Neuntes Kapitel
NEUNTES KAPITEL Das vertraulichste Wissen
VERS 1 Der Höchste Herr sprach: Mein lieber Arjuna, weil du Mich niemals beneidest, werde Ich dir diese vertraulichste Weisheit mitteilen, deren Kenntnis dich von den Leiden des materiellen Daseins befreien wird. ERLÄUTERUNG Je mehr ein Gottgeweihter über den Höchsten Herrn hört, desto mehr wird er erleuchtet. Dieser Vorgang des Hörens wird auch im Srimad-Bhagavatam empfohlen: "Die Botschaften von der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind voller Kräfte, und diese Kräfte können erfahren werden, wenn die Gottgeweihten untereinander über den Höchsten Gott sprechen. Dies kann nicht durch die Gemeinschaft gedanklicher Spekulanten oder akademischer Gelehrter erfahren werden, denn es ist verwirklichtes Wissen." Die Gottgeweihten sind ständig im Dienst des Höchsten Herrn beschäftigt. Der Herr versteht die Mentalität und Aufrichtigkeit eines bestimmten Lebewesens, das im Krsna-Bewusstsein tätig ist, und gibt ihm die Intelligenz, die Wissenschaft von Krsna in der Gemeinschaft von Gottgeweihten zu verstehen. Gespräche über Krsna sind sehr mächtig, und wenn ein vom Glück begünstigter Mensch solchen Umgang hat und versucht, dieses Wissen zu verstehen, wird er auf dem Weg zu spiritueller Erkenntnis gewiß Fortschritte machen. Um Arjuna zu immer höherer Erhebung in Seinem mächtigen Dienst zu ermutigen, beschreibt Sri Krsna in diesem Neunten Kapitel Themen, die noch vertraulicher sind als die bereits offenbarten. Der Anfang der Bhagavad-Gita, das Erste Kapitel, ist mehr oder weniger eine Einleitung zum übrigen Teil des Buches. Das im Zweiten und Dritten Kapitel beschriebene spirituelle Wissen wird als vertraulich bezeichnet. Die im Siebten und Achten Kapitel erörterten Themen haben insbesondere mit hingebungsvollem Dienst zu tun, und weil sie zu Erleuchtung im Krsna-Bewusstsein führen, werden sie als noch vertraulicher bezeichnet. Aber die im Neunten Kapitel beschriebenen Dinge handeln von unvermischter, reiner Hingabe, und daher wird es "das vertraulichste Wissen" genannt. Wer im vertraulichsten Wissen von Krsna gründet, ist natürlicherweise transzendental und erleidet daher keine materiellen Qualen mehr, obwohl er sich immer noch in der materiellen Welt befindet. Im Bhakti-rasamrta-sindhu wird gesagt, dass jemand, der den ernsthaften Wunsch hat, dem Höchsten Herrn liebevoll zu dienen, als befreit angesehen werden muss, obwohl er sich noch im bedingten Zustand des materiellen Daseins befindet. In ähnlicher Weise werden wir im Zehnten Kapitel der Bhagavad-Gita lesen, dass jeder, der auf diese Weise tätig ist, eine befreite Seele ist. Der erste Vers dieses Kapitels nun ist von besonderer Bedeutung. Wissen (idaà jÒanam) bezieht sich auf reinen hingebungsvollen Dienst, der aus neun verschiedenen
Tätigkeiten besteht: hören, chanten, sich erinnern, dienen, verehren, beten, gehorchen, Freundschaft schließen und alles hingeben. Wenn man diese neun Elemente hingebungsvollen Dienstes praktiziert, wird man zu spirituellem Bewusstsein oder Krsna-Bewusstsein erhoben. Wenn dann das Herz von der materiellen Verunreinigung befreit ist, kann man die Wissenschaft von Krsna verstehen. Nur zu verstehen, dass ein Lebewesen nicht materiell ist, genügt nicht. Diese Erkenntnis mag der Beginn spiritueller Verwirklichung sein, doch sollte man den Unterschied zwischen Tätigkeiten des Körpers und spirituellen Tätigkeiten erkennen, durch die man versteht, dass man nicht der materielle Körper ist. Im Siebten Kapitel sprachen wir bereits über die vielfältige Macht der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Ihre verschiedenen Energien, die niederen und höheren Naturen und die gesamte materielle Manifestation. Jetzt werden in den Kapiteln Neun und Zehn die Herrlichkeiten des Herrn beschrieben werden. In diesem Vers ist das Sanskritwort anasuyave ebenfalls sehr bedeutsam. Im allgemeinen beneiden die Kommentatoren Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes - auch wenn sie sehr gebildet sind -, und selbst die hervorragendsten Gelehrten kommentieren die Bhagavad-Gita sehr ungenau. Weil sie Krsna beneiden, sind ihre Kommentare wertlos. Nur Kommentare, die von Gottgeweihten verfasst werden, sind autorisiert. Niemand kann die Bhagavad-Gita erklären oder vollkommenes Wissen von Krsna vermitteln, wenn er neidisch ist. Wer Krsnas Charakter kritisiert, ohne Krsna zu kennen, ist ein Narr. Solche Kommentare sollten daher sorgsam vermieden werden. Für den, der versteht, dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes, die reine und transzendentale Persönlichkeit ist, werden diese Kapitel von großem Nutzen sein.
VERS 2 Dieses Wissen ist der König der Bildung und das geheimste aller Geheimnisse. Es ist das reinste Wissen, und weil es durch Erkenntnis eine direkte Erfahrung vom Selbst vermittelt, ist es die Vollkommenheit der Religion. Es ist immerwährend und wird mit Freude praktiziert. ERLÄUTERUNG Dieses Kapitel der Bhagavad-Gita wird „der König der Bildung“ genannt, weil es die Essenz aller zuvor erklärten Lehren und Philosophien ist. Es gibt in Indien sieben Hauptphilosophen: Gautama, Kanada, Kapila, Yajnavalkya, Sandilya, Vaisvanara und schließlich Vyasadeva, den Autor des Vedanta-sutra. Es herrscht also kein Mangel im Bereich von Philosophie oder transzendentalem Wissen. Hier nun sagt der Herr, dass das Neunte Kapitel der König dieses Wissens ist, die Essenz allen Wissens, das durch ein Studium der Veden und verschiedener Arten von Philosophie gewonnen werden kann. Es ist höchst vertraulich, weil vertrauliches oder transzendentales Wissen das Verständnis des Unterschieds zwischen Seele und Körper vermittelt. Und der König allen vertraulichen Wissens gipfelt im hingebungsvollen Dienst. Im Allgemeinen sind die Menschen in diesem vertraulichen Wissen nicht bewandert; sie verfügen nur über äußerliches Wissen. Was gewöhnliche Bildung betrifft, so befassen sich die Leute mit vielen verschiedenen Wissensgebieten: Politik, Soziologie, Physik, Chemie, Mathematik, Astronomie, Ingenieurwesen usw. Überall auf der Welt gibt es sehr viele Wissenszweige und viele große Universitäten, doch unglücklicherweise gibt es keine Universität oder Bildungsstätte, an der die Wissenschaft von der spirituellen Seele gelehrt wird. Die Seele aber ist der wichtigste Teil des Körpers, denn ohne die Gegenwart der Seele ist der Körper wertlos. Trotzdem legen die Menschen großen Wert auf die körperlichen Notwendigkeiten des Lebens und kümmern sich nicht um die lebendige Seele. Die Bhagavad-Gita betont, besonders vom Zweiten Kapitel an, die Wichtigkeit der Seele. Ganz zu Anfang sagt der Herr, dass der Körper vergänglich und dass die Seele unvergänglich ist. Das ist ein vertraulicher Teil des Wissens: einfach zu wissen, dass die spirituelle Seele vom Körper verschieden und dass ihr Wesen unveränderlich, unzerstörbar und ewig ist. Aber das ist noch keine positive Information über die Seele. Manche Menschen sind der Ansicht, die Seele sei vom Körper verschieden und bleibe, wenn der Körper tot oder wenn man vom Körper befreit sei, in einer so genannten Leere und werde unpersönlich. Doch diese Auffassung entspricht nicht der Wirklichkeit. Wie kann die Seele, die schon im Körper so aktiv ist, untätig sein, wenn sie vom Körper befreit ist? Sie ist immer aktiv. Wenn sie ewig ist, dann ist sie auch ewig aktiv. Ihre Tätigkeiten im spirituellen Königreich bilden den vertraulichsten Teil spirituellen Wissens, und deshalb wird hier angedeutet, dass diese Tätigkeiten der spirituellen Seele den König allen Wissens, den vertraulichsten Teil allen Wissens, darstellen. Wie in der vedischen Literatur erklärt wird, ist dieses Wissen die reinste Form aller Tätigkeiten. Im Padma Purana sind die sündigen Handlungen des Menschen analysiert worden, und es heißt dort, dass sie die Folgen von einer Sünde nach der anderen sind. Diejenigen, die fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen, sind in verschiedene Stufen und Formen sündhafter Reaktionen verstrickt. Wenn zum Beispiel der Same eines bestimmten Baumes gesät worden ist, scheint der Baum nicht sogleich zu wachsen; es braucht seine Zeit. Zunächst ist er eine kleine, sprießende Pflanze, dann nimmt er allmählich die Form eines Baumes an, blüht, trägt Früchte, und wenn er herangereift ist, werden die Blüten und Früchte von jenen Menschen genossen, die den Samen des Baumes gesät haben. In ähnlicher Weise verhält es sich, wenn ein Mensch eine sündhafte Handlung begeht - es dauert einige Zeit, bis sie Früchte trägt. Es gibt verschiedene Stufen. Das Individuum mag von den sündhaften Handlungen bereits abgelassen haben, doch die Ergebnisse oder die Frucht dieser sündhaften Handlung werden immer noch genossen. Es gibt Sünden, die noch die Form von Samen haben, und es gibt andere, die bereits reif sind und uns Früchte bescheren, die wir als Leid und Schmerz "genießen", wie im 20. Vers des Siebten Kapitels erklärt wurde. Jemand, der die Reaktionen auf alle sündhaften Tätigkeiten beendet hat, nur noch fromme Werke tut und frei von der Dualität dieser materiellen Welt ist, wird im hingebungsvollen Dienst für die Höchste Persönlichkeit Gottes tätig. Mit anderen Worten: Diejenigen, die sich tatsächlich im hingebungsvollen Dienst des Höchsten Herrn betätigen, sind bereits von allen Reaktionen befreit. Für diejenigen, die im hingebungsvollen Dienst der Höchsten Persönlichkeit Gottes beschäftigt sind, verschwinden allmählich alle sündhaften Reaktionen - seien diese ausgereift, gespeichert oder in Form von Samen vorhanden. Die reinigende Kraft hingebungsvollen Dienstes ist also sehr stark, und daher wird solcher Dienst als pavitram uttamam oder das Reinste bezeichnet. Uttamam bedeutet "transzendental", tamas bedeutet "die materielle Welt" oder "Dunkelheit", und uttamam bedeutet "das, was transzendental zu materiellen Tätigkeiten ist". Hingebungsvolle Tätigkeiten dürfen niemals als materiell angesehen werden, wenngleich es manchmal so scheinen mag, als seien Gottgeweihte wie gewöhnliche Menschen tätig. Wer jedoch zu sehen vermag und sich mit hingebungsvollem Dienst auskennt, wird wissen, dass es sich hier nicht um materielle Tätigkeiten handelt. Sie sind alle spirituell und hingebungsvoll, unverunreinigt durch die materiellen Erscheinungsweisen der Natur. Es heißt, dass die Ausführung hingebungsvollen Dienstes so vollkommen ist, dass man die Ergebnisse unmittelbar wahrnehmen kann. Dieses unmittelbare Ergebnis ist tatsächlich sichtbar, und wir haben die praktische Erfahrung gemacht, dass jeder, der die Heiligen Namens Krsnas chantet (Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare) schon bald transzendentale Freude verspürt und sehr schnell von aller materiellen Verunreinigung frei wird. Dies kann tatsächlich beobachtet werden. Wenn man nicht nur ständig über Krsna hört, sondern darüber hinaus auch versucht, die Botschaft hingebungsvoller Tätigkeiten zu verbreiten, oder wenn man die missionarischen Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins unterstützt, wird man bemerken, dass man allmählich spirituellen Fortschritt macht. Dieser Fortschritt im spirituellen Leben ist von keiner früheren Bildung oder Qualifikation abhängig. Die Methode an sich ist so rein, dass man rein wird, wenn man einfach nach ihr handelt. Im Vedanta-sutra wird dies mit folgenden Worten beschrieben: "Hingebungsvoller Dienst ist so mächtig, dass man ohne jeden Zweifel erleuchtet wird, wenn man einfach die Tätigkeiten des hingebungsvollen Dienstes verrichtet." Narada, der als Sohn einer Dienerin geboren wurde, war weder gebildet noch von hoher Herkunft, doch als seine Mutter großen Gottgeweihten diente, bot sich auch Narada, als seine Mutter gerade fort war, die Gelegenheit, diesen großen Seelen zu dienen. Narada sagt selbst: "Einmal nahm ich mit Erlaubnis der großen Weisen die Überreste ihrer Speisen zu mir, und so wurden alle meine Sünden sofort ausgelöscht. Auf diese Weise wurde ich im Herzen gereinigt, und da begann das Wesen des Transzendentalisten auf mich anziehend zu wirken.