# 03-Karma Yoga

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> DRITTES KAPITEL
> Karma-yoga
> 
> VERS 1
> Arjuna sprach: O Janardana, o Kesava, warum drängst
> Du mich, an diesem schrecklichen Kriegshandwerk
> teilzunehmen, wenn Du glaubst, dass Intelligenz besser
> sei als fruchtbringende Arbeit?
> 
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, hat
> im vorangegangenen Kapitel die Beschaffenheit der Seele
> sehr ausführlich beschrieben, um Seinen vertrauten Freund
> Arjuna aus dem Ozean des materiellen Elends zu erretten.
> Als Pfad der Erkenntnis wurde buddhi-yoga oder Krsna-
> Bewusstsein empfohlen. Manchmal wird Krsna-Bewusstsein
> als Untätigkeit mißverstanden, und oft zieht sich jemand,
> der einem solchen Irrtum unterliegt, an einen einsamen Ort
> zurück, um dort durch das Chanten von Sri Krsnas
> Heiligem Namen völlig Krsna-bewusst zu werden. Doch
> ohne in der Philosophie des Krsna-Bewusstseins geschult zu
> sein, ist es nicht ratsam, den Heiligen Namen Krsnas an
> einem abgelegenen Ort zu chanten, wo man nichts weiter
> als die billige Bewunderung der unschuldigen
> 
> Öffentlichkeit gewinnen mag. Auch Arjuna hielt Krsna-
> Bewusstsein oder buddhi-yoga, das heißt Intelligenz, um im
> spirituellen Wissen fortzuschreiten, für so etwas wie
> Sichzurückziehen vom aktiven Leben und die Auferlegung
> von Buße und Enthaltung an einem abgelegenen Ort. Mit
> anderen Worten: Er wollte geschickt den Kampf
> vermeiden, indem er Krsna-Bewusstsein als Entschuldigung
> benutzte; doch als ernsthafter Schüler brachte er die
> Angelegenheit vor seinen Meister und fragte Krsna, wie er
> am besten handeln solle. Als Antwort erklärte Sri Krsna in
> diesem Dritten Kapitel ausführlich karma-yoga oder Arbeit
> im Krsna-Bewusstsein.
> 
> VERS 2
> Meine Intelligenz ist durch Deine zweideutigen
> Unterweisungen verwirrt. Sage mir deshalb bitte
> eindeutig, was das beste für mich ist.
> ERLÄUTERUNG
> Im vorherigen Kapitel wurden als Einleitung zur
> Bhagavad-Gita viele verschiedene Pfade erklärt, so zum
> Beispiel sankhya-yoga, buddhi-yoga, die Beherrschung der
> Sinne durch Intelligenz, Handeln ohne den Wunsch nach
> fruchttragenden Ergebnissen und die Stellung des Neulings.
> All dies wurde unsystematisch vorgetragen. Um danach zu
> handeln und es zu verstehen, wäre eine geordnetere
> Beschreibung der Pfade notwendig. Arjuna wollte daher
> diese offenbar verwirrenden Unterweisungen klären, damit
> jeder gewöhnliche Mensch sie ohne Fehlinterpretation
> annehmen könnte. Obwohl Krsna nicht die Absicht hatte,
> Arjuna durch Wortspielereien zu verwirren, vermochte
> Arjuna dem Vorgang des Krsna-Bewusstseins nicht zu
> folgen - weder durch Untätigkeit noch durch aktiven
> Dienst. Mit anderen Worten: Durch seine Fragen erhellt er
> den Pfad des Krsna-Bewusstseins für alle Schüler, die
> ernsthaft bemüht sind, das Mysterium der Bhagavad-Gita
> zu verstehen.
> 
> VERS 3
> Der Höchste Herr sprach: O sündloser Arjuna, Ich habe
> bereits erklärt, dass es zwei Gruppen von Menschen
> gibt, die den Herrn, das Höchste Selbst, erkennen.
> Einige neigen dazu, Ihn durch empirische,
> philosophische Spekulation zu verstehen, und andere
> sind geneigt, Ihn durch hingebungsvolle Arbeit zu
> erkennen.
> 
> ERLÄUTERUNG
> Im Zweiten Kapitel, Vers 39, erklärte der Herr zwei
> Vorgänge: sankhya-yoga und karma-yoga oder buddhiyoga.
> Im vorliegenden Vers erklärt der Herr das gleiche
> etwas deutlicher. Mit sankhya-yoga oder dem analytischen
> Studium der spirituellen und materiellen Natur befassen
> sich solche Menschen, die geneigt sind, zu spekulieren und
> Dinge durch experimentelles Wissen und Philosophie zu
> verstehen. Die anderen arbeiten im Krsna-Bewusstsein, wie
> in Vers 61 des Zweiten Kapitels erklärt wird. In Vers 39 hat
> der Herr erklärt, dass man von den Fesseln des Handelns
> befreit werden kann, wenn man nach den Grundsätzen des
> buddhi-yoga oder Krsna-Bewusstseins arbeitet; außerdem
> ist dieser Vorgang fehlerlos. Das gleiche Prinzip wird in
> Vers 61 noch deutlicher erklärt, dass nämlich dieser buddhiyoga
> bedeutet, vollständig vom Höchsten (oder genauer
> von Krsna) abhängig zu sein, und dass auf diese Weise alle
> Sinne sehr leicht unter Kontrolle gebracht werden können.
> Deshalb sind beide yogas, genau wie Religion und
> Philosophie, voneinander abhängig. Religion ohne
> Philosophie ist sentimental oder zuweilen sogar
> Fanatismus, wohingegen Philosophie ohne Religion nichts
> weiter als gedankliche Spekulation ist. Das endgültige Ziel
> ist Krsna, denn auch die Philosophen, die ernsthaft nach der
> Absoluten Wahrheit suchen, kommen letztlich zum Krsna-
> Bewusstsein. Dies wird ebenfalls in der Bhagavad-Gita
> bestätigt. Der ganze Vorgang besteht darin, die wirkliche
> Stellung des Selbst in Beziehung zum Überselbst zu
> verstehen. Der indirekte Vorgang ist philosophische
> Spekulation, wodurch man allmählich zur Stufe des Krsna-
> Bewusstseins kommen mag, und der andere Vorgang
> besteht darin, durch Krsna-Bewusstsein zu allem eine
> direkte Beziehung herzustellen. Von diesen beiden ist der
> Pfad des Krsna-Bewusstseins der bessere, da er nicht davon
> abhängt, die Sinne durch einen philosophischen Vorgang
> zu läutern. Krsna-Bewusstsein selbst ist der
> Läuterungsvorgang, und durch die direkte Methode des
> hingebungsvollen Dienens ist es einfach und erhaben
> zugleich.
> 
> VERS 4
> Nicht dadurch, dass man sich einfach von Arbeit
> fernhält, kann man Freiheit von Reaktionen erlangen;
> noch kann man durch Entsagung allein
> Vollkommenheit erreichen.
> ERLÄUTERUNG
> Den Lebensstand der Entsagung kann man annehmen,
> wenn man durch die Erfüllung der vorgeschriebenen
> Pflichten, die nur festgelegt sind, um die Herzen
> materialistischer Menschen zu reinigen, geläutert worden
> ist. Ohne geläutert zu sein, kann man keinen Erfolg haben,
> indem man unvermittelt die vierte Stufe des Lebens
> (sannyasa) annimmt. Nach Meinung der empirischen
> Philosophen wird man dadurch, dass man einfach sannyasa
> annimmt oder sich von fruchtbringenden Tätigkeiten
> zurückzieht, sogleich so gut wie Narayana. Sri Krsna
> jedoch billigt diese Auffassung nicht. Ohne eine Läuterung
> des Herzens ist sannyasa nur eine Störung für die soziale
> Ordnung. Wenn sich aber jemand dem transzendentalen
> Dienst des Herrn widmet, auch ohne seine
> vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, nimmt der Herr
> entgegen, was immer derjenige imstande sein mag zu tun
> (buddhi-yoga). "Auch wenn man diesem Prinzip nur in
> geringem Maße nachkommt, wird man befähigt, große
> Schwierigkeiten zu überwinden." (Bg. 2.40)
> 
> VERS 5
> Alle Menschen sind gezwungen, hilflos nach dem
> Drängen zu handeln, die von den Erscheinungsweisen
> der materiellen Natur hervorgerufen werden; deshalb
> kann niemand auch nur für einen Augenblick aufhören,
> etwas zu tun.
> ERLÄUTERUNG
> Das Lebewesen ist nicht nur im verkörperten Leben aktiv;
> vielmehr ist es das Wesen der Seele, immer aktiv zu sein.
> Ohne die Gegenwart der spirituellen Seele kann sich der
> materielle Körper nicht bewegen. Der Körper ist nur ein
> totes Fahrzeug, das von der spirituellen Seele bewegt
> werden muss, die immer aktiv ist und nicht einmal für einen
> Augenblick innehalten kann. Infolgedessen muss die Seele
> mit den positiven Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins
> beschäftigt werden; andernfalls wird sie in Tätigkeiten
> beschäftigt, die ihr die illusionierende Energie diktiert. In
> Berührung mit der materiellen Energie nimmt die
> spirituelle Seele materielle Erscheinungsweisen an, und um
> die Seele von diesen Verbindungen zu reinigen, ist es
> notwendig, die in den sastras niedergelegten
> vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen. Wenn die Seele
> sich in ihrer natürlichen Funktion des Krsna-Bewusstseins
> betätigt, ist alles, was sie zu tun imstande ist, gut für sie.
> Dies wird im Srimad-Bhagavatam (1.5.17) wie folgt
> bestätigt:
> "Wenn sich jemand dem Krsna-Bewusstsein zuwendet,
> entsteht niemals für ihn ein Verlust oder Nachteil - selbst
> wenn er den vorgeschriebenen Pflichten, die in den sastras
> niedergelegt sind, nicht folgt noch seinen hingebungsvollen
> Dienst richtig ausführt oder sogar von seiner Stufe
> herabfallen mag. Doch was nutzt es ihm, wenn er zwar alle
> in den sastras angegebenen Vorschriften zur Läuterung
> befolgt, aber nicht Krsna-bewusst ist?"
> Der Läuterungsvorgang ist also notwendig, um die Stufe
> des Krsna-Bewusstseins zu erreichen. Daher ist sannyasa
> oder jeder andere Läuterungsvorgang dafür bestimmt, dem
> Menschen zu helfen, das endgültige Ziel zu erreichen,
> nämlich Krsna-bewusst zu werden; andernfalls ist das ganze
> Leben ein Fehlschlag.
> 
> VERS 6
> Wer seine Sinne und seine aktiven Organe zurückhält,
> aber in Gedanken bei Sinnesobjekten weilt, betrügt sich
> gewiss selbst und ist ein Heuchler.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt viele Heuchler, die es ablehnen, im Krsna-
> Bewusstsein tätig zu sein, aber vorgeben zu meditieren,
> während sie tatsächlich in Gedanken in Sinnengenuss
> schwelgen. Solche Heuchler mögen auch über trockene
> Philosophie sprechen, um ihre pseudointellektuellen
> Anhänger zu bluffen; doch nach der Aussage dieses Verses
> sind sie die größten Betrüger. Für Sinnengenuss kann man
> jeden beliebigen Beruf in der Gesellschaft ausüben, doch
> kann man, wenn man den Regeln und Regulierungen seines
> bestimmten Standes folgt, seine Existenz allmählich
> läutern. Wer jedoch vorgibt, ein yogí zu sein, während er in
> Wirklichkeit nach Objekten der Sinnenbefriedigung
> Ausschau hält, muss als der größte Betrüger bezeichnet
> werden, auch wenn er manchmal über Philosophie spricht.
> Sein Wissen hat keinen Wert, weil dem Wissen eines solch
> sündigen Menschen von der illusionierenden Energie des
> Herrn die Wirkung genommen wird. Der Geist eines
> solchen Heuchlers ist immer unrein, und daher hat seine
> Zurschaustellung yogischer Meditation nicht den geringsten
> Wert.
> 
> VERS 7
> Dagegen ist derjenige, der die Sinne durch den Geist
> beherrscht und seine aktiven Organe, ohne anzuhaften,
> in Werken der Hingabe beschäftigt, weitaus höher
> einzustufen.
> ERLÄUTERUNG
> Anstatt ein Pseudo-Transzendentalist zu werden und nach
> einem ausschweifenden Leben und Sinnengenuss zu
> trachten, ist es weitaus besser, in seinem jeweiligen
> Aufgabenbereich zu bleiben und den Sinn des Lebens zu
> erfüllen, der darin besteht, aus der materiellen Knechtschaft
> frei zu werden und in das Königreich Gottes einzugehen.
