# FÜNFTES KAPITEL

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> FÜNFTES KAPITEL
> Karma-yoga - Handeln im
> Krsna-Bewusstsein
> 
> VERS 1
> Arjuna sagte: O Krsna, zuerst bittest Du mich, allem
> Tun zu entsagen, und dann wieder empfiehlst Du mir, in
> Hingabe zu handeln. Würdest Du mir bitte eindeutig
> sagen, was von beiden segensreicher ist.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Fünften Kapitel der Bhagavad-Gita sagt der Herr,
> dass Arbeit im hingebungsvollen Dienst besser ist als
> trockene gedankliche Spekulation. Hingebungsvoller
> Dienst ist einfacher als Spekulation, weil er, da dem Wesen
> nach transzendental, einen von Reaktionen befreit. Im
> Zweiten Kapitel wurde das einleitende Wissen von der
> Seele und ihrer Verstrickung mit dem materiellen Körper
> erklärt. Wie man sich durch buddhi-yoga oder
> hingebungsvollen Dienst aus dieser materiellen Gefangenschaft
> befreien kann, wurde dort ebenfalls beschrieben. Im
> Dritten Kapitel wurde erklärt, dass jemand, der sich auf der
> Ebene von Wissen befindet, nicht länger irgendwelche
> Pflichten zu erfüllen hat. Und im Vierten Kapitel sagte der
> Herr zu Arjuna, dass alle Arten von Opfern in Wissen
> gipfeln. Am Ende des Vierten Kapitels jedoch gab der Herr
> Arjuna den Rat, aufzuwachen und zu kämpfen, da er jetzt
> über vollkommenes Wissen verfüge. Weil Krsna
> gleichzeitig die Wichtigkeit von hingebungsvollem Dienst
> und Nichthandeln in Wissen betonte, wurde Arjuna
> verwirrt, und seine Entschlossenheit geriet ins Wanken.
> Arjuna versteht, dass Entsagung in Wissen bedeutet, alle
> Arten von Arbeit, die als Sinnestätigkeiten ausgeführt
> werden, einzustellen. Aber wie kann man aufhören zu
> handeln, wenn man Arbeit im hingebungsvollen Dienst
> verrichtet? Mit anderen Worten: Er glaubt, sannyasam oder
> Entsagung in Wissen müsse völlig frei sein von jeglicher
> Aktivität, weil ihm Handeln und Entsagung unvereinbar
> erscheinen. Er scheint nicht verstanden zu haben, dass
> Handeln in völligem Wissen keine Reaktionen zur Folge
> hat und daher das gleiche ist wie Nichthandeln. Er fragt
> deshalb, ob er ganz aufhören soll zu handeln oder ob es
> besser sei, in vollkommenem Wissen zu handeln.
> 
> VERS 2
> Der Segenspendende Herr sprach: Sowohl Entsagung
> der Arbeit als auch Handeln in Hingabe führen zu
> Befreiung. Doch von den beiden ist hingebungsvoller
> Dienst besser als die Entsagung aller Arbeit.
> ERLÄUTERUNG
> Fruchtbringende Tätigkeiten (auf der Suche nach
> Sinnenbefriedigung) sind die Ursache für materielle
> Knechtschaft. Solange man Tätigkeiten nachgeht, die das
> Ziel haben, die körperlichen Annehmlichkeiten zu
> verbessern, muss man unweigerlich von einem Körper zum
> anderen wandern und damit seine Gefangenschaft in der
> Materie unaufhörlich fortsetzen. Das Srimad-Bhagavatam
> (5.5.4-6) bestätigt dies wie folgt:
> "Die Menschen sind verrückt nach Sinnenbefriedigung, und
> sie wissen nicht, dass ihr gegenwärtiger, von Leid erfüllter
> Körper das Ergebnis fruchtbringender Tätigkeiten der
> Vergangenheit ist. Obwohl dieser Körper zeitweilig ist,
> bereitet er uns ständig in vieler Hinsicht Schwierigkeiten.
> Deshalb ist es nicht gut, für Sinnenbefriedigung zu handeln.
> Man hat im Leben versagt, solange man nicht nach der
> Natur von Arbeit für fruchttragende Ergebnisse fragt, denn
> solange man in das Bewusstsein der Sinnenbefriedigung
> vertieft ist, muss man von einem Körper zum anderen
> wandern. Obwohl der Geist in fruchtbringende Tätigkeiten
> versunken und von Unwissenheit beeinflusst sein mag, muss
> man Liebe für den hingebungsvollen Dienst Vasudevas
> entwickeln. Nur dann kann man die Möglichkeit haben,
> von der Fessel des materiellen Daseins frei zu werden."
> Deshalb reicht jnana (das Wissen, dass man nicht der
> materielle Körper, sondern spirituelle Seele ist) für
> Befreiung nicht aus. Man muss als spirituelle Seele handeln,
> sonst gibt es kein Entkommen aus der materiellen
> Knechtschaft. Handeln im Krsna-Bewusstsein bedeutet
> jedoch nicht Handeln auf der fruchtbringenden Ebene. In
> vollkommenem Wissen ausgeführte Tätigkeiten stärken den
> Fortschritt eines Menschen in wirklichem Wissen. Bloße
> Entsagung fruchtbringender Tätigkeiten, ohne Krsna--
> Bewusstsein, läutert das Herz einer bedingten Seele im
> Grunde nicht. Solange das Herz nicht geläutert ist, muss
> man auf der fruchtbringenden Ebene handeln. Aber
> Handeln im Krsna-Bewusstsein hilft einem von selbst, dem
> Ergebnis fruchtbringenden Tuns zu entgehen, so dass man
> nicht auf die materielle Ebene hinabzusteigen braucht.
> Daher ist Handeln im Krsna-Bewusstsein stets höher
> einzustufen als Entsagung, denn Entsagung ist immer mit
> der Gefahr verbunden, zu Fall zu kommen. Entsagung ohne
> Krsna-Bewusstsein ist unvollkommen, wie Srila Rupa 
> Gosvami in seinem Bhakti-rasamçta-sindhu bestätigt:
> "Wenn Menschen danach streben, von Dingen befreit zu
> werden, die, obwohl materiell, zur Höchsten Persönlichkeit
> Gottes in Beziehung stehen, nennt man dies unvollständige
> Entsagung."
> Entsagung ist vollständig, wenn sie in dem Wissen geübt
> wird, dass alles Existierende dem Herrn gehört und dass
> daher niemand irgend etwas als sein Eigentum
> beanspruchen sollte. Man sollte verstehen, dass eigentlich
> niemandem etwas gehört. Wie kann dann überhaupt die
> Frage der Entsagung aufkommen? Jemand, der weiß, dass
> alles Krsnas Eigentum ist, übt sich immer in Entsagung. Da
> alles Krsna gehört, sollte alles in Krsnas Dienst gestellt
> werden. Diese vollkommene Handlungsweise im
> Krsna-Bewusstsein ist weitaus besser als jedes Maß an
> künstlicher Entsagung durch einen sannyasi der
> Mayavadi-Schule.
> 
> VERS 3
> Wer die Früchte seiner Tätigkeiten weder Hasst noch
> begehrt, ist immer entsagungsvoll. Solch ein Mensch,
> befreit von allen Dualitäten, überwindet leicht die
> materielle Knechtschaft und ist völlig befreit, o
> starkarmiger Arjuna.
> ERLÄUTERUNG
> Wer im Krsna-Bewusstsein fest verankert ist, ist immer
> entsagungsvoll, weil er die Ergebnisse seines Handelns
> weder Hasst noch begehrt. Solch ein entsagungsvoller
> Mensch, der sich dem transzendentalen liebevollen Dienst
> des Herrn weiht, verfügt über vollkommenes Wissen, da er
> seine wesensgemäße Stellung in Beziehung zu Krsna kennt.