“ (SB. 1.5.25) Narada erzählt seinem Schüler Vyasadeva, dass er in seinem letzten Leben während eines viermonatigen Aufenthalts einiger geläuterter Geweihter ihr Dienstjunge war und mit ihnen enge Gemeinschaft hatte. Manchmal ließen diese Weisen Speisereste auf ihren Tellern zurück, und der Knabe, der ihre Teller wusch, wollte die Reste probieren. Er fragte daher die großen Gottgeweihten, ob er sie essen dürfe, und sie gaben ihm ihre Erlaubnis. Narada aß darauf diese Überreste und wurde folglich von allen sündhaften Reaktionen befreit. Als er weiter die Reste ihrer Speisen zu sich nahm, wurde er allmählich ebenso reinen Herzens wie die Weisen und entwickelte allmählich den gleichen Geschmack. Die großen Gottgeweihten kosteten den Geschmack unablässigen hingebungsvollen Dienstes für den Herrn - Hören, Chanten, usw. -, und als Narada den gleichen Geschmack entwickelte, wollte er ebenfalls von der Herrlichkeit des Herrn hören und chanten. So entstand in ihm durch die Gemeinschaft mit den großen Weisen ein starker Wunsch nach hingebungsvollem Dienst. Deshalb zitierte er aus dem Vedanta-sutra: Wenn jemand einfach den Tätigkeiten hingebungsvollen Dienstes nachgeht, wird ihm alles von selbst offenbart, und er kann verstehen. Das nennt man direkte Wahrnehmung. Narada war eigentlich der Sohn einer Dienstmagd. Er hatte keine Gelegenheit, zur Schule zu gehen. Er war einfach seiner Mutter behilflich, und glücklicherweise diente seine Mutter diesen Gottgeweihten. Das Kind Narada bekam ebenfalls die Gelegenheit hierzu und erreichte einfach durch Gemeinschaft mit den Weisen das höchste Ziel aller Religion: hingebungsvollen Dienst. Im Srimad-Bhagavatam heißt es, dass religiöse Menschen im allgemeinen nicht wissen, dass die höchste Vollkommenheit der Religion darin besteht, die Stufe hingebungsvollen Dienstes zu erreichen. Im allgemeinen ist vedisches Wissen notwendig, um den Pfad der Selbsterkenntnis zu verstehen. Aber hier erlangte Narada, obwohl er in den vedischen Prinzipien nicht geschult war, die höchsten Ergebnisse vedischen Studiums. Dieser Vorgang ist so mächtig, dass man die höchste Vollkommenheit erreichen kann, auch ohne den religiösen Vorgang regelmäßig zu praktizieren. Das wird in der vedischen Literatur ebenfalls bestätigt: acaryavan puruso veda. Wer sich in der Gemeinschaft großer acaryas befindet, kann, selbst wenn er nicht gebildet ist oder die Veden nicht studiert hat, mit all dem zur Selbsterkenntnis erforderlichen Wissen vertraut werden. Der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes wird mit Freude praktiziert. Warum? Hingebungsvoller Dienst besteht aus sravanam kirtanam visnoh. Man kann also einfach dem Chanten von der Herrlichkeit des Herrn zuhören, oder man kann von ermächtigten acaryas gehaltene philosophische Vorträge über transzendentales Wissen besuchen. Indem man einfach dasitzt und zuhört, kann man lernen. Sodann kann man die Reste der Speisen, die dem Herrn geopfert wurden (sehr wohlschmeckende Gerichte), essen. In jedem Zustand ist hingebungsvoller Dienst freudvoll. Man kann hingebungsvollen Dienst sogar in den ärmsten Verhältnissen ausführen. Der Herr sagt: patram puspam phalam. Er ist bereit, von dem Gottgeweihten jede Opferung entgegenzunehmen - ganz gleich, was es ist. Selbst ein Blatt, eine Blume, ein Stückchen Frucht oder ein wenig Wasser - was in jedem Teil der Welt erhältlich ist - kann von jedem Menschen, ungeachtet seiner sozialen Stellung, geopfert werden und wird vom Herrn angenommen, wenn es mit Liebe geopfert wird. Es gibt in der Geschichte viele Beispiele hierfür. Nur weil sie die tulasi-Blätter kosteten, die den Lotosfüßen des Herrn geopfert waren, wurden große Weise wie Sanatkumara zu großen Gottgeweihten. Der Vorgang der Hingabe ist also sehr schön und kann mit Freude praktiziert werden. Gott nimmt nur die Liebe, mit der Ihm etwas geopfert wird. Es heißt hier, dass dieser hingebungsvolle Dienst ewig besteht. Es verhält sich nicht so, wie die Mayavadi-Philosophen behaupten. Sie nehmen manchmal sogenannten hingebungsvollen Dienst auf, und solange sie nicht befreit sind, setzen sie ihren hingebungsvollen Dienst fort, doch am Ende, wenn sie Befreiung erlangen, "werden sie eins mit Gott". Solch vorübergehender, zeitweiliger hingebungsvoller Dienst ist nicht als reiner hingebungsvoller Dienst anerkannt. Wirklicher hingebungsvoller Dienst wird selbst nach der Befreiung fortgesetzt. Wenn der Gottgeweihte zu einem der spirituellen Planeten im Königreich Gottes geht, dient er auch dort dem Höchsten Herrn. Er versucht nicht, mit dem Höchsten Herrn eins zu werden. Wie sich zeigen wird, beginnt wahrer hingebungsvoller Dienst erst nach der Befreiung. In der Bhagavad-Gita heißt es: brahma-bhuta. Nachdem man befreit ist, das heißt, nachdem man im Brahman verankert ist, beginnt man mit seinem wirklichen hingebungsvollen Dienst. Indem man hingebungsvollen Dienst ausführt, kann man den Höchsten Herrn verstehen. Niemand kann die Höchste Persönlichkeit Gottes verstehen, indem er karma-yoga, jnana-yoga, astanga-yoga oder irgendeinen anderen yoga unabhängig praktiziert. Ohne auf die Ebene hingebungsvollen Dienstes zu gelangen, kann man nicht verstehen, was die Persönlichkeit Gottes ist. Im Srimad-Bhagavatam wird ebenfalls bestätigt, dass man die Wissenschaft von Krsna oder die Wissenschaft von Gott nur verstehen kann, wenn man durch den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes gereinigt wird - besonders, indem man von selbstverwirklichten Seelen aus dem Srimad-Bhagavatam oder der Bhagavad-Gita hört. "Wenn das Herz von allen unsinnigen Dingen befreit ist, kann man verstehen, was Gott ist." Somit ist der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes bzw. des Krsna-Bewusstseins der König aller Bildung und der König allen vertraulichen Wissens. Er ist die reinste Form der Religion und kann mit Freude und ohne Schwierigkeit praktiziert werden. Deshalb sollte man diese Methode annehmen.
VERS 3 Wer auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes ohne Glauben ist, kann Mich nicht erreichen, o Bezwinger der Feinde, sondern kehrt zu Geburt und Tod in die materielle Welt zurück. ERLÄUTERUNG Die Ungläubigen können diesen Vorgang des hingebungsvollen Dienstes nicht vollenden; das ist die Bedeutung dieses Verses. Vertrauen wird durch die Gemeinschaft mit Gottgeweihten geschaffen. Unselige Menschen haben, selbst nachdem sie alle Beweise der vedischen Literatur von großen Persönlichkeiten vernommen haben, immer noch keinen Glauben an Gott. Sie sind von zögernder Natur und können nicht fest im hingebungsvollen Dienst des Herrn verankert bleiben. Folglich ist Glaube der wichtigste Faktor für den Fortschritt im Krsna-Bewusstsein. Im Caitanya-caritamrta heißt es, dass man fest davon überzeugt sein soll, dass man einfach durch Dienst für den Höchsten Herrn, Sri Krsna, die höchste Vollkommenheit erreichen kann. Das ist wirklicher Glaube. Im Srimad-Bhagavatam (4.31.14) steht geschrieben: "Wenn man die Wurzel eines Baumes bewässert, werden alle Äste, Zweige und Blätter zufrieden, und wenn man den Magen mit Essen versorgt, werden alle Sinne des Körpers zufrieden. In ähnlicher Weise werden alle Halbgötter und alle Lebewesen zufriedengestellt, wenn man sich im transzendentalen Dienst des Höchsten Herrn beschäftigt." Nachdem man die Bhagavad-Gita gelesen hat, sollte man unverzüglich zur Schlussfolgerung der Bhagavad-Gita kommen: Man sollte alle anderen Beschäftigungen aufgeben und den Dienst für den Höchsten Herrn, Krsna, die Persönlichkeit Gottes, aufnehmen. Glaube bedeutet, von dieser Lebensphilosophie überzeugt zu sein, und die Entwicklung dieses Glaubens ist der Vorgang des Krsna-Bewusstseins. Es gibt drei Arten Krsna-bewusster Menschen. Zur dritten Gruppe gehören diejenigen, die keinen Glauben haben. Solange sie nur offiziell im hingebungsvollen Dienst tätig sind und ein verstecktes Ziel verfolgen, können sie die am höchsten vervollkommnete Stufe nicht erreichen. Höchstwahrscheinlich werden sie nach einiger Zeit abrutschen. Sie mögen beschäftigt werden, aber weil es ihnen an völliger Überzeugung und festem Glauben mangelt, fällt es ihnen sehr schwer, Krsna-Bewusstsein fortzusetzen. Wir haben bei der Ausübung unserer missionarischen Tätigkeiten die praktische Erfahrung gemacht, dass sich einige Menschen dem Krsna-Bewusstsein mit einem versteckten Motiv zuwenden und den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes wieder aufgeben, sobald es ihnen wirtschaftlich ein wenig besser geht - sie gehen dann wieder ihre alten Wege. Nur durch Glauben kann man im Krsna-Bewusstsein Fortschritte machen. Was die Entwicklung von Glauben betrifft, so kann man sagen, dass jemand, der in den Schriften des hingebungsvollen Dienstes gut bewandert ist und die Stufe festen Glaubens erreicht hat, ein erstklassiger Mensch im Krsna-Bewusstsein ist. Zur zweiten Gruppe gehören diejenigen, die zwar im Verständnis der Schriften des hingebungsvollen Dienstes nicht sehr fortgeschritten sind, die aber trotzdem von selbst fest daran glauben, dass Krsna-bhakti oder Dienst für Krsna der beste Weg ist, und die ihn deshalb in gutem Glauben angenommen haben. Daher befinden sie sich auf einer höheren Stufe als die drittklassigen Gottgeweihten, die weder über vollkommenes Wissen von den Schriften noch über guten Glauben verfügen, aber durch Gemeinschaft mit Gottgeweihten und Einfachheit zu folgen suchen. Der drittklassige Mensch im Krsna-Bewusstsein mag zu Fall kommen, doch wenn man zur zweiten oder ersten Klasse gehört, kommt man nicht zu Fall. Jemand, der zur ersten Gruppe zählt, wird zweifellos Fortschritte machen und am Ende das Ziel erreichen. Obwohl der drittklassige Mensch im Krsna-Bewusstsein im Innern überzeugt ist, dass hingebungsvoller Dienst für Krsna sehr gut ist, weiß er nichts von Krsna aus den Schriften wie Srimad-Bhagavatam und Bhagavad-Gita. Manchmal neigen diese drittklassigen Geweihten im Krsna-Bewusstsein zu karma-yoga und jnana-yoga, und zuweilen sind sie verwirrt, doch sowie die Infektion von karma-yoga oder jnana-yoga verflogen ist, werden sie zu zweitklassigen oder sogar erstklassigen Geweihten im Krsna-Bewusstsein. Glaube an Krsna wird ebenfalls in drei Stufen unterteilt und im Srimad-Bhagavatam beschrieben. Erstklassige Anhaftung, zweitklassige Anhaftung und drittklassige Anhaftung werden ebenfalls im Srimad-Bhagavatam, im Elften Canto, erklärt. Diejenigen, die keinen Glauben haben - sogar nachdem sie von Krsna und der Vorzüglichkeit des hingebungsvollen Dienstes gehört haben - und die alles nur für Lobpreisung halten, finden diesen Pfad sehr schwierig, auch wenn sie anscheinend im hingebungsvollen Dienst beschäftigt sind. Für sie besteht wenig Hoffnung, die Vollkommenheit zu erreichen. Folglich ist Glaube bei der Ausführung hingebungsvollen Dienstes sehr wichtig.
VERS 4 Von Mir, in Meiner unmanifestierten Form, ist das gesamte Universum durchdrungen. Alle Wesen sind in
Mir, aber Ich bin nicht in ihnen. ERLÄUTERUNG Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist nicht durch die groben materiellen Sinne wahrnehmbar. Es wird gesagt, dass Sri Krsnas Name, Sein Ruhm, Seine Spiele usw. nicht durch materielle Sinne verstanden werden können. Nur jemandem, der unter der richtigen Führung in reinem hingebungsvollem Dienst tätig ist, offenbart Sich der Herr. In der Brahma-sanhita (5.38) heißt es: Man kann die Höchste Persönlichkeit Gottes, Govinda, immer innerhalb und außerhalb seinerselbst sehen, wenn man dem Herrn gegenüber eine transzendentale liebevolle Haltung entwickelt hat. Daher ist Er für die Menschen im allgemeinen nicht sichtbar. Hier wird gesagt, dass Er, obwohl alldurchdringend und überall gegenwärtig, durch die materiellen Sinne nicht wahrnehmbar ist. Aber obwohl wir Ihn nicht sehen können, ruht dennoch alles in Ihm. Wie wir schon im Siebten Kapitel besprochen haben, ist die gesamte materielle kosmische Manifestation nichts als eine Zusammensetzung Seiner beiden verschiedenen Energien: der höheren spirituellen Energie und der niederen materiellen Energie. Wie die Sonnenstrahlen überall im Universum verbreitet sind, so ist die Energie des Herrn über die ganze Schöpfung verbreitet, und alles ruht in dieser Energie. Man sollte jedoch nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass Er Seine persönliche Existenz verloren habe, weil Er überall verbreitet sei. Um ein solches Argument zu widerlegen, sagt der Herr: "Ich bin überall, und alles ist in Mir, aber dennoch bin Ich weit entfernt von allem." Ein König zum Beispiel führt eine Regierung, die nichts anderes als die Manifestation seiner Energie ist; die verschiedenen Regierungsabteilungen sind nichts anderes als die Energien des Königs, und jede Abteilung beruht auf seiner Macht. Aber dennoch kann man nicht erwarten, dass der König in jeder Abteilung persönlich anwesend ist. Das ist ein grobes Beispiel. In ähnlicher Weise beruhen alle Manifestationen, die wir sehen, und alles, was sowohl in der materiellen als auch in der spirituellen Welt existiert, auf der Energie der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Die Schöpfung findet durch die Verbreitung der verschiedenen Energien des Herrn statt, und wie in der Bhagavad-Gita erklärt wird, ist Er überall durch Seine persönliche Repräsentation bzw. die Ausbreitung Seiner verschiedenen Energien gegenwärtig.