> Das vornehmlichste svartha-gati oder Ziel des
> Selbstinteresses besteht darin, Visnu zu erreichen. Die
> gesamte Einrichtung des varna und asrama ist so angelegt,
> dass sie uns hilft, dieses Lebensziel zu erreichen. Auch ein
> Haushälter kann dieses Ziel durch geregelten Dienst im
> Krsna-Bewusstsein erreichen. Um selbstverwirklicht zu
> werden, sollte man ein gezügeltes Leben führen, so wie es
> in den sastras vorgeschrieben wird, und fortfahren, seiner
> Beschäftigung ohne Anhaftung nachzugehen, um auf diese
> Weise Fortschritte zu machen. Ein aufrichtiger Mensch, der
> dieser Methode folgt, ist weitaus besser als ein falscher
> Heuchler, der fadenscheinigen Spiritualismus zur Schau
> stellt, um die unschuldige Öffentlichkeit zu betrügen. Ein
> ehrlicher Straßenfeger ist weitaus besser als ein Scharlatan,
> der nur meditiert, um sich seinen Lebensunterhalt zu
> verdienen.
> 
> VERS 8
> Erfülle deine vorgeschriebene Pflicht, denn es ist besser
> zu handeln, als untätig zu sein. Ohne Arbeit kann ein
> Mensch nicht einmal seinen physischen Körper
> erhalten.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt viele Pseudo-Meditierende, die vorgeben, von einer
> hohen Familie abzustammen, und überaus berufstüchtige
> Personen, die sich den Anschein geben, alles für den
> Fortschritt im spirituellen Leben geopfert zu haben. Sri
> Krsna wollte nicht, dass Arjuna zum Heuchler wurde,
> sondern dass er seine vorgeschriebenen Pflichten so erfüllte,
> wie sie für ksatriyas festgelegt sind. Arjuna war Haushälter
> und General, und deshalb war es für ihn besser, dies zu
> bleiben und seine religiösen Pflichten zu erfüllen, wie sie
> einem Haushälter-ksatriya vorgeschrieben sind. Solche
> Tätigkeiten läutern allmählich das Herz eines weltlichen
> Menschen und befreien ihn von materieller
> Verunreinigung. Sogenannte Entsagung, mit dem Ziel, für
> den eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, wird weder vom
> Herrn noch von irgendeiner religiösen Schrift gebilligt.
> Schließlich muss man Körper und Seele durch irgendeine
> Arbeit zusammenhalten. Man sollte seine Arbeit nicht
> launenhaft, ohne von materialistischen Neigungen geläutert
> zu sein, aufgeben. Jeder, der sich in der materiellen Welt
> aufhält, hat mit Sicherheit die unreine Neigung, die
> materielle Natur zu beherrschen, das heißt, nach
> Sinnenbefriedigung zu streben. Diese unreinen Neigungen
> müssen geläutert werden. Ohne dies zu tun, und zwar durch
> vorgeschriebene Pflichten, sollte man niemals versuchen,
> ein so genannter Transzendentalist zu werden, seiner Arbeit
> zu entsagen und auf Kosten anderer zu leben.
> 
> VERS 9
> Man muss seine Arbeit Visnu als Opfer darbringen,
> denn sonst wird man durch sie an die materielle Welt
> gebunden; o Sohn Kuntis, erfülle daher deine
> vorgeschriebenen Pflichten zu Seiner Zufriedenstellung;
> auf diese Weise wirst du immer unangehaftet und frei
> von Knechtschaft bleiben.
> ERLÄUTERUNG
> Man muss sogar für die bloße Erhaltung des Körpers
> arbeiten. Deshalb muss ein Mensch seiner sozialen Stellung
> und seinen Eigenschaften entsprechend bestimmte Pflichten
> erfüllen, so dass er seinen Körper erhalten kann. Yajna
> bedeutet Sri Visnu oder Opferdarbringungen. Alle
> Opferhandlungen sind auch für die Zufriedenstellung Sri
> Visnus bestimmt. Die Veden schreiben vor: Yajno vai
> VisnuÉ. Mit anderen Worten: Ob man die vorgeschriebenen
> Yajnas ausführt oder Sri Visnu unmittelbar dient - es wird
> der gleiche Zweck erfüllt. Krsna-Bewusstsein bedeutet
> daher, Yajnas durchzuführen, wie es in diesem Vers
> vorgeschrieben wird. Die varnasrama-Einrichtung hat
> ebenfalls dieses Ziel, um Visnu zufriedenzustellen.
> Deshalb muss man für
> die Zufriedenstellung Visnus arbeiten. Jede andere Arbeit,
> die man in der materiellen Welt verrichtet, ist die Ursache
> von Knechtschaft, denn sowohl gute als auch schlechte
> Werke haben ihre Reaktionen, und jede Reaktion bindet
> den Handelnden. Daher muss man im Krsna-Bewusstsein
> handeln, um Krsna oder Visnu zufriedenzustellen, und
> während man solchen Tätigkeiten nachgeht, befindet man
> sich auf der Stufe der Befreiung. Das ist die große Kunst
> des Handelns, und am Anfang erfordert dieser Vorgang
> sehr kundige Führung. Daher sollte man sehr besonnen
> handeln und sich entweder von einem Geweihten Krsnas
> führen lassen oder direkt den Unterweisungen Sri Krsnas
> folgen (Arjuna hatte die Gelegenheit dazu). Nichts sollte
> für Sinnenbefriedigung, sondern alles sollte für Krsnas
> Befriedigung getan werden. Diese Handlungsweise wird
> einen nicht nur vor den Reaktionen bewahren, die auf die
> eigenen Handlungen folgen, sondern wird einen auch
> allmählich auf die Ebene des transzendentalen liebevollen
> Dienstes für den Herrn erheben. Nur durch
> hingebungsvolles Dienen kann man in das Königreich
> Gottes zurückkehren.
> 
> VERS 10
> Am Anfang der Schöpfung sandte der Herr aller
> Geschöpfe Generationen von Menschen und
> Halbgöttern zusammen mit Opfern für Visnu aus und
> segnete sie, indem Er sprach: Möget ihr durch diesen
> Yajna [Opfer] glücklich werden, denn seine
> Durchführung wird euch alle wünschenswerten Dinge
> bescheren.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr aller Geschöpfe (Visnu) bietet den bedingten
> Seelen durch die materielle Schöpfung eine Möglichkeit,
> nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. Alle Lebewesen in
> der materiellen Schöpfung sind durch die materielle Natur
> bedingt, weil sie ihre Beziehung zu Krsna, der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes, vergessen haben. Die vedischen
> Prinzipien sollen uns helfen, diese ewige Beziehung zu
> verstehen, wie es in der Bhagavad-Gita (15.15) heißt:
> vedaiè ca sarvair aham eva vedyaÉ. Der Herr sagt, dass es
> der Zweck der Veden ist, Ihn zu verstehen. In den
> vedischen Hymnen heißt es: Daher ist der Herr der Lebewesen die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Visnu. Auch im Srimad-Bhagavatam
> (2.4.20) beschreibt Srila Rupa Sukadeva GosvamÖ den Herrn als
> pati:
> "Möge Sri Krsna, der Herr, mit mir Erbarmen haben - Er ist
> der verehrenswerte Herr aller Geweihten, der Schutzherr
> und Ruhm aller Könige, wie Andhaka und Vrsni aus der
> Yadu-Dynastie, der Gemahl aller Glücksgöttinnen, der
> Leiter aller Opfer und daher der Führer aller Lebewesen,
> der Lenker aller Intelligenz, der Besitzer aller Planeten, der
> spirituellen sowie der materiellen, und die höchste
> Inkarnation auf Erden (das Höchste Alles-in-Allem)."
> Sri Visnu ist der praja-pati, und Er ist der Herr aller
> lebenden Geschöpfe, aller Welten, aller Schönheiten und
> der Beschützer eines jeden. Der Herr erschuf die materielle
> Welt für die bedingten Seelen, damit sie lernen, wie man
> Yajnas oder Opfer für die Zufriedenstellung Visnus
> darbringt, so dass sie während ihres Aufenthalts in der
> materiellen Welt bequem und sorglos leben können. Dann
> können sie nach Verlassen des gegenwärtigen materiellen
> Körpers in das Königreich Gottes eingehen. Das ist der
> ganze Plan für die bedingte Seele. Durch die Darbringung
> von Yajnas werden die bedingten Seelen allmählich Krsna bewusst
> und nehmen so in jeder Hinsicht göttliche
> Eigenschaften an. Für das jetzige Zeitalter des Kali wird
> von den vedischen Schriften der sankirtana-Yajna (das
> Chanten der Namen Gottes) empfohlen, und Sri Caitanya
> hat diesen transzendentalen Vorgang zur Befreiung aller
> Menschen in unserem Zeitalter eingeführt. Sankirtana-Yajna 
> und Krsna-Bewusstsein lassen sich gut miteinander
> vereinbaren. Sri Krsna in Seiner hingebungsvollen Form
> (als Sri Caitanya) wird im Srimad-Bhagavatam (11.5.29)
> mit einem besonderen Hinweis auf den sankirtana-Yajna
> erwähnt. Es heißt dort:
> "Im Zeitalter des Kali werden die Menschen, die mit
> genügend Intelligenz ausgestattet sind, den Herrn, der von
> Seinen Gefährten begleitet wird, durch die Ausführung des
> 
> sankirtana-Yajna verehren."
> Andere in den vedischen Schriften vorgeschriebene Yajnas
> sind in diesem Zeitalter des Kali nicht so leicht
> durchzuführen, doch der sankirtana-Yajna ist in jeder
> Hinsicht einfach und erhaben.
> 
> VERS 11
> Wenn die Halbgötter durch Opfer zufriedengestellt
> sind, werden sie auch euch erfreuen, und wenn somit ein
> gegenseitiger Austausch stattfindet, wird allgemeiner
> Wohlstand für alle herrschen.
> ERLÄUTERUNG
> Die Halbgötter sind bevollmächtigte Verwalter, die sich um
> materielle Angelegenheiten kümmern. Die Versorgung mit
> Luft, Licht, Wasser und allen anderen Segnungen für die
> Erhaltung des Körpers und der Seele eines jeden
> Lebewesens ist den Halbgöttern anvertraut, die unzählige
> Helfer in verschiedenen Teilen des Körpers der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes sind. Ihr Wohlgefallen und ihr
> Mißfallen hängt davon ab, ob die Menschen Yajnas
> durchführen. Einige der Yajnas sind dafür gedacht,
> bestimmte Halbgötter zufriedenzustellen; aber dennoch
> wird Sri Visnu in allen Yajnas als der höchste Nutznießer
> verehrt. In der Bhagavad-Gita (5.29) wird ebenfalls gesagt,
> dass Krsna Selbst der Nutznießer aller Arten von Yajnas ist:
> bhoktaram Yajna-tapasam. Deshalb ist die letztliche
> Zufriedenstellung des Yajna-pati der Hauptzweck aller
> Yajnas. Wenn diese Yajnas vollendet ausgeführt werden,
> sind natürlicherweise auch die Halbgötter erfreut, die für
> die verschiedenen Abteilungen der Versorgung
> verantwortlich sind, und so herrscht keine Knappheit in der
> Versorgung mit Naturprodukten.
> Die Ausführung von Yajnas hat viele Nebenvorteile, die
> letztlich zur Befreiung aus der materiellen Knechtschaft
> führen. Wie es in den Veden heißt, werden durch die
> Ausführung von Yajnas alle Tätigkeiten geläutert:
> Wie in dem folgenden Vers erklärt wird, werden durch die
> Ausführung von Yajna die Speisen geheiligt, und wenn man
> geheiligte Nahrung zu sich nimmt, läutert man sein
> gesamtes Dasein; durch eine Läuterung des Daseins werden
> die feineren Gewebe des Erinnerungsvermögens geheiligt,
> und wenn das Gedächtnis geweiht ist, kann man an den
> Pfad der Befreiung denken, und all dies zusammen führt zu
> Krsna-Bewusstsein, der großen Notwendigkeit für die
> heutige Gesellschaft.
> 
> VERS 12
> Die Halbgötter, die für die verschiedenen
> Notwendigkeiten des Lebens verantwortlich sind,
> versorgen den Menschen mit allem, was er braucht,
> wenn sie durch Yajna [Opfer] zufriedengestellt sind.