> Er weiß sehr wohl, dass Krsna das Ganze und dass er ein
> winziger Bestandteil Krsnas ist. Solches Wissen ist
> 
> vollkommen, da es qualitativ und quantitativ richtig ist. Die
> Vorstellung des Einsseins mit Krsna ist inkorrekt, weil der
> Teil dem Ganzen nicht ebenbürtig sein kann. Das Wissen,
> qualitativ mit Krsna eins, quantitativ jedoch verschieden
> von Ihm zu sein, ist korrektes transzendentales Wissen, das
> einen Menschen zu innerer Erfüllung führt, so dass er nach
> nichts mehr strebt und nichts mehr beklagt. In seinem Geist
> gibt es keine Dualität, da er alles, was er tut, für Krsna tut.
> Wenn er auf diese Weise von der Ebene der Dualitäten frei
> geworden ist, ist er befreit - sogar in der materiellen Welt.
> 
> VERS 4
> Nur die Unwissenden sagen, karma-yoga und
> hingebungsvoller Dienst seien etwas anderes als das
> analytische Studium der materiellen Welt [sankhya].
> Diejenigen, die wahrhaft gelehrt sind, erklären, dass
> jemand, der sich einem dieser Pfade eingehend widmet,
> die Ergebnisse beider erreicht.
> ERLÄUTERUNG
> Das Ziel des analytischen Studiums der materiellen Welt
> besteht darin, die Seele der Existenz zu finden. Die Seele
> der materiellen Welt ist Visnu, die Überseele. Hin-
> gebungsvoller Dienst für den Herrn umfaßt Dienst für die
> Überseele. Der erste Schritt besteht darin, die Wurzel des
> Baumes zu finden, und der nächste ist, sie zu bewässern.
> Der wirkliche Student der sankhya-Philosophie findet die
> Wurzel der materiellen Welt, Visnu, und betätigt sich dann,
> in vollkommenem Wissen, im Dienst des Herrn. Daher
> besteht im wesentlichen kein Unterschied zwischen diesen
> beiden Pfaden, denn das Ziel beider ist Visnu. Diejenigen,
> die das Endziel nicht kennen, sagen, die Ziele von sankhya-
> und karma-yoga seien nicht die gleichen, doch jemand, der
> gelehrt ist, kennt das gemeinsame Ziel dieser verschiedenen
> Vorgänge.
> 
> VERS 5
> Wer versteht, dass die Stellung, die man durch
> Entsagung erreicht, auch durch Tätigkeiten im
> hingebungsvollen Dienst erlangt werden kann, und wer
> daher erkennt, dass der Pfad des Handelns und der Pfad
> der Entsagung eins sind, sieht die Dinge so, wie sie
> wirklich sind.
> ERLÄUTERUNG
> Der eigentliche Zweck philosophischen Forschens besteht
> darin, das endgültige Ziel des Lebens zu finden. Da das
> endgültige Ziel des Lebens Selbstverwirklichung ist, gibt es
> keinen Unterschied zwischen den beiden
> Schlussfolgerungen, zu denen man durch die beiden
> Vorgänge kommt. Durch die philosophische Forschung des
> sankhya gelangt man zu der Schlussfolgerung, dass ein
> Lebewesen nicht Bestandteil der materiellen Welt, sondern
> ein Teil des Höchsten Spirituellen Ganzen ist. Folglich hat
> die spirituelle Seele nichts mit der materiellen Welt zu tun;
> ihre Handlungen müssen in irgendeiner Weise in
> Beziehung zum Höchsten stehen. Erst wenn sie im
> Krsna-Bewusstsein handelt, nimmt sie ihre wesensgemäße
> Stellung ein. Durch den ersten Vorgang, sankhya, muss man
> sich von der Materie lösen, und durch den Vorgang des
> hingebungsvollen yoga muss man Anhaftung an den Dienst
> Krsnas entwickeln. Im Grunde sind beide Vorgänge gleich,
> obwohl oberflächlich betrachtet der eine Loslösung und der
> andere Anhaftung mit sich bringt. Loslösung von Materie
> und Anhaftung an Krsna sind jedoch das gleiche. Wer das
> verstehen kann, sieht die Dinge, wie sie sind.
> 
> VERS 6
> Solange man nicht im hingebungsvollen Dienst des
> Herrn beschäftigt ist, kann man durch bloße Entsagung
> der Tätigkeiten nicht glücklich werden. Die Weisen, die
> durch Werke der Hingabe geläutert sind, erreichen den
> Höchsten ohne Verzögerung.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt zwei Klassen von sannyasis, das heißt Menschen im
> Lebensstand der Entsagung. Die Mayavadi-sannyasis sind
> mit dem Studium der sankhya-Philosophie beschäftigt,
> während die Vaisnava-sannyasis die
> Bhagavatam-Philosophie studieren, die den richtigen
> Kommentar zu den Vedanta-sutras liefert. Auch die Mayavadi-
> sannyasis studieren die Vedanta-sutras, doch benutzen
> sie ihren eigenen Kommentar, den Sariraka-bhasya, der
> von Sankaracarya verfaßt wurde. Die Studenten der
> Bhagavata-Schule betätigen sich den
> pancaratriki-Regulierungen gemäß im hingebungsvollen
> Dienst des Herrn, und daher gehen die Vaisnava-sannyasis
> 
> im 
> transzendentalen Dienst des Herrn vielfältigen
> Beschäftigungen nach. Die Vaisnava-sannyasis haben mit
> materiellen Tätigkeiten nichts zu tun, und dennoch verrichten
> sie verschiedenartige Tätigkeiten in ihrem
> hingebungsvollen Dienst für den Herrn. Die
> Mayavadi-sannyasis hingegen, die sich mit dem Studium
> von sankhya-Philosophie, Vedanta und Spekulation
> befassen, können den transzendentalen Dienst des Herrn
> nicht kosten. Weil ihre Studien mit der Zeit sehr langweilig
> werden, werden sie es leid, über das Brahman zu
> spekulieren, und suchen deshalb beim Bhagavatam
> Zuflucht, ohne es richtig zu verstehen. Folglich wird es für
> sie sehr schwierig, das Srimad-Bhagavatam zu studieren.
> Trockene Spekulationen und unpersönliche Interpretationen
> mit künstlichen Mitteln helfen den Mayavadi-sannyasis
> nicht weiter. Die Vaisnava-sannyasis, die sich im
> hingebungsvollen Dienst betätigen, sind bei der Erfüllung
> ihrer transzendentalen Pflichten glücklich und haben die
> Garantie, schließlich in das Königreich Gottes einzutreten.
> Die Mayavadi-sannyasis fallen manchmal vom Pfad der
> Selbstverwirklichung ab und wenden sich wieder
> materiellen Tätigkeiten philanthropischer und altruistischer
> Natur zu, die nichts weiter als materielle Beschäftigungen
> sind. Man kann daher den Schluss ziehen, dass diejenigen,
> die im Krsna-Bewusstsein tätig sind, besser gestellt sind als
> die sannyasis, die nur über das Brahman spekulieren,
> obgleich auch sie nach vielen Geburten zum
> Krsna-Bewusstsein kommen.
> 
> VERS 7
> Wer in Hingabe handelt, wer eine reine Seele ist und
> wer Geist und Sinne beherrscht, ist jedem lieb, und
> jeder ist ihm lieb. Obwohl ein solcher Mensch stets
> handelt, ist er niemals verstrickt.
> ERLÄUTERUNG
> Jemand, der sich durch Krsna-Bewusstsein auf dem Pfad der
> Befreiung befindet, ist jedem Lebewesen sehr lieb, und
> jedes Lebewesen ist ihm lieb. Dies ist auf sein
> Krsna-Bewusstsein zurückzuführen. Ein solcher Mensch
> sieht kein Lebewesen getrennt von Krsna, geradeso wie die
> Blätter und Zweige eines Baumes nicht vom Baum getrennt
> sind. Er weiß sehr wohl, dass dann, wenn man Wasser auf
> die Wurzel des Baumes gießt, das Wasser an alle Blätter
> und Zweige weitergeleitet wird, oder dass dann, wenn man
> den Magen mit Nahrung versorgt, die Energie von selbst im
> ganzen Körper verteilt wird. Weil jemand, der im
> Krsna-Bewusstsein handelt, allen Wesen dient, ist er jedem
> sehr lieb. Und weil er jeden mit seinem Tun zufriedenstellt,
> lebt er in reinem Bewusstsein. Weil sein Bewusstsein rein ist,
> ist sein Geist völlig beherrscht. Und weil sein Geist
> beherrscht ist, sind auch seine Sinne beherrscht. Weil sein
> Geist stets auf Krsna gerichtet ist, besteht weder die
> Möglichkeit, dass er von Krsna abgelenkt wird, noch dass er
> seine Sinne mit anderen Dingen als dem Dienst des Herrn
> beschäftigen wird. Er möchte über nichts anderes hören als
> Themen, die mit Krsna zu tun haben; er möchte nichts
> essen, was nicht Krsna geopfert ist, und er möchte
> nirgendwo hingehen, wenn Krsna nicht mit einbezogen ist.
