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Siebtes Kapitel

SIEBTES KAPITEL Wissen vom Absoluten

VERS 1 Der Höchste Herr sprach: O Sohn Prthas, höre nun, wie du Mich, frei von allen Zweifeln, erkennen kannst, indem du, völlig über Mich Bewusst und den Geist auf Mich gerichtet, yoga praktizierst. ERLÄUTERUNG In diesem Siebten Kapitel der Bhagavad-Gita wird das Wesen des Krsna-Bewusstseins umfassend beschrieben. Krsna besitzt alle Reichtümer in vollem Umfang, und wie Er solche Reichtümer manifestiert, wird hier beschrieben. Auch vier Arten vom Glück begünstigter Menschen, die Anhaftung an Krsna entwickeln, und vier Arten unglückseliger Menschen, die sich Krsna niemals zuwenden, werden in diesem Kapitel beschrieben. In den ersten sechs Kapiteln der Bhagavad-Gita ist das Lebewesen als nichtmaterielle, spirituelle Seele beschrieben worden, die sich durch verschiedene Arten von yoga zu Selbstverwirklichung erheben kann. Am Ende des Sechsten Kapitels ist klar gesagt worden, dass die beständige Konzentration des Geistes auf Krsna oder, mit anderen Worten, Krsna-Bewusstsein die höchste Form aller yoga-Vorgänge darstellt. Nur indem man den Geist auf Krsna richtet und nicht auf andere Weise, ist man fähig, die Absolute Wahrheit vollständig zu erkennen. Die Erkenntnis des unpersönlichen brahmajyoti oder des lokalisierten Paramatma ist keine vollkommene Erkenntnis der Absoluten Wahrheit, da sie nur teilhaft ist. Umfassendes und wissenschaftliches Wissen ist Krsna, und einem Menschen im Krsna-Bewusstsein wird alles offenbart. In vollständigem Krsna-Bewusstsein weiß man, dass Krsna das endgültige Wissen jenseits aller Zweifel ist. Verschiedene Formen des yoga sind nur Sprungbretter auf dem Pfad des Krsna-Bewusstseins. Wer sich direkt dem Krsna-- Bewusstsein zuwendet, hat von selbst umfassende Kenntnis vom brahmajyoti und vom Paramatma. Wenn man den yoga des Krsna-Bewusstseins praktiziert, kann man alles in Vollkommenheit erkennen - die Absolute Wahrheit, die Lebewesen, die materielle Natur und ihre Manifestationen mit allem, was dazugehört. Man sollte daher beginnen, yoga so zu praktizieren, wie es im letzten Vers des Sechsten Kapitels angeordnet wird. Den Geist auf Krsna, den Höchsten, zu richten, wird durch vorgeschriebenen hingebungsvollen Dienst in neun verschiedenen Formen ermöglicht, von denen sRavanam der erste und wichtigste Vorgang ist. Der Herr sagt deshalb zu Arjuna "tat sräu" oder "Höre von Mir". Niemand kann eine größere Autorität sein als Krsna, und daher hat man die beste Möglichkeit, im Krsna-Bewusstsein fortzuschreiten, wenn man von Ihm hört. Man muss daher von Krsna direkt oder von einem reinen Geweihten Krsnas lernen, nicht von einem nichtgottgeweihten Emporkömmling, der sich etwas auf seine akademische Bildung einbildet. Das Srimad-Bhagavatam (1.2.17-21) beschreibt im 2. Kapitel des Ersten Canto diesen Vorgang, durch den man Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Absolute Wahrheit, verstehen kann: "Über Krsna aus den vedischen Schriften oder direkt von Ihm Selbst durch die Bhagavad-Gita zu hören ist eine rechtschaffene Tätigkeit. Und für jemand, der über Krsna hört, handelt Sri Krsna, der im Herzen eines jeden weilt, als Freund, der nur unser Bestes wünscht, und reinigt den Gottgeweihten, der ständig über Ihn hört. So entwickelt der Gottgeweihte auf natürliche Weise sein schlummerndes transzendentales Wissen. Je mehr er aus dem Bhagavatam und von den Gottgeweihten über Krsna hört, desto mehr wird er im hingebungsvollen Dienst des Herrn gefestigt. Wenn man hingebungsvollen Dienst entwickelt, wird man frei von den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit, und materielle Lüste und Habgier lassen nach. Wenn diese Unreinheiten fortgewaschen sind, bleibt der Anwärter in seiner Stellung reiner Tugend fest verankert, wird durch hingebungsvollen Dienst belebt und versteht die Wissenschaft von Gott vollkommen. So durchtrennt bhakti-yoga den festen Knoten materieller Zuneigung und befähigt den Gottgeweihten, sogleich zur Stufe von asamsayam samagram zu kommen, auf der man die Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes, versteht." Deshalb kann man die Wissenschaft von Krsna nur verstehen, wenn man von Krsna oder Seinem Geweihten im Krsna-Bewusstsein hört.

VERS 2 Ich werde dir jetzt dieses phänomenale und noumenale Wissen in seiner ganzen Fülle offenbaren, und wenn du es kennst, wird es für dich nichts mehr zu erkennen geben. ERLÄUTERUNG Vollständiges Wissen umfasst Wissen von der phänomenalen Welt und der spirituellen Natur hinter ihr. Der Ursprung beider ist transzendentales Wissen. Der Herr möchte das obenerwähnte System des Wissens erklären, weil Arjuna Krsnas vertrauter Geweihter und Freund ist. Zu Beginn des Vierten Kapitels wurde diese Erklärung vom Herrn gegeben, und hier wird es erneut bestätigt: Umfassendes Wissen kann nur von dem Geweihten des Herrn direkt vom Herrn in der Schülernachfolge empfangen werden. Deshalb sollte man intelligent genug sein, den Ursprung allen Wissens zu kennen, der die Ursache aller Ursachen und das einzige Meditationsobjekt bei allen Arten von yoga-Praktiken ist. Wenn die Ursache aller Ursachen bekannt wird, dann wird alles Erkennbare bekannt, und nichts bleibt unbekannt.

VERS 3 Von vielen Tausenden von Menschen mag sich einer um Vollkommenheit bemühen, und von denen, die die Vollkommenheit erreicht haben, kennt kaum einer Mich in Wahrheit. ERLÄUTERUNG Es gibt verschiedene Unterteilungen der Menschen, und von vielen Tausenden ist vielleicht einer in ausreichendem Maße an transzendentaler Verwirklichung interessiert, so dass er zu erkennen sucht, was das Selbst, was der Körper und was die Absolute Wahrheit ist. Im allgemeinen geht die Menschheit nur den tierischen Neigungen nach, das heißt Essen, Schlafen, Sichverteidigen und Sichpaaren, und kaum einer ist an transzendentalem Wissen interessiert. Die ersten sechs Kapitel der Gita sind für diejenigen bestimmt, die an transzendentalem Wissen interessiert sind und die das Selbst, das Überselbst und den Vorgang der Verwirklichung durch jnana-yoga, dhyana-yoga und durch die Unterscheidung des Selbst von der Materie verstehen wollen. Krsna kann nur von Menschen erkannt werden, die im Krsna-Bewusstsein verankert sind. Andere Transzendentalisten mögen die unpersönliche Brahman-Erkenntnis erlangen, da dies einfacher ist, als Krsna zu verstehen. Krsna ist die Höchste Person, aber gleichzeitig steht Er jenseits von Brahman- und Paramatma- Erkenntnis. Die yogis und jnanis sind verwirrt bei ihren Versuchen, Krsna zu verstehen, obwohl der größte Unpersönlichkeitsphilosoph, Sripada Sankaracarya, in seinem Kommentar zur Gita zugegeben hat, dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Seine Anhänger jedoch akzeptieren Krsna nicht als den Höchsten Herrn, denn es ist sehr schwierig, Krsna zu kennen - selbst wenn man die transzendentale Erkenntnis des unpersönlichen Brahman erreicht hat. Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Ursache aller Ursachen, der urerste Herr, Govinda. Isvarah paramah Krsnah sac-cid-ananda-vigrahah anadir adir govindah sarva-karana-karanam. Für die Nichtgottgeweihten ist es sehr schwierig, Ihn zu erkennen. Obwohl Nichtgottgeweihte erklären, der Pfad der bhakti oder des hingebungsvollen Dienstes sei sehr einfach, können sie ihn nicht praktizieren. Wenn der Pfad der bhakti so einfach ist, wie die nichtgottgeweihte Klasse der Menschen behauptet, stellt sich die Frage, warum sie dann dem schwierigen Pfad folgt. Im Grunde ist der Pfad der bhakti nicht einfach. Der sogenannte Pfad der bhakti, der von unbefugten Personen ohne Wissen von bhakti praktiziert wird, mag einfach sein, aber wenn er tatsächlich nach den vorgeschriebenen Regeln und Regulierungen praktiziert wird, verlassen die spekulierenden Gelehrten und Philosophen den Pfad. Srila Rupa Rupa Gosvami schreibt in seinem Bhakti-rasamrta-sindhu: "Hingebungsvoller Dienst für den Herrn, der die autorisierten vedischen Schriften wie die Upanisaden, Puranas, das Narada-pancaratra und andere nicht beachtet, ist nur eine unnötige Störung in der Gesellschaft." Für den Brahman-verwirklichten Unpersönlichkeitsanhänger oder den Paramatma-verwirklichten yogi ist es nicht möglich, Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, als den Sohn Mutter Yasodas oder den Wagenlenker Arjunas zu verstehen. Selbst die großen Halbgötter können Krsna manchmal nicht begreifen: "muhyanti yat surayah". Der Herr sagt Selbst: "mam tu veda na kascana". "Niemand kennt Mich so, wie Ich bin." Und wenn jemand Ihn kennt: "Solch eine große Seele ist sehr selten." Solange man daher keinen hingebungsvollen Dienst für den Herrn verrichtet, kann man selbst als großer Gelehrter oder Philosoph Krsna nicht so kennen, wie Er ist (tattvatah). Nur die reinen Gottgeweihten können ein wenig von den unbegreiflichen transzendentalen Eigenschaften Krsnas, der Ursache aller Ursachen, verstehen - von Seiner Allmacht und Fülle, Seinem Reichtum, Seinem Ruhm, Seiner Stärke, Seiner Schönheit, Seinem Wissen und Seiner Entsagung -, denn Krsna ist Seinen Geweihten wohlgesonnen. Er ist die höchste Stufe der Brahman-Erkenntnis, und allein die Gottgeweihten können Ihn so erkennen, wie Er ist. Deshalb heißt es: "Niemand kann mit seinen stumpfen, materiellen Sinnen Krsna so verstehen, wie Er ist. Den Gottgeweihten aber offenbart Er sich, da Er an ihnen Wohlgefallen findet, weil sie Ihm transzendentalen liebevollen Dienst darbringen." (Padma Purana) VERS 4 Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego - diese acht Elemente bilden Meine abgesonderten, materiellen Energien. ERLÄUTERUNG Die Wissenschaft von Gott analysiert die wesensgemäße Stellung Gottes und Seiner vielfältigen Energien. Die materielle Natur nennt man prakrti, und sie ist die Energie des Herrn in Seinen verschiedenen purusa-Inkarnationen (Erweiterungen), wie im Svatvata Tantra beschrieben wird: "Um die materielle Schöpfung zu manifestieren, nimmt Sri Krsnas vollständige Erweiterung die Form dreier Visnus an. Der erste, Maha-Visnu, erschafft die gesamte materielle Energie, die als mahat-tattva bekannt ist. Der zweite, Garbhodakasayi Visnu, geht in alle Universen ein, um in ihnen Mannigfaltigkeit zu erschaffen, und der dritte, Ksirodakasayi Visnu, ist als die alldurchdringende Überseele in allen Universen verbreitet und ist als Paramatma bekannt, der sogar in den Atomen anwesend ist. Jeder, der diese drei Visnus kennt, kann aus der materiellen Verstrickung befreit werden." Die materielle Welt ist eine zeitweilige Manifestation einer der drei Energien des Herrn. Alle Tätigkeiten der materiellen Welt werden von diesen drei Visnu-Erweiterungen Sri Krsnas gelenkt. Diese purusas werden als Inkarnationen bezeichnet. Wer die Wissenschaft von Gott (Krsna) nicht kennt, nimmt im allgemeinen an, die materielle Welt sei für den Genuss der Lebewesen geschaffen und die Lebewesen seien die Ursachen (Purusas), Beherrscher und Genießer der materiellen Energie. Gemäß der Bhagavad-Gita ist diese atheistische Schlussfolgerung falsch. In dem zur Erörterung stehenden Vers heißt es, dass Krsna die ursprüngliche Ursache der materiellen Manifestation ist. Das Srimad-Bhagavatam bestätigt dies ebenfalls. Die Bestandteile der materiellen Manifestation sind abgesonderte Energien des Herrn. Selbst das brahmajyoti, das endgültige Ziel der Unpersönlichkeitsanhänger, ist eine spirituelle Energie, die im spirituellen Himmel manifestiert ist. Im brahmajyoti gibt es keine spirituelle Mannigfaltigkeit, wie es sie auf den Vaikunthalokas gibt, und der Unpersönlichkeitsanhänger hält dieses brahmajyoti für das endgültige, ewige Ziel. Die Paramatma-Manifestation ist ein zeitweiliger, alldurchdringender Aspekt von Ksirodakasayi Visnu. Die Paramatma-Manifestation befindet sich nicht ewig in der spirituellen Welt. Daher ist die tatsächliche Absolute Wahrheit die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna. Er ist die vollständige energetische Person, und Er besitzt verschiedene abgesonderte und innere Energien. Wie oben erwähnt wurde, gibt es in der materiellen Energie acht hauptsächliche Manifestationen. Von diesen werden die ersten fünf - Erde, Wasser, Feuer, Luft und Himmel - als die fünf gigantischen oder grobstofflichen Schöpfungen bezeichnet, in denen auch die fünf Sinnesobjekte enthalten sind: die Manifestationen materiellen Klangs, materieller Berührung, materieller Form, materiellen Geschmacks und materiellen Geruchs. Die materielle Wissenschaft umfasst diese zehn Punkte und nichts darüber hinaus. Die anderen drei Punkte, nämlich Geist, Intelligenz und falsches Ego, werden von den Materialisten nicht beachtet. Philosophen, die sich mit intellektuellen Tätigkeiten befassen, haben ebenfalls kein vollkommenes Wissen, da sie den letztlichen Ursprung, Krsna, nicht kennen. Das falsche Ego - die Vorstellungen "Ich bin" und "Das gehört mir", die das Grundprinzip des materiellen Daseins bilden - schließt zehn Sinnesorgane für materielle Tätigkeiten mit ein. Intelligenz bezieht sich auf die gesamte materielle Schöpfung, das mahat-tattva. Deshalb werden aus den acht abgesonderten Energien des Herrn die vierundzwanzig Elemente der materiellen Welt manifestiert, die Gegenstand der atheistischen sankhya-- Philosophie sind. Sie gehen ursprünglich aus Krsnas Energien hervor und sind von Ihm nur abgesondert, doch die atheistischen sankhya-Philosophen, die nur über geringes Wissen verfügen, wissen nicht, dass Krsna die Ursache aller Ursachen ist. Der Diskussionsgegenstand in der sankhya-Philosophie ist nur die Manifestation der äußeren Energie Krsnas, wie sie in der Bhagavad-Gita beschrieben wird.

