# ELFTES KAPITEL

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> ELFTES KAPITEL
> Die universale Form
> VERS 1
> Arjuna sagte: Ich habe Deine Unterweisung bezüglich
> vertraulicher spiritueller Themen vernommen, die Du
> mir in Deiner Güte mitgeteilt hast, und meine Illusion
> ist jetzt von mir gewichen.
> ERLÄUTERUNG
> Dieses Kapitel offenbart Krsna als die Ursache aller
> Ursachen. Er ist sogar die Ursache Maha-Visnus, von dem
> die materiellen Universen ausgehen. Krsna ist keine
> Inkarnation; Er ist der Ursprung aller Inkarnationen. Das ist
> im letzten Kapitel ausführlich erklärt worden.
> Was nun Arjuna betrifft, so sagt dieser, dass seine Illusion
> jetzt vorüber ist. Das bedeutet, dass Arjuna Krsna nicht
> länger für einen gewöhnlichen Menschen, für einen seiner
> Freunde, hält, sondern versteht, dass Krsna die Quelle allen
> Seins ist. Arjuna ist zwar sehr erleuchtet und froh, einen so
> bedeutenden Freund wie Krsna zu haben, doch jetzt zieht er
> in Erwägung, dass andere, im Gegensatz zu ihm, Krsna
> nicht als den Ursprung allen Seins anerkennen könnten. Um
> also allen Menschen das göttliche Wesen Krsnas zu
> beweisen, bittet er Krsna in diesem Kapitel, Seine
> universale Form zu zeigen. Eigentlich bekommt man
> Angst, genau wie Arjuna, wenn man die universale Form
> Krsnas sieht, doch Krsna ist so gütig, dass Er wieder Seine
> ursprüngliche Gestalt annimmt, nachdem Er diese Form
> gezeigt hat. Arjuna stimmt dem, was Krsna sagt, mehrere
> Male zu. Krsna spricht zu ihm nur zu seinem Nutzen, und
> Arjuna gesteht, dass ihm all dies durch Krsnas Gnade
> geschieht. Er ist jetzt davon überzeugt, dass Krsna die
> Ursache aller Ursachen ist und im Herzen eines jeden als
> Überseele weilt.
> 
> VERS 2
> O Lotosäugiger, ich habe von Dir im einzelnen über das
> Erscheinen und Fortgehen eines jeden Lebewesens
> gehört und dies so durch Deine unerschöpflichen
> Herrlichkeiten verwirklicht.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna spricht Sri Krsna aus Freude als "Lotosäugiger" an
> (Krsnas Augen gleichen den Blütenblättern eines Lotos),
> denn Krsna hat ihm im letzten Vers des vorherigen Kapitels
> versichert, dass Er das gesamte Universum mit nur einem
> Fragment Seinerselbst erhält. Er ist der Ursprung aller
> Dinge in der materiellen Manifestation, und Arjuna hat
> darüber in aller Einzelheit vom Herrn gehört. Arjuna weiß
> auch, dass Krsna über allem Erscheinen und Fortgehen
> steht, obwohl Er die Ursache davon ist. Seine
> Persönlichkeit geht nicht verloren, obwohl Er
> alldurchdringend ist. Das sind die unbegreiflichen Füllen
> Krsnas, die Arjuna, wie er sagt, gründlich verstanden hat.
> 
> VERS 3
> O größte aller Persönlichkeiten, o höchste Gestalt,
> obwohl ich Dich in Deiner wirklichen Identität hier vor
> mir sehe, möchte ich außerdem sehen, wie Du in diese
> kosmische Manifestation eingegangen bist. Ich wünsche
> mir, diese Deine Form zu sehen.
> ERLÄUTERUNG
> Der Herr sagte, dass die kosmische Manifestation nur
> möglich geworden sei und fortbestehe, weil Er durch Seine
> persönliche Repräsentation in das materielle Universum
> eingegangen sei. Was nun Arjuna betrifft, so ist er durch
> die Aussagen Krsnas erleuchtet worden, doch um andere in
> 226
> der Zukunft zu überzeugen, die Krsna für einen
> gewöhnlichen Menschen halten mögen, möchte er Krsna in
> Seiner universalen Form sehen, um zu sehen, wie Er vom
> Innern des Universums aus handelt, obwohl Er entfernt
> davon ist. Dass Arjuna den Herrn um Zustimmung bittet, ist
> ebenfalls bedeutsam. Da der Herr die Höchste
> Persönlichkeit Gottes ist, ist Er in Arjuna persönlich
> anwesend; deshalb kennt Er Arjunas Wunsch, und Er kann
> verstehen, dass Arjuna keinen besonderen Wunsch hat, Ihn
> in Seiner universalen Form zu sehen, denn er ist völlig
> damit zufrieden, Ihn in Seiner persönlichen Gestalt als
> Krsna zu sehen. Aber Er kann auch verstehen, dass Arjuna
> die universale Form sehen möchte, um andere zu
> überzeugen. Er hatte keinen persönlichen Wunsch nach
> Bestätigung. Krsna versteht auch, dass Arjuna die universale
> Form sehen möchte, um ein Kriterium zu setzen, da es in
> der Zukunft viele Betrüger geben würde, die sich selbst als
> Inkarnationen Gottes ausgeben würden. Die Menschen
> sollten daher vorsichtig sein; wer behauptet, Krsna zu sein,
> sollte bereit sein, die universale Form zu zeigen, um seine
> Behauptung zu beweisen.
> 
> VERS 4
> Wenn Du denkst, dass ich imstande bin, Deine kosmische
> Form zu betrachten, o mein Herr, o Meister aller
> mystischen Macht, dann sei bitte so gütig, mir dieses
> universale Selbst zu zeigen.
> ERLÄUTERUNG
> Es wird gesagt, dass man den Höchsten Herrn, Krsna, mit
> den materiellen Sinnen weder sehen noch hören, noch
> verstehen, noch wahrnehmen kann. Wenn man jedoch im
> transzendentalen liebevollen Dienst für den Herrn tätig ist,
> kann man den Herrn durch Offenbarung sehen. Jedes
> Lebewesen ist nur ein spiritueller Funke; deshalb ist es
> nicht möglich, den Höchsten Herrn zu sehen oder zu
> verstehen. Arjuna verlässt sich als Gottgeweihter nicht auf
> die Kraft seiner Spekulation; vielmehr gesteht er seine
> Grenzen als Lebewesen ein und erkennt Krsnas
> unermessliche Stellung an. Arjuna konnte verstehen, dass es
> einem Lebewesen nicht möglich ist, den unbegrenzten
> Unendlichen zu verstehen. Wenn sich der Unendliche
> jedoch offenbart, ist es möglich, durch die Gnade des
> Unendlichen das Wesen des Unendlichen zu verstehen. Das
> Wort yogesvara ist hier ebenfalls sehr bedeutsam, denn der
> Herr verfügt über unbegreifliche Macht. Wenn es Ihm
> beliebt, kann Er Sich, obwohl Er unbegrenzt ist, durch
> Seine Gnade offenbaren. Deshalb bittet Arjuna um die
> unbegreifliche Gnade Krsnas. Er gibt Krsna keine Befehle.
> Krsna ist nicht verpflichtet, Sich irgend jemandem zu
> offenbaren, solange man sich nicht völlig dem Krsna-
> Bewusstsein hingibt und sich im hingebungsvollen Dienst
> beschäftigt. Folglich ist es für Menschen, die auf die Kraft
> ihrer gedanklichen Spekulation bauen, nicht möglich,
> Krsna zu sehen.
> 
> VERS 5
> Der Segenspendende Herr sprach: Mein lieber Arjuna,
> o Sohn Prthas, betrachte jetzt Meine Reichtümer -
> Hunderttausende verschiedener göttlicher Formen,
> vielfarbig wie die See.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna wollte Krsna in Seiner universalen Form sehen, die
> - obwohl eine transzendentale Form - nur für die
> kosmische Manifestation manifestiert und daher der
> zeitweiligen materiellen Natur unterworfen ist. Ähnlich wie
> die materielle Natur mal manifestiert und mal nicht
> manifestiert ist, so ist auch diese universale Form Krsnas
> mal manifestiert und mal unmanifestiert. Sie weilt nicht
> ewig im spirituellen Himmel wie Krsnas andere Formen.
> Was den Gottgeweihten betrifft, so ist er nicht bestrebt, die
> universale Form zu sehen; doch weil Arjuna Krsna so sehen
> wollte, offenbart Krsna diese Form. Diese universale Form
> kann von keinem gewöhnlichen Menschen gesehen
> werden. Krsna muss einem die Fähigkeit geben, sie zu
> sehen.
> 
> VERS 6
> O bester der Bharats, sich nur die verschiedenen
> Manifestationen der Adityas, Rudras und aller
> Halbgötter. Betrachte die Vielfalt, die niemand zuvor
> gesehen und von der niemand jemals zuvor etwas gehört
> hat.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl Arjuna ein persönlicher Freund Krsnas und der
> fortgeschrittenste Gelehrte seiner Zeit war, war es ihm
> dennoch nicht möglich, alles über Krsna zu wissen. Hier
> heißt es, dass Menschen von all diesen Formen und
> Manifestationen weder gehört noch gewusst haben. Jetzt
> offenbart Krsna diese wunderbaren Formen.
> 
> VERS 7
> Was immer du zu sehen wünschst, kann alles auf einmal
> in diesem Körper gesehen werden. Diese universale
> Form kann dir alles zeigen, was du dir jetzt wünschst,
> sowie alles, was du dir in der Zukunft wünschen magst.
> Alles ist hier vollständig vorhanden.
> ERLÄUTERUNG
> Niemand kann das gesamte Universum von einem Ort aus
> sehen. Selbst der fortgeschrittenste Wissenschaftler kann
> nicht sehen, was in anderen Teilen des Universums vor sich
> geht. Krsna gibt Arjuna die Kraft, alles zu sehen, was er
> sehen möchte - in Vergangenheit, Gegenwart und
> Zukunft. Somit ist Arjuna durch die Barmherzigkeit Krsnas
> imstande, alles zu sehen.
> 
> VERS 8
> Doch mit deinen gegenwärtigen Augen kannst du Mich
> nicht sehen. Deshalb gebe Ich dir göttliche Augen, mit
> denen du Meinen mystischen Reichtum betrachten
> kannst.
> ERLÄUTERUNG
> Ein reiner Gottgeweihter möchte Krsna in keiner anderen
> Form als in Seiner zweihändigen Gestalt sehen. Er kann
> Seine universale Form nur durch die Gnade des Herrn
> schauen, das heißt, nicht mit dem Verstand, sondern mit
> spirituellen Augen. Um die universale Form Krsnas zu
> sehen, wird Arjuna angewiesen, nicht seine Gedanken,
> sondern seine Sicht zu verändern. Die universale Form
> Krsnas ist nicht sehr wichtig, wie aus den folgenden Versen
> deutlich werden wird; aber weil Arjuna sie sehen wollte,
> gab ihm der Herr die besondere Sicht, die notwendig ist,
> um diese universale Form zu sehen.
