# Geistige Prinzipien für die Administration des Bahá'í Weltzentrums

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> M E M O R A N D U M
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> An: Das Universale Haus der Gerechtigkeit Datum: 18. November 1992 
> 
> Von: Forschungsabteilung
> 
> Geistige Prinzipien für die Administration des Bahá'í  Weltzentrums
> 
> Die Forschungsabteilung hat die in einem Memorandum vom 15. Juli 1992 geäußerte 
> Bitte der Abteilung für Administrative Entwicklung bearbeitet. Darin heißt es, 
> daß "der Ausschuss für Organisationspolitik sich kürzlich darauf bezog, daß der 
> Hüter wie auch das Universale Haus der Gerechtigkeit es vorziehen, wenn 
> 'Strukturen sich organisch und pragmatisch entwickeln, aber entlang gewisser 
> Grundlinien und gemäß gewisser geistiger Prinzipien." Sie bitten um 
> "entsprechende Informationen" bezüglich "der geistigen Prinzipien, die der 
> Entwicklung von organisatorischen Strukturen und Funktionen zugrunde liegen". 
> Wir bieten die folgende Antwort.
> 
> Wir meinen zu verstehen, daß die Abteilung für Administrative Entwicklung um 
> Hilfe bei der Festlegung von geistigen Prinzipien bittet, die sie im Auge 
> behalten sollte, wenn es um ihre Aufgabe geht, am Bahá'í Weltzentrum 
> administrative Strukturen zu entwickeln und zu empfehlen. Derartige Prinzipien 
> gibt es viele und sie finden sich in den Schriften verstreut. Es würde eines 
> großen Aufwandes bedürfen, um eine umfassende Liste der möglicherweise 
> relevanten Prinzipien aufzustellen, was uns nicht sinnvoll erscheint. Die 
> Mitglieder der Abteilung für Administrative Entwicklung selbst sind sicher am 
> besten in der Lage, schrittweise eine solche Zusammenstellung zu fertigen, indem 
> sie weiterhin aus den Schriften geistige Prinzipien sammeln, die ihre Arbeit 
> betreffen. Wahrscheinlich werden sie sich vorzugsweise an solche Bücher halten 
> wie "Botschaften aus Akka" und "Das Geheimnis Göttlicher Kultur", in denen 
> solche Prinzipien sehr ausführlich genannt werden.
> 
> Wir führen einige Prinzipien kurz an, die uns gegenwärtig für das administrative 
> Funktionieren am Weltzentrum besonders wesentlich erscheinen. Diese 
> Zusammenstellung ist keineswegs vollständig, aber sie kann vielleicht dazu 
> dienen, das Denken der Freunde anzuregen, wenn sie sich darum bemühen, die von 
> ihnen entdeckten Prinzipien auf die gegenwärtig vor ihnen liegenden Probleme 
> anzuwenden.
> 
> 1. Der dringende Bedarf an Fairness
> 
> Gerechtigkeit ist in den Bahä'i Schriften ein bekanntes Thema. Zu ihren 
> Auswirkungen für das administrative Funktionieren am Bahä'i-Weltzentrum gehören:
> 
> * ein Bemühen um die Rechte und das Wohlergehen aller Menschen
> * ein gerechtes Verfahren bei der Lösung von Streitigkeiten
> 
> " ... obliegt es denjenigen gelehrten Mitgliedern der großen beratenden 
> Versammlung, die im Göttlichen Gesetz gründlich bewandert sind, eine einzige, 
> direkte und genaue Verfahrensweise für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zu 
> entwickeln."
> (Das Geheimnis Göttlicher Kultur, S. 42)
> 
> Unparteilichkeit bei der Behandlung von Menschen
> „Das zweite Attribut der Vollkommenheit ist Gerechtigkeit und Unparteilichkeit. 
> Dies bedeutet, keine Rücksicht auf persönlichen Nutzen und eigensüchtige 
> Vorteile zu nehmen, vielmehr die Gesetze Gottes ohne den leisesten 
> Hintergedanken an irgend etwas anderes anzuwenden.“
> (Das Geheimnis Göttlicher Kultur, S. 43)
> 
> * Anwenden des Prinzips der Gleichheit der Geschlechter
> * Ernennen und Befördern auf Grund von Verdienst und Würdigkeit
> „Die Regierungen sollten sich völlig mit den Lebensverhältnissen ihrer 
> Untertanen vertraut machen und ihnen nach Verdienst und Wert Ämter verleihen.“
> (Botschaften aus 'Akkä, 8:57)
> 
> * Sorgfalt beim Heranziehen von Informationen
> „Die Regierungen sollten sich völlig mit den Lebensverhältnissen ihrer 
> Untertanen vertraut machen... „(ebenda)
> 
> * Achtung vor besonderen Fähigkeiten
> „Viel verdanken fürwahr die Völker der Welt den Wissenschaftlern und 
> Handwerkern“. (Botschaften aus 'Akká 5:15)
> 
> 2. Die Notwendigkeit von Mäßigung und Ausgleich
> 
> „Das Wort Gottes, das die Erhabenste Feder auf dem neunten Blatt des Höchsten 
> Paradieses verzeichnete, ist: In allen Dingen ist Mäßigung wünschenswert. Wird 
> etwas übertrieben, so erweist es sich als Quell des Unheils.“
> (Botschaften aus 'Akkä 6:31)
> 
> Dies betrifft eine Reihe von Problemen, wie sie am Weltzentrum entstehen wie 
> z.B. den Ausgleich zwischen persönlicher Initiative und der sich aus der 
> Beratung ergebenden Autorität, zwischen offener Darlegung der 
> Entscheidungsgründe und der Achtung der Privatsphäre und bei der Überlegung, bis 
> zu welchem Grad man dem einzelnen vertrauen soll, seine eigenen Leistungen und 
> sein Verhalten zu überwachen und zu kontrollieren. Folglich: 
> 
> * ein Ausgleich zwischen "administrativer Effizienz" und "Liebe":
> 
> „Administrative Effizienz und Ordnung sollte stets von einem entsprechenden Maß 
> an Liebe, Ergebenheit und geistiger Entwicklung begleitet sein. Beide sind 
> gleich wichtig und jeder Versuch, das eine vom anderen zu trennen, bedeutet nur, 
> den Körper der Sache Gottes abzutöten. In diesen Tagen, da der Glaube erst in 
> seiner Kindheit steckt, muss große Sorgfalt drauf verwandt werden, daß die 
> administrative Routine nicht den Geist erstickt, der ja gerade dazu dient, den 
> Körper der Administration zu ernähren. Dieser Geist ist die vorantreibende Kraft 
> und die Motivation für sein eigentliches Leben.
> Aber wie schon betont, sind sowohl der Geist wie die Form für die sichere und 
> schnelle Entwicklung der Administration wichtig. Den Ausgleich zwischen ihnen 
> beizubehalten, ist die wesentliche Verantwortung, die nur den Sachwaltern des 
> Glaubens obliegt.“
> (Brief v. 10. Dezember 1993 im Auftrag Shoghi Effendis an einen Nationalen 
> Geistigen Rat)
> 
> * Ausgleich zwischen zu "starker Zentralisation" und "völliger 
> Dezentralisation".
> „Äußerste Wachsamkeit und angestrengteste Bemühungen werden von ihnen gefordert, 
> wenn sie - wie es ihrer hohen und verantwortungsvollen Berufung entspricht - die 
> ihnen auferlegten Funktionen erfüllen wollen. Im Rahmen der ihnen durch die 
> gegenwärtigen Umstände gezogenen Grenzen sollten sie sich in solcher Weise um 
> die Einhaltung des Gleichgewichtes bemühen, daß einerseits die Übel der zu 
> starken Zentralisation, die die geleisteten Bahä'i-Dienste hemmen, verwirren und 
> sie auf lange Sicht ihres Wertes berauben, gänzlich vermieden werden und 
> andererseits die Gefahren einer völligen Dezentralisation mit ihrer Folge des 
> Entgleitens der Autorität aus den Händen der nationalen Vertreter der Gläubigen 
> endgültig abgewendet werden.
> (Brief des Hüters vom 18. Oktober 1927 an einen Nationalen Geistigen Rat, 
> veröffentlicht in "Bahä'i Administration: Selected Messages 1922-1932", S. 141)
> 
> * Ausgleich zwischen "Über-Administration" und "UnterAdministration".
> 
> „Wenn jetzt die neuen Nationalen Räte gebildet werden, meint er, daß es seine 
> Pflicht ist, ein Wort der Warnung auszusprechen, damit vermieden wird, Regeln 
> und Richtlinien aufzustellen, und die Arbeit der Gläubigen nicht im Papierkrieg 
> erstickt wird. über-Administration kann zu dieser Zeit für den Glauben noch 
> schlimmer sein als Unter-Administration. Die Gläubigen sind zum größten Teil 
> noch neu in der Sache Gottes und wenn sie Fehler machen, ist das nicht halb so 
> schlimm, als wenn ihre Begeisterung dadurch gedämpft wird, daß man ihnen ständig 
> sagt: tue dies und tue jenes nicht. Die neue Nationale Körperschaft sollte wie 
> liebevolle Eltern handeln, die über ihre Kinder wachen und ihnen helfen und 
> nicht wie ein strenger Richter, der nur auf die Gelegenheit wartet, seine 
> richterliche Gewalt auszuspielen.“
> (Brief des Hüters vom 30. Juni 1957 an einen Nationalen Geistigen Rat, 
> veröffentlicht in "High Endeavors: Messages to Alaska" (Nationaler Geistiger Rat 
> von Alaska), S. 35)
> 
> 3. Die Notwendigkeit, auf mögliche Veränderung eingestellen zu sein
> 
> In einem in "Wellspring of Guidance: Messages 1963-1968" zitierten Abschnitt 
> sagt 'Abdu'1-Bahä, daß "Veränderung eine notwendige Eigenschaft (quality) und 
> ein wesentliches Merkmal dieser Welt ist." Dies bekommt Bedeutung, wenn es darum 
> geht, abzuwägen zwischen jenen Dingen, die beständig und unveränderlich bleiben 
> sollten und jenen (anderen) Dingen, die offen (empfänglich) für Veränderung sein 
> sollten (This has application in determining the balance between those things 
> which should remain constant and unchanging, and those things which should be 
> susceptible to change). Es betrifft auch die Offenheit gegenüber neuen Ideen und 
> Technologien (It also applies to openness to new ideas and technology).
> 
> „Die Bahá'í  sollten nicht immer die letzten sein, die neue und offensichtlich 
> vorzügliche Methoden aufgreifen, sondern eher die ersten, da (diese Einstellung) 
> dem dynamischen Wesen des Glaubens entspricht, der nicht nur fortschrittlich 
> ist, sondern in sich den Samen für eine völlig neue Kultur und Zivilisation 
> enthält.“
> (Brief im Auftrag des Hüters vom 5. Mai 1946 an einen einzelnen Gläubigen.)
> 
> vgl. z.B. auch "Das Geheimnis Göttlicher Kultur" S. 22 und 37-38.
> Text nicht überprüft, freundlicherweise übersetzt von Günter Maltz.
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> — *Geistige Prinzipien für die Administration des Bahá'í Weltzentrums*