VERS 5 Außer dieser niederen Natur, o starkarmiger Arjuna, habe Ich noch eine höhere Energie, die aus allen Lebewesen besteht, die mit der materiellen Natur kämpfen und das Universum erhalten. ERLÄUTERUNG Hier wird klar erwähnt, dass die Lebewesen zur höheren Natur oder Energie des Höchsten Herrn gehören. Die niedere Energie ist Materie, manifestiert in verschiedenen Elementen, nämlich Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego. Beide Formen der

materiellen Natur - die grobstoffliche (Erde usw.) und feinstoffliche (Geist usw.) - sind Produkte der niederen Energie. Die Lebewesen, die diese untergeordneten Energien für verschiedene Zwecke ausbeuten, sind die höhere Energie des Höchsten Herrn, und es ist auf diese Energie zurückzuführen, dass die ganze materielle Welt funktioniert. Die kosmische Manifestation hat keine Macht zu handeln, solange sie nicht von der höheren Energie, den Lebewesen, bewegt wird. Energien werden immer vom Energieursprung gelenkt, und daher werden die Lebewesen immer vom Herrn beherrscht - sie besitzen kein unabhängiges Dasein. Sie sind längst nicht so mächtig, wie unintelligente Menschen glauben. Der Unterschied zwischen den Lebewesen und dem Herrn wird im Srimad-Bhagavatam (10.87.30) wie folgt beschrieben: "O Höchster Ewiger! Wären die verkörperten Lebewesen ewig und alldurchdringend wie Du, unterständen sie nicht Deiner Herrschaft. Wenn die Lebewesen aber als winzige Energien Deiner Herrlichkeit anerkannt werden, unterliegen sie sogleich Deiner höchsten Herrschaft. Daher bedeutet wirkliche Befreiung, dass sich die Lebewesen Deiner Herrschaft unterwerfen, und diese Ergebung wird sie glücklich machen. Nur in dieser wesensgemäßen Stellung können sie Kontrollierende sein. Menschen mit begrenztem Wissen, die die monistische Theorie vertreten, Gott und die Lebewesen seien in jeder Beziehung gleich, führen daher im Grunde sich und andere in die Irre." Der Höchste Herr, Krsna, ist der einzige Herrscher, und alle Lebewesen werden von Ihm beherrscht. Die Lebewesen sind Seine höhere Energie, denn die Qualität ihrer Existenz gleicht der des Höchsten, doch sind sie dem Herrn niemals quantitativ in Seiner Macht ebenbürtig. Während die höhere Energie (das Lebewesen) die grob- und feinstoffliche niedere Energie (die Materie) ausbeutet, vergißt sie ihren wirklichen, spirituellen Geist und ihre wirkliche, spirituelle Intelligenz. Dieses Vergessen ist auf den Einfluss zurückzuführen, den die Materie auf das Lebewesen ausübt. Wenn das Lebewesen jedoch vom Einfluss der illusionierenden materiellen Energie frei wird, erreicht es die Stufe, die mukti oder Befreiung genannt wird. Unter dem Einfluss der materiellen Illusion denkt das falsche Ego: "Ich bin Materie, und materielle Güter gehören mir." Es erkennt seine wahre Position, wenn es von allen materiellen Vorstellungen, auch der Vorstellung, in jeder Beziehung mit Gott eins zu werden, befreit ist. Man kann also schlussfolgern, dass die Gita bestätigt, dass das Lebewesen nur eine der mannigfaltigen Energien Krsnas ist. Wenn diese Energie von der materiellen Verunreinigung frei ist, wird sie völlig Krsna-Bewusst oder befreit.

VERS 6 Wisse, von allem, was materiell und was spirituell ist in dieser Welt, bin Ich sowohl der Ursprung als auch die Außösung. ERLÄUTERUNG Alles, was existiert, ist ein Produkt von Materie und spiritueller Energie. Die spirituelle Energie ist die Grundlage der Schöpfung, und die Materie wird von der spirituellen Energie geschaffen. Spirituelle Energie entsteht nicht auf einer bestimmten Stufe materieller Entwicklung. Vielmehr ist die materielle Welt nur auf der Grundlage der spirituellen Energie manifestiert. Unser materieller Körper hat sich entwickelt, weil ein spiritueller Funken in der Materie gegenwärtig ist; ein Kind wächst allmählich zum Knaben und dann zum Mann heran, weil diese höhere Energie, die spirituelle Seele, gegenwärtig ist. In ähnlicher Weise entwickelt sich die gesamte kosmische Manifestation des gigantischen Universums, weil die Überseele, Visnu, gegenwärtig ist. Also sind die spirituelle Natur und die Materie, die sich verbinden, um diese gigantische universale Form zu manifestieren, ursprünglich zwei Energien des Herrn, und folglich ist der Herr die ursprüngliche Ursache aller Dinge. Ein fragmentarischer, winziger Bestandteil des Herrn - das Lebewesen - kann durch Manipulation der materiellen Energie einen Wolkenkratzer, eine Fabrik oder eine Stadt bauen, doch kann es nicht Materie aus dem Nichts hervorbringen, und gewiss kann es auch weder einen Planeten noch ein Universum erschaffen. Die Ursache des Universums ist die Überseele, Krsna, der höchste Schöpfer aller individuellen Seelen und die ursprüngliche Ursache aller Ursachen, wie in der Kaòha Upanisad bestätigt wird: nityo nityanam cetanas cetananam.

VERS 7 O Eroberer von Reichtum [Arjuna], es gibt keine Wahrheit über Mir. Alles ruht auf Mir wie Perlen auf einer Schnur. ERLÄUTERUNG Es ist eine alte Streitfrage, ob die Höchste Absolute Wahrheit persönlich oder unpersönlich ist. Soweit es die Bhagavad-Gita betrifft, ist die Absolute Wahrheit die Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, und das wird auf jeder Seite bestätigt. Besonders in diesem Vers wird betont, dass die Absolute Wahrheit eine Person ist. Auch in der Brahma-samhita (5.1) findet man die Bestätigung, dass die Persönlichkeit Gottes die Höchste Absolute Wahrheit ist: „Die Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes, ist Sri Krsna. Er ist der urerste Herr, das Behältnis aller Freude, Govinda, und die ewige Gestalt vollkommener Glückseligkeit und vollkommenen Wissens." Die Autoritäten lassen keinen Zweifel darüber, dass die Absolute Wahrheit die Höchste Person, die Ursache aller Ursachen, ist. Der Unpersönlichkeitsanhänger argumentiert jedoch im Vertrauen auf die Macht der folgenden vedischen Darstellung in der Svetasvatara Upanisad: "In der materiellen Welt gilt Brahma, das urerste Lebewesen im Universum, als der Höchste unter den Halbgöttern, Menschen und niederen Tieren. Über Brahma aber steht die Transzendenz, die keine materielle Form hat und die frei ist von allen materiellen Verunreinigungen. Jeder, der das Absolute zu erkennen vermag, wird ebenfalls transzendental; aber diejenigen, die Es nicht kennen, müssen die Leiden der materiellen Welt ertragen." Der Unpersönlichkeitsanhänger legt mehr Nachdruck auf das Wort arupam, aber dieses arupam bedeutet nicht "unpersönlich". Es deutet auf die transzendentale Gestalt der Ewigkeit, Glückseligkeit und des Wissens hin, wie sie in dem oben zitierten Vers der Brahma-samhita beschrieben wird. Andere Verse in der Svetasvatara Upanisad bestätigen dies wie folgt: "Ich kenne den Herrn, die Höchste Persönlichkeit Gottes, der in transzendentaler Stellung zu allen materiellen Vorstellungen der Dunkelheit steht. Nur wer Ihn kennt, kann die Fesseln von Geburt und Tod transzendieren. Es gibt keinen anderen Weg zur Befreiung als die Erkenntnis der Höchsten Person." "Es gibt keine Wahrheit, die über dieser Höchsten Person steht, denn Er ist der Allerhöchste. Er ist kleiner als das Kleinste, und Er ist größer als das Größte. Er gleicht einem ruhigen Baum, und Er erleuchtet den transzendentalen Himmel; wie ein Baum seine Wurzeln ausbreitet, so verbreitet Er Seine weitreichenden Energien." Aus diesen Versen kann man schließen, dass die Höchste Absolute Wahrheit die Höchste Persönlichkeit Gottes ist, die durch Ihre vielfältigen materiellen und spirituellen Energien alldurchdringend ist.

