng mit den Institutsprogrammen verbunden ist. In diesen Ländern muß als Komponente von Lehrfeldzügen und Vertiefungsprogrammen eine besondere Literatur, oft in Lokalsprachen, für die Ausbreitung und Festigung des Glaubens unter den Volksmassen entwickelt werden. Die Berater könnten dies in einschlägigen Fällen bei ihren Gesprächen mit den Nationalen Räten besonders betonen, den Prozeß der Literaturerstellung (durch die Hilfsamtsmitglieder) verfolgen und für diese Zwecke besondere Beiträge aus dem Literatur-Unterstützungsfonds leisten.

Wir hoffen, daß vorstehende Anregungen für Ihre Beratungen über die brennpunktartige Ausrichtung der Lehrinstitute auf die beschleunigte Entwicklung menschlicher Hilfsquellen zur Stützung der Feldzüge für den Eintritt in Scharen von Nutzen sind. Das Internationale Lehrzentrum am 29. November 1988 an die Kontinentalen Berater

Im Bestreben, gemeinsam mit den Beratern die verschiedenen Aspekte eines erfolgreichen, nachhaltigen Prozesses der Ausdehnung und Festigung abzuklären, teilten wir Ihnen in unserem Brief vom 29. November 1988 einige Gedanken über Institute sowie über die drängende Notwendigkeit mit, die vielen bestehenden Dauerinstitute in der Bahá'í-Welt zu aktivieren. Unsere Herzen sind von Dankbarkeit erfüllt, wenn wir auf den durch Ihre Anstrengungen bewirkten Erfolg blicken, daß in der ganzen Bahá'í-Gemeinde weltweit das Bewußtsein für Wert und Bedeutung der Institute beim Eintritt in Scharen beträchtlich gestiegen ist. Unter Verwendung der Einsichten, welche Berater in den letzten Monaten gewonnen und berichtet haben, können wir Ihnen nunmehr einige weitere Gedanken zur Organisation und Entwicklung von Instituten mitteilen.

Die Selbstentwicklung eines Instituts

Ein Ergebnis der Bemühungen in den letzten Monaten scheint zu sein, daß sich die Freunde verstärkt um Vertiefungsveranstaltungen von verschiedener Länge - an Wochenenden stattfindende, einwöchige, ja sogar einmonatige Kurse und Institute - kümmern. Natürlich ist es wichtig, diese Ver- anstaltungen zu unterstützen, wann immer sie durchgeführt werden, und sie so zu fördern, daß ihre Zahl ständig zunimmt. Noch bedeutsamer jedoch als die Förderung von Vertiefungsveranstaltungen sind die Anstrengungen der Berater, den Freunden den Wert von dauerhaften, stetigen Bemühungen um die Entwicklung menschlicher Hilfsquellen nahezubringen. In diesem engeren Zusammenhang hatten wir Ihnen ursprünglich unsere Gedanken über Institute mitgeteilt. Dabei ließen wir uns von der Überzeugung leiten, daß die nachhaltige Ausbreitung des Glaubens in einem Gebiet weitgehend von der Zahl und dem Wert der systematisch ausgebildeten Lehrer, insbesondere aus den Reihen der neuen Gläubigen, abhängt.

Wenn wir über die Führung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zur Lehrarbeit nachdenken, insbesondere während des Fünfjahresplanes in den 1970ger Jahren, sehen wir die Institute dargestellt als ein wichtiges Bauelement systematischer Pläne für die Ausbreitung im großen und für die Festigung. Tatsächlich ist ein großer Aufwand an Mitteln und an Kraft in den Erwerb von Gebäuden und Einrichtungen geflossen, die natürlich gebraucht werden in dem Maße, wie die Zahl der Gläubigen in einem Gebiet steigt. In jedem Bezirk, wo besondere Einrichtungen bereits vorhanden sind oder in Zukunft erworben werden müssen, sind die Tätigkeiten von Instituten zu entwickeln, so daß diese Institute in ihre Pläne zur Verbreitung des Glaubens als dauerhafte Elemente eingeschlossen werden. Innerhalb dieser Regionalpläne wäre dem Institut - anfangs vielleicht mit geringer Verwaltungstechnik und einfachen Programmen, aber Schritt für Schritt die Fähigkeit zu komplexeren Erziehungsmaßnahmen entfaltend - die Aufgabe stetiger Erziehung und Vertiefung der Freunde sowie der Mithilfe bei der Heranbildung derjenigen unter ihnen, die hingebungsvolle Arbeiter und entschlossene Träger der Sache Gottes werden.

Wie bereits in unserem früheren Brief erwähnt, stellen wir fest, daß zu den erfolgreichsten Instituten diejenigen gehören, die organisch aus einer Kerngruppe von Gläubigen, die sich für die geistige Erziehung ihrer Glaubensgenossen im Umfeld einsetzen, emporgewachsen sind. Ermutigend ist es zu sehen, daß die Berater und Hilfsamtsmitglieder jetzt das Schwergewicht auf die Hege solcher Kerngruppen legen, aber auch auf deren Unterstützung beim Sammeln von Erfahrungen mit dem Entwurf und der Durchführung von Erziehungsmaßnahmen in Gestalt direkter Antworten auf die Bedürfnisse der von dem Institut bedienten Bevölkerung.

Bei ihren Bemühungen um die Förderung der Arbeit von Instituten als Dauereinrichtungen haben es die Berater mit einer großen Bandbreite von Situationen zu tun; jede hat ihre besonderen Möglichkeiten und Herausforderungen. Viele dieser Möglichkeiten zeigen sich natürlich in Gebieten, wo bereits Breitenlehrarbeit stattgefunden hat und über Jahre hinweg Anstrengungen zur Vertiefung der Gläubigen in unterschiedlichem Umfang von Erfolg gekrönt waren. In solchen Gebieten verlangt die Herausforderung der Festigung bestehender Gemeinden, der Aufrechterhaltung und Unterstützung örtlicher Geistiger Räte, der Vertiefung, der Erziehung von Kindern und Jugendlichen als des kostbarsten künftigen Grundbestandes sowie der stetigen Aufnahme neuer Gläubiger nach einer immer weiter wachsenden Zahl von Mitarbeitern mit breitgefächerten Kenntnissen und Fähigkeiten. Je nach

der Situation in den einzelnen Gebieten wirken die Berater mit den Nationalen Räten und deren Ausschüssen zusammen, um passende Strategien für die organische Entwicklung einer alle Bedürfnisse und Sorgen aufgreifenden Institutsarbeit zu entwerfen.

In einem Gebiet, wo die Gläubigen umständehalber lange Zeit nicht besucht worden waren, beginnt nun eine Kerngruppe von vier Freunden, darunter ein Hilfsamtsmitglied, mit der Tätigkeit eines Instituts, indem sie die Dörfer bereist und den Gläubigen Vertiefungskurse bietet. Wie sich leicht denken läßt, steht die Kerngruppe in dem Maße, wie die Freunde vom Geist des Glaubens wieder neu belebt werden, vor der Notwendigkeit einer steigenden Zahl von Vertiefungs- und Erziehungsmaßnahmen, welche die besonders begeisterten Gläubigen entsprechend den wachsenden Bedürfnissen der sich entwickelnden Bahá'í-Gemeinden auf einem Pfad des Dienstes voranführen. Wie die Erfahrung zeigt, sind die Lehrbemühungen nie umsonst, selbst wenn die Erwachsenen nur zögernd Verantwortung auf dem Felde des Dienstes übernehmen, ist doch eine ganze Jugendgeneration eifrig dabei, sich ausbilden zu lassen und dem Glauben zu dienen.

In einem anderen Gebiet mit günstigeren Verhältnissen beobachten wir die Entwicklung eines Instituts, das unter Mitarbeit von ungefähr fünfzig ergebenen Freiwilligen, die ihrerseits die Früchte der Institutsarbeit sind, Tätigkeiten der Vertiefung, Erziehung und sogar der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in stetig wachsendem Umfang durchführt. Hier werden die Grundkurse von den Mitarbeitern in den Dörfern draußen abgehalten, während die Einrichtungen des Instituts für Fortgeschrittenenkurse zur Vertiefung und Ausbildung verschiedener Arten von Mitarbeitern der Sache Gottes benutzt werden: Kinderklassenlehrer, Dorfschullehrer, Jugendleiter, Frauengruppenleiterinnen, Assistenten für Hilfsamtsmitglieder und natürlich die stetig wachsende Zahl von Menschen, die an kleinen oder großen Lehrfeldzügen teilnehmen und diese sogar koordinieren.

Hocherfreut sind wir zu sehen, daß manche Berater neben der Förderung von Instituten in Gebieten, wo bereits viele Bahá'í wohnen, dazu beitragen, daß die Begeisterung für Institute auch in Gebieten wächst, wo die Zahl der Bahá'í noch gering ist. Natürlich darf man nicht jede Vertiefung einer Bahá'í-Gruppe als Institut bezeichnen. Wenn aber die Institutionen des Glaubens in einem Land den Beschluß fassen, eine Gruppe von Gläubigen als Zielgruppe eines neuzubildenden Instituts zu bestimmen, dann zeigt dies, daß ein Plan für die Ausbreitung des Glaubens unter einer besonderen Be- völkerungsgruppe, der das Institut zu dienen hat, entwickelt wird. Oft läßt sich eine derartige Bevölkerung innerhalb geografischer Grenzen bestimmen, aber es kann auch nach anderen Faktoren geschehen: Alter, kultureller und sprachlicher Hintergrund, gemeinsame Sonderinteressen. Gewiß wird die Kerngruppe unter solchen Bedingungen am Anfang ihre Aufmerksamkeit auf die Vorbereitung der Gläubigen selbst für die Lehrarbeit, auf die Entwicklung von Materialien und Methoden für das Lehren unter der Zielbevölkerung und auf die praktische Umsetzung von Lehrplänen lenken. Mit dem zahlenmäßigen Anwachsen der Gläubigen im Zielgebiet verlagern sich die drängendsten Aufgaben des Instituts auf die Vertiefung der neuen Gläubigen, so daß diese ebenfalls an der Lehrarbeit teilnehmen und eine anhaltende Wachstumsrate erzielen helfen. Schritt für Schritt werden dem Institut andere Schwerpunkte zu setzen sein, wenn es mehr und mehr die formalen Kennzeichen eines Instituts für die Entwicklung menschlicher Hilfsquellen, ähnlich den Instituten in Gebieten mit breitflächiger Ausdehnung, annimmt.

Das Entwicklungsprogramm eines Instituts

Wir beabsichtigen, die uns zugehenden Berichte über erfolgreiche Institutsprogramme rund um die Welt den Beratern mitzuteilen, damit jedes Institut aus den Erfahrungen anderer Nutzen ziehen kann. Aus den bestehenden Erfahrungen und im Lichte gewisser Texte über Vertiefung und Erziehung können wir bereits bestimmte Erfolgselemente erkennen. Besonders erfolgreich bei der Begeisterung der Freunde für den Dienst sind Institute dann, wenn die entworfenen und durchgeführten Programme ausdrücklich die geistige Befähigung der Gläubigen zum Ziel haben. Mit geistiger Befähigung im eigentlichen Brennpunkt jeder Tätigkeit ist das Institut bestrebt, bei den Teilnehmern Selbst- und Gottvertrauen zu wecken, tiefempfundene Liebe zur Menschheit, das eifrige, begeisterte Verlangen, die Menschheit zu lehren und ihr zu dienen, Standhaftigkeit bei Prüfungen und Schwierigkeiten, überströmende Freude und ein strahlendes Herz - kurz, alle für ein Leben hingebungsvollen Dienstes an der Sache Gottes wichtigen Haltungen und Eigenschaften.

Das Institut kann die Gläubigen desto mehr mit geistigen Fähigkeiten ausstatten, je besser seine Programme aufeinander abgestimmt sind und ein Geleichgewicht zwischen den verschiedenartigen Tätigkeiten hergestellt wird: zwischen solchen, Sachkenntnissen für bestimmte Dienste befassen, und solchen, die den Teilnehmern geistige Einsichten erwerben helfen und ihre geistigen Eigenschaften entwickeln. Das Studium der heiligen Schriften bildet den wichtigsten Teilaspekt eines erfolgreichen Programms. Eine wachsende Zahl von Institutsteilnehmern rund um die Welt findet heraus, daß ihnen das Auswendiglernen ganzer Passagen aus den Schriften eine große Hilfe ist in ihren Bemühungen, auf dem Pfade geistiger Verwandlung voranzukommen.

Ein weiterer Wesenzug erfolgreicher Institutsprogramme ist die Einbeziehung der Teilnehmer. Erst dann, wenn die Teilnehmer lernen, aktiv an ihrem eigenen Lernprozeß mitzuwirken, statt nur passiv zuzuhören, entsteht und entwickelt sich die gewünschte Haltung der Dienstbarkeit.

Durch den Gebrauch des schöpferischen Wortes und die einbeziehende Lernmethode erleben die Veranstalter und die Mitwirkenden an Institutstätigkeiten, wie sie bei den Teilnehmern auf Brunnquellen der Liebe, der Hingabe und der Einsatzbereitschaft stoßen. Wo das schöpferische Wort und einbeziehende Methoden angewandt werden, sind die Institutsprogramme mit der Zeit anziehend für die Bevölkerung; gewöhnlich steigt dann die Teilnehmerzahl und geht nicht mehr zurück. Bei solchen Programmen ist es dann unnötig, auf wiederholte gefühlsbetonte Appelle als Motivationstechnik zu- rückzugreifen, weil tiefere Empfindungen und eine geistige Empfangsbereitschaft ständig stimuliert und aufrechterhalten werden.

Zusätzlich zum Programmgehalt und zur Lehrmethodik ist die Atmosphäre im Institut ein hochwichtiger Erfolgsfaktor. Besonders wirksam sind die Institutstätigkeiten dann, wenn die Teilnehmer erkennen, daß das Institut von ihnen geistige Disziplin erwartet, und wenn gleichzeitig die Institutsat- mosphäre so von Liebe durchdrungen ist, daß die Entwicklung dieser geistigen Disziplin zum persönlichen Ziel statt zu einem von außen aufgenötigten Erfordernis wird.

Der Gebrauch des schöpferischen Wortes, die Atmosphäre der freundschaftlichen Liebe, eine vergeistigte, disziplinierte Umgebung, die frei ist von unbemerktem psychologischem Druck, gut vernetzte und gut ausge- glichene Programminhalte und die einbeziehende Lernmethode - alle diese

Elemente tragen dazu bei, ein Institut zum wirksamen Werkzeug für die Entwicklung wahren Verständnisses unter den Gläubigen zu gestalten. Die Programme eines solchen Instituts wirken gleichzeitig auf den Ebenen des Verstandes, des Herzens und des Geistes; sie begeistern gegenwärtige und künftige Generationen zum Dienst an der Sache Gottes. Das Internationale Lehrzentrum am 2. November 1989 an alle Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter

Zum Beispiel könnten viele für den Eintritt in Scharen notwendige Aktionen aus einem Institutsprogramm hervorgehen; das ist der Grund, warum wir auf Bemühungen an der Basis zu Errichtung von Instituten drängen. Solche Institute von unbegrenzter Dauer werden durch das Studium des Wortes Gottes und durch die Kunst der Beratung viele auf den Pfad des Dienstes führen. Dergestalt mit Bahá'u'lláh verbundene Seelen werden bereit sein, sich die geistige Disziplin und Übung anzueignen, die für die Teilnahme am Lehrerfolg vonnöten sind. Schrifttum für die örtliche Lehrarbeit könnte entwickelt werden. Lehrer für Kinderklassen könnten aufgebaut werden. Die Hilfsamtsmitglieder würden im Einvernehmen mit den örtlichen Geistigen Räten bei der Programmentwicklung und durch ihre eigene Teilnahme in den Instituten eine aktive Rolle spielen. Sie würden die Institute auch für die Ausbildung ihrer Assistenten gebrauchen. Manche Lehrprojekte würden sich direkt aus den Instituten heraus entwickeln, schöpferische Versuche könnten zur Vielfalt der Lehrmethoden beitragen, wie es das Universale Haus der Gerechtigkeit empfiehlt. In dem Maße, wie neue Menschen dem Glauben beitreten, könnten sie ermutigt werden, die Institute zu besuchen. Auf diese Weise würden bei fortschreitender Ausbreitung die menschlichen Hilfsquellen zahlenmäßig anwachsen, was wiederum die Festigung begünstigen würde.

Wir erkennen aus dem obigen Beispiel, daß die Verstärkung der Lehrarbeit durch Institute es möglich machen würde, eine ganze Anzahl von Zielen in einem einzigen Wachstumsplan zu erfüllen. Diese Einheit des Denkens ist organisch und vermeidet doppelte Mühe, wie sie sich dann ergibt, wenn wir die Arbeit für eine Liste von getrennten Zielen halten. Das Vorstehende ist ein Wachstumsplan: andere derartige Pläne lassen sich entwickeln, wenn eine wirklich reife Beratung mit Geistigen Räten Früchte trägt. Das Internationale Lehrzentrum am 4. Juni 1989 an alle Berater

SUCHER EINLADEN, DEM GLAUBEN BEIZUTRETEN

Aus einem Brief vom Internationalen Lehrzentrum an alle Berater vom 9. Juli 1992

Ein wachsendes Bewußtwerden Bahá'u'lláhs, das noch durch die vielen Ereignisse während des Heiligen Jahres verstärkt wurde, wird die Anstrengungen auf dem Feld des Lehrens während der kommenden Jahre beschleunigen. Wenn das Lehren intensiviert wird, können alle Gläubigen erwarten, daß eine zunehmende Anzahl von Menschen in ihrer Umgebung vom Glauben angezogen sind, aber in ihrem Bemühen um die Anerkennung und Annahme Bahá'u'lláhs der Ermutigung bedürfen.

Systematisches Lehren, das von einzelnen ausgeht oder von den Institutionen organisiert wurde, war immer äußerst wirkungsvoll, wenn die zentrale Botschaft, die dem Sucher dargeboten wurde, der Rang Bahá'u'lláhs und seine erlösende Kraft war.

"Der Ruf, den du erhoben hast, o 'Alí, ist in Meinen Augen höchst willkommen. Verkünde Meine Sache mit deiner Feder wie mit deiner Zunge. Rufe laut und lade die Menschen vor Ihn, den höchsten Herrn aller Welten, mit solchem Eifer und solcher Inbrunst, daß alle Menschen durch dich entflammt werden." Bahá'u'lláh, Ährenlese, Kap. 142:5

Die geistige Vollmacht, andere dem Glauben zuzuführen, ist eine heilige Gabe, die jedem Gläubigen in jedem Land vermacht ist. Wir müssen deshalb danach streben, aktiv andere dazu zu führen, dem Glauben beizutreten und tief darüber nachdenken, welche Verantwortlichkeiten einem so wundersamen Ruf innewohnen.

"Öffne , o Volk, die Stadt des Menschenherzens mit dem Schlüssel deiner Rede. So haben wir dir im vorbestimmten Maß deine Pflicht verordnet." Bahá'u'lláh, Ährenlese Kap. 139:5

"Kraft des Namens des Meistgeliebten lade du die empfänglichen Seelen an Gottes heiligen Hof, damit sie den himmlischen Springquell voll des Lebenswassers nicht entbehren. Er ist in Wahrheit der Barmherzige, der Vergeben- de." Bahá'u'lláh, Botschaften aus 'Akká, Kap. 17:24

Jene in unserer Bahá'í-Geschichte, die eine Auszeichnung in der Kunst des Lehrens erreichten, hatten einen so großen Einfluß, daß die Seelen, mit denen sie zusammentrafen, nicht nur den Glauben annahmen, sondern zu seinen Verfechtern wurden. Dieser Einfluß beruhte im wesentlichen auf der Fähigkeit dieser Lehrer, die Kraft des Heiligen Geistes anzuziehen und sein Werkzeug zu werden. 'Abdu'l-Bahá hat uns versichert, daß die Menschheit auf den rechten Pfad zu führen, den Magneten darstellt, der die Hilfe Gottes für uns anzieht. Wenn es die Freunde lernen, sich auf die Kraft des göttli- chen Beistandes zu verlassen, werden sie befähigt werden, andere zu überzeugen, ihr Schicksal mit denen zu vereinen, die bereits die Lehren angenommen haben.

"Wenn sich einer von ihnen in irgend eine Richtung wendet und das Volk

zum Reiche Gottes ruft, dann eilen alle Himmelsmächte zu seiner Hilfe und Verstärkung, und die Bestätigung des Herrn steht ihm bei." 'Abdu'l-Bahá, Sendschreiben zum Göttlichen Plan, Seite 51)

Bahá'u'lláh hat erklärt, daß die Reaktion auf die Manifestation Gottes auf verschiedene Ebenen stattfindet; alle haben die Fähigkeit, Seine Zeichen zu erkennen.

"Das erste vornehmste Zeugnis, das Seine Wahrheit beweist, ist Sein eigenes Selbst. Nebst diesem Zeugnis steht Seine Offenbarung. Wer es versäumt, das eine oder das andere zu erkennen, für den hat er die Worte niedergelegt, die er als Beweis Seiner Wirklichkeit und Wahrheit offenbarte. Dies ist wahrlich ein Zeichen Seiner sanften Barmherzigkeit für die Menschen. Jeder Seele hat er die Fähigkeit verliehen, Gottes Zeichen zu erkennen. Wie sonst hätte er den Menschen Sein Zeugnis erbringen können - gehörtet ihr doch zu denen, die im Herzen über Seine Sache nachdenken. Niemals wird Er ungerecht mit jemanden verfahren, noch wird er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige." Bahá'u'lláh, Ährenlese Kap. 52:2

Alle haben die Fähigkeit zu reagieren, jedoch kann die Aufnahmefähigkeit verschieden sein. Einige werden, wenn sie dazu aufgefordert werden, der Sache schnell beitreten, andere müssen betreut und sogar herausgefordert werden, ihre Suche zu verstärken. Noch andere sind im Moment nicht in der Verfassung, "zuzuhören" und auf "aufzunehmen".

"Die Sammler nichtigen Wahns verstopfen den Menschen die Ohren und hindern sie, Gottes Stimme zu hören. Schleier menschlicher Bildung und falschen Trugs halten ihre Augen davon ab, das strahlende Licht Seines Antlitzes zu schauen. Mit kraftvollem, mächtigem Arm haben Wir eine Anzahl Seelen ergriffen, aus dem Sumpfe langsamen Verlöschens gerettet und sie befähigt, zum Morgenlicht der Herrlichkeit zu gelangen." Bahá'u'lláh, Botschaften aus 'Akká, Kap. 17:40

Es sind diese Seelen, die von Bahá'u'lláh schon vorbereitet wurden, die wir suchen müssen. Sie sind sogar dort, wo Empfänglichkeit nicht erwartet wird.

"Sei so unbeschwert wie der Wind", ist der Rat Bahá'u'lláhs an alle zukünftigen Lehrer Seiner Sache, "wenn du die Botschaft Dessen weiterträgst, der die Morgendämmerung göttlicher Führung anbrechen ließ. Sieh, wie der Wind, der Anordnung Gottes getreu, über alle Gegenden der Erde, die bewohnten und unbewohnten, hinweht. Weder der Anblick der Einöde noch die Zeugnisse des Gedeihens können ihn beängstigen oder erfreuen. Er weht in jeder Richtung, wie ihm sein Schöpfer gebot." Shoghi Effendi, "Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit", Seite 81

Die leidenschaftliche Suche nach aufnahmebereiten Seelen sollte nicht mit Bekehrung verwechselt werden, über die das Universale Haus der Gerechtigkeit klar festgestellt hat:

"Bekehrung beinhaltet, jemanden einem übermäßigen Druck auszusetzen, seinen Glauben zu wechseln. Sie wird gewöhnlich auch so verstanden, daß man mit Drohungen oder dem Anbieten materieller Vorteile einen Anstoß für den Übertritt bietet." Aus einem Brief vom 5. Mai 1982 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen einzelnen Gläubigen.

Der gesegnete Báb hat erklärt, daß zur Zeit des Erscheinens jeder Offenbarung diejenigen, die ihr Herz dem Urheber dieser Offenbarung zuwenden, die Wahrheit erkennen werden. Wenn der Lehrer in- spiriert ist und mit äußerster Liebe lehrt, wird ein Prozeß in Gang gesetzt, der die Kraft hat, beide zu verwandeln, den, der gelehrt wurde, und den Lehrer. Das dadurch entstehende Umfeld der Reinheit, Selbstlosigkeit, Demut, Loslösung und des Entflammtseins wird dazu beitragen, die Zweifel des Suchers zu beseitigen und eine positive Erwiderung hervorzurufen.

"Wolltest du auch nur einer einzigen Seele das Herz öffnen, indem du ihr hilfst, die Sache Dessen, den Gott offenbaren wird, zu erkennen, wäre dein innerstes Wesen erfüllt mit den Eingebungen jenes erhabenen Namens. Darum und weil die meisten Menschen hilflos sind, wurde dir diese Aufgabe für die Tage der Auferstehung übertragen. Könntest du ihnen das Herz öffnen und ihre Zweifel zerstreuen, würden sie zum Glauben Gottes Zutritt finden." Der Báb, "Kleine Auswahl Seinen Schriften", Nr.33

Menschen einzuladen, dem Glauben beizutreten, erfordert Mut, aber Bahá'u'lláh hat uns versichert: "Die Quelle des Mutes und der Kraft ist die Föderung des Wortes Gottes und Standhaftigkeit in Seiner Liebe." Bahá'u'lláh, Worte der Weisheit

Beide Seiten müssen aktiv sein, der Lehrer und der Sucher; dies scheint ein notwendiger Gesichtspunkt des Prozesses des Übertritts zu sein. "... unsere Pflicht ist es, wie Bahá'u'lláh deutlich festgestellt hat, ihnen den rechten Pfad zu zeigen, sie einzuladen, ihn zu betreten, ihnen von dem herrlichen Ort zu berichten, zu dem er führt, und dann sie ihrem eigenen Urteilsvermögen zu überlassen." Aus einem Brief vom 24. Dezember 1925 im Auftrag Shoghi Effendis an einen einzelnen Gläubigen

Über die Vorgehensweise des Lehrers und das Annähern an den Sucher hinaus, ist da noch die Gemeinde, aus der heraus der Beweis eines Geistes des Willkommens strömt. Shoghi Effendi erklärt, daß die Bahá'í einen großen Mangel an liebevoller und inspirierender Gemeinschaft haben, die notwendig für die breitgefächerte und ständige Erweiterung unserer Anzahl ist. Der Hüter ermutigt die Bahá'í- Gemeinden, eine hohe Ebene geistiger Gemeinschaft von solcher Wärme zu erreichen, daß sie die Ursache spontanen Beitritts zum Glauben wird.