> Geweihte, die in rechter Weise durch eine transzendentale
> Beziehung mit dem Herrn verbunden sind, werden durch
> liebenswerte Merkmale angezogen, nicht durch eine
> gottlose Entfaltung von Reichtümern. Die Spielkameraden
> Krsnas, die Freunde Krsnas und die Eltern Krsnas wollen
> nie, dass Krsna Seine Füllen offenbart. Sie sind so sehr von
> reiner Liebe erfüllt, dass sie nicht einmal wissen, dass Krsna
> die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. In ihrem liebevollen
> 
> Austausch vergessen sie, dass Krsna der Höchste Herr ist.
> Im Srimad-Bhagavatam heißt es, dass die Jungen, die mit
> Krsna spielen, alle überaus fromme Seelen sind und dass sie
> erst nach vielen, vielen Geburten die Eignung erwarben,
> mit Krsna zu spielen. Diese Jungen wissen nicht, dass Krsna
> die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Sie betrachten Ihn als
> ihren Freund. Die Höchste Person wird von großen Weisen
> als das unpersönliche Brahman angesehen, von den
> Gottgeweihten als die Höchste Persönlichkeit Gottes und
> von gewöhnlichen Menschen als ein Produkt der
> materiellen Natur.
> Eigentlich liegt dem Gottgeweihten nichts daran, die
> visva-rupa oder die universale Form zu sehen; doch Arjuna
> wollte sie sehen, um Krsnas Aussage zu erhärten, so dass in
> der Zukunft die Menschen verstehen könnten, dass Sich
> Krsna nicht nur theoretisch oder philosophisch als der
> Höchste präsentierte, sondern Sich Arjuna tatsächlich als
> 
> solcher offenbarte. Arjuna muss dies bestätigen, denn mit
> ihm beginnt das parampara-System. Diejenigen, die
> tatsächlich daran interessiert sind, die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Krsna, zu verstehen, und die den
> Fußspuren Arjunas folgen, sollten verstehen, dass Sich
> Krsna nicht nur theoretisch oder philosophisch als der
> Höchste präsentierte, sondern Sich Arjuna tatsächlich als
> der Höchste offenbarte.
> Wie wir bereits erklärt haben, gab der Herr Arjuna die
> notwendige Kraft, die universale Form zu sehen, weil Er
> wusste, dass Arjuna sie nicht aus einem persönlichen Motiv
> sehen wollte.
> 
> VERS 9
> Sanjaya sagte: O König, mit diesen Worten offenbarte
> der Höchste, der Herr aller mystischen Kraft, die
> Persönlichkeit Gottes, Arjuna Seine universale Form.
> 
> VERS 10-11
> Arjuna sah in dieser universalen Form unzählige
> Münder und zahllose Augen. Das alles war
> überwältigend. Die Form war mit göttlichem,
> gleißendem Geschmeide geschmückt und in viele
> Gewänder gehüllt. Herrliche Girlanden bekränzten den
> Herrn, und Sein Körper war mit vielen wohlriechenden
> Ölen gesalbt. Alles war prachtvoll und erweiterte sich
> überallhin ins Grenzenlose. All das wurde von Arjuna
> geschaut.
> ERLÄUTERUNG
> Diese beiden Verse deuten darauf hin, dass der Herr
> unbegrenzt viele Hände, Münder, Beine usw. hat. Diese
> Manifestationen sind überall im Universum verteilt und
> kennen keine Grenzen. Durch die Gnade des Herrn konnte
> Arjuna sie sehen, während er an einem Ort saß. Das war
> allein der unbegreiflichen Kraft des Herrn zu verdanken.
> 
> VERS 12
> Wenn Hunderttausende von Sonnen gleichzeitig in den
> Himmel stiegen, kämen sie dem Glanz der Höchsten
> Person in dieser universalen Form vielleicht gleich.
> ERLÄUTERUNG
> Was Arjuna sah, war unbeschreiblich; trotzdem versucht
> Sanjaya, dem blinden Dhrtarastra  eine Vorstellung von
> dieser großen Offenbarung zu geben. Weder Sanjaya noch
> Dhrtarastra  waren auf dem Schlachtfeld zugegen, doch
> Sanjaya konnte durch die Gnade Vyasas alle Geschehnisse
> beobachten. Daher vergleicht er jetzt die Situation, soweit
> sie überhaupt verstanden werden kann, mit einem
> vorstellbaren Phänomen (nämlich mit Tausenden von
> Sonnen).
> VERS 13
> Da konnte Arjuna in der universalen Form des Herrn
> die grenzenlosen Erweiterungen des Universums sehen,
> die sich alle an einem Ort befanden, obwohl es ihrer
> viele, viele Tausende waren.
> ERLÄUTERUNG
> Das Wort tatra (dort) ist sehr bedeutsam. Es deutet darauf
> hin, dass sowohl Arjuna als auch Krsna auf dem
> Streitwagen saßen, als Arjuna die universale Form sah.
> Andere auf dem Schlachtfeld konnten diese Form nicht
> sehen, weil Krsna diese Sicht nur Arjuna gab. Arjuna
> konnte im Körper Krsnas viele Tausende von Universen
> sehen. Aus den vedischen Schriften erfahren wir, dass es
> viele Universen und viele Planeten gibt. Einige von ihnen
> bestehen aus Erde, einige aus Gold und andere aus
> Juwelen; einige sind sehr groß, andere sind weniger groß,
> usw. Während Arjuna auf seinem Streitwagen saß, konnte
> er all diese Universen sehen. Aber niemand konnte
> verstehen, was zwischen Arjuna und Krsna vorging.
> 
> VERS 14
> Da Arjuna verwirrt und erstaunt war und seine Haare
> sich sträubten, begann er mit gefalteten Händen zu
> beten, während er dem Höchsten Herrn Ehrerbietungen
> darbrachte.
> ERLÄUTERUNG
> Sobald die göttliche Offenbarung geschehen ist, ändert sich
> das Verhältnis zwischen Krsna und Arjuna. Bisher beruhte
> ihre Beziehung auf Freundschaft, doch nach der
> Offenbarung bringt Arjuna mit großer Achtung
> Ehrerbietungen dar und betet mit gefalteten Händen zu
> Krsna. Er lobpreist die universale Form. Somit wird die
> Beziehung zwischen Arjuna und Krsna eher zu einem
> Verhältnis des Erstaunens als zu einem der Freundschaft.
> Große Gottgeweihte sehen Krsna als das Behältnis aller
> Beziehungen. In den Schriften werden zwölf grundlegende
> Beziehungen erwähnt, und sie alle sind in Krsna zu finden.
> Es wird gesagt, dass Er der Ozean aller Beziehungen ist, die
> zwischen den Lebewesen, den Göttern oder dem Höchsten
> Herrn und Seinen Geweihten ausgetauscht werden.
> Es heißt, dass Arjuna von der Beziehung des Erstaunens
> überwältigt war, und in diesem Erstaunen wurde er -
> obwohl von Natur aus sehr nüchtern, besonnen und ruhig
> - von Ekstase überwältigt, und seine Haare sträubten sich.
> Mit gefalteten Händen begann er daher dem Höchsten
> Herrn seine Ehrerbietungen zu erweisen. Selbstverständlich
> hatte er keine Angst - doch er war von den Wundern des
> Höchsten Herrn überwältigt. Die unmittelbare Folge ist
> Erstaunen; seine natürliche liebende Freundschaft war von
> Erstaunen überwältigt worden, und daher reagierte er auf
> diese Weise.
> 
> VERS 15
> Arjuna sprach: Mein lieber Sri Krsna, ich sehe in
> Deinem Körper alle Halbgötter und verschiedene
> andere Lebewesen versammelt. Ich sehe Brahma auf
> der Lotosblume sitzen, und ich kann auch Siva sowie
> viele Weise und göttliche Schlangen erkennen.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna sieht alles im Universum; folglich sieht er Brahma,
> der das erste Geschöpf im Universum ist, und die göttliche
> Schlange, auf der Garbhodakasayi Visnu in den unteren
> Regionen des Universums liegt. Dieses Schlangenbett wird
> Vasuki genannt. Arjuna kann von Garbhodakasayi Visnu
> bis hinauf zum höchsten Bereich des Universums auf den
> Lotos-Planeten sehen, auf dem Brahma, das erste Lebewesen
> des Universums, residiert. Dies bedeutet, dass Arjuna
> von Anfang bis Ende alles sehen konnte, während er an
> einem Ort auf seinem Streitwagen saß. Das war durch die
> Gnade Krsnas, des Höchsten Herrn, möglich.
> 
> VERS 16
> O Herr des Universums, ich sehe in Deinem universalen
> Körper zahllose Formen - Arme, Bäuche, Münder und
> Augen -, die sich ins Grenzenlose ausdehnen. All dies
> hat kein Ende, keinen Anfang und keine Mitte.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, und Er ist
> unbegrenzt; deshalb konnte durch Ihn alles gesehen
> werden.
> 
> VERS 17
> 
> Der Anblick Deiner Form, die verschiedene Kronen,
> Keulen und Räder schmücken, ist kaum zu ertragen, da
> eine gleißende Ausstrahlung von ihr ausgeht, die feurig
> und unermesslich ist wie die Sonne.
> 
> VERS 18
> Du bist das höchste, ursprüngliche Ziel; Du bist der
> Vortrefflichste in allen Universen; Du bist
> unerschöpflich, und Du bist der Älteste; Du bist der
> Erhalter der Religion, die ewige Persönlichkeit Gottes.
> 
> VERS 19
> Du bist der Ursprung ohne Anfang, Mitte oder Ende.
> Du hast zahllose Arme, und die Sonne und der Mond
> gehören zu Deinen großen, unbegrenzten Augen. Durch
> Deinen strahlenden Glanz erhitzt Du das gesamte
> Universum.
> ERLÄUTERUNG
> Dem Ausmaß der sechs Reichtümer der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes sind keine Grenzen gesetzt. Hier und
> an vielen anderen Stellen findet man eine Wiederholung,
> aber den Schriften gemäß ist die Wiederholung der
> Herrlichkeit Krsnas keine literarische Schwäche. Es heißt,
> dass bei Verwirrung, Erstaunen oder großer Ekstase
> Aussagen immer wieder wiederholt werden. Das ist kein
> Fehler.
> 
> VERS 20
> Obwohl Du Einer bist, bist Du überall im Himmel, auf
> den Planeten und im Raum dazwischen verbreitet. O
> Erhabener, während ich diese schreckliche Form
> betrachte, sehe ich, dass die Bewohner aller
> Planetensysteme bestürzt sind.
> ERLÄUTERUNG
> Dyav-apçthivyoh (der Raum zwischen Himmel und Erde)
> und lokatrayam (die drei Welten) sind bedeutsame Worte in
> diesem Vers, da anscheinend nicht nur Arjuna die
> universale Form des Herrn sah, sondern auch andere auf
> anderen Planetensystemen. Die Erscheinung war kein
> Traum. Alle, die spirituell wach waren und die göttliche
> Sicht besaßen, sahen diese Form.