VERS 8 O Sohn Kuntis, [Arjuna], Ich bin der Geschmack des Wassers, das Licht der Sonne und des Mondes und die Silbe om in den vedischen mantras; Ich bin der Klang im Äther und die Fähigkeit im Menschen. ERLÄUTERUNG Dieser Vers erklärt, wie der Herr durch Seine mannigfaltigen materiellen und spirituellen Energien alldurchdringend ist. Der Höchste Herr kann zunächst durch Seine verschiedenen Energien wahrgenommen werden, und auf diese Weise wird Er in Seinem unpersönlichen Aspekt erkannt. Ebenso, wie der Halbgott der Sonne eine Person ist und durch seine alldurchdringende Energie, den Sonnenschein, wahrgenommen wird, so wird der Herr, obwohl in Seinem ewigen Reich, durch Seine alldurchdringenden, überall verbreiteten Energien wahrgenommen. Der Geschmack des Wassers ist das aktive Prinzip des Wassers. Niemand trinkt gerne Meerwasser, weil der reine Geschmack des Wassers mit Salz vermischt ist. Die Anziehungskraft des Wassers beruht auf der Reinheit seines Geschmacks, und dieser reine Geschmack ist eine der Energien des Herrn. Der Unpersönlichkeitsanhänger nimmt die Gegenwart des Herrn im Wasser durch den Geschmack des Wassers wahr, und der Persönlichkeitsanhänger preist den Herrn, weil dieser so gütig ist, für Wasser zu sorgen, um den Durst der Menschen zu stillen. Das ist der Weg, den Höchsten wahrzunehmen. Eigentlich gibt es zwischen der Persönlichkeitslehre und der Unpersönlichkeitslehre keinen Widerstreit. Wer Gott kennt, weiß, dass die unpersönliche und die persönliche Auffassung gleichzeitig in allem gegenwärtig sind und dass es dabei keinen Widerspruch gibt. Deshalb stellte Sri Krsna Caitanya Seine erhabene Lehre auf: acintya-bheda und abheda-tattvam - gleichzeitig eins und verschieden. Das Licht der Sonne und des Mondes geht ursprünglich ebenfalls vom brahmajyoti, der unpersönlichen Ausstrahlung des Herrn, aus. Auch pranava oder der transzendentale Klang omkara, der am Anfang jeder vedischen Hymne benutzt wird, um den Höchsten Herrn anzurufen, geht von Ihm aus. Weil die Unpersönlichkeitsanhänger große Angst haben, den Höchsten Herrn Krsna bei Seinen unzähligen Namen anzurufen, ziehen sie es vor, den transzendentalen Klang omkara zu vibrieren. Aber sie begreifen nicht, dass omkara die Klangrepräsentation Krsnas ist. Der Bereich des Krsna-Bewusstseins erstreckt sich überallhin, und wer das Krsna-Bewusstsein kennt, ist gesegnet. Diejenigen, die Krsna nicht kennen, befinden sich in Illusion; folglich bedeutet Wissen von Krsna Befreiung und Unkenntnis von Ihm Knechtschaft.

VERS 9 Ich bin der ursprüngliche Duft der Erde, und Ich bin die Hitze im Feuer. Ich bin das Leben alles Lebendigen, und Ich bin die Entsagung aller Asketen. ERLÄUTERUNG Punya bedeutet das, was nicht zersetzt ist - punya bedeutet ursprünglich. Alles in der materiellen Welt hat einen bestimmten Geruch oder Duft, wie zum Beispiel der Wohlgeruch und Duft einer Blume oder der Duft in der Erde, im Wasser, im Feuer oder in der Luft. Der unverunreinigte Duft, der ursprüngliche Duft, der alles durchdringt, ist Krsna. In ähnlicher Weise hat auch alles einen bestimmten ursprünglichen Geschmack, und dieser Geschmack kann durch die Vermischung mit chemischen Stoffen verändert werden. Alles Ursprüngliche hat also einen bestimmten Geruch, einen bestimmten Duft und einen bestimmten Geschmack. Vibhava bedeutet Feuer. Ohne Feuer können wir keine Fabriken unterhalten, können wir nicht kochen usw., und dieses Feuer ist Krsna. Die Hitze im Feuer ist Krsna. Dem vedischen Wissen von Medizin zufolge haben Verdauungsstörungen ihre Ursache in einer zu niedrigen Temperatur im Magen. Selbst für die Verdauung ist also Feuer notwendig. Im Krsna-Bewusstsein werden wir uns Bewusst, dass Erde, Wasser, Feuer, Luft und jedes aktive Prinzip, alle chemischen Stoffe und alle materiellen Elemente ihren Ursprung in Krsna haben. Auch die Lebensdauer eines Menschen hängt von Krsna ab. Durch die Gnade Krsnas kann deshalb ein Mensch sein Leben verlängern oder verkürzen. Krsna-Bewusstsein ist also in jedem Bereich aktiv.

VERS 10 O Sohn Prthas, wisse, dass Ich der ursprüngliche Same aller Lebewesen, die Intelligenz der Intelligenten und die Macht aller mächtigen Menschen bin. ERLÄUTERUNG BÖjam bedeutet "Same", und Krsna ist der Same aller Dinge. In Berührung mit der materiellen Natur keimt der Same zu verschiedenartigen sich bewegenden und sich nicht bewegenden Lebewesen. Vögel, Säugetiere, Menschen und viele andere Geschöpfe sind Lebewesen, die sich bewegen; Bäume und Pßanzen hingegen sind unbeweglich. Jedes Lebewesen ist im Spektrum der 8 400 000 Lebensarten enthalten, von denen einige sich bewegen und andere sich nicht bewegen. In allen Fällen aber ist Krsna der Same ihres Lebens. Wie es in der vedischen Literatur heißt, ist das Brahman oder die Höchste Absolute Wahrheit das, von dem alles ausgeht. Krsna ist Parabrahman, das Höchste Spirituelle Wesen. Brahman ist unpersönlich, und Parabrahman ist persönlich. Das unpersönliche Brahman ist im persönlichen Aspekt enthalten - dies wird in der Bhagavad-Gita erklärt. Daher ist ursprünglich Krsna die Quelle allen Seins. Er ist die Wurzel. Wie die Wurzel eines Baumes den ganzen Baum versorgt, so erhält Krsna, als die ursprüngliche Wurzel alles Existierenden alles in dieser materiellen Manifestation. Dies wird ebenfalls in der vedischen Literatur bestätigt: yato va imani bhutani jayante. "Die Höchste Absolute Wahrheit ist das, von dem alles geboren ist." Er ist der höchste Ewige unter allen Ewigen. Er ist das höchste Lebewesen unter allen Lebewesen, und Er allein erhält alles Leben. Krsna sagt auch, dass Er die Wurzel aller Intelligenz ist. Wenn ein Mensch nicht intelligent ist, kann er die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, nicht verstehen.

VERS 11 Ich bin die Stärke der Starken, frei von Leidenschaft und Verlangen, und Ich bin die Sexualität, die nicht im Widerspruch zu den religiösen Prinzipien steht, o Herr der Bharatas [Arjuna]. ERLÄUTERUNG Die Stärke eines starken Mannes sollte angewandt werden, um die Schwachen zu beschützen, und nicht, um andere anzugreifen. In ähnlicher Weise sollte Sexualität in Übereinstimmung mit den religiösen Prinzipien (dharma) benutzt werden, um Kinder zu zeugen, sonst nicht. Die Verantwortung der Eltern liegt darin, ihre Kinder Krsna-Bewusst zu erziehen.

VERS 12 Alle Daseinsstufen - seien sie in Tugend, Leidenschaft oder Unwissenheit - sind von Meiner Energie manifestiert. In einem gewissen Sinne bin Ich alles - doch bin Ich unabhängig. Ich stehe nicht unter dem Einfluss der Erscheinungsweisen der materiellen Natur. ERLÄUTERUNG Alle materiellen Tätigkeiten in der Welt werden unter dem Einfluss der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur ausgeführt. Obwohl diese materiellen Erscheinungsweisen der Natur vom Höchsten Herrn, Krsna, ausgehen, ist Er ihnen nicht unterworfen. Ein Bürger beispielsweise kann durch die Gesetze des Staates bestraft werden, doch der König, der Gesetzgeber, ist diesen Gesetzen nicht unterworfen. In ähnlicher Weise sind alle

Erscheinungsweisen der materiellen Natur - Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit - Emanationen vom Höchsten Herrn, Krsna, doch Krsna ist der materiellen Natur nicht unterworfen. Deshalb ist Er nirguna, was bedeutet, dass die gunas oder Erscheinungsweisen Ihn nicht beeinßussen, obwohl sie aus Ihm hervorgehen. Das ist eines der besonderen Kennzeichen Bhagavans, der Höchsten Persönlichkeit Gottes.

VERS 13 Getäuscht von den drei Erscheinungsweisen [Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit] kennt die gesamte Welt Mich nicht, der Ich über den Erscheinungsweisen stehe und unerschöpflich bin. ERLÄUTERUNG Die ganze Welt ist von den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur betört. Diejenigen, die von diesen drei Erscheinungsweisen verwirrt sind, können nicht verstehen, dass in transzendentaler Stellung zu dieser materiellen Natur der Höchste Herr, Krsna, steht. In der materiellen Welt steht jeder unter dem Einfluss dieser drei gunas und ist daher verwirrt. Von Natur aus haben die Lebewesen bestimmte

Körperformen und führen dementsprechend bestimmte psychische und biologische Tätigkeiten aus. Es gibt vier Klassen von Menschen, die in den drei materiellen Erscheinungsweisen der Natur handeln. Diejenigen, die sich völlig in der Erscheinungsweise der Tugend befinden, werden brahmanas genannt. Diejenigen, die sich völlig in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befinden, werden ksatriyas genannt. Diejenigen, die sich in den vermischten Erscheinungsweisen von Leidenschaft und Unwissenheit befinden, werden als vaisyas bezeichnet, und diejenigen, die sich völlig in Unwissenheit befinden, heißen sudras. Solche, die auf einer noch tieferen Stufe stehen, sind Tiere, das heißt, sie führen ein tierisches Leben. Diese Bezeichnungen sind jedoch nicht bleibend. Ich mag ein brahmana, ksatriya, vaisya oder was auch immer sein - in jedem Fall ist dieses Leben zeitweilig. Aber obwohl das Leben zeitweilig ist und wir nicht wissen, was wir im nächsten Leben sein werden, sehen wir uns doch, durch den Zauber der illusionierenden Energie, im Licht der körperlichen Lebensauffassung und glauben daher, Amerikaner, Inder, Russe oder brahmana, Hindu oder Moslem zu sein. Und wenn wir in die Erscheinungsweisen der materiellen Natur verstrickt werden, vergessen wir die Höchste Persönlichkeit Gottes, die hinter all diesen Erscheinungsweisen steht. Daher sagt Sri Krsna, dass Menschen, die von diesen Erscheinungsweisen der Natur getäuscht sind, nicht verstehen, dass Sich hinter der materiellen Fassade der Höchste Gott befindet. Es gibt viele verschiedene Arten von Lebewesen - Menschen, Halbgötter, Tiere usw. -, und jedes einzelne von ihnen steht unter dem Einfluss der materiellen Natur, und sie alle haben die transzendentale Persönlichkeit Gottes vergessen. Diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit, und selbst diejenigen, die sich in der Erscheinungsweise der Tugend befinden, können nicht über die unpersönliche Brahman-Auffassung von der Absoluten Wahrheit hinausgelangen. Sie sind vom persönlichen Aspekt des Höchsten Herrn verwirrt, der alle Schönheit, allen Reichtum, alles Wissen, alle Stärke, allen Ruhm und alle Entsagung besitzt. Wenn Ihn selbst diejenigen nicht verstehen, die sich in Tugend befinden, welche Hoffnung besteht dann für solche, die in Leidenschaft und Unwissenheit sind? Krsna-Bewusstsein ist transzendental zu all diesen drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur, und diejenigen, die wahrhaft im Krsna-Bewusstsein verankert sind, sind im Grunde befreit.