"Nichts wird das Erreichen euerer Ziele mehr fördern, als die größte Liebe, Einheit und Zusammenarbeit untereinander. Dies ist der innerste Kern der Ordnung, für deren Errichtung in der Welt Bahá'u'lláh gekommen ist; und wenn die Menschen sehen, daß ihr diese Eigenschaften und Kennzeichen aktiv in euerer Mitte zeigt, werden jene, die aufnahmebereit sind, eilen, sich eueren Reihen anzuschließen." Aus einem Brief vom 30. September 1949 im Auftrag Shoghi Effendis an die Bahá'í von Norwich, England

Die Mitglieder des Hilfsamtes und ihre Assistenten müssen bei der Erfüllung ihrer Pflicht, die Freunde zu neuen Siegen beim Lehren zu führen, Beratungen über dieses Thema in die Wege leiten. Da sie sehr oft aufgrund ihrer eigenen Erfolge auf dem Feld des Lehrens ausgewählt wurden, wird es ihnen möglich sein, ein Umfeld des Lernens zu schaffen, innerhalb dessen sie mit den anderen die Sensibilität und Geschicklichkeit erforschen, die mit der Anziehungskraft auf Seelen und deren Festigung in der Sache verbunden sind.

Teil 3

Über die Jugend

Briefe des

Universalen Hauses der Gerechtigkeit

und des Internationalen Lehrzentrums

JUGEND

Gesegnet ist der, der in der Blütezeit seiner Jugend und dem Höhepunkt seines Lebens sich erhebt, und der Sache des Herrn des Anfangs und des Endes zu dienen und sein Herz mit Seiner Liebe schmückt. Die Manifestation einer solchen Gnade ist größer als die Schöpfung der Himmel und der Erde. Gesegnet sind die Standhaften und gut steht es um die, die beständig sind.

Bahá'u'lláh

------------------------------

Das Universale Haus der Gerechtigkeit Bahá'í-Weltzentrum Haifa, Israel

10. Juni 1966

An die Bahá'í-Jugend in jedem Land

Liebe Bahá'í-Freunde!

In einem Land nach dem anderen treiben die Leistungen der Bahá'í-Jugend die Arbeit des Neunjahresplanes in ständig wachsendem Maße voran und rufen so die Bewunderung ihrer Mitgläubigen hervor. Vom allerersten Beginn des Bahá'í-Zeitalters an spielte die Jugend eine große Rolle in der Verkündigung von Gottes Offenbarung. Der Báb Selbst war erst fünfundzwanzig Jahre alt, als Er Seine Sendung offenbarte, während viele Buchstaben des Lebendigen sogar jünger waren. Der Meister wurde als ein sehr junger Mann dazu berufen, im Irak und in der Türkei im Dienste Seines Vaters schwere Verpflichtungen auf sich zu nehmen, und Sein Bruder, der Reinste Zweig, gab im Alter von zweiundzwanzig Jahren sein Leben im Größten Gefängnis Gott hin, damit die Diener Gottes "belebt und die Bewohner dieser Erde geeint werden mögen." Shoghi Effendi war Student in Oxford, als er auf den Thron seines Hütertums berufen wurde, und viele der Ritter Bahá'u'lláhs, die während des Zehnjahresplanes unvergänglichen Ruhm erlangten, waren junge Menschen. Aus diesem Grund soll man niemals von der Vorstellung ausgehen, daß die Jugend ein reiferes Alter haben muß, um der Sache Gottes unschätzbare Dienste erweisen zu können.

Für jeden Menschen, ob der Bahá'í ist oder nicht, sind es die Jugendjahre, in denen er viele Entscheidungen trifft, die den Verlauf seines Lebens bestimmen. In diesen Jahren wird er wahrscheinlich seinen Beruf wählen, verdienen, er wird heiraten und eine eigene Familie gründen. Das Wichtigste vor allem in diesem Zeitraum ist es, daß der Verstand auf das Forschen ausgerichtet ist und daß die geistigen Werte erlangt werden, die des Menschen zukünftiges Verhalten bestimmen. Diese Umstände bieten der Bahá'í- Jugend ihre größten Möglichkeiten, ihre größten Herausforderungen und ihre größten Prüfungen - die Möglichkeit, die Lehren ihres Glaubens wahrhaftig zu erfassen und sie ihren Zeitgenossen weiterzugeben, die Herausforderung, die Not der Welt zu überwinden und Führung für ihre und die nachfolgenden Generationen zu schaffen und Prüfungen, die sie dazu befähigen, in ihrem Leben ein Beispiel für das hohe Richtmaß zu sein, wie es in den Bahá'í-Schriften niedergelegt ist. Tatsächlich schrieb der Hüter über die Bahá'í-Jugend, daß sie es ist, "die so entscheidend zur Stärke, zur Reinheit und zur treibenden Kraft des Lebens der Bahá'í-Gemeinde beitragen kann und daß von der Jugend die zukünftige Gestaltung ihres Geschickes und die vollkommene Entfaltung der inneren Kräfte abhängt, mit denen sie Gott ausgestattet hat."

Diejenigen, welche jetzt zwischen fünfzehn und dreißig Jahre alt sind, sehen sich einer besonderen Anforderung gegenüber und können eine Gelegenheit ergreifen, die in der menschlichen Geschichte einzigartig ist. Während des Zehnjahresplanes, dem neunten Teil des majestätischen Vorganges, der von unserem geliebten Hüter so lebhaft beschrieben wurde, breitete sich die Gemeinde des Größten Namens mit Windeseile über die hauptsächlichen Länder und Inseln der Welt aus, verstärkte vielfach ihre Zahl an Menschen und Hilfsquellen, sah sie den Beginn, wie die Menschen in Scharen in die Sache Gottes eintraten und vollendete das Gebäude der Verwaltungsordnung Bahá'u'lláhs. Jetzt, da sie fest in der Welt errichtet ist, taucht die Sache in den Anfangsjahren des zehnten Teils desselben Vorganges wahrnehmbar aus der Dunkelheit hervor, die sie zum größten Teil seit ihrem Beginn verhüllte. Nun erhebt sie sich, um die veralteten Auffassungen einer korrupten Gesellschaft herauszufordern und die Lösung für die qualvollen Probleme einer zerrütteten Menschheit zu verkünden. Für diejenigen, die jetzt jung sind, wird sich während ihres Lebens die Weltlage und der Platz, den die Bahá'í-Religion in ihr einnimmt, unermeßlich ändern, denn wir treten in einen sehr kritischen Abschnitt in dieser Übergangszeit ein. Drei große Aufgabengebiete liegen vor den jungen Bahá'í, in denen sie gleichzeitig den Charakter der menschlichen Gesellschaft erneuern als auch sich selbst für die Arbeit, die in ihrem späteren Leben ausführen können, vorbereiten werden.

Erstens ist die Grundlage aller ihrer anderen Leistungen das Studium der Lehren, die geistige Ausrichtung ihres Lebens und die Bildung ihres Charakters in Übereinstimmung mit dem Richtmaß Bahá'u'lláhs. Da um uns herum die moralischen Richtmaße der Völker einstürzen und vergehen, gleich, ob es sich um die jahrhundertealten Kulturen des Ostens, die jüngeren Kulturen des Christentums und des Islams oder der schnell wechselnden Stammesgemeinschaften in der Welt handelt, müssen die Bahá'í sich in wachsendem Maße als Eckpfeiler der Rechtschaffenheit und Geduld erweisen. Das Leben eines Bahá'í wird durch Wahrhaftigkeit und Anstand gekennzeichnet sein; er wird aufrecht zwischen seinen Mitmenschen wandeln, von keinem abhängig außer von Gott, jedoch der ganzen Menschheit in Liebe und Brüderlichkeit verbunden; er wird gänzlich losgelöst sein von den lockeren Richtmaßen, den im Verfall begriffenen Theorien, dem unsinnigen Experimentieren, der Verzweiflung der heutigen Gesellschaft und seiner Umwelt mit einem offenen und freundlichen Gesicht begegnen. Er wird ein Leuchtturm und Hafen für alle die sein, die seiner Charakterstärke und Seelengewißheit nacheifern wollen.

Das zweite Aufgabengebiet, aufs engste mit dem ersten verbunden, ist das Lehren des Glaubens, besonders ihren Mitjugendlichen gegenüber, unter denen sich einige der offensten und suchendsten Seelen der Welt befinden. Da die Jugendlichen noch nicht all die Verantwortungen einer Familie oder eines lange bestehenden Heimes oder Berufes erworben haben, können sie viel leichter wählen, wo sie leben und studieren oder arbeiten möchten. In der ganzen Welt reisen die jungen Leute hauptsächlich umher, um Ver- gnügungen, Bildung und Erfahrungen zu sammeln. Die Bahá'í-Jugend, die Gottes Wort für diesen Tag als unvergleichlichen Schatz in sich trägt, kann diese Freizügigkeit in den Dienst der Menschheit stellen, sie kann ihren Aufenthaltsort, ihr Reisegebiet und die Art ihrer Arbeit selbst bestimmen, mit dem Ziel vor Augen, wie sie dem Glauben am besten dienen kann.

Der dritte Aufgabenbereich ist die Vorbereitung der Jugend auf ihr späteres Leben. Ein Bahá'í ist verpflichtet, seine Kinder zu erziehen; ebenso ist es die Pflicht der Kinder, Wissen über Kunst und Wissenschaft zu erlangen und ein Handwerk oder einen anderen Beruf zu erlernen, womit sie ihrerseits ihren Lebensunterhalt verdienen und für ihre Familie sorgen können. Für einen Bahá'í-Jugendlichen stellt dies an sich schon einen Dienst an Gott dar, der mit der Verbreitung des Glaubens und oft mit Pionieren verbunden werden kann. Die Bahá'í-Gemeinde braucht Männer und Frauen mit vielen Kenntnissen und Fähigkeiten, denn in dem Maße, wie sie an Umfang zunimmt, wird auch ihr Tätigkeitsbereich im Leben der Gesellschaft wachsen und vielfältiger werden. Daher soll die Bahá'í-Jugend die beste Art und Weise ausfindig machen, wie sie ihre angeborenen Fähigkeiten im Dienst der Menschheit und der Sache Gottes einsetzen und entwickeln kann, ob als Bauer, Lehrer, Arzt, Handwerker, Musiker oder in irgendeinem der zahllosen, ihnen offenstehenden Berufszweige.

In der Schule oder auf der Universität wird sich der Bahá'í-Jugendliche oft in der ungewöhnlichen und etwas verwirrenden Lage befinden, eine tiefere Einsicht in eine Sache zu haben als seine Lehrer. Die Lehren Bahá'u'lláhs werfen auf so viele Seiten des menschlichen Lebens und Wissens ein Licht, so daß ein Bahá'í früher als andere Jugendliche lernen muß, das, was ihm an Stoff geboten wird, abzuwägen und nicht blind hinzunehmen. Ein Bahá'í hat den Vorteil, die göttliche Offenbarung für dieses Zeitalter zu besitzen, die wie ein Scheinwerfer auf so viele Probleme gerichtet ist, die moderne Denker verwirren. Er soll deshalb die Fähigkeit entwickeln, alles um sich herum aufzunehmen und seinen Lehrern mit angemessener Bescheiden- heit gegenüberzutreten, dabei aber stets das, was er hört, mit den Bahá'í-Lehren in Verbindung zu setzen, denn sie werden es ihm ermöglichen, den Weizen aus der Spreu des menschlichen Irrtums herauszulesen.

Gleichlaufend mit dem Heranreifen seines inneren Lebens durch Gebet und Meditation, Dienst an der Sache und Studium der Lehren, hat die Bahá'í-Jugend Gelegenheit, die Anwendung der Ordnung Bahá'u'lláhs praktisch zu erlernen. Durch Teilnahme an Konferenzen und Sommerschulen sowie an Neunzehntagefesten und durch Mitarbeit in Ausschüssen kann die Bahá'í-Jugend die wunderbare Fähigkeit der Bahá'í-Beratung erwerben, wodurch sie neue Wege zu einer menschlichen Zusammenarbeit absteckt. Beratung ist nicht einfach zu erlernen, denn sie bedingt die Unterjochung von jeglichem Egoismus und ungebändigter Leidenschaften, die Pflege der Offenheit und Gedankenfreiheit, ebenso wie die der Höflichkeit, geistigen Aufgeschlossenheit und rückhaltlosen Zustimmung bei einem Mehrheitsbeschluß. Auf diesem Gebiet kann die Bahá'í-Jugend die Wirksamkeit, die Kraft, den Zugang zur Einheit, die aus wahrer Nutzlosigkeit des Parteigängertums, der Absprachen, Debatten, Geheimdiplomatie und einseitigen Handlungsweisen, welche die moderne Geschäftsabwicklung kennzeichen. Die Jugend nimmt auch am Ba- há'í-Leben in seiner Gesamtheit teil und fördert eine Gesellschaft, in der alle Generationen, die ältere und mittlere, Jugendliche und Kinder, vollkommen einbezogen sind und ein organisches Ganzes bilden. Indem sie sich weigern, der Feindschaft und dem Mißtrauen unter den Generationen, welche die moderne Gesellschaft bestürzen und verwirren, in ihrem Leben Raum zu geben, werden sie erneut die heilende und lebensspendende Kraft ihrer Religion beweisen.

Das dritte Jahr des Neunjahresplanes hat eben begonnen. Die Jugend hat schon eine lebenswichtige Rolle bei der Gewinnung seiner Ziele gespielt. Wir rufen sie mit großer Liebe und höchsten Hoffnungen unter Versicherung unserer inbrünstigen Gebete auf, einzeln und in Beratung, wo auch immer sie leben und wie auch immer die Umstände sein mögen, jene Schritte zu erwägen, die sie jetzt tun sollten, um ihr Verständnis der göttlichen Botschaft zu vertiefen, ihren Charakter nach dem Vorbild des Meisters zu entwickeln, jene Fähigkeiten, Handwerke und Berufe erlernen, mit deren Hilfe sie am besten Gott und den Menschen dienen, ihren Dienst an der Sache Bahá'u'lláhs zu steigern und seine Botschaft unter den Suchern ihrer Zeitgenossen auszustrahlen.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Das Universale Haus der Gerechtigkeit Bahá'í-Weltzentrum Haifa, Israel

9. Oktober 1968

An die Bahá'í-Jugend in jedem Land

Liebe Bahá'í-Freunde!

In den letzten zwei Jahren, seit wir zuletzt die Jugend der Bahá'í-Welt ansprachen, sind viele bemerkenswerte Fortschritte im Schicksal des Glaubens erzielt worden. Nicht der geringste ist die Eintragung unter dem Banner Bahá'u'lláhs einer wachsenden Armee junger Männer und Frauen, die begierig sind, Seiner Sache zu dienen. Der Eifer, die Begeisterung, die Standhaftigkeit und die Hingabe der Jugend in jedem Land hat unseren Herzen große Freude und Zuversicht gebracht.

Während der letzten Tage im August und der ersten Tage im September, als annähernd zweitausend Gläubige aus der ganzen Welt sich im Heiligen Land versammelt hatten, um die Hundertjahrfeier der Ankunft Bahá'u'lláhs an diesen Heiligen Ufern zu begehen, hatten wir Gelegenheit, jene Eigenschaften guten Charakters, selbstlosen Dienens und entschlossener Tatkraft, wie sie von der Jugend aufgezeigt wurden, die als freiwillige Helfer dienten, aus erster Hand zu beobachten, und wir möchten unseren Dank für ihre liebevolle Hilfe und für ihr Beispiel aussprechen.

Viele von ihnen hatten sich als Pioniere angeboten, aber eine schwierige Frage tauchte immer wieder auf: "Soll ich mein Studium weiterführen oder soll ich sofort pionieren?" Ohne Zweifel beschäftigt dieselbe Frage die Gedanken eines jeden jungen Bahá'í, der den Wunsch hegt, sein Leben der Verbreitung des Glaubens zu widmen. Doch gibt es keine allgemein gültige Antwort, die jeder Situation gerecht werden kann; der geliebte Hüter antwortete verschiedenen Personen unterschiedlich auf die Frage. Es ist klar, daß sich die Gegebenheiten im Einzelfall ändern. Der Einzelne muß selbst entscheiden, wie er der Sache am besten dienen kann. Bei der Entscheidung wird es sich als hilfreich erweisen, die folgenden Gesichtspunkte zu beachten:

Wenn man sich als Bahá'í erklärt, wird oder sollte das ganze Leben dem Fortschritt der Sache Gottes gewidmet werden, und jede Begabung oder Fähigkeit, die man besitzt, dient letzten Endes diesem Hauptlebensziel. Innerhalb dieses Rahmens muß man unter anderem abwägen, ob, wenn man jetzt seine Ausbildung weiterführt, man später ein dienstfähiger Pionier sein kann, oder ob andererseits der dringende Bedarf an Pionieren, während die Möglichkeiten zur Lehrarbeit noch offen sind, überwiegt. Dies ist keine einfache Entscheidung, weil häufig der Geist, der das Pionierangebot veranlaßte, wichtiger ist als akademische Errungenschaften.

Die Verpflichtung zum Wehrdienst könnte ein Faktor für die Zeitwahl sein, um seine Dienste als Pionier anzubieten.

Man könnte vorrangige Verpflichtungen gegenüber anderen einschließlich Angehörigen haben, die wegen ihres Unterhaltes auf ihn angewiesen sind.

Es könnte möglich sein, ein Pioniervorhaben mit einem Ausbildungsprogramm zu verbinden. Überlegungen müßten auch darüber angestellt werden, ob die Erfahrungen, die man als Pionier sammelt, obwohl damit der übliche Ausbildungsablauf unterbrochen wird, sich auf lange Sicht als nutzlos erweisen könnten, indem man sein Studium später mit einer reiferen Einstellung wieder aufnehmen kann.

Die Dringlichkeit eines bestimmten Zieles, für dessen Erfüllung man besondere Voraussetzungen mitbringt und für das es keine andere Meldungen gibt.

Die Tatsache, daß der Bedarf an Pionieren zweifellos für viele kommenden Generationen bestehen wird und daß deswegen auch in Zukunft noch zahlreiche Aufrufe für Pioniere folgen werden.

Das Prinzip der Beratung ist auch hier anzuwenden. Man mag die Verpflichtung haben, andere zu befragen, z.B. die Eltern, den Örtlichen und Nationalen Geistigen Rat sowie die Pionierausschüsse.

Mit Gedanken an das Prinzip des aufopfernden Dienstes und an die unbedingt eintreffenden Versprechnungen Bahá'u'lláhs für diejenigen, die sich erheben, um Seiner Sache zu dienen, sollte man schließlich darüber beten und meditieren, was man tun will. Und in der Tat ist es oft der Fall, daß die richtige Antwort auf keine andere Weise gefunden werden kann.

Wir versichern der Jugend, daß wir uns der vielen wichtigen Entscheidungen bewußt sind, die sie treffen müssen, wenn sie den Pfad des Dienstes für Bahá'u'lláh einschlagen. Wir werden innig am Heiligen Schrein beten, daß sie alle von Gott gelenkt werden und die Segnungen des Allbarmherzigen auf sich ziehen mögen.

In inniger Bahá'í-Liebe,

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Das Universale Haus der Gerechtigkeit Bahá'í-Weltzentrum Haifa, Israel

4. Juli 1983

An die Europäische Jugendkonferenz in Innsbruck

Liebe Bahá'í-Freunde!

Mit großen Hoffnungen grüßen wir die Vertreter der Bahá'í-Jugend Europas, die auf der Konferenz in Innsbruck zusammengekommen sind. Diese Generation der Bahá'í-Jugend erfreut sich einer einzigartigen Auszeichnung. Sie werden Ihr Leben in einem Zeitabschnitt verleben, in dem die Kräfte der Geschichte sich einem Höhepunkt zubewegen, die Menschheit der Errichtung des Geringeren Friedens erleben wird und in dem die Sache Gottes eine zunehmend führende Rolle beim Wiederaufbau der menschlichen Gesellschaft spielen wird. Sie sind es, die in den kommenden Jahren aufgefordert sein werden, im Angesicht von Umständen und Entwicklungen, die bis jetzt kaum vorstellbar sind, am Steuer der Sache zu stehen.

Besonders die Europäische Bahá'í-Jugend sieht sich in unmittelbarer Zukunft gewaltigen und herausfordernden Aufgaben gegenüber. Kann man daran zweifeln, daß die Art und Weise, in der sich die Regierungen der Europäischen Nationen zur Verteidigung der verfolgten Bahá'í im Iran zusammen- geschlossen haben, Segnungen von der Höhe auf diesen Kontinent herabziehen wird? Und wer unter den Menschen Europas wird am ehesten von der Herausforderung und Hoffnung der Botschaft Bahá'u'lláhs erleuchtet werden als die Jugend? Jetzt besteht die Gelegenheit, in jungen Menschen jeglicher Nation, Klasse oder Glaubenszugehörigkeit dieses Kontinents das Interesse zu wecken, ihre Herzen zu entflammen und ihre aktive Unterstützung zu gewinnen. Der Schlüssel zum Erfolg in diesen Bemühungen ist, erstens, Ihr Verständnis der Lehren der Sache zu vertiefen, so daß Sie in der Lage sein werden, sie auf die Probleme von einzelnen und er Gesellschaft anzuwenden und sie ihren Altersgenossen auf eine Art darzulegen, die sie verstehen und gerne annehmen; zweitens, danach zu streben, Ihr Verhalten in allen Dingen nach den hohen Maßstäben der Rechtschaffenheit, der Vertrauenswürdigkeit, des Mutes, der Treue, der Nachsicht, der Reinheit und Geistigkeit, wie sie in den Lehren niedergelegt sind, zu formen; und vor allem in dem ständigen Bewußtsein der Gegenwart und allesüberwindenden Macht Bahá'u'lláhs zu leben, die Sie befähigen wird, jeder Versuchung zu widerstehen und jedes Hindernis zu überwinden.

Eine lebenssprühende Schar von Bahá'í-Jugendlichen auf dem Europäischen Kontinent, die sich der Förderung der Sache Bahá'u'lláhs und der Aufrechterhaltung Seiner Gesetze und Prinzipien verpflichtet hat, die entschlossen ist, in Harmonie und Einheit mit ihren Mitgläubigen aller Altersgruppen und Klassen zusammenzuarbeiten, kann den Fortschritt der Sache von Grund auf neu gestalten. Mit einem raschen Anwachsen der Größe der Bahá'í-Gemeinden in Europa werden die Gläubigen dieses Kontinents umso besser in der Lage sein, den Bahá'í-Gemeinden der Dritten Welt als Quelle für Pioniere, Reiselehrer und finanzielle Unterstützung zu dienen.

Bei der Entscheidung, welchen Ausbildungsweg sie einschlagen soll, kann die Jugend in Erwägung ziehen, sich solche Fertigkeiten und Berufe anzueignen, die auf den Gebieten der Erziehung, der ländlichen Entwicklung, der Landwirtschaft, Wirtschaft, Technologie, des Gesundheitswesen, des Rundfunks und vieler anderer Betätigungsfelder von Nutzen sind, die so dringend in den Entwicklungsländern der Welt gebraucht werden.

Eine besondere Herausforderung für die Bahá'í-Jugend von Europa stellt die ausgedehnte östliche Hälfte des Kontinents dar, die bis jetzt kaum von dem Licht des Glaubens Bahá'u'lláhs berührt ist, Es ist nicht leicht, sich in solchen Ländern niederzulassen, aber mit Erfindungsgabe, Entschlossenheit und Vertrauen auf die Bestätigungen Bahá'u'lláhs ist es sicherlich möglich, sich sowohl dort niederzulassen, als auch im Dienst in solchen Zielen standhaft zu bleiben, die einen Geist der Selbstaufopferung, Loslösung und Reinheit des Herzens erfordern, einen Geist, der denen würdig ist, die dem strahlenden Beispiel nacheifern wollen, das von den Märtyrern im Iran gegeben wurde, von denen so viele Jugendliche sind, die lieber ihr Leben gaben, als auch nur ein Wort verlauten zu lassen, das ein Verrat an dem von Gott in sie gesetzten Vertrauen gewesen wäre.

Mit Liebe und äußerstem Verlangen rufen wir Sie auf, sich in die göttlichen Lehren zu versenken, für die Sache Gottes und Sein Gesetz einzutreten und sich zur Belebung der Menschheit zu erheben.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Das Universale Haus der Gerechtigkeit Bahá'í-Weltzentrum Haifa, Israel

3. Januar 1984

An die Bahá'í-Jugend der Welt

Liebe Bahá'í-Freunde!

Daß die Vereinten Nationen das Jahr 1985 zum Internationalen Jahr der Jugend ernannt haben, eröffnet neue Perspektiven für die Tätigkeiten, mit denen sich die jugendlichen Mitglieder unserer Gemeinde befassen. Daß die Vereinten Nationen die Jugend so in den Brennpunkt rücken, geschieht in der Hoffnung, die Jugend zu verantwortungsbewußter Teilnahme an den Angelegenheiten der Welt zu ermutigen, indem sie sie an internationalen Entwicklungsaufgaben und anderen Unternehmungen und Beziehungen beteiligen, wie sie der Verwirklichung ihres Trachtens nach einer Welt ohne Krieg dienen.

Diese Erwartungen unterstreichen die vor uns liegenden großen Glegenheiten, welche unsere Aufmerksamkeit fordern. Wenn wir die jetzt an uns gestellten Herausforderungen auch nur annähernd veranschaulichen wollen, müssen wir nur im Lichte unserer heiligen Schriften darüber nachdenken, wie durch die beschleunigte Entfaltung des Göttlichen Plans durch fast fünf Jahrzehnte, durch die unermeßlichen Kräfte des geistigen Dramas, das sich im Iran abspielt, und durch die schöpferische Energie, die aus der Vergegenwärtigung des herannahenden Endes des zwanzigsten Jahrhunderts frei wird, günstige Umstände zusammentreffen. Ohne Zweifel steht es in Eurer Macht, wesentlich zur Gestaltung der Gesellschaften des kommenden Jahrhunderts beizutragen: Jugend kann die Welt bewegen.

Wie trefflich, ja wie begeisternd, daß sich Euch, den jungen, eifrigen Anhängern der Gesegneten Schönheit, eine so wunderbare Gelegenheit bietet, das Feld Eures Bemühens gerade auf dem Tätigkeitsgebiet auszuweiten, auf dem Ihr Euch so gewissenhaft auszuzeichnen strebt. Denn das von den Vereinten Nationen vorgeschlagene Thema: "Teilnahme, Entwicklung, Frieden", kann als Bestätigung dafür aufgefaßt werden, daß die Ziele, die Ihr als Bahá'í verfolgt, im Grunde eben der Gegenstand der leidenschaftlichen Suche Eurer verzweifelten Altersgenossen ist.

Ihr seid schon damit befaßt, den Siebenjahresplan voranzutreiben, der den Rahmen für weitere Taten gibt, zu denen Ihr jetzt, durch diese neue Gelegenheit angeregt, aufbrechen mögt. Das Internationale Jahr der Jugend fällt in die nächste Phase des Plans, so müssen die Tätigkeiten, die Ihr vorhabt und auf die Ihr Euch jetzt vielleicht schon vorbereiten wollt, nicht nur die Maßnahmen für das Jugendjahr unterstützen, sondern zugleich Eure Beiträge zur Erfüllung dieses Plans steigern. Zögert also nicht mit Eurer kraftvollen Antwort.