VERS 5 Und dennoch ruht alles Erschaffene nicht in Mir. Sieh nur Meinen mystischen Reichtum! Obwohl Ich der Erhalter aller Lebewesen und obwohl Ich allgegenwärtig bin, ist Mein Selbst dennoch der Ursprung der Schöpfung. ERLÄUTERUNG Der Herr sagt, dass alles auf Ihm ruht. Das sollte nicht missverstanden werden. Der Herr kümmert Sich nicht direkt um die Erhaltung und Versorgung dieser materiellen Manifestation. Manchmal sehen wir ein Bild von Atlas, der den Erdball auf seinen Schultern trägt: er scheint vom Tragen des großen Erdplaneten sehr müde zu sein. Eine solche Vorstellung sollte jedoch nicht auf Krsna übertragen werden, der dieses geschaffene Universum aufrechterhält. Krsna sagt, Er sei weit entfernt von allem, obwohl alles auf Ihm ruhe. Die Planetensysteme schweben im Raum, und dieser Raum ist die Energie des Höchsten Herrn. Der Herr aber ist verschieden vom Raum. Er weilt an einem anderen Ort. Deshalb sagt der Herr "Obwohl sich die Lebewesen in Meiner unbegreiflichen Energie befinden, bin Ich dennoch, als die Höchste Persönlichkeit Gottes, jenseits von ihnen." Das ist der unbegreifliche Reichtum des Herrn. Im vedischen Wörterbuch heißt es: "Der Höchste Herr führt unvorstellbar schöne Spiele durch, bei denen Er Seine Energie entfaltet; Seine Person ist von verschiedenen mächtigen Energien erfüllt, und schon Sein Entschluss ist eine Tatsache. So ist die Persönlichkeit Gottes zu verstehen." Wir mögen uns vornehmen, etwas zu tun, aber es gibt so viele Hindernisse, und manchmal ist es uns nicht möglich, so zu handeln, wie wir gern möchten. Doch wenn Krsna etwas tun möchte, geschieht alles - einfach durch Seinen Willen - so vollkommen, dass man sich nicht erklären kann, wie es zustande gekommen ist. Der Herr erklärt diese Tatsache wie folgt: Obwohl Er die gesamte materielle Manifestation erhält und versorgt, berührt Er diese materielle Manifestation nicht. Einfach durch Seinen höchsten Willen wird alles erschaffen, alles versorgt, alles erhalten und alles vernichtet. Da Er das absolute spirituelle Wesen ist, gibt es zwischen Seinem Geist und Ihm Selbst keinen solchen Unterschied, wie er zwischen unserem Selbst und unserem gegenwärtigen materiellen Geist besteht. Der Herr ist gleichzeitig in allem Existierenden gegenwärtig; doch der gewöhnliche Mensch ist nicht fähig zu verstehen, wie Er auch persönlich gegenwärtig sein kann. Obwohl Er von der materiellen Manifestation verschieden ist, ruht doch alles auf Ihm. Dies wird hier als yogam aisvaram erklärt, als die mystische Kraft der Höchsten Persönlichkeit Gottes.
VERS 6 Wisse, wie der mächtige Wind, der überall weht, immer im ätherischen Raum ruht, so ruhen in gleicher Weise alle Wesen in Mir. ERLÄUTERUNG Für den gewöhnlichen Menschen ist es praktisch unbegreiflich, wie die gewaltige materielle Schöpfung in Krsna ruhen kann. Aber der Herr gibt hier ein Beispiel, das uns zu einem Verständnis verhelfen kann: Das Weltall ist die größte Manifestation, die wir uns denken können, und die kosmische Manifestation ruht in diesem Raum. Der Weltraum erlaubt sowohl den Atomen als auch den größten Planeten wie Sonne und Mond, sich zu bewegen. Obwohl der Himmel (oder der Wind oder die Luft) groß ist, befindet er sich dennoch innerhalb des Raums. Raum ist nicht jenseits des Himmels. In ähnlicher Weise existieren all die wunderbaren kosmischen Manifestationen durch den höchsten Willen Gottes, und sie alle sind diesem höchsten Willen untergeordnet. Wie wir im allgemeinen sagen, kann sich nicht einmal ein Grashalm ohne den Willen der Höchsten Persönlichkeit Gottes bewegen. Und so bewegt sich alles nach Seinem Willen: Durch Seinen Willen wird alles erschaffen, alles erhalten und alles vernichtet. Dennoch ist Er von allem entfernt, ebenso wie der Raum immer von den Tätigkeiten der Atmosphäre entfernt ist. In den Upanisaden heißt es: "Der Wind weht aus Furcht vor dem Höchsten Herrn." Und auch in der Garga Upanisad heißt es: "Auf höchsten Befehl und unter der Oberaufsicht der Höchsten Persönlichkeit Gottes bewegen sich der Mond, die Sonne und die großen Planeten." In der Brahma-samhita wird diese Tatsache ebenfalls erklärt. Auch finden wir dort eine Beschreibung der Sonne, und es wird dort gesagt, dass sie als eines der Augen des Höchsten Herrn angesehen wird und über unermessliche Kraft verfügt, um Hitze und Licht zu verbreiten. Dennoch bewegt sie sich auf den Befehl und durch den höchsten Willen Govindas in ihrer vorgeschriebenen Bahn. In der vedischen Literatur finden wir also den Beweis dafür, dass die materielle Manifestation, die uns so wunderbar und groß erscheint, unter der vollständigen Herrschaft der Höchsten Persönlichkeit Gottes steht. Dies wird in den späteren Versen dieses Kapitels noch ausführlicher erklärt werden.
VERS 7 O Sohn Kuntis, am Ende des Zeitalters geht die gesamte materielle Manifestation in Meine Natur ein, und am Anfang des nächsten Zeitalters erschaffe Ich durch Meine Kraft erneut. ERLÄUTERUNG Die Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung der materiellen kosmischen Manifestation ist ganz vom höchsten Willen der Persönlichkeit Gottes abhängig. "Am Ende des Zeitalters" bedeutet zum Zeitpunkt von Brahmas Tod. Brahma lebt einhundert Jahre, und einer seiner Tage entspricht etwa 4 300 000 000 unserer Erdenjahre. Seine Nacht währt ebenso lange. Einer seiner Monate besteht aus dreißig solcher Tage und Nächte und ein Jahr aus zwölf solcher Monate. Nach einhundert solcher Jahre, wenn Brahma stirbt, findet die Zerstörung oder Vernichtung statt; das bedeutet, dass die vom Höchsten Herrn manifestierte Energie wieder in Ihn zurückgezogen wird. Wenn es dann wieder notwendig ist, die kosmische Welt zu manifestieren, geschieht dies durch Seinen Willen: "Obwohl Ich Einer bin, werde Ich zu vielen." So lautet der vedische Aphorismus. Der Höchste Herr erweitert Sich in die materielle Energie, und so findet die gesamte kosmische Manifestation erneut statt.
VERS 8 Die gesamte kosmische Ordnung untersteht Mir. Durch Meinen Willen wird sie immer wieder manifestiert, und durch Meinen Willen wird sie am Ende vernichtet. ERLÄUTERUNG Diese Materie ist die Manifestation der niederen Energie der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das ist bereits mehrfach erklärt worden. Bei der Schöpfung wird die materielle Energie als mahat-tattva freigesetzt, in das der Herr als die erste purusa-Inkarnation, Maha-Visnu, eingeht. Er liegt im Ozean der Ursachen, atmet unzählige Universen aus und geht in jedes Universum als Garbhodakasayi Visnu ein. Auf diese Weise wird jedes Universum erschaffen. Darauf manifestiert Er Sich als Ksirodakasayi Visnu, und dieser Visnu geht in alles ein - selbst in das winzige Atom. Was nun die Lebewesen betrifft, so werden sie in die materielle Natur gezeugt und nehmen als Ergebnis ihrer vergangenen Taten verschiedene Stellungen ein. So beginnt die Aktivität der materiellen Welt. Die Tätigkeiten der verschiedenen Lebensformen beginnen mit dem ersten Augenblick der Schöpfung. Es ist nicht so, dass sich alles evolutionsmäßig entwickelt. Die verschiedenen Lebensformen werden gleichzeitig mit dem Universum geschaffen. Menschen, Säugetiere, Vögel, Insekten usw. - alles wird zur gleichen Zeit geschaffen; denn alle Wünsche, die die Lebewesen bei der letzten Vernichtung hatten, werden erneut manifestiert. Es heißt hier klar, dass die Lebewesen mit diesem Vorgang nichts zu tun haben. Der Seinszustand, in dem sie sich in ihrem letzten Leben in der vergangenen Schöpfung befanden, wird einfach erneut manifestiert, und all dies geschieht einfach durch den Willen des Herrn. Das ist die unbegreifliche Macht der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Und nachdem der Herr die verschiedenen Spezies geschaffen hat, hat Er keine Verbindung mit ihnen. Die Schöpfung findet statt, um den Neigungen der verschiedenen Lebewesen gerecht zu werden, und so wird der Herr nicht in diesen Vorgang verwickelt.
VERS 9 O Dhanaijaya, diese Tätigkeiten können Mich nicht binden. Ich bin immer unberührt, als wäre Ich unbeteiligt. ERLÄUTERUNG Man sollte in diesem Zusammenhang nicht denken, der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, habe keine Beschäftigung. In Seiner spirituellen Welt ist Er immer beschäftigt. In der Brahma-samhita heißt es: "Er geht immer Seinen ewigen, glückseligen spirituellen Tätigkeiten nach, doch Er hat nichts mit den Tätigkeiten der materiellen Welt zu tun." Materielle Tätigkeiten werden von Seinen verschiedenen Kräften ausgeführt. Der Herr verhält sich immer neutral zu den materiellen Tätigkeiten der geschaffenen Welt. Diese Neutralität wird hier erklärt. Obwohl Er jedes winzige Teilchen der Materie beherrscht, verhält Er Sich dennoch neutral. Man kann hier das Beispiel eines Oberrichters anführen, der auf seinem Richterstuhl sitzt. Auf seinen Befehl geschehen so viele Dinge: Jemand wird gehängt; ein anderer wird ins Gefängnis geworfen, und wieder einem anderen wird eine riesige Geldsumme zugesprochen - aber dennoch ist der Richter neutral. Er hat mit solchem Gewinn und Verlust nichts zu tun. In ähnlicher Weise ist der Herr immer neutral, obwohl Sein Einfluss sich auf jeden Tätigkeitsbereich erstreckt. Im Vedanta-sutra wird gesagt, dass Er Sich nicht innerhalb der Dualitäten dieser materiellen Welt befindet. Er steht in transzendentaler Stellung zu diesen Dualitäten. Auch wird Er von der Schöpfung und Vernichtung der materiellen Welt nicht berührt. Die Lebewesen nehmen ihren Neigungen entsprechend verschiedene Formen in den vielfachen Arten des Lebens an, doch der Herr mischt Sich da nicht ein.
VERS 10 Die materielle Natur arbeitet unter Meiner Führung, o Sohn Kuntis, und bringt alle sich bewegenden und sich nicht bewegenden Wesen hervor. Nach ihrem Gesetz wird diese Manifestation immer wieder geschaffen und immer wieder aufgelöst. ERLÄUTERUNG Hier wird klar gesagt, dass der Höchste Herr der höchste Lenker ist, obgleich Er allen Tätigkeiten der materiellen Welt fern ist. Der Höchste Herr ist der höchste Wille und der Hintergrund der materiellen Manifestation: doch die Verwaltung untersteht der materiellen Natur. Krsna sagt in
der Bhagavad-Gita auch, dass Er der Vater aller Lebewesen in den verschiedenen Formen und Arten ist. Der Vater gibt den Samen in den Schoß der Mutter. um ein Kind zu zeugen, und in ähnlicher Weise zeugt der Höchste Herr durch Seinen bloßen Blick die Lebewesen in den Schoß der materiellen Natur, aus dem sie, ihren letzten Wünschen und Tätigkeiten entsprechend, in verschiedenen Formen und Arten hervorkommen. Obwohl all diese Lebewesen unter dem Blick des Höchsten geboren werden, nehmen sie ihren vergangenen Taten und Wünschen gemäß verschiedene Körper an. Der Herr ist also nicht direkt mit der materiellen Welt verbunden. Er blickt nur über die materielle Natur; die materielle Natur wird so aktiviert, und alles wird augenblicklich geschaffen. Da der Höchste Herr über die materielle Natur blickt, gibt es zweifellos auch von Seiner Seite aus Aktivität, doch hat Er mit der Manifestation der materiellen Welt direkt nichts zu tun. Dazu wird in der smrti folgendes Beispiel gegeben: Wenn jemand eine Blume vor sich stehen hat, kann er ihren Duft mit seinem Geruchssinn wahrnehmen, und doch haben das Riechen und die Blume nichts miteinander zu tun. Eine ähnliche Verbindung besteht zwischen der materiellen Welt und der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Eigentlich hat der Herr mit der materiellen Welt nichts zu tun, doch erscheint Er durch Seinen Blick und lenkt alles. Zusammenfassend kann man sagen, dass die materielle Natur ohne die Oberaufsicht der Höchsten Persönlichkeit Gottes nicht imstande ist, in irgendeiner Weise tätig zu sein. Aber dennoch ist die Höchste Persönlichkeit von allen materiellen Tätigkeiten losgelöst.