> Deshalb sind seine Sinne beherrscht. Ein Mensch mit
> beherrschten Sinnen kann niemanden verletzen. Man mag
> fragen: "Warum griff dann Arjuna (in der Schlacht) andere
> an? War er nicht Krsna-Bewusst?" Es schien nur so, dass
> Arjuna angriff, denn (wie bereits im Zweiten Kapitel erklärt
> worden ist) alle auf dem Schlachtfeld versammelten
> Personen lebten individuell weiter, da die Seele niemals
> erschlagen werden kann. Spirituell gesehen wurde also
> niemand auf dem Schlachtield von Kuruksetra getötet. Es
> wurden nur die äußerlichen Gewänder gewechselt, wie es
> Krsna, der persönlich anwesend war, befohlen hatte.
> Deshalb kämpfte Arjuna in Wirklichkeit überhaupt nicht,
> während er auf dem Schlachtteld von Kuruksetra kämpfte;
> er führte nur in völligem Krsna-Bewusstsein Krsnas Befehle
> aus. Ein solcher Mensch ist niemals in die Reaktionen der
> Handlungen verstrickt.
> 
> VERS 8-9
> Ein Mensch im göttlichen Bewusstsein weiß im Innern
> stets, dass er in Wirklichkeit nicht handelt, obwohl er
> sieht, hört, berührt, riecht, ißt, sich bewegt, schläft und
> atmet. Denn während er spricht, sich entleert, etwas zu
> sich nimmt, seine Augen öffnet oder schließt, weiß er
> immer, dass nur die materiellen Sinne mit ihren
> Objekten beschäftigt sind und dass er damit nichts zu
> tun hat.
> ERLÄUTERUNG
> Die Existenz eines Menschen im Krsna-Bewusstsein ist rein,
> folglich hat er nichts mit Handlungen zu tun, die von fünf
> direkten und indirekten Ursachen abhängig sind: dem
> Handelnden, der Handlung, der Situation, der Bemühung
> und dem Glück. Das ist so, weil er im liebevollen
> transzendentalen Dienst Krsnas beschäftigt ist. Obwohl er
> mit seinem Körper und seinen Sinnen zu handeln scheint,
> ist er sich immer seiner eigentlichen Stellung Bewusst, die
> darin besteht, spirituell tätig zu sein. Im materiellen
> Bewusstsein sind die Sinne mit Sinnenbefriedigung
> beschäftigt, doch im Krsna-Bewusstsein sind die Sinne
> damit beschäftigt, Krsnas Sinne zufriedenzustellen.
> Deshalb ist ein Krsna-Bewusster Mensch stets frei, obwohl
> es so scheint, als sei er mit den Sinnesobjekten beschäftigt.
> Tätigkeiten wie Sehen, Hören, Sprechen, Sichentleeren
> usw. sind Handlungen der aktiven Sinne. Ein Mensch im
> Krsna-Bewusstsein wird niemals von den Handlungen der
> Sinne beeinflusst. Er kann nichts anderes tun als im Dienste
> des Herrn handeln, da er weiß, dass er der ewige Diener des
> Herrn ist.
> 
> VERS 10
> Wer seine Pflicht ohne Anhaftung erfüllt und die
> Ergebnisse dem Höchsten Gott hingibt, wird von
> sündhafter Handlung nicht beeinflusst, ebenso wie ein
> Lotosblatt vom Wasser nicht berührt wird.
> ERLÄUTERUNG
> Brahmani bedeutet hier "im Krsna-Bewusstsein". Die
> materielle Welt ist eine Gesamtmanifestation der drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur, genau genommen
> wird es pradhana genannt. Die vedischen
> Hymnen (sarvam etad brahma, tasmad etad brahma
> nama-rupam annam ca jayate) und die Bhagavad-Gita
> (mama yonir mahad brahma) deuten darauf hin, dass alles
> in der materiellen Welt eine Manifestation des Brahman ist,
> und obwohl die Auswirkungen unterschiedlich manifestiert
> sind, unterscheiden sie sich nicht von der Ursache. In der
> Isopanisad wird gesagt, dass alles mit dem Höchsten
> Brahman oder Krsna verbunden ist und dass daher alles Ihm
> allein gehört. Wer sich voll und ganz der Tatsache Bewusst
> ist, dass alles Krsna gehört, dass Er der Besitzer alles
> Existierenden ist und dass deshalb alles im Dienst des Herrn
> beschäftigt werden muss, hat nichts mit den Ergebnissen
> seiner Tätigkeiten - seien diese tugendhaft oder sündhaft
> - zu tun. Sogar der materielle Körper kann im
> Krsna-Bewusstsein beschäftigt werden, denn er ist ein
> Geschenk des Herrn, um eine bestimmte Art von Arbeit zu
> verrichten. Er wird dann nicht von sündhaften Reaktionen
> verunreinigt, genau wie ein Lotosblatt nicht benetzt wird,
> obwohl es im Wasser wächst. Der Herr sagt in der Gita
> auch: "Gib all dein Tun Mir hin."
> Die Schlussfolgerung lautet, dass ein Mensch ohne
> Krsna-Bewusstsein auf der Ebene des materiellen Körpers
> und der Sinne aktiv ist, wohingegen ein Krsna-Bewusster
> Mensch in dem Wissen handelt, dass der Körper das
> Eigentum Krsnas ist und deshalb in Krsnas Dienst
> beschäftigt werden sollte.
> 
> VERS 11
> Indem die yogis Anhaftung aufgeben, handeln sie mit
> Körper, Geist, Intelligenz und sogar den Sinnen nur, um
> geläutert zu werden.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man im Krsna-Bewusstsein für die Zufriedenstellung
> der Sinne Krsnas handelt, wird jede Handlung des Körpers,
> des Geistes, der Intelligenz oder sogar der Sinne von
> materieller Verunreinigung geläutert. Auf die Tätigkeiten
> eines Krsna-Bewussten Menschen folgen keine materiellen
> Reaktionen. Deshalb kann man geläuterte Tätigkeiten, die
> man im allgemeinen als sadacara bezeichnet, sehr leicht
> ausführen, wenn man im Krsna-Bewusstsein handelt. Srila Rupa
> Rupa Gosvami beschreibt dies im Bhakti-rasamrta-sindhu
> wie folgt:
> "Jemand, der mit Körper, Geist, Intelligenz und Worten im
> Krsna-Bewusstsein (oder mit anderen Worten, im Dienste
> Krsnas) handelt, ist sogar schon in der materiellen Welt
> befreit, wenngleich er vielen sogenannten materiellen
> Tätigkeiten nachgehen mag."
> Er hat weder ein falsches Ego, noch glaubt er, dass er der
> materielle Körper ist, noch, dass er den Körper besitzt. Er
> weiß, dass er nicht der Körper ist und dass ihm der Körper
> nicht gehört. Er selbst gehört Krsna, und auch der Körper
> gehört Krsna. Wenn er alles, was von Körper, Geist,
> Intelligenz, Worten, Leben, Reichtum usw. hervorgebracht
> wird - nämlich alles, was sich in seinem Besitz befinden
> mag - in Krsnas Dienst stellt, ist er sogleich mit Krsna
> verbunden. Er ist eins mit Krsna und frei vom falschen
> Ego, das einen glauben macht, man sei der Körper. Das ist
> die vollendete Stufe des Krsna-Bewusstseins.
> 
> VERS 12
> Die fortwährend hingegebene Seele erlangt
> unverfälschten Frieden, weil sie das Ergebnis aller
> Tätigkeiten Mir opfert, während jemand, der nicht mit
> dem Göttlichen verbunden ist und gierig nach den
> Früchten seiner Arbeit strebt, verstrickt ist.