Ein Glanzlicht der gegenwärtigen Periode des Siebenjahresplans war die außerordentliche Proklamation, die der Glaube durch das Wiederaufleben der unablässigen Verfolgungen im Iran erfuhr; weltweit wurde neues Interesse an seinen Lehren wach. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen aller Gesellschaftsschichten ungestüm ihre wahre Identität, oder mit anderen Worten, obwohl sie es nicht so offen zugeben werden, den geistigen Sinn ihres Lebens; führend unter diesen Suchern sind die Jugendlichen. Das Wissen darum eröffnet nicht nur ein weites Feld für Bahá'í-Initiative, es weist auch den jungen Bahá'í eine besondere Verantwortung zu, die Sache Gottes so zu lehren und so das Leben zu leben, daß sie die Tugenden lebendig zum Ausdruck bringen, die die geistige Sehnsucht ihrer Altersgenossen stillen.

Um der Bewahrung solcher Tugenden willen ist in der Vergangenheit viel unschuldiges Blut vergossen worden, und viel wird auch heute im Iran von jung und alt geopfert. Betrachtet zum Beispiel das Schicksal der sechs jungen Frauen von 18 bis 25 Jahren, die ihr Leben letzten Sommer in Shíráz am Galgen verhauchten. Alle widerstanden dem Versuch, sie zum Widerruf ihres Glaubens zu veranlassen; alle weigerten sich, ihren Geliebten zu verleugnen. Betrachtet auch die Berichte von der erstaunlichen Tapferkeit, die immer wieder von Kindern und Jugendlichen an den Tag gelegt wurde, welche den Verhören und Beschimpfungen von Lehrern und Mullahs ausgesetzt waren und er Schule verwiesen wurden, weil sie an ihrem Glauben festhielten. Darüberhinaus ist besonders bemerkenswert, daß die Jugend trotz der harten Beschränkungen, denen ihre Gemeinde unterworfen ist, so außerordentliche Dienste leistet und ihre Kräfte den Bahá'í-Institutionen im ganzen Land zur Verfügung stellte. Keine Redekunst kann ihre geistige Ergebenheit und Treue würdiger bezeugen als diese reinen Taten der Selbstlosigkeit und Hingabe. Im Grunde genommen fordert der Glaube an keinem anderen Ort der Erde einen so hohen Preis von den Bahá'í. Nirgends finden sich willigere, strahlendere Träger des Opferkelchs als die tapfere Bahá'í-Jugend im Iran. Ist es da nicht angemessen, zu erwarten, daß Ihr, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Ihr in so außergewöhnlicher Zeit lebt, Zeugen mitreißender Beispiele des Mutes Eurer iranischen Brüder seid und Euch so frei bewegen könnt, daß Ihr "unbeschwert wie der Wind" ins Feld der Bahá'í-Taten aufbrecht?

Seid alle beharrlich in Eurem persönlichen Bemühen, den Glauben zu lehren, aber mit vermehrtem Eifer, und die Schriften zu studieren, aber mit tieferem Ernst. Setzt Eure Erziehung und Ausbildung fort, um künftig der Menschheit zu dienen, und opfert Eure freie Zeit soweit wie möglich für Tätigkeiten in der Sache Gottes. Wer von Euch seine Lebensaufgabe schon auf sich genommen, wer schon eine Familie gegründet hat, strebe danach, lebendige Verkörperung der Bahá'í-Ideale zu werden, sowohl bei der geistigen Ernährung Eurer Familien als auch durch aktive Teilnahme an den Bemühungen um die Inlandsziele oder als Pionier im Ausland. Mögen alle den gegenwärtigen Forderungen an den Glauben dadurch entsprechen, daß sie sich in bisher unbekanntem Maße den anstehenden Aufgaben widmen.

Über dieses Streben hinaus besteht die Notwendigkeit einer gewaltigen Mobilisierung der Lehrtätigkeiten, in welcher sich eine Stetigkeit bei den Formen des Dienstes spiegelt, den die jungen Bahá'í leisten. Der natür-liche Drang der Jugend, umherzuziehen, verbunden mit reichem Glaubenseifer, zeigt, daß ihr als Reiselehrer zahlreicher und zielstrebiger an diesen Tätigkeiten teilnehmen könnt. Eine Form dieser Mobilisierung könnten Kurzzeitprojekte im In- oder Ausland sein, die sowohl dem Lehren des Glaubens als auch der Besserung der Lebensbedingungen der Menschen gewidmet sind. Eine andere könnte sein, daß Ihr, solange Ihr noch jung und frei von Verantwortung für eine Familie seid, daran dächtet, eine gewisse Zeit, ein oder zwei Jahre, daheim oder im Ausland, freiwillig Bahá'í-Dienst bei Lehr- oder Entwicklungsarbeit zu leisten. Es würde die Gemeinde stärken und festigen helfen, wenn Generationen von Jugendlichen nacheinander solche Formen (des Dienstes) aufgriffen. Unabhängig aber von der Art des Dienstes muß sich die Jugend dazu verstehen, sich zu allen Zeiten, überall und unter allen Umständen voll einzusetzen. Seid in Euren verschiedenen Tätigkeiten der liebevollen Unterstützung und Führung der Bahá'í-Institutionen auf allen Ebenen versichert.

Unsere heißen Gebete, unser unerschütterliches Vertrauen in Eure Fähigkeit, Eurer Ziel zu erreichen, unsere unvergängliche Liebe begleiten Euch bei all Eurem Streben auf dem Pfade des Dienstes für die Gesegnete Vollkommenheit.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Das Universale Haus der Gerechtigkeit Bahá'í-Weltzentrum Haifa, Israel

8. Mai 1985

An die Bahá'í-Jugend der Welt

Liebe Bahá'í-Freunde,

allen, die sich bei den noch kommenden Jugendkonferenzen während des Internationalen Jahres der Jugend versammeln, senden wir unsere lieben Grüße und besten Wünsche. Die Reaktion der Bahá'í-Jugend auf die Herausforderung dieses besonderen Jahres war in vielen Ländern so lebhaft und einfallsreich, daß sie uns zum Ausdruck von Freude und hohen Erwartungen bewogen.

Unser Beifall gilt jenen Jugendlichen, die sich bereits in diesem besonderen Zeitabschnitt an mehreren Aktivitäten in ihren nationalen und örtlichen Gemeinden oder in Zusammenarbeit mit ihren hervorragenden Gleichgesinnten in anderen Ländern beteiligten, und wir rufen sie auf, in ihrem Bemühen um geistige Eigenschaften und nützliche Fertigkeiten nicht nachzulassen. Wenn sie dies tun, werden ihre edlen Beweggründe einen förderlichen Einfluß auf die Entwicklung in der Welt auf eine fruchtbare, fortschrittliche und friedliche Zukunft hin ausüben.

Mögen die in diesem Jahr begonnenen Jugendaktivitäten ein angemessener Auftakt zum Internationalen Jahr des Friedens 1986 sein und als wichtiger Bestandteil dieses ganze Jahr hindurch andauern.

Die derzeitigen Erfordernisse eines Glaubens, dessen Verantwortung im Verhältnis zu seinem Hervortreten aus dem Unbekanntsein rasch ansteigt, auferlegen der Jugend die unentrinnbare Pflicht, dafür zu sorgen, daß ihr Leben in deutlichem Maße die umgestaltende Kraft der von ihnen angenommenen Sendung widerspiegelt. Nach welchem Beispiel sollte sonst der Anspruch Bahá'u'lláhs beurteilt werden? Wie sollte eine skeptische Menschheit Seine Heilsbotschaft anerkennen, wenn sie keine sichtbare Wirkung ausübte auf die jungen Menschen, die in jeder Gesellschaft als die tatkräftigsten, flexibelsten und hoffnungsvollsten Elemente angesehen werden?

Der dunkle Horizont, dem sich eine Welt gegenübersieht, die den Verheißenen, die Quelle der Rettung, zu erkennen versäumte, wirkt sich bedenklich auf die Zukunftsaussichten der jüngeren Generation aus. Ihr bedrückender Mangel an Hoffnung und ihr Sich-Hingeben an verzweifelte, aber oberflächliche und sogar gefährliches Lösungen erfordern dringend die heilbringende Aufmerksamkeit der Bahá'í-Jugend, aufgrund ihres Wissens um jene Quelle und der weiten Schau, mit der sie ausgestattet wurde, nicht zögern darf, ihren verzweifelten Altersgenossen die wiederbelebende Freude, die schöpferische Hoffnung und die strahlenden Zusicherungen der gewaltigen Offenbarung Bahá'u'lláhs kundzutun.

Die Worte, die Taten, die Haltung, die Vorurteilslosigkeit, die Charakterstärke, das Feingefühl für den Dienst an anderen - mit einem Wort: die Eigenschaften und Handlungsweisen, die einen Bahá'í auszeichnen, müssen eindeutig für inneres Leben, ihr äußeres Verhalten und ihre Beziehungen zu Freund oder Feind kennzeichnen.

Mögen sie niedrige Mittelmäßigkeitsperspektiven ablehnen und in allem, was sie anstreben, die steigenden Höhen der Vortrefflichkeit erklimmen. Mögen sie sich dazu entschließen, die ganze Atmosphäre, in der sie sich bewegen, zu veredeln, sei es im Klassenzimmer, im Hörsaal, bei ihrer Arbeit, in ihrer Freizeit, bei ihren Bahá'í-Aktivitäten oder ihrem sozialen Dienst.

Mögen sie wirklich voll Vertrauen die sie erwartenden Aufgaben willkommen heißen. von dieser Vortrefflichkeit durchdrungen und mit entsprechender Demut, mit Zielstrebigkeit und liebevoller Dienstbarkeit muß die heutige Jugend in den für den weiteren Fortschritt der Menschheit nötigen Berufen, im Handel, in Kunst und Handwerk die vordersten Ränge anstreben, und zwar damit deutlich wird, daß der Geist der Sache seine erleuchtende Kraft auf alle diese wichtigen Gebiete menschlichen Strebens wirft. Während ihr Ziel in der Beherrschung von integrierenden Konzepten und rasch sich entwickelnden Technologien dieses Zeitalters der Kommunikation liegt, können, ja müssen sie auch die Weitergabe jener Fähigkeiten an die Zukunft garantieren, was die wunderbaren, unbedingt notwendigen Errungenschaften der Vergangenheit erhalten wird.

Die Wandlung, die im Leben der Gesellschaft eintreten muß, wird sicherlich in hohem Maße von der Wirksamkeit der Vorbereitungen abhängen, die die Jugend für die Welt, die sie einmal erben wird, trifft.

Wir empfehlen Euch, diese Gedanken in Eure persönlichen Betrachtungen und in die Beratungen, die Ihr über Eure Zukunft führt, mit einzubeziehen. Wir versichern Euch unseres Gedenkens im Gebet, unseres Vertrauens und unserer Zuversicht.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Brief des Internationalen Lehrzentrums an einen Berater vom 9. Dezember 1988

Wenn nur Wohlfahrtsprojekten Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann kann das Ziel, die Sache Gottes zu lehren, aus den Augen verloren werden. Ein Mittel, mehr Lehrarbeit in Gang zu bekommen, wäre die Ermutigung des Lehrens in Gruppen, wie es bei der kürzlichen Landegg-Konferenz besprochen wurde. Solche Gruppen müßten dergestalt ermutigt werden, daß sie die geistige Eroberung des Planeten als die Aufgabe ihrer Generation empfinden. Sie müssen ein Gefühl dafür entwickeln, wie dringlich es ist, ihre Altersgenossen zu erreichen und die Botschaft der Expansion zu lehren, die im Kommen Bahá'u'lláhs beschlossen liegt. Zu oft führen die Lehrbemühungen nicht zu Erklärungen als Bahá'í, weil die Botschaft nur Proklamation ist. Wie Sie wissen, macht das Universale Haus der Gerechtigkeit einen Unterschied zwischen Lehrarbeit und Proklamation. Es sagt, die Lehrarbeit bestätige andere Menschen im Glauben, während die Proklamation den Leuten die allgemeinen Ziele und Absichten des Glaubens zur Kenntnis bringe. Sie könnten Ihrerseits die Jugend dafür begeistern, daß sie andere Jugendliche mobilisiert und mit ihren Altersgenossen einen Prozeß in Gang setzt, der sie zu geistiger Disziplin herausfordert, zu Loslösung, Standhaftigkeit, Demut und unentwegtem Bemühen. Die Mühe gilt der Entdeckung, wer Bahá'u'lláh ist, und der Weitergabe dieser Entdeckung an viele andere in der Überzeugung, daß überall Seelen vorbereitet worden sind. Diese Jugendlichen, die Bahá'í und ihre Freunde, könnten sodann geistige Revolutionäre werden, die "die Welt bewegen". Sie müßten begreifen, daß eine solche Eroberung ihnen Zeit, Kraft und Tiefe abverlangt, daß aber die durch solches Bemühen gewonnene Erfahrung der Einheit alle Opfer übertrifft. Ihr Leben und das ihrer Freunde wäre nicht länger von anderen manipuliert, weil sie sich nicht länger von äußerlichen Mächten aufteilen und auseinanderdividieren lassen. Sie würden selbst ihr Schicksal meistern.

Die Gruppen-Lehrmethode, oder besser die Gruppenbewegung, wäre ein fortgesetzter Prozeß des Umsichscharens von Freunden, des Vermittelns der Liebe zu Bahá'u'lláh, der Verbindung zu anderen Gruppen, der Orchestrierung von Veranstaltungen mit ihnen, der Benutzung heiliger Schriften und des häufigen Gebrauchs von musikalischen und dramatischen Formen der Darbietung. Dies würde alle Teilnehmer bestätigen und andere anziehen. Die Bewegung wäre somit kreisförmig: versammeln, vermitteln, verbinden, orchestrieren, bestätigen und wieder versammeln. Jede Gruppe brächte zur rechten Zeit ihre eigenen Mittel hervor. Alle stünden sich gegenseitig bei, um höhere Stufen geistiger Integrität zu erreichen. Alle Gruppen würden natürlich die Ereignisse um die ersten Jünger des Báb studieren und wären der von den Märtyrern des Glaubens gebrachten Opfer bewußt. Am Anfang bräuchten sie von den Geistigen Räten eher liebende Ermutigung als Kontrolle. Einzelne sollten selbständig die Initiative ergreifen. Sicher würden alle zweifellos den Institutionen des Glaubens die größte Hochachtung erweisen.

Die gesamte Grundlage für den Erfolg einer solchen dynamischen Bewegung ist in der Botschaft unseres geliebten Hüters Shoghi Effendi enthalten, die in "Guidance for Today and Tomorrow" Kapitel XII, "Teaching the Bahá'í-Faith", Seite 194 - 239, wiedergegeben ist.

Das Internationale Lehrzentrum

Teil 4

ÜBER FRAUEN

Die Einbindung des Potentials der Frauen für den Fortschritt des Glaubens

Zitate von Bahá'u'lláh, 'Abdu'l-Bahá etc.

* Auszeichnung

* In diesem Jahrhundert

* Unternehmt eine gewaltige Anstrengung

* Schauplätze des Dienstes

Die Einbindung des Potentials der Frauen für den Fortschritt des Glaubens

Wir stellen uns vor, daß sich die Bahá'í-Frauen Europas durch die Erneuerung ihres Geistes und das Aufrütteln ihrer Seelen zum Dienst für Bahá'u'lláh mit erleuchteten Seelen und dankbaren Herzen erheben, um ihre alles umschließende Liebe über alle auszugießen, denen sie begegnen, und daß durch die noch größere Offenbarung ihres Mutes, ihres Zartgefühls, ihrer Barmherzigkeit, liebe und Intuition auf allen Feldern des Dienstes die europäische Bahá'í-Gemeinde verwandelt wird. So werden die Bahá'í-Frauen zu einer Quelle der Eingebung für alle werden, die um sie sind. Aus einer Erklärung des Kontinentalen Berateramtes für Europa, Ridván 1993

"Ich hoffe auf einen ähnlichen Fortschritt der Frauen in Europa, damit eine jede wie eine Lampe leuchte, laut vom Gottesreich künde, den Männern wahrhaft zur Seite stehe, ja ihnen sogar überlegen werde, bewan- dert in den Wissenschaften und doch losgelöst - so daß die ganze Welt bezeugen kann, daß Mann und Frau völlig gleiche Rechte haben. Ich würde mich sehr freuen, solche Frauen zu sehen. Dies ist eine nützliche Aufgabe; durch sie wird die Frau Zutritt zum Gottesreich finden. Anders ist es vergebens." 'Abdu'l-Bahá on Divine Philosophi, S. 81f, vergl. "Frauen", S.27

Auszeichnung

Laß mein Herz überströmem aus Liebe zu Deinen Geschöpfen und gewähre, daß ich ein Zeichen Deiner Gnade, ein Beweis Deiner Gunst, ein Förderer der Harmonie unter Deinen Geliebten werde, Dir ergeben, Dein Gedenken äußere, mein Selbst vergesse, aber immer auf das achte, was Dein ist." Bahá'u'lláh, Amerikanisches Gebetbuch, S. 100

"O ihr Mägde Gottes! Jede Frau, die eine Magd Gottes wird, überstrahlt voller Herrlichkeit die Herrscherinnen dieser Welt, denn sie ist Gott verbunden und ihre Souveränität dauert ewig, wohingegen eine Handvoll Staub den Namen und den Ruhm jener Herrscherinnen auslöschen wird. Mit anderen Worten, sobald sie in ihren Gräbern liegen, werden sie zu einem Nichts. Dagegen erfreuen sich die Mägde in Gottes Königreich ewiger Herrschaft unberührt von der Folge von Zeitaltern und Generationen. Denke darüber nach, wie viele Herrscherinnen seit der Zeit Christi gekommen und gegangen sind. Jede war die Regentin eines Landes, doch nun sind all ihre Spuren verwischt, während Maria Magdalena, die nur eine Bäuerin und eine Magd Gottes war, noch immer vom Horizont immerwährender Herrlichkeit strahlt. Strebe darum danach, eine Magd Gottes zu bleiben." 'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 123, Nr. 93

"Strebt deshalb mit Herz und Seele danach, daß ihr zu brennenden Kerzen in den Versammlungen der Welt, zu glänzenden Sternen am Horizont der Wahrheit und die Ursache für die Verbreitung des Lichtes des Königreiches werdet, so daß die menschliche Welt in ein himmlisches Reich verwandelt, die niedere Welt zu einer Welt der Höhe werde und die Liebe Gottes und die Gnade des Herrn ihren Baldachin über dem Gipfel der Welt errichten mögen, die menschlichen Seelen die Wogen des Ozeans der Wahrheit werden, die menschliche Welt zu einem gesegneten Baume wachse, die Verse der Einheit gesungen werden und die Melodien der Heiligkeit den Höchsten Hof erreichen. Tag und Nacht flehe ich inständig und bete zum Königreich Gottes und erbitte nicht endenden Beistand und Bestätigung für euch. Schaut nicht auf euere eigenen Begabungen und Fähigkeiten, sondern heftet eueren Blick auf die vollkommene Freigebigkeit, die göttliche Gnade und die Macht des Heiligen Geistes - die Macht, die den Tropfen zu einem Meere und den Stern in eine Sonne wandelt."

"Preis sei Gott, die Bewohner des Höchsten Hofes versichern euch des Sieges, und die Macht des Königreiches ist bereit zu helfen und zu unterstützen. Wolltet ihr auch jeden Augenblick euere Zungen in Dankbarkeit zum Dankgebet lösen, wäret ihr doch nicht fähig, euere Dankespflicht für diese Gaben abzu- statten." 'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 104, Nr. 68

"Ich wünsche Vornehmheit für euch ... Für euch wünsche ich geistige Vornehmheit, das heißt, ihr müßt durch Tugenden hervortreten und berühmt werden. In der Liebe zu Gott müßt ihr euch von allen anderen unterscheiden. Ihr müßt euch hervortun durch euere Liebe zur Menschheit, durch Einheit und Eintracht, durch Liebe und Gerechtigkeit. Kurzum, ihr müßt für alle Tugenden der Menschenwelt bekannt werden: für Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, für Gerechtigkeitssinn und Wahrheitstreue, für Entschlossenheit und Standhaftigkeit, für mildtätige Werke und den Dienst an der Menschheit, für euere Liebe zu jedem mensch- lichen Wesen, für Einheit und Einklang mit allen Leuten, für den Abbau von Vorurteilen und die Förderung des Weltfriedens. Schließlich müßt ihr euch dadurch auszeichnen, daß ihr himmlische Erleuchtung erlangt und Gottes Gnadengaben erwerbt. Diese Vornehmheit wünsche ich für euch. Dies muß das Unterschei- dungsmerkmal für euch sein." 'Abdu'l-Bahá, Promulgation of Universal Peace, S. 185, vergl. "Geistiger Adel" , S. 17f

In diesem Jahrhundert

O ihr Dienerinnen des Herrn! In diesem Jahrhundert - dem Jahrhundert des Allmächtigen Herrn - scheint das Tagesgestirn des erhabenen Königreiches, das Licht der Wahrheit vom Gipfel der Herrlichkeit, und seine Strahlen er- leuchten alle Regionen. Denn dies ist das Zeitalter der Altehrwürdigen Schönheit, der Tag der Offenbarung der Kraft und Macht des Größten Namens - möge mein Leben als Opfer für Seine Geliebten dargebracht werden."

"Wenn sich die Sache Gottes in den kommenden Zeitaltern erheben und hundertfach wachsen und der Schatten des Sadratu'l-Muntahá die ganze Menschheit beschirmen wird, wird doch dieses gegenwärtige Jahrhundert einzigartig dastehen, da es Zeuge des Anbruchs jenes Morgens und des Aufgangs jener Sonne war. Dieses Jahrhundert ist fürwahr die Quelle Seines Lichtes und der Tagesanbruch Seiner Offenbarung. Künftige Jahrhunderte und Generationen werden die Ausbreitung seines strahlenden Glanzes und das Offenbarwerden seiner Zeichen erblicken. Darum strengt euch an, so daß ihr vielleicht den vollen Anteil und das Erbteil an Seinen Gnadengaben erreichen werdet." 'Abdu'l-Bahá; Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 46, Nr.32

"Jetzt ist es an der Zeit, daß sich die Geliebten inmitten der Völker der Welt erheben, mit einem Herzen, dem Tagesgestirn gleich, mit einem starken inneren Drang, mit leuchtendem Angesicht, mit nach Moschus duftendem Atem, mit einer Zunge, die nur von Gott spricht, mit kristallklarer Darstellung, mit hoher Entschlußkraft, mit einer im Himmel geborenen Kraft, einem geistigen Charakter und mit keiner Bestä- tigung als allein der göttlichen. Laßt sie, jeden einzelnen und alle, zum Glanz des himmlischen Horizontes werden und am weltlichen Himmel ein funkelnder Stern. Laßt sie zu fruchtbaren Bäumen in himmlischen Gefilden werden, zu süß duftenden Blüten in göttlichen Gärten, laßt sie zu Versen der Vollkommenheit auf den Seiten des Universums werden, zu Worten der Einheit im Buch des Lebens ... und aus reinen Herzen und durch die himmlischen Gnadengaben müssen nun alle Vollkommenheiten, Eigenschaften und Kennzeichen des Göttlichen offenbart werden."

'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 232, Nr. 193

Unternehmt eine gewaltige Anstrengung

"Die wichtigste Pflicht an diesem Tag ist es, eueren Charakter zu läutern, euere Sitten zu verfeinern und euer Verhalten zu veredeln. Die Geliebten des Barmherzigen müssen unter Seinen Geschöpfen einen solchen Charakter und ein solches Betragen zeigen, daß der Duft ihrer Heiligkeit sich über die ganze Welt verbreitet und die Toten belebt, da es der Zweck der Manifestation Gottes und der Anbruch des grenzenlosen Lichtes des Unsichtbaren ist, die Seelen der Menschen zu erziehen und den Charakter jedes lebenden Menschen zu verfeinern..." Bahá'u'lláh, Gleanings from the Writings of Bahá'u'lláh, S. 336

Unternehmt jede Anstrengung, um... Mittelpunkte der Segnungen Gottes zu werden, zu Morgendämmerungen des Lichtes Seiner Einheit und Förderer der Gaben und Tugenden kultivierten Lebens. Seid in jenem Lande die Vorhut der menschlichen Vollkommenheiten, treibt die verschiedenen Bereiche des Wissens voran und betätigt euch zunehmend auf dem Gebiet der Erfindungen und der Künste. Bemüht euch, das Verhalten der Menschen zu verbessern, und versucht, der ganzen Welt ein sittliches Vorbild zu sein. Nährt die Kinder am Herzen der himmlischen Güte, während sie noch klein sind, pflegt sie in der Wiege höchster Vortrefflichkeit und erzieht sie in der Umarmung der Güte.. Gewährt ihnen den Vorteil allen nützlichen Wissens. Laßt sie teilhaben an jedem neuen, ungewöhnlichen und wunderbaren Handwerk und aller Kunst. Erzieht sie zu Arbeit und Streben und gewöhnt sie an Mühsal. Lehrt sie, ihr Leben den wichtigen Dingen zu widmen, und ermutigt sie, sich mit Studien zu befassen, die der Menschheit nützen." 'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 129, Nr. 102, vergl. "Ziele der Kindererziehung, S.46

"Wir hören, daß du erwägst, dein Haus von Zeit zu Zeit mit Bahá'i-Versammlungen zu schmücken, in denen der Allherrliche Herr verherrlicht wird ... Wisse daß wenn du dies verwirklichst, ein irdisches Haus zu einem himmlischen Haus und dieses Gebäude aus Stein zu einer Vereinigung des Geistes wird." 'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 94, Nr. 57

Die Gründung einer Frauenvereinigung zur Förderung von Wissen ist sehr zu begrüßen, aber der Meinungsaustausch muß sich auf Erziehungsfragen beschränken... Jede Frau sollte heutzutage in einer Weise handeln, daß dies zur Ursache ewigen Ruhmes für das ganze weibliche Geschlecht wird, damit alle Frauen erleuchtet werden. Der Weg dazu sind Versammlungen, um das Lehren zu lernen, Zusammenkünfte, bei denen sie die Schriften lesen, zum Königreich des Herrn offenbarer Zeichen flehen und für die Erziehung der Mädchen sorgen. Denkt darüber nach, wie die verehrte Táhirih lehrte. Sie war frei von jeder Besorgnis, und darum strahlte sie." 'Abdu'l-Bahá,: Aus einem Tablet an einen einzelnen Gläubigen - übersetzt aus dem Persischen vergl.. "Frauen ", S. 14, Nr. 11

O mein Gott! Laß die Ausgießungen Deiner Gnade und Segnungen auf diese Heime herabkommen, deren Bewohner Deinen Glauben angenommen haben, als Zeichen Deiner Gunst und als Beweis Deiner liebevollen Güte aus Deiner Gegenwart." Der Báb, Selections from the Writings of the Báb, S. 200

"Was die Grundlagen des Lehrens des Glaubens betrifft, wisse, daß die Übermittlung der Botschaft ihren Zweck nur durch gute Taten und geistige Eigenschaften erfüllen kann, durch kristallklare Äußerungen und durch das Glück, das vom Angesicht dessen widerstrahlt, der die Lehren erklärt. Es ist wesentlich, daß die Taten des Lehrers die Wahrheit seiner Worte . bestätigen. So sollte der beschaffen sein, der hinausgeht, um den süßen Wohlgeruch Gottes zu verbreiten und dies sollten die Eigenschaften jenes sein, der aufrichtig in seinem Glauben ist."