> Wer jedoch diese Gaben genießt, ohne sie zuvor den
> Halbgöttern als Opfer darzubringen, ist gewiss ein Dieb.
> ERLÄUTERUNG
> Die Halbgötter sind eingesetzte Bevollmächtigte, die im
> Auftrag Visnus, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, für die
> Versorgung zuständig sind. Deshalb müssen sie durch
> Darbringung vorgeschriebener Yajnas zufriedengestellt
> werden. In den Veden werden verschiedenartige Yajnas für
> verschiedenartige Halbgötter vorgeschrieben, doch werden
> alle Opfer letztlich der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> dargebracht. Jemandem, der nicht verstehen kann, was die
> Persönlichkeit Gottes ist, werden Opfer zu den Halbgöttern
> empfohlen. Je nach ihren verschiedenen materiellen
> Eigenschaften werden den Menschen in den Veden
> verschiedene Arten von Yajnas empfohlen. Die Verehrung
> verschiedener Halbgötter findet ebenfalls auf dieser
> Grundlage statt - nämlich gemäß den verschiedenen
> Eigenschaften. Zum Beispiel wird den Fleischessern
> empfohlen, die Göttin Kali, die grausige Form der
> materiellen Natur, zu verehren und ihr Tieropfer
> darzubringen. Denen aber, die sich in der
> Erscheinungsweise der Tugend befinden, wird die
> transzendentale Verehrung Visnus empfohlen. Letztlich
> jedoch sind alle Yajnas dafür bestimmt, den Menschen
> allmählich auf die transzendentale Ebene zu erheben. Für
> gewöhnliche Menschen sind zumindest fünf Yajnas
> notwendig, die man als panca-mahaYajna kennt.
> Man sollte wissen, dass es die Beauftragten des Herrn, die
> Halbgötter, sind, die für alles sorgen, was für die
> menschliche Gesellschaft zum Leben notwendig ist.
> Niemand kann irgend etwas selbst herstellen. Nehmen wir
> zum Beispiel die Nahrungsmittel der menschlichen
> Gesellschaft; dazu gehören Getreide, Früchte, Gemüse,
> Milch, Zucker usw. für die Menschen in der
> Erscheinungsweise der Tugend sowie Fleisch usw. für die
> Nichtvegetarier, und all dies kann nicht von der
> menschlichen Gesellschaft hergestellt werden. Oder
> nehmen wir beispielsweise Wärme, Licht, Wasser und Luft,
> die ebenfalls zum Leben notwendig sind - nichts davon
> kann von der menschlichen Gesellschaft produziert werden.
> Ohne den Höchsten Herrn kann es kein Sonnenlicht, kein
> Mondlicht, keinen Regen und keinen Wind geben, ohne die
> niemand leben kann. Offensichtlich hängt unser Leben von
> der Versorgung durch den Herrn ab. Selbst für unsere
> Fabriken benötigen wir so viele Rohstoffe, wie Metall,
> Schwefel, Quecksilber, Mangan und eine Menge anderer
> unentbehrlicher Dinge, die uns alle von den Beauftragten
> des Herrn zur Verfügung gestellt werden, damit wir
> richtigen Gebrauch davon machen und uns gesund erhalten,
> um Selbsterkenntnis zu erlangen, die zum endgültigen Ziel
> des Lebens, nämlich zur Befreiung vom materiellen Kampf
> ums Dasein, führt. Dieses Ziel des Lebens wird erreicht,
> wenn man Yajnas ausführt. Wenn wir den Sinn des
> menschlichen Lebens vergessen und uns von den
> Beauftragten des Herrn nur für die Befriedigung unserer
> Sinne versorgen lassen und immer mehr in die materielle
> Existenz verstrickt werden, was nicht der Zweck der
> Schöpfung ist, werden wir ohne Zweifel zu Dieben und
> werden daher von den Gesetzen der materiellen Natur
> bestraft. Eine Gesellschaft von Dieben kann niemals
> glücklich sein, denn sie hat kein Ziel im Leben. Die
> grobmaterialistischen Diebe haben kein endgültiges Ziel im
> Leben. Ihr Interesse gilt einzig und allein der Befriedigung
> ihrer Sinne; auch wissen sie nicht, wie man Yajnas
> darbringt. Sri Caitanya jedoch führte den einfachsten Yajna
> ein, den sankirtana-Yajna, der von jedem, der die
> Prinzipien des Krsna-Bewusstseins annimmt, ausgeführt
> werden kann.
> 
> VERS 13
> Die Geweihten des Herrn werden von allen Arten von
> Sünden befreit, da sie Nahrung essen, die zunächst als
> Opfer dargebracht wurde. Andere, die Nahrung für
> ihren eigenen Sinnengenuss zubereiten, essen wahrlich
> nur Sünde.
> ERLÄUTERUNG
> Die Geweihten des Höchsten Herrn, das heißt diejenigen,
> die im Krsna-Bewusstsein leben, werden santas genannt,
> und wie in der Brahma-saàhita (5.38) beschrieben wird,
> sind sie immer in Liebe mit dem Herrn verbunden:
> Die santas, die mit der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes, Govinda (dem Quell aller Freuden)
> oder Mukunda (demjenigen, der Befreiung gewährt) oder
> Krsna (der allanziehenden Person), immer in Liebe
> verbunden sind, können nichts annehmen, ohne es zuvor
> der Höchsten Person zu opfern. Daher führen solche
> Gottgeweihten ständig Yajnas in den verschiedenen
> Erscheinungsformen des hingebungsvollen Dienstes aus
> wie sravanam, kírtanam, smaranam oder arcanam, und
> diese Darbringungen von Yajnas halten sie stets fern von
> allen Arten der Verunreinigung durch sündhaften Umgang
> in der materiellen Welt. Andere, die Nahrung für sich selbst
> oder für die Befriedigung ihrer Sinne zubereiten, sind nicht
> nur Diebe, sondern essen auch alle Arten von Sünde. Wie
> kann ein Mensch glücklich sein, wenn er sowohl ein Dieb
> als auch ein Sünder ist? Das ist nicht möglich. Damit daher
> die Menschen in jeder Hinsicht glücklich werden können,
> müssen sie darin unterwiesen werden, wie der einfache
> sankirtana-Yajna in vollem Krsna-Bewusstsein ausgeführt
> werden kann. Sonst kann es keinen Frieden und kein Glück
> auf der Welt geben.
> 
> VERS 14
> Alle lebenden Körper erhalten sich durch Getreide, das
> nur wachsen kann, wenn Regen fällt. Regen entsteht
> durch die Darbringung von Yajna [Opfer], und Yajna
> wird aus vorgeschriebenen Pflichten geboren.
> ERLÄUTERUNG
> Srila Rupa Baladeva Vidyabhusana ein großer Kommentator der
> Bhagavad-Gita, schreibt: 
> Der Höchste Herr, der als Yajna-purusah oder der
> persönliche Nutznießer aller Opfer bekannt ist, ist das
> Oberhaupt aller Halbgötter, die Ihm dienen wie die
> verschiedenen Teile des Körpers dem Ganzen. Halbgötter
> wie Indra, Candra und Varuna sind vom Höchsten Herrn
> ernannte Verwalter, die materielle Angelegenheiten regeln,
> und die Veden ordnen Opfer an, um diese Halbgötter
> zufriedenzustellen, damit es ihnen gefallen möge, für
> genügend Luft, Licht und Wasser zu sorgen, so dass
> Getreide wachsen kann. Wenn man Sri Krsna verehrt,
> werden die Halbgötter, die verschiedene Glieder des Herrn
> sind, von selbst ebenfalls verehrt, und so ist es nicht
> notwendig, die Halbgötter gesondert vom Herrn zu
> verehren. Aus diesem Grunde opfern die Geweihten des
> Herrn, die im Krsna-Bewusstsein leben, ihre Nahrung
> zunächst Krsna und essen dann - ein Vorgang, der den
> Körper spirituell ernährt. Auf diese Weise werden nicht nur
> alle vergangenen sündhaften Reaktionen im Körper
> vernichtet, sondern der Körper wird auch vor allen
> Verunreinigungen der materiellen Natur geschützt. Wenn
> eine ansteckende Krankheit um sich greift, kann man durch
> einen antiseptischen Impfstoff vor dem Angriff einer
> solchen Epidemie geschützt werden. In ähnlicher Weise
> macht uns Nahrung, die zuerst Visnu geopfert und dann
> von uns gegessen wird, gegen alle materiellen
> Einwirkungen ausreichend immun, und jemand, der sich
> diese Handlungsweise zur Gewohnheit gemacht hat, wird
> als ein Geweihter des Herrn bezeichnet. Deshalb kann ein
> Mensch im Krsna-Bewusstsein, der nur Nahrung ißt, die
> Krsna geopfert wurde, allen Reaktionen auf vergangene
> materielle Infektionen entgegenwirken, die den Fortschritt
> auf dem Pfad der Selbsterkenntnis behindern. Ein Mensch
> hingegen, der dies nicht tut, vergrößert weiter die Anzahl
> seiner sündigen Handlungen, und das bereitet den nächsten
> Körper darauf vor, Hunden und Schweinen zu gleichen, um
> die resultierenden Reaktionen auf alle Sünden zu erleiden.
> Die materielle Welt ist voller Verunreinigungen, und
> jemand, der immun geworden ist, da er nur das prasada des
> Herrn (zu Visnu geopferte Speise) ißt, wird vor diesen
> Angriffen bewahrt, wohingegen ein anderer, der kein
> prasada zu sich nimmt, der Verunreinigung ausgesetzt ist.
> Getreide und Gemüse sind wahrhaft Nahrungsmittel. Der
> Mensch ißt verschiedene Arten von Getreide, Gemüse,
> Früchten usw., und die Tiere fressen die Abfallprodukte des
> Getreides sowie Gemüse, Gras, Pflanzen usw. Menschen,
> die es gewohnt sind, Fleisch zu essen, sind letztlich
> ebenfalls von der Erzeugung von Pflanzen abhängig, um
> Tiere essen zu können. Daher sind wir letzten Endes auf
> das angewiesen, was auf den Feldern wächst, und nicht auf
> das, was in großen Fabriken produziert wird. Die Ernte auf
> den Feldern wiederum richtet sich danach, ob ausreichend
> Regen vom Himmel fällt, und dieser Regen wird von
> Halbgöttern wie Indra, der Sonne und dem Mond
> beherrscht, die alle Diener des Herrn sind. Der Herr kann
> durch Opfer zufriedengestellt werden; deshalb wird
> jemand, der Ihm nichts darbringt, Mangel leiden - so lautet
> das Gesetz der Natur. Yajnas, besonders der für dieses
> Zeitalter empfohlene sankirtana-Yajna, müssen daher
> ausgeführt werden, um uns zumindest vor
> Nahrungsknappheit zu bewahren.
> 
> VERS 15
> Geregelte Tätigkeiten werden in den Veden
> vorgeschrieben, und die Veden sind unmittelbar von der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes manifestiert. Folglich ist
> die alldurchdringende Transzendenz für ewig in
> Opferhandlungen gegenwärtig.
> ERLÄUTERUNG
> Yajnartha karma oder die Notwendigkeit von Arbeit für die
> Zufriedenstellung Krsnas allein wird in diesem Vers noch
> deutlicher hervorgehoben. Wenn wir also für die
> Zufriedenstellung des Yajna-purusa oder Visnus handeln
> sollen, müssen wir die Anweisung für das Handeln im
> Brahman herausfinden, das heißt, wir müssen die
> transzendentalen Veden zu Rate ziehen. Die Veden sind
> also Gesetze, die bestimmen, wie man handeln muss. Alles,
> was ohne die Anleitung der Veden getan wird, nennt man
> vikarma, das heißt unautorisiertes oder sündiges Handeln.
> Man sollte sich daher immer von den Veden führen lassen,
> um vor der Reaktion auf sein Handeln bewahrt zu werden.
> So wie man im gewöhnlichen Leben nach der Weisung des
> 
> Staates handeln muss, so muss man unter der Leitung des
> höchsten Staates des Herrn tätig sein. Solche Weisungen in
> den Veden sind unmittelbar durch den Atem der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes manifestiert. Es heißt: 
> "Die vier Veden, nämlich ¨Rg-Veda,
> Yajur-Veda, Sama-Veda und Atharva-Veda, sind alles
> Emanationen aus dem Atem der erhabenen Persönlichkeit
> Gottes.