> 
> VERS 21
> Alle Halbgötter ergeben sich Dir und gehen in Dich ein.
> Sie fürchten sich sehr und singen mit gefalteten Händen
> vedische Hymnen.
> ERLÄUTERUNG
> Die Halbgötter auf allen Planetensystemem fürchteten sich
> vor der angsteinflößenden Manifestation der universalen
> Form und ihrer leuchtenden Ausstrahlung und beteten
> deshalb um Schutz.
> 
> VERS 22
> Die verschiedenen Manifestationen Sivas, die Adityas,
> die Vasus, die Sadhyas, die Vièvadevas, die beiden
> Asvins, die Maruts, die Vorväter sowie die Gandharvas,
> die Yaksas, die Asuras und alle vollkommenen
> Halbgötter betrachten Dich mit Erstaunen.
> 
> VERS 23
> O Starkarmiger, alle Planeten mit ihren Halbgöttern
> sind bestürzt beim Anblick Deiner vielen Gesichter,
> Augen, Arme, Bäuche, Beine und Deiner fürchterlichen
> Zähne. Und wie sie, so bin auch ich verwirrt.
> 
> VERS 24
> O alldurchdringender Visnu, ich kann meinen
> Gleichmut nicht länger bewahren. Wenn ich sehe, wie
> Deine leuchtenden Farben den Himmel bedecken, und
> wenn ich Deine Augen und Münder betrachte,
> überkommt mich Angst.
> 
> VERS 25
> O Herr aller Herren, o Zuflucht der Welten, bitte sei
> mir gnädig. Ich kann meinen Gleichmut nicht
> bewahren, wenn ich Deine lodernden, todähnlichen
> Gesichter und Deine fürchterlichen Zähne sehe. Ich bin
> völlig verwirrt.
> 
> VERS 26-27
> Alle Söhne Dhrtarastra s stürzen zusammen mit ihren
> verbündeten Königen sowie Bhisma, Drona und Karna
> und all unseren Soldaten in Deine Münder, wo ihre
> Köpfe von Deinen furchterregenden Zähnen
> zerschmettert werden. Und ich sehe, dass einige
> zwischen Deinen Zähnen auch zermalmt werden.
> ERLÄUTERUNG
> In einem früheren Vers versprach der Herr, Arjuna Dinge
> zu zeigen, die ihn sehr interessieren würden. Jetzt sieht
> Arjuna, dass die Führer der Gegenseite (Bhisma, Drona,
> Karna und alle Söhne Dhrtarastras) zusammen mit ihren
> und auch seinen eigenen Soldaten vernichtet werden. Das
> deutet darauf hin, dass Arjuna, trotz schwerer Verluste auf
> beiden Seiten, siegreich aus der Schlacht hervorgehen wird.
> Es wird hier ebenfalls erwähnt, dass auch Bhisma, der als
> unbesiegbar gilt, erschlagen werden wird. Das gleiche gilt
> für Karna. Es werden nicht nur die großen Krieger der
> Gegenseite, wie Bhisma, erschlagen werden, sondern auch
> einige der mächtigen Krieger auf Arjunas Seite.
> 
> VERS 28
> Wie sich die Flüsse ins Meer ergießen, so stürzen all
> diese großen Krieger in Deine lodernden Münder und
> vergehen.
> 
> VERS 29
> Ich sehe alle Menschen mit rasender Geschwindigkeit in
> Deine Münder stürzen, so wie Motten in ein loderndes
> Feuer jagen.
> 
> VERS 30
> O Visnu, ich sehe, wie Du alle Menschen mit Deinen
> flammenden Mündern verschlingst und das Universum
> mit Deinen unermesslichen Strahlen erfüllst. Indem Du
> die Welten versengst, bist Du offenbar.
> 
> VERS 31
> O Herr der Herren, schreckliche Gestalt, bitte sage mir,
> wer Du bist. Ich erweise Dir meine Ehrerbietungen,
> bitte sei mir gnädig. Ich weiß nicht, was Deine Mission
> ist, und ich möchte davon hören.
> 
> VERS 32
> Der Segenspendende Herr sprach: Zeit bin Ich, die
> Zerstörerin der Welten, und Ich bin gekommen, um alle
> Menschen zu beschäftigen. Außer euch [den Pandavas]
> werden alle Soldaten hier auf beiden Seiten erschlagen
> werden.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl Arjuna wusste, dass Krsna sein Freund und die
> Höchste Persönlichkeit Gottes war, verwirrten ihn die
> verschiedenen Formen, die Krsna offenbarte. Deshalb
> stellte er noch weitere Fragen nach der eigentlichen
> Mission dieser zerstörenden Kraft. In den Veden steht
> geschrieben, dass die Höchste Wahrheit alles, selbst
> Brahma, zerstört:
> "Letztlich werden alle brahmanas, ksatriyas und alle
> anderen vom Höchsten verschlungen."
> Diese Form des Höchsten Herrn ist ein
> alles-verschlingender Gigant, und Krsna zeigt Sich hier in
> dieser Form der allesverschlingenden Zeit. Außer ein paar
> Pandavas sollte jeder, der auf dem Schlachtfeld anwesend
> war, von Ihm verschlungen werden.
> Arjuna befürwortete den Kampf nicht, und so hielt er es für
> besser, nicht zu kämpfen; dann gäbe es keine Enttäuschung.
> Als Antwort sagt der Herr, dass selbst dann, wenn Arjuna
> nicht kämpfte, jeder vernichtet werden würde, da dies Sein
> Plan sei. Wenn er aufhörte zu kämpfen, würden sie auf
> andere Weise sterben. Ihr Tod könne nicht aufgehalten
> werden, auch wenn Arjuna nicht kämpfe. In der Tat waren
> sie bereits tot. Zeit ist Zerstörung, und allen
> Manifestationen ist es durch den Wunsch des Höchsten
> Herrn bestimmt zu vergehen. Das ist das Gesetz der Natur.
> 
> VERS 33
> Darum erhebe dich, und rüste dich zum Kampf.
> Nachdem du deine Feinde besiegt hast, wirst du dich
> eines blühenden Königreiches erfreuen. Durch Meinen
> Willen sind sie bereits dem Tod geweiht, und du, o
> Savyasacin, kannst in diesem Kampf nur ein Werkzeug
> sein.
> ERLÄUTERUNG
> Savyasacin bezieht sich auf jemand, der auf dem
> Schlachtfeld sehr gut mit Pfeilen umgehen kann; deshalb
> wird Arjuna als kundiger Krieger angeredet, der fähig ist,
> seine Feinde mit Pfeilen zu töten. "Werde einfach ein
> Werkzeug", nimitta-matram. Auch dieses Wort ist sehr
> bedeutsam. Die ganze Welt bewegt sich nach dem Plan der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes. Törichte Menschen, die
> kein ausreichendes Wissen haben, denken, die Natur arbeite
> ohne Plan und alle Manifestationen seien nichts als
> zufällige Gebilde. Es gibt viele sogenannte Wissenschaftler,
> die vermuten, dass es "vielleicht so war" oder "eventuell so
> sein könnte", aber von "vielleicht" oder "eventuell" kann
> keine Rede sein. Die gesamte materielle Welt läuft nach
> einem bestimmten Plan ab. Und wie sieht dieser Plan aus?
> Die kosmische Manifestation ist für die bedingten Seelen
> eine Möglichkeit, nach Hause, zu Gott, zurückzukehren.
> Solange sie die Neigung haben, den Herrn zu spielen, und
> deshalb versuchen, die materielle Natur zu beherrschen,
> sind sie bedingt. Doch jeder, der den Plan des Höchsten
> Herrn verstehen und Krsna-Bewusstsein kultivieren kann,
> ist überaus intelligent. Schöpfung und Zerstörung der
> kosmischen Manifestation finden unter der höheren
> Führung Gottes statt. Daher wurde die Schlacht von
> Kuruksetra nach Gottes Plan gekämpft. Arjuna weigerte
> sich zu kämpfen, doch ihm wurde gesagt, er solle kämpfen
> und zur gleichen Zeit nach dem Höchsten Herrn begehren.
> Dann würde er glücklich sein. Wenn man völlig
> Krsna-bewusst ist und sein Leben dem transzendentalen
> Dienst des Herrn geweiht hat, ist man vollkommen.
> 
> VERS 34
> Der Segenspendende Herr sprach: Alle großen Krieger
> - Drona, Bhisma, Jayadratha und Karna - sind
> bereits vernichtet. Kämpfe nur, und du wirst deine
> Feinde besiegen.
> ERLÄUTERUNG
> Jeder Plan wird vom Herrn, von der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes, entworfen, doch der Herr ist so gütig
> und barmherzig zu Seinen Geweihten, dass Er das Verdienst
> Seinen Geweihten zukommen lassen möchte, die Seinen
> Plan nach Seinem Wunsch ausführen. Das Leben sollte
> daher in solcher Weise gestaltet werden, dass jeder im
> Krsna-Bewusstsein handelt und die Höchste Persönlichkeit
> Gottes durch das Medium eines spirituellen Meisters
> versteht. Die Pläne der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> versteht man durch Ihre Barmherzigkeit, und die Pläne der
> Gottgeweihten sind so gut wie die Pläne des Herrn. Man
> sollte solchen Plänen folgen und aus dem Kampf ums
> Dasein siegreich hervorgehen.
> 
> VERS 35
> Sanjaya sagte zu Dhrtarastra : O König, nachdem
> Arjuna diese Worte von der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes vernommen hatte, erbebte er und brachte
> ehrfürchtig, mit gefalteten Händen, Ehrerbietungen dar
> und begann stockend wie folgt zu sprechen:
> ERLÄUTERUNG
> Wie wir bereits erklärt haben, verwirrte und erstaunte
> Arjuna die Situation, die durch die universale Form des
> Herrn geschaffen wurde. Er brachte daher Krsna immer
> wieder seine achtungsvollen Ehrerbietungen dar und
> begann, nicht als Freund, sondern als ein von Erstaunen
> 
> überwältigter Geweihter, mit bebender Stimme zu beten.
> 
> VERS 36
> Arjuna sprach: O Hrsikesa, die Welt wird von Freude
> erfüllt, wenn sie Deinen Namen hört, und so wird jeder
> zu Dir hingezogen. Während die vervollkommneten
> Wesen Dir ihre achtungsvollen Ehrerbietungen erweisen,
> fürchten sich die Dämonen und fliehen nach allen
> Seiten. All das geschieht mit Recht.