"Da der Herr dich befähigt hat, diesen Zustand zu erreichen, sei gewiß, daß Er dir Worte der Wahrheit eingeben und bewirken wird, daß du durch den Odem des Heiligen Geistes redest." 'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 175, Nr. 146

Schauplätze des Dienens

"'Abdu'l-Bahá führte aus: "Zu den Wundern, die diese heilige Sendung auszeichnen, gehört, daß Frauen, die in die Reihen des Glaubens traten, größeren Mut bewiesen als Männer." Shoghi Effendi hat dazu festge- stellt, daß dieser "Mut" im Laufe der Zeit "überzeugender bewiesen" werden und "der geliebten Sache mehr als je zuvor begeisternde Siege erringen" muß." Universales Haus der Gerechtigkeit , an alle Nationalen Geistigen Räte, 25. Mai 1975 Zusammenstellung über "Frauen", S. 87, Nr. 113

"O ihr reinen geschätzten Blätter, die ihr dem Hof der Herrlichkeit nahe seid! Gesegnet vielfach gesegnet seid ihr, weil ihr geistige Zusammenkünfte veranstaltet und euch der Darlegung göttlicher Beweise und Zeugnisse widmet. Durch überzeugende Argumente und Beweise aus den Heiligen Schriften der Vergangenheit sucht ihr eifrig für das offenbare Licht der Sache einzutreten und damit der Wahrheit zu die- nen. Dies ist ein edles Ziel, und eure Hoffnung trägt zur Erleuchtung aller Völker und Nationen bei." 'Abdu'l-Bahá, Zusammenstellung über "Frauen", S. 76, Nr. 99

"Daher bemüht euch, der Menschenwelt zu zeigen, daß Frauen äußerst fähig und tüchtig sind, ihre Herzen zärtlicher und empfänglicher als Männerherzen, daß sie menschenfreundlicher sind und den Armen und Notleidenden mehr Verständnis entgegenbringen, unnachgiebig den Krieg ablehnen und den Frieden lieben. Bemüht euch, damit das Ideal des Weltfriedens durch die Anstrengungen der Frauen verwirklicht wird, denn der Mann neigt mehr zum Krieg als die Frau; ein wirklicher Beweis für die Überlegenheit der Frau wird ihr wirksamer Einsatz bei der Errichtung des Weltfriedens sein." 'Abdu'l-Bahá, Paris Talks, S. 133, vergl. "Frauen", S. 64, Nr. 84

"Die Frauen müssen größte Anstrengungen machen, um geistige Kraft zu erwerben und die Tugenden der Weisheit und Heiligkeit zu vermehren, bis es ihrer Erleuchtung und ihrem Streben gelingt, die Einheit der Menschheit zu verwirklichen. Sie müssen mit glühender Begeisterung arbeiten, um die Lehre Bahá'u'lláhs unter die Völker zu tragen, damit das strahlende Licht göttlicher Güte die Seelen aller Nationen der Erde umgebe." 'Abdu'l-Bahá: Ansprachen in Paris, S. 130

"Mütter sind die ersten Erzieher, die ersten Berater, und wahrlich sie sind es, die das Glück, die zukünftige Bedeutung, die Höflichkeit, Bildung und Urteilskraft, das Verständnis und den Glauben ihrer Kleinen bestimmen." 'Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, 96 : 1,2

"Bahá'u'lláh ... hat während Seiner letzten Tage auf Erden das nachdrückliche Versprechen gegeben, daß sich durch die Ausgießung der Gnade Gottes und die Hilfe und den Beistand Seines Königreiches der Höhe, Seelen erheben und heilige Wesen erscheinen werden, die Sternen gleich das Firmament göttlicher Führung schmücken werden ..."

"Sie werden unablässig arbeiten, Tag und Nacht, keiner Prüfung und keinem Leid Beachtung schenken, keinen Aufschub ihrer Anstrengungen dulden, keine Ruhe suchen, Behagen und Bequemlichkeit mißachten und losgelöst und rein jeden flüchtigen Augenblick ihres Lebens der Verbreitung der göttlichen Düfte und der Erhöhung von Gottes heiligem Wort weihen ...Sie werden leuchtend wie eine Kerze im Herzen jeder Versammlung brennen und wie ein Stern über jeden Horizont hinaus strahlen. Die sanften Brisen, die aus dem Garten ihres Herzens wehen, werden die Seelen der Menschen mit Duft erfüllen und wiederbeleben, und die Offenbarungen ihres Geistes werden wie Regenschauer die Völker und Nationen der Erde neu beleben."

"Ich warte, warte begierig, daß diese Heiligen erscheinen, und doch, wie lange wollen sie ihr Kommen verzögern? Es sind meine Gebete und mein glühendes Flehen zur Abenddämmerung und im Morgengrauen, daß diese leuchtenden Sterne schon bald ihren Glanz über die Welt breiten." 'Abdu'l-Bahá, Selections from the Writings of 'Abdu'l-Bahá, S. 251, Nr. 204

"Seid dessen gewiß! Nicht mehr lange und der Tag wird kommen, da der Mann sich seiner Frau zuwendet und spricht: Gesegnet bist du! Gesegnet bist du! Du bist jeder Gabe wert. Wahrlich, du verdienst dein Haupt mit der Krone immerwährender Herrlichkeit zu schmücken, weil du in Wissenschaft und Kunst, in Tugenden und Vollkommenheiten dem Mann ebenbürtig wirst, und was die Sanftheit des Herzens und die Fülle der Barmherzigkeit und des Mitleids betrifft, bist du überlegen." 'Abdu'l-Bahá, Paris Talks, 28. August 1913

Teil 5

Über die Kinder

ein Brief des

Internationalen Lehrzentrums

Über die Kinder

Eine der schwierigen Fragen, welche die Institutionen der Sache Gottes von neuem aufgreifen müssen, ist die, wie den Kindern der Welt geholfen werden kann. In unserer Zeit haben die Kinder der Welt vor Gott eine Bestimmung.

Das Internationale Lehrzentrum ist überzeugt, daß die Antwort auf diese Frage in dem weltweiten Bemühen, die junge Bevölkerung zu erreichen, offenbar werden wird. Zahlenmäßig bildet diese Bevölkerungsgruppe den größten Sektor der Gesellschaft von heute.

Die Bahá'í-Gemeinschaft hat reiches Beweismaterial dafür, daß die jüngere Generation von ihren eigenen Fähigkeiten in die Lage versetzt wird, die Zukunft zu gestalten. Sie wird das schöpferische Wort Gottes fördern und die Düfte Gottes verbreiten. 'Abdu'l-Bahá gibt uns diese machtvolle Verheißung. Seine Verheißung deutet auch darauf hin, daß dieser Bevölkerungsteil bereits von Gott vorbereitet ist und darauf wartet, daß wir ihn entdecken:

"Ja, gewisse Menschen werden in dieser göttlichen Sendung himmlische Kinder hervorbringen; diese Kinder werden die Lehren der Schönheit Abhá verkünden und Seiner großen Sache dienen. Durch himmlische Macht und geistige Bestätigung werden sie befähigt, das Wort Gottes zu fördern und die Düfte Gottes zu verbreiten. Diese Kinder werden weder morgen- noch abendländisch, weder asiatisch noch amerikanisch, weder europäisch noch afrikanisch, sondern vom Reich Gottes sein; ihre Heimat ist der Himmel, ihre Zuflucht das Reich Abhá. Das ist die Wahrheit, und hinter der Wahrheit gibt es nichts als Aberglauben.

"Möge die ganze Menschheit die Kinder des Reiches Gottes mit offenen Armen aufnehmen!" Tablets of 'Abdu'l-Bahá, Vol. 3, Seite 647 - 648

Demnach sollten diese jungen Menschen als ein Tor zum Eintritt in Scharen und als ein ergiebiger Quell für Lehrer sowohl unter ihrer eigenen Generation als auch zur Vertiefung ihrer Altersgenossen und Älterer be- trachtet werden. Wiederum sagt 'Abdu'l-Bahá:

"Wie ist so manches Kind noch jung an Jahren und doch schon reif und sicher in seinem Urteil! Und wie ist so mancher betagte Mensch unwissend und verwirrt! Denn Wachstum und Entwicklung hängen von den Verstandeskräften und der Vernunft eines Menschen ab, nicht von seinem Alter oder der Dauer seiner Erdentage." 'Abdu'l-Bahá, Briefe und Botschaften, Kap. 121:1

Diese Jugend ist nicht nur angewiesen, den Glauben zu verkünden, sondern auch, zum Instrument wahrer Genesung in der Menschheit zu werden. 'Abdu'l-Bahá drängt sie:

"Darum, o ihr erleuchteten jungen Menschen, strebt bei Tag und Nacht danach, die Geheimnisse des Verstandes und des Geistes zu enträtseln und die Geheimnisse des Tages Gottes zu erfassen. Erforscht selbst die offensichtlichen Zeichen, daß der Größte Name erschienen ist. Öffnet eure Lippen zum Lobpreis. Führt überzeugende Argumente und Beweise an. Leitet jene, die nach der Quelle des Lebens dürsten, gewährt den Leidenden wahre Genesung. Geht in die Lehre Gottes, seid Ärzte, geführt von Gott, und heilt die Kranken unter den Menschen. Bringt jene, die ausgeschlossen waren, in den Kreis der engen Freunde. Erfüllt die Verzweifelnden mit Hoffnung. Weckt die Schlummernden, macht die Gleichgültigen achtsam. So sind die Früchte des irdischen Lebens. So ist die Stufe strahlender Herrlichkeit. 'Abdu'l-Bahá, in Ziele der Kindererziehung Seite 81

Das Internationale Lehrzentrum denkt zur Zeit besonders an die Altersgruppe von zehn bis zu sechzehn Jahren; sie umfaßt die Zeit, in der die Reife erreicht wird. Diese Jahre der frühen Jugend sind überaus schwierig, besonders in der heutigen Welt; gleichzeitig erfahren wir jedoch aus den heiligen Schriften, daß die Fähigkeit, grundlegende sittliche und geistige Prinzipien zu begreifen und so das Licht eines guten Charakters zum Strahlen zu bringen, in diese Kinder hineingelegt ist. Das deutet darauf hin, daß Abertausende, wenn sie zur Sache Gottes eingeladen und dabei unterstützt würden, vertiefte Lehrer des Glaubens werden, ihrerseits die Altersgenossen erretten könnten. In der gegenwärtigen Dekadenzphase der Menschheitsgeschichte könnten an den Straßenecken der Dörfer und Städte, in den Schulkorridoren und den Freizeitzentren geistige Schlachten gewonnen werden.

Wir hoffen, daß diese Jugendlichen von den Hilfsamtsmitgliedern, ihrer Assistenten und der ganzen Gemeinde nicht nur als Kinder betrachtet werden, für die man Tätigkeiten arrangieren muß, als Anhängsel ihrer Eltern oder als Anwärter auf eine Zukunft, in der sie Ewachsenenpflichten übernehmen müssen, sondern als lebendige Schöpfung Gottes, die genau im gegenwärtigen Augenblick von Gott für Seinen Zweck eines jetzt in Erscheinung tretenden Kultivierungsprozesses gebraucht wird.

Die Berater als Teil der Verwirklichung dieser Vision werden die Hilfsamtsmitglieder, deren Assistenten sowie alle Nationalen und örtlichen Geistigen Räte dazu ermutigen müssen, die geistige, verstandliche und gesellschaftliche Erziehung der Kinder langfristig zu unterstützen...

Der kürzliche Brief des Internationalen Lehrzentrums an Sie über die Idee und die Anwendung von Instituten zur Entwicklung menschlicher Hilfsquellen bezieht sich unmittelbar auf Programme für die Jugend, in die die Hilfsamtsmitglieder und die Assistenten einbezogen werden müßten.

Die Frage des Bedarfs an angepaßter Literatur wurde im selben Brief angesprochen. Natürlich bezieht sich dieses Erfordernis auch auf derartige Programme. Schriftmaterial, das zur Mobilisierung natürlicher Neigungen bei Kindern und Jugendlichen geeignet ist, muß entwickelt werden. Das Inter- nationale Lehrzentrum ist mit dem gesamten Problem der für den Eintritt in Scharen passenden Literatur befaßt. Alle diese Fragen werden als Teil unseres laufenden Dialogs mit den Beratern über die wichtigsten Initiativen gesehen, zu denen wir Sie und Ihre Hilfsämter während dieser Periode aufrufen.

Das Internationale Lehrzentrum an alle Kontinentalen Berater am 5. Dezember 1988

Teil 6

Über die Fonds des Glaubens

Briefe des

Universalen Hauses der Gerechtigkeit

und des Internationalen Lehrzentrums

Das Universale Haus der Gerechtigkeit Bahá'í-Weltzentrum Haifa, Israel

17. September 1992

An alle Mitglieder der Konitnentalen Beraterämter

Liebe Bahá'í-Freunde!

Da wir uns der Mitte des Heiligen Jahres nähern, beobachten wir überall bemerkenswerte Zeugnisse dessen, daß die Sache Bahá'u'lláhs in ein neues Stadium ihres Wachstums, ihrer inneren Festigung und ihrer Beziehungen zu Regierungen und Menschen von Einfluß in vielen Ländern eintritt. Jeden Tag erreichen uns Neuigkeiten über die Siege, die von den tapferen Dienern der Sache in aller Welt errungen werden, und der Ausblick auf noch größere Triumphe zeichnet sich allmählich am Horizont ab.

Bei einer Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation des Glaubens und seiner Bedürfnisse, fühlen wir uns genötigt, Sie dazu aufzurufen, eine anhaltende Anstrengung einzuleiten, in allen Teilen der weltweiten Bahá'í-Gemeinde ein tieferes Bewußtsein der geistigen Verpflichtung eines jeden Gläubigen ins Leben zu rufen, regelmäßig zu den Bahá'í-Fonds beizutragen. Wie Shoghi Effendi in den früheren Jahren seines Amtes schrieb, ist es "die geheiligte Pflicht eines jeden gewissenhaften und getreuen Dieners Bahá'u'lláhs, der den Fortschritt Seiner Sache wünscht, frei von großzügiger Vermehrung des Fonds beizutragen."

Das Internationale Lehrzentrum wurde von uns gebeten, in näherer Zukunft mit Ihnen bezüglich des Erziehungsprozesses zu korrespondieren, der von allen Beratern, Hilfsamtsmitgliedern und ihren Assistenten mit dem Ziel verfolgt werden sollte, auf die Nationalen und Örtlichen Geistigen Räte ein- zuwirken und unter der breiten Masse der Gemeinde ein grundlegenderes Verständnis von der dringenden Notwendigkeit für alle zu fördern, regelmäßig und anhaltend für die Unterstützung des Fonds zu sorgen. Wir haben beobachtet, daß von den Beratern und ihren Helfern entschlossene und fortlaufende Anstrengungen gesteuert werden, um die Ausbreitung des Glaubens, seine Festigung und das Erreichen besonderer Ziele zu fördern. Derartige Anstrengungen sind gewiß äußerst wesentlich und lobenswert. Den- noch scheint es uns, daß kein ausreichendes und fortwährendes Gewicht auf die immer vorhandene Notwendigkeit gelegt wird, die Gläubigen anzuspornen und ihnen nahezulegen, regelmäßige und aufopferungsvolle Beiträge zu den Fonds des Glaubens darzubringen. Es kann kein Zweifel darin bestehen, daß ein derartiges Bestreben ein wesentlicher Teil der Aufgaben ist, die der Institution der Berater übertragen sind, und daß die geweihten Anstrengungen ihre Mitglieder für die Erlangung unserer Ziele unentbehrlich sind.

Zum Bahá'í-Fonds beizutragen stellt ein Akt geistiger Disziplin dar, die ein wesentliches Element des hingebungsvollen Lebens des einzelnen ist. Jeder Gläubige sollte sich des Vorrechts bewußt sein, zum Fortschritt der Sache Gottes beizutragen, ungeachtet seiner materiellen Verhältnisse. Für den Fonds zu geben stärkt die Verbindung zwischen dem Gläubigen und der Sache und erhöht sein Gefühl der Identifikation mit ihr. Göttliche Bestätigungen kommen auf jene herab, die einen Teil ihrer materiellen Mittel im Geiste des Opfers darbringen, motiviert durch ihre Liebe zum Glauben und ihr Verlangen, zu seiner Entwicklung beizutragen.

Bahá'u'lláh hat geschrieben, daß "...Er, Der die Ewige Wahrheit ist - erhaben sei Seine Herrlichkeit - die Durchführung jeder Unternehmung auf Erden von materiellen Mitteln abhängig gemacht hat." Die Gemeinde des Größten Namens widmet sich heute der mächtigsten aller Unternehmungen, die dazu bestimmt ist, die Vergeistigung der Menschheit und die Verwandlung der menschlichen Gesellschaft herbeizuführen. Ihren Erfordernissen sollten und werden in der Tat nicht nur durch die Beiträge von Gläubigen nachgekommen werden, die in jenen Ländern leben, die jetzt einen relativ hohen Lebensstandard genießen, vielmehr sollte jeder Anhänger Bahá'u'lláhs, unbeeindruckt durch die Dürftigkeit seiner materiellen Mittel, sich entschließen, seinen Beitrag für die Arbeit des Glaubens darzubringen. Die Einheit der Gläubigen - reich und arm gleichermaßen - in ihrer Unterstützung des Fonds, wird eine Quelle geistiger Bestätigungen sein, die weit über unser Vorstellungsvermögen hinausreichen.

Der Kontrast zwischen der Bahá'í-Gemeinde und der Gesellschaft um sie herum wächst mit jedem Tag. Inmitten von Selbstsucht, dem fieberhaften Verfolgen engstirnigen Eigeninteresses, ebenso wie Mißtrauen und Korruption in allen Angelegenheiten, die mit Geld zu tun haben, arbeiten die Bahá'í daran, eine neue Welt zu schaffen, die sich durch aufopfernden Einsatz für hohe Ideale, Sorge um das Wohlergehen der ganzen Menschheit, Integrität und Wirtschaftlichkeit bei der Verwendung von Fonds und vereinte Unterstützung großer Anstrengungen auszeichnet. Lassen Sie uns in der ruhigen Zuversicht vorangehen, daß die unsichtbare Macht des Herrn der Heerscharen Seine ergebenen Anhänger befähigen wird, ein jedes und alle Hindernisse auf dem Pfad Seiner sich rasch entwickelnden Sache zu überwinden.

Wir versichern Sie unserer inbrünstigen Gebete in den Heiligen Schreinen für die Stärkung Ihres eifrigen Einsatzes in der Erfüllung Ihrer heiligen Pflichten.

Mit liebevollen Bahá'í-Grüßen

Das Universale Haus der Gerechtigkeit

Das Internationale Lehrzentrum Bahá'í-Weltzentrum 5. Oktober 1992

An alle Berateramtsmitglieder

Herzlich geliebte Mitarbeiter,

die zeitweilige Krise, mit der die unterschiedlichen Fonds des Glaubens in allen Kontinenten der Welt konfrontiert waren, weist auf die Größe der erzieherischen Aufgaben hin, die vor den Beratern, Hilfsamtsmitgliedern und deren Assistenten liegen. Die ökonomischen Umwälzungen einer fehlerhaften Ordnung und die Wirkung einer ungerechten Welt auf die Mehrheit ihrer Bewohner sind Faktoren, die zur Knappheit der Fonds im Vergleich zu den Notwendigkeiten einer stetig wachsenden Sache beitragen. Trotz dieser Bedingungen können die Freunde, die ihre Fähigkeit bewiesen haben, große Opfer für den Glauben zu bringen, erzogen werden, die Bedeutung des Spendens für den Fonds in einem anderen Licht zu sehen und ihre Institutionen mit den materiellen Mitteln auszustatten, die zur Erfüllung ihrer heiligen Pflichten nötig sind. Wie der Hüter uns oft erinnerte, zeigen Spenden "einen praktischen und effektiven Weg, durch den jeder Gläubige Ausmaß und Charakter seines Glaubens prüfen und die Intensität seiner Ergebenheit und Zuwendung zum Glauben in Taten beweisen kann."

Eine wesentliche Erhöhung der Beiträge zum Fonds ist derart unerläßlich für den Erfolg der Anstrengungen der Bahá'í-Gemeinde in den kommenden Jahren, daß wir in Reaktion auf den ausdrücklichen Wunsch des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und seinem Brief vom 17. September 1992 an alle Berateramtsmitglieder nachkommend, eine besondere Folge von Mitteilungen an Sie über dieses Thema eröffnen. In diesem Brief teilen wir mit Ihnen einige Gedanken zum Thema Freigebigkeit und Verantwortung - die ersten einer Reihe von Ideen, die Sie bitte mit Ihren Hilfsamtsmitgliedern diskutieren möchten.

Wir hoffen, daß ihre Beratungen eine neue Richtung dafür aufzeigen werden, was zu einer kraftvollen, fortgesetzten und konsequenten Anstrengung unserer Institution zur Erziehung der Freunde, nicht nur im Fonds, sondern, genereller, in der Beziehung zwischen der Ausweitung materieller Mittel und geistiger Fortschritte, führen wird.

Es besteht kein Zweifel, daß die von Bahá'u'lláh vorhergesehene Zivilisation eine blühende Gesellschaft, frei von der Geißel der Ungerechtigkeit und des Elends aufzubauen, müssen wir freigebig und großzügig sein und die Verhaltensmuster der Häufung und Verwendung materieller Mittel zur Befriedigung eigener Bedürfnisse und Wünsche überwinden. Großzügigkeit ist eine Eigenschaft der menschlichen Seele und unabhängig vom Grade des Reichtums oder der Armut. Eine großzügige Seele gibt stetig für den Dienst an Anderen - sei es durch Zeit, Energie oder materielle Hilfsmittel.

Unerläßlich für diese Haltung des Gebens ist die Wertschätzung der Tatsache, daß Gottes Gnade und Seine Freigebigkeit die höchste Quelle des Reichtums sind. Er stellt die Mittel für die Existenz und den Fortschritt von uns allen bereit und schenkt uns dann aus Seiner Gnade das Vorrecht, zu Seiner Sache beizutragen - das einzig wirksame Mittel, das das Wohlergehen der Menschheit herbeiführen kann. Zum Fonds beizutragen ist daher nicht nur eine Sache der Großzügigkeit, sondern auch eine geistige Gnade und bedeutende Verantwortung.

Im Zusammenhang mit den oben geäußerten Gedanken möchten wir mit Ihnen die folgenden Zitate aus Botschaften des geliebten Hüters teilen.

"Jeder Bahá'í, ganz gleich wie arm er auch sein mag, muß sich der hohen Verantwortung, die er in dieser Beziehung trägt, bewußt sein und sollte Vertrauen haben, daß sein geistiger Fortschritt als ein an die Weltordnung Bahá'u'lláhs Glaubender stark davon abhängen wird, in welchem Maße er durch Taten seine Bereitschaft beweist, die göttlichen Institutionen Seines Glaubens materiell zu unterstützen." Aus einem Brief vom 17. Juli 1937, im Auftrage Shoghi Effendis an den Nationalen Geistigen Rat von Indien und Burma geschrieben; veröffentlicht in "The Dawn of a New Day",S.68

"... unsere Beiträge zum Glauben sind der sicherste Weg, die Menschheit ein für allemal von der Bürde des Hungers und des Elends zu befreien, denn nur über die Ordnung Bahá'u'lláhs - göttlich in ihrem Ursprung - wird es geschehen, daß die Menschen festen Boden finden und Not, Angst, Hunger, Krieg usw. beseitigt werden können. Nicht-Bahá'í können zu unserem Werk nicht beitragen, und es nicht für uns tun; so ist wahrhaft unsere erste Pflicht die Unterstützung unserer eigenen Lehrarbeit, denn diese wird die Nationen zur Heilung führen." Aus einem Brief vom 8. Dezember 1947, im Auftrage Shoghi Effendis an einen einzelnen Gläubigen; veröffentlicht in "Bahá'í-News", r. 210, August 1948, S. 3

"Er hofft, daß die Freunde ein bestimmtes Maß an Vertrauen und Mut zeigen werden und die gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht fürchten. Wir sollten nicht zulassen, daß uns finanzielle Überlegungen an unserer Arbeit hindern und uns entmutigen, unsere Dienste zu erweisen. In Tagen des Überflusses reichlich zu geben, kann nicht Opfer genannt werden; es bezieht sich vielmehr auf unsere Aktivitäten in Zeiten, wenn Krisen und ökonomische Schwierigkeiten uns scheinbar den Weg versperren. ... Was immer wir heute opfern, dient der Sicherung der Wohlfahrt der Menschheit und unserer eigenen - als ihre Mitglieder in der Zukunft." Aus einem Brief im Auftrage Shoghi Effendis, veröffentlicht in "Bahá'í-News", Nr. 59, Febr. 1932, S. 7

"Wir müssen wie der Springquell oder Brunnen sein, der stetig alles gibt, was er hat, und der stetig wieder gespeist wird aus einer unsichtbaren Quelle. Unbeirrt von der Angst vor Armut und im Vertrauen auf die unerschöpfliche Gnade der Quelle allen Wohlstands und alles Guten, immer wieder für das Wohl unserer Mitmenschen zu geben, ist das Geheimnis rechten Le- bens." Shoghi Effendi, zitiert in "Bahá'í-News", Nr. 13, September 1926, S. 1

Freigebigkeit und Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Geben sind grundlegende Fragen, die im Erziehungsprozeß, den die Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten nachdrücklich vorantreiben müssen, anzusprechen sind. Wir sind zuversichtlich, daß bei der Förderung dieses Prozesses bald meßbare Ergebnisse wahrgenommen werden können.

Mit liebevollen Bahá'í-Grüßen

Das Internationale Lehrzentrum

Das Internationale Lehrzentrum Bahá'í-Weltzentrum 3. Februar 1993

An alle Berateramtsmitglieder

Herzlich geliebte Mitarbeiter,

dieser Brief ist der zweite in einer Reihe, die vom Wunsch des Universalen Hauses der Gerechtigkeit getragen ist, wie er in seinem Brief vom 17. September 1992 formuliert wurde, daß die Berater und ihre Hilfstruppen einen energischen Prozeß zur geistigen Erziehung zum Fond verfolgen. In unserem ersten Brief baten wir sie, ihre ersten Überlegungen auf die Förderung eines tieferen Verständnisses der geistigen Bedeutung der Freigebigkeit und Verantwortlichkeit in Bezug auf das Spenden unter den Freunden zu konzentrieren. In seinem Brief vom 17. September schrieb das Universale Haus:

... es scheint uns, in Beratungen mit Institutionen und einzelnen gleichermaßen, daß eine angemessene und stetige Eindringlichkeit auf die stets gegenwärtige Notwendigkeit, die Gläubigen anzuspornen und anzuhalten, regelmäßige und aufopfernde Beiträge für den Fonds des Glaubens darzu- bringen, nicht gelegt wird." Von diesen Worten angetrieben, möchten wir mit Ihnen einige wenige Gedanken über aufopferndes Spenden teilen.