VERS 14 Diese Meine göttliche Energie, die aus den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur besteht, ist sehr schwer zu überwinden. Aber diejenigen, die Mir ergeben sind, können sie sehr leicht hinter sich lassen. ERLÄUTERUNG Die Höchste Persönlichkeit Gottes hat unzählige Energien, und all diese Energien sind göttlich. Obwohl die Lebewesen Teile der Energien des Herrn und daher göttlich sind, ist ihre ursprüngliche, höhere Kraft durch Berührung mit der materiellen Energie bedeckt. So von der materiellen Energie bedeckt, kann man unmöglich ihren Einfluss überwinden. Wie schon zuvor erklärt wurde, sind sowohl die materielle als auch die spirituelle Natur ewig, weil sie von der Höchsten Persönlichkeit Gottes ausgehen. Die Lebewesen gehören zur ewigen, höheren Natur des Herrn, aber weil sie durch die niedere Natur, die Materie, verunreinigt sind, ist ihre Illusion ebenfalls ewig. Die bedingte Seele wird deshalb als nitya-baddha oder ewig bedingt bezeichnet. Niemand kann zurückverfolgen, zu welchem Zeitpunkt in der materiellen Geschichte sie bedingt wurde. Folglich ist es für sie sehr schwer, der Gewalt der materiellen Natur zu entkommen - obwohl diese materielle Natur eine niedere Energie ist -, denn die materielle Energie wird letztlich vom höchsten Willen gelenkt, den das Lebewesen nicht überwinden kann. Die niedere materielle Natur wird hier als göttliche Natur definiert, weil sie mit dem Göttlichen verbunden ist und vom göttlichen Willen bewegt wird. Vom göttlichen Willen gelenkt, wirkt die materielle Natur, obwohl untergeordnet, beim Aufbau und bei der Zerstörung der kosmischen Manifestation auf so wunderbare Weise. Die Veden bestätigen dies wie folgt: "Obwohl maya [Illusion] falsch oder zeitweilig ist, ist der Hintergrund mayas der höchste Magier, die Persönlichkeit Gottes, welcher Mahesvara oder der höchste Herrscher genannt wird." Eine andere Bedeutung von guna ist "Seil". Es heißt, dass die bedingte Seele von den Stricken der Illusion straff gefesselt ist. Ein Mensch, der an Händen und Füßen gefesselt ist, kann sich nicht selbst befreien, sondern muss von jemand Hilfe bekommen, der nicht gefesselt ist. Weil ein Gefesselter einem anderen Gefesselten nicht helfen kann, muss der Retter befreit sein. Daher kann allein Sri Krsna oder Sein echter Stellvertreter, der spirituelle Meister, die bedingte Seele befreien. Ohne solche höhere Hilfe kann man nicht aus der Gefangenschaft der materiellen Natur befreit werden. Hingebungsvoller Dienst oder Krsna-Bewusstsein kann einem helfen, diese Befreiung zu erlangen. Da Krsna der Herr der illusionierenden Energie ist, kann Er dieser unüberwindlichen Energie befehlen, die bedingte Seele freizulassen. Er befiehlt diese Freilassung aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit gegenüber der ergebenen Seele und aus Seiner väterlichen Zuneigung zu dem Lebewesen, das ursprünglich ein geliebter Sohn des Herrn ist. Sich den Lotosfüßen des Herrn zu ergeben ist daher das einzige Mittel, aus der Gewalt der strengen materiellen Natur frei zu werden. Die Worte mam eva sind ebenfalls von Bedeutung. Mam bedeutet "allein zu Krsna (Visnu)", und nicht zu Brahma oder Siva. Obwohl Brahma und Siva auf einer sehr hohen Stufe stehen und sich fast auf der gleichen Ebene wie Visnu befinden, ist es für diese Inkarnationen von rajo-guna (Leidenschaft) und tamo-guna (Unwissenheit) nicht möglich, die bedingte Seele aus der Gewalt mayas zu befreien. Mit anderen Worten: Auch Brahma und Siva sind dem Einfluss mayas unterworfen. Allein Visnu ist Herr über maya; deshalb kann nur Er die bedingte Seele befreien. Die Veden bestätigen dies mit dem Satz: "Freiheit ist nur möglich, wenn man Krsna versteht." Selbst Siva bestätigt, dass Befreiung nur durch die Barmherzigkeit Visnus erreicht werden kann. Siva sagt: "Es besteht kein Zweifel darüber, dass Visnu es ist, der jedem Befreiung gewährt."

VERS 15 Jene Schurken, die abgestumpft und dumm, die die Niedrigsten der Menschheit sind, deren Wissen von Illusion gestohlen ist und die das atheistische Wesen von Dämonen haben, ergeben sich Mir nicht. ERLÄUTERUNG In der Bhagavad-Gita wird gesagt, dass man die strengen Gesetze der materiellen Natur überwinden kann, wenn man sich einfach den Lotosfüßen der Höchsten Persönlichkeit, Krsna, ergibt. An diesem Punkt stellt sich folgende Frage: Wie ist es möglich, dass gebildete Philosophen, Wissenschaftler, Geschäftsleute, Politiker und all die Führer der gewöhnlichen Menschen sich den Lotosfüßen Sri Krsnas, der allmächtigen Persönlichkeit Gottes, nicht ergeben? Die Führer der Menschheit suchen schon seit langer Zeit auf verschiedenen Wegen und mit großen Plänen und großer Ausdauer nach mukti oder Befreiung von den Gesetzen der materiellen Natur: doch wenn diese Befreiung möglich ist, indem man sich einfach den Lotosfüßen der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergibt, warum nehmen dann diese intelligenten und hart arbeitenden Führer diese einfache Methode nicht an? Die Gita beantwortet diese Frage sehr offen. Die wirklich gelehrten Führer der Gesellschaft, wie Brahma, Siva, Kapila, die Kumaras, Manu, Vyasa, Devala, Asita, Janaka, Prahlada, Bali und später Madhvacarya, Ramanujacarya, Sri Caitanya und viele andere - die gläubige Philosophen, Politiker, Erzieher, Wissenschaftler usw. sind -, ergeben sich den Lotosfüßen der Höchsten Person, der allmächtigen Autorität. Diejenigen aber, die nicht wirklich Philosophen, Wissenschaftler, Erzieher, Politiker usw. sind, sondern sich nur als solche ausgeben, um materielle Vorteile zu erlangen, erkennen den Plan oder Pfad des Höchsten Herrn nicht an. Sie haben keine Vorstellung von Gott; sie fabrizieren nur ihre eigenen weltlichen Pläne und machen daher die Probleme des materiellen Daseins mit ihren vergeblichen Versuchen, sie zu lösen, nur noch komplizierter. Weil die materielle Energie (die Natur) sehr mächtig ist, kann sie den unautorisierten Plänen der Atheisten widerstehen und das Wissen sogenannter Planungskommissionen nutzlos werden lassen. Die atheistischen Plänemacher werden hier mit dem Wort duskrtina oder (Schurken) bezeichnet. Krtina bedeutet "jemand, der verdienstvolle Arbeit geleistet hat". Der atheistische Plänemacher ist manchmal sehr intelligent und verdient Anerkennung, denn jeder gigantische Plan, ob gut oder schlecht, erfordert Intelligenz, um ausgeführt zu werden. Weil aber das Gehirn des Atheisten falsch benutzt wird - nämlich um dem Plan des Höchsten Herrn entgegenzuwirken -, wird der atheistische Plänemacher duskrtina genannt, was darauf hindeutet, dass seine Intelligenz und seine Anstrengungen in die falsche Richtung gelenkt sind. In der Gita wird klar erwähnt, dass die materielle Energie ganz nach der Weisung des Höchsten Herrn arbeitet. Sie hat keine unabhängige Autorität. Sie wirkt so, wie sich ein Schatten bewegt - in Übereinstimmung mit den Bewegungen eines Gegenstandes. Nichtsdestoweniger ist die materielle Energie sehr mächtig, und aufgrund seines

gottlosen Charakters kann der Atheist weder wissen, wie sie arbeitet, noch kann er den Plan des Höchsten Herrn kennen. Unter dem Einfluss von Illusion und den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit werden all seine Pläne vereitelt, wie es bei Hiranyakasipu und Ravana der Fall war, deren Pläne zu Staub zerschlagen wurden, obwohl beide als Wissenschaftler, Philosophen, Politiker und Erzieher in materieller Hinsicht sehr gelehrt waren. Es gibt vier Arten von duskrtinas oder Schurken, die wie folgt beschrieben werden: (1) Die mudhas sind diejenigen, die abgestumpft und dumm sind wie schwer arbeitende Lasttiere. Sie wollen die Früchte ihrer Arbeit selbst genießen und daher mit dem Höchsten nicht teilen. Das typische Beispiel eines Lasttieres ist der Esel. Dieses anspruchslose Tier wird von seinem Herrn angetrieben, sehr schwer zu arbeiten. Der Esel weiß eigentlich nicht, für wen er Tag und Nacht so schwer arbeitet. Er ist zufrieden, wenn er seinen Magen mit einem Büschel Gras füllen kann, wenn er eine Weile schlafen kann - wobei er befürchten muss, von seinem Herrn geschlagen zu werden - und wenn er seine sexuellen Gelüste befriedigen kann, mit dem Risiko, vom anderen Geschlecht wiederholt getreten zu werden. Der Esel singt auch manchmal Poesie und Philosophie, doch dieses Iahen stört andere nur. Das ist die Lage des dummen fruchtbringenden Arbeiters, der nicht weiß, für wen er arbeiten soll. Er weiß nicht, dass karma (Handlung) für yajna (Opfer) bestimmt ist. Sehr oft sagen diejenigen, die Tag und Nacht sehr schwer arbeiten, um die Last selbstgeschaffener Pflichten zu erleichtern, sie hätten keine Zeit, über die Unsterblichkeit des Lebewesens zu hören. Für solche mudhas sind materielle Gewinne, die vergänglich sind, das ein und alles ihres Lebens, obwohl die mudhas nur einen sehr geringen Teil der Früchte ihrer Arbeit genießen. Manchmal verbringen sie schlaflose Tage und Nächte für fruchttragenden Gewinn, und obwohl sie an Magengeschwüren oder Verdauungsstörungen leiden, sind sie praktisch mit keiner Nahrung zufrieden; sie sind einfach darin vertieft, zum Nutzen illusorischer Meister Tag und Nacht schwer zu arbeiten. Weil sie ihren wirklichen Meister nicht kennen, verschwenden die törichten Arbeiter ihre kostbare Zeit damit, dem Mammon zu dienen. Unglückseligerweise ergeben sie sich weder dem höchsten Meister noch nehmen sie sich Zeit, aus den richtigen Quellen von Ihm zu hören. Das Schwein, das Abfall frisst, kümmert sich nicht um Süßigkeiten aus Zucker und Ghee (Butterfett). In ähnlicher Weise werden die dummen Arbeiter fortfahren, unermüdlich von den sinnengenußreichen Neuigkeiten der flackernden weltlichen Kraft zu hören, die die materielle Welt bewegt. (2) Eine andere Art des duskrtina oder Schurken wird naradhama oder "Niedrigster der Menschheit" genannt. Nara bedeutet "Mensch", und adhama bedeutet "der Niedrigste". Unter den 8 400 000 Lebensformen gibt es 400000 menschliche Arten. Unter diesen gibt es zahlreiche niedere Formen menschlichen Lebens, die größtenteils unzivilisiert sind. Zu den zivilisierten Menschen zählen diejenigen, die in ihrem sozialen, politischen und religiösen Leben regulierenden Prinzipien folgen. Diejenigen, die zwar sozial und politisch entwickelt sind, aber keinen religiösen Prinzipien folgen, müssen als naradhamas angesehen werden. Auch ist Religion ohne Gott keine Religion, denn der Sinn religiöser Prinzipien liegt darin, die Höchste Wahrheit und die Beziehung des Menschen zu Ihr zu erkennen. In der Gita erklärt die Persönlichkeit Gottes unmissverständlich, dass es keine Autorität über Ihr gibt und dass Sie die Höchste Wahrheit ist. Die zivilisierte Form des menschlichen Lebens ist dafür bestimmt, dass der Mensch das verlorene Bewusstsein seiner ewigen Beziehung zur Höchsten Wahrheit, der allmächtigen Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, wiederbelebt. Jeder, der diese Gelegenheit unbeachtet lässt, wird als naradhama eingestuft. Wir erfahren aus offenbarten Schriften, dass das Kind im Mutterleib (eine äußerst unbequeme Lage) zu Gott um Befreiung betet und dass es verspricht, Ihn allein zu verehren, sobald es herauskommt. Zu Gott zu beten, wenn man sich in Schwierigkeiten befindet, ist ein natürlicher Instinkt in jedem Lebewesen, denn es ist ewig mit Gott verbunden. Aber weil das Kind von maya, der illusionierenden Energie, beeinflusst wird, vergisst es nach seiner Befreiung sowohl die Schwierigkeiten der Geburt als auch seinen Befreier. Es ist die Pflicht derjenigen, die das Sorgerecht für Kinder besitzen, das göttliche Bewusstsein, das in ihnen schlummert, wiederzubeleben. In der Manu-smrti, der Anleitung für religiöse Prinzipien, werden zehn Läuterungszeremonien vorgeschrieben, die dafür bestimmt sind, in der Einrichtung des varnasrama das GottesBewusstsein wiederzubeleben. Heutzutage wird jedoch keiner dieser Vorgänge in irgendeinem Teil der Welt streng befolgt, und deshalb sind 99,9 Prozent der Bevölkerung naradhamas. Wenn die gesamte Bevölkerung zu naradhamas wird, wird natürlicherweise ihre gesamte sogenannte Bildung durch die allmächtige Energie der materiellen Natur zunichte gemacht. Nach den Maßstäben der Gita gilt ein Mensch als gelehrt, wenn in seinen Augen ein gelehrter brahmana, ein Hund, eine Kuh, ein Elefant und ein Hundeesser gleich sind. Dies ist die Sicht eines wahren Gottgeweihten. Sri Nityananda Prabhu, der die Inkarnation Gottes als göttlicher Meister ist, befreite zwei typische naradhamas, die Brüder Jagai und Madhai, und zeigte so, wie die Barmherzigkeit eines wahren Gottgeweihten den niedrigsten Menschen zuteil wird. Ein naradhama, der von der Persönlichkeit Gottes verdammt ist, kann also nur durch die Barmherzigkeit eines Gottgeweihten sein spirituelles Bewusstsein wiederbeleben. Sri Caitanya Mahaprabhu, der den bhagavata-dharma oder die Taten der Gottgeweihten verkündete, hat den Menschen empfohlen, in ergebener Haltung die Botschaft der Persönlichkeit Gottes zu hören. Die Essenz dieser Botschaft ist die Bhagavad-Gita. Die Niedrigsten unter den Menschen können nur durch solch ergebenes Hören befreit werden, aber unglücklicherweise weigern sie sich sogar, diesen Botschaften auch nur zuzuhören, geschweige denn, sich dem Höchsten Herrn zu unterwerfen. Naradhamas oder die Niedrigsten der Menschheit vernachlässigen die erste Pflicht des Menschen völlig. (3) Die nächste Klasse von duskrtina nennt man mayayapahrta-jnana oder diejenigen, deren umfassendes Wissen durch den Einfluss der illusionierenden materiellen Energie zunichte gemacht worden ist. Die meisten von ihnen sind sehr gelehrt - große Philosophen, Dichter, Literaten, Wissenschaftler usw. -, doch die illusionierende Energie führt sie in die Irre, und daher gehorchen sie dem Höchsten Herrn nicht. Heutzutage gibt es sogar unter den Gelehrten der Gita eine große Anzahl mayayapahrta-jnanas. In der Gita wird mit einfachen und verständlichen Worten erklärt, dass Sri Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Es gibt niemanden, der Ihm gleichkommt oder größer ist als Er. Er wird als der Vater Brahmas, des ursprünglichen Vaters aller Lebewesen, bezeichnet. Ja, Sri Krsna gilt nicht nur als der Vater Brahmas, sondern auch als der Vater aller Lebensformen. Er ist die Wurzel des unpersönlichen Brahman und des Paramatma. Die Überseele in jedem Lebewesen ist Sein vollständiger Teil. Er ist der Urquell allen Seins, und jedem wird geraten, sich Seinen Lotosfüßen zu ergeben. Trotz all dieser deutlichen Aussagen verspotten die mayayapahrta-jnanas die Persönlichkeit des Höchsten Herrn und halten Ihn lediglich für einen gewöhnlichen Menschen. Sie wissen nicht, dass die gesegnete Form des menschlichen Lebens nach der ewigen und transzendentalen Gestalt des Höchsten Herrn entworfen ist. Alle unautorisierten Interpretationen der Gita seitens der mayayapahrta-jnanas, außerhalb des parampara-Systems, bilden nur Hindernisse auf dem Pfad spirituellen Verstehens. Weder ergeben sich diese verblendeten Interpreten den Lotosfüßen Sri Krsnas, noch lehren sie andere, diesem Prinzip zu folgen. (4) Die letzte Klasse von duskrtina wird als asuram bhavam asrita bezeichnet; es sind diejenigen, die dämonischen Prinzipien folgen. Diese Gruppe ist unverhüllt atheistisch. Einige von ihnen argumentieren, der Höchste Herr könne niemals in die materielle Welt herabsteigen, doch sind sie nicht imstande, irgendwelche stichhaltigen Gründe dafür anzugeben, warum dies nicht möglich sein soll. Es gibt andere, die Ihn dem unpersönlichen Aspekt unterordnen, obwohl in der Gita das Gegenteil erklärt wird. Da der Atheist die Höchste Persönlichkeit Gottes beneidet, wird er eine Anzahl von unzulässigen Inkarnationen präsentieren, die er in der Fabrik seines Gehirns produziert hat. Solche Menschen, deren Lebensprinzip es ist, die Persönlichkeit Gottes herabzuwürdigen, können sich den Lotosfüßen Sri Krsnas nicht ergeben. Sri Yamunacarya Albandru aus Südindien sagte: "O mein Herr! Du bist von Menschen mit atheistischen Prinzipien nicht zu erkennen - trotz Deiner ungewöhnlichen Eigenschaften, Merkmale und Taten, trotz Deiner Persönlichkeit, die von allen offenbarten Schriften in der Erscheinungsweise der Tugend bestätigt wird, und obwohl Du von allen berühmten Autoritäten anerkannt wirst, die für ihr tiefgründiges Wissen in der transzendentalen Wissenschaft berühmt sind und die göttliche Eigenschaften besitzen." (l) Die abgestumpften und dummen Menschen, (2) die Niedrigsten der Menschheit, (3) die irregeführten Spekulanten und (4) die erklärten Atheisten ergeben sich also, wie oben erwähnt wurde, trotz aller Ratschläge der Schriften und Autoritäten niemals den Lotosfüßen der Persönlichkeit Gottes.