> ERLÄUTERUNG
> Nachdem Arjuna von Krsna über den Ausgang der Schlacht
> von Kuruksetra gehört hatte, wurde er zu einem
> erleuchteten Geweihten des Höchsten Herrn. Er gestand zu,
> dass alles, was von Krsna getan wird, richtig ist. Arjuna
> bestätigte, dass Krsna der Erhalter und das Ziel der
> Verehrung für die Gottgeweihten und der Vernichter der
> unerwünschten Elemente ist. Seine Handlungen sind für
> alle gleichermaßen gut. Arjuna begriff, dass gegen Ende der
> Schlacht von Kuruksetra viele Halbgötter, siddhas und die
> gebildete Oberschicht der höheren Planeten zugegen sein
> und den Kampf beobachten würden, weil Krsna dabei war.
> Als Arjuna die universale Form des Herrn sah, hatten die
> Halbgötter ihre Freude an ihr, wohingegen die Dämonen
> und Atheisten es nicht ertragen konnten, dass der Herr
> gepriesen wurde. Aus ihrer natürlichen Furcht vor der
> vernichtenden Form der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> ergriffen sie die ßucht. Arjuna rühmt die Art und Weise,
> wie Krsna die Gottgeweihten und die Atheisten behandelt.
> Ein Gottgeweihter lobpreist den Herrn immer, denn er
> weiß, dass alles, was der Herr tut, für alle gut ist.
> 
> VERS 37
> O Erhabener, der Du selbst über Brahma stehst, Du bist
> der ursprüngliche Meister. Warum sollten sie Dir nicht
> ihre Ehrerbietungen erweisen, o Grenzenloser? O
> Zuflucht des Universums, Du bist die unüberwindliche
> Quelle, die Ursache aller Ursachen, transzendental zur
> materiellen Manifestation.
> ERLÄUTERUNG
> Indem Arjuna diese Ehrerbietungen darbringt, deutet er an,
> dass Krsna für jeden verehrenswert ist. Krsna ist
> alldurchdringend, und Er ist die Seele jeder Seele. Arjuna
> bezeichnet Krsna als mahatma, was bedeutet, dass Krsna
> überaus großmütig und unbegrenzt ist. Ananta besagt, dass
> es nichts gibt, was nicht vom Einfluss und der Energie des
> Höchsten Herrn erfasst ist, und devesa bedeutet, dass Er alle
> Halbgötter beherrscht und über ihnen steht. Er ist der
> Mittelpunkt des ganzen Universums. Arjuna dachte auch,
> dass es angemessen sei, dass alle vollkommenen Lebewesen
> und mächtigen Halbgötter dem Herrn ihre achtungsvollen
> Ehrerbietungen darbringen, da niemand größer ist als Er. Er
> erwähnt besonders, dass Krsna größer ist als Brahma, da
> Brahma von Ihm erschaffen wurde. Brahma ist aus dem
> Lotosstengel geboren, der aus dem Nabel Garbhodakasayi
> Visnus, Krsnas vollständiger Erweiterung, wächst; deshalb
> müssen Brahma und der von ihm geborene Siva und alle
> anderen Halbgötter dem Herrn ihre achtungsvollen
> Ehrerbietungen erweisen. Der Herr wird also von Siva,
> Brahma und ähnlichen anderen Halbgöttern geachtet. Das
> Wort aksaram ist sehr bedeutsam, da zwar die materielle
> Schöpfung der Zerstörung ausgesetzt ist, der Herr jedoch
> über der materiellen Schöpfung steht. Er ist die Ursache
> aller Ursachen, und somit steht Er sowohl über allen
> bedingten Seelen in der materiellen Welt als auch über der
> materiellen kosmischen Manifestation selbst. Er ist daher
> der über alles erhabene Höchste.
> 
> VERS 38
> Du bist die ursprüngliche Persönlichkeit, der Höchste
> Gott. Du bist die einzige Zuflucht der manifestierten
> kosmischen Welt. Du weißt alles, und Du bist alles, was
> zu erkennen ist. Du stehst über den materiellen 
> Erscheinungsweisen. O grenzenlose Form, die gesamte
> kosmische Manifestation wird von Dir durchdrungen.
> ERLÄUTERUNG
> Alles ruht auf dem Herrn, der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes; deshalb ist Er der endgültige Ruheort. Nidhanam
> bedeutet, dass alles, selbst die Brahman-Ausstrahlung, auf
> der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsna, ruht. Er weiß
> alles, was in dieser Welt geschieht, und falls Wissen
> irgendein Ende hat, so ist Er das Ende allen Wissens; daher
> ist Er der Kenner und derjenige, der zu erkennen ist. Er ist
> das Ziel des Wissens, da Er alldurchdringend ist. Weil Er
> die Ursache in der spirituellen Welt ist, ist Er
> transzendental, und Er ist auch die führende Persönlichkeit
> in der transzendentalen Welt.
> 
> VERS 39
> Du bist Luft, Feuer, Wasser, und Du bist der Mond. Du
> bist der höchste Herrscher und der Großvater. Daher
> erweise ich Dir meine achtungsvollen Ehrerbietungen
> tausendmal und nochmals und immer wieder.
> ERLÄUTERUNG
> Hier wird der Herr als Luft angesprochen, denn die Luft ist
> die wichtigste Repräsentation aller Halbgötter, da sie
> alldurchdringend ist. Arjuna spricht Krsna auch als
> Großvater an, weil Krsna der Vater Brahmas, des ersten
> Lebewesens im Universum, ist.
> 
> VERS 40
> O ungebundene Kraft, ich erweise Dir von vorne, von
> hinten und von allen Seiten Ehrerbietungen. Du bist der
> Herr unbegrenzter Macht! Du bist alldurchdringend,
> und daher bist Du alles!
> ERLÄUTERUNG
> Aus liebender Ekstase erweist Arjuna seinem Freund Krsna
> von allen Seiten seine Ehrerbietungen. Er akzeptiert, dass Er
> der Herr aller Kräfte und aller Macht ist und dass Er allen
> großen Kriegern, die auf dem Schlachtfeld versammelt
> sind, weit überlegen ist. Im Visnu Purana heißt es:
> "Wer immer vor Dich tritt - selbst wenn es ein Halbgott
> ist -, wurde von Dir erschaffen, o Höchste Persönlichkeit
> Gottes."
> 
> VERS 41-42
> Ohne Deine Herrlichkeit zu kennen, habe ich Dich in
> der Vergangenheit mit „o Krsnaì, „o Yadavaì, „o mein
> Freund“ angeredet. Bitte vergib mir, was immer ich aus
> Torheit oder Liebe getan haben mag. Ich habe Dich
> viele Male missachtet, während wir uns ausruhten oder
> auf dem gleichen Bett lagen oder zusammen speisten,
> manchmal allein und manchmal vor vielen Freunden.
> Bitte verzeih mir all meine Vergehen.
> ERLÄUTERUNG
> Obwohl Krsna in Seiner universalen Form vor Arjuna
> manifestiert ist, erinnert sich Arjuna an seine
> freundschaftliche Beziehung zu Krsna und bittet Ihn daher
> um Vergebung für seine vielen ungezwungenen Gesten, die
> aus Freundschaft entstanden waren. Er gesteht ein, dass er
> früher nicht gewusst habe, dass Krsna solch eine universale
> Form annehmen kann, obwohl Krsna ihm dies als sein
> vertrauter Freund erklärt hatte. Arjuna wusste nicht, wie oft
> er Ihn missachtet haben mochte, als er Ihn, ohne Seine
> Füllen zu bedenken, mit "o mein Freund, o Krsna, o
> Yadava" anredete. Aber Krsna ist so gütig und barmherzig,
> dass Er trotz solcher Füllen mit Arjuna als einem Freund
> spielte. Das ist der transzendentale liebevolle Austausch
> zwischen dem Gottgeweihten und dem Herrn. Die
> Beziehung zwischen dem Lebewesen und Krsna steht ewig
> fest, und wie wir aus dem Verhalten Arjunas ersehen
> können, kann sie nicht vergessen werden. Obwohl Arjuna
> die Füllen Krsnas in der universalen Form gesehen hatte,
> konnte er seine freundschaftliche Beziehung zu Krsna nicht
> vergessen.
> 
> VERS 43
> Du bist der Vater dieser gesamten kosmischen
> Manifestation, der Herr, dem alle Verehrung gebührt,
> der spirituelle Meister. Niemand kommt Dir gleich, und
> niemand kann eins mit Dir sein. Innerhalb der drei
> Welten gibt es niemand, der Dich ermessen kann.
> ERLÄUTERUNG
> Sri Krsna, der Herr, ist verehrenswert, so wie ein Vater für
> seinen Sohn verehrenswert ist. Er ist der spirituelle Meister,
> weil Er ursprünglich Brahma die vedischen
> Unterweisungen lehrte, und gegenwärtig unterrichtet Er
> 
> Arjuna in der Bhagavad-Gita; deshalb ist Er der
> ursprüngliche spirituelle Meister, und jeder echte spiritudle
> Meister der heutigen Zeit muss ein Nachkomme in der von
> Krsna stammenden Schülernachfolge sein. Ohne ein
> Repräsentant Krsnas zu sein, kann man kein spiritueller
> Meister oder Lehrer transzendentaler Thematik werden.
> Dem Herrn werden in jeder Hinsicht Ehrerbietungen
> dargebracht. Er ist von unermesslicher Größe. Niemand
> kann größer sein als die Höchste Persönlichkeit Gottes,
> Krsna, denn es gibt niemanden innerhalb aller
> Manifestationen - ob spirituell oder materiell -, der
> Krsna gleichkommt oder größer ist als Er. Jeder ist Ihm
> untergeordnet. Niemand kann Ihn übertreffen.
> Der Höchste Herr Sri Krsna hat, ähnlich wie ein
> gewöhnlicher Mensch, Sinne und einen Körper, doch für
> Ihn besteht kein Unterschied zwischen Seinen Sinnen,
> Seinem Körper, Seinem Geist und Ihm Selbst. Törichte
> Menschen, die Krsna nicht vollkommen kennen,
> behaupten, Er sei von Seiner Seele, Seinem Geist, Seinem
> Herzen und allem anderen verschieden, doch Krsna ist
> absolut, und deshalb sind Seine Taten und Kräfte
> unvergleichlich und erhaben. Es heißt auch, dass Seine
> Sinne nicht wie die unseren sind. Er kann alle
> Sinnestätigkeiten ausführen, und daher sind Seine Sinne
> weder unvollkommen noch begrenzt. Niemand kann größer
> sein als Er, niemand kann Ihm gleichkommen, und jeder ist
> geringer als Er.
> Wer immer Seinen transzendentalen Körper, Sein
> transzendentales Tun und Seine transzendentale
> Vollkommenheit kennt, kehrt nach Verlassen seines
> Körpers zu Ihm zurück und kommt nicht wieder in diese
> leidvolle Welt. Man sollte daher wissen, dass Krsnas
> Tätigkeiten von denen anderer Lebewesen verschieden
> sind. Das beste ist, den Prinzipien Krsnas zu folgen; das
> wird einen zur Vollkommenheit führen. Es steht auch
> geschrieben, dass niemand Krsnas Meister ist; jeder ist Sein
> Diener. Nur Krsna ist Gott; jeder andere ist Diener. Jeder
> fügt sich Seiner Anordnung. Es gibt niemand, der sich
> Seiner Anordnung widersetzen kann. Jeder handelt nach
> Seiner Weisung, da er unter Seiner Oberaufsicht steht. Wie
> es in der Brahma-samhita (5.1) heißt, ist Er die Ursache
> aller Ursachen.