Eines der grundlegenden Vorstellungen, die der Praxis des Spendens für den Bahá'í-Fonds zugrunde liegt, ist, daß jeder Gläubige gänzlich frei ist, den Betrag seines oder ihres Beitrags zu bestimmen. Weiterhin ist ein kennzeichnendes Merkmal dieser Verpflichtung, daß eine einzelne Münze, die von einem Gläubigen mit geringen Mitteln beigetragen wurde, genauso wertvoll ist wie eine große Summe, die von einem wohlhabenden Gläubigen beigetragen wurde. Diesem muß das Bewußtsein hinzugefügt werden, daß unsere Beiträge zum Fonds einen "praktischen und wirksamen Weg" ausmachen, das Maß und den Charakter" unseres Glaubens zu prüfen. So gibt es, wenn auch keine Beträge vorgeschrieben sind, einen Maßstab, nämlich den Geist des Opferns und der Liebe, in dem die Spende dargebracht wird. Selbstverständlich hat niemand das Vorrecht, daß Maß des Opfers eines anderen zu beurteilen. Aber jeder von uns muß in seinem eigenen Herzen über das Mysterium des Opferns nachdenken, wenn er die Höhe seines Beitrags bestimmt.

Opfer ist eines der wichtigsten geistigen Grundsätze, der im Sein herrscht. Doch wurde unglücklicherweise der Begriffsinhalt des Opfers über die Zeitalter hinweg sowohl von den Religionen als auch von materialistischen Ideologien falsch ausgelegt; er wurde sehr mißverstanden und eine Diskussion dessen kann Unbehagen hervorrufen. Die Herausforderung, der sich die Berater und die Hilfsamtsmitglieder gegenüber sehen, ist daher, den Begriff gänzlich im Lichte der Lehren des Glaubens darzustellen, sich zu hüten, Schuld hervorzurufen oder Opfer herabzuspielen, und mitzuhelfen, aus den Köpfen der Freunde falsche Ansichten und Auffassungen zu verbannen.

Von besonderer Wichtigkeit ist zu verstehen, daß Opfer mit sich bringt, auf das Niedrige um das Höhere willen zu verzichten, und wenn es auch Pein mit sich bringt, ist es in Wahrheit der Träger der Freude und Ekstase. "Nicht eher denn ein Wesen seinen Fuß auf die Stufe des Opfers setzt" lautet die Ermahnung des Meisters, "ist es jeder Gunst und Gnade beraubt; und diese Stufe des Opfers ist das Reich des Sterbens im Selbst, daß dann die Strahlen des lebendigen Gottes hervorscheinen mögen." In einer anderen Textstelle sagt Er: "Das Geheimnis des Opfers ist, daß der Mensch seine ganze Lebenslage der göttlichen Stufe Gottes opfern sollte. Die Stufe Gottes ist Barmherzigkeit, Freundlichkeit, Vergebung, Opfer, Gunst, Gnade und Lebensspender der Geister und das Entflammen des Feuers Seiner Liebe in den Herzen und Blutbahnen." "Jetzt ist die Zeit" ist der Aufruf Abdu'l-Bahás an die Freunde "für euch, wie freigebige Becher zu werden, die zum Überlaufen gefüllt sind, und sogar wie die wiederbelebende Brise, die aus dem Abhá-Paradies weht, den Moschusduft über das Land zu verbreiten. Befreit euch selbst vom weltlichen Leben und verlanget ihr auf jeder Stufe nach Nicht-Existenz; denn wenn der Strahl zur Sonne zurückkehrt, ist er ausgelöscht, oder wenn ein Tropfen zum Meer kommt, vergeht er, und wenn der wahre Liebende seinen Geliebten findet, gibt er seine Seele auf."

Freigebige Beiträge zum Fonds des Glaubens werden wie selbstverständlich fließen sowie die Freunde die Freude erkennen, die der Antwort auf Bahá'u'lláhs Ruf zum Opfer innewohnt, ein Ruf, der in Seinen ganzen Schriften widerhallt:

"Stündest du vor Meinem Thron, lauschtest du Meiner Zunge der Macht und Größe, du opfertest deinen Leib, deine Seele, dein ganzes Sein zum Zeichen deiner Liebe zu Gott, dem höchsten Herrscher, dem Beschützer, dem Allwis- senden, dem Allweisen. Du wärest so ergriffen vom Zauber Seiner Stimme, daß keine Feder die Macht hätte, deine Stufe zu beschreiben, und der gewandteste Redner zunichte würde bei dem Versuch, sie zu schildern." (Bahá'u'lláh, Botschaften aus `Akká 17:113)

"Würde ein Mensch die Süße der Worte kosten, welche die Lippen des Allbarmherzigen zu äußern beliebten, und wären die Schätze der Erde in seinem Besitz, so würde er auf sie allesamt verzichten, um die Wahrheit auch nur eines der Gebote zu verteidigen, die über dem Tagesanbruch Seiner großmütigen Fürsorge und Güte leuchten." Bahá'u'lláh, Ährenlese Kap. 155:3

"Ernste Bemühung ist nötig in unserem Suchen nach Ihm und heißer Eifer, damit wir den Honig der Vereinigung mit Ihm zu kosten vermögen. Doch trinken wir aus diesem Kelch, so werden wir die Welt von uns werfen." Bahá'u'lláh, Die Sieben Täler und die Vier Täler, Bahá'í-Verlag 1987, S. 31

"O Sohn des Wortes! Wende dein Antlitz Mir zu und entsage allem außer Mir, denn Mein Reich ist beständig und Meine Herrschaft vergeht nicht. Suchtest du einen anderen als Mich, dein Streben wäre vergeblich, selbst wenn du das Weltall in Ewigkeit durchforschtest." Verborgene Worte, arabisch, Nr. 15

"O Sohn der Erde! Wenn du Mich begehrst, so suche niemanden außer Mir. Wenn du Meine Schönheit schauen möchtest, schließe deine Augen vor der Welt und allem, was in ihr ist. Denn Mein Wille und der Wille eines anderen sind wie Feuer und Wasser und können nicht im selben Herzen wohnen." Verborgene Worte, persisch, Nr. 31

O Mein Diener! Befreie dich von den Banden dieser Welt und löse deine Seele aus dem Gefängnis des Selbstes. Ergreife die Gelegenheit, denn sie wird dir nie wiederkehren. Verborgene Worte, persisch, Nr. 40

Mit lieben Bahá'í-Grüßen

Das Internationale Lehrzentrum

Teil 7

Der Drei-Jahres-Plan (Ridván 1993 - Ridván 1996)

Aus einem Brief

des Internationalen Lehrzentrums an alle Berater vom 17. November 1992

14 Die Steigerung der Glaubenskraft des einzelnen Gläubigen

15 Die Bedeutung der Entwicklung des menschlichen Potentials der Sache

16 Die Pflege der korrekten Arbeitsweise der örtlichen und nationalen Institutionen

DIE STEIGERUNG DER GLAUBENSKRAFT DES EINZELNEN GLÄUBIGEN

Das geistige Leben des Einzelnen

Während der aufeinanderfolgenden Stufen der Entfaltung des Göttlichen Planes haben der Hüter und das Universale Haus der Gerechtigkeit die Freunde wiederholt dringend gebeten, sich zu erheben und ihre Kräfte und Fähigkeiten der geistigen Eroberung des Planeten zu widmen. Indem er sich auf die überragende Rolle des Einzelnen im Zehnjahreskreuzzug bezog, schrieb der Hüter im Juni 1954:

"Er ist es, der Kette und Schuß bildet, von denen die Qualität und Muster des gesamten Gewebes abhängen muß. Er ist es, der als eines der zahllosen Glieder der mächtigen Kette handelt, die nunmehr die Erde umfängt. Er ist es, der als einer der Vielzahl von Bausteinen dient, die das Bau- werk stützen und die Standfestigkeit des adminstrativen Gebäudes, das nun in jedem Teil der Erde errichtet wird, sichern. Ohne seine zugleich aufrichtige, beständige und großzügige Unterstützung ist jede Maßnahme, die von der Körperschaft, die als die nationale Vertretung der Gemeinde, zu der er gehört, handelt, getroffen und jeder Plan, der von ihr formuliert wird, von vornherein zum Scheitern verurteilt." Aus einem Brief vom 20. Juni 1954 von Shoghi Effendi an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten, ebenda S. 130-131

Es ist offensichtlich, daß die aufrichtige, beständige und großzügige Unterstützung der Pläne durch den Einzelnen in nicht geringem Maße von der Stärke seines Glaubens abhängt. Die Steigerung der Lebenskraft dieses Glaubens ist eine Pflicht, die beiden Armen der administrativen Ordnung auferlegt wurde. Der Hüter stellt in seinem Telegramm vom 4. Juni 1957 an die Hände der Sache und alle Nationalen Geistigen Räte fest:

"Die Sicherheit unseres kostbaren Glaubens, die Erhaltung der geistigen Gesundheit der Bahá'í-Gemeinden, die Glaubenskraft ihrer einzelnen Mitglieder, die angemessene Arbeitsweise ihrer mühevoll errichteten Institutionen, die Fruchtbarkeit ihrer weltweiten Unternehmungen hängen direkt von der geeigneten Erfüllung der gewichtigen Verantwortung ab, die nun auf den Mitgliedern dieser beiden Institutionen ruht..." Aus einem Telegramm vom 4. Juni 1957 von Shoghi Effendi, veröffentlicht in: Messages to the Bahá'í-World, 1950-1957 (Wilmette: Bahá'í Publishing Trust, 1971), Seite 123

Daß das geistige Leben des Einzelnen natürlich eine Sorge der Berater und ihrer Hilfsamtsmitglieder sein muß, wird in einer eindeutigen Stellungnahme 'Abdu'l-Bahás über die Aufgabe der Hände der Sache offensichtlich:

"Die Pflichten der Hände der Sache Gottes sind es, die göttlichen Düfte zu verbreiten, die menschlichen Seelen zu erbauen, das Lernen zu fördern, den Charakter aller Menschen zu veredeln und jederzeit und unter

allen Umständen von den irdischen Dingen geheiligt und losgelöst zu sein." Aus Wille und Testament von 'Abdu'l-Bahá, veröffentlicht in Dokumente des Bündnisses vom Bahá'í-Verlag, 1989, S. 40 Abs. 21

Daß dies ebenso in der Verantwortung örtlicher und Nationaler Geistiger Räte liegt, wird in einer Reihe von Abschnitten wie den folgenden erklärt:

"Die geheiligte Pflicht der Vertiefung und Bereicherung des geistigen Lebens der neu erklärten Gläubigen sollte von den örtlichen und nationalen gewählten Vertretern dieser Gemeinde treu erfüllt werden." Aus einem Brief vom 10. März 1951 von Shoghi Effendi an den Nationalen Geistigen Rat von Indien, Burma und Pakistan, veröffentlicht in Dawn of a New Day (Neu Delhi: Bahá'í Publishing Trust, 1970, Seite 147)

"Die Vertiefung und Bereicherung des geistigen Lebens des einzelnen Gläubigen, das wachsende Verständnis für die wesentlichen Wahrheiten, die diesem Glauben zugrunde liegen, die Schulung in den administrativen Abläufen, sein Verstehen der Grundlage des Bündnisses, das von seinem Urheber errichtet wurde und des bevollmächtigten Auslegers seiner Lehren sollten von den nationalen Vertretern, die für den Aufbau, den Fortschritt und die Festigung dieser Gemeinden verantwortlich sind, zu obersten Zielen erhoben werden." in Shoghi Effendis eigener Handschrift, angehängt am Schreiben vom 1. März 1951, das in seinem Auftrag an den Nationalen Geistigen Rat von Australien und Neuseeland geschrieben wurde, veröffentlicht in: Letters from the Guardian to Australia and New Zealand, 1923-1957 (Sydney: NGR der Bahá'í von Australien, 1970) Seite 93

Es ist höchst bedeutungsvoll, daß in diesem, dem fünften weltweiten Plan seit der Beendigung des Zehnjahreskreuzzuges, da das Banner des Glaubens in jedem Land aufgerichtet ist und das Schicksal des Glaubens zu noch nie dagewesenen Höhen erhoben wurde, das Universale Haus der Gerechtigkeit die Steigerung der Lebenskraft des Glaubens der einzelnen als eine der gebieterischen Notwendigkeiten der gegenwärtigen Stunde sieht. Wir bitten Sie deshalb eindringlich, dieser Herausforderung besondere Aufmerksamkeit zu widmen, und dies nicht nur zu Beginn Ihrer Beratungen, sondern während des ganzen Dreijahresplanes, wenn Sie den Freunden helfen, die Aktionslinien zu verfolgen, die sie sich selbst gesetzt haben. In dieser Beziehung muß der grundlegende Zusammenhang, der zwischen der Ausbreitung des Glaubens und der Vertiefung des geistigen Lebens des Einzelnen und der Gemeinde besteht, ständig in Betracht gezogen werden.

So wie der Prozeß, der eine sich schnell entwickelnde Ordnung vorantreibt, auf dem Höhenweg seiner Bestimmung die Triebkraft vermehrt und bündelt, sollte die Aufmerksamkeit zunehmend der äußerst wichtigen Notwendigkeit zugewandt sein, daß mit allen möglichen Mitteln die Vertiefung des Glaubens, des Verständnisses und des geistigen Lebens des Einzelnen sichergestellt wird, da die bevorrechtigten Mitglieder dieser Gemeinde aufgerufen sind, an dieser glorreichen Entfaltung mitzuwirken und dieser historischen Entwicklung ihren Beistand zu gewähren ... Jeder auf neue Gebiete nach außen gerichtete Vorstoß, jede Vermehrung von Bahá'í-Institutionen muß mit der Vertiefung der Wurzeln einhergehen, die das geistige Leben der Gemeinde tragen und ihre gesunde Entwicklung sichern. Diese lebensnotwendige, ständiger Gegenwart bedürfende Aufmerksamkeit darf unter keinen Umständen vernachlässigt, noch der nicht weniger notwendigen und dringlichen

Aufgabe untergeordnet werden, die äußere Ausdehnung der Bahá'í-Administration sicherzustellen." in Shoghi Effendis eigener Handschrift, beigefügt dem Brief vom 30. Dezember 1948 geschrieben in seinem Auftrag an den Nationalen Geistigen Rat von Australien und Neuseeland, veröffentlicht in Letters from the Guardian to Australia and New Zealand, 1923-1957, Seite 75- 76.

In seinen Schriften hat der Hüter oft Themen aufgezählt, die unverzichtbar für die Vertiefung des geistigen Lebens der Gläubigen und ihrer Gemeinde sind. "Die wesentlichen Wahrheiten, die in ihrem Glauben eingeschlossen sind, seine grundlegenden Institutionen, seine Geschichte und Entstehung"; "seine geistigen wie auch seine administrativen Prinzipien"; "der gegenwärtige Stand und die Errungenschaften seiner embryonischen Weltordnung und das Bündnis, dem sie ihre Geburt und ihre Lebenskraft verdankt"; "die Gesetze des Heiligsten Buches" und "die hervorstechenden Ereignisse des Heroischen und Gestaltenden Zeitalters des Glaubens und seine Beziehung zu der Offenbarung, die ihm vorangegangen ist, seine Haltung gegenüber den sozialen und politischen Organisationen, von denen er umgeben ist"; dies sind unter anderem die Themen, zu denen Shoghi Effendi die Gläubigen aufruft, sie zum Brennpunkt ihrer Studien zu machen. Zudem erinnert er die Freunde ständig an die überragende Bedeutung von Gebet und Meditation für ihre innere geistige Entwicklung.

"... das Herz eines religiösen Glaubens ist jenes mystische Fühlen, das den Menschen mit Gott verbindet. Der Status geistiger Gemeinschaft kann mit den Mitteln des Gebetes und der Meditation erreicht und erhalten werden. Und das ist der Grund weshalb Bahá'u'lláh die Wichtigkeit der Anbetung so sehr betont hat. Es ist für den Gläubigen nicht ausreichend, die Lehren anzunehmen und zu beachten. Er sollte außerdem das Gefühl der Geistigkeit pflegen, was er hauptsächlich durch das Mittel des Gebets erreichen kann. Der Bahá'í-Glaube ist also wie alle anderen göttlichen Religionen von Grund auf mystisch in seinem Wesen. Sein Hauptziel ist die Entwicklung des einzelnen und der Gesellschaft durch die Aneignung geistiger Tugenden und Kräfte. Die Seele des Menschen ist es, die zuerst genährt werden muß. Und diese geistige Nahrung kann am besten das Gebet vermitteln." Aus einem Brief vom 8. Dezember 1935, geschrieben im Auftrag von Shoghi Effendi an einen einzelnen Gläubigen, veröffentlicht in Bahá'í News, Nr. 102, August 1936, Seite 3

Die Bemühung des Einzelnen, dem Glauben zu dienen, braucht ständig die Bestätigung durch den Heiligen Geist. Und diese fließt sobald die Wolken des Zweifels zerteilt, und es dem Licht des Wissens gestattet ist, die Seele des Menschen zu erleuchten."

"Nur wenn die Lampe des Suchens, des ernsten Bemühens, des sehnsüchtigen Verlangens, der leidenschaftlichen Hingabe, der glühenden Liebe, des Entzückens und der Verzückung in den Her- zen der Sucher entzündet ist und der Windhauch Seiner liebevollen Güte über seine Seele hingeweht, wird das Dunkel des Irrtumes zerteilt, die Nebel des Zweifels und der Furcht zerstreut und das Licht des Wissens und der Gewißheit sein Wesen einhüllen. In jener Stunde wird der Mystische Herold, der die freudevollen Ströme des Geistes mit sich bringt, aus der Stadt Gottes wie der Morgen strahlend leuchten und mit dem Trompetenstoß des Wissens die Herzen, die Seelen und den Geist vom Schlummer der Achtlosigkeit erwecken. Dann werden die mannigfaltigen Gunstbezeigungen und die überströmende Gnade des heiligen und ewigen Geistes dem Sucher solch neues Leben verleihen, daß er sich mit neuen Augen, neuen Ohren, einem neuen Herzen und neuem Geiste wiederfindet. Er wird über die offenbaren Zeichen des Universums nachsinnen und die verborgenen Mysterien der Seele ergründen. Wenn er mit dem Auge Gottes sieht, wird er in jedem Atom eine Pforte finden, durch die er zu den Stufen absoluter Gewißheit gelangt." Bahá'u'lláh, Buch der Gewißheit, Bahá'í-Verlag 169, 2. Auflage, S. 131

Um die Nebel des Zweifels und der Furcht zu zerteilen, müssen die Freunde, und besonders die Institutionen lernen, wie man die Hindernisse aus dem Weg räumt, die die Menschen davon abhalten, die Stätte der Gewißheit zu betreten. "Eitle Einbildungen", sagte Bahá'u'lláh, "haben den Menschen daran gehindert, den Horizont der Gewißheit zu erreichen und vergebliche Vorstellungen ihn vom Erlesenen Versiegelten Weine ferngehalten". "Indem sie sich an Namen festhielten", hat er weiter erklärt, "haben sie sich selbst der inneren Wirklichkeit beraubt und durch das Klammern an leere Vorstellungen sich vom Tagesanbruch himmlischer Zeichen ferngehalten. Gott gewährt euch, daß euch unter allen Bedingungen gnädiglich geholfen werde, die Götzenbilder des Aberglaubens zu zerschmettern und die Schleier der Vorstellungen der Menschen zu zerreißen".

Der Hüter hat den "groben Materialismus" als eines der "ungeheueren Hindernisse" ausgewiesen, "das jedem zukünftigen Kämpfer im Dienste Bahá'u'lláhs im Wege steht". Als weitere Hindernisse, die überwunden werden müssen, erwähnte er "die Bindung an weltliche Dinge, die die Seelen der Menschen in Schleier hüllen; die Furcht und die Ängste, die ihre Sinne verwirren; die Vergnügungen und Zerstreuungen, die ihre Zeit ausfüllen; die Vorurteile und Feindseligkeiten, die ihnen die Sicht verdunkeln; die Gleichgül- tigkeit und Teilnahmslosigkeit, die ihre geistige Kraft lähmen". In unseren Bemühungen, die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die die anderen daran hindern, den Horizont der Gewißheit zu erreichen, müssen wir stets der Äußerung des Hüters eingedenk sein, daß in dem Maße, wie wir selbst "von diesen Unreinheiten gereinigt, von den Nichtigkeiten, die uns beschäftigen und den nagenden Ängsten befreit sind, von diesen Vorurteilen und Feindschaften gelöst, ohne Selbstsucht und voll der heilenden und tragenden Kraft Gottes sind", es uns möglich sein wird, "die Mächte zu bekämpfen", die gegen uns "zu Felde ziehen", "die Seelen anzuziehen", die wir überzeugen wollen, und ihre "uneingeschränkte, ihre begeisterte und dauerhafte Treue zum Glauben Bahá'u'lláhs zu gewinnen".

Das persönliche Lehren

Wenn das Bemühen der Institutionen des Glauben in jedem Land, die Vertiefung des geistigen Lebens des Einzelnen zu unterstützen von Erfolg gekrönt ist, werden wir zweifellos Zeuge von der Lebendigkeit des Glaubens der Gläubigen werden, was sich auf dem Felde der Lehrarbeit zeigen wird. Über Jahre hinweg hat das Universale Haus der Gerechtigkeit steigenden Nachdruck auf die Wandlung des Einzelnen gelegt, eine Wandlung, die in direkter Verbindung mit dem Lehren der Sache Gottes steht. Die Ridván-Botschaft von 1988 forderte alle Gläubigen auf - Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder - das Feld des Lehrens zu betreten und erinnerte die Freunde daran, daß der Erfolg der gesamten Gemeinde von der Entschlußkraft und dem entschlossenen Willen des Einzelnen abhängt. Dieses Thema wurde in der Ridván-Botschaft 1989 wiederholt, die aussagt, daß den Erfordernissen des Sechsjahresplanes "sicher durch den erneuten hingebungsvollen Dienst seitens jeden gewissenhaften Mitgliedes der Gemeinde Bahás, besonders aber durch die persönliche Verpflichtung zur Lehrarbeit begegnet werden kann". Die Ridván-Botschaft 1992 ermutigt jeden einzelnen dazu, "einen persönlichen Lehrplan aufzustellen".

Als Erwiderung auf die Aufrufe des Hauses der Gerechtigkeit haben nationale und örtliche Institutionen zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, um zu persönlichem Lehren anzuregen. Diese Projekte hatten teilweise Erfolg. Jedoch schienen in der Mehrheit der Fälle die glühenden Bitten nur eine zeitweilige Begeisterung erzeugt zu haben, aber keine hob das Bewußtsein der Gläubigen auf eine Ebene, auf der die Hingabe an die Lehrarbeit fortdauert.

Die Wirkung der Kräfte, die in der Vierten Epoche des Gestaltenden Zeitalters und besonders während des Heiligen Jahres freigesetzt wurden, haben zwei Bedingungen geschaffen, die den Bahá'í-Gemeinden helfen werden, diese Herausforderung wirkungsvoller anzugehen. Die erste ist das allgemeine Erwachen der Menschheit, das zu einer größeren Aufnahmefähigkeit für den Glauben führt, und ein schärferes Bewußtsein für die Notwendigkeit, auf die weltweiten Probleme zu reagieren, die das Überleben der menschlichen Rasse bedrohen. Das zweite ist eine reifere Sicht des Anteils beider Arme der administrativen Ordnung was das Wecken der Einsatzbereitschaft der Freunde betrifft. Die Erfahrung hat die Institutionen allmählich gelehrt, daß die Fähigkeit, die Freunde daran zu erinnern, daß sie ihre Pflicht mit Inbrunst und Begeisterung erfüllen sollten, nur ein Element der Kunst der geistigen Führung darstellt. Es gibt eine ständig wachsende Erkenntnis, daß Initiative gepflegt werden muß, daß Methoden und Vorgehensweisen geprüft und mitgeteilt, Fähigkeiten entwickelt, Vertrauen aufgebaut, Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen und ein Umfeld geschaffen werden muß, das sowohl für einzelne als auch für gemeinsame Aktio- nen Führung bietet. Die nächsten drei Jahre stellen eine entscheidende Phase dar, während der die Bahá'í-Welt den Blick neu auf die Herausforderung richten mag, die Initiativen - persönliche von Herzen kommende Antworten auf die Aufforderung Bahá'u'lláhs - auf solche Art und Weise zu fördern, daß sie in Übereinstimmung mit den Erfordernissen des Gemeindelebens und dem Gehorsam den Institutionen gegenüber stehen.

Damit weitgestreute persönliche Lehrarbeit Wirklichkeit wird, ist es notwendig, die passive Annahme der Bahá'í-Lehren zu einem Bewußtsein zu wandeln, das den Einzelnen zu systematischem Handeln anspornt. Um passive Annahme zu einer Leidenschaft für aktives Lehren zu wandeln, bedarf es deutlicher Schritte, um die Inhalte und Methoden der Vertiefungsprogramme umzugestalten, da gegenwärtig nur wenige dieser Programme die Freunde zu befähigen scheinen, das Feld des Lehrens mit Hingabe und Vertrauen zu betreten. Das Verfahren der disziplinierten und systematischen Studien der Schriften muß - besonders unter der Jugend - zu einem sehr viel höheren Grad entwickelt werden, als wie er gegenwärtig zu beobachten ist. Bereits ab dem zehnten Lebensjahr möchten die Jugendlichen nicht mehr als Kinder behandelt werden und reagieren bewundernswert auf die Herausforderung des direkten Studierens der Schriften. Es genügt nicht, das Studium der Schriften als eine hauptsächlich persönliche Sache zu sehen, es muß ebenso von Gruppen und Gemeinden systematisch verfolgt werden.

Grundlegend für die Aufrechterhaltung der Teilnahme am Lehren, ist die feste Überzeugung, daß es eine heilige Verantwortung für jeden Gläubigen bedeutet, die Sache zu lehren und daß die persönliche Initiative ein unverzichtbarer Bestandteil des Erfolges ist. Über diese Überzeugung hinaus jedoch, müssen nationale Aktionspläne eine Anzahl besonderer Faktoren ansprechen, (deren Fehlen?) (die) die Gläubigen davon zurückhalten, die heilende Botschaft Bahá'u'lláhs den sich sehnenden Seelen anzubieten. Einige dieser Faktoren, wie Lebenskraft des Glaubens, Mut und Gottvertrauen sind rein geistig. Andere haben damit zu tun, wie die Freunde sich selbst einschätzen und die Schwierigkeiten, die sie damit haben, sich selbst als Lehrer der Sache zu sehen. Wieder andere beziehen sich auf die Unzulänglichkeit von Fertigkeiten und Lehrmethoden.

