# VIERZEHNTES KAPITEL

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> VIERZEHNTES KAPITEL
> Die drei Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur
> 
> VERS 1
> Der Segenspendende Herr sprach: Abermals werde Ich
> dir diese erhabenste Weisheit verkünden, die Essenz
> allen Wissens, durch deren Kenntnis alle Weisen die
> höchste Vollkommenheit erreicht haben.
> ERLÄUTERUNG
> Vom Siebten Kapitel bis zum Ende des Zwölften Kapitels
> offenbarte Sri Krsna die Absolute Wahrheit, die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, in allen Einzelheiten. Jetzt erleuchtet
> der Herr Arjuna mit weiterem Wissen. Wenn man dieses
> Kapitel durch den Vorgang philosophischer Spekulation
> versteht, wird man ein Verständnis von hingebungsvollem
> Dienst bekommen. Im Dreizehnten Kapitel wurde eindeutig
> erklärt, dass man aus der materiellen Verstrickung befreit
> werden kann, wenn man in einer demütigen Haltung
> Wissen entwickelt. Es ist auch erklärt worden, dass das
> Lebewesen in die materielle Welt verstrickt ist, weil es mit
> den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur in
> Berührung ist. In diesem Kapitel nun erklärt die Höchste
> Persönlichkeit, was diese Erscheinungsweisen der Natur
> sind, wie sie wirken, in welcher Weise sie binden und wie
> sie Befreiung gewähren. Wie der Höchste Herr sagt, ist das
> Wissen, das in diesem Kapitel erklärt wird, dem Wissen
> übergeordnet, das bisher in anderen Kapiteln offenbart
> wurde. Viele große Weise haben die Vollkommenheit
> erreicht und sind in die spirituelle Welt erhoben worden,
> weil sie dieses Wissen verstanden haben. Der Herr erklärt
> nun das gleiche Wissen auf bessere Weise. Dieses Wissen
> ist allen anderen Vorgängen des Wissens, die bisher erklärt
> wurden, weit überlegen, und viele erreichten die
> Vollkommenheit, nachdem sie es verstanden hatten. Es
> wird daher erwartet, dass jemand, der dieses Vierzehnte
> Kapitel versteht, die Vollkommenheit erreicht.
> 
> VERS 2
> Wenn man in diesem Wissen gefestigt wird, kann man
> die transzendentale Natur erreichen, die Meiner eigenen
> Natur gleicht. So verankert, wird man weder zur Zeit
> der Schöpfung geboren noch bei ihrer Außösung vernichtet.
> ERLÄUTERUNG
> Nachdem man vollkommenes transzendentales Wissen
> erlangt hat, wird man der Höchsten Persönlichkeit Gottes
> eigenschaftsmäßig ebenbürtig und somit frei von der
> Wiederholung von Geburt und Tod. Man verliert jedoch
> nicht seine Identität als individuelle Seele. Aus der
> vedischen Literatur kann man verstehen, dass die befreiten
> Seelen, die die transzendentalen Planeten des spirituellen
> Himmels erreicht haben, immer zu den Lotosfußen des
> Höchsten Herrn hinblicken, da sie in Seinem
> transzendentalen liebevollen Dienst tätig sind. Die
> Gottgeweihten verlieren also selbst nach der Befreiung ihre
> individuellen Identitäten nicht.
> Im allgemeinen ist alles Wissen, das wir in der materiellen
> Welt bekommen, von den drei Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur verunreinigt. Wissen jedoch, das nicht
> von den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur
> verunreinigt ist, wird transzendentales Wissen genannt.
> Sobald man in diesem transzendentalen Wissen verankert
> ist, befindet man sich auf der gleichen Ebene wie die
> Höchste Person. Diejenigen, die vom spirituellen Himmel
> nichts wissen, sind der Ansicht, die spirituelle Identität
> werde nach der Befreiung von den materiellen Tätigkeiten
> der materiellen Form formlos, ohne jede
> Verschiedenartigkeit. Doch wie es materielle
> Mannigfaltigkeit in dieser Welt gibt, so gibt es in der
> 
> spirituellen Welt ebenfalls Mannigfaltigkeit. Diejenigen,
> die sich hinsichtlich dieser Tatsache in Unwissenheit
> befinden, denken, spirituelle Existenz sei das Gegenteil von
> materieller Vielfalt. In Wirklichkeit aber nimmt man im
> spirituellen Himmel eine spirituelle Form an. Es gibt dort
> spirituelle Tätigkeiten, und die spirituelle Situation wird
> hingebungsvolles Leben genannt. Diese Atmosphäre gilt als
> unverunreinigt, und man ist dort dem Höchsten Herrn
> eigenschaftsmäßig gleichgestellt. Um solches Wissen zu
> bekommen, muss man alle spirituellen Eigenschaften
> entwickeln. Wer solche spirituellen Eigenschaften
> entwickelt, wird weder von der Erschaffung noch von der
> Zerstörung der materiellen Welt beeinflusst.
> 
> VERS 3
> Die gesamte materielle Substanz, Brahman genannt, ist
> die Quelle der Geburt, und es ist dieses Brahman, das
> Ich befruchte, so dass die Geburten aller Lebewesen
> möglich werden, o Sohn Bharatas.
> ERLÄUTERUNG
> 
> Das ist eine Erklärung der Welt: Alles, was geschieht, ist
> auf die Verbindung von ksetra und ksetrajna, dem Körper
> und der spirituellen Seele, zurückzuführen. Diese
> Verbindung der materiellen Natur und des Lebewesens
> wird vom Höchsten Gott Selbst ermöglicht. Das
> mahat-tattva ist die gänzliche Ursache der gesamten kosmischen
> Manifestation, und weil es in der gesamten Substanz
> der materiellen Ursache drei Erscheinungsweisen der Natur
> gibt, wird diese Substanz manchmal auch Brahman
> genannt. Die Höchste Persönlichkeit befruchtet diese
> gesamte Substanz, und so werden unzählige Universen
> möglich. Diese gesamte materielle Substanz, das
> mahat-tattva, wird in der vedischen Literatur als Brahman
> beschrieben: In dieses Brahman werden die Samen der
> Lebewesen von der Höchsten Person eingegeben. Die
> vierundzwanzig Elemente, angefangen mit Erde, Wasser,
> Feuer und Luft, bestehen alle aus materieller Energie, die
> auch als maha-brahma (das große Brahman) oder
> materielle Natur bezeichnet wird. Wie im Siebten Kapitel
> erklärt wird, befindet sich jenseits davon eine andere,
> höhere Natur - das Lebewesen. Durch den Willen der
> Höchsten Persönlichkeit Gottes wird die höhere Natur mit
> der materiellen Natur vermischt, und dann werden alle
> Lebewesen aus dieser materiellen Natur geboren.
> Der Skorpion legt seine Eier in Reishaufen, und manchmal
> heißt es, der Skorpion sei aus dem Reis geboren; doch der
> Reis ist nicht die Ursache des Skorpions. In Wirklichkeit
> wurden die Eier von der Mutter gelegt. In ähnlicher Weise
> ist die materielle Natur nicht die Ursache der Geburt der
> Lebewesen. Der Same wird von der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes gegeben, und es scheint nur, als seien
> die Lebewesen Produkte der materiellen Natur. Jedes
> Lebewesen nimmt seinen vergangenen Tätigkeiten gemäß
> einen Körper an, der von der materiellen Natur geschaffen
> wird, und das Lebewesen kann je nach seinen vergangenen
> Taten genießen oder muss leiden. Der Herr ist die Ursache
> aller Manifestationen von Lebewesen in der materiellen
> Welt.
> 
> VERS 4
> O Sohn Kuntis, man sollte verstehen, dass alle Arten des
> Lebens durch Geburt in der materiellen Natur
> ermöglicht werden und dass Ich der samengebende
> Vater bin.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers wird eindeutig erklärt, dass die Höchste
> Persönlichkeit Gottes, Krsna, der ursprüngliche Vater aller
> Lebewesen ist. Die Lebewesen sind Verbindungen der
> materiellen Natur mit der spirituellen Natur. Solche
> Lebewesen kann man nicht nur auf diesem Planeten finden,
> sondern auf jedem anderen - sogar auf dem höchsten, wo
> Brahma lebt. Überall gibt es Lebewesen; in der Erde sind
> Lebewesen, sogar im Wasser und im Feuer. All diese
> Erscheinungen haben ihren Ursprung in der Mutter, der
> materiellen Natur, und in Krsnas Samengebung. Die
> Lebewesen, die in die materielle Welt eingegeben wurden,
> nehmen zur Zeit der Schöpfung entsprechend ihren
> vergangenen Taten einen Körper an.
> 
> VERS 5
> Die materielle Natur besteht aus den drei
> Erscheinungsweisen - Tugend, Leidenschaft und
> Unwissenheit. Wenn das Lebewesen mit der Natur in
> Berührung kommt, wird es von diesen
> Erscheinungsweisen bedingt.
> ERLÄUTERUNG
> Weil das Lebewesen transzendental ist, hat es mit der
> materiellen Natur nichts zu tun. Doch weil es von der
> materiellen Welt bedingt worden ist, handelt es im Bann
> der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Weil
> Lebewesen verschiedene Körper haben, nämlich den
> verschiedenen Aspekten der Natur gemäß, werden sie
> veranlasst, in Übereinstimmung mit dieser Natur zu
> handeln. Hierin liegt die Ursache ihres unterschiedlichen
> Glücks und Leids.
> 
> VERS 6
> O Sündloser, die Erscheinungsweise der Tugend, da
> reiner als die anderen, erleuchtet und befreit einen von
> allen sündhaften Reaktionen. Diejenigen, die sich in
> dieser Erscheinungsweise befinden, entwickeln Wissen,
> doch werden sie durch die Vorstellung, glücklich zu
> sein, bedingt.
> ERLÄUTERUNG
> Die von der materiellen Natur bedingten Lebewesen sind
> von verschiedener Art. Eines ist glücklich, ein anderes sehr
> aktiv und wieder ein anderes hilflos. All diese Arten
> psychologischer Manifestationen sind Ursachen für den
> bedingten Zustand der Lebewesen in der materiellen Natur.
> Wie sie auf unterschiedliche Weise bedingt sind, wird in
> diesem Teil der Bhagavad-Gita erklärt. Als erstes wird die
> Erscheinungsweise der Tugend dargestellt. Die Folge
> davon, dass man in der materiellen Welt die
> Erscheinungsweise der Tugend entwickelt, besteht darin,
> dass man weiser wird als diejenigen, die auf andere Weise
> bedingt sind. Ein Mensch in der Erscheinungsweise der
> Tugend ist nicht so sehr von materiellen Leiden
> heimgesucht, und er hat einen Sinn dafür, auf dem Gebiet
> materiellen Wissens Fortschritte zu machen. Der typische
> Vertreter ist der brahmana, von dem man annimmt, dass er
> sich in der Erscheinungsweise der Tugend befindet. Dieses
> Gefühl des Glücks hat seine Ursache im Verständnis, dass
> man in der Erscheinungsweise der Tugend mehr oder weniger
> frei von sündhaften Reaktionen ist. In der vedischen
> Literatur heißt es, dass die Erscheinungsweise der Tugend
> größeres Wissen und ein höheres Glücksgefühl bedeute.
> Die Schwierigkeit liegt darin, dass ein Lebewesen in der
> Erscheinungsweise der Tugend dadurch bedingt wird, dass
> es glaubt, ein hohes Wissen zu besitzen und besser zu sein
> als andere. Auf diese Weise wird es bedingt. Die besten
> 
> Beispiele sind Wissenschaftler und Philosophen: Beide sind
> sehr stolz auf ihr Wissen, und weil sie im allgemeinen ihre
> Lebensumstände verbessern können, empfinden sie eine An
> materiellen Glücks. Dieses Gefühl fortgeschrittenen Glücks
> im bedingten Leben bindet sie durch die Erscheinungsweise
> der Tugend der materiellen Natur. Folglich fühlen sie sich
> dazu hingezogen, in der Erscheinungsweise der Tugend zu
> handeln, und solange sie eine Anziehung verspüren, in
> dieser Weise tätig zu sein, müssen sie irgendeinen Körper
> in den Erscheinungsweisen der Natur annehmen. Somit ist
> es unwahrscheinlich, dass sie befreit werden oder in die
> spirituelle Welt gelangen. Immer wieder mag man
> Philosoph, Wissenschaftler oder Dichter werden und sich
> somit wiederholt in die gleichen Nachteile von Geburt und
> Tod verstricken, doch aufgrund der illusionierenden
> Wirkung der materiellen Energie glaubt man, ein solches
> Leben sei angenehm.
> 
> VERS 7
> Die Erscheinungsweise der Leidenschaft wird aus
> grenzenlosen Wünschen und Sehnsüchten geboren, o
> Sohn Kuntis, und deshalb ist man an materielle
> fruchtbringende Tätigkeiten gebunden.
> ERLÄUTERUNG
> Die Erscheinungsweise der Leidenschaft ist durch die
> Anziehung zwischen Mann und Frau gekennzeichnet. Die
> Frau verspürt eine Anziehung zum Mann, und der Mann
> verspürt eine Anziehung zur Frau. Das bezeichnet man als
> Erscheinungsweise der Leidenschaft. Und wenn die
> Erscheinungsweise der Leidenschaft zunimmt, entwickelt
> man das Verlangen nach materiellem Genuss. Man möchte
> die Befriedigung der Sinne genießen. Um der
> Sinnenbefriedigung willen strebt ein Mann in der
> Erscheinungsweise der Leidenschaft nach Ehre in der
> Gesellschaft oder Nation, nach einer glücklichen Familie
> mit netten Kindern, einer schönen Frau und einem eigenen
> Haus. Das sind die Produkte der Erscheinungsweise der
> Leidenschaft. Solange man sich nach diesen Dingen sehnt,
> muss man sehr schwer arbeiten. Deshalb wird hier klar
> gesagt, dass man mit den Früchten seines Tuns in
> Berührung kommt und dementsprechend durch solches Tun
> gebunden wird. Um seine Frau, seine Kinder und seine
> Gesellschaft zu erfreuen und um sein Ansehen zu wahren,
> muss man arbeiten. Deshalb steht die ganze materielle Welt
> mehr oder weniger unter dem Einfluss der
> Erscheinungsweise der Leidenschaft. Die moderne
> Zivilisation hat in der Erscheinungsweise der Leidenschaft
> großen Fortschritt gemacht. Vormals galt das Leben in der
> Erscheinungsweise der Tugend als fortgeschritten. Wenn es
> schon für Menschen in der Erscheinungsweise der Tugend
> keine Befreiung gibt, was soll man dann von denen sagen,
> die in die Erscheinungsweise der Leidenschaft verstrickt
> sind?
> 
> VERS 8
> O Sohn Bharatas, die Erscheinungsweise der
> Unwissenheit verursacht die Täuschung aller
> Lebewesen. Die Folgen dieser Erscheinungsweise sind
> Irrsinn, Trägheit und Schlaf, die die bedingte Seele
> binden.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers ist der besondere Gebrauch des Wortes tu
> sehr bemerkenswert. Dies bedeutet, dass die Erscheinungsweise 
> der Unwissenheit eine sehr seltsame Eigenart
> der verkörperten Seele ist. Diese Erscheinungsweise
> ist genau das Gegenteil der Erscheinungsweise der Tugend.
> In der Erscheinungsweise der Tugend kann man durch die
> Entwicklung von Wissen verstehen, was was ist, doch die
> Erscheinungsweise der Unwissenheit ist genau das
> Gegenteil. Jeder im Bann der Unwissenheit wird verrückt,
> und ein Verrückter kann nicht verstehen, was was ist.
> Anstatt vorwärts zu gehen, entartet man. Die Definition der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit findet man in der
> vedischen Literatur: Im Bann der Unwissenheit kann man
> ein Ding nicht so verstehen, wie es ist. Zum Beispiel kann
> jeder verstehen, dass sein Großvater gestorben ist und dass er
> daher ebenfalls sterben wird - der Mensch ist also
> sterblich. Die Kinder, die man bekommt, werden ebenfalls
> sterben. Der Tod ist also sicher. Dennoch raffen die
> Menschen wie verrückt Geld zusammen und arbeiten Tag
> und Nacht sehr schwer, ohne sich um die ewige Seele zu
> kümmern. Das ist Irrsinn. In ihrer Verrücktheit weigern sie
> sich, Fortschritte im spirituellen Verständnis zu machen.
> Solche Menschen sind sehr träge, und wenn sie
> aufgefordert werden, in unserer Gemeinschaft spirituelles
> Verständnis zu entwickeln, haben sie kein großes Interesse.
> Sie sind nicht einmal aktiv wie der von der Erscheinungsweise
> der Leidenschaft beherrschte Mensch. Ein weiteres
> Merkmal von jemandem, der in die Erscheinungsweise der
> Unwissenheit versunken ist, zeigt sich an seinem Bedürfnis,
> mehr zu schlafen als notwendig ist. Sechs Stunden Schlaf
> reichen aus, doch jemand in der Erscheinungsweise der
> Unwissenheit schläft mindestens zehn bis zwölf Stunden
> täglich. Ein solcher Mensch scheint immer
> niedergeschlagen zu sein und ist Rauschmitteln und dem
> Schlaf verfallen. Dies sind die Symptome eines Menschen,
> der durch die Erscheinungsweise der Unwissenheit bedingt
> ist.
> 
> VERS 9
> In der Erscheinungsweise der Tugend wird man durch
> Glück, in Leidenschaft durch die Früchte des Tuns und
> in Unwissenheit durch Irrsinn bedingt.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Mensch in der Erscheinungsweise da Tugend findet
> durch seine Arbeit oder sein intellektuelles Streben
> Befriedigung. Ein Philosoph, Wissenschaftler oder Erzieher
> zum Beispiel, der sich mit einem besonderen Wissensgebiet
> befasst, mag auf diese Weise Befriedigung erfahren. Ein
> Mensch in der Erscheinungsweise der Leidenschaft mag
> fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen; er besitzt so viel,
> wie er kann, und spendet für gute Zwecke. Manchmal
> versucht er, Krankenhäuser zu eröffnen,
> Wohlfahrtseinrichtungen zu unterstützen usw. Das sind die
> Kennzeichen eines Menschen in der Erscheinungsweise der
> Leidenschaft. Die Erscheinungsweise der Unwissenheit
> bedeckt Wissen. Was immer man in der Erscheinungsweise
> der Unwissenheit tut, ist weder für einen selbst noch für
> andere gut.
> 
> VERS 10
> Manchmal gewinnt die Erscheinungsweise der
> Leidenschaft die Oberhand und besiegt die
> Erscheinungsweise der Tugend, o Nachkomme
> Bharatas, manchmal besiegt die Erscheinungsweise der
> Tugend die Leidenschaft, und ein anderes Mal besiegt
> die Erscheinungsweise der Unwissenheit Tugend und
> Leidenschaft. Auf diese Weise findet ein ständiger
> Kampf um Vorherrschaft statt.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn die Erscheinungsweise der Leidenschaft vorherrscht,
> sind die Erscheinungsweisen der Tugend und Unwissenheit
> besiegt. Wenn die Erscheinungsweise der Tugend
> vorherrscht, sind Leidenschaft und Unwissenheit besiegt.
> Und wenn die Erscheinungsweise der Unwissenheit
> vorherrscht, sind Leidenschaft und Tugend besiegt. Dieser
> Kampf findet ständig statt. Wenn man daher tatsächlich die
> Absicht hat, im Krsna-Bewusstsein Fortschritte zu machen,
> muss man diese drei Erscheinungsweisen transzendieren.
> Die Vorherrschaft einer bestimmten Erscheinungsweise der
> Natur manifestiert sich bei einem Menschen in seinem
> Verhalten, in seinen Tätigkeiten, in seinen Eßgewohnheiten
> usw. All das wird in späteren Kapiteln erklärt werden.
> Doch wenn man gewillt ist, kann man durch Übung die
> Erscheinungsweise der Tugend entwickeln und so die
> Erscheinungsweisen der Unwissenheit und Leidenschaft
> besiegen. In ähnlicher Weise kann man die Erscheinungsweise
> der Leidenschaft entwickeln und Tugend und
> Unwissenheit besiegen. Oder man kann die
> Erscheinungsweise der Unwissenheit entwickeln und
> Tugend und Leidenschaft besiegen. Obwohl diese drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur da sind, kann
> man, wenn man entschlossen ist, mit der
> Erscheinungsweise der Tugend gesegnet werden, und
> indem man die Erscheinungsweise der Tugend transzendiert,
> wird man in reiner Tugend verankert, was auch
> vasudeva-Zustand genannt wird, ein Zustand, in dem man
> die Wissenschaft von Gott verstehen kann. An der
> Manifestation bestimmter Tätigkeiten kann man erkennen,
> in welcher Erscheinungsweise der Natur sich jemand
> befindet.
> 
> VERS 11
> Die Manifestationen der Erscheinungsweise der Tugend
> können erfahren werden, wenn alle Tore des Körpers
> durch Wissen erleuchtet sind.
> ERLÄUTERUNG
> Es gibt neun Tore im Körper: zwei Augen, zwei Ohren,
> zwei Nasenlöcher, den Mund, das Geschlechtsteil und den
> After. Wenn in jedem Tor das Zeichen der Tugend leuchtet,
> sollte man verstehen, dass man die Erscheinungsweise der
> Tugend entwickelt hat. In der Erscheinungsweise der
> Tugend kann man die Dinge in der richtigen Perspektive
> sehen, hören und schmecken. Man wird innerlich und
> äußerlich gereinigt. In jedem Tor entwickeln sich
> Symptome des Glücks - das ist der Zustand in der
> Erscheinungsweise der Tugend.
> VERS 12
> O Oberhaupt der Bharatas, wenn die
> Erscheinungsweise der Leidenschaft zunimmt,
> entwickeln sich Anzeichen von großer Anhaftung,
> unbeherrschtem Verlangen, Begehren und großer
> Anstrengung.
> ERLÄUTERUNG
> Ein Mensch in der Erscheinungsweise der Leidenschaft ist
> niemals mit der Position zufrieden, die er erreicht hat; er
> strebt immer danach, seine Position zu verbessern. Wenn er
> ein Haus bauen möchte, versucht er alles, um einen Palast
> zu bekommen - als ob er in diesem Haus ewig wohnen
> könnte. Und er entwickelt ein starkes Verlangen nach
> Sinnenbefriedigung. Sinnenbefriedigung kennt keine
> Grenzen. Er möchte für immer mit seiner Familie in seinem
> Haus bleiben und seine Sinne befriedigen. Hierfür gibt es
> kein Ende. All diese Symptome sollten als Kennzeichen der
> Erscheinungsweise der Leidenschaft verstanden werden.
> 
> VERS 13
> O Sohn Kurus, wenn die Erscheinungsweise der
> Unwissenheit zunimmt, machen sich Irrsinn, Illusion,
> Untätigkeit und Dunkelheit deutlich bemerkbar.
> ERLÄUTERUNG
> Wenn Erleuchtung fehlt, ist kein Wissen da. Ein Mensch in
> der Erscheinungsweise der Unwissenheit handelt nach
> keinem regulierenden Prinzip; er möchte seinen Launen
> nachgeben und sinnlos handeln. Obwohl er die Fähigkeit
> hat zu arbeiten, bemüht er sich nicht. Das nennt man
> Illusion. Obwohl Bewusstsein da ist, verläuft das Leben in
> Untätigkeit. Das sind die Symptome eines Menschen in der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit.
> 
> VERS 14
> Wer in der Erscheinungsweise der Tugend stirbt,
> erreicht die reinen, höheren Planeten.
> ERLÄUTERUNG
> Jemand in Tugend erreicht höhere Planetensysteme wie
> Brahmaloka oder Janaloka und genießt dort himmlische
> Freuden. Das Wort amalan ist wichtig; es bedeutet "frei
> von den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und
> Unwissenheit". Die materielle Welt ist voller Unreinheiten,
> doch die Erscheinungsweise der Tugend ist die reinste
> Form der Existenz in der materiellen Welt. Es gibt für die
> verschiedenen Arten der Lebewesen verschiedene Arten
> von Planeten. Diejenigen, die in der Erscheinungsweise der
> Tugend sterben, werden zu den Planeten erhoben, auf
> denen große Weise und Gottgeweihte leben.
> 
> VERS 15
> Wenn man in der Erscheinungsweise der Leidenschaft
> stirbt, wird man unter denen geboren, die
> fruchtbringenden Tätigkeiten nachgehen, und wenn
> man in der Erscheinungsweise der Unwissenheit stirbt,
> wird man im Königreich der Tiere geboren.
> 
> ERLÄUTERUNG
> Manche Menschen haben den Eindruck, wenn die Seele
> einmal die Stufe des menschlichen Lebens erreicht habe,
> falle sie nie wieder herunter. Das ist nicht richtig. Nach der
> Aussage dieses Verses sinkt man nach dem Tod auf die
> tierische Stufe des Lebens zurück, wenn man die
> Erscheinungsweise der Unwissenheit entwickelt. Von dort
> muss man sich durch den Evolutionsvorgang allmählich
> wieder erheben, um erneut zur menschlichen Form des
> Lebens zu kommen. Daher sollten diejenigen, die das
> menschliche Leben ernstnehmen, die Erscheinungsweise
> der Tugend entwickeln und darauf durch guten Umgang die
> Erscheinungsweisen transzendieren und im
> Krsna-Bewusstsein verankert werden. Das ist das Ziel des
> menschlichen Lebens. Ergreift der Mensch diese
> Gelegenheit nicht, ist es nicht sicher, dass er im nächsten
> Leben wieder die menschliche Stufe des Lebens erreicht.
> 
> VERS 16
> Indem man in der Erscheinungsweise der Tugend
> handelt, wird man gereinigt. Tätigkeiten, die in der
> Erscheinungsweise der Leidenschaft verrichtet werden,
> enden in Leid, und Handlungen, die in der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit ausgeführt
> werden, enden in Dummheit.
> ERLÄUTERUNG
> Durch fromme Tätigkeiten in der Erscheinungsweise der
> Tugend wird man gereinigt; deshalb sind die Weisen, die
> frei von jeder Illusion sind, im Glück verankert. In
> ähnlicher Weise sind Tätigkeiten in der Erscheinungsweise
> der Leidenschaft nur leidvoll. Jede Handlung für
> materielles Glück ist zum Scheitern verurteilt. Will man
> zum Beispiel ein Hochhaus bauen, muss so viel
> menschliches Leid in Kauf genommen werden, bevor ein
> solches Gebäude errichtet werden kann. Der Finanzierende
> muss sich sehr abmühen, um viel Geld anzuhäufen, und
> diejenigen, die das Haus bauen, müssen schwere
> körperliche Arbeit leisten und sich abplagen. Leiden sind
> also da. Deshalb sagt die Bhagavad-Gita, dass jede
> Tätigkeit, die im Bann der Erscheinungsweise der
> Leidenschaft ausgeführt wird, mit Sicherheit viel Leid mit
> sich bringt. Es mag ein wenig sogenanntes mentales Glück
> geben - "Ich besitze dieses Haus oder Geld" -, aber das
> ist kein wahres Glück. Wer in der Erscheinungsweise der
> Unwissenheit handelt, verfügt über kein Wissen, und
> deshalb enden alle seine Tätigkeiten in diesem Leben in
> Leid, und danach wird er auf die tierische Stufe des Lebens
> zurücksinken. Tierisches Leben ist immer leidvoll, obwohl
> die Tiere dies im Bann der illusionierenden Energie, maya,
> nicht verstehen. Das Schlachten unschuldiger Tiere hat
> ebenfalls seine Ursache in der Erscheinungsweise der
> Unwissenheit. Die Tiermörder wissen nicht, dass das Tier in
> der Zukunft einen Körper haben wird, der geeignet ist, sie
> zu töten. So lautet das Gesetz der Natur. Wenn jemand in
> der menschlichen Gesellschaft einen anderen Menschen
> tötet, muss er dafür gehängt werden. Das ist das Gesetz des
> Staates. In ihrer Unwissenheit erkennen die Menschen
> jedoch nicht, dass es einen vollkommenen Staat gibt, der
> vom Höchsten Herrn regiert wird. Jedes Lebewesen ist ein
> Sohn des Höchsten Herrn, und der Herr duldet nicht
> einmal, dass eine Ameise getötet wird. Man muss dafür
> bezahlen. Tiere zu töten, um die Zunge zu befriedigen, ist
> die gröbste Form von Unwissenheit. Der Mensch braucht
> keine Tiere zu töten, denn Gott hat für so viele schöne
> Dinge gesorgt. Wenn man trotzdem ßeisch ißt, handelt
> man in der Erscheinungsweise der Unwissenheit und baut
> sich eine sehr düstere Zukunft auf. Von allen Arten des Tieret
> ötens ist das Töten der Kuh am niederträchtigsten, denn
> die Kuh schenkt uns so viel Freude, indem sie uns mit
> Milch versorgt. Das Schlachten der Kuh ist eine Handlung
> gröbster Unwissenheit. In der vedischen Literatur deuten
> die Worte gobhih priniita-matsaram an, dass sich jemand in
> gröbster Unwissenheit befindet, wenn er eine Kuh
> schlachten will, obwohl er mit ihrer Milch völlig zufrieden
> ist. In den vedischen Schriften finden wir auch folgendes
> Gebet:
> "Mein Herr, Du bist der wohlmeinende Freund der Kühe
> und der brahmanas, und Du bist der wohlmeinende Freund
> der ganzen menschlichen Gesellschaft und der Welt."
> Bedeutsam ist, dass in diesem Gebet besonders der Schutz
> der Kühe und der brahmanas erwähnt wird. Brahmanas
> sind das Symbol spiritueller Bildung, und die Kuh ist das
> Symbol der wertvollsten Nahrung; daher muss diesen
> beiden Geschöpfen, den brahmanas und den Kühen, aller
> Schutz gewährt werden - das ist wirklicher Fortschritt
> einer Zivilisation. In der modernen menschlichen
> Gesellschaft wird spirituelles Wissen vernachlässigt und
> das Schlachten von Kühen gefördert.
> Man kann daraus schließen, dass die menschliche
> Gesellschaft in die falsche Richtung geht und sich so den
> Weg zu ihrer eigenen Verdammung ebnet. Eine Zivilisation,
> die die Bürger dahin führt, im nächsten Leben Tiere
> zu werden, ist gewiss keine menschliche Zivilisation. Die
> gegenwärtige Gesellschaft ist offensichtlich sehr stark von
> den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und
> Unwissenheit irregeführt. Wir leben in einem sehr
> gefährlichen Zeitalter, und daher sollten sich alle Nationen
> darum bemühen, den einfachen Vorgang des
> Krsna-Bewusstseins zu verbreiten, um die Menschheit vor
> der größten Gefahr zu bewahren.
> 
> VERS 17
> Aus der Erscheinungsweise der Tugend entwickelt sich
> wirkliches Wissen; aus der Erscheinungsweise der
> Leidenschaft entwickelt sich Leid, und aus der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit entwickeln sich
> Dummheit, Irrsinn und Illusion.
> ERLÄUTERUNG
> Weil die gegenwärtige Zivilisation den Lebewesen nicht
> sehr zuträglich ist, wird Krsna-Bewusstsein empfohlen. Mit
> Hilfe des Krsna-Bewusstseins wird die Gesellschaft die
> Erscheinungsweise der Tugend entwickeln. Wenn die
> Erscheinungsweise der Tugend entwickelt ist, werden die
> Menschen die Dinge so sehen, wie sie sind. In der
> Erscheinungsweise der Unwissenheit sind die Menschen
> genau wie Tiere und können die Dinge nicht klar sehen. In
> der Erscheinungsweise der Unwissenheit können die
> Menschen zum Beispiel nicht erkennen, dass sie beim
> Schlachten von Tieren Gefahr laufen, im nächsten Leben
> vom gleichen Tier getötet zu werden. Weil den Menschen
> nicht wirkliches Wissen vermittelt worden ist, handeln sie
> verantwortungslos. Um diese Verantwortungslosigkeit zu
> beenden, muss es eine Erziehung geben, die der Menschheit
> hilft, die Erscheinungsweise der Tugend zu entwickeln.
> Wenn die Menschen in der Erscheinungsweise der Tugend
> erzogen worden sind, werden sie besonnen werden, weil sie
> genau wissen, wie sich die Dinge verhalten. Dann werden
> sie glücklich sein, und es wird allgemeiner Wohlstand
> herrschen. Selbst wenn die Mehrheit der Menschen nicht
> glücklich und wohlhabend ist, besteht die Möglichkeit für
> Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt, wenn ein
> gewisser Prozentsatz der Bevölkerung Krsna-Bewusstsein
> entwickelt und in der Erscheinungsweise der Tugend
> verankert wird. Andernfalls - wenn die Welt den 
> Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit ergeben
> ist - wird es niemals Frieden oder Wohlstand geben. In
> der Erscheinungsweise der Leidenschaft werden die
> Menschen gierig, und ihr Begehren nach
> Sinnenbefriedigung kennt keine Grenzen. Aber selbst wenn
> genügend Geld und ausreichende Möglichkeiten für
> Sinnenbefriedigung vorhanden sind, kann man beobachten,
> dass sie weder Glück noch inneren Frieden gefunden haben.
> Glück und Frieden sind nicht möglich, solange man unter
> dem Einfluss der Erscheinungsweise der Leidenschaft steht.
> Wenn man glücklich sein will, kann einem Geld nicht
> helfen; man muss sich vielmehr zur Erscheinungsweise der
> Tugend erheben, indem man Krsna-Bewusstsein praktiziert.
> Wer in der Erscheinungsweise der Leidenschaft handelt, ist
> nicht nur mental unglücklich, sondern auch sein Beruf und
> seine Beschäftigung sind sehr mühsam. Er muss so viele
> Pläne und Programme entwerfen, um genug Geld für die
> Erhaltung seines Status quo zu verdienen. Das ist alles mit
> Leid verbunden. In der Erscheinungsweise der
> Unwissenheit werden die Menschen verrückt. Weil ihre
> Lebensumstände leidvoll sind, suchen sie bei
> Rauschmitteln Zuflucht und sinken daher immer tiefer in
> Unwissenheit. Ihre Zukunft sieht sehr düster aus.
> 
> VERS 18
> Menschen, die sich in der Erscheinungsweise der
> Tugend befinden, gehen allmählich aufwärts zu den
> höheren Planeten; diejenigen in der Erscheinungsweise
> der Leidenschaft leben auf den irdischen Planeten, und
> diejenigen in der Erscheinungsweise der Unwissenheit
> fallen in die höllischen Welten hinab.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers werden die Ergebnisse von Handlungen in
> den drei Erscheinungsweisen der Natur ausführlicher
> beschrieben. Es gibt ein höheres Planetensystem, das aus
> den himmlischen Planeten besteht, wo jeder auf einer
> hohen Stufe steht. Je nachdem, wie weit man die
> Erscheinungsweise der Tugend entwickelt hat, kann man
> auf verschiedene Planeten in diesem System gelangen. Der
> höchste Planet ist Satyaloka oder Brahmaloka, wo Brahma,
> das Hauptlebewesen im Universum, residiert. Wir haben
> bereits festgestellt, dass wir uns die wunderbaren
> Lebensbedingungen auf Brahmaloka kaum vorstellen
> können, doch die höchste Lebensart, die Erscheinungsweise
> der Tugend, kann uns dorthin bringen.
> Die Erscheinungsweise der Leidenschaft ist gemischt. Sie
> liegt in der Mitte, zwischen den Erscheinungsweisen der
> Tugend und der Unwissenheit. Ein Mensch befindet sich
> nicht immer in einer unvermischten Erscheinungsweise,
> doch selbst wenn er sich ausschließlich in der
> Erscheinungsweise der Leidenschaft befände, würde er
> lediglich als König oder reicher Mann auf der Erde bleiben.
> Doch weil die Erscheinungsweisen gemischt auftreten,
> kann man auch absinken. Menschen auf dieser Erde, die
> sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft oder
> Unwissenheit befinden, können die höheren Planeten nicht
> gewaltsam mit einer Maschine erreichen. Auch besteht in
> der Erscheinungsweise der Leidenschaft die Möglichkeit,
> im nächsten Leben verrückt zu werden.
> Die niedrigste Eigenschaft, die Erscheinungsweise der
> Unwissenheit, wird hier als verabscheuungswürdig
> beschrieben. Es ist sehr gefährlich, die Erscheinungsweise
> der Unwissenheit zu entwickeln. Sie ist die niedrigste
> Eigenschaft der materiellen Natur. Unterhalb der
> 
> menschlichen Stufe gibt es acht Millionen Lebensformen:
> Säugetiere, Vögel, Reptilien, Bäume usw., und je nachdem,
> wie weit die Menschen die Erscheinungsweise der
> Unwissenheit entwickelt haben, werden sie in diese
> erbärmlichen Lebensbedingungen versetzt. Das Wort
> tamasaÉ ist hier sehr bedeutsam. TamasaÉ bezeichnet
> diejenigen, die fortgesetzt in der Erscheinungsweise der
> Unwissenheit bleiben, ohne sich zu einer höheren
> Erscheinungsweise zu erheben. Ihre Zukunft ist sehr düster.
> Für Menschen in den Erscheinungsweisen der
> Unwissenheit und Leidenschaft gibt es eine Möglichkeit,
> zur Erscheinungsweise der Tugend erhoben zu werden, und
> dieser Vorgang wird Krsna-Bewusstsein genannt; doch
> wenn man diese Gelegenheit nicht nutzt, wird man ohne
> Zweifel weiter in den niederen Erscheinungsweisen
> bleiben.
> 
> VERS 19
> Wenn du erkennst, dass es in allen Tätigkeiten nichts
> außer diesen Erscheinungsweisen der Natur gibt und
> dass der Höchste Herr zu all diesen Erscheinungsweisen
> in transzendentaler Stellung steht, kannst du Meine
> spirituelle Natur verstehen.
> ERLÄUTERUNG
> Man kann alle Tätigkeiten der Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur transzendieren, indem man sie einfach
> von den geeigneten Seelen richtig verstehen lernt. Der
> wahre spirituelle Meister ist Krsna, und Er offenbart dieses
> spirituelle Wissen Arjuna. In ähnlicher Weise muss man die
> Wissenschaft der Tatigkeiten in Beziehung zu den
> Erscheinungsweisen der Natur von vollkommen
> Krsna-bewussten Menschen erlernen. Sonst wird man sein
> Leben in die falsche Richtung lenken. Durch die
> Unterweisung eines echten spirituellen Meisters kann ein
> Lebewesen etwas über seine spirituelle Stellung, seinen
> materiellen Körper und seine Sinne erfahren und verstehen,
> wie es gefangen ist und wie es im Bann der materiellen 
> Erscheinungsweisen der Natur steht. Es ist hilflos, da es sich
> in der Gewalt dieser Erscheinungsweisen befindet, doch
> wenn es seine wirkliche Position erkennt, kann es die
> transzendentale Ebene erreichen, da es eine Vorstellung
> von spirituellem Leben bekommen hat. In Wirklichkeit ist
> es nicht das Lebewesen, das die verschiedenen Tätigkeiten
> ausführt. Es ist gezwungen zu handeln, weil es sich in
> einem bestimmten Körper befindet, der von einer
> bestimmten Erscheinungsweise der materiellen Natur
> dirigiert wird. Solange dem Lebewesen nicht von einer
> spirituellen Autorität geholfen wird, kann es nicht
> verstehen, in welcher Position es sich eigentlich befindet.
> Durch das Zusammensein mit einem echten spirituellen
> Meister kann es seine wirkliche Stellung erkennen, und
> durch dieses Verständnis kann es in völligem
> Krsna-Bewusstsein verankert werden. Ein Krsna-bewusster
> Mensch steht nicht im Bann der materiellen
> Erscheinungsweisen der Natur. Es wurde bereits im Siebten
> Kapitel erklärt, dass jemand, der sich Krsna ergeben hat,
> von den Tätigkeiten der materiellen Natur befreit ist.
> Folglich lässt für den, der die Dinge so sehen kann, wie sie
> wirklich sind, der Einfluss der materiellen Natur allmählich
> nach.
> 
> VERS 20
> Wenn das verkörperte Wesen fähig ist, diese drei
> Erscheinungsweisen zu transzendieren, kann es von
> Geburt, Tod, Alter und den damit verbundenen Leiden
> frei werden und schon in diesem Leben Nektar
> genießen.
> ERLÄUTERUNG
> In diesem Vers wird erklärt, wie man sogar im
> gegenwärtigen Körper völlig Krsna-bewusst in der
> transzendentalen Stellung verankert bleiben kann. Das
> Sanskritwort dehÖ bedeutet "verkörpert". Obwohl man sich
> in einem materiellen Körper befindet, kann man durch
> Fortschritt im spirituellen Wissen vom Einfluss der 
> Erscheinungsweisen der Natur befreit werden. Man kann das
> Glück spirituellen Lebens sogar schon im gegenwärtigen
> Körper genießen, da man nach Verlassen des Körpers mit
> Sicherheit zum spirituellen Himmel zurückkehren wird.
> Aber schon in diesem Körper kann man spirituelles Glück
> genießen. Mit anderen Worten: Hingebungsvoller Dienst
> im Krsna-Bewusstsein ist das Zeichen von Befreiung aus
> der materiellen Verstrickung. Das wird im Achtzehnten
> Kapitel erklärt werden. Wenn man vom Einfluss der
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur frei geworden
> ist, beginnt man mit hingebungsvollem Dienst.
> 
> VERS 21
> Arjuna fragte: O mein lieber Herr, an welchen
> Symptomen erkennt man jemanden, der zu diesen
> Erscheinungsweisen in transzendentaler Stellung steht,
> 
> wie verhält er sich, und wie transzendiert er die
> Erscheinungsweisen der Natur?
> ERLÄUTERUNG
> Arjunas Fragen in diesem Vers sind sehr aufschlussreich. Er
> möchte wissen, welche Symptome ein Mensch zeigt, der
> die materiellen Erscheinungsweisen bereits transzendiert
> hat. Er fragt zunächst nach den Merkmalen einer solchen
> transzendentalen Person. Wie kann man erkennen, dass
> jemand den Einfluss der Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur bereits transzendiert hat? Als zweites
> fragt er, wie ein solcher Mensch lebt und welchen
> Tätigkeiten er nachgeht. Sind diese reguliert oder
> unreguliert? Dann fragt Arjuna nach den Mitteln, mit denen
> man die transzendentale Natur erreichen kann. Dies ist sehr
> wichtig, denn solange man nicht die direkten Mittel kennt,
> mit deren Hilfe man immer in der Transzendenz verankert
> sein kann, ist es nicht möglich, solche Merkmale zu zeigen.
> All diese Fragen Arjunas sind also sehr wichtig und werden
> daher vom Herrn ausführlich beantwortet.
> 
> VERS 22-25
> Der Segenspendende Herr sprach: Wer Erleuchtung,
> Anhaftung und Täuschung weder Hasst, wenn sie
> gegenwärtig sind, noch nach ihnen verlangt, wenn sie
> verschwinden; wer dasitzt, als sei er unbeteiligt, weil er
> sich jenseits der materiellen Reaktionen der
> Erscheinungsweisen der Natur befindet; wer fest bleibt,
> da er weiß, dass allein die Erscheinungsweisen aktiv
> sind; wer Freude und Schmerz mit Gleichmut
> betrachtet und einen Erdklumpen, einen Stein und ein
> Goldstück mit gleichen Augen sieht; wer weise ist und
> Ruhm und Schmach als gleich ansieht; wer in Ehre und
> Unehre unverändert bleibt; wer Freund und Feind
> gleich behandelt und wer alle fruchtbringenden
> Unternehmungen aufgegeben hat - von einem solchen
> Menschen sagt man, er habe die Erscheinungsweisen
> der Natur transzendiert.
> ERLÄUTERUNG
> Arjuna stellte drei Fragen, und der Herr beantwortet sie
> eine nach der anderen. Krsna erklärt als erstes, dass ein in
> der Transzendenz verankerter Mensch niemanden beneidet
> und nichts begehrt. Wenn ein Lebewesen in einen
> materiellen Körper eingeschlossen in der materiellen Welt
> bleibt, kann man davon ausgehen, dass es von einer der drei
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur beherrscht wird.
> Wenn es den materiellen Körper tatsächlich verlassen hat,
> ist es nicht mehr in der Gewalt der materiellen
> Erscheinungsweisen der Natur. Solange es aber den Körper
> nicht verlassen hat, sollte es unbeteiligt sein. Es sollte sich
> im hingebungsvollen Dienst des Herrn betätigen, so dass es
> seine Identifizierung mit dem materiellen Körper von selbst
> vergißt. Wenn man ein körperliches Bewusstsein hat,
> handelt man nur, um die Sinne zu befriedigen, doch wenn
> man sein Bewusstsein auf Krsna lenkt, hört das Verlangen
> nach Sinnenbefriedigung von allein auf. Man braucht den
> materiellen Körper nicht, und man braucht auch nicht den
> Forderungen des materiellen Körpers nachzugeben. Die
> Eigenschaften der materiellen Erscheinungsweisen im
> Körper werden wirken, doch als spirituelle Seele ist das
> Selbst solchen Tätigkeiten fern. Wie kann es so losgelöst
> werden? Es hat nicht mehr den Wunsch, den Körper zu genießen;
> noch möchte es aus ihm herausgelangen. So in
> transzendentaler Stellung verankert, wird der Gottgeweihte
> von selbst frei. Er braucht nicht auf andere Weise zu
> versuchen, vom Einfluss der Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur frei zu werden.
> Die nächste Frage betrifft das Verhalten einer in der
> Transzendenz verankerten Person. Der Mensch mit
> materiellem Bewusstsein ist von sogenannter Ehre und
> Schmach, die den Körper betreffen, berührt: doch der in der
> Transzendenz verankerte Mensch ist weder von falscher
> Ehre noch von falscher Schmach beeinflusst. Er erfüllt seine
> Pflichten im Krsna-Bewusstsein und kümmert sich nicht, ob
> er geehrt oder beleidigt wird. Er nimmt Dinge an, die für
> die Ausübung seiner Pflicht im Krsna-Bewusstsein nützlich
> sind; ansonsten braucht er nichts Materielles - ganz
> gleich, ob es sich dabei um Steine oder Gold handelt. Er
> sieht in jedem einen guten Freund, der ihm hilft, im
> Krsna-Bewusstsein zu handeln, und er Hasst seinen sogenannten
> Feind nicht. Er ist jedem gleichgesinnt und sieht
> alles auf gleicher Ebene, denn er weiß sehr wohl, dass er
> nichts mit der materiellen Existenz zu tun hat. Soziale und
> politische Probleme berühren ihn nicht, denn er kennt das
> Wesen zeitweiliger Umwälzungen und Störungen. Er
> versucht nicht, etwas für sich selbst zu erlangen. Er kann
> alles für Krsna versuchen, doch für sich selbst erstrebt er
> nichts. Durch solches Verhalten wird man tatsächlich in der
> Transzendenz verankert.
> 
> VERS 26
> Wer sich völlig in hingebungsvollem Dienst betätigt und
> unter keinen Umständen zu Fall kommt, transzendiert
> augenblicklich die Erscheinungsweisen der materiellen
> Natur und erreicht so die Ebene des Brahman.
> ERLÄUTERUNG
> Dieser Vers ist die Antwort auf Arjunas dritte Frage: Was
> ist das Mittel, die transzendentale Stellung zu erreichen?
> Wie zuvor erklärt wurde, spielt sich das Geschehen in der
> materiellen Welt im Bann der Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur ab. Man sollte sich jedoch von den
> Tätigkeiten der Erscheinungsweisen der Natur nicht
> verwirren lassen: anstatt sein Bewusstsein mit solchen
> Tätigkeiten zu beschäftigen, sollte man sein Bewusstsein auf
> Krsna-bewusste Tätigkeiten übertragen. Krsna-bewusste
> Tätigkeiten sind als bhakti-yoga bekannt - immer für
> Krsna zu handeln. Das bezieht sich nicht nur auf Krsna,
> sondern auch auf Seine verschiedenen vollständigen
> Erweiterungen wie Rama und Narayaäa. Er hat unzählige
> Erweiterungen. Wer sich im Dienste einer der Formen
> Krsnas beschäftigt, gilt als in der Transzendenz verankert.
> Man sollte auch verstehen; dass alle Formen Krsnas völlig
> transzendental, voll Glückseligkeit, voll Wissen und ewig
> sind. Solche Persönlichkeiten Gottes sind allmächtig und
> allwissend, und sie besitzen alle transzendentalen
> Eigenschaften. Wenn man sich also mit unerschütterlicher
> Entschlossenheit im Dienste Krsnas oder Seiner
> vollständigen Erweiterungen beschäftigt, kann man diese
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur, die sehr schwer
> zu überwinden sind, leicht überwinden. Dies wurde bereits
> im Siebten Kapitel erklärt. Wer sich Krsna ergibt,
> übersteigt sogleich den Einfluss der Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur. Im Krsna-Bewusstsein oder
> hingebungsvollen Dienst tätig zu sein bedeutet, auf die
> gleiche Ebene wie Krsna zu kommen. Der Herr sagt, dass
> Sein Wesen ewig, glückselig und voll Wissen ist, und die
> Lebewesen sind winzige Bestandteile des Höchsten, ebenso
> wie Goldkörner Teile einer Goldmine sind.
> Dementsprechend ist die spirituelle Stellung des
> Lebewesens qualitativ eins mit Krsna. Der Unterschied in
> der Individualität besteht fort, denn sonst könnte von
> bhakti-yoga keine Rede sein. Bhakti-yoga bedeutet, dass es
> den Herrn und den Gottgeweihten gibt und dass zwischen
> dem Herrn und dem Gottgeweihten ein liebevoller
> Austausch besteht. Deshalb sind sowohl die Höchste
> Persönlichkeit Gottes als auch die individuelle Seele zwei
> verschiedene Individuen; andernfalls könnte es keinen
> bhakti-yoga geben. Solange man sich nicht in der gleichen
> transzendentalen Stellung wie der Herr befindet, kann man
> Ihm nicht dienen. Um der persönliche Ratgeber eines
> Königs zu sein, muss man sich qualifizieren. Qualifiziert zu
> sein bedeutet Brahman zu werden, das heißt frei von jeder
> materiellen Verunreinigung. In der vedischen Literatur
> heißt es: "Man kann das
> Höchste Brahman erreichen, wenn man selbst Brahman
> wird." Das bedeutet, dass man eigenschaftsmäßig mit dem
> Brahman eins werden muss. Wenn man das Brahman
> erreicht, verliert man jedoch nicht seine ewige
> Brahman-Identität als individuelle Seele.
> 
> VERS 27
> Ich bin die Grundlage des unpersönlichen Brahman, das
> die wesensgemäße Stellung endgültigen Glücks und das
> unsterblich, unvergänglich und ewig ist.
> ERLÄUTERUNG
> Das Brahman besteht aus Unsterblichkeit,
> Unvergänglichkeit, Ewigkeit und Glück. Das Brahman ist
> der Anfang transzendentaler Erkenntnis. Der Paramatma,
> die Überseele, ist die mittlere, die zweite Stufe in der
> transzendentalen Erkenntnis, und die Höchste
> Persönlichkeit Gottes ist die endgültige Erkenntnis der
> Absoluten Wahrheit. Daher sind sowohl der Paramatma als
> auch das unpersönliche Brahman in der Höchsten Person
> enthalten. Im Siebten Kapitel wird erklärt, dass die materielle
> Natur die Manifestation der niederen Energie des
> Höchsten Herrn ist. Der Herr befruchtet die niedere,
> materielle Natur mit den Teilchen der höheren Natur - das
> ist der spirituelle Hauch in der materiellen Natur. Wenn ein
> durch die materielle Natur bedingtes Lebewesen spirituelles
> Wissen zu entwickeln beginnt, erhebt es sich über seine
> Position in der materiellen Welt und steigt allmählich zur
> Brahman-Auffassung vom Höchsten auf. Die
> Brahman-Auffassung vom Leben ist die erste Stufe der
> Selbstverwirklichung. Auf dieser Stufe ist der
> Brahman-verwirklichte Mensch transzendental zur
> materiellen Existenz, doch hat er noch nicht die
> Vollkommenheit der Brahman-Erkenntnis erreicht. Er kann
> entweder auf der Ebene des Brahman bleiben oder von dort
> allmählich zur Erkenntnis des Paramatma gelangen und
> schließlich die Höchste Persönlichkeit Gottes erkennen. In
> den vedischen Schriften gibt es hierfür viele Beispiele. Die
> vier Kumaras waren zunächst in der unpersönlichen
> Brahman-Auffassung von der Wahrheit verankert, doch
> dann stiegen sie allmählich zur Ebene hingebungsvollen
> Dienstes auf. Wer über die unpersönliche
> Brahman-Auffassung nicht hinausgelangen kann, läuft
> Gefahr, wieder herunterzufallen. Im Srimad-Bhagavatam
> heißt es: Selbst wenn jemand bis zur Stufe des unpersönlichen 
> Brahman aufsteigt, ist seine Intelligenz immer
> noch nicht völlig klar, solange er nicht fortschreitet und die
> Höchste Person erkennt. Daher besteht, obwohl man zur
> Brahman-Ebene emporgestiegen sein mag, immer die
> Möglichkeit, wieder herunterzufallen, wenn man nicht im
> hingebungsvollen Dienst des Herrn beschäftigt ist. In der
> vedischen Sprache heißt es auch: "Wenn man die
> Persönlichkeit Gottes, das Behältnis aller Freude, Krsna,
> versteht, erlangt man tatsächlich transzendentale
> Glückseligkeit." Der Höchste Herr ist von sechs
> Reichtümern erfüllt, und wenn sich der Gottgeweibte Ihm
> zuwendet, findet ein Austausch dieser sechs Reichtümer
> statt. Der Diener des Königs genießt fast auf der gleichen
> Ebene wie der König. Hingebungsvoller Dienst wird daher
> von ewiger Freude, unvergänglicher Glückseligkeit und
> ewigem Leben begleitet. Folglich ist die Erkenntnis des
> Brahman oder der Ewigkeit oder der Unvergänglichkeit im
> hingebungsvollen Dienst enthalten. Jemand, der im hingebungsvollen
> Dienst tätig ist, besitzt bereits all diese
> Eigenschaften.
> Das Lebewesen, obwohl von Natur aus Brahman, hat den
> Wunsch, über die materielle Welt zu herrschen, und
> deshalb fällt es. In seiner wesensgemäßen Stellung steht ein
> Lebewesen über den drei Erscheinungsweisen der
> materiellen Natur, doch die Gemeinschaft mit der
> materiellen Energie verstrickt es in die verschiedenen 
> Erscheinungsweisen der materiellen Natur, Tugend,
> Leidenschaft und Unwissenheit. Durch hingebungsvollen
> Dienst in völligem Krsna-Bewusstsein jedoch wird es augenblicklich
> auf der transzendentalen Ebene verankert, und
> sein ungesetzliches Verlangen, die materielle Natur zu
> beherrschen, vergeht. Deshalb sollte der Vorgang des
> hingebungsvollen Dienstes, der mit Hören, Chanten und
> Sicherinnern beginnt, in der Gemeinschaft von
> Gottgeweihten praktiziert werden. Allmählich wird durch
> die Gemeinschaft von Gottgeweihten und durch den
> Einfluss des spirituellen Meisters das materielle Verlangen
> zu herrschen beseitigt, und man wird fest im transzendentalen
> liebevollen Dienst des Herrn verankert. Diese
> Methode wird in diesem Kapitel vom zweiundzwanzigsten
> bis zum letzten Vers beschrieben. Hingebungsvoller Dienst
> für den Herrn ist sehr einfach: Man sollte sich ständig im
> Dienst des Herrn beschäftigen; die Reste von Speisen essen,
> die dem Herrn dargebracht wurden; die Blumen riechen,
> die den Lotosfüßen des Herrn geopfert wurden; die Orte
> besuchen, an denen der Herr Seine transzendentalen Spiele
> offenbarte; von den verschiedenen Tätigkeiten des Herrn
> und Seinem liebevollen Austausch mit Seinen Geweihten
> lesen, immer die transzendentale Klangschwingung Hare
> Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama,
> Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare chanten und die
> Fasttage beachten, die an das Erscheinen und Fortgehen des
> Herrn und Seiner Geweihten erinnern. Wenn man diesem
> Vorgang folgt, löst man sich allmählich von allen
> materiellen Tätigkeiten. Wer sich auf diese Weise im
> brahmajyoti verankern kann, ist der Höchsten
> Persönlichkeit Gottes eigenschaftsmäßig gleichgestellt.
> 
> Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum
> Vierzehnten Kapitel der Srimad-Bhagavad-Gita mit dem
> Titel: „Die drei Erscheinungsweisen der materiellen
> Natur".
>
> — *VIERZEHNTES KAPITEL*