VERS 11 Toren verspotten Mich, wenn Ich in der menschlichen Gestalt erscheine. Sie kennen nicht Mein transzendentales Wesen und Meine höchste Herrschaft über alles Existierende. ERLÄUTERUNG Aus den anderen Erklärungen der vorangegangenen Verse in diesem Kapitel wird klar, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes kein gewöhnlicher Mensch ist, obwohl der Herr wie ein menschliches Wesen erscheint. Die Persönlichkeit Gottes, die die Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung der gesamten kosmischen Manifestation leitet, kann kein gewöhnlicher Mensch sein. Dennoch gibt es viele törichte Menschen, die glauben, Krsna sei bloß ein mächtiger Mensch, und nicht mehr. In Wirklichkeit aber ist Er die ursprüngliche Höchste Persönlichkeit, wie auch in der Brahma-samhita bestätigt wird Krsna ist der Höchste Herr.
Es gibt viele isvaras oder Herrscher, von denen einer größer zu sein scheint als der andere. Bei gewöhnlichen Verwaltungsangelegenheiten in der materiellen Welt zum Beispiel wird ein Beamter oder Direktor von einem Sekretär kontrolliert, dieser von einem Minister und dieser wiederum von einem Präsidenten. Jeder von ihnen ist ein Kontrollierender, doch der eine wird vom anderen kontrolliert. In der Brahma-sahita wird gesagt, dass Krsna der höchste Kontrollierende ist. Sowohl in der materiellen als auch in der spirituellen Welt gibt es zweifellos viele Herrscher, doch Krsna ist der höchste Herrscher, und Sein Körper ist sac-cid-ananda, nicht materiell. Materielle Körper können nicht solch wunderbare Taten vollbringen, wie sie in den vorangegangenen Versen beschrieben wurden. Der Körper Krsnas ist ewig, glückselig und voller Wissen. Doch obwohl Er kein gewöhnlicher Mensch ist, verspotten Ihn die Toren und halten Ihn für einen der Ihren. Sein Körper wird hier als manusim bezeichnet, weil Er genauso handelt wie ein Mensch, ein Freund Arjunas, ein Politiker, der in die Schlacht von Kuruksetra verwickelt ist. In so vieler Hinsicht handelt Er genauso wie ein gewöhnlicher Mensch, doch im Grunde ist Sein Körper sac-cid-ananda-vigraha - ewige Glückseligkeit und absolutes Wissen. Dies wird auch in den vedischen Schriften bestätigt: sac-cid-ananda-rôpaya Krsnaya. "Ich erweise meine Ehrerbietungen Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, der die ewig glückselige Gestalt voller Wissen ist." Eine andere Beschreibung in den Veden lautet: tam ekam govindam. "Du bist Govinda, die Freude der Sinne und der Kühe." Und weiter: sac-cid-ananda-vigraham. "Und Deine Gestalt ist transzendental, voller Wissen, Glückseligkeit und Ewigkeit." Trotz der transzendentalen Eigenschaften von Sri Krsnas Körper, Seiner vollkommenen Glückseligkeit und Seines vollendeten Wissens gibt es viele sogenannte Gelehrte und Kommentatoren der Bhagavad-Gita, die Krsna als einen gewöhnlichen Menschen verspotten. Der Gelehrte mag dank vergangener guter Taten als außergewöhnlicher Mensch geboren worden sein, doch eine solche Vorstellung von Krsna zeugt von geringem Wissen. Deshalb bezeichnet man ihn als mudha (Esel), denn nur törichte Menschen halten Krsna für ein gewöhnliches menschliches Wesen, 193
weil sie die vertraulichen Taten des Herrn und Seiner verschiedenen Energien nicht kennen. Sie wissen nicht, dass Krsnas Körper das Symbol vollständigen Wissens und vollkommener Glückseligkeit ist und dass Er der Besitzer alles Existierenden ist und jedem Befreiung gewähren kann. Weil sie nicht wissen, dass Krsna so viele transzendentale Eigenschaften in Sich birgt, verspotten sie Ihn. Auch wissen sie nicht, dass das Erscheinen der Höchsten Persönlichkeit Gottes in der materiellen Welt eine Manifestation Ihrer inneren Energie ist. Krsna ist der Herr der materiellen Energie, und wie bereits mehrfach erklärt wurde (mama maya duratyaya), sagt Er, dass die materielle Energie, obwohl sehr mächtig, unter Seiner Aufsicht steht, und dass jeder, der sich Ihm ergibt, dem Einfluss dieser materiellen Energie entkommen kann. Wenn eine Seele, die sich Krsna ergeben hat, dem Einfluss der materiellen Energie entgehen kann, wie kann dann der Höchste Herr, der die Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung der gesamten kosmischen Natur leitet, einen materiellen Körper wie wir haben? Diese Vorstellung von Krsna ist also einfach Torheit. Verblendete Menschen können sich indes nicht vorstellen, dass Krsna, die Persönlichkeit Gottes, der wie ein gewöhnlicher Mensch erscheint, alle Atome und die gigantische Manifestation der universalen Form beherrschen kann. Das Größte und das Kleinste befinden sich jenseits ihres Vorstellungsvermögens, und folglich können sie nicht begreifen, dass eine Form wie die eines Menschen gleichzeitig das Unendliche und das Winzige beherrschen kann. Obwohl Er das Unbegrenzte und das Begrenzte lenkt, ist Er in Wirklichkeit von all diesen Manifestationen weit entfernt. Im Zusammenhang mit Seiner yogam aisvaram, Seiner unbegreiflichen transzendentalen Energie, wird eindeutig gesagt, dass Er das Unbegrenzte und das Begrenzte gleichzeitig beherrschen und dennoch davon unberührt bleiben kann. Wenngleich sich die Toren nicht vorstellen können, wie Krsna, der geradeso wie ein menschliches Wesen erscheint, das Unbegrenzte und das Begrenzte beherrschen kann, akzeptieren die reinen Gottgeweihten dies, denn sie wissen, dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Deshalb ergeben sie sich Ihm völlig und beschäftigen sich im Krsna-Bewusstsein, im hingebungsvollen Dienst des Herrn. Zwischen den Unpersönlichkeitsanhängern und den Persönlichkeitsanhängern gibt es viele Meinungsverschiedenheiten über das Erscheinen des Herrn als menschliches Wesen. Wenn wir aber die Bhagavad-Gita und das Srimad-Bhagavatam zu Rate ziehen, jene autoritativen Texte, die uns die Wissenschaft von Krsna vermitteln, können wir begreifen, dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Er ist kein gewöhnlicher Mensch, obwohl Er auf der Erde wie ein gewöhnlicher Mensch
erschien. Im Srimad-Bhagavatam, im Ersten Kapitel des Ersten Canto, wird als Antwort auf die Frage der Weisen nach den Taten Krsnas gesagt, dass Sein Erscheinen als Mensch die Toren verwirrt. Kein Mensch könnte die wunderbaren Taten vollbringen, die Krsna vollbrachte, als Er auf der Erde gegenwärtig war. Als Krsna vor Seinem Vater und Seiner Mutter, Vasudeva und Devaki, erschien, zeigte Er Sich ihnen mit vier Händen, doch nach den Gebeten Seiner Eltern verwandelte Er Sich dem Aussehen nach in ein gewöhnliches Kind. Sein Erscheinen als gewöhnlicher Mensch ist einer der Aspekte Seines transzendentalen Körpers. Im Elften Kapitel der Bhagavad-Gita heißt es hierzu: tenaiva rupena usw. Arjuna betete, es möge ihm noch einmal vergönnt sein, jene vierhändige Form zu sehen, und als Krsna so von Arjuna gebeten wurde, nahm Er wieder Seine ursprüngliche Gestalt an. All diese verschiedenen Aspekte des Höchsten Herrn sind gewiss nicht die eines gewöhnlichen Menschen. Einige von denen, die Krsna verspotten, da sie von der Mayavadi-Philosophie infiziert sind, zitieren den folgenden Vers aus dem Srimad-Bhagavatam (3.29.21), um zu beweisen, dass Krsna nur ein gewöhnlicher Mensch ist: "Der Höchste ist in jedem Lebewesen gegenwärtig." Wir sollten diesen Vers jedoch lieber von Vaisnava-acaryas wie Jiva Gosvami verstehen, als uns an Interpretationen unautorisierter Kommentatoren zu halten, die Krsna verspotten. Jiva Gosvami sagt in seinem Kommentar zu diesem Vers, dass Krsna in Seiner vollständigen Erweiterung als Paramatma in den sich bewegenden und sich nicht bewegenden Wesen als Überseele weilt. Jeder neue Gottgeweihte also, der nur der arca-murti (der Form des Höchsten Herrn im Tempel) seine Aufmerksamkeit schenkt und andere Lebewesen nicht achtet, verehrt die Form des Herrn im Tempel vergeblich. Es gibt drei Arten von Geweihten des Herrn, und der Neuling befindet sich auf der untersten Stufe. Der neue Gottgeweihte schenkt der Bildgestalt des Herrn im Tempel mehr Aufmerksamkeit als den anderen Gottgeweihten; deshalb fordert Jiva Gosvami dazu auf, dass diese Einstellung berichtigt werden sollte. Ein Gottgeweihter sollte sehen, dass Krsna im Herzen eines jeden als Paramatma gegenwärtig ist; daher ist jeder Körper die Verkörperung oder der Tempel des Höchsten Herrn, und folglich sollte man, ebenso wie man dem Tempel des Herrn Achtung erweist, jeden Körper, in dem der Paramatma weilt, in rechter Weise achten. Jedem sollte also der angemessene Respekt erwiesen und niemand sollte missachtet werden. Es gibt auch viele Unpersönlichkeitsanhänger, die über Tempelverehrung spotten. Sie sagen: Wenn Gott überall ist, warum soll man sich auf die Verehrung im Tempel beschränken? Aber wenn Gott überall ist, ist Er dann nicht auch im Tempel oder in der Bildgestalt? Obwohl sich die Persönlichkeits- und die Unpersönlichkeitsanhänger aus diesem Grund fortwährend bekämpfen werden, weiß ein vollkommener Gottgeweihter im Krsna-Bewusstsein, dass Krsna, obwohl die Höchste Persönlichkeit, alldurchdringend ist, was die Brahma-samhita bestätigt. Obwohl Sein persönliches Reich Goloka Vrndavana ist und Er immer dort bleibt, ist Er dennoch, durch Seine verschiedenen Energiemanifestationen und durch Seine vollständigen Erweiterungen, überall in allen Teilen der materiellen und spirituellen Schöpfung gegenwärtig.
VERS 12 Diejenigen, die so verwirrt sind, werden von dämonischen und atheistischen Auffassungen angezogen. In diesem verblendeten Zustand werden ihre Hoffnungen auf Befreiung, ihre fruchtbringenden Tätigkeiten und ihr Wissen, das sie entwickelt haben, allesamt zunichte gemacht. ERLÄUTERUNG Es gibt viele Gottgeweihte, die sich selbst für Krsna-bewusst halten und glauben, in Hingabe zu dienen, während sie in ihrem Herzen die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, nicht annehmen. Sie werden die Frucht des hingebungsvollen Dienstes - die Rückkehr zu Gott - auf keinen Fall kosten. In ähnlicher Weise werden auch diejenigen, die fruchtbringenden, frommen Tätigkeiten nachgehen und letztlich hoffen, von der materiellen Verstrickung befreit zu werden, niemals erfolgreich sein, da sie die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, missachten. Mit anderen Worten: Menschen, die Krsna nicht achten, müssen als dämonisch oder atheistisch angesehen werden. Wie im Siebten Kapitel der Bhagavad-Gita beschrieben wird, ergeben sich solche dämonischen Schurken Krsna niemals. Ihre gedanklichen Spekulationen, mit deren Hilfe sie die Absolute Wahrheit erreichen wollen, führen sie vielmehr zu der falschen Schlussfolgerung, dass das gewöhnliche Lebewesen und Krsna ein und dasselbe seien. Mit dieser falschen Überzeugung glauben sie, der Körper eines Menschen sei jetzt einfach von der materiellen Natur bedeckt, und sobald man von diesem materiellen Körper befreit sei, gebe es keinen Unterschied mehr zwischen Gott und einem selbst. Dieser Versuch, mit Krsna eins zu werden, wird scheitern, da er auf Verblendung beruht. Solch eine atheistische und dämonische Kultivierung spirituellen Wissens ist stets vergebens. Das ist es, was mit diesem Vers angedeutet werden soll. Der Versuch solcher Menschen, mit Hilfe der vedischen Literatur wie des Vedanta-sutra und der Upanisaden Wissen zu kultivieren, ist immer zum Scheitern verurteilt. Es ist daher ein schweres Vergehen, Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, für einen gewöhnlichen Menschen zu halten. Diejenigen, die so denken, sind zweifellos verblendet, denn sie können die ewige Gestalt Krsnas nicht verstehen. Im Brhad-vaisnava-mantra heißt es eindeutig, dass jemand, der den Körper Krsnas für materiell hält, von allen Ritualen und Handlungen der sruti ausgeschlossen werden sollte. Und wenn man zufällig sein Gesicht sieht, sollte man sofort ein Bad in der Ganga nehmen, um sich von dieser Infektion zu befreien. Die Menschen verspotten Krsna, weil sie die Höchste Persönlichkeit Gottes beneiden. Ihr Schicksal ist es ohne Zweifel, immer wieder in den atheistischen und dämonischen Lebensarten geboren zu werden. Fortgesetzt wird ihr wirkliches Wissen von Täuschung verschleiert bleiben, und so werden sie sich allmählich in den finstersten Bereich der Schöpfung zurückbewegen.