Wir hoffen, daß während des Dreijahresplanes die Förderung des persönlichen Lehrens nicht lediglich durch Verfahrensweisen angegangen wird , als da sind - Arten der Lehrmöglichkeiten, die Anzahl der persönlichen Heimkreise, Anzahl der Kontakte, oder persönliche Lehrziele, wie eine bestimmte Anzahl von Menschen in einem festgesetzten Zeitabschnitt zu lehren. Wichtig bei diesen Überlegungen ist, daß es die geistige Natur des Lehrens ist, die geistige Verfassung des Lehrers und die geistige Kraftentfaltung bei der Hilfe für eine Seele, die Stadt der Gewißheit zu erreichen, was die größte Aufmerksamkeit erfordert.

Die Rolle der Jugend

Wir möchten Ihnen gerne nahelegen, daß sie bei Ihren Bemühungen die Glaubenskraft der Gläubigen zu steigern, kein lohnenderes Feld finden werden als die Vertiefung und Ermutigung der Jugend. Die Bahá'í-Jugend ist wiederholt durch besondere Botschaften und Briefe des Hüters und des Universalen Hauses der Gerechtigkeit gesegnet worden. Die Führung, die in diesen Botschaften enthalten ist, war richtungsweisend für ihr Leben und hat ihr geholfen, die Wirkung der Kräfte zu verstehen, die die Zukunft der Menschheit formen. Von Generation zu Generation wurde eine zunehmende Zahl von Jugendlichen als zuverlässige Anhänger des Glaubens und als dessen ergebene und energische Diener herangezogen.

Die Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 3. Januar 1984 an die Bahá'í-Jugend der Welt kennzeichnete eine neue Stufe in der Entwicklung von Jugendaktivitäten. Die Botschaft bot der Jugend eine mächtige Vision ihrer Rolle bei der Entfaltung einer Weltzivilisation dar und eröffnete ihr neue Ausblicke auf die Möglichkeiten des Dienstes für die Sache. Die Jugend antwortet voll Begeisterung auf die Aufrufe des Hauses der Gerechtigkeit, und in einigen Teilen der Welt gelang es ihnen, den Anfang einer Bewegung ins Leben zu rufen, die das Leben von mehreren tausend Jugendlichen veränderte. Der Dreijahresplan bietet die Gelegenheit, Bewegungen in einer neuen Generation von Jugendlichen auf jedem Kontinent in einem noch nie dagewesenen Maße zu fördern.

Das Haus der Gerechtigkeit hat die Bahá'í-Welt oft daran erinnert, daß die Mobilität der Jugend, zusammen mit ihrer Begeisterung und dem Eifer zu dienen, sie dazu befähigt, als wirksame Instrumente für den Fortschritt des Glaubens und die Verbreitung seiner Lehren zu handeln. Mehr noch kann sie, wenn sie richtig angeleitet wird, den von den Institutionen geplanten Konzepten und Projekten die so sehr benötigte Energie und Triebkraft verleihen. Das Haus der Gerechtigkeit hat die Jugend mit einer Anzahl Heraus- forderungen konfrontiert, denen sie bei ihren Bemühungen begegnen wird. Darunter sind die Wirkung des hohen moralischen Niveaus, das zu entwickeln und aufzuzeigen der Glaube aufruft; die Gemeinde mit dynamischen und positiven Eigenschaften zu erfüllen und die Hindernisses, die eine internationale Zusammenarbeit verhindern, aus dem Weg zu räumen. Wenn sich die Jugend auf diese Ziele konzentriert, wird ihr Leben verändert und das Vermögen, ihre Gleichaltrigen zu einer Weltzivilisation zu führen, nimmt sehr zu.

Um die volle Leistungsfähigkeit der Jugend sichtbar zu machen, müssen jedoch in jeder nationalen Gemeinde Bedingungen geschaffen werden, die die Teilnahme der Jugend an sinnvollem Dienst für den Glauben fördert. Einige der Einstellungen der Eltern und der Bahá'í-Gemeinde der Jugend gegenüber müssen verändert und angemessene Unterstützungsmechanismen müssen erdacht werden, sodaß die jungen Gläubigen sich erheben und ihre kennzeichnenden Beiträge zum Fortschritt des Glaubens leisten können. Die Herausforderung für die Institutionen besteht darin, einer ausreichend großen Anzahl von Jugendlichen zu helfen, ihr Leben zu verändern, sodaß deren verbundenen Kräfte eine spürbare Wirkung auf den Beginn von Ereignissen der unmittelbaren Zukunft der Menschheit haben.

Zusätzlich zu einem systematischen Programm für das Studium des Glaubens, ist eine breite Vielfalt von Aktivitäten, Konferenzen, Workshops und Projekten des Lehrens und Dienens für die Jugend nötig. Die Vorstellung, daß diese Aktivitäten "mehr zum Spaß" oder "um die Jugend nicht zu überfordern" sind, kann nicht wegweisend für die Mobilisierung der Jugend sein, die immer wieder ihre Bereitwilligkeit, sich zum Handeln zu erheben, bewiesen hat, sofern sie angemessen dazu aufgefordert wurde. Mehr noch muß das Kriterium für das Ersinnen administrativer Abläufe, die die Arbeit der Jugendlichen abstimmen, Flexibilität und Wärme sein. Die Institutionen lenken dann die Energien der jungen Menschen erfolgreich, wenn sie die Fallgrube vermeiden, die Jugend als eine Lebensstufe zu betrachten, auf der man lediglich für das Erwachsensein übt. Eine Schlüsselstellung in der Entwicklung der Jugend nimmt die Teilnahme an einem Jugend-Service-Programm für die Zeit von einem oder zwei Jahren im eigenen Land oder im Ausland ein.

Eine Warnung sei jedoch angebracht. Bei der Unterstützung der Jugend, ein höheres Maß an Gewißheit, Hingabe und Entschlossenheit zu erreichen, darf nicht der Eindruck entstehen, daß sie die Verantwortung, sich für ihre Zukunft vorzubereiten, vernachlässigen soll. Jedes Stadium des Lebens hat eigene Möglichkeiten und Verantwortung, und im Falle der Jugend muß dem Erlernen eines Handwerkes oder Berufes, mit dem man seinen Lebensunterhalt verdienen kann, oder dem Erlangen einer Ausbildung im Rahmen der Möglichkeiten Wichtigkeit beigemessen werden. Eine Periode des Vollzeitdienstes für den Glauben kann nur eine höchst wünschenswerte Komponente der Vorbereitung sein, aber ob es klug und durchführbar ist, einen Ausbildungsgang für einen solchen Dienst zu unterbrechen, ist eine Sache, die unter den Umständen jedes einzelnen Falles abgewogen werden muß.

Beiträge zum Fonds

Zweifellos werden wir während des Dreijahresplanes Zeuge eines bedeutenden Anstieges der Beiträge zum Fonds des Glaubens werden als ein unmittelbares Ergebnis der Anstrengungen der Institutionen, das geistige Leben des Einzelnen und der Gemeinde zu vertiefen. Da die Erziehung der Freunde was den Fonds anbetrifft, gegenwärtig das Thema einer Reihe von Briefen des Internationalen Lehrzentrums an die Berater ist, wird dies hier nicht bis ins Detail gehend ausgearbeitet. Wir würden nur gerne aus einem Brief vom 17. September 1992 zitieren, den das Universale Haus der Gerechtigkeit an alle Mitglieder der Kontinentalen Beraterämter schrieb:

"Spenden zum Bahá'í-Fonds stellen einen Akt geistiger Disziplin dar, was einen wahren Bestandteil des hingebungsvollen Lebens des Einzelnen darstellt. Kein Gläubiger sollte unachtsam gegenüber dem Vorrecht des Spendens für den Fortschritt der Sache Gottes ein, ungeachtet seiner materiellen Bedingungen. Die Praxis des Gebens für den Fonds stärkt die Verbindung zwischen dem Gläubigen und der Sache und verstärkt sein Gefühl der Identifikation. Göttliche Bestätigung kommen jenen zugute, die einen Teil ihrer materiellen Güter im Geiste des Opfers, geleitet von ihrer Liebe zum Glauben und ihrem Wunsch, zu dessen Fortschritt beizutragen, darbieten.

"Bahá'u'lláh schrieb: "...Er, der die Ewige Wahrheit ist - gepriesen sei Seine Herrlichkeit - hat die Vollendung jedes Unternehmens auf Erden von materiellen Mitteln abhängig gemacht." Die Gemeinde des Größten Namens hat an diesem Tage das gewaltigste Unternehmen begonnen, das dazu bestimmt ist, die Menschheit zu vergeistigen und die menschliche Gesellschaft zu wandeln. Seinem Bedarf sollte und wird in der Tat nicht nur durch Beiträge jener Gläubigen nachgekommen, die in Ländern wohnen, die sich zur Zeit eines relativ hohen Lebensstandards erfreuen, sondern es sollte sich jeder Anhänger Bahá'u'lláhs, ungeachtet der Kargheit seiner materiellen Güter, dazu entschließen, seinen Teil für die Arbeit des Glaubens darzubieten. Die Einheit der Freunde, ob reich oder arm, bei der Unterstützung des Fonds, wird die Quelle geistiger Bestätigung sein, wie sie weit über unserem Vorstellungsvermögen liegt.

"Der Gegensatz der Bahá'í-Gemeinde zu der sie umgebenden Gesellschaft wächst mit jedem schwindenden Tag. Inmitten von Eigennutz, der fieberhaften Verfolgung engen Selbstinteresses sowie des Mißtrauens und der Bestechlichkeit in allen Geldangelegenheiten, arbeiten die Bahá'í daran, eine neue Welt zu erschaffen, die sich durch opferbereite Hingabe an hohe Ideale, die Sorge um die Wohlfahrt der ganzen Menschheit, Rechtschaffenheit und Sparsamkeit im Gebrauch der Gelder und vereinter Unterstützung hoher Bestrebungen auszeichnet. Laßt uns mit der ruhigen Zuversicht vorwärts schreiten, daß die unüberwindbare Kraft des Herrn der Heerscharen seine ergebenen Anhänger befähigt, aber auch jedes Hindernis auf dem Wege seiner sich schnell entwikelnden Sache zu überwinden."

DIE BEDEUTUNG DER ENTWICKLUNG DES MENSCHLICHEN POTENTIALS DER SACHE

Hintergrund

Das Wachstum der Bahá'í-Gemeinde ist einigen Modellen gefolgt, die den Erfordernissen der Zeit und des Ortes entsprachen. Während der ersten Jahrzehnte des Gestaltenden Zeitalters geschah das Wachstum hauptsächlich durch die systematische Vermehrung verhältnismäßig kleiner örtlicher Gemeinden, und in manchen Teilen der Welt wird dies auch in absehbarer Zukunft weiterhin so sein. Innerhalb dieses Modelles sind bestimmte örtliche und nationale Aktivitäten, wie zwanglose Vertiefungsklassen, Konferenzen und Sommerschulen, wirksame Mittel nicht nur für die allgemeine Vertiefung der Gläubigen, sondern auch für die Entwicklung menschlicher Potentiale. Tatsächlich scheint die Unterscheidung zwischen Vertiefung und Entwicklung menschlicher Potentiale unnötig zu sein, da sich die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Freunde, die sie sich in ihrem persönlichen Leben angeeignet haben, erhöht durch die Hingabe an den Glauben und bereichert durch Bahá'í-Erfahrung als ausreichend für das Anfangsstadium des Wachstumsmodelles erweisen.

Während des Neunjahresplanes, als die Massengewinnung in einem Land nach dem anderen Wirklichkeit wurde, sah sich die Bahá'í-Welt der Herausforderung eines anderen Modelles der Ausbreitung und Festigung gegenüber. Die Herausforderung der Vertiefung der Freunde war derart, daß sie nach ungeheueren Anstrengungen und neuen Methoden verlangte. Eine Methode, zu der das Universale Haus der Ge- rechtigkeit ermutigte, war die Errichtung von Instituten, anfangs als Stätten, in die die neuen Gläubigen zu Vertiefungskursen eingeladen wurden. So wesentlich war die Errichtung von Instituten zur Vertiefung der Scharen von Gläubigen, daß das Haus der Gerechtigkeit im Februar 1967 an die Nationalen Geistigen Räte, die die Aufgabe hatten, Lehrinstitute zu errichten, schrieb:

"Im Hinblick auf die dringende Notwendigkeit der Festigung in Gebieten, in denen Massenlehrarbeit stattfindet, ist es wichtig, daß, wo auch immer der Neunjahresplan die Errichtung eines Lehrinstitutes verlangt, von dem verantwortlichen Nationalen Geistigen Rat sofort Schritte unternommen werden, um Besitztümer zu erwerben und die Institute zu errichten. Wir glauben, daß diesem Ziel des Planes Vorrang vor jedem anderen Ziel des Erwerbs von Eigentum eingeräumt werden sollte, im Hinblick auf die dringende Notwendigkeit, diese Institute als Mittelpunkte für die Vertiefung des geistigen Lebens der Gläubigen, der Bereicherung ihres Verständnisses des Glaubens und seiner Lehren und zur Ausbildung einer ausreichenden Anzahl von Lehrern zu nutzen, die sich dann erheben können, um ihr Wissen und ihren Geist, die sie sich angeeignet haben, an andere weiterzugeben und so bei der Festigung der Grundlagen der Sache in ihren Ländern zu helfen ." Aus einem unveröffentlichtem Brief vom 17. Februar 1967 vom Universalen Haus der Gerechtigkeit an Nationale Geistige Räte mit der Aufgabe zur Errichtung von Lehrinstituten.

Die Richtlinien, die vom Haus der Gerechtigkeit während des Neunjahresplanes gegeben wurden, sahen bereits voraus, daß diese Institute zu Einrichtungen der Nationalen Geistigen Räte und zu Zentralen für den Gesamtprozeß der Verbreitung und Festigung in einer Region oder einem Land werden sollten. Bereits Anfang Juni 1966 schrieb das Universale Haus der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat von Indien:

"Ihre Institute sollten nicht nur ein Ort der Bahá'í-Gelehrsamkeit sein, sondern Zentren, von denen Massenlehrarbeit und das Werk der Festigung eines weiten Gebietes ausgehen und geleitet werden müssen. Das Institut ist nicht nur ein Gebäude, noch einfach ein Ort, wo für ein paar Tage Bahá'í-Klassen abgehalten werden können. Es sollte das Zentrum komplexer Aktivitäten sein, die systematisch dazu beitragen, daß Ihr Rat seine Ziele auf dem Gebiet der Lehrarbeit und der Festigung erreicht." Aus einem Brief vom 23. Juni 1966 des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen Rat von Indien, veröffentlicht in Hornby, Helen, comp. Lights of Guidance: A Bahá'í Reference File, Neuauflage (Neu Delhi: Bahá'í Publishing Trust, 1988) Seite 563

Die Begeisterung für die Kurse der Institute wächst, und in Gebieten, wo die Massengewinnung erfolgreich war, wurden während aufeinanderfolgender Pläne Einrichtungen gebaut. Als sich die Anzahl der Gläubigen vervielfachte, wurde zunehmend klar, daß ein Institut nicht unmittelbar dem Vertiefungs- bedürfnis von Abertausenden dienen konnte. Das Beste war, daß ein bestimmter Prozentsatz von Gläubigen in einem Institut geschult werden konnte, um Vertiefungsaktivitäten nach außen zu tragen und den Ausdehnungsprozeß zu unterstützen. Wirkungsvolle Methoden und Vorgehensweisen herauszufinden, erwies sich jedoch als eine anspruchsvollere Aufgabe, als dies erwartet worden war. Dann, während der nächsten zwei Jahrzehnte, als die Freunde mehr über die Massengewinnung und Festigung lernten, wurde ihnen das Konzept eines Institutes und die Methoden seiner Entwicklung allmählich klarer. Gegenwärtig be- schreibt die am vielversprechendste Methode das Institut als eine Einrichtung des Nationalen Geistigen Rates, die sich mit der Entwicklung menschlicher Potentiale befaßt, die fähig sind, auf die vielfältigen Fragen, die ein schneller Verlauf der Ausbreitung und Festigung aufwirft, zu antworten.

Die Dringlichkeit, die menschlichen Potentiale des Glaubens zu erweitern, ist jedoch nicht auf Gebiete mit Massengewinnung beschränkt. Die jüngsten Fortschritte der Sache werfen ein neues Licht auf die Notwendigkeit menschlicher Reserven einer weltweiten Bahá'í-Gemeinde für die kommenden Jahre. Die umfassende Zusammenarbeit mit Nicht-Bahá'í-Organisationen, die zunehmende Beteiligung an einer großen Auswahl sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte, der wachsende Kontakt zu den Medien und der beständige Austausch mit führenden Denkern verlangen die Entwicklung neuer Fähigkeiten bei den Freunden, die, obwohl sie aufrichtig und bereit zum Dienst sind, doch einen Mangel an den Fertigkeiten aufweisen, die gebraucht werden, um den sie überwältigenden Situationen zu begegnen. Deshalb muß der systematischen Entwicklung menschlicher Potentiale auf allen Pfaden des Dienens große Aufmerksamkeit geschenkt werden. In jeder nationalen Gemeinde ist es unbedingt erforderlich, fruchtbringnde Methoden zu entwickeln und Programme einzuführen, die die Freunde befähigen, das beschleunigte Wachstum zu unterstützen und die zahlreichen Feldern menschlichen Bemühens zu beeinflussen.

Zwei Arten des Handelns

Die Entwicklung menschlicher Potentiale während des Dreijahresplanes scheint zwei Arten des Handelns erforderlich zu machen: Programme innerhalb der Gemeinde, um die Fähigkeiten der Freunde zu entwickeln und vereinte Anstrengungen, um eine zunehmende Anzahl von Menschen mit hervorragendem Fachwissen zum Glauben zu führen. Diese beiden Bestandteile ergänzen sich gegenseitig, und der Erfolg bei dem einen hängt von dem Erreichten bei dem anderen ab.

Die Entwicklung der Fähigkeiten der Freunde

Um es klar zu sagen, das Ziel des ersten Bestandteiles des Handelns ist es nicht, eine Kerntruppe aus Einzelnen hervorzubringen, die ausschließlich bestimmte Aufgaben für den Glauben ausführen. Die Schulungsprogramme sollen offen und auf die Förderung der Talente gerichtet sein, mit denen die Freunde ausgestattet sind. Der Zweck solcher Programme ist es nicht, die Freunde zu einem bloßen Instrument einer bestimmten Vorgehensweise und Methode herabzuwürdigen, sondern in ihnen die Fähigkeit zu entwickeln, Möglichkeiten zu entdecken und jedes geeignete Mittel, das ihnen zur Verfügung steht, einzusetzen. Mehrnoch, die Entwicklung von Fertigkeiten und Fähigkeiten muß innerhalb des grundlegenderen Prozesses geistiger Bereicherung ablaufen. Denn, wenn auch Fertigkeiten und Fähigkeiten im Überfluß vorhanden sind, sind es die Anziehungskraft der Gesegneten Vollkommenheit, die Festigkeit im Bündnis und im Gesetz Gottes, das tiefe Verständnis der Offenbarung Bahá'u'lláhs und ein guter Charakter, die ein neues und fruchtbares Angehen der Probleme der Menschheit möglich machen. In diesem Sinne können die Wurzeln zur Schaffung von Instituten bis ins Heroische Zeitalter zurückverfolgt werden, wo zum Beispiel der herausragende Bahá'í-Lehrer Sadru's-Sudúr Klassen für die Schulung von Lehrern einrichtete, eine Bestrebung, für die er das reiche Lob 'Abdu'l-Bahás erhielt:

"Der herausragende Sadru's-Sudúr, der wahrhaftig einen höchst gepriesenen Platz am Zufluchtsort der Seligkeit erreicht hat, hat das Lehrtreffen eingeführt. Er war die erste gesegnete Seele, die die Grundlage für diese bedeutende Institution gelegt hat. Gott sei gepriesen, im Laufe seines Lebens hat er Menschen erzogen, die heute starke und beredte Fürsprecher des Herren Gottes, Jünger, die in der Tat reine und geistige Nachkommen dessen sind, der der Heiligen Schwelle so nahe war. Nach seinem Hinscheiden unternahmen bestimmte gesegnete Personen Schritte, um seine Lehrarbeit fortzusetzen, und als Er davon erfuhr, erfreute sich das Herz dieses Gefangenen." 'Abdu'l-Bahá, zitiert in Bahá'í Education, zusammengestellt vom Research Department des Universalen Hauses der Gerechtigkeit (London: Bahá'í Publishing Trust, 1987), Seite 8-9

Institute haben sich in vielen Ländern als Quelle großer Stärke erwiesen und die Fähigkeit nationaler Gemeinden, die Ziele ihrer Sechsjahrespläne zu erfüllen, außerordentlich gesteigert. Jene Institute waren auch neben der Schulung von Lehrern für die Ausbreitung, äußerst erfolgreich, indem sie Schulungen auf solchen Gebieten wie das Lehren von Kinderklassen, Arbeit mit Jugendgruppen und die Ausführung der verschiedenen Pflichten der Assistenten des Hilfsamtsmitgliedes anboten.

Die schnelle Vermehrung der Programme für die Schulung von Kinderklassenlehrern stellen eine der vielversprechendsten Entwicklungen der Institute auf der ganzen Welt dar, und es ist unsere Hoffnung, daß während des Dreijahresplanes, wenn die Freunde Ziele zur Errichtung und Stärkung regionaler und nationaler Institute nachdrücklich verfolgen, die Erziehung der Kinder den gebührenden Nachdruck erfährt. Die geistige Erziehung der Kinder und Jugendlichen verdient einen zentralen Platz im Festigungsplan vieler Länder, besonders derjenigen, die mit der Entwicklung ländlicher Gemeinden befaßt sind, die heute die Mehrheit der Gemeinden der Bahá'í-Welt bilden. Fortschritt in dieser Richtung hängt von der Fähigkeit nationaler und regionaler Institute ab, systematisch eine große Anzahl von Kinderklassenlehrern, die aus den Reihen der Bahá'í-Dorfbewohnern selbst stammen, zu schulen.

Programme zur Entwicklung menschlichen Potentials, das fähig ist, mit der Gesellschaft in einen systematischen Dialog einzutreten, werden natürlich nicht auf die Aktivitäten der Institute begrenzt sein, sondern in vielen Formen stattfinden, in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen jeden Landes. Solche Pro- gramme müssen sich notwendigerweise damit befassen, wie die Fähigkeit der Institutionen gestärkt werden kann, jede sich bietende Möglichkeit zu analysieren, das mögliche menschliche Potential innerhalb und au- ßerhalb der Bahá'í-Gemeinde zu erkennen und Seminare und Kurzzeitkurse zu erarbeiten und zu leiten, um diese menschlichen Reserven zu schulen. Diese Veranstaltungen können, wenn sie erfolgreich sein sollen, die Ausbildung nicht in Abtrennung vom Handeln vermitteln. Ausbildungskurse dieser Art sind am wir- kungsvollsten, wenn sie Teil einer sich entwickelnden Vorgehensweise sind, die systematisch versucht, den Menschen der Welt die Offenbarung Bahá'u'lláhs nahezubringen.

Das Lehren von besonders befähigten Persönlichkeiten

Um besonders befähigte Personen durch den Glauben anzuziehen, ein weiterer Bestandteil der Strategie, das menschliche Potential zu erweitern, bedarf es ebenso einer systematischen Anwendung der Lehren auf die Angelegenheiten der Menschheit und der ständigen Suche nach wirkungsvollen Lehrmethoden. Men- schen mit besonderen Fähigkeiten werden angezogen, wenn sie sich den erregenden Vorgang der Schaffung einer neuen Weltordnung vorstellen können. Ihre Treue wird gepflegt, wenn geeignete Kanäle für sie geöffnet werden, innerhalb derer sie ihre Talente für den Fortschritt des Glaubens einsetzen können. Ihre Teilnahme an den Aktivitäten der Bahá'í-Gemeinde wird verstärkt, wenn die Beziehungen zwischen den Freunden von der Annahme und der Wertschätzung der Vielfalt der Talente erfüllt ist.

Die Offenbarung Bahá'u'lláhs enthält Lehren, die jeden Gesichtspunkt des Lebens des Einzelnen und der Gesamtheit der Menschheit ansprechen. Den Kern Seiner Offenbarung bilden solche Aussagen, die sich mit der Erkenntnis und der Annahme Seines Status', dem Größeren und Kleineren Bündnis und den Gesetzen und der Admimistration befassen. Jene, die diesen Kern der Lehren annehmen und von der Liebe Bahá'u'lláhs berührt sind, treten in die Reihen Seiner Anhänger und verbringen ein ganzes Leben damit, die Folgerungen aus der Gesamtheit Seiner Schriften und ihre Anwendung auf den Fortschritt der Zivilisation zu erforschen. Es darf jedoch nicht angenommen werden, daß jemand erst Bahá'í sein muß, um an diesem Prozeß der Erforschung und Anwendung teilzuhaben. Sich von dieser Annahme freizumachen, würde es den Gläubigen und den Institutionen möglich machen, Bahá'u'lláhs Offenbarung offen und systematisch an besonders befähigte Menschen weiterzugeben und damit die Sache auf zweifache Art zu fördern, nämlich durch die, die ihren Glauben an Bahá'u'lláh erklären und durch jene, die, ohne Seine Stufe anzuerkennen, begierig sind, bei der Anwendung Seiner Lehren mitzuwirken.

Die Bereitwilligkeit, andere dazu einzuladen, zusammen mit den Bahá'í die Offenbarung zu studieren und sich um ihre Anwendung auf das Leben zu bemühen - mit dem deutlichen Hinweis auf Bahá'u'lláh als den Urheber der sozialen, politischen moralischen und kulturellen Lehren, aber ohne auf die Annahme der streng religiösen Aspekte zu bestehen - muß nicht auf führende Denker oder auf Organisationen, die mit dem Glauben zusammenarbeiten, begrenzt sein. Gerade besondere soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprojekte in den Dörfern der Welt müssen eine solche Offenheit in ihre Methoden aufnehmen. Schließlich bringt es die soziale und wirtschaftliche Entwicklung mit sich, daß sich fähige Menschen an dem Aufbau einer neuen Weltordnung beteiligen. Natürlich werden Bahá'í-Projekte damit befaßt sein, Dienste für alle anzubieten, aber Menschen und Gemeinden entwickeln sich nicht hauptsächlich dadurch, daß sie Dienstleistungen erhalten. Das größte Geschenk für ein Volk ist es, ihm bei der Entwicklung der Fähigkeit zu helfen, Bahá'u'lláhs Offenbarung anzunehmen, den richtigen Weg für den eigenen Fortschritt zu planen und zum Fortschritt der Menschheit beizutragen. Die abschließende Analyse zeigt, daß es der Aufbau dieser Fähigkeit ist, der die Richtung unseres Bemühens bestimmen sollte, das menschliche Potential des Glaubens zu vergrößern.