VERS 16 O Bester unter den Bharatas [Arjuna], vier Arten frommer Menschen dienen Mir in Hingabe - der Notleidende, derjenige, der nach Reichtum begehrt, der Neugierige und derjenige, der nach der Absoluten Wahrheit sucht. ERLÄUTERUNG Im Gegensatz zu den Schurken folgen diese Menschen den regulierenden Prinzipien der Schriften und werden daher sukrtina genannt oder diejenigen, die den Regeln und Regulierungen der Schriften und den Moral- und Sozialgesetzen gehorchen und mehr oder weniger dem Höchsten Herrn ergeben sind. Sie werden in vier Gruppen unterteilt: diejenigen, die manchmal Not leiden; diejenigen, die Geld brauchen; diejenigen, die manchmal Fragen stellen, und diejenigen, die manchmal nach Wissen von der Absoluten Wahrheit suchen. Diese Menschen kommen zum Höchsten Herrn, um Ihm unter verschiedenen Bedingungen hingebungsvollen Dienst zu leisten. Sie sind keine reinen Gottgeweihten, weil sie im Austausch für hingebungsvollen Dienst bestimmte Wünsche erfüllt haben wollen. Reiner hingebungsvoller Dienst ist frei von Bestrebungen und ohne den Wunsch nach materiellem Profit. Der Bhakti-rasamrta-sindhu definiert reine Hingabe auf folgende Weise: "Man sollte dem Höchsten Herrn, Krsna, transzendentalen liebevollen Dienst in einer wohlgesinnten Haltung darbringen, ohne das Verlangen nach materiellem Profit oder Gewinn durch fruchtbringende Tätigkeiten oder philosophische Spekulation. Das wird reiner hingebungsvoller Dienst genannt." Wenn diese vier Arten von Menschen zum Höchsten Herrn kommen, um Ihm hingebungsvollen Dienst darzubringen, und durch das Zusammensein mit einem reinen Gottgeweihten vollständig gereinigt sind, werden sie ebenfalls zu reinen Gottgeweihten. Was die Schurken betrifft, so ist hingebungsvoller Dienst für sie sehr schwierig, weil ihr Leben selbstsüchtig, unreguliert und ohne spirituelle Ziele ist. Aber sogar einige von ihnen werden zu reinen Gottgeweihten, wenn sie zufällig mit einem reinen Gottgeweihten zusammenkommen. Diejenigen, die immer emsig fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen, wenden sich an den Herrn, wenn sie in materieller Not sind, kommen dann mit reinen Gottgeweihten zusammen und werden in ihrer Not Geweihte des Herrn. Solche, die einfach frustriert sind, suchen ebenfalls manchmal reine Gottgeweihte auf und werden wissbegierig, etwas über Gott zu erfahren. In ähnlicher Weise wollen bisweilen die trockenen Philosophen, wenn sie auf jedem Wissensgebiet frustriert sind, über Gott lernen, und sie kommen zum Höchsten Herrn, um hingebungsvollen Dienst zu leisten und transzendieren so das unpersönliche Brahman und den lokalisierten Paramatma und kommen durch die Gnade des Höchsten Herrn oder Seines reinen Geweihten zur persönlichen Auffassung von Gott. Wenn also die Notleidenden, die Neugierigen, die nach Wissen Suchenden und diejenigen, die in Geldnot sind, frei von allen materiellen Wünschen sind und vollständig verstehen, dass materielle Entlohnung nichts mit spiritueller Vervollkommnung zu tun hat, werden sie zu reinen Gottgeweihten. Solange die Gottgeweihten im transzendentalen Dienst des Herrn solch eine gereinigte Stufe nicht erreicht haben, sind sie durch fruchtbringende Tatigkeiten beßeckt und suchen nach weltlichem Wissen usw. Man muss daher all diese Dinge hinter sich lassen, bevor man zur Stufe reinen hingebungsvollen Dienstes kommen kann.

VERS 17 Von ihnen ist der Weise, der in völligem Wissen mit Mir durch reinen hingebungsvollen Dienst vereinigt ist, der beste; denn Ich bin ihm sehr lieb, und er ist Mir lieb. ERLÄUTERUNG Frei von allen Verunreinigungen durch materielle Wünsche, können die Notleidenden, die Neugierigen, die Mittellosen und die nach höchstem Wissen Suchenden alle zu reinen Gottgeweihten werden. Doch nur wer von ihnen im Wissen über die Absolute Wahrheit gründet und von allen materiellen Wünschen frei ist, kann ein wirklich reiner Geweihter des Herrn werden. Von diesen vier Arten ist der Gottgeweihte, der über vollständiges Wissen verfügt und gleichzeitig im hingebungsvollen Dienst tätig ist, der beste, sagt der Herr. Wenn man nach Wissen forscht, erkennt man, dass das Selbst vom materiellen Körper verschieden ist, und wenn man weitere Fortschritte macht, erlangt man Wissen über das unpersönliche Brahman und den Paramatma. Wenn man völlig gereinigt ist, erkennt man, dass man dem Wesen nach der ewige Diener Gottes ist. Durch die Gemeinschaft mit reinen Gottgeweihten werden also der Neugierige, der Notleidende, derjenige, der nach materieller Verbesserung strebt, und derjenige, der über Wissen verfügt, alle ebenfalls rein. Im Vorbereitungsstadium aber ist derjenige, der volles Wissen vom Höchsten Herrn hat und zugleich hingebungsvollen Dienst ausführt, dem Herrn sehr lieb. Wer im reinen Wissen von der Transzendenz der Höchsten Persönlichkeit Gottes verankert ist, wird im hingebungsvollen Dienst so gut beschützt, dass materielle Verunreinigungen ihn nicht berühren können.

VERS 18 All diese Geweihten sind zweifellos große Seelen, doch derjenige, der im Wissen über Mich gründet, weilt Meines Erachtens wahrhaft in Mir. Weil er in Meinem transzendentalen Dienst tätig ist, erreicht er Mich. ERLÄUTERUNG Es ist nicht so, dass andere Geweihte, die über weniger Wissen verfügen, dem Herrn nicht lieb sind. Der Herr sagt, dass sie alle großmütig sind, weil jeder, der aus irgendeinem Grund zum Herrn kommt, als mahatma oder große Seele zu bezeichnen ist. Die Gottgeweihten, die aus hingebungsvollem Dienst einen Nutzen ziehen wollen, werden vom Herrn akzeptiert, weil ein Austausch von Zuneigung stattfindet. Aus Zuneigung bitten sie den Herrn um einen materiellen Vorteil, und wenn sie ihn bekommen, werden sie so zufrieden, dass sie auch im hingebungsvollen Dienst Fortschritte machen. Der Gottgeweihte in völligem Wissen aber ist dem Herrn sehr lieb, weil es sein einziges Ziel ist, dem Höchsten Herrn mit Liebe und Hingabe zu dienen. Solch ein Gottgeweihter kann nicht eine Sekunde leben, ohne mit dem Höchsten Herrn verbunden zu sein oder Ihm zu dienen. In ähnlicher Weise liebt auch der Höchste Herr Seinen Geweihten sehr und kann von ihm nicht getrennt sein. Im Srimad-Bhagavatam (9.4.63) sagt der Herr: "Die Gottgeweihten sind immer in Meinem Herzen, und Ich bin immer im Herzen der Gottgeweihten. Der Gottgeweihte kennt nichts außer Mir, und auch Ich kann den Gottgeweihten nicht vergessen. Zwischen Mir und den reinen Gottgeweihten besteht eine innige Beziehung. Reine Gottgeweihte in völligem Wissen sind niemals ohne spirituelle Verbindung, und daher sind sie Mir sehr lieb."