> 
> VERS 44
> Du bist der Höchste Herr, der von jedem Lebewesen zu
> verehren ist. Daher falle ich nieder, um Dir meine
> Ehrerbietungen zu erweisen und Deine Barmherzigkeit
> zu erflehen. Bitte, übersieh die Kränkungen, die ich Dir
> zugefügt haben mag, und dulde mich wie ein Vater
> seinen Sohn, ein Freund seinen Freund oder ein
> Liebender seine Geliebte.
> ERLÄUTERUNG
> Krsnas Geweihte sind mit Krsna in verschiedenen
> Beziehungen verbunden. Man mag Krsna als seinen Sohn
> behandeln, oder man mag Krsna als seinen Gemahl, als
> Freund, als Meister usw. behandeln. Krsna und Arjuna sind
> durch Freundschaft miteinander verbunden. Wie der Vater
> oder der Ehemann oder der Meister duldsam ist, so ist auch
> Krsna duldsam.
> 
> VERS 45
> Nachdem ich diese universale Form geschaut habe, die
> ich niemals zuvor sah, bin ich von Glück erfüllt; doch
> zur gleichen Zeit bin ich aus Furcht verwirrt. Sei mir
> daher bitte gnädig, und offenbare wieder Deine Gestalt
> als die Persönlichkeit Gottes, o Herr der Herren, o
> Zuflucht des Universums.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna hat immer Vertrauen zu Krsna, weil er dessen
> inniger Freund und deshalb über den Reichtum seines
> Freundes beglückt ist. Arjuna bereitet es große Freude zu
> sehen, dass sein Freund, Krsna, die Höchste Persönlichkeit
> Gottes ist und solch eine wunderbare universale Form
> zeigen kann. Nachdem er diese universale Form gesehen
> hat, befürchtet er jedoch zur gleichen Zeit, aus 
> unverfälschter Freundschaft viele Vergehen gegen Krsna
> begangen zu haben. Folglich ist er aus Furcht verwirrt,
> wenngleich er keinen Grund hatte, etwas zu befürchten. Arjuna
> bittet Krsna daher, Seine Narayana-Form zu zeigen, da
> der Herr jede beliebige Form annehmen kann. Die
> universale Form ist materiell und ebenso zeitweilig wie die
> materielle Welt; doch auf den Vaikuntha-Planeten hält Sich
> Krsna in Seiner vierhändigen transzendentalen Gestalt als
> Narayana auf. Es gibt unzählige Planeten im spirituellen
> Himmel, und auf jedem dieser Planeten ist Krsna durch
> Seine vollständigen Manifestationen, die verschiedene
> Namen tragen, gegenwärtig. Arjuna wollte also eine der
> Formen sehen, die auf den Vaikuntha-Planeten manifestiert
> sind. Natürlich ist auf jedem Vaikuntha-Planeten die
> Gestalt Narayanas vierhändig, und die vier Hände halten
> verschiedene Symbole, nämlich Muschelhorn, Keule, Lotos
> und Feuerrad. Entsprechend den verschiedenen Händen, in
> denen diese Symbole gehalten werden, tragen die
> Narayanas verschiedene Namen. All diese Formen sind für
> Krsna eins; daher bittet Arjuna, Seine vierhändige
> Erscheinung sehen zu dürfen.
> 
> VERS 46
> O universaler Herr, ich möchte Dich in Deiner
> vierarmigen Gestalt sehen, mit behelmtem Haupt und
> mit Keule, Rad, Muschel und Lotosblüte in Deinen
> Händen. Ich sehne mich danach, Dich in dieser Form zu
> sehen.
> ERLÄUTERUNG
> In der Brahma-samhita wird gesagt, dass der Herr ewig in
> Hunderttausenden von Formen manifestiert ist, von denen
> Formen wie Rama, Nrsimha, Narayana, usw. die
> wichtigsten sind. Es gibt unzählige Formen. Arjuna aber
> wusste, dass Krsna die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes
> ist und dass Er jetzt Seine zeitweilige universale Form
> angenommen hatte. Er bittet nun darum, die Gestalt
> Narayanas, eine spirituelle Form, sehen zu dürfen. Dieser
> Vers erhärtet ohne jeden Zweifel die Aussage des
> Srimad-Bhagavatam, dass Krsna die ursprüngliche
> Persönlichkeit Gottes ist und dass alle anderen Aspekte von
> Ihm ausgehen. Er ist nicht verschieden von Seinen
> vollständigen Erweiterungen, und in jeder Seiner zahllosen
> Formen ist Er Gott. In all diesen Formen ist Er von
> jugendlichem Alter und von blühender Schönheit. Das ist
> das beständige Kennzeichen der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes. Wer Krsna kennt, wird sogleich von aller
> Verunreinigung der materiellen Welt frei.
> 
> VERS 47
> Der Segenspendende Herr sprach: Mein lieber Arjuna,
> mit Freude zeige Ich dir diese universale Form in der
> materiellen Welt durch Meine innere Kraft. Niemand
> vor dir hat jemals diese unbegrenzte und gleißende
> Form gesehen.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna hatte den Wunsch, die universale Form des
> Höchsten Herrn zu sehen, und aus Barmherzigkeit mit
> Seinem Geweihten Arjuna zeigte Sri Krsna Seine von
> Glanz und Reichtum erfüllte universale Form. Diese Form
> war gleißend wie die Sonne, und ihre vielen Gesichter
> wechselten rasch. Krsna zeigte diese Form nur, um den
> Wunsch Seines Freundes Arjuna zu erfüllen. Diese Form
> wurde von Krsna durch Seine innere Energie manifestiert,
> die durch menschliche Spekulation nicht erfasst werden
> kann. Niemand vor Arjuna hatte die universale Form des
> Herrn gesehen, doch weil diese Form Arjuna gezeigt
> wurde, konnte sie auch von anderen Gottgeweihten auf den
> himmlischen Planeten und auf anderen Planeten im Weltall
> gesehen werden. Sie hatten sie niemals zuvor erblickt, aber
> weil Arjuna sie sehen konnte, waren auch sie fähig, sie zu
> betrachten. Mit anderen Worten: Alle Geweihten des Herrn
> konnten die universale Form sehen, die Arjuna durch
> Krsnas Barmherzigkeit gezeigt wurde. Jemand
> kommentierte, diese Form sei auch Duryodhana gezeigt
> worden, als Krsna zu ihm ging, um Frieden zu schließen.
> Unglücklicherweise nahm Duryodhana das
> Friedensangebot nicht an, aber bei dieser Gelegenheit
> manifestierte Krsna einige Seiner universalen Formen.
> Diese Formen sind indes verschieden von der, die Arjuna
> gezeigt wurde. Es wird klar gesagt, dass niemand jemals
> zuvor diese Form gesehen hat.
> 
> VERS 48
> O bester der Kuru-Krieger, niemand vor dir hat jemals
> diese Meine universale Form gesehen, denn sie kann
> weder durch das Studium der Veden noch durch
> Opferdarbringungen, noch durch Wohltätigkeiten oder
> ähnliche Werke gesehen werden. Du allein hast sie
> gesehen.
> ERLÄUTERUNG
> Die göttliche Sicht, von der hier gesprochen wird, sollte
> richtig verstanden werden. Wer kann die göttliche Sicht
> haben? Göttlich bedeutet fromm. Solange man nicht den
> Status der Göttlichkeit eines Halbgottes erreicht, kann man
> keine göttliche Sicht haben. Und was ist ein Halbgott? In
> den vedischen Schriften heißt es, dass die Geweihten Visnus
> Halbgötter sind. Die Atheisten, dass heißt diejenigen, die
> nicht an Visnu glauben oder nur den unpersönlichen Aspekt
> Krsnas als das Höchste anerkennen, können keine göttliche
> Sicht haben. Es ist nicht möglich, Krsna herabzusetzen und
> zugleich die göttliche Sicht zu haben. Man kann nicht die
> göttliche Sicht haben, ohne göttlich zu werden. Mit anderen
> Worten: Diejenigen, die mit göttlicher Sicht sehen, können
> ebenfalls wie Arjuna sehen.
> In der Bhagavad-Gita finden wir die Beschreibung der
> universalen Form, und diese Beschreibung war vor Arjuna
> niemandem bekannt. Nach diesem Ereignis nun kann man
> sich eine ungefähre Vorstellung von der visva-rupa
> machen, und diejenigen, die wahrhaft von göttlichem
> Wesen sind, können die universale Form des Herrn sogar
> sehen. Man kann jedoch nicht göttlich sein, ohne ein reiner
> Geweihter Krsnas zu sein. Die Gottgeweihten aber, die
> tatsächlich von göttlichem Wesen sind und göttliche Sicht
> haben, sind nicht sehr daran interessiert, die universale
> Form des Herrn zu sehen. Wie im vorangegangenen Vers
> erklärt wurde, hatte Arjuna den Wunsch, die vierhändige
> Form Sri Krsnas als Visnu zu sehen, denn er fürchtete sich
> vor der universalen Form.
> In diesem Vers gibt es einige bedeutsame Worte, wie zum
> Beispiel vedaya-yajnadhya-yanaih, die sich auf das Studium
> vedischer Schriften und die Regeln für Opfer beziehen.
> Veda bezieht sich auf alle Arten vedischer Literatur wie die
> vier Veden (Rg, Yajur, Sama und Atharva), die achtzehn
> Puranas, die Upanisaden und das Vedanta-sutra. Man
> kann diese Schriften zu Hause oder irgendwo anders
> studieren. In ähnlicher Weise gibt es auch sutras, wie zum
> Beispiel Kalpa-sutras und Mimamsa-sutras, mit deren Hilfe
> man den Vorgang des Opferns studieren kann. Danaih
> bezieht sich auf Gaben, die einer würdigen Gruppe von
> Menschen gegeben werden, wie zum Beispiel den
> brahmanas und Vaisnavas, die im transzendentalen
> liebevollen Dienst des Herrn tätig sind. Fromme Werke
> beziehen sich auf das agnihotra usw., das heißt auf jene
> Pflichten, die den verschiedenen Kasten vorgeschrieben
> sind. Fromme Werke und die freiwillige Annahme
> körperlicher Unbequemlichkeiten wird tapasya genannt.
> Ein Mensch kann nun all diese Methoden anwenden - er
> kann körperliche Bußen auf sich nehmen, Spenden geben,
> die Veden studieren usw. -, doch solange er kein
> Gottgeweihter wie Arjuna ist, ist es ihm nicht möglich, die
> universale Form des Herrn zu sehen. Die
> Unpersönlichkeitsanhänger bilden sich ebenfalls ein, die
> universale Form des Herrn zu sehen, doch aus der
> Bhagavad-Gita verstehen wir, dass die
> Unpersönlichkeitsanhänger keine Gottgeweihten sind;
> daher sind sie unfähig, die universale Form des Herrn zu
> sehen.
> Es gibt viele Menschen, die Inkarnationen erfinden. Sie
> erklären fälschlich einen gewöhnlichen Menschen für eine
> Inkarnation. Aber all das ist Torheit. Wir sollten uns an die
> Prinzipien der Bhagavad-Gita halten; sonst ist es nicht
> möglich, vollkommenes spirituelles Wissen zu empfangen.
> Obwohl die Bhagavad-Gita als die Anfangsstudie der
> Wissenschaft von Gott gilt, ist sie dennoch so vollkommen,
> dass man unterscheiden kann, was was ist. Die Anhänger
> einer Pseudo-Inkarnation mögen sagen, dass sie ebenfalls
> die transzendentale Inkarnation Gottes, die universale
> Form, gesehen hätten, doch solch eine Behauptung kann
> man nicht akzeptieren, da es hier klar heißt, dass man die
> universale Form Gottes nicht sehen kann, solange man
> nicht ein Geweihter Krsnas wird. Zuerst muss man also ein
> reiner Geweihter Krsnas werden; dann kann man
> behaupten, dass es die universale Form gewesen sei, die
> man gesehen habe. Ein Gottgeweihter kann falsche
> Inkarnationen oder die Anhänger falscher Inkarnationen
> nicht akzeptieren.
> 
> VERS 49
> Dein Geist ist durch den Anblick dieser Meiner
> entsetzlichen Erscheinung verwirrt worden. Es soll nun
> genug sein. Mein Geweihter, sei frei von aller
> Verwirrung. Mit friedvollem Geist kannst du jetzt die
> Gestalt sehen, nach der du dich sehnst.
> ERLÄUTERUNG
> Am Anfang der Bhagavad-Gita quälte Arjuna der Gedanke,
> Bhisma und Drona (seinen ehrwürdigen Großvater und
> seinen Lehrer) töten zu müssen. Aber Krsna sagte, er
> brauche sich nicht davor zu fürchten, seinen Großvater zu
> töten. Als man versuchte, Draupadi in der Versammlung
> der großen Generäle zu entkleiden, schwiegen Bhisma und
> Drona, und für solche Vernachlässigung der Pflicht sollten
> sie getötet werden. Krsna zeigte Arjuna Seine universale
> Form, um ihm zu zeigen, dass diese Leute für ihre
> gesetzeswidrigen Handlungen bereits getötet worden
> waren. Diese Szene wurde Arjuna gezeigt, weil
> Gottgeweihte immer friedlich sind und solch fürchterliche
> Handlungen nicht ausführen können. Der Zweck der
> Offenbarung der universalen Form war erfüllt worden; jetzt
> wollte Arjuna die vierarmige Form sehen, und Krsna zeigte
> sie ihm. Ein Gottgeweihter ist an der universalen Form
> nicht sehr interessiert, da es nicht möglich ist, mit ihr
> liebevolle Gefühle auszutauschen. Ein Gottgeweihter
> möchte seine achtungsvollen, verehrenden Gefühle
> darbringen, und deshalb möchte er die zweihändige oder
> vierhändige Gestalt Krsnas sehen, damit im
> hingebungsvollen Dienst zwischen ihm und der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes ein liebevoller Austausch stattfinden
> kann.
> 
> VERS 50
> Sanjaya sagte zu Dhrtarastra : Während Krsna, die
> Höchste Persönlichkeit Gottes, so zu Arjuna sprach,
> offenbarte Er Seine wirkliche, vierarmige Form und
> zeigte ihm schließlich Seine zweiarmige Gestalt, um so
> den furchtsamen Arjuna zu ermutigen.
> ERLÄUTERUNG
> Als Krsna als der Sohn Vasudevas und Devakis erschien,
> erschien Er zunächst als vierarmiger Narayana; doch auf
> Bitten Seiner Eltern verwandelte Er Sich dem Aussehen
> nach in ein gewöhnliches Kind. In ähnlicher Weise wusste
> Krsna, dass Arjuna nicht daran interessiert war, eine
> vierhändige Form Krsnas zu sehen; aber weil er darum bat,
> die vierhändige Form zu sehen, zeigte der Herr ihm auch
> diese Form und offenbarte Sich dann in Seiner
> zweihändigen Gestalt. Das Wort saumya-vapuh ist von
> großer Bedeutung. Die saumya-vapu ist eine
> außerordentlich schöne Gestalt; sie gilt als die schönste
> Gestalt. Als Krsna gegenwärtig war, wurde jeder schon
> allein von Seiner Gestalt angezogen, und weil Krsna der
> Herrscher des Universums ist, verbannte Er die Furcht
> Arjunas, Seines Geweihten, und zeigte Ihm wieder Seine
> schöne Gestalt als Krsna. In der Brahma-samhita heißt es,
> dass nur jemand, dessen Augen mit dem Balsam der Liebe
> gesalbt sind, die schöne Form Sri Krsnas sehen kann.
> 
> VERS 51
> Als Arjuna Krsna so in Seiner ursprünglichen Gestalt
> sah, sagte er: O Janardana, da ich diese
> menschengleiche Gestalt sehe, die so überaus schön ist,
> ist mein Geist jetzt beruhigt und mein ursprüngliches
> Wesen wiederhergestellt.
> ERLÄUTERUNG
> Hier deuten die Worte manusam rupam klar darauf hin, dass
> die Höchste Persönlichkeit Gottes ursprünglich zweihändig
> ist. Das beweist, dass diejenigen, die Krsna verspotten und
> als gewöhnlichen Menschen bezeichnen, Sein göttliches
> Wesen nicht kennen. Wenn Krsna ein gewöhnlicher
> Mensch wäre, wie könnte es Ihm dann möglich sein, die
> universale Form und die vierhändige Narayana-Form zu
> zeigen? In der Bhagavad-Gita wird also sehr deutlich
> erklärt, dass derjenige das größte Unrecht begeht, der denkt,
> Krsna sei ein gewöhnlicher Mensch, und der den Leser in
> die Irre führt, indem er behauptet, es sei das unpersönliche
> Brahman, das durch Krsna spreche. Krsna hat Seine
> universale Form und Seine vierhändige Visnu-Form tatsächlich 
> gezeigt. Wie kann Er also ein gewöhnlicher
> Mensch sein? Ein reiner Gottgeweihter lässt sich von
> irreführenden Kommentaren zur Bhagavad-Gita nicht verwirren,
> da er weiß, wie die Dinge liegen. Die
> ursprünglichen Verse der Bhagavad-Gita sind so klar wie
> die Sonne; sie benötigen nicht das Lampenlicht törichter
> Kommentatoren.
> 
> VERS 52
> Der Segenspendende Herr sprach: Mein lieber Arjuna,
> die Gestalt, die du jetzt siehst, ist sehr schwer zu
> erblicken. Sogar die Halbgötter suchen stets die
> Gelegenheit, diese Gestalt zu sehen, die so lieblich ist.
> ERLÄUTERUNG
> Im achtundvierzigsten Vers dieses Kapitels beendete Sri
> Krsna die Offenbarung Seiner universalen Form und teilte
> Arjuna mit, dass diese Form unmöglich durch irgendwelche
> Tätigkeiten, Opfer usw. gesehen werden könne. Hier nun
> wird das Wort sudurdarsam gebraucht, das darauf hinweist,
> dass Krsnas zweihändige Gestalt noch vertraulicher ist. Man
> mag vielleicht fähig sein, die universale Form Krsnas zu
> sehen, indem man zu verschiedenen Tätigkeiten, wie Buße,
> Studium der Veden und philosophischer Spekulation, ein
> wenig hingebungsvollen Dienst hinzufügt - das mag
> möglich sein -, doch ohne eine Spur von bhakti kann man
> sie nicht erblicken; das ist bereits erklärt worden. Noch
> schwieriger ist es - selbst für Halbgötter wie Brahma und
> Siva -, die zweihändige Gestalt Krsnas zu sehen, die sich
> jenseits der universalen Form befindet. Sie sehnen sich
> danach, Ihn zu sehen, und im Srimad Bhagavatam wird
> beschrieben, dass alle Halbgötter vom Himmel
> herabstiegen, um die Herrlichkeit Krsnas zu sehen, als Er
> Sich im Schoß Seiner Mutter, Devaki, befand. Sie warteten
> sogar, um Ihn zu sehen. Ein Narr mag Krsna verspotten,
> doch solch ein Mensch ist ein gewöhnliches Lebewesen.
> Sogar Halbgötter wie Brahma und Siva sehnen sich danach,
> Krsna in Seiner zweiarmigen Gestalt zu sehen.
> In der Bhagavad-Gita wird ebenfalls bestätigt, dass Er den
> Toren, die Ihn verspotten, nicht sichtbar ist. Wie aus der
> Brahma-samhita zu erfahren ist und von Ihm Selbst in der
> Bhagavad-Gita erklärt wird, ist Sein Körper völlig spirituell
> und von Glückseligkeit und Ewigkeit erfüllt. Sein Körper
> kann niemals mit einem materiellen Körper verglichen
> werden. Doch für einige, die Krsna studieren, indem sie die
> Bhagavad-Gita oder ähnliche vedische Schriften lesen, ist
> Krsna ein Problem. Wer sich eines materiellen Vorgangs
> bedient, um Krsna zu verstehen, hält Ihn für eine
> bedeutende historische Persönlichkeit und einen sehr
> gelehrten Philosophen - doch Krsna ist kein gewöhnlicher
> Mensch. Manche glauben auch, Er habe, trotz Seiner
> Macht, einen materiellen Körper annehmen müssen. Sie
> denken, die Absolute Wahrheit sei letztlich unpersönlich;
> daher glauben sie, Er habe von Seinem unpersönlichen
> Aspekt aus eine persönliche Gestalt angenommen, die an
> die materielle Natur gebunden sei. Dies ist eine
> materialistische Einschätzung des Höchsten Herrn. Es gibt
> noch eine andere spekulative Auffassung. Auch diejenigen,
> die nach Wissen suchen, spekulieren über Krsna und halten
> Ihn für weniger bedeutend als die universale Form des
> Höchsten. Folglich glauben einige, die universale Form
> Krsnas, die Arjuna sichtbar war, sei wichtiger als Seine
> persönliche Gestalt. Ihrer Ansicht nach existiert die
> persönliche Gestalt des Höchsten nur in der Einbildung. Sie
> glauben, die Absolute Wahrheit sei letzten Endes keine
> Person. Doch der transzendentale Vorgang, Krsna zu
> verstehen, wird im Zweiten Kapitel der Bhagavad-Gita
> beschrieben: Man soll von Autoritäten über Ihn hören. Das
> ist der eigentliche vedische Vorgang, und diejenigen, die
> tatsächlich den Veden folgen, hören von einer Autorität
> über Krsna, und durch wiederholtes Hören wird ihnen
> Krsna sehr lieb. Wie wir schon verschiedene Male erklärt
> haben, ist Krsna von Seiner yoga-maya-Energie bedeckt. Er
> ist nicht jedem beliebigen Menschen sichtbar. Nur von
> jemand, dem Er Sich offenbart, kann Er gesehen werden.
> Das wird in den vedischen Schriften bestätigt: Nur von
> einer hingegebenen Seele kann die Absolute Wahrheit
> verstanden werden. Durch beständiges Krsna-Bewusstsein
> und durch hingebungsvollen Dienst für Krsna können die
> spirituellen Augen des Transzendentalisten geöffnet
> werden, und so kann er Krsna durch dessen Offenbarung
> sehen. Selbst den Halbgöttern ist es nicht möglich, Krsna
> zu sehen. Sogar für sie ist es schwierig, Ihn zu verstehen,
> und die fortgeschrittenen Halbgötter hoffen immer, Krsna
> in Seiner zweihändigen Gestalt zu erblicken.
> Die Schlussfolgerung lautet: Es ist bereits äußerst schwierig
> und nicht jedem beliebigen Menschen möglich, die
> universale Form Krsnas zu sehen, aber noch schwieriger ist
> es, Seine persönliche Gestalt als Syamasundara zu
> verstehen.
> VERS 53
> Diese Gestalt, die du mit deinen transzendentalen Augen
> siebst, kann weder durch das Studium der Veden noch
> durch strenge Bußen, noch durch Wohltätigkeit, noch
> durch Verehrung verstanden werden. Nicht durch solche
> Mittel kann man Mich so sehen, wie Ich bin.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna erschien Seinen Eltern Devaki und Vasudeva zuerst
> in einer vierhändigen Form und verwandelte Sich dann in
> die zweihändige Cestalt. Dieses Geheimnis ist für Atheisten
> oder Menschen, denen es an hingebungsvollem Dienst
> mangelt, sehr schwer zu verstehen. Für Gelehrte, die die
> vedischen Schriften nur mittels Spekulationen oder aus
> bloßem akademischem Interesse studiert haben, ist Krsna
> nicht leicht zu verstehen; auch kann Er nicht von Menschen
> verstanden werden, die nur offiziell zur Verehrung in den
> Tempel gehen. Sie besuchen zwar den Tempel, aber sie
> können Krsna nicht so verstehen, wie Er ist. Krsna kann,
> 
> wie Er Selbst im nächsten Vers erklärt, nur auf dem Pfad
> des hingebungsvollen Dienstes verstanden werden.
> 
> VERS 54
> Mein lieber Arjuna, nur durch uneingeschränkten
> hingebungsvollen Dienst kann Ich so verstanden
> werden, wie Ich bin und vor dir stehe, und kann so
> direkt wahrgenommen werden. Nur so kannst du in das
> Geheimnis, Mich zu verstehen, eindringen.
> ERLÄUTERUNG
> Krsna kann nur durch den Vorgang des ungeteilten
> hingebungsvollen Dienstes verstanden werden. Er erklärt
> dies in diesem Vers ausdrücklich, damit unautorisierte
> Kommentatoren, die versuchen, die Bhagavad-Gita durch
> den spekulativen Vorgang zu verstehen, wissen, dass sie
> lediglich ihre Zeit verschwenden. Niemand kann Krsna
> verstehen, oder begreifen, wie Er Seinen Eltern in einer
> vierhändigen Form erscheinen und Sich sogleich in eine
> zweihändige Gestalt verwandeln konnte. Es wird hier
> unmissverständlich gesagt, dass niemand Ihn sehen kann.
> Diejenigen aber, die fortgeschrittene Studenten der
> vedischen Literatur sind, können aus den Veden sehr viel
> über Ihn lernen. Es gibt sehr viele Regeln und
> Regulierungen, und wer Krsna überhaupt verstehen
> möchte, muss die in den autoritativen Schriften niedergelegten
> regulierenden Prinzipien befolgen. Man kann
> sich zum Beispiel in Übereinstimmung mit solchen
> Prinzipien tapasya auferlegen.
> Was Mildtätigkeit betrifft, so sollte es selbstverständlich
> sein, den Geweihten Krsnas Spenden zu geben, denn sie
> sind in Seinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt, um
> die Krsna-Philosophie oder Krsna-Bewusstsein auf der
> ganzen Welt zu verbreiten. Krsna-Bewusstsein ist eine
> Segnung für die gesamte Menschheit. Srila Rupa Gosvami
> sagte, Sri Krsna Caitanya sei der großmütigste Wohltäter,
> weil Er Liebe zu Krsna, die sehr schwer zu erlangen ist,
> freigiebig verteilte. Und wenn man, wie vorgeschrieben,
> Tempelverehrung ausführt (für gewöhnlich findet man in
> den Tempeln Indiens immer eine Statue Visnus oder
> Krsnas), besteht die Möglichkeit, Fortschritte zu machen.
> Für die Anfänger im hingebungsvollen Dienst ist
> Tempelverehrung sehr wichtig, und das wird in den
> vedischen Schriften bestätigt.
> Wer unerschütterliche Hingabe an den Höchsten Herrn hat
> und sich der Führung eines spirituellen Meisters anvertraut,
> kann die Höchste Persönlichkeit Gottes durch Offenbarung
> sehen. Jemandem, der nicht unter der persönlichen Führung
> eines echten spirituellen Meisters geschult wird, ist es
> unmöglich, auch nur zu beginnen, Krsna zu verstehen. Das
> Wort tu wird hier insbesondere gebraucht, um darauf
> hinzuweisen, dass kein anderer Vorgang, Krsna zu
> verstehen, angewandt werden, empfohlen werden oder
> erfolgreich sein kann.
> Die persönlichen Formen Krsnas, die zweihändige und die
> vierhändige, sind von der zeitweiligen universalen Form,
> die Arjuna gezeigt wurde, völlig verschieden. Narayana ist
> die vierhändige Form und Krsna die zweihändige; beide
> sind ewig und transzendental, wohingegen die universale
> Form, die Arjuna offenbart wurde, zeitweilig ist. Das Wort
> sudurdarsam (schwer zu sehen) bedeutet, dass niemand die
> universale Form sehen konnte. Es weist auch darauf hin,
> dass es nicht notwendig war, sie den Gottgeweihten zu
> zeigen. Diese Form wurde von Krsna auf Arjunas Bitte hin
> offenbart, damit die Menschen in der Zukunft jemand, der
> sich als Inkarnation Gottes ausgibt, bitten können, seine
> universale Form zu zeigen.
> Krsna wandelte Sich von der universalen Form in die
> vierhändige Form Narayanas und darauf in Seine
> ursprüngliche Gestalt mit zwei Händen. Dies deutet darauf
> hin, dass die vierhändigen und die anderen in den vedischen
> Schriften erwähnten Formen Emanationen des
> ursprünglichen, zweihändigen Krsna sind. Er ist der Ursprung
> aller Emanationen. Krsna unterscheidet Sich sogar
> von diesen Formen - ganz zu schweigen also von der
> unpersönlichen Auffassung. Was die vierhändigen Formen
> Krsnas betrifft, so wird eindeutig gesagt, dass sogar die mit
> Krsna identischste vierhändige Form eine Emanation des
> Höchsten Herrn ist. Diese Form ist als Maha-Visnu
> bekannt, der auf dem kosmischen Ozean liegt und aus
> dessen Atem unzählige Universen hervorgehen, die später
> wieder in Ihn eingehen. Man sollte daher die persönliche
> Gestalt Krsnas als die Höchste Persönlichkeit Gottes
> verehren. Er ist Ewigkeit, Glückseligkeit und Wissen; Er ist
> der Ursprung aller Formen Visnus; Er ist der Ursprung aller
> Formen der Inkarnationen, und Er ist, wie in der
> Bhagavad-Gita bestätigt wird, die Höchste Persönlichkeit
> Gottes.
> In den vedischen Schriften wird gesagt, dass die Höchste
> Absolute Wahrheit eine Person ist. Ihr Name ist Krsna, und
> Sie kommt manchmal auf die Erde herab. Im
> Srimad-Bhagavatam findet man eine Beschreibung aller
> Formen der Inkarnationen der Höchsten Persönlichkeit
> Gottes, und es heißt dort, dass Krsna keine Inkarnation
> Gottes, sondern die Höchste Persönlichkeit Gottes Selbst
> ist: Krsnas tu bhagavan svayam. In ähnlicher Weise sagt der
> Herr in der Bhagavad-Gita: mattaÉ parataraà nanyat. "Es
> gibt nichts Höheres als Meine Gestalt als die Persönlichkeit
> Gottes, Krsna." An einer anderen Stelle in der
> Bhagavad-Gita erklärt Er: "Ich bin
> der Ursprung aller Halbgötter." Und nachdem Arjuna die
> Bhagavad-Gita von Krsna verstanden hatte, bestätigte er
> diese Wahrheit ebenfalls: "Ich verstehe jetzt völlig, dass
> Du die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Absolute
> Wahrheit und die Zuflucht allen Seins bist."
> Deshalb ist die universale Form, die Krsna Arjuna zeigte,
> nicht die ursprüngliche Gestalt Gottes. Die ursprüngliche
> Gestalt ist die Gestalt Krsnas. Die universale Form mit
> ihren Tausenden und Abertausenden von Köpfen und
> Händen ist nur manifestiert, um die Aufmerksamkeit
> derjenigen auf sich zu ziehen, die keine Liebe zu Gott
> empfinden. Sie ist nicht Gottes ursprüngliche Form.
> Die universale Form wirkt auf reine Gottgeweihte, die in
> verschiedenen transzendentalen Beziehungen mit dem
> Herrn in Liebe verbunden sind, nicht anziehend. Der
> Höchste Herr tauscht in Seiner ursprünglichen Gestalt, als
> Krsna, transzendentale Liebe aus. Deshalb war für Arjuna,
> der mit Krsna so eng in Freundschaft verbunden war, diese
> Form der universalen Manifestation nicht angenehm - sie
> erschreckte ihn vielmehr. Arjuna, der ein ständiger
> Gefährte Krsnas ist, muss transzendentale Augen gehabt
> haben; er war kein gewöhnlicher Mensch. Deshalb faszinierte
> ihn die universale Form nicht. Diese Form mag
> Menschen wunderbar erscheinen, die das Ziel haben, sich
> durch fruchtbringende Tätigkeiten zu erheben; doch denen,
> die im hingebungsvollen Dienst beschäftigt sind, ist die
> zweihändige Gestalt Krsnas am liebsten.
> 
> VERS 55
> Mein lieber Arjuna, wer in Meinem reinen
> hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist, frei von den
> Verunreinigungen vorangegangener Tätigkeiten und
> frei von gedanklicher Spekulation, und wer jedem
> Lebewesen ein Freund ist, gelangt sicher zu Mir.
> ERLÄUTERUNG
> Jeder, der sich der Höchsten aller Persönlichkeiten Gottes
> auf dem Krsnaloka-Planeten in der spirituellen Welt nähern
> will und eng mit der Höchsten Persönlichkeit, Krsna,
> verbunden sein möchte, muss die Unterweisung befolgen,
> die in diesem Vers vom Höchsten Herrn Selbst gegeben
> wird. Deshalb gilt dieser Vers als die Essenz der
> Bhagavad-Gita. Die Bhagavad-Gita ist ein Buch, das für die
> bedingten Seelen bestimmt ist, die in der materiellen Welt
> mit dem Ziel tätig sind, die Natur zu beherrschen, und die
> nicht das wirkliche, spirituelle Leben kennen. Die
> Bhagavad-Gita soll zeigen, wie man seine spirituelle
> Existenz und seine ewige Beziehung zur Höchsten
> Spirituellen Persönlichkeit verstehen kann, und sie soll die
> bedingten Seelen lehren, wie man nach Hause, zu Gott,
> zurückkehren kann. In diesem Vers nun wird der Vorgang
> erklärt, durch den man in seiner spirituellen Aktivität
> erfolgreich sein kann - hingebungsvoller Dienst. Was
> Arbeit betrifft, so sollte man seine Energie ganz auf
> Krsna-bewusste Tätigkeiten übertragen. Niemand sollte eine
> Arbeit verrichten, die nicht in Beziehung zu Krsna steht.
> Das wird Krsna-karma genannt. Man mag vielleicht mit
> verschiedenen Tätigkeiten beschäftigt sein, doch man sollte
> nicht am Ergebnis seiner Arbeit haften, sondern es dem
> Herrn darbringen. Jemand mag zum Beispiel Geschäfte
> machen, doch um diese Tätigkeit in Krsna-Bewusstsein zu
> verwandeln, muss er für Krsna Geschäfte machen. Wenn
> Krsna der Besitzer des Geschäfts ist, sollte Krsna auch den
> Gewinn des Geschäfts genießen. Wenn ein Geschäftsmann
> Tausende und Abertausende von Mark besitzt und alles
> Geld Krsna geben möchte, kann er das tun. Das ist Arbeit
> für Krsna. Anstatt sich eine große Villa für die
> Befriedigung seiner Sinne zu bauen, kann er einen schönen
> Tempel für Krsna errichten, nach den Unterweisungen der
> autorisierten Bücher des hingebungsvollen Dienstes die
> transzendentale Bildgestalt Krsnas aufstellen und alles für
> den Dienst an dieser Bildgestalt bereitstellen. Das alles ist
> Krsna-karma. Man sollte nicht am Ergebnis seiner Arbeit
> haften, sondern es Krsna darbringen. Außerdem sollte man
> prasada oder die Reste von Speisen, die Krsna geopfert
> wurden, zu sich nehmen. Wenn man jedoch nicht imstande
> ist, einen Tempel für Krsna zu errichten, so kann man
> zumindest den Tempel Krsnas reinigen; auch das ist
> Krsna-karma. Man kann auch einen Garten pflegen. Jeder,
> der Land besitzt - in Indien besitzt jeder arme Mann ein
> kleines Stück Land -, kann es in Krsnas Dienst stellen,
> indem er Blumen züchtet, um sie Ihm zu opfern. Auch kann
> man tulasi-Pflanzen säen, denn tulasi-Blätter sind sehr
> wichtig und werden von Krsna in der Bhagavad-Gita als
> Opfer empfohlen. Krsna wünscht, dass man Ihm entweder
> ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder ein wenig Wasser
> opfert - damit ist Er zufrieden. Mit dem Blatt ist besonders
> das tulasi-Blatt gemeint. Man kann also tulasi säen
> und Wasser auf die Pflanze gießen. So kann sich selbst der
> Ärmste in Krsnas Dienst beschäftigen. Das sind einige
> Beispiele, wie man für Krsna arbeiten kann.
> Das Wort mat-paramah bezieht sich auf jemand, der das
> Zusammensein mit Krsna in Seinem höchsten Reich als die
> höchste Vollkommenheit des Lebens ansieht. Solch ein
> Mensch wünscht sich nicht, zu höheren Planeten erhoben
> zu werden, wie zum Beispiel zum Mond, zur Sonne, zu den
> himmlischen Planeten oder sogar zum höchsten Planeten
> des Universums, Brahmaloka. Er sehnt sich nur danach, in
> den spirituellen Himmel erhoben zu werden. Und selbst im
> spirituellen Himmel ist er nicht damit zufrieden, mit der
> leuchtenden brahmajyoti-Ausstrahlung zu verschmelzen,
> denn er möchte den höchsten Planeten. Krsnaloka, Goloka
> Vrndavana, erreichen. Er hat vollkommenes Wissen über
> diesen Planeten und ist daher an keinem anderen
> interessiert. Wie schon das Wort mad-bhaktah andeutet,
> beschäftigt er sich völlig im hingebungsvollen Dienst, vor
> allem in den neun hingebungsvollen Tätigkeiten: hören,
> chanten, sich erinnern, verehren, den Lotosfüßen des Herrn
> dienen, Gebete darbringen, die Befehle des Herrn
> ausführen, Freundschaft mit Ihm schließen und Ihm alles
> hingeben. Wenn man sich in allen neun Tätigkeiten der
> Hingabe oder acht oder sieben oder wenigstens einer
> beschäftigt, wird man gewiss die Vollkommenheit
> erreichen.
> Der Ausdruck sanga-varjitah ist sehr bedeutsam. Man
> sollte den Umgang mit Menschen, die gegen Krsna sind,
> meiden. Nicht nur die Atheisten sind gegen Krsna, sondern
> auch diejenigen, die von fruchtbringendem Tun und
> gedanklicher Spekulation angezogen sind. Deshalb wird im
> Bhakti-rasamrta-sindhu die reine Form hingebungsvollen
> Dienstes wie folgt beschrieben:
> In diesem Vers erklärt Srila Rupa Gosvami, dass jeder, der
> unverfälschten hingebungsvollen Dienst ausführen möchte,
> zuerst von allen Arten materieller Verunreinigung frei sein
> muss. Er muss frei sein vom Umgang mit Menschen, die
> nicht von fruchtbringenden Tätigkeiten und gedanklicher
> Spekulation lassen können. Wenn man von solch
> unerwünschtem Umgang sowie der Verunreinigung
> materieller Wünsche frei ist und positives Wissen von
> Krsna kultiviert, nennt man das reinen hingebungsvollen
> Dienst. 
> Man sollte positiv an Krsna denken und für Krsna handeln,
> nicht negativ. Kamsa war Krsnas Feind. Gleich von Krsnas
> Geburt an versuchte Kamsa, Ihn auf verschiedene Arten zu
> töten, und weil seine Pläne alle fehlschlugen, grübelte er
> ständig über Krsna. Er war vierundzwanzig Stunden am
> Tag - während er arbeitete, aß und schlief - in jeder
> Hinsicht Krsna-bewusst; doch dieses Krsna-Bewusstsein war
> nicht positiv, und so galt er, obwohl er vierundzwanzig
> Stunden am Tag an Krsna dachte, als Dämon, und Krsna
> tötete ihn schließlich. Natürlich erlangt jeder, der von
> Krsna getötet wird, augenblicklich Erlösung, doch das ist
> nicht das Ziel des reinen Gottgeweihten. Der reine
> Gottgeweihte wünscht nicht einmal Erlösung. Er möchte
> nicht einmal zum höchsten Planeten, Goloka Vrndavana,
> erhoben werden. Sein einziges Ziel ist es, Krsna zu dienen,
> wo immer er sein mag.
> Ein Geweihter Krsnas ist jedem freundlich gesinnt. Deshalb
> wird hier gesagt, dass er keinen Feind hat. Wie ist das
> möglich? Ein im Krsna-Bewusstsein verankerter
> Gottgeweihter weiß, dass nur hingebungsvoller Dienst für
> Krsna einen Menschen von allen Problemen des Lebens
> befreien kann. Er hat dies persönlich erfahren und möchte
> daher den Vorgang des Krsna-Bewusstseins in der
> menschlichen Gesellschaft einführen. In der Geschichte
> gibt es viele Beispiele für Geweihte des Herrn, die ihr
> Leben wagten, um Gottesbewusstsein zu verbreiten. Ein
> beliebtes Beispiel ist Jesus Christus. Er opferte für die
> Verbreitung von Gottesbewusstsein sein Leben, als er von
> den Nichtgottgeweihten gekreuzigt wurde. Natürlich zeugt
> es von einem oberflächlichen Verständnis, wenn man
> glaubt, er sei getötet worden. Auch in Indien gibt es hierfür
> viele Beispiele, wie Thakura Haridasa. Warum gehen diese
> Menschen ein solches Risiko ein? Weil diese großen Seelen
> Krsna-Bewusstsein verbreiten wollten und dieses Vorhaben
> sehr schwierig ist. Ein Krsna-bewusster Gottgeweihter weiß,
> dass ein Mensch deshalb leidet, weil er seine ewige
> Beziehung zu Krsna vergessen hat. Der größte Dienst, den
> man der menschlichen Gesellschaft erweisen kann, besteht
> deshalb darin, seinen Nächsten von allen materiellen
> Problemen zu erlösen. In diesem Sinne ist ein reiner
> Gottgeweihter im Dienst des Herrn beschäftigt. Wir können
> uns leicht vorstellen, wie barmherzig Krsna zu denen ist,
> die sich in Seinem Dienst betätigen und alles für Ihn
> wagen. Deshalb ist es sicher, dass solche Menschen nach
> Verlassen des Körpers den höchsten Planeten erreichen
> werden.
> Krsna offenbarte also Seine universale Form, die eine
> zeitweilige Manifestation ist, außerdem die Form der Zeit,
> die alles verschlingt, und sogar die vierhändige Form
> Visnus. Folglich ist Krsna der Ursprung all dieser
> Manifestationen. Krsna ist nicht eine Manifestation der
> zeitweiligen visva-rupa oder eine Manifestation Visnus.
> Krsna ist der Ursprung aller Formen. Es gibt
> Hunderttausende von Visnus, aber für einen Gottgeweihten
> ist keine andere Form Krsnas wichtig außer der ursprünglichen
> Gestalt, dem zweihändigen Syamasundara. In der
> Brahma-samhita wird erklärt, dass diejenigen, die sich in
> Liebe und Hingabe zur Syamasundara-Gestalt Krsnas
> hingezogen fühlen, in ihrem Herzen immer den Herrn, und
> außer Ihm nichts anderes, sehen können. Deshalb sollte
> man die Bedeutung dieses Elften Kapitels verstehen, die
> darin liegt, dass die Gestalt Krsnas essentiell und erhaben
> ist.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Elften
> Kapitel der Srimad Bhagavad-Gita mit dem Titel: "Die
> universale Form".
>
> — *ELFTES KAPITEL*