DIE PFLEGE DER KORREKTEN ARBEITSWEISE DER ÖRTLICHEN UND NATIONALEN INSTITUTIONEN

Die örtliche Gemeinde

Die letzten Jahre dieses Jahrhunderts werden Zeuge einer bedeutenden Beschleunigung des Reifungsprozesses der Bahá'í-Institutionen sein. Selbst eine oberflächliche Überprüfung der Ergebnisse des Sechsjahresplanes zeigt, daß während der unmittelbar vor uns liegenden Jahre die Notwendigkeit eines schnellen Fortschritts dieses Reifungsprozesses auf örtlicher Ebene besonders groß ist.

Obwohl die örtlichen Gemeinden der Bahá'í-Welt äußerst verschieden sind, können sie zum Zwecke der Diskussion in zwei weitläufige Kategorien eingeteilt werden. Zunächst sind da ungefähr viertausend Orte, meist größere und kleinere Städte, wo es den Freunden gelungen ist, das Neunzehntagefest und den Geis- tigen Rat als Grundlage ihres Gemeindelebens festzulegen. Schätzungsweise die Hälfte dieser Gemeinden unternimmt auch eine Reihe von Aktivitäten, um die Sache bekannt zu machen und die Anzahl der Gläubigen vor Ort zu erhöhen. Von diesen ist ein kleiner Prozentsatz noch weiter fortgeschritten und zeigt Merkmale einer Lebendigkeit, die das Kennzeichen jeder örtlichen Bahá'í-Gemeinde sein sollte.

Eine zweite Kategorie umfaßt die große Mehrheit der Bahá'í-Gemeinden, die hauptsächlich in Gebieten liegen, wo das Wachstum durch Aktionen der Massengewinnung stattfand. Obwohl sich viele dieser Gemeinden eines gelegentlichen Neunzehntagefestes oder ein paar Klassen für die geistige Erziehung der Kinder erfreuen, hängen ihre Leistungen größtenteils von den Bemühungen einer verhältnismäßig geringen Anzahl hingebungsvoller Gläubiger ab, die sie im Rahmen einiger Konsolidierungspläne nationaler oder regionaler Institutionen besuchen.

Eine bedeutende Anzahl örtlicher Gemeinden beider Kategorien muß eine grundlegend Wandlung durchmachen, wenn die Bahá'í-Welt die großartigen Gelegenheiten ergreifen will, die sich in diesem geistig aufgeladenen Zeitabschnitt der Geschichte bieten. Die außerordentlichen Triumphe der Sache in den letzten Jahren und der Wandel in der Haltung und der Aufnahmefähigkeit der Völker der Welt dem Glauben gegenüber, erfordern örtliche Bahá'í-Gemeinden, die mit einem Sendungsbewußtsein ausgestattet sind und ein Umfeld schaffen können, das der schnellen Ausbreitung des Glaubens dienlich ist.

Die Schaffung solcher örtlichen Gemeinden macht die Entwicklung der Fähigkeit erforderlich, in jedem Aspekt des Bahá'í-Lebens das Heilige zu erkennen und zu ehren. Die örtliche Gemeinde ist ein Element, in welchem jeder Gläubige in der Gegenwart des Heiligen leben und arbeiten kann. In diesem Zusammenhang gewinnen die Bemühungen, die Qualität des Neunzehntagefestes zu verbessern, eine besondere Bedeutung. Die Atmosphäre, in der die Sitzungen des Geistigen Rates abgehalten werden, die Haltung der Freunde gegenüber dieser göttlich verordneten Institution und die Ehrfurcht, mit der man an ihre Entscheidungen herangeht, sind u.a. die Themen, die unbedingt angesprochen werden müssen.

Des weiteren muß die örtliche Gemeinde zunehmend das Umfeld für die Erziehung des einzelnen Gläubigen werden. Der Hüter hat festgestellt, daß "der beste Geistige Rat der ist, der die Talente aller Mitglieder der Gruppe nutzt und sie ständig in irgendeiner Form der aktiven Teilnahme am Dienst an der Sache und der Ausbreitung ihrer Botschaft beschäftigt hält." Dementsprechend macht das Erziehungsumfeld der Gemeinde den Einzelnen nicht nur zu einem Empfänger von Liebe und Aufmerksamkeit, sondern hilft ihm vielmehr, sich vom Selbst zu lösen und sich der Sache und ihrem Fort- schritt zu widmen.

Wenn die örtlichen Gemeinden die überwiegende Rolle bei der Entfaltung des Dreijahresplanes spielen sollen, wird die enge Zusammenarbeit zwischen den Hilfsamtsmitgliedern und den örtlichen Geistigen Räten unverzichtbar sein. Dieses Thema war der Gegenstand der Beratung der kürzlich auf der ganzen Welt abgehaltenen Konferenzen der Hilfsamtsmitglieder. Einige Punkte jener Beratungen verdienen es, hier vertieft zu werden.

Die Bemühungen der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten müssen wegweisend in Richtung Einheit im Handeln und ständiger Stärkung der örtlichen Geistigen Räte sein. Sie müssen die örtlichen Gemeinden dazu bewegen, Fortschritte über jenes Anfangsstadium hinaus zu machen, in dem Einheit durch die Übereinstimmung des Glaubens und der Ideale errichtet wurde, hinaus über die Sorge um das Wohl und das Glück der eigenen Mitglieder, zu einer Ebene der Einheit, in der Liebe und hohe Ideale ganz natürlich in harmonisches gemeinsames Handeln umgesetzt werden.

In jenen Gemeinden, wo der Geistige Rat schwach ist, können die ersten Schritte in diese Richtung nicht ausgeklügelte Ziele und Aktionslinien umfassen. Zunächst ist es notwendig, den Freunden Selbstvertrauen zu vermitteln, sie zu lehren, wie sie Einheit im Denken und Übereinstimmung erreichen können und ihre organisatorischen Fähigkeiten zu entwickeln. Dies kann dadurch erreicht werden, daß man den Freunden geduldig beisteht, ein paar konkrete, wohlüberlegte Aktionen durchzuführen. Wenn sich erst einmal die Fähigkeit zu gemeinsamen Handeln erhöht hat und der örtliche Geistige Rat beginnt, die Gemeinde zu führen, können die gemeinsamen Bemühungen der Hilfsamtsmitglieder und der Geistigen Räte auf die Verstärkung regelmäßiger Aktivitäten gerichtet werden, die das Bahá'í-Gemeindeleben ausmachen, wie das Neunzehntagefest und Kinderklassen. Andererseits müssen örtliche Gemeinden, die sich schon regelmäßiger Aktivitäten erfreuen, dahin geführt werden, eine einheitliche Vision des Wachstums zu erlangen, Vorgehensweisen zu ersinnen, Aktionslinien zu setzen und sich in Einheit zu erheben , gemeinsame Beschlüsse auszuführen.

Die Erziehung der Kinder

Für die überwältigende Mehrheit der örtlichen Gemeinden in der Welt ist die geistige Erziehung der Kinder eine Herausforderung, in deren Umfeld Einheit im Denken und Handeln errichtet werden kann. Geschichtlich gesehen, ist die Erziehung der Kinder in der Bahá'í-Gemeinde durch eine Reihe von Fort- schritten und Rückschlägen gekennzeichnet. In der Wiege des Glaubens waren die Versuche, Bahá'í-Schulen einzurichten, außerordentlich erfolgreich, standen aber bald einer heftigen Opposition gegenüber. Die persische Gemeinde war jedoch so glücklich, aus einem sorgfältig ausgearbeiteten System wöchentlicher Klassen für die geistige Erziehung der Kinder Nutzen zu ziehen, was zweifellos der Schlüssel für ihre Leistungen war. Im Westen führte die Art des Wachstums durch kleine und verstreute Gemeinden nicht automatisch zu einem solchen sorgfältig ausgearbeiteten Erziehungssystem. Erst in den letzten Jahren hat sich in großstädtischen Bereichen einiger westlicher Länder ein vielversprechendes Modell von Wochenendschulen zu zeigen begonnen.

Als ein Ergebnis der Massenlehrarbeit waren viele Bahá'í-Gemeinden gezwungen, die Herausforderung der Kindererziehung von neuem ins Auge zu fassen. In den Dörfern der Welt waren nicht nur die Kinder der wenigen Bahá'í begierig, eine Bahá'í-Erziehung zu erhalten. Kinder und die Juniors erwiesen sich ganz allgemein als die begeistertsten Befürworter des Glaubens und äußerten den glühenden Wunsch zu lernen. Unglücklicherweise erlaubte es die geringe Anzahl aktiver Lehrer und die überwältigende Natur der Akti- vitäten der Ausbreitung und Festigung den Freunden in den meisten Gebieten nicht, regelmäßigen wöchentlichen Unterricht zu erteilen, was zur Folge hatte, daß die Möglichkeit, eine ganze Generation ländlicher Bevölkerung auszubilden, in vielen Gemeinden verlorenging. Die meisten Bahá'í mit Langzeiterfahrung auf diesem Gebiet stimmen darin überein, daß wenn Kinder und Jugendliche in den letzten Jahrzehnten größere Aufmerksamkeit erfahren hätten, der Eintritt in Scharen heute einen weit fortgeschritteneren Stand erreicht hätte.

Die neue Welle weitläufiger Ausdehnung, die in jedem Kontinent an Triebkraft gewinnt, zeigt hoffnungsvolle Zeichen, daß die schwer gewonnenen Lehren der Vergangenheit nicht vergeblich sind. Die Einrichtung von Kinderklassen wird jetzt bewußt in immer mehr Aktionspläne für die Massengewinnung aufgenommen. Darüber hinaus ist die Vervielfachung von Bahá'í-Schulen auf der ganzen Welt - angefangen bei der Einrichtung kleiner Tutorenkurse bis hin zur Gründung von Universitäten - ein Zeichen für die Sorge, die Freunde der Erziehung angedeihen lassen. Auch die Gesellschaft wird sich zunehmend bewußt, welches der legitime Platz der Kinder im gemeindlichen Leben ist und welchen unschätzbaren Wert eine richtige Erziehung darstellt. Viele Abhandlungen über Kinder befassen sich mit den Bedingungen der gebieterischen Notwendigkeit ethischer Erziehung. Diese Umstände sind ein gutes Vorzeichen für die Geistigen Räte, den langfristigen Prozeß der Erziehung der Kinder ihrer Dörfer und Städte auf eine feste Grundlage zu legen. Um dies zu erreichen, bedarf es aber einer weiteren Veränderung der Haltung der Freunde zu Kindern und deren Beteiligung am Gemeindeleben.

Dieser Wandel muß auch auf die Einstellung gegenüber Inhalt und Methoden geistiger und physischer Erziehung ausgedehnt werden. Ein großer Teil zusätzlicher Aktivitäten tut in der Bahá'í-Welt not, um Bildungsmaterial zu entwickeln, das von der Offenbarung Bahá'u'lláhs erfüllt ist. In einem solchen Vorgang der Entwicklung von Lehrmaterial spielen natürlich Fachleute auf dem Gebiet der Erziehung eine wichtige Rolle. Dem Wissen, das durch die Praxis und die Erprobung auf der Ebene der Graswurzeln gewonnen wurde, sollte jedoch auch die gehörige Beachtung geschenkt werden. Denn die Bahá'í-Gemeinde kann es sich nicht leisten, daß sie, wenn auch die Fortschritte im Bereich der Erziehung berücksichtigt werden sollten, durch Diskussionen über Erziehungstheorien gelähmt wird. Ein offener Prozeß, der theoretische Diskussion, erzieherische Praxis, Entwicklung von Lehrmaterial und Erprobung - alles im Lichte der Offenbarung Bahá'u'lláhs - beinhaltet, muß vorangetrieben werden. Zu diesem Prozeß, der von einer Atmosphäre der Toleranz und Zusammenarbeit geprägt ist, werden sich Menschen mit verschiedenstem Hintergrund willkommen fühlen.

Die nationalen Institutionen

Mit der schnellen Ausdehnung des Glaubens und der Vermehrung der Möglichkeiten, hat die Arbeit, die den Nationalen Geistigen Räten und ihren Einrichtungen aufgebürdet wird, immer mehr zugenommen; sie sehen sich in dem Bemühen, ihre Aufgaben und Pflichten zu erfüllen, immer größeren Herausforderungen gegenüber. In seinem Brief vom 30. September 1992, in dem es das Thema und die Ziele des Dreijahresplanes ankündigt, bezieht sich das Universale Haus der Gerechtigkeit auf "eine bemerkenswerte Entwicklung der Befähigung der Nationalen Geistigen Räte" im Verlauf des Sechsjahresplanes. Dem mag die außergewöhnliche Entwicklung hinzugefügt werden, die sich in der Institution der Berater und ihrer Hilfsamtsmitglieder gezeigt hat.

Als die höchste administrative Körperschaft, die die Vielfalt und die wichtigen Interessen des Glaubens in einem Land vertritt, ist der Nationale Geistige Rat aufgerufen, auf die Gesellschaft allgemein einzuwirken, die Integrität des Glaubens zu wahren, der Öffentlichkeit das richtige Bild des Glaubens zu vermitteln, den Lehren Respekt zu verschaffen und, indem er den Kanal bildet, durch welchen die Kraft der Offenbarung in alle Teile der Gesellschaft fließt, den Fortschritt der Nation zu unterstützen. Gleichzeitig muß das Potential der Gemeinde mobilisiert, die Reihen der Gläubigen aufgerüttelt und auf das Feld des Handelns und des Dienstes geführt werden. Diese ungeheuere Aufgabe kann nur richtig erfüllt werden, wenn die Nationalen Geistigen Räte die volle und uneingeschränkte Unterstützung der Berater und ihrer Hilfsamtsmitglieder erfahren. In der Tat war in den letzten Jahren in den meisten Ländern erfolgreiche Gemeindearbeit nur durch eine festgefügte enge Zusammenarbeit der Institutionen möglich.

Als ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit wurde die Tendenz in einigen Gemeinden, in Bezug auf Verfahren und Methoden unbeweglich zu sein, durch die Neigung zu gemeinsamem Lernen ersetzt. Leiden- schaftslose Diskussion über Vorgehensweisen und Methoden, Überlegungen zur geistigen Natur des Leh- rens und des Dienstes und die Analyse erfolgreicher Anstrengungen, Wachstum zu erreichen, werden auf nationaler und örtlicher Ebene gefördert. Eine freudvolle Atmosphäre wird geschaffen, eine Atmosphäre, die zu klugem und mutigem Bemühen führt, wo die ständige Furcht vor Mißerfolg und die Neigung zur Kontrolle des Fortschritts des Glaubens durch eine demütige Haltung des Lernens und des unerschütterlichen Verlasses auf die Macht göttlichen Beistands ersetzt wird.

Mehr noch, die sozialen, intellektuellen und geistigen Kanäle, durch die die verschiedenen kulturellen Gruppen eines Landes sich äußern, werden verstanden und für den Fortschritt der Sache eingesetzt. Auf diese Weise wird Angehörigen einer Kultur auf ihrem Weg, erklärte Anhänger des Glaubens zu werden, geholfen, ältere Modelle des Ausdrucks in einer Art zu wandeln, die die Unversehrtheit vergangener Errungenschaften bewahrt und gleichzeitig zur Entwicklung einer kennzeichnenden Bahá'í-Kultur beiträgt. Eine etwas weniger vorsichtige, innovative Methode für den Fortschritt der Kultur wird übernommen.

Wenn sich diese lebenswichtige Zusammenarbeit der Berater und der Nationalen Geistigen Räte fortsetzt, werden wir zweifellos Zeuge eines immer höheren Grades der Erfüllung der Worte des Hüters:

"Die Pflichten jener, die die Freunde frei und vertrauensvoll als ihre Vertreter gewählt haben, sind nicht weniger wichtig und verbindlich als die Verpflichtungen derer, die sie gewählt haben. Ihre Aufgabe ist es nicht vorzuschreiben, sondern zu beraten, und nicht nur untereinander zu beraten, sondern so viel wie möglich mit den Freunden, die sie vertreten. Sie dürfen sich selber in keinem anderen Licht betrachten als dem von ausgewählten Werkzeugen einer wirkungsvolleren und würdigeren Darstellung der Sache Gottes. Sie sollten sich nie dazu verleiten lassen zu glauben, daß sie die Hauptzierde der Körperschaft der Sache sind, anderen an Fähigkeit und Verdienst wirklich überlegen und alleinige Förderer ihrer Lehren und Prinzipien. Sie sollten mit äußerster Demut an ihre Aufgabe herangehen und sich bemühen, durch Ihre Aufgeschlossenheit, ihren hohen Sinn für Gerechtigkeit und Pflicht, ihre Aufrichtigkeit, ihre Bescheidenheit, ihre völlige Hingabe an das Wohlergehen und das Interesse der Freunde, der Sache und der Menschheit nicht nur das Vertrauen und die aufrichtige Unterstützung und den Respekt jener zu gewinnen, denen sie dienen sollen, sondern auch deren Achtung und echte Zuneigung. Sie müssen zu jeder Zeit den Geist der Exklusivität und die Atmosphäre der Geheimnistuerei vermeiden, sich von einer überheblichen Haltung freimachen und alle Formen des Vorurteils und der Leidenschaft aus ihren Überlegungen verbannen. Sie sollten, innerhalb der Grenzen weiser Zurückhaltung, die Freunde in ihr Vertrauen ziehen, sie mit ihren Plänen vertraut machen, ihre Probleme und Ängste mit ihnen teilen und ihren Rat und ihre Beratung suchen. Und wenn sie zu einer bestimmten Entscheidung kommen müssen, sollten sie sich, nach leidenschaftsloser, sorgfältiger und herzlicher Beratung im Gebet zu Gott hinwenden und mit Ernsthaftigkeit und Überzeugung und Mut ihre Stimme abgeben; und der Stimme der Mehrheit gehorchen, von der unser Meister sagt, daß sie die Stimme der Wahrheit ist, die nicht angezweifelt werden darf und immer von ganzem Herzen geltend gemacht werden muß. Dieser Stimme müssen die Freunde herzlich antworten und sie als das einzige Mittel betrachten, das den Schutz und den Fortschritt der Sache sicherstellen kann." Aus einem Brief vom 23. Februar 1924, von Shoghi Effendi an die Bahá'ís von Amerika, veröffenntlicht in Bahá'í Administration: Selected Messages 1922-1932

Aus Abschnitten wie dem obigen geht klar hervor, daß das Zeichen für die Reife eines Rates die Fähigkeit ist, die aufrichtige Unterstützung der Freunde zu gewinnen. Diese Fähigkeit wird durch das Bewußtsein der Tatsache erhöht, daß die Grundhaltung jedes Einzelnen und jeder Institution des Glaubens die des Dienens ist. Die Zusammenarbeit der Berater mit den Nationalen Geistigen Räten sollte diese Haltung unter den Freunden fördern, sodaß sie jede Facette der Bahá'í-Administration durchdringt. Die Nationalen Geistigen Räte und ihre Einrichtungen dienen den örtlichen Geistigen Räten; die örtlichen Geistigen Räte dienen ihrer Gemeinde; die Hilfsamtsmitglieder dienen den Gläubigen und ihren Institutionen. Es muß natürlich anerkannt werden, daß die Institutionen bestimmte Führungsrollen haben und die Autorität besitzen zu führen und anzuordnen; diese Rollen werden aber innerhalb neuer Wege ausgeführt wenn erkannt wird, daß liebevoller Dienst das Herz des Selbstverständnisses der Bahá'í-Institutionen darstellt.

"Laßt es jedem forschenden Leser klar machen, daß unter den hervorragenden und heiligen Pflichten, die jenen obliegen, die dazu berufen sind, die Angelegenheiten der Sache in die Wege zu leiten, zu führen und abzustimmen, solche sind, die von ihnen fordern, mit jedem in ihrer Macht stehenden Mittel das Vertrauen und die Zuneigung derer zu gewinnen, für die sie das Vorrecht haben zu dienen. Es ist ihre Pflicht, die Sichtweise, die vorherrschenden Meinungen, die persönlichen Überzeugungen derer, deren Wohl zu fördern ihre feierliche Aufgabe ist, zu erforschen und sich damit vertraut zu machen; es ist ihre Pflicht, ein für alle Mal ihre Ansichten und die allgemeine Führung ihrer Angelegenheiten vom Geruch der Reserviertheit , vom Verdacht der Geheimnistuerei, von der erstickenden Atmosphäre diktatorischer Anmaßung, kurz von jedem Wort und jeder Tat zu reinigen, welchen der Geruch der Parteilichkeit, der Egozentrik und des Vorurteils anhaften könnte. Es ist ihre Pflicht, während sie das heilige und ausschließliche Recht der letzten Entscheidung in Händen halten, zur Diskussion aufzufordern, Informationen herauszugeben, Mißstände auszuräumen, Ratschläge sogar vom bescheidensten und unbedeutendsten Mitglied der Bahá'í-Familie willkommen zu heißen, ihre Beweggründe aufzuzeigen, ihre Pläne darzulegen, ihre Handlungsweise zu rechtfertigen, wenn nötig ihr Urteil zu revidieren, den Geist persönlicher Initiative und Unternehmungsgeistes zu fördern und das Gefühl für die gegenseitige Abhängigkeit und Partnerschaft, für Verstehen und gegenseitiges Vertrauen zwischen sich auf der einen Seite und allen örtlichen Geistigen Räten und den einzelnen Gläubigen auf der anderen zu fördern." Aus einem Brief vom 18. Oktober 1927 von Shoghi Effendi an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanada, veröffentlicht in Bahá'í Adminstration: Selected Messages 1922-1932, Seite 143-144

Teil 8

ASSISTENTEN DER HILFSAMTSMITGLIEDER

Zusammengestellt vom

Internationalen Lehrzentrum im November 1986

17 Die Rolle der Hilfsamtsmitglieder bei der Zusammenarbeit mit Assistenten

18 Assistenten der Hilfsamtsmitglieder

DIE ROLLE DER HILFSAMTSMITGLIEDER BEI DER ZUSAMMENARBEIT MIT Assistenten

(Zusammengestellt vom Internationalen Lehrzentrum im November 1986)

Im Jahre 1971 machte das Universale Haus der Gerechtigkeit auf das Problem aufmerksam, dem sich Hilfsamtsmitglieder in Ausübung ihres Amtes gegenüberstehen:

"... unser geliebter Hüter drängte die Hilfsamtsmitglieder, Kontakte mit örtlichen Geistigen Räten, Gruppen, isolierten Zentren und den einzelnen Gläubigen aufzubauen und durch regelmäßige und systematische Besuche der Orte sowie durch Korrespondenz dazu beizutragen, die Interessen des Planes zu fördern, bei der wirkungsvollen und unmittelbaren Ausführung der Ziele zu helfen, über die Sicherheit des Glaubens zu wachen, die Lehr- und Pionierarbeit voranzutreiben und zu stärken, den Freunden die Bedeutung der Anstrengung, Initiative und Opferbereitschaft jedes einzelnen einzuschärfen und sie zu ermutigen, sich an Bahá'í-Aktivitäten zu beteiligen und unter allen Umständen geeint zu sein.

"Solche überwältigenden, sich stetig ausweitenden Aufgaben, wie sie der Hüter sich vorstellte, können nur angemessen ausgeführt werden, wenn die Hilfsamtsmitglieder in der Lage sind, mit den örtlichen Räten und Gemeinden in den ihnen zugeteilten Gebieten in Verbindung zu bleiben. Leider ist dies jedoch in vielen Fällen unmöglich, nicht, weil die Hilfsamtsmitglieder nicht bereit wären, diese Aufgabe zu übernehmen, sondern weil die Zahl der Bahá'í-Orte, die ihrer Verantwortung unterstehen, zu groß ist, um das Herstellen und Erhalten fruchtbarer Kontakte zuzulassen." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Kontinentalen Beraterämter vom 17. November 1971

Die Lösung dieses Problems wurde im Jahre 1973 von der Höchsten Körperschaft dargelegt, als diese ankündigte:

"Wir haben daher beschlossen, einen weiteren Schritt in der Entwicklung dieser Institution zu unternehmen und jedem Kontinentalen Berateramt die Befugnis übertragen, einzelne Hilfsamtsmitglieder zu ermächtigen, Assistenten zu ernennen." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Kontinentalen Beraterämter vom 8. Juni 1973

Anfänglich wurde den Beratern empfohlen, schrittweise vorzugehen, jedoch wurde bald klar, daß die Ernennung von Assistenten ein machtvolles Mittel war, mit dessen Hilfe die Hilfsamtsmitglieder ihre Aufgaben in den riesigen, ihnen jetzt übertragenen Gebieten wirkungsvoll durchführen konnten. Infolgedessen schrieb die Höchste Körperschaft gut drei Jahre später, daß

"eine der wirksamsten Hilfen zur Festigung lokaler Gemeinden und Räte und zur Vertiefung des Glaubens der Gläubigen der Dienst der Hilfsamtsmitglieder und ihrer Assistenten ist." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat vom 2. Dezember 1976

Angesichts dieser Feststellung sollten alle Hilfsamtsmitglieder der Ernennung von Assistenten, die ihnen beim Erfüllen ihrer höchst wichtigen Aufgaben helfen, ernsthafte Beachtung schenken.

Das dabei zu beachtende praktische Vorgehen ist in der Anleitung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu finden, die vorsieht, daß die Anzahl der Assistenten, die von jedem Hilfsamt ernannt werden, und deren Amtszeit vom Kontinentalen Berateramt festzusetzen sind. Die Höchste Körperschaft schreibt:

"Wenn ein Hilfsamtsmitglied sich entschieden hat, wen es gerne ernennen möchte, sollte es den oder die Namen einem der Berater zur Genehmigung vorlegen. Nach Erhalt der Genehmigung kann es damit beginnen, die Hilfe dieser Freunde in Anspruch zu nehmen." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Kontinentalen Beraterämter vom 8. Juni 1973

Es ist nicht ungewöhnlich für den Berater, dessen Zustimmung erbeten wird, Zugang zu Informa- tionen zu haben, die den Hilfsamtsmitgliedern nicht zur Verfügung stehen und die in direktem Bezug zu der Frage stehen , ob diese Zustimmung gewährt werden soll oder nicht.

Die Arbeit der Hilfsamtsmitglieder nimmt zu mit dem Hervortreten des Glaubens aus der Verborgenheit, der Vermehrung der Institutionen und der Veränderung ihrer Aufgaben. Ein Hauptelement dieser Arbeit besteht darin, daß den Hilfsamtsmitgliedern der Zustand der Bahá'í-Gemeinden in den von ihnen zu betreuenden Gebieten genau bekannt sein sollte, so daß sie den Institutionen und Gläubigen der betreffenden Region Anregung, Führung und Ermutigung geben können. In den meisten Gebieten ist die Größe der Bahá'í-Gemeinde inzwischen so, daß die Aufgaben der Hilfsamtsmitglieder nur mit Hilfe einer Anzahl Assistenten, denen gewisse Aufgaben übertragen und die bei der Durchführung dieser Aufgaben von den Hilfsamtsmitgliedern angeleitet werden, wahrgenommen werden können.

Der Spielraum hinsichtlich Vielfalt und Ideen beim Einsatz von Assistenten ist beträchtlich. Jeder Assistent sollte innerhalb eines örtlichen Bereiches dienen. Er kann die ganz allgemeine Verantwortung übertragen bekommen, dem Hilfsamtsmitglied bei dessen Aufgaben zu helfen, ebenso kann er beauftragt werden, sich auf eine besondere Aufgabe zu konzentrieren, sei es die größere Beachtung der Unterweisung der Kinder anzuregen, Jugendaktivitäten zu entwickeln, die Teilnahme der Frauen am Gemeindeleben zu erhöhen, Eigentumsziele zu erreichen, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, usw. Diese Flexibilität gibt einem Hilfsamtsmitglied reichlich Bewegungsfreiheit beim Einsatz der Assistenten, um sicherzustellen, daß sich die Bahá'í-Gemeinde gesund entwickelt und den Zielen des Planes gebührende Beachtung schenkt.

Ein Beispiel für den Umfang diese Spielraums gibt eine Erklärung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, wonach im Prinzip gegen die Ernennung von Jugendlichen zu Assistenten kein Einwand besteht. Ein weiteres Beispiel der Möglichkeit zur Gemeindeentwicklung ist darin zu sehen, daß in einigen Teilen der Welt Hilfsamtsmitglieder dadurch beachtliche Erfolge erzielten, daß sie durch die Ernennung und Anleitung fähiger Frauen, deren Talente zuvor unerkannt und unentwickelt waren, den Beteiligungsgrad der Frauen innerhalb der Verwaltungstätigkeiten des Glaubens anhoben.

Aus der Anleitung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit geht klar hervor, daß das Hilfsamtsmitglied für die Überwachung der Arbeit der Assistenten verantwortlich ist und daß es durchaus Anlässe geben mag, wo es den Assistenten bitten wird, eine besondere Aufgabe in seinem Auftrag auszufüh- ren, wie z.B. sich mit einem örtlichen Geistigen Rat zu treffen oder einer Gemeinde gewisse Informationen zukommen zu lassen. Jedoch macht die Höchste Körperschaft auch darauf aufmerksam, daß den Assistenten Freiheit zur Entwicklung von Eigeninitiative gewährt und mit ihnen liebevoll zusammen- gearbeitet werden soll, was für ein wirkungsvolles Funktionieren der Institutionen so wichtig ist.

"Für ein Hilfsamtsmitglied ist nicht unbedingt nötig, einen Assistenten ausdrücklich als seinen Vertreter zu einem Treffen mit einem Geistigen Rat abzuordnen, da solche Treffen Teil der üblichen Arbeit eines Assistenten sind. Der Assistent sollte sich im normalen Verlauf seines Dien- stes mit Örtlichen Geistigen Räten treffen, ohne daß er in jedem Fall besondere Anweisungen von Seiten des Hilfsamtsmitglieds braucht; wenn das Hilfsamtsmitglied jedoch ihn bittet, mit einem bestimmten Rat wegen irgend einer Angelegenheit zusammenzukommen, wird er das tun.

"Wir hoffen, daß diese Erläuterungen dem Kontinentalen Berateramt von Nutzen sein werden, und wir meinen, betonen zu müssen, daß die Arbeit auf dieser Stufe auf einer so informell wie möglichen Basis gehalten werden sollte. Scharfe, starre Grenzen für Zuständigkeit und Autorität zu ziehen oder Unterschiede zwischen dieser Institution und jener Institution überzubetonen, ist nicht nur unnötig, es würde sogar dem Geist liebevoller Zusammenarbeit und Ermutigung schaden, der für den Fortschritt der Arbeit wesentlich ist." Aus einer Mitteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an das Internationale Lehrzentrum vom 9. April 1974

Ein wichtiger Aspekt zur Arbeit der Assistenten ist deren Schulung, so daß die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit erhöht wird. Das Universale Haus der Gerechtigkeit nahm in der folgenden Erklärung auf eine solche Schulung Bezug:

"Offensichtlich ist ein ganz wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Festigung der Bahá'í-Gemeinden, daß alle örtlichen Geistigen Räte zu voller Aktivität geführt werden. Dies kann mit verschiedenen Mitteln erreicht werden. Eines liegt bei den Kontinentalen Beraterämtern, indem sie von der Erlaubnis Gebrauch machen, ihre Hilfsamtsmitglieder Assistenten ernennen zu lassen, und danach sicherstellen, daß diese Assistenten in den Lehren des Glaubens und in der Arbeitsweise der administrativen Ordnung geschult werden, so daß sie die Örtlichen Geistigen Räte wirksam unterstützen können." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat, Naw-Rúz 1974

Diese Schulung kann verschiedene Formen annehmen. Sie kann das gemeinsame Studium und Besprechen der maßgeblichen Texte, die Beratung über Mittel und Wege, wie die Aufgaben eines Assistenten auszuführen sind, den Austausch erfolgreicher Erfahrungen, das Besprechen typischer auf- tretender Probleme, sowie das Formulieren von Plänen, durch die die Arbeit effektiver durchgeführt werden kann, beinhalten.

In einigen Teilen der Welt, in denen Festigung dringend nötig ist, mag sich ein Hilfsamtsmitglied in einer schwierigen Lage befinden, wenn es Gläubige innerhalb einer örtlichen Gemeinde sucht, die die für den Dienst als Assistent nötige Erfahrung und Vertiefung besitzen. Oft liegt die Lösung in der Wahl und Ernennung von vielversprechenden, jedoch unerfahrenen Gläubigen, die dann die erforderliche Schulung und Anleitung durch das Hilfsamtsmitglied erhalten. Auf diese Weise kann das Aktivitätsniveau der gesamten Gemeinde allmächlich angehoben werden.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Arbeit der Hilfsamtsmitglieder besteht darin, ihre Assistenten zu ermutigen, die Wichtigkeit ihrer Aufgabe darin zu sehen, die örtlichen Geistigen Räte zu stärken, die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf diese Räte zu lenken und diesen Institutionen gegenüber ein Beispiel an Hochachtung zu setzen. Diese Höchste Körperschaft wies darauf hin, daß:

"...der zentrale Zweck des Dienstes eines Assistenten ist, liebevolle Beziehungen und eine Atmosphäre des Vertrauens und der gegenseitigen Hochachtung mit den Örtlichen Geistigen Räten in seinem Gebiet zu pflegen." Aus einer Mitteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an das Internationale Lehrzentrum vom 9. April 1974

Das Universale Haus der Gerechtigkeit bemerkte ferner, daß wenn dieser liebevolle Geist der Zusammenarbeit in die Brüche gehen sollte, "eine ernste Situation entstanden sei, die die persönliche Aufmerksamkeit des Hilfsamtsmitglieds verdiente."

Die Berichterstattung der Assistenten an die Hilfsamtsmitglieder in irgend einer Form ist wichtig, damit die Hilfsamtsmitglieder über die Verfassung des Glaubens in dem ihnen unterstehenden Arbeitsgebiet voll unterrichtet sind und diese Eindrücke an die Berater weiterleiten können. Es gibt keine festgelegte Methode für diese Berichterstattung, und eine Anzahl Möglichkeiten sind von den Hilfsamtsmitgliedern in den verschiedenen Teilen der Welt schon angewandt worden; dazu gehören die Verwendung von voradres- sierten Briefumschlägen, ein einfach auszufüllendes Formblatt oder die Bereitstellung von Möglichkeiten zur mündlichen Berichterstattung per Telefon oder Tonband. Jedes Hilfsamtsmitglied sollte sorgfältig überlegen, welche Methode für Assistenten, mit denen es zusammenarbeitet, am besten geeignet ist.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß wenn ein Hilfsamtsmitglied seinen Assistenten reglemäßig Material zuschickt, um Anregung, Information und Ermutigung zur Verfügung zu stellen, es von diesen viel eher Berichte erhält.

Da die Assistenten für eine begrenzte Dienstzeit ernannt werden, und da die Bedürfnisse der wachsenden Bahá'í-Gemeinde sich ständig ändern, ist es unvermeidlich, daß einige Gläubige am Ende ihrer Amtszeit nicht wieder ernannt werden können. Dies sollte weder Schwierigkeiten verursachen, noch das Hilfsamtsmitglied davon abhalten, den Beratern die Gläubigen zu empfehlen, die nach seinem Gefühl zur Durchführung der erfoderlichen Aufgaben ungeachtet anderer Erwägungen am besten geeignet sind. Es ist klar, daß das Bahá'í-Gemeindeleben jedem Gläubigen vielerlei Zugang zum Dienen bietet. Ernennung oder Wahl in eine Institution ist keine Voraussetzung für einen Bahá'í, einen Weg zu finden, um Bahá'u'lláh zu dienen, seinen wahren Lebenszweck zu erfüllen und seine geistige Entwicklung zu fördern.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Assistenten am effektivsten arbeiten, wenn sie wissen, daß das Hilfsamtsmitglied ihrer Arbeit Interesse entgegenbringt, daß es von ihren Errungenschaften begeistert ist und auf ihre Berichte eingeht. Wenn sie in einer Atmosphäre liebevoller Kameradschaft zusammenarbeiten, können Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten eine bedeutsame Rolle spielen, indem sie der Bahá'í- Gemeinde helfen, sich nach gesunden Richtlinien zu einem geeinten und wachsenden sozialen Organismus zu entwickeln, der sich ausbreitet, bis er die gesamte Menschheit umspannt.

Assistenten der Hilfsamtsmitglieder

Die Assistenten der Hilfsamtsmitglieder spielen eine bedeutende Rolle, indem sie den Hilfsamtsmitgliedern bei der Erfüllung ihrer Pflichten behilflich sind. Dieser Dienst umfaßt die Unterstützung bei der Durchführung der vom Universalen Haus der Gerechtigkeit dargelegten Lehrziele und der Entfaltung der administrativen Ordnung. Ihre Tätigkeit erfordert Ergebenheit, Geduld und Ausdauer. Obgleich diese Bemühungen gelegentlich herausfordernd und schwierig sein können, sind sie dennoch unendlich lohnend, wenn man die Entstehung Örtlicher Geistiger Räte und ihr Wachstum an Stärke beobachtet und feststellt, wie die Gläubigen eine stetig zunehmende Beteiligung am Dienst an der Sache Gottes zeigen.

Als Hilfsamtsmitglieder ermächtigt wurden, Assistenten zu ernennen, erklärte das Universale Haus der Gerechtigkeit:

"Das genaue Aufgabengebiet und die Dauer der Ernennung der Assistenten ist ebenfalls jedem Berateramt selbst zur Entscheidung überlassen. Ihre Ziele sollten sein, Örtliche Geistige Räte zu aktivieren und zu ermutigen, die Aufmerksamkeit der Mitglieder Örtlicher Geistiger Räte auf die Wichtigkeit des Abhaltens von regelmäßigen Sitzungen zu lenken, die örtlichen Gemeinden anzuspornen, sich zum Neunzehntagefest und an den Heiligen Tagen zu versammeln, mitzuhelfen, das Verständnis für die Lehren bei ihren Mitgläubigen zu vertiefen und ganz allgemein den Hilfsamtsmitgliedern bei der Durchführung ihrer Pflichten behilflich zu sein." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá'í der Welt vom 7. Oktober 1973

"Eine Institution des Glaubens, die in jeden Ort hineinreicht, die aus standhaften Gläubigen besteht, die das Gebiet, in dem sie dienen sollen, kennen und mit dessen Problemen und Möglichkeiten vertraut sind - eine Institution, eigens dazu bestimmt, die Arbeit der Geistigen Räte zu ermutigen und zu verstärken, die Gläubigen zu begeistern, sie anzuregen, die Lehren zu studieren und sie in ihrem Leben anzuwenden..." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat vom 2. Dezember 1976

Die Arbeit der Assistenten beschränkt sich nicht nur darauf, örtlichen Geistigen Räten oder Gläubigen in Gebieten, in denen ein Örtlicher Geistiger Rat besteht, zu helfen. Das Universale Haus der Gerechtigkeit machte bei einer Gelegenheit

"...den Vorschlag, daß vielleicht die Berater erwähnen könnten, ihre Hilfsamtsmitglieder zu bitten, einen Assistenten zu ernennen, der jeweils in einem Zielgebiet arbeitet, in dem ein neuer Rat errichtet werden soll."

Aus einer Mitteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an das Internationale Lehrzentrum vom 8. Februar 1977

Die Höchste Körperschaft schrieb ebenfalls:

"...Was die Aufgabe betrifft, die Gruppen und einzelstehende Gläubige sowie die Örtlichen Geistigen Räte zu ermutigen, so widmen sich normalerweise nicht nur die nationalen Ausschüsse solchen Aufgaben, sondern es übernehmen in jüngster Zeit auch die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten in den meisten Gegenden der Welt ein weit größeres Maß an Verantwortung, um die Bemühungen der Freunde, die in diesen Orten leben, persönlich zu unterstützen und anzuregen." Aus einem Brief im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen vom 28. November 1977

Das Haus der Gerechtigkeit hob ferner hervor, daß:

"Wenn ein Örtlicher Geistiger Rat richtig zu funktionieren beginnt, bedeutet das nicht, daß er auf den Dienst und die Tätigkeit der Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten verzichten kann, die damit fortfahren können und sollten, nicht nur allgemein für die Anregung und Begeisterung des Rates und der örtlichen Bahá'í-Aktivitäten, sondern ebenso für die der einzelnen Gläubigen zu sorgen." Aus einem Brief im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen vom 9. Juni 1980

Weitere Gesichtspunkte zur Arbeit der Assistenten sind in der Erklärung erläutert, daß:

"...ein Assistent von einem Hilfsamtsmitglied ernannt wird, damit er ihm in einem bestimmten Gebiet des Landes helfe, und er arbeitet als Assistent nur in Bezug auf dieses Gebiet. Assistenten arbeiten, gleich wie die Hilfsamtsmitglieder, jeder für sich, nicht als eine beratende Körperschaft." Aus einem Brief im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat vom 2. August 1982

Zum Erlangen eines tieferen Verständnisses für die Tätigkeit, die zu übernehmen sie aufgerufen wurden, und der eigentlichen Bedeutung ihrer Ernennung, mögen die Assistenten wohl über die Worte Bahá'u'lláhs nachdenken, die sich auf "die Einheit von Rang und Stufe" beziehen, die "zur Erhöhung der Sache gereicht und sie unter allen Völkern verherrlicht.":

"In der Tat ist der Mensch edel, da ja jeder eine Fundgrube des Zeichens Gottes ist. Sich dennoch in Kenntnis, Gelehrsamkeit und Tugend als überragend zu betrachten, sich selbst zu erhöhen oder Bevorzugung zu erheischen, ist ein schlimmes Vergehen. Groß ist die Seligkeit derer, die mit der Zier dieser Einheit geschmückt sind und von Gott gnädig Bestätigung erhielten." zitiert im Brief vom 27. März 1978 im Auftrage des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an alle Nationalen Geistigen Räte

Der folgende im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit geschriebenen Abschnitt nimmt auf dieses Thema Bezug:

"Höflichkeit, Ehrerbietung, Würde, Hochachtung vor dem Rang und den Leistungen anderer sind Tugenden, die zu Harmonie und Wohlergehen jeder Gemeinschaft beitragen, Stolz und Selbstverherrlichung jedoch gehören zu den tödlichsten Sünden."

"Das Haus der Gerechtigkeit hofft, daß alle Freunde daran denken werden, daß es das letzte Ziel im Leben jeder Seele sein sollte, geistige Vortrefflichkeit zu erlangen und damit das Wohlgefallen Gottes zu gewinnen. Nur Gott kennt die wahre geistige Stufe jeder Seele. Sie ist völlig anders als die Ränge und Stufen, die Männer und Frauen in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft innehaben. Wer immer seine Augen auf das Ziel richtet, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen, wird mit Freude und strahlender Zustimmung jede Arbeit oder Stufe annehmen,

die ihm in der Sache Gottes zugeteilt wird und Ihm mit Freuden unter allen Umständen dienen."

Aus einem Brief vom 27. März 1978 im Auftrage des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an alle Nationalen Geistigen Räte

Bei der Erledigung seiner Aufgaben ist der Assistent eines Hilfsamtsmitgliedes aufgerufen, ein hohes Maß an Initiative zu entfalten, um Maßnahmen zu ersinnen und durchzuführen, die zur Erfüllung der ihm gesetzten Ziele führen. Da jeder Assistent eng vertraut ist mit den Umständen, Bedürfnissen und Möglichkeiten der Gemeinde, die ihm zugewiesen wurde, ist er am besten in der Lage, zu entscheiden, wie er den Gläubigen Anregung, Ermutigung und Ratschläge geben kann. Ein Beispiel für diese Initiative ergibt sich aus der Arbeit mit örtlichen Geistigen Räten. In Beantwortung einer Frage erklärte das Universale Haus der Gerechtigkeit:

"Für ein Hilfsamtsmitglied ist nicht unbedingt nötig, einen Assistenten ausdrücklich als seinen Vertreter zu einem Treffen mit einem Geistigen Rat abzuordnen, da solche Treffen Teil der üblichen Arbeit eines Assistenten sind. Der Assistent sollte sich im normalen Verlauf seines Dien- stes mit örtlichen Geistigen Räten treffen, ohne daß er in jedem Fall besondere Anweisungen von seiten des Hilfsamtsmitglieds braucht" Aus einer Mitteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an das Internationale Lehrzentrum vom 9. April 1974

Die Erfahrung hat gezeigt, wie höchst wertvoll es ist, wenn Assistenten regelmäßig zu Schulungstreffen zusammenkommen, die vom Hilfsamtsmitglied, unter dessen Leitung sie dienen, vorbereitet werden. In einem Brief, der sich mit der Ernennung von Assistenten durch die Hilfsamtsmitglieder befaßt, nahm das Universale Haus der Gerechtigkeit Bezug auf die Wichtigkeit,

"...sicherzustellen, daß diese Assistenten geschult werden in den Lehren des Glaubens und im Funktionieren der administrativen Ordnung, so daß sie die Örtlichen Geistigen Räte wirksam unterstützen können." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat, Naw-Rúz 1974

Die Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Kontinentalen Beraterämter und Nationalen Geistigen Räte vom 1. Oktober 1969, die geschrieben wurde, bevor die Ermächtigung zur Ernennung von Assistenten erteilt worden ist, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Verantwortung der Hilfsamtsmitglieder, über den Zustand der Bahá'í-Gemeinden innerhalb des ihnen zugewiesenen Gebietes und über die Arbeitsqualität der Örtlichen Geistigen Räte jener Gegend gut unterrichtet zu sein. Mit der Ernennung von Assistenten erhält das Hilfsamtsmitglied diese notwendige Information weitgehend durch regelmäßige und brauchbare Berichte dieser Assistenten. Entscheidungen über die Art und Häufigkeit dieser Berichterstattung durch die Assistenten liegen im Ermessen des betreffenden Hilfsamtsmitglieds, das sich leiten lassen wird von seinem eigenen Bedarf an Berichten für die Berater sowie von Aussagen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit mit dem Ergebnis, daß:

"Je mehr die Hilfsamtsmitglieder den Beratern berichten, desto besser werden die Berater mit der Lage der Sache vertraut sein, wenn sie mit den Nationalen Räten beraten." Aus einer Mitteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Hände der Sache Gottes im Heiligen Land vom 19. November 1971

Diese Berichte der Assistenten werden dem Hilfsamtsmitglied helfen, die im folgenden Abschnitt ins Auge gefaßte Aufgabe auszuführen:

"Jedes Hilfsamtsmitglied, dem ein besonderes Gebiet, in dem es dienen soll, zugeteilt ist, sollte mit den örtlichen Geistigen Räten und anderen Zentren seines Gebietes Verbindung herstellen, alle diese Zentren bei der Erfüllung der Ziele des Planes ermutigen und führen, über die relative Stärke und Schwäche jedes Zentrums unterrichtet sein und sich vor Gott beim Ausüben seiner Verpflichtung verantwortlich fühlen. Sollte es den Kontakt mit einem bestimmten Örtlichen Geistigen Rat oder Zentrum verlieren, so sollte es seinerseits die Initiative ergreifen, um eine befrie- digende Lösung des Problems zu finden. Auch sollte es regelmäßig seine Berichte und Empfehlungen an die Berater schicken. Aus einer vom Universale Haus der Gerechtigkeit erstellten Zusammenstellung von Punkten, basierend auf einer persischen Mitteilung dieser Körperschaft an den Nationalen Geistigen Rat von Iran, vom 20. Mai 1970

Ein kennzeichnendes Merkmal der administrativen Ordnung in ihrer gegenwärtigen Form besteht darin, daß Assistenten von Hilfsamtsmitgliedern auch in Geistigen Räten oder Ausschüssen dienen können. Das Universale Haus der Gerechtigkeit schrieb, daß:

"...die Ernennung eines Gläubigen zum Assistenten eines Hilfsamtsmitgliedes nicht den Rücktritt des Ernannten von einem Geistigen Rat oder Ausschuß erfordert. Das Haus der Gerechtigkeit ist mehr dafür, daß sich Assistenten nicht von der administrativen Arbeit zurückziehen, obwohl dies nach Absprache mit ihren Geistigen Räten durchaus in Ordnung sein könnte; es wäre jedoch vorzuziehen, daß der Vorschlag vom Ernannten und nicht vom Geistigen Rat kommt." Aus einem Brief vom 10. November 1975 im Auftrage des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat

Wenn ein Assistent meint, daß er übermäßig stark durch die Anforderung seiner Arbeit als Assistent zuzüglich zu den Diensten, die er als Rats- oder Ausschußmitglied leistet, belastet ist, steht es ihm frei, offen mit dem Hilfsamtsmitglied darüber zu beraten, um festzustellen, ob bei seinen Aufgaben eine gewisse Umverteilung möglich ist, damit sich seine Belastung verringert.

Die Frage der Wahrung der Vertraulichkeit erhebt sich, wenn ein Assistent zugleich Mitglied eines Rates oder Ausschusses ist und erwägen muß, ob oder ob er nicht berechtigt ist, dem Hilfsamtsmitglied Dinge zu berichten, die während der Sitzungen der beratenden Körperschaft aufkommen. Diese Frage wurde dahingehend vom Universale Haus der Gerechtigkeit in seiner Erklärung gelöst:

"Assistenten, die Mitglieder eines Nationalen Rates oder eines nationalen Ausschusses sind, fungieren in Bezug auf diese Körperschaft nicht als Assistenten, und sie haben dieselbe Pflicht wie jedes andere Mitglied auch die Vertraulichkeit der Beratungen und der Angelegenheiten, die vom Rat als vertraulich erachtet werden, zu beachten. Ein Assistent kann natürlich Mitglied eines Örtlichen Geistigen Rates sein, aber seine Aufgabe hier als Assistent ist, dem Geistigen Rat zu helfen, harmonisch und wirkungsvoll bei der Erfüllung seiner Pflichten zu funktionieren, und das wird kaum gelingen, wenn er dem Rat das Gefühl gibt, daß er dem Hilfsamtsmitglied insgeheim alles berichtet, was der Rat tut. Er sollte im Gegenteil alles in seiner Macht stehende tun, um eine Atmosphäre herzlicher und liebevoller Zusammenarbeit zwischen dem Örtlichen Geistigen Rat und dem Hilfsamtsmitglied zu fördern." Aus einem Brief im Auftrage des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Nationalen Geistigen Rat vom 2. August 1982

Der Geist der Einheit und das Ausüben liebevoller Zusammenarbeit wurden vom Universale Haus der Gerechtigkeit wiederholt als wesentliche Erfordernisse für ein erfolgreiches Wirken der Institutionen der administrativen Ordnung hervorgehoben. Die Assistenten der Hilfsamtsmitglieder, die mit Hingabe und Selbstaufopferung am Erfüllen ihrer lebenswichtigen Aufgabe arbeiten, mögen wohl über die Worte des Universalen Hauses der Gerechtigkeit über die tiefe, geistige Auswirkung, die solch eine Einheit zu- standebringt, nachdenken:

"Die Berater, ihre Hilfsämter und ihre Assistenten auf der einen Seite, und die Nationalen und Örtlichen Geistigen Räte mit ihren Ausschüssen auf der anderen, sind alle mächtige Instrumente für die Lehrarbeit. Bei voller Zusammenarbeit zwischen ihnen und beim Durchführen ihrer Unternehmungen im Geist der Einheit werden diese Institutionen reichlich gesegnet und bestätigt werden. Die liebevolle Zusammenarbeit und Hingabe, für die diese Einrichtungen als Beispiel dienen, und der Geist der Einheit, den sie bekunden, wenn sie die Bemühungen der Freunde wirkungsvoll stärken und lenken, werden überreiche geistige Kräfte freisetzen, die der Gesamtheit der Gläubigen, die aufgerufen sind, ihre höchste Dienstbarkeit dem Glauben anzubieten, dem zu dienen sie sich hingegeben haben, Kraft verleihen." Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom Juli 1977 an die Bahá'í, die bei einer Konferenz in Nigeria zusammenkamen Aus einem Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 27.12.1985 an die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter 'Abdu'l-Bahá, aus Wille und Testament in Dokumente des Bündnisses, Bahá´í-Verlag, Hofheim Langenhain 1989, Kapitel I, Abs. 21

KLARE VISIONEN - Teil 1 Heiligkeit Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 1 Heiligkeit 10

KLARE VISIONEN - Teil 1 Betreuung des Einzelnen und der Gemeinde 15

KLARE VISIONEN - Teil 1 Betreuung des Einzelnen und der Gemeinde Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 1 Der Örtliche Geistige Rat - eine neue Schöpfung Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 1 Der Örtliche Geistige Rat - eine neue Schöpfung Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 1 Visionen, Strategien, Aktionen und Dienstergebenheit 27

KLARE VISIONEN - Teil 2 Was alles zum Lehren gehört 31

KLARE VISIONEN - Teil 2 Kleine Lehrprojekte 33

KLARE VISIONEN - Teil 2 Lehrinstitute 38

KLARE VISIONEN - Teil 2 Lehrinstitute 40

KLARE VISIONEN - Teil 2 Sucher einladen, dem Glauben beizutreten 44

KLARE VISIONEN - Teil 3 Über die Jugend 45

KLARE VISIONEN - Teil 3 Über die Jugend Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 4 Über Frauen 59

KLARE VISIONEN - Teil 4 Über Frauen 62

KLARE VISIONEN - Teil 4 Über Frauen Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 5 Über die Kinder 65

KLARE VISIONEN - Teil 5 Über die Kinder Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 6 Über die Fonds des Glaubens 73

KLARE VISIONEN - Teil 6 Über die Fonds des Glaubens Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 7 Die Steigerung der Glaubenskraft des einzelnen Gläubigen 75

KLARE VISIONEN - Teil 7 Die Bedeutung der Entwicklung des menschlichen Potentials 85

KLARE VISIONEN - Teil 7 Die Pflege der korrekten Arbeitsweise der örtl. und nationalen Institutionen 90

KLARE VISIONEN - Teil 7 Die Pflege der korrekten Arbeitsweise der örtl. und nationalen Institutionen Fehler! Textmarke nicht definiert.

KLARE VISIONEN - Teil 8 Die Rolle der Hilfsamtsmitglieder bei der Zusammenarbeit mit Assistenten 95

KLARE VISIONEN - Teil 8 Assistenten der Hilfsamtsmitglieder 100