# DREIZEHNTES KAPITEL

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> DREIZEHNTES KAPITEL
> Natur, Genießer und Bewusstsein
> 
> VERS 1-2
> Arjuna sagte: O mein lieber Krsna, ich möchte prakçti
> [die Natur], purusa [den Genießer], das Feld, den
> Kenner des Feldes, Wissen und das Ziel des Wissens
> verstehen.
> Darauf sprach der Segenspendende Herr: Den Körper,
> o Sohn Kuntis, nennt man das Feld, und wer den
> Körper kennt, wird als der Kenner des Feldes
> bezeichnet.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna war begierig, etwas über prakçti (die Natur), purusa
> (den Genießer), ksetra (das Feld), ksetrajna (den Kenner
> des Feldes), Wissen und das Ziel des Wissens zu erfahren.
> Als er nach all diesen Dingen fragte, sagte Krsna, dass der
> Körper das Feld sei, und derjenige, der dieses Feld kenne,
> werde Kenner des Feldes genannt. Der Körper ist das
> Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Die bedingte Seele ist
> im materiellen Dasein gefangen, und sie versucht, sich die
> materielle Natur untertan zu machen. Folglich bekommt
> sie, je nach ihrer Fähigkeit, die materielle Natur zu
> beherrschen, ein entsprechendes Tätigkeitsfeld. Dieses
> Tätigkeitsfeld ist der Körper. Und was ist der Körper? Der
> Körper besteht aus Sinnen. Die bedingte Seele möchte die
> Befriedigung dieser Sinne genießen, und je nach ihrem
> Vermögen, die Sinne zu genießen, wird ihr ein Körper oder
> Tätigkeitsfeld gegeben. Deshalb nennt man den Körper
> ksetra oder das Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Jemand
> nun, der sich nicht mit dem Körper identifiziert, wird als
> ksetrajna oder der Kenner des Feldes bezeichnet. Es ist
> nicht sehr schwer, den Unterschied zwischen dem Feld und
> seinem Kenner, das heißt zwischen dem Körper und dem
> Kenner des Körpers, zu verstehen. Jeder kann verstehen,
> dass er von der Kindheit bis zum Alter fortwährend
> körperlichen Wandlungen unterworfen ist und dennoch die
> gleiche Person bleibt. Es besteht also ein Unterschied
> zwischen dem Kenner des Tätigkeitsfeldes und dem
> Tätigkeitsfeld an sich. Eine lebendige bedingte Seele kann
> daher verstehen, dass sie vom Körper verschieden ist. Zu
> Beginn der Bhagavad-Gita wurde gesagt: dehe 'smin. Das
> Lebewesen befindet sich im Körper, und der Körper
> verändert sich von Kindheit zu Knabenzeit, von Knabenzeit
> zu Jugend und von Jugend zu Alter, und die Person, die den
> Körper besitzt, weiß, dass sich der Körper verändert. Der
> Eigentümer ist eindeutig ksetrajna (der Kenner des Feldes).
> Manchmal können wir verstehen: Ich bin glücklich; ich bin
> verrückt; ich bin eine Frau; ich bin ein Hund; ich bin eine
> Katze; wir sind die Kenner; doch der Kenner ist vom Feld
> verschieden. Obwohl wir viele Gegenstände gebrauchen,
> wie zum Beispiel unsere Kleider, wissen wir, dass wir von
> den Dingen, die wir benutzen, verschieden sind. In
> ähnlicher Weise können wir mit ein wenig Überlegung
> auch verstehen, dass wir vom Körper verschieden sind.
> In den ersten sechs Kapiteln der Bhagavad-Gita werden der
> Kenner des Körpers, das Lebewesen, und die Haltung,
> durch die es den Höchsten Herrn verstehen kann,
> beschrieben. In den mittleren sechs Kapiteln der Gita
> werden die Höchste Persönlichkeit Gottes und die
> Beziehung zwischen der individuellen Seele und der Überseele
> hinsichtlich des hingebungsvollen Dienstes
> beschrieben. In diesen Kapiteln werden die übergeordnete
> Stellung der Höchsten Persönlichkeit Gottes und die untergeordnete
> Stellung der individuellen Seele eindeutig
> definiert. Die Lebewesen sind unter allen Umständen
> untergeordnet, doch weil sie diese Tatsache vergessen
> haben, leiden sie. Wenn sie durch fromme Werke erleuchtet
> sind, wenden sie sich dem Herrn ihren verschiedenen
> Stellungen entsprechend zu: als Leidende, als diejenigen,
> denen es an Geld mangelt, als Neugierige und als die, die
> auf der Suche nach Wissen sind. Das wurde ebenfalls
> beschrieben. Vom Dreizehnten Kapitel an wird nun erklärt,
> wie das Lebewesen mit der materiellen Natur in Berührung
> kommt und auf welche Weise es vom Höchsten Herrn
> durch die verschiedenen Methoden des fruchtbringenden
> Tuns, der Kultivierung von Wissen und der Ausführung
> hingebungsvollen Dienstes befreit wird. Obwohl das
> Lebewesen vom materiellen Körper völlig verschieden ist,
> wird es irgendwie mit diesem verbunden. Auch das wird erklärt.
> 
> VERS 3
> O Nachkomme Bharatas, du solltest verstehen, dass Ich
> ebenfalls der Kenner in allen Körpern bin, und den
> Körper und seinen Besitzer zu kennen wird als Wissen
> bezeichnet. Das ist Meine Ansicht.
> ERLÄUTERUNG
> Während wir den Körper und den Besitzer des Körpers, die
> Seele und die Überseele erörtern, werden wir drei
> verschiedene Studienobjekte finden: den Herrn, das
> Lebewesen und die Materie. In jedem Tätigkeitsfeld, das
> heißt in jedem Körper, gibt es zwei Seelen: die individuelle
> Seele und die Überseele. Weil die Überseele eine vollständige 
> Erweiterung der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
> Krsnas, ist, sagt Krsna:
> "Ich bin ebenfalls der Kenner, doch bin Ich nicht der
> individuelle Besitzer des Körpers. Ich bin der höchste
> Kenner. Ich bin in jedem Körper als Paramatma oder Überseele
> gegenwärtig."
> Wer das Thema vom Tätigkeitsfeld und dem Kenner des
> Feldes sehr eingehend im Sinne der Bhagavad-Gita studiert,
> kann Wissen erlangen. Der Herr sagt: "Ich bin der Kenner
> des Tätigkeitsfeldes in jedem individuellen Körper." Das
> Individuum mag seinen eigenen Körper kennen, doch ist es
> sich nicht anderer Körper bewusst. Die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, die als Überseele in allen Körpern
> anwesend ist, weiß alles über alle Körper. Der Herr kennt
> all die verschiedenen Körper aller verschiedenen
> Lebensformen. Ein Bürger kennt vielleicht sein eigenes
> Stück Land, doch der König kennt nicht nur seinen Palast,
> sondern auch alle Ländereien, die die einzelnen Bürger
> besitzen. In ähnlicher Weise mag man der Besitzer seines
> eigenen Körpers sein, doch der Herr ist der Besitzer aller
> Körper. Der König ist der ursprüngliche Besitzer des
> Königreichs, und der Bürger ist der zweitrangige Besitzer.
> In ähnlicher Weise ist der Höchste Herr der höchste
> Besitzer aller Körper.
> Der Körper besteht aus den Sinnen. Der Höchste Herr ist
> Hrsikesa, was soviel bedeutet wie "Lenker der Sinne". Er
> ist der ursprüngliche Lenker der Sinne, ebenso wie der
> König der ursprüngliche Lenker aller Tätigkeiten des
> Staates ist; die Bürger sind zweitrangige Lenker. Der Herr
> sagt auch: "Ich bin ebenfalls der Kenner." Dies bedeutet,
> dass Er der höchste Kenner ist; die individuelle Seele kennt
> nur ihren jeweiligen Körper. In den vedischen Schriften
> heißt es:
> Der Körper wird ksetra genannt, und in ihm weilen der
> Besitzer des Körpers und der Höchste Herr, der sowohl den
> Körper als auch den Besitzer des Körpers kennt. Deshalb
> wird Er der Kenner aller Felder genannt. Der Unterschied
> zwischen dem Tätigkeitsfeld, dem Besitzer der Tätigkeiten
> und dem höchsten Besitzer der Tätigkeiten wird wie folgt
> beschrieben: Vollkommenes Wissen von der
> Beschaffenheit des Körpers, der Beschaffenheit der
> individuellen Seele und der Beschaffenheit der Überseele
> ist in den vedischen Schriften als jnanam bekannt. Das ist
> Krsnas Ansicht. Die Seele und die Überseele als eins und
> doch verschieden zu verstehen ist Wissen. Wer das
> Tätigkeitsfeld und den Kenner der Tätigkeit nicht versteht,
> verfügt über kein vollkommenes Wissen. Man muss die
> Position von prakçti (der Natur), purusa (dem Genießer der
> Natur) und Öèvara (dem Kenner), der die Natur und die
> individuellen Seelen beherrscht, verstehen. Man sollte diese
> drei in ihren verschiedenen Eigenschaften und Kräften
> nicht miteinander verwechseln. Man sollte den Maler, das
> Gemälde und die Staffelei nicht durcheinanderbringen. Die
> materielle Welt, die das Feld der Tätigkeiten ist, ist die
> Natur; der Genießer der Natur ist das Lebewesen, und über
> beiden steht der höchste Lenker, die Persönlichkeit Gottes.
> In der vedischen Literatur heißt es: bhokta bhogyaà
> preritaraà ca matva sarvaà proktaà trividhaà brahmam
> etat. Es gibt drei Auffassungen vom Brahman: prakçti ist
> Brahman als das Feld der Tätigkeiten; jiva (die individuelle
> Seele) ist auch Brahman und versucht, die materielle Natur
> zu beherrschen, und der Lenker beider ist ebenfalls
> Brahman, aber Er ist der eigentliche Herrscher.
> In diesem Kapitel wird auch erklärt werden, dass von den
> beiden Kennern der eine fehlbar und der andere unfehlbar
> ist. Einer ist übergeordnet, und der andere ist
> untergeordnet. Wer glaubt, die beiden Kenner des Feldes
> seien ein und derselbe, widerspricht dem Herrn, der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes, der hier sehr klar sagt: "Ich
> bin ebenfalls der Kenner des Tätigkeitsfeldes." Wer ein Seil
> fälschlich für eine Schlange hält, hat kein Wissen. Es gibt
> verschiedene Arten von Körpern, und es gibt verschiedene
> Besitzer der Körper. Weil jede individuelle Seele ihre
> individuelle Fähigkeit hat, über die materielle Natur zu
> herrschen, gibt es unterschiedliche Körper. Aber der
> Höchste ist auch in ihnen als der Lenker gegenwärtig. Das
> Wort ca ist hier von Bedeutung, da es auf die Gesamtzahl
> aller Körper hinweist. Das ist die Ansicht Srila Rupa Baladeva
> Vidyabhusanas. Krsna ist die Überseele, die in jedem
> einzelnen Körper neben der individuellen Seele weilt. Und
> Krsna sagt hier ausdrücklich, dass die Überseele sowohl das
> 
> Tätigkeitsfeld als auch den begrenzten Genießer lenkt.
> 
> VERS 4
> Der Herr beschreibt hier das Tätigkeitsfeld und den Kenner
> des Tätigkeitsfeldes in ihren wesensgemäßen Positionen.
> Man muss wissen, wie der Körper beschaffen ist, aus
> welchen Materialien der Körper besteht, unter wessen
> Kontrolle der Körper arbeitet, wie die Veränderungen
> auftreten, woher diese Veränderungen kommen, was die
> Ursachen sind, was die Gründe sind, was das Endziel des
> Individuums ist und was die eigentliche Form der
> individuellen Seele ist. Man sollte ebenfalls den
> Unterschied zwischen der individuellen lebendigen Seele
> und der Überseele, ihre verschiedenen Einflüsse, ihre
> Potentiale usw. kennen. Man braucht nur die BhagavadGita
> nach der Beschreibung der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes zu verstehen, und all diese Punkte werden geklärt
> sein. Man sollte jedoch darauf achten, die Höchste Persönlichkeit 
> Gottes in jedem Körper und jeder individuellen
> Seele nicht für den jiva zu halten. Das würde bedeuten, den
> Mächtigen mit dem Machtlosen gleichzusetzen.
> VERS 5
> Dieses Wissen vom Tätigkeitsfeld und dem Kenner der
> Tätigkeiten wird von verschiedenen Weisen in
> verschiedenen vedischen Schriften beschrieben -
> besonders im Vedanta-sutra -, und es wird mit aller
> Beweisführung in Bezug auf Ursache und Wirkung
> präsentiert.
> ERLÄUTERUNG
> Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, ist die höchste
> Autorität, wenn es darum geht, dieses Wissen zu erklären.
> Selbstverständlich ist es unter erfahrenen Gelehrten und
> maßgebenden Autoritäten immer noch üblich, stets
> vorangegangene Autoritäten als Beweis anzuführen, und so
> erklärt Krsna diesen äußerst umstrittenen Punkt - die
> Dualität und Nichtdualität der Seele und der Überseele -,
> indem Er Sich auf Schriften wie das Vedanta-sutra bezieht,
> die als Autorität anerkannt sind. Als erstes sagt Er, dass
> dieses Wissen mit den Lehren verschiedener Weiser
> übereinstimmt. Außer Ihm Selbst ist auch Vyasadeva, der
> Verfasser des Vedanta-sutra, ein großer Weiser, und im
> Vedanta-sutra wird Dualität in vollendeter Form erklärt.
> Auch Vyasadevas Vater, Parasara, war ein großer Weiser,
> der in seinen Büchern über Religiosität unter anderem
> schreibt: aham tvaà ca athanye ... "Wir - du, ich und die
> verschiedenen anderen Lebewesen - sind alle
> transzendental, obwohl wir uns in materiellen Körpern
> befinden. Jetzt sind wir, je nach unserem karma, in die
> Bahnen der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
> gefallen, und so befinden sich einige auf höheren Ebenen
> und andere in der niederen Natur. Die höheren und
> niederen Naturen existieren aufgrund von Unwissenheit
> und werden in einer unbegrenzten Anzahl von Lebewesen
> sichtbar. Die Überseele aber, die unfehlbar ist, wird von
> den drei Eigenschaften der Natur nicht verunreinigt - Sie
> ist transzendental."
> Auch in den ursprünglichen Veden, besonders in der
> Katha-Upanisad, wird zwischen der Seele, der Überseele
> und dem Körper unterschieden.
> Es gibt eine Manifestation der Energie des Herrn,
> annamaya genannt, durch die man einfach von Nahrung
> abhängig ist, um zu leben. Das ist eine materialistische
> Erkenntnis des Höchsten. Dann gibt es pranamaya, was
> bedeutet, dass man, nachdem man die Höchste Absolute
> Wahrheit in der Nahrung erkannt hat, die Absolute
> Wahrheit in den Lebenssymptomen oder in den
> Lebensformen wahrnehmen kann. Auf der Stufe der
> jnanamaya entwickelt sich das Lebenssymptom bis hin
> zum Denken, Fühlen und Wollen. Dann folgt
> Brahman-Erkenntnis und die als vijnanamaya bekannte
> Erkenntnis, durch die der Geist und die Lebenssymptome
> des Lebewesens vom Lebewesen selbst unterschieden
> werden. Die nächste und höchste Stufe ist anandamaya, die
> Erkenntnis der allglückseligen Natur. Es gibt also fünf
> Stufen der Brahman-Erkenntnis, die man brahma-puccham
> nennt. Von diesen bilden die ersten drei-annamaya,
> pranamaya und jnanamaya - die Tätigkeitsfelder der
> Lebewesen. Transzendental zu all diesen Tätigkeitsfeldern
> steht der Höchste Herr, der anandamaya genannt wird.
> Auch im Vedanta-sutra wird der Höchste als anandamayo
> 'bhyasat bezeichnet. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit
> Gottes, ist von Natur aus voller Freude, und um Seine
> transzendentale Glückseligkeit zu genießen, erweitert Er
> Sich in vijnanamaya, pranamaya, jnanamaya und
> annamaya. In diesem Tätigkeitsfeld gilt das Lebewesen als
> der Genießer, und verschieden von ihm ist der anandamaya.
> Dies bedeutet, dass das Lebewesen vollkommen
> wird, wenn es sich entschließt, in Verbindung mit dem
> anandamaya zu genießen. Das ist das wahre Bild vom
> Höchsten Herrn als höchstem Kenner des Feldes, vom
> Lebewesen als untergeordnetem Kenner und von der Natur
> des Tätigkeitsfeldes.
> 
> VERS 6-7
> Die fünf Hauptelemente, falsches Ego, Intelligenz, das
> Unmanifestierte, die zehn Sinne, der Geist, die fünf
> Sinnesobjekte, Verlangen, Hass, Glück, Leid, die
> Gesamtheit, die Lebenssymptome und Überzeugungen
> - all diese werden, zusammengenommen, als das
> Tätigkeitsfeld und seine Wechselwirkungen angesehen.
> ERLÄUTERUNG
> Nach allen autoritativen Aussagen der großen Weisen, der
> vedischen Hymnen und der Aphorismen des Vedanta-sutra
> sind die Hauptbestandteile dieser Welt Erde, Wasser, Feuer,
> Luft und Äther. Dies sind die fünf wesentlichen Elemente
> (maha-bhuta). Als nächstes folgen falsches Ego, Intelligenz
> und der unmanifestierte Zustand der drei
> Erscheinungsweisen der Natur. Weiter gibt es fünf Sinne,
> um Wissen zu erwerben: Augen, Ohren, Nase, Zunge und
> Tastsinn; außerdem fünf Arbeitssinne: Stimme, Beine,
> Hände, Anus und Genitalien, und dann, über den Sinnen,
> den Geist, der sich im Innern befindet und deshalb auch als
> der innere Sinn bezeichnet werden kann. Mit dem Geist
> gibt es also insgesamt elf Sinne. Auch gibt es noch fünf
> Objekte der Sinne: Form, Klang, Geruch, Geschmack und
> Wärme. Die Gesamtheit dieser vierundzwanzig Elemente
> wird als das Tätigkeitsfeld bezeichnet. Wenn man ein
> analytisches Studium dieser vierundzwanzig Elemente
> vornimmt, kann man das Tätigkeitsfeld sehr gut verstehen.
> Weiter gibt es Verlangen, Hass, Freude und Schmerz, die
> Wechselwirkungen und Repräsentationen der fünf großen
> Elemente im groben Körper sind. Die Lebenssymptome,
> die von Bewusstsein und Überzeugung repräsentiert werden,
> sind die Manifestationen des feinstofflichen Körpers -
> Geist, Ego und Intelligenz. Diese feinstofflichen Elemente
> sind im Tätigkeitsfeld enthalten.
> Die fünf Hauptelemente sind eine grobstoffliche
> Repräsentation des feinstofflichen falschen Egos. Sie sind
> eine Repräsentation in der materiellen Auffassung.
> Bewusstsein wird von der Intelligenz repräsentiert, deren
> unmanifestierte Stufe die drei Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur bilden. Die unmanifestierten drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur werden
> pradhana genannt. Wer die vierundzwanzig Elemente mit
> ihren Wechselwirkungen im einzelnen kennen möchte,
> sollte diese Philosophie eingehender studieren; in der
> Bhagavad-Gita wird nur eine Zusammenfassung gegeben.
> Der Körper ist die Repräsentation all dieser Faktoren, und
> es gibt sechs Veränderungen des Körpers: Er wird geboren,
> wächst, bleibt eine Zeitlang bestehen, erzeugt
> Nebenprodukte, beginnt dann zu zerfallen und vergeht
> schließlich. Deshalb ist das Tätigkeitsfeld eine
> nicht-dauerhafte, materielle Sache. Der ksetrajna jedoch,
> der Kenner des Feldes, sein Besitzer, ist von anderer Natur.
> 
> VERS 8-12
> Demut, Bescheidenheit, Gewaltlosigkeit, Duldsamkeit,
> Einfachheit, Aufsuchen eines echten spirituellen
> Meisters, Sauberkeit, Stetigkeit und Selbstbeherrschung;
> Entsagung der Objekte der Sinnenbefriedigung, Freisein 
> von falschem Ego und das
> Erkennen des Übels von Geburt, Tod, Alter und
> Krankheit; Nichtangehaftetsein an Kinder, Frau, Heim
> und dergleichen, Gleichmut inmitten erfreulicher und
> unerfreulicher Ereignisse, beständige und unverfälschte
> Hingabe an Mich, Sichzurückziehen an einsame Orte,
> Loslösung von der allgemeinen Masse der Menschen,
> Erkenntnis der Wichtigkeit der Selbstverwirklichung
> und die philosophische Suche nach der Absoluten
> Wahrheit - all diese Dinge erkläre Ich hiermit für
> Wissen, und alles, was dem widerspricht, ist
> Unwissenheit.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vorgang des Wissens wird manchmal von weniger
> intelligenten Menschen als die Wechselwirkung des
> Tätigkeitsfeldes missverstanden. Tatsächlich aber ist dies
> der echte Vorgang des Wissens. Wenn man diesen Vorgang
> annimmt, besteht die Möglichkeit, der Absoluten Wahrheit
> näherzukommen. Er ist nicht eine Wechselwirkung der
> zehnfachen Elemente, wie zuvor beschrieben wurde. Er ist
> eigentlich das Mittel, davon frei zu werden. Der wichtigste
> Aspekt des Wissens wird in der ersten Zeile des elften
> Verses erwähnt: Der Vorgang des Wissens gipfelt in
> unverfälschtem hingebungsvollem Dienst für den Herrn.
> Wenn man sich also dem transzendentalen Dienst des Herrn
> nicht zuwendet oder nicht dazu imstande ist, haben die
> anderen neunzehn Punkte keinen besonderen Wert. Doch
> wenn sich jemand dem hingebungsvollen Dienst in
> völligem Krsna-Bewusstsein zuwendet, entwickeln sich die
> restlichen neunzehn Eigenschaften von selbst in ihm. Das
> im achten Vers erwähnte Prinzip, einen spirituellen Meister
> anzunehmen, ist essentiell. Selbst für jemand, der sich dem
> hingebungsvollen Dienst zuwendet, ist es überaus wichtig.
> Transzendentales Leben beginnt, wenn man einen echten
> spirituellen Meister annimmt. Die Höchste Persönlichkeit
> Gottes, Sri Krsna, sagt hier eindeutig, dass dieser Vorgang
> des Wissens der richtige Pfad ist. Jede Spekulation, die
> davon abweicht, ist Unsinn.
> Das hier dargelegte Wissen kann wie folgt analysiert
> werden:
> Demut bedeutet, nicht danach zu streben, von anderen
> geehrt zu werden. Die materielle Auffassung vom Leben
> macht uns sehr begierig, von anderen Ehre zu empfangen;
> doch in den Augen eines Menschen mit vollkommenem
> Wissen - der weiß, dass er nicht der Körper ist - ist alles,
> was sich auf den Körper bezieht, ob Ehre oder Schmach,
> nutzlos. Man sollte nicht diesem materiellen Selbstbetrug
> nachjagen. Viele Leute sind sehr darauf aus, für ihre
> Religion berühmt zu werden, und so kann man manchmal
> beobachten, wie sich jemand, ohne die Prinzipien der
> Religion zu verstehen, einer Gruppe anschließt, die in
> Wirklichkeit keine religiösen Prinzipien befolgt, und sich
> dann als religiöser Lehrer aufspielen möchte. Um zu
> prüfen, wie weit man tatsächlich in der spirituellen
> Wissenschaft fortgeschritten ist, sollte man anhand dieser
> Gesichtspunkte urteilen.
> Unter Gewaltlosigkeit wird im allgemeinen verstanden, den
> Körper nicht zu töten oder zu zerstören; doch in
> Wirklichkeit bedeutet Gewaltlosigkeit, anderen kein Leid
> zuzufügen. Die meisten Menschen sind durch Unwissenheit
> in der materiellen Lebensauffassung gefangen und erleiden
> daher unaufhörlich materielle Qualen. Solange man also die
> Menschen nicht zu spirituellem Wissen erhebt, ist man
> gewalttätig. Man sollte sein Bestes versuchen, den
> Menschen wirkliches Wissen zu vermitteln, so dass sie
> erleuchtet werden und der materiellen Verstrickung
> entkommen können. Das ist Gewaltlosigkeit.
> Duldsamkeit bedeutet, es gelernt zu haben, Beleidigungen
> und Schmähungen seitens anderer zu ertragen. Wenn man
> sich bemüht, im spirituellen Wissen fortzuschreiten, wird
> man oft von anderen beleidigt und geschmäht. Das ist zu
> erwarten, weil die materielle Natur so beschaffen ist. Selbst
> ein Junge wie Prahlada, der schon mit fünf Jahren
> spirituelles Wissen kultivierte, geriet in Gefahr, als sein
> Vater seine Hingabe unterbinden wollte. Der Vater
> versuchte, ihn auf viele Arten zu töten, doch Prahlada ließ
> sich das von ihm gefallen. Es kann also viele Hindernisse
> geben, wenn man Fortschritte im spirituellen Wissen
> machen will, doch wir sollten Geduld haben und mit
> Entschlossenheit weiter vorwärtsschreiten.
> Einfachheit bedeutet, dass man ohne Diplomatie so
> aufrichtig sein sollte, dass man sogar einem Feind die reine
> Wahrheit offenbaren kann.
> Einen spirituellen Meister anzunehmen ist unbedingt
> 
> notwendig, 
> weil man ohne die Anweisungen eines echten
> spirituellen Meisters in der spirituellen Wissenschaft nicht
> fortschreiten kann. Man sollte sich dem spirituellen Meister
> in aller Demut nähern und ihm alle Dienste anbieten, so dass
> es ihm eine Freude sein wird, dem Schüler seine
> Segnungen zu erteilen. Wenn ein spiritueller Meister seinen
> Schüler segnet, macht der Schüler sogleich Fortschritte,
> ohne die regulierenden Prinzipien zu befolgen, denn ein
> echter spiritueller Meister ist ein Repräsentant Krsnas.
> Zumindest wird es einem Schüler, der dem spirituellen
> Meister vorbehaltlos gedient hat, leichter fallen, die
> regulierenden Prinzipien einzuhalten.
> Sauberheit ist unerlässlich, um im spirituellen Leben
> Fortschritte zu machen. Es gibt zwei Arten von Sauberheit:
> äußere und innere. Äußere Sauberkeit bedeutet, ein Bad zu
> nehmen, doch um innerlich sauber zu werden, muss man
> immer an Krsna denken und Hare Krsna, Hare Krsna,
> Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama
> Rama, Hare Hare chanten. Dieser Vorgang reinigt den
> Geist vom angesammelten Staub vergangenen karmas.
> Stetigkeit bedeutet, sehr entschlossen zu sein, Fortschritt im
> spirituellen Leben zu machen. Ohne solche
> Entschlossenheit kann man keinen spürbaren Fortschritt
> machen. Und Selbstbeherrschung bedeutet, nichts
> anzunehmen, was dem Pfad des spirituellen Fortschritts
> entgegensteht. Man sollte es sich zur Gewohnheit machen,
> alles abzulehnen, was gegen den Pfad spirituellen
> Fortschritts ist. Das ist wirkliche Entsagung. Die Sinne sind
> so stark, dass sie ständig nach Befriedigung begehren. Man
> sollte solchen Bedürfnissen, die nicht notwendig sind, nicht
> nachgeben. Die Sinne sollten nur befriedigt werden, um
> den Körper gesund zu halten, so dass man seine Pflicht, im
> 
> spirituellen Leben fortzuschreiten, erfüllen kann. Der
> wichtigste und zügelloseste aller Sinne ist die Zunge. Wenn
> man die Zunge beherrschen kann, ist es auch möglich, die
> anderen Sinne zu kontrollieren. Die Zunge hat die Aufgabe,
> zu schmecken und Klangschwingungen zu erzeugen;
> deshalb sollte die Zunge durch systematische Regulierung
> immer damit beschäftigt sein, die Reste von Krsna geopferten
> Speisen zu schmecken und Hare Krsna zu chanten.
> Was die Augen betrifft, so sollte ihnen nicht erlaubt
> werden, etwas anderes zu sehen als die schöne Gestalt
> Krsnas. Das wird die Augen beherrschen. In ähnlicher
> Weise sollten die Ohren damit beschäftigt werden, von
> Krsna zu hören, und die Nase sollte Krsna geopferte
> Blumen riechen. Das ist der Vorgang des hingebungsvollen
> Dienstes, und hieraus kann man ersehen, dass die
> Bhagavad-Gita nichts anderes darlegt als die Wissenschaft
> des hingebungsvollen Dienstes. Hingebungsvoller Dienst
> ist das einzige und hauptsächliche Ziel. Unintelligente
> Kommentatoren versuchen, den Geist des Lesers auf andere
> Dinge zu lenken, doch es gibt in der Bhagavad-Gita kein
> anderes Thema als hingebungsvollen Dienst.
> Falsches Ego bedeutet, den Körper für sich selbst zu halten.
> Wenn man versteht, dass man nicht der Körper, sondern
> spirituelle Seele ist, so ist das wahres Ego. Ego ist existent.
> Falsches Ego wird verurteilt, aber nicht das wahre Ego. In
> den vedischen Schriften wird gesagt: aham brahmasmi.
> "Ich bin Brahman, ich bin spirituelle Seele." Dieses "ich
> bin", dieses Gefühl des Selbst, existiert auch auf der
> befreiten Stufe der Selbstverwirklichung. Dieses Gefühl des
> "ich bin" ist das Ego, doch wenn dieses Gefühl des "ich
> bin" auf den falschen Körper gerichtet wird, ist es falsches
> Ego. Wenn das Gefühl des Selbst jedoch auf die Realität
> gerichtet wird, ist dies das wahre Ego. Einige Philosophen
> sagen, wir sollten unser Ego aufgeben, aber wir können
> unser Ego nicht aufgeben, denn Ego bedeutet Identität.
> Selbstverständlich sollten wir die falsche Identifizierung
> mit dem Körper aufgeben.
> Man sollte versuchen, das Leid zu verstehen, das darin
> besteht, Geburt, Tod, Alter und Krankheit ertragen zu
> müssen. Es gibt in den verschiedenen vedischen Schriften
> Beschreibungen der Geburt. Im Srimad-Bhagavatam finden
> wir eine anschauliche Beschreibung der Welt des
> Ungeborenen, das heißt, unter welchen Bedingungen das
> Kind im Mutterschoß lebt, wie es leidet, usw. Man sollte
> unbedingt verstehen, dass Geburt qualvoll ist. Weil wir
> vergessen haben, wie sehr wir im Schoß der Mutter gelitten
> haben, lösen wir nicht das Problem der Wiederholung von
> Geburt und Tod. In ähnlicher Weise gibt es zur Zeit des
> Todes vielerlei Leiden, die ebenfalls in den maßgebenden
> Schriften erwähnt werden. Diese Schriften sollten diskutiert
> werden. Und was Krankheit und Alter betrifft, so macht
> jeder die praktische Erfahrung davon. Niemand möchte
> krank sein, und niemand will alt werden, doch Krankheit
> und Alter sind unvermeidlich. Solange wir das
> materialistische Leben in Anbetracht der Leiden von
> Geburt, Alter, Krankheit und Tod nicht mit Pessimismus
> sehen, haben wir keinen Antrieb, im spirituellen Leben
> Fortschritt zu machen.
> Mit der Loslösung von Heim, Frau und Kindern ist nicht
> gemeint, dass man keine Gefühle für sie haben soll.
> Zuneigung zu ihnen ist natürlich, doch wenn sie für den
> spirituellen Fortschritt nicht förderlich sind, sollte man
> nicht an ihnen hängen. Der beste Vorgang, sein Heim
> angenehm zu gestalten, ist Krsna-Bewusstsein. Wenn
> jemand völlig im Krsna-Bewusstsein lebt, kann er in seinem
> Heim eine sehr glückliche Atmosphäre schaffen, denn
> dieser Vorgang des Krsna-Bewusstseins ist sehr einfach.
> Man braucht nur Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna,
> Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare
> Hare zu chanten, die Überreste von Speisen zu essen, die
> Krsna geopfert wurden, über Bücher wie die Bhagavad-Gita
> und das Srimad-Bhagavatam zu sprechen und die
> Bildgestalten Krsnas zu verehren. Diese vier Dinge werden
> einen glücklich machen. Man sollte die Mitglieder seiner
> Familie also in dieser Weise schulen. Die
> Familienangehörigen können sich morgens und abends
> zusammensetzen und gemeinsam Hare Krsna, Hare Krsna,
> Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama
> Rama, Hare Hare chanten. Wenn man sein Familienleben
> auf diese Weise gestalten kann, um Krsna-Bewusstsein zu
> entwickeln, indem man diesen vier Prinzipien folgt, ist es
> nicht notwendig, vom Familienleben zu einem Leben der
> Entsagung zu wechseln. Wenn es jedoch für den
> spirituellen Fortschritt nicht zuträglich oder förderlich ist,
> sollte das Familienleben aufgegeben werden. Man muss
> alles opfern, um Krsna zu erkennen oder zu dienen, genau
> wie Arjuna. Arjuna wollte seine Familienangehörigen nicht
> töten, aber als er verstand, dass diese Familienangehörigen
> Hindernisse für seine Erkenntnis Krsnas waren, nahm er
> Krsnas Anweisungen an, kämpfte gegen seine Verwandten
> und tötete sie. In jedem Fall sollte man vom Glück und
> Leid des Familienlebens losgelöst sein, denn in dieser Welt
> kann man niemals völlig glücklich oder völlig unglücklich
> sein. Glück und Leid sind untrennbare Faktoren des
> materiellen Lebens. Wie in der Bhagavad-Gita empfohlen
> wird, sollte man lernen, sie zu dulden. Da man dem
> Kommen und Gehen von Glück und Leid niemals Einhalt
> gebieten kann, sollte man sich von der materialistischen
> Lebensweise lösen und von selbst in beiden Fällen gleichmütig 
> bleiben. Gewöhnlich sind wir sehr glücklich, wenn
> wir etwas Erwünschtes bekommen, und wenn uns etwas
> Unerwünschtes widerfährt, sind wir unglücklich. Wenn wir
> jedoch tatsächlich auf der spirituellen Ebene verankert sind,
> werden uns diese Dinge nicht länger berühren. Um diese
> Stufe zu erreichen, müssen wir unabweichlichen,
> uneingeschränkten hingebungsvollen Dienst praktizieren;
> hingebungsvoller Dienst für Krsna ohne Abweichung
> bedeutet, sich in den neun Vorgängen des
> hingebungsvollen Dienstes, Chanten, Hören, Verehren,
> Ehrerbietungen erweisen usw., zu betätigen, wie im letzten
> Vers des Neunten Kapitels beschrieben wird. Diesem
> Vorgang sollte man folgen. Wenn man ein spirituelles
> Leben führt, wird man natürlicherweise nicht mehr mit
> materialistischen Menschen zusammensein wollen. Das
> würde einem zuwider sein. Man kann sich prüfen, indem
> man feststellt, inwieweit man geneigt ist, an einem
> einsamen Ort ohne unerwünschten Umgang zu leben.
> Natürlicherweise findet ein Gottgeweihter keinen
> Geschmack an unnötigem Sport, Kinobesuchen oder
> gesellschaftlichen Veranstaltungen, denn er versteht, dass
> diese Dinge nichts als Zeitverschwendung sind. Es gibt
> viele Forscher und Philosophen, die das sexuelle Verhalten
> oder irgendetwas anderes studieren, doch nach den Lehren
> der Bhagavad-Gita haben solche Forschungsarbeiten und
> philosophischen Spekulationen keinen Wert. All dies ist
> mehr oder weniger unsinnig. Der Bhagavad-Gita gemäß
> sollte man mit philosophischer Besonnenheit das Wesen
> der Seele erforschen. Man sollte forschen, um zu verstehen,
> was für das Selbst von Wichtigkeit ist. Das wird hier
> empfohlen.
> Was Selbstverwirklichung anbelangt, so heißt es hier klar,
> dass bhakti-yoga besonders geeignet ist. Sobald von
> Hingabe die Rede ist, muss man die Beziehung zwischen
> der Überseele und der individuellen Seele in Betracht
> ziehen. Die individuelle Seele und die Überseele können
> nicht eins sein - zumindest nicht in der
> bhakti-Auffassung, der hingebungsvollen Außassung vom
> Leben. Dieser Dienst der individuellen Seele für die
> Höchste Seele ist nityam (ewig), wie es hier eindeutig heißt.
> Bhakti oder hingebungsvoller Dienst ist also ewig. Man
> sollte in dieser philosophischen Überzeugung gefestigt sein,
> sonst verschwendet man nur Zeit und befindet sich in
> Unwissenheit.
> Dies wird auch im Srimad-Bhagavatam (1.2.11) erklärt:
> „Diejenigen, die die Absolute Wahrheit wahrhaft kennen,
> wissen, dass das Höchste Selbst in drei verschiedenen
> Aspekten als Brahman, Paramatma und Bhagavan erkannt
> wird."
> Bhagavan ist die höchste Stufe in der Erkenntnis der
> Absoluten Wahrheit; deshalb sollte man die Ebene des
> Verständnisses der Höchsten Persönlichkeit Gottes erreichen
> und sich dann im hingebungsvollen Dienst des
> Herrn beschäftigen. Das ist die Vollkommenheit des
> Wissens.
> Angefangen mit dem Sichüben in Demut bis zur Erkenntnis
> der Höchsten Wahrheit, der Absoluten Persönlichkeit
> Gottes, gleicht der ganze Vorgang einer Treppe, die vom
> Erdgeschoß bis zum obersten Stockwerk führt. Auf dieser
> Treppe stehen viele Menschen, die bereits den ersten,
> zweiten oder dritten Stock erreicht haben, doch solange
> man nicht das oberste Stockwerk erreicht, das heißt Krsna
> versteht, befindet man sich auf einer unteren Stufe des
> Wissens. Wenn sich jemand mit Gott messen und zur
> selben Zeit Fortschritte im spirituellen Wissen machen will,
> wird er frustriert werden. Es wird klar gesagt, dass ohne
> Demut Wissen schädlich ist. Sich für Gott zu halten ist
> höchst eingebildet. Obwohl das Lebewesen ständig von den
> strengen Gesetzen der Natur getreten wird, denkt es
> aufgrund von Unwissenheit: "Ich bin Gott." Man sollte
> demütig sein und wissen, dass man dem Höchsten Herrn
> untergeordnet ist. Nur weil man gegen den Höchsten Herrn
> rebelliert, gerät man unter den Einfluss der materiellen
> Natur. Man muss diese Wahrheit erkennen und von ihr
> überzeugt sein.
> 
> VERS 13
> Ich werde dir jetzt das Erkennbare erklären, bei dessen
> Erkenntnis du das Ewige kosten wirst. Es ist anfanglos
> und Mir untergeordnet. Man nennt es Brahman oder
> die spirituelle Natur, und es liegt jenseits der Ursache
> und Wirkung dieser materiellen Welt.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr hat das Tätigkeitsfeld und den Kenner des Feldes
> erklärt. Er hat auch erklärt, wie man den Kenner des
> Tätigkeitsfeldes erkennen kann. Jetzt erklärt Er das
> Erkennbare, das heißt die Seele und die Überseele. Wenn
> man den Kenner, nämlich die Seele und die Überseele,
> kennt, kann man den Nektar des Lebens kosten. Wie im
> Zweiten Kapitel erklärt wird, ist das Lebewesen ewig. Das
> wird auch hier bestätigt. Es gibt keinen bestimmten
> Zeitpunkt, an dem der jiva geboren wurde, noch kann jemand
> herausfinden, wann der jivatma vom Höchsten Herrn
> manifestiert wurde. Deshalb hat er keinen Anfang. Die
> vedischen Schriften bestätigen dies: na jayate mriyate va
> vispaècit. Der Kenner des Körpers wird niemals geboren
> und stirbt niemals, und er ist voller Wissen. Der Höchste
> Herr wird in der vedischen Literatur auch als
> pradhana-ksetrajna-patir gunesah beschrieben. Der
> Höchste Herr ist als die Überseele der Hauptkenner des
> Körpers, und Er ist der Herr der drei Erscheinungsweisen
> der materiellen Natur. In der smrti heißt es: Die Lebewesen stehen
> ewig im Dienst des Höchsten Herrn. Das wird auch von Sri
> Caitanyas Lehren bestätigt; deshalb bezieht sich die in
> diesem Vers erwähnte Beschreibung des Brahman auf die
> individuelle Seele, und wenn mit dem Wort "Brahman" das
> Lebewesen gemeint ist, muss man verstehen, dass das Le-
> bewesen vijnanam brahma im Gegensatz zu
> ananta-brahma ist. Ananta-brahma ist das Höchste
> Brahman, die Persönlichkeit Gottes.
> 
> VERS 14
> Überall sind die Hände, Beine, Augen und Gesichter des
> Herrn, und Er hört alles. Auf diese Weise existiert die
> Überseele.
> ERLÄUTERUNG
> Ähnlich wie die Sonne, die ihre zahllosen Strahlen
> verbreitet, existiert auch die Überseele oder Höchste
> Persönlichkeit Gottes. Sie existiert in Ihrer alldurchdringenden
> Form, und in Ihr existieren alle individuellen
> Lebewesen -angefangen mit dem ersten großen Lehrer,
> Brahma, bis hinab zu den kleinen Ameisen. Es gibt unbegrenzt
> viele Köpfe, Beine, Hände und Augen und
> unbegrenzt viele Lebewesen. Sie alle existieren in der
> Überseele und sind von Ihr abhängig. Deshalb ist die
> Überseele alldurchdringend. Die individuelle Seele kann
> jedoch nicht von sich behaupten, sie habe ihre Hände,
> Beine und Augen überall. Das ist nicht möglich. Wenn sie
> denkt, aufgrund von Unwissenheit sei sie sich nicht
> bewusst, dass ihre Hände und Beine überall verbreitet seien,
> sie werde aber zu dieser Stufe kommen, wenn sie richtiges
> Wissen erlange, widerspricht sich dieses Denken. Das
> würde nämlich bedeuten, dass die individuelle Seele, da sie
> von der materiellen Natur bedingt wurde, nicht in höchster
> Stellung steht. Der Höchste ist von Der individuellen Seele
> verschieden. Der Höchste Herr kann Seine Hand
> unbegrenzt weit ausstrecken; die individuelle Seele kann
> dies nicht. In der Bhagavad-Gita sagt der Herr, dass Er von
> jedem, der Ihm eine Blume oder eine Frucht oder ein wenig
> Wasser opfert, solches annimmt. Hier mag sich die Frage
> stellen, wie der Herr Dinge annehmen kann, wenn Er so
> weit entfernt ist. Das ist die Allmacht des Herrn. Obwohl Er
> Sich in Seinem Reich, weit entfernt von der Erde, aufhält,
> kann Er Seine Hand überallhin ausstrecken, um Opfergaben
> anzunehmen. Das ist Seine Macht. In der Brahma-samhita
> heißt es: goloka eva nivasati. Obwohl Er auf Seinem
> transzendentalen Planeten immer in Spiele vertieft ist, ist Er
> alldurchdringend. Die individuelle Seele kann nicht
> behaupten, sie sei alldurchdringend. Folglich beschreibt
> dieser Vers die Höchste Seele, die Persönlichkeit Gottes,
> nicht die individuelle Seele.
> 
> VERS 15
> Die Überseele ist die ursprüngliche Quelle aller Sinne,
> und doch ist Sie ohne Sinne. Der Herr ist unangehaftet,
> obwohl Er der Erhalter aller Lebewesen ist. Er steht in
> transzendentaler Stellung zu den Erscheinungsweisen
> der Natur, und zugleich ist Er der Herr aller
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl der Höchste Herr der Ursprung aller Sinne der
> Lebewesen ist, hat Er keine materiellen Sinne wie sie.
> Eigentlich haben die individuellen Seelen spirituelle Sinne,
> doch im bedingten Leben sind diese von den materiellen
> Elementen bedeckt, und so werden die Tätigkeiten der
> Sinne durch Materie hindurch entfaltet. Die Sinne des
> Höchsten Herrn sind nicht in solcher Weise bedeckt. Seine
> Sinne sind transzendental und werden daher nirguna
> genannt. Mit guäa sind die materiellen Erscheinungsweisen
> gemeint, doch Seine Sinne sind nicht von Materie bedeckt.
> Man sollte verstehen, dass Seine Sinne nicht wie die unseren
> sind. Obwohl Er die Quelle all unserer Sinnestätigkeiten ist,
> hat Er transzendentale Sinne, die nicht verunreinigt sind.
> Das wird sehr schön in der Svetasvatara Upanisad erklärt:
> sarvataÉ paäi-padam. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit
> Gottes, hat keine Hände, die materiell verunreinigt sind,
> aber Er hat Hände, mit denen Er alle Opfer annimmt, die
> Ihm dargebracht werden. Das ist der Unterschied zwischen
> der bedingten Seele und der Überseele. Der Paramatma hat
> zwar keine materiellen Augen, aber Er hat Augen - wie
> könnte Er sonst sehen. Er sieht alles in Vergangenheit,
> Gegenwart und Zukunft. Er lebt im Herzen des Lebewesens
> und weiß, was wir in der Vergangenheit getan haben, was
> wir jetzt tun und was uns in der Zukunft erwartet. Das wird
> auch in der Bhagavad-Gita bestätigt: "Er weiß alles, doch
> niemand kennt Ihn." Es wird gesagt, dass der Höchste Herr
> keine Beine hat wie wir, doch Er kann durch den Weltraum
> reisen, weil Er spirituelle Beine hat. Mit anderen Worten:
> Der Herr ist nicht unpersönlich; Er hat Augen, Beine,
> Hände und alles andere, und weil wir Teile des Höchsten
> Herrn sind, haben auch wir diese Dinge. Doch Seine
> Hände, Beine, Augen und Sinne sind nicht durch die
> materielle Natur verunreinigt.
> Die Bhagavad-Gita bestätigt ebenfalls, dass der Herr, wenn
> Er herabsteigt, durch Seine innere Kraft unverändert, wie
> Er ist, erscheint. Er wird durch die materielle Energie nicht
> verunreinigt, weil Er der Herr der materiellen Energie ist.
> In den vedischen Schriften finden wir, dass Seine ganze
> Verkörperung spirituell ist. Er hat Seine ewige Gestalt, die
> man sac-cid-ananda-vigraha nennt. Er ist von allem
> Reichtum erfüllt. Er ist der Besitzer aller Schätze und der
> Eigentümer aller Energie. Er ist der Intelligenteste, und Er
> ist voller Wissen. Dies sind einige Kennzeichen der
> 
> Höchsten 
> Persönlichkeit Gottes. Er ist der Erhalter aller
> Lebewesen und der Zeuge jeder Tätigkeit. Wie wir aus den
> vedischen Schriften verstehen können, ist der Herr immer
> transzendental. Obwohl wir Seinen Kopf, Sein Gesicht,
> Seine Hände und Seine Beine nicht sehen können, sind sie
> da, und wenn wir auf die transzendentale Stufe erhoben
> werden, können wird die Gestalt des Herrn sehen. Weil
> unsere Sinne durch Materie verunreinigt sind, können wir
> Seine Gestalt nicht wahrnehmen. Deshalb können die
> Unpersönlichkeitsanhänger, die immer noch von Materie
> beeinflusst werden, die Persönlichkeit Gottes nicht
> verstehen.
> 
> VERS 16
> Der Herr, die Höchste Wahrheit, existiert sowohl
> innerhalb als auch außerhalb - im Sichbewegenden
> und im Sich-nicht-Bewegenden. Es ist nicht möglich, Ihn
> durch materielle Sinne zu sehen oder zu erkennen. Obwohl
> weit, weit entfernt, ist Er allem auch nah.
> ERLÄUTERUNG
> Aus der vedischen Literatur verstehen wir, dass Narayaäa,
> die Höchste Person, sowohl innerhalb als auch außerhalb
> jedes Lebewesens weilt. Er ist sowohl in der spirituellen als
> auch in der materiellen Welt gegenwärtig. Obwohl Er weit,
> weit entfernt ist, ist Er uns doch sehr nah. So lauten die
> Aussagen der vedischen Literatur. Und weil Er immer in
> transzendentaler Glückseligkeit vertieft ist, können wir
> nicht verstehen, wie Er all Seinen Reichtum genießt. Dies
> können wir mit unseren materiellen Sinnen nicht verstehen
> oder erfahren. Deshalb heißt es der vedischen Version
> gemäß, dass unser materieller Geist und unsere materiellen
> Sinne nicht geeignet sind, Ihn zu verstehen. Wer jedoch
> seine Sinne und seinen Geist durch das Praktizieren von
> Krsna-Bewusstsein im hingebungsvollen Dienst gereinigt
> hat, kann den Herrn ständig sehen. In der Brahma-samhita
> wird bestätigt, dass der Gottgeweihte, der Liebe zum
> Höchsten Gott entwickelt hat, den Herrn immer ohne
> Unterbrechung sehen kann. Und in der Bhagavad-Gita
> (11.54) wird erklärt, dass Er nur durch hingebungsvollen
> Dienst gesehen und verstanden werden kann. 
> 
> VERS 17
> Obwohl der Herr, die Überseele, in viele aufgeteilt zu
> sein scheint, ist Er niemals geteilt. Er ist Einer. Obwohl
> Er der Erhalter aller Lebewesen ist, muss man
> verstehen, dass Er sie alle verschlingt und entwickelt.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr weilt als Überseele im Herzen eines jeden.
> Bedeutet das aber, dass Er Sich aufgeteilt hat? Nein. Im
> Grunde ist Er Einer. In diesem Zusammenhang wird das
> Beispiel der Sonne gegeben: Im Zenit hat die Sonne einen
> bestimmten Standort. Wenn man aber 5000 Kilometer in
> alle Richtungen ginge und fragte: „Wo ist die Sonne?",
> würde jeder sagen, dass sie auf seinen Kopf scheine. In der
> vedischen Literatur wird dieses Beispiel gegeben, um zu
> zeigen, dass der Herr, obwohl Er ungeteilt ist, aufgeteilt zu
> sein scheint. In der vedischen Literatur heißt es auch, dass
> ein Visnu durch Seine Allmacht überall gegenwärtig ist,
> ebenso wie die Sonne vielen Menschen an vielen Orten
> erscheint. Und obwohl der Höchste Herr der Erhalter eines
> jeden Lebewesens ist, wird zur Zeit der Vernichtung alles
> von Ihm verschlungen. Das wurde im Elften Kapitel
> bestätigt, als der Herr sagte, dass Er gekommen sei, um alle
> auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra versammelten
> Krieger zu verschlingen. Er erwähnte auch, dass Er in der
> Form der Zeit ebenfalls alles verschlinge. Er ist der Vernichter
> und der Töter aller. Zur Zeit der Schöpfung
> entwickelt Er alle aus ihrem ursprünglichen Zustand, und
> zur Zeit der Vernichtung verschlingt Er sie. Die vedischen
> Hymnen bestätigen die Tatsache, dass Er der Ursprung und
> der Ruheort aller Lebewesen ist. Nach der Schöpfung ruht
> alles in Seiner Allmacht, und nach der Vernichtung kehrt
> alles wieder zurück, um in Ihm zu ruhen. So lauten die
> Bestätigungen der vedischen Hymnen. 
> 
> VERS 18
> Er ist die Lichtquelle in allen leuchtenden
> Gegenständen. Er befindet Sich jenseits der Dunkelheit
> der Materie und ist unmanifestiert. Er ist Wissen, Er ist
> der Gegenstand des Wissens, und Er ist das Ziel des
> Wissens. Er weilt im Herzen eines jeden.
> ERLÄUTERUNG
> Die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die
> Lichtquelle in allen leuchtenden Gegenständen wie Sonne,
> Mond, Sternen usw. Aus der vedischen Literatur erfahren
> wir, dass im spirituellen Königreich Sonne und Mond nicht
> notwendig sind, weil dort alles von der Ausstrahlung des
> Höchsten Herrn erleuchtet wird. In der materiellen Welt ist
> dieses brahmajyoti, die spirituelle Ausstrahlung des Herrn,
> vom mahat-tattva oder den materiellen Elementen bedeckt.
> Deshalb benötigen wir in der materiellen Welt die Hilfe
> von Sonne, Mond, Elektrizität usw., um Licht zu haben. In
> der spirituellen Welt aber sind solche Dinge nicht
> notwendig. In der vedischen Literatur wird klar gesagt, dass
> alles von der gleißenden Ausstrahlung des Herrn erleuchtet
> wird. Es ist daher klar, dass Sein Aufenthaltsort nicht in der
> materiellen Welt liegt. Er weilt in der spirituellen Welt, die
> weit, weit entfernt im spirituellen Himmel liegt. Auch das
> wird in der vedischen Literatur bestätigt: Er gleicht der Sonne, 
> ewig leuchtend,
> doch befindet Er Sich weit, weit jenseits der Dunkelheit der
> materiellen Welt. Sein Wissen ist transzendental. Die
> vedische Literatur bestätigt, dass Brahman konzentriertes
> transzendentales Wissen ist. Wenn jemand in die spirituelle
> Welt erhoben werden möchte, gibt ihm der Höchste Herr,
> der im Herzen eines jeden weilt, das dazu notwendige
> Wissen.
> Einer der vedischen mantras lautet: Man muss sich der Höchsten 
> Persönlichkeit
> Gottes ergeben, wenn man tatsächlich befreit werden will.
> Und was das Ziel endgültigen Wissens betrifft, so wird in
> der vedischen Literatur ebenfalls bestätigt: "Nur wenn man 
> Dich kennt, kann man
> die Grenzen von Geburt und Tod überschreiten." Er weilt
> im Herzen eines jeden als höchster Lenker. Die Beine und
> Hände des Höchsten sind überallhin verbreitet, was man
> von der individuellen Seele nicht behaupten kann. Daher
> muss man anerkennen, dass es zwei Kenner des
> Tätigkeitsfeldes gibt - die individuelle Seele und die
> Überseele. Unsere Hände und Beine befinden sich nur an
> einem Ort, doch Krsnas Hände und Beine sind überall
> verbreitet. Das wird in der Svetasvatara Upanisad bestätigt:
> Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Überseele, ist der
> prabhu oder Herr aller Lebewesen; deshalb ist Sie der
> letztliche Mittelpunkt aller Lebewesen. Man kann also nicht
> die Tatsache leugnen, dass die Höchste Überseele und die
> individuelle Seele immer verschieden sind.
> 
> VERS 19
> Somit habe Ich das Feld der Tätigkeiten [den Körper],
> Wissen und das Erkennbare zusammenfassend
> beschrieben. Nur Meine Geweihten können dies genau
> verstehen und so Meine Natur erreichen.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr hat in einer Zusammenfassung den Körper,
> Wissen und das Erkennbare beschrieben. Dieses Wissen
> umfasst drei Dinge: den Kenner, das Erkennbare und den
> Vorgang der Erkenntnis. Zusammen nennt man sie
> vijnanam oder die Wissenschaft von der Erkenntnis.
> Vollkommenes Wissen kann von den unverfälschten
> Geweihten des Herrn direkt verstanden werden. Andere
> sind dazu nicht imstande. Die Monisten sagen, dass diese
> drei Dinge letztlich eins werden, doch die Gottgeweihten
> stimmen dem nicht zu. Wissen und die Entwicklung von
> Wissen bedeuten, sich selbst im Krsna-Bewusstsein zu
> verstehen. Wir lassen uns von materiellem Bewusstsein
> leiten, doch sobald wir alles Bewusstsein auf Krsnas Taten
> übertragen und erkennen, dass Krsna alles ist, erreichen wir
> wirkliches Wissen. Mit anderen Worten: Wissen ist nichts
> anderes als die Vorstufe des vollkommenen Verständnisses
> von hingebungsvollem Dienst.
> 
> VERS 20
> Man sollte verstehen, dass die materielle Natur und die
> Lebewesen anfanglos sind. Ihre Umwandlungen und die
> Erscheinungsweisen der Materie sind Produkte der
> materiellen Natur.
> ERLÄUTERUNG
> Durch dieses Wissen können der Körper, das Feld der
> Tätigkeiten und die Kenner des Körpers (sowohl die
> individuelle Seele als auch die Überseele) erkannt werden.
> Der Körper ist das Tätigkeitsfeld und ist aus der materiellen
> Natur zusammengesetzt. Die individuelle Seele ist im
> Körper eingeschlossen. Der purusa oder das Lebewesen
> genießt die Tätigkeiten des Körpers. Er ist ein Kenner, und
> der andere ist die Überseele. Natürlich muss man verstehen,
> dass sowohl die Überseele als auch das individuelle
> Lebewesen verschiedene Manifestationen der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes sind. Das Lebewesen gehört zu
> Seiner Energie, und die Überseele gehört zu Seinen
> persönlichen Erweiterungen.
> Sowohl die materielle Natur als auch das Lebewesen sind
> ewig. Das bedeutet, dass sie bereits vor der Schöpfung
> existierten. Die materielle Manifestation kommt von der
> Energie des Höchsten Herrn, ebenso wie die Lebewesen,
> doch sind diese von höherer Energie. Beide existierten,
> bevor dieser Kosmos manifestiert wurde. Die materielle
> Natur ruhte in der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
> Maha-Visnu, und als es notwendig war, wurde sie mit Hilfe
> des mahat-tattva manifestiert. In ähnlicher Weise weilen
> auch die Lebewesen in Ihm, doch weil sie bedingt sind,
> weigern sie sich, dem Höchsten Herrn zu dienen. Daher ist
> es ihnen nicht gestattet, in den spirituellen Himmel
> einzugehen. Nachdem die materielle Natur aufgelöst
> worden ist, wird diesen Lebewesen erneut die Möglichkeit
> gegeben, in der materiellen Welt zu handeln und sich
> darauf vorzubereiten, in die spirituelle Welt
> zurückzukehren. Das ist das Mysterium dieser materiellen
> Schöpfung. Eigentlich ist das Lebewesen ursprünglich ein
> spirituelles Teilchen des Höchsten Herrn, doch wegen
> seiner rebellischen Haltung ist es durch die materielle Natur
> bedingt. Es ist tatsächlich nicht wichtig, wie die Lebewesen
> oder höheren Bestandteile des Höchsten Herrn mit der
> materiellen Natur in Berührung gekommen sind. Die
> Höchste Persönlichkeit Gottes weiß jedoch, wie und warum
> dies geschah. In den Schriften sagt der Herr, dass diejenigen,
> die sich zur materiellen Natur hingezogen fühlen,
> einen harten Kampf ums Dasein führen müssen. Aber wir
> sollten den Beschreibungen dieser wenigen Verse mit
> Gewissheit entnehmen, dass alle Wandlungen und Einflüsse
> der materiellen Natur, die durch die drei
> Erscheinungsweisen hervorgerufen werden, ebenfalls Produkte
> der materiellen Natur sind. Alle Wandlungen und
> Verschiedenheiten hinsichtlich der Lebewesen beziehen
> sich auf den Körper. Was die spirituelle Natur betrifft, so
> sind die Lebewesen alle gleich.
> 
> VERS 21
> Die Natur gilt als die Ursache aller materiellen
> Tätigkeiten und Wirkungen, wohingegen das Lebewesen
> die Ursache der verschiedenen Leiden und Genüsse in
> der Welt ist.
> ERLÄUTERUNG
> Die verschiedenen Manifestationen von Körpern und
> Sinnen, die unter den Lebewesen zu finden sind, haben ihre
> Ursache in der materiellen Natur. Es gibt 8 400 000
> verschiedene Arten des Lebens, und diese
> Verschiedenheiten sind die Schöpfung der materiellen
> Natur. Sie entstehen aus den verschiedenen Sinnenfreuden
> des Lebewesens, das so den Wunsch ausdrückt, in diesem
> oder jenem Körper zu leben. Wenn es in verschiedene
> Körper gesetzt wird, genießt es verschiedene Formen von
> Glück und Leid. Sein materielles Glück und Leid sind auf
> den Körper zurückzuführen, nicht auf es selbst, wie es ist.
> In seinem ursprünglichen Zustand gibt es zweifellos
> Genuss; deshalb ist das sein wirklicher Zustand. Aufgrund
> seines Wunsches, die materielle Natur zu beherrschen,
> befindet es sich in der materiellen Welt. In der spirituellen
> Welt gibt es so etwas nicht. Die spirituelle Welt ist rein,
> doch in der materiellen Welt kämpft jeder schwer, um
> Dinge zu erbeuten, die dem Körper verschiedene Freuden
> bescheren. Um es deutlicher auszudrücken: Der Körper ist
> das Ergebnis der Sinnesorgane. Die Sinne sind Instrumente,
> um Wünsche zu befriedigen. Dem Lebewesen wird also
> alles zusammen - Körper und Sinneswerkzeuge - von
> der materiellen Natur zur Verfügung gestellt, und wie der
> nächste Vers klarmacht, wird das Lebewesen je nach seinen
> vergangenen Wünschen und Tätigkeiten mit den
> entsprechenden Umständen gesegnet oder bestraft. Seinen
> Wünschen und Tätigkeiten gemäß wird man von der
> materiellen Natur in verschiedene Wohnstätten gesetzt. Das
> Lebewesen selbst ist die Ursache solcher Wohnstätten und
> der es begleitenden Freuden und Leiden. Einmal in einen
> bestimmten Körper gesetzt, kommt es unter die Herrschaft
> der Natur; da nämlich der Körper aus Materie besteht, handelt
> er nach den Gesetzen der Natur. Zu dem Zeitpunkt hat
> das Lebewesen nicht die Macht, dieses Gesetz zu ändern.
> Nehmen wir an, ein Wesen wird in den Körper eines
> Hundes gesetzt. Sobald es in den Körper eines Hundes
> gesetzt worden ist, muss es wie ein Hund handeln. Es kamt
> nicht anders handeln. Und wenn das Lebewesen in den
> Körper eines Schweines gesetzt wird, ist es gezwungen,
> Kot zu fressen und wie ein Schwein zu handeln. In
> ähnlicher Weise muss das Lebewesen, wenn es in den
> Körper eines Halbgottes gesetzt wird, in Entsprechung zu
> diesem Körper handeln. Das ist das Gesetz der Natur. Doch
> unter allen Umständen ist die Überseele bei der
> individuellen Seele. Dies wird in den Veden wie folgt
> erklärt: Der Höchste Herr ist mit dem Lebewesen so gütig, 
> dass Er die individuelle Seele immer begleitet und unter 
> allen Umständen als Überseele oder Paramatma gegenwärtig ist.
> 
> VERS 22
> So folgt das Lebewesen in der materiellen Natur den
> Wegen des Lebens und genießt die drei
> Erscheinungsweisen der Natur. Das hat seine Ursache in
> der Verbindung mit dieser materiellen Natur. Auf diese
> Weise trifft es mit Gut und Schlecht unter den
> verschiedenen Arten des Lebens zusammen.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers ist sehr wichtig, um zu verstehen, wie das
> Lebewesen von einem Körper zum anderen wandert. Im
> Zweiten Kapitel wurde erklärt, dass das Lebewesen von
> Körper zu Körper wandert, so wie jemand Kleider
> wechselt. Dieses Wechseln der Kleidung ist auf die
> Anhaftung des Lebewesens an die materielle Existenz
> zurückzuführen. Solange es von dieser falschen materiellen
> Manifestation gefangen ist, muss es weiter von einem
> Körper zum anderen wandern. Aufgrund seines Wunsches,
> die materielle Natur zu beherrschen, wird es in solche nicht
> wünschenswerten Umstände versetzt. Unter dem Einfluss
> materieller Wünsche wird das Lebewesen mal als Halbgott,
> mal als Mensch, als Säugetier, als Vogel, als Wurm, als
> Wassertier, als Reptil, als Wanze usw. geboren. Das ist der
> Lauf der Welt. Und in allen Fällen hält sich das Lebewesen
> für den Herrn seiner Lebensumstände, obwohl es dem
> Einfluss der materiellen Natur untersteht.
> Wie das Lebewesen in solch verschiedene Körper gesetzt
> wird, ist hier erklärt. Die Ursache liegt in der Gemeinschaft
> mit den verschiedenen Erscheinungsweisen der Natur. Man
> muss sich daher über die drei materiellen
> Erscheinungsweisen erheben und in der transzendentalen
> Stellung verankert werden. Das nennt man Krsna--
> Bewusstsein. Solange das Lebewesen nicht im
> Krsna-Bewusstsein verankert ist, wird sein materielles
> Bewusstsein es zwingen, von einem Körper zum anderen zu
> wandern; denn es hat schon seit undenklichen Zeiten
> materielle Wünsche. Diese Auffassung muss es ändern.
> Solcher Gesinnungswandel kann nur stattfinden, wenn man
> aus autoritativen Quellen hört. Das beste Beispiel sehen wir
> hier: Arjuna hört von Krsna die Wissenschaft von Gott.
> Wenn sich das Lebewesen diesem Vorgang des Hörens
> widmet, wird es seinen langgehegten Wunsch, über die
> materielle Natur zu herrschen, verlieren, und allmählich
> und in dem Maße, wie es sein altes Verlangen zu
> beherrschen aufgibt, wird es die Ebene erreichen, auf der es
> spirituelles Glück genießt. In einem vedischen mantra heißt
> 
> es, dass man in dem Maße, wie man in Gemeinschaft mit
> der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu Wissen gelangt, sein
> ewiges glückseliges Leben zu kosten beginnt.
> 
> VERS 23
> Jedoch gibt es in diesem Körper noch einen anderen,
> einen transzendentalen Genießer, den Herrn, den
> höchsten Besitzer, der als Beobachter und
> Erlaubnisgeber gegenwärtig ist und den man als
> Überseele kennt.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird gesagt, dass die Überseele, die die individuelle
> Seele ständig begleitet, die Repräsentation des Höchsten
> 
> Herrn ist. Die Überseele ist kein gewöhnliches Lebewesen.
> Weil die Monisten der Ansicht sind, es gebe nur einen
> Kenner des Körpers, glauben sie, zwischen der Überseele
> und der individuellen Seele bestehe kein Unterschied. Um
> dies klarzustellen, sagt der Herr, dass Er die
> Paramatma-Repräsentation in jedem Körper ist. Er ist von
> der individuellen Seele verschieden; Er ist parah oder
> transzendental. Die individuelle Seele genießt die
> Tätigkeiten eines bestimmten Feldes, aber die Überseele ist
> weder als begrenzter Genießer noch als Teilnehmer an
> körperlichen Tätigkeiten anwesend, sondern als Zeuge,
> Beobachter, Erlaubnisgeber und höchster Genießer. Ihr
> Name ist Paramatma, nicht atma, und Sie ist
> transzendental. Es ist sehr offensichtlich, dass atma und
> Paramatma voneinander verschieden sind. Die Überseele,
> der Paramatma, hat Beine und Hände, die sich überall
> befinden, die individuelle Seele hingegen nicht. Und da Er
> der Höchste Herr ist, ist Er im Innern gegenwärtig, um die
> Wünsche der individuellen Seele nach materiellem Genuss
> zu bewilligen. Ohne die Einwilligung der Höchsten Seele
> kann die individuelle Seele nichts tun. Das Individuum ist
> bhakta oder derjenige, der erhalten wird, und der Herr ist
> bhukta oder der Erhalter. Es gibt unzählige Lebewesen, und
> Er weilt in ihnen als Freund.
> Tatsache ist, dass die individuellen Lebewesen ewiglich
> winzige Bestandteile des Höchsten Herrn und mit Ihm sehr
> eng in Freundschaft verbunden sind. Doch das Lebewesen
> neigt dazu, die Einwilligung des Höchsten Herrn
> zurückzuweisen und unabhängig zu handeln, um die
> materielle Natur zu beherrschen. Weil es diese Neigung hat,
> wird es als die marginale Energie des Höchsten bezeichnet.
> Das Lebewesen kann sich entweder in der materiellen oder
> in der spirituellen Energie aufhalten. Solange es durch die
> materielle Energie bedingt ist, bleibt der Höchste Herr als
> sein Freund, die Überseele, bei ihm, um es dazu zu
> bewegen, zur spirituellen Energie zurückzukehren. Der
> Herr ist immer bemüht, es zur sprituellen Energie
> zurückzuführen, doch aufgrund seiner winzigen
> Unabhängigkeit lehnt das individuelle Lebewesen es
> fortwährend ab, mit dem spirituellen Licht verbunden zu
> sein. Dieser Missbrauch seiner Unabhängigkeit ist die
> Ursache seines materiellen Kampfes in der bedingten
> Natur. Der Herr gibt ihm daher von innen und außen
> ständig Unterweisungen. Von außen gibt Er
> Unterweisungen, wie sie in der Bhagavad-Gita zu finden
> sind, und von innen versucht Er das Lebewesen davon zu
> überzeugen, dass Tätigkeiten im materiellen Feld für wahres
> Glück nicht förderlich sind. Er sagt: "Gib solches Tun
> einfach auf, und wende dein Vertrauen Mir zu. Dann wirst
> du glücklich sein." Der intelligente Mensch, der sein
> Vertrauen in den Paramatma oder die Höchste
> Persönlichkeit Gottes setzt, macht so den ersten Schritt auf
> dem Weg zu einem glückseligen ewigen Leben voller
> Wissen.
> 
> VERS 24
> Wer diese Philosophie von der materiellen Natur, dem
> Lebewesen und der Wechselwirkung der Erscheinungsweisen 
> der Natur versteht, wird mit Sicherheit Befreiung erlangen. 
> Er wird in dieser Welt nicht wiedergeboren werden, ungeachtet 
> seiner jetzigen Stellung.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man die materielle Natur, die Überseele, die
> individuelle Seele und ihre Wechselbeziehungen klar
> versteht, ist man geeignet, befreit zu werden und die spirituelle
> Welt zu erreichen, ohne gezwungen zu sein, zur
> materiellen Natur zurückzukehren. Das ist das Ergebnis
> von Wissen. Der Zweck des Wissens besteht in dem klaren
> Verständnis, dass das Lebewesen zufällig in die materielle
> Existenz gefallen ist. Durch seine persönliche Bemühung in
> der Gemeinschaft von Autoritäten, Heiligen und einem
> spirituellen Meister muss es seine Stellung verstehen und
> dann zu seinem spirituellen Bewusstsein oder
> Krsna-Bewusstsein zurückkehren, indem es die
> Bhagavad-Gita so versteht, wie sie von der Persönlichkeit
> Gottes erklärt wird. Dann ist es sicher, dass es nie wieder in
> die materielle Existenz zurückkommen wird; es wird in die
> spirituelle Welt erhoben zu einem glückseligen ewigen
> Leben voller Wissen.
> 
> VERS 25
> Einige erkennen die Überseele durch Meditation, andere
> durch die Entwicklung von Wissen und wieder andere
> durch Arbeit, die ohne fruchtbringendes Verlangen
> verrichtet wird.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr teilt Arjuna mit, dass die bedingten Seelen in
> bezug auf ihre Suche nach Selbstverwirklichung in zwei
> Gruppen eingeteilt werden können. Atheisten, Agnostiker
> und Skeptiker haben keinen Sinn für spirituelles
> Verständnis. Doch es gibt andere, die Vertrauen in ihr
> Verständnis vom spirituellen Leben haben, und zwar
> diejenigen, die auf die Früchte ihrer Arbeit verzichtet
> haben. Diejenigen, die fortwährend versuchen, die Lehre
> des Monismus zu verbreiten, werden ebenfalls zu den
> Atheisten und Agnostikern gezählt. Mit anderen Worten:
> Nur die Geweihten der Höchsten Persönlichkeit Gottes sind
> wahrhaft zu spirituellem Verständnis fähig, da sie
> verstehen, dass jenseits der materiellen Natur die spirituelle
> Welt und der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes,
> existieren, der sich als Paramatma, die Überseele in jedem
> als alldurchdringender Gott, erweitert hat. Natürlich gibt es
> auch Menschen, die versuchen, die Höchste Absolute
> Wahrheit durch die Kultivierung von Wissen zu verstehen;
> sie werden zur zweiten Gruppe gezählt. Die atheistischen
> Philosophen zerlegen die materielle Welt in
> vierundzwanzig Elemente und setzen die Seele als
> fünfundzwanzigstes hinzu. Wenn sie verstehen können, dass
> die Natur der individuellen Seele transzendental zu den
> materiellen Elementen ist, können sie auch verstehen, dass
> über der individuellen Seele die Höchste Persönlichkeit
> Gottes steht. Der Herr ist das sechsundzwanzigste Element.
> So gelangen auch sie allmählich auf die Stufe des
> hingebungsvollen Dienstes im Krsna-Bewusstsein.
> Diejenigen, die ohne fruchtbringende Ergebnisse arbeiten,
> sind in ihrer Haltung ebenfalls vollkommen. Ihnen wird die
> Möglichkeit gegeben, auf die Ebene des hingebungsvollen
> Dienstes im Krsna-Bewusstsein zu gelangen. In diesem Vers
> heißt es auch, dass es einige Menschen gibt, die im
> Bewusstsein rein sind und versuchen, die Überseele durch
> Meditation zu finden. Wenn sie die Überseele in ihrem
> Innern entdecken, werden auch sie in der Transzendenz
> verankert. Andere versuchen, die Höchste Seele durch die
> Kultivierung von Wissen zu verstehen, und wieder andere
> üben sich im hatha-yoga-System und versuchen, die
> Höchste Persönlichkeit Gottes durch kindische Spielereien
> zu erfreuen.
> 
> VERS 26
> Und es gibt andere, die zwar im spirituellen Wissen
> nicht erfahren sind, die aber beginnen, die Höchste
> Person zu verehren, nachdem sie von anderen von Ihr
> gehört haben. Weil sie die Neigung haben, von
> Autoritäten zu hören, transzendieren auch sie den Pfad
> von Geburt und Tod.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers trifft besonders auf die moderne Gesellschaft
> zu, denn heutzutage gibt es so gut wie keine spirituelle
> Bildung. Manche Menschen mögen atheistisch, agnostisch
> oder philosophisch erscheinen, doch in Wirklichkeit gibt es
> kein Wissen von Philosophie. Was den gewöhnlichen
> Menschen betrifft, so besteht für ihn die Möglichkeit, durch
> Hören Fortschritte zu machen, wenn er eine gute Seele ist.
> Dieser Vorgang des Hörens ist sehr wichtig. Sri Caitanya,
> der Krsna-Bewusstsein in der modernen Welt predigte, legte
> auf den Vorgang des Hörens großen Nachdruck, denn wenn
> der gewöhnliche Mensch einfach aus autoritativen Quellen
> hört, kann er Fortschritt machen; das ist ganz besonders der
> Fall, wie Sri Caitanya sagt, wenn er die transzendentale
> Klangschwingung Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna,
> Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare
> Hare hört. Es wird daher gesagt, dass alle Menschen den
> Vorteil, von selbstverwirklichten Seelen zu hören, nutzen
> und allmählich fähig werden sollten, alles zu verstehen.
> Dann werden sie zweifellos beginnen, den Höchsten zu
> verehren. Sri Caitanya hat gesagt, dass im gegenwärtigen
> Zeitalter niemand seine Stellung zu wechseln braucht, dass
> man aber die Bemühung aufgeben soll, die Absolute
> Wahrheit durch spekulatives Schlussfolgern zu verstehen.
> Man soll versuchen, der Diener derer zu werden, die den
> Höchsten Herrn kennen. Wenn man so glücklich ist, bei
> einem reinen Gottgeweihten Zuflucht zu suchen, von ihm
> über Selbstverwirklichung zu hören und seinen Fußspuren
> zu folgen, wird man allmählich zur Stellung eines reinen
> Gottgeweihten erhoben. In diesem Vers wird insbesondere
> der Vorgang des Hörens mit Nachdruck empfohlen, und
> das ist auch angemessen. Wenngleich der gewöhnliche
> Mensch oft nicht so begabt ist wie sogenannte Philosophen,
> wird ihm das vertrauensvolle Hören von einer wirklichen
> Autorität helfen, die materielle Existenz zu transzendieren
> und nach Hause, zu Gott, zurückzukehren.
> 
> VERS 27
> O Oberhaupt der Bharatas, was immer du existieren
> siehst - ob es sich bewegt oder nicht -, ist nur die
> Verbindung des Feldes der Tätigkeiten mit dem Kenner
> des Feldes.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers werden sowohl die materielle Natur als
> auch das Lebewesen erklärt, die bereits vor der Schöpfung
> des Kosmos existierten. Alles Erschaffene ist nichts als die
> Verbindung des Lebewesens mit der materiellen Natur. Es
> gibt viele Manifestationen, wie Bäume, Berge und Hügel,
> die sich nicht bewegen, und es gibt viele Formen des
> Daseins, die sich bewegen; sie alle sind nichts weiter als
> Verbindungen der materiellen Natur mit der höheren Natur,
> dem Lebewesen. Ohne die Berührung der höheren Natur,
> des Lebewesens, kann nichts wachsen. Deshalb besteht die
> Beziehung zwischen der Materie und der höheren Natur
> ewig, und diese Verbindung ist vom Höchsten Herrn so
> vorgesehen. Folglich ist Er der Lenker sowohl der höheren
> als auch der niederen Natur. Die materielle Natur wurde
> von Ihm geschaffen, und die höhere Natur ist in diese Natur
> hineingesetzt, und so kommen alle Tätigkeiten und
> Manifestationen zustande.
> 
> VERS 28
> Wer sieht, dass die Überseele die individuelle Seele in
> allen Körpern begleitet, und versteht, dass weder die
> Seele noch die Überseele jemals zerstört werden, hat die
> wahre Sicht.
> ERLÄUTERUNG
> Jeder, der drei Dinge erkennen kann - den Körper, den
> Besitzer des Körpers oder die individuelle Seele und den
> Freund der individuellen Seele, die durch gute
> Gemeinschaft miteinander verbunden sind -, gründet
> tatsächlich in Wissen. Diejenigen, die mit dem Freund der
> Seele keine Gemeinschaft haben, sind unwissend; sie sehen
> nur den Körper und denken, alles sei zu Ende, wenn der
> Körper zerstört werde. Aber das ist nicht der Fall. Nach der
> Zerstörung des Körpers existieren sowohl die Seele als
> auch die Überseele, und sie bestehen ewig weiter in
> verschiedenen sich bewegenden und sich nicht bewegenden
> Formen. Das Sanskritwort paramesvaram wird manchmal
> mit "individuelle Seele" übersetzt, denn die Seele ist der
> Herr des Körpers, und nach der Zerstörung des Körpers
> wandert sie in eine andere Form. So gesehen ist sie
> tatsächlich Herr. Andere übersetzen dieses paramesvaram
> mit "Überseele", aber in beiden Fällen existieren die
> individuelle Seele und die Überseele weiter. Sie werden
> nicht zerstört. Wer so zu sehen vermag, kann tatsächlich
> verstehen, was geschieht.
> 
> VERS 29
> Wer sieht, dass die Überseele in jedem Lebewesen weilt
> und überall gleich ist, wird durch seinen Geist nicht
> erniedrigt. So nähert er sich dem transzendentalen Ziel.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn das Lebewesen erkennt, dass sein materielles Dasein
> nur viel Leid bedeutet, kann es in seiner spirituellen
> Existenz verankert werden. Wenn jemand versteht, dass der
> Höchste in Seiner Paramatma-Manifestation überall
> gegenwärtig ist, das heißt, wenn er die Gegenwart der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes in jedem Lebewesen sieht,
> erniedrigt er sich nicht und macht daher allmählich
> Fortschritt auf die spirituelle Welt zu. Für gewöhnlich ist
> der Geist selbstzentrierten Denkvorgängen verfallen, doch
> wenn er sich der Überseele zuwendet, macht man
> Fortschritte im spirituellen Verständnis.
> 
> VERS 30
> Wer sehen kann, dass alle Tätigkeiten vom Körper
> ausgeführt werden, der von der materiellen Natur
> geschaffen ist, und versteht, dass das Selbst nichts tut,
> hat die wahre Sicht.
> ERLÄUTERUNG
> Der Körper ist von der materiellen Natur unter der
> Anweisung der Überseele geschaffen worden, und alle
> Tätigkeiten in Beziehung zum Körper führt man nicht
> selbst aus. Zu allem, was man tut - sei es, um Glück zu
> erlangen oder um zu leiden -, wird man aufgrund der
> körperlichen Veranlassung gezwungen. Das Selbst jedoch
> befindet sich jenseits solcher körperlichen Tätigkeiten. Der
> Körper wird einem in Entsprechung zu seinen vergangenen
> Wünschen gegeben. Um bestimmte Wünsche zu erfüllen,
> wird einem der Körper gegeben, mit dem man
> dementsprechend handelt. Im Grunde ist der Körper eine
> Maschine, die vom Höchsten Herrn entworfen wurde, um
> Wünsche zu erfüllen. Aufgrund von Wünschen wird man in
> schwierige Umstände versetzt, um zu leiden oder zu
> genießen. Wenn man dieses transzendentale Verständnis
> vom Lebewesen entwickelt, löst man sich von körperlichen
> Tätigkeiten. Wer ein solches Verständnis hat, sieht die
> Dinge im richtigen Licht.
> 
> VERS 31
> Wenn ein vernünftiger Mensch aufhört, aufgrund
> verschiedener materieller Körper verschiedene
> Identitäten zu sehen, erlangt er die Brahman-
> Erkenntnis. Dann sieht er, dass Lebewesen überall
> verbreitet sind.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man erkennen kann, dass die verschiedenen Körper
> der Lebewesen aus den verschiedenen Wünschen der
> individuellen Seele entstehen und zur Seele an sich nicht
> wirklich gehören, sieht man die Dinge, wie sie tatsächlich
> sind. In der materiellen Lebensauffassung sehen wir den
> einen als Halbgott, einen anderen als Menschen, als Hund,
> als Katze usw. Das ist materielle Sicht, nicht wirkliche
> Sicht. Diese materielle Unterscheidung hat ihre Ursache in
> einer materiellen Auffassung vom Leben. Nach der
> Zerstörung des materiellen Körpers bleibt die Seele, wie sie
> ist. Nur weil die Seele mit der materiellen Natur in
> Berührung ist, bekommt sie verschiedene Arten von
> Körpern. Wenn jemand das sehen kann, erlangt er
> spirituelle Sicht; wenn er nicht mehr unterscheidet
> zwischen Mensch und Tier, groß und klein, usw., wird sein
> 
> Bewusstsein gereinigt, und er wird fähig, in seiner
> spirituellen Identität Krsna-Bewusstsein zu entwickeln. Wie
> er dann die Dinge sieht, wird im nächsten Vers erklärt.
> 
> VERS 32
> Wer mit den Augen der Ewigkeit sieht, kann verstehen,
> dass die Seele transzendental und ewig ist und sich
> jenseits der Erscheinungsweisen der Natur befindet. O
> Arjuna, obwohl sie mit dem materiellen Körper in
> Berührung ist, tut die Seele nichts, noch ist sie
> verstrickt.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Lebewesen scheint aufgrund der Geburt des materiellen
> Körpers geboren zu sein, doch in Wirklichkeit ist das
> Lebewesen ewig. Es wird nicht geboren, und obwohl es
> sich in einem materiellen Körper aufhält, ist es
> transzendental und ewig. Folglich kann es nicht zerstört
> werden. Es ist von Natur aus voller Glückseligkeit. Es
> befaßt sich nicht mit irgendwelchen materiellen Tätigkeiten
> und wird daher auch nicht durch Tätigkeiten verstrickt, die
> aufgrund seiner Verbindung mit materiellen Körpern
> ausgeführt werden.
> 
> VERS 33
> Aufgrund seiner feinstofflichen Natur vermischt sich
> der Himmel mit keinem anderen Element, obwohl er
> alldurchdringend ist. In ähnlicher Weise vermischt sich
> eine Seele, die in der Brahman-Erkenntnis verankert ist,
> nicht mit dem Körper, obwohl sie sich im Körper
> befindet.
> ERLÄUTERUNG
> Luft ist in Wasser, Schlamm, Kot und allem, was es sonst
> noch geben mag, enthalten; trotzdem vermischt sie sich mit
> nichts. In ähnlicher Weise hat das Lebewesen aufgrund
> seiner subtilen Natur mit all den verschiedenen Körpern, in
> denen es sich befinden mag, nichts zu tun. Deshalb ist es
> unmöglich, mit materiellen Augen zu sehen, wie das
> Lebewesen mit dem Körper in Verbindung ist und nach der
> Zerstörung des Körpers nicht mehr in ihm ist. Kein
> Wissenschaftler kann das feststellen.
> 
> VERS 34
> O Nachkomme Bharatas, so wie die Sonne allein das
> ganze Universum erleuchtet, so erleuchtet ein
> Lebewesen allein den ganzen Körper mit Bewusstsein.
> ERLÄUTERUNG
> Über das Bewusstsein gibt es verschiedene Theorien. Hier
> in der Bhagavad-Gita wird das Beispiel der Sonne und des
> Sonnenscheins gegeben. So wie die Sonne an einem Ort
> steht und trotzdem das ganze Universum erleuchtet, so
> erleuchtet ein kleines Teilchen wie die Seele, obwohl es
> sich im Herzen des Körpers befindet, den ganzen Körper
> mit Bewusstsein. Somit ist Bewusstsein der Beweis für das
> Vorhandensein der Seele, ähnlich wie Sonnenschein oder
> Licht der Beweis für die Gegenwart der Sonne ist. Wenn
> die Seele im Körper gegenwärtig ist, ist das Bewusstsein
> über den gesamten Körper verbreitet, doch sobald die Seele
> den Korper verlassen hat, gibt es kein Bewusstsein mehr.
> Jeder intelligente Mensch kann dies ohne weiteres verstehen.
> Daher ist Bewusstsein kein Produkt materieller
> Verbindungen. Es ist das Symptom des Lebewesens. Das
> Bewusstsein des Lebewesens, obwohl eigenschaftsmäßig
> mit dem höchsten Bewusstsein eins, ist nicht von höchster
> Natur, da das Bewusstsein eines bestimmten Körpers nicht
> am Bewusstsein eines anderen Körpers teilhat. Die
> Überseele aber, die in allen Körpern als Freund der
> individuellen Seele weilt, ist Sich aller Körper bewusst. Das
> ist der Unterschied zwischen höchstem Bewusstsein und
> individuellem Bewusstsein.
> 
> VERS 35
> Wer bewusst den Unterschied zwischen dem Körper und
> dem Besitzer des Körpers sieht und den Vorgang der
> Befreiung aus dieser Knechtschaft verstehen kann,
> erreicht ebenfalls das höchste Ziel.
> ERLÄUTERUNG
> Der Sinn des Dreizehnten Kapitels besteht darin, den
> Unterschied zwischen dem Körper, dem Besitzer des
> Körpers und der Überseele zu verstehen. Ein gläubiger
> Mensch sollte sich zunächst einer guten Gemeinschaft
> anschließen, um von Gott zu hören und so allmählich
> erleuchtet zu werden. Wenn jemand einen spirituellen Meister
> annimmt, kann er lernen, zwischen Materie und
> spiritueller Natur zu unterscheiden, und dies ist das
> Sprungbrett zu weiterer spiritueller Verwirklichung. Ein
> spiritueller Meister lehrt seine Schüler durch verschiedene
> Anweisungen, von der materiellen Lebensauffassung frei
> zu werden. In der Bhagavad-Gita zum Beispiel finden wir,
> dass Krsna Arjuna unterweist, um ihn von materialistischen
> Überlegungen zu befreien.
> Man kann verstehen, dass der Körper Materie ist und aus
> vierundzwanzig Elementen besteht. Das ist die grobe
> Manifestation; die feinstoffliche Manifestation besteht aus
> dem Geist und den psychologischen Vorgängen. Und die
> Symptome des Lebens sind die Wechselwirkungen dieser
> Erscheinungen. Aber darüber hinaus gibt es noch die Seele
> und auch die Überseele. Die Seele und die Überseele sind
> voneinander verschieden. Die materielle Welt ist durch die
> Verbindung der Seele mit den vierundzwanzig materiellen
> Elementen in Bewegung, und wer den Aufbau der gesamten
> materiellen Manifestation als die Verbindung der
> Seele mit den materiellen Elementen versteht und auch die
> Stellung der Höchsten Seele verstehen kann, qualifiziert
> sich, in die spirituelle Welt erhoben zu werden. Diese
> Dinge sind zur Betrachtung und Verwirklichung bestimmt,
> und daher sollte man dieses Kapitel mit der Hilfe des
> spirituellen Meisters genau verstehen.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Dreizehnten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem
> Titel: "Natur, Genießer und Bewusstsein."
>
> — *DREIZEHNTES KAPITEL*

