# 06-Dhyana-yoga

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> SECHSTES KAPITEL
> Dhyana-yoga
> 
> VERS 1
> Der Segenspendende Herr sprach: Wer an den Früchten
> seiner Arbeit nicht haftet und so arbeitet, wie es seine
> Pflicht vorschreibt, befindet sich im Lebensstand der
> Entsagung. Er ist der wahre Mystiker, und nicht der,
> der kein Feuer entzündet und keine Arbeit verrichtet.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Kapitel erklärt der Herr, dass der Vorgang des
> achtfachen yoga-Systems ein Mittel ist, den Geist und die
> Sinne zu beherrschen. Dies ist jedoch für die meisten
> Menschen sehr schwierig, besonders im Zeitalter des Kali.
> Obwohl das achtfache yoga-System in diesem Kapitel
> empfohlen wird, betont der Herr, dass der Vorgang des
> karma-yoga oder des Handelns im Krsna-Bewusstsein
> besser ist. Jeder auf dieser Welt ist tätig, um seine Familie
> mit allem, was dazu gehört, zu unterhalten; niemand
> handelt ohne irgendein Selbstinteresse oder irgendeine
> persöniche Befriedigung - ob nun konzentriert oder
> ausgedehnt. Das Kriterium von Vollkommenheit besteht
> darin, im Krsna-Bewusstsein zu handeln, anstatt mit dem
> Gedanken, die Früchte der Arbeit zu genießen. Im
> Krsna-Bewusstsein zu handeln, ist die Pflicht aller
> Lebewesen, da alle von Natur aus winzige Bestandteile des
> Höchsten sind. Die Teile des Körpers arbeiten für die
> Zufriedenstellung des ganzen Körpers. Die einzelnen
> Glieder des Körpers handeln nicht für ihre eigene
> Befriedigung, sondern für die Zufriedenstellung des
> Vollständigen Ganzen. In ähnlicher Weise ist das
> Lebewesen, das für die Zufriedenstellung des Höchsten
> Ganzen, und nicht für persönliche Befriedigung, handelt,
> der vollkommene sannyasi, der vollkommene yogi.
> Manche sannyasis denken künstlich, sie seien allen
> materiellen Pflichten enthoben, und hören deshalb auf,
> agnihotra-yajnas (Feueropfer) darzubringen. In Wirklichkeit
> aber sind sie nur an sich selbst interessiert, da sie
> das Ziel haben, mit dem unpersönlichen Brahman eins zu
> werden. Ein solcher Wunsch ist erhabener als jeder
> materieller Wunsch, doch ist er nicht ohne Selbstinteresse.
> In ähnlicher Weise trachtet der mystische yogi, der mit
> halbgeöffneten Augen das yoga-System praktiziert und alle
> materiellen Tätigkeiten einstellt, nach irgendeiner
> Befriedigung für sich persönlich. Jemand aber, der im
> Krsna-Bewusstsein handelt, arbeitet für die Zufriedenstellung
> des Ganzen, ohne Selbstinteresse. Ein
> Krsna-Bewusster Mensch hat kein Verlangen nach eigener
> Befriedigung. Sein Kriterium für Erfolg ist die Zufriedenheit
> Krsnas, und daher ist er der vollkommene sannyasi
> oder vollkommene yogi. Sri Krsna Caitanya, das
> vollkommenste Beispiel für Entsagung, betet:
> "O Allmächtiger Herr, Ich begehre weder Reichtum noch
> schöne Frauen, noch wünsche Ich Mir Anhänger. Alles,
> was Ich Mir in Meinem Leben wünsche, ist die grundlose
> Barmherzigkeit Deines hingebungsvollen Dienstes -
> Geburt für Geburt."
> 
> VERS 2
> Was man als Entsagung bezeichnet, ist das gleiche wie
> yoga oder Sichverbinden mit dem Höchsten, denn
> niemand kann ein yogi werden, solange er nicht dem
> Wunsch nach Sinnenbefriedigung entsagt.
> ERLÄUTERUNG
> Wirklicher sannyasa-yoga oder wahre bhakti bedeutet, dass
> man seine wesensgemäße Stellung als Lebewesen kennen
> und dementsprechend handeln sollte. Das Lebewesen hat
> keine gesonderte, unabhängige Identität. Es ist die
> marginale Energie des Höchsten. Wenn es von der
> materiellen Energie gefangen ist, ist es bedingt, und wenn
> es Krsna-Bewusst, das heisst sich der spirituellen Energie
> Bewusst ist, befindet es sich in seinem wirklichen und
> natürlichen Zustand des Lebens. Wenn man daher über
> umfassendes Wissen verfügt, beendet man alle materielle
> Sinnenbefriedigung, das heisst, man entsagt allen Arten
> sinnenbefriedigender Tätigkeiten. Dies wird von yogis
> praktiziert, die ihre Sinne von materieller Anhaftung
> zurückhalten. Ein Mensch im Krsna-Bewusstsein aber hat
> gar keine Gelegenheit, seine Sinne mit irgendetwas zu
> beschäftigen, was nicht im Interesse Krsnas ist. Daher ist
> ein Krsna-Bewusster Mensch gleichzeitig ein sannyasi und
> ein yogi. Der Zweck von Wissen und Sinnenbeherrschung,
> wie es in den jnana- und yoga-Vorgängen vorgeschrieben
> ist, wird im Krsna-Bewusstsein von selbst erfüllt. Wenn
> man nicht imstande ist, die Tätigkeiten seiner selbstischen
> Natur aufzugeben, sind jnana und yoga nutzlos. Das
> wirkliche Ziel für das Lebewesen besteht darin, jede
> selbstsüchtige Befriedigung aufzugeben und bereit zu sein,
> den Höchsten zufriedenzustellen. Ein Krsna-Bewusster
> Mensch trachtet nach keinerlei persönlichem Genuss. Er ist
> immer damit beschäftigt, den Höchsten zu erfreuen. Wer
> vom Höchsten nichts weiß, muss deshalb damit beschäftigt
> sein, sich selbst zufriedenzustellen, denn niemand kann sich
> in einem Zustand der Untätigkeit halten. All diese Zwecke
> werden in vollkommener Weise erfüllt, wenn man
> Krsna-Bewusstsein praktiziert.
> 
> VERS 3
> Einem Neuling im achtfachen yoga-System wird Arbeit
> als Weg empfohlen, und die Einstellung aller
> materiellen Tätigkeiten gilt als Weg für jemanden, der
> yoga bereits erreicht hat.
> ERLÄUTERUNG
> Der Vorgang, sich mit dem Höchsten zu verbinden, wird
> yoga genannt. Yoga kann mit einer Leiter verglichen
> werden, mit deren Hilfe man die höchste spirituelle
> Verwirklichung erreichen kann. Diese Leiter beginnt von
> der niedrigsten materiellen Bedingung des Lebewesens und
> steigt auf bis zur vollkommenen Selbstverwirklichung im
> reinen spirituellen Leben. Je nach den verschiedenen
> Graden spirituellen Fortschritts sind die verschiedenen
> Stufen der Leiter unter verschiedenen Bezeichnungen
> bekannt. Die vollständige Leiter wird yoga genannt und
> kann in jnana-yoga, dhyana-yoga und bhakti-yoga
> unterteilt werden. Der Anfang der Leiter wird als die
> yogaruruksa-Stufe bezeichnet, und die höchste Sprosse
> wird yogarudha genannt.
> Was das achtfache yoga-System betrifft, so werden
> Versuche am Anfang, durch regulierende Prinzipien und
> verschiedene Sitzstellungen (die mehr oder weniger
> körperliche Übungen sind) in Meditation zu versinken, als
> fruchtbringende, materielle Tätigkeiten angesehen. All
> diese Tätigkeiten führen zu vollkommener geistiger
> Ausgeglichenheit, so dass man die Sinne beherrschen kann.
> Wenn man die Praxis der Meditation vollendet beherrscht,
> beendet man alle störenden Tätigkeiten des Geistes.
> Ein Krsna-Bewusster Mensch jedoch befindet sich von
> Anfang an auf der Ebene von Meditation, weil er immer an
> Krsna denkt. Und da er ständig im Dienste Krsnas
> beschäftigt ist, kann man sagen, dass er alle materiellen
> Tätigkeiten beendet hat.
> 
> VERS 4
> Man sagt, ein Mensch habe yoga erreicht, wenn er, da
> er alle materiellen Wünsche aufgegeben hat, weder für
> Sinnenbefriedigung handelt noch fruchtbringende
> Tätigkeiten verrichtet.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn jemand im transzendentalen liebevollen Dienst des
> Herrn voll beschäftigt ist, ist er im Selbst zufrieden und
> daher nicht länger an Sinnenbefriedigung oder
> fruchtbringenden Tätigkeiten interessiert. Sonst muss man
> mit Sinnenbefriedigung beschäftigt sein, da man nicht
> leben kann, ohne tätig zu sein. Ohne Krsna-Bewusstsein
> muss man sich immer ichbezogene oder auf andere
> ausgedehnte selbstische Tätigkeiten suchen. Aber ein
> Krsna-Bewusster Mensch kann alles tun, um Krsna zu
> erfreuen, und so von Sinnenbefriedigung in vollkommener
> Weise losgelöst sein. Wer das nicht erkennt, muss auf
> mechanische Weise versuchen, materiellen Wünschen zu
> entkommen, bevor er auf die höchste Sprosse der
> yoga-Leiter erhoben werden kann.
> 
> VERS 5
> Ein Mensch muss sich durch seinen Geist erheben, nicht
> erniedrigen. Der Geist ist der Freund der bedingten
> Seele, aber auch ihr Feind.
> ERLÄUTERUNG
> Verschiedenen Umständen entsprechend bezeichnet das
> Wort atma Körper, Geist oder Seele. Im yoga-System sind
> der Geist und die bedingte Seele von besonderer
> Bedeutung. Da der Geist der Mittelpunkt der yoga-Praxis
> ist, bezieht sich atma hier auf den Geist. Es ist das Ziel des
> yoga-Systems, den Geist zu beherrschen und von der
> Anhaftung an die Sinnesobjekte zurückzuziehen. Es wird
> hier betont, dass der Geist so geschult werden muss, dass er
> die bedingte Seele aus dem Sumpf der Unwissenheit retten
> kann. Im materiellen Dasein unterliegt man dem Einfluß
> des Geistes und der Sinne. Ja, die reine Seele ist in die
> materielle Welt verstrickt, weil das Ego des Geistes
> verlangt, über die materielle Natur zu herrschen. Deshalb
> sollte der Geist geschult werden, so dass er nicht vom
> Geflimmer der materiellen Natur angezogen wird; auf diese
> Weise kann die bedingte Seele gerettet werden. Man sollte
> sich nicht durch die Anziehung an die Sinnesobjekte
> erniedrigen. Je mehr man von den Sinnesobjekten
> angezogen wird, desto mehr wird man ins materielle Dasein
> verstrickt. Der beste Weg, sich aus dieser Verstrickung zu
> lösen, besteht darin, den Geist ständig im
> Krsna-Bewusstsein zu beschäftigen. Das Wort hi wird hier
> gebraucht, um diesen Punkt hervorzuheben; es bedeutet,
> dass man in dieser Weise handeln muss. Es wird auch
> gesagt:
> "Für den Menschen ist der Geist sowohl die Ursache von
> Knechtschaft als auch die Ursache von Befreiung. Der bei
> Sinnesobjekten weilende Geist ist die Ursache von
> Knechtschaft, und der von den Sinnesobjekten losgelöste
> Geist ist die Ursache von Befreiung."
> Deshalb ist der Geist, der immer im Krsna-Bewusstsein tätig
> ist, die Ursache höchster Befreiung.
> 
> VERS 6
> Für den, der den Geist bezwungen hat, ist der Geist der
> beste Freund; doch für den, der dies versäumt hat, wird
> der gleiche Geist zum größten Feind.
> ERLÄUTERUNG
> Es ist das Ziel des achtfachen yoga, den Geist zu
> beherrschen, um ihn zu einem Freund zu machen, der hilft,
> die Mission des menschlichen Lebens zu erfüllen. Solange
> man den Geist nicht beherrscht, ist das Praktizieren von
> yoga (als Show) nichts als Zeitverschwendung. Wer seinen
> Geist nicht beherrschen kann, lebt ständig mit dem größten
> Feind zusammen, und so wird sein Leben und seine
> Mission ruiniert. Es ist die wesensgemäße Stellung des
> Lebewesens, die Anordnungen eines Höheren auszuführen.
> Solange der Geist ein unbesiegter Feind bleibt, muss man
> dem Diktat von Lust, Zorn, Illusion usw. folgen. Wenn aber
> der Geist bezwungen ist, folgt man freiwillig den
> Anweisungen des Herrn, der Persönlichkeit Gottes, der im
> Herzen eines jeden als Paramatma gegenwärtig ist.
> Wirkliche yoga-Praxis läuft darauf hinaus, dem Paramatma
> im Herzen zu begegnen und dann Seinen Anweisungen zu
> folgen. Wer sich dem Krsna-Bewusstsein direkt zuwendet,
> ergibt sich den Anweisungen des Herrn völlig automatisch.
> VERS 7
> Für jemand, der den Geist bezwungen hat, ist die
> Überssele bereits erreicht, denn er hat Ausgeglichenheit
> erlangt. Für einen solchen Menschen sind Glück und
> Leid, Hitze und Kälte, Ehre und Schmach das gleiche.
> ERLÄUTERUNG
> Eigentlich wird von jedem Lebewesen erwartet, dass es den
> Anweisungen des Herrn, der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes, folgt, der als Paramatma im Herzen eines jeden
> weilt. Wenn der Geist durch die äußere, illusionierende
> Energie irregeführt ist, wird man in materielle Tätigkeiten
> verstrickt. Solange daher der Geist durch eines der
> yoga-Systeme gemeistert wird, muss man als jemand gelten,
> der das Ziel bereits erreicht hat. Man hat den Anweisungen
> eines Höheren zu folgen. Wenn der Geist fest auf die
> höhere Natur gerichtet ist, hat er keine andere Möglichkeit,
> als den Weisungen des Höchsten zu folgen. Der Geist muss
> eine höhere Weisung anerkennen und ihr folgen. Wenn
> man den Geist beherrscht, folgt man von selbst den
> Anweisungen des Paramatma, der Überseele. Weil diese
> 
> transzendentale Position sogleich von jemandem erreicht
> wird, der sich im Krsna-Bewusstsein befindet, wird der
> Geweihte des Herrn von den Dualitäten des materiellen
> Daseins, wie Leid und Glück, Kälte und Hitze usw., nicht
> beeinflusst. Diese Stufe ist praktischer samadhi oder
> 
> Versenkung in den Höchsten.
> 
> VERS 8
> Ein Mensch gilt als selbstverwirklicht und wird als yogi
> [oder Mystiker] bezeichnet, wenn er kraft erworbenen
> Wissens und Verwirklichung völlig zufrieden ist. Ein
> solcher Mensch ist in der Transzendenz verankert und
> selbstbeherrscht. Er sieht alles - ob Kiesel, Steine oder
> Gold - als gleich an.
> ERLÄUTERUNG
> Buchwissen ohne Verwirklichung der Höchsten Wahrheit
> ist nutzlos. Dies wird wie folgt bestätigt:
> "Niemand kann das transzendentale Wesen des Namens,
> der Gestalt, der Eigenschaften und der Spiele Sri Krsnas
> mit seinen materiell verunreinigten Sinnen verstehen. Nur
> wenn jemand durch den transzendentalen Dienst für den
> Herrn von spiritueller Energie durchdrungen wird, werden
> ihm der transzendentale Name, die transzendentale Gestalt,
> die transzendentalen Eigenschaften und die transzendentalen
> Spiele des Herrn offenbart." (Padma Purana)
> Die Bhagavad-Gita ist die Wissenschaft des
> Krsna-Bewusstseins. Niemand kann einfach durch weltliche
> Gelehrtheit Krsna-Bewusst werden. Man muss das Glück
> haben, mit einem Menschen zusammenzukommen, der in
> reinem Bewusstsein verankert ist. Ein Krsna-Bewusster
> Mensch verfügt durch die Gnade Krsnas über
> verwirklichtes Wissen, da er mit reinem hingebungsvollen
> Dienen zufrieden ist. Durch verwirklichtes Wissen erreicht
> man die Vollkommenheit. Durch transzendentales Wissen
> kann man in seinen Überzeugungen beständig bleiben -
> durch bloßes akademisches Wissen jedoch kann man leicht
> durch vermeintliche Widersprüche getäuscht und verwirrt
> werden. Es ist die verwirklichte Seele, die tatsächlich
> selbstbeherrscht ist, weil sie sich Krsna ergeben hat. Sie ist
> transzendental, da sie nichts mit weltlicher Gelehrsamkeit
> zu tun hat. Für sie sind weltliche Gelehrsamkeit und
> gedankliche Spekulation, die anderen so gut wie Gold
> erscheinen mögen, nicht mehr wert als Kiesel oder Steine.
> 
> VERS 9
> Man sagt, ein Mensch sei noch weiter fortgeschritten,
> wenn er sowohl Freunde als auch Feinde, Neidische und
> Wohlgesinnte, die Frommen, die Sünder und die, die
> gleichgültig und unparteiisch sind, mit gleichen Augen
> sieht.
> 
> VERS 10
> Ein Transzendentalist sollte immer versuchen, seinen
> Geist auf das Höchste Selbst zu richten; er sollte allein
> an einem einsamen Ort leben und seinen Geist stets
> sorgfältig beherrschen. Er sollte von Wünschen und
> Gefühlen der Besitzgier frei sein.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna wird in verschiedenen Stufen als Brahman,
> Paramatma und die Höchste Persönlichkeit Gottes erkannt.
> Krsna-Bewusstsein bedeutet, kurz gesagt, immer im
> transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn beschäftigt
> zu sein. Aber auch diejenigen, die am unpersönlichen
> Brahman oder der lokalisierten Überseele haften, sind
> teilweise Krsna-Bewusst, denn das unpersönliche Brahman
> ist die spirituelle Ausstrahlung Krsnas, und die Überseele
> ist die alldurchdringende Teil-Erweiterung Krsnas. Folglich
> sind auch der Anhänger der Unpersönlichkeitslehre und der
> Meditierende indirekt Krsna-Bewusst. Der direkt
> Krsna-Bewusste Mensch ist der Transzendentalist höchsten
> Ranges, da solch ein Gottgeweihter weiß, was mit Brahman
> oder Paramatma gemeint ist. Sein Wissen von der
> Absoluten Wahrheit ist vollkommen, wohingegen der
> Unpersönlichkeitsanhänger und der meditierende yogi nur
> unvollkommen Krsna-Bewusst sind.
> Nichtsdestoweniger wird ihnen allen hiermit geraten,
> ständig ihre jeweiligen Ziele zu verfolgen, auf dass sie
> früher oder später die höchste Vollkommenheit erreichen
> mögen. Das oberste Gebot für einen Transzendentalisten
> lautet, seinen Geist immer auf Krsna zu richten. Man sollte
> immer an Krsna denken und Ihn nicht einmal für einen
> Augenblick vergessen. Die Konzentration des Geistes auf
> den Höchsten wird samadhi oder Trance genannt. Um den
> Geist zu konzentrieren, sollte man immer an einem
> einsamen Ort bleiben und jede Störung durch äußere
> Objekte vermeiden. Man sollte daher sehr darauf achten,
> Bedingungen, die die Verwirklichung günstig beeinflussen,
> anzunehmen, und ungünstige Bedingungen abzulehnen.
> Mit vollkommener Entschlossenheit sollte man dann nicht
> nach unnötigen materiellen Dingen begehren, die einen
> durch Gefühle der Besitzgier verstricken würden.
> All diese Vervollkommnungen und Vorsichtsmaßnahmen
> werden in vollkommener Weise in die Tat umgesetzt, wenn
> man sich direkt im Krsna-Bewusstsein befindet, denn
> direktes Krsna-Bewusstsein bedeutet Selbst-Verzicht, bei
> dem kaum eine Möglichkeit für materielle Besitzgier
> besteht. Srila Rupa Gosvami charakterisiert
> Krsna-Bewusstsein so:
> "Wenn man an nichts haftet, aber zugleich alles in
> Beziehung zu Krsna annimmt, handelt man richtig, frei von
> jeglicher Besitzgier. Wer jedoch alles zurückweist, ohne die
> Beziehung der Dinge zu Krsna zu kennen, ist in seiner
> Entsagung nicht so vollkommen." (Bh.r.s. 2.255-256)
> Ein Krsna-Bewusster Mensch weiß sehr wohl, dass alles
> Krsna gehört, und daher ist er stets frei von dem Gefühl,
> etwas persönlich zu besitzen. Er begehrt daher nichts für
> sich selbst. Er weiß die Dinge anzunehmen, die für sein
> Krsna-Bewusstsein vorteilhaft sind, und die Dinge
> abzulehnen, die für seinen spirituellen Fortschritt ungünstig
> sind. Er steht immer über materiellen Dingen, weil er
> immer in transzendentaler Stellung steht, und er ist immer
> allein, da er nichts zu tun hat mit Menschen, die nicht
> Krsna-Bewusst sind. Deshalb ist ein Mensch im Krsna--
> Bewusstsein der vollendete yogi.
> 
> VERS 11-12
> Um yoga zu praktizieren, sollte man an einen einsamen
> Ort gehen, kusa-Gras auf den Boden legen und es mit
> einem Rehfell und einem weichen Tuch bedecken. Der
> Sitz sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein und an
> einem heiligen Ort liegen. Der yogi sollte sehr fest
> darauf sitzen und sich im yoga üben, indem er den Geist
> und die Sinne beherrscht, das Herz reinigt und den
> Geist auf einen Punkt fixiert.
> ERLÄUTERUNG
> "Heiliger Ort" bezieht sich auf Pilgerorte. In Indien
> verlassen die yogis, Transzendentalisten und Gottgeweihten
> alle ihr Zuhause und wohnen an heiligen Orten, wie Prayag,
> Mathura, Vrndavana, Hrsikesa und Hardwar, und
> praktizieren dort, wo die heiligen Flüsse, wie die Yamuna
> und die Ganga fließen, in Einsamkeit yoga. Oft aber ist
> das - besonders für westliche Menschen - nicht möglich.
> Die sogenannten yoga-Gesellschaften in den großen
> Städten mögen zwar erfolgreich darin sein, einen
> materiellen Nutzen zu bewirken, doch sind sie für die
> eigentliche Praxis von yoga nicht geeignet. Wer nicht
> selbstbeherrscht und wessen Geist nicht ungestört ist, kann
> nicht meditieren. Deshalb wird im Brhan-Naradiya Purana
> gesagt, dass im Kali-yuga (dem gegenwärtigen yuga oder
> Zeitalter), wenn die meisten Menschen kurzlebig, langsam
> in spiritueller Verwirklichung und ständig von
> verschiedenen Ängsten verfolgt sind, das beste Mittel für
> spirituelle Verwirklichung das Chanten der Heiligen
> Namen des Herrn ist.
> harer nama harer nama
> harer namaiva kevalam
> kalau nasty eva nasty eva
> nasty eva gatir anyatha
> "In diesem Zeitalter des Streites und der Heuchelei ist das
> einzige Mittel der Befreiung das Chanten der Heiligen
> Namen des Herrn. Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt
> keinen anderen Weg. Es gibt keinen anderen Weg."
> 
> VERS 13-14
> Man sollte Körper, Hals und Kopf aufrecht in einer
> geraden Linie halten und fortwährend auf die
> Nasenspitze starren. Auf diese Weise sollte man mit
> ungestörtem, beherrschtem Geist, ohne Furcht und
> völlig frei von Sexualität über Mich im Herzen
> meditieren und Mich zum endgültigen Ziel des Lebens
> machen.
> ERLÄUTERUNG
> Das Ziel des Lebens besteht darin, Krsna zu kennen, der als
> Paramatma, die vierhändige Visnu-Form, im Herzen eines
> jeden Lebewesens weilt. Der yogaVorgang wird praktiziert,
> um diese lokalisierte Form Visnus zu entdecken und zu
> sehen - und für keinen anderen Zweck. Die lokalisierte
> Visnu-murti ist die vollständige Repräsentation Krsnas, die
> im Herzen eines jeden gegenwärtig ist. Ein Mensch, der
> nicht die Absicht hat, diese Visnu-murti zu erkennen, ist
> nur mit nutzlosem Schein-yoga beschäftigt und
> verschwendet gewiß seine Zeit. Krsna ist das endgültige
> Ziel des Lebens, und die Visnu-murti, die in jedem Herzen
> weilt, ist das Ziel der yoga-Praxis. Um diese Visnu-murti
> im Herzen zu erkennen, muss man sich der Sexualität
> gänzlich enthalten; daher muss man sein Heim verlassen
> und allein an einem einsamen Ort leben, indem man in der
> oben beschriebenen Sitzstellung verharrt. Man kann nicht
> täglich zu Hause oder anderswo Sexualität genießen, an
> einem sogenannten yoga-Kursus teilnehmen und so zu
> einem yogi werden. Man muss sich darin üben, den Geist zu
> beherrschen und alle Arten von Sinnenbefriedigung zu
> vermeiden, von denen Sexualität an erster Stelle steht. In
> den Regeln des Zölibats, die von dem großen Weisen
> YajNavalkya zusammengestellt wurden, heisst es:
> "Das Gelübde des brahmacarya soll einem helfen, sich in
> Taten, Worten und Gedanken - zu allen Zeiten, unter allen
> Umständen und an allen Orten - der Sexualität ganz und
> gar zu enthalten. 
> Niemand kann echten yoga praktizieren und zugleich
> seinem Geschlechtstrieb freien Lauf lassen. Brahmacarya
> wird deshalb von Kindheit an gelehrt, wenn man noch
> nichts von Sexualität weiß. Im Alter von fünf Jahren
> werden die Kinder zum guru-kula (dem Ort, an dem der
> spirituelle Meister lebt) geschickt, und der Meister erzieht
> die kleinen Jungen in der strengen Disziplin, brahmacaris
> zu werden. Ohne solche Praxis kann niemand Fortschritte
> in irgendeinem yoga machen, sei es dhyana, jnana oder
> bhakti. Wer aber nach den Regeln und Regulierungen des
> verheirateten Lebens lebt und nur mit seiner Frau eine
> sexuelle Beziehung unterhält (und auch das nur unter
> Regulierungen), wird ebenfalls als brahmacari bezeichnet.
> Solch ein gezügelter Haushälter-brahmacari wird in der
> bhakti-Schule akzeptiert, doch die jnana- und die
> dhyana-Schule erkennen nicht einmal einen
> Haushälter-brahmacari an. Sie fordern kompromißlos
> völlige Enthaltsamkeit. In der bhakti-Schule ist einem
> Haushälter-brahmacari ein beherrschtes Geschlechtsleben
> erlaubt, denn der Kult des bhakti-yoga ist so mächtig, dass
> man von selbst die Anziehung zur Sexualitat verliert, da
> man im höherstehenden Dienst des Herrn beschäftigt ist. In
> der Bhagavad-Gita (2.59) heisst es:
> "Die verkörperte Seele kann zwar von Sinnenfreuden
> zurückgehalten werden, doch der Geschmack für die
> Sinnesobjekte bleibt; wenn sie jedoch solche Neigungen
> aufgibt, da sie einen höheren Geschmack erfährt, ist sie im
> transzendentalen Bewusstsein gefestigt."
> Während andere gezwungen sind, sich von
> Sinnenbefriedigung zurückzuhalten, verzichtet ein
> Geweihter des Herrn von selbst, da er einen höheren
> Geschmack erfährt. Außer dem Gottgeweihten hat niemand
> von diesem höheren Geschmack Kenntnis.
> Vigatabhih. Man kann nicht furchtlos sein, solange man
> nicht völlig Krsna-Bewusst ist. Eine bedingte Seele ist voller
> Furcht, weil ihr Gedächtnis pervertiert ist, das heisst, weil
> sie ihre ewige Beziehung zu Krsna vergessen hat. Das
> Bhagavatam sagt: Krsna-Bewusstsein ist die
> einzige Grundlage für Furchtlosigkeit. Deshalb ist es nur
> einem Krsna-Bewussten Menschen möglich, yoga in
> Vollendung zu praktizieren. Und da es das endgültige Ziel
> des yoga ist, den Herrn im Innern zu sehen, ist ein Krsna--
> Bewusster Mensch bereits der beste aller yogis. Die hier
> erwähnten Prinzipien des yoga-Systems unterscheiden sich
> von denen der populären sogenannten yoga-Gesellschaften.
> 
> VERS 15
> Während sich der mystische Transzendentalist so darin
> übt, Körper, Geist und Tätigkeiten zu beherrschen,
> erreicht er das Königreich Gottes [das Reich Krsnas],
> indem er das materielle Dasein beendet.
> ERLÄUTERUNG
> Das endgültige Ziel der Praxis von yoga ist nun eindeutig
> erklärt. Yoga ist nicht dafür gedacht, irgendwelche
> materiellen Annehmlichkeiten zu erlangen; es soll dazu
> befähigen, das materielle Dasein zu beenden. Wer seine
> Gesundheit verbessern will und nach materieller
> Vollkommenheit strebt, ist nach der Bhagavad-Gita kein
> yogi. Auch bedeutet die Beendigung des materiellen
> Daseins nicht, dass man in "die Leere" eingeht, die nur ein
> Mythos ist. Nirgendwo in der Schöpfung des Herrn gibt es
> Leere. Vielmehr befähigt einen die Beendigung des
> materiellen Daseins, in den transzendentalen Himmel, das
> Reich des Herrn, einzutreten. Das Reich des Herrn wird
> ebenfalls in der Bhagavad-Gita klar beschrieben, und zwar
> als der Ort, an dem weder Sonne noch Mond, noch
> 
>  Elektrizität 
> notwendig sind. Alle Planeten im spirituellen
> Königreich leuchten aus sich selbst heraus, wie die Sonne
> am materiellen Himmel. Das Königreich Gottes ist überall,
> doch der spirituelle Himmel und seine Planeten werden als
> paraà-dhama oder höhere Reiche bezeichnet.
> 
> Wie hier vom Herrn Selbst eindeutig erklärt wird,kann ein 
> Vollendeter yogi, der Sri Krsna vollkommen erkennt, wahren 
> Frieden finden und schließlich sein höchstes Reich, das als 
> Goloka Vçndavana bekannte Krsnaloka, erreichen. In der
> Brahma-saàhita wird eindeutig gesagt, dass der Herr, obwohl 
> Er Sich ständig in Seinem Reich Goloka aufhält, kraft Seiner
> höheren, spirituellen Energien das alldurchdringende
> Brahman wie auch der lokalisierte Paramatma ist. Niemand
> kann den spirituellen Himmel erreichen oder in das ewige
> Reich des Herrn (Vaikuntha, Goloka Vrndavana) eingehen,
> ohne Krsna und Seine vollständige Erweiterung Visnu
> richtig zu verstehen. Deshalb ist jemand, der im
> Krsna-Bewusstsein tätig ist, der vollkommene yogi, da sein
> Geist immer bei Krsnas Taten ist. Auch lernen wir aus 
> den Veden: "Man kann den Pfad von
> Geburt und Tod nur überwinden, wenn man die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Krsna, versteht." Mit anderen
> Worten: Die Vollkommenheit des yoga-Systems besteht in
> der Befreiung vom materiellen Dasein und nicht in irgendwelchen
> magischen Spielereien oder gymnastischen
> Kunststücken, die nur dazu dienen, unschuldige Menschen
> zum Narren zu halten.
> 
> VERS 16
> O Arjuna, es ist nicht möglich, ein yogi zu werden, wenn
> man zuviel isst oder zuwenig isst, wenn man zuviel
> schläft oder nicht genug schläft.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird den yogis empfohlen, Essen und Schlafen zu
> regulieren. Zuviel zu essen bedeutet, mehr zu essen als
> notwendig ist, um Körper und Seele zusammenzuhalten.
> Für die Menschen ist es nicht notwendig, Tiere zu essen, da
> ausreichend für Getreide, Gemüse, Früchte und Milch
> gesorgt ist. Nach den Aussagen der Bhagavad-Gita
> befinden sich solch einfache Nahrungsmittel in der
> Erscheinungsweise der Tugend. Tierische Nahrung ist für
> Menschen in der Erscheinungsweise der Unwissenheit.
> Daher werden diejenigen, die tierische Nahrung zu sich
> nehmen, die trinken, rauchen und Nahrung essen, die nicht
> zuerst Krsna geopfert wurde, sündhafte Reaktionen
> erleiden, da sie nur verunreinigte Dinge essen. Jeder, der zur
> Sinnenfreude isst oder für sich selbst kocht, ohne seine
> Nahrung Krsna zu opfern, isst nur Sünde. Wer Sünde isst
> und mehr isst als ihm zusteht, kann keinen vollendeten yoga
> praktizieren. Das Beste ist, nur die Überreste von Speisen
> zu essen, die Krsna geopfert wurden. Ein Mensch im
> Krsna-Bewusstsein isst nichts, was nicht zuerst Krsna
> geopfert wurde. Deshalb kann nur ein Krsna-Bewusster
> Mensch Vollkommenheit im yoga erreichen. Auch kann
> niemand yoga praktizieren, der sich künstlich vom Essen
> zurückhält und nach eigenem Gutdünken fastet. Der
> Krsna-Bewusste Mensch fastet, wie es in den Schriften
> empfohlen wird. Er fastet nicht länger oder isst nicht mehr
> als notwendig, und daher ist er geeignet, yoga zu
> praktizieren. Wer mehr isst, als er braucht, wird während
> 
> des 
> Schlafes sehr viel träumen und muss folglich länger
> schlafen als notwendig. Man sollte täglich nicht mehr als
> sechs Stunden schlafen. Wer von den vierundzwanzig
> Stunden mehr als sechs Stunden schläft, wird zweifellos
> von der Erscheinungsweise der Unwissenheit beeinflusst.
> Ein Mensch in der Erscheinungsweise der Unwissenheit ist
> träge und neigt dazu, viel zu schlafen. Ein solcher Mensch
> kann nicht yoga praktizieren.
> 
> VERS 17
> Wer in seinen Gewohnheiten des Essens, Schlafens,
> Arbeitens und Sicherholens maßvoll ist, kann alle
> materiellen Leiden lindern, indem er das yoga-System
> praktiziert.
> ERLÄUTERUNG
> Extravaganz im Essen, Schlafen, Sichverteidigen und im
> Sichpaaren - was Bedürfnisse des Körpers sind - kann
> den Fortschritt im yoga aufhalten. Was das Essen betrifft,
> so kann es nur reguliert sein, wenn man es gewohnt ist,
> prasada oder geheiligte Nahrung zu sich zu nehmen. Nach
> den Aussagen der Bhagavad-Gita (9.26) werden Sri Krsna
> Gemüse, Blumen, Früchte, Getreide, Milch usw. geopfert.
> Auf diese Weise wird ein Mensch im Krsna-Bewusstsein
> von selbst geschult, keine Nahrung anzunehmen, die nicht
> für die Ernährung des Menschen bestimmt ist oder die sich
> nicht in der Erscheinungsweise der Tugend befindet. Was
> das Schlafen betrifft, so ist ein Krsna-Bewusster Mensch bei
> der Erfüllung seiner Pflichten im Krsna-Bewusstsein immer
> wach, und deshalb sieht er jede unnötig verschlafene Zeit
> als großen Verlust an. Für einen Krsna-Bewussten
> Menschen ist es unerträglich, auch nur eine Minute seines
> Lebens verstreichen zu lassen, ohne im Dienste Krsnas
> beschäftigt zu sein. Deshalb beschränkt er seinen Schlaf auf
> ein Mindestmaß. Sein Vorbild in dieser Hinsicht ist Srila Rupa
> Rupa Gosvami, der ständig im Dienste Krsnas beschäftigt
> war und nicht länger als zwei Stunden täglich schlafen
> konnte, und manchmal nicht einmal das. Bevor Thakura
> Haridasa nicht täglich dreihundertausendmal den Heiligen
> Namen auf seiner Gebetskette gechantet hatte, nahm er
> nicht einmal prasada zu sich oder schlief auch nur für einen
> Augenblick. Was Arbeit betrifft, so tut ein Krsna-Bewusster
> Mensch nichts, was nicht mit dem Interesse Krsnas
> verbunden ist, und daher ist seine Arbeit immer reguliert
> und unberührt von Sinnenbefriedigung. Da ein Mensch im
> Krsna-Bewusstsein mit Sinnenbefriedigung nichts zu tun
> hat, gibt es für ihn keinen materiellen Müssiggang. Und da
> er bei all seinem Tun, Sprechen, Schlafen, Wachsein und
> allen anderen körperlichen Tätigkeiten reguliert ist, gibt es
> für ihn kein materielles Leid.
> 
> VERS 18
> Wenn der yogi durch das Praktizieren von yoga seine
> geistigen Tätigkeiten zügelt und in der Transzendenz
> verankert wird - frei von materiellen Wünschen -,
> sagt man von ihm, er habe yoga erreicht.
> ERLÄUTERUNG
> Die Tätigkeiten eines yogi unterscheiden sich von denen
> eines gewöhnlichen Menschen dadurch, dass er
> bezeichnenderweise alle Arten materieller Wünsche, von
> denen Sexualität an erster Stelle steht, aufgegeben hat. Ein
> vollkommener yogi beherrscht die Tätigkeit seines Geistes
> so gut, dass er nicht länger von irgendeinem materiellen
> Wunsch gestört werden kann. Wie es im
> Srimad-Bhagavatam (9.4.18-20) heißt, kann diese Stufe der
> Vollkommenheit von selbst von Menschen im Krsna-
> Bewusstsein erreicht werden:
> "König Ambarisa richtete als erstes seinen Geist auf die
> Lotosfüße Sri Krsnas; als nächstes beschäftigte er seine
> Worte damit, die transzendentalen Eigenschaften des Herrn
> zu beschreiben; mit seinen Händen wischte er den Tempel
> des Herrn; mit seinen Ohren hörte er über die Taten und
> Spiele des Herrn; mit seinen Augen betrachtete er die
> transzendentalen Formen des Herrn; mit seinem Körper
> berührte er die Körper der Gottgeweihten; mit seinem
> Geruchssinn roch er den Duft des Lotos, der dem Herrn
> dargebracht war; mit seiner Zunge schmeckte er das tulasi-
> Blatt, das den Lotosfüßen des Herrn geopfert war; mit
> seinen Beinen ging er zu Pilgerstätten und zu den Tempeln
> des Herrn; er neigte sein Haupt, um dem Herrn
> Ehrerbietungen darzubringen, und beschäftigte seine
> Wünsche darin, die Mission des Herrn zu erfüllen. All diese
> transzendentalen Tätigkeiten sind einem reinen
> Gottgeweihten angemessen."
> Den Anhängern des Unpersönlichkeitspfads mag diese
> transzendentale Stufe mit Worten nicht fassbar erscheinen,
> doch wie aus der obigen Beschreibung der Beschäftigungen
> Maharaja Ambarisas eindeutig hervorgeht, wird sie für
> einen Menschen im Krsna-Bewusstsein sehr einfach und
> praktisch. Solange nicht der Geist durch ständige
> Erinnerung fest auf die Lotosfüße des Herrn gerichtet ist,
> sind solche transzendentalen Beschäftigungen nicht
> praktisch. Im hingebungsvollen Dienst des Herrn werden
> diese vorgeschriebenen Tätigkeiten daher arcana genannt
> oder die Betätigung aller Sinne im Dienste des Herrn. Die
> Sinne und der Geist brauchen Beschäftigung. Sie einfach zu
> verleugnen ist nicht praktisch. Deshalb ist für die Menschen
> im allgemeinen - besonders für diejenigen, die nicht im
> Lebensstand der Entsagung stehen - die transzendentale
> Betätigung der Sinne und des Geistes, wie oben
> beschrieben, der vollkommene Vorgang, um die
> transzendentale Stufe zu erreichen, die in der
> Bhagavad-Gita als yukta bezeichnet wird.
> 
> VERS 19
> Wie ein Licht an einem windstillen Ort nicht flackert, so
> bleibt auch der Transzendentalist, dessen Geist
> beherrscht ist, in seiner Meditation über das
> transzendentale Selbst immer stetig.
> ERLÄUTERUNG
> Ein wahrhaft Krsna-Bewusster Mensch, der immer in der
> Transzendenz verankert und in eine ständige, ungestörte
> Meditation über seinen verehrungswürdigen Herrn
> versunken ist, ist so beständig wie ein Licht an einem
> windstillen Ort.
> 
> VERS 20-23
> Die Stufe der Vollkommenheit wird als Trance oder
> samadhi bezeichnet, wenn der Geist durch das
> Praktizieren von yoga von materiellen mentalen
> Tätigkeiten vollständig zurückgezogen ist. Dies wird
> 
> dadurch charakterisiert, dass man die Fähigkeit erlangt,
> das Selbst durch den reinen Geist zu sehen und im
> Selbst zu genießen und sich zu freuen. In diesem
> freudigen Zustand erfährt man grenzenloses
> transzendentales Glück und genießt in sich selbst durch
> transzendentale Sinne. So verankert weicht man
> niemals von der Wahrheit ab, und wenn man diese Stufe
> erreicht hat, denkt man, dass es keinen größeren Gewinn
> gibt. In einer solchen Stellung gerät man niemals, nicht
> einmal inmitten der größten Schwierigkeit, ins Wanken.
> Das ist in der Tat wirkliche Freiheit von allen Leiden,
> die aus der Berührung mit der Materie entstehen.
> ERLÄUTERUNG
> Durch das Praktizieren von yoga löst man sich allmählich
> von materiellen Vorstellungen. Das ist das Hauptmerkmal
> des yoga-Prinzips. Und danach erreicht man die Stufe der
> Trance oder des samadhi, was bedeutet, dass der yogi die
> Überseele durch den transzendentalen Geist und die
> transzendentale Intelligenz erkennt, ohne dem Irrtum zu
> unterliegen, das Selbst sei mit dem Überselbst identisch.
> Yoga basiert mehr oder weniger auf den Prinzipien des
> Patanjali-Systems. Einige unautorisierte Kommentatoren
> versuchen, die individuelle Seele mit der Überseele
> gleichzusetzen, und die Monisten halten das für Befreiung,
> doch verstehen sie nicht den eigentlichen Zweck des
> Patanjali-yoga-Systems. Im Patanjali-System wird
> akzeptiert, dass es transzendentale Freude gibt, doch die
> Monisten erkennen diese transzendentale Freude nicht an,
> weil sie befürchten, die Theorie des Einsseins zu gefährden.
> Die Dualität von Erkenntnis und Erkennendem wird von
> den Nichtdualisten nicht akzeptiert, doch in diesem Vers
> wird transzendentale Freude - erfahren durch
> transzendentale Sinne - akzeptiert. Und das wird auch von
> Patanjali Muni, dem berühmten Vertreter des
> yoga-Systems, bestätigt. Der große Weise erklärt in seinen
> Yoga-sutras: Diese citi-sakti oder innere Energie ist transzendental.
> Purusartha bedeutet materielle Religiosität, wirtschaftliche
> Entwicklung, Sinnenbefriedigung und am Ende den
> Versuch, mit dem Höchsten eins zu werden. Dieses
> "Einssein mit dem Höchsten" wird von den Monisten
> kaivalyam genannt. Nach Patanjali aber ist dieses
> kaivalyam eine innere oder transzendentale Energie, durch
> die sich das Lebewesen seiner wesensgemäßen Stellung
> Bewusst wird. Sri Krsna Caitanya nannte diesen Vorgang
> das Reinigen des unreinen
> Spiegels des Geistes. Dieses "Reinigen" ist eigentlich
> Befreiung. Die
> Theorie des nirvana - ebenfalls eine vorbereitende Stufe
> der Erkenntnis - stimmt mit diesem Prinzip überein. Im
> Bhagavatam wird dies svarupena uyavasthitih genannt.
> Auch die Bhagavad-Gita bestätigt das in diesem Vers.
> Nach dem nirvana oder der Beendigung des materiellen
> Daseins kommt die Manifestation spiritueller Tätigkeiten,
> das heisst hingebungsvoller Dienst für den Herrn oder
> Krsna-Bewusstsein. Mit den Worten des Bhagavatam
> ausgedrückt: svarupena uyavasthitih. Das ist das "wirkliche
> Leben des Lebewesens". Maya oder Illusion ist spirituelles
> Leben, durch materielle Infektion verunreinigt. Befreiung
> von dieser materiellen Infektion bedeutet nicht die
> Zerstörung der ursprünglichen, ewigen Stellung des
> Lebewesens. Auch Patanjali akzeptiert dies mit seinen
> Worten kaivalyam svarupa-pratisnha va citi saktir iti. Diese
> citi-sakti oder transzendentale Freude ist wahres Leben. In
> den Vedanta-sutras wird dies mit den Worten ananda-mayo
> 'bhyasat bestätigt. Diese natürliche transzendentale Freude
> ist das endgültige Ziel des yoga, und sie wird leicht durch
> hingebungsvollen Dienst oder bhakti-yoga erreicht.
> Bhakti-yoga wird im Siebten Kapitel der Bhagavad-Gita
> eingehend beschrieben.
> In dem yoga-System, wie es in diesem Kapitel beschrieben
> wird, gibt es zwei Arten von samadhi:
> samprajnata-samadhi und asamprajnata-samadhi. Wenn
> man durch verschiedene philosophische Forschungen in der
> transzendentalen Position verankert wird, wird dies
> samprajnata-samadhi genannt. Im samprajnata-samadhi
> hat man keine Verbindung mehr mit weltlichen Freuden,
> denn man steht dann zu allem Glück, das durch die Sinne
> erfahren wird, in transzendentaler Stellung. Wenn der yogi
> einmal in dieser transzendentalen Position verankert ist,
> kann er niemals darin erschüttert werden. Solange der yogi
> nicht imstande ist, dieses Position zu erreichen, ist er
> erfolglos. Der sogenannte yoga, der heutzutage praktiziert
> wird und zu dem verschiedenartige Sinnenfreuden gehören,
> ist widersprüchlich. Ein yogi, der Sex und Drogen frönt, ist
> eine Witzfigur. Selbst jene yogis, die von den siddhis 
> (Vollkommenheiten)im yoga angezogen werden, haben nicht
> die Vollkommenheit erreicht. Wenn die yogis von den
> Nebenerscheinungen des yoga angezogen werden, können
> sie die Stufe der Vollkommenheit, wie sie in diesem Vers
> beschrieben wird, nicht erreichen. Menschen, die ihre Zeit
> mit der Zurschaustellung gymnastischer Kunststücke oder
> siddhis vergeuden, sollten daher wissen, dass das Ziel des
> yoga auf diese Weise verlorengeht.
> Der beste Weg, in diesem Zeitalter yoga zu praktizieren, ist
> Krsna-Bewusstsein, denn dort wird niemand zum Narren
> gehalten. Ein Krsna-Bewusster Mensch ist in seiner
> Beschäftigung so glücklich, dass er nach keinem anderen
> Glück begehrt. Beim Praktizieren von hanha-yoga,
> dhyana-yoga und jnana-yoga gibt es gerade im gegenwä
> rtigen Zeitalter der Heuchelei viele Hindernisse, doch
> gibt es kein solches Problem bei der Ausübung von
> karma-yoga oder bhakti-yoga.
> Solange der materielle Körper existiert, muss man sich auch
> mit den Bedürfnissen des Körpers, das heisst mit Essen,
> Schlafen, Sichverteidigen und Sichpaaren auseinandersetzen.
> Doch ein Mensch in reinem bhakti-yoga
> oder Krsna-Bewusstsein erregt die Sinne nicht, während er
> die Bedürfnisse des Körpers befriedigt. Vielmehr erfüllt er
> die bloßen Lebensnotwendigkeiten, indem er das beste aus
> einem schlechten Geschäft macht, und genießt
> transzendentales Glück im Krsna-Bewusstsein. Er wird von
> unverhofften Ereignissen, wie Unfällen, Krankheit,
> Knappheit und selbst dem Tod eines geliebten Verwandten,
> nicht berührt, sondern ist immer bereit, seine Pflichten im
> Krsna-Bewusstsein oder bhakti-yoga zu erfüllen.
> Unglücksfälle hindern ihn niemals an der Erfüllung seiner
> Pflicht. In der Bhagavad-Gita wird dazu gesagt:
> agamapayino 'nityas tams titiksasva bharata. Er erduldet
> all diese unerwarteten Ereignisse, weil er weiß, dass sie
> kommen und gehen und seine Pflichten nicht beeinflussen.
> Auf diese Weise erreicht er die höchste Vollkommenheit im
> yoga.
> 
> VERS 24
> Man sollte yoga mit fester Entschlossenheit und
> unerschütterlichem Glauben praktizieren. Man sollte
> alle aus falschem Ego geborenen materiellen Wünsche
> ohne Ausnahme aufgeben und so in jeder Hinsicht alle
> Sinne durch den Geist beherrschen.
> ERLÄUTERUNG
> Der yoga-Praktiker sollte entschlossen sein und geduldig,
> ohne abzuweichen, mit der Praxis fortfahren. Man sollte
> vom letztlichen Erfolg überzeugt sein und diesem Pfad mit
> großer Ausdauer folgen, ohne sich entmutigen zu lassen,
> wenn es etwas länger dauert, bis man erfolgreich ist. Dem
> strengen Praktiker ist der Erfolg sicher. Rupa Gosvami sagt
> über bhakti-yoga:
> "Bhakti-yoga kann mit voller Begeisterung, Ausdauer und
> Entschlossenheit erfolgreich praktiziert werden, wenn man
> den vorgeschriebenen Pflichten in der Gemeinschaft von
> Gottgeweihten folgt und vollständig in Tätigkeiten der
> Tugend beschäftigt ist."
> Was Entschlossenheit betrifft, so sollte man dem Beispiel
> des Sperlingweibchens folgen, das seine Eier in den Wellen
> des Ozeans verlor. Ein Sperlingsweibchen hatte seine Eier
> an den Strand gelegt, aber der große Ozean trug die Eier
> auf seinen Wellen davon. Der kleine Vogel wurde sehr
> aufgeregt und bat den Ozean, die Eier zurückzugeben. Der
> Ozean jedoch beachtete ihn nicht einmal. Darauf entschloß
> sich das Sperlingsweibchen, den Ozean auszutrocknen. Es
> begann, mit seinem kleinen Schnabel Wasser zu schöpfen,
> und jeder lachte über seine unmögliche Entschlossenheit.
> Die Nachricht von seinem Vorhaben verbreitete sich rasch,
> und schließlich hörte auch Garuda, der gigantische,
> gefiederte Träger Visnus, davon. Er bekam Mitleid mit
> seiner kleinen Vogelschwester, und so kam er, um das
> Sperlingsweibchen zu besuchen. Garuda war über die
> Entschlossenheit des kleinen Sperlings sehr erfreut und
> versprach zu helfen. Garuda befahl dem Ozean sogleich,
> die Eier zurückzugeben, und drohte, andernfalls selbst die
> Arbeit des Sperlings zu übernehmen. Der Ozean war sehr
> erschrocken und gab die Eier zurück. So wurde der
> Sperling durch die Gnade Garudas glücklich.
> In ähnlicher Weise mag das Praktizieren von yoga,
> besonders von bhakti-yoga im Krsna-Bewusstsein, sehr
> schwierig erscheinen, doch wenn jemand den Prinzipien
> mit großer Entschlossenheit folgt, wird ihm der Herr mit
> Sicherheit helfen, denn: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.
> 
> VERS 25
> Allmählich, Schritt für Schritt, mit voller Überzeugung,
> sollte man mit Hilfe der Intelligenz in Trance versinken,
> und so sollte der Geist allein auf das Selbst gerichtet
> werden und an nichts anderes mehr denken.
> ERLÄUTERUNG
> Durch echte Überzeugung und Intelligenz sollte man
> allmählich die Tätigkeiten der Sinne einstellen. Das nennt
> man pratyahara. Der Geist, der durch Überzeugung,
> Meditation und Beendigung der Sinnestätigkeiten
> beherrscht ist, sollte in Trance oder samadhi versenkt
> werden. Dann besteht nicht länger die Gefahr, in der
> materiellen Auffassung vom Leben tätig zu werden. Mit
> anderen Worten: Obgleich man mit der Materie zu tun hat,
> solange der materielle Körper existiert, sollte man nicht an
> Sinnenbefriedigung denken. Man sollte an keine andere
> Freude denken als die Freude des Höchsten Selbst. Dieser
> Zustand wird leicht erreicht, wenn man Krsna-Bewusstsein
> direkt praktiziert.
> 
> VERS 26
> Wohin auch immer der Geist aufgrund seiner
> ßackernden und unsteten Natur wandert - man muss
> ihn auf jeden Fall zurückziehen und wieder unter die
> Herrschaft des Selbst bringen.
> ERLÄUTERUNG
> Der Geist ist von Natur aus flackernd und unstet. Ein
> 
> selbstverwirklichter yogi jedoch muss den Geist
> beherrschen; der Geist sollte nicht ihn beherrschen. Wer
> den Geist beherrscht (und damit auch die Sinne), wird
> gosvami oder svami genannt, und wer vom Geist beherrscht
> wird, wird godasa oder Diener der Sinne genannt. Ein
> gosvami kennt den Standard von Sinnenfreude.
> Transzendentale Sinnenfreude erfährt man, wenn die Sinne
> im Dienste Hrsikesas (Krsnas), des Höchsten Besitzers der
> Sinne, beschäftigt sind. Krsna mit gereinigten Sinnen zu
> dienen wird Krsna-Bewusstsein genannt. Das ist der Weg,
> die Sinne völlig zu beherrschen. Gibt es darüber hinaus
> noch etwas, was die höchste Vollkommenheit der
> yoga-Praxis ist?
> 
> VERS 27
> Der yogi, dessen Geist fest auf Mich gerichtet ist,
> erreicht das höchste Glück. Kraft seiner Identität mit
> dem Brahman ist er befreit; sein Geist ist friedvoll;
> seine Leidenschaften sind zur Ruhe gekommen, und er
> ist befreit von Sünde.
> ERLÄUTERUNG
> Brahma-bhuta ist der Zustand, in dem man von materieller
> Verunreinigung frei ist und bei dem man im
> transzendentalen Dienst des Herrn verankert ist. Mad
> bhaktim labhate param (Bg. 18.54). Man kann die
> Eigenschaften des Brahman, des Absoluten, nicht
> beibehalten, solange der Geist nicht fest auf die Lotosfüße
> des Herrn gerichtet ist. Immer im transzendentalen
> liebevollen Dienst des Herrn beschäftigt zu sein, das heisst
> im Krsna-Bewusstsein zu bleiben, bedeutet, dass man von
> der Erscheinungsweise der Leidenschaft und aller
> materiellen Verunreinigung tatsächlich befreit ist.
> 
> VERS 28
> Fest verankert im Selbst und befreit von aller
> materiellen Verunreinigung, erreicht der yogi, der mit
> dem Höchsten Bewusstsein in Berührung ist, die am
> höchsten vervollkommnete Stufe des Glücks.
> ERLÄUTERUNG
> Selbsterkenntnis bedeutet, seine wesensgemäße Stellung in
> Beziehung zum Höchsten zu kennen. Die individuelle Seele
> ist ein winziger Bestandteil des Höchsten, und es ist ihre
> Position, dem Herrn transzendentalen Dienst zu leisten.
> Dieser transzendentale Kontakt mit dem Höchsten wird
> brahma-samsparsa genannt.
> 
> VERS 29
> Ein wahrer yogi sieht Mich in allen Wesen und sieht
> auch jedes Wesen in Mir. Wahrlich, die
> selbstverwirklichte Seele sieht Mich überall.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Krsna-Bewusster yogi hat die vollkommene Sicht, da er
> Krsna, den Höchsten, im Herzen eines jeden als Überseele
> (Paramatma) sieht. Der Herr in Seinem Paramatma-Aspekt
> befindet Sich sowohl im Herzen eines Hundes als auch im
> Herzen eines brahmana. Der vollkommene yogi weiß, dass
> der Herr ewig transzendental ist und durch Seine
> Gegenwart in einem Hund oder einem brahmana nicht von
> der Materie berührt wird. Dies ist die höchste Neutralität
> des Herrn. Auch die individuelle Seele befindet sich im
> individuellen Herzen, aber sie ist nicht in allen Herzen
> gegenwärtig. Das ist der Unterschied zwischen der
> individuellen Seele und der Überseele. Jemand, der nicht
> tatsächlich in der Praxis des yoga bewandert ist, hat keine
> so klare Sicht. Ein Krsna-Bewusster Mensch kann Krsna
> sowohl im Herzen eines Gläubigen als auch im Herzen
> eines Ungläubigen sehen. In der smrti wird dies wie folgt
> bestätigt: atatatvac ca matrtvad atma hi paramo harih.
> Weil der Herr der Ursprung aller Wesen ist, ist Er wie die
> Mutter und der Erhalter. Wie die Mutter all ihren
> verschiedenen Kindern gegenüber neutral ist, so ist es auch
> der Höchste Vater bzw. die Höchste Mutter. Folglich ist die
> Überseele in jedem Lebewesen immer gegenwärtig. Auch
> nach außen hin befindet sich jedes Lebewesen in der
> Energie des Herrn. Wie im Siebten Kapitel erklärt werden
> wird, hat der Herr hauptsächlich zwei Energien - die
> spirituelle (oder höhere) und die materielle (oder niedere)
> Energie. Obwohl das Lebewesen ein Teil der höheren
> Energie ist, wird es von der niederen Energie bedingt; das
> Lebewesen befindet sich jedoch immer in der Energie des
> Herrn. Jedes Lebewesen befindet sich auf die eine oder
> andere Weise in Ihm. Der yogi sieht alle Lebewesen mit
> gleichen Augen, denn er sieht, dass sie unter allen
> Umständen Diener Gottes bleiben, wenngleich sie sich je
> nach den Ergebnissen ihrer fruchtbringenden Arbeit in
> verschiedenen Situationen befinden. Während sich das
> Lebewesen in der materiellen Energie aufhält, dient es den
> materiellen Sinnen, und wenn es sich in der spirituellen
> Energie befindet, dient es dem Höchsten Herrn direkt. In
> beiden Fällen aber ist das Lebewesen der Diener Gottes.
> Diese Sicht der Gleichheit findet in einem Menschen im
> Krsna-Bewusstsein ihre Vollkommenheit.
> 
> VERS 30
> Für jemand, der Mich überall sieht und alles in Mir
> sieht, bin Ich niemals verloren; noch ist er jemals
> verloren für Mich.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Mensch im Krsna-Bewusstsein sieht Sri Krsna gewiß
> überall, und er sieht alles in Krsna. Es mag erscheinen, als
> sehe ein solcher Mensch alle gesonderten Manifestationen
> der materiellen Natur, doch in jedem Fall ist er sich Krsnas
> Bewusst, da er weiß, dass alles die Manifestation von Krsnas
> Energie ist. Nichts kann ohne Krsna existieren, und Krsna
> ist der Herr aller Dinge - dies ist das Grundprinzip des
> Krsna-Bewusstseins. Krsna-Bewusstsein ist die Entwicklung
> von Liebe zu Krsna - eine Position, die selbst zu
> materieller Befreiung transzendental ist. Es ist die Stufe
> jenseits von Selbstverwirklichung, auf der der Gottgeweihte
> mit Krsna in dem Sinne eins wird, dass Krsna alles für den
> Gottgeweihten wird und der Gottgeweihte mit Liebe zu
> Krsna erfüllt wird. Dann besteht eine enge Beziehung
> zwischen dem Herrn und dem Gottgeweihten. Auf dieser
> Stufe erlangt das Lebewesen seine Unsterblichkeit. Die
> Persönlichkeit Gottes verschwindet niemals aus den Augen
> des Gottgeweihten. Mit Krsna zu verschmelzen bedeutet
> spirituelle Vernichtung. Ein Gottgeweihter nimmt ein
> solches Risiko nicht auf sich. In der Brahma-saàhita (5.38)
> heisst es:
> "Ich verehre den urersten Herrn, Govinda, der immer von
> dem Gottgeweihten gesehen wird, dessen Augen mit dem
> Balsam der Liebe gesalbt sind. Er wird in Seiner ewigen
> Gestalt des Syamasundara gesehen, die im Herzen der
> Gottgeweihten weilt."
> Auf dieser Stufe verschwindet Sri Krsna niemals aus den
> Augen des Gottgeweihten, noch verliert der Gottgeweihte
> den Herrn jemals aus den Augen. Das gleiche gilt für einen
> yogi, der den Herrn als Paramatma in seinem Herzen sieht.
> Solch ein yogi wird zu einem reinen Gottgeweihten und
> kann es nicht ertragen, auch nur einen Augenblick zu leben,
> ohne den Herrn in seinem Innern zu sehen.
> 
> VERS 31
> Ein yogi, der weiß, dass Ich und die Überseele in allen
> Geschöpfen eins sind, verehrt Mich und bleibt unter
> allen Umständen immer in Mir.
> ERLÄUTERUNG
> Ein yogi, der über die Überseele meditiert, sieht in seinem
> Innern die vollständige Erweiterung Krsnas - Visnu -
> mit vier Händen, die Muschelhorn, Rad, Keule und Lotos
> halten. Der yogi sollte wissen, dass Visnu von Krsna nicht
> verschieden ist. Krsna ist in dieser Form der Überseele in
> jedem Herzen anwesend. Auch gibt es keinen Unterschied
> zwischen den unzähligen Überseelen, die in den unzähligen
> Herzen der Lebewesen gegenwärtig sind. Auch besteht kein
> Unterschied zwischen einem Krsna-Bewussten Menschen,
> der ständig im transzendentalen liebevollen Dienst Krsnas
> beschäftigt ist, und einem vollkommenen yogi, der über die
> Überseele meditiert. Der yogi im Krsna-Bewusstsein bleibt
> immer in Krsna verankert, obwohl er im materiellen Dasein
> mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten beschäftigt sein
> mag. Das wird von Srila Rupa Rupa Gosvami im
> Bhakti-rasamrta-sindhu wie folgt bestätigt: nikhilesu
> avasthasu jivanmukta sa ucyate. "Ein Gottgeweihter, der
> stets im Krsna-Bewusstsein handelt, ist von selbst befreit."
> Im Narada-paNcaratra wird dies so bestätigt:
> "Indem man seine Aufmerksamkeit auf die transzendentale
> Gestalt Krsnas richtet, der alldurchdringend ist und Sich
> jenseits von Raum und Zeit befindet, versinkt man in
> Gedanken an Krsna und erreicht den glücklichen Zustand
> transzendentaler Gemeinschaft mit Ihm."
> Krsna-Bewusstsein ist die höchste Stufe der Trance im
> yoga. Eben dieses Verständnis, dass Krsna als Paramatma
> im Herzen eines jeden anwesend ist, macht den yogi
> fehlerlos. Die Veden bestätigen diese unvorstellbare Kraft
> des Herrn wie folgt:
> "Visnu ist eins, und dennoch ist Er alldurchdringend. Durch
> Seine unvorstellbare Kraft ist Er trotz Seiner einen Form
> überall gegenwärtig. Wie die Sonne erscheint Er an vielen
> Orten gleichzeitig."
> 
> VERS 32
> O Arjuna, ein vollkommener yogi ist, wer durch
> Vergleich mit seinem eigenen Selbst die wahre
> Gleichheit aller Wesen sieht - sowohl in ihrem Glück
> als auch in ihrem Leid.
> ERLÄUTERUNG
> Wer Krsna-Bewusst ist, ist ein vollkommener yogi; aufgrund
> seiner eigenen Erfahrung ist er sich des Glücks und Leids
> eines jeden Bewusst. Die Ursache für das Leid eines
> Lebewesens liegt im Vergessen seiner Beziehung zu Gott.
> Und die Ursache für sein Glück liegt im Wissen, dass Krsna
> der höchste Genießer aller Tätigkeiten des Menschen ist.
> Krsna ist der Besitzer aller Länder und Planeten. Der
> vollkommene yogi ist der aufrichtigste Freund aller
> Lebewesen. Er weiß, dass das Lebewesen, das durch die
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur bedingt ist, den
> dreifachen materiellen Leiden unterworfen ist, weil es seine
> Beziehung zu Krsna vergessen hat. Weil ein Mensch im
> Krsna-Bewusstsein glücklich ist, versucht er, das Wissen
> von Krsna überall zu verbreiten. Weil der vollkommene
> yogi die Wichtigkeit, Krsna-Bewusst zu werden, zu
> verbreiten sucht, ist er der größte Menschenfreund auf der
> Welt, und er ist der liebste Diener des Herrn. Mit anderen Worten:
> Ein Gottgeweihter sorgt sich immer um das Wohl aller
> Lebewesen, und daher ist er der wirkliche Freund eines
> jeden. Er ist der beste yogi, denn er strebt nicht nach
> Vollkommenheit im yoga, um seinen eigenen Nutzen
> daraus zu ziehen, sondern versucht, auch anderen zu helfen.
> Er mißachtet seine Mitlebewesen nicht. Hierdurch
> unterscheidet sich ein reiner Gottgeweihter von einem yogi,
> der nur an seinem eigenen Fortschritt interessiert ist. Der
> yogi, der sich an einen einsamen Ort zurückgezogen hat,
> um in vollendeter Weise zu meditieren, kann nicht so
> vollkommen sein wie ein Gottgeweihter, der sein Bestes
> versucht, um jeden Menschen zum Krsna-Bewusstsein zu
> bringen.
> 
> VERS 33
> Arjuna sagte: O Madhusudana, das yoga-System, das
> Du zusammengefasst hast, erscheint mir
> undurchführbar und unerträglich, denn der Geist ist
> ruhelos und unstet.
> ERLÄUTERUNG
> Das System der Mystik, das Sri Krsna Arjuna beschrieb,
> angefangen mit den Worten sucau dese bis zu den Worten
> yogi paramah, wird hier von Arjuna aus einem Gefühl der
> Unfähigkeit heraus abgelehnt. Im gegenwärtigen Zeitalter
> des Kali ist es einem gewöhnlichen Menschen nicht
> möglich, sein Heim zu verlassen und sich an einen
> einsamen Ort in den Bergen oder im Dschungel
> zurückzuziehen, um dort yoga zu praktizieren. Das
> gegenwärtige Zeitalter ist durch einen erbitterten Kampf
> um ein kurzes Leben gekennzeichnet. Den Menschen ist es
> nicht einmal mit Selbstverwirklichung durch einfache,
> praktische Mittel ernst, geschweige denn durch dieses
> schwierige yoga-System, das die Lebensgewohnheiten, die
> Art zu sitzen, die Lage des Ortes und die Loslösung des
> Geistes von materiellen Betätigungen regelt. Obwohl
> Arjuna viele hervorragende Fähigkeiten besaß, erschien es
> ihm, als praktisch denkendem Menschen, unmöglich,
> diesem yoga-System zu folgen. Er gehörte zur königlichen
> Familie und nahm dank zahlreicher guter Eigenschaften
> eine hohe Stellung ein. Er war ein großer Krieger, er hatte
> ein langes Leben zu erwarten, und vor allem war er der
> vertrauteste Freund Sri Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes. Vor fünftausend Jahren hatte Arjuna also viel
> bessere Voraussetzungen als wir heute, und dennoch
> weigerte er sich, dieses yoga-System zu akzeptieren. Ja, wir
> finden nirgendwo in der Geschichte einen Hinweis darauf,
> dass Arjuna dieses System jemals praktiziert hat. Deshalb
> muss man davon ausgehen, dass es im Zeitalter des Kali im
> allgemeinen unmöglich ist, nach diesem yoga-System zu
> leben. Natürlich mag es für einige sehr wenige, seltene
> Menschen möglich sein, doch für die Masse der Menschen
> ist es ein unmögliches Unterfangen. Wenn das vor fünftausend
> Jahren so war, wie soll es dann heute möglich sein?
> Diejenigen, die dieses yoga-System in verschiedenen
> sogenannten Schulen und Gesellschaften imitieren,
> verschwenden - obwohl sie mit sich selbst zufrieden sind
> - nur ihre Zeit. Sie befinden sich in völliger Unwissenheit,
> was das eigentliche Ziel anbelangt.
> 
> VERS 34
> Der Geist ist ruhelos, stürmisch, widerspenstig und sehr
> stark, o Krsna, und ihn zu bezwingen erscheint mir
> schwieriger, als den Wind zu beherrschen.
> ERLÄUTERUNG
> Der Geist ist so stark und widerspenstig, dass er manchmal
> die Intelligenz überwältigt, obwohl er eigentlich der
> Intelligenz untergeordnet sein sollte. Für einen Menschen
> im Alltagsleben, der gegen so viele Widerstände zu
> kämpfen hat, ist es zweifellos sehr schwierig, den Geist zu
> beherrschen. Künstlich mag man zwar eine geistige
> Ausgeglichenheit gegenüber Freund und Feind entwickeln,
> doch letzten Endes ist dies keinem weltlichen Menschen
> möglich, da es schwieriger ist, als den stürmenden Wind zu
> beherrschen. In den vedischen Schriften wird gesagt:
> "Das Individuum ist der Reisende im Wagen des
> materiellen Körpers, und die Intelligenz ist der Fahrer. Der
> Geist ist der Zügel, und die Sinne sind die Pferde. Das
> Selbst ist in Verbindung mit dem Geist und den Sinnen
> entweder der Genießende oder der Leidende. So sehen es
> die großen Denker."
> Die Intelligenz sollte dem Geist eigentlich Anweisungen
> geben, aber der Geist ist so stark und widerspenstig, dass er
> die Intelligenz oft überwältigt. Da der Geist so stark ist,
> sollte er durch yoga beherrscht werden, doch wenn solcher
> yoga für einen weltlichen Menschen wie Arjuna nicht
> praktisch ist, wie sollte er es dann für den modernen
> Menschen sein? Der in diesem Vers gebrauchte Vergleich
> ist sehr zutreffend: Man kann den Wind nicht einfangen.
> Und noch schwieriger ist es, den stürmischen Geist zu
> beherrschen. Der einfachste Weg, den Geist zu
> beherrschen, ist, wie von Sri Krsna Caitanya empfohlen
> wurde, das demütige Chanten von Hare Krsna, dem großen
> mantra der Befreiung. Die vorgeschriebene Methode lautet:
> sa vai manah Krsna-padaravindayoh. Man muss seinen
> Geist völlig in Krsna versenken. Nur dann wird es keine
> anderen Beschäftigungen geben, die den Geist aufwühlen
> können.
> 
> VERS 35
> Der Segenspendende Herr sprach: O starkarmiger Sohn
> Kuntis, es ist ohne Zweifel sehr schwierig, den ruhelosen
> Geist zu zügeln, doch durch ständige Übung und durch
> Loslösung ist es möglich.
> ERLÄUTERUNG
> Dass es schwierig ist, den widerspenstigen Geist zu
> bändigen, wird von der Persönlichkeit Gottes eingeräumt.
> Gleichzeitig aber weist der Herr darauf hin, dass es durch
> Praxis und Loslösung möglich ist. Worin besteht nun diese
> Praxis? Im gegenwärtigen Zeitalter kann niemand solch
> strenge Regeln und Regulierungen einhalten, wie sich an
> einem heiligen Ort niedersetzen, den Geist auf die
> Überseele richten, die Sinne und den Geist zügeln, im
> Zölibat leben, allein bleiben usw. Durch die Praxis des
> Krsna-Bewusstseins jedoch beschäftigt man sich in neun
> Arten des hingebungsvollen Dienstes für den Herrn. Die
> erste und wichtigste solch hingebungsvoller Betätigungen
> ist das Hören über Krsna. Das ist eine sehr mächtige
> transzendentale Methode, den Geist von allem Schlechten
> zu reinigen. Je mehr man über Krsna hört, desto mehr wird
> man erleuchtet und löst sich von allem, was den Geist von
> Krsna fortzieht. Indem man den Geist von Tätigkeiten löst,
> die nicht dem Herrn geweiht sind, kann man sehr leicht
> vairagya erlernen. Vairagya bedeutet Loslösung von der
> Materie und die Beschäftigung des Geistes auf der
> spirituellen Ebene. Unpersönliche spirituelle Loslösung ist
> schwieriger als die Anhaftung des Geistes an die Taten
> Krsnas. Das ist praktisch, denn wenn man über Krsna hört,
> entwickelt man von selbst Anhaftung an das Höchste
> Spirituelle Wesen. Diese Anhaftung nennt man
> pareèanubhuti oder spirituelle Befriedigung. Sie gleicht
> dem Gefühl der Befriedigung, das ein Hungriger bei jedem
> Bissen empfindet, den er zu sich nimmt.
> In ähnlicher Weise empfindet man bei der Ausübung
> hingebungsvollen Dienstes in dem Maße transzendentale
> Befriedigung, wie der Geist von materiellen Objekten gel
> öst wird. Es ist so, als heile man eine Krankheit durch
> fachkundige Behandlung und geeignete Diät. Über die
> transzendentalen Taten Sri Krsnas zu hören ist die fachkundige
> Behandlung für den verrückten Geist, und
> Nahrung zu essen, die Krsna geopfert wurde, ist die
> geeignete Diät für den leidenden Patienten. Diese
> Behandlung ist der Vorgang des Krsna-Bewusstseins.
> 
> VERS 36
> Für einen Menschen mit ungezügeltem Geist ist
> Selbstverwirklichung ein schwieriges Unterfangen.
> Demjenigen aber, dessen Geist beherrscht ist und der
> sich mit rechten Mitteln bemüht, ist der Erfolg sicher.
> Das ist Meine Meinung.
> ERLÄUTERUNG
> Die Höchste Persönlichkeit Gottes erklärt, dass jemand, der
> nicht die richtige Behandlung akzeptiert, den Geist von
> materieller Betätigung zu lösen, schwerlich Erfolg in der
> Selbstverwirklichung erreichen kann. Der Versuch, yoga zu
> praktizieren, während man gleichzeitig den Geist mit
> materiellem Genuss beschäftigt, ist mit dem Versuch zu
> vergleichen, Feuer zu entzünden, während man Wasser
> darauf gießt. In ähnlicher Weise ist auch yoga ohne
> Beherrschung des Geistes nur Zeitverschwendung. Solch
> eine yoga-Show mag zwar materiell gesehen
> gewinnbringend sein, doch ist sie nutzlos, was spirituelle
> Verwirklichung betrifft. Daher muss der Geist beherrscht
> werden, indem man ihn ständig im transzendentalen
> liebevollen Dienst des Herrn beschäftigt. Solange man nicht
> im Krsna-Bewusstsein tätig ist, kann man den Geist nicht
> auf lange Sicht beherrschen. Ein Krsna-Bewusster Mensch
> erreicht leicht das Ergebnis von yoga, ohne eine gesonderte
> Anstrengung machen zu müssen; doch jemand, der yoga
> praktiziert, kann nicht erfolgreich sein, ohne Krsna-Bewusst
> zu werden.
> 
> VERS 37
> Arjuna sagte: Was ist das Schicksal eines Gläubigen,
> der nicht standhaft ist - der den Pfad der
> Selbstverwirklichung zwar aufnimmt, doch ihn später
> aufgrund seiner Weltzugewandtheit wieder verläßt und
> daher die Vollkommenheit der Mystik nicht erreicht?
> ERLÄUTERUNG
> Der Pfad der Selbstverwirklichung oder Mystik wird in der
> Bhagavad-Gita beschrieben. Das Grundprinzip von
> Selbstverwirklichung ist die Erkenntnis, dass das
> Lebewesen nicht der materielle Körper, sondern
> verschieden davon ist und dass sein Glück in ewigem
> Leben, ewiger Glückseligkeit und ewigem Wissen liegt, das
> heisst auf der transzendentalen Ebene, jenseits von Körper
> und Geist. Nach Selbstverwirklichung sucht man durch den
> Pfad der Erkenntnis, durch das achtfache yoga-System oder
> durch bhakti-yoga. Bei jedem dieser Vorgänge muss man
> die wesensgemäße Stellung des Lebewesens erkennen,
> seine Beziehung zu Gott und die Tätigkeiten, durch die
> man die verlorene Verbindung wiederherstellen und die am
> höchsten vervollkommnete Stufe des Krsna-Bewusstseins
> erreichen kann. Wenn man einer der obenerwähnten drei
> Methoden folgt, ist es sicher, dass man früher oder später
> das höchste Ziel erreicht. Dies wurde vom Herrn im
> Zweiten Kapitel versichert: Schon eine kleine Bemühung
> auf dem transzendentalen Pfad bietet die Aussicht auf
> Befreiung. Von diesen drei Methoden ist der Pfad des
> bhakti-yoga für dieses Zeitalter besonders geeignet, da er
> die unmittelbarste Methode der Gotteserkenntnis ist. Um
> doppelt sicher zu gehen, bittet Arjuna Sri Krsna, Seine
> frühere Aussage noch einmal zu bestätigen. Man mag zwar
> den Pfad der Selbstverwirklichung aufrichtig beschreiten,
> doch ist es in diesem Zeitalter im allgemeinen sehr
> schwierig, Wissen zu kultivieren oder das achtfache
> yoga-System zu praktizieren.
> Deshalb mag man, trotz ständiger Bemühung, aus vielen
> Gründen scheitern. Als erstes mag man dem Vorgang nicht
> folgen. Dem transzendentalen Pfad zu folgen bedeutet mehr
> oder weniger, der illusionierenden Energie den Krieg zu
> erklären. Wann immer daher jemand versucht, den Klauen
> der illusionierenden Energie zu entkommen, versucht diese,
> ihn durch vielfache Verlockungen zu Fall zu bringen. Eine
> bedingte Seele ist durch die Erscheinungsweisen der
> materiellen Energie bereits betört und es besteht, selbst
> wenn man transzendentale Tätigkeiten ausführt, jederzeit
> die Möglichkeit, erneut bezaubert zu werden. Das nennt
> man yogat calita-manasah oder Abweichung vom
> transzendentalen Pfad. Arjuna fragt nach den Folgen, die
> entstehen, wenn man vom Pfad der Selbstverwirklichung
> abweicht.
> 
> VERS 38
> O starkarmiger Krsna, vergeht ein solcher Mensch, der
> vom Pfad der Transzendenz abgewichen ist, nicht wie
> eine zerrissene Wolke - ohne Halt in irgendeiner
> Sphäre?
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt zwei Wege, Fortschritt zu machen. Diejenigen, die
> Materialisten sind, haben kein Interesse an der
> Transzendenz; deshalb sind sie mehr daran interessiert,
> durch wirtschaftliche Entwicklung materiellen Fortschritt
> zu machen oder durch geeignete Werke zu höheren
> Planeten erhoben zu werden. Wenn man den Pfad der
> Transzendenz beschreiten will, muss man mit allen
> materiellen Tätigkeiten aufhören und auf alle Arten
> sogenannten materiellen Glücks verzichten. Wenn der
> strebende Transzendentalist scheitert, sind ihm
> offensichtlich beide Wege versperrt; mit anderen Worten,
> er kann weder materielles Glück noch spirituellen Erfolg
> genießen. Er steht nirgendwo; er gleicht einer zerrissenen
> Wolke. Eine Wolke löst sich manchmal von einer kleinen
> Wolke und verbindet sich mit einer großen. Doch wenn sie
> sich nicht mit einer großen verbinden kann, wird sie vom
> Wind fortgeblasen und verliert sich am weiten Himmel.
> Der brahmanah pathi ist ein Pfad transzendentaler
> Verwirklichung durch die Erkenntnis, dass man in der
> Essenz spirituell und ein winziger Bestandteil des Höchsten
> ist, der als Brahman, Paramatma und Bhagavan manifestiert
> ist. Sri Krsna ist die vollständige Manifestation der
> Höchsten Absoluten Wahrheit, und deshalb ist jemand, der
> der Höchsten Person ergeben ist, ein erfolgreicher
> Transzendentalist. Um dieses Ziel des Lebens durch
> Brahman- und Paramatma-Erkenntnis zu erreichen, sind
> viele, viele Geburten notwendig: Deshalb ist bhakti-yoga 
> oder Krsna-Bewusstsein die höchste transzendentale 
> Verwirklichung - es ist die direkte Methode.
> 
> VERS 39
> Das ist mein Zweifel, o Krsna, und ich bitte Dich, ihn
> völlig zu beseitigen. Außer Dir gibt es niemanden, der
> diesen Zweifel zerstören kann.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna hat vollkommenes Wissen von Vergangenheit,
> Gegenwart und Zukunft. Am Anfang der Bhagavad-Gita
> sagte der Herr, dass alle Lebewesen in der Vergangenheit
> als Individuen existierten, dass sie jetzt in der Gegenwart
> existieren und dass sie ihre individuelle Identität auch in der
> Zukunft - selbst nach der Befreiung aus der materiellen
> Verstrickung - behalten würden. Der Herr hat also die
> Frage nach der Zukunft des individuellen Lebewesens
> bereits geklärt. Jetzt möchte Arjuna wissen, wie die
> Zukunft für den erfolglosen Transzendentalisten aussieht.
> Niemand kommt Krsna gleich oder übertrifft Ihn, und auch
> die sogenannten Weisen und Philosophen, die von der
> Barmherzigkeit der materiellen Natur abhängen, können
> Ihm gewiß nicht gleichkommen. Deshalb sind Krsnas
> Worte die endgültige und vollständige Antwort auf alle
> Zweifel, denn Er kennt Vergangenheit, Gegenwart und
> Zukunft vollkommen - doch niemand kennt Ihn. Nur
> Krsna und Krsna-Bewusste Gottgeweihte können wissen,
> was was ist.
> 
> VERS 40
> Der Segenspendende Herr sprach: O Sohn Prthas, ein
> Transzendentalist, der glückbringenden Tätigkeiten
> nachgeht, wird weder in dieser noch in der spirituellen
> Welt vergehen; wer Gutes tut, Mein Freund, wird
> niemals vom Schlechten besiegt.
> ERLÄUTERUNG
> Im Srimad-Bhagavatam (1.5.17) gibt Sri Narada Muni
> seinem Schüler Srila Rupa Vyasadeva folgende Unterweisung:
> "Wenn jemand alle materiellen Erwartungen aufgibt und
> 
> völlige Zuflucht sucht bei der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes, gibt es für ihn weder Verlust noch Erniedrigung.
> Auf der anderen Seite mag ein Nichtgottgeweihter seinen
> tätigkeitsgemäßen Pflichten voll nachkommen und dennoch
> nichts gewinnen."
> Es gibt viele Tätigkeiten, die sowohl von den Schriften als
> auch von der Tradition vorgeschrieben werden, doch ein
> Transzendentalist sollte alle materiellen Tätigkeiten
> aufgeben, um spirituellen Fortschritt im Leben zu machen,
> das heisst um Krsna-Bewusstsein zu entwickeln. Man mag
> einwenden, dass man durch Krsna-Bewusstsein die höchste
> Vollkommenheit nur erreichen könne, wenn man es
> vollende, dass man aber sowohl in materieller als auch in
> spiritueller Hinsicht verliere, wenn man diese Stufe nicht
> erreiche. In den Schriften heisst es, dass man die Reaktionen
> erleiden müsse, wenn man seine vorgeschriebenen
> Pflichten nicht erfülle; wer es daher versäume,
> transzendentale Tätigkeiten in rechter Weise auszuführen,
> sei diesen Reaktionen ausgesetzt. Das Bhagavatam
> versichert dem erfolglosen Transzendentalisten, dass er
> nichts zu befürchten hat. Selbst wenn er den Reaktionen
> ausgesetzt sein mag, die auf unvollkommen ausgeführte
> vorgeschriebene Pflichten folgen, ist er dennoch kein
> Verlierer, denn das glückspendende Krsna-Bewusstsein ist
> niemals vergessen, und jemand, der einmal in dieser Weise
> tätig war, wird damit fortfahren, selbst wenn er im nächsten
> Leben in einer niedrigen Familie geboren wird. Wer aber,
> auf der anderen Seite, nur streng den vorgeschriebenen
> Pflichten folgt, braucht nicht unbedingt glückbringende
> Ergebnisse zu erreichen, wenn es ihm an Krsna-Bewusstsein
> mangelt.
> Die Bedeutung mag wie folgt verstanden werden: Die
> Menschen können in zwei Gruppen unterteilt werden,
> nämlich die regulierten und die unregulierten. Diejenigen,
> die nur, wie die Tiere, ihre Sinne befriedigen, ohne von
> ihrem nächsten Leben und spiritueller Erlösung zu wissen,
> gehören zu den unregulierten Menschen. Im Gegensatz
> dazu werden diejenigen, die den Prinzipien der in den
> Schriften vorgeschriebenen Pflichten folgen, zu den
> regulierten Menschen gezählt. Die unregulierten Menschen
> - zivilisierte und unzivilisierte, gebildete und ungebildete,
> starke und schwache - sind voller tierischer Neigungen.
> Ihre Tätigkeiten sind niemals glückbringend, denn weil sie
> die tierischen Neigungen, wie Essen, Schlafen,
> Sichverteidigen und Sexualität, genießen, bleiben sie
> fortwährend im materiellen Dasein, das immer leidvoll ist.
> Auf der anderen Seite machen diejenigen, die durch die
> Unterweisungen der Schriften reguliert sind und sich auf
> diese Weise allmählich zum Krsna-Bewusstsein erheben,
> Fortschritte im Leben.
> Diejenigen, die dem glückverheißenden Pfad folgen,
> können in drei Gruppen gegliedert werden: 1) diejenigen,
> die den Regeln und Regulierungen der Schriften folgen und
> daher materiellen Wohlstand genießen, 2) diejenigen, die
> die endgültige Befreiung vom materiellen Dasein suchen
> und 3) diejenigen, die Geweihte im Krsna-Bewusstsein sind.
> Diejenigen, die den Regeln und Regulierungen der
> Schriften folgen, um materielles Glück zu erlangen, können
> weiter in zwei Gruppen eingeteilt werden: in die
> fruchtbringenden Arbeiter und diejenigen, die nach keiner
> Frucht für Sinnenbefriedigung begehren. Jene Menschen,
> die nach fruchtbringenden Ergebnissen für
> Sinnenbefriedigung streben, mögen zu einer höheren
> Lebensstufe - selbst zu höheren Planeten - erhoben
> werden, aber dennoch folgen sie, weil sie vom materiellen
> Dasein nicht frei sind, nicht dem wahrhaft glückbringenden
> Pfad. Die einzig glückbringenden Tätigkeiten sind solche,
> die einen zur Befreiung führen. Jede Tätigkeit, die nicht auf
> endgültige Selbstverwirklichung oder Befreiung von der
> materiellen, körperlichen Auffassung vom Leben hinzielt,
> ist in keiner Weise glückbringend. Tätigkeit im
> Krsna-Bewusstsein ist die einzige glückbringende Tätigkeit,
> und jeder, der freiwillig alle körperlichen
> Unbequemlichkeiten auf sich nimmt, um auf dem Pfad des
> Krsna-Bewusstseins fortzuschreiten, kann als vollkommener
> Transzendentalist unter schwerer tapasya bezeichnet
> werden. Und weil das achtfache yoga-System auf die
> endgültige Verwirklichung des Krsna-Bewusstseins
> gerichtet ist, ist solche Praxis ebenfalls glückbringend, und
> niemand, der dabei sein Bestes versucht, muss Erniedrigung
> befürchten.
> 
> VERS 41
> Nach vielen, vielen Jahren des Genusses auf den
> Planeten der frommen Lebewesen wird der gescheiterte
> yogi in einer Familie rechtschaffener Menschen oder in
> einer reichen, aristokratischen Familie geboren.
> ERLÄUTERUNG
> Die gescheiterten yogis werden in zwei Gruppen unterteilt:
> der eine ist nach sehr geringem Fortschritt zu Fall
> gekommen, und der andere ist gefallen, nachdem er lange
> Zeit yoga praktiziert hat. Der yogi, der nach einer kurzen
> Zeit des Praktizierens fällt, geht zu den höheren Planeten,
> zu denen fromme Lebewesen Zutritt haben. Nachdem er
> dort ein langes Leben verbracht hat, wird er wieder zur
> Erde zurückgeschickt, um in der Familie eines
> rechtschaffenen brahmana, Vaisnava oder in der Familie
> aristokratischer Kaußeute geboren zu werden.
> Das wirkliche Ziel des yoga besteht darin, die höchste
> Vollkommenheit des Krsna-Bewusstseins zu erlangen. Aber
> denen, die nicht durchhalten und aufgrund materieller
> Verlockungen scheitern, ist es durch die Gnade des Herrn
> erlaubt, vollen Gebrauch von ihren materiellen Neigungen
> zu machen. Und danach wird ihnen die Möglichkeit
> gegeben, ein wohlhabendes Leben in einer rechtschaffenen
> oder aristokratischen Familie zu führen. Diejenigen, die in
> solchen Familien geboren werden, können die Möglichkeit
> nutzen und versuchen, sich zur Stufe vollkommenen Krsna-
> Bewusstseins zu erheben.
> 
> VERS 42
> Oder er wird in einer Familie von Transzendentalisten
> geboren, die gewiss von großer Weisheit sind. Wahrlich,
> solch eine Geburt ist sehr selten in dieser Welt.
> ERLÄUTERUNG
> Die Geburt in einer Familie von yogis oder
> Transzendentalisten - die mit großer Weisheit begabt sind
> - wird hier gepriesen, weil das Kind, das in einer solchen
> Familie geboren wird, gleich vom Beginn seines Lebens an
> spirituellen Antrieb bekommt. Das ist besonders bei den
> acarya- oder gosvami-Familien der Fall. Solche Familien
> sind durch Tradition und Übung sehr gelehrt und
> hingegeben, und so werden sie spirituelle Meister. In Indien
> gibt es viele solche acarya-Familien, doch aufgrund
> unzureichender Bildung und Übung sind sie heute
> degeneriert. Durch die Gnade des Herrn gibt es jedoch
> immer noch Familien, die Generation für Generation
> Transzendentalisten hervorbringen. Es ist zweifellos ein
> großes Glück, in solchen Familien geboren zu werden.
> Glücklicherweise hatten sowohl unser spiritueller Meister,
> Om Visnupada Sri Srimad Bhaktisiddhanta Sarasvati
> Gosvami Maharaja, als auch unsere Wenigkeit durch die
> Gnade des Herrn die Gelegenheit, in solchen Familien
> geboren zu werden, und beide wurden wir von
> Kindesbeinen an im hingebungsvollen Dienst des Herrn
> geschult. Später trafen wir uns auf Anordnung des
> Höchsten.
> 
> VERS 43
> O Sohn Kurus, wenn er in einer solchen Familie
> geboren wird, erweckt er das göttliche Bewusstsein
> seines vorheriges Lebens wieder und versucht, weiteren
> Fortschritt zu machen, um vollständigen Erfolg zu
> erreichen.
> ERLÄUTERUNG
> König Bharata, der bei seiner dritten Geburt in der Familie
> eines guten brahmana geboren wurde, ist ein Beispiel guter
> Geburt, um früheres transzendentales Bewusstsein
> wiederzubeleben. König Bharata war der Kaiser der Welt,
> und seit seiner Zeit ist dieser Planet unter den Halbgöttern
> als Bharatavarsa bekannt. Früher war er als Ilavartavarsa
> bekannt. Der Kaiser zog sich schon in jungen Jahren
> zurück, um spirituelle Vollkommenheit zu erlangen, hatte
> jedoch keinen Erfolg. In seinem nächsten Leben wurde er
> in der Familie eines guten brahmana geboren, und weil er
> sich immer absonderte und mit niemandem sprach, war er
> als Jada Bharata bekannt. Später entdeckte König
> Rahugana, dass er der größte Transzendentalist war. An
> seinem Leben wird deutlich, dass transzendentale
> Bemühungen oder das Praktizieren von yoga niemals
> vergebens ist. Durch die Gnade des Herrn bekommt der
> Transzendentalist wiederholte Gelegenheiten, die höchste
> Vollkommenheit im Krsna-Bewusstsein zu erreichen.
> 
> VERS 44
> Kraft des göttlichen Bewusstseins seines vorherigen
> Lebens fühlt er sich von selbst - sogar ohne danach zu
> streben - zu den Prinzipien des yoga hingezogen. Ein
> solcher wissbegieriger Transzendentalist, der sich um
> yoga bemüht, steht immer über den rituellen Prinzipien
> der Schriften.
> ERLÄUTERUNG
> Fortgeschrittene yogis verspüren keine große Anziehung zu
> den Ritualen der Schriften, doch fühlen sie sich von selbst
> zu den Prinzipien des yoga hingezogen, die sie zu
> vollkommenem Krsna-Bewusstsein, der höchsten
> Vollkommenheit des yoga, erheben können. Im Srimad
> Bhagavatam (3.33.7) wird solche Gleichgültigkeit
> fortgeschrittener Transzendentalisten vedischen Ritualen
> gegenüber wie folgt erklärt:
> "O mein Herr! Menschen, die die Heiligen Namen Deiner
> Herrschaft chanten, sind im spirituellen Leben weit, weit
> fortgeschritten - selbst wenn sie in Familien von
> Hundeessern geboren wurden. Solche Chanter haben
> zweifellos alle möglichen Arten von tapasya und Opfern
> auf sich genommen, an allen heiligen Orten gebadet und
> das Studium aller Schriften abgeschlossen."
> Das berühmte Beispiel hierfür gab Sri Krsna Caitanya, der
> 
> Thakura Haridasa als einen Seiner wichtigsten Schüler
> annahm. Obwohl Thakura Haridasa in einer
> Moslem-Familie geboren war, wurde er von Sri Krsna
> Caitanya zum namacarya erhoben, da er streng den
> Grundsatz einhielt, jeden Tag dreihunderttausend Heilige
> Namen des Herrn zu chanten: Hare Krsna, Hare Krsna,
> Krsna Krsna, Hare Hare/ Hare Rama, Hare Rama, Rama
> Rama, Hare Hare. Und weil er den Heiligen Namen des
> Herrn ständig chantete, kann man folgern, dass er in seinem
> vorangegangenen Leben alle rituellen Methoden der Veden,
> die als sabda-brahma bekannt sind, praktiziert haben
> musste. Solange man daher nicht geläutert ist, kann man
> sich weder dem Prinzip des Krsna-Bewusstseins zuwenden
> noch dem Chanten des Heiligen Namens des Herrn, Hare
> Krsna.
> 
> VERS 45
> Wenn sich der yogi jedoch ernsthaft bemüht, weiteren
> Fortschritt zu machen, und von allen Verunreinigungen
> reingewaschen ist, erreicht er schließlich, nach vielen,
> vielen Geburten der Vorbereitung, das höchste Ziel.
> ERLÄUTERUNG
> Jemand, der in einer besonders rechtschaffenen,
> aristokratischen oder geheiligten Familie geboren ist, wird
> sich der günstigen Lage Bewusst, in der er sich befindet, um
> yoga zu praktizieren. Mit Entschlossenheit widmet er sich
> daher wieder der unbeendeten Aufgabe und reinigt sich auf
> diese Weise vollständig von allen materiellen
> Verunreinigungen. Wenn er schließlich frei ist von allen
> Unreinheiten, erreicht er die höchste Vollkommenheit -
> Krsna-Bewusstsein. Krsna-Bewusstsein ist die vollkommene
> Stufe, auf der man von allen Verunreinigungen frei ist. Das
> wird in der Bhagavad-Gita (7.28) bestätigt:
> "Wenn man nach vielen, vielen Leben, in denen man
> fromme Werke getan hat, von allen Verunreinigungen und
> illusionierenden Dualitäten völlig frei ist, wird man im
> transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn beschäftigt."
> 
> VERS 46
> Ein yogi ist größer als der Asket, größer als der
> Empiriker und größer als der fruchtbringende Arbeiter.
> Deshalb, o Arjuna, sei unter allen Umständen ein yogi.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn wir von yoga sprechen, so meinen wir damit den
> Vorgang, durch den unser Bewusstsein mit der Höchsten
> Absoluten Wahrheit verbunden wird. Ein solcher Vorgang
> wird von verschiedenen Menschen, die ihn ausführen,
> entsprechend der Methode, die sie angenommen haben,
> unterschiedlich benannt. Wenn der Verbindungsvorgang
> vorwiegend aus fruchtbringenden Tätigkeiten besteht, wird
> er karma-yoga genannt; ist er vorwiegend empirisch, nennt
> man ihn jnana-yoga, und wenn er vorwiegend in einer
> hingebungsvollen Beziehung zum Höchsten Herrn besteht,
> wird er als bhakti-yoga bezeichnet. Bhakti-yoga bzw.
> Krsna-Bewusstsein ist die höchste Vollkommenheit aller
> yogas, wie im nächsten Vers erklärt werden wird. Der Herr
> hat hier zwar die Überlegenheit des yoga erklärt, aber Er
> hat nicht gesagt, dass es besser sei als bhakti-yoga.
> Bhakti-yoga ist vollkommenes spirituelles Wissen und kann
> daher von nichts übertroffen werden. Askese ohne
> Selbsterkenntnis ist unvollkommen; empirisches Wissen
> ohne Hingabe an den Höchsten Herrn ist ebenfalls
> unvollkommen, und fruchtbringende Arbeit ohne
> Krsna-Bewusstsein ist Zeitverschwendung. Die am höchsten
> gepriesene Form der yoga-Praxis, die hier erwähnt wird, ist
> bhakti-yoga, und dies wird noch deutlicher im nächsten
> Vers erklärt.
> 
> VERS 47
> Von allen yogis ist der am engsten mit Mir in yoga
> vereint, der mit starkem Glauben immer in Mir weilt
> und Mich im transzendentalen liebevollen Dienst
> verehrt, und er ist der höchste von allen.
> ERLÄUTERUNG
> Das Wort bhajate ist hier von Bedeutung. Bhajate hat seine
> Wurzel in dem Verb bhaj, das verwendet wird, wenn
> Dienst gemeint ist. Das Wort "verehren" kann nicht im
> gleichen Sinn wie bhaja gebraucht werden. Verehren
> bedeutet bewundern oder einem, der es Wert ist, Achtung
> und Ehre zu erweisen. Aber Dienst mit Liebe und Glauben
> ist besonders für die Höchste Persönlichkeit Gottes
> bestimmt. Man kann es vermeiden, einen achtbaren Mann
> oder einen Halbgott zu verehren, und mag als unhöflich
> bezeichnet werden, aber man kann den Dienst für den
> Höchsten Herrn nicht vermeiden, ohne mit Nachdruck
> verdammt zu sein. Jedes Lebewesen ist ein winziges
> Bestandteil der Höchsten Persönlichkeit Gottes, und daher
> ist jedes Lebewesen dafür bestimmt, dem Höchsten Herrn
> seiner Veranlagung gemäß zu dienen. Wenn das
> Lebewesen dies unterlässt, fällt es ins materielle Dasein
> herunter. Das Bhagavatam bestätigt dies wie folgt:
> "Jeder, der keinen Dienst leistet und seine Pflicht
> gegenüber dem Urersten Herrn, der die Quelle aller
> Lebewesen ist, vernachlässigt, wird mit Sicherheit von
> seiner wesensgemäßen Stellung fallen."
> In diesem Vers wird das Wort bhajanti ebenfalls gebraucht.
> Folglich ist das Wort bhajanti nur auf den Höchsten Herrn
> zutreffend, wohingegen das Wort "verehren" bei
> Halbgöttern oder auch bei anderen gewöhnlichen
> Lebewesen verwendet werden kann. Das Wort avajananti,
> das in diesem Vers des SrimadBhagavatams vorkommt,
> findet man auch in der Bhagavad-Gita: avajananti maà
> muÅhaÉ: "Nur die Toren und Halunken verspotten die
> Höchste Persönlichkeit Gottes Sri Krsna." Solche Toren
> maßen sich an, Kommentare zur Bhagavad-Gita zu
> schreiben, ohne dem Herrn gegenüber eine dienende
> Haltung einzunehmen. Folglich können sie zwischen dem
> Wort bhajanti und dem Wort "verehren" nicht richtig unterscheiden.
> Alle Arten von yoga-Praktiken gipfeln in bhakti-yoga. Alle
> anderen yogas sind nichts weiter als Mittel, um zum Punkt
> der bhakti im bhakti-yoga zu kommen. Yoga bedeutet
> eigentlich bhakti-yoga. Alle anderen yogas sind Schritte auf
> dem Weg zum Ziel des bhakti-yoga. Vom Beginn des
> karma-yoga bis zum Ende des bhakti-yoga ist es ein langer
> Weg der Selbstverwirklichung. Karma-yoga, ohne
> fruchtbringende Ergebnisse, ist der Anfang dieses Pfades.
> Wenn karma-yoga an Wissen und Entsagung zunimmt,
> nennt man diese Stufe jnana-yoga. Wenn sich jnana-yoga
> zur Meditaion über die Überseele durch verschiedene
> körperliche Vorgänge steigert und der Geist auf die
> Überseele gerichtet ist, wird dies asnaâga-yoga genannt.
> Und wenn man über astanga-yoga hinausgeht und zum
> Punkt der Höchsten Persönlichkeit Gottes gelangt, wird
> dies als bhakti-yoga oder der Gipfel bezeichnet. Tatsächlich
> ist bhakti-yoga das endgültige Ziel, doch um bhakti-yoga
> genau zu analysieren, muss man diese anderen yogas
> verstehen. Der yogi, der Fortschritte macht, befindet sich
> daher auf dem wahren Pfad des ewigen Glücks. Wer an
> einem bestimmten Punkt stehen bleibt und nicht weiter
> fortschreitet, wird dementsprechend karma-yogi,
> jnana-yogi oder dhyana-yogi, raja-yogi, hanha-yogi usw.
> genannt. Wenn jemand das Glück hat, zu bhakti-yoga zu
> kommen, kann man verstehen, dass er alle anderen yogas
> hinter sich gelassen hat. Krsna-Bewusst zu werden ist daher
> die höchste Stufe des yoga, geradeso, wie in Bezug auf die
> Himalayas, das höchste Gebirge der Welt, der Mount
> Everest als der höchste Gipfel angesehen wird.
> Durch großes Glück gelangt man auf dem Pfad des
> bhakti-yoga zum Krsna-Bewusstsein, um der vedischen
> Weisung gemäß eine gute Stellung einzunehmen. Der
> ideale yogi richtet seine Aufmerksamkeit auf Krsna, der
> Syamasundara genannt wird, der so schön gefärbt ist wie
> eine Wolke, dessen lotosgleiches Antlitz wie die Sonne
> strahlt, dessen Gewand von Juwelen funkelt und dessen
> Körper mit Blumen bekränzt ist. Seine prachtvolle
> Ausstrahlung, brahmajyoti genannt, erleuchtet alle
> Himmelsrichtungen. Er inkarniert Sich in verschiedenen
> Formen, wie Rama, Nrsimha, Varaha und Krsna, die
> Höchste Persönlichkeit Gottes, und Er kommt zu uns wie
> ein menschliches Wesen, als der Sohn Mutter Yasodas, und
> ist als Krsna, Govinda und Vasudeva bekannt. Er ist das
> vollkommene Kind, der vollkommene Ehemann, der
> vollkommene Freund und Meister, und Er birgt alle
> Reichtümer und alle transzendentalen Eigenschaften in
> Sich. Wenn man sich dieser Merkmale des Herrn voll
> Bewusst bleibt, wird man als der höchste yogi bezeichnet.
> Wie in allen vedischen Schriften bestätigt wird, kann diese
> Stufe höchster Vollkommenheit im yoga nur durch
> bhakti-yoga erreicht werden:
> "Nur jenen großen Seelen, die uneingeschränkten Glauben
> an den Herrn und den spirituellen Meister haben, wird die
> ganze Bedeutung des vedischen Wissens von selbst
> offenbart."
> "Bhakti bedeutet hingebungsvoller Dienst für
> den Herrn, frei von dem Wunsch nach materiellem Gewinn,
> sowohl in diesem als auch im nächsten Leben. Frei von
> solchen Neigungen, sollte man den Geist völlig in den
> Höchsten versenken. Das ist der Zweck von naiskarmya."
> Dies sind einige der Mittel, um bhakti (Krsna-Bewusstsein),
> die am höchsten vervollkommnete Stufe des yoga-Systems,
> zu praktizieren.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Sechsten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem Titel:
> "Dhyana-yoga".
>
> — *06-Dhyana-yoga*