> Wie in der Brahma-samhita bestätigt wird, kann der Herr,
> da allmächtig, sprechen, indem Er ausatmet; denn der Herr
> besitzt die Allmacht, durch jeden Seiner Sinne die
> Tätigkeiten aller anderen Sinne auszuführen. Mit anderen
> Worten: Der Herr kann durch Seinen Atem sprechen, und
> Er kann mit Seinen Augen befruchten. In der Tat heißt es,
> dass Er über die materielle Natur blickte und so alle
> Lebewesen zeugte. Nachdem Er die bedingten Seelen in
> den Schoß der materiellen Natur gezeugt hatte, gab Er
> Seine Weisungen in Form der vedischen Weisheit, um zu
> zeigen, wie diese bedingten Seelen nach Hause, zu Gott,
> zurückkehren können. Wir sollten uns immer daran
> erinnern, dass die bedingten Seelen in der materiellen Natur
> alle nach materiellem Genuss gieren. Aber die vedischen
> Weisungen sind so beschaffen, dass man seine pervertierten
> Wünsche befriedigen kann, um dann, nachdem man seinen
> sogenannten Genuss beendet hat, zu Gott zurückzukehren.
> Das vedische Wissen bietet den bedingten Seelen eine
> Möglichkeit zur Befreiung; deshalb müssen sie versuchen,
> dem Vorgang des Yajna zu folgen, indem sie Krsna-bewusst
> werden. Selbst jene, die den vedischen Anweisungen nicht
> folgen können, mögen die Prinzipien des Krsna-
> Bewusstseins annehmen, und das wird die Durchführung
> vedischer Yajnas oder karmas ersetzen.
> 
> VERS 16
> Mein lieber Arjuna, ein Mensch, der diesem
> vorgeschriebenen vedischen System des Opfers nicht
> folgt, führt ein Leben der Sünde, da einer, der nur in
> den Sinnen Freude findet, vergeblich lebt.
> ERLÄUTERUNG
> Die Philosophie jener Menschen, die dem Mammon frönen,
> nämlich sehr schwer zu arbeiten und die Befriedigung der
> Sinne zu genießen, wird hier vom Herrn verurteilt. Deshalb
> ist es für diejenigen, die die materielle Welt genießen
> wollen, absolut notwendig, den oben erwähnten Zyklus von
> Yajnas durchzuführen. Wer sich an solche Vorschriften
> nicht hält, lebt ein sehr gefährliches Leben, da er mehr und
> mehr in die Verdammnis geht. Durch das Gesetz der Natur
> ist diese menschliche Form des Lebens besonders zur
> Selbstverwirklichung bestimmt, die auf drei Wegen erreicht
> werden kann, nämlich durch karma-yoga, jnana-yoga oder
> bhakti-yoga. Für die Transzendentalisten, die über Laster
> und Tugend stehen, ist es nicht notwendig, streng die
> vorgeschriebenen Yajnas auszufahren, doch diejenigen, die
> ihre Sinne befriedigen, müssen sich durch den oben
> erwähnten Zyklus von Yajna-Darbringungen läutern. Es
> gibt verschiedene Arten von Tätigkeiten. Menschen, die
> nicht Krsna-bewusst sind, haben mit Sicherheit ein
> sinnliches Bewusstsein, und daher ist die Ausführung
> frommer Werke für sie notwendig. Das Yajna-System ist in
> 81
> solcher Weise geplant, dass Menschen mit einem sinnlichen
> Bewusstsein ihre Begierden befriedigen können, ohne in die
> Reaktionen auf sinnenbefriedigende Handlungen verstrickt
> zu werden. Der Wohlstand der Welt hängt nicht von
> unseren eigenen Anstrengungen ab, sondern von den im
> Hintergrund stattfindenden Vorkehrungen des Höchsten
> Herrn, die unmittelbar von den Halbgöttern ausgeführt
> werden. Deshalb sind die Yajnas unmittelbar an den
> jeweiligen, in den Veden erwähnten Halbgott gerichtet.
> Indirekt ist auch dies Krsna-Bewusstsein, denn wenn man
> die Durchführung der Yajnas beherrscht, ist es sicher, dass
> man Krsna-bewusst wird. Wenn man aber durch die
> Darbringung von Yajnas nicht Krsna-bewusst wird, sind
> solche Prinzipien nichts weiter als moralische
> Verhaltensregeln. Man sollte daher seinen Fortschritt nicht
> begrenzen und bei moralischen Regeln stehenbleiben,
> sondern diese transzendieren, um Krsna-Bewusstsein zu
> erreichen.
> 
> VERS 17
> Wer jedoch im Selbst Freude findet, im Selbst erleuchtet
> ist, allein im Selbst erfreut und nur im Selbst befriedigt
> ist - für ihn gibt es keine Pflicht.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Mensch, der völlig Krsna-bewusst und durch seine
> Handlungen im Krsna-Bewusstsein vollauf zufrieden ist, hat
> keine Pflicht mehr zu erfüllen. Da er Krsna-bewusst ist, ist
> alle Unreinheit in seinem Innern augenblicklich
> fortgewaschen - eine Wirkung, die sonst nur durch viele
> Tausende von Yajnas erzielt werden kann. Durch eine
> solche Klärung des Bewusstseins entwickelt man starkes
> Vertrauen in seine ewige Stellung in Beziehung zum
> Höchsten. Durch die Gnade des Herrn wird daraufhin die
> Pflicht von innen her deutlich, und daher hat man nicht
> länger irgendwelche Verpflichtungen den vedischen
> Unterweisungen gegenüber. Ein solcher Krsna-bewusster
> Mensch ist nicht mehr an materiellen Tätigkeiten
> interessiert und findet keine Freude mehr an materiellen
> Genüssen wie Wein, Frauen und ähnlichen Verlockungen.
> VERS 18
> Ein selbstverwirklichter Mensch verfolgt bei der
> Erfüllung seiner vorgeschriebenen Pflichten keine
> Absicht; weder hat er einen Grund, solche Arbeit nicht
> zu verrichten, noch ist es für ihn notwendig, von
> irgendeinem anderen Lebewesen abhängig zu sein.
> ERLÄUTERUNG
> Ein selbstverwirklichter Mensch ist nicht länger gehalten,
> irgendeine vorgeschriebene Pflicht zu erfüllen – außer
> 
> Tätigkeiten im Krsna-Bewusstsein. Krsna-Bewusstsein
> bedeutet keineswegs Untätigkeit, wie in den folgenden
> Versen erklärt wird. Ein Krsna-bewusster Mensch sucht bei
> niemandem Schutz - weder bei einem Menschen noch bei
> einem Halbgott. Was immer er im Krsna-Bewusstsein tut,
> reicht aus, seine Verpflichtungen zu erfüllen.
> 
> VERS 19
> Daher sollte man, ohne an den Früchten der Tätigkeiten
> zu haften, aus Pflichtgefühl handeln; denn wenn man
> ohne Anhaftung arbeitet, erreicht man das Höchste.
> ERLÄUTERUNG
> Das Höchste ist die Persönlichkeit Gottes für die
> Gottgeweihten und Befreiung für den
> Unpersönlichkeitsanhänger. Daher wird jemand, der unter
> der richtigen Führung und ohne am Ergebnis der Arbeit zu
> haften, für Krsna bzw. im Krsna-Bewusstsein handelt, mit
> Sicherheit Fortschritte auf dem Pfad zum höchsten Ziel des
> Lebens machen. Arjuna ist gesagt worden, er solle in der
> Schlacht von Kuruksetra für Krsnas Interesse kämpfen,
> weil Krsna wollte, dass er kämpfte. Ein guter Mensch oder
> ein gewaltloser Mensch zu sein ist eine persönliche
> Anhaftung; wenn man aber im Auftrag des Höchsten
> handelt, handelt man, ohne am Ergebnis zu haften. Das ist
> vollkommenes Handeln; es befindet sich auf der höchsten
> Stufe und wird deshalb von Sri Krsna, der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes, empfohlen. Vedische Rituale, wie
> zum Beispiel vorgeschriebene Opfer, werden vollzogen,
> um sich von gottlosen Tätigkeiten zu reinigen, die im
> Bereich der Sinnenbefriedigung ausgeführt wurden. Aber
> Handeln im Krsna-Bewusstsein ist transzendental zu den
> Reaktionen auf gute oder schlechte Werke. Ein Krsnabewusster
> Mensch haftet nicht am Ergebnis, sondern
> handelt nur für Krsna. Er verrichtet die unterschiedlichsten
> Tätigkeiten, bleibt aber völlig unangehaftet.
> 
> VERS 20
> Selbst Könige wie Janaka und andere erreichten die
> Stufe der Vollkommenheit, indem sie vorgeschriebene
> Pflichten erfüllten. Daher solltest du, nur um die
> Allgemeinheit zu erziehen, deine Arbeit verrichten.
> ERLÄUTERUNG
> Könige wie Janaka und andere waren alle
> selbstverwirklichte Seelen, und so waren sie nicht
> Verpflichtet, die in den Veden vorgeschriebenen Pflichten
> zu erfüllen. Dennoch führten sie alle vorgeschriebenen
> Tätigkeiten aus, um der Allgemeinheit ein Beispiel zu
> geben. Janaka war der Vater SÖtas und der Schwiegervater
> Sri Ramas. Als großer Geweihter des Höchsten Herrn war
> er in der Transzendenz verankert, doch weil er zur gleichen
> Zeit König von Mithila war (einem Bezirk der Provinz
> Behar in Indien), musste er seine Untertanen lehren, wie
> man in einer Schlacht ehrenhaft kämpft. Er und seine
> Untertanen kämpften, um die Menschen im allgemeinen zu
> lehren, dass in einer Situation, wo gute Argumente nichts
> nutzen, Gewalt ebenfalls notwendig ist. Vor der Schlacht
> von Kuruksetra war, selbst von der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes, jede Anstrengung unternommen worden, die
> Schlacht zu vermeiden, doch die Gegenseite war
> entschlossen zu kämpfen. In solch einem Fall ist es also
> notwendig, für die gerechte Sache zu kämpfen. Obwohl
> jemand, der sich im Krsna-Bewusstsein befindet, kein
> Interesse an der materiellen Welt hat, arbeitet er dennoch,
> um die Öffentlichkeit zu lehren, wie man leben und
> handeln soll. Erfahrene Menschen im Krsna-Bewusstsein
> können in einer Weise handeln, dass andere ihnen folgen
> werden, und dies wird im folgenden Vers erklärt.
> 
> VERS 21
> Was immer ein bedeutender Mensch tut - gewöhnliche
> Menschen folgen seinen Fußspuren. Und welche
> Maßstäbe auch immer er durch sein beispielhaftes
> Verhalten setzt - alle Welt folgt ihm nach.
> ERLÄUTERUNG
> Die Masse der Menschen braucht immer einen Führer, der
> die Öffentlichkeit durch praktisches Verhalten lehren kann.
> Ein Führer kann die Öffentlichkeit nicht lehren, mit dem
> Rauchen aufzuhören, wenn er selbst raucht. Sri Caitanya
> sagte, ein Lehrer solle sich schon richtig verhalten, bevor er
> zu lehren beginnt. Wer auf diese Weise lehrt, wird als
> acarya oder beispielhafter Lehrer bezeichnet. Deshalb muss
> ein Lehrer den Prinzipien der sastras (Schriften) folgen, um
> den gewöhnlichen Menschen zu erreichen. Er darf keine
> Regeln aufstellen, die gegen die Prinzipien der offenbarten
> Schriften verstoßen. Die offenbarten Schriften, wie die
> Manu-samhita und ähnliche andere, gelten als die
> maßgebenden Bücher, denen die menschliche Gesellschaft
> folgen sollte. Somit sollte die Lehre des Führers auf die
> Grundsätze der Standardregeln gestützt sein, wie sie von
> den großen Lehrern praktiziert werden. Auch das Srimad-
> Bhagavatam bestätigt, dass man den Fußspuren großer
> Gottgeweihter folgen sollte, und das ist der Weg,
> Fortschritte auf dem Pfad der spirituellen Erkenntnis zu
> machen. Der König oder das Oberhaupt eines Staates, der
> Vater und der Schullehrer werden alle als natürliche Führer
> der unschuldigen Menschen im allgemeinen angesehen. All
> diese natürlichen Führer tragen eine große Verantwortung
> für ihre Abhängigen; daher müssen sie mit den
> maßgebenden Büchern der moralischen und spirituellen
> Gesetze vertraut sein.