VERS 19 Wer nach vielen Geburten und Toden tatsächlich in Wissen gründet, ergibt sich Mir, da er weiß, dass Ich die Ursache aller Ursachen und dass Ich alles bin. Solch eine große Seele ist sehr selten. ERLÄUTERUNG Während das Lebewesen nach vielen, vielen Geburten hingebungsvollen Dienst oder transzendentale Rituale ausführt, mag es in transzendentalem reinem Wissen verankert werden und erkennen, dass die Höchste Persönlichkeit Gottes das endgültige Ziel spiritueller Erkenntnis ist. Zu Beginn spiritueller Erkenntnis, während man versucht, seine Anhaftung an den Materialismus aufzugeben, neigt man sehr leicht zur Unpersönlichkeitslehre; doch wenn man weitere Fortschritte macht, kann man verstehen, dass es im spirituellen Leben Tätigkeiten gibt und dass diese Tätigkeiten den hingebungsvollen Dienst ausmachen. Wenn man dies erkennt, entwickelt man Anhaftung an die Höchste Persönlichkeit Gottes und ergibt sich dem Herrn. Dann kann man verstehen, dass Sri Krsnas Barmherzigkeit alles ist, dass Er die Ursache aller Ursachen ist und dass die materielle Manifestation nicht unabhängig von Ihm existiert. Man erkennt, dass die materielle Welt eine verzerrte Spiegelung der spirituellen Mannigfaltigkeit ist und dass alles eine Beziehung zum Höchsten Herrn, Sri Krsna, hat. Auf diese Weise sieht man alles in Beziehung zu Vasudeva oder Sri Krsna. Solch eine universale Sicht von Vasudeva beschleunigt unsere völlige Hingabe an den Höchsten Herrn, Sri Krsna, als das höchste Ziel. Solche ergebenen großen Seelen sind sehr selten. Dieser Vers wird sehr schön im Dritten Kapitel der Svetasvatara Upanisad erklärt: "In unserem Körper wirken die Kräfte des Sprechens, des Sehens, des Hörens, mentaler Tätigkeiten usw. Sie sind jedoch unbedeutend, wenn sie nicht mit dem Höchsten Herrn verbunden sind. Und weil Vasudeva alldurchdringend und alles Vasudeva ist, ergibt sich der Gottgeweihte in vollem Wissen." (Vgl. Bg. 7.17 und 11.40)

VERS 20 Diejenigen, deren Geist durch materielle Wünsche verzerrt ist, ergeben sich Halbgöttern und folgen, ihrem eigenen Wesen entsprechend, bestimmten Regeln und Vorschriften der Verehrung. ERLÄUTERUNG Diejenigen, die von allen materiellen Verunreinigungen befreit sind, ergeben sich dem Höchsten Herrn und beschäftigen sich in Seinem hingebungsvollen Dienst. So lange die materielle Verunreinigung nicht vollständig fortgewaschen ist, sind sie von Natur aus Nichtgottgeweihte. Aber selbst diejenigen, die materielle Wünsche haben und beim Höchsten Herrn Zuflucht suchen, werden von der äußeren Natur nicht übermäßig angezogen, und weil sie sich dem wahren Ziel nähern, werden sie bald von aller materiellen Lust frei. Im Srimad-Bhagavatam (2.3.10) wird empfohlen: "Ganz gleich, ob man frei von allen materiellen Verlangen ist, ob man voller materieller Verlangen ist, ob man nach Befreiung von der materiellen Verunreinigung strebt oder ob man ein reiner Gottgeweihter ist und kein Verlangen nach Sinnenbefriedigung hat - in jedem Fall sollte man sich Vasudeva ergeben und Ihn verehren." Im Bhagavatam heißt es auch, dass weniger intelligente Menschen, die ihr spirituelles Verständnis verloren haben, bei Halbgöttern Zuflucht suchen, um sich ihre materiellen Wünsche umgehend erfüllen zu lassen. Im allgemeinen wenden sich solche Menschen nicht an die Höchste Persönlichkeit Gottes, da sie sich in bestimmten Erscheinungsweisen der Natur (Unwissenheit und Leidenschaft) befinden und deshalb verschiedene

Halbgötter verehren. Indem sie den Regeln und Vorschriften der Verehrung folgen, sind sie zufrieden. Die Verehrer der Halbgötter sind von kleinen Wünschen motiviert und wissen nicht, wie das höchste Ziel zu erreichen ist; doch ein Geweihter des Höchsten Herrn läßt sich nicht irreführen. Weil in den vedischen Schriften empfohlen wird, für verschiedene Zwecke verschiedene Götter zu verehren (zum Beispiel wird einem Kranken empfohlen, die Sonne zu verehren), glauben diejenigen, die keine Geweihten des Herrn sind, für bestimmte Zwecke seien Halbgötter besser als der Höchste Herr. Ein reiner Gottgeweihter jedoch weiß, dass der Höchste Herr, Krsna, der Meister aller ist. Im Caitanya-caritamrta wird gesagt, dass nur die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, Meister ist und dass alle anderen Diener sind. Deshalb wendet sich ein reiner Gottgeweihter niemals an die Halbgötter, um sich seine materiellen Bedürfnisse erfüllen zu lassen. Er verlässt sich auf den Höchsten Herrn und ist mit dem zufrieden, was immer dieser ihm gibt.

VERS 21 Ich weile als Überseele im Herzen eines jeden. Sobald jemand den Wunsch hat, die Halbgötter zu verehren, festige Ich seinen Glauben, so dass er sich einer bestimmten Gottheit hingeben kann. ERLÄUTERUNG Gott hat jedem Unabhängigkeit gegeben; wenn daher jemand den Wunsch hat, materiellen Genuss zu erfahren, und sich aufrichtig die Möglichkeiten hierzu von den materiellen Halbgöttern wünscht, versteht dies der Höchste Herr als Überseele im Herzen eines jeden und gewährt solchen Menschen diese Möglichkeiten. Als der höchste Vater aller Lebewesen mischt Er Sich nicht in ihre Unabhängigkeit ein, sondern gibt alle Möglichkeiten, so dass sie sich ihre materiellen Wünsche erfüllen können. Manche mögen fragen, warum der allmächtige Gott den Lebewesen die Gelegenheit gibt, die materielle Welt zu genießen, und sie damit in die Falle der illusionierenden Energie gehen läßt. Die Antwort lautet, dass unsere Unabhängigkeit keine Bedeutung hätte, wenn der Höchste Herr als Überseele diese Möglichkeiten nicht gäbe. Deshalb gewährt Er jedem völlige Unabhängigkeit - was immer man möchte - aber Seine endgültige Anweisung finden wir in der Bhagavad-Gita: Der Mensch soll alle anderen Beschäftigungen aufgeben und sich Ihm völlig ergeben. Das wird die Menschen glücklich machen. Sowohl das Lebewesen als auch die Halbgötter sind dem Willen der Höchsten Persönlichkeit Gottes untergeordnet; deshalb kann das Lebewesen einen Halbgott nicht aus seinem eigenen Verlangen heraus verehren, noch kann ein Halbgott irgendeine Segnung ohne den höchsten Willen erteilen. Wie gesagt wird, kann sich nicht einmal ein Grashalm ohne den Willen der Höchsten Persönlichkeit Gottes bewegen. Wie in den vedischen Schriften empfohlen wird, wenden sich Menschen, die in der materiellen Welt Not leiden, im allgemeinen an die Halbgötter. Jemand, der etwas Bestimmtes begehrt, kann den dafür zuständigen Halbgott verehren. Einem Kranken zum Beispiel wird empfohlen, den Sonnengott zu verehren; ein Mensch, der gebildet sein möchte, kann die Göttin der Gelehrsamkeit, Sarasvati, verehren, und jemand, der eine schöne Frau begehrt, kann die Göttin Uma, die Gemahlin Sivas, verehren. Auf diese Weise gibt es in den sastras (den vedischen Schriften) Empfehlungen, wie man verschiedene Halbgötter auf verschiedene Weise verehren kann. Und weil ein bestimmtes Lebewesen eine bestimmte materielle Annehmlichkeit genießen will, weckt der Herr in ihm ein starkes Verlangen, diese Segnung von dem betreffenden Halbgott zu erlangen, und so hat das Lebewesen Erfolg und wird mit dem Gewünschten gesegnet. Der Höchste Herr sorgt ebenfalls dafür, in welcher Haltung das Lebewesen einen bestimmten Halbgott verehrt. Die Halbgötter können die Lebewesen nicht mit einer solchen Neigung erfüllen, aber weil Krsna der Höchste Herr oder die Überseele ist, die im Herzen aller Lebewesen gegenwärtig ist, veranlasst Er den Menschen, bestimmte Halbgötter zu verehren. Die Halbgötter sind eigentlich verschiedene Teile des universalen Körpers des Höchsten Herrn; deshalb haben sie keine Unabhängigkeit. In der vedischen Literatur (Taittiriya Upanisad, Erster Anuvaka) heißt es: "Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist als Überseele auch im Herzen des Halbgottes gegenwärtig; daher sorgt Sie durch den Halbgott dafür, dass der Wunsch des Lebewesens erfüllt wird. Aber sowohl der Halbgott als auch das Lebewesen sind vom höchsten Willen abhängig. Sie sind nicht unabhängig."

VERS 22 Mit solchem Glauben versehen, sucht er die Gunst eines bestimmten Halbgottes, und seine Wünsche werden erfüllt. Doch in Wirklichkeit werden diese Segnungen von Mir allein erteilt. ERLÄUTERUNG Ohne die Einwilligung des Höchsten Herrn können die Halbgötter ihren Geweihten keine Segnung gewähren. Das Lebewesen mag vergessen, dass alles das Eigentum des Höchsten Herrn ist, doch die Halbgötter vergessen dies nicht. Die Verehrung der Halbgötter und das Erreichen der gewünschten Ergebnisse hängen also nicht von den Halbgöttern ab, sondern von den Vorkehrungen der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das weniger intelligente Lebewesen weiß dies nicht und wendet sich daher törichterweise an die Halbgötter, um einen Vorteil zu bekommen. Der reine Gottgeweihte aber betet nur zum Höchsten Herrn, wenn er etwas braucht. Um materielle Vorteile zu bitten ist jedoch nicht das Zeichen eines reinen Gottgeweihten. Ein Lebewesen wendet sich gewöhnlich an die Halbgötter, weil es verrückt danach ist, seine Lust zu befriedigen. Dies geschieht, wenn sich das Lebewesen etwas Ungebührliches wünscht und der Herr Selbst den Wunsch nicht erfüllt. Im Caitanya-caritamrta heißt es, dass jemand, der den Höchsten Herrn verehrt und gleichzeitig nach materiellem Genuß trachtet, widersprüchliche Wünsche hat. Hingebungsvoller Dienst für den Höchsten Herrn und die Verehrung eines Halbgottes können sich nicht auf der gleichen Ebene befinden, weil die Verehrung eines Halbgottes materiell und hingebungsvoller Dienst für den Höchsten Herrn völlig spirituell ist. Für das Lebewesen, das den Wunsch hat, zu Gott zurückzukehren, sind materielle Wünsche Hindernisse. Einem reinen Geweihten des Herrn werden deshalb die materiellen Vorteile nicht gewährt, die von weniger intelligenten Lebewesen begehrt werden, welche es vorziehen, lieber die Halbgötter der materiellen Welt zu verehren, als sich im hingebungsvollen Dienst des Höchsten Herrn zu beschäftigen.