> ERLÄUTERUNG
> Der Unterschied zwischen einem Menschen im
> Krsna-Bewusstsein und einem Menschen im körperlichen
> Bewusstsein liegt darin, dass der erstere an Krsna hängt,
> während der letztere an den Ergebnissen seiner Tätigkeiten
> haftet. Derjenige, der an Krsna hängt und für Ihn allein
> arbeitet, ist gewiss befreit und begehrt nicht nach
> fruchttragenden Belohnungen. Im Bhagavatam wird erklärt,
> dass man sich um das Ergebnis seiner Tätigkeit sorgt, weil
> man in der Auffassung von Dualität handelt, das heißt,
> ohne Wissen von der Absoluten Wahrheit. Krsna ist die
> Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes. Im
> Krsna-Bewusstsein gibt es keine Dualität. Alles Existierende
> ist ein Produkt der Energie Krsnas, und Krsna ist absolut
> gut. Deshalb befinden sich Tätigkeiten im
> Krsna-Bewusstsein auf der absoluten Ebene; sie sind
> transzendental und haben keine materiellen Auswirkungen.
> Daher ist man im Krsna-Bewusstsein von Frieden erfüllt.
> Wer jedoch in Profitkalkulationen für Sinnenbefriedigung
> verstrickt ist, kann diesen Frieden nicht finden. Das ist das
> Geheimnis des Krsna-Bewusstseins - die Erkenntnis, dass
> es nichts außerhalb von Krsna gibt, ist die Ebene von
> Frieden und Furchtlosigkeit.
> 
> VERS 13
> Wenn das verkörperte Lebewesen seine Natur
> beherrscht und im Geist allen Handlungen entsagt,
> wohnt es glücklich in der Stadt der neun Tore [dem
> materiellen Körper], und weder arbeitet es, noch wird
> es zur Ursache von Arbeit, die zu tun ist.
> ERLÄUTERUNG
> Die verkörperte Seele lebt in der Stadt der neun Tore. Die
> Tätigkeiten des Körpers (oder sinnbildlich: der Stadt des
> Körpers) werden wie von selbst von den jeweiligen
> Erscheinungsweisen der Natur ausgeführt. Obwohl sich die
> Seele den Bedingungen des Körpers unterwirft, kann sie,
> wenn sie es wünscht, diese Bedingungen überwinden. Nur
> weil sie ihre höhere Natur vergessen hat, identifiziert sie
> sich mit dem materiellen Körper und leidet daher. Durch
> Krsna-Bewusstsein kann sie ihre wirkliche Stellung
> wiederbeleben und so aus ihrer Verkörperung herauskommen.
> Wenn man sich deshalb dem Krsna-Bewusstsein
> zuwendet, löst man sich sogleich von allen körperlichen
> Tätigkeiten. In einem solch beherrschten Leben, in dem
> man seine Vorstellungen gewandelt hat, lebt man glücklich
> in der Stadt der neun Tore. Die neun Tore werden wie folgt
> beschrieben:
> "Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, der im
> Körper eines Lebewesens lebt, ist der Herrscher aller
> Lebewesen überall im Universum. Der Körper besteht aus
> neun Toren: zwei Augen, zwei Nasenlöchern, zwei Ohren,
> einem Mund, dem Anus und dem Genital. Im bedingten
> Zustand identifiziert sich das Lebewesen mit dem Körper,
> doch wenn es sich mit dem Herrn in seinem Innern
> identifiziert, wird es ebenso frei wie der Herr, selbst wenn
> es sich noch in diesem Körper befindet." (Svet. Up. 3.18)
> Deshalb ist ein Krsna-Bewusster Mensch von den äußeren
> und inneren Tätigkeiten des materiellen Körpers frei.
> 
> VERS 14
> Das verkörperte spirituelle Lebewesen, der Herr in der
> Stadt seines Körpers, verrichtet weder Tätigkeiten, noch
> veranlasst es andere zu handeln, noch erzeugt es die
> Früchte des Tuns. All dies wird von den
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur bewirkt.
> 123
> ERLÄUTERUNG
> Wie im Siebten Kapitel erklärt werden wird, ist das
> Lebewesen dem Wesen nach eins mit dem Höchsten Herrn;
> es unterscheidet sich von der Materie, die eine andere,
> niedere Natur des Herrn ist. Auf irgendeine Weise hat die
> höhere Natur, das Lebewesen, seit unvordenklicher Zeit mit
> der materiellen Natur Kontakt aufgenommen. Der
> zeitweilige Körper, das heißt der materielle Aufenthaltsort,
> den das Lebewesen bekommt, ist die Ursache einer Vielfalt
> von Tätigkeiten und der sich daraus ergebenden
> Reaktionen. Wenn man in solch einer bedingten
> Atmosphäre lebt, erleidet man die Ergebnisse der
> Tätigkeiten des Körpers, da man sich (aus Unwissenheit)
> mit dem Körper identifiziert. Es ist die seit undenklicher
> Zeit erworbene Unwissenheit, die die Ursache körperlicher
> Leiden und Nöte ist. Sobald sich das Lebewesen von den
> Tätigkeiten des Körpers löst, wird es auch von den
> Reaktionen frei. Solange es sich in der Stadt des Körpers
> aufhält, scheint es Herr über sie zu sein, doch es ist
> tatsächlich weder ihr Besitzer, noch beherrscht es ihre
> Aktionen und Reaktionen. Es befindet sich einfach inmitten
> des materiellen Ozeans und kämpft um seine Existenz.
> Die Wogen des Ozeans werfen es hin und her, und es hat
> keine Kontrolle über sie. Die beste Lösung besteht darin,
> durch transzendentales Krsna-Bewusstsein aus dem Wasser
> herauszugelangen. Das allein wird es vor aller Unruhe
> bewahren.
> 
> VERS 15
> Auch nimmt das höchste spirituelle Wesen nicht
> jedermanns sündhafte oder fromme Tätigkeiten auf
> Sich. Die verkörperten Wesen jedoch sind verwirrt, da
> Unwissenheit ihr wahres Wissen bedeckt.
> ERLÄUTERUNG
> Das Sanskritwort vibhuH bezeichnet den Höchsten Herrn,
> der voll unbegrenzten Wissens, unbegrenzter Reichtümer,
> unbegrenzter Stärke, unbegrenzten Ruhms, unbegrenzter
> Schönheit und unbegrenzter Entsagung ist. Er ist immer in
> Sich Selbst zufrieden und wird von sündigen oder frommen
> Tätigkeiten nicht gestört. Für kein Lebewesen schafft Er
> eine besondere Situation, doch das durch Unwissenheit
> verwirrte Lebewesen entwickelt den Wunsch, in bestimmte
> Lebensumstände versetzt zu werden, und damit beginnt die
> Kette von Aktion und Reaktion. Ein Lebewesen ist
> aufgrund seiner höheren Natur voller Wissen. Trotzdem
> neigt es aufgrund seiner begrenzten Kraft dazu, von
> Unwissenheit beeinflusst zu werden. Der Herr ist
> allmächtig, aber das Lebewesen ist dies nicht. Der Herr ist
> vibhu (allwissend), aber das Lebewesen ist aäu (winzig
> klein). Weil es eine lebendige Seele ist, hat es die Fähigkeit,
> nach seinem freien Willen Wünsche zu haben. Solche
> Wünsche werden nur vom allmächtigen Herrn erfüllt, und
> wenn das Lebewesen bei seinen Wünschen verwirrt ist,
> erlaubt der Herr es ihm, diese Wünsche zu erfüllen, doch ist
> Er niemals für die Aktionen und Reaktionen der
> bestimmten Situation verantwortlich, die gewünscht
> worden sein mag. Da sich die verkörperte Seele in einem
> verwirrten Zustand befindet, identifiziert sie sich mit dem
> umständebedingten materiellen Körper und wird so dem
> zeitweiligen Leid und Glück des Lebens unterworfen. Der
> Herr ist als Paramatma, als Überseele, der ständige
> Begleiter des Lebewesens und kann deshalb die Wünsche
> der individuellen Seele verstehen, ebenso wie man den Duft
> einer Blume riechen kann, wenn man sich in ihrer Nähe
> befindet. Durch Wünsche wird das Lebewesen auf subtile
> Art und Weise bedingt. Der Herr erfüllt seine Wünsche in
> dem Maße, wie es das Lebewesen verdient. Der Mensch
> denkt, Gott lenkt. Das Individuum besitzt daher nicht die
> Allmacht, seine Wünsche zu erfüllen. Der Herr jedoch kann
> alle Wünsche erfüllen, und weil Er Sich jedem gegenüber
> neutral verhält, mischt Er Sich nicht in die Wünsche der
> winzigen unabhängigen Lebewesen ein. Wenn jemand sich
> jedoch Krsna wünscht, kümmert Sich der Herr in
> besonderer Weise um ihn und ermutigt ihn so, dass dieser
> Ihn erreichen und ewig glücklich sein kann. Die vedischen
> Hymnen verkünden daher:
> "Der Herr beschäftigt das Lebewesen mit frommen
> Tätigkeiten, damit es erhoben werden mag. Der Herr
> beschäftigt es mit gottlosen Tätigkeiten, damit es in die
> Hölle gehen kann. Das Lebewesen ist in seinem Leid und
> Glück völlig abhängig. Durch den Willen des Höchsten
> kann es in den Himmel oder in die Hölle gehen, geradeso
> wie eine Wolke vom Wind getrieben wird."