VERS 13 O Sohn Prthas, diejenigen, die nicht verblendet sind, die großen Seelen, stehen unter dem Schutz der göttlichen Natur. Sie sind vollständig im hingebungsvollen Dienst beschäftigt, da sie Mich als die Höchste Persönlichkeit Gottes kennen, die ursprünglich und unerschöpflich ist. ERLÄUTERUNG In diesem Vers findet man die klare Beschreibung eines mahatma. Das erste Kennzeichen eines mahatma besteht darin, dass er in der göttlichen Natur bereits verankert ist. Er steht nicht unter der Herrschaft der materiellen Natur. Und wie ist dies bewirkt worden? Das wird im Siebten Kapitel erklärt: "Wer sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, ergibt, wird sogleich von der Herrschaft der materiellen Welt befreit." Das ist die Qualifikation. Man kann von der Herrschaft der materiellen Natur frei werden, sobald man seine Seele der Höchsten Persönlichkeit Gottes weiht. Das ist die erste Voraussetzung. Weil das Lebewesen marginale Kraft ist, wird es, sobald es von der Herrschaft der materiellen Energie befreit ist, unter die Führung der spirituellen Natur gestellt. Die Führung der spirituellen Natur wird daivià prakrtim oder göttliche Natur genannt. Wenn man also auf diese Weise - durch Hingabe an die Höchste Persönlichkeit Gottes - erhoben wird, erreicht man die Stufe der großen Seele, des mahatma. Der mahatma lenkt seine Aufmerksamkeit auf nichts anderes als Krsna, da er wohl weiß, dass Krsna die ursprüngliche Höchste Person ist, die Ursache aller Ursachen. Darüber besteht kein Zweifel. Solch ein mahatma, eine große Seele, entwickelt sich durch das Zusammensein mit anderen mahatmas oder reinen Gottgeweihten. Reine Gottgeweihte fühlen sich nicht einmal zu Krsnas anderen Aspekten wie dem vierarmigen Maha-Visnu hingezogen. Weil sie keine Anziehung zu den anderen Aspekten Krsnas (geschweige denn zu den Halbgöttern) verspüren, sind ihnen die Halbgötter und menschlichen Wesen nicht so wichtig. Sie meditieren nur über Krsna im Krsna-Bewusstsein. Sie sind ständig im unerschütterlichen Dienst des Herrn, im Krsna-Bewusstsein, beschäftigt.
VERS 14 Ohne Unterlass preisen sie Meine Herrlichkeit, bemühen sich mit großer Entschlossenheit und verneigen sich vor Mir. So verehren Mich die großen Seelen unaufhörlich mit Hingabe. ERLÄUTERUNG Einen mahatma kann man nicht fabrizieren, indem man irgendeinen gewöhnlichen Menschen dazu ernennt. Die Merkmale eines mahatma werden hier beschrieben: Er chantet ständig von der Herrlichkeit des Höchsten Herrn Sri Krsna, der Persönlichkeit Gottes. Er hat nichts anderes zu tun. Mit anderen Worten: Er ist kein Unpersönlichkeitsanhänger. Was Lobpreisung betrifft, so muss man den Höchsten Herrn preisen, indem man Seinen Heiligen Namen, Seine ewige Gestalt, Seine transzendentalen Eigenschaften und Seine ungewöhnlichen Spiele rühmt. All dies sollte man ruhmpreisen, und daher hängt ein mahatma an der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Wer sich zum unpersönlichen Aspekt des Höchsten Herrn, dem brahmajyoti, hingezogen fühlt, wird in der Bhagavad-Gita nicht als mahatma beschrieben. Er wird im nächsten Vers in anderer Weise beschrieben. Der mahatma ist immer mit verschiedenen Tätigkeiten hingebungsvollen Dienstes beschäftigt, wie sie im Srimad-Bhagavatam beschrieben werden, zum Beispiel hört und chantet er über Visnu, nicht über einen Halbgott oder Menschen. Das ist Hingabe. Solch ein mahatma ist fest entschlossen, letztlich die Gemeinschaft des Höchsten Herrn in einem der fünf transzendentalen rasas zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt er alle Tätigkeiten - geistige, körperliche und sprachliche - in den Dienst des Höchsten Herrn, Sri Krsnas. Das nennt man vollständiges Krsna-Bewusstsein. Im hingebungsvollen Dienst gibt es gewisse Tätigkeiten, die festgelegt worden sind - zum Beispiel das Fasten an bestimmten Tagen, wie dem elften Tag nach Voll- oder Neumond (Ekadasi) und dem Erscheinungstag des Herrn. All diese Regeln und Regulierungen werden von den großen acaryas denen empfohlen, die tatsächlich daran interessiert sind, in die Gemeinschaft der Höchsten Persönlichkeit Gottes in der transzendentalen Welt aufgenommen zu werden. Die mahatmas oder großen Seelen halten sich streng an diese Regeln und Vorschriften, und deshalb ist es sicher, dass sie das gewünschte Ergebnis erreichen. Wie im zweiten Vers dieses Kapitels beschrieben wird, ist hingebungsvoller Dienst nicht nur einfach, sondern kann auch in einer freudigen Stimmung ausgeführt werden. Man braucht sich keine strenge tapasya aufzuerlegen. Man kann sein Leben im hingebungsvollen Dienst unter der Anleitung eines erfahrenen spirituellen Meisters in jeder Position führen - ob als Haushälter oder als sannyasi oder als brahmacari -, in jeder Position und überall auf der Welt kann man hingebungsvollen Dienst für die Höchste Persönlichkeit Gottes ausführen und so tatsächlich ein mahatma, eine große Seele, werden.
VERS 15 Andere, die mit der Kultivierung von Wissen beschäftigt sind, verehren den Höchsten Herrn als den Einen ohne einen Zweiten, aufgeteilt in viele, und in der universalen Form. ERLÄUTERUNG Dieser Vers ist die Zusammenfassung der vorangegangenen Verse. Der Herr teilt Arjuna mit, dass diejenigen, die rein Krsna-bewusst sind und nichts anderes als Krsna kennen, mahatma genannt werden; es gibt jedoch noch andere Menschen, die zwar nicht unbedingt die Stellung eines mahatma einnehmen, die aber Krsna auf andere Art verehren. Einige von ihnen wurden bereits beschrieben als die Notleidenden, die Mittellosen, die Neugierigen und diejenigen, die Wissen kultivieren. Aber es gibt andere, die auf einer noch tieferen Stufe stehen, und diese werden in drei Gruppen unterteilt: (1) derjenige, der sich selbst als eins mit dem Höchsten Herrn verehrt, (2) derjenige, der sich eine Form des Höchsten Herrn ausdenkt und sie verehrt und (3) derjenige, der die universale Form, die visva-rupa der Höchsten Persönlichkeit Gottes, anerkennt und verehrt. Von diesen dreien sind die Niedrigsten, die sich selbst als Höchsten Herrn verehren und sich als Monisten bezeichnen, am häufigsten vertreten. Solche Menschen halten sich für den Höchsten Herrn, und in diesem Bewusstsein verehren sie sich selbst. Auch das ist eine Form der Gottesverehrung, denn diese Menschen können verstehen, dass sie nicht der materielle Körper, sondern eigentlich spirituelle Seele sind; zumindest ist dieses Bewusstsein vorherrschend. Im allgemeinen verehren die Unpersönlichkeitsanhänger den Höchsten Herrn auf diese Weise. Zur zweiten Gruppe gehören die Verehrer der Halbgötter oder diejenigen, die gemäß ihrer Vorstellung eine beliebige Form als die Gestalt des Höchsten Herrn ansehen. Und zur dritten Gruppe zählen diejenigen, die sich nichts außerhalb der Manifestation des materiellen Universums vorstellen können. Sie betrachten das Universum als den höchsten Organismus oder die höchste Wesenheit und verehren es daher. Das Universum ist ebenfalls eine Form des Herrn.
VERS 16 Aber Ich bin es, der das Ritual ist; Ich bin das Opfer, die Opferung an die Vorväter, das Heilkraut und der transzendentale mantra. Ich bin die Butter, das Feuer und die Opferung. ERLÄUTERUNG Das als jyotistoma bekannte Opfer ist ebenfalls Krsna, und Er ist auch der maha-yajna. Die Opfergaben, die dem Pitçloka dargebracht werden, das heißt das Opfer zur Erfreuung des Pitçloka, sind eine Droge in Form von gereinigter Butter und repräsentieren auch Krsna. Auch die mantras, die in diesem Zusammenhang gechantet werden, sind Krsna. Und viele andere Dinge, die mit Milchprodukten zubereitet werden und dafür bestimmt sind, im Opfer dargebracht zu werden, sind ebenfalls Krsna. Das Feuer ist auch Krsna, denn Feuer ist eines der fünf materiellen Elemente und zählt daher zu Krsnas abgesonderter Energie. Mit anderen Worten: Die im karma-kanda-Teil der Veden empfohlenen vedischen Opfer sind in ihrer Gesamtheit ebenfalls Krsna. Oder, anders ausgedrückt, von denen, die im hingebungsvonen Dienst Krsnas tätig sind, kann man sagen, dass sie alle Opfer ausgeführt haben, die in den Veden empfohlen werden.
VERS 17 Ich bin der Vater des Universums, die Mutter, der Erhalter und der Ahnherr. Ich bin der Gegenstand des Wissens, der Läuternde und die Silbe om. Ich bin auch der Rg-, der Sama- und der Yajur-Veda. ERLÄUTERUNG Alle kosmischen Manifestationen, sowohl die sich bewegenden als auch die sich nicht bewegenden, werden durch verschiedene Tätigkeiten der Energie Krsnas manifestiert. Im materiellen Dasein schaffen wir verschiedene Beziehungen zu verschiedenen Lebewesen, die nichts anderes sind als Krsnas marginale Energie, doch durch die Schöpfung der prakrti erscheinen manche von ihnen als unser Vater, unsere Mutter, unser Großvater usw., während sie im Grunde nichts anderes als winzige Teile Krsnas sind. Folglich sind diese Lebewesen, die unser Vater, unsere Mutter usw. zu sein scheinen, nichts anderes als Krsna. In diesem Vers bedeutet das Wort dhata "Schöpfer". Nicht nur sind unser Vater und unsere Mutter Bestandteile Krsnas, sondern auch ihre Erzeuger, Großvater und Großmutter. Eigentlich ist jedes Lebewesen - als Bestandteil Krsnas - ebenfalls Krsna. Alle Veden haben daher nur Krsna zum Ziel. Was immer wir durch die Veden erfahren möchten, ist ein Schritt auf Krsna zu. Das Thema, das uns hilft, unsere wesensgemäße Stellung zu läutern, ist besonders Krsna. In ähnlicher Weise ist das Lebewesen, das bestrebt ist, alle vedischen Prinzipien zu verstehen, ein Bestandteil Krsnas und als solches ebenfalls Krsna. In allen vedischen mantras ist das Wort om, das pranava genannt wird, eine transzendentale Klangschwingung und repräsentiert Krsna. Und weil in allen Hymnen der vier Veden (Sama, Yajur, ¨g und Atharva) das pranava oder omkara sehr häufig vorkommt, gelten diese ebenfalls als Krsna.
VERS 18 Ich bin das Ziel, der Erhalter, der Meister, der Zeuge, das Reich, die Zuflucht und der liebste Freund. Ich bin die Schöpfung und die Vernichtung, die Grundlage aller Dinge, der Ruheort und der ewige Same. ERLÄUTERUNG Gati bedeutet den Bestimmungsort, den wir erreichen möchten. Das Endziel aber ist Krsna, wenngleich die meisten Menschen dies nicht wissen. Wer Krsna nicht kennt, ist irregeführt, und sein sogenannter Fortschritt ist entweder unvollständig oder eine Halluzination. Es gibt viele Menschen, die verschiedene Halbgötter zu ihrem Ziel machen, und durch die entschlossene Ausführung der strengen jeweiligen Methoden erreichen sie verschiedene Planeten wie Candraloka, Suryaloka, Indraloka, Maharloka usw. Da all diese lokas oder Planeten Schöpfungen Krsnas sind, sind sie gleichzeitig Krsna und nicht Krsna. Tatsächlich sind solche Planeten, da sie Manifestationen der Energie Krsnas sind, ebenfalls Krsna, doch eigentlich dienen sie nur als ein Schritt vorwärts auf die Erkenntnis Krsnas zu. Sich den verschiedenen Energien Krsnas zuzuwenden bedeutet, sich Krsna indirekt zu nähern. Man sollte sich Krsna jedoch direkt nähern, denn so kann man Zeit und Energie sparen. Wenn es zum Beispiel möglich ist, die Spitze eines Gebäudes mit dem Fahrstuhl zu erreichen, warum soll man Schritt für Schritt die Treppe hinaufsteigen? Alles ruht auf Krsnas Energie; daher kann ohne Krsnas Schutz nichts existieren. Krsna ist der höchste Herrscher, weil alles Ihm gehört und alles dank Seiner Energie existiert. Da Krsna im Herzen eines jeden weilt, ist Er der höchste Zeuge. Die Wohnorte, Länder und Planeten, die wir bevölkern, sind ebenfalls Krsna. Krsna ist das endgültige Ziel aller Zuflucht, und daher sollte man in beiden Fällen - sei es zum Schutz oder zur Beendigung des leidvollen Zustandes - bei Krsna Zuflucht suchen. Wann immer wir Zuflucht nehmen müssen, sollten wir wissen, dass unser Schutz eine lebendige Kraft sein muss. Somit ist Krsna das höchste Lebewesen. Da Krsna die Quelle unserer Erzeugung oder der höchste Vater ist, kann niemand ein besserer Freund sein als Krsna, und es kann niemand geben, der wohlmeinender ist. Krsna ist die ursprüngliche Quelle der Schöpfung und der letztliche Ruheort nach der Vernichtung. Krsna ist daher die ewige Ursache aller Ursachen.
VERS 19 O Arjuna, Ich sorge für Hitze, Regen und Dürre. Ich bin die Unsterblichkeit, und Ich bin auch der personifizierte Tod. Sowohl Sein als auch Nichtsein sind in Mir. ERLÄUTERUNG Krsna verteilt durch Seine verschiedenen Energien - mit Hilfe von Elektrizität und Sonne - Hitze und Licht. Während des Sommers ist es Krsna, der verhindert, dass Regen vom Himmel fällt, und Er ist es auch, der während der Regenzeit den Regen unaufhörlich strömen läßt. Die Energie, die uns erhält, indem sie die Dauer unseres Lebens verlängert, ist Krsna, und Krsna begegnet uns am Ende des Lebens als der Tod. Wenn man all diese verschiedenen Energien Krsnas analysiert, kann man feststellen, dass es für Krsna keinen Unterschied zwischen Materie und spiritueller Natur gibt, oder genauer gesagt, Er ist sowohl Materie als auch spirituelle Natur. Auf der fortgeschrittenen Stufe des Krsna-Bewusstseins macht man daher keine solchen Unterschiede mehr. Man sieht nur Krsna in allen Dingen. Da Krsna sowohl Materie als auch spirituelle Natur ist, ist die gigantische universale Form, die alle materiellen Manifestationen beinhaltet, ebenfalls Krsna, und Seine Spiele in Vçndavana als zweihändiger Syamasundara, der auf einer Flöte spielt, sind die Spiele der Höchsten Persönlichkeit Gottes.
VERS 20 Diejenigen, die die Veden studieren und den soma-Saft trinken, weil sie die himmlischen Planeten erreichen wollen, verehren Mich indirekt. Sie werden auf dem Planeten Indras geboren, wo sie himmlische Freuden genießen. ERLÄUTERUNG Das Wort trai-vidyah bezieht sich auf die drei Veden: Sama, Yajur und ¨g. Ein brahmana, der diese drei Veden studiert hat, wird tri-vedi genannt. Jeder, der sich mit dem Wissen, das man aus diesen drei Veden erfahren kann, eingehend beschäftigt, wird in der Gesellschaft geachtet. Unglückseligerweise gibt es viele bedeutende Gelehrte der Veden, die den endgültigen Sinn des Studiums nicht kennen. Deshalb erklärt Krsna hier, dass Er Selbst das endgültige Ziel der tri-vedis ist. Wirkliche tri-vedis suchen unter den Lotosfüßen Krsnas Zuflucht und beschäftigen sich in reinem hingebungsvollem Dienst, um den Herrn zufriedenzustellen. Hingebungsvoller Dienst beginnt mit dem Chanten des Hare-Krsna-mantra und dem gleichzeitigen Versuch, Krsna wahrhaft zu verstehen. Unglückseligerweise entwickeln jene, die die Veden nur offiziell studieren, ein größeres Interesse an Opferdarbringungen für verschiedene Halbgötter wie Indra und Candra. Durch solche Bemühungen werden die Verehrer verschiedener Halbgötter zweifellos von der Verunreinigung durch die niederen Eigenschaften der Natur geläutert und so zu den höheren Planetensystemen oder himmlischen Planeten erhoben, die als Maharloka, Janaloka, Tapoloka usw. bekannt sind. Wenn man einmal diese höheren Planetensysteme erreicht hat, kann man seine Sinne hunderttausendmal besser befriedigen als auf diesem Planeten.
VERS 21 Nachdem sie so himmlische Sinnenfreuden genossen haben, kehren sie wieder auf diesen sterblichen Planeten zurück. Somit erlangen sie durch die vedischen Prinzipien nur flackerndes Glück. ERLÄUTERUNG Wer zu diesen höheren Planetensystemen erhoben wird, genießt eine längere Lebensdauer und bessere Möglichkeiten für Sinnengenuss; jedoch ist es einem nicht vergönnt, dort für immer zu bleiben. Man wird wieder auf diesen Erdplaneten zurückgeschickt, nachdem die Früchte frommer Werke aufgezehrt sind. Jemand, der nicht die Vollkommenheit des Wissens erreicht hat, auf die das Vedanta-sutra hinweist (janmady asya yatah), oder mit anderen Worten, wem es nicht gelingt, Krsna, die Ursache aller Ursachen, zu verstehen, verfehlt das endgültige Ziel des Lebens und wird so immer wieder zu höheren Planeten erhoben, von denen er immer wieder herunterfällt - als ob er auf einem Riesenrad säße, das sich mal nach oben und mal nach unten bewegt. Statt also zur spirituellen Welt erhoben zu werden, von der es nicht mehr möglich ist, herabzufallen, bewegt man sich einfach im Kreislauf von Geburt und Tod durch die höheren und niederen Planetensysteme. Man sollte sich lieber der spirituellen Welt zuwenden, um sich dort eines ewigen Lebens voll Glückseligkeit und Wissen zu erfreuen, und niemals wieder zu diesem leidvollen materiellen Dasein zurückkehren.
VERS 22 Doch denjenigen, die Mich mit Hingabe verehren und über Meine transzendentale Gestalt meditieren, gebe Ich, was sie brauchen, und erhalte Ich, was sie haben. ERLÄUTERUNG Wer es nicht ertragen kann, auch nur einen Augenblick ohne Krsna-Bewusstsein zu leben, kann nichts anderes tun, als vierundzwanzig Stunden am Tag an Krsna zu denken, da er ständig im hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist, indem er über Krsna hört, über Ihn chantet, sich an Ihn erinnert, Ihm Gebete darbringt, Ihn verehrt, Seinen Lotosfüßen dient, Ihm andere Dienste leistet, Freundschaft zu Ihm entwickelt und sich Ihm völlig ergibt. Solche Tätigkeiten sind alle glückverheißend und voller spiritueller Kräfte, ja sie führen den Gottgeweihten in seiner Selbstverwirklichung zur Vollkommenheit. Dann hat er nur noch den einen Wunsch: die Gemeinschaft der Höchsten
Persönlichkeit Gottes zu erreichen. Das nennt man yoga. Durch die Barmherzigkeit des Herrn kehrt ein solcher Gottgeweihter nie wieder zum materiellen Zustand des Lebens zurück. Ksema bezieht sich auf den barmherzigen Schutz des Herrn. Der Herr hilft dem Gottgeweihten, Krsna-Bewusstsein durch yoga zu erlangen, und wenn der Gottgeweihte völlig Krsna-bewusst wird, bewahrt ihn der Herr davor, wieder in ein leidvolles, bedingtes Leben zurückzufallen.
VERS 23 Was immer ein Mensch anderen Göttern opfern mag, o Sohn Kuntis, ist in Wirklichkeit für Mich allein bestimmt, doch wird es ohne rechtes Verständnis geopfert. ERLÄUTERUNG "Menschen, die Halbgötter verehren, sind nicht sehr intelligent, obwohl solche Verehrung indirekt Mir gilt", sagt Krsna. Wenn zum Beispiel jemand die Blätter und Zweige eines Baumes begießt, ohne die Wurzel zu bewässern, zeugt sein Handeln von mangelndem Wissen oder davon, dass er nicht den regulierenden Prinzipien folgt. In ähnlicher Weise dient man den verschiedenen Körperteilen, indem man den Magen mit Nahrung versorgt. Die Halbgötter sind gewissermaßen verschiedene Beamte und Minister in der Regierung des Höchsten Herrn. Man muss den Gesetzen der Regierung folgen, nicht denen der Beamten und Minister. In ähnlicher Weise wird von jedem erwartet, allein den Höchsten Herrn zu verehren. Das wird die verschiedenen Beamten und Minister des Herrn von selbst zufriedenstellen. Die Beamten und Minister sind als Vertreter der Regierung tätig, und ihnen ein Bestechungsgeld anzubieten ist ungesetzlich. Das wird hier mit dem Wort avidhi-purvakam ausgedrückt. Mit anderen Worten: Krsna billigt nicht die unnötige Verehrung der Halbgötter.
VERS 24 Ich bin der einzige Genießer und das einzige Ziel von Opfern. Wer Mein wahres, transzendentales Wesen nicht erkennt, kommt zu Fall. ERLÄUTERUNG Hier wird eindeutig gesagt, dass es viele Arten von yajna-Durchführungen gibt, die in den vedischen Schriften empfohlen werden; doch im Grunde sind sie alle dafür bestimmt, den Höchsten Herrn zufriedenzustellen. Yajna bedeutet Visnu. Im Zweiten Kapitel der Bhagavad-Gita wird klar gesagt, dass man nur arbeiten soll, um Yajna oder Visnu zufriedenzustellen. Die vollendete Form menschlicher Zivilisation, die als varnasrama-dharma bekannt ist, hat den besonderen Zweck, Visnu zu erfreuen. Deshalb sagt Krsna in diesem Vers: "Ich bin der Genießer aller Opfer, denn Ich bin der höchste Meister." Weniger intelligente Menschen jedoch, die dies nicht wissen, verehren Halbgötter, um einen zeitweiligen Nutzen zu gewinnen. Deshalb fallen sie ins materielle Dasein hinab und erreichen nicht das erstrebte Ziel des Lebens. Wenn man tatsächlich einen materiellen Wunsch hat, sollte man lieber zum Höchsten Herrn um Erfüllung beten, wenngleich dies keine reine Hingabe ist, und so wird man das gewünschte Ergebnis bekommen.
VERS 25 Wer die Halbgötter verehrt, wird unter den Halbgöttern geboren; wer Geister und Gespenster verehrt, wird unter solchen Wesen geboren; wer die Vorfahren verehrt, geht zu den Vorfahren, und wer Mich verehrt, wird mit Mir leben. ERLÄUTERUNG Wenn jemand den Wunsch hat, zum Mond, zur Sonne oder zu irgendeinem anderen Planeten zu gehen, kann er das gewünschte Ziel erreichen, wenn er bestimmten vedischen Prinzipien folgt, die für diesen Zweck empfohlen sind. Diese Prinzipien werden ausführlich in dem Teil der Veden beschrieben, der fruchtbringende Werke behandelt. In diesem Teil der Veden, der technisch als darsa-paurnamasi bekannt ist, wird eine bestimmte Verehrung der Halbgötter empfohlen, die auf verschiedenen himmlischen Planeten leben. In ähnlicher Weise kann man auch, wenn man einen besonderen Yajna durchführt, die pita-Planeten erreichen. Man kann auch zu den zahlreichen Planeten der Geister gelangen und dort ein yaksa, raksa oder pisaca werden. Die pisaca-Verehrung wird auch als "Schwarze Kunst" oder "Schwarze Magie" bezeichnet. Es gibt viele Menschen, die diese Schwarze Kunst praktizieren und glauben, dies sei Spiritualismus; doch solches Tun ist völlig materialistisch. Ein reiner Gottgeweihter jedoch, der die Höchste Persönlichkeit Gottes verehrt, erreicht zweifellos die Vaikuntha-Planeten oder Krsnaloka. Durch diesen wichtigen Vers können wir folgendes sehr leicht verstehen: Wenn man die himmlischen Planeten erreichen kann, indem man die Halbgötter verehrt; wenn man die pita-Planeten erreichen kann, indem man die pitas verehrt, und wenn man die Planeten der Geister erreichen kann, indem man Schwarze Künste praktiziert - warum sollte dann der reine
Gottgeweihte nicht den Planeten Krsnas oder Visnus erreichen können? Unglücklicherweise haben viele Menschen von diesen erhabenen Planeten, auf denen Krsna und Visnu weilen, keine Kenntnis, und weil sie nichts von ihnen wissen, kommen sie zu Fall. Selbst die Unpersönlichkeitsanhänger fallen vom brahmajyoti herab. Die Bewegung für Krsna-Bewusstsein gibt daher der gesamten menschlichen Gesellschaft die erhabene Information, dass man einfach durch das Chanten des Hare-Krsna-mantra noch in diesem Leben die Vollkommenheit erreichen und so nach Hause, zu Gott, zurückkehren kann.
VERS 26 Wenn jemand Mir mit Liebe und Hingabe ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder etwas Wasser opfert, werde Ich es annehmen. ERLÄUTERUNG Nachdem Sri Krsna klargestellt hat, dass Er der einzige Genießer, der urerste Herr und der wahre Empfänger aller Opferdarbringungen ist, offenbart Er nun, welche Arten von Opfern Er dargebracht haben möchte. Wenn sich jemand im hingebungsvollen Dienst für den Höchsten betätigen möchte, um geläutert zu werden und das Ziel des Lebens - transzendentalen hingebungsvollen Dienst für Gott - zu erreichen, sollte er herausfinden, was der Herr von ihm wünscht. Wer Krsna liebt, wird Ihm alles geben, was Er Sich wünscht, und es vermeiden, Ihm etwas zu opfern, was Er nicht wünscht oder worum Er nicht gebeten hat. Fleisch, Fisch und Eier sollten Krsna daher nicht geopfert werden. Wenn Er solche Dinge als Opfer wünschte, würde Er es sagen. Stattdessen bittet Er eindeutig darum, dass Ihm ein Blatt, eine Frucht, Blumen und Wasser dargebracht werden, und Er sagt von einem solchen Opfer: "Ich werde es annehmen." Deshalb sollten wir verstehen, dass Er kein Fleisch, kein Fisch und keine Eier annehmen wird. Gemüse, Getreide, Früchte, Milch und Wasser sind die für Menschen geeigneten Nahrungsmittel und werden von Sri Krsna Selbst vorgeschrieben. Was immer wir sonst zu uns nehmen, kann Ihm nicht geopfert werden, da Er es nicht annehmen wird. Wir können also nicht auf der Ebene liebender Hingabe handeln, wenn wir Krsna solche Nahrung opfern. Im dreizehnten Vers des Dritten Kapitels erklärt Sri Krsna, dass nur die Überreste von Opfern gereinigt und daher geeignet seien, von denen verzehrt zu werden, die nach Fortschritt im Leben suchen und danach streben, von den Fesseln der materiellen Verstrickung befreit zu werden. Er sagt im gleichen Vers, dass diejenigen, die ihre Nahrung nicht opfern, nichts als Sünde essen. Mit anderen Worten: Jeder Bissen, den sie zu sich nehmen, verstrickt sie nur noch mehr in die Kompliziertheiten der materiellen Natur. Wenn man jedoch schöne, einfache Gemüsegerichte zubereitet, sie vor dem Bild oder der Bildgestalt Sri Krsnas opfert, seine Ehrerbietungen darbringt und zu Krsna betet, Er möge diese bescheidene Opferung annehmen, wird man befähigt, im Leben beständig fortzuschreiten, den Körper zu reinigen und feine Gehirnzellen zu entwickeln, die klares Denken ermöglichen. Darüber hinaus sollte die Opferung mit Liebe zubereitet werden. Krsna braucht kein Essen, da Er bereits alles Existierende besitzt, und doch wird Er das Opfer eines Menschen annehmen, der Ihn in dieser Weise erfreuen möchte. Das Wichtigste bei der Zubereitung, beim Darbringen und beim Opfern ist die Liebe zu Krsna. Die Philosophen der Unpersönlichkeitslehre, die der Ansicht sind, die Absolute Wahrheit sei ohne Sinne, können diesen Vers der Bhagavad-Gita nicht begreifen. Für sie ist er entweder eine Metapher oder ein Beweis für das weltliche Wesen Krsnas, des Sprechers der Gita. Aber Krsna, der Höchste Gott, besitzt tatsächlich Sinne, denn in der Brahma-samhita heißt es, dass Seine Sinne untereinander austauschbar sind. Mit anderen Worten: Jeder Sinn kann die Funktion jedes anderen Sinnes ausführen. Das ist die Bedeutung der Aussage "Krsna ist absolut". Wenn es Ihm an Sinnen mangelte, könnte Er wohl kaum alle Reichtümer in Sich bergen. Im Siebten Kapitel hat Krsna erklärt, dass Er die Lebewesen in die materielle Natur zeugt. Dies geschieht, indem Er einfach über die materielle Natur blickt. Das bedeutet in diesem Fall: Wenn Krsna die liebevollen Worte des Gottgeweihten beim Opfern der Speisen hört, ist das mit Seinem Essen und Schmecken völlig identisch. Dieser Punkt sollte besonders betont werden: Weil Er absolut ist, ist Sein Hören mit Seinem Essen und Schmecken völlig identisch. Nur der Gottgeweihte, der Krsna ohne Interpretation so akzeptiert, wie Er Sich Selbst beschreibt, kann verstehen, dass die Höchste Absolute Wahrheit Essen zu Sich nehmen und genießen kann. VERS 27 O Sohn Kuntis, alles, was du tust; alles, was du ißt; alles, was du opferst und fortgibst, sowie alle Enthaltungen, die du auf dich nimmst, sollten als ein Opfer für Mich getan werden. ERLÄUTERUNG Somit ist es also die Pflicht eines jeden, sein Leben so zu gestalten, dass er Krsna unter keinen Umständen vergessen wird. Jeder muss arbeiten, um Leib und Seele zusammenzuhalten, und Krsna empfiehlt hier, dass man für Ihn arbeiten soll. Jeder muss etwas essen, um zu leben; deshalb sollte er die Reste von Speisen annehmen, die Krsna geopfert wurden. Jeder zivilisierte Mensch muss einige religiöse rituelle Zeremonien vollziehen; deshalb empfiehlt Krsna: "Tu es für Mich", und das nennt man arcana. Jeder hat die Neigung, für wohltätige Zwecke zu spenden; Krsna sagt: "Gib es Mir", und das bedeutet, dass alles überflüssige Geld dazu verwendet werden sollte, die Bewegung für Krsna-Bewusstsein zu unterstützen. Seit jüngster Zeit zeigen viele Leute ein reges Interesse an jenem Meditationsvorgang, der in diesem Zeitalter nicht mehr praktizierbar ist; doch wenn sich jemand darin übt, vierundzwanzig Stunden über Krsna zu meditieren, indem er auf seiner Gebetskette den Hare Krsna-mantra chantet, ist er, wie im Sechsten Kapitel der Bhagavad-Gita bestätigt wird, zweifellos der größte yogi.
VERS 28 Auf diese Weise wirst du von allen Reaktionen auf gute und schlechte Taten befreit sein, und durch dieses Prinzip der Entsagung wirst du erlöst werden und zu Mir kommen. ERLÄUTERUNG Wer unter höherer Führung im Krsna-Bewusstsein handelt, wird yukta genannt. Die technische Bezeichnung lautet yukta-vairagya. Dies wird von Srila Rupa Gosvami wie folgt näher erklärt. Srila Rupa Gosvami sagt, dass wir handeln müssen, solange wir uns in der materiellen Welt aufhalten; wir können nicht aufhören, tätig zu sein. Wenn man Handlungen ausführt und die Früchte Krsna gibt, nennt man das yukta-vairagya. Wenn man wahrhaft in Entsagung verankert ist, klären solche Tätigkeiten den Spiegel des Geistes, und in dem Maße, wie man allmählich Fortschritte in spiritueller Erkenntnis macht, wird man der Höchsten Persönlichkeit Gottes völlig ergeben. Folglich wird man am Ende befreit, und diese Befreiung ist ebenfalls näher erläutert. Durch diese Befreiung wird man nicht etwa eins mit dem brahmajyoti, sondern erreicht den Planeten des Höchsten Herrn. Es wird hier klar gesagt: mam upaisyasi. "Er kommt zu Mir" - zurück nach Hause, zurück zu Gott. Es gibt fünf Stufen der Befreiung, und hier heißt es ausdrücklich, dass ein Gottgeweihter, der sein ganzes Leben lang unter der Führung des Höchsten Herrn verbracht hat, die Stufe erreicht hat, von der er, wenn er seinen Körper verlässt, nach Hause, zu Gott, zurückkehren und direkt mit dem Höchsten Herrn zusammensein kann. Jeder, der kein anderes Interesse hat, als sein Leben dem Dienst des Herrn zu weihen, ist im Grunde ein sannyasi. Solch ein Mensch betrachtet sich immer als ewiger Diener, der vom höchsten Willen des Herrn abhängig ist. Was immer er daher tut, tut er für den Herrn. Jede Handlung, die er ausführt, ist ein Dienst für den Herrn. Er schenkt den in den Veden erwähnten fruchtbringenden Tätigkeiten oder vorgeschriebenen Pflichten keine ernsthafte Aufmerksamkeit. Für gewöhnliche Menschen ist es unerlässlich, die in den Veden erwähnten vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, aber obwohl es manchmal so scheinen mag, als verstoße ein reiner Gottgeweihter, der völlig im Dienst des Herrn beschäftigt ist, gegen die vorgeschriebenen vedischen Pflichten, ist dies im Grunde nicht der Fall. Es wird daher von Vaisnava-Autoritäten gesagt, dass selbst der intelligenteste Mensch die Pläne und Tätigkeiten eines reinen Gottgeweihten nicht verstehen kann. Der genaue Wortlaut ist: vaisnavera kriya mudra vijne na bujhaya. Wer auf diese Weise immer im Dienst des Herrn tätig ist oder immer daran denkt und Pläne entwirft, wie er dem Herrn dienen kann, ist sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft völlig befreit. Seine Rückkehr nach Hause, zu Gott, ist garantiert. Er steht über aller materialistischen Kritik, ebenso wie Krsna über aller Kritik steht.
VERS 29 Ich beneide niemanden, noch bevorzuge Ich jemanden; Ich bin allen gleichgesinnt. Doch wer immer Mir in Hingabe dient, ist Mein Freund, ist in Mir, und auch Ich bin sein Freund. ERLÄUTERUNG Man mag hier fragen, warum Krsna ein besonderes Interesse an den Geweihten hat, die ständig in Seinem transzendentalen Dienst tätig sind, wenn Er doch jedem gleichgesinnt und niemand Sein besonderer Freund ist. Doch darin liegt keine Diskriminierung; es ist natürlich. Jemand mag in dieser materiellen Welt sehr großzügig sein, aber trotzdem hat er an seinen eigenen Kindern ein besonderes Interesse. Der Herr erklärt, dass jedes Lebewesen - in welcher Form auch immer - Sein Sohn ist, und daher versorgt Er jeden großzügig mit allen Notwendigkeiten des Lebens. Er ist wie eine Wolke, die ihr Wasser überallhin vergießt, ohne darauf zu achten, ob der Regen auf Felsen, auf Land oder auf Wasser fällt. Seinen Geweihten aber schenkt Er besondere Aufmerksamkeit. Solche Geweihte werden hier erwähnt: Sie gründen immer im Krsna-Bewusstsein, und daher sind sie immer auf transzendentale Weise in Krsna verankert. Der Begriff "Krsna-Bewusstsein" deutet bereits an, dass diejenigen, die sich in diesem Bewusstsein befinden, Transzendentalisten sind, die in Krsna gründen. Der Herr sagt hier unmissverständlich mayi te - "in Mir". Folglich ist der Herr natürlich auch in ihnen - es ist eine gegenseitige Beziehung.
Das erklären auch die Worte: "In dem Maße, wie sich jemand Mir ergibt, sorge Ich für ihn." Dieser transzendentale Austausch ist nur möglich, weil sowohl der Herr als auch der Gottgeweihte bewusst sind. Wenn ein Diamant in einen goldenen Ring eingefasst ist, sieht er sehr schön aus. Dabei nimmt sowohl die Schönheit des Goldes als auch die des Diamanten um ein Vielfaches zu. Das Lebewesen und der Herr funkeln ewig, und wenn sich ein Lebewesen dem Dienst des Herrn zuwendet, sieht es wie Gold aus. Der Herr gleicht einem Diamanten, und so ist diese Verbindung sehr schön. Lebewesen in ihrem reinen Zustand werden als Gottgeweihte bezeichnet. Der Höchste Herr wird zum Geweihten Seiner Geweihten. Gäbe es zwischen dem Gottgeweihten und dem Herrn keine wechselseitige Beziehung, könnte von Persönlichkeitsphilosophie keine Rede sein. In der Unpersönlichkeitsphilosophie gibt es keinen Austausch zwischen dem Höchsten und dem Lebewesen, aber in der Persönlichkeitsphilosophie gibt es diesen. Es wird oft das Beispiel gegeben, dass der Herr wie ein Wunschbaum ist, und was immer man sich von diesem Wunschbaum wünscht, stellt der Herr bereit. Hier aber ist die Erklärung umfassender. Es heißt hier, dass der Herr Seinen Geweihten besonders zugeneigt ist. Das ist eine Manifestation der besonderen Barmherzigkeit des Herrn gegenüber Seinen Geweihten. Man sollte nicht denken, der Austausch des Herrn mit Seinen Geweihten unterstehe dem Gesetz des karma. Er gehört zur transzendentalen
Beziehung des Herrn zu Seinen Geweihten. Hingebungsvoller Dienst für den Herrn ist keine Tätigkeit der materiellen Welt; er ist ein Teil der spirituellen Welt, wo Ewigkeit, Glückseligkeit und Wissen herrschen.
VERS 30 Selbst wenn jemand die widerwärtigsten Handlungen begeht, muss er, wenn er sich im hingebungsvollen Dienst betätigt, als Heiliger angesehen werden, da er sich auf dem rechten Pfad befindet. ERLÄUTERUNG Das Wort suduracaro, das in diesem Vers gebraucht wird, ist sehr bedeutsam, und wir sollten es richtig verstehen. Für ein bedingtes Lebewesen gibt es zwei Arten von Handlungen: bedingte und wesensgemäße. Was den Schutz des Körpers oder Gehorsam gegenüber den Gesetzen der Gesellschaft und des Staates betrifft, so gibt es sicherlich - sogar für die Gottgeweihten - Tätigkeiten, die mit dem materiellen Leben verbunden sind, und solche Tätigkeiten werden als bedingt bezeichnet. Das Lebewesen, das sich seiner spirituellen Natur völlig bewusst und im Krsna-- Bewusstsein oder hingebungsvollen Dienst des Herrn beschäftigt ist, geht neben diesen Handlungen auch noch Tätigkeiten nach, die man als transzendental bezeichnet. Solche Tätigkeiten werden in der wesensgemäßen Stellung verrichtet, und sie werden "hingebungsvoller Dienst" genannt. Nun ist es so, dass im bedingten Zustand hingebungsvoller Dienst und der bedingte Dienst in Beziehung zum Körper manchmal parallel laufen. Ein Gottgeweihter achtet so weit wie möglich darauf, nichts zu tun, was seine günstige Stellung gefährden könnte. Er weiß, dass die Vollkommenheit seiner Tätigkeiten vom Fortschritt seiner Verwirklichung im Krsna-Bewusstsein abhängig ist. Manchmal jedoch mag man beobachten, dass ein Mensch im Krsna-Bewusstsein in einer Weise handelt, die, vom sozialen oder politischen Standpunkt aus betrachtet, als verabscheuungswürdig gilt. Aber solch ein vorübergehendes Abgleiten disqualifiziert ihn nicht. Im Srimad-Bhagavatam heißt es, dass dann, wenn jemand zu Fall kommt, aber mit ganzem Herzen im transzendentalen Dienst des Höchsten Herrn beschäftigt ist, der Herr, der in seinem Herzen weilt, ihn reinigt und ihm sein abscheuliches Verhalten verzeiht. Die materielle Verunreinigung ist so stark, dass manchmal sogar ein yogÖ, der völlig im hingebungsvollen Dienst des Herrn
beschäftigt ist, verleitet wird; doch Krsna-Bewusstsein ist so mächtig, dass solch ein gelegentliches Fallen sogleich berichtigt wird. Deshalb ist der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes immer ein Erfolg. Niemand sollte einen Gottgeweihten verspotten, wenn dieser zufällig vom idealen Pfad abkommt; denn wie der nächste Vers erklärt, wird solch gelegentliches Fallen aufhören, sobald ein Gottgeweihter im Krsna-Bewusstsein fest verankert ist. Jemand, der im Krsna-Bewusstsein gründet und mit Entschlossenheit Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare chantet, sollte daher als auf der transzendentalen Ebene verankert angesehen werden, auch wenn er durch Zufall oder einen Unglücksfall zu Fall kommt. Die Worte sadhur eva ("er ist heilig") sind sehr eindringlich. Sie sind eine Warnung an die Nichtgottgeweihten, einen Gottgeweihten wegen eines zufälligen Falls nicht zu verspotten. Er sollte trotzdem als heilig angesehen werden, selbst wenn er unbeabsichtigt zu Fall gekommen ist. Das Wort mantavyah ist noch eindringlicher. Wenn man diese Regel nicht beachtet und einen Gottgeweihten verspottet, weil er zufällig zu Fall gekommen ist, handelt man gegen die Anweisung des Höchsten Herrn. Die einzige Qualifikation eines Gottgeweihten besteht darin, unerschütterlich und ausschließlich im hingebungsvollen Dienst tätig zu sein. Flecken, die man auf dem Mond sehen mag, beeinträchtigen das Mondlicht nicht. In ähnlicher Weise macht ein zufälliges Abweichen vom rechten Pfad den Gottgeweihten nicht verabscheuenswert. Auf der anderen Seite sollte man jedoch nicht den falschen Schluss ziehen, dass ein Gottgeweihter im transzendentalen hingebungsvollen Dienst alle möglichen abscheulichen Handlungen begehen darf. Dieser Vers bezieht sich nur auf einen Unglücksfall, herbeigeführt durch die starke Macht materieller Verbindungen. Hingebungsvoller Dienst ist mehr oder weniger eine Kriegserklärung gegen die illusionierende Energie. Solange man nicht stark genug ist, gegen die illusionierende Energie zu kämpfen, kann es vorkommen, dass man unbeabsichtigt zu Fall kommt. Wenn man aber stark genug ist, wird man solchem Versagen nicht länger unterworfen sein, wie zuvor bereits erklärt wurde. Niemand sollte diesen Vers dazu missbrauchen, allen möglichen Unsinn zu machen und zu glauben, er sei immer noch ein Gottgeweihter. Wenn jemand seinen Charakter durch hingebungsvollen Dienst nicht verbessert, kann er nicht als Gottgeweihter hohen Ranges gelten.