VERS 23 Menschen mit geringer Intelligenz verehren die Halbgötter, und ihre Früchte sind begrenzt und vergänglich. Die Verehrer der Halbgötter gehen zu den Planeten der Halbgötter, doch Meine Geweihten erreichen letztlich Meinen höchsten Planeten. ERLÄUTERUNG Einige Kommentatoren der Gita sagen, dass jemand, der einen Halbgott verehre, den Höchsten Herrn erreichen könne, doch hier wird eindeutig gesagt, dass die Verehrer der Halbgötter zu den verschiedenen Plantensystemen gehen, auf denen verschiedene Halbgötter leben. Ein Verehrer der Sonne erreicht zum Beispiel die Sonne, und ein Verehrer des Mondgottes gelangt zum Mond. Wenn jemand einen Halbgott wie Indra verehren will, so kann er den Planeten dieses jeweiligen Gottes erreichen. Es ist nicht so, dass jeder, egal welchen Halbgott er verehrt, die Höchste Persönlichkeit Gottes erreichen wird. Das wird hier verneint, denn es heißt klar, dass die Verehrer der Halbgötter zu den verschiedenen Planeten der Halbgötter in der materiellen Welt gelangen, dass aber der Geweihte des Höchsten Herrn direkt den höchsten Planeten der Persönlichkeit Gottes erreicht. Man mag nun einwenden: Wenn die Halbgötter verschiedene Teile des Körpers des Höchsten Herrn sind, dann müßte man durch ihre Verehrung das gleiche Ziel erreichen. Die Verehrer der Halbgötter sind jedoch weniger intelligent, da sie nicht wissen, welchem Teil des Körpers Nahrung zugeführt werden muss. Einige von ihnen sind so verblendet, dass sie behaupten, man könne vielen Körperteilen auf verschiedenen Wegen Nahrung zuführen. Diese Ansicht ist nicht sehr vernünftig, denn kann jemand seinem Körper durch die Augen oder Ohren Nahrung zuführen? Sie wissen nicht, dass die Halbgötter verschiedene Teile des universalen Körpers des Höchsten Herrn sind, und so glauben sie in ihrer Unwissenheit, jeder einzelne Halbgott sei ein gesonderter Gott und ein Rivale des Höchsten Herrn. Nicht nur die Halbgötter sind Teile des Höchsten Herrn, sondern auch die gewöhnlichen Lebewesen. Im Srimad-Bhagavatam heißt es, dass die brahmanas der Kopf des Höchsten Herrn sind, die ksatriyas die Arme usw., und dass sie alle verschiedene Funktionen haben. Wenn jemand weiß, dass sowohl die Halbgötter als auch er selbst - ungeachtet der verschiedenen Positionen - winzige Bestandteile des Höchsten Herrn sind, ist sein Wissen vollkommen. Wenn er dies jedoch nicht versteht, erreicht er verschiedene Planeten, auf denen die Halbgötter wohnen. Dies ist nicht der gleiche Bestimmungsort wie der, den der Gottgeweihte erreicht. Die Ergebnisse, die durch die Segnungen der Halbgötter erreicht werden, sind vergänglich, weil in der materiellen Welt die Planeten, die Halbgötter und ihre Verehrer alle vergänglich sind. Deshalb wird in diesem Vers klar gesagt, dass alle Ergebnisse der Halbgötterverehrung vergänglich sind, und daher wird solche Verehrung nur von dem weniger intelligenten Lebewesen betrieben. Weil der reine Gottgeweihte, der im Krsna-Bewusstsein im hingebungsvollen Dienst des Höchsten Herrn tätig ist, ein ewiges glückseliges Dasein voller Wissen erreicht, unterscheidet sich sein Erfolg vom Erfolg des gewöhnlichen Verehrers der Halbgötter. Der Höchste Herr ist unbegrenzt; Seine Gunst ist unbegrenzt, und Seine Barmherzigkeit ist unbegrenzt. Deshalb ist die Barmherzigkeit, die der Höchste Herr Seinen reinen Geweihten gewährt, unbegrenzt.

VERS 24 Unintelligente Menschen, die Mich nicht kennen, glauben, Ich hätte diese Gestalt und Persönlichkeit angenommen. Weil sie nur über geringes Wissen verfügen, kennen sie Mein höheres Wesen nicht, das ohne Wandel und erhaben ist. ERLÄUTERUNG Diejenigen, die die Halbgötter verehren, sind als weniger intelligente Menschen beschrieben worden, und hier wird Ähnliches über die Unpersönlichkeitsanhänger gesagt. Sri Krsna spricht hier zu Arjuna in Seiner persönlichen Gestalt, und dennoch behaupten Unpersönlichkeitsanhänger in ihrer Unwissenheit, der Höchste Herr habe letztlich keine Form. Yamunacarya, ein großer Geweihter des Herrn in der Schülernachfolge Ramanujacaryas, hat in in diesem Zusammenhang zwei sehr treffende Verse geschrieben. Er sagt: "Mein lieber Herr, Gottgeweihte wie Vyasadeva und Narada wissen, dass Du die Persönlichkeit Gottes bist. Wenn man verschiedene vedische Schriften versteht, kann man dahin gelangen, Deine Merkmale, Deine Gestalt und Deine Taten zu kennen, und so kann man verstehen, dass Du die Höchste Persönlichkeit Gottes bist. Doch diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit befinden, die Dämonen, die Nichtgottgeweihten, können Dich nicht verstehen. Sie sind unfähig, Dich zu verstehen. Ganz gleich, wie kundig solche Nichtgottgeweihten darin sein mögen, den Vedanta, die Upanisaden und andere vedische Schriften zu diskutieren, es ist ihnen nicht möglich, die Persönlichkeit Gottes zu verstehen." In der Brahma-samhita wird gesagt, dass die Persönlichkeit Gottes nicht einfach durch das Studium der Vedanta-Literatur verstanden werden kann. Nur durch die Barmherzigkeit des Höchsten Herrn kann die Persönlichkeit des Höchsten erkannt werden. Deshalb heißt es in diesem Vers, dass nicht nur die Verehrer der Halbgötter weniger intelligent sind, sondern auch die Nichtgottgeweihten, die sich ohne die geringste Spur wahren Krsna-Bewusstseins mit dem Vedanta befassen und über die vedische Literatur spekulieren. Ihnen ist es auch nicht möglich, das persönliche Wesen Gottes zu verstehen. Menschen, die unter dem Eindruck stehen, die Absolute Wahrheit sei unpersönlich, werden als asuras bezeichnet, womit jene gemeint sind, die den endgültigen Aspekt der Absoluten Wahrheit nicht kennen. Im Srimad-Bhagavatam wird gesagt, dass die höchste Erkenntnis mit dem unpersönlichen Brahman beginnt und dann zur lokalisierten Überseele aufsteigt - doch der höchste Aspekt der Absoluten Wahrheit ist die Persönlichkeit Gottes. Moderne Unpersönlichkeitsanhä nger sind noch weniger intelligent, denn sie folgen nicht einmal ihrem großen Vorgänger, Sankaracarya, der besonders darauf hingewiesen hat, dass Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Da Unpersönlichkeitsanhänger die Höchste Wahrheit nicht verstehen können, glauben sie folglich, Krsna sei nur der Sohn Devakis und Vasudevas oder ein Prinz oder ein mächtiges Lebewesen. Das wird ebenfalls in der Bhagavad-Gita (9.11.) verurteilt: "Nur die Toren halten Mich für einen gewöhnlichen Menschen." Tatsache ist, dass niemand Krsna verstehen kann, ohne hingebungsvollen Dienst zu leisten und Krsna-Bewusstsein zu entwickeln. Die Gita bestätigt das. Man kann Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Seine Gestalt, Seine Eigenschaften oder Seinen Namen nicht durch gedankliche Spekulation oder Erörterung der vedischen Literatur verstehen. Man muss Ihn durch hingebungsvollen Dienst verstehen. Nur dann, wenn man völlig im Krsna-Bewusstsein beschäftigt ist, das mit dem Chanten des maha-mantra - Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare - beginnt, kann man die Höchste Persönlichkeit Gottes verstehen. Nichtgottgeweihte Unpersönlichkeitsphilosophen glauben, Krsna habe einen von der materiellen Natur geschaffenen Körper und all Seine Taten, Seine Gestalt und alles andere seien maya. Diese Unpersönlichkeitsanhänger sind als MayavadÖs bekannt. Sie kennen die endgültige Wahrheit nicht. Im 20. Vers heißt es klar: "Diejenigen, die durch lustvolle Wünsche verblendet sind, ergeben sich den verschiedenen Halbgöttern." Es ist unbestritten, dass es neben der Höchsten Persönlichkeit Gottes Halbgötter gibt, die ihre verschiedenen Planeten haben (Bg. 7.23), und auch der Herr hat einen Planeten. Es wird auch gesagt, dass die Verehrer der Halbgötter zu den verschiedenen Planeten der Halbgötter gelangen und dass die Geweihten Sri Krsnas den Krsnaloka-Planeten erreichen. Obwohl dies klar gesagt wird, halten die törichten Unpersönlichkeitsanhänger immer noch an der Vorstellung fest, der Herr sei formlos und Seine Formen seien Täuschungen. Geht aus dem Studium der Gita etwa hervor, dass die Halbgötter und ihre Aufenthaltsorte unpersönlich sind? Es ist klar, dass weder die Halbgötter noch Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, unpersönlich sind. Sie sind alle Personen; Sri Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes; Er hat Seinen eigenen Planeten, und auch die Halbgötter haben ihre Planeten. Deshalb ist die monistische Behauptung, die endgültige Wahrheit sei formlos und jede Form sei Einbildung, falsch. Es wird hier eindeutig gesagt, dass sie keine Einbildung ist. Aus der Gita können wir klar verstehen, dass die Formen der Halbgötter und die Gestalt des Höchsten Herrn gleichzeitig existieren und dass Sri Krsna sac-cid-ananda oder ewiges, glückseliges Wissen ist. Die Veden bestätigen ebenfalls, dass die Höchste Absolute Wahrheit anandamaya oder voller glückseliger Freude ist und dass der Herr abhyasat ist, das heißt von Natur aus das Behältnis unbegrenzter glückspendender Eigenschaften. Und in der Gita sagt der Herr, dass Er, obwohl Er aja (ungeboren) ist, dennoch erscheint. Das sind die Tatsachen, die wir aus der Gita verstehen sollten. Wir können nicht verstehen, wie die Höchste Persönlichkeit Gottes unpersönlich sein kann; die betrügerische Theorie der monistischen Unpersönlichkeitsanhänger ist falsch, soweit es die Aussagen der Gita betrifft. Es wird hier klar, dass die Höchste Absolute Wahrheit, Sri Krsna, sowohl Gestalt als auch Persönlichkeit hat.

VERS 25 Den Toren und Dummköpfen bin Ich niemals sichtbar. Für sie bin Ich von Meiner ewigen schöpferischen Energie [yoga-maya] verhüllt, und daher kennt die verblendete Welt Mich nicht, der Ich ungeboren und unfehlbar bin. ERLÄUTERUNG Man mag einwenden, wenn Krsna auf dieser Erde gegenwärtig und allen Menschen sichtbar war, warum ist Er dann nicht auch heute jedem sichtbar? In Wirklichkeit aber war Er nicht jedem sichtbar. Als Krsna hier war, gab es nur wenige Menschen, die Ihn als die Höchste Persönlichkeit Gottes verstanden. Als sich Sisupala in der Versammlung der Kurus dagegen aussprach, dass Krsna zum Präsidenten der Versammlung gewählt wurde, stellte sich Bhisma auf Krsnas Seite und erklärte, Er sei der Höchste Gott. Auch die Pandavas und einige andere wußten, dass Er der Höchste war, aber nicht jeder. Den Nichtgottgeweihten und den gewöhnlichen Menschen offenbarte Er sich nicht. Deshalb sagt Krsna in der Gita, dass Ihn außer Seinen reinen Geweihten alle Menschen für einen der ihren halten. Er war nur Seinen Geweihten als das Behältnis aller Freude sichtbar. Für andere, für unintelligente Nichtgottgeweihte, war Er von Seiner ewigen Kraft bedeckt. In den Gebeten Kuntis im Srimad-Bhagavatam (1.8.18) heißt es, dass der Herr vom Vorhang der yoga-maya verhüllt ist und dass Ihn deshalb gewöhnliche Menschen nicht verstehen können. KuntÖ betet: "O mein Herr, Du bist der Erhalter des gesamten Universums, und hingebungsvoller Dienst für Dich ist das höchste religiöse Prinzip. Deshalb bete ich, dass Du auch mich erhalten wirst. Deine transzendentale Gestalt ist von yoga-maya bedeckt. Das brahmajyoti ist die Verhüllung der inneren Kraft. Bitte entferne gütigerweise diese leuchtende Ausstrahlung, die mich daran hindert, Deine sac-cid-ananda-vigraha zu sehen, Deine ewige Gestalt voll Glückseligkeit und Wissen." Dieser yoga-maya-Vorhang wird auch im Fünfzehnten Kapitel der Gita erklärt. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, wird in Seiner transzendentalen Gestalt der Glückseligkeit und des Wissens durch die ewige Kraft des brahmajyoti verhüllt, und die weniger intelligenten Unpersönlichkeitsanhänger können den Höchsten aus diesem Grunde nicht sehen. Im Srimad-Bhagavatam (10.14.7) finden wir auch folgendes Gebet Brahmas: "O Höchste Persönlichkeit Gottes, o Überseele, o Meister aller Mysterien, wer kann Deine Kraft und Deine Spiele in dieser Welt ermessen? Du weitest Deine innere Energie ständig aus, und daher kann niemand Dich verstehen. Gelehrte Wissenschaftler und große Gelehrte können zwar die atomare Zusammensetzung der materiellen Welt oder sogar die Planeten untersuchen, aber sie sind unfähig, Deine Energie und Kraft zu ermessen, obwohl Du vor ihnen stehen magst." Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, ist nicht nur ungeboren, sondern auch avyaya oder unerschöpflich. Seine Gestalt ist Glückseligkeit und Wissen, und Seine Energien sind alle unerschöpflich. VERS 26 O Arjuna, als die Höchste Persönlichkeit Gottes weiß Ich alles, was in der Vergangenheit war, was in der Gegenwart geschieht und was sich in der Zukunft noch ereignen wird. Ich kenne auch alle Lebewesen, doch Mich kennt niemand. ERLÄUTERUNG Hier ist die Frage der Persönlichkeit oder Unpersönlichkeit eindeutig geklärt. Wenn Krsna, die Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes, maya oder materiell wäre, wie die Unpersönlichkeitsanhänger meinen, dann würde Er, wie das Lebewesen, Seinen Körper wechseln und alles aus Seinem vergangenen Leben vergessen. Jedes Wesen mit einem materiellen Körper kann sich an sein vergangenes Leben nicht erinnern, noch kann es sein zukünftiges Leben vorhersehen, noch kann es das Ergebnis seines gegenwärtigen Lebens voraussagen; deshalb kann es nicht wissen, was in der Vergangenheit geschah, was in der Gegenwart geschieht und was in der Zukunft noch geschehen wird. Solange man nicht von der materiellen Verunreinigung frei ist, kann man Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht kennen. Anders als der gewöhnliche Mensch sagt Sri Krsna eindeutig, dass Er alles weiß, was in der Vergangenheit geschah, was in der Gegenwart geschieht und was in der Zukunft noch geschehen wird. Im Vierten Kapitel haben wir gesehen, dass Sri Krsna Sich daran erinnert, Vivasvan, den Sonnengott, vor Millionen von Jahren unterwiesen zu haben. Krsna kennt jedes Lebewesen, da Er im Herzen jedes Lebewesens als die Höchste Seele weilt. Aber obwohl Er in jedem Lebewesen als Überseele weilt und Er jenseits des materiellen Himmels als die Höchste Persönlichkeit Gottes gegenwärtig ist, können Ihn die weniger Intelligenten nicht als die Höchste Person erkennen. Zweifellos ist der transzendentale Körper Sri Krsnas nicht vergänglich. Krsna ist genau wie die Sonne, und maya ist wie eine Wolke. In der materiellen Welt sehen wir die Sonne, Wolken und verschiedene Sterne und Planeten. Die Wolken mögen all diese verschiedenen Erscheinungen am Himmel vorübergehend bedecken, doch diese Bedeckung besteht nur aufgrund unserer begrenzten Sicht: Die Sonne, der Mond und die Sterne sind nicht wirklich bedeckt. Ebensowenig kann maya den Höchsten Herrn bedecken. Durch Seine innere Kraft ist Er den weniger intelligenten Menschen verhüllt. Wie im 3. Vers dieses Kapitels erklärt wird, versuchen unter Millionen und Abermillionen von Menschen nur einige wenige, in dieser menschlichen Form des Lebens vollkommen zu werden, und von vielen Tausenden und Abertausenden solch vervollkommneter Menschen kann kaum einer verstehen, was Sri Krsna ist. Selbst wenn man durch die Erkenntnis des unpersönlichen Brahman oder des lokalisierten Paramatma eine hohe Stufe der Erkenntnis erreicht hat, kann man unmöglich die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, verstehen, ohne Krsna-Bewusst zu sein.

VERS 27 O Nachkomme Bharatas [Arjuna], o Bezwinger des Feindes, alle Lebewesen sind in Täuschung geboren, überwältigt von den Dualitäten Verlangen und Haß. ERLÄUTERUNG Es ist die ursprüngliche, wesensgemäße Stellung des Lebewesens, dem Höchsten Herrn, der reines Wissen ist, untergeordnet zu sein. Wenn man sich dazu verleiten läßt, sich von diesem reinen Wissen abzusondern, wird man von der illusionierenden Energie beherrscht und kann die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht verstehen. Die illusionierende Energie ist in der Dualität von Verlangen und Hass manifestiert. Aufgrund von Verlangen und Haß will der unwissende Mensch mit dem Höchsten Herrn eins werden und beneidet Krsna als die Höchste Persönlichkeit Gottes. Reine Gottgeweihte, die nicht so irregeführt oder durch Verlangen und Hass verunreinigt sind, können verstehen, dass Sri Krsna durch Seine inneren Kräfte erscheint, aber diejenigen, die von Dualität und Unwissenheit getäuscht sind, denken, die Höchste Persönlichkeit Gottes sei von materiellen Energien erschaffen worden. Das ist ihr Missgeschick. Solche verblendeten Menschen leben bezeichnenderweise in Dualitäten wie Schmach und Ehre, Leid und Glück, Frau und Mann, gut und schlecht, Freude und Schmerz usw. und denken: "Das ist meine Frau; das ist mein Haus; ich bin der Herr dieses Hauses; ich bin der Mann dieser Frau." Dies alles sind Dualitäten der Verblendung. Diejenigen, die so getäuscht sind, befinden sich völlig in Illusion und können daher die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht verstehen.

VERS 28 Menschen, die in vorangegangenen und im gegenwärtigen Leben fromm gehandelt haben, deren sündhafte Handlungen vollständig getilgt und die von der Dualität der Täuschung befreit sind, beschäftigen sich mit Entschlossenheit in Meinem Dienst. ERLÄUTERUNG In diesem Vers werden diejenigen erwähnt, die geeignet sind, in die transzendentale Stellung erhoben zu werden. Für Menschen, die sündig, atheistisch, verblendet und betrügerisch sind, ist es sehr schwierig, die Dualität von Verlangen und Haß zu überwinden. Nur diejenigen, die in ihrem Leben die regulierenden Prinzipien der Religion eingehalten haben, die fromm gehandelt und sündhafte Reaktionen überwunden haben, können sich dem hingebungsvollen Dienst zuwenden und allmählich auf die Stufe des reinen Wissens von der Höchsten Persönlichkeit Gottes gelangen. Dann, allmählich, können sie in Trance über die Höchste Persönlichkeit Gottes meditieren. Das ist der Vorgang, durch den man auf der spirituellen Ebene verankert wird. Dieser Aufstieg ist im Krsna-Bewusstsein in der Gemeinschaft reiner Gottgeweihter möglich, die einen von Verblendung befreien können. Im Srimad-Bhagavatam heißt es, dass man den Gottgeweihten dienen muss, wenn man wirklich befreit werden möchte; wer jedoch mit materialistischen Menschen Umgang hat, befindet sich auf dem Pfad, der zum dunkelsten Bereich des Daseins führt. Alle Geweihten des Herrn reisen nur über diese Erde, um die bedingten Seelen von ihrer Illusion zu befreien. Die Unpersönlichkeitsanhänger wissen nicht, dass es die größte Verletzung der Gesetze Gottes ist, wenn sie ihre wesenseigene Stellung als Untergebene des Höchsten Herrn vergessen. Solange man nicht wieder in seine wesenseigene Stellung eingesetzt ist, ist es nicht möglich, die Höchste Persönlichkeit zu verstehen oder mit Entschlossenheit voll im transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn beschäftigt zu sein.

VERS 29 Intelligente Menschen, die nach Befreiung von Alter und Tod streben, suchen bei Mir im hingebungsvollen Dienst Zuflucht. Sie sind wahrhaft Brahman, da sie alles über transzendentale und fruchtbringende Tätigkeiten wissen. ERLÄUTERUNG Geburt, Tod, Alter und Krankheiten beeinflussen unseren materiellen Korper, nicht aber den spirituellen Körper. Für den spirituellen Körper gibt es keine Geburt, keinen Tod, kein Alter und keine Krankheit. Wer also einen spirituellen Körper erlangt, einer der Gefährten der Höchsten Persönlichkeit Gottes wird und sich im ewigen hingebungsvollen Dienst betätigt, ist wirklich befreit. Aham brahmasmi: "Ich bin von spiritueller Natur." Es wird gesagt, dass man verstehen soll, dass man Brahman ist - spirituelle Seele. Wie in diesem Vers beschrieben wird, findet man diese Brahman-Auffassung vom Leben auch im hingebungsvollen Dienst. Die reinen Gottgeweihten sind transzendental auf der Ebene des Brahman verankert und wissen alles über transzendentale und materielle Tätigkeiten. Die vier Arten von unreinen Gottgeweihten, die sich im transzendentalen Dienst des Herrn beschäftigen, erreichen ihre jeweiligen Ziele, und wenn sie völlig Krsna-Bewusst sind, genießen sie durch die Gnade des Höchsten das spirituelle Zusammensein mit dem Höchsten Herrn. Aber diejenigen, die die Halbgötter verehren, erreichen den Herrn auf Seinem höchsten Planeten niemals. Selbst die weniger intelligenten, Brahman-verwirklichten Menschen können den höchsten Planeten Krsnas, der als Goloka Vrndavana bekannt ist, nicht erreichen. Nur Menschen, die Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein ausführen (mam asritya), sind wirklich berechtigt, als Brahman bezeichnet zu werden, denn sie bemühen sich tatsächlich, den Krsna-Planeten zu erreichen. Solche Menschen zweifeln nicht an Krsna, und daher sind sie tatsächlich Brahman. Diejenigen, die die arca oder Form des Herrn im Tempel verehren oder über den Herrn meditieren, um von der materiellen Fessel befreit zu werden, kennen ebenfalls, durch die Gnade des Herrn, die Bedeutung von Brahman, adhibhuta und so fort, wie vom Herrn im nächsten Kapitel näher erklärt werden wird.

VERS 30 Diejenigen, die Mich als den Höchsten Herrn, als das beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation, kennen, als den, dem alle Halbgötter untergeordnet sind und der alle Opfer ermöglicht, können Mich, mit stetigem Geist, sogar zur Zeit des Todes verstehen und kennen. ERLÄUTERUNG Menschen, die im Krsna-Bewusstsein handeln, weichen nie ganz vom Pfad des Verständnisses der Höchsten Persönlichkeit Gottes ab. In der transzendentalen Gemeinschaft des Krsna-Bewusstseins kann man verstehen, wie der Herr das beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation und sogar der Halbgötter ist. Allmählich wird man durch solch transzendentale Gemeinschaft von der Höchsten Persönlichkeit Gottes überzeugt, und zur Zeit des Todes kann solch ein Krsna-Bewusster Mensch Krsna keinesfalls vergessen. Natürlicherweise wird er so zum Planeten des Höchsten Herrn, Goloka Vrndavana, erhoben. Dieses Siebte Kapitel erklärt insbesondere, wie man völlig Krsna-Bewusst werden kann. Krsna-Bewusstsein beginnt, wenn man mit Krsna-Bewussten Menschen zusammenlebt. Solche Gemeinschaft ist spirituell und bringt einen direkt mit dem Höchsten Herrn in Berührung, und durch Seine Gnade kann man Krsna als den Höchsten Gott verstehen. Zur gleichen Zeit kann man tatsächlich die wesensgemäße Stellung des Lebewesens verstehen und erkennen, wie das Lebewesen Krsna vergisst und in materielle Tätigkeiten verstrickt wird. Wenn das Lebewesen in guter Gemeinschaft allmählich Krsna-Bewusstsein entwickelt, kann es verstehen, dass es von den Gesetzen der materiellen Natur bedingt worden ist, weil es Krsna vergessen hat. Es kann auch verstehen, dass die menschliche Form des Lebens eine Gelegenheit ist, Krsna-Bewusstsein wiederzugewinnen, und dass diese Form voll genutzt werden sollte, die grundlose Barmherzigkeit des Höchsten Herrn zu erlangen. In diesem Kapitel sind viele Themen erörtert worden: der Notleidende; der Neugierige; der Mensch, dem es an materiellen Notwendigkeiten mangelt; Wissen vom Brahman; Wissen vom Paramatma; Befreiung von Geburt, Tod und Krankheiten, und die Verehrung des Höchsten Herrn. Wer jedoch tatsächlich im Krsna-Bewusstsein fortgeschritten ist, kümmert sich nicht um diese verschiedenen Vorgänge. Er betätigt sich einfach direkt im Krsna-Bewusstsein und erreicht so tatsächlich seine wesenseigene Stellung als ewiger Diener Sri Krsnas. In dieser Lage findet er Freude daran, in reinem hingebungsvollem Dienst über den Herrn zu hören und Ihn zu lobpreisen. Er ist davon überzeugt, dass so alle seine Wünsche erfüllt werden. Dieser entschlossene Glaube wird drÅha-vrata genannt und bildet den Anfang von bhakti-yoga oder transzendentalem liebevollem Dienst. So lautet die Aussage aller Schriften. Das Siebte Kapitel der Bhagavad-Gita ist die Essenz dieser Überzeugung.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Siebten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel: "Wissen vom Absoluten".