> Somit verursacht die verkörperte Seele durch ihren seit
> undenklicher Zeit bestehenden Wunsch, Krsna-Bewusstsein
> zu meiden, ihre eigene Verwirrung. Folglich vergißt sie,
> obwohl sie dem Wesen nach ewig, glückselig und wissend
> ist, aufgrund der Winzigkeit ihres Daseins, ihre
> wesensgemäße Stellung als Diener des Herrn und gerät
> somit in die Falle der Unwissenheit. Und im Bann der
> Unwissenheit macht das Lebewesen den Herrn für sein
> bedingtes Dasein verantwortlich. Auch die Vedanta-sutras
> bestätigen dies:
> "Der Herr Hasst oder liebt niemanden, obwohl es so
> erscheint."
> VERS 16
> Wenn aber jemand mit dem Wissen erleuchtet ist, durch
> das Unwissenheit zerstört wird, dann enthüllt sein
> Wissen alles, ebenso wie die Sonne am Tage alles
> erleuchtet.
> ERLÄUTERUNG
> Diejenigen, die Krsna vergessen haben, müssen zweifellos
> verwirrt sein, aber diejenigen, die sich im
> Krsna-Bewusstsein befinden, sind nicht im geringsten
> verwirrt. In der Bhagavad-Gita heißt es: Wissen wird immer hoch geschätzt. Und
> was ist dieses Wissen? Vollkommenes Wissen ist erreicht,
> wenn man sich Krsna ergibt, wie es in Vers 19 des Siebten
> Kapitels heißt: bahunaà janmanam ante jnanavan maà
> prapadyate. Wenn man sich also nach vielen, vielen
> Geburten in vollkommenem Wissen Krsna ergibt, das heißt
> wenn man Krsna-Bewusstsein erreicht, dann wird einem
> alles enthüllt, ebenso wie die Sonne am Tage alles enthüllt.
> Das Lebewesen ist in so vieler Hinsicht verwirrt. Wenn es
> zum Beispiel glaubt, selbst Gott zu sein, geht es in
> Wirklichkeit in die letzte Falle der Unwissenheit. Wenn ein
> Lebewesen Gott ist, wie kann es dann von Unwissenheit
> verwirrt werden? Wird Gott von Unwissenheit verwirrt?
> Würde dies der Fall sein, wäre Unwissenheit oder Satan
> größer als Gott. Wirkliches Wissen kann man von einem
> Menschen empfangen, der über vollkommenes
> Krsna-Bewusstsein verfügt. Deshalb muss man einen
> solchen echten spirituellen Meister finden und unter seiner
> Anleitung lernen, was Krsna-Bewusstsein ist. Der spirituelle
> Meister kann alle Unwissenheit vertreiben, ebenso wie die
> Sonne Dunkelheit vertreibt. Obwohl ein Mensch völlig
> erkannt haben mag, dass er nicht der Körper ist, sondern in
> transzendentaler Stellung dazu steht, mag er trotzdem nicht
> imstande sein, zwischen der Seele und der Überseele zu
> unterscheiden. Er kann jedoch vollkommene Erkenntnis
> erlangen, wenn er sich darum bemüht, bei einem
> vollkommenen, echten, Krsna-Bewussten spirituellen
> Meister Zuflucht zu suchen. Man kann Gott und seine
> Beziehung zu Ihm nur dann kennen, wenn man tatsächlich
> einen Stellvertreter Gottes trifft. Ein Stellvertreter Gottes
> behauptet niemals, selbst Gott zu sein, obwohl ihm alle
> Ehre erwiesen wird, die man gewöhnlich nur Gott erweist,
> weil er Wissen von Gott hat. Man muss lernen, worin der
> Unterschied zwischen Gott und dem Lebewesen besteht. Sri
> Krsna sagt daher im Zweiten Kapitel (Bg. 2.12), dass jedes
> Lebewesen ein Individuum und dass der Herr ebenfalls ein
> Individuum ist. Sie waren alle Individuen in der
> Vergangenheit; sie sind Individuen in der Gegenwart, und
> sie werden auch in der Zukunft - selbst nach der
> Befreiung - weiter Individuen bleiben. In der Dunkelheit
> der Nacht erscheint uns alles eins zu sein, doch am Tage,
> wenn die Sonne scheint, sehen wir alles in seiner
> wirklichen Identität. Wenn man seine Identität kennt und
> versteht, dass man auch im spirituellen Leben ein
> Individuum ist, besitzt man wirkliches Wissen.
> VERS 17
> Wenn Intelligenz, Geist, Glaube und Zuflucht im
> Höchsten verankert sind, wird man durch vollständiges
> Wissen von allem Schlechten geläutert und kann so auf
> dem Pfad der Befreiung unbeirrt fortschreiten.
> ERLÄUTERUNG
> Die Höchste Transzendentale Wahrheit ist Sri Krsna. Die
> ganze Bhagavad-Gita dreht sich um die Erklärung, dass Sri
> Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. So lautet die
> Aussage aller vedischen Schriften. Paratattva bedeutet die
> Höchste Wirklichkeit, die von den Kennern des Höchsten
> als Brahman, Paramatama und Bhagavan verstanden wird.
> Bhagavan oder die Höchste Persönlichkeit Gottes ist der
> höchste Aspekt des Absoluten. Es gibt nichts Höheres. Der
> Herr sagt: mattah parataraà nanyat kiÒcit asti Dhanaijaya.
> Das unpersönliche Brahman wird ebenfalls von Krsna
> unterstützt: brahmano hi pratisòhaham. Deshalb ist Krsna
> in jeder Hinsicht die Höchste Wirklichkeit. Jemand, dessen
> Geist, Intelligenz, Glaube und Zuflucht immer in Krsna
> verankert sind, das heißt, jemand, der völlig Krsna-Bewusst
> ist, wird zweifellos von allem Schlechten reingewaschen
> und verfügt über vollkommenes Wissen, was die
> Transzendenz betrifft. Ein Krsna-Bewusster Mensch kann
> voll und ganz verstehen, dass es in Krsna Dualität gibt
> (nämlich gleichzeitig Identität und Individualität), und
> wenn man solch transzendentales Wissen besitzt, kann man
> stetigen Fortschritt auf dem Pfad der Befreiung machen.
> 
> VERS 18
> Der demütige Weise sieht kraft wahren Wissens einen
> gelehrten und zuvorkommenden brahmana, eine Kuh,
> einen Elefanten, einen Hund und einen Hundeesser
> [Unberührbaren] mit gleicher Sicht.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Krsna-Bewusster Mensch macht keinen Unterschied
> zwischen Lebensformen oder Kasten. Der brahmana und
> der Unberührbare mögen vom sozialen Standpunkt aus
> betrachtet verschieden sein, oder ein Hund, eine Kuh oder
> ein Elefant mögen vom Standpunkt der Lebensformen aus
> betrachtet verschieden sein, doch diese Unterschiede des
> Körpers sind in den Augen eines gelehrten
> Transzendentalisten bedeutungslos. Das hat seinen Grund
> in ihrer Beziehung zum Höchsten, denn der Höchste Herr
> ist durch Seine vollständige Erweiterung als Paramatma im
> Herzen eines jeden gegenwärtig. Solch ein Verständnis
> vom Höchsten ist wirkliches Wissen. Soweit es die Körper
> in den verschiedenen Kasten oder Lebensarten betrifft, ist
> der Herr zu jedem in gleichem Maße gütig, da Er jedes
> Lebewesen als Freund behandelt, aber dennoch Seine
> Stellung als Paramatma beibehält, ungeachtet der Umstände
> der Lebewesen. Der Herr als Paramatma ist sowohl im
> Unberührbaren als auch im brahmana gegenwärtig, obwohl
> der Körper eines brahmana und der eines Unberührbaren
> nicht gleich sind. Die Körper sind materielle Erzeugnisse
> der verschiedenen Erscheinungsweisen der materiellen
> Natur, doch die Seele und die Überseele im Körper sind
> von der gleichen spirituellen Qualität. Dass sich die Seele
> und die Überseele qualitativ ähnlich sind, bedeutet jedoch
> nicht, dass sie auch in der Quantität gleich sind, denn die
> individuelle Seele ist nur in ihrem jeweiligen Körper
> anwesend, wohingegen der Paramatma in jedem einzelnen
> Körper gegenwärtig ist. Ein Krsna-Bewusster Mensch ist
> sich dessen völlig Bewusst, und daher ist er wahrhaft gelehrt
> und sieht mit gleichen Augen. Die gemeinsamen Merkmale
> der Seele und der Überseele bestehen darin, dass sie beide
> Bewusst, ewig und glückselig sind. Der Unterschied jedoch
> liegt darin, dass die individuelle Seele nur innerhalb der
> Grenzen ihres eigenen Körpers Bewusst ist, während Sich
> die Überseele aller Körper Bewusst ist. Die Überssele ist
> ohne Ausnahme in allen Körpern gegenwärtig.
> 
> VERS 19
> Diejenigen, deren Geist in Gleichmut und
> Ausgeglichenheit ruht, haben bereits die Bedingungen
> von Geburt und Tod überwunden. Sie sind unbefleckt
> wie das Brahman, und daher sind sie bereits im
> Brahman verankert.
> ERLÄUTERUNG
> Gleichmut des Geistes, wie oben erwähnt, ist das Zeichen
> von Selbstverwirklichung. Diejenigen, die solch eine Stufe
> tatsächlich erreicht haben, sollten als Seelen betrachtet
> werden, die die materiellen Bedingungen, insbesondere
> Geburt und Tod überwunden haben. Solange man sich mit
> seinem Körper identifiziert, gilt man als bedingte Seele,
> doch sobald man durch Erkenntnis des Selbst zur Stufe des
> Gleichmuts erhoben wird, ist man vom bedingten Leben
> befreit. Mit anderen Worten: Man ist nicht länger
> gezwungen, in der materiellen Welt geboren zu werden,
> sondern kann nach dem Tod in den spirituellen Himmel
> eingehen. Der Herr ist makellos, weil Er frei von
> Anziehung oder Hass ist. Wenn ein Lebewesen frei von
> Anziehung oder Hass ist, wird es ebenso makellos und
> damit geeignet, in den spirituellen Himmel einzugehen.
> Solche Seelen sind als bereits befreit anzusehen, und ihre
> Merkmale werden im nächsten Vers beschrieben.
> 
> VERS 20
> Wer weder frohlockt, wenn er etwas Angenehmes
> erreicht, noch klagt, wenn ihm etwas Unangenehmes
> widerfährt, wer selbst-intelligent ist, nicht verwirrt und
> die Wissenschaft von Gott kennt, ist als jemand zu
> verstehen, der sich bereits in der Transzendenz befindet.
> ERLÄUTERUNG
> Hier werden die Merkmale eines selbstverwirklichten
> Menschen aufgeführt. Das erste Merkmal ist, dass er nicht
> durch die falsche Identifizierung des Körpers mit seinem
> wahren Selbst in Illusion ist. Er weiß sehr wohl, dass er
> nicht der Körper ist, sondern ein fragmentarischer Teil der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes. Er ist daher weder voller
> Freude, wenn er etwas bekommt, noch klagt er, wenn er
> etwas verliert, was in Beziehung zu seinem Körper steht.
> Diese Beständigkeit des Geistes wird als sthira-buddhi oder
> Selbst-Intelligenz bezeichnet. Er ist daher weder verwirrt,
> weil er fälschlicherweise den grobstofflichen Körper für die
> Seele hält, noch sieht er den Körper als ewig an und
> missachtet die Existenz der Seele. Dieses Wissen hebt ihn
> auf die Stufe, auf der er die vollständige Wissenschaft von
> der Absoluten Wahrheit, nämlich Brahman, Paramatma und
> Bhagavan, versteht. Er kennt daher seine wesensgemäße
> Stellung sehr genau und versucht nicht fälschlich, mit dem
> Höchsten in jeder Hinsicht eins zu werden. Das nennt man
> Brahman-Erkenntnis oder Selbstverwirklichung. Ein solch
> stetiges Bewusstsein bezeichnet man als Krsna-Bewusstsein.
> 
> VERS 21
> ÜBERSETZUNG
> Solch ein befreiter Mensch fühlt sich weder zu
> materieller Sinnenfreude noch zu äußeren Obiekten
> hingezogen, sondern befindet sich immer in Trance und
> genießt die Freude im Innern. Auf diese Weise genießt
> der Selbstverwirklichte unbegrenztes Glück, denn er
> konzentriert sich auf den Höchsten.
> ERLÄUTERUNG
> Sri Yamunacarya, ein großer Gottgeweihter im
> Krsna-Bewusstsein, sagte:
> "Seitdem ich im transzendentalen liebevollen Dienst Krsnas
> tätig bin, erfahre ich immer neue Freude, und immer wenn
> ich an sexuelle Freude denke, speie ich auf den Gedanken,
> und meine Lippen verziehen sich vor Abscheu."
> Ein Mensch im brahma-yoga oder Krsna-Bewusstsein ist so
> sehr in den liebevollen Dienst des Herrn vertieft, dass er den
> Geschmack an materieller Sinnenfreude verliert. Die
> höchste materielle Freude ist sexuelle Freude. Die ganze
> Welt bewegt sich unter ihrem Zauber, und ein Materialist
> kann ohne diesen Beweggrund nicht arbeiten. Aber ein
> Mensch, der im Krsna-Bewusstsein tätig ist, kann ohne
> sexuelle Freude, die er vermeidet, mit größerer Energie
> arbeiten. Das ist der Prüfstein für spirituelle
> Verwirklichung. Spirituelle Verwirklichung und sexuelle
> Freude sind unvereinbar. Ein Krsna-Bewusster Mensch wird
> von keinerlei Sinnenfreude angezogen, da er eine befreite
> Seele ist.
> 
> VERS 22
> Ein intelligenter Mensch schöpft nicht aus den Quellen
> des Leids, die aus der Berührung mit den materiellen
> Sinnen entstehen. O Sohn Kuntis, solche Freuden haben
> einen Anfang und ein Ende, und daher erfreut sich der
> Weise nicht an ihnen.
> ERLÄUTERUNG
> Materielle Sinnenfreuden entstehen aus Kontakt mit den
> materiellen Sinnen, die alle zeitweilig sind, weil der Körper
> selbst zeitweilig ist. Eine befreite Seele ist an nichts
> Zeitweiligem interessiert. Wie könnte sie dem Genuss
> falscher Freude zustimmen, wenn sie die Glückseligkeit
> transzendentaler Freuden kennt? Im Padma Purana heißt
> es:
> "Die Mystiker schöpfen unbegrenzte transzendentale
> Freuden aus der Absoluten Wahrheit, und daher ist die
> Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes, auch
> als Rama bekannt."
> Auch im Srimad-Bhagavatam (5.5.1) wird gesagt:
> "Meine lieben Söhne, es gibt keinen Grund, in dieser
> menschlichen Form des Lebens sehr schwer für
> Sinnenfreude zu arbeiten; solche Freuden sind auch den
> Kotessern (Schweinen) zugänglich. Ihr solltet euch statt
> dessen in diesem Leben tapasya auferlegen, durch die euer
> Dasein geläutert werden wird, und als Ergebnis werdet ihr
> imstande sein, grenzenlose transzendentale Glückseligkeit
> zu genießen."
> Deshalb verspüren diejenigen, die wahre yogis oder
> gelehrte Transzendentalisten sind, keinerlei Anziehung zu
> Sinnenfreuden, die die Ursachen fortgesetzten materiellen
> Daseins sind. Je mehr man an materiellen Freuden hängt,
> desto mehr ist man von materiellen Leiden gefangen.
> 
> VERS 23
> Wenn jemand, bevor er den gegenwärtigen Körper
> aufgibt, dem Drang der materiellen Sinne widerstehen
> und die Macht von Begierde und Zorn bezwingen kann,
> ist er ein yogi und lebt glücklich in dieser Welt.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man auf dem Pfad der Selbstverwirklichung stetig
> fortschreiten will, muss man versuchen, die Kräfte der
> materiellen Sinne zu beherrschen. Es gibt den Drang des
> Redens, des Zorns, des Geistes, des Magens, der Genitalien
> und der Zunge. Wer fähig ist, die Dränge all dieser
> verschiedenen Sinne und den Geist zu beherrschen, wird als
> Gosvami oder svami bezeichnet. Solche Gosvamis leben ein
> streng beherrschtes Leben und gehen den Drängen der
> Sinne ganz aus dem Wege. Wenn materielle Wünsche
> unbefriedigt bleiben, erzeugen sie Zorn, und so werden der
> Geist, die Augen und die Brust erregt. Deshalb muss man
> sich darin üben, sie zu beherrschen, bevor man den
> materiellen Körper aufgibt. Wer dazu fähig ist, wird als
> selbstverwirklicht angesehen, und ist so im Zustand der
> Selbstverwirklichung glücklich. Es ist die Pflicht des
> Transzendentalisten, mit aller Kraft zu versuchen, Begierde
> und Zorn zu beherrschen.
> 
> VERS 24
> Jemand, dessen Glück im Innern liegt, wer im Innern
> tätig ist, sich im Innern erfreut und im Innern
> erleuchtet ist, ist der wahrhaft vollkommene Mystiker.
> Er ist im Höchsten befreit, und letztlich erreicht er den
> Höchsten.
> ERLÄUTERUNG
> Solange man nicht fähig ist, Glück im Innern zu kosten,
> wie kann man von äußeren Beschäftigungen ablassen, die
> oberflächliches Glück bewirken sollen? Ein befreiter
> Mensch genießt Glück durch tatsächliche Erfahrung. Er
> kann sich daher an jedem beliebigen Ort schweigend
> niederlassen und die Tätigkeiten des Lebens von innen her
> genießen. Solch ein befreiter Mensch begehrt nicht länger
> nach äußerem materiellen Glück. Diesen Zustand nennt
> man brahma-bhuta, und wenn man ihn erreicht, ist es
> sicher, dass man zu Gott, nach Hause, zurückkehrt.
> 
> VERS 25
> Wer sich jenseits von Dualität und Zweifel befindet,
> wessen Geist im Innern tätig ist, wer ständig für das
> Wohl aller fühlenden Wesen arbeitet und wer frei von
> allen Sünden ist, erreicht Befreiung im Höchsten.
> ERLÄUTERUNG
> Nur von einem völlig Krsna-Bewussten Menschen kann man
> sagen, dass er zum Wohl aller Lebewesen handelt. Wenn
> 128
> jemand wirklich weiß, dass Krsna der Urquell allen Seins ist
> und auch in diesem Geiste handelt, handelt er zum Wohl
> aller. Die Menschheit leidet, weil sie vergessen hat, dass
> Krsna der höchste Genießer, der höchste Besitzer und der
> höchste Freund ist. Zu handeln, um dieses Bewusstsein in
> der menschlichen Gesellschaft wiederzubeleben, ist daher
> die höchste Wohltätigkeitsarbeit. Man kann keine
> erstklassige Wohltätigkeitsarbeit leisten, ohne im Höchsten
> befreit zu sein. Ein Krsna-Bewusster Mensch zweifelt nicht
> an der Oberhoheit Krsnas. Er hegt keinen Zweifel, weil er
> völlig frei von allen Sünden ist. Das ist die Stufe göttlicher
> Liebe.
> Jemand, der nur das körperliche Wohlergehen der
> menschlichen Gesellschaft fördert, kann im Grunde
> niemandem helfen. Zeitweilige Erleichterung für den
> äußeren Körper und den Geist führt zu keiner
> befriedigenden Lösung. Die eigentliche Ursache der
> Schwierigkeiten im harten Lebenskampf liegt darin, dass
> man seine Beziehung zum Höchsten Herrn vergessen hat.
> Wenn sich ein Mensch seiner Beziehung zu Krsna völlig
> Bewusst ist, ist er tatsächlich eine befreite Seele, obwohl er
> sich noch in einem materiellen Körper befinden mag.
> 
> VERS 26
> Wer frei von Zorn und allen materiellen Wünschen ist,
> selbstverwirklicht, selbstdiszipliniert und ständig um
> Vollkommenheit bemüht, wird mit Sicherheit in sehr
> naher Zukunft im Höchsten befreit.
> ERLÄUTERUNG
> Von allen heiligen Menschen, die ständig nach Erlösung
> streben, ist derjenige der beste, der sich im
> Krsna-Bewusstsein befindet. Das Bhagavatam (4.22.39)
> bestätigt diese Tatsache wie folgt:
> "Versuche einfach, Vasudeva, die Höchste Persönlichkeit
> Gottes, durch hingebungsvollen Dienst zu verehren. Selbst
> große Weise sind nicht fähig, die Dränge der Sinne so
> wirksam zu meistern wie diejenigen, die transzendentale
> Glückseligkeit erfahren, indem sie den Lotosfüßen des
> Herrn dienen und so den tiefverwurzelten Wunsch nach
> fruchtbringenden Tätigkeiten entwurzeln."
> In der bedingten Seele ist der Wunsch, die
> fruchtbringenden Ergebnisse ihrer Arbeit zu genießen, so
> tief verwurzelt, dass es selbst für die großen Weisen - trotz
> großer Bemühung - sehr schwer ist, solche Wünsche zu
> beherrschen. Ein Geweihter des Herrn, der ständig in
> hingebungsvollem Dienst im Krsna-Bewusstsein beschäftigt
> ist und vollkommene Selbstverwirklichung erlangt hat,
> erreicht sehr schnell Befreiung im Höchsten. Dank seinem
> vollständigen Wissen in Selbstverwirklichung bleibt er
> immer in Trance. Ein Beispiel hierfür lautet:
> "Allein durch Anblicken, Meditation und Berührung sorgen
> die Fische, Schildkröten und Vögel für ihre Nachkommen.
> In ähnlicher Weise verhalte auch Ich mich, o Padmaja!"
> Der Fisch zieht seine Brut auf, indem er sie einfach
> anblickt. Die Schildkröte zieht ihre Nachkommen einfach
> durch Meditation auf. Sie legt ihre Eier auf dem Land ab
> und meditiert über sie, während sie im Wasser bleibt. In
> ähnlicher Weise kann ein Gottgeweihter im
> Krsna-Bewusstsein, obwohl weit entfernt vom Reich des
> Herrn, sich zu diesem Reich erheben, indem er einfach,
> durch Betätigung im Krsna-Bewusstsein, ständig an den
> Herrn denkt. Er fühlt nicht die Qualen materieller Leiden;
> diesen Lebenszustand bezeichnet man als brahma-nirvana
> oder die Abwesenheit materieller Leiden, weil man ständig
> in Gedanken an den Höchsten versunken ist.
> 
> VERS 27-28
> Indem der Transzendentalist alle äußeren Sinnesobjekte
> ausschließt, die Augen und den Blick zwischen die
> Augenbrauen richtet, den ein- und ausströmenden Atem
> in den Nasenöffnungen anhält und so Geist, Sinne und
> Intelligenz beherrscht, wird er von Begehren, Angst und
> Zorn frei. Wer sich immer in diesem Zustand befindet,
> ist gewiss befreit.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn man im Krsna-Bewusstsein tätig ist, kann man
> sogleich seine spirituelle Identität erkennen und mit Hilfe
> des hingebungsvollen Dienstes den Höchsten Herrn
> verstehen. Wenn man im hingebungsvollen Dienst gut
> gestellt ist, gelangt man auf die transzendentale Ebene, auf
> der man qualifziert ist, die Gegenwart des Herrn in seinem
> Tätigkeitsbereich zu spüren. Diese besondere Ebene wird
> Befreiung im Höchsten genannt.
> Nachdem der Herr die obengenannten Prinzipien der
> Befreiung im Höchsten erklärt hat, unterweist Er Arjuna,
> wie man diese Stellung durch yoga-Mystik, bekannt als
> asòaâga-yoga, erreichen kann. Dieser yoga ist achtfach
> gegliedert in: yama, niyama, asana, pranayama,
> pratyahara, dharana, dhyana und samadhi. Hier, am Ende
> des Fünften Kapitels, wird dieses Thema nur vorbereitend
> erklärt; im Sechsten Kapitel wird dieser yoga ausführlich
> und in allen Einzelheiten beschrieben. Man muss die
> Sinnesobjekte, wie Klang, Berührung, Form, Geschmack
> und Geruch, durch den pratyahara- (Atmungs-) Vorgang
> im yoga vertreiben und dann den Blick zwischen die beiden
> Augenbrauen richten und sich mit halbgeschlossenen
> Lidern auf die Nasenspitze konzentrieren. Es nützt nichts,
> die Augen ganz zu schließen, da dann immer die
> Möglichkeit besteht, einzuschlafen. Auch nützt es nichts,
> die Augen vollständig zu öffnen, da dann die Gefahr
> besteht, von Sinnesobjekten angezogen zu werden. Die
> Atembewegung wird in den Nasenöffnungen angehalten,
> indem man die auf- und abströmende Luft im Körper
> neutralisiert. Durch die Ausübung solchen yogas ist man
> fähig, die Sinne zu meistern, sich von äußeren
> Sinnesobjekten zurückzuhalten und sich so auf die
> Befreiung im Höchsten vorzubereiten.
> Dieser yoga-Vorgang hilft einem, von allen Ängsten und
> allem Zorn frei zu werden und so die Gegenwart der
> Überseele in der transzendentalen Situation zu spüren. Mit
> anderen Worten: Krsna-Bewusstsein ist der einfachste
> Vorgang, die Prinzipien des yoga auszuführen. Dies wird
> im nächsten Kapitel ausführlich erklärt werden. Ein
> Krsna-Bewusster Mensch läuft nicht Gefahr, seine Sinne an
> andere Beschäftigungen zu verlieren, weil er immer im
> hingebungsvollen Dienst tätig ist. Durch diese Methode
> kann man seine Sinne besser beherrschen als durch
> astanga-yoga.
> 
> VERS 29
> Da die Weisen Mich als das endgültige Ziel aller Opfer
> und Bußen kennen, den Höchsten Herrn aller Planeten
> und Halbgötter und den Wohltäter und wohlmeinenden
> Freund aller Lebewesen, erlangen sie Frieden von den
> Qualen des materiellen Daseins.
> ERLÄUTERUNG
> Die bedingten Seelen, die sich in den Klauen der
> illusionierenden Energie befinden, sind alle bestrebt, in der
> materiellen Welt Frieden zu finden. Aber sie kennen nicht
> die Friedensformel, die in diesem Teil der Bhagavad-Gita
> erklärt wird. Die größte Friedensformel lautet einfach: Sri
> Krsna ist der Nutznießer aller menschlichen Tätigkeiten.
> Die Menschen sollten alles für den transzendentalen Dienst
> des Herrn opfern, da Er der Besitzer aller Planeten und der
> Halbgötter auf ihnen ist. Niemand ist größer als Er. Er ist
> größer als die Größten der Halbgötter wie Siva und
> Brahma. In den Veden wird der Höchste Herr als tam
> isvaranam paramam mahesvaram beschrieben. Im Banne
> der Illusion versuchen die Lebewesen, alles in ihrem
> Umkreis zu beherrschen; in Wirklichkeit aber werden sie
> von der materiellen Energie des Herrn beherrscht. Der Herr
> ist der Meister der materiellen Natur, und die bedingten
> Seelen unterstehen ihren strengen Regeln. Solange man
> 
> diese einfachen Tatsachen nicht versteht, ist es weder
> individuell noch kollektiv möglich, auf der Welt Frieden zu
> erreichen. Der Grundgedanke des Krsna-Bewusstseins
> lautet: Sri Krsna ist der höchste Herrscher, und alle
> Lebewesen, einschließlich der großen Halbgötter, sind
> Seine Untergebenen. Vollkommener Friede läßt sich nur im
> völligen Krsna-Bewusstsein finden.
> Dieses Fünfte Kapitel ist eine praktische Erklärung des
> Krsna-Bewusstseins, die allgemein als karma-yoga bekannt
> ist. Die gedanklicher Spekulation entspringende Frage, wie
> karma-yoga zur Befreiung führen kann, ist hiermit
> beantwortet. Im Krsna-Bewusstsein tätig zu sein bedeutet, in
> dem vollständigen Wissen zu arbeiten, dass der Herr der
> Herrscher ist. Solche Arbeit unterscheidet sich nicht von
> transzendentalem Wissen. Direktes Krsna-Bewusstsein ist
> bhakti-yoga, und jnana-yoga ist ein Pfad, der zu
> bhakti-yoga führt. Krsna-Bewusstsein bedeutet, im
> vollständigen Wissen um seine Beziehung zum Höchsten
> Absoluten zu arbeiten, und die Vollkommenheit dieses
> Bewusstseins ist umfassendes Wissen über Krsna oder die
> Höchste Persönlichkeit Gottes. Eine reine Seele ist als
> fragmentarisches winziges Bestandteil Gottes Sein ewiger
> Diener. Sie kommt mit maya (Illusion) in Berührung, weil
> sie den Wunsch hat, über maya zu herrschen, und das ist die
> Ursache ihrer vielen Leiden. Solange die bedingte Seele mit
> Materie in Berührung ist, muss sie entsprechend materiellen
> Notwendigkeiten tätig sein. Krsna-Bewusstsein jedoch
> bringt sie in das spirituelle Leben zurück, selbst wenn sie
> sich noch im Einflussbereich der Materie befindet, denn
> Krsna-Bewusstsein bedeutet, durch praktisches Handeln in
> der materiellen Welt das spirituelle Dasein wiederzuerwekken.
> Je weiter jemand fortschreitet, desto mehr wird er aus
> der Gewalt der Materie befreit. Der Herr bevorzugt oder
> benachteiligt niemanden. Alles hängt davon ab, inwieweit
> man seine Pflichten praktisch erfüllt und sich bemüht, die
> Sinne zu beherrschen und den Einfluss von Begierde und
> Zorn zu bezwingen. Und wenn man durch die Meisterung
> der obenerwähnten Leidenschaften Krsna-Bewusstsein
> erlangt, wird man auf der transzendentalen Ebene oder im
> brahma-nirvaäa verankert. Der achtfache mystische yoga
> wird im Krsna-Bewusstsein von selbst praktiziert, denn es
> wird das gleiche endgültige Ziel erreicht. Durch die
> Ausübung von yama, niyama, asana, pratyahara, dhyana,
> dharaäa, praäayama und samadhi wird man allmählich
> erhoben. Aber dieser achtfache yoga-Pfad ist nur die
> Einführung in den hingebungsvollen Dienst, der allein dem
> Menschen Frieden bringen kann. Er ist die höchste
> Vollkommenheit des Lebens.
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Fünften Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem Titel:
> "Karma-yoga - Handeln im Krsna-Bewusstsein".
>
> — *FÜNFTES KAPITEL*

