# 00-Vorwort

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> BHAGAVAD-GITA
> wie sie ist
> Ausgabe von 1983
> mit lateinischen Transliterationen, deutschen Synonymen,
> Übersetzungen und ausführlichen Erläuterungen
> His Divine Grace A. C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada
> http://www.prabhupada.de/bg/Prabhupada%20-%20Bhagavad-gita%20Wie%20Sie%20Ist.pdf
> INHALT
> VORWORT EINLEITUNG ERSTES KAPITELArjuna beobachtet die Heere auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra 
> ZWEITES KAPITEL Inhalt der Gita zusammengefaßt 
> DRITTES KAPITEL
> Karma-yoga 
> VIERTES KAPITEL
> Transzendentales Wissen
> FÜNFTES KAPITEL
> Karma-yoga - Handeln im Krsna-Bewußtsein 
> SECHSTES KAPITEL
> Dhyana-yoga 
> SIEBTES KAPITEL 
> Wissen vom Absoluten ACHTES KAPITEL
> Wie man den Höchsten erreichtNEUNTES KAPITEL
> Das vertraulichste WissenZEHNTES KAPITEL
> Die Füllen des Absoluten 
> ELFTES KAPITEL
> Die universale Form 
> ZWÖLFTES KAPITEL 
> Hingebungsvoller Dienst
> DREIZEHNTES KAPITEL 
> Natur, Genießer und Bewußtsein 
> VIERZEHNTES KAPITEL 
> Die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
> FÜNFZEHNTES KAPITEL 
> Der yoga der Höchsten Person 
> SECHZEHNTES KAPITEL 
> Die göttlichen und die dämonischen Naturen
> SIEBZEHNTES KAPITEL
> Die verschiedenen Arten des Glaubens 
> ACHTZEHNTES KAPITEL
> Schlußfolgerung - die Vollkommenheit der Entsagung 
> ANHANG
> 
> Der Autor 
> Quellennachweis 
> Erklärung der wichtigsten Sanskritwörter
> Anleitung zur Aussprache des Sanskrit 
> Abkürzungen 
> 
> BHAGAVAD-GITA
> wie sie ist
> EINLEITUNG
> Die Bhagavad-Gita ist auch als Gitopanisad bekannt. Sie ist
> die Essenz des vedischen Wissens und eine der wichtigsten
> der zahlreichen Upanisaden in der vedischen Literatur. Es
> gibt natürlich im Englischen viele Kommentare zur
> Bhagavad-Gita. Die Notwendigkeit eines weiteren
> englischen Kommentars zur Bhagavad-Gita läßt sich wie
> folgt erklären: Eine Amerikanerin bat mich, ihr eine
> englische Ausgabe der Bhagavad-Gita zu empfehlen, die sie
> lesen könne. Natürlich gibt es in Amerika viele englische
> Ausgaben der Bhagavad-Gita, doch von keiner, die ich -
> nicht nur in Amerika, sondern auch in Indien - bisher
> gesehen habe, kann man strenggenommen sagen, sie sei
> autoritativ; denn in fast jeder hat der Verfasser in seinem
> Kommentar seine persönliche Meinung zum Ausdruck
> gebracht, ohne dabei dem Geist der Bhagavad-Gita, wie sie
> ist, auch nur annähernd gerecht zu werden.
> Der wahre Geist der Bhagavad-Gita wird in der Bhagavad-Gita
> selbst deutlich. Dies mag ein Beispiel erläutern: Wenn
> wir ein bestimmtes Medikament einnehmen wollen, müssen
> wir den Anweisungen folgen, die auf dem Etikett stehen.
> Wir können die Arznei nicht nach unserem Gutdünken oder
> nach den Ratschlägen eines Freundes einnehmen, sondern
> müssen den Anweisungen auf dem Etikett der Flasche oder
> der Verordnung eines Arztes folgen. In ähnlicher Weise
> sollte die Bhagavad-Gita so studiert oder akzeptiert werden,
> wie es ihr Sprecher selbst bestimmt. Der Sprecher der
> Bhagavad-Gita ist Sri Krsna. Er wird auf jeder Seite der
> Bhagavad-Gita als Bhagavan oder die Höchste
> Persönlichkeit Gottes bezeichnet. Natürlich bezieht sich das
> Wort Bhagavan manchmal auf irgendeine mächtige Person
> oder einen beliebigen mächtigen Halbgott; hier bezeichnet
> es ohne Zweifel Sri Krsna als eine große Persönlichkeit,
> doch sollten wir zugleich auch wissen, dass Sri Krsna die
> Höchste Persönlichkeit Gottes ist, was von allen großen
> acaryas (spirituellen Meistern) wie Sankaracarya,
> Ramanujacarya, Madhvacarya, Nimbarka Svami und Sri
> Caitanya Mahaprabhu sowie vielen anderen bestätigt wird.
> In Indien gab es viele maßgebliche Gelehrte und acaryas,
> das heißt Autoritäten des vedischen Wissens, und sie alle,
> sogar Saäkaracarya, haben Sri Krsna als die Höchste
> Persönlichkeit Gottes anerkannt. Auch der Herr Selbst hat
> Sich in der Bhagavad-Gita als die Höchste Persönlichkeit
> Gottes erklärt und wird als solche in der Brahma-saàhita
> und allen Puranas - besonders im Bhagavata Purana
> (Krsna tu bhagavan svayam) - anerkannt. Wir sollten daher
> die Bhagavad-Gita so annehmen, wie es die Persönlichkeit
> Gottes Selbst vorschreibt.
> 
> Im Vierten Kapitel der Bhagavad-Gita sagt der Herr:
> Der Herr teilt hier Arjuna mit: "Dieses yoga-System, die
> Bhagavad-Gita, verkündete Ich zunächst dem Sonnengott,
> und der Sonnengott erklärte es Manu. Manu erklärte es
> Iksvaku, und so wurde dieses yoga-System auf dem Weg
> der Schülernachfolge, durch einen Sprecher nach dem
> anderen, überliefert, doch ist es jetzt durch den Einßuß der
> Zeit verlorengegangen. Deshalb verkünde Ich dir erneut das
> gleiche alte yoga-System der Bhagavad-Gita, denn du bist
> Mein Geweihter und Mein Freund, und daher ist es dir
> allein möglich, es zu verstehen."
> Diesen Worten kann man entnehmen, dass die Bhagavad-Gita
> eine Abhandlung ist, die vor allem für den Geweihten
> des Herrn bestimmt ist. Es gibt drei Arten von
> Transzendentalisten: den jÒanÖ, den - yogÖ und den bhakta,
> das heißt den Unpersönlichkeitsphilosophen, den
> Meditierenden und den Gottgeweihten. Der Herr sagt hier
> zu Arjuna: "Ich mache dich zum ersten Empfänger einer
> neuen parampara, denn die alte parampara oder
> Schülernachfolge ist jetzt unterbrochen, und daher möchte
> 
> Ich eine weitere parampara im Sinne derjenigen gründen,
> die vom Sonnengott herabgekommen war. Nimm du dieses
> Wissen entgegen, und reiche es weiter. Möge das yoga-
> System der Bhagavad-Gita jetzt durch dich weitergegeben
> werden. Werde du die Autorität im Verstehen der
> Bhagavad-Gita." Hier wird deutlich, dass die Bhagavad-Gita
> Arjuna vor allem deshalb verkündet wurde, weil er ein
> Geweihter des Herrn war, ein unmittelbarer Schüler Krsnas,
> und darüber hinaus eine enge Beziehung zu Krsna als
> Freund hatte. Die Bhagavad-Gita kann daher von jemand
> verstanden werden, der ähnliche Eigenschaften wie Arjuna
> hat, das heißt, er muss ein Gottgeweihter sein und zum
> Herrn eine direkte Beziehung haben. Sobald man ein
> Geweihter des Herrn wird, hat man eine unmittelbare
> Beziehung zum Herrn. Dieses Thema ist sehr umfangreich,
> doch zusammenfassend kann man sagen, dass es fünf Arten
> der Beziehung eines Gottgeweihten zur Höchsten
> Persönlichkeit Gottes gibt: (1) Der Geweihte kann eine
> passive Beziehung haben; (2) er kann eine aktive
> Beziehung haben; (3) er kann eine Beziehung als Freund
> haben; (4) er kann eine Beziehung als Vater oder Mutter
> haben, und (5) er kann eine Beziehung als vertraute
> Geliebte haben. Arjuna war ein Gottgeweihter, der zum
> Herrn die Beziehung eines Freundes hatte. Der Herr kann
> also unser Freund werden, doch besteht zwischen dieser Art
> von Freundschaft und der Vorstellung von Freundschaft,
> die wir in der materiellen Welt haben, ein gewaltiger
> Unterschied. Wir sprechen hier von transzendentaler
> Freundschaft, und es ist nicht so, dass jeder diese Beziehung
> haben kann. Jeder hat eine bestimmte Beziehung zum
> Herrn, und diese bestimmte Beziehung wird wiederbelebt,
> wenn man im hingebungsvollen Dienst die
> Vollkommenheit erreicht. In unserem gegenwärtigen
> Zustand haben wir nicht nur den Herrn vergessen, sondern
> auch unsere ewige Beziehung zu Ihm. Jedes einzelne der
> Millionen und Abermillionen von Lebewesen hat ewig eine
> bestimmte Beziehung zum Herrn, die man als svaRupa
> bezeichnet. Durch den Vorgang des hingebungsvollen
> Dienstes kann man diese svaRupa wiederbeleben, und diese
> Stufe wird svaRupasiddhi oder die Vollkommenheit der
> wesensgemäßen Stellung genannt. Arjuna war also ein
> Gottgeweihter und mit dem Höchsten Herrn durch
> Freundschaft verbunden.
> Man sollte beachten, in welcher Weise Arjuna die
> Bhagavad-Gita aufnahm. Wie dies geschah, wird im
> Zehnten Kapitel, Vers 12-14, beschrieben:
> Nachdem Arjuna die Bhagavad-Gita von der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes vernommen hatte, anerkannte er
> Krsna als paraà brahma, als das Höchste Brahman. Jedes
> Lebewesen ist Brahman, doch das höchste Lebewesen, die
> Höchste Persönlichkeit Gottes, ist das Höchste Brahman.
> Paraà dhama bedeutet, dass Er der höchste Ruheort allen
> Seins ist; pavitram, dass Er rein, ohne eine Spur materieller
> Verunreinigung; purusam, dass Er der höchste Genießer;
> èaèvatam, dass Er der Uranfang, die erste Person; divyam,
> dass Er transzendental; adi-devam, dass Er die Höchste
> Persönlichkeit Gottes; ajam, dass Er der Ungeborene, und
> vibhum, dass Er der Größte ist.
> Da Krsna Arjunas Freund war, könnte man denken, Arjuna
> sage dies alles zu Ihm nur aus Freundschaft, doch um die
> Leser der Bhagavad-Gita von Zweifeln dieser Art zu
> befreien, erhärtet Arjuna seine Feststellung im nächsten
> Vers, in welchem er sagt, dass Krsna nicht nur von ihm
> selbst als die Höchste Persönlichkeit Gottes anerkannt
> werde, sondern auch von Autoritäten wie Narada, Asita,
> Devala und Vyasa. Sie alle sind große Persönlichkeiten, die
> das vedische Wissen verbreiten, das von allen acaryas
> anerkannt wird. Deshalb sagt Arjuna zu Krsna, dass er alles,
> was Krsna sage, als absolut vollkommen anerkenne.
> Sarvam etad çtaà manye: „Alles, was Du sagst, akzeptiere
> ich als Wahrheit." Arjuna sagt auch, dass das Wesen des
> Herrn sehr schwer zu verstehen sei und dass selbst die
> großen Halbgötter nicht fähig seien, Ihn zu begreifen. Dies
> bedeutet, dass der Herr nicht einmal von Persönlichkeiten
> erkannt werden kann, die auf einer höheren Ebene stehen
> als die Menschen. Wie kann also ein Mensch Sri Krsna
> verstehen, ohne Sein Geweihter zu werden?
> Man sollte der Bhagavad-Gita daher in der Haltung eines
> Gottgeweihten begegnen. Man darf nicht glauben, man sei
> Krsna ebenbürtig oder Krsna sei eine gewöhnliche
> Persönlichkeit, ja man sollte Ihn nicht einmal nur für eine
> außergewöhnliche Persönlichkeit halten. Sri Krsna ist die
> Höchste Persönlichkeit Gottes, zumindest theoretisch,
> gemäß den Aussagen der Bhagavad-Gita bzw. den Worten
> Arjunas, desjenigen, der die Bhagavad-Gita zu verstehen
> sucht.
> Wir sollten daher, zumindest theoretisch, Sri Krsna als die
> Höchste Persönlichkeit Gottes anerkennen; in dieser
> hingebungsvollen Haltung können wir dann die Bhagavad-Gita
> verstehen. Solange man die Bhagavad-Gita nicht in
> einer hingebungsvollen Haltung liest, ist es sehr schwierig,
> die Bhagavad-Gita zu verstehen, denn sie ist ein großes
> Geheimnis.
> Was ist die Bhagavad-Gita nun eigentlich? Es ist das Ziel
> der Bhagavad-Gita, die Menschheit aus der Unwissenheit
> des materiellen Daseins zu befreien. Jeder von uns hat mit
> so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, ebenso wie Arjuna,
> der in einer schwierigen Lage war, als er in der Schlacht
> von Kuruksetra kämpfen sollte. Arjuna ergab sich Sri
> Krsna, und da sprach der Herr die Bhagavad-Gita. Nicht
> nur Arjuna, sondern jeder von uns ist aufgrund dieses
> materiellen Daseins voller Ängste. Wir leben unsere jetzige
> Existenz im Wirkungsbereich der Nichtexistenz; doch
> eigentlich sollten wir uns nicht von Nichtexistenz bedrohen
> lassen. Unsere Existenz ist ewig. Auf irgendeine Weise
> aber sind wir in asat geraten. Asat bedeutet "das, was nicht
> existiert".
> Unter den vielen Menschen, die leiden, gibt es einige, die
> tatsächlich durch Fragen ihre Stellung erhellen wollen und
> sich daher fragen, was sie sind, warum sie sich in diesem
> schrecklichen Zustand des Leidens befinden, und so fort.
> Solange man nicht aufwacht und sich fragt, warum man
> leiden muß, das heißt, solange man nicht erkennt, dass man
> eigentlich nicht leiden will und bisher vergeblich versucht
> hat, eine Lösung für alle Leiden zu finden, kann man nicht
> als vollkommener Mensch gelten. Menschsein beginnt,
> wenn diese Fragen im Geist erwachen. Im Brahma-sôtra
> werden Fragen dieser Art als brahma-jijÒasa bezeichnet.
> Jede Tätigkeit des Menschen muß als Fehlschlag betrachtet
> werden, wenn solche Fragen ihn nicht beschäftigen.
> Diejenigen, die zu fragen beginnen, was sie sind, warum sie
> leiden, woher sie gekommen sind und wohin sie nach dem
> Tode gehen werden, sind daher Schüler, die geeignet sind,
> die Bhagavad-Gita zu verstehen. Der ernsthafte Schüler
> sollte auch unerschütterliche Ehrfurcht vor der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes haben. Ein solcher Schüler war
> Arjuna.
> Sri Krsna erscheint insbesondere deshalb, um den
> eigentlichen Sinn des Lebens deutlich zu machen, wenn der
> Mensch diesen Sinn vergißt. Doch selbst dann gibt es unter
> vielen erwachenden Menschen vielleicht nur einen, der zu
> verstehen beginnt, in welcher Lage er sich eigentlich
> befindet, und für ihn wurde die Bhagavad-Gita gesprochen.
> Wir alle werden vom Tiger der Unwissenheit verfolgt, doch
> der Herr ist zu den Lebewesen sehr barmherzig, besonders
> zu den Menschen, und deshalb sprach Er die Bhagavad-Gita
> und machte Seinen Freund Arjuna zu Seinem Schüler.
> Als Gefährte Krsnas befand sich Arjuna jenseits aller
> Unwissenheit. Doch auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra
> wurde Arjuna in Unwissenheit versetzt, um Sri Krsna
> Fragen über die Probleme des Lebens stellen zu können, so
> dass der Herr sie zum Wohl zukünftiger Generationen
> erklären und so den Plan des Lebens darlegen konnte. So
> hat der Mensch die Möglichkeit, dementsprechend zu
> handeln und die Mission des menschlichen Lebens
> vollkommen zu erfüllen.
> Das Thema der Bhagavad-Gita erfordert die Einbeziehung
> von fünf grundlegenden Wahrheiten. Zunächst wird die
> Wissenschaft von Gott und dann die wesensgemäße
> Stellung der Lebewesen oder Jivas erklärt. Es gibt den
> Öèvara (Herrscher) und die Jivas (Lebewesen), die
> beherrscht werden. Wenn ein Lebewesen behauptet, es
> werde nicht beherrscht, sondern sei frei, ist es von Sinnen.
> Das Lebewesen wird in jeder Hinsicht beherrscht,
> zumindest in seinem bedingten Leben. Die Bhagavad-Gita
> handelt also hauptsächlich von Öèvara, dem Höchsten
> Herrscher, und von den Jivas, den beherrschten Lebewesen.
> Prakçti (die materielle Natur), kala (die Zeit, das heißt die
> Dauer der Existenz des gesamten Universums bzw. der
> Manifestation der materiellen Natur) und karma (Tätigkeit)
> werden ebenfalls erörtert. In der kosmischen Manifestation
> finden vielerlei Tätigkeiten statt. Alle Lebewesen gehen
> verschiedenen Tätigkeiten nach. Von der Bhagavad-Gita
> müssen wir lernen, was Öèvara (Gott) ist, was die Jivas
> (Lebewesen) sind, was prakçti (die kosmische
> Manifestation) ist, wie sie durch die Zeit beherrscht wird
> und welcher Art die Tätigkeiten der Lebewesen sind.
> Aus diesen fünf Hauptthemen der Bhagavad-Gita wird
> ersichtlich, dass der Höchste Gott, das heißt Krsna oder
> Brahman oder Paramatma oder der Höchste Herrscher - wie
> immer man Ihn auch nennen mag -, der Größte von allen
> ist. Qualitativ gleichen die Lebewesen dem Höchsten
> Herrscher. Der Höchste Herrscher, der Herr, hat zum
> Beispiel die universalen Geschehnisse, das heißt die
> materielle Natur, unter Seiner Herrschaft. Wie in späteren
> Kapiteln der Bhagavad-Gita erklärt wird, ist die materielle
> Natur nicht unabhängig, sondern handelt nach den
> Anweisungen des Höchsten Herrn. Sri Krsna sagt daher:
> mayadhyakseäa prakçtiÉ sôyate sa-cara-caram. "Prakçti
> arbeitet unter Meiner Führung (mayadhyakseäa)." Wenn
> wir sehen, dass in der kosmischen Natur wunderbare Dinge
> geschehen, sollten wir wissen, dass hinter dieser
> wunderbaren Manifestation ein Lenker steht. Nichts kann
> sich manifestieren, ohne gelenkt zu werden. Es ist kindisch,
> den Lenker nicht in Betracht zu ziehen. Ein Kind zum
> Beispiel mag denken, ein Auto sei etwas Wunderbares, weil
> es fahren kann, ohne von einem Pferd oder einem anderen
> Tier gezogen zu werden, doch ein vernünftiger,
> erwachsener Mensch weiß, wie das Auto angetrieben wird
> und dass sich hinter dieser Maschinerie ein Mensch, ein
> Fahrer, befindet. In ähnlicher Weise ist auch der Höchste
> Herr der Lenker (ayaksa), die Höchste Persönlichkeit, nach
> dessen Anweisungen alles geschieht. Wie wir in späteren
> Kapiteln der Bhagavad-Gita sehen werden, werden die Jivas
> oder Lebewesen vom Herrn als Seine Bestandteile
> angesehen. Mamaivaàèo Jiva-loke (15.7). Aàèa bedeutet
> Bestandteile. Ein Körnchen Gold ist ebenfalls Gold, und ein
> Tropfen Wasser aus dem Ozean ist ebenfalls salzig, und
> dementsprechend haben auch wir, die Lebewesen, als
> Bestandteile des Höchsten Lenkers (Öèvaras, Bhagavans
> oder Sri Krsnas) alle Eigenschaften des Höchsten Herrn in
> winzigem Ausmaß, da wir winzige Öèvaras oder
> untergeordnete Öèvaras sind. Wir versuchen, die Natur zu
> beherrschen, ebenso wie wir in neuester Zeit versuchen,
> auch den Weltraum zu beherrschen und
> "Imitationsplaneten" im All schweben zu lassen. Diese
> Neigung zu beherrschen oder etwas zu schaffen ist in uns,
> weil sie in Krsna vorhanden ist. Wir neigen dazu, zu
> beherrschen und uns die materielle Natur untertan zu
> machen, doch sollten wir wissen, dass wir keineswegs der
> Höchste Herrscher sind. Dies wird in der Bhagavad-Gita
> erklärt.
> Was ist die materielle Natur? Sie wird in der Bhagavad-Gita
> als niedere prakçti oder niedere Natur beschrieben. Das
> Lebewesen wird als die höhere prakçti erklärt. Prakçti, ob
> von niederer oder höherer Natur, wird immer gelenkt.
> Prakçti bedeutet weiblich. Sie wird vom Herrn gelenkt,
> ebenso wie das Tun der Frau vom Ehemann beaufsichtigt
> wird. Prakçti ist immer untergeordnet, das heißt, sie wird
> vom Herrn, dem Lenker, beherrscht. Die Lebewesen und
> die materielle Natur werden also beide vom Höchsten
> Herrn beherrscht und gelenkt. Der Bhagavad-Gita gemäß
> müssen die Lebewesen, obgleich sie Bestandteile des
> Höchsten Herrn sind, ebenfalls als prakçti betrachtet
> werden. Dies wird im fünften Vers des Siebten Kapitels der
> Bhagavad-Gita deutlich erwähnt: apareyam itas tv anyam.
> "Diese prakçti ist Meine niedere Natur." Und weiter:
> "Und darüber hinaus gibt es noch
> eine andere prakçti - Jiva-bhôtam - das Lebewesen."
> Prakçti besteht aus drei Eigenschaften oder
> Erscheinungsweisen: der Erscheinungsweise der Tugend,
> der Erscheinungsweise der Leidenschaft und der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit. Über diesen
> Erscheinungsweisen steht die ewige Zeit, und durch eine
> Verbindung dieser Erscheinungsweisen der Natur und unter
> der Lenkung und Aufsicht der ewigen Zeit kommt es zu
> Tätigkeiten, die man als karma bezeichnet. Diese
> Tätigkeiten werden schon seit undenklicher Zeit ausgeführt,
> und wir erleiden oder genießen die Fruchte unseres Tuns.
> Angenommen, dass ich ein Geschäftsmann bin und mit
> Intelligenz schwer gearbeitet und daher ein hohes
> Bankkonto angehäuft habe. Dann kann ich genießen. Wenn
> ich dagegen mein ganzes Geld bei Geschäften verloren
> habe, bin ich der Leidtragende. In ähnlicher Weise
> genießen oder erleiden wir bei allen unseren Handlungen
> die Ergebnisse unseres Tuns. Das nennt man karma.
> Isvara (der Höchste Herr), Jiva (das Lebewesen), prakçti
> (die materielle Natur), kala (die ewige Zeit) und karma
> (Tätigkeit) werden alle in der Bhagavad-Gita erklärt. Von
> diesen fünf sind der Herr, die Lebewesen, die materielle
> Natur und die Zeit ewig. Die Manifestation der prakçti mag
> zeitweilig sein, doch ist sie nicht falsch. Einige Philosophen
> behaupten, die Manifestation der materiellen Natur sei
> falsch, doch nach der Philosophie der Bhagavad-Gita, der
> Philosophie der Vaisäavas, ist dies nicht der Fall. Die
> Manifestation der Welt wird nicht als falsch angesehen; sie
> wird als wirklich, wenn auch zeitweilig, anerkannt. Sie
> wird mit einer Wolke verglichen, die am Himmel
> vorüberzieht, oder mit dem Eintreten der Regenzeit, die das
> Getreide nährt. Sobald die Regenzeit vorüber ist und die
> Wolke verschwindet, vertrocknen die Ähren, die vom
> Regen genährt wurden. In ähnlicher Weise entsteht auch
> die materielle Manifestation in gewissen Zeitabständen,
> besteht für eine Weile und verschwindet dann wieder.
> Bhôtva bhôtva pralÖyate (Bg. 8.19). So arbeitet prakçti,
> doch findet dieser Kreislauf ewig statt, und deshalb ist
> prakçti ewig sie ist nicht falsch. Der Herr bezieht Sich auf
> "Meine prakçti". Die materielle Natur ist die abgesonderte
> Energie des Höchsten Herrn, und auch die Lebewesen sind
> eine Energie des Höchsten, doch sind sie nicht von Ihm
> getrennt - sie sind ewig mit Ihm verbunden. Der Herr, das
> Lebewesen, die materielle Natur und die Zeit sind also alle
> ewig, karma hingegen ist nicht ewig. Die Auswirkungen
> des karma können in der Tat sehr alt sein. Wir erleiden
> oder genießen die Ergebnisse von Handlungen aus längst
> vergangener Zeit, doch können wir die Ergebnisse unseres
> karma oder unseres Tuns verändern, und diese
> Veränderung hängt von der Vollkommenheit unseres
> Wissens ab. Ohne Zweifel gehen wir allerlei Tätigkeiten
> nach, doch wissen wir nicht, wie wir handeln sollen, um
> uns von den Aktionen und Reaktionen auf all diese
> Tätigkeiten zu befreien. Auch das wird in der Bhagavad-Gita
> erklärt.
> Isvara ist das höchste Bewußtsein. Da die Jivas oder
> Lebewesen winzige Bestandteile des Höchsten Herrn sind,
> haben auch sie ein Bewußtsein. Sowohl das Lebewesen als
> auch die materielle Natur werden als prakçti, als die
> Energie des Höchsten Herrn, bezeichnet, aber von diesen
> beiden hat nur der Jiva Bewußtsein. Die andere prakçti
> hingegen hat kein Bewußtsein - das ist der Unterschied.
> Deshalb bezeichnet man die Jiva-prakçti auch als
> übergeordnet, denn der Jiva hat ein Bewußtsein, das dem
> des Herrn ähnelt. Das Bewußtsein des Herrn jedoch ist das
> höchste, und daher sollte man niemals behaupten, der Jiva,
> das Lebewesen, sei ebenfalls allbewußt. Das Lebewesen
> kann auf keiner noch so vollkommenen Stufe allbewußt
> sein, und die Theorie, die besagt, das Lebewesen könne
> diese Stufe erreichen, ist eine irreführende Theorie. Das
> Lebewesen mag ein Bewußtsein haben, aber nicht das
> höchste Bewußtsein.
> 11
> Der Unterschied zwischen dem Jiva und dem Öèvara wird
> im Dreizehnten Kapitel der Bhagavad-Gita erklärt werden.
> Sowohl der Herr als auch das Lebewesen sind ksetra-jÒaÉ,
> das heißt, sie haben ein Bewußtsein; doch das Lebewesen
> ist sich nur seines jeweiligen Körpers bewußt, während
> Sich der Herr aller Körper bewußt ist: ÖèvaraÉ sarvabhôtanaà
> hçd-deèeírjuna tisòhati. Weil Er im Herzen jedes
> Lebewesens weilt, ist Er Sich der psychischen Vorgänge
> oder Tätigkeiten jedes einzelnen Jiva bewußt. Wir sollten
> dies nicht vergessen. Es wird auch erklärt, dass der
> Paramatma, die Höchste Persönlichkeit Gottes, im Herzen
> eines jeden als Öèvara oder Lenker weilt und das Lebewesen
> anleitet, seinen Wünschen gemäß zu handeln. Sarvasya
> cahaà hçdi sannivisòho. Das Lebewesen vergißt, was es tun
> wollte. Zunächst entschließt es sich, auf eine bestimmte Art
> und Weise zu handeln, und dann wird es in die Aktionen
> und Reaktionen seines eigenen karma verstrickt. Nachdem
> es eine Art von Körper aufgegeben hat, geht es in eine
> andere Art von Körper ein, ähnlich wie wir ein bestimmtes
> Kleidungsstück gegen ein anderes tauschen. In der
> Bhagavad-Gita (2.22) finden wir eine ähnliche Erklärung:
> vasaàsi jÖräani yatha vihaya. Ähnlich, wie man seine
> verschiedenen Kleidungsstücke wechselt, so wechseln die
> Lebewesen verschiedene Körper - das nennt man
> Seelenwanderung - und nehmen die Aktionen und
> Reaktionen ihrer vergangenen Handlungen mit sich. Diese
> Handlungen können geändert werden, wenn sich das
> Lebewesen in der Erscheinungsweise der Tugend befindet,
> das heißt, wenn sein Geist geklärt ist und es versteht, in
> welcher Weise es tätig sein sollte. Wenn dies geschieht,
> können alle Aktionen und Reaktionen auf seine
> vergangenen Handlungen umgewandelt werden. Karma ist
> also nicht ewig. Deshalb stellten wir zuvor fest, dass Öèvara,
> Jiva, prakçti und kala ewig sind, wohingegen karma nicht
> ewig ist.
> Der allbewußte Öèvara ähnelt dem Lebewesen insofern, als
> sowohl das Bewußtsein des Herrn wie auch das des
> Lebewesens transzendental sind. Bewußtsein wird nicht
> durch eine Verbindung materieller Elemente erzeugt - diese
> Vorstellung ist falsch. Die Theorie, dass sich Bewußtsein
> unter bestimmten Umständen aus materiellen
> Verbindungen entwickelt, wird in der Bhagavad-Gita nicht
> anerkannt. Bewußtsein mag durch die Bedeckung
> materieller Umstände verzerrt widergespiegelt werden,
> ebenso wie Licht, das sich in farbigem Glas bricht, die
> Farbe des Glases zu haben scheint, aber das Bewußtsein des
> Herrn wird nicht von Materie beeinßußt. Sri Krsna sagt:
> mayadhyakseäa prakçtiÉ. "Die materielle Natur arbeitet
> unter Meiner Führung." Wenn der Herr in das materielle
> Universum hinabsteigt, wird Sein Bewußtsein von der
> Materie nicht beeinßußt. Würde Sein Bewußtsein
> beeinßußt werden, wäre Er unfähig, über transzendentale
> Themen zu sprechen, wie Er es in der Bhagavad-Gita tut.
> Man kann nichts über die transzendentale Welt sagen, ohne
> von materiell verunreinigtem Bewußtsein völlig frei zu
> sein. Der Herr war also nicht von der Materie verunreinigt.
> Unser Bewußtsein dagegen ist gegenwärtig materiell
> verunreinigt. Die Bhagavad-Gita lehrt, dass wir dieses
> materiell bedeckte Bewußtsein reinigen müssen. Wenn
> unser Bewußtsein geläutert ist, werden unsere Handlungen
> mit dem Willen Öèvaras in Einklang stehen, und das wird
> uns glücklich machen. Wir können nicht aufhören, tätig zu
> sein. Vielmehr müssen unsere Tätigkeiten geläutert werden,
> und solche geläuterten Tätigkeiten bezeichnet man als
> bhakti. Tätigkeiten in bhakti erscheinen wie gewöhnliche
> Tätigkeiten, doch sind sie nicht verunreinigt; es sind
> gereinigte Tätigkeiten. Einem unwissenden Menschen mag
> es so vorkommen, als handle und arbeite ein Gottgeweihter
> wie ein gewöhnlicher Mensch, doch solch ein Mensch mit
> geringem Wissen weiß nicht, dass die Tätigkeiten des
> Gottgeweihten oder des Herrn nicht durch unreines,
> materielles Bewußtsein beßeckt sind, sondern in
> transzendentalem Bewußtsein, jenseits der drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur, verrichtet
> werden. Wir sollten jedoch wissen, dass unser Bewußtsein
> im augenblicklichen Zustand materiell verunreinigt ist.
> Wenn wir auf diese Weise materiell verunreinigt sind,
> werden wir als bedingt bezeichnet, und falsches Ego oder
> falsches Bewußtsein entsteht, wenn man glaubt, ein
> Produkt der materiellen Natur zu sein. Dies nennt man
> falsches Ego. Wer in die körperliche Lebensauffassung
> versunken ist, kann seine Situation nicht verstehen. Die
> Bhagavad-Gita wurde gesprochen, um die Menschen von
> der körperlichen Lebensauffassung zu befreien, und so
> übernahm Arjuna die Rolle des Schülers, um diese
> Unterweisungen vom Herrn empfangen zu können. Man
> muß von der körperlichen Lebensauffassung frei werden,
> das ist der erste Schritt des Transzendentalisten, der frei
> werden will. Jemand, der befreit werden möchte, muß als
> erstes lernen, dass er selbst nicht mit dem materiellen
> Körper identisch ist. Wenn wir von materiellem
> Bewußtsein frei sind, bezeichnet man dies als mukti oder
> Befreiung. Auch im Srimad-Bhagavatam wird die
> Definition von Befreiung gegeben: mukti hitva anyatha
> Rupam-svarôpena avastathiÉ. Mukti bedeutet, vom
> verunreinigten Bewußtsein der materiellen Welt befreit und
> im reinen Bewußtsein verankert zu werden. Alle
> Unterweisungen der Bhagavad-Gita sollen dieses reine
> Bewußtsein erwecken, und daher fragt Krsna am Ende
> Seiner Unterweisungen, ob Arjunas Bewußtsein nun
> geläutert sei. Geläutertes Bewußtsein bedeutet, in
> Übereinstimmung mit den Anweisungen des Höchsten
> Herrn zu handeln. Das ist die vollständige Bedeutung
> geläuterten Bewußtseins. Da wir Bestandteile des Herrn
> sind, haben auch wir Bewußtsein; doch wir neigen dazu,
> von den niederen Erscheinungsweisen beeinßußt zu
> werden. Der Herr jedoch wird, weil Er der Höchste ist,
> niemals beeinßußt. Das ist der Unterschied zwischen dem
> Höchsten Herrn und den bedingten Seelen.
> Was versteht man nun unter Bewußtsein? Bewußtsein
> bedeutet, dass man denkt: "Ich bin." Und was bin ich? Im
> unreinen Bewußtsein bedeutet "ich bin": "Ich bin der Herr
> über alles, was ich überblicken kann; ich bin der Genießer."
> Die Welt dreht sich, weil jedes Lebewesen sich selbst für
> den Herrn und Schöpfer der materiellen Welt hält.
> Materielles Bewußtsein basiert auf zwei Vorstellungen. Die
> eine lautet: "Ich bin der Schöpfer" und die andere: "Ich bin
> der Genießer." In Wirklichkeit aber ist der Höchste Herr
> sowohl der Schöpfer als auch der Genießer, und als
> Bestandteil des Höchsten Herrn ist das Lebewesen weder
> Schöpfer noch Genießer, sondern jemand, der mit dem
> Herrn zusammenarbeitet. Zum Beispiel arbeitet ein
> 12
> Maschinenteil mit der ganzen Maschine zusammen, und ein
> Körperteil arbeitet mit dem gesamten Körper zusammen.
> Die Hände, Füße, Augen, Beine usw. sind alles Teile des
> Körpers, doch sind sie nicht wirklich die Genießer - der
> Genießer ist der Magen. Die Beine bewegen sich; die
> Hände sammeln Nahrung und bereiten diese zu; die Zähne
> kauen, und so sind alle Teile des Körpers damit beschäftigt,
> den Magen zufriedenzustellen, da der Magen der
> Hauptfaktor in der Organisation des Körpers ist. Deshalb
> sollte alles dem Magen gegeben werden: praäopaharac ca
> yathendriyaäam (SB. 4.31.14). Man nährt den Baum, indem
> man die Wurzel bewässert, und man kann sich gesund
> erhalten, das heißt, die Teile des Körpers - die Hände,
> Beine, Augen, Ohren, Finger usw. - bleiben gesund, wenn
> sie mit dem Magen zusammenarbeiten. In ähnlicher Weise
> ist das Höchste Lebewesen, der Herr, der Genießer und
> Schöpfer, und wir, die untergeordneten Lebewesen, die
> Produkte der Energie des Höchsten Herrn, sind dafür
> bestimmt, mit Ihm zusammenzuarbeiten. Diese
> Zusammenarbeit wird uns helfen. Wenn zum Beispiel die
> Finger etwas Schönes zum Essen nehmen und denken:
> "Warum sollen wir das dem Magen geben? Laßt uns selbst
> genießen!", so ist dies ein Fehler. Die Finger sind nicht
> imstande zu genießen. Wenn die Finger aus einer
> bestimmten Speise Genuß ziehen wollen, müssen sie diese
> dem Magen zuführen. In ähnlicher Weise ist alles so
> angeordnet, dass der Höchste Herr der Mittelpunkt der
> Schöpfung und des Genusses ist und dass die Lebewesen
> einfach mit Ihm zusammenarbeiten sollen. Durch
> Zusammenarbeit genießen sie. Die Beziehung gleicht der
> des Dieners zum Meister. Wenn der Meister völlig
> zufrieden ist, dann ist der Diener von selbst zufrieden. In
> ähnlicher Weise sollte der Höchste Herr zufriedengestellt
> werden - auch wenn die Lebewesen die Neigung haben,
> selbst Schöpfer zu werden und die materielle Welt zu
> genießen. Diese Neigungen sind in den Lebewesen, weil
> auch der Höchste Herr, der die manifestierte kosmische
> Welt erschaffen hat, diese Neigungen besitzt.
> Wir werden daher sehen, dass in der Bhagavad-Gita das
> vollkommene Ganze, das sich aus dem Höchsten Herrscher,
> den beherrschten Lebewesen, der kosmischen
> Manifestation, der ewigen Zeit und Tätigkeit
> zusammensetzt, umfassend erklärt wird. All diese Dinge
> zusammengenommen nennt man die Absolute Wahrheit.
> Das vollkommene Ganze oder die vollkommene Absolute
> Wahrheit ist daher die vollkommene Persönlichkeit Gottes,
> Sri Krsna. Wie erklärt wurde, haben alle Manifestationen
> ihren Ursprung in Seinen verschiedenen Energien. Er ist
> das vollkommene Ganze.
> In der Gita wird ebenfalls erklärt, dass das unpersönliche
> Brahman der vollkommenen Person untergeordnet ist.
> Brahmaäo hi pratisòhaham (Bg. 14.27). Das unpersönliche
> Brahman wird im Brahma-sôtra deutlicher durch den
> Vergleich mit den Strahlen der Sonne erklärt. Das
> unpersönliche Brahman ist die leuchtende Ausstrahlung des
> Höchsten Brahman oder der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes. Die Erkenntnis des unpersönlichen Brahman und
> auch die Erkenntnis des Paramatma sind daher nur
> unvollkommene Erkenntnisse des absoluten vollkommenen
> Ganzen. Auch diese Dinge werden erklärt: purusottamayoga.
> Beim Lesen des Kapitels über purusottama-yoga
> werden wir sehen, dass die Höchste Persönlichkeit,
> Purusottama, über der unpersönlichen Brahman-Erkenntnis
> und der Erkenntnis des Paramatma steht.
> Die Höchste Persönlichkeit Gottes wird als sac-cid-anandavigraha
> bezeichnet. Die Brahma-saàhita (5.1) beginnt mit
> dem folgenden Vers:
> "Govinda, Krsna, ist die Ursache aller Ursachen. Er ist der
> Urerste Herr, und Er ist die reine Gestalt ewigen Seins,
> ewigen Wissens und ewiger Glückseligkeit."
> Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist also saccid-
> ananda-vigraha. Die unpersönliche Brahman-
> Erkenntnis ist die Erkenntnis Seines sat- (Ewigkeits-)
> Aspektes. Paramatma-Erkenntnis ist die Erkenntnis des
> sac-cit- (Ewigkeits- und Wissens-) Aspektes. Doch die
> Erkenntnis der Persönlichkeit Gottes als Krsna ist die
> Erkenntnis aller transzendentalen Aspekte: sat, cit und
> ananda (ewiges Sein, Wissen und Glückseligkeit) in
> vollkommener vigraha (Gestalt).
> Weniger intelligente Menschen glauben, die
> Höchste Wahrheit sei unpersönlich, doch ist Sie eine
> transzendentale Person, und alle vedischen Schriften
> bestätigen dies, Nityo nityanam cetanaè cetananam (Kat. U.
> 2.2.13). Ebenso, wie auch wir alle Personen, individuelle
> Lebewesen, sind und unsere Individualität haben, so ist
> auch die Höchste Absolute Wahrheit letztlich eine Person,
> und die Erkenntnis der Persönlichkeit Gottes bedeutet die
> Erkenntnis aller transzendentalen Aspekte, nämlich sat, cit
> und ananda, in vollkommener vigraha. Vigraha bedeutet
> Form; also ist das vollkommene Ganze nicht formlos. Wäre
> der Höchste formlos oder hätte Er irgend etwas anderes
> nicht, könnte Er nicht das vollkommene Ganze sein. Das
> vollkommene Ganze muß alles beinhalten, was innerhalb
> und außerhalb unserer Erfahrung liegt, denn sonst wäre der
> Herr nicht vollkommen. Das vollkommene Ganze, die
> Persönlichkeit Gottes, besitzt unermeßliche Kräfte: 
> Auch das wird in der Bhagavad-Gita erklärt, wie nämlich
> Krsna durch verschiedene Energien wirkt. Diese
> Erscheinungswelt oder materielle Welt, in die wir gesetzt
> worden sind, ist ebenso in sich selbst vollkommen. Die
> vierundzwanzig Elemente, aus denen, der saâkhya-
> Philosophie zufolge, das materielle Universum
> vorübergehend manifestiert ist, sind völlig darauf
> abgestimmt, vollkommene Nachschubquellen
> hervorzubringen, die zur Erhaltung und Versorgung des
> Universums notwendig sind. Keine zusätzliche Bemühung
> seitens irgendeiner anderen Einheit ist erforderlich, um das
> Universum zu erhalten. Es hat seine eigene Zeit, die durch
> die Energie des vollkommenen Ganzen festgesetzt ist, und
> wenn diese Zeit abgelaufen ist, werden die zeitweiligen
> Manifestationen durch die vollkommene Einrichtung des
> Vollkommenen aufgelöst. Den winzigen vollkommenen
> Einheiten, nämlich den Lebewesen, sind vollkommene
> Möglichkeiten gegeben, den Vollkommenen zu erkennen,
> und alle Arten von Unvollkommenheit werden nur
> erfahren, weil das Wissen über den Vollkommenen
> 13
> unvollkommen ist. Die Bhagavad-Gita beinhaltet das
> vollkommene Wissen der vedischen Weisheit.
> Das vedische Wissen ist unfehlbar, und Hindus anerkennen
> vedisches Wissen als vollkommen und unfehlbar. Zum
> Beispiel ist Kuhdung der Kot eines Tieres, und nach der
> smçti oder nach vedischer Regel, muß man, wenn man den
> Kot eines Tieres berührt, ein Bad nehmen, um sich zu
> reinigen. In den vedischen Schriften heißt es aber, Kuhdung
> sei rein; vielmehr werde ein unreiner Ort oder ein unreiner
> Gegenstand durch die Berührung mit Kuhdung gereinigt.
> Wenn nun jemand einwendet, wie es zu verstehen sei, dass
> es an einer Stelle heißt, der Kot eines Tieres sei unrein, und
> an einer anderen Stelle, Kuhdung, der auch der Kot eines
> Tieres ist, sei rein, und dass dies ein Widerspruch sei, so
> kann man nur sagen, dass es zwar widersprüchlich
> erscheinen mag, dass wir es aber, weil es eine vedische
> Feststellung ist, aus praktischen Gründen als wahr
> anerkennen und damit keinen Fehler machen. Ein moderner
> Chemiker namens Dr. Lal Mohan Goshan hat Kuhdung
> einer genauen Analyse unterzogen und festgestellt, dass
> dieser alle antiseptischen Eigenschaften besitzt. In
> ähnlicher Weise hat er auch das Wasser der Gaâga
> analysiert. Das vedische Wissen ist also vollkommen, denn
> es ist über alle Zweifel und Fehler erhaben, und die
> Bhagavad-Gita ist die Essenz allen vedischen Wissens.
> Vedisches Wissen hat daher nichts mit Forschung zu tun.
> Unsere Forschungsarbeit ist unvollkommen, weil wir die
> Dinge nur mit unseren unvollkommenen Sinnen
> untersuchen. Folglich ist das Ergebnis unserer
> Forschungsarbeit ebenfalls unvollkommen. Es kann nicht
> vollkommen sein. Wir müssen vollkommenes Wissen
> annehmen, das so zu uns herabkommt, wie es in der
> Bhagavad-Gita (4.2) erklärt wird: Wir müssen Wissen von
> der richtigen Quelle, einer Schülernachfolge von
> spirituellen Meistern, empfangen, die mit dem Herrn Selbst
> beginnt. Die Bhagavad-Gita wurde vom Herrn persönlich
> gesprochen, und Arjuna, der Schüler, der die Lehren der
> Bhagavad-Gita empfing, nahm alles so an, wie es ist, ohne
> etwas auszuklammern. Das ist nämlich ebenfalls nicht
> gestattet: einen Teil der Bhagavad-Gita anzunehmen und
> einen anderen abzulehnen. Wir müssen die Bhagavad-Gita
> annehmen, ohne zu interpretieren, ohne etwas
> auszuklammern und ohne uns nur launenhaft mit der Sache
> zu befassen. Die Gita sollte als das vollkommenste
> vedische Wissen angesehen werden. Das vedische Wissen
> wird aus transzendentalen Quellen empfangen, da die
> ersten Worte vom Herrn Selbst gesprochen wurden. Vom
> Herrn gesprochene Worte nennt man apauruseya oder
> "nicht von einer Person der irdischen Welt geäußert", die
> mit vier Unvollkommenheiten behaftet ist. Ein Lebewesen
> 
> der materiellen Welt hat vier Mängel: (1) Es begeht mit
> Sicherheit Fehler; (2) es hat unvermeidlich falsche
> Vorstellungen; (3) es hat die Neigung, andere zu betrügen,
> und (4) es ist durch unvollkommene Sinne beschränkt. Mit
> diesen vier Unvollkommenheiten kann man keine
> vollkommene Auskunft über alldurchdringendes Wissen
> geben.
> Vedisches Wissen wird nicht von solchen unvollkommenen
> Lebewesen überliefert. Es wurde Brahma, dem
> ersterschaffenen Lebewesen, durch das Herz offenbart, und
> Brahma gab dieses Wissen an seine Söhne und Schüler so
> weiter, wie er es ursprünglich vom Herrn empfangen hatte.
> Der Herr ist pôräam, in jeder Beziehung vollkommen, und
> daher besteht keine Möglichkeit, dass Er unter den Einßuß
> der Gesetze der materiellen Natur gerät. Man soll daher
> intelligent genug sein zu verstehen, dass außer dem Herrn
> niemand der Besitzer irgendwelcher Dinge im Universum
> ist, und dies wird in der Bhagavad-Gita (10.8) erklärt:
> Der Herr ist der ursprüngliche Schöpfer, der Schöpfer
> Brahmas. Im Elften Kapitel wird der Herr als prapitamaha
> bezeichnet, da Brahma als pitamaha oder Großvater
> angesprochen wird, der Herr aber auch der Schöpfer des
> Großvaters ist. Niemand soll also behaupten, irgend etwas
> zu besitzen; man soll nur Dinge annehmen, die einem zur
> Erhaltung des Körpers vom Herrn als Anteil beiseite gelegt
> sind.
> Es gibt viele Beispiele, wie wir die Dinge verwenden
> sollen, die für uns vom Herrn beiseite gelegt sind. Auch das
> wird in der Bhagavad-Gita erklärt: Zu Beginn beschloß
> Arjuna, nicht zu kämpfen. Diese Entscheidung entsprang
> seiner eigenen Überlegung. Arjuna sagte zum Herrn, er
> könne sich des Königreichs nicht erfreuen, nachdem er
> seine eigenen Verwandten getötet hätte. Diese
> Betrachtungsweise beruhte auf der körperlichen
> Lebensauffassung, denn er dachte, sein Körper sei er selbst
> und seine körperlichen Beziehungen und Erweiterungen
> seien seine Brüder, Neffen, Schwäger, Großväter usw. Er
> dachte so, um seine körperlichen Bedürfnisse zu
> befriedigen. Der Herr verkündete die Bhagavad-Gita, um
> diese Auffassung zu ändern, und am Ende der
> Unterweisungen beschloß Arjuna, unter der Führung des
> Herrn zu kämpfen, als er sagte: karisye vacanaà tava. "Ich
> werde ganz nach Deinen Worten handeln." (Bg. 18.73)
> In dieser Welt ist es dem Menschen nicht bestimmt, sich
> wie die Hunde und Katzen abzuquälen. Er muß intelligent
> genug sein, die Bedeutsamkeit des menschlichen Lebens zu
> erkennen, und sich weigern, wie ein gewöhnliches Tier zu
> handeln. Ein Mensch sollte das Ziel seines Lebens
> erkennen. Diese Anweisung wird in allen vedischen
> Schriften gegeben, und die Essenz finden wir in der
> Bhagavad-Gita. Die vedische Literatur ist für Menschen,
> nicht für Hunde und Katzen, bestimmt. Hunde und Katzen
> dürfen andere Tiere töten, um sich zu erhalten, und
> sündigen dabei nicht, doch wenn ein Mensch ein Tier zur
> Befriedigung seines unbeherrschten Gaumens tötet, bricht
> er die Gesetze der Natur und muß sich dafür verantworten.
> In der Bhagavad-Gita wird erklärt, dass es in Entsprechung
> zu den verschiedenen Erscheinungsweisen der materiellen
> Natur drei Arten von Tätigkeiten gibt: Tätigkeiten in
> Tugend, in Leidenschaft und in Unwissenheit. In ähnlicher
> Weise gibt es auch drei Arten von Nahrungsmitteln:
> Nahrungsmittel in Tugend, in Leidenschaft und in
> Unwissenheit. All dies wird eingehend erklärt, und wenn
> wir die Unterweisungen der Bhagavad-Gita richtig nutzen,
> wird unser ganzes Leben geläutert werden, und schließlich
> 14
> werden wir imstande sein, den höchsten Bestimmungsort zu
> erreichen: yad gatva na nivartante tad dhama paramaà
> mama (Bg. 15.6). Aus der Bhagavad-Gita erfahren wir, dass
> es jenseits des materiellen Himmels noch einen anderen,
> spirituellen Himmel gibt, der als sanatana-Himmel bekannt
> ist. Wir sehen, dass in unserem materiellen Himmel alles
> vergänglich ist. Etwas tritt ins Dasein, bleibt eine Zeitlang
> bestehen, erzeugt einige Nebenprodukte, zerfällt und
> vergeht schließlich. Das ist das Gesetz der materiellen
> Welt, ob wir als Beispiel unseren Körper, eine Frucht oder
> irgend etwas anderes hier Geschaffenes nehmen. Doch
> jenseits dieser zeitweiligen Welt gibt es noch eine andere
> Welt, von der wir Berichte und Beschreibungen haben:
> paras tasmat tu bhavo ínyo (Bg. 8.20). Es gibt noch eine
> andere Natur, die sanatana (ewig) ist, und der Jiva wird
> ebenfalls als sanatana beschrieben: SanatanaÉ bedeutet
> ewig, und auch der Herr wird im Elften Kapitel als
> sanatanaÉ beschrieben. Weil wir eine vertraute Beziehung
> zum Herrn haben und da wir alle qualitativ eins sind - das
> sanatana-dhama oder ewige Reich, die sanatana-Höchste-
> Persönlichkeit und die sanatana-Lebewesen -, besteht der
> Sinn der Bhagavad-Gita darin, unsere sanatana-
> Beschäftigung, das heißt unser sanatana-dharma, die ewige
> Beschäftigung des Lebewesens, wiederzubeleben. Wir sind
> jetzt vorübergehend mit verschiedenen Tätigkeiten
> beschäftigt, doch können diese geläutert werden, wenn wir
> alle zeitweiligen Tätigkeiten aufgeben (sarva-dharman
> parityajya; Bg. 18.66) und nach den Anweisungen des
> Höchsten Herrn handeln. Dann beginnt unser wahres
> Leben.
> Wie oben erwähnt, ist der Höchste Herr sanatanaÉ, und
> Sein transzendentales Reich, das jenseits des materiellen
> Himmels liegt, ist ebenfalls sanatanaÉ, und auch die
> Lebewesen sind sanatanaÉ. Die Gemeinschaft der
> sanatana-Lebewesen mit dem sanatana-Höchsten-Herrn
> im sanatana-Reich ist das endgültige Ziel des
> menschlichen Lebens. Der Herr ist zu den Lebewesen sehr
> gütig, weil sie Seine Söhne sind. Sri Krsna erklärt in der
> Bhagavad-Gita (14.4): sarva-yonisu ... ahaà bÖja-pradaÉ
> pita. "Ich bin der Vater aller Lebewesen." Natürlich gibt es
> viele verschiedene Arten von Lebewesen, je nach ihrem
> unterschiedlichen karma, doch hier erklärt der Herr, dass Er
> der Vater aller ist. Aus diesem Grund steigt der Herr in die
> materielle Welt hinab, um nämlich die gefallenen,
> bedingten Seelen zum sanatana- (ewigen) Himmel
> zurückzurufen, auf dass die sanatana-Lebewesen ihre
> sanatana-Stellung in der ewigen Gemeinschaft des Herrn
> wiedererlangen können. Der Herr kommt entweder Selbst
> in verschiedenen Inkarnationen oder schickt Seine
> vertrauten Diener als Söhne oder Seine Gefährten oder
> acaryas, um die bedingten Seelen zurückzurufen.
> Sanatana-dharma bezieht sich daher nicht auf irgendeinen
> sektiererischen religiösen Vorgang. Es ist die ewige
> Aufgabe der ewigen Lebewesen in Beziehung zum ewigen
> Höchsten Herrn. Sanatana-dharma bezieht sich, wie
> gesagt, auf die ewige Beschäftigung des Lebewesens.
> Ramanujacarya hat das Wort sanatana erklärt als "das, was
> weder Anfang noch Ende hat." Wenn wir also von
> sanatana-dharma sprechen, müssen wir aufgrund der
> Autorität Sri Ramanujacaryas davon ausgehen, dass es
> weder Anfang noch Ende hat.
> Das Wort Religion und der Begriff sanatana-dharma
> unterscheiden sich ein wenig voneinander. Religion
> vermittelt die Idee des Glaubens, und Glauben mag sich
> ändern. Ein Mensch mag sich zu einem bestimmten
> Glauben bekennen, und er mag diesen Glauben wechseln
> und einen anderen Glauben annehmen, doch sanatanadharma
> bezieht sich auf die Tätigkeit, die niemals
> gewechselt werden kann. Man kann zum Beispiel nicht die
> ßüssigkeit vom Wasser oder die Wärme vom Feuer
> trennen. In ähnlicher Weise kann auch die ewige Funktion
> des ewigen Lebewesens nicht vom Lebewesen getrennt
> werden. Sanatana-dharma ist ewig mit dem Lebewesen
> verbunden. Wenn wir von sanatana-dharma sprechen,
> müssen wir daher auf der Grundlage der Autorität Sri
> Ramanujacaryas anerkennen, dass sanatana-dharma weder
> Anfang noch Ende hat. Das, was weder Ende noch Anfang
> hat, kann auf keinen Fall sektiererisch sein oder durch
> irgendwelche Begrenzungen eingeschränkt werden.
> Dennoch werden diejenigen, die einem sektiererischen
> Glauben angehören, dieses sanatana-dharma zu Unrecht
> ebenfalls für sektiererisch halten. Wenn wir es jedoch etwas
> eingehender betrachten und mit den Augen echter
> Wissenschaft sehen, werden wir erkennen können, dass
> sanatana-dharma die Aufgabe aller Menschen auf der Welt
> ist - ja aller Lebewesen im Universum.
> Ein Glaube, der nicht sanatana ist, hat in den Annalen der
> Menschheitsgeschichte einen Anfang, doch sanatanadharma
> hat keinen Anfang, da er mit den Lebewesen ewig
> verbunden bleibt. Was die Lebewesen betrifft, so heißt es in
> den autoritativen èastras, dass es für das Lebewesen weder
> Geburt noch Tod gibt. In der Bhagavad-Gita (2.20) heißt es
> eindeutig, dass das Lebewesen niemals geboren wird und
> niemals stirbt. Es ist ewig und unzerstörbar und lebt selbst
> nach der Zerstörung seines zeitweiligen materiellen
> Körpers weiter. In bezug auf den Begriff sanatana-dharma
> müssen wir versuchen, von der Sanskritwurzel des Wortes
> dharma her die Bedeutung von "Religion" zu verstehen.
> Dharma bezieht sich auf das, was mit einem bestimmten
> Gegenstand immer verbunden ist. Wie wir bereits
> erwähnten, lautet unsere Schlußfolgerung, dass Wärme und
> Licht zusammen mit Feuer bestehen; ohne Wärme und
> Licht verliert das Wort Feuer seine Bedeutung. In ähnlicher
> Weise müssen wir den wesentlichen Teil des Lebewesens
> entdecken, das heißt den Teil, der es ständig begleitet.
> Dieser ständige Begleiter ist seine ewige Eigenschaft, und
> diese ewige Eigenschaft ist seine ewige Religion.
> Als Sanatana GosvamÖ Sri Caitanya Mahaprabhu nach dem
> svaRupa eines jeden Lebewesens fragte, antwortete der
> Herr, das svaRupa oder die wesensgemäße Stellung des
> Lebewesens bestehe darin, der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes zu dienen. Wenn wir diese Erklärung Sri Caitanyas
> genauer untersuchen, können wir leicht verstehen, dass
> jedes Lebewesen ständig damit beschäftigt ist, einem
> anderen Lebewesen zu dienen. Ein Lebewesen dient
> anderen Lebewesen in vielerlei Weise, und indem es sich so
> verhält, genießt es das Leben. Die niederen Tiere dienen
> den Menschen, und Diener dienen ihrem Meister. A dient
> dem Meister B; B dient dem Meister C; C dient dem
> Meister D, und so fort. So gesehen dient ein Freund seinem
> 15
> Freund; die Mutter dient ihrem Sohn; die Frau dient ihrem
> Mann; der Mann dient seiner Frau und so fort. Wenn wir
> diese Betrachtungsweise weiter fortsetzen, erkennen wir
> bald, dass niemand in der Gesellschaft lebender Wesen vom
> Dienen ausgenommen ist. Der Politiker präsentiert sein
> Programm der ÷ffentlichkeit, um sie von der Güte seines
> Dienstes zu überzeugen. Die Wähler geben dann dem
> Politiker ihre wertvollen Stimmen, weil sie glauben, er
> werde der Gesellschaft guten Dienst leisten. Der
> Ladenbesitzer dient dem Kunden; der Arbeiter dient dem
> Kapitalisten; der Kapitalist dient der Familie; die Familie
> dient dem Staat, und all dies geschieht aufgrund der ewigen
> Eigenschaft des ewigen Lebewesens. Wir sehen also, dass es
> kein Lebewesen gibt, das davon ausgenommen ist, anderen
> Lebewesen zu dienen, und daher können wir die
> Schlußfolgerung ziehen, dass Dienst der ständige Begleiter
> des Lebewesens ist, und so kann man mit Gewißheit sagen,
> dass Dienen die ewige Religion des Lebewesens darstellt.
> Aber dennoch bekennt sich ein Mensch zu einer
> bestimmten Glaubensrichtung, die sich von der besonderen
> Zeit, den Umständen und seiner Geburt herleitet, und
> behauptet somit, Hindu, Moslem, Christ oder Buddhist zu
> sein oder irgendeiner anderen Sekte anzugehören. Solche
> Bezeichnungen sind jedoch nicht sanatana-dharma. Ein
> Hindu mag seinen Glauben wechseln und Moslem werden,
> und ein Moslem mag seinen Glauben wechseln und Hindu
> oder Christ werden, usw.., doch unter allen Umständen
> beeinträchtigt der Wechsel des Glaubens nicht die ewige
> Beschäftigung, anderen zu dienen. Der Hindu, Moslem
> oder Christ dient unter allen Umständen immer irgend
> jemandem. Sich zu einer bestimmten Art von Glauben zu
> bekennen bedeutet daher nicht, sich zu seinem sanatanadharma
> zu bekennen. Der ständige Begleiter des
> Lebewesens, das heißt Dienen, ist sanatana-dharma.
> Tatsächlich sind wir mit dem Höchsten Herrn durch eine
> Beziehung des Dienstes verbunden. Der Höchste Herr ist
> der Höchste Genießer, und wir Lebewesen sind ewiglich
> Seine Diener. Wir sind für Seinen Genuß geschaffen, und
> wenn wir an diesem ewigen Genuß der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes teilnehmen, werden wir glücklich
> werden. Wir können nicht auf andere Weise glücklich
> werden. Es ist nicht möglich, unabhängig glücklich zu sein,
> ebenso wie kein Teil des Körpers glücklich sein kann, ohne
> mit dem Magen zusammenzuarbeiten. In ähnlicher Weise
> ist es für das Lebewesen nicht möglich, glücklich zu sein,
> ohne dem Höchsten Herrn in transzendentaler Liebe zu
> dienen.
> Verschiedene Halbgötter zu verehren oder ihnen zu dienen
> wird in der Bhagavad-Gita nicht gutgeheißen. Im
> zwanzigsten Vers des Siebten Kapitels heißt es:
> Diejenigen, deren Geist durch materielle Wünsche verzerrt
> ist, ergeben sich Halbgöttern und folgen, ihrem eigenen
> Wesen entsprechend, bestimmten Regeln und Vorschriften
> zur Verehrung."
> Hier heißt es eindeutig, dass diejenigen, die von Lust
> getrieben werden, die Halbgötter, und nicht den Höchsten
> Herrn, Sri Krsna, verehren. Wenn wir den Namen Krsna
> erwähnen, beziehen wir uns nicht auf irgendeinen
> sektiererischen Namen. Krsna bedeutet die höchste Freude,
> und es wird bestätigt, dass der Höchste Herr das Behältnis
> oder der Speicher aller Freude ist. Wir alle sehnen uns nach
> Freude. önandamayo ëbhyasat (Vs. 1.1.12). Die Lebewesen
> sind, genau wie der Herr, von Bewußtsein erfüllt und
> streben nach Glück. Der Herr ist immer glücklich, und
> wenn wir mit dem Herrn zusammenkommen, Ihm dienen
> und mit Ihm zusammenarbeiten, werden wir ebenfalls
> glücklich.
> Der Herr kommt in diese vergängliche Welt, um Seine
> transzendentalen Spiele, die voller Glück sind, in
> Vçndavana zu offenbaren. Als Sri Krsna Sich in Vçndavana
> aufhielt, waren alle Seine Spiele mit Seinen Freunden, den
> Kuhhirtenjungen, mit Seinen gopÖ-Freundinnen, mit den
> Bewohnern von Vçndavana und mit den Kühen von Glück
> erfüllt. Alle Bewohner von Vçndavana kannten nichts
> anderes als Krsna. Sri Krsna brachte Seinen Vater, Nanda
> Maharaja, sogar dazu, von der Verehrung des Halbgottes
> Indra abzulassen, weil Er klarstellen wollte, dass die
> Menschen keinen Halbgott zu verehren brauchen, sondern
> nur die Höchste Persönlichkeit Gottes, da das endgültige
> Ziel des menschlichen Lebens darin besteht, in das Reich
> des Höchsten Herrn zurückzukehren.
> Das Reich Sri Krsnas wird in der Bhagavad-Gita im
> sechsten Vers des Fünfzehnten Kapitels beschrieben:
> "Mein Reich wird weder von der Sonne noch vom Mond,
> noch von Elektrizität
> erleuchtet. Jeder, der dorthin gelangt, kehrt niemals wieder
> in die materielle Welt zurück."
> Dieser Vers gibt eine Beschreibung des ewigen Himmels.
> Natürlich ist unsere Auffassung von einem Himmel
> materiell, und daher denken wir an einen Himmel mit
> Sonne, Mond, Sternen usw., doch in diesem Vers sagt der
> Herr, dass im ewigen Himmel weder Sonne noch Mond,
> noch irgendeine Art von Elektrizität oder Feuer zur
> Beleuchtung notwendig sind, da der spirituelle Himmel
> vom brahmajyoti erleuchtet wird, das heißt von den
> Strahlen, die vom höchsten Reich ausgehen. Da heutzutage
> die Menschheit versucht, zu anderen Planeten zu gelangen,
> wird es uns nicht allzu schwer fallen, das Reich des
> Höchsten Herrn zu verstehen. Dieses Reich liegt im
> spirituellen Himmel und wird Goloka genannt. Es wird in
> der Brahma-saàhita sehr schön beschrieben: Der Herr weilt ewig
> in Seinem Reich Goloka, aber dennoch ist Er akhilatmabhôtaÉ,
> das heißt, man kann sich Ihm von dieser Welt aus
> nähern, und zu diesem Zweck erscheint der Herr und
> manifestiert Seine wirkliche Gestalt, sac-cid-anandavigraha,
> so dass wir nicht über Sein Aussehen zu
> spekulieren brauchen. Um derartige Spekulationen zu
> verhindern, erscheint Er Selbst und offenbart Sich, wie Er
> 16
> ist, als Syamasundara. Unglückseligerweise verspotten Ihn
> weniger intelligente Menschen (avajananti maà môÅha;
> Bg. 9.11), da Er wie ein gewöhnlicher Mensch erscheint
> und mit uns in menschlicher Gestalt spielt. Wir sollten
> daher nicht denken, der Herr sei ein gewöhnlicher Mensch.
> Durch Seine eigene Kraft erscheint Er vor uns in Seiner
> wirklichen Gestalt und entfaltet Seine Spiele, die Urbilder
> jener Spiele sind, die in Seinem Reich stattfinden.
> In den leuchtenden Strahlen des spirituellen Himmels
> schweben unzählige Planeten, ebenso wie in unserem
> Universum zahllose Planeten in den Strahlen der Sonne
> schweben. Das brahmajyoti geht vom höchsten Reich,
> Krsnaloka, aus, und in diesen Strahlen schweben die
> anandamaya-cinmaya-Planeten, die nicht materiell sind.
> Der Herr sagt:
> Wer den spirituellen Himmel erreicht, braucht nicht wieder
> in die materielle Welt zurückzukehren. Selbst wenn wir uns
> im materiellen Himmel dem höchsten Planeten
> (Brahmaloka) zuwenden, vom Mond ganz zu schweigen,
> werden wir die gleichen Leiden des materiellen Lebens,
> nämlich Geburt, Tod, Alter und Krankheiten, vorfinden.
> Kein Planet im materiellen Universum ist von diesen vier
> Prinzipien des materiellen Daseins frei. Deshalb sagt der
> Herr in der Bhagavad-Gita (8.16): Die Lebewesen reisen von Planet zu
> Planet, jedoch nicht einfach mit mechanischen Mitteln wie
> Raumschiffen. Jeder, der zu anderen Planeten reisen
> möchte, kann dies tun. Es gibt hierfür einen Vorgang: Wenn
> jemand zu irgendeinem anderen Planeten reisen möchte,
> sagen wir zum Mond, braucht er dies nicht mit einem
> Raumschiff zu versuchen. Die Bhagavad-Gita unterrichtet
> uns: yanti deva-vrata devan. Den Mond, die Sonne und die
> höheren Planeten bezeichnet man als svargaloka. Es gibt
> verschiedene Abstufungen unter den Planetensystemen:
> Bhôrloka, Bhuvarloka und Svarloka oder untere,- mittlere
> und obere Planetensysteme. Die Bhagavad-Gita teilt uns
> mit, wie wir anhand einer sehr einfachen Formel zu den
> höheren Planetensystemen reisen können: yanti-deva-vrata
> devan. Wenn wir einen bestimmten Halbgott verehren,
> können wir auch den jeweiligen Planeten erreichen.
> Auf diese Weise können wir den Mond, die Sonne oder
> jeden anderen himmlischen Planeten erreichen, doch die
> Bhagavad-Gita empfiehlt uns nicht, zu irgendeinem
> Planeten in der materiellen Welt zu gehen, denn selbst
> wenn wir mit Hilfe einer Art Rakete Brahmaloka, den
> höchsten Planeten, nach einer vielleicht vierzigtausend
> Jahre dauernden Reise erreichten, mußten wir die
> Wiederholung von Geburt und Tod erleiden. Natürlich ist
> es nicht möglich, vierzigtausend Jahre zu leben und so den
> höchsten Planeten dieses materiellen Universums zu
> erreichen, aber wenn man sein ganzes Leben der Verehrung
> eines bestimmten Halbgottes weiht, kann man auf dessen
> Planeten gelangen, wie es in der Bhagavad-Gita
> beschrieben ist: 
> In ähnlicher Weise kann man auch den höchsten
> Planeten, Krsnaloka, erreichen. Unter all den vielen
> Planeten in der spirituellen Welt gibt es einen höchsten
> Planeten, der Goloka Vçndavana genannt wird; dies ist der
> ursprüngliche Planet im Reich der ursprünglichen
> Persönlichkeit Gottes, Sri Krsnas. All dies erfahren wir aus
> der Bhagavad-Gita, und ihre Unterweisung bietet uns die
> Gelegenheit, die materielle Welt zu verlassen und unser
> ewiges Leben im ewigen Königreich zu erlangen.
> Im Fünfzehnten Kapitel der Bhagavad-Gita wird eine
> treffende Darstellung der materiellen Welt gegeben. Es
> heißt dort:
> Der Höchste Herr sprach: "Es gibt einen Banyanbaum,
> dessen Wurzeln nach oben und dessen Zweige nach unten
> zeigen, und die vedischen Hymnen sind seine Blätter. Wer
> diesen Baum kennt, kennt die Veden." (Bg. 15.1)
> Hier wird die materielle Welt als ein Baum beschrieben,
> dessen Wurzeln nach oben zeigen (ôrdhva-môlam). Auch
> in unserem Erfahrungsbereich gibt es einen Baum, dessen
> Wurzeln nach oben zeigen: Wenn man am Ufer eines
> ßusses oder Gewässers steht, kann man sehen, dass die
> Bäume im Wasser umgekehrt gespiegelt werden. Die
> Zweige zeigen nach unten und die Wurzeln nach oben. In
> ähnlicher Weise ist die materielle Welt eine Spiegelung der
> spirituellen Welt. Die materielle Welt ist nichts weiter als
> ein Schatten der Wirklichkeit. Der Schatten hat keine
> Wirklichkeit oder Substanz, doch können wir anhand des
> Schattens verstehen, dass es die Wirklichkeit gibt. In der
> Wüste gibt es kein Wasser, aber eine Luftspiegelung läßt
> darauf schließen, dass so etwas wie Wasser existiert. In der
> materiellen Welt gibt es kein Wasser bzw. kein Glück - das
> wirkliche Wasser tatsächlichen Glücks ist in der spirituellen
> Welt zu finden.
> Der Herr legt uns nahe, die spirituelle Welt auf folgende
> Weise zu erreichen:
> 
> "Wer von Illusion, falschem Prestige und falscher
> Gemeinschaft frei ist, wer das Ewige versteht, die
> materielle Lust hinter sich gelassen hat und von der
> Dualität von Glück und Leid befreit ist und wer weiß, wie
> man sich der Höchsten Person ergibt, erreicht dieses ewige
> Königreich." (Bg. 15.5)
> Dieses padam avyayam oder ewige Königreich kann
> jemand erreichen, der nirmana moha ist. Nirmana bedeutet,
> dass wir nach Bezeichnungen streben: Jemand möchte
> Sohn, ein anderer Herr und wieder ein anderer Präsident
> oder ein reicher Mann oder König oder irgend etwas
> anderes werden. Solange wir an solchen Bezeichnungen
> haften, sind wir an den Körper gebunden, denn
> 17
> Bezeichnungen gehören zum Körper. Wir sind aber nicht
> unser Körper, und diese Erkenntnis bildet die erste Stufe
> spiritueller Verwirklichung. Jita-saâga-dosa: Wir sind mit
> den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
> verbunden, müssen uns jedoch durch hingebungsvollen
> Dienst für den Herrn von ihnen lösen. Solange wir uns
> nicht zum hingebungsvollen Dienst für den Herrn
> hingezogen fühlen, können wir uns nicht von den
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur lösen. Deshalb
> sagt der Herr: vinivçtta-kamaÉ. Diese Bezeichnungen und
> Anhaftungen sind zurückzuführen auf unsere Lust und
> unser Begehren, das heißt unser Verlangen, die materielle
> Natur zu beherrschen. Solange wir diese Neigung, die
> materielle Natur zu beherrschen, nicht aufgeben, besteht
> keine Möglichkeit, in das Königreich des Höchsten, das
> sanatana-dhama, zurückzukehren. In dieses ewige
> Königreich, das niemals zerstört wird wie die materielle
> Welt, kann jemand eingehen, der von den Verlockungen
> falscher Genüsse nicht verwirrt ist (amôÅhaÉ). Wer im
> erhabenen Dienst des Höchsten Herrn verankert ist, kann
> sehr leicht in dieses ewige Königreich zurückkehren.
> Dieses ewige Königreich benötigt weder Sonne noch
> Mond, noch Elektrizität. Somit haben wir also einen
> kleinen Einblick bekommen, wie man dieses ewige
> Königreich erreichen kann.
> An einer anderen Stelle in der Bhagavad-Gita heißt es:
> "Dieses höchste Reich wird unmanifestiert und unfehlbar
> genannt und ist das höchste Ziel. Geht jemand dorthin,
> kehrt er nie wieder zurück. So beschaffen ist Mein höchstes
> Reich." (Bg. 8.21)
> Avyakta bedeutet unmanifestiert. Nicht einmal in der
> materiellen Welt ist uns alles sichtbar. Unsere Sinne sind so
> unvollkommen, dass wir nicht einmal alle Sterne und
> Planeten in diesem einen materiellen Universum sehen
> können. Die vedischen Schriften geben uns viele Auskünfte
> über die verschiedenen Planeten, und es liegt an uns, dieses
> Wissen anzunehmen oder nicht. Alle wichtigen Planeten
> werden in den vedischen Schriften, vor allem im Srimad-
> Bhagavatam, beschrieben; doch die spirituelle Welt, die
> jenseits des materiellen Universums liegt (paras tasmat tu
> bhavo 'nyo; Bg. 8.20), wird als avyakta (unmanifestiert)
> beschrieben, und sie ist das paramaà gatim (höchste Ziel).
> Unser ganzes Wünschen und Sehnen sollte darauf gerichtet
> sein, in dieses höchste Königreich zu gelangen, denn wenn
> man es erreicht (yaà prapya), braucht man nicht wieder in
> die materielle Welt zurückzukehren (na nivartante).
> Als nächstes mag man sich die Frage stellen, wie man sich
> diesem Reich des Höchsten Herrn nähern kann. In der
> Bhagavad-Gita wird in den Versen 5-8 des Achten Kapitels
> der Vorgang beschrieben. Es heißt dort zum Beispiel:
> 
> "Wer immer sich im Augenblick des Todes, wenn er seinen
> Körper verläßt, an Mich erinnert, erreicht sogleich Mein
> Reich. Darüber besteht kein Zweifel." (Bg. 8.5)
> Jeder, der zur Stunde des Todes an Krsna denkt, gelangt zu
> Krsna. Man muß sich an die Gestalt Krsnas erinnern, denn
> wenn man seinen Körper verläßt und an Seine Gestalt
> denkt, geht man in das spirituelle Königreich ein. Madbhavam
> bezieht sich auf die transzendentale Natur des
> Höchsten Wesens. Wie oben beschrieben wurde, ist das
> Höchste Wesen sac-cid-ananda-vigraha - ewig, glückselig
> und voller Wissen. Unser gegenwärtiger Körper jedoch ist
> nicht sac-cid-ananda. Er ist nicht sat, sondern asat - nicht
> ewig, sondern vergänglich, und er ist nicht cit, voller
> Wissen, sondern voller Unwissenheit. Wir haben kein
> Wissen vom spirituellen Königreich - wir besitzen nicht
> einmal vollkommenes Wissen von der materiellen Welt, in
> der uns so viele Dinge unbekannt sind. Auch ist der Körper
> nirananda - statt voller Glückseligkeit ist er voller Leid.
> Alle Leiden, die wir in der materiellen Welt erfahren, haben
> ihre Ursache im Körper; doch wer den Körper verläßt und
> dabei an die Höchste Persönlichkeit Gottes denkt, erlangt,
> wie uns Sri Krsna im fünften Vers des Achten Kapitels
> versichert, augenblicklich einen sac-cid-ananda-Körper.
> Auf welche Weise man in der materiellen Welt den einen
> Körper verläßt und einen neuen bekommt, ist ebenfalls
> festgelegt. Ein Mensch stirbt, nachdem entschieden worden
> ist, welche Art von Körper er im nächsten Leben haben
> wird; aber diese Entscheidung wird von höheren
> Autoritäten gefällt, ebenso wie wir unseren Tätigkeiten in
> diesem Leben gemäß aufsteigen oder hinabsinken. Das
> gegenwärtige Leben ist eine Vorbereitung auf das nächste
> Leben. Wenn wir uns daher in diesem Leben darauf
> vorbereiten können, zum Königreich Gottes erhoben zu
> werden, werden wir sicherlich nach dem Verlassen dieses
> materiellen Körpers einen spirituellen Körper wie der Herr
> bekommen.
> Wie zuvor erklärt wurde, gibt es verschiedene Arten von
> Transzendentalisten (den brahmavadi, den paramatmavadi
> und den Gottgeweihten), und wie erwähnt wurde, schweben
> im brahmajyoti (im spirituellen Himmel) unzählige
> spirituelle Planeten. Die Zahl dieser Planeten ist weitaus
> größer als die aller Planeten der materiellen Welt. Unsere
> materielle Welt ist auf etwa nur ein Viertel der gesamten
> Schöpfung geschätzt worden. Drei Viertel der Schöpfung
> bildet die spirituelle Welt. In diesem einen Viertel der
> Schöpfung gibt es Millionen von Universen, wie das, von
> dem wir jetzt Erfahrung haben, und in nur einem dieser
> Universen schweben schon Millionen und Abermillionen
> von Planeten, aber diese ganze materielle Welt bildet nur
> ein Viertel der Manifestation der Gesamtschöpfung. Die
> anderen drei Viertel der Manifestation befinden sich im
> spirituellen Himmel. Kommen wir in diesem
> Zusammenhang noch einmal auf die Bedeutung von madbhavam
> zurück. Wer den Wunsch hat, mit der Existenz des
> Höchsten Brahman zu verschmelzen, geht in das
> brahmajyoti des Höchsten Herrn ein - mad-bhavam
> bedeutet sowohl brahmajyoti als auch die spirituellen
> Planeten in diesem brahmajyoti -, und der Gottgeweihte,
> der sich des persönlichen Zusammenseins mit dem Herrn
> erfreuen möchte, gelangt auf einen der unzähligen
> 18
> Vaikuäòha-Planeten, wo Sich der Höchste Herr, Sri Krsna,
> durch Seine vollständigen Erweiterungen als vierarmiger
> Narayaäa und unter verschiedenen Namen wie Pradyumna,
> Aniruddha, Madhava und Govinda zu ihm gesellt. Die
> Transzendentalisten, die am Ende ihres Lebens entweder an
> das brahmajyoti, den Paramatma oder die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, denken, gehen in jedem
> Fall in den spirituellen Himmel ein, doch nur der
> Gottgeweihte, das heißt derjenige, der eine persönliche
> Beziehung zum Herrn hat, erreicht die Vaikuäòha-Planeten
> oder Goloka Vçndavana. Krsna fügt hinzu: sa mad-bhavam
> yati nasty atra saàèayah. "Hierüber besteht kein Zweifel."
> Darauf muß man fest vertrauen. Das ist unser Problem. Wir
> lesen unser ganzes Leben hindurch die Bhagavad-Gita, aber
> wenn der Herr etwas sagt, was nicht unserer Vorstellung
> entspricht, lehnen wir es ab. So sollte man die Bhagavad-Gita
> nicht lesen. Wir sollten uns an Arjuna ein Beispiel
> nehmen, der sagte: sarvam etad çtaà manye. "Ich glaube
> alles, was Du gesagt hast." (Bg. 10.14) Wenn der Herr
> daher sagt, dass jeder, der zur Stunde des Todes an Ihn
> entweder als Brahman oder als Paramatma oder als die
> Persönlichkeit Gottes denkt, gewiß den spirituellen Himmel
> erreicht und dass hierüber kein Zweifel besteht, sollte man
> diesen Worten Glauben schenken.
> "Den Seinszustand, an dem man sich beim Verlassen seines
> Körpers erinnert, wird man ohne Zweifel erreichen." (Bg.
> 8.6)
> Die materielle Natur wird von einer der Energien des
> Höchsten Herrn manifestiert. Im Visnu Puraäa werden alle
> Energien des Höchsten Herrn zusammenfassend
> beschriebene. Es heißt dort:
> "Die Kraft Sri Visnus wird in drei Kategorien unterteilt,
> nämlich die spirituelle Kraft, die Lebewesen und
> Unwissenheit. Die spirituelle Kraft ist voller Wissen; die
> Lebewesen, obwohl der spirituellen Kraft zugehörig,
> unterliegen der Verwirrung, und die dritte Energie, die von
> Unwissenheit erfüllt ist, ist immer in fruchtbringenden
> Tätigkeiten sichtbar."
> Parasya èaktir vividhaiva èrôyate (Svet. U. 6.8). Der
> Höchste Herr verfügt über unzählige verschiedene
> Energien, die jenseits unseres Vorstellungsvermögens
> liegen, doch haben große Weise oder befreite Seelen diese
> Energien studiert und sie dreifach unterteilt. Alle Energien
> sind Visnu-èakti, das heißt verschiedene Kräfte Visnus.
> Visnu-èakti ist para oder transzendental. Die ksetrajÒas
> oder Lebewesen gehören ebenfalls zur höheren Energie,
> wie bereits erklärt wurde. Die andere, materielle Energie ist
> avidya-karma-saàjÒanya - sie befindet sich in der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit. Das ist die materielle
> Energie. Zur Stunde des Todes können wir entweder in der
> materiellen Welt bleiben oder uns zur spirituellen Welt
> erheben.
> Wir denken entweder an die materielle oder an die
> spirituelle Energie. Es gibt viele Schriften, die unsere
> Gedanken mit materiellen Dingen füllen - Zeitungen,
> Romane usw. -, doch wir sollten unser Denken, das
> gegenwärtig in solche Literatur vertieft ist, auf die
> vedischen Schriften lenken. Die großen Weisen haben
> daher viele vedische Schriften, wie zum Beispiel die
> Puraäas usw., verfaßt. Die Puraäas entspringen nicht der
> Phantasie irgendwelcher Menschen, sondern sind
> historische Aufzeichnungen.
> Im Caitanya-caritamçta finden wir den folgenden Vers:
> "Die bedingte Seele kann ihr Krsna-Bewußtsein nicht aus
> eigener Kraft wiederbeleben; doch aus grundloser
> Barmherzigkeit verfaßte Sri Krsna die vedische Literatur
> und ihre Zusätze, die Puraäas." (Cc. M. 20.122)
> Die vergeßlichen Lebewesen oder bedingten Seelen haben
> ihre Beziehung zum Höchsten Herrn vergessen und denken
> nur an materielle Tätigkeiten. Nur um ihre Denkkraft auf
> den spirituellen Himmel zu lenken, hat uns Krsnadvaipayana
> Vyasa eine große Anzahl vedischer Schriften
> gegeben. Zunächst unterteilte Er den einen Veda in vier
> Teile; darauf erklärte Er diese Teile in den Puraäas, und für
> weniger befähigte Menschen schrieb Er das Mahabharata.
> Im Mahabharata ist die Bhagavad-Gita enthalten. Dann
> faßte Er alle vedischen Schriften im Vedanta-sôtra
> zusammen und gab uns zur zukünftigen Wegweisung einen
> natürlichen Kommentar zum Vedanta-sôtra - das Srimad-
> Bhagavatam. Wir müssen unseren Geist ständig damit
> beschäftigen, diese vedischen Schriften zu lesen. Ebenso
> wie Materialisten ständig damit beschäftigt sind, Zeitungen,
> Magazine, Erzählungen, Romane, wissenschaftliche
> Essays, philosophische Abhandlungen und viele andere
> Arten materialistischer Literatur zu lesen, so müssen wir
> uns dem Lesen der vedischen Schriften widmen, die uns
> von Vyasadeva gütigerweise gegeben wurden; dann wird es
> uns durchaus möglich sein, uns zur Stunde des Todes an
> den Höchsten Herrn zu erinnern. Das ist der einzige Weg,
> 
> und der Herr garantiert das Ergebnis: asaàèayaÉ.
> ÑHierüber besteht kein Zweifel." Der Herr rät Arjuna:
> tasmat sarvesu kalesu mam anusmara yudhya ca. "Daher, o
> Arjuna, solltest du immer an Mich in Meiner Form als
> Krsna denken und zugleich deine vorgeschriebene Pflicht
> des Kämpfens erfüllen." (Bg. 8.7)
> Er rät Arjuna nicht, sich einfach nur an Ihn zu erinnern und
> seine Tätigkeit aufzugeben. Nein, so lautet der Vorschlag
> nicht. Der Herr schlägt niemals etwas Unpraktisches vor. In
> der materiellen Welt muß man arbeiten, um den Körper zu
> erhalten. Die menschliche Gesellschaft wird in
> Entsprechung zu den verschiedenen Beschäftigungen in
> vier soziale Klassen unterteilt: brahmaäas, ksatriyas,
> vaièyas und èôdras. Die intelligente Klasse (brahmaäas)
> arbeitet in einer bestimmten Weise; die verwaltende Klasse
> (ksatriyas) arbeitet in anderer Weise, und auch der
> handeltreibenden oder erzeugenden Klasse (vaièyas) sowie
> 19
> den Arbeitern (èôdras) sind bestimmte Pflichten gegeben.
> In der menschlichen Gesellschaft muß man arbeiten, um
> seine Existenz zu erhalten, ganz gleich ob man Arbeiter,
> Kaufmann, Politiker oder Beamter ist oder als gebildeter
> Mensch, wie zum Beispiel als Wissenschaftler, der
> höchsten Klasse angehört. Der Herr sagt daher zu Arjuna:
> "Du brauchst deine Beschäftigung nicht aufzugeben; aber
> während du deiner Tätigkeit nachgehst, kannst du dich an
> Mich, Krsna, erinnern (mam anusmaran), und das wird dir
> helfen, dich auch in der Todesstunde an Mich zu erinnern.
> Wenn du dich nicht darin übst, dich immer an Mich zu
> erinnern, während du um deine Existenz kämpfst, wird es
> dir zum Zeitpunkt des Todes nicht möglich sein." Sri Krsna
> Caitanya gibt uns den gleichen Rat: Er sagt, man solle sich darin üben, sich an den Herrn zu
> erinnern, indem man ständig Seine Namen chantet (spricht
> oder singt). Die Namen des Herrn und der Herr Selbst sind
> nicht voneinander verschieden. Sri Krsnas Unterweisung an
> Arjuna "Erinnere dich einfach an Mich" und Sri Caitanyas
> Weisung "Chante immer die Namen Sri Krsnas" sind die
> gleiche Anweisung. Es besteht kein Unterschied, denn
> Krsna und Krsnas Name sind nicht voneinander
> verschieden. Auf der absoluten Ebene gibt es keinen
> Unterschied zwischen dem Gesprochenen und dem
> Sprecher. Deshalb müssen wir uns darin üben, uns immer
> (tasmat sarvesu kalesu), vierundzwanzig Stunden am Tag,
> an Krsna zu erinnern, indem wir Seine Namen chanten und
> unser Tun in solche Bahnen lenken, dass wir uns ständig an
> Ihn erinnern können.
> Wie ist dies möglich? Die acaryas geben das folgende,
> recht deutliche Beispiel: Wenn sich eine verheiratete Frau
> zu einem anderen Mann hingezogen fühlt oder ein Mann
> eine andere Frau als seine eigene liebt, gilt diese Anziehung
> als sehr stark. In einem solchen Zustand denkt man ständig
> an den Geliebten oder die Geliebte. Die Frau, die mit ihren
> Gedanken ständig bei ihrem Geliebten weilt, denkt immer
> daran, mit ihm zusammenzukommen - selbst wenn sie mit
> der Erfüllung ihrer HaushaltsPflichten beschäftigt ist, ja sie
> geht ihrer Hausarbeit sogar noch sorgfältiger nach, damit
> ihr Ehemann keinen Verdacht schöpft. In ähnlicher Weise
> sollten wir uns ständig an den höchsten Gemahl, Sri Krsna,
> erinnern, doch zur gleichen Zeit unseren materiellen
> Pflichten gewissenhaft nachkommen. Das ist durchaus
> möglich. Dazu ist nur starke Liebe notwendig. Wenn wir
> für den Höchsten Herrn starke Liebe empfinden, können
> wir unsere Pflicht erfüllen und uns zur gleichen Zeit an Ihn
> erinnern. Wir müssen daher diese Liebe entwickeln. Arjuna
> zum Beispiel dachte immer an den Herrn; er konnte Krsna
> während der vierundzwanzig Stunden des Tages nicht
> einmal eine Sekunde vergessen; er war der ständige
> Begleiter Krsnas, und gleichzeitig war er Krieger. Krsna
> gab ihm nicht den Rat, das Kämpfen aufzugeben und in den
> Wald oder den Himalaya zu gehen, um zu meditieren, und
> als Sri Krsna Arjuna das yoga-System beschrieb, erklärte
> Arjuna, dass es für ihn nicht möglich sei, dieses System zu
> praktizieren:
> "Arjuna sagte: O Madhusudana, das yoga-System, das Du
> zusammengefaßt hast, erscheint mir undurchführbar und
> unerträglich, denn der Geist ist ruhelos und unstet." (Bg.
> 6.33)
> Doch der Herr sagte:
> "Von allen yogÖs ist der am engsten mit Mir in yoga vereint,
> der mit starkem Glauben immer in Mir weilt und Mich im
> transzendentalen liebevollen Dienst verehrt, und er ist der
> höchste von allen." (Bg. 6.47)
> Wer also ständig an den Höchsten Herrn denkt, ist
> gleichzeitig der größte yogÖ, der hervorragendste jÒanÖ und
> der größte Gottgeweihte. Krsna teilte Arjuna weiter mit:
> "Als ksatriya kannst du das Kämpfen nicht aufgeben, aber wenn
> du dich darin übst, dich zur gleichen Zeit immer an Mich
> zu erinnern, wirst du imstande sein, dich auch in der
> Todesstunde an Mich zu erinnern." Der Herr sagt, es gebe
> gar keinen Zweifel, wenn man sich mit völliger
> Ergebenheit in Seinem transzendentalen liebevollen Dienst
> betätige. Denn wir handeln im Grunde nicht mit unserem
> Körper, sondern mit unserem Geist und unserer Intelligenz.
> Wenn also unsere Intelligenz und unser Geist immer in
> Gedanken mit dem Höchsten Herrn beschäftigt sind, dann
> sind unsere Sinne natürlicherweise ebenfalls in Seinem
> Dienst tätig. Das ist das Geheimnis der Bhagavad-Gita.
> Man muß diese Kunst erlernen, wie man nämlich mit Geist
> und Intelligenz vierundzwanzig Stunden täglich in
> Gedanken beim Herrn sein kann, und solche Versenkung
> wird uns dann, wenn wir den materiellen Körper verlassen,
> helfen, uns zum Königreich des Herrn, in die spirituelle
> Sphäre, zu erheben.
> Moderne Wissenschaftler haben jahrelang vergeblich
> 
> versucht, den Mond zu erreichen, doch hier erfahren wir
> aus der Bhagavad-Gita, dass sich ein Mensch, der vielleicht
> fünfzig Jahre zu leben hat, besser spirituell erheben sollte.
> Natürlich versucht heutzutage niemand, sich fünfzig Jahre
> lang spirituell zu erheben, wenngleich dies ein guter
> Gedanke ist; doch selbst wenn man sich nur zehn oder fünf
> Jahre ernsthaft in dieser Praxis übt, wird dies einen Nutzen
> haben. Der Vorgang der Hingabe besteht aus:
> Dies sind die neun Vorgänge des hingebungsvollen
> Dienstes. Der leichteste besteht darin, einfach zu hören.
> Wenn man die Bhagavad-Gita oder das Srimad
> Bhagavatam von einer verwirklichten Seele hört, wird das
> dazu führen, dass man vierundzwanzig Stunden am Tag an
> das Höchste Wesen denken kann, was letztlich bewirken
> wird, dass man sich an den Höchsten Herrn erinnert, und so
> 20
> werden wir, wenn wir diesen Körper verlassen, einen
> spirituellen Körper bekommen, der für die Gemeinschaft
> mit dem Höchsten Herrn geeignet ist. Der Herr sagt daher:
> 
> "O Partha, wer sich in diesem Erinnern übt, ohne abzuirren,
> und ständig an den Höchsten Gott denkt, erreicht mit
> Sicherheit den Planeten des Göttlichen, der Höchsten
> Persönlichkeit." (Bg. 8.8)
> Ständig nur an den Herrn zu denken - das ist kein allzu
> schwieriger Vorgang. Man muß dies jedoch von jemand
> lernen, der darin bereits erfahren ist. Der Geist wandert
> ständig hin und her; deshalb muß man sich unablässig darin
> üben, den Geist auf die Gestalt des Höchsten Herrn, Sri
> Krsna, oder den Klang Seines Namens zu richten, wobei
> letzteres sehr viel leichter ist. Der Geist ist von Natur aus
> ruhelos, doch er kann in der Klangschwingung des Heiligen
> Namens Ruhe finden. Man muß daher über den paramaà
> purusam, die Höchste Person, meditieren, und auf diese
> Weise wird man Ihn erreichen. Die Methoden oder Wege
> und Mittel zur letztlichen Verwirklichung, zum endgültigen
> Ziel, werden alle in der Bhagavad-Gita aufgeführt, und für
> niemand bestehen irgendwelche Schranken. Es ist nicht so,
> dass sich nur eine bestimmte Klasse von Menschen an den
> Herrn wenden kann. An Sri Krsna zu denken oder über Ihn
> zu hören ist jedem möglich, und der Herr sagt in der
> Bhagavad-Gita:
> "O Sohn Prthas, diejenigen, die bei Mir Zuflucht suchen,
> können das höchste Ziel erreichen - auch wenn sie von
> niederer Geburt sind, wie Frauen, vaièyas (Kaußeute) oder
> auch èôdras (Arbeiter). Wieviel vortrefßicher sind dann die
> brahmaäas, die Rechtschaffenen, die Gottgeweihten und
> die heiligen Könige, die Mir in dieser zeitweiligen, elenden
> Welt in Liebe dienen." (Bg. 9.32-33)
> Der Herr sagt, selbst Menschen auf der untersten
> Lebensstufe (Kaußeute, Frauen oder Arbeiter) könnten ihn
> erreichen. Kaußeute, Arbeiter und Frauen werden in die
> gleiche Kategorie eingereiht, weil ihre Intelligenz nicht so
> sehr entwickelt ist, doch sagt der Herr, dass auch sie Ihn
> erreichen können. Und nicht nur sie, sondern sogar
> Menschen, die noch tiefer stehen, haben diese Möglichkeit.
> Jeder, ganz gleich wer es ist, der sich an diesen Grundsatz
> des bhakti-yoga hält und den Höchsten Herrn als das
> summum bonum des Lebens, das höchste Ziel, anerkennt,
> kann den Herrn in der spirituellen Welt erreichen. Wenn
> man den Prinzipien folgt, die in der Bhagavad-Gita
> niedergelegt sind, kann man sein Leben zur
> Vollkommenheit führen und eine endgültige Lösung für
> alle Probleme des Lebens schaffen, die aus dem
> vergänglichen Wesen des materiellen Daseins entstehen.
> Das ist die Essenz der gesamten Bhagavad-Gita. Die
> Schlußfolgerung lautet daher, dass es sich bei der
> Bhagavad-Gita um eine transzendentale Schrift handelt, die
> man sehr sorgfältig lesen sollte (Gita-bhasyam idaà
> punyaà yat patet vrajata puman), und wenn man ihren
> Anweisungen in rechter Weise nachkommt, so wird dies
> zur Folge haben, dass man von allen Leiden, Sorgen und
> Ängsten des Lebens frei wird und im nächsten Leben einen
> spirituellen Körper bekommt.
> Ein weiterer Vorteil ergibt sich daraus, dass jemandem, der
> die Bhagavad-Gita sehr aufrichtig und mit allem Ernst liest,
> durch die Gnade des Herrn die Reaktionen auf seine
> vergangenen Missetaten nichts anhaben können. Im letzten
> Teil der Bhagavad-Gita versichert Sri Krsna: ahaà tvaà
> sarva-papebhyo moksayisyami ma èucaÉ. Der Herr
> übernimmt alle Verantwortung für jemand, der sich Ihm
> ergibt, und Er nimmt allen Reaktionen auf Sünden die
> Wirkung.
> "Man reinigt sich täglich, indem man badet, doch wer nur
> einmal ein Bad im heiligen Gaâga-Wasser der Bhagavad-Gita
> nimmt, wäscht allen Schmutz des materiellen Lebens
> fort."
> Da die Bhagavad-Gita von der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes gesprochen ist, braucht man keine andere vedische
> Schrift zu lesen. Es genügt, nur die Bhagavad-Gita
> aufmerksam und regelmäßig zu hören und zu lesen, und
> man soll sich dieser Methode unter allen Umständen
> zuwenden, denn in der heutigen Zeit sind die Menschen so
> sehr von weltlichen Tätigkeiten in Anspruch genommen,
> dass es ihnen kaum möglich ist, alle vedischen Schriften zu
> lesen. Aber das ist auch nicht notwendig. Dieses eine Buch,
> Bhagavad-Gita, wird ausreichen, denn es ist die Essenz
> 
> aller 
> vedischen Schriften und wurde von der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes gesprochen.
> Man sagt, wer das Wasser der Gaâga trinke, werde
> ebenfalls erlöst, ganz zu schweigen also von jemand, der
> den Nektar der Bhagavad-Gita trinkt. Die Gita ist der
> Nektar des Mahabharata, das von Visnu Selbst gesprochen
> 21
> wurde. Sri Krsna ist der ursprüngliche Visnu. Die Gita
> stammt aus dem Mund der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
> und die Gaâga geht von den Lotosfüßen des Herrn aus.
> Natürlich besteht zwischen dem Mund und den Füßen des
> Höchsten Herrn kein Unterschied, doch kommt man bei
> einer neutralen Studie zu dem Schluß, dass die Bhagavad-Gita
> noch wichtiger ist als die Gaâga.
> Diese GÖtopanisad ist genau wie eine Kuh, und Sri Krsna,
> der als Kuhhirtenjunge berühmt ist, melkte diese Kuh. Die
> Gita ist die Essenz aller Upanisaden und wird mit einer
> Kuh verglichen, und weil der Herr ein geschickter
> Kuhhirtenjunge ist, melkt Er die Kuh; Arjuna (parthavatsa),
> der einem Kalb gleicht, und große Gelehrte und
> Gottgeweihte (suri-bhakta) sind dazu ausersehen, die Milch
> entgegenzunehmen. Die nektargleiche Milch der
> Bhagavad-Gita ist für gelehrte Gottgeweihte bestimmt.
> Die Welt sollte aus der Bhagavad-Gita die folgende Lehre
> ziehen: 
> Devaki-putra-Gitam. Es gibt nur eine gemeinsame Schrift
> für die gesamte Menschheit - die Bhagavad-Gita. es gibt 
> nur einen Gott für die ganze Welt
> - Sri Krsna. Es gibt nur eine
> Hymne oder einen mantra, ein Gebet, nämlich Seinen
> Namen zu chanten - Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna ,
> Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare
> Hare, und karmapy ekaà tasya devasya seva: Es gibt nur
> eine Tätigkeit - der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu
> dienen.
> DIE NACHFOLGE DER SPIRITUELLEN MEISTER
> Diese Bhagavad-Gita Wie Sie Ist wird durch die hier
> aufgeführte Nachfolge der spiritueller Meister empfangen:
> 1) Krsna; 2) Brahma; 3) Narada; 4) Vyasa; 5) Madhva; 6)
> Padmanabha; 7) Nrhari; 8) Madhava; 9) Aksobhya; 10)
> JayatÖrtha; 11) Jnanasindhu; 12) Dayanidhi; 13)
> Vidhyanidhi; 14) Rajendra; 15) Jayadharma; 16)
> Purusottama; 17) Brahmanyatirtha; 18) VyasatÖrtha; 19)
> LaksmÖpati; 20) Madhavendra Puri; 21) Isvara Puri
> (Nityananda, Advaita); 22) Sri Caitanya; 23) Rupa
> (SvaRupa, Sanatana); 24) Raghunatha, Jiva; 25) Krsnadasa;
> 26) Narottama; 27) Vièvanatha; 28) (Baladeva) Jagannatha;
> 29) Bhaktivinoda; 30) Gaurakisora; 31) Bhaktisiddhanta
> Sarasvati; 32) His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami
> Prabhupada.
> 22
>
> — *00-Vorwort*