> 
> VERS 22
> O Sohn Prthas, in allen drei Planetensystemen gibt es
> keine Arbeit, die Mir vorgeschrieben ist. Weder mangelt
> es Mir an etwas, noch muss Ich irgendetwas erreichen -
> und dennoch bin ich mit Arbeit beschäftigt.
> ERLÄUTERUNG
> Die Höchste Persönlichkeit Gottes wird in den Veden wie
> folgt beschrieben:
> "Der Höchste Herr ist der Herrscher aller anderen
> Herrscher, und Er ist der größte von all den verschiedenen
> planetarischen Führern. Jeder untersteht Seiner Herrschaft.
> Alle Lebewesen werden allein vom Höchsten Herrn mit
> bestimmter Macht ausgestattet; sie sind nicht selbst die
> Höchsten. Er ist auch für alle Halbgötter verehrenswert und
> ist der höchste Lenker unter allen Lenkern. Deshalb steht
> Er in transzendentaler Stellung zu allen Arten von
> materiellen Führern und Herrschern und ist für alle
> verehrenswert. Es gibt niemanden, der größer ist als Er, und
> Er ist die höchste Ursache aller Ursachen. Er besitzt keine
> körperliche Form wie die eines gewöhnlichen Lebewesens.
> Es besteht kein Unterschied zwischen Seinem Körper und
> Seiner Seele. Er ist absolut. All Seine Sinne sind
> transzendental. Jeder Seiner Sinne kann die Funktion jedes
> anderen Sinnes erfüllen. Daher ist niemand größer als Er
> oder kommt Ihm gleich. Seine Kräfte sind mannigfaltig,
> und so werden all Seine Taten in einem natürlichen Ablauf
> von selbst ausgeführt." (Svetasvatara Upanisad 6.7-8)
> Da alles in vollem Reichtum in der Persönlichkeit Gottes
> vorhanden ist und in voller Wahrheit existiert, gibt es für
> die Höchste Persönlichkeit Gottes keine Pflicht zu erfüllen.
> Jemand, der die Ergebnisse der Arbeit empfangen muss, hat
> eine bestimmte Pflicht, aber jemand, für den es innerhalb
> der drei Planetensysteme nichts zu erreichen gibt, hat gewiss
> keine Pflicht. Und trotzdem tritt Sri Krsna auf dem
> Schlachtfeld von Kuruksetra als Führer der ksatriyas auf,
> da die ksatriyas Verpflichtet sind, die Leidenden zu
> beschützen. Obwohl Er über allen Regulierungen der
> offenbarten Schriften steht, tut Er nichts, was die
> offenbarten Schriften verletzt.
> 
> VERS 23
> Denn würde Ich keine Arbeit verrichten, o Partha,
> folgten gewiss alle Menschen Meinem Pfad.
> ERLÄUTERUNG
> Um den sozialen Frieden für den Fortschritt im spirituellen
> Leben aufrechtzuerhalten, gibt es traditionelle
> Familiengebräuche, die für jeden zivilisierten Menschen
> bestimmt sind. Obwohl solche Regeln und Vorschriften nur
> für die bedingten Seelen, und nicht für Sri Krsna, gelten,
> folgte Er dennoch diesen vorgeschriebenen Regeln, da Er
> erschien, um die Prinzipien der Religion festzulegen.
> Andernfalls würden gewöhnliche Menschen Seinen
> Fußspuren folgen, da Er die größte Autorität ist. Aus dem
> Srimad-Bhagavatam erfahren wir, dass Sri Krsna sowohl zu
> Hause als auch außerhalb Seines Hauses alle religiösen
> Pflichten erfüllte, die einem Haushälter vorgeschrieben
> sind.
> 
> VERS 24
> Würde Ich aufhören zu arbeiten, gingen alle Welten
> zugrunde. Auch wäre Ich die Ursache für die
> Entstehung unerwünschter Bevölkerung und würde
> dadurch den Frieden aller fühlenden Wesen zerstören.
> ERLÄUTERUNG
> Varna-sankara ist unerwünschte Bevölkerung, die den
> Frieden der allgemeinen Gesellschaft stört. Um diese
> soziale Störung zu vermeiden, gibt es vorgeschriebene
> Regeln und Regulierungen, durch die die Gesellschaft von
> selbst friedlich und geordnet werden kann, so dass
> spiritueller Fortschritt im Leben möglich ist. Wenn Sri
> Krsna erscheint, richtet Er Sich natürlich nach solchen
> Regeln und Regulierungen, um das Ansehen und die
> Notwendigkeit dieser wichtigen Vorschriften zu erhalten.
> Der Herr ist der Vater aller Lebewesen, und wenn die
> Lebewesen irregeführt werden, fällt die Verantwortung
> indirekt auf den Herrn. Wann immer daher regulierende
> Prinzipien allgemein missachtet werden, erscheint der Herr
> Selbst und berichtigt die Gesellschaft. Wir sollten jedoch
> sorgsam zur Kenntnis nehmen, dass wir, obwohl wir den
> Fußspuren des Herrn folgen müssen, uns dennoch stets
> daran zu erinnern haben, dass wir Ihn nicht nachahmen
> können. Folgen und Imitieren befinden sich nicht auf der
> gleichen Ebene. Wir können den Herrn nicht nachahmen,
> indem wir den Govardhana-Hügel hochheben, wie es der
> Herr in Seiner Kindheit tat. Das ist für jeden Menschen
> unmöglich. Wir müssen Seinen Anweisungen folgen, doch
> dürfen wir Ihn niemals imitieren. Das Srimad-Bhagavatam
> (10.33.30) bestätigt dies:
> "Man sollte einfach den Anweisungen des Herrn und Seiner
> ermächtigten Diener folgen. Ihre Anweisungen sind für alle
> gut, und jeder intelligente Mensch wird sich genau nach
> ihnen richten. Man sollte sich jedoch vor dem Versuch
> hüten, ihre Taten nachzuahmen. Man sollte nicht
> versuchen, einen Ozean von Gift zu trinken, weil man Siva
> imitieren will."
> Wir sollten immer die Stellung der isvaras oder derjenigen,
> die tatsächlich die Bewegung der Sonne und des Mondes
> lenken können, als uns übergeordnet betrachten. Ohne
> selbst solche Macht zu besitzen, kann man die isvaras, die
> übermächtig sind, nicht nachahmen. Siva trank einen
> ganzen Ozean von Gift, aber wenn ein gewöhnlicher
> Mensch versucht, auch nur eine kleine Menge solchen
> Giftes zu trinken, wird er den Tod finden. Es gibt viele
> Pseudo-Geweihte Sivas, die ganja (Marihuana) und
> ähnliche berauschende Drogen rauchen, jedoch dabei
> vergessen, dass sie den Tod sehr nah zu sich rufen, wenn sie
> so Sivas Taten imitieren. In ähnlicher Weise gibt es einige
> Pseudo-Geweihte Sri Krsnas, die mit Vorliebe den Herrn in
> Seinem rasa-lila, Seinem Liebestanz, nachahmen, aber
> vergessen, dass sie unfähig sind, den Govardhana-Hügel
> hochzuheben. Es ist daher das Beste, nicht zu versuchen,
> die Mächtigen nachzuahmen, sondern einfach ihren
> Anweisungen zu folgen; auch sollte man nicht versuchen,
> ohne Qualifikation ihre Posten zu besetzen. Es gibt so viele
> "Inkarnationen" Gottes, die die Macht des Höchsten Herrn
> nicht besitzen.
> 
> VERS 25
> Im Gegensatz zu den Unwissenden, die ihre Pflichten
> mit Anhaftung an Ergebnisse erfüllen, sollten die
> Gelehrten ohne jede Anhaftung handeln, um somit die
> Menschen auf den rechten Pfad zu führen.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Krsna-bewusster Mensch und jemand, der nicht Krsnabewusst
> ist, unterscheiden sich durch ihre unterschiedlichen
> Wünsche. Ein Krsna-bewusster Mensch tut nichts, was nicht
> für die Entwicklung von Krsna-Bewusstsein förderlich ist.
> Er mag sogar genauso handeln wie der Unwissende, der zu
> sehr an materiellen Tätigkeiten haftet, aber der eine
> verrichtet solche Tätigkeiten, um seine Sinne zu
> befriedigen, während der andere tätig ist, um Krsna zu
> erfreuen. Folglich muss der Krsna-bewusste Mensch seinen
> Mitmenschen zeigen, wie man handelt und die Ergebnisse
> des Tuns für den Zweck des Krsna-Bewusstseins verwendet.
> 
> VERS 26
> Die Weisen sollten den Geist der Unwissenden, die an
> fruchtbringendem Tun haften, nicht verwirren. Sie
> sollten nicht dazu ermutigt werden, sich von ihrer
> Arbeit zurückzuziehen, sondern Arbeit im Geist der
> Hingabe zu verrichten.
> ERLÄUTERUNG
> Das ist das Ziel aller
> vedischen Rituale. Alle Rituale, alle Opferdarbringungen
> und alles, was sonst noch in den Veden niedergelegt ist,
> einschließlich aller Anleitungen zu materiellen Tätigkeiten,
> sollen dazu beitragen, Krsna, das endgültige Ziel des
> Lebens, zu verstehen. Weil aber die bedingten Seelen nichts
> außer Sinnenbefriedigung kennen, studieren sie die Veden
> mit dieser Absicht. Durch Regulierung der Sinne wird man
> jedoch allmählich auf die Stufe des Krsna-Bewusstseins
> erhoben. Deshalb sollte eine verwirklichte Seele im Krsna-
> Bewusstsein andere bei ihren Tätigkeiten oder in ihrem
> Verständnis nicht stören, sondern sie sollte handeln, um zu
> zeigen, wie die Ergebnisse aller Arbeit in den Dienst
> Krsnas gestellt werden können. Der gelehrte, Krsnabewusste
> Mensch sollte so handeln, dass der unwissende
> Mensch, der für die Befriedigung seiner Sinne arbeitet,
> lernen kann, wie man handeln und sich verhalten soll.
> Wenn auch der Unwissende bei seinem Tun nicht gestört
> werden soll, so kann doch jemand, der ein wenig Krsna-
> Bewusstsein entwickelt hat, unmittelbar im Dienst des Herrn
> beschäftigt werden, ohne anderen vedischen Vorschriften
> folgen zu müssen. Für einen solchen, vom Glück
> begünstigten Menschen ist es nicht notwendig, die
> vedischen Rituale zu beachten, denn in direktem Krsna-
> Bewusstsein kann man alle Ergebnisse bekommen, indem
> man einfach seine jeweiligen vorgeschriebenen Pflichten
> erfüllt.
> 
> VERS 27
> Die verwirrte Seele hält sich, unter dem Einßuß der drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur, für den
> Ausführenden von Tätigkeiten, die in Wirklichkeit von
> der Natur verrichtet werden.
> ERLÄUTERUNG
> Zwei Menschen, die die gleiche Arbeit verrichten - der eine
> im Krsna-Bewusstsein und der andere im materiellen
> Bewusstsein -, scheinen auf der gleichen Ebene zu handeln,
> doch liegt zwischen ihren jeweiligen Positionen ein
> gewaltiger Unterschied. Der Mensch im materiellen
> Bewusstsein ist aufgrund von falschem Ego davon
> überzeugt, alles selbst zu tun. Er weiß nicht, dass der
> Mechanismus des Körpers ein Produkt der materiellen
> Natur ist, die unter der Aufsicht des Höchsten Herrn
> arbeitet. Der Materialist weiß nicht, dass er letztlich unter
> Krsnas Kontrolle steht. Der Mensch unter dem Einßuß des
> falschen Ego bildet sich ein, alles unabhängig zu tun, und
> daran erkennt man seine Unwissenheit. Er weiß nicht, dass
> sein grob- und feinstofflicher Körper auf Anordnung der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes von der materiellen Natur
> geschaffen wurden und dass er daher seinen Körper und
> seinen Geist im Dienste Krsnas, im Krsna-Bewusstsein,
> beschäftigen sollte. Der Unwissende vergißt, dass die
> Höchste Persönlichkeit Gottes als Hrsikesa oder der Meister
> der Sinne bekannt ist, denn durch den langen Missbrauch
> seiner Sinne für Sinnenbefriedigung ist er einfach verwirrt
> durch das falsche Ego, das ihn seine ewige Beziehung zu
> Krsna vergessen lässt.
> 
> VERS 28
> Wer die Absolute Wahrheit kennt, o Starkarmiger,
> befaßt sich nicht mit den Sinnen und mit
> Sinnenbefriedigung, da er sehr wohl den Unterschied
> zwischen Arbeit in Hingabe und Arbeit für
> fruchtbringende Ergebnisse kennt.
> ERLÄUTERUNG
> Wer die Absolute Wahrheit kennt, ist sich seiner
> fürchterlichen Lage in der materiellen Welt bewusst. Er
> weiß, dass er ein winziger Teil der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes, Krsnas, ist und dass er sich eigentlich nicht in der
> materiellen Schöpfung aufhalten sollte. Er kennt seine
> wirkliche Identität als ein Teilchen des Höchsten, der ewige
> Glückseligkeit und ewiges Wissen ist, und er erkennt, dass
> er auf irgendeine Weise von der materiellen
> Lebensauffassung gefangen ist. In seinem reinen
> Seinszustand ist er dafür bestimmt, seine Tätigkeiten in den
> hingebungsvollen Dienst der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes, Krsnas, zu stellen. Er beschäftigt sich daher mit den
> Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins und löst sich so auf
> natürliche Weise von den umstandsbedingten und
> zeitweiligen Tätigkeiten der materiellen Sinne. Er weiß,
> dass seine materiellen Lebensumstände der höchsten
> Kontrolle des Herrn unterstehen, und folglich fühlt er sich
> durch materielle Reaktionen, gleich welcher Art, nicht
> gestört, da er sie als die Barmherzigkeit des Herrn
> betrachtet. Dem Srimad-Bhagavatam zufolge wird jemand,
> der die Absolute Wahrheit in Ihren drei verschiedenen
> Aspekten kennt, nämlich als Brahman, als Paramatma und
> als die Höchste Persönlichkeit Gottes, tattvavit genannt, da
> er auch seine eigene tatsächliche Stellung in Beziehung
> zum Höchsten kennt.
> 
> VERS 29
> Verwirrt durch die Erscheinungsweisen der materiellen
> Natur, gehen die Unwissenden ausschließlich
> materiellen Tätigkeiten nach und entwickeln somit
> Anhaftung. Aber der Weise sollte sie nicht beunruhigen,
> obwohl diese Pflichten aufgrund des Mangels an Wissen
> seitens der Ausführenden von niederer Natur sind.
> ERLÄUTERUNG
> Menschen, die nicht intelligent sind, identifizieren sich
> fälschlich mit dem groben materiellen Bewusstsein und sind
> voller materieller Bezeichnungen. Unser Körper ist ein
> Geschenk der materiellen Natur, und jemand, der zu sehr
> am körperlichen Bewusstsein haftet, wird als mandan
> bezeichnet oder einer, der träge ist und kein Verständnis
> von der spirituellen Seele hat. Unwissende halten den
> Körper für das Selbst; körperliche Verbindungen mit
> anderen werden für Verwandtschaft gehalten, das Land, in
> dem der Körper geboren wurde, ist das Objekt der
> Verehrung, und die formellen religiösen Rituale werden als
> Selbstzweck betrachtet. Sozialarbeit, Nationalismus und
> Altruismus sind einige der Tätigkeiten für solche Menschen
> mit materiellen Bezeichnungen. Im Banne solcher
> Bezeichnungen sind sie auf der materiellen Ebene immer
> sehr geschäftig; für sie ist spirituelle Verwirklichung ein
> Mythos, und daher sind sie nicht daran interessiert.
> Verwirrte Menschen dieser Art mögen sich sogar mit solch
> grundlegenden Moralprinzipien wie Gewaltlosigkeit und
> ähnlichen, in materieller Hinsicht wohltätigen Werken
> beschäftigen. Diejenigen, die dagegen im spirituellen
> Leben erleuchtet sind, sollten nicht versuchen, solche von
> der Materie gefesselten Menschen zu beunruhigen. Besser,
> man geht seinen eigenen spirituellen Tätigkeiten in aller
> Stille nach.
> Menschen, die unwissend sind, können Tätigkeiten im
> Krsna-Bewusstsein nicht wertschätzen, und daher rät uns Sri
> Krsna, sie nicht zu stören und damit kostbare Zeit zu
> verschwenden. Aber die Geweihten des Herrn sind gütiger
> als der Herr Selbst, weil sie die Absicht des Herrn
> verstehen. Folglich nehmen sie alle möglichen Wagnisse
> auf sich und gehen sogar so weit, dass sie unwissende
> Menschen ansprechen, um zu versuchen, sie in den
> Tätigkeiten des Krsna-Bewusstseins zu beschäftigen, die für
> den Menschen absolut notwendig sind.
> 
> VERS 30
> Deshalb kämpfe, o Arjuna, indem du all deine
> Handlungen Mir hingibst und deinen Geist auf Mich
> richtest, ohne Verlangen nach Gewinn und frei von
> Egoismus und Gleichgültigkeit.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers deutet klar den Zweck der Bhagavad-Gita an.
> Der Herr unterweist uns, dass man, um völlig Krsna-bewusst
> zu werden, seine Pflichten wie in militärischer Disziplin
> erfüllen muss. Eine solche Unterweisung mag die Dinge ein
> wenig schwierig machen; aber trotzdem müssen Pflichten
> in Abhängigkeit von Krsna ausgeführt werden, weil das die
> wesensgemäße Stellung des Lebewesens ist. Das
> Lebewesen kann nicht unabhängig von der
> Zusammenarbeit mit dem Höchsten Herrn glücklich sein,
> 
> da es die ewige, wesensgemäße Stellung des Lebewesens
> ist, sich den Wünschen des Herrn unterzuordnen. Arjuna
> bekam daher von Sri Krsna den Befehl zu kämpfen, als
> wäre der Herr sein militärischer Befehlshaber. Man muss
> alles opfern, um das Wohlwollen des Höchsten Herrn zu
> erlangen, und zur gleichen Zeit muss man seine
> vorgeschriebenen Pflichten erfüllen, ohne irgendwelchen
> Besitzanspruch zu erheben. Arjuna brauchte sich über den
> Befehl des Herrn keine Gedanken zu machen; er brauchte
> Seinen Befehl nur auszuführen. Der Höchste Herr ist die
> Seele aller Seelen; wer sich daher voll und ganz, ohne
> persönlichen Vorbehalt, vom Höchsten Herrn abhängig
> macht, oder mit anderen Worten, wer völlig Krsna-bewusst
> ist, wird als adhyatma-cetasa bezeichnet. NiraèÖÉ bedeutet,
> dass man nach der Anweisung des Meisters handeln muss.
> Auch sollte man niemals fruchttragende Ergebnisse
> erwarten. Der Kassierer mag für seinen Arbeitgeber
> Millionen von Mark zählen, doch beansprucht er keinen
> einzigen Pfennig für sich selbst. In ähnlicher Weise muss
> man erkennen, dass nichts auf der Welt einem bestimmten
> Menschen gehört, sondern dass alles das Eigentum des
> Höchsten Herrn ist. Das ist die wirkliche Bedeutung von
> mayi oder "Mir". Wenn man in solchem Krsna-Bewusstsein
> handelt, beansprucht man sicherlich nichts als sein
> Eigentum. Dieses Bewusstsein nennt man nirmama oder
> "nichts gehört mir". Und wenn gegen einen solch strengen
> Befehl, der keine Rücksicht auf sogenannte Verwandte
> oder körperliche Beziehungen nimmt, irgendein Widerwille
> besteht, sollte man diese Abneigung von sich werfen; auf
> diese Weise kann man vigata-jvara, das heißt frei von
> fiebriger Mentalität oder Lethargie werden. Jeder muss,
> seinen Eigenschaften und seiner Stellung gemäß, eine
> bestimmte Tätigkeit ausüben, und all diese Pflichten
> mögen, wie oben beschrieben wurde, im Krsna-Bewusstsein
> erfüllt werden. Das wird einen auf den Pfad der Befreiung
> führen.
> 
> VERS 31
> Wer seine Pflichten nach Meinen Unterweisungen
> erfüllt und dieser Lehre mit Glauben und Hingabe folgt,
> ohne neidisch zu sein, wird von der Fessel
> fruchtbringender Werke befreit.
> ERLÄUTERUNG
> Die Unterweisung der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
> Krsnas, ist die Essenz aller vedischen Weisheit und ist
> daher ausnahmslos ewiglich wahr. So, wie die Veden ewig
> sind, so ist auch diese Wahrheit des Krsna-Bewusstseins
> ewig. Man sollte festes Vertrauen in diese Unterweisung
> haben und den Herrn nicht beneiden. Es gibt viele
> Philosophen, die Kommentare zur Bhagavad-Gita
> schreiben, aber nicht an Krsna glauben. Sie werden niemals
> von der Fessel des fruchtbringenden Tuns befreit werden.
> Aber ein gewöhnlicher Mensch mit festem Glauben an die
> ewigen Unterweisungen des Herrn wird, selbst wenn er
> unfähig ist, solchen Anweisungen zu folgen, von der Fessel
> des Gesetzes des karma befreit. Zu Beginn des Krsna-
> Bewusstseins mag man die Anweisungen des Herrn nicht
> vollständig ausführen, aber weil man sich diesem Prinzip
> nicht widersetzt und ernsthaft handelt, ohne Niederlage und
> Hoffnungslosigkeit zu beachten, wird man mit Sicherheit
> auf die Ebene des reinen Krsna-Bewusstseins erhoben
> werden.
> 
> VERS 32
> Diejenigen aber, die aus Neid diese Lehren mißachten
> und nicht regelmäßig danach handeln, sind allen
> Wissens beraubt, getäuscht und zu Unwissenheit und
> 
> Knechtschaft verdammt.
> ERLÄUTERUNG
> Der Fehler, nicht Krsna-bewusst zu sein, wird hier klar zum
> Ausdruck gebracht. So wie Ungehorsam gegenüber einer
> Verfügung des Staatspräsidenten bestraft wird, so wird
> auch mit Gewissheit Ungehorsam gegenüber der Anordnung
> der Höchsten Persönlichkeit Gottes bestraft. Ein
> ungehorsamer Mensch - er mag noch so bedeutend sein -
> weiß nichts von seinem Selbst, vom Höchsten Brahman,
> vom Paramatma und von der Persönlichkeit Gottes, weil
> sein Herz leer ist. Daher gibt es für ihn keine Hoffnung,
> sein Leben zur Vollkommenheit zu führen.
> 
> VERS 33
> Selbst ein Mensch des Wissens handelt seinem Wesen
> gemäß, denn jeder folgt seiner Natur. Was kann
> Unterdrückung ausrichten?
> ERLÄUTERUNG
> Solange man sich nicht auf der transzendentalen Ebene des
> Krsna-Bewusstseins befindet, kann man nicht vom Einßuß
> der Erscheinungsweisen der materiellen Natur frei werden,
> wie vom Herrn im Siebten Kapitel (7.14) bestätigt wird.
> Daher ist es selbst dem gebildetsten Menschen auf der
> weltlichen Ebene unmöglich, durch theoretisches Wissen
> oder durch Unterscheidung der Seele vom Körper aus der
> Verstrickung mayas herauszukommen. Es gibt viele
> sogenannte Spiritualisten, die nach außen hin so tun, als
> seien sie in dieser Wissenschaft fortgeschritten, aber
> innerlich oder im stillen völlig unter dem Einfluss der
> jeweiligen Erscheinungsweisen der Natur stehen, die sie
> nicht überwinden können. Akademisch mag man sehr
> gelehrt sein, doch aufgrund der langen Gemeinschaft mit
> der materiellen Natur lebt man in Gefangenschaft. Krsna-
> Bewusstsein hilft einem, sich aus der materiellen
> Verstrickung zu lösen, auch wenn man weiter seinen
> vorgeschriebenen Pflichten nachkommen mag. Deshalb
> sollte niemand, ohne völlig Krsna-bewusst zu sein, plötzlich
> seine vorgeschriebenen Pflichten aufgeben und künstlich
> ein sogenannter yogí oder Transzendentalist werden. Es ist
> besser, in seiner Position zu bleiben und zu versuchen,
> unter höherer Anleitung Krsna-Bewusstsein zu erreichen. So
> mag man aus der Gewalt mayas befreit werden.
> 
> VERS 34
> Verkörperte Wesen empfinden gegenüber
> Sinnesobjekten Anziehung und Abneigung, doch sollte
> man nicht unter die Herrschaft von Sinnen und
> Sinnesobjekten geraten, denn sie sind Hindernisse auf
> dem Pfad der Selbstverwirklichung.
> ERLÄUTERUNG
> Denen, die Krsna-bewusst sind, widerstrebt es
> natürlicherweise, sich materieller Sinnenbefriedigung zu
> ergeben. Aber diejenigen, die nicht mit diesem Bewusstsein
> leben, sollten den Regeln und Regulierungen der
> offenbarten Schriften folgen. Ungezügelter Sinnengenuss ist
> die Ursache für Gefangenschaft in der Materie, doch wird
> jemand, der den Regeln und Regulierungen der offenbarten
> Schriften folgt, durch die Sinnesobjekte nicht verstrickt.
> Sexueller Genuss zum Beispiel ist ein Bedürfnis der
> bedingten Seele, und in einer ehelichen Verbindung ist
> Sexualität gestattet. Die Anweisungen der Schriften
> verbieten beispielsweise sexuelle Beziehungen mit jeder
> Frau außer der eigenen. Jede andere Frau sollte man als
> seine Mutter ansehen. Aber trotz solcher Vorschriften neigt
> ein Mann dazu, sexuelle Beziehungen mit anderen Frauen
> zu unterhalten. Diese Neigungen müssen bezwungen
> werden; sie werden sonst zu Hindernissen auf dem Pfad der
> Selbstverwirklichung. Solange der materielle Körper da ist,
> dürfen die Bedürfnisse des materiellen Körpers befriedigt
> werden, jedoch nach Regeln und Vorschriften. Dennoch
> sollten wir nicht auf die Kontrolle solcher Bewilligungen
> bauen. Man muss diesen Regeln und Regulierungen folgen,
> ohne an ihnen zu haften, denn auch Sinnenbefriedigung
> unter Regulierungen kann einen vom rechten Weg
> abbringen, ebenso wie selbst auf Hauptstraßen immer die
> Möglichkeit eines Unfalls besteht. Obwohl solche Straßen
> sorgsam in gutem Zustand gehalten werden, kann doch
> niemand garantieren, dass nicht auch auf der sichersten
> Straße Gefahr lauert. Der Geist des Genießens ist aufgrund
> materieller Gemeinschaft schon seit sehr, sehr langer Zeit
> in uns. Es besteht daher trotz geregelten Sinnengenusses
> immer die Möglichkeit, zu Fall zu kommen; deshalb muss
> auch jede Anhaftung an geregelten Sinnengenuss unter allen
> Umständen vermieden werden. Aber das Handeln im
> liebevollen Dienst für Krsna löst einen von allen Arten
> sinnlicher Tätigkeiten. Niemand sollte daher auf
> irgendeiner Stufe des Lebens versuchen, vom Krsna-
> Bewusstsein losgelöst zu sein. Der ganze Sinn der
> Loslösung von allen Arten der sinnlichen Anhaftung
> besteht letztlich darin, auf der Ebene des Krsna-
> Bewusstseins verankert zu werden.
> 
> VERS 35
> Es ist weit besser, die eigenen vorgeschriebenen
> Pflichten zu erfüllen, auch wenn sie fehlerhaft sein
> mögen, als die Pflichten eines anderen. Es ist besser, bei
> der Erfüllung der eigenen Pflicht ins Verderben zu
> stürzen, als den Pflichten eines anderen
> nachzukommen; denn dem Pfad eines anderen zu folgen
> ist gefährlich.
> ERLÄUTERUNG
> Man sollte daher lieber seine vorgeschriebenen Pflichten in
> völligem Krsna-Bewusstsein erfüllen, als Pflichten
> nachzukommen, die anderen vorgeschrieben sind.
> Vorgeschriebene Pflichten ergänzen unseren
> psychosomatischen Zustand im Bann der
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Spirituelle
> Pflichten sind Pflichten, die der spirituelle Meister für den
> transzendentalen Dienst Krsnas anordnet. Aber ganz gleich,
> ob im materiellen oder spirituellen Bereich, man sollte
> selbst angesichts des Todes lieber zu seinen Pflichten
> stehen als die Pflichten eines anderen nachahmen. Pflichten
> auf der materiellen Ebene und Pflichten auf der spirituellen
> Ebene mögen voneinander verschieden sein, doch das
> Prinzip, der autorisierten Weisung zu folgen, ist für den
> Ausführenden immer vorteilhaft. Wenn man im Bann der
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur steht, sollte man
> den für bestimmte Situationen vorgeschriebenen Regeln
> folgen, und nicht andere imitieren. Zum Beispiel ist ein
> brahmana, der sich in der Erscheinungsweise der Tugend
> befindet, gewaltlos, wohingegen es einem ksatriya, der sich
> in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befindet, erlaubt
> ist, Gewalt anzuwenden. Für einen ksatriya ist es daher
> besser, getötet zu werden, während er den Regeln der
> Gewalt folgt, als einen brahmana nachzuahmen, der den
> Prinzipien der Gewaltlosigkeit folgt. Jeder muss sein Herz
> durch einen allmählichen Vorgang läutern, nicht abrupt.
> Wenn jemand jedoch die Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur transzendiert und völlig im Krsna-
> Bewusstsein verankert ist, kann er unter der Führung des
> echten spirituellen Meisters alles und jedes tun. Auf dieser
> vollkommenen Stufe des Krsna-Bewusstseins mag ein
> ksatriya als brahmana oder ein brahmana als ksatriya
> handeln. Auf der transzendentalen Ebene gelten die
> Unterschiede der materiellen Welt nicht. Zum Beispiel war
> Vièvamitra ursprünglich ein ksatriya, doch handelte er
> später als brahmana, während Parasurama ein brahmana
> war und später als ksatriya handelte. Da sie in der
> Transzendenz verankert waren, konnten sie dies tun, doch
> solange man sich auf der materiellen Ebene befindet, muss
> man seine Pflichten in Entsprechung zu den
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur erfüllen. Zur
> gleichen Zeit muss man sich über Krsna-Bewusstsein voll im
> klaren sein.
> VERS 36
> Arjuna sagte: O Nachkomme Vrsnis, durch was wird
> man getrieben, sündig zu handeln - sogar wider Willen,
> wie unter Zwang?
> ERLÄUTERUNG
> Ein Lebewesen ist, als winziger Teil des Höchsten,
> ursprünglich spirituell, rein und frei von allen materiellen
> Verunreinigungen. Deshalb ist es von Natur aus den
> Sünden der materiellen Natur nicht ausgesetzt. Doch wenn
> es mit der materiellen Natur in Berührung ist, begeht es,
> ohne zu zögern, viele Sünden - manchmal sogar gegen
> seinen Willen. Deshalb ist Arjunas Frage an Krsna nach der
> pervertierten Natur der Lebewesen sehr dringlich. Obwohl
> das Lebewesen manchmal nicht sündig handeln will, ist es
> dennoch dazu gezwungen. Sündhafte Handlungen werden
> jedoch nicht von der Überseele im Innern veranlaßt,
> sondern haben eine andere Ursache, wie der Herr im
> nächsten Vers erklärt.
> 
> VERS 37
> Der Segenspendende Herr sprach: Es ist Lust allein,
> Arjuna, die aus Berührung mit den materiellen
> Erscheinungsweisen der Leidenschaft geboren und
> später in Zorn umgewandelt wird. Sie ist der 
> allesverschlingende, sündige Feind dieser Welt.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn ein Lebewesen mit der materiellen Schöpfung in
> Berührung kommt, wird seine ewige Liebe zu Krsna durch
> die Verbindung mit der Erscheinungsweise der
> Leidenschaft in Lust umgewandelt. Oder mit anderen
> Worten: Die Empfindung der Liebe zu Gott wird in Lust
> umgewandelt, ebenso wie Milch in Berührung mit saurer
> Tamarinde zu Yoghurt wird. Wenn dann die Lust
> unbefriedigt bleibt, wandelt sie sich in Zorn; aus Zorn
> entsteht Illusion, und aufgrund von Illusion ist man
> gezwungen, das materielle Dasein weiter fortzusetzen.
> Folglich ist Lust der größte Feind des Lebewesens. Und es
> ist Lust allein, die das reine Lebewesen veranlasst, in der
> materiellen Welt verstrickt zu bleiben. Zorn ist eine
> Manifestation der Erscheinungsweise der Unwissenheit -
> diese Erscheinungsweise äußert sich durch Zorn und andere
> Folgeerscheinungen. Wenn man daher nach der
> vorgeschriebenen Methode lebt und handelt und somit von
> der Erscheinungsweise der Leidenschaft zur
> Erscheinungsweise der Tugend erhoben wird, anstatt zur
> Erscheinungsweise der Unwissenheit abzusinken, kann man
> durch spirituelle Anhaftung vor der Entartung durch den
> Zorn gerettet werden.
> Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, erweiterte
> Sich in viele, um Sich Seiner ewig anwachsenden
> spirituellen Glückseligkeit zu erfreuen, und die Lebewesen
> sind Teile dieser spirituellen Glückseligkeit. Auch besitzen
> sie eine bedingte Unabhängigkeit, doch durch den
> Missbrauch ihrer Unabhängigkeit - wenn die dienende
> Haltung in die Neigung zu Sinnengenuss umgewandelt wird
> -, geraten sie unter die Herrschaft der Lust. Die materielle
> Schöpfung ist vom Herrn geschaffen worden, um den
> bedingten Seelen die Möglichkeit zu geben, diese
> lustvollen Neigungen zu befriedigen, und wenn sie von
> ihren anhaltenden lustvollen Tätigkeiten völlig enttäuscht
> sind, beginnen die Lebewesen, nach ihrer eigentlichen
> Stellung zu fragen.
> Mit dieser Frage beginnen die Vedanta-sutras, wo es heißt:
> athato brahma-jijnasa. "Man soll nach dem Höchsten
> fragen." Und das Höchste wird im Srimad Bhagavatam
> definiert als janmadyasya yato 'nvayad itaratas ca, das
> heißt: "Der Ursprung allen Seins ist das Höchste Brahman."
> Folglich hat auch die Lust ihren Ursprung im Höchsten.
> Wenn deshalb die Lust in Liebe zum Höchsten
> umgewandelt wird, das heißt in Krsna-Bewusstsein, oder
> mit anderen Worten, wenn man alle Wünsche auf Krsna
> richtet, dann können sowohl Lust als auch Zorn
> spiritualisiert werden. Hanuman, der große Diener Sri
> Ramas, richtete sein Zorn gegen seine Feinde, um den
> Herrn zu erfreuen. Deshalb werden Lust und Zorn, wenn
> sie im Krsna-Bewusstsein beschäftigt werden, zu unseren
> Freunden statt zu unseren Feinden.
> 
> VERS 38
> Wie Feuer von Rauch, ein Spiegel von Staub und ein
> Embryo vom Mutterleib bedeckt ist, so wird das
> Lebewesen von verschiedenen Graden dieser Lust
> bedeckt.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt drei Grade von Bedeckung des Lebewesens, durch
> die sein reines Bewusstsein verfinstert wird. Diese
> Bedeckung ist nichts anderes als Lust in verschiedenen
> Manifestationen und wird mit Rauch im Feuer, Staub auf
> dem Spiegel und dem Mutterleib über einem Embryo
> verglichen. Wenn Lust mit Rauch verglichen wird, bedeutet
> dies, dass das Feuer des lebendigen Funkens ein wenig
> wahrgenommen werden kann. Mit anderen Worten: Wenn
> das Lebewesen sein Krsna-Bewusstsein ein wenig entfaltet,
> mag es mit dem von Rauch bedeckten Feuer verglichen
> werden. Obwohl dort, wo Rauch ist, notwendigerweise
> Feuer sein muss, gibt es auf der frühen Stufe keine
> offenkundige Manifestation von Feuer. Diese Stufe
> entspricht dem Beginn des Krsna-Bewusstseins. Der Staub
> auf dem Spiegel bezieht sich auf einen Reinigungsvorgang
> des Spiegels des Geistes durch vielfältige spirituelle
> Methoden. Der beste Vorgang ist das Chanten der Heiligen
> Namen des Herrn. Der vom Mutterleib bedeckte Embryo ist
> ein Vergleich, der eine hilflose Lage illustrieren soll, denn
> das Kind im Mutterschoß ist so hilflos, dass es sich nicht
> einmal bewegen kann. Dieser Lebenszustand kann mit dem
> der Bäume verglichen werden. Die Bäume sind ebenfalls
> Lebewesen, aber aufgrund ihrer sehr starken Äußerung von
> Lust sind sie in einen solchen Lebensumstand versetzt
> worden, dass sie beinahe ohne jedes Bewusstsein sind. Der
> bedeckte Spiegel wird mit den Vögeln und Säugetieren und
> das von Rauch bedeckte Feuer mit dem Menschen
> verglichen. In der Form eines Menschen mag das
> Lebewesen sein Krsna-Bewusstsein ein wenig
> wiederbeleben, und wenn es sich weiter entwickelt, kann
> das Feuer des spirituellen Lebens in der menschlichen Form
> entfacht werden. Wenn man mit dem Rauch im Feuer
> sorgfältig umgeht, kann das Feuer zum Lodern gebracht
> werden. Deshalb ist die menschliche Lebensform eine
> Gelegenheit für das Lebewesen, der Verstrickung des
> materiellen Daseins zu entkommen. In der menschlichen
> Lebensform kann man den Feind, die Lust, besiegen, indem
> man unter kundiger Führung Krsna-Bewusstsein kultiviert.
> 
> VERS 39
> So wird das reine Bewusstsein eines Menschen von seiner
> ewigen Feindin in der Form von Lust bedeckt, die
> niemals befriedigt werden kann und die wie Feuer
> brennt.
> ERLÄUTERUNG
> In der Manu-smrti heißt es, dass Lust durch kein noch so
> großes Ausmaß an Sinnengenuss befriedigt werden kann,
> ebenso wie Feuer niemals durch eine ständige Zufuhr von
> Öl gelöscht wird. In der materiellen Welt ist der
> Mittelpunkt aller Tätigkeiten Sex, und daher wird die
> materielle Welt als maithunya-agara oder die Ketten des
> Geschlechtslebens bezeichnet. In einem gewöhnlichen
> Gefängnis werden Verbrecher hinter Gittern festgehalten;
> in ähnlicher Weise werden die Verbrecher, die gegen die
> Gesetze des Herrn verstoßen, durch Sexualität in Ketten
> gelegt. Fortschritt der materiellen Zivilisation auf der
> Grundlage von Sinnenbefriedigung bedeutet, die Dauer der
> materiellen Existenz eines Lebewesens zu verlängern.
> Daher ist die Lust das Symbol der Unwissenheit, durch die
> das Lebewesen in der materiellen Welt gehalten wird.
> Während des Genusses sinnlicher Befriedigung mag es so
> etwas wie ein Glücksgefühl geben, doch in Wirklichkeit ist
> dieses sogenannte Glücksgefühl der eigentliche Feind des
> Sinnengenießers.
> 
> VERS 40
> Die Sinne, der Geist und die Intelligenz sind die
> Wohnstätten dieser Lust, die das wirkliche Wissen des
> Lebewesens verschleiert und das Lebewesen verwirrt.
> ERLÄUTERUNG
> Der Feind hat verschiedene strategische Punkte im Körper
> der bedingten Seele besetzt, und daher weist Sri Krsna auf
> diese Stellen hin, damit derjenige, der den Feind besiegen
> will, weiß, wo er ihn finden kann. Der Geist ist das
> Zentrum aller Tätigkeiten der Sinne, und somit ist der Geist
> das Behältnis aller Pläne für Sinnenbefriedigung; als Folge
> werden Geist und Sinne zu Sammelplätzen der Lust. Als
> nächstes wird die Intelligenz-Abteilung zum Hauptort solch
> lustvoller Neigungen. Die Intelligenz ist die unmittelbare
> Nachbarin der Seele. Die lustvolle Intelligenz beeinflusst die
> Seele, das falsche Ego anzunehmen und sich mit Materie
> und folglich mit Geist und Sinnen zu identifizieren. Die
> Seele verfällt dem Genuss der materiellen Sinne und hält
> dies fälschlich für wahres Glück. Diese falsche
> Identifizierung der Seele wird sehr schön im Srimad-
> Bhagavatam erklärt.
> "Ein Mensch, der den Körper, der aus drei Elementen
> geschaffen ist, mit seinem Selbst identifiziert, die
> Nebenprodukte des Körpers für seine Verwandten hält, sein
> Geburtsland als verehrungswürdig betrachtet und einen
> Pilgerort besucht, um dort nur ein Bad zu nehmen, statt
> Weise mit transzendentalem Wissen aufzusuchen, muss als
> Esel oder Kuh betrachtet werden."
> 
> VERS 41
> Deshalb, o Arjuna, bester der Bharatas, bezwinge gleich
> zu Anfang dieses große Symbol der Sünde [die Lust],
> indem du die Sinne regulierst, und erschlage diese
> Zerstörerin des Wissens und der Selbstverwirklichung.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr gab Arjuna den Rat, die Sinne von Anfang an zu
> regulieren, so dass er die größte sündige Feindin, die Lust,
> bezwingen könne, die den Drang nach
> Selbstverwirklichung und besonders das Wissen vom Selbst
> zerstört. Jnanam bezieht sich auf das Wissen, das das Selbst
> vom Nicht-Selbst unterscheidet, oder mit anderen Worten,
> auf das Wissen darum, dass die spirituelle Seele nicht der
> Körper ist. VijÒanam bezieht sich auf spezifisches Wissen
> von der spirituellen Seele, ihrer wesensgemäßen Stellung
> und ihrer Beziehung zur Höchsten Seele. Dies wird im
> Srimad Bhagavatam wie folgt erklärt:
> "Das Wissen vom Selbst und vom Höchsten Selbst ist sehr
> vertraulich und geheimnisvoll, da es von maya verschleiert
> wird, doch solches Wissen und besonders die
> Verwirklichung können verstanden werden, wenn sie vom
> Herrn Selbst erklärt werden."
> Die Bhagavad-Gita gibt uns dieses Wissen, besonders
> Wissen vom Selbst. Die Lebewesen sind winzige Teile des
> Herrn, und daher besteht ihre Aufgabe einfach darin, dem
> Herrn zu dienen. Dieses Bewusstsein nennt man Krsna-
> Bewusstsein. Man muss also vom Beginn des Lebens an
> dieses Krsna-Bewusstsein erlernen, und so mag man völlig
> Krsna-bewusst werden und dementsprechend handeln.
> Lust ist nur die verzerrte Spiegelung der Liebe zu Gott, die
> für jedes Lebewesen natürlich ist. Wenn man aber gleich
> von Anfang an im Krsna-Bewusstsein erzogen wird, kann
> diese natürliche Gottesliebe nicht zu Lust entarten. Wenn
> Gottesliebe zu Lust entartet, ist es sehr schwierig, zum
> normalen Zustand zurückzukehren. Nichtsdestoweniger ist
> Krsna-Bewusstsein so mächtig, dass sogar ein Mensch, der
> spät beginnt, lernen kann, Gott zu lieben, indem er den
> regulierenden Prinzipien des hingebungsvollen Dienstes
> folgt. Man kann also von jeder Stufe des Lebens aus, bzw.
> dann, wenn man die dringende Notwendigkeit einsieht,
> beginnen, seine Sinne im hingebungsvollen Dienst des
> Herrn zu regulieren, und so die Lust in Liebe zu Gott
> umwandeln - der höchsten Vollkommenheit des
> menschlichen Lebens.
> 
> VERS 42
> Die aktiven Sinne sind der leblosen Materie überlegen;
> der Geist steht über den Sinnen; die Intelligenz steht
> über dem Geist, und sie [die Seele] steht sogar noch
> über der Intelligenz.
> ERLÄUTERUNG
> Die Sinne sind verschiedene Ventile für die Tätigkeit der
> Lust. Die Lust sammelt sich im Körper, aber durch die
> Sinne ist ihr ein Ventil geschaffen. Daher stehen die Sinne
> über dem Körper als Ganzes. Diese Ventile sind nicht in
> Gebrauch, wenn ein höheres Bewusstsein, das heißt Krsna-
> Bewusstsein, vorhanden ist. Im Krsna-Bewusstsein stellt die
> Seele eine direkte Verbindung mit der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes her. Deshalb enden die
> Körperfunktionen, wie hier beschrieben wird, letztlich in
> der Höchsten Seele. Mit körperlicher Tätigkeit sind die
> Funktionen der Sinne gemeint, und die Funktionen der
> Sinne einzustellen bedeutet, alle körperlichen Tätigkeiten
> zu beenden. Aber weil der Geist tätig ist, wird er auch dann
> handeln, wenn der Körper still und in Ruhe ist, wie es
> während des Träumens geschieht. Über dem Geist aber
> steht die Entschlossenheit der Intelligenz, und über der
> Intelligenz befindet sich die Seele. Wenn daher die Seele
> direkt mit dem Höchsten beschäftigt ist, werden
> natürlicherweise alle anderen Untergeordneten, nämlich die
> Intelligenz, der Geist und die Sinne, von selbst beschäftigt
> sein. In der Katha Upanisad gibt es einen Abschnitt, wo es
> heißt, dass die Objekte der Sinnenbefriedigung den Sinnen
> überlegen sind und dass der Geist über den Sinnesobjekten
> steht. Wenn daher der Geist ständig direkt im Dienst des
> Herrn tätig ist, gibt es für die Sinne keine Möglichkeit, in
> anderer Weise aktiv zu werden. Diese Geisteshaltung
> wurde schon erklärt. Wenn der Geist im transzendentalen
> Dienst des Herrn beschäftigt ist, hat er keine Möglichkeit,
> niedrigen Neigungen nachzugehen. In der Katha Upanisad
> wurde die Seele als mahan oder die Große beschrieben.
> Folglich steht die Seele über allem, das heißt den
> Sinnesobjekten, den Sinnen, dem Geist und der Intelligenz.
> Die wesensgemäße Stellung der Seele zu verstehen ist
> daher die Lösung des ganzen Problems.
> Mit Intelligenz muss man die wesensgemäße Stellung der
> Seele herausfinden und dann den Geist immer im Krsna-
> Bewusstsein beschäftigen. Das löst das ganze Problem.
> Einem Spiritualisten, der neu ist, wird im allgemeinen
> geraten, sich von den Objekten der Sinne fernzuhalten.
> Man muss den Geist stärken, indem man die Intelligenz
> benutzt. Wenn man kraft seiner Intelligenz den Geist im
> Krsna-Bewusstsein beschäftigt, indem man sich völlig der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes ergibt, dann wird der Geist
> von selbst stärker, und obwohl die Sinne sehr stark sind,
> wie Schlangen, werden sie nicht wirksamer sein als
> Schlangen mit herausgebrochenen Giftzähnen. Aber
> obwohl die Seele Herr über die Intelligenz und den Geist
> und auch die Sinne ist, besteht doch immer die Gefahr,
> durch den in Erregung geratenen Geist zu Fall zu kommen,
> solange die Seele nicht durch Gemeinschaft mit Krsna im
> Krsna-Bewusstsein gestärkt ist.
> 
> VERS 43
> Wenn man also weiß, dass man transzendental zu den
> materiellen Sinnen, dem Geist und der Intelligenz ist,
> sollte man das niedere Selbst durch das höhere Selbst
> beherrschen und so - kraft spiritueller Stärke - diese
> unersättliche Feindin, die Lust, bezwingen.
> ERLÄUTERUNG
> Dieses Dritte Kapitel der Bhagavad-Gita lenkt schlüssig
> zum Krsna-Bewusstsein hin, indem man sich als der ewige
> Diener der Höchsten Persönlichkeit Gottes erkennt, ohne
> 
> die 
> unpersönliche Leere als das endgültige Ziel zu
> betrachten. Im materiellen Leben wird man mit Sicherheit
> von Neigungen zu Lust und dem Wunsch nach Herrschaft
> über die Schätze der materiellen Natur beeinflusst. Das
> Begehren nach Herrschaft und die Begierde nach
> Sinnenbefriedigung sind die größten Feinde der bedingten
> Seele; doch durch die Stärke des Krsna-Bewusstseins kann
> man die materiellen Sinne, den Geist und die Intelligenz
> beherrschen. Man sollte seine Arbeit und seine
> vorgeschriebenen Pflichten nicht plötzlich aufgeben, doch
> wenn man allmählich Krsna-Bewusstsein entwickelt, kann
> man durch stetige Intelligenz, die auf die reine Identität
> gerichtet ist, in einer transzendentalen Stellung verankert
> werden, ohne von den materiellen Sinnen und dem Geist
> beeinflusst zu sein. Das ist die Essenz dieses Kapitels. Auf
> der unreifen Stufe materieller Existenz können
> philosophische Spekulationen und künstliche Versuche, die
> Sinne durch die sogenannte Übung von yoga-Stellungen zu
> kontrollieren, einem Menschen nicht helfen, spirituelles
> Leben zu erlangen. Er muss durch höhere Intelligenz im
> Krsna-Bewusstsein geschult werden.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Dritten Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel:
> "Karma-yoga".
>
> — *03-Karma Yoga*