VERS 31 Sehr bald wird er rechtschaffen und erlangt immerwährenden Frieden. O Sohn Kuntis, verkünde kühn, dass Mein Geweihter niemals vergeht. ERLÄUTERUNG Dieser Vers sollte nicht missverstanden werden. Im Siebten Kapitel sagt der Herr, dass jemand, der verruchten Tätigkeiten nachgeht, kein Gottgeweihter werden kann. Wer kein Gottgeweihter ist, besitzt keinerlei gute Qualifikationen. Es bleibt dann die Frage offen, wie jemand ein reiner Gottgeweihter sein kann, der - zufällig oder absichtlich - verabscheuenswerten Tätigkeiten nachgeht. Diese Frage mag zu Recht gestellt werden. Die Schurken, die sich, wie im Siebten Kapitel beschrieben wird, niemals dem hingebungsvollen Dienst des Herrn zuwenden, haben keine guten Eigenschaften. Dies wird auch im Srimad-Bhagavatam bestätigt. Im allgemeinen ist ein Gottgeweihter, der den neun Arten hingebungsvoller Tätigkeiten nachgeht, damit beschäftigt, sein Herz von aller materiellen Verunreinigung zu befreien. Er nimmt die Höchste Persönlichkeit Gottes in sein Herz auf, und so werden alle sündhaften Verunreinigungen natürlicherweise fortgewaschen. Ständiges Denken an den Höchsten Herrn macht ihn von Natur aus rein. Den Veden zufolge gibt es eine bestimmte Regel, dass man sich im Falle eines Sturzes von seiner erhabenen Stellung gewissen rituellen Vorgängen unterziehen muss, um sich zu läutern. Hier aber gibt es keine solche Bedingung, denn der Läuterungsvorgang findet bereits im Herzen des Gottgeweihten statt, da dieser sich ständig an die Höchste Persönlichkeit Gottes erinnert. Deshalb sollte das Chanten von Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare ohne Unterlass fortgesetzt werden. Das wird einen Gottgeweihten vor jedem unbeabsichtigten Abgleiten beschützen. Er wird so für immer von allen materiellen Verunreinigungen frei bleiben.
VERS 32 O Sohn Prthas, diejenigen, die bei Mir Zuflucht suchen, können das höchste Ziel erreichen - auch wenn sie von niederer Geburt sind, wie Frauen, vaisyas [Kaufleute] oder auch sudras [Arbeiter]. ERLÄUTERUNG Hier erklärt der Höchste Herr eindeutig, dass es im hingebungsvollen Dienst keinen Unterschied zwischen den niederen und höheren Menschenklassen gibt. Solche Einteilungen bestehen in der materiellen Auffassung vom Leben, aber für einen Menschen, der im transzendentalen hingebungsvollen Dienst des Herrn tätig ist, existieren sie nicht. Jeder ist geeignet, das höchste Ziel zu erreichen. Im Srimad Bhagavatam heißt es, dass sogar die niedrigsten Menschen, die candalas (Hundeesser) durch das Zusammensein mit einem reinen Gottgeweihten erhoben werden können. Hingebungsvoller Dienst und die Führung eines reinen Gottgeweihten sind also so stark, dass es dabei keinen Unterschied zwischen den niederen und höheren Menschenklassen gibt - jeder kann an diesem Vorgang teilnehmen. Der einfachste Mensch kann, wenn er bei einem reinen Gottgeweihten Zuflucht sucht, durch kundige Führung geläutert werden. Den verschiedenen Erscheinungsweisen der materiellen Natur gemäß werden die Menschen eingeteilt in die Erscheinungsweise der Tugend (brahmanas), die Erscheinungsweise der Leidenschaft (ksatriyas oder Verwalter), die vermischten Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit (vaisyas oder Kaufleute) und die Erscheinungsweise der Unwissenheit (sudras oder Arbeiter). Menschen, die noch tiefer stehen als diese, werden candalas genannt; sie sind in sündigen Familien geboren. Im allgemeinen werden Menschen, die in sündhaften Familien geboren wurden, von den höheren Klassen nicht akzeptiert. Aber der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes und der reine Gottgeweihte sind so mächtig, dass alle unteren Klassen die höchste Vollkommenheit des Lebens erreichen können. Das ist nur möglich, wenn man bei Krsna Zuflucht sucht. Man muss völlig bei Krsna Zuflucht suchen; dann kann man sogar noch viel größer werden als die großen jÒanÖs und yogis.
VERS 33 Um wieviel vortrefflicher sind dann die brahmanas, die Rechtschaffenen, die Gottgeweihten und die heiligen Könige, die Mir in dieser zeitweiligen, elenden Welt in Liebe dienen. ERLÄUTERUNG In der materiellen Welt gibt es zwar unterschiedliche Menschenklassen, aber letztlich ist diese Welt für niemand ein Ort des Glücks. Es heißt hier klar: anityam asukham lokam. Diese Welt ist zeitweilig und voller Leiden und daher für jeden vernünftigen Menschen unbewohnbar. Die Höchste Persönlichkeit Gottes erklärt, dass diese Welt zeitweilig und voller Leiden ist. Einige Philosophen, besonders die weniger bedeutenden unter ihnen, sagen, die Welt sei falsch, doch aus der Bhagavad-Gita können wir verstehen, dass die Welt nicht falsch ist; sie ist zeitweilig. Zwischen zeitweilig und falsch besteht ein Unterschied. Diese Welt ist zeitweilig, doch gibt es noch eine andere Welt, die ewig ist. Diese Welt hier ist voller Leiden, doch die andere Welt ist ewig und voller Glückseligkeit. Arjuna wurde in einer heiligen königlichen Familie geboren. Zu ihm sagt der Herr ebenfalls: "Wende dich Meinem hingebungsvollen Dienst zu, und komme schnell zurück zu Mir, zurück nach Hause." Niemand sollte in dieser zeitweiligen Welt bleiben, die so leidvoll ist. Jeder sollte an der Brust der Höchsten Persönlichkeit Gottes Schutz suchen, so dass er für immer glücklich sein kann. Der hingebungsvolle Dienst des Höchsten Herrn ist der einzige Vorgang, durch den alle Probleme aller Klassen von Menschen gelöst werden können. Jeder sollte daher den Vorgang des Krsna-Bewusstseins annehmen und sein Leben zur Vollkommenheit führen.
VERS 34 Beschäftige deinen Geist immer damit, an Mich zu denken; werde Mein Geweihter; erweise Mir deine Ehrerbietungen, und verehre Mich. Wenn du völlig in Gedanken an Mich versunken bist, wirst du mit Gewissheit zu Mir kommen. ERLÄUTERUNG In diesem Vers wird eindeutig darauf hingewiesen, dass Krsna-Bewusstsein das einzige Mittel ist, aus der Gewalt der verunreinigten materiellen Welt befreit zu werden. Manchmal verdrehen skrupellose Kommentatoren die Bedeutung von dem, was hier klar gesagt wird: dass nämlich aller hingebungsvoller Dienst der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, dargebracht werden soll. Unglückseligerweise lenken solch gewissenlose Kommentatoren den Geist des Lesers auf etwas völlig Undurchführbares und Unmögliches. Diese Kommentatoren wissen nicht, dass zwischen Krsnas Geist und Krsna Selbst kein Unterschied besteht. Krsna ist kein gewöhnlicher Mensch; Er ist die Absolute Wahrheit. Sein Körper. Sein Geist und Er Selbst sind eins und absolut. Bhaktisiddhanta Sarasvati Gosvami zitiert in seinem Anubhasya-Kommentar zum Caitanya-caritamrta, Fünftes Kapitel, Adi-lila, Vers 41-48, aus dem Kurma Purana: "Zwischen Krsnas Körper und Ihm Selbst besteht kein Unterschied." Weil aber solche Kommentatoren die Wissenschaft von Krsna nicht kennen, verbergen sie Krsna und trennen Seine Persönlichkeit von Seinem Geist oder Seinem Körper. Obwohl dies pure Unwissenheit bezüglich der Wissenschaft von Krsna ist, schlagen manche Leute aus solcher Irreführung der Menschen Profit. Es gibt noch eine andere Gruppe dämonischer Menschen. Sie denken zwar ebenfalls an Krsna, doch beneiden sie Ihn, wie König Kaàsa, Krsnas Onkel. Auch er dachte fortwährend an Krsna, aber er dachte an Krsna als seinen Feind. Er hatte ständig Angst, weil er nicht wußte, wann Krsna kommen würde, um ihn zu töten. Diese Art des Denkens wird uns nicht helfen. Man sollte an Krsna in hingebungsvoller Liebe denken. Das ist bhakti. Man sollte sein Wissen von Krsna ständig kultivieren. Wie sieht nun diese förderliche Kultivierung aus? Sie besteht darin, dass man von einem echten Lehrer lernt. Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, und wie wir bereits mehrfach erklärt haben, ist Sein Körper nicht materiell, sondern ewiges glückseliges Wissen. So über Krsna zu sprechen wird einem helfen, ein Gottgeweihter zu werden. Der Versuch, Krsna aus der falschen Quelle zu verstehen, wird sich als fruchtlos erweisen. Man sollte daher seinen Geist in Gedanken an die ewige Form, die ursprüngliche Gestalt Krsnas, versenken und Krsna mit der festen Überzeugung im Herzen verehren, dass Er der Höchste ist. Es gibt in Indien Hunderttausende von Tempeln, in denen Krsna verehrt wird, und dort wird hingebungsvoller Dienst praktiziert. Bei dieser Art der Verehrung muss man Krsna Seine Ehrerbietungen darbringen. Man sollte sein Haupt vor der transzendentalen Bildgestalt Krsnas neigen und seinen Geist, seinen Körper und seine Tätigkeiten - alles - in den Dienst Krsnas stellen. Das wird einem helfen, sich ohne Abweichung völlig in Krsna zu versenken und nach Krsnaloka zu gelangen. Man sollte sich nicht von skrupellosen Kommentatoren irreführen lassen. Man muss in den neun verschiedenen Vorgängen des hingebungsvollen Dienstes tätig sein, die mit dem Chanten und Hören über Krsna beginnen. Reiner hingebungsvoller Dienst ist das Höchste, was die menschliche Gesellschaft erreichen kann. Im Siebten und Achten Kapitel der Bhagavad-Gita ist reiner hingebungsvoller Dienst für den Herrn erklärt worden, gesondert vom yoga des Wissens, vom mystischen yoga und von fruchtbringenden Tätigkeiten. Diejenigen, die nicht gänzlich rein und geheiligt sind, mögen sich zu verschiedenen Aspekten des Herrn, wie dem unpersönlichen brahmajyoti und dem lokalisierten Paramatma, hingezogen fühlen, doch ein reiner Gottgeweihter wendet sich unmittelbar dem Dienst des Höchsten Herrn zu. Es gibt ein schönes Gedicht über Krsna, in dem es unmissverständlich heißt, dass jeder, der Halbgötter verehrt, höchst unintelligent ist und den höchsten Lohn Krsnas niemals erreichen kann. Der Gottgeweihte mag am Anfang manchmal den Standard nicht halten können und zu Fall kommen, aber trotzdem sollte man immer verstehen, dass er auf einer höheren Stufe steht als alle anderen Philosophen und yogis. Jemand, der sich immer im Krsna-Bewusstsein betätigt, sollte als vollkommener Heiliger betrachtet werden. Seine unbeabsichtigten Tätigkeiten, denen es an Hingabe mangelt, werden allmählich nachlassen, und er wird zweifellos sehr bald in vollendeter Vollkommenheit verankert sein. Der reine Gottgeweihte hat keine wirkliche Möglichkeit, zu Fall zu kommen, weil Sich der Höchste Gott persönlich um Seine reinen Geweihten kümmert. Deshalb sollte sich ein intelligenter Mensch diesem
Vorgang des Krsna-Bewusstseins unmittelbar zuwenden und in dieser materiellen Welt glücklich leben. Ihm wird letztlich Krsnas höchster Lohn zuteil werden. Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Neunten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel: "Das vertraulichste Wissen